Was ist bloß mit dem KAV los? - PROGIPARK
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
P.b.b. Abs.: Ärztekammer für Wien, Weihburggasse 10-12, 1010 Wien, 15Z040303 M Postaufgabenummer: 03
INFORMATIONEN DER ÄRZTEKAMMER FÜR WIEN 03 2016
Was ist bloß mit dem KAV los?
Der Wiener Krankenanstaltenverbund spart die Wiener Gemeindespitäler kaputt. Und während
sich die Lage dramatisch zuspitzt und sich die Missstände häufen, ignoriert der KAV die Anliegen
der Patienten, der angestellten Ärztinnen und Ärzte sowie die Sparvorschläge der Ärztekammer.
Versäumnisse sind im KAV aller-
dings Programm. Die KAV-General-
direktion setzt die Sparvorschläge der
Ärztekammer entweder konsequent
nicht um oder ignoriert sie geflissent-
lich, obwohl sie in den Spitälern Ein-
sparungen bringen würden, ohne dabei
die Patientenversorgung zu gefährden.
ÜBERBORDENDE BÜROKRATIE. Ha-
ben Sie gewusst, dass in den Wiener
Gemeindespitälern auf ein Spitalsbett
ein Verwaltungsmitarbeiter kommt?
Damit hat Wien nahezu doppelt so viel
Verwaltungspersonal wie alle anderen
Bundesländer. Diese überbordende
Bürokratie könnte man abbauen, ver-
triloks/iStock
schlanken und die freien Ressourcen
in die Patientenbetreuung stecken.
So lautet eine weitere Forderung der
I m Vorjahr machte die Ärztekammer
einen konstruktiven Vorschlag zur
Entlastung des medizinischen Perso-
Der Wiener Krankenanstaltenverbund
(KAV) stimmte zu.
Das war die gute Nachricht. Die
Ärztekammer. Auch sie findet keinen
Widerhall.
Ein anderer Vorschlag ist der Aus-
nals in den Gemeindespitälern: Die schlechte Nachricht ist, dass seither bau der Sonderklasse. In den Ordens
zentralen Notaufnahmen sollten auf wenig passiert ist. In den meisten Spi- spitälern liegt dieser Anteil bei 20
Vordermann gebracht und medizinisch tälern warten die betroffenen Kollegin- Prozent und bringt schöne Umsätze,
nen und Kollegen heute noch auf die während er in den KAV-Spitälern gera-
Umsetzung. Vermutlich vergeblich, de einmal 5 Prozent beträgt. Doch der
Das Fass zum Überlaufen brachte denn durch die aktuellen S treichungen KAV verzichtet freiwillig auf Mehrein-
letztlich die flächendeckende der Nachtdienste versandete das Vor- nahmen durch Sonderklassepatienten.
haben erst recht. Letztlich war alles Er kürzt stattdessen lieber die Leis-
Streichung von Nachtdiensten. Makulatur. tungen für die Patienten und schlägt
»Die Versäumnisse der Stadt Wien nebenbei die angestellten Ärztinnen
und des KAV sind ein Schlag in das und Ärzte vor den Kopf.
nicht notwendige Rettungszufahrten Gesicht der Kolleginnen und Kolle- Dabei wäre es hoch an der Zeit, die
über den Ärztefunkdienst abgewickelt gen, die letztes Jahr für dringende Spitalsärzteschaft in die Planungen
werden. Diese beiden Maßnahmen Änderungen so hart gekämpft haben«, einzubinden, die schwerfälligen Perso-
würden Kosten sparen und das medi- sagt Ärztekammerpräsident Thomas nalkommissionen zu reformieren und
zinische Personal deutlich entlasten. Szekeres. Fortsetzung auf Seite 2
03_2016 STANDPUNKTE 1Fortsetzung von Seite 1 flächendeckende Streichung von der Spitalsärzte hat mittlerweile ei-
die Kompetenzen zwischen KAV, Nachtdiensten. »Das ist ohne vor- nen neuen Höhepunkt erreicht und
MA1 und MA2 klar zu regeln. herige Evaluation oder Diskussion bringt allenfalls die Betroffenen auf
Doch anstatt echte Reformen zu beschlossen worden. Ein glatter Ver- die Barrikaden.
initiieren, trifft der KAV laufend un- tragsbruch«, schäumt Ärztekammer- Eigentlich ist es die Aufgabe des
verständliche Entscheidungen und präsident Thomas Szekeres. Ausge- hoch bezahlten KAV-Managements,
lässt ansonsten das Chaos regie- rechnet zu Beginn der sommerlichen sich die Köpfe darüber zu zerbrechen,
ren, das von Tag zu Tag größer wird. Urlaubszeit ließ der KAV die Bombe wie die Wiener Gemeinde spitäler
platzen und verordnete die Reduk- effizienter und patientenfreundlicher
tion von 40 Nachtdiensträdern und geführt werden können. Mit ihrer
die Einführung eines Schichtdienst- Brachialstrategie, die negative Kon-
»Die Versäumnisse der Stadt Wien modells mit 12,5 Stunden auf allen sequenzen für Patienten und Perso-
und des KAV sind ein Schlag in das Stationen. »Der KAV zielt darauf ab, nal nicht mitbedenkt, werden sie das
Gesicht der Kolleginnen und Kollegen, dass die Kolleginnen und Kollegen wohl nicht erreichen. Im Gegenteil:
überhaupt nur mehr 40 Stunden Der jüngste »Schachzug« der ersatz-
die letztes Jahr für dringende Änderun-
arbeiten dürfen«, analysierte Ge- losen Nachtdienststreichungen führt
gen so hart gekämpft haben.« sundheitsökonom Ernest Pichlbauer schnurstracks zu Qualitätseinbußen
Thomas Szekeres prompt das Vorgehen im Interview in der Gesundheitsversorgung, zu
mit der Tageszeitung DER STAN- längeren Wartezeiten für die Patien-
tationsschließungen, Personalstrei-
S DARD. Bei gleich bleibender Zahl ten und schwierigeren Abstimmun-
chungen und Überbelegungen: Das der Patienten würden enorm viele gen zwischen den Mitarbeitern.
sind die Schlagworte, die im Zusam- Arbeitsstunden wegfallen, warf der Unter der mangelnden Anwesen-
menhang mit dem KAV immer öfter Betriebsrat sogleich ein. An die 1000 heit von Ärzten werden sicher auch
fallen. So wurde erst Ende Mai dieses Vollzeitstellen fallen dem Sparwahn die Kolleginnen und Kollegen in
Jahres die Orthopädie im Otto-Wag- des KAV zum Opfer. Die Frustration Ausbildung leiden.
ner-Spital »umgewandelt«. Dabei
wurde eine ganze Station geschlossen,
eine weitere mutierte zur Wochen
klinik. Das Ergebnis: Die bisher Tod im Gangbett
zweitgrößte Orthopädie Wiens mit
120 Betten ist mittlerweile zur kleins- Warum schweigt die gemeindeeigene Patientenanwältin Pilz zu
ten geschrumpft und beherbergt nur skandalösen Vorfällen?
mehr 75 Betten unter der Woche und
50 an den Wochenenden. Der 70-jährige Patient war nach einer Sturzverletzung im Jänner dieses
Weitere Beispiele gefällig? Die Jahres - wie man erst viel später erfuhr - ins SMZ Ost/Donauspital einge-
Wiener Häftlingspsychiatrie, die liefert worden. Nach der unfallchirurgischen Versorgung brachte man ihn
über die Grenzen Österreichs hinaus in der Nacht vor seiner geplanten Entlassung in einem Gangbett unter. In
einen guten Ruf genießt, wird dem- den frühen Morgenstunden verstarb der Patient mit einer kardialen Ursa-
nächst ersatzlos geschlossen (siehe che im Gangbett.
auch Interview auf Seite 3). Doch da-
mit nicht genug: In ganz Wien wur- Die Empörung unter den Spitalsmitarbeitern war groß. Wieso konnte in der
den - an der Ärztekammer vorbei - 52 Unfallchirurgie kein freies Notfallbett aufgetrieben werden? Warum muss
Turnusarztposten gestrichen. Und ein Patient die letzten Stunden seines Lebens in einem Gangbett verbringen?
dann kommt noch der Todesfall im »Gangbetten sind mit der Menschenwürde nicht vereinbar und sollten schon
Donauspital (siehe rechts). Traurig! lange der Vergangenheit angehören«, ermahnt Ärztekammerpräsident Tho-
mas Szekeres.
NACHTDIENST ADE! Das Fass zum
Überlaufen brachte letztlich die Die Gangbettenproblematik ist nur eine von vielen, die vom Wiener Kranken-
anstaltenverbund nicht gelöst wird. Besonders auffallend dabei ist, dass die
gemeindeeigene Wiener Pflege- und Patientenanwältin Sigrid Pilz zu solch
Mein Standpunkt: skandalösen Vorfällen beharrlich schweigt. Szekeres: »Diese Inaktivität ist
»Die Vereinbarung vom Juli 2015 war ein erschreckend. Was muss eigentlich noch alles passieren, dass Frau Pilz ihren
Stefan Seelig
konstruktiver Reformbeitrag der Ärztekam- Aufgaben nachkommt und sich um die Interessen der Patienten kümmert?«
mer. Da der KAV versucht, einzelne Maß-
nahmen diktatorisch durchzudrücken, darf Das tragische Ereignis im Donauspital ist nur die Spitze des Eisbergs. In
man sich nicht wundern, dass die Ärzteschaft das nicht den Wiener Gemeindespitälern sind Missstände, wie überfüllte Ambulanzen,
widerspruchslos hinnimmt.« lange Wartezeiten und Betten in Nischen und Gängen, trauriger Spitals
Ärztekammer-Vizepräsident Hermann Leitner alltag. Die politisch Verantwortlichen haben damit anscheinend kein Prob-
lem. Nachhaltige Reformen sind nicht in Sicht.
2 STANDPUNKTE 03_2016»Weder menschlich
noch fachlich vertretbar«
2017 soll die Forensische Akutpsychiatrie im Pavillon 23 des
Otto-Wagner Spitals geschlossen werden. STANDPUNKTE
sprach mit Harald David, der die Abteilung 16 Jahre lang leitete,
Michaela Obermair
über den Kahlschlag der wichtigen Einrichtung und den damit
einhergehenden Niedergang der praktischen Fachausbildung.
STANDPUNKTE: Sie haben die Ab- und das Ganze bei einem ohnehin Nicht, solange die oberste Prio-
teilung für Forensische Psychiatrie akuten Bettenmangel. Am Gang vor rität der Politik bei kurzfristigen
und Alkoholkranke in Wien viele dem Zimmer wird ein Justizwache Einsparungen liegt. Natürlich wäre
Jahre lang geleitet und entwickelt. beamter sitzen, was einerseits es wünschenswert, die fachlich und
Mittlerweile sind die Suchtstation teuer ist und andererseits zu einer menschlich beste Lösung zu finden.
und die Langzeitstation geschlos- angespannten Atmosphäre für die Die Schließung der Akutpsychiat-
sen. 2017 soll auch die Akutstation übrigen psychiatrischen Patienten
dichtgemacht werden. Wie geht führen wird. Häftlinge dürfen au-
es Ihnen mit dieser schrittweisen ßerdem nicht mit anderen Patienten
Demontage ganzer psychiatrischer an Gruppentherapien und sons- »Diese Entwicklung führt in eine
Fachbereiche? tigen Aktivitäten teilnehmen. Das falsche Richtung. Schließlich haben wir
David: Mir tun sowohl die psychia- wiederum beeinträchtigt die offene hier ein Kompetenzzentrum mit einem
trisch akut erkrankten Strafgefange- Psychiatrie, auf die wir so stolz
nen und Untersuchungshäftlinge als sind. Was wird also passieren? Die
exzellenten Ruf aufgebaut, das nun einem
auch die Mitarbeiter der Abteilung psychisch kranken Strafgefangenen falschen Sparzwang zum Opfer fällt.«
leid, weil es für beide Gruppen keine werden rasch entlassen, um genauso Harald David
adäquaten Angebote mehr geben schnell wieder im Spital zu landen,
wird. Diese Entwicklung führt in wo alles von vorne beginnt. Aus all
eine falsche Richtung. Schließlich diesen Gründen können Häftlinge rie schafft nur Probleme. Sie führt
haben wir hier ein Kompetenz eigentlich nicht in einer allgemeinen dazu, dass die psychisch erkrankten
zentrum mit einem exzellenten Ruf Psychiatrie behandelt werden. Straftäter in Zukunft schlechter be-
aufgebaut, das nun einem falschen handelt werden, früher in die Jus-
Sparzwang zum Opfer fällt. Das ist Wie wird sich die Schließung auf tizanstalten rücküberstellt werden
umso tragischer, als der Pavillon 23 die psychiatrische Fachausbildung und die Überstunden des Wach-
– damals noch mit der Langzeitstati- in Wien auswirken? personals steigen – was wiederum
on – EU-weit als Vorzeigeprojekt für Der Pavillon 23 war immer eine eine sinkende Betreuungsqualität in
die moderne psychiatrische Forensik moderne Ausbildungsstätte, wo wir den Haftanstalten nach sich ziehen
gegolten hat. den Kolleginnen und Kollegen auch wird. Man erspart sich letztlich
gezeigt haben, wie man forensische nichts. Hinzu kommt, dass junge
Was haben die Patienten der Gutachten erstellt. Wenn die Foren- Kolleginnen und Kollegen keine Er-
Forensik nach der Schließung zu sische Akutpsychiatrie geschlossen fahrungen mehr auf diesem Gebiet
erwarten? wird, geht nach dem Wegfall des sammeln können. Die Schließung
Diese oft schwierigen Patienten Suchtzentrums bereits das zweite ist somit weder menschlich noch
müssen von den öffentlichen Kran- Praxismodul von insgesamt sechs fachlich vertretbar.
kenanstalten übernommen werden. verloren. Diese beiden Module
Vermutlich werden die psychiatri- werden in Wien nur mehr theore-
schen Regionalabteilungen mit der tisch oder im ambulanten Bereich
neuen Aufgabe fachlich überfordert erlernbar sein. Hier wird definitiv Zur Person
sein, da ihnen die Spezialisierung wertvolles Praxiswissen vernichtet.
fehlt. Hinzu kommt, dass ein Prim. i.R. MR Dr. Harald P. David, Facharzt für Psychi-
geisteskranker Rechtsbrecher nicht Ist es denn nicht mehr möglich, atrie und Neurologie, war von 1995 bis 2011 Leiter der
mit einem anderen psychiatrischen die Politik von der Wichtigkeit Abteilung für Forensische Psychiatrie und Alkoholkran-
Patienten ein Zimmer teilen darf. der Abteilung zu überzeugen und ke im Otto-Wagner Spital.
Es wird also oft ein Bett freibleiben, eine Schließung abzuwenden?
03_2016 STANDPUNKTE 3Hausarzt reloaded:
Medizinische Versorgung neu!
Würde der Hausarzt eine zentrale Rolle im Patientenmanagement einnehmen,
wäre allen geholfen: Den Patienten, den Ärzten und den Krankenkassen.
F ür Patienten zahlt es sich offen-
bar aus, bei einer Krankheit zu-
erst den Hausarzt aufzusuchen und
sich von ihm erzählen zu lassen, wie
die weitere Behandlung zu erfolgen
hat. Patienten landen dann nicht so
oft im Krankenhaus, haben weniger
Amputationen bei Diabetes - und die
Lebensqualität steigt ebenfalls. Und
ganz nebenbei erspart sich die Kran-
»Als Arzt des Vertrauens soll und muss
der Hausarzt ein Berater und Koordinator
sein, der einen Patienten ganzheitlich
claudiobaba/iStock
ein Leben lang betreut und ihn auf
den richtigen Weg im Gesund-
heitssystem führt.«
Wolfgang Werner
aden-Württemberg geht bereits
B führt von der Vorarlberger Kranken-
ins neunte Jahr und hat bei den 1,4 hausbetriebsgesellschaft und die an-
kenkasse viel Geld durch die bessere Millionen Versicherten viele Kom dere vom Landesklinikum Amstetten
Koordinierung der Behandlungs plikationen und Krankenhausein- – untermauern die Erfahrungen aus
ebenen Hausarzt, Facharzt und Spital. weisungen verhindert. So wurden Deutschland. Sie kommen zu der
Zu diesem Ergebnis kommt eine ak- zwischen 2011 und 2014 in etwa Schlussfolgerung, dass 60 Prozent
tuelle Studie, die von der AOK Baden 40.000 Klinikeinweisungen weniger aller Selbstzuweiser im Spital auch
Württemberg durchgeführt wurde als in der Regelversorgung regist- von niedergelassenen Allgemein
- übrigens der einzigen Krankenkasse riert und 30 Prozent Magen- oder medizinern behandelbar wären. Das
in Deutschland, die ein eigenes Haus- Darm-Operationen weniger ver- ruft natürlich auch in Österreich die
arztmodell ernsthaft umsetzt. zeichnet. Bei 119.000 Diabetikern Hausärzte auf den Plan.
wurden 1700 Komplikationen wie
ERFOLGREICH UMGESETZT. Das Fußamputationen, Erblindun- NEUE ROLLE FÜR HAUSÄRZTE. Die
erfolg
reiche Hausarztmodell in gen oder Schlaganfälle durch die Ärztekammer hat ein zukunftswei-
gute hausärztliche Betreuung ab- sendes Modell entwickelt, das die
gewehrt. Das Allerbeste: So ein Hausärzte – neben ihrem hohen
Mein Standpunkt: Hausarztmodell rechnet sich, ob-
Vertrauensstatus bei den Patienten
»Die Primärversorgung 2020 beruht wohl die im Projekt befindlichen – auch zu Lotsen im ärztlichen Ange-
auf dem Konzept Hausarzt und Gruppen Hausärzte wegen der sogenannten botsdschungel macht.
praxis. Sie soll ausschließlich im Rahmen »Chroniker-Programme« und der »Als Arzt des Vertrauens soll und
privat
des Gesamtvertrags für Kassenärzte statt- engmaschigen Gesundheitskon muss der Hausarzt ein Berater und
finden. Erforderlich für die Umsetzung sind flexible trollen ein höheres Honorar erhal- Koordinator sein, der einen Pati-
Formen der ärztlichen Zusammenarbeit, eine Locke- ten. Allein 2015 konnte die AOK enten ganzheitlich ein Leben lang
rung der Vertretungsbestimmungen und angemessene Baden-Württemberg 235 Millionen betreut und ihn auf den richtigen
Bereitschaftsmodelle.« Euro im Vergleich zur Regelversor- Weg im Gesundheitssystem führt«,
Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart gung einsparen. sagt Wolfgang Werner, Obmann der
Zwei österreichische Erhebungen Sektion Allgemeinmedizin der Ärz-
aus dem Jahr 2010 – eine durchge- tekammer für Wien, der am neuen
4 STANDPUNKTE 03_2016Hausarztmodell maßgeblich mitge-
arbeitet hat.
CT- und MRT-Wartezeiten
Auch das aktuelle Konzept der
»Primärversorgung 2020« setzt
werden immer länger
auf der neuen Rolle der Hausärzte
auf. Es positioniert den Hausarzt Ist es nicht paradox, dass Beschwerden von Patienten ein, die
beziehungsweise Gruppenpraxen ausgerechnet Krebspatienten, berichten, dass ihnen eine Bevor-
als Dreh- und Angelpunkt für die zugung in Aussicht gestellt werde,
ärztliche Grundversorgung. die am wenigsten Zeit haben, wenn sie bar bezahlten. Die Wur-
am längsten warten müssen? zel des Übels sei die zwischen dem
Hauptverband der österreichischen
Bis zu zehn Wochen warten Krebspa- Sozialversicherungsträger und dem
Das Hausarzt- tienten mittlerweile auf ihre lebens- Verband der Gesundheitsbetriebe
notwendigen CT- und MRT-Unter- abgeschlossene Honorarvereinba-
Modell im Detail
suchungen. Das ist ein Missstand, rung. Sie führe dazu, dass freie Ka-
D
er Hausarzt stellt die Grundver- der in Wien besonders schwer ins pazitäten den sozialversicherten Pa-
sorgung sicher und widmet sich Gewicht fällt, da vergleichsweise viele tienten nur gegen zusätzliche private
verstärkt der Vorsorgemedizin. Menschen da-
D
er Hausarzt hat Kenntnisse des von betroffen
familiären und sozialen Umfelds sind. Die Bun-
seiner Patienten und erkennt die deshauptstadt
Zusammenhänge zwischen Beruf nimmt hier
und Erkrankung (Arbeitsplatz österreichweit
anamnese, Kommunikation mit den ruhmlo-
Betriebsärzten). sen Spitzen-
D
er Hausarzt fungiert als Infor- platz ein. »Ein
mationsdrehscheibe und verwal- untragbarer
tet die Befunde der Patienten, Zustand für
Johnny Greig/iStock
die ihm von Krankenhäusern und Patienten und
Fachärzten übermittelt werden. deren Angehö-
L
eistungsfähige Zusammenar- rige«, bedauert
beitsformen wie Gruppenpraxen, Ärztekam-
Ärzte-GmbHs und Ärztenetz- merpräsident Thomas Szekeres und Zahlungen zur Verfügung stünden.
werke sind erwünscht und ent- stellt sich hinter die Österreichische »Dieser eklatante Systemfehler und
lasten den stationären Bereich. Krebshilfe, die diesen Zustand eben- die daraus resultierende Zwei-Klas-
E
ine adäquat honorierte Verrech- falls anprangert. Als Grund für den sen-Medizin darf im österreichi-
nungsposition wird österreich- Engpass ortet Szekeres einmal mehr schen Gesundheitswesen nicht län-
weit für alle Krankenkassen im- ein völlig falsches Sparverhalten der ger geduldet werden«, so Kräuter.
plementiert. Doch anstatt die Warnrufe von
D
er niedergelassene Bereich wird Krebshilfe, Ärztekammer und Volks-
gestärkt: Überweisungen erfol- Wien nimmt österreichweit anwaltschaft ernst zu nehmen, will
gen grundsätzlich (außer in Not- die Wiener Gebietskrankenkasse
fällen) nur zum niedergelassenen den ruhmlosen Spitzenplatz bei eine weitere patientenfeindliche
Facharzt. CT- und MRT-Wartezeiten ein. Maßnahme setzen: Die Staffelung
D
er Hausarzt koordiniert ein in- der CT- und MRT-Untersuchun-
tegriertes Behandlungsteam. gen nach Dringlichkeit. »Als ob das
A
m Programm stehen auch Sozialversicherung, die notwendige wirklich jemand beurteilen könnte«,
Hausbesuche und Hauskranken- Planstellen nicht bewilligt und an gibt der Obmann der Kurie nieder-
behandlungen. der Leistungsdeckelung festhält. »Ich gelassene Ärzte und Vizepräsident
fordere Bund, Stadt und Sozialver- der Ärztekammer für Wien, Johan-
sicherung auf, endlich zusätzliche nes Steinhart, zu bedenken. Seine
Diese Aufwertung des Hausarztes Planstellen zu schaffen oder Krebs Befürchtung: noch längere Warte-
als integrierte Versorgungsstelle mit patienten von der Deckelung gänz- zeiten.
stärkerer Koordinationsfunktion lich auszunehmen.« Der Kasse müsse es ein Anliegen
wird zu einer verbesserten Patien- Unterstützung erhält die Ärztekam- sein, in erster Linie für das Wohl
tenversorgung führen. Das erfordert mer in ihrer Forderung von Volks- der Patienten zu sorgen. »Um das
eine neue, zeitgemäße Honorierung, anwalt Günther Kräuter, der eben- zu erreichen, führt kein Weg dar-
die durch die Einsparungen, die das falls auf neue Rahmenbedingungen an vorbei, dass die Kosten für mehr
neue Hausarztmodell bewirkt, mehr für MRT- und CT-Untersuchungen Untersuchungen getragen werden«,
als wettgemacht wird. pocht. Bei ihm gehen immer mehr so Steinhart.
03_2016 STANDPUNKTE 5»Punkte sammeln und dranbleiben«
Das Diplom-Fortbildungs-Programm lenkt das lebenslange Lernen von Ärztinnen und
Ärzten in geordnete Bahnen. STANDPUNKTE sprach mit Elisabeth Lehner, der Fortbildungs-
beauftragten im Hanusch-Krankenhaus, über das neue Programm und seine Folgen.
Jahren kann heute kein Was liegt Ihnen als Fortbildungs-
Patient mehr optimal beauftragte besonders am Herzen?
betreut werden. Daher Mir ist wichtig, eine positive
ist das lebenslange Lernumgebung in unserem Kran-
Lernen ein wichtiger kenhaus zu schaffen. Spitalsärzte
Teil des Jobprofils von können ihre Fort- und Weiterbil-
uns Medizinern. Die dung auch innerhalb der Dienstzeit
Teilnahme an Fortbil- absolvieren. Das sehe ich als Vorteil.
dungen aktualisiert Gemeinsam mit den Kolleginnen
das Fachwissen und der ärztlichen Direktion habe ich
verknüpft neue wissen- eine einfache Ablauflogistik für die
schaftliche Erkenntnisse Eingabe der DFP-Punkte bei Ver-
mit dem täglichen Er- anstaltungen im Haus und für die
fahrungslernen an den Approbation der Fachabteilungen
Patienten. organisiert. Das hat zwar zusätzliche
personelle Ressourcen erfordert,
Michaela Obermair
Was zeichnet denn das läuft aber mittlerweile sehr gut.
neue Diplom-Fortbil-
dungs-Programm aus?
Qualifikationsstandards
Lehner: »Das STANDPUNKTE: Warum ist die sind im Arztberuf unumgäng- »Das Fortbildungsreferat der
lebenslange Lernen Fortbildung für Ärztinnen und lich. Das Diplom sichert die hohe
ist ein wichtiger Teil
Ärzte so wichtig? Qualität unseres Berufsstands und
Ärztekammer stattet uns halb-
unseres Jobprofils.«
Elisabeth Lehner: Die Halbwertszeit natürlich auch die jedes einzelnen jährlich einen Besuch ab und
des medizinischen Wissens ist be- Arztes. Medizinisches Wissen berät in der Sprechstunde zu
reits unter zwei Jahre gesunken. Mit aufzufrischen und immer aktuell zu den DFP-Punkten. Das wird
einem Wissensstand von vor zehn sein, ist eine Grundvoraussetzung sehr gut angenommen.«
für unsere Tätigkeit.
Elisabeth Lehner
Welchen Stellenwert hat die Fort-
Zur Person bildung in Ihrem Berufsleben?
Natürlich einen sehr großen. Ich Noch ein knappes Jahr lang haben
Dr. Elisabeth Lehner, MA, ist seit 2010 Fortbildungsbe- habe mein Notarztdiplom aufge- Ärztinnen und Ärzte die Wahl
auftragte im Hanusch-Krankenhaus und arbeitet als In- frischt und besuche viele Veran- zwischen einem drei- und einem
ternistin mit Zusatzfach Geriatrie an der 1. Medizini- staltungen in meinem Haupttätig- fünfjährigen Fortbildungszeit-
schen Abteilung. 2009 erwarb sie den »Master of Art for keitsbereich, der Geriatrie. Das hilft raum. Was macht mehr Sinn?
»Professional Teaching and Training« im Departement mir auch, aktuelle Probleme im Ar- Das muss jeder für sich selbst ent-
für Bildungspädagogik an der Donau Universität Krems. beitsalltag zu lösen. Als Verantwort- scheiden. Ich persönlich halte die
liche für die ärztliche Fortbildung fünf Jahre für die bessere Variante,
im Hanusch-Krankenhaus biete ich da im größeren Zeitraum auch mehr
darüber hinaus allen Berufsgrup- Flexibilität steckt. Beispielsweise
Mein Standpunkt: pen im Haus aktuelle Themen im können Dienstfreistellungen so
»Das DFP-Diplom ist die ideale Form zur Rahmen der »Fortbildungsstunde« besser geplant werden. Außerdem
Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung an. Zu guter Letzt stehe ich den schafft ein gewisses Maß an Auto-
Stefan Seelig
zum Nachweis der Fortbildung. Damit ist Kolleginnen und Kollegen auch nomie auch meistens einen Motiva-
auch der 2016 gesetzlich eingeführte Nach- mit meinen pädagogischen Fortbil- tionsanreiz.
weis der Fortbildung erbracht.« dungskenntnissen, die ich durch
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres den »Master of Art for Professional Erwarten Sie durch die Über-
Teaching and Training« erlangt prüfung der Fortbildungspunkte
habe, gerne zur Verfügung. negative Überraschungen?
6 STANDPUNKTE 03_2016Eigentlich nicht. Für angestellte
Ärztinnen und Ärzte im Ha-
Ihr ganz persönlicher Rat – wie
sollten die Kolleginnen und Kolle-
Beliebte Fach-
nusch-Krankenhaus gibt es viele
Möglichkeiten, DFP-Punkte im
gen das DFP am besten anlegen?
Punkte sammeln und dranblei-
zeitschriften
Überprüfungszeitraum zu sam- ben, am besten schon während der
meln. Aber falls Probleme auf- Ausbildung. Die DFP-Punkte wer- Mehr als zwei Drittel
treten, werde ich an der Lösung den automatisch im Hintergrund nennen Fachzeitschriften als
mitwirken. eingebucht – auch für die Kollegin-
nen und Kollegen in Ausbildung. wichtigste Informationsquelle
Wie sind die Reaktionen auf das Eine regelmäßige Wartung des für ihre ärztliche Tätigkeit.
DFP aus der Kollegenschaft? DFP-Kontos verschafft außerdem
Durchwegs positiv. Das Fortbil- einen guten Überblick über die ei- Keine andere Informationsquelle wird
dungsreferat der Ärztekammer genen Aktivitäten. Über e-Learning von niedergelassenen Allgemein
stattet uns halbjährlich einen Besuch können ebenfalls Punkte erworben medizinern und Fachärzten mehr
ab und berät in der Sprechstunde zu werden, und beim Einbuchen von geschätzt als gedruckte medizinische
den DFP-Punkten. Das wird sehr Auslandskongressen hilft das Fort- Fachzeitschriften und Ärztezeitun-
gut angenommen. bildungsreferat der Ärztekammer. gen. Zu diesem Ergebnis kommt eine
aktuelle Umfrage des Spectra-Markt-
forschungsinstituts.
Fachzeitschriften erreichen 97 Pro-
Das Diplom-Fortbildungs-Programm zent der Befragten und sind für 64
Prozent – also fast zwei Drittel – die
Kurze Innovationszyklen und Technologiesprünge machen eine berufs Informationsquelle Nummer eins
begleitende Aktualisierung des Wissens sowie eine kontinuierliche Erweite- für ihre ärztliche Tätigkeit. Von den
rung der fachlichen Kompetenz notwendig. Das Diplom-Fortbildungs- berufsbezogenen Informationen, die
Programm (DFP) umschreibt den Umfang und die Qualitätsstandards der pro Woche genutzt werden, entfallen
Fortbildung für alle Ärztinnen und Ärzte. Mit dem DFP-Diplom weisen 39 Prozent auf die Inhalte von Fach-
Ärztinnen und Ä rzte nach, dass sie diese Fortbildung absolviert haben. zeitschriften. Die durchschnittliche
Lesedauer beträgt in etwa zwei Stun-
Aktuelle Bestimmungen für das zählt aber auch die Punkteanzahl am den pro Woche. Insgesamt inves-
DFP-Diplom Fortbildungskonto oder in Form von tieren niedergelassene Ärzte durch-
Bis 30. Juni 2017 haben Ärztinnen Teilnahmebestätigungen. schnittlich fünf Stunden pro Woche
und Ärzte die Wahl zwischen zwei in die Fortbildung.
Fortbildungszeiträumen: drei Beantragung des DFP-Diploms
Jahre (150 DFP-Punkte) und fünf Das DFP-Diplom sollte beim Fort- HOHER NUTZEN. Die überwiegende
Jahre (250 DFP-Punkte). Beide bildungsreferat beantragt werden, Mehrheit aller Befragten gibt an, nach
Varianten führen zu einem Diplom am besten online per Mausklick. Das dem Lesen eines Artikels schon ein-
mit einer Gültigkeit von fünf Jahren. Fortbildungskonto berechnet den mal die Anwendung einer bestimm-
Punktestand und liefert Ärztinnen ten Therapie in Erwägung gezogen
Anerkannte ärztliche Fortbildungs- und Ärzten einen vorausgefüllten beziehungsweise nach weiterführen-
arten Kontoausdruck. den Informationen zum Thema ge-
Besuch von Veranstaltungen sucht zu haben. Viele »modernere«
Teilnahme an Qualitätszirkeln Registrierung und Eröffnung des Channels wie Online-Fortbildungen
Absolvieren von e-Learning (DFP- Fortbildungskontos und Demovideos im Internet, elekt-
Online, DFP-Literaturstudium, Es geht ganz einfach: auf die Web- ronische Newsletter oder gesponserte
DFP-Online-Kurse) site www.meindfp.at auf den Link Webportale werden von den Befrag-
Wissenschaftliche Beiträge in »Noch kein DFP-Konto? Hier regis- ten deutlich seltener genutzt.
Journalen und Buchbeiträge trieren« klicken und die ÖÄK-Arzt- Neben dem Besuch von Fortbildungs-
Hospitationen nummer (Abfrage unter http://ab veranstaltungen erhalten medizini-
Supervisionen frage.aerztekammer.at/index.jsf) sche Fachzeitschriften vielfach die
sowie die Eröffnungskennung zweitbeste Bewertung. Besonders gut
Fortbildungsnachweis seit 1. Sep- eingeben. Letztere kann unter werden sie hinsichtlich »nützlich/
tember 2016 support@meindfp.at oder unter der nutze ich am liebsten«, »Glaubwür-
Für die Erfüllung der Fortbildungs- Telefonnummer 512 63 83/33 DW digkeit« und »erste Wahl für Infor-
pflicht, die erstmals seit 1. Septem- angefordert werden. Nach dem mationen über therapeutische Mög-
ber 2016 überprüft wird, sind 150 Ausfüllen (Benutzername, Pass- lichkeiten und Präparate« bewertet.
DFP-Punkte nachzuweisen. Am ein- wort, Stammdaten und Akzeptanz Sie haben einen höheren Stellenwert
fachsten erfolgt das durch ein gül- der AGBs) ist die Registrierung ab- als Gespräche mit Kolleginnen und
tiges DFP-Diplom. Als Nachweis geschlossen. Kollegen, Pharmareferenten und In-
formationen aus dem Internet.
03_2016 STANDPUNKTE 752 Prozent
DER PATIENTINNEN
UND PATIENTEN
Kurz und bündig
Online-Umfrage gestartet
Was kann die neue Basisausbil-
PHC-Gesetz soll Probleme
lösen, nicht machen!
Die Machtspiele um das geplante PHC-Gesetz
dung? Eine Online-Umfrage, die tragen nicht zur Verbesserung der Primärversorgung
ORTEN EINEN seit Juli 2016 in ganz Österreich
STILLSTAND
IN DER
läuft, will von den jungen Ärztin-
nen und Ärzten wissen, wie sie
durch Hausärzte bei.
MEDIZINISCHEN ihre Ausbildung empfunden ha-
ben. Was war gut? Was könnte
Die Auflösung des Gesamtvertrags, die Schwächung der
Ärzteschaft und die Überantwortung der Versorgung an
VERSORGUNG besser sein? Großkonzerne lässt die Ärztekammer grundsätzlich an der
IN WIEN
Wolfgang Amri/iStock
Die anonyme Online-Umfrage Notwendigkeit eines PHC-Gesetzes zweifeln. Das von Ge-
soll Klarheit bringen und umfas- sundheitsministerin Sabine Oberhauser für Herbst 2016
send Verbesserungspotenziale angekündigte Gesetz löst schließlich kein einziges Ver-
aufzeigen. Sie wird jeweils zum sorgungsproblem. Wichtiger wäre es, den Beruf des All-
Quartalsende durchgeführt. Die gemeinmediziners als Kassenarzt attraktiver zu gestalten.
Ärztinnen sind nächste Evaluierung erfolgt – dem
Zyklus der Basisausbildung ent-
Doch derzeit geschieht genau das Gegenteil: rechtswidri-
ger Kontrollwahn durch Mystery Shopping, unsinnige Bü-
benachteiligt sprechend – im Oktober dieses
Jahres.
rokratie bei ABS-Bewilligungen, Millioneninvestitionen in
ELGA-Systeme anstatt in die Versorgung. Dabei machen
Jahrzehntelang mussten junge Die Umfragen werden vom Ärzt- fehlende Ausbildungsmöglichkeiten sowie ein schlechte-
Ärztinnen während ihrer Klinikaus- lichen Qualitätszentrum in Linz rer Verdienst den Beruf des Kassenhausarztes zunehmend
durchgeführt. unattraktiv.
bildung einen harten Konkur-
renzkampf mit ihren männlichen
Kollegen ausfechten.
Zweiter Kindernotdienst
Die Situation hat sich mittlerwei-
ELGA-Start stockt
le entspannt, doch die Probleme Aus dem ELGA-Start im Juli ist nichts geworden.
mit der Vereinbarkeit von Beruf Die Ärztekammer begrüßt den Aufschub.
und Arbeit sind geblieben. Dieses
Resümee zog die Organisation der Das Gesundheitsministe-
Ärztinnen Österreichs anlässlich rium hat bereits zugege-
des Welt-Ärztinnenkongresses Ende ben, dass die technischen
Juli in Wien. Dabei kamen auch die Voraussetzungen von
D3Damon/iStock
fatalen Lebensumstände von Frauen ELGA ungenügend sind.
zur Sprache. »Weltweit leiden 35 Für die Ärztekammer ist
Prozent aller Frauen unter häuslicher es aber nicht nur das:
TommL/iStock
Gewalt«, so Alexandra Ciresa-König Vor dem Start muss erst
von der Innsbrucker Universitäts- noch die Kostenabdeckung durch die öffentliche Hand
klinik für Gynäkologie und Geburts- für alle ELGA-Ausgaben in den Arztpraxen geregelt
hilfe. »Frauen auf der Flucht sind werden. Bevor das nicht passiert, sollten Ordinationen
besonders von Gewalt bedroht. Hier Ab Herbst dieses Jahres gibt es keine EDV-Tools für den ELGA-Betrieb ankaufen.
kommt es auf uns Ärztinnen an, an Wochenenden und Feierta- Der Probebetrieb der e-Medikation hat zwar Ende Mai
Verdachtsfälle zu enthüllen«, betonte gen in Wien eine zusätzliche ärzt- 2016 im steirischen Bezirk Deutschlandsberg begonnen.
Edith Schratzberger-Vecsei, Allge- liche Betreuung für Kinder: Den Eingebunden sind jedoch nur jene Ärztinnen, Ärzte,
meinmedizinerin und Präsidentin zweiten Kindernotdienst (KiND) Gruppenpraxen und Apotheken, die sich freiwillig
der Organisation. im SMZ Süd/Kaiser-Franz-Jo- gemeldet haben.
sef-Spital. Damit wird eine wich-
IMPRESSUM tige neue Anlaufstelle geschaffen. Adressfeld
Herausgeber und Medieninhaber: Ärztekammer
Das Angebot wird über den Ärzte-
für Wien, Körperschaft des öffentlichen Rechts, ver-
treten durch den Präsidenten, Weihburggasse 10–12, funkdienst der Ärztekammer ab-
1010 Wien, T 01/515 01, pressestelle@aekwien.at gewickelt und entlastet die Kin-
Redaktion: Dr. Hans-Peter Petutschnig Verleger: derambulanzen an Wochenenden.
Medizin Medien Austria GmbH, 1120 Wien, G rünberg- Ein erster Schritt ist also gemacht,
straße 15, T 01/54 600-0, office@medizin-medien.at
weitere Projekte und Maßnahmen
Herstellung: Friedrich Druck & Medien GmbH,
A-4020 Linz, Zamenhofstraße 43–45, www.friedrich
für eine bessere Kinderbetreuung
druck.com. Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: könnten folgen.
www.aekwien.at/media/Offenlegung_STP.pdf
8 STANDPUNKTE 03_2016Sie können auch lesen