Titelthema DIGITAL - CVJM AG
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AG 042020 ZWEI ODER DREI ONLINE VERSAMMELT UNGEAHNTE EXPLOSION DIGITALER ANGEBOTE ANALOG – DIGITAL – HYBRID Titelthema DIGITAL
INHALT
THEMA
Vor dem Bildschirm 3
Wird der CVJM digital? 4-5
Wenn nur Christus
verkündigt wird 6-7
Was bleibt übrig von zahlreichen
Online-Veranstaltungen? 8-9
Digitale Angebote für alle?! 10-11
Digitale Effekte im YMCA Peru 12-13
AUS DER AG – FÜR DIE AG
Digitale Kreativität EDITORIAL
in unseren Vereinen 14-15
LIEBE LESERINNEN
Vielseitige CVJM-Arbeit 16-17
UND LESER DER PFLUGSCHAR!
Gebetsknoten und Weltweit-
Wochenende 18 Man kann nicht sagen, dass die letzte Ausga- in unser CVJM-Leben integrieren wollen und
be der Pflugschar mit dem Thema „Potentiale was dazu unbedingt nötig ist.
Tagungskonzept der AG 19 der Krise“ und diese nun vorliegende Nummer
von langer Hand geplant waren. – Spontan Diese Pflugschar präsentiert eine vielfältige
Menschen im Blickpunkt 20-21 haben wir die Themen aufgegriffen, die uns Sammlung von Wahrnehmungen, Erlebnissen,
alle aus dem Geplanten herausgerissen und überraschenden Effekten, Einschätzungen,
weltweit:
Coronahilfe auf neue Spuren gesetzt, ja sogar gezwungen mit denen die einzelnen Autor_innen jeweils
in Togo und Peru 22-23 haben. offensichtlich nicht alleine sind. – So lassen
sich beim Durchlesen sicher schon Spuren für
Weitergehen 24 Die Gestaltung unseres Alltags und ganz be- die Zukunft identifizieren. Aber wir sind noch
sonders unserer CVJM-Arbeit, das Leben von auf dem Weg. Nach dem ersten Sprint ist es
Kontakten und Gemeinschaft haben wir mit nun Zeit für bewusste Schritte. – Wie wertvoll,
großem Tempo deutlich verändern müssen. dass wir auch an dieser Stelle wieder gemein-
IMPRESSUM Eine wesentliche Rolle hat dabei das Nutzen sam unterwegs sein und einander Impulse
Herausgeber: digitaler Medien eingenommen. Wiederholt und Unterstützung geben können! – Schon
Arbeitsgemeinschaft der CVJM Deutschlands; ist in dieser Pflugschar zu lesen, dass wir, allein mit dieser Pflugschar-Ausgabe.
Jürgen Baron (ViSdP)
Redaktion: was die Digitalität betrifft, vor der Corona-
Hirzsteinstr. 17, 34131 Kassel Pandemie eher wie ein Hund zum Jagen ge- Viel Gewinn beim Lesen und Verarbeiten!
Tel. (05 61) 3 14 99-99; Fax 3 14 99-98
www.cvjm-ag.de, Leitung: Birgit Pieper tragen werden mussten. Doch jetzt sind wir Wir gehen weiter und vertrauen einander
Abdruck, auch auszugsweise, Wiedergabe von Textbeiträ- aufgesprungen, wir haben die Notwendigkeit dem Schutz und der Kraft Gottes an.
gen und Illustrationen, sind nur mit ausdrücklicher Geneh-
migung der Redaktion gestattet. erkannt, uns die digitalen Medien untertänig
Verleger: zu machen, was an vielen Stellen gelungen ist.
Pflugschar-Verlag, Hirzsteinstr. 17, 34131 Kassel,
Tel. (05 61) 3 14 99 99, Der nächste Schritt nach dem so wertvollen, Mit herzlichen Grüßen,
E-Mail: pflugschar@cvjm-ag.de spontanen Agieren ist die Reflexion: Was ist eure Birgit
Layout: Dirk Liebern, Braunschweig
Konto der AG der CVJM Deutschlands: eigentlich in den letzten Monaten passiert?
Evangelische Bank Kassel Auf welchen Zug sind wir aufgesprungen?
IBAN: DE57 5206 0410 0000 0012 10
BIC: GENODEF1EK1 Wollen wir das eigentlich? Wollen wir so wei-
Druck: GemeindebriefDruckerei, Groß Oesingen ter (ver-)fahren? Die zielführende Frage ist
Das Magazin erscheint vierteljährlich mit
freundlicher Unterstützung durch das Bundesministerium schließlich, inwiefern wir digitales Arbeiten
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
02VOR DEM BILDSCHIRM
EURE SCHÖNHEIT SOLL VON INNEN KOMMEN
Ich hänge gefühlt drei Mal am Tag in einer jetzt, nach gefühlt 100 Meetings, sitze ich im geht es genauso, macht es das Ganze noch
Zoom-Konferenz, skype mit Kolleg_innen, unaufgeräumten Büro, trage meine Cap, habe viel lockerer und vertrauter; alles einen Tacken
treffe mich auf Itzy oder nehme an einem bequeme Klamotten an und nicke nicht mehr weniger aufgesetzt.
Webinar teil. nur brav in die Kamera:
Irgendwann ist mir das „egaler“ geworden, Dafür echt und real in diesen echt unrealen
Immer zwei bis zwanzig andere Leute sind mit und irgendwie ist das ganz schön entlastend, Zeiten.
dabei mit Ton und Bild. So heißt es hierzu passend in 1. Petrus 3,4:
Am Anfang war das noch voll aufregend: Mit dem fünften Meeting war „Eure Schönheit soll von innen kommen!
Okay, also wie stelle ich jetzt den Laptop mit ich langsam entspannter, mit Freundlichkeit und ein ausgeglichenes Wesen
der Kamera, was sieht man im Hintergrund als dem zehnten war mir die Kame- sind der unvergängliche Schmuck, der in Got-
Bildausschnitt, wie sehe ich aus und wie wirke raperspektive plötzlich schnuppe tes Augen Wert hat.“ (Gute Nachricht)
ich besonders interessiert?
dass das auf einmal so „normal“ ist, obwohl
Das war wie so eine Instagram-Welt für mich. mir das vorher alles super wichtig war.
Ich habe teilweise mehr darauf geachtet, wie Am Ende ist es im digitalen Leben so wie im
ich wirke, als darauf, was ich sage. analogen: Das Äußere spielt zwar schon ir-
Mit dem fünften Meeting war ich langsam gendwie eine Rolle, aber ganz bestimmt nicht Gerrit Diekmann
CVJM Münster
entspannter, mit dem zehnten war mir die die Hauptrolle. Da gibt es viel Wichtigeres!
Kameraperspektive plötzlich schnuppe und Und seitdem ich merke, den meisten anderen
03WIRD DER CVJM DIGITAL?
Manchmal muss man zu Veränderungen ge- Wir stellen fest, dass unsere Gesellschaft tat- Kinder und Jugendliche werden häufig nur
zwungen werden. Vor der Corona-Pandemie sächlich zusammenrücken kann. Es scheint in ihren Funktionen als Schülerinnen und
habe ich manches Mal den Wunsch gehört: so, als seien Solidarität und Zusammenhalt Schüler wahrgenommen. Unser Schulsystem
„Eigentlich müssten wir uns als CVJM im di- gewachsen. Politik und Behörden haben sehr hat enormen Nachholbedarf im digitalen Be-
gitalen Bereich weiterentwickeln…“ Allein schnell und umsichtig gehandelt. Viele Ver- reich. Um Kinder und Jugendliche als solche
die Wörter „eigentlich“ und „müssten“ sind eine berichten von einer nie für möglich ge- machen sich wenige Gedanken. Positiv im-
schon verdächtig: „Eigentlich“ will ich etwas, haltenen Zügigkeit bei der Bearbeitung von merhin, dass in den vergangenen Monaten
das ich aber gar nicht ernsthaft bereit bin zu Hilfsanträgen vor dem Sommer. Wir können die finanzielle Förderung für die Kinder- und
verändern. „Müsste“ ist grammatikalisch der also, wenn wir wollen. Jugendarbeit und Projekte weithin erhalten
Konjunktiv II, der auch als Irrealis bezeichnet oder sogar noch verstärkt wurde.
wird, was eigentlich schon alles sagt: unmög- Wir brauchen das Beste aus
lich oder unwahrscheinlich zu erreichen. „Ei- beiden Welten, der analogen und
gentlich müssten wir“ heißt also: „Tatsächlich der digitalen, und wir werden Digitale Lernerfahrungen
brauchen wir nicht“. über kurz oder lang auch dahin Wir haben hinzugelernt im CVJM. Wir ken-
kommen nen digitale Konferenz-Tools wie Zoom, Jitsi,
Und dann kam Corona. Und auf einmal Teams, GoTo-Meetings und andere. Viele Ver-
schießt die digitale Kompetenz in den CVJM Bemerkenswert ist, dass anscheinend die eine nutzen interaktive Formate wie Discord,
regelrecht durch die Decke. Aus dem „eigent- Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Mentimeter, Slack, Padlet, Trello, Actionbound
lich“ wird ein „jetzt“ und aus dem „müsste“ ein Familie doch noch nicht so weit ist, wie ge- und setzen es in digitalen Formaten der Ju-
„tun wir“. Die CVJM entdecken digitale Tools, dacht: In den Kurzarbeits- oder Homeoffice- gendarbeit ein. Virtuelle Veranstaltungen
treffen sich in Online-Räumen und setzen Phasen hängt die Familie wohl doch deutlich wie die geniale Koch-Show im Y-Not Café
virtuelle Veranstaltungen auf. Wird der CVJM stärker an den Müttern als an den Familien- des CVJM Berlin finden regen Zuspruch.
nun digital? Ich versuche dieser Frage mit ei- vätern. Über Youtube- oder Facebook-Live werden
nigen Überlegungen nachzugehen, die wir in Gottesdienste und Mitarbeiter-Abende über-
einer - wie konnte es anders sein - digitalen Und schließlich scheint eine ganze Genera- tragen. In virtuellen EscapeRooms suchen
Arbeitsgruppe ausgetauscht haben, nach- tion anscheinend politisch völlig übersehen Besucherinnen und Besucher einen Ausgang
zulesen unter: https://padlet.com/juergenb/ zu werden: „Generation Y - Danke für Nichts: und Werwolf und Codenames kann man auch
Bookmarks. Die Jungen erben die Klimakrise und die Co- online spielen. Es gibt Bibelkurse wie TheoBa-
rona-Schulden. Und sollen jetzt auch noch sis Zuhause, Online-Juleica-Schulungen und
Was lehrt uns die Corona-Krise? zurückstecken. Hier wird eine ganze Genera- digitale Alphakurse. In Medienkompetenz-
Zunächst beschäftigt uns die Frage: Was ler- tion um ihre Zukunft betrogen.“ (ZEIT online Workshops kann man sich in unterschied-
nen wir aus dieser Zeit? 15.06.2020) lichsten coolen Modulen fit machen.
04Manche Kollegen erzählen, sie hatten noch nie auf den Bildschirm schauen. Da die anderen Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen
so viele Gottesdienstbesucher wie im Online- dann aber nur im Augenwinkel zu sehen sind, da war oder nicht. Es ist schwer, Neue zu er-
Format. Schnell wurde aber auch klar, dass es erzeugt das so ein komisches Gefühl, dass es reichen.
nicht reicht, eine Veranstaltung einfach übers kaum jemand macht.
Internet zu streamen. Interaktive Elemente
und Beteiligungsmöglichkeiten sind elemen- Dieses Problem – beobachtet, aber nicht an- Vom Programm zum Leben
tar. Und die Technik muss klappen: „Wenn es geschaut zu werden – ist einer der Gründe, Wird der CVJM digital werden? Ja und Nein,
funktioniert, hast du gewonnen. Wenn nicht, warum uns Videocalls so müde machen. Die glaube ich.
hast du voll verloren“, so ein Kollege. Interaktion ist ungewohnt unnatürlich. Wir
Menschen sind es gewohnt, in Gesprächen Ich bin überzeugt, dass wir weiterhin digitale
auch nonverbale Hinweise unterbewusst Angebote nutzen werden. Sie sind gekommen,
Digitale Müdigkeit wahrzunehmen, damit wir die Situation bes- um zu bleiben. Und das ist gut so.
Auch wir in der AG-Geschäftsstelle haben in ser einschätzen können. In einem Interview
den vergangenen Wochen unseren Zoom- mit der britischen BBC sagte der Verhaltens- Gleichzeitig werden sie die persönliche Be-
Zugang stark genutzt. Allein mit den Treffen forscher und Professor Gianpiero Petriglieri: gegnung nicht ersetzen können. Als Men-
in den Regionen hatten wir über 50 Zoom- „Videochats bedeuten, dass es uns schwerer schen sind wir ganzheitliche Wesen, das hat
Meetings. Nicht weniger sind es im Bereich
der Freiwilligendienste.
„Für den postmodernen Wissensarbeiter ist
die Corona-Pandemie der ungebetene Beweis
Vom Programm-CVJM zum
Lebens-CVJM
dafür, wie sehr wir uns im Laufe der letzten
Jahre schon zu virtuellen Wesen gewandelt
haben. Die Technologie in Form von Zoom,
Skype und Whatsapp verhilft dem Menschen
einmal mehr dazu, nervige biologische Zwän-
ge zu überwinden“, schreibt die Süddeutsche fällt, nonverbale Hinweise wie Mimik, Stimm- schon die Bibel beschrieben. So sind wir von
Zeitung. lage oder Körpersprache zu lesen. Darauf stär- Gott gemeint. Im CVJM-Dreieck ist unsere
ker achten zu müssen verbraucht eine Menge Überzeugung von dem Menschen als Leib,
Sicher, wir sparen uns Fahrzeit und -kosten. Energie.“ Firmen wie Apple arbeiten deshalb Seele und Geist abgebildet. Digitale Formate
Online-Besprechungen sind effizient und ich schon an einer „Attention Correction“-Funk- sprechen aber in erster Linie den Verstand
erreiche in kurzer Zeit viel mehr Menschen, tion, die die Blickrichtung von Personen in an. Emotionen sind digital sehr schwer zu
als wenn sie oder ich durch die halbe Republik einem FaceTime-Chat automatisch in die vermitteln und die körperliche Ebene kommt
reisen müssen. Ich bin dankbar für diese Tools. Richtung der Kamera korrigiert. Obwohl das natürlich überhaupt nicht vor. Wenn wir aber
Gegenüber auf den Bildschirm schaut, soll der sprechen, reden wir nicht nur mit dem Mund
Und doch: Nach einem Tag mit sieben Stun- Gesprächspartner das Gefühl bekommen, er und hören mit den Ohren. Wir reden mit dem
den Zoom bin ich abends platt. Damit bin ich werde angeschaut. ganzen Körper und nehmen mit allen Sinnen
nicht alleine: „Zoom-Fatigue“ nennt sich der wahr. Deshalb sind Live-Begegnungen nicht
Erschöpfungszustand, der nicht weit vom Kein Wunder, dass ich nach so einem Tag ersetzbar. Auch deshalb sehnen wir uns da-
Burnout entfernt ist. Woher kommt diese Er- abends geschafft bin. Wird das so bleiben? nach, einander wieder begegnen zu dürfen.
scheinung? Jutta Rump ist Direktorin des Instituts für Ich habe am Ende des Sommers in einem
Beschäftigung und Employability (IBE) in Lud- Gottesdienst in einem AG-Verein gepredigt.
Zoom-Fatigue wigshafen. „Wir kehren nicht in die alte Welt 80 waren angemeldet, beinahe doppelt so
Ich sehe mich dauernd selbst auf dem Bild- zurück“, erklärt sie, „sondern es wird Misch- viele waren da. Open Air, alles gut. Aber das
schirm, muss ständig auf meine Aufmerk- formen geben. Wir brauchen das Beste aus zeigt genau diese Sehnsucht: einander zu be-
samkeit und meine Körperhaltung achten. beiden Welten, der analogen und der digita- gegnen und Leben miteinander zu teilen. Und
Zusätzlich bin ich abgelenkt durch den len, und wir werden über kurz oder lang auch wenn ich eines von der Pandemie lernen will,
Bildschirmhintergrund der anderen Teilneh- dahin kommen.“ dann dieses: Dass wir uns immer mehr vom
mer_innen: Sitzt sie etwa in der Küche? Zu Programm-CVJM zum Lebens-CVJM entwi-
welchem Zimmer wird wohl die rote Tapete Im krassen Gegensatz dazu gibt es aber dieje- ckeln.
gehören? Welche Bücher stehen dort alle im nigen, die digital abgehängt sind. Kinder, ins-
Regal? Schreibt er gerade Emails anstatt zu- besondere aus schwierigen Milieus, sind digi-
zuhören? Alle beobachten sich gegenseitig - tal meistens nicht vernetzt. Auch Geflüchtete
Jürgen Baron
aber niemand schaut jemanden an. Um dem sind unter anderem wegen der Sprachbarrie- AG-Generalsekretär
Gegenüber im virtuellen Raum das Gefühl ren schwer mit digitalen Medien zu erreichen.
zu geben, tatsächlich angeschaut zu werden, Entscheidend, ob ich virtuelle Kontakte halten
müssten alle direkt in die Kamera und nicht kann, ist letzten Endes ob bereits vorher eine
05CVJM - HERAUSGEFORDERT, MUTIG,
DIGITAL IN DIE ZUKUNFT
„WENN NUR CHRISTUS VERKÜNDIGT WIRD AUF JEDE WEISE, (…),
SO FREUE ICH MICH DARÜBER.“ (PHIL 1,18).
Hand aufs Herz: Freiwillig hätten viele die- lichkeit, die schon immer zu ihrem Leben ge- nativer Freizeitmodelle, mit denen Kinder und
sen riesigen Sprung in Sachen Digitalisierung hört. Unabhängig unserer Bewertung gilt: In Jugendliche erreicht werden konnten, die wir
nicht gemacht - auch im CVJM nicht. So vieles Deutschland besitzen 99% aller Jugendlichen nur schwer für analoge Freizeiten gewonnen
schien wichtiger und naheliegender, vor allem, ein Smartphone, das für viele zur Fernbedie- hätten.
weil es vertrauter war. Nun wurde mit einem nung des Lebens geworden ist. Wie großartig,
Mal alles langsame Herantasten an die „frem- dass es im CVJM viele junge Menschen gibt. Wir sind eine lernende Gemeinschaft
de Welt“ der Digitalität auf den Kopf gestellt. Sie verfügen über hohe digitale Kompeten- Gemeinsam sind wir derzeit eine große ler-
In dieser besonderen Zeit steckt eine beson- zen, erklären uns TIK TOK statt Facebook, an nende Gemeinschaft: Digitalkonferenzen,
dere Chance, ohne dass dabei die unfassbar das wir uns mühsam gewöhnt hatten. Wir interaktive Beteiligungsmöglichkeiten, Video-
dramatischen Auswirkungen jener Pandemie Tutorials und so vieles mehr. Es ist spürbar,
aus dem Blick geraten dürfen. In Sachen Di- Jesus und Martin Luther würden wie wir uns gegenseitig helfen. Wunderbar.
gitalisierung jedenfalls mussten wir irgendwie heute beide das Internet nutzen, Es gilt das Prinzip von „Trial and Error“: durch
zu unserem Glück gezwungen werden. um das Evangelium an die Enden Probieren zum Erfolg. Sicherheitsdenken und
Nach dem ersten Schock zu Beginn des Lock- der Erde zu bringen. Perfektionismus verlangsamen nur. Dabei ler-
downs waren auch im CVJM viele schnell von nen wir etwas noch Bedeutsameres: Fehler-
einem Pioniergeist mobilisiert. Es wurde das können an und mit ihnen lernen, was Refe- freundlichkeit. Sie muss künftig noch größer
Beste aus einer misslichen Situation gemacht. rentialität bedeutet und wie (globale) digitale geschrieben werden im CVJM.
Vieles ist noch provisorisch. Das ist kennzeich- Netzwerke entstehen. Was lange Zeit kritisch Und ich lerne auch das Prinzip der Aufmerk-
nend für Transformationsprozesse dieser Art. beäugt wurde, darf jetzt zur vollen Entfaltung samkeitsökonomie. Begrenzt ist durch das
Wir stecken mitten in einer globalen Meta- kommen. Lasst uns den Menschen, die über Internet nicht der Zugang zu Informationen,
morphose, die nur diese Generation erlebt. besondere digitale Begabungen und Kompe- sondern die menschliche Aufmerksamkeit.
Wie wunderbar, ein Teil davon sein zu können. tenzen verfügen, Raum geben. Gott sei Dank, Streng genommen müssten wir gemeinsam
dass es sie unter uns gibt. – Jene Mutigen, die fragen, ob „weniger nicht mehr ist“. Ästhetik,
Das besondere Potential junger bereits in den vergangenen Jahren großartige Kommunikation und Rezeption sind von zen-
Menschen digitale Verkündigungsformate entwickelten. traler Bedeutung. Das kostet Kraft, Zeit und
Für die meisten Kinder und Jugendlichen Von deren Kompetenz und Erfahrungsschatz finanzielle Ressourcen und im Umkehrschluss
weltweit ist das Internet eine Selbstverständ- profitierten z. B. viele in der Umsetzung alter- lässt sich so eine größere Reichweite und Re-
06sonanz auf unsere Inhalte erzielen. Das ver- Gott wirkt auch im Internet ausrangierten Sofa eines CVJM-Hauses. Auch
stärkte Engagement im Internet erfordert eine Wunderbar hat Martin Luther mit anderen vor unsere analogen Angebote sind nicht „bar-
Aufgabenverschiebung im CVJM. Wenn wir 500 Jahren formuliert: „Nun hat es aber Gott rierefrei“. Wie wunderbar ist es also, wenn
präsent, erkennbar und wirksam sein wollen, so angeordnet, dass seinem Evangelium, das die über viele Jahre vertraute Monokultur
kostet das vielerlei Energie. Um Neues anpa- für alle heilsnotwendig ist, kein Ort und keine Ergänzung erfährt. Gott sei Dank für christ-
cken zu können, müssen wir auch Altes lassen. Zeit vorgeschrieben würde, sondern dass es liche Influencer, die mutig ihren Glauben
bei allen, zu jeder Zeit und an jedem Ort ge- bezeugen, für digitale Kindergottesdienstfor-
Alle Menschen sollen von Gottes predigt würde.“ (1525„de servo arbitrio, vom mate, die uns inspirieren und herausfordern,
Liebe erfahren unfreien Willen“). mutig Neues zu wagen, und auf Exzellenz zu
Die Reformatoren um Martin Luther ver- Die Reformatoren schreiben im Augsburger achten. Mit Paulus können wir sagen: „Wenn
fügten über ganz neue Möglichkeiten in der Bekenntnis, einem der Grundlagentexte der nur Christus verkündigt wird auf jede Weise,
Ausbreitung des Evangeliums, weil sie eine Evangelischen Kirche, dass Gott „den Heiligen (…), so freue ich mich darüber.“ (Phil 1,18). Es
bahnbrechende technische Neuerung für die Geist gibt, der den Glauben, wo und wann gilt, das Eine tun und das Andere nicht las-
Verkündigung des Evangeliums nutzen konn- sen. Wir müssen uns vielmehr fragen lassen,
ten. Johannes Gutenberg hatte den Buch- Kein Mensch kann die Wirkweise wem der Zugang zum Evangelium erschwert
druck erfunden. Durch die Kraft des Mediums des Heiligen Geistes begrenzen wurde, weil Christen durch ihre Art der Kom-
Buch wurden viele Menschen von Gottes Lie- oder auf bestimmte Orte oder munikation des Evangeliums und ihre Art der
be erreicht. Viele mehr, als zu Jesu Zeiten, der Formen der Verkündigung Gestaltung, Ästhetik etc. selbst dafür gesorgt
noch zu Fuß von Dorf zu Dorf wanderte, oder beschränken. haben, dass viele Menschen keinen Zugang zu
bei Paulus und vielen Missionaren bis weit Christus bekommen haben.
ins Mittelalter. Ich bin davon überzeugt, dass er will, in denen, die das Evangelium hören,
technische Neuerungen das Wirken des Hei- wirkt“. Kein Mensch kann die Wirkweise des Ermutigung teilen
ligen Geistes unterstützen. Jesus und Martin Heiligen Geistes begrenzen oder auf be- Es gibt so viel Ermutigendes zu berichten: Da
Luther würden heute beide das Internet nut- stimmte Orte oder Formen der Verkündigung ist eine Sommerfreizeit, die aufgrund gelten-
zen, um das Evangelium an die Enden der Erde beschränken. Zur persönlichen Erfahrung, die der Hygienevorschriften nicht wie geplant
zu bringen. alle diejenigen machen, die Podcasts hören, durchgeführt werden konnte. Das entwickelte
Gottesdienste streamen oder in den sozialen hybride Konzept mit digitalem Programm für
Auf dem größten Marktplatz der Welt Netzwerken mit anderen Glaubenserfahrun- alle und einem physischen Treffen vor Ort in
Im Internet werden Religion und Religiosität gen teilen, dass Gott im Digitalen wirkt, tritt kleinen Gruppen war der Start für eine (ana-
in öffentlichen, onlinebasierten Kommunika- die theologische Begründung: Gottes Geist loge) Jugendgruppe, der bis dato nie von Er-
tionen verstärkt sichtbar. Wir sprechen von weht, wo und wie er will (z. B. Johannes 3,8), folg gekrönt war. Juleica-Schulungen werden
einer Entprivatisierung von Religion und sind eben analog und digital. online durchgeführt, erzielen dadurch andere
zugleich auf diesem Markt der schmerzhaf- Reichweiten und entlasten, weil nicht alle al-
ten Erfahrung ausgesetzt, dass der christli- Es geht nicht um „entweder – oder“ les machen müssen. In der weltweiten CVJM-
che Glaube nur ein Angebot unter vielen ist. sondern um „sowohl als auch“ Bewegung wurden gemeinsame Gottes-
Ja, wir bekommen nicht mehr automatisch Digital ist ja gut, aber eigentlich geht es doch dienste vorbereitet und gefeiert. Solche und
die größte Aufmerksamkeit und erzielen um „echte“ Beziehungen, ist immer wieder zu ähnliche Ermutigungsgeschichten können wir
hören. Forscher bestätigen unsere Erfahrung, viele erzählen. Mein Wunsch: Lasst uns daran
Kommunikation erfährt noch dass in physischen Begegnungen eine höhere teilhaben. Ermutigung ist so wichtig. Und in
mehr Demokratie. Bindekraft liegt als in digitalen. Die Heraus- allem bleibt der eine „Anker in der Zeit“: Chris-
forderung ist groß: Wie prägen, begleiten, tus ist und bleibt derselbe, in unserer Mitte,
nicht die großen Reichweiten. Weil wir we- fördern wir andere in dieser besonderen Zeit? in unseren Herzen und auch in der digitalen
niger oft geklickt werden, rutschen wir im Staunend haben viele in letzter Zeit erfahren, Welt.
Suchmaschinen-Ranking schnell nach hinten. welches Potenzial in digitaler Kommunikation
Aber wir sind angekommen auf dem größten steckt. Wie leicht ist es möglich, aneinander
Marktplatz. Angebot und Nachfrage verän- Anteil zu nehmen, die ganze Welt in einer
dern sich ebenso wie die Verweildauer. Wenn Videokonferenz im eigenen Wohnzimmer zu
mich etwas nicht anspricht, scrolle ich weiter. versammeln, in digitalen Sitzungen gute Er-
Das fällt auch mir persönlich leichter, als ei- gebnisse zu erzielen oder mit einzutauchen
nen Raum zu verlassen, in dem ich physisch in die vielfältige Gottesdienstkultur? Es geht
mit anderen zusammen bin. Kommunikati- nie um ein „entweder / oder“, es geht um ein
on erfährt noch mehr Demokratie. Das darf „sowohl als auch“. Das mag nicht jedermanns Hansjörg Kopp
und wird nachhaltig auch Auswirkungen auf Art von Beziehung und Begegnung sein. Aber Generalsekretär des
unsere Leitungsstrukturen in den Vereinen mal ehrlich: Das gilt in gleicher Weise für CVJM Deutschland
haben. Gesprächsgruppen bei rotem Tee auf einem
07WO ZWEI ODER DREI IN DEINEM NAMEN
ONLINE VERSAMMELT SIND
WAS BLEIBT ÜBRIG VON ZAHLREICHEN ONLINEVERANSTALTUNGEN?
„Wieso treffen wir uns eigentlich wieder, wo beeindruckend zu sehen, wie in kurzer Zeit mit bar, aber der Fehler beginnt meiner Meinung
doch alles bequem von Zuhause aus geht?“ viel Kreativität neue Formate aus dem Boden nach, wenn daraus der Schluss gezogen wird,
Diese Frage höre ich aktuell öfter, wenn es da- gesprossen sind und von den Jugendlichen dass junge Menschen daher auch über aus-
rum geht, dass Sitzungen des Vorstandes oder angenommen wurden. geprägte digitale Kompetenzen verfügen. Ja,
Gruppenstunden wieder in Präsenz möglich junge Menschen sind technik- und medienaf-
sind. Seit fast einem Dreivierteljahr leben wir Technische Kompetenzen waren finer als vielleicht ihre Eltern, aber zu digitalen
mit Covid19 und erleben an vielen Stellen plötzlich noch gefragter Kompetenzen gehört viel mehr, als ein Smart-
eine Einschränkung des Lebens, das wir bis Ich habe erlebt, dass in diesem Fall auch Mit- phone bedienen und Apps nutzen zu können.
März gewohnt waren. Was im Gesundheits-, arbeitende in den Fokus gerückt sind, die vor- Es beinhaltet auch das Bewusstsein, welche
Wirtschafts-, Kultur- und auch Bildungsbe- her eher zurückhaltend agiert haben. Plötzlich Medien ich für welchen Zweck einsetze und
reich für zahlreiche katastrophale Schicksale waren technische Kompetenzen noch mehr was es dafür braucht. Hier schließt sich der
gesorgt hat, gab der Digitalisierung in nahezu gefragt und traten in den Vordergrund. Es Kreis zu Online-Angeboten: Nur weil ich in der
allen Bereichen einen enormen und wichti- Lage bin, eine Webkonferenz technisch über
gen Schub. Plötzlich waren Worte wie Video- Vielleicht kann der Kassenbericht Zoom, Skype oder andere Dienste zu starten,
konferenz, Webinar und Online-Kurs keine bei der nächsten Mitgliederver- kann ich noch nicht automatisch ein attrakti-
Fremdwörter mehr und wurden zeitnah ge- sammlung ja vorher als Video zur ves Onlineangebot aufziehen.
nutzt, um verbunden zu bleiben. Als jemand, Verfügung gestellt werden.
der hauptberuflich im Bereich Weiterbildung Die vier Rollen der Online-Moderation
arbeitet, habe ich seit März die meiste Zeit war auf einmal wichtig, Videostreaming zu Wenn Angebote vom Präsenz- in den Online-
damit verbracht, verschiedene Kursformate können oder das Wissen zu haben, wie We- raum verlagert werden, ändern sich auch Tei-
in den Online-Raum zu bringen und unsere binare und virtuelle Gruppenstunden sinnvoll le der Konzeption und Moderation. Bett und
Dozierenden im Bereich Mediendidaktik und gestaltet werden können. Junge Menschen Gaiser (2010) haben insgesamt vier Rollen
Online-Moderation zu schulen. Zugleich hat zwischen 18 und 25 werden heutzutage oft der Online-Moderation definiert, von denen
sich auch im Bereich der christlichen Jugend- als „Digital Native“ bezeichnet. Dieser Begriff die motivational-emotionale Rolle eine
arbeit viel getan und neue Ideen wurden ent- wurde Anfang der 2000er maßgeblich von ganz entscheidende ist: Während ich vor Ort
wickelt, wie beispielsweise „summer@home“ Marc Prensky geprägt und meint eine Per- die physische Präsenz und ein Gruppenge-
im CVJM-Westbund oder „Juleica Zuhause“ son, die in der digitalen Welt aufgewachsen fühl habe, muss ich dieses im Online-Raum
vom CVJM Bayern und dem Ostwerk. Es war ist. Diese Definition ist soweit nachvollzieh- zunächst herstellen und durch interaktive
08Methoden einen Hauch von Socialising ein- diese für mich anhand der vier Rollen festma-
bringen. Diese Rolle ist für mich der Kern che. Haben die Verantwortlichen (z.B. Grup-
einer Online-Moderation und beinhaltet die penleitende) an alle vier Bereiche gedacht
Kunst, Online-Angebote interaktiv, persön- und sich ein stimmiges Konzept überlegt?
lich und zielgruppengerecht zu gestalten. Ist die Moderation sinnvoll strukturiert und
Die Kommunikationssituation ist im Online- beinhaltet das Angebot ausreichend interak-
Raum oft anonymer und die soziale Präsenz tive Anteile? Wie werden die Teilnehmenden
der Teilnehmenden eingeschränkt. Als Online- vorab informiert, um technischen Zugang zu
Moderation ist es an dieser Stelle wichtig, die bekommen? Sind die Inhalte didaktisch sinn-
Gruppe, aber auch die einzelnen Teilnehmen- voll aufbereitet? Oft ist es schon ausreichend,
den, durch gezielte Ansprachen zu motivieren eine gestaltete Mitte (s. Bild) auch online vor-
und die Aufmerksamkeit hochzuhalten. Dazu zubereiten, um einen geborgenen Eindruck zu
passend ist die didaktisch-vermittelnde vermitteln. Diese und einige andere Fragen
Rolle: Methoden, die in Präsenz vor Ort wun- stellen für mich die Basis von guten Onlinean-
derbar funktionieren, verlieren online häufig geboten dar. Kurz gesagt: Da hat sich jemand
ihren Reiz. Stattdessen gibt es andere und Gedanken gemacht und nicht einfach eine
neue Methoden, die besonders online ihre Webkonferenz gestartet und mal geschaut,
Wirkung entfalten und Webinare zu einem wie das so wird. Jetzt geht es jedoch darum,
die Angebote zunehmend professioneller zu
Online-Angebote interaktiv, per- gestalten. Zugebenermaßen ist das für den
sönlich und zielgruppengerecht ehrenamtlichen Bereich ein hoher Anspruch,
gestalten jedoch müssen wir uns - ähnlich wie in Prä-
senz - auch mit anderen Institutionen messen
Erlebnis machen. Qualität kommt gerade an und mit attraktiven, durchdachten Angeboten
dieser Stelle zum Ausdruck: Es geht nicht hervorstechen.
darum, Präsenzangebote eins zu eins in den können virtuell zugeschaltet werden, größere
Online-Raum zu übertragen. Nein, es braucht Präsenztreffen als Quality-Time und Veranstaltungen können auch von Vereinen
eine kritische Reflexion des Konzeptes und Chance nutzen mit weiter Entfernung gemeinsam durchge-
eine Anpassung an Gegebenheiten, die im Corona wird uns noch eine ganze Zeit be- führt werden. Diese Chancen gilt es zu nut-
Online-Raum wichtig sind: Interaktion, Parti- schäftigen und doch müssen wir uns bereits zen und mit der wertvollen Präsenzzeit in
zipation, Struktur, Pausen. Nun lässt sich zu jetzt die Frage stellen: Was bleibt von den Einklang zu bringen. Vielleicht kann der Kas-
Recht sagen, dass diese Dinge auch in Präsenz digitalen Angeboten? Welche Aspekte haben senbericht oder Bericht des / der Vorsitzenden
wichtig sind. Auch wenn ich da grundsätzlich gut funktioniert und sollen auch zukünftig ei- bei der nächsten Mitgliederversammlung ja
mitgehe, müssen diese Teilbereiche online fo- nen festen Platz in unserem Arbeitsplan oder vorher als Video zur Verfügung gestellt wer-
kussierter bedacht werden. Mediendidaktik ist den Gruppenstunden haben? den, um die frei gewordene Zeit vor Ort zum
nicht umsonst ein immer wichtiger werden- Online-Angebote können und werden Prä- Austausch und für informelle Gespräche zu
der Teil der Medienpädagogik. senztreffen nicht vollständig ablösen. Für die nutzen. Technisch möglich ist es ja, wenn es
Die Rolle, die in den vergangenen Monaten Beziehungsarbeit ist der persönliche Kontakt gewollt wird.
wohl den mit Abstand größten Raum einge- unersetzbar und ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung heißt auch, in alle Richtungen
nommen hat, ist die „administrativ-organi- Persönlichkeitsbildung junger Menschen. Di- zu denken und gewohnte Muster kritisch zu
satorische“. Zunächst kam es darauf an, die gitale Angebote können Beziehung zwar teil- hinterfragen. Corona ist ein schlimmes Virus,
technischen Voraussetzungen zu schaffen, weise abbilden und vorhandene Beziehungen das viel Leid bringt. Die aktuelle Zeit öffnet
um Online-Angebote an den Start zu bringen. aufrechterhalten, scheitern jedoch oft, wenn dennoch auch viele Türen, durch die wir hin-
Haben wir (ausreichend) Internet? Welches durchtreten sollten, um uns zukunftsfähig
Programm nehmen wir für Online-Treffen? Zu digitalen Kompetenzen ge- aufzustellen und weiterhin zeitgemäße, quali-
Wie bekommen die Teilnehmenden einen Zu- hört viel mehr, als ein Smartpho- tativ gute und attraktive Programme anbieten
gang? Wer moderiert die Treffen? Braucht es ne bedienen und Apps nutzen zu zu können.
eine Co-Moderation? Wie bereiten wir diese können.
Angebote vor? Diese Fragen waren zentral Jendrik Peters ist Bildungsreferent für Digitale
und sehr oft der inhaltlichen Ebene (Rolle es darum geht, neue Beziehungen aufzubau- Medien, Gesundheit und politische Jugendbil-
4) übergeordnet. Selbstredend sind alle vier en. Zwar entstehen Online durchaus neue dung an einer vhs, ehrenamtlich im Gesamt-
Rollen als Gesamtbild zu betrachten und doch Kontakte, aber gerade christliche Jugendar- vorstand CVJM-Westbund e.V.
ist eine Differenzierung in diese Teilbereiche beit braucht den persönlichen Kontakt als
für die Durchführung und Reflexion sinnvoll. Basis ihres Handelns.
Während zunehmend Online-Angebote auf Aber es gibt auch viele Chancen, die genutzt
den Markt kommen und die jungen Menschen werden können: Durch Online-Angebote und
eine reichhaltige Auswahl haben, wo sie sich virtuelle Sitzungen können (lange) Fahrtwege Jendrik Peters
einschalten, kommt es immer mehr auf Quali- gespart werden. Gremien können sich öfter Lengerich
tät in den Online-Angeboten an. Qualität wird und dafür kürzer und flexibler treffen. Wegge-
dabei sehr unterschiedlich definiert, sodass ich zogene Menschen oder externe Referierende
09DIGITALE ANGEBOTE FÜR ALLE?!
Grübelnd sitze ich an meinem Schreib- Ich begegnen denen, deren Handynummer Lieber digital viele
tisch und suche nach einem Titel für di- ich in meinem Telefon gespeichert habe, statt wenige vor Ort?
gitale Angebote unseres CVJM. Während aber nicht denen, die immer froh waren, Wenn 23 Mio. Menschen in Deutschland täg-
ich durch mein Regal stöbere, stoße ich „nicht ständig erreichbar sein zu müssen“. lich Facebook nutzen, 9 Mio. Instagram, 1,4
auf eine Arbeitshilfe, die ich vor zwei Jah- Mio. Twitter und sogar 28 Mio. Personen täg-
ren zum Thema „CVJM & Schule“ geschrie- Ich treffe Jugendliche, die müde Augen haben, lich auf Youtube Videos anschauen, kann ich
ben habe. In mir mischt sich ein Schmun- weil sie den ganzen Tag online sein müssen. nur feststellen: Die Chance, digital Menschen
zeln mit einer Portion Nachdenklichkeit. Aber wo sind die Teenager, die sich freude- zu erreichen, ist höher als die Wahrschein-
„Da wo du bist“, hatte ich damals dieses kleine strahlend mit ihrem Kumpel gemütlich auf die lichkeit, dass sie auf anderen Wegen unsere
Heft benannt. Sessel im CVJM-Haus werfen und sich freuen, CVJM-Häuser betreten.
endlich „abschalten“ zu können? Der im Zuge der Corona-Krise beschleunigte
Online – „da wo du bist?“ Digitalisierungsschub ist ein weiterer Hinweis,
„Da wo du bist“ – gilt das noch für Schulen, Die Chance, digital Menschen wo wir aktuell und in Zukunft Menschen er-
für unsere CVJM-Häuser, Gemeindezentren zu erreichen, ist höher als die reichen.
und Hauskreiswohnzimmer oder sind Zoom- Wahrscheinlichkeit, dass sie auf Aber: Seitdem CVJM-Arbeit an vielen Orten
Räume, Discord-Channels oder Padlet-Doku- anderen Wegen unsere CVJM- wieder in Präsenztreffen möglich ist, bemerke
mente heute der Ort, an dem sich Menschen Häuser betreten. ich auch Menschen, deren anfängliche Be-
(virtuell) begegnen? geisterung zu Erschöpfung geworden ist.
Was nun? Sparsam dosierte digitale Ange-
Vielleicht nehme ich auch erst jetzt wahr, Wer mir fehlt – digital und analog! bote? Hybride Formate, an denen man real
was schon lange Realität geworden ist: Es sind für mich nicht nur Menschen und oder virtuell teilnehmen kann? Es ist schwer,
„Digital ist der neue Alltagsort!“ Ich setzte Zielgruppen, die mir nicht (mehr) begegnen eine Antwort darauf zu finden. Eine echte
mich an meinen PC, klicke mich durch die vie- oder die Onlineangebote nicht nutzen (kön- Gratwanderung zwischen Möglichkeiten und
len neuen Angebote und male mir aus, wel- nen), sondern vor allem deren Miteinander, Hindernissen.
che Leute sich dort beteiligen. In unzähligen Ausdrucksformen und Gemeinschaft, die mir
Online-Jugendkreisen, Bibelkursen, Gebets- fehlen. Digitalität – herausfordernd!
treffen und Seminaren entdecke ich viele alt- Vielleicht gibt es Angebote für beinahe jede Vielleicht klingen die Zeilen, die du nun liest,
bekannte und auch manche neuen Gesichter. Zielgruppe und uns ist es gelungen, nur we- konservativ. Aber wir können nicht vermeiden
Aber: Da fehlen auch einige! nige nicht im Blick zu haben, aber: Es bleibt zu analysieren, welche Form der CVJM-Arbeit
oft beim „für alle“ und nicht beim „mit allen“! wem dient – und wem sie vielleicht sogar
(Un-)sichtbar im Netz?! Vielleicht auch ein zu hoher Anspruch, da wir den Zugang erschwert oder sogar verbaut.
Ich sehe viele einzelne Gesichter in Kameras auch mit unseren Präsenzangeboten bei Wei- Digitalität für alle – ja, aber nicht nur!
schauen. Aber wenige Eltern mit ihren Kindern tem nur einen kleinen Ausschnitt derer errei- Digitale blinde Flecken (Zwischenüberschrift)
auf dem Schoß, wie sonst im Gottesdienst. chen, die wir erreichen wollen! Mich treibt seit Langem die Frage um: Sind
10unsere digitalen Angebote eine Art Markt-
platz, auf dem sich die Menschen begegnen
können, oder eine neue VIP-Area für die, die
medial hochaktiv sind?
Einige Faktoren bauen Hindernisse in
den Weg zu einer „Digitalität für alle“
1. Um online zu sein, braucht es eine
Menge Geld!
Auch wenn knapp 86% der Haushalte in
Deutschland mittlerweile einen Internet-
zugang haben, 14% haben ihn nicht. Aus
Mangel an Bedarf oder Interesse, bei eini-
gen aber auch aus finanziellen Gründen.
Es gibt soziale Randgruppen, denen es nicht Ob digital, hybrid oder analog: Das Evange-
Es bleibt oft beim „für alle“ und
möglich ist, eine Internetflatrate monatlich lium gilt allen Menschen. Dort, wo sie sind.
nicht beim „mit allen“!
zu bezahlen, einen Laptop zu kaufen und Daher: Losgehen! Ausgestattet mit dem Evan-
was es noch alles braucht, um digital gut pliziert zu verlassen, einfacher. Dennoch wissen gelium. Mit dem, was es braucht, Zugang zu
unterwegs zu sein (Webcam, Bildschirm, …). Neugierige und Suchende auch in Videotreffen ihnen zu finden, um mit ihnen Jesus in ihrem
Während des Lockdowns wurde deutlich, wie nicht, wie sie unverbindlich dabei sein kön- Leben zu entdecken!
viele junge Familien keine technische Aus- nen. Theoretisch könnten dort hundert Men-
stattung für schulische Onlineangebote ha- schen sein, oder vielleicht nur drei. Das macht Fragen & Thesen zum
ben (vom Drucker bis zum PC). Und da sind unsicher und verhindert manche Teilnahme. Weiterdiskutieren
auch die vielen älteren Menschen, denen ihre Streaming-Angebote sind da vielleicht deut- • Kinder brauchen dringend die sozialen
magere Rente nicht reicht, um in die digitale lich niedrigschwelliger, um sich einen Ein- Lernfelder in Jungscharen und Freizeiten.
Welt einzusteigen. druck zu verschaffen und dann Kontakt her- Wie können die (geistlichen) Erfahrun-
Wie oft sind wir begeistert davon, dass wir zustellen. Aber Menschen bleiben dort oft gen durch digitale Angebote in Familien
kostenlose Angebote für alle Altersklassen in unbemerkt und anonym. hineinwirken?
unseren CVJM anbieten können? Lasst uns • Auch wenn Jugendliche einen selbstver-
dort keine finanziellen Hürden bauen! Dennoch: Mutig und kreativ online ständlichen Umgang mit Digitalität
unterwegs sein! haben, bleiben sie an vielen Stellen un-
2. Auch „digitale natives“ brauchen Die Corona-Zeiten zeigen uns: Wir können sicher und experimentierfreudig. – Wie
digitale, soziale Kompetenzen! und müssen uns in unseren Angeboten nicht können wir das digital begleiten?
Es ist einfach, ein Video anzuklicken oder durch zwischen analog und digital entscheiden. Bei- • Digitale Angebote können Jugendlichen
die Instagram-Stories anderer durchzuscrollen. des kann sich ergänzen und erweitern! eine einmalige Chance bieten: schnelle
Aber jede_r, der mit digitalen Beteiligungs- Lasst uns beziehungsorientierte Angebo- Kontaktbrücken im Alltag ohne An-
möglichkeiten in Kontakt kommt, merkt, te bieten, die Menschen fit machen für eine fahrtswege.
dass es in unseren Angeboten mehr Softskills vernetzte, digitalisierte und globalisierte Welt • Sozial Benachteiligte haben es analog
braucht als sonst im digitalen Raum. und ihnen Gemeinschaft anbieten! und digital oft nicht leicht. – Wie können
Kameraeinstellungen, der ungewollte Ein- Zwingen wir analog lebende Menschen nicht wir digitale Schwellen niedrig halten?
blick in das (unaufgeräumte) Zuhause, ins Digitale, sondern bieten ihnen reale Be- • Familien brauchen Angebote für die
das Gespür, sich zum richtigen Zeitpunkt gegnung! ganze Familie – wenn schon nicht ana-
in ein Gespräch einzubringen, parallele Testen wir doch einmal, was passiert, wenn log, dann hybrid – nicht nur mit dem
Kommunikation auf verschiedenen Ebe- das Jungscharprogramm zuhause weitergeht, Blick auf den Bildschirm!
nen (Sprache, Text, Bilder) und vieles mehr und lasst uns erleben, ob nicht doch Familien • Wie kreieren wir Angebote sprachlich so,
fordert viele Menschen besonders heraus. zusammen zu den Jungscharliedern tanzen dass Menschen anderer Sprach- und Bil-
Was für manche so natürlich klingt, ist für und gemeinsam den spannenden Geschich- dungsräume gut beteiligt sein können?
Menschen, die sozialen Lernbedarf haben, ten lauschen. • Ältere Menschen brauchen Support. –
eine wahnsinnige Hürde, weil viele Kommu- Lasst uns die Schätze entdecken, die dar- Wie geht das?
nikationshilfen (Körpersprache, Begegnung, in liegen, dass wir weltweit Menschen Teil
Augenkontakt) fehlen. unseres Lebens sein lassen können, ohne Daniel Gass ist CVJM-Landessekretär für Jun-
größere Reisen unternehmen zu müssen. ge Erwachsene und CVJM weltweit im CVJM
3. Ob Hauskreis oder Online-Meeting Wie genial, mit Brüdern und Schwestern welt- Bayern, Nürnberg
– es ist herausfordernd, „der/die weit unterwegs zu sein!
Neue“ zu sein!
Oft ertappe ich mich bei dem Gedan- „Digitalität für alle!“ – Noch wichti-
ken, dass es doch viel einfacher ist, an ger: „Das Evangelium für alle!“ Daniel Gass
einem virtuellen Angebot teilzuneh- Jesus spricht: „Gehet hin in alle Welt und Nürnberg
men, als in ein Angebot vor Ort zu gehen. predigt das Evangelium aller Kreatur.“
Zwar ist die Möglichkeit, ein Meeting unkom- (Mk. 16,15).
11DIGITALE ARBEIT IM YMCA PERU
Erste Schritte in Richtung www.stifter-helfen.de/). Über Techsoup haben Februar durchführen. Durch die Einnahmen
Digitalisierung wir einige Lizenzen für die Slack-Plattform können wir u.a. unsere sozialen Programme
Im Jahr 2017 hat der YMCA Peru angefangen, erhalten (https://slack.com/intl/de-de/). Die finanzieren.
einige seiner verschiedenen Formate, Plattfor- Slack-Software zentralisiert unsere gesamte Jedes Jahr beginnen wir bereits im August,
men und etablierten Prozesse zu überdenken: Arbeitskommunikation, sodass alle Beteiligten die jeweilige Kampagne für den Sommer zu
Welche Auswirkungen hat der technologische stets auf dem neuesten Stand sind und Ent- entwickeln. Inhalte und Ziele der Kampagne
Wandel auf unsere Programme? Wie errei- scheidungen schneller gefällt werden können. werden abgestimmt. Im Jahr 2019 war das
chen wir unsere Zielgruppe? Am Anfang stand große Ziel der Kampagne, den YMCA als eine
eine Situationsanalyse aller Kommunikations- Plattformern zur Optimierung der Bewegung zu positionieren, die den gesunden
prozesse. Die digitale Präsenz des YMCA war Kommunikation Lebensstil von Menschen in verschiedenen
damals eine Webseite mit ungeordnetem In- Bei jeder Kommunikation fragen wir uns, physischen und digitalen Räumen fördert.
halt und 35 Unterseiten, da sehr viele unserer was ist das Ziel und wie ist es messbar? Jede Jede Aktivität unserer Programme musste
300 Mitarbeitenden Themen einfach online Kampagne wird von uns ausgewertet, um den daher klar vermitteln, dass wir als YMCA die
stellten, ohne auf Struktur und Design zu ach- gesunde Lebensweise fördern. Schlüsselwör-
ten. Dies führte dazu, dass unsere Zielgruppe Aktuelle Trends helfen uns, ter waren „sei gesund“ und „fühl dich wohl“.
verwirrt war und teilweise unterschiedliche die Marke YMCA auf neuen Wir führten mit jedem Verantwortlichen aus
Informationen erhielt. Wir starteten einen Plattformen vielen zusätzlichen dem Sommerprogramm Gespräche und leg-
Kommunikations- und Trainingsprozess mit Menschen bekannt zu machen. ten Kommunikationsinhalte gemeinsam fest.
unseren verschiedenen Bereichen und es ge- Auch Indikatoren für den Erfolg der Kampa-
lang uns, die Zahl der aktiven Seiten zu redu- Kommunikationsprozess zu verbessern und gne wurden erarbeitet und anschließend aus-
zieren. Parallel dazu haben wir ein organisier- zu prüfen, ob die Inhalte funktionieren oder gewertet.
tes, digitales System aufgebaut. nicht. Dafür verwenden wir die Surveymon-
key-Plattform, (https://www.surveymonkey. Schlüsselkomponenten der
Nutzung moderner Plattformern für de/) mit einem Premium-Account, der uns Sommer-Kampagne
die interne Kommunikation Informationen über die Zufriedenheit unserer
Anschließend haben wir überlegt, wie wir die Benutzer_innen gibt, und schließlich als zwei- 1. Erstellung einer Landing Page –
interne Kommunikation im YMCA verbes- te Ressource, die jede institutionelle Kommu- E-Commerce
sern können: Wie können wir Informationen nikation verstärkt, verwenden wir Sendinblue Viele der Kommentare der vergangenen Kam-
schnell an unsere Mitarbeiter weitergeben (https://de.sendinblue.com/), um Mails an pagnen wiesen auf die mangelnde Funktio-
und interne Kommunikation flüssiger ge- spezifische Verteiler zu senden, die wir inner- nalität unserer Website hin. Wir haben daher
stalten? Wir haben uns bei der Organisation halb des YMCA haben. eine neue Landing Page erstellt. Auf dieser
https://www.techsoup.org/ für verschiede- wurden sehr viele Prozesse automatisiert. So
ne Verfahren und Tools beworben und uns Beispiel Sommer-Kampagne 2019 arbeiten wir mit einem intelligenten Chatbot,
als gemeinnützige Organisation registrieren Der YMCA Peru ist sehr bekannt für sein Som- der mit 40 Grundfragen gespeist wurde und
lassen. (Anmerkung: deutsche Seite https:// merprogramm, welches wir im Januar und den Benutzern automatisch Fragen beant-
12worten konnte. Des Weiteren war die gesamte
Seite auf unsere Sommerangebote verlinkt
und man konnte online die einzelnen Kurse
(z.B.: Schwimmkurs, Tanzkurs ect.) buchen
oder sich telefonisch mit einem Mitarbeiten-
den des YMCA verbinden lassen.
2. Google Adwords-Kampagne
Die Google Adwords-Kampagne auf unserer
Website konzentrierte sich auf einige Schlüs-
selwörter und lenkte die Interessen der Men-
schen auf unsere Sommerangebote.
Die Ergebnisse waren interessant, weil wir weite und Reproduktionsrate
ziemlich hohe Klickzahlen erreichten und un- erreicht Reichweite: 65.000 abgespielt + 1.000
sere Keywords immer wieder anpassen und Interaktionen; https://www.youtube.com/
auf ihre Wirkungsweise überprüfen konnten. watch?v=Qc1vD-7NgbI
3. Ads-Facebook-Kampagne 5. Abgestimmte Außenwerbung
Die kostenpflichtige Werbe-Kampagne auf Unsere Außenwerbung an Bushaltestellen
Facebook war eine der Strategien, die am und Kinos und die Werbung in Zeitungen wa-
stärksten verbessert wurde. Diese war eben- ren vom Inhalt und Design genau auf unsere
Internetseite abgestimmt.
Jede Aktivität unserer Pro-
gramme musste klar vermitteln,
dass wir als YMCA die gesunde YMCA und die Pandemie
Lebensweise fördern.
Spendenkampagne
falls auf unsere Landing Page im Internet Unsere Spendenkampagne #UnClickDeDis-
ausgerichtet. Zur Steuerung dieser Kampag- tancia markierte eine schnelle, effiziente und
ne wurde ein Publikationsplan mit wöchent- unmittelbare Reaktion angesichts der Krise
lichen Inhalten erstellt. Insgesamt gab es 12 und der latenten Not in Peru. Wir haben den
bezahlte Publikationen, die in verschiedenen Bereich Soziale Arbeit durch die Erstellung
Formaten z.B. als informative Videos produ- und Begleitung der Marketingaktionen un-
ziert wurden. Durch die Kampagne nahm terstützt und die Spendenkampagne auf allen
auch unser Publikum zu und die Facebook- digitalen Ebenen ausgestrahlt. Unsere Erfah- Körper: Bewegung, gesundes Leben, Erleb-
Statistiken erlaubten es uns, die neuen Pub- rungen aus den vorangegangenen Pilotkam- nispädagogik, körperliche Fitness
likationen zu bewerten und ihre Wirksamkeit pagnen erlaubten es uns, eine Landing Page
zu analysieren. (Auswertung nach Alter, Ge- (Werbeseite) der Kampagne zu implementie- Seele: christliche Gemeinschaft, Ökumene,
schlecht, Wohnort etc.) ren und zwei Spendensysteme zu integrieren: Spiritualität, Glaube, Lobpreis, Andachten
Paypal (International) und Culqi (National).
4. Einflussmarketing | Zusammen- Die Digitalisierung ermöglichte es uns auch, Geist: Psychologische Unterstützung, Beglei-
arbeit mit Influencern Informationen zur Kampagne über verschie- tung, Motivation, akademische Fähigkeiten
Einflussmarketing ist eine sehr innovative dene Plattformen wie Facebook, Instagram,
Strategie. Aktuelle Trends helfen uns, die Mar- Youtube und Spotify zu veröffentlichen. Diese Schlagwörter verwenden wir in der
ke YMCA auf neuen Plattformen vielen zu- Kommunikation.
sätzlichen Menschen bekannt zu machen. Der Digitalisierung der Angebote
peruanische Influencer Tito Silva Music wurde Neben der Erstellung und Unterstützung von Wir nehmen wahr, dass die Nutzer von Face-
aufgrund seiner innovativen Art und Weise Kampagnen haben wir auch jeden Bereich im book und Instagram in den letzten Monaten
und der Erfahrung, die er als Musikproduzent YMCA Peru beraten, um seine digitale Kom- der Pandemie viel aktiver geworden sind und
einiger Filme und Fernsehspots gesammelt munikation zu verbessern, u.a. durch Schu- unsere virtuellen Angebote annehmen. Dies
hat, gewählt. Wir haben gemeinsam mit sei- lungen im Bereich Live-Übertragungen auf motiviert uns, jeden Tag besser zu werden
nem Team einen Song als Werbetext für unser Facebook und Instagram, Videoaufzeichnun- und die Sichtbarkeit des YMCA in den sozialen
Sommerprogramm 2019 aufgenommen. Von gen, Podcasts, Webanwendungen, Kommuni- Netzwerken zu erhöhen und unseren Nutzern
der Konzeption der Idee über die Umsetzung kationsplattformen für Treffen, Webinare usw. eine gute Interaktion zu bieten.
bis zur Veröffentlichung vergingen fast drei Um einen einheitlichen Kommunikationston
Monate. Wir haben den Kanal Spotify des zu verwenden, wurden in unserem Marken-
YMCA Peru ins Leben gerufen. Der Song war handbuch Key-Wörter definiert, die bei jeder
Pablo Martín
ein großer Erfolg bei Kindern und Jugendli- Kampagne verwendet werden. Wir orientieren Monteverde Zenozaín
chen. Durch unsere Multi-Plattform-Strategie uns an dem CVJM-Dreieck, das für Körper, Leiter Kommunikations-
(Nutzung von Spotify, Youtube, Facebook und Seele und Geist steht. Zu jedem Element ha- abteilung
Instagram) haben wir eine sehr hohe Reich- ben wir Key-Wörter definiert.
13ITÄT
DIGITALE KREATIV angerufen und mit
Informati-
ndung und Liebe
n nic ht zu bremsen! - Die Hinwe r onen versorgt.
ist in den meisten Ve rei ne lässt, sondern stärke „Corona“ hat uns
verän-
ns ch en , die sich nicht eindämmen ne n En ga -
Gottes zu den Me k im hingege be s positiv:
, fin de t faszinierenden Ausdruc lassen nu r dert, aber durchau
als jeder Virus ist
en hier geteilten Be richte r“ wurde
inn en . Die wenig . Aus dem „Presbyte
gement vieler CVJM
er_ iert wurde d der
unseren Städten kre ein „Moderator “ un
nimal era hnen , wa s landauf landab in lau f ha t sich
mi vertraute Ab
rt un d ve rläng ert.
verände
na nd er
Weil wir nicht mitei
CVJM MÜHLHEIM
, we rde n
singen können
sp iel t. De r Bi-
NE Lieder einge
BIBELSTUNDE ONLI t Jah r- beltext wird eingeble
ndet.
Angeboten , die sei e oder ande Bild re
im CV JM Mü lheim gehört zu den CV JM er wi rd Das ein der
Die Bibels tun de
tz im Wochenablau
f haben. Ein alt er ch. Wir haben einan en, uns
en fes ten Pla s, es sei de nn, es au en ge lassen“ und begonn t „zur Sa-
zehnte n ihr
zit ier t: „D ie Bib elstun de fäl lt nic ht au in die „W ohnu ng
es „fr üh er“ gle ich mit dem Bibeltex
gerne mit den Wo rte n
stärker auszutausch
en . Gin g eben, viel Persönli-
de r HE RR kommt.“ ein i- de r Au sta usch, das eigene Erl
ist Weihnachte n od er sagt wu rde , wa ren ht nun am An fan g ame Zeit verdoppelt
oro na “. Als der „Lockdown“ ange ch vo r Or t che“, ste Da du rch ha t sich unsere gemeins ren.
Und dann ka m „C gung in Mü cke . No es im Vorde rgr un d. mand muss noch fah
rst an ds mi tgl ied er gerade auf der AG-Ta ms un d CV JM -H auses ch all e fin de n da s gu t. Alle haben Zeit, nie wo rde n. Un d das
ge Vo un seres Jugendzen tru und (fast) ch er und offener ge
hli eß un g set zte n. nte r, frö hli
veranlassten wir die Sc n wir. Ein Sig na l
Die Atmosphäre ist
en tsp an r geworden. e- Eh
Sc hri tte . In Ko ntakt bleiben wollte llte n un - is ist mi t de m neuen Format größe en-
und planten ers te probierten aus un d ste nste ist: Unser Kre sich gerade im Krank
en tw ick elt en wi r schnell erste Ideen, zen tru m öff ne te auf Schö be r od er au ch sch on mal jemand, der 10 bis 12 Leu te,
Und so Das Jugend lige, Urlau h vor Ort
Kin de r- un d Ju ge ndarbeit digital auf. wi r po ste ten au f Insta- ma de t, kö nn en sic h da zu schalten. Trafen sic
sere Zoom statt, haus befin
tunden fanden auf weilen 22. rid-Lösung“ nach.
„Discord“, Gruppens so sind wir heute zu nk en wir über eine „Hyb
n jun ge n me nt de s
gram und Fa ce bo ok .
enfalls online. Wa s de weitergeht? Im Mo Anderen erscheint da
els tun de ? Die Bibelstunde ging eb ern mö gli ch sei n, Wie es n ge rne wi ed er ins Haus kommen, den s wied er im
Und die Bib älteren Mitgl ied en wü rde nn wi r un
ss doch auch bei den - Die Ein sung nur heißen: We
Leuten möglich ist, mu ka me n die ers ten Zweifel - völlig unbe zu ge wa gt. Deshalb kann die Lö ren per Vid eo -Tool dazu. „Aber ei-
esp roc he n tio n wi r die an de
dachten wir. Ka um au sg
n wir fest: Die „G en era
CVJM-Haus treffen,
sch alt en erin auf den Punkt
h he rau sst ell te. Überrascht stellte , sic h au f da s ha t es vo r ein ige r Zeit eine Teilnehm !“
gründet, wi e sic
llt. Den wenigsten be
reitete es Mü he
“. nes mu
ss bleiben:“ , so inschaft gewachsen
dig ita l gu t au fge ste g, be ka m „N ac hh ilfe Au sta us ch . Da du rch ist unsere Geme
60+“ ist gleich gelan cht, „D er
llen. Wem es nicht gen gebra Michael Lingenberg
neue Format einzuste So hn vo rbe i und half beim Einlog
m die En ke lin od er de r
nte de n Um - Mü lhe im an der Ruhr e.V.
Hier oder dort ka zw eit ältest e Teilne hmerin (89) ler Lei ten der CVJM-Referent im CV
JM
Selbst die Lediglich
und dem Handling. -Zugang einrichten.
t de m Tab let un d ließ sich einen WLAN . Sie wird reg elmäßig
gang mi Teilne hm erin blieb offline
tun de n-
unsere älteste Bibels
CVJM
BREMEN die bekannten sozialen
Netzwerke zu halten.
alität wider. Denn dort spiegelt sic
UND SOCIAL MEDIA h ihre Re-
WhatsApp? Facebook? Die entscheidende Fra
Insta? Ein Accoun ge ist: Was genau wo
t ist schnell erstellt. Do llen wir im CVJM dort
SnapChat? Discord? ch diese Accounts mü eigentlich?
Na klar, wir sind tert we rden. Außerdem braucht ssen bespielt, gefüt-
überall transportie es ein Konzept, welch
dabei! Denn Kinde ren möchte. Welche Zie e Inhalte ein CVJM do
r- und den sozial lgruppe habe ich vor rt
Jugendarbeit findet en Pla ttformen unterwegs bin Augen, wenn ich auf
schon ?
lange nicht mehr nur
in den User schau
statt. Wer dranbleiben Gruppenstunden vo en genau hin, wenn es
will, muss die Teilne r Ort ist es der CV um den Inhalt geht. Ist
sind – hat Jesus auch hmenden dort abholen JM-Account auch ga der Post irrelevant,
schon gewusst. , wo sie der CVJM nz schnell – und irgen
selbst!? Dabei steckt dwann vielleicht auch
Chance. Mit nur einem in der Nutzung der Pla
Doch ist das wirklich Po st ttformen eine große
so? kan n ich mehrere hundert
Gleich vorweg: Auch erreichen. Wo passiert Menschen auf einma
hier gilt der alte Grun da s in der klassischen Kinde l
dsatz: Weniger ist me noch? r- und Jugendarbeit he
zumindest meine Erfah hr! – So ute
rung in der Nutzung
digitaler Medien.
Es ist wichtig, dass wi Gerade in der Corona-Z
r die Kids und Teens eit haben wir in Breme
von heute mit Hilfe de un s mit zwei Angeboten n gute Erfahrungen ge
Möglichkeiten über un r digitalen den Pro auf das Wesentliche macht,
sere CVJM-Arbeit inf jekten zu konzentrieren. Mit de
Verabredungen treffe ormieren, sie einladen #m einep ort ionCV JM und #fun4kidsim n bei-
n. Denn obwohl heute und sogar noch im CVJM erreichen wir
– diese Zielgruppe lies fast jede_r eine Email mer wöchentlich um
t keine Emails mehr. ad resse hat sonen als die 65 0 Menschen. Das sind dre
unser Verein Mitglied imal mehr Per-
er zählt.
These: Für einen CVJM
ist es unabdingbar, de Einen Versuch ist es als
n Kontakt zu Teilnehm o wert!
ende über
Marc Gobien,
CVJM Bremen
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