Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015

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Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
nostra 1/2015   Weißenburger Blätter
                 Geschichte . Heimatkunde . Kultur
                                           Januar 2015
villa
Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
villa nostra – Weißenburger Blätter                          Impressum:
        Geschichte. Heimatkunde. Kultur                          Herausgeber: Große Kreisstadt Weißenburg i. Bay.,
                     1/2015                                       Neues Rathaus, 91780 Weißenburg i. Bay.,
                                                                  Tel.: 09141/907102, Fax: 09141/907138
                                                                  (Büro des Oberbürgermeisters)
                                                                  E-Mail: Stadt@Weissenburg.de
                                                                  Internet: http://www.weissenburg.de
Inhalt:                                                          Erscheinungsweise: dreimal jährlich (Januar, Mai, September)
                                                                 Auflage: 3000
Reiner Kammerl:
 Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in                            Schriftleitung v.i.S.d.P.: Dipl.-Archivar (FH) Reiner Kammerl,
 Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme,                                Stadtarchiv, Neues Rathaus, Tel.: 09141/907222,
                                                                   Fax: 09141/907227, E-Mail: stadtarchiv@weissenburg.de
 S. 5
                                                                 Redaktion und Konzeption: Reiner Kammerl, Jürgen Schröppel
                                                                 Beiträge: Reiner Kammerl
                                                                 Fotos und Zeichnungen: Stadtarchiv Weißenburg i. Bay.
Titelbild:
                                                                 Satz und Druck: Buch- und Offsetdruckerei Braun & Elbel,
Entwurf zu einem Monumentalbrunnen                                 Weißenburg i. Bay.
in Weissenburg a. Sand                                           Die „villa nostra – Weißenburger Blätter“ sind kostenlos erhält-
                                                                 lich in den bekannten Verteilerstellen der Stadtverwaltung (u. a.
Die Zeichnung des Nürnberger Bildhauers Fritz Zadow (1862-       Neues Rathaus, Amt für Kultur und Touristik im Römermuseum,
1926) gibt dessen Brunnenentwurf vom Herbst 1895 wieder,         Stadtbibliothek), im Weißenburger Museumsshop, im Kunden-
das die Stadt zunächst umsetzen wollte. Nachdem man dafür in     zentrum der Stadtwerke GmbH, in den Weißenburger Geschäfts-
München keine Zuschüsse, sondern einen Wettbewerb aufs           stellen der Sparkasse sowie den örtlichen Buchhandlungen und
Auge gedrückt bekam, wurde es verworfen bzw. das Preisge-        Banken.
richt kürte einen anderen Vorschlag.
Links oben ist eine Fotomontage eingeklebt. In das aus identi-   Bei Bedarf, soweit von Institutionen oder Gewerbebetrieben
schem Blickwinkel wie die Zeichnung aufgenommene Foto ist        Exemplare zur Auslage in Wartezimmern o. ä. gewünscht, oder
das von dem Bildhauer Balthasar Schmitt (1858-1942) gefer-       auch falls frühere Ausgaben ganz oder teilweise benötigt wer-
tigte Brunnenmodell montiert.                                    den, wenden Sie sich bitte an das Stadtarchiv oder das OB-Büro.
                        (Foto: Stadtarchiv Weißenburg i. Bay.)
                                                                 © Stadt Weißenburg bzw. Verfasser der Beiträge

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Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
Brunnen - Denkmäler - Skulpturen

Bis zur Einführung der öffentlichen Wasserversorgung        wir das im Lauf der Zeit noch nachholen. Eine ausführ-
waren Brunnen neben der notwendigen Trinkwasser-            liche Beschreibung der Entstehungszusammenhänge
quelle auch ein öffentlicher Treffpunkt. Planmäßig wur-     musste ebenso unterbleiben wie eine umfangreiche
den am Ende des 19. Jahrhunderts die Haupt- und Ne-         künstlerische Würdigung. Auch die Angaben zu den
benleitungen in der Stadt ausgebaut, und bis zum Beginn     Künstlern selbst sind kurzgefasst und dem zur Verfü-
des 20. Jahrhunderts waren von den 870 Häusern der          gung stehenden Platz geschuldet. Gerade bei Künstlern,
Stadt immerhin schon rund 370 an die öffentliche            die auf ein langes Schaffen zurückblicken können,
Wasserversorgung angeschlossen. Zum Vergleich: 1810         würde das alleine schon mindestens eine Seite füllen.
hatten von 500 Hausbesitzern immerhin 155 eigene                     Dankbar nehmen wir Details und Hintergrund-
Brunnen. Der Rest der Einwohnerschaft war auf die 22        informationen auf oder auch Hinweise zu Objekten, die
öffentlichen Brunnen angewiesen, die strategisch über       wir in dieser Bestandsaufnahme möglicherweise überse-
die Altstadt verteilt waren.                                hen haben.
          In der Auflistung haben wir nicht unterschieden
zwischen Brunnen und Wasserspielen. Diese Feinheiten        Wir wünschen Ihnen zum Jahreswechsel alles Gute für
sind bei der Frage um die Anlage eines Wasserspiels auf     das Jahr 2015
dem neu gestalteten Marktplatz vor wenigen Jahren aus-
giebig diskutiert worden.                                   Ihr                      Ihr
          Denkmäler sind künstlerisch gestaltete Objek-
te, die an ein Ereignis, eine Person oder Gruppe erinnern
sollen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass man      Jürgen Schröppel         Reiner Kammerl
gerade bei eher traurigen Anlässen dem Vergessen ent-       Oberbürgermeister        Stadtarchivar
gegenwirken will, und deshalb sind die Denkmäler im
Stadtgebiet Mahnmale.
          Unter dem Begriff Skulpturen sind alle diejni-
gen Kunstwerke aus unterschiedlichsten Materialien
zusammengefasst, die im öffentlichen Raum, also auf
Straßen, Plätzen oder Anlagen stehen bzw. allgemein
zugänglich sind. Hier fehlte bislang etwas zur römischen
Geschichte. Dem wird durch die römische Maske (vgl.
S. 34) abgeholfen werden. Es bleibt aber festzuhalten,
dass sich noch kaum ein Weißenburger Künstler mit dem
Thema auseinandergesetzt hat. Das wäre vielleicht ein
Anstoß, gerade jetzt, wo sich das Römermuseum bzw.
die Präsentation des Römerschatzes im Umbau befindet.
          Zu jedem einzelnen Objekt ließe sich eine aus-
führlichere Geschichte schreiben und vielleicht werden

                                                                                                                3
Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
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Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                    1/2015

               Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg.
                            Eine Bestandsaufnahme
                                              Reiner Kammerl

Vor Einführung der öffentlichen Wasserversorgung            Weißenburg typischen kritischen Aufmerksamkeit be-
bezogen die Bürger der Stadt ihr Trink- und Brauch-         äugt, dann in das Stadtbild integriert und ihr Entste-
wasser aus öffentlichen und privaten Brunnen (ein           hungszusammenhang bald wieder vergessen. Die zu-
Verzeichnis von 1810 nennt 22 öffentliche und 155           fällige Frage eines Touristen oder eine Diskussion am
private Brunnen), dem Stadtbach und fünf in und um          Stammtisch rücken die Brunnen und Denkmäler dann
die Altstadt angelegten Weihern (Schottel- und              gelegentlich wieder in den Blickpunkt. Die so auftau-
Wäschgraben, Spital-, Kipferlings- und Seeweiher).          chenden Fragen nach Künstler, Zeit oder Hintergrün-
Hinzu kamen zwei hölzerne Wasserleitungen vom               den, gerade zu den weniger im Mittelpunkt stehenden
Wülzburghang (Birkhof) und von der Schönau. 1               Objekten, soll der folgende Überblick beantworten.
    Die zunehmende Vergrößerung der Stadt mit                   Nicht bedacht sind die reichsstädtischen Reprä-
neuen Bau- und Industriegebieten außerhalb der Alt-         sentationsbauten mit ihrem reichen Figurenschmuck
stadt machte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts einen        (insbesondere St.-Andreaskirche und Altes Rathaus);
Ausbau der Wasserversorgung notwendig:                      das würde den hier vorgegebenen Rahmen sprengen.
1865 Einspeisung der Willibaldsquelle, 2                    Auch der private Gebäudeschmuck fehlt, also alles,
1887 Erster Hochbehälter am Rohrberg mit 2 km               was an Hausfassaden fest vermauert oder fixiert ist.
       langer Gussleitung in die Stadt, 3                   Eine Bearbeitung der Ortsteile wird ebenfalls viel-
1893 Zweiter Hochbehälter am Wülzburghang, 4                leicht zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
1906 Fassung der Steinriegelquelle bei Suffersheim              Das erwähnte Vergessen hat sich in der z. T. mühe-
       mit 12 km langer Zuleitung zur Stadt (1907), 5       vollen Suche nach Quellen bewiesen, v. a. wenn keine
1925 Anlage der Tiefbrunnen I und II bei der Letten-        städtischen Akten vorliegen. Allen Informanten, die
       mühle (Betrieb ab 1931), 6                           mitgeholfen haben, sei an dieser Stelle gedankt.
1954/1956 Bohrung der Brunnen III, IV und V an
       der Lettenmühle, 7
                                                        1   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1232/6.
1973 Anschluss an die Fernwasserleitung des Zweck-      2   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1728/1.
       verbands Fränkischer Wirtschaftsraum, 8          3   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1715.
1997 Betriebsbeginn des Tiefbrunnens am „Kühle-         4   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1712.
                                                        5   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1720.
       bachfeld“ südlich der Stadt. 9                   6   Stadtarchiv Weißenburg, Stadtwerke 3.
    Heute dienen Brunnen mehr zur Verschönerung         7   Stadtarchiv Weißenburg, Stadtwerke 54.
des Orts- und Straßenbildes und werden daher auch       8   Stadtarchiv Weißenburg, Stadtwerke 59.
                                                        9   „Weißenburger Tagblatt“ vom 31.12.1997.
neu angelegt. Anfänglich werden sie mit der für

                                                                                                                5
Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                             1/2015

„Schöner Brunnen“ / „Schweppermannsbrunnen“               werden musste. Jedenfalls beauftragte unser Rat im
Vor der Südseite des Alten Rathauses, Marktplatz 1        August 1685 den Oettinger Steinmetzen Hans Georg
                                                          Schwickard, einen neuen, sechseckigen Brunnen zu
                                                          gestalten. Immerhin ließ man sich vom Meister zu
                                                          einer achteckigen Brunnenschale überreden. 3 Den
                                                          quadratischen Brunnenpfeiler gestaltete er in Form
                                                          von vier Fratzenmasken, aus deren Mündern vier
                                                          Wasserröhren kommen. Die Wiederverwendung der
                                                          renovierten Figur stand nie zur Diskussion. 4
                                                             In den alten Rechnungen wird die Figur immer als
                                                          „der kupffern man“ bezeichnet. Die Verbindung zu
                                                          dem legendären Feldhauptmann Seyfried Schwep-
                                                          permann ist relativ modern und ohne näheren Bezug.
                                                          Sie kam Ende des 19. Jahrhunderts auf und hat sich
                                                          inzwischen fest etabliert. Die Originalfigur – sie steht
                                                          heute im Foyer des Reichsstadtmuseums – hat ur-
                                                          sprünglich mit der linken Hand den zwischenzeitlich
                                                          verlorenen Schild gehalten. Die 1967 von dem Unter-
                                                          nehmer Hermann Gutmann gestiftete Nachbildung 5
                                                          hält die Handfläche nach oben, wohl um damit der
                                                          Sage von den zwei Eiern, die Ludwig der Bayer sei-
                                                          nem tapferen Feldherrn in die Hand gelegt haben soll,
   Erst Jahrzehnte nach dem provisorischen Ab-            gerecht zu werden.
schluss des Rathausbaus (1480) wurde dessen südli-           Im Zuge einer Sanierung (1964) wurde die irrepa-
che Schauseite durch den Anbau des sog. „Archiv-          rabel beschädigte, ca. 4 m hohe Brunnensäule durch
turms“ (1567/1569) aufgewertet. 1 Kurz zuvor, in den      eine Sandsteinsäule ersetzt, die das Stadtbauamt beim
Jahren 1548/1549 ließ der Rat von örtlichen Hand-         Abbruch der Tröltsch-Villa (Westliche Ringstraße 2)
werkern den „Schönen Brunnen“ errichten. Die 98           von dem dortigen Eingangsportal gesichert hatte. 6
(damalige) Pfund schwere Ritterfigur fertigte der
                                                       1 Gotthard Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay. (Denkmäler in Bayern
Weißenburger Kupferschmied Michael Steuerlein, der       V.70/2), München 2000, S. 126 ff.
dafür einen Lohn von 25 Gulden erhielt. 2              2 Stadtarchiv Weißenburg B 38/22 (Stadtrechnung 1549-1552).
   Rückschlüsse auf Form bzw. Gestaltung des Brun-     3 Ein ursprünglich umlaufendes Ziergitter wurde 1866 ersatzlos entfernt.
                                                       4 Vgl. Helmuth Richter, Die Restaurierung der Ritterfigur des sog. Schwep-
nens lassen sich aus den fragmentarischen Rech-          permannsbrunnens, in: „villa nostra“ 3/1996, S. 20-22.
nungsnotizen leider nicht ziehen. Unklar ist auch,     5 Es wird behauptet, die neue Figur trage die Gesichtszüge des Stifters.
warum er erneuert bzw. repräsentativer ausgebaut       6 Vgl. Bericht im „Weißenburger Tagblatt“ vom 20.07.1964.

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Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                            1/2015

„Kaiser-Ludwig-Brunnen“
Am östl. Ende des ehem. Holzmarkts (Luitpoldstraße)

Am Anfang stand eine Entschließung des Bayer. Kul-
tusministeriums vom 19. August 1873, das eine finan-
zielle Förderung von „monumentalen“ Kunstobjek-
ten in Aussicht stellte. Sofort dachte unser Magistrat
an den Stifter des Stadtwaldes. Aber weil das Geld
knapp war, beschloss man vorsichtig, jährlich einen
Betrag für einen „Monumentalbrunnen“ anzusparen.
    Zwanzig Jahre später erlaubten es die angesparten
Gelder, das Projekt anzugehen. Längst war man sich
einig, statt dem zuerst angedachten Standort in der
Spitalanlage den städtebaulich attraktiveren Holzmarkt
zu wählen. Mit dem Entwurf des Nürnberger Bild-
hauers Fritz Zadow (1862-1926) und des Architekten
Josef Schmitz (1860-1936) im Gepäck sprach Bür-             Basis eine Rundschale und den Pfeiler mit der bron-
germeister August Fleischmann (1826-1887) im                zenen Kaiserfigur trägt. Der Mittelteil mit den
Januar 1896 persönlich beim Innenminister vor. Der          ‚Fratzenköpfen‘, aus deren Rachen das Wasser in das
schmetterte seinen Zuschussantrag mit dem Hinweis           Hauptbassin abfließt, besteht ebenso wie der Figuren-
ab, dass zuvor eine landesweite Ausschreibung und           pfeiler aus leicht rötlichem Untersberger Marmor. Ein
eine Bewertung durch eine „Jury von Künstlern“ er-          Eber- und ein Hirschkopf dienen als Wasserspeier.
folgen muss. Notgedrungen fügte man sich. Neben             Das bayerische und das Weißenburger Stadtwappen,
zwei Weißenburger Repräsentanten bestand das Preis-         die Widmung und ein Porträt des Prinzregenten zieren
gericht aus fünf angesehenen Bildhauern und Profes-         den ca. 3 m hohen Pfeiler. Sein Kapitell lässt „in kräf-
soren. 16 Modelle waren zu bewerten und „trotz eif-         tigen Reliefdarstellungen drei Tritonen und eine Nixe
rigsten Eintretens der beiden städtischen Preisrich-        in lebhafter Aktion“ erkennen. 1
ter“ erhielt am 7. Juni 1898 nicht deren Favorit den            Kurz vor der Fertigstellung verstarb Dittler, und
ersten Preis, sondern – gegen die Stimmen der Wei-          die Vollendung wurde seinem Künstlerkollegen Au-
ßenburger – der Entwurf des Münchner Bildhauers             gust Drumm (*1862 Ulmet, †1904 München) übertra-
Emil Dittler (*1868 Pforzheim, †1902 München) mit           gen. Am 5. Juli 1903 konnte das ca. 7,60 m hohe
seinem Modell „Dürer“. Die Preisrichter setzten klei-       Denkmal in Anwesenheit von Prinz Alfons von
nere Änderungen durch.                                      Bayern feierlich enthüllt werden. 2
    Aus der Mitte eines achteckigen Bassins aus Mu-      1 Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1250.
schelkalk erhebt sich mittig ein ‚Unterbau‘, der als     2 Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay., a. a. O., S. 125.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                              1/2015

„Koppbrunnen“                                                 trog bestand. Der Trog klebte unmittelbar am
Platzartige Erweiterung östl. der Straße Auf der Wied         „Rosenbad“ im heutigen Gehsteigbereich. Sein
                                                              Abwasser lief in die Pferdeschwemme, die „Wied“.
                                                                  Auf den Bau des neuen Wildbads 1869 folgte eine
                                                              Neugestaltung des Umgriffs. Dabei wurde der frühere
                                                              Stadtgraben einschließlich der längst bedeutungslos
                                                              gewordenen Pferdeschwemme (an der Ecke zur Wild-
                                                              badstraße) eingefüllt und die Wildbadstraße und die
                                                              Wied gepflastert. In die neue Anlage wurde der neu
                                                              gestaltete Koppbrunnen versetzt.
                                                                  Die Ausführung erfolgte nach Entwürfen des dama-
                                                              ligen Stadtbaumeisters Carl Söldner (*1837 Nördlin-
                                                              gen, † 1899 Erlangen). Er plante, „den Brunnentrog
                                                              aus feinkörnigem Granit mit Nuth und Falz beidseitig
                                                              bearbeitet, ... die Futtermauer rings um den Brunnen
                                                              von Sandsteinquadern..., die Stufen von harten Stei-
Im Jahr 1687 erhielt der Oettinger Steinmetz Hans             nen vom Steinberg“, sowie Röhren aus Gusseisen.
Georg Schwickard (vgl. den „Schönen Brunnen“) den                 Zunächst verschleppten die beauftragten örtlichen
Auftrag, auch den 1541 gefassten „Koppbrunnen“ –              Handwerker die Ausführung um ein Jahr. Die als
die Quellen bezeichnen ihn regelmäßig auch als                Brunnenfigur schon in Auftrag gegebene Metallfigur
„Kochbrunnen“ – zu richten. Eine neue Brunnenstu-             des Wassergotts Neptun wurde in letzter Minute stor-
be wurde in der Straße beim „Rosenbad“ (Rosenbühl             niert. Euphorisiert vom Sieg über Frankreich und der
2) angelegt. Dort findet sich noch eine kreuzförmige          Reichsgründung beschloss der Stadtmagistrat näm-
Markierung mit der Jahresangabe 1541 und gegen-               lich im Herbst 1871, als die Arbeiten endlich anliefen,
über, am Neuen Rathaus, korrespondiert die Jahres-            stattdessen eine Figur Kaiser Wilhelms I. auf den
angabe 1687. 1                                                Brunnen zu setzen. Er kam aber nicht zur Ausführung
    In der Brunnenstube laufen nicht nur mehrere              – über die Gründe schweigen die Akten. 3
Quellflüsse zusammen, auch die bierbrauenden Nach-            Nach mehreren Typhusfällen in unmittelbarer Um-
barn im „Schwarzen Bären“ (Marktplatz 13 und die              gebung wurde der Brunnen 1926 als Trinkwasser-
Metzger im Schlachthaus in der nahen Höllgasse leg-           quelle gesperrt – und trotzdem holten sich einge-
ten Leitungen für ihre Zwecke. Über einen steinernen          schworene Liebhaber noch Jahrzehnte später dort
Kanal wird auch Wasser zum Rosenbad in den Keller             Wasser.
der Badestube abgezweigt. 2                               1   Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay., a. a. O., S. 41.
    Für die Öffentlichkeit speisten die Quellen den al-   2   Stadtarchiv Weißenburg B 75/2, pag. 18 ff.
ten Koppbrunnen, der eigentlich nur aus einem Tränk-      3   Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1248.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                    1/2015

„Milleniumsbrunnen“
Nordwestecke des Platzes Auf der Kapelle

Der Kapellenplatz nahe dem Ellinger Tor ist in eigent-
lich drei Etappen entstanden. In einer ersten Maß-
nahme fielen im Jahr 1520 die Synagoge der aus der
Stadt vertriebenen jüdischen Gemeinde sowie zwei
angrenzende Bürgerhäuser, um Platz für eine Wall-
fahrtskirche zu bekommen. Das bis auf die Weihe fer-
tiggestellte Projekt scheiterte letztendlich mit der Ein-
führung der Reformation; die Baulücke füllte ein
1542 von der Reichstadt errichtetes frei stehendes
Fachwerkhaus (Auf der Kapelle 16). 1
    Sein heutiges Aussehen ist im Wesentlichen ein
Ergebnis der ‚Altstadtsanierung‘ ab 1974. Entlang der
bis dahin verwinkelten Altstadtgasse wurden im Vor-
griff auf die wenige Monate später erstellte Denk-
malliste 2 vier Gebäude, darunter eine imposante Fach-
werkscheune von 1540 und zwei wuchtige Fachwerk-
stadel, abgebrochen. Die Öffentlichkeit bejubelte den
von städtischen Mitarbeitern „ohne großen Papier-
krieg“, wenn auch ohne Konzept für eine Neugestal-
tung bzw. Neubebauung, Ende Februar 1974 durchge-
führten Abbruch der „Bruchbuden“.
    Im Zusammenhang mit einer überfälligen Neuge-              ergießt. Das Gebäude im Zentrum steht für die drei
staltung der als Parkplatz genutzten Brache fiel 1999          Weißenburger Stadttore, und durch sie verrinnt die
auch das äußerlich unscheinbare Fachwerkhaus Auf               Zeit stufenweise über wichtige Jahreszahlen aus der
der Kapelle 16. Seinen Standort markiert der am 12.            Weißenburger Geschichte von der Römerzeit bis zum
September 2000 in Betrieb genommene Brunnen.                   Jahr 2000. 3
    Der Eichstätter Steinbildhauer Günter Lang              1 Reiner Kammerl, Die ehemalige Marienkapelle in Weißenburg, in: „villa
(*1941 Eichstätt) hat die achteckige Brunnenschale            nostra“ 1/1994, S. 15-18.
aus heimischem Jura-Marmor „aus der Quadratur               2 Am 1. Oktober 1973 war das Bayerische Denkmalschutzgesetz in Kraft
                                                              getreten, der erste Entwurf einer Weißenburger Denkmalliste datiert vom 2.
des Kreises entwickelt“. Die aufragende Bronzestele           Juli 1974 (Reiner Kammerl, Weißenburg ab 1945, Vortragsmanuskript im
markiert das neue Jahrtausend, von der aus sich das           Stadtarchiv, 2012).
Wasser in das Becken der Weißenburger Geschichte            3 Bericht zur Inbetriebnahme im „Weißenburger Tagblatt“ vom 13.09.2000.

                                                                                                                                  9
Weißenburger Blätter Geschichte . Heimatkunde . Kultur Januar 2015
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                 1/2015

„Sparkassenbrunnen“                                            Die zunächst angeregte Integration des „Träu-
„Spitalanlage“ gegenüber der Sparkasse                      menden Knaben“ (vgl. S. 27), des letzten Werks von
                                                            Bildhauer Karl Hemmeter (*1904 Weißenburg i. Bay.,
                                                            †1986 München), scheiterte, nachdem die Skulptur
                                                            bereits angekauft war, weil im Kulturausschuss Kritik
                                                            geäußert wurde und der Sparkassen-Vorstand nicht an
                                                            einer wie auch immer umstrittenen Aufstellung der
                                                            Plastik interessiert war. 1
                                                               Eine Neuplanung war nötig, und den Auftrag für
                                                            den Brunnen aus Bronze mit zwei Lampen und Was-
                                                            serqualler innerhalb eines Bronzerings mit umlaufen-
                                                            dem Pflasterring erhielt der Münchner Maler und
                                                            Bildhauer Erich W. Torsten. 2
                                                               Der Guss des rund 1 Tonne schweren Blocks, der
                                                            auch im Winter als offene Plastik stehen bleiben kann,
                                                            erfolgte in Neuötting.
                                                               Der Termin für die Inbetriebnahme am 19. Juli
                                                            1986 wurde bewusst in Anlehnung an das 50-jährige
                                                            Jubiläum des Zweckverbands ‚Vereinigte Sparkassen
                                                            Weißenburg i. Bay.‘ gewählt (Gründung am 1. Juli
                                                            1936 durch die Städte Weißenburg, Treuchtlingen,
                                                            Pappenheim und Ellingen).
                                                               Eine vertragliche Vereinbarung regelt Aufstellung,
                                                            Betrieb und Unterhalt des Brunnens, der als Eigentum
                                                            der Sparkasse auf städtischer Fläche steht. 3

Entstanden ist der Brunnen aus einem Gespräch des        1 Ausschuss für Bauwesen, Stadtentwicklung und Stadtplanung am 16.06. und
                                                            12.11.1985.
damaligen Oberbürgermeisters Reinhard Schwirzer          2 Daten zum Künstler waren im Zeitungsbericht zur Einweihung („Weißen-
mit Sparkassen-Vorstand Claus Rüdinger. Schwirzer           burger Tagblatt“ vom 22.07.1986) nicht genannt; im ansonsten so informa-
regte dabei an, dass die Sparkasse im Zuge der Fertig-      tiven Internet konnten ebenfalls keine Angaben zum Künstler gefunden
                                                            werden.
stellung des „kostspieligen Erweiterungsbaues an der        Torsten hat 1969 auch die Entwürfe für die Farbgestaltung der Sparkassen-
Wildbadstraße einen Brunnen für den Vorplatz vor            Hochhauses an der Rothenburger Straße geliefert.
dem kleinen Spittel stiften sollte“.                     3 Stadtarchiv Weißenburg, Archiv 457.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                               1/2015

Brunnen vor der Brauerei Schneider                          Brunnen in der Bachgasse
Platzartige Erweiterung der Bachgasse                       Westlich der Straße vor Bachgasse 8.

                                                            Beim Ausbau der Bach-
                                                            gasse stieß man auf den
                                                            erhaltenen Schacht ei-
                                                            nes alten Ziehbrunnens,
                                                            der bei seiner Aufgabe
                                                            um 1900 nur abgedeckt
                                                            worden war. Der Stadt-
                                                            rat beschloss am 3. De-
                                                            zember 1992, den Brun-
                                                            nen wieder aufzubauen
                                                            und beauftragte das
Im Zuge des 1988 erfolgten Ausbaus der Bachgasse            Stadtbauamt mit der
erfolgte auch die Gestaltung der platzartigen Erwei-        weiteren Planung und
terung vor der „Kanne“ als Ruhezone. Als belebendes         Umsetzung.
Element für die keinesfalls als Parkplatz gedachte              Als Vorlage für den neuen Brunnenkörper diente
Fläche entschied man sich für die Aufstellung eines         ein Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert, der einen
Brunnens mit Bänken.                                        Ziehbrunnen in der unteren Marktplatzhälfte zeigt.
    Die Pläne von Stadtbaumeister Eckhard Loock                 Kaum war der von der Dettenheimer Firma Stet-
(*1941 Berlin) basieren auf einer historischen Vorlage      tinger gefertigte Brunnen fertig, hagelte es heftige
im Stadtarchiv. 1 Es wurde es auch kein Kunstbrunnen        Ablehnung, weil er nach Ansicht vieler nicht in die
mit Figur 2, sondern ein relativ zurückhaltend gestal-      Enge der Altstadtgasse passen würde. Der ehemalige
teter, traditionell achteckiger Brunnentrog aus Jura-       Kreisheimatpfleger Gustav Mödl bezeichnete den
kalkstein mit einer ebenfalls achteckigen Mittelsäule,      Brunnen öffentlich als „historischen Kitsch“ und
aus dem über vier Rohre Wasser sprudelt. 3                  „viel zu groß geratenes Monstrum“. 4
    Bereits bei den Pflasterarbeiten war die Brunnen-           Die Kritik prallte an der überdimensionierten Fas-
stube mit den notwendigen Anschlussleitungen ange-          sung und dem aus Kalkstein aufgesetzten „Querbal-
legt worden. Dabei wurde auch ein Leerrohr verlegt,         ken“ bislang ohne erkennbare Wirkung ab.
über das Bier aus dem Keller der Brauerei in einen
separaten Anschluss in der Brunnensäule gepumpt          1 Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1251/5.
                                                         2 Vorgesehen war die Figur des Weißenburger Originals Karl Jähring (1869-
werden kann.                                               1 „Weißenburger
                                                           1945), genannt „ZaddernTagblatt“
                                                                                    Karl“.     vom 27.05.1994.
    Ausführung und Aufstellung folgten im Jahr 1989      3 „Weißenburger Tagblatt“ vom 17.02.1989.
durch die Firma Marmor Stettinger in Dettenheim.         4 „Weißenburger Tagblatt“ vom 27.05.1994.

                                                                                                                           11
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                           1/2015

Brunnen im Klostergarten                                      Brunnen im Kulturzentrum
Klostergarten                                                 Innenhof des Kulturzentrums

Die Übernahme des Ostflügels des ehemaligen Kar-              Seit der Eröffnung des Kulturzentrums im Oktober
meliterklosters samt Betriebshof der Brauerei Mack            1983 war die Stadt bestrebt, den gepflasterten Innen-
& Michel machte für die Stadt Weißenburg den Weg              hof mit einem Brunnen zu schmücken. Erfüllt wurde
frei, um den historischen Garten des einstigen                der Wunsch in Form einer Spende des Lions-Club
Klosters zu reaktivieren.                                     Weißenburg aus Anlass zu dessen 20-jährigem Beste-
    Auf die Bestandssicherung des Klosterflügels              hen. Die Übergabe der Brunnenplastik erfolgte im
folge in den Jahren 1999/2000 die Neuanlage des               Rahmen einer Feierstunde am 21. September 1985.
Klostergartens durch Stadtgärtnerei bzw. Tiefbauver-              Über bronzene Blätter schießt Wasser in kleinen
waltung. Über Zugänge von der Kloster- und der Hei-           Kaskaden hinab und erfüllt den Hof mit lebhaftem
gertgasse ist der Garten zu einer gerade im Sommer            Geplätscher – wenn er im Rahmen von Festlichkeiten
gerne aufgesuchten Oase in der Altstadt geworden.             in Betrieb ist. Gerne drängen sich dann in den Pausen
    Mittelpunkt der Anlage ist ein Schalenbrunnen aus         v. a. Raucher und erhitzte Veranstaltungsgäste um den
heimischem Jurastein, aus dessen Mitte sich ein Was-          kunstvollen Brunnen. 2
serstrahl auf vier kleinere Becken verteilt. Vorbild war          Schöpfer des Brunnens ist der Schwandorfer Bild-
ein (kleinerer) mittelalterlicher Schalenstein, der sich      hauer Peter Mayer (1938-2009). Nach dem Besuch
in den musealen Sammlungen der Stadt erhalten hat             der Staatl. Fachschule für Keramik (1953-1958) und
und im Reichsstadtmuseum zu besichtigen ist. Er               einem Studium an der Akademie der Bildenden
wurde als Vorlage gewählt, weil er im kirchlichen             Künste (1958-1964) lebte und arbeitete Mayer als
Bereich verwendet wurde und außerdem aus der Bau-             freischaffender Bildhauer in seiner Heimatstadt. 3
zeit der Klosteranlage stammt.                             1 „Weißenburger Tagblatt“ vom 17.03. und 25.05.2000.
    Umsetzung und Ausführung erfolgten durch die           2 „Weißenburger Tagblatt“ vom 23.09.1985.
Firma Stettinger in Dettenheim. 1                          3 www.kunst-in-ostbayern.de (Aufruf vom 03.11.2014).

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                              1/2015

Brunnen Am Hof
Westliche Platzhälfte Am Hof

Die Brunnenliste von 1810 nennt unter den öffentli-
chen Brunnen auf dem Platz Am Hof nur einen mit
einem hölzernen Trog. Erst im Jahr 1881 wurde auf
Anregung von Stadtbaumeister Sebastian Eckart
(*1846 Ipsheim, †1915 Weißenburg) ein Steinbrun-
nen auf dem Platz aufgestellt. Der Magistrat rang sich
in seiner Sitzung am 3. März 1881 dazu durch, ob-
wohl er mehrheitlich einen eisernen Brunnen bevor-
zugt hätte, und gab damit dem Wunsch der Gemein-
debevollmächtigten nach.

                                                                   Eckart lieferte auch die Planvorlage zu dem Pro-
                                                                jekt, der ähnlich dem Brunnen auf dem Saumarkt kon-
                                                                zipiert war, also mit achteckiger Brunnenschale und
                                                                einer zentralen Säule. Den Auftrag erhielt der
                                                                Weißenburger Maurer und Steinhauer Wilhelm Rosa
                                                                (1828-1885). 1
                                                                   Rosa hatte 1877 bereits den Saumarktbrunnen aus-
                                                                geführt, der vom früheren Stadtbaumeister Eugen
                                                                Waidenschlager (*1844 Aura bei Gemünden, 1876
                                                                Wechsel nach Nördlingen) entworfen worden war.
                                                                1971 musste der Saumarktbrunnen „aus Verkehrs-
                                                                gründen“ weichen. Er wurde eingelagert und kam
                                                                1986 nach Abschluss der mit dem Bereich Am Hof
                                                                begonnenen Altstadtsanierung dorthin und ersetzte
                                                                seinen 1881 entstandenen Vorgänger. 2
Der erste Brunnen Am Hof von 1881 in einer Aufnahme um       1 Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1249/3.
1900. Er verschwand zu einem nicht nachvollziehbaren Datum   2 Reiner Kammerl, Der Saumarkt und seine Brunnen, in: „villa nostra“
vor dem Zweiten Weltkrieg.                                     2/2005, S. 20-23.

                                                                                                                          13
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                      1/2015

Trinkwasserbrunnen am „Neuen Rathaus“                       „Franziskusbrunnen“
Marktplatz 19 (Westseite)                                   Südlich vor der Hl.-Kreuz-Kirche

                                                            Das schöne Wasserspiel wurde durch eine Spende des
                                                            Weißenburger Rotary-Clubs angeregt und finanziert.
                                                            Innerhalb eines Jahres war er fertiggestellt und erhielt
Mit dem Bau des „Neuen Rathauses“ hat die Stadt             am 16. Mai 1993 seine kirchliche Weihe.
einen Meilenstein in der Geschichte ihrer Verwaltung            Den Brunnen selbst bilden mehrere Naturstein-
gesetzt. Der 2. Bauabschnitt (1996/1997) betraf dabei       quader, die in Kreuzform angeordnet und durch einen
die Sanierung und den Umbau des „alten Rentamts“.           Ring zusammengehalten sind. Die erkennbaren Aus-
Dabei wurde auch der alte, an der Westseite über eine       buchtungen verweisen auf die Wundmale Christi.
Eingangstreppe erreichbare Haupteingang behinder-               Der Legende nach war der Hl. Franziskus sehr
tengerecht und repräsentativ an die Nordseite verlegt.      tierliebend. Wohl deshalb schmücken zahlreiche Tau-
    Die Stelle des früheren Eingangs versiegelt seit        ben das in der Bevölkerung auch als „Vogelbrunnen“
Juni 1999 ein Trinkwasserbrunnen aus heimischem             bezeichnete Kunstwerk.
Jurastein, der mit bronzenen Kugeln verziert ist. Über          Gestaltet hat auch ihn der Untersteinbacher Stein-
einem dreieckigen Wasserbecken erhebt sich an der           metz und Bildhauer Künstler Reinhart Fuchs (1933-
Hausfassade eine Stele, die von einem Pinienzapfen          2011), der selbst Rotary-Mitglied gewesen ist. 2
als Hinweis auf die römische Vergangenheit bekrönt              Fuchs zeichnete sich u. a. durch seine Vielseitig-
ist. Auf Knopfdruck fließt Trinkwasser. Damit, so           keit aus. Nach einer Lehre als Holzbildhauer, Stein-
argumentierte der Untersteinbacher Künstler Rein-           metz und Steinbildhauer und dem Besuch einer Fach-
hart Fuchs (*1933 Auhof bei Hilpoltstein, †2011             schule für Keramik studierte er ab 1954 an der
Untersteinbach), habe der Brunnen einen direkten            Münchner Kunstakademie bei Prof. Hiller. 2
Nutzen für die Bürger. Sie können das frische Wasser     1 „Weißenburger Tagblatt“ vom 16.06.1999.
einfach trinken oder auch auf dem Markt gekauftes        2 „Weißenburger Tagblatt“ vom 18.05.1993.
Obst waschen, erläuterte der Künstler. 1                 3 Vgl. „villa nostra“ 3/1999, S. 2.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                               1/2015

Springbrunnen in der „Spitalanlage“                         „Energiebrunnen“
Westhälfte nördlich der Unteren Stadtmühlgasse              Schlachthofstraße 19 (Stadtwerke Weißenburg GmbH)

                                                            Der im Frühjahr 1995
                                                            fertiggestellte moder-
                                                            ne Brunnen steht auf
                                                            dem Betriebsgelände
                                                            der Stadtwerke und
                                                            symbolisiert Strom
                                                            (angedeutet durch die
                                                            Isolatoren), Wasser-
                                                            kraft (dafür steht das
                                                            große Rohr) und Gas
Im Jahr 1962 beschloss der Stadtrat, an der Unteren         (markiert durch die
Stadtmühlgasse neue Parkplätze zu schaffen und die          kleineren Rohre), also
seit der Einfüllung des Spitalweihers (1858/1897)           die drei Kernbereiche
bestehende Grünanlage neu anzulegen. 1 Im Zuge die-         der Stadtwerke.
ser Umgestaltung wurde im westlichen Anlagenbe-                 Energiegewinnung aus Fotovoltaik- und Wind-
reich ein neuer Springbrunnen aufgestellt.                  kraftanlagen war 1995 für die Stadtwerke noch kein
    Aus einer Kupferschale sprüht ein glockenförmiger       Thema. Inzwischen wird die Umwälzpumpe für den
Wasserstrahl, der in einem runden Becken aufgefan-          Brunnen mithilfe von Solarzellen angetrieben. 4
gen und mit einer Pumpe neu hochgepumpt wird. 2                 Die Installation ist ein Werk des in Weißenburg
    Den Auftrag erhielt im Mai 1964 die ‚Firma Kett-        durch sein vielseitiges Schaffen bekannten Künstlers
ner KG. Apparatebau, Münchingen bei Stuttgart‘.             und Architekten Reiner Joppien (*1928 Königsberg,
Vorausgegangen war ein Gestaltungsvorschlag der             †2002 Weißenburg i. Bay.). Der aus Ostpreußen stam-
‚Fonta-Wasserspiele, Stuttgart‘, der die Zustimmung         mende Künstler studierte ab 1944 Bildhauerei in Kö-
des Stadtrats gefunden hatte. Die Idee zur Unter-           nigsberg und ab 1948 Malerei in Augsburg und Mün-
wasserbeleuchtung der kleinen Fontäne steuerte der          chen sowie ab 1955 Architektur an der Akademie der
Stadtbaumeister bei. Daran stießen sich einige              Bildenden Künste in München. Ab 1961 wirkte er als
Stadträte, die der Meinung waren, dass statt drei auch      freischaffender Architekt, Maler und Bildhauer in
ein Leuchter ausgereicht hätte. Die Inbetriebnahme          Weißenburg und Ellingen.
erfolge zum Kirchweihbeginn am 14. August 1964. 3        1 Stadtarchiv Weißenburg, Stadtratsprotokoll vom 30. 05. und 22.06.1962.
    Schon bald war der Brunnen Ziel nächtlicher Un-      2 Aus den vorhandenen Protokollen und Zeitungsberichten geht nicht hervor,
                                                           wer den Anstoß für den Brunnen gegeben hat.
ruhestifter, welche die Anlage verwüsteten oder mit      3 „Weißenburger Tagblatt“ vom 15./16.08.1964.
Waschmittel verunreinigten.                              4 Auskunft Stadtwerke Weißenburg (Peter Lang) vom 04.10.2014.

                                                                                                                       15
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                 1/2015

Brunnen am Kreiskrankenhaus                                   „Hans-im-Glück-Brunnen“
Krankenhausstraße 1                                           Mittelschule am Seeweiher, Römerbrunnenweg 6

                                 Die Planungen zum                                            Der am 18. Mai 1956
                                 Neubau des Kreis-                                            eingeweihte Bronze-
                                 krankenhauses be-                                            brunnen schließt den
                                 trieb ab 1974 noch die                                       platzartigen Schulhof
                                 Stadt Weißenburg.                                            ab. Das vorgegebene
                                 Als 1978 die Zustän-                                         Motto war ein Appell
                                 digkeit auf den Land-                                        an die Jugend, sich
                                 kreis überging, zog                                          „vor dem Leben nicht
                                 sich die Stadt zurück,                                       zu fürchten“. 3
                                 erklärte sich aber be-                                          Aus dem runden
                                 reit, das Städtische                                         Wasserbassin erhebt
                                 Krankenhaus bis zur                                          sich ein quadratischer
                                 Bezugsfertigkeit des                                         Sockel. Die vier Tier-
                                 Neubaus (1. Juli 1985)       figuren des Märchens tragen eine große Kugel, die
                                 weiterzubetreiben.           den kopfgroßen Goldklumpen symbolisieren soll, den
    Für die Gestaltung der Krankenhauskapelle und             Hans als Lohn erhalten hat und den er dann immer
des Brunnens vor dem Haupteingang war ein künstle-            weiter vertauscht. Auf der Kugel steht Hans letztlich
rischer Wettbewerb durchgeführt worden. Den Auf-              mit leeren Händen, aber sichtlich glücklich da, weil er
trag für den Brunnen vor dem Haupteingang erhielt             glaubt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.
am 18. Juli 1984 der Emetzheimer Künstler Georg                   Karl Hemmeter (*1904 Weißenburg i. Bay., †1986
Karl Pfahler (*1926 Emetzheim, †2002 Emetzheim). 1            München) absolvierte zunächst eine Drechslerlehre,
    Seit seinem Studium an der Kunstakademie Stutt-           ab 1924 besuchte er die Nürnberger Kunstakademie
gart (1950-1954) lag der Schwerpunkt von Pfahlers             (Holzstich und Plastik) und ab 1926 studierte er an der
Schaffen in Baden-Württemberg. Über die informelle            Münchner Kunstakademie. Sein bekanntestes Werk ist
Malerei und das Formativ fand er zu geschlossenen             wohl der 1962 entstandene „Segnende Christus“ in
Farbfeldern und zuletzt zu einer freieren, gleichwohl         der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
geometrisch bestimmten Formensprache. Neben sei-                  Der Brunnen soll auch nach dem Neubau im Um-
ner Lehrtätigkeit bestritt der vielfach ausgezeichnete        feld der Schule nahe dem Seeweiher erhalten bleiben.
Künstler zahlreiche Ausstellungen. Höhepunkte für          1 Gustav Mödl [Hrsg.], Kreiskrankenhaus Weißenburg. 500 Jahre Kranken-
                                                             pflege. Vom Bürgerspital zur modernen Klinik, Weißenburg 195, S. 53.
Pfahler waren es, als er die Bundesrepublik wieder-        2 Dr. Karl Friedrich Zink, Nachruf Georg Karl Pfahler, in: „villa nostra“
holt auf internationaler Ebene vertreten durfte: bei der     2/2002, S. 18.
Biennale 1970 in Venedig und 1981 in São Paulo. 2          3 „Weißenburger Tagblatt“ vom 19.05.1956.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                               1/2015

„Römerbrunnen“                                              „Friedhofsbrunnen“ zu Wülzburg
Stadtwald südöstlich des Stadtzentrums                      Östlich vor Dorf und Festung Wülzburg

Der „Römerbrunnen“ ist eine Quellfassung, die als           Der Wülzburger Friedhof wurde im Zusammenhang
beliebtes Ausflugsziel mit Kochgelegenheit und zahl-        mit der Installation eines Wülzburger Pfarrers (1685)
reichen Bänken und Tischen ausgestattet ist.                angelegt und im 19. Jahrhundert erweitert. 4
    In der Stadtkarte des Veit Biber von 1726 ist die           Er teilt sich in einen historischen und einen moder-
Quelle als „Römleins-Brunnen“ bezeichnet und ein-           nen Teil, in dem seit 1954 nur noch Mitglieder der
deutig mit einer gemauerten Quellfassung dargestellt,       Kirchengemeinde bestattet werden dürfen. 5
Stadtchronist Georg Adam Voltz bezeichnet ihn 1835              Den neuen, am 11. Juni 2012 offiziell in Betrieb
als „Römer- oder Riemleinsbrunnen“. 1                       genommenen Steinbrunnen hat die Weißenburger Fir-
    Sagen berichten von Römern und ersten Christen,         ma ‚Naturstein Kittsteiner‘ gefertigt. Er wird über
die dort getauft wurden. 2 Ein Bürger „Riemlein“, der       eine 290 m lange Leitung aus einem rund 15 m höher
die Quelle 1763 neu gefasst haben soll, ist auch nicht      gelegenen Regenwassersammler im Dorf Wülzburg
nachweisbar. 3 Dafür ist die Quellfassung durch die         gespeist. Das Wasser dient in erster Linie zur Grab-
Jahresangabe „1763“ und die Namen „I. I. ROTH               pflege. 6
FB“ für den Ratsherrn und Forstbeamten Johann
Jakob Roth (1717-1785), und „G. L. RAAB StBM“ für        1 Stadtarchiv Weißenburg, PlS 28; Georg Voltz, Chronik der Stadt Weissen-
den Ratsherrn und Stadtbaumeister Georg Leonhard           burg im Nordgau und des Klosters Wülzburg, Weißenburg 1835, S. 23.
                                                         2 Weißenburger Heimatblätter 1942, S. 83 und 87.
Raab (1705-1768) bezeichnet.                             3 Ulf Beier, Von der Höll- zur Paradeisgasse. Straßen und Wohnstättennamen
    Es gibt keinen Hinweis zu dieser Maßnahme in           in Weißenburg (Weißenburger Heimatbücher Bd. 2), 2., erw. u. akt. Aufl.,
den Archivunterlagen jener Zeit. Das bedeutet, dass        Weißenburg i. Bay. 2000, S. 109.
                                                         4 Daniel Burger, Die Schloß-Kapelle der Festung Wülzburg, in: „villa
keine öffentlichen Gelder ausgegeben wurden und            nostra“ 2/1996.
man deshalb von einer persönlich motivierten Stif-       5 Stadtarchiv Weißenburg Rep III 1059/2 und Rep. IV 115/17.
tung dieser beiden Räte ausgehen muss.                   6 „Weißenburger Tagblatt“ vom 13.06.2012.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                 1/2015

Lagerbrunnen im Römerkastell                                 Brunnen im römischen Lagerdorf
Römerkastell                                                 Parkplatz Römische Thermen

Der einzige nachweisbare Brunnen im Weißenburger             Im Bereich der Zivilsiedlung (Vicus) stieß man bei
Römerkastell befand sich im Innenhof der „Princi-            der Anlage eines Parkplatzes an den Römischen Ther-
pia“, dem zentralen Stabsgebäude am Schnittpunkt             men 1987/1988 auf insgesamt fünf Brunnen mit ver-
der Hauptachsen des Lagers. Der Bereich markiert             schiedenen Konstruktionsmerkmalen. Zwei von ihnen
den verwaltungsmäßigen und religiösen Mittelpunkt.           wurden rekonstruiert: ein eher seltener Steinbrunnen
    Der Brunnen mit einem Durchmesser von 1,88 m             (im Bildvordergrund) mit einem Durchmesser von ca.
wurde wohl schon bei der Erstanlage gegraben. Die            1 m und einer Tiefe von ca. 6 m sowie einer der gän-
verwendeten Jurabruchsteine in dem 6,5 m tiefen              gigen Holzbrunnen (Bildhintergrund). Bei Letzterem
Schacht wurden ohne Mörtelbindung in blaugrauen              bestand der Brunnenschacht aus mehreren übereinan-
Ton gesetzt. Das Grundwasser stand wohl nur ca. 0,4          dergesetzten Weinfässern aus Eichenholz.
m hoch und das Wasser reichte natürlich nicht für die           Beide Brunnen wurden anhand der Fundergeb-
Versorgung der ganzen Reitereinheit. Eine Zuleitung          nisse originalgetreu nachgebaut. Hölzerne Schutz-
von Frischwasser aus dem nördlich am Reiterkastell           bauten schließen die Brunnen oberirdisch ab. 2
vorbeiführenden Brühlbach wird vermutet.                        Die erläuternden Infotafeln folgten erst 1992.
    Seit über 100 Jahren wird das Kastell intensiv er-   1 Eveline Grönke, Das römische Alenkastell Biricianae in Weißenburg i. Bay.
forscht. Der bedeutende Garnisonsort (vgl. S. 28           Die Grabungen von 1890 bis 1990 (Limesforschungen Bd. 25), Mainz
                                                           1997, S. 60 f.
Nordtor) wurde unter Kaiser Domitian (81-96 v. Chr.)     2 Vgl. Max Dinkelmeier/Michael Erdrich/Matthias Klein, Neue Ausgrabun-
errichtet und wohl bei einem der Alamanneneinfälle         gen im römischen Kastellvicus von Weißenburg i. Bay., in: „villa nostra“
um 251/253 zerstört. 1                                     1/1989, S. 237-242; „Weißenburger Tagblatt“ vom 25.10. und 19.11.1988.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                             1/2015

„Tiefer Brunnen“                                           „Ludwigszisterne“
Festung Wülzburg, Schlossbau                               Festung Wülzburg, Innenhof

                                                           Die Zisternenanlage markiert den Höhepunkt der In-
                                                           standsetzungs- und Modernisierungsarbeiten des Kö-
Als festungsinterne Trinkwasserquelle wurde ab Bau-        nigreichs Bayern hinsichtlich des bis dahin ungenü-
beginn 1588 der ‚Tiefe Brunnen‘ im Schlossbau ge-          gend gelösten Problems der Wasserversorgung.
graben. Eine Inschrift von 1592 belegt, dass man nach          Nach Plänen des „Genie-Hauptmanns“ Franz von
vier Jahren eine Tiefe von 136 m erreicht hatte. 1602      Hoermann entstanden zunächst fünf größere Zister-
war der Brunnen so weit fertig, dass das Hebewerk          nen im Bastionsbereich (1823-1828). Den Abschluss
folgen konnte. Die heute sichtbare Holzkonstruktion        bildete die Zisterne Nr. VI mit zwei parallel in den
stammt noch aus dem 17. Jh.                                Fels eingehauenen Wasserspeichern und einem
   Das Tretrad mit einem Durchmesser von 4.50 m            Fassungsvermögen von knapp 1,3 Millionen Litern.
musste von zwei Wasserknechten bedient werden.                 Auf der rechteckigen Auffangfläche stehen an den
Etwa 45 Minuten dauerte es, bis einer der zwei gegen-      Längsseiten je zwei Pump- und zwei Ziehbrunnen,
läufigen Holzeimer (70 Liter) gefördert war.               über die das Wasser durch gusseiserne Löwenmasken
In einer beispiellosen Aktion haben Mitglieder des         gefördert werden konnte. Nach ihrer Fertigstellung
Weißenburger Alpenvereins zwischen 2006 und 2009           1831 erhielt sie die königliche Ehrenbezeichnung
den im Lauf der Zeit verschütteten, 2,25 m breiten         „Ludwigszisterne“.
Brunnenschacht freigelegt, bis sie in 143 m auf die        Die technikgeschichtlich herausragende Anlage er-
Brunnensohle stießen. 1                                    hielt in den Jahren 1994-1996 eine gründliche
   Im Anschluss daran folgte die Installation einer        Sanierung. 2
Beleuchtung samt Videokamera und die touristische       1 „Weißenburger Tagblatt“ vom 28.02.2009.
Ausgestaltung der Brunnenstube mit Infotafeln.          2 Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay., a. a. O., S. 279 f.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                          1/2015

„Bismarckturm“                                            Mahnmal „50 Jahre Flüchtlingslager Wülzburg“
Am Rohrberg nordöstlich der Stadt                         Festung Wülzburg

                                                                                         Als „Zeichen gegen das
                                                                                         Vergessen und Verdrän-
                                                                                         gen einer leidvollen
                                                                                         Vergangenheit“ soll es
                                                                                         an die rund 10.000
                                                                                         Flüchtlinge und Hei-
                                                                                         matvertriebenen erin-
                                                                                         nern, die ab 3. Februar
                                                                                         1946 über das Flücht-
                                                                                         lingslager Wülzburg in
                                                                                         eine neue Heimat ge-
Der beim 1899 von der deutschen Studenten- und                                           schleust wurden. Mit
Burschenschaft initiierte Wettbewerb preisgekrönte                                       einer Feierstunde wurde
Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wil-                                           das Mahnmal am 15.
helm Kreis (*1873 Eltville, †1955 Bad Honnef) dien-                                      Februar 1997 geweiht.
te auch für den Weißenburger Birsmarckturm als Vor-           Mit hoher künstlerischer Gestaltungskraft hat der
bild. Der damalige Kreisbaumeister Hans Etschel hat       Eichstätter Steinmetz Günter Lang (vgl. S. 9) aus
die Pläne für Weißenburger Verhältnisse modifiziert,      Stein und Metall ein „Symbol gegen Gewalt“ ge-
und ausgeführt hat ihn ein 1903 gegründeter Verein.       schaffen. Grundform ist ein Kreuz, das im Querbal-
Sein Standort liegt knapp außerhalb der Stadtgrenze       ken die Inschrift trägt: „Sprengstoff sollten sie sein, zu
im Gemeindegebiet von Höttingen (Gemarkung Wei-           Bausteinen sind sie geworden“. Stahlplatten durch-
boldshausen), nachdem eine Aufstellung bei der Fes-       schneiden den Stein und sind als „Verdrängungspro-
tung Wülzburg verworfen wurde. Am Tag der Son-            fil“ gedacht. In die Steinplatten sind die Namen der
nenwende (24. Juni 1911) konnte er eingeweiht und         Herkunfstsgebiete eingemeißelt; anfangs sind sie
der Allgemeinheit übergeben werden.                       noch hervorgehoben, dann verschwinden sie, um zu
    In dem von vier Ecksäulen eingefassten, 12,65 m       zeigen, dass die Vertriebenen in die neue Heimat ein-
hohen Turmbau mit Brüstung über hohem, wulstigen          gebunden sind. 2 Zwischen den Platten sind bildhaft
Gebälk führt eine Wendeltreppe hoch zur Aussichts-        Steine hervorgehoben, in die Namen der Herkunfsts-
plattform mit Feuerschale. Die Kalksteinfassade de-       gebiete eingemeißelt sind.
korieren das Weißenburger Stadtwappen und das von      1 Gotthard Kießling, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Denkmäler in
                                                         Bayern V.70/1), München 2000, S. 316; Derselbe, Der Bismarckturm auf
einem Reichsadler getragene Wappen des früheren
                                                         dem Rohrberg bei Weißenburg, in: „villa nostra“ 3/1997.
Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898). 1        2 „Weißenburger Tagblatt“ vom 17.02.1997.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                1/2015

„Kriegergedächtnisstätte“                                    Denkmal des Kriegsgefangenenlagers Wülzburg
Stadtwald, Abteilung „Buchleite“                             Festung Wülzburg

Die Gedächtnisstätte wurde am 3. Juni 1923 geweiht.
Den Standort im Stadtwald hatte Forstmeister Georg           Im Ersten Weltkrieg stellte die Stadt Weißenburg ihre
Krebs vorgeschlagen. Die Pläne lieferte der bekannte         Festung erneut (nach 1870/71) als Kriegsgefangenen-
Nürnberger Architekt Ludwig Ruff (*1878 Dolln-               lager zur Verfügung. Anfang März 1915 kamen die
stein, †1934 Nürnberg). Er gilt als Vertreter eines mo-      ersten je 400 Franzosen und Russen auf die Wülzburg.
numentalisierenden neobarocken Baustils.                         Im Innenhof, vor der Kurtine Krebs–Jungfrau, er-
    Die Soldatenköpfe über den Namenstafeln hat der          richteten sie ein Denkmal aus Fundstücken. Den obe-
in Nürnberg wirkende Bildhauer Konrad Roth (*1882            liskartigen Gedenkstein flankieren Steinbänke und
Fürth, †1958 Weilheim/Obb.) gestaltet. Die Steine            zwei mit Steinkugeln bekrönte Pfosten. Inschriften
stifteten die ‚Marmorbrüche Weißenburg‘ und die              erinnern an französische Kriegsgefangene und deut-
Ausführung übernahm der Weißenburger Steinmetz               sche Wachsoldaten. 2
Georg Grimm (1881-1965).                                         Im September 1915 wurde die Wülzburg in ein
    Das Denkmal ist als offener, achteckiger Bruch-          Offiziersgefangenenlager für rund 500 Insassen um-
steinbau mit spitzbogigen Öffnungen gestaltet. An der        funktioniert. Unter ihnen war ab Anfang Mai 1918
Innenseite der Mauerstücke sind vier Steintafeln mit         auch der spätere französische General und Staatsprä-
den Namen der Gefallenen aus Weißenburg im Ersten            sident Charles de Gaulle.
Weltkrieg angebracht. 1 Im Zentrum der Gedächtnis-
                                                          1 Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay., a. a. O., S. 183; Die Einweihung des
stätte steht ein ausbauchender, quadratischer Gedenk-       Heldenhains und der Kriegergedächtnisstätte zu Weißenburg i. B. am
stein mit Feuerschale und Widmung: „DIE STADT               3. Juni 1923, Weißenburg i. Bay. 1923.
WEISSENBURG IHREN HELDEN 1914-18“.                        2 Kießling, Stadt Weißenburg i. Bay., a. a. O., S. 281

                                                                                                                             21
Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                               1/2015

„Kriegsopfer-Ehrenmal“                                      „Lutherdenkmal“
Am Seeweiher, ehemaliger Garten der „Stichvilla“            Martin-Luther-Platz

                              Als Standort für das am                                       Im Zuge der Feiern
                              Volkstrauertag (18.11.)                                       zum Reformationsju-
                              1962 geweihte Denk-                                           biläum 1980 entstand
                              mal war zu Beginn der                                         die Idee eines Luther-
                              Planungen (1953) die                                          denkmals. Die finan-
                              Westseite der St.-An-                                         zielle Grundlage war
                              dreaskirche vorgese-                                          eine Stiftung des Un-
                              hen. Die Pläne scheiter-                                      ternehmers Hermann
                              ten, und auch die Ent-                                        Gutmann, der eigent-
                              würfe der Bildhauer                                           lich ein monumenta-
                              Hemmeter und Mayer                                            les Denkmal westlich
                              wurden verworfen.                                             der St.-Andreaskirche
    Schließlich entschied man sich für den Park an der                                      gewünscht hatte.
„Stichvilla“ und einen einfachen Gedenkstein aus                Den Auftrag für die 2,40 m hohe Bronzefigur er-
Jura-Marmor.                                                hielt Martin Mayer. Dieser war von Anfang an auf den
    Die Rohblöcke stammen aus dem Steinbruch                Martin-Luther-Platz fixiert, der aber damals noch ein
Böswald bei Haardt, die Bearbeitung übertrug der            öffentlicher Parkplatz war. Nur mit großer Mühe
Stadtrat mit Beschluss vom 22. März 1962 an den             konnte er zu einer Aufstellung vor dem Westportal der
Münchner Bildhauer Martin Mayer.1                           Kirche (Enthüllung am 10. November 1983) überre-
    Das 2,80 m hohe, leicht ausbauchende Denkmal            det werden. 3
besteht aus drei zusammengefügten Blöcken. Die                  Seine nie aufgegebenen Bemühungen um eine
gebeilten Seiten sind mit vier durchbrechenden Kreu-        Versetzung auf den seiner Meinung nach einzig rich-
zen versehen. Im Schnittpunkt der Kreuze entsteht           tigen Standort fanden erst 30 Jahre später ihre Erfül-
eine Lichtquelle, die an die Auferstehung der Toten         lung. Die von einem Unternehmer bezahlte, im Eigen-
erinnern soll. An der Schauseite, vom Seilergässchen        tum der evang. Kirchengemeinde befindliche und auf
her, sind als einzige Beschriftung die Jahreszahlen         städtischem Boden stehende Statue wurde 2013 auf
„1939“ und „1945“ eingemeißelt.                             den Martin-Luther-Platz versetzt und dort im Rahmen
    Martin Mayer (*1931 Berlin) hat nach dem Be-            des Reformationsfestes (31. Oktober) enthüllt.
such der Oberrealschule in Weißenburg (1943-1946)        1 Stadtarchiv Weißenburg, Bauamt 472.
an der Akademie der Bildenden Künste in München          2 Reiner Kammerl, Ehemalige Schüler stellen aus. Eine Ausstellung der
                                                           besonderen Art in der Weißenburger ‚Kunst-Schranne‘, in: „villa nostra“
unter Theodor Georgii studiert. Seit 1954 arbeitet er      1/2013, S. 16 ff.
als freischaffender Bildhauer in München. 2              3 „Weißenburger Tagblatt“ vom 04.11.2013.

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Reiner Kammerl – Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Weißenburg. Eine Bestandsaufnahme                                1/2015

Ehrenmal für die Opfer der Gewalt 1933 – 1945               Gedenkstätte für die Toten aus dem Kreis Kaaden
Westfriedhof, südlich der Aussegnungshalle                  Südfriedhof, westliche Friedhofsmauer

Der 2 m hohe
Kunststeinguss
ist ein Werk von
Karl Hemmeter
(vgl. S. 16). Ein
konischer Sockel
trägt einen kreis-
förmigen Rah-
men mit einem
Durchmesser
von 1,32 m für
die Inschrift
 „DEN OPFERN                                                Der 1,50 m hohe, kegelförmige Gedenkstein aus grü-
 DER GEWALT                                                 nem Schweizer Granit wurde am 8. Augst 1970 im
 1933     1945“                                             Park der „Stichvilla“ enthüllt. Er trägt die Inschrift:
    Georg Bach hatte als Vorsitzender des Kreisver-          „DER TOTEN IN DER ALTEN HEIMAT
bands Weißenburg des „Landesrats für Freiheit und            GEDENKEN DIE VERTRIEBENEN AUS DEM
Recht e. V.“ am 8. Dezember 1970 die Anregung dazu           KREIS KAADEN AN DER EGER 1270 - 1970“
gegeben – gleich mit Entwurf, Standort und Kosten-             Er erinnert in erster Linie an die 700-jährige Wie-
zusage. „Durch die runde Form, welche den Frieden           derkehr der Kaadener Stadterhebung, soll aber auch
und das erfüllte Leben symbolisiert, entsteht ein Bild      Mahnung sein, für das Selbstbestimmungsrecht der
der Ruhe und des Vollendetseins, welches sich gerade        Völker einzutreten. 2
auf einem Friedhof gut ausnimmt“.                              Der Entwurf stammt von Prof. Alfred Roth (*1903
    Der Stadtrat nahm im Januar 1971 das Angebot            Wangen an der Aare, †1998 Zürich), einem Schweizer
gerne an, und das Ehrenmal wurde im Lauf des Jah-           Architekten, Designer und Hochschullehrer. 3
res 1971 im Westfriedhof (eingeweiht am 18. Mai                Im Einvernehmen mit dem Heimatkreis Kaaden/
1968) aufgestellt. 1                                        Duppau erfolgte 1981 die Verlegung in den Südfriedhof.
    Nicht ausgeführt wurde im Bildfeld die von           1 Stadtarchiv Weißenburg, Bauamt 291.
Hemmeter vorgeschlagene, mit einem Messer bewaff-        2 „Weißenburger Tagblatt“ vom 10.08.1970.
                                                         3 „Roth gilt als wichtiger Vertreter des „Neuen Bauens“ und als engagierter
nete Hand, die von einer anderen Hand zurückgehal-         Wortführer der Moderne. Darüber hinaus hatte er es sich zur Aufgabe
ten wird.                                                  gemacht, die Farbkonzepte der Moderne zu systematisieren“ (www.wiki-
                                                           pedia.org, Aufruf vom 25.11.2014).

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