Zeitschrift der Lebenshilfe Wien - Ehrenamtliche Vorstandsarbeit
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Zeitschrift der Lebenshilfe Wien
Frühjahr 2021
www.lebenshilfe.wien
Das
große
Intervie Ehrenamtliche
w
Vorstandsarbeit
60 Jahre Lebenshilfe Wien Seite 10
Aktuelles in der Erwachsenenvertretung Seite 32Vor.wort
Liebe Leserin!
Lieber Leser!
Corona, Corona – Können wir endlich über Doch nun darf man sich berechtigte Hoffnung
etwas Anderes reden? Verständlich ist dieser auf baldige Besserung machen! Im März
Wunsch vieler BürgerInnen. Auch die Bewoh- und April erhielten Betreute und Personal im
nerInnen unserer Wohngemeinschaften wollen Rahmen des Wiener Impfplans ihre Covid-
lieber wieder regelmäßig zu ihrer Arbeit in die 19-Schutzimpfung. Vorsicht bleibt geboten,
Werkstätten fahren. Die engagierten Selbst- Flexibilität ist weiterhin gefragt, aber auf eine
vertreterInnen wollen ihre KollegInnen wieder Entspannung der Lage und eine Rückkehr ge-
lieber persönlich sehen als per Videokonferenz. wisser „Normalitäten“ bis zum Sommer dürfen
Die „teilbetreuten“ Kundinnen und Kunden sich alle freuen! Lesen Sie darüber und über
wollen gerne wieder alle ihre FreundInnen
VEREIN per- andere „Blitzlichter“ des Umgangs mit der
sönlich treffen, und die „vollbetreuten“ wieder Pandemie in diesem Heft.
mehr Ausflüge unternehmen. Die Mitarbei-
terInnen wollen wieder in den kreativen und Über die Coronakrise hinaus wollen wir Sie in
produktiven Vollbetrieb aller Werkstattgruppen dieser „Mitmachen“-Ausgabe natürlich auch
einsteigen und aktives, geselliges Freizeitleben über andere wichtige Ereignisse in und außer-
in den Vordergrund stellen und nicht die tägli- halb der Lebenshilfe Wien informieren. Ganz im
che nervenaufreibende Kontrolle der Einhaltung Sinne unserer heurigen Kampagne überall dort,
von Maskendisziplin, Sicherheitsabständen wo die Lebenshilfe Wien Menschen mit und
und Handhygiene. Von Quarantänen bei Covid- ohne Behinderung im Leben „weiterbringt“.
19-Fällen, häufigem Umstürzen von Dienst- Heute und schon seit 1961, als die Lebenshilfe
plänen und Fahrtendienst-Routen und zusätzli- Wien als Elterninitiative gegründet wurde.
chen Beaufsichtigungslasten von Angehörigen
ganz zu schweigen... Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!
Bernhard Schmid
Generalsekretär, Lebenshilfe Wien
SpendenkontoInhalt
Mittendrin
4 Neue Arbeitsaufgaben durch Corona
5 Vollbremsung durch Covid-19
6 Arbeiten im Ausnahmezustand Quarantäne-Einkauf für eine
8 „Wir können nix machen, dass wir es haben!“ betroffene Wohngemeinschaft.
9 Alle wünschen sich die alte Normalität zurück Foto: Kochgruppe, Tagesstruktur
Dresdner Straße
10 60 Jahre Lebenshilfe Wien
12 Persönliche Fragen an eine Zeitzeugin MITMACHEN Frühjahr 2021
13 Generalversammlung Impressum und Offenlegung
13 Die Lebenshilfe trauert um Dr. Heinz Trompisch
Herausgeber/Verleger:
Lebenshilfe Wien, Verein für Menschen
Das große Interview mit intellektueller Beeinträchtigung
14 Neue Frauenpower im Vorstand der Lebenshilfe Wien ZVR 870109504
Brehmstraße 12/12, 1110 Wien
Fort- und Weiterbildung Tel.: 01 - 812 26 35
Fax: 01 - 812 26 35 - 30
16 Alles eine Frage der Haltung E-Mail: office@lebenshilfe.wien
www.lebenshilfe.wien
Tagesstruktur
18 Für die Süßen unter euch: Schwarzwälder-Kirschtorte Redaktion:
Nicole Reiter
20 Monika Trummer – unsere neue Leiterin in der Rueppgasse Mag. Bernhard Schmid
21 Nachruf Ingrid Burger
22 Meine Nicht-Mehr-Kollegin Sylvia Zagler Grafisches Konzept:
HG-CROSSMEDIA.COM
23 Neu im Führungsteam
Druck:
Wohnen Gerin Druck GmbH, 2120 Wolkersdorf
24 Ein buntes Haus für ein Altern in Würde Vorstand:
28 Wie und wo man wohnt, will gut überlegt sein Präsident: Dipl.-Ing. Stefan Sedlitz;
1. Vizepräsidentin: Sophie Sperl, MA;
Geld und Recht 2. Vizepräsident: Hanns-Christoph
30 Finanzielle Hilfen in Wien Brunotte; Kassier: Wolfgang J. Kraus;
2. Kassierin: Mag.a Isabella Wotava,
32 Erwachsenenvertretung aktuell MBA; Schriftführerin: Renate Neubauer
34 Rückerstattung Kostenbeitrag Fonds Soziales Wien 2. Schriftführerin: Rosa Prinz;
Mitglieder: Brigitta Weiss, Isabelle
36 Zoom-Seminar: „2-Säulen-Modell“ am 18. Mai 2021 Bosse, Silvia Janisch;
38 Das 2-Säulen-Modell in einfacher Sprache Rechnungsprüfer: Mag. Siegbert Nagl;
2. Rechnungsprüferin: Maria Schiestl;
Wien inklusiv Ehrenpräsidenten: Univ.-Prof. Dr.
Meinhard Regler, Dr. Egon Prinz,
40 Gutes PatientInnen-Gespräch mit dem GEKO Dkfm. Dr. Walter Eigner
42 Mitspracherecht bei FSW-Dienstleistungen
Vereinszweck:
43 Der Journalist unter uns Der Verein, dessen Tätigkeit überkon-
fessionell, überparteilich und nicht auf
Gewinn gerichtet ist, bezweckt den
Schutz und die Förderung der sozialen,
Wir sind für Sie da! wirtschaftlichen, beruflichen, gesund-
heitlichen und kulturellen Interessen der
Menschen mit intellektueller Beein-
Carina Altenhofer, BSc, Assistentin der Geschäftsführung, vereinbart trächtigung; sowie der Interessen der
für Sie gerne persönliche Gesprächstermine: von dieser Beeinträchtigung mitbetrof-
fenen Angehörigen, außer diese sind
mit unserem Präsidenten DI Stefan Sedlitz mit den Interessen des Menschen mit
mit unserem Geschäftsführer Mag. Joachim Mair intellektueller Beeinträchtigung nicht
vereinbar.
mit unserer fachlichen Leitung Mag.a Karin Gerbautz
mit unserer Beraterin über Wohn- u. Werkstattplätze Mag.a Ingrid Wick Blattlinie und Erscheinungsweise:
mit unserem Generalsekretär Mag. Bernhard Schmid Die Zeitschrift MITMACHEN erscheint
zwei Mal jährlich und enthält aktuelle
Telefon: 01 - 812 26 35, E-Mail: office@lebenshilfe.wien Informationen rund um Arbeit und
Services der Lebenshilfe Wien sowie
Spendenkonto Lebenshilfe Wien: sozialpolitische Themen für Menschen
Bank Austria, IBAN: AT29 1200 0006 0139 9942, BIC: BKAUATWW mit intellektueller Beeinträchtigung
und ihre Angehörigen.MIT.MACHEN MITTENDRIN
Ein wichtiger
Neue Arbeitsaufgaben
erster Schritt!
Am 17. und 18.
März gab es für
durch Corona
den Großteil un-
Maria Hainzlmeier-Bruckner arbeitet normalerweise in der Lebenshilfe Wien als
serer KundInnen
und Mitarbeite- Krankenschwester im SeniorInnenhaus Nauschgasse. Jetzt ist sie auch für Testungen
rInnen die erste und die Impfkoordination zuständig.
Teilimpfung in
unserer Tages-
struktur im 20.
Frau Hainzlmeier-Bruckners Credo ist, die Evaluierung des Allgemeinzustandes
Bezirk.
Menschen zu helfen, sich selber zu helfen der SeniorInnen und vieles mehr.
und etwas gemeinsam zu schaffen. Als
Mitarbeiterin der Lebenshilfe Wien ist sie Im Kampf gegen Covid-19
seit 2011 als diplomierte Gesundheits- und Im September 2020 übernahm Frau Hainzl-
Krankenpflegerin an unserem Standort in meier-Bruckner die ersten PCR-Testungen
Wien-Donaustadt im Einsatz. Zu ihren Ar- und im Oktober 2020 dann die ersten
beitsaufgaben zählen dabei das Impfen, die Antigen-Testungen. Sie hat alle internen
Gesundheitsvorsorge, die Medikamenten- PflegeassistentInnen eingeschult, damit sie
bestellung und -gebarung, die Kommunika- auch Testungen durchführen können. Die
tion mit den ÄrztInnen, die Praxisanleitung Impfkoordination hat sie mit Ende Jänner
der PraktikantInnen, der Verbandswechsel, übernommen.
4MITTENDRIN MIT.MACHEN
Seitdem kommuniziert sie mit Behörden zu
rechtlichen Fragen zum Thema Impfen, be- „Ich möchte allen
stellt den Impfstoff, checkt das Impfteam, Menschen, die geimpft
berät KundInnen und MitarbeiterInnen und
plant gemeinsam mit den Bereichsleitun-
werden wollen,
gen den Ablauf der Impfung und die Orga- zu diesem Schritt
nisation der Impfstraßen.
verhelfen, damit sich
Frau Hainzlmeier-Bruckners größter das Leben hoffentlich
Wunsch nach der Pandemie: „Allen Men- bald wieder
schen, die mir etwas bedeuten, wieder ins
Gesicht sehen zu können und sie in den normalisiert“
Arm nehmen zu können! (Besonders meine Maria Hainzlmeier-Bruckner
lieben KundInnen in der Nauschgasse!)“
Vollbremsung durch
Covid-19
Wie in allen Bereichen des täglichen Lebens hat Corona auch in der Freiwilligen-Arbeit
vieles von einem Moment auf den anderen unmöglich gemacht.
Lockdowns mit Ausgangssperren dieser Ausnahmezustand noch Holzer. „Aber schon durch die
und der Aufforderung, möglichst anhalten? Wann endlich wird es Unmöglichkeit, Schnuppertermi-
alle Kontakte auf notwendige und genug Impfstoff geben, damit ne vor Ort zu vereinbaren, um
unaufschiebbare zu reduzieren. alle ausreichend geschützt und ein Kennenlernen aller Beteiligten
Keine Besuchsmöglichkeiten regelmäßige Kontakte wieder möglich zu machen, steckt man
von freiwilligen HelferInnen an möglich sind? Diese Unsicherheit in der Wartschleife. Wir halten
den Standorten. Eine sehr ent- und Nicht-Planbarkeit erschwert auch mit all unseren Ehrenamtli-
behrungsreiche Zeit für unsere auch das Arbeiten im Bereich der chen Kontakt, auch wenn es oft
KundInnen und für die vielen Eh- Freiwilligenkoordination unseres keine konkreten Aussichten gibt,
renamtlichen, die nicht mehr wie Vereins erheblich! wann ein Wiedersehen wieder
gewohnt Besuche und Ausflüge unbeschwert möglich ist“, schil-
unternehmen können. Immer wieder melden sich inte- dert Holzer die aktuelle Situation.
ressierte Personen, die freiwillig
Auch für unser Personal, das nun aktiv werden möchten. „Persön- Kontakt halten in
alle KundInnen den ganzen Tag licher Kontakt ist fast unmöglich, Krisenzeiten
im Haus betreut, ist es ein großer über Mail und Telefon versuche Aber natürlich geben sich unsere
Mehraufwand. Und über allem ich, Erwartungen und Möglich- engagierten Freiwilligen nicht
die große Verunsicherung: Wie keiten abzuklären“, berichtet so schnell geschlagen! Kuchen
geht es weiter? Wie lange wird Freiwilligenkoordinatorin Birgit wird vorbeigebracht, telefonisch
5MIT.MACHEN MITTENDRIN
nachgefragt, wie es den Men- laufen an, Erleichterungen im wir mit frischem Elan in gemein-
schen mit Behinderungen geht, öffentlichen Leben werden in same Unternehmungen starten
Geburtstagswünsche werden Aussicht gestellt und die wärme- können! In der Freiwilligen-Koor-
ausgesprochen und vieles mehr. re Jahreszeit sollte wieder Einiges dination stehen wir auf jeden Fall
Und natürlich immer wieder leichter und besser möglich in den Startlöchern und hoffen
nachgefragt: Wann endlich geht machen. darauf, nicht zu viel Zeit und Frei-
es wieder los? willige verloren zu haben. Alles
In diesem Sinne erwarten wir, nimmt wieder Fahrt auf!
Telefonate oder Videotelefonie dass es bald wieder losgeht und
sind nur ein sehr schwacher
Ersatz für persönliche Besuche.
Auch ist das Interesse der Kun- Birgit Holzer
dInnen diesbezüglich oft enden Freiwilligen-Koordinatorin
wollend und schließt fast immer Telefon: 0681 – 107 914 84
mit der Frage: „Wann kommst E-Mail: freiwillig.aktiv@lebenshilfe.wien
denn wieder?“
Nun endlich im Frühling scheint
es weiter zu gehen. Impfungen
Arbeiten im Ausnahmezustand
Auch für das Mitsprache-Team ist die Arbeit seit Corona (im März 2020)
schwierig geworden.
Im 1. Lockdown gab es große Unsicherheit. Wir hatten einen Notbetrieb in einer
Werkstatt. In unserer Gruppe waren die Selbstfahrer (das sind Personen, die
selbstständig zu Arbeit kommen) 2 Monate zuhause. Wir durften nur einkaufen
(Lebensmittel) oder spazieren gehen. Man durfte sich nicht mit Freunden treffen.
Im Mai 2020 sind die Selbstfahrer unserer Gruppe dann wieder in die Werkstatt
gekommen. Die Leute im Wohnhaus waren 3 Monate zuhause.
Im November kam es dann zum 2. Lockdown bis Anfang Dezember. Wir waren
in dieser Zeit nur 4 Leute in der Gruppe. Normalerweise sind wir 7.
Die Werkstätten waren bei diesem Lockdown offen. Nur zu Weihnachten waren
sie geschlossen.
Nach einer kurzen Pause kam es dann zum 3. Lockdown.
6MITTENDRIN MIT.MACHEN
Eine schwierige Zeit
für Menschen mit
Lernschwierigkeiten
und die Arbeit geht
nur langsam voran.
Diese Zeit war und ist für viele Menschen mit Lernschwierigkeiten sehr schwer.
Wenige können sich selber gut beschäftigen.
Für die Leute im Wohnbereich ist es besonders hart, weil sie schon lange nicht
mehr in der Werkstatt waren.
Wir hören von allen Seiten, wie schwierig die Situation für alle ist. Das Maske-
Tragen fällt vielen und auch uns sehr schwer. Welche Masken besser oder
schlechter waren wurde lange und viel diskutiert.
Dazu kommt: Es muss 2 Mal am Tag Fieber gemessen werden. Es war und ist
wichtig eine Durchmischung zu vermeiden, das heißt wir bleiben in unseren
Gruppen. Es müssen regelmäßig die Hände gewaschen und desinfiziert werden.
Auch die Abstände einzuhalten, ist für viele unserer Kollegen nicht leicht möglich.
Unser Kernthema Mitsprache geht nur eingeschränkt und langsam voran.
Wir, die MiT-Gruppe, können viele persönliche Termine nicht wahrnehmen.
Wo es möglich ist, verwenden wir Zoom. Man kann Videoanrufe damit machen.
Wir haben die Selbstvertreter und Werkstatträte versucht, telefonisch und über
die Handy-App Signal zu erreichen. Man kann Videoanrufe damit machen. Das
war gerade für diese Personengruppe nicht leicht. Der persönliche Kontakt fehlt.
Es gibt seit März 2020 keine Selbstvertretertreffen mehr. Auch Austauschtreffen
für die Werkstatträte können wir nicht mehr machen.
Am 17. und am 18. März 2021 haben fast alle von uns die erste Impfung gegen
Covid-19 bekommen. Im April dann die zweite.
Traurig ist, dass es derzeit schwer ist, Angehörige auf ihrem letzten Weg
zu begleiten. Wir hoffen, dass alles besser wird und wir bald wieder alle
zusammenkommen können. Das Leben läuft weiter.
7„
MIT.MACHEN
Wir können nix
machen, dass
wir es haben!“
MITTENDRIN
Andreas Etzenberger (links) unternimmt mit
seinem Assistenten Mag. Markus Wagen-
hofer im Lockdown öfters Spaziergänge.
Wie geht es uns dabei, wenn kaufen muss man Maske tragen. Kennst du jemanden, der
sich die Arbeit und der ge- Wir können nix machen, dass wir krank geworden ist?
wohnte Tagesrhythmus durch es haben. Insgesamt geht es mir Ich kenne niemanden. Ein Freund
die Pandemie verändern? aber gut. ist in einem Männerheim im 21.
Ein Gespräch über den Corona Bezirk. Ich darf ihn nicht be-
bedingten neuen Lebensab- Das geht uns allen so. Manch- suchen. Ich hab für ihn etwas
schnitt von Markus Wagenhu- mal ist es anstrengend, dann gekauft, er hat kein Geld. Ich hab
ber, Assistent im Teilbetreuten geht’s wieder gut. Bei mir hat ihm Brot, Streichwurst und Würs-
Wohnen, und seinem Kunden sich die Arbeit sehr verändert. teln und Milch gebracht.
Andreas Etzenberger. Ich sehe meine KollegInnen Das ist nett von dir, Du hilfst
selten. Der Austausch war mir immer gerne.
Andi, jetzt haben wir schon immer sehr wichtig. Das ver- Ja, so ist das halt.
ein Jahr lang Corona. Wie misse ich. Gibt’s was, auf das
geht’s dir damit? Was hat sich du stolz bist, Andi? Momentan gibt’s ja keine Frei-
bei dir so verändert? Ich hab mich an die Verordnun- zeitangebote. Fehlt dir das?
Die Arbeit hat sich verändert. gen gehalten. Ich habe die Maske Spazieren bin ich einmal mitge-
Zwei Wochen bin ich zu Hause aufgesetzt. Und trotzdem habe gangen. Das geht mir nicht ab.
und dann eine Woche Arbeiten. ich meine Schwester besucht Ich bin meistens bei meiner
Ich gehe gerne in die Arbeit. Aber und ihr geholfen. Ich hab bei der Schwester. Reiten war ich auch
ich bin auch gerne zu Hause, weil Polizei nachgefragt, ob ich das einmal mit. Das hat mir Spaß
ich eh viel zu tun habe. Im Büro darf. Wenn jemand Hilfe braucht, gemacht. Wir beide gehen jetzt
gibt es keine Geburtstagsfeiern darf ich helfen, haben sie gesagt. oft Spazieren.
mehr. Da bin ich gerne hingegan-
gen. Niemand ist krank geworden. Das ist neu. Das haben wir vor
Allen geht es soweit gut. An- Corona nicht gemacht. Da kön-
Ja und das Mittwochs-Café fangs war es sehr schwierig, nen wir gut reden und gesund
gibt’s auch nicht mehr. Immer aber man findet einen Umgang ist die Bewegung draußen
wieder werde ich gefragt, damit. Unser Team ist super. auch.
wann es aufsperrt. Und ich Flexibel, anpassungsfähig und Was wünschst du dir für
muss immer wieder sagen, füreinander da. Herrscht bei dir dieses Jahr?
dass ich das nicht weiß. Dass schon Lockdown-Müdigkeit? Ich würde gerne in die Werkstatt
ich nicht weiß, wie die Corona Was heißt das? im 20. Bezirk auf Besuch gehen
Situation sich entwickelt. Reicht´s dir schon mit dem und in die WG Rollingergasse.
Anstrengend ist es schon. In der Corona?
U-Bahn Maske tragen. Beim Ein- Ja, ich will, dass es vorbei ist.
8MITTENDRIN MIT.MACHEN
Alle wünschen sich die alte Normalität zurück
Nachgefragt haben wir auch bei Marion Wie geht es den KundInnen?
Lukas, Leiterin des Teilbetreuten Wohnen, Das kann ich ebenfalls nicht pauschal beantwor-
was durch Corona in der Arbeit im Teilbetreu- ten. Alle haben einen Weg gefunden mit der
ten Wohnen alles anders geworden ist: Situation umzugehen – manchmal gelingt das gut,
Ich kann es schwer beschreiben: Durch die Mas- manchmal nicht so. Alle wünschen sich die alte
ken und das Abstandhalten hat sich auch das Zwi- Normalität zurück, das Gefühl von „Wie-es-früher-
schenmenschliche verändert. Genau das, was in war“.
unserer Arbeit so wichtig ist. Eine Kundin meinte,
dass alles so unpersönlich geworden ist. Herrscht Lockdown-Müdigkeit?
Durch die Maßnahmen und Lockdowns waren Ja. Derzeit haben die Geschäfte wieder offen.
wir sehr stark eingeschränkt und konnten unsere Das ist schon mal ein Pluspunkt. Einkaufen gehen
KundInnen nicht im vollen Ausmaß bei ihren Zielen ist für viele sehr wichtig. Glücklicherweise ist für
und Wünschen begleiten – zum Beispiel beim unsere KundInnen auch die Tagestruktur offen.
Erweitern ihres Bekanntenkreises. Vor allem sehnen viele die gemeinsamen Ausflüge
herbei. Auch nach unserem „Mittwochs-Cafe“,
Wie geht es euch nach diesem Jahr? bei dem sich normalerweise viele zum Plaudern
Es ist von Tag zu Tag und von Person zu Person und Kaffeetrinken treffen, wird immer wieder
unterschiedlich. An manchen Tagen läuft es ganz gefragt.
gut und an manchen würde man am liebsten „den
Hut draufhauen“. Gab’s Betroffene?
Ich denke aber, dass sich alle mit der Situation Ja, aber glücklicherweise nur zwei.
arrangiert haben und versuchen, das Beste draus
zu machen – etwas Anderes bleibt uns nicht übrig. Wie lebt es sich so isoliert, ohne großem
Freizeitangebot?
Was waren die größten Herausforderungen? Unsere KundInnen haben das große Glück, dass
Die Kurzarbeit im 1. Lockdown für unser Team. sie die Möglichkeit bekommen haben, die Tages-
Wir mussten und wollten trotz der ganzen Um- struktur zu besuchen. So treffen sie, unter Einhal-
stände für alle so gut wie möglich da sein und sie tung der Maßnahmen, andere Personen. Dadurch
begleiten. Für viele waren wir die einzigen sozia- kann der Isolation entgegengewirkt werden.
len Kontakte. Aber auch die Ungewissheit – was
kommt da auf uns zu? Wie lange müssen wir in so Gibt es Personen, die Neues durch die Zeit
einer Ausnahmesituation leben? für sich entdeckt haben, Spaziergänge, ein
neues Hobby?
Worauf seid Ihr stolz? Eine Kundin hat die Zeit genutzt und ihre Woh-
Wir haben fast ein Jahr geschafft und werden es nung neu gestaltet. Einige entdecken durch ausge-
auch weiterhin tun! dehnte Spaziergänge neue Plätze in Wien.
Ich bin stolz auf mein Team und dankbar! Es gab
Höhen und Tiefen, aber alle haben ihr Bestes Was sind die Wünsche für 2021?
gegeben, um unserer KundInnen durch diese ganz Normalität! Ohne Masken und Abstand beieinan-
spezielle Zeit zu begleiten. der sein und an den persönlichen Zielen weiterar-
Außerdem bin ich stolz auf unsere KundInnen, die beiten.
das letzte Jahr so gut gemeistert haben.
9Foto: dentsu
Foto: Adobe Stock
Die Lebenshilfe Wien begleitet heute Menschen mit Behinderungen bei einem
möglichst selbstbestimmtem Leben inmitten unserer Stadt.
60 Jahre Lebenshilfe Wien
„Was wird Vor 60 Jahren trafen die Eltern von Schüle- Elternhaus. Beides keine guten Zukunftsop-
rinnen und Schülern der Sonderschule 3., tionen. Auch einige LehrerInnen unter
mit meinem Paulusgasse 9-11, immer wieder zusam- dem engagierten Schuldirektor Karl Ryker
Kind, wenn men. Sie brachten ihre Kinder in die Schule wollten nicht, dass die SchülerInnen ihre
und holten sie nach Schulende wieder ab. erlernten Fertigkeiten wieder verlieren. So
es die
Die Sorge, was aus den Kindern nach der beschloss man gemeinsam die Gründung
Schule Schulzeit wird, schweißte die Angehörigen unseres Vereins.
beendet?“ zusammen und machte sie letztlich aus der
Not heraus erfinderisch. Die Wahl bestand Rahmenbedingungen gestalten
damals lediglich zwischen Anstaltsunter- Viele gesetzliche Errungenschaften gehen
bringung und lebenslanger Versorgung im auf die Initiative der Lebenshilfe Wien zu-
rück, so z.B. das erste Behindertengesetz
für Wien (1966), die erhöhte Familienbeihil-
fe (1973), die „Dauerleistung“ der Sozialhil-
fe (1974), ein modernes Sachwaltergesetz
(1984) oder das Pflegegeld (1993).
Heute betreibt die Lebenshilfe Wien 12
Wohngemeinschaften, drei Standorte, von
Foto: Meinhard Regler
wo aus Menschen mit Behinderungen teil-
betreut bei einem Leben in ihren eigenen
Wohnungen begleitet werden, sowie sechs
Werkstätten. Die Organisation beschäftigt
insgesamt rund 300 MitarbeiterInnen und
Vor Gründung der Lebenshilfe war für Menschen mit Behinderungen
der Familienverbund oft die einzige Unterstützung im Leben
begleitet 450 KundInnen mit intellektueller
(Meinhard Regler, Dritter von links, Präsident der Lebenshilfe Wien Beeinträchtigung. Der Verein bietet Interes-
von 2008 bis 2017, begleitete seinen Bruder Norbert, Mitte, Anfang senvertretung, Angehörigenberatung und
der 1960er-Jahre jeden Tag in die Sonderschule Paulusgasse). Vereinsveranstaltungen an.
101966 errichtete die MITTENDRIN MIT.MACHEN
Lebenshilfe Wien
ihre erste Werkstatt
in der Effingergasse
in Wien-Ottakring.
Meilensteine seit der Vereinsmeldung im Jahre 1961:
Start des Garconnierenwohnens in 11.,
Braunhubergasse
Start des
Arbeitsintegrationsprojekts
2019 Amtliche Meldung
Februar
der Vereinsgründung
Allegro Plus
2012 1961
Juni 15. Juni
Eröffnung Erste Werkstatt
SeniorInnenhaus 22,
Nauschgasse 2a
2011 1966 in 16., Effingergasse 23
September
eröffnet
Februar
Die
SelbstvertreterInnen 1999 1979 Erstes Wohnhaus
in 18., Krenngasse 2
treffen sich Mai September
zum ersten Mal 1986 eröffnet
März
Erste SeniorInnen-Tagesgruppe in 12.,
Hetzendorfer Str. 118 gestartet
Zeitweise waren auch Kindergärten, eine Spielothek und eine Lehrwerkstätte im Angebot.
11MIT.MACHEN MITTENDRIN
Persönliche Fragen
an eine Zeitzeugin Dr. Maria
Bruckmüller
Maria Bruckmüller war als junge Religionslehrerin in der
Sonderschule Paulusgasse persönlich dabei, als die
Lebenshilfe Wien 1961 gegründet wurde. Als ehemalige
pädagogische Leiterin der Lebenshilfe Wien (1979-1987) Mission in mir verspürt. Es hat
und Präsidentin der Lebenshilfe Österreich (1989-1996) sich für mich vieles in meinem
war sie dann in der Pension ehrenamtlich in der Mehrfach- Leben ergeben, es waren „die
behindertenambulanz der Barmherzigen Brüder Wien tätig. Wege Gottes“. Der Umgang
Als Ehrenpräsidentin der Lebenshilfe Österreich ist sie bis mit verschiedenen Menschen,
heute aktiv. verschiedener Herkunft, verschie-
dener Sprache, verschiedener
sie es wollen, mit der dazu ge- Religion, mit und ohne Behin-
wünschten Unterstützung. derung haben mir stets Freu-
de gemacht und war für mich
Was haben wir der selbstverständlich! Genau dieser
Inklusions-Idee am meisten selbstverständliche Umgang hat
zu verdanken? mich lebenslang angetrieben,
Die gegenseitige Achtung ist und diesen selbstverständlichen
enorm gestiegen, der Umgang Umgang habe ich auch immer
miteinander hat sich stark ver- und überall eingefordert.
bessert, gesellschaftliche Vielfalt
wird zugelassen und akzeptiert.
Was war für Sie der größte
Beitrag der Lebenshilfe Wien Wo sehen Sie noch
in den letzten 60 Jahren? Verbesserungsbedarf?
Die Einrichtung von Werkstätten In der Ausbildung von Betreu-
und betreuten Wohnplätzen! ungspersonal sollte noch mehr
Damit wurde ein wesentlicher Augenmerk darauf gerichtet wer-
Schritt zu einem menschlichen den, dass erwachsene Menschen
und lebensnahen Umgang mit mit intellektueller Behinderung an
Menschen mit intellektuellen ihren erwachsenen Bedürfnissen
Behinderungen gesetzt. gemessen werden, und nicht an
ihrem kognitiven Entwicklungs- Was wollen Sie der jungen
Was war für Sie die größte alter. Generation als Botschaft
Errungenschaft der mitgeben?
Behindertenhilfe seit 1961? Was ist Ihr persönlicher Das Leben ist unglaublich vielfäl-
Dass Menschen mit intellektuel- Antrieb für sechs Jahrzehnte tig! Daher sollte jeder Mensch in
len Behinderungen als Menschen Einsatz für Menschen mit seiner ganzen Vielfalt gesehen,
„wie du und ich“ behandelt Behinderung? geschätzt und behandelt werden,
werden und selbstverständlich Ich habe weder ein Schlüsseler- und jede Gruppe in ihrer Unter-
ihr Leben leben können, so wie lebnis durchgemacht noch eine schiedlichkeit.
12MIT.MACHEN
Dipl.-Ing. Stefan Sedlitz
(im Bild unten, rechts)
wurde als Präsident
Generalversammlung
wiederbestätigt. Univ.-
Prof. Dr. Meinhard Regler
(links) trat nach 37 Jahren
aktiver Vorstandsarbeit
Am 19. Oktober 2020 wurde der Vorstand zurück, davon 9 Jahre
der Lebenshilfe Wien bestätigt: als Präsident.
Präsident Dipl.-Ing. Stefan Sedlitz
1. Vizepräsidentin Sophie Sperl, MA
2. Vizepräsident Hanns-Christoph Brunotte
Kassier Wolfgang J. Kraus
2. Kassierin Mag.a Isabella Wotava, MBA
Schriftführerin Renate Neubauer
2. Schriftführerin Rosa Prinz
Mitglied Brigitta Weiss
Mitglied Isabelle Bosse
Mitglied Silvia Janisch
1. Rechnungsprüfer Mag. Siegbert Nagl
2. Rechnungsprüferin Maria Schiestl
Die Lebenshilfe trauert
den. Für viele Jahre war er einer der gefragtesten
Vortragenden für unzählige Angehörige, für die
er als selbst betroffener Angehöriger stets ein
verständnisvolles Ohr hatte.
Am 17. März 2021 ist Dr. Trompisch im Alter von 77
Foto: bizeps
Jahren im Krankenhaus an Covid-19 verstorben...
Wir trauern nicht nur um einen hervorragenden und
Der langjährige Geschäftsführer und Jurist der allseits hochgeschätzten Experten, sondern um
Lebenshilfe Österreich, Dr. Heinz Trompisch, einen menschlichen, humorvollen Wegbegleiter
war der Lebenshilfe Wien als Mitglied und als und aktiven Mitgestalter der Lebenshilfe Wien,
rechtlicher Ratgeber jahrzehntelang eng verbun- Niederösterreich und Österreich.
13MIT.MACHEN DAS GROSSE INTERVIEW
Neue Frauenpower im Vorstand
der Lebenshilfe Wien
Mit Sophie Sperl und Isabella Wotava hat die Lebenshilfe Wien zwei neue Vorstandsmitglieder
bekommen. Bernhard Schmid hat die beiden Damen interviewt und nachgefragt, warum ihnen eine
ehrenamtliche Tätigkeit in unserem Verein am Herzen liegt.
„Die Behinderung ligten Randgruppe verschrieben
hat. Mir ist wichtig, dass diese
meines Bruders ist für Organisation sowohl politisch als
Foto: Sophie Sperl
mich weder großes auch konfessionell unabhängig
ist. Auch möchte ich die
Glück noch großes Leid, Organisationsstrukturen kennen-
es ist ganz normal!“ lernen und verstehen.
Sophie Sperl, BA
Was erwarten Sie sich und
was möchten Sie in Ihrer
Sophie Sperl Funktion als Vorstandsmit-
glied bewirken?
Frau Sperl, bitte stellen Sie Privat bin ich glückliche Mutter Ich erhoffe mir Offenheit für
sich kurz bei uns vor! eines einjährigen Sohnes. neue Ideen und Perspektiven.
Geboren bin ich 1986 und aufge- Ich möchte dazu beitragen, dass
wachsen in Wien mit zwei älteren Was verbindet Sie mit dem Menschen mit Beeinträchtigung
Brüdern. Nach der Matura habe Thema intellektuelle Behinde- in der Gesellschaft mehr sichtbar
ich ein Studium der Sozialpäda- rung und der Lebenshilfe? und präsent werden im Sinne ei-
gogik abgeschlossen. Berufser- Mein ältester Bruder hat das ner Normalität der Diversität! Ein
fahrung durfte ich bislang in der Down-Syndrom und ist viele Anliegen ist es mir auch, neue
Betreuung und Beratung von Kin- Jahre bereits in Betreuung der Perspektiven zum Thema der
dern und Jugendlichen mit und Lebenshilfe Wien. beruflichen Integration zu entwi-
ohne Fluchthintergrund sammeln. ckeln und zu untersuchen.
Neben meiner hauptamtlichen Was waren Ihre Motive, in den
Tätigkeit arbeite ich immer wie- Vorstand einzutreten? Was sollen wir sonst noch
der ehrenamtlich für den Verein Ich habe bald erkannt, wie wich- von Ihnen wissen?
Happiness – Glücklich mit Hilfe tig gute Betreuungseinrichtungen Immer wieder wird mir die
des Pferdes. Als ausgebildete für Menschen mit intellektueller Frage gestellt, wie es denn sei,
Voltigierwartin betreue ich Kinder Beeinträchtigung wie meinem mit einem behinderten Bruder
und Jugendliche mit besonderen ältesten Bruder sind. Irgendwann aufzuwachsen. Ich kann diese
Bedürfnissen, bin Pferdeführerin, wollte ich dann selbst mitwirken Frage nicht beantworten, denn
und unterstütze bei Veranstaltun- in einer Organisation, die solche dazu fehlt mir der Vergleich
gen nach den Regeln von Special Betreuungseinrichtungen betreibt zum Aufwachsen ohne einen
Olympics. und sich einer stark benachtei- behinderten Bruder. Es ist für
14DAS GROSSE INTERVIEW MIT.MACHEN
mich ganz normal! Genauso allen anderen Menschen und ge- ken zu erleben macht sehr viel
wie es für andere normal ist, in genüber der Natur. Ich habe Pä- Freude!
anderen Familienkonstellationen dagogik mit den Schwerpunkten
aufzuwachsen. Ja, es hat mich Sozialpädagogik sowie Heil- und Wieso wollten Sie sich im
nachhaltig geprägt. Es hat mich Sonderpädagogik studiert und im Vorstand der Lebenshilfe Wien
gelehrt genau hinzuhören und zu 2. Bildungsweg ein wirtschaftli- engagieren?
-sehen. Sowohl Unterschiede als ches Masterstudium absolviert. Ich gestalte sehr gerne! Dabei
auch Gemeinsamkeiten erkennen Hauptberuflich leite ich gemein- ist mir sehr wichtig, über den
zu können und sensibel darauf sam mit zwei Kollegen ein großes Tellerrand zu schauen, neue Per-
einzugehen, prägen mein Tun und Bildungsunternehmen, nämlich spektiven zu entdecken und neue
meine Haltung. die ibis acam Bildungs GmbH. Ideen zu entwickeln. Ich möchte
Diese Aufgabe ist für mich opti- in meinem Leben einen gesell-
mal, weil ich überzeugt bin, dass schaftlichen Beitrag leisten, der
Bildung für Menschen neben der den Menschen hilft.
Gesundheit das Wichtigste ist.
Bildung umfasst für mich nicht Was sind Ihre Ziele als
nur Wissen, sondern auch Per- Vorstandsmitglied?
Foto: Isabella Wotava
sönlichkeitsbildung. Daher finde „Wer immer tut, was er schon
ich auch neben dem Wohnen die kann, bleibt immer das, was
Mag.a
Werkstätten der Lebenshilfe sehr er schon ist“ – das ist ein Zitat
Isabella
Wotava
toll und wichtig, weil es hier auch von Henry Ford. Ich wünsche
um Persönlichkeitsbildung geht mir, dass jeder Mensch immer
und darum, das Leben gut zu wieder Neues ausprobiert. Ich
„In Bewegung meistern. freue mich, wenn ich im Vorstand
bleiben, indem man mit Impulsen die Lebenshilfe ein
Warum ist Ihnen das Thema Stück weit mitgestalten kann.
neue Dinge macht, intellektuelle Behinderung Weil mir wichtig ist, dass alle
das ist mir am ein Anliegen? Menschen ein gutes Leben füh-
Für mich ist Vielfalt sehr wich- ren können und die bestmögliche
Wichtigsten!“ tig. Intellektuelle Behinderung Unterstützung bekommen.
ist nur eine Seite der Medaille.
Die zweite Seite beinhaltet viele Verraten Sie uns, was Sie
Isabella Wotava Talente und Stärken. Die Lebens- neben der hauptberuflichen
hilfe begleitet Menschen mit und ehrenamtlichen Arbeit
Frau Wotava, bitte können Behinderung und fokussiert sehr noch gerne tun?
Sie uns ein wenig über sich stark genau auf diese Stärken Ich betreibe einen kleinen „Food-
erzählen? und Talente. blog“ im Internet für meine Fa-
Ich bin ein sehr offener Mensch Durch eine Kooperation zwischen milie und Freunde, weil ich gerne
und für mich ist Folgendes sehr ibis acam und der Lebenshilfe koche und backe und meine
wichtig: habe ich einen Kunden aus dem Rezepte gerne teile.
Wertschätzung, ein gutes Mitei- Werkstatt-Team kennengelernt,
nander und Respekt gegenüber den ich sehr schätze! Seine Stär-
15MIT.MACHEN FORT- UND WEITERBILDUNG
Michael Tschernegg
(links im Bild) unter-
stützt Oliver Seklener
(rechts im Bild) bei
seinen Arbeits-
fortschritten in der
Holzgruppe in der
Tagesstruktur.
Alles eine Frage
der Haltung
Mit einem Schulungsschwerpunkt will die Lebenshilfe Wien
das Konzept von personenzentriertem und sozialraumorientiertem
Arbeiten an die einzelnen Standorte bringen.
Gemeinsam mit den Trainerinnen Nicolet- Möglichkeiten und sie bekommen so auch
te Blok und Barbara Leitner werden sich mehr Kontrolle über ihr Leben.
MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Wien
(sobald es Corona wieder zulässt) zu inter-
nen ExpertInnen in Sachen Persönlicher Michael Tschernegg ist einer der
Zukunftsplanung, Personenzentrierung und Kursteilnehmer der Fortbildungsreihe.
Sozialraumorientierung entwickeln. Er arbeitet als fachlicher Begleiter in
der Holzgruppe der Tagesstruktur in der
Dabei geht es vor allem darum, Methoden Schottengasse. Wir haben bei ihm
kennenzulernen, die dabei unterstützen, nachgefragt, warum er sich als Multipli-
Vertrauen in die Fähigkeiten von unseren kator ausbilden lässt:
KundInnen zu entwickeln, diese zu stärken
und sich nicht an Defiziten zu orientie- Was erwartest Du Dir von der
ren. Es gilt, Träume und Wünsche ernst Schulung?
zu nehmen und unsere Begleitung so zu Ich erwarte mir, ein neues zeitgerechtes
gestalten, wie es einzelne Personen wirk- Mittel in der Begleitung von Menschen mit
lich brauchen und wollen. Menschen mit Behinderung kennen zu lernen und dieses
Behinderungen eröffnen sich dadurch neue umsetzen zu können.
16FORT- UND WEITERBILDUNG MIT.MACHEN
Wie war die erste Runde? Wie glaubst Du, dass Du die
Sehr persönlich und spannend. Durch Personenzentrierung in Deiner Arbeit
das Einbringen diverser Erfahrungen und integrieren kannst?
Geschichten aus Frau Blok’s Leben und das Was ich in der ersten Einheit erfahren
ihres Sohnes mit Down-Syndrom, gekop- durfte, war durchwegs für alle meine
pelt mit ihrem Know-How, machte sie auf KundInnen in der Gruppe passend. Es ist
mich einen sehr kompetenten Eindruck. ein gutes Mittel, die Ziele unserer KundIn-
nen gemeinsam zu definieren und daran
Was werden Deine Aufgaben zu arbeiten. Durch personenzentriertes
als Multiplikator sein? Arbeiten kann ich mir vorstellen, mehr
Ich werde als Ansprechpartner für meine Handlungsspielraum in einer gemeinsamen
KollegInnen bei allen Fragen rund um Zielfindung zu haben, und diese freier und
die Personenzentrierung am Standort vor allem persönlicher umzusetzen.
fungieren.
Wir stellen uns vor:
Agentur Sonnenklar Drehscheibe-Peerstreitschlichtung
Die Agentur Sonnenklar arbeitet seit Oktober 2019. Durch unsere Angebote helfen wir mit, Gewalt in Einrichtungen
für Menschen mit Behinderung zu erkennen und Streit zu lösen.
Es gibt:
Workshops (online: Zoom und/oder Präsenz: Obere Augartenstraße 12, 1020 Wien),
eine Internet-Seite mit vielen Informationen: www.agentur-sonnenklar.at,
eine Tagung am 16. Juni 2021 im Catamaran Wien und
die Peer Streitschlichtung (Mobil: +43 (0)664 8587554, E-Mail: streitschlichtung@agentur-sonnenklar.at).
Die Idee zur Agentur Sonnenklar kommt aus
dem Projekt Wiener Wege zur Inklusion.
Menschen mit Behinderung haben sich
überlegt:
Wir wollen zu dem Thema Gewalt in
Einrichtungen reden.
Wir wollen darüber reden, dass es viele
Regeln gibt, die wir nicht gut finden.
Das Thema der Agentur soll Gewalt
durch Regeln sein.
Ein schweres Wort für Gewalt durch
Regeln ist Institutionelle Gewalt.
Der Auftrag und die Finanzierung für
die Agentur Sonnenklar kommen vom
Fonds Soziales Wien.
17Foto: Adobe Stock
Für die Süßen unter euch:
Schwarzwälder-Kirschtorte
Rezepttipp unserer Kochgruppe in der Tagesstruktur Brehmstraße für eine 26cm Durchmesser Torte:
Schokoboden:
140g Kochschoko und
140g Butter über Wasserbad schmelzen
6 Eier Trennen
200g Zucker eine Hälfte mit Eigelb aufschlagen
andere Hälfte mit Eiweiß aufschlagen
140g Mehl glatt geschmolzenes Butter/Schoko-Gemisch unter aufgeschlagenes Eigelb geben,
vermengen, dann abwechselnd Mehl und aufgeschlagenes Eiweiß unterheben
Tortenform mit Butter bestreichen und mit (griffigem) Mehl ausstauben. Die Tortenmasse
in die Tortenform geben und bei 150 Grad (Umluft) ungefähr 50 Minuten backen.
Pariser Creme:
250g Kochschoko in kleine Stücke schneiden
250ml Schlagobers aufkochen, vom Herd nehmen, Schokostücke unterrühren und so lange rühren
bis sie geschmolzen ist.
Alles in den Kühlschrank stellen, wenn es ganz kalt ist, mit dem Mixer mixen (so wie Schlagobers).
18TAGESSTRUKTUR MIT.MACHEN
Kirsch/Topfen Creme:
250g (Creme-)Topfen glattrühren
250ml Schlagobers aufschlagen
50g Staubzucker zum Schlagobers dazu
abseihen, Kirschen in die Creme, Saft aufheben,
kleines Glas eingelegte Kirschen
einen Schuss Saft in die Creme geben
4 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen, einen Schuss Saft aufkochen –
vom Herd nehmen – Gelatine ausdrücken und
in heißem Kirschsaft auflösen, dann in die Creme heben
Saft von halber Zitrone in die Creme geben
Kirsch-Gelee:
großes Glas eingelegte Kirschen abseihen, Saft aufheben
200ml Kirschsaft (vom Glas) mit
1 Prise Zimt mit Kirschsaft aufkochen
30g Maizena in kaltem! Kirschsaft anrühren (nur so viel wie nötig),
in den aufgekochten Saft einrühren,
ca. 2 min kochen lassen, dann Kirschen dazu geben.
Schokoboden 2x durchschneiden, alle 3 Teile mit
(aufgekochter) Kirschmarmelade bestreichen.
Springform vorbereiten: Die Springform innen
vollständig mit Backpapier auslegen.
Danach einen Tortenboden in die Form legen.
Pariser Creme in einen Spritzsack füllen: den
Tortenring entlang einen Kreis mit der Creme
spritzen (so hoch wie die Kirschen sind) – dann
einen Kreis mit – Kirschen (Gelee) legen – dann
wieder Pariser Creme – und so weiter bis der
Tortenboden nicht mehr sichtbar ist.
Nächsten Tortenboden darauflegen, mit der
Kirsch/Topfen-Creme auffüllen, letzten Torten-
boden darauflegen. Mit Frischhaltefolie abde-
cken und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Markus Stockinger und Peter Fölkel präsentieren ihr Werk,
Für die Dekoration 3 Becher (750ml)
eine köstliche Schwarzwälder-Kirschtorte.
Schlagobers mit Sahnesteif und zwei Löffel
Staubzucker (durch ein Sieb gesiebt)
aufschlagen. Das Einstreichen gelingt am
besten mit einer Palette, die immer wieder Für Rückfragen und Ihre
nass gemacht wird. Tortenbestellungen:
Telefon: 01/743 46 60 – 12
Weitere Dekoration nach Belieben.
19MIT.MACHEN TAGESSTRUKTUR Monika Trummer – unsere neue Leiterin in der Rueppgasse Die Zeitungsgruppe QUERDENKER in der Tagesstruktur Rueppgasse hat eine Vorstellung über die neue Leiterin verfasst. Unsere neue Leiterin heißt Monika Trummer. Sie ist eine liebe, nette, freundliche und coole Person… und a fesche! Ursprünglich kommt sie aus der Steiermark und sie schaut sehr jung aus. Monika Trummer leitet seit Februar die Tagesstruktur in der Rueppgasse (im Bild links in der Mitte mit blauem Pullover). Hier ist sie im Kreis der Mitglieder der Zeitungsredaktion Querdenker zu sehen. (Hinter Monika steht David Bammer, ganz vorne ist Lea Stojkovic, hinter ihr Isabella Meyer und ganz hinten Manuela Fuchs. Die beiden Herrn rechts sind Alfred Huger und dahinter Dragan Mihailovic). 20
TAGESSTRUKTUR MIT.MACHEN
Monika hat schwarze Haare, ist lustig und immer gut angezogen. Sie ist groß,
schlank und schaut auf sich und ihr Äußeres. Uns gefällt sie. Wenn Monika
redet, hört sich das so sanft an wie ein Engel. Sie ist offen für Gespräche und
ist für alle da. Wenn es Infos gibt, sagt sie uns diese. Sie ist ehrlich und kann sehr
gut Dinge erklären, wenn man etwas nicht versteht.
Monika kommt oft in unsere Gruppen. Sie lacht gerne und das ist im ganzen Haus
zu hören. Einen guten Charakter und ein gutes Herz haben wir auch schon
erkannt. Bei der Arbeit ist sie sehr konzentriert und genau, außerdem sehr fleißig!
Leider muss Monika viel telefonieren, da ständig das Telefon läutet ...
Sie hat sozusagen „akute Telefonitis“.
Zum Schluss verraten wir euch ein Geheimnis: Zu einem Kuchen kann sie nicht
nein sagen! Zu allen anderen süßen Sachen wahrscheinlich auch nicht!
Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit mit ihr.
Nachruf Ingrid Burger
10.9.1962 - 10.3.2021
Ingrig Burger lebte 20 Jahre in der Wohngemeinschaft Hubergasse und die letzten vier Jahre
bei uns in der Kaingasse. Sie besuchte mehrere Tagesstrukturen, war in der Schönbrunnerstraße,
Schottengasse, Nobilegasse und zuletzt in der hauseignen Seniorengruppe bei uns.
Sie war charmant und kreativ, Kuran lebte sie über 20 Jahre
originell und witzig, willensstark zusammen. Niemals werde ich
und interessiert an vielen Din- den Moment vergessen, mit dem
gen. Sie wusste genau, was sie sie sich von ihm verabschiedete.
wollte und was nicht und konnte Sie konnte nur noch mit ihren
Foto: Richard Pobaschnig
sich dabei durchsetzen. Sie gab Augen sprechen, doch ihr Blick
Menschen und Dingen eigene war klar. Ich nehme an, sie hat
Namen, mochte Blumen und nur noch auf Karl gewartet, denn
Tiere und war religiös. ohne einen letzten Kuss von ihm,
wollte sie nicht gehen.
Ingrid besaß die Fähigkeit, zu lie- Ingrid Burger beim Sommerfest
ben und die Liebe anzunehmen. Monika Seitz für die Wohngemeinschaft
unseres Gesundheitsprojekts „Spiel,
der Lebenshilfe Wien in der Kaingasse
Mit ihrem Lebensgefährten Herrn Spaß und Bewegung“ im Jahr 2018.
21MIT.MACHEN TAGESSTRUKTUR
Meine Nicht-Mehr-
Kollegin Sylvia Zagler
Gestorben am 21. März 2021, im 64. Lebensjahr
(Kundin der Lebenshilfe Wien, Tagestruktur
Nobilegasse, Gruppe ExAkt)
Liebe Sylvia,
Du hast jede Tagung der Lebenshilfe Wien besucht.
Du hast mich immer wieder gefragt, wann denn die nächste Tagung oder das nächste Seminar
stattfinden wird.
Wir haben uns immer schon von weitem gegrüßt, wenn wir uns begegnet sind.
Du hast mir noch jahrelang begeistert von deinem Auftritt im Video über
barrierefreies Einkaufen erzählt.
Ich habe dich für deine Moderation der Ohrenschmaus-Lesung am Badeschiff
bewundert.
Du hast sehr unter der Isolation in Coronazeiten gelitten.
Ich wollte dir Gelegenheit geben, deinen Drang zu Aktivitäten und Kontakten
auszuleben.
Ich wollte dich für einen Beitrag interviewen und fotografieren.
Sylivia Zagler bei der Moderation
In letzter Minute wurde dies unmöglich: Zutrittsverbot wegen Corona! der Ohrenschmaus-Lesung.
Ich wollte dich als Kollegin für die Interessenvertretung gewinnen.
Du hast dem zugestimmt und dich schon sehr gefreut.
Wir haben uns einen Termin ausgemacht.
Der Termin wurde kurz vorher abgesagt: Covid-19-Quarantäne im Wohnhaus!
Du hast mir deine private Handy-Nummer in einem handgeschriebenen Brief
anvertraut.
Ich konnte dich nicht erreichen.
Dein Wohnhaus sagte mir, du bist an Covid-19 erkrankt.
Ich sollte bald wieder anrufen, es geht dir schon besser.
Am Montag habe ich angerufen.
Ich hörte, du bist am Samstag an Covid-19 verstorben...
In großer Trauer um einen stets unverzagten, aktiven, temperamentvollen Menschen,
der allen Hindernissen zum Trotz immer Lebensfreude und Wissensdurst ausgestrahlt hat.
Ich wünsche dir so sehr, dass du dort, wo du jetzt bist, dich vollkommen frei fühlst und alles das
nachholen kannst, was dir vorenthalten blieb.
Dein Bernhard
Generalsekretär, Lebenshilfe Wien
22TAGESSTRUKTUR MIT.MACHEN
Neu im Führungsteam
Petra Neuherz-Steindl ist seit Ende September 2020 die neue Leitung für unser Dienstleistungs-
angebot ARBEIT. Wir haben ihr über ihren Arbeitsbeginn bei uns ein paar Fragen gestellt.
ven Austausch zu treten, Heraus- schen mit Behinderungen zu
forderungen gemeinsam zu lösen sein, jetzt sind es die Personen
und das Fundament für eine gute selbst. Wir begleiten sie, wenn
vertrauensvolle Zusammenarbeit es darum geht ihre Stärken und
zu schaffen. Ressourcen zu entfalten.
Die Kommunikation funktioniert
Mag.a auch in der Distanz dank elektro- Was hält Dich gerade in
Petra nischer Mittel und Telefon, das Trapp?
Neuherz-
hat mich wirklich überrascht. Das Krisenmanagement rund
Steindl
Aus dieser Erfahrung ergibt sich um Corona bestimmt aktuell
vielleicht für die Zukunft eine den Tagesalltag, alles Organisa-
Kombination von persönlichen torische rund um die Impfungen,
Kannst Du uns einige persönli- und virtuellen Besprechungen, Quarantäne, Verdachtsfälle fällt
che Worte über Dich verraten? die allen Ressourcen sparen. an. Es belastet schon alle sehr, in
Ich bin 45 Jahre alt, Mama eines permanenter Alarmbereitschaft
fünfjährigen Sohnes, verheiratet Wieso liegt Dir die Arbeit zu sein.
und in Niederösterreich geboren. für und mit Menschen mit
Seit 1996 wohne ich in Wien, Behinderungen am Herzen? Wenn Corona hinter uns liegt,
habe eine Ausbildung als Kinder- Bei meiner Arbeit im BBRZ (Be- dann machst Du beruflich bzw.
gartenpädagogin absolviert und rufliches Bildungs- und Rehabi- privat zuerst…
Psychologie studiert. litationszentrum) hatte ich sehr Beruflich wünsche ich mir end-
Beruflich war ich unter anderem viel mit Menschen mit Behinde- lich mein MitarbeiterInnen-Team
für Pro Juventute, das BBRZ und rungen zu tun und einen tiefen persönlich kennenzulernen. Es
zuletzt für die Diakonie tätig. Einblick in die Rahmenbedingun- ist an der Zeit, ein Gefühl vor Ort
gen bekommen, die das Thema an den Standorten zu bekommen
Wie war Dein beruflicher „Arbeiten mit Behinderungen“ und Ruhe zu finden, inhaltlich an
Neueinstieg mitten in der betreffen. Dieser Bereich hat wichtigen Themen (außer Coro-
Pandemie? mich nie losgelassen, ich habe na!) für die Tagesstrukturen zu
Das Thema Corona und die Aus- noch sehr viele Kontakte und im- arbeiten.
wirkungen auf den Arbeitsalltag mer alles darüber in den Medien Privat sehne ich mich einfach
waren mir nicht neu, das hat verfolgt. Ich habe das Gefühl, in schon nach ein paar entspannten
mich auch schon in meinem der Lebenshilfe Wien schließt Urlaubstagen in einem schönen
vorherigen Job bei der Diakonie sich der Kreis, ich gehöre einfach Hotel in Österreich.
beschäftigt. Wirklich außerge- in diesen Bereich und ich möchte
wöhnlich war, hier die einzelnen hier in der Organisation mitgestal-
Standortleitungen nur über das ten.
Telefon und das Internet kennen- Es herrscht auch so eine Auf-
lernen zu können, so ganz ohne bruchsstimmung, vieles ist
persönlichen Kontakt! Trotz allem im Wandel. Früher haben wir
ist es gelungen, in einen intensi- geglaubt, ExpertInnen für Men-
23Foto: Markus Hippmann
Ein buntes Haus für ein
Altern in Würde
Das SeniorInnenhaus der Lebenshilfe Wien für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gilt
mit seinem Pflege- und Unterstützungskonzept als Best Practice Beispiel in der Behindertenhilfe.
Vor genau 10 Jahren öffnete die von insgesamt 30 MitarbeiterIn- Zufriedenheit unter KundInnen als
„Nauschgasse“, wie das Haus in nen in der Tagesgruppe, nachmit- auch unter den MitarbeiterInnen
Wien-Donaustadt vereinsintern tags und auch nachts begleitet führt. Es ist Zeit da, um auf per-
nach seiner Adresse genannt werden. Externe TherapeutInnen sönliche Bedürfnisse gut einge-
wird, ihre Türen. In das Raum- kommen für zusätzliche Angebo- hen zu können“, betont er.
und Begleitangebot wurden te ins Haus.
viel Einsatz und Überlegungen Ein guter Mix aus Pflege
gesteckt. Es galt das Optimum „Es ist die Kombination von und Pädagogik
herauszuholen, für eine Genera- unserem großzügigen Platzange- Mehr als die Hälfte der Mitarbei-
tion von Menschen mit Behinde- bot und dem guten Betreuungs- terInnen sind nicht nur ausge-
rungen, die erstmalig nach den schlüssel, der sich bezahlt macht bildete Behindertenfachkräfte,
Verbrechen der Nationalsozialis- und zu mehr Wohlbefinden sondern auch PflegeassistentIn-
ten, glücklich alt werden durfte. führt“, ist sich Hausleiter David nen. Weiters gibt es auch eine
19 KundInnen (ab 60 Jahren und Swienty sicher. „Es verschafft Krankenschwester vor Ort. Auf
ab Pflegestufe vier) sind es, die uns diese besondere Atmosphä- diese Weise können auch kom-
hier ihre Pension genießen und re am Standort, die sowohl zur plexere Pflegeleistungen im Haus
24WOHNEN MIT.MACHEN
Angenehme Farben und viel
Platz und Raum für ein Altern in
Würde gibt es im SeniorInnen-
haus in der Nauschgasse.
Foto: Richard Pobaschnig
Viktor Werner ist sehr interessiert an seiner
Umgebung, diesmal an den Schildkröten im Garten.
Wilma Umschaden geht auf in der tiergestützten Therapie, die im
Haus regelmäßig angeboten wird.
Peter Wolf hält sich Gabriele Bazelt telefoniert
körperlich fit. gerne mit ihrer Familie.
Christine Holasek liebt es die Feste zu feiern
im Kreis der Jahreszeiten.
erbracht werden (zum Beispiel kam aus einem Pflegeheim nach tungen für Menschen mit Behin-
Peg Sonden- und Dekubitus Pfle- einem Schlaganfall in schlechter derungen. 2018 und 2020 statte-
ge). Da sich die BewohnerInnen Verfassung ins Haus. Ihr Zustand ten sie unserem Wohnhaus in der
immer öfter eines hohen Alters hat sich gebessert, sie erlangte Nauschgasse Besuche ab und
erfreuen, nehmen diese Aufga- wieder mehr Mobilität. Daher war stellten uns dabei ein gutes Zeug-
ben auch stetig zu. Es braucht für und ist es ihr möglich, in ihrem nis aus. Hervorgehoben wurde
die Diensthabenden jeweils an Tempo zu leben und an den der wertschätzende Umgangston
die drei Stunden in der Früh und Angeboten im und rund um das und die emotionale Wärme des
am Abend, um die SeniorInnen Haus teilzunehmen. Betreuungspersonals, die vielfälti-
auf den zwei Stockwerken pfle- gen Angebote und Therapien (mit
gerisch zu unterstützen, sehr oft Gelebtes Menschenrecht Musik, Tieren, Kunst, Massagen,
auch vier Hände für eine Person. Die Kommissionen der Volksan- Ausflüge, Urlaubsaktionen und
waltschaft, die in Österreich für vieles mehr), das Programm der
Ruth Schüller zum Beispiel ist den Schutz und die Förderung Tagesgruppe im Dachgeschoß,
mit 86 derzeit die älteste Bewoh- der Menschenrechte zuständig die Einbeziehung der Bewohne-
nerin in der Nauschgasse. Sie sind, kontrollieren auch Einrich- rInnen in häusliche Tätigkeiten
25MIT.MACHEN WOHNEN
Begleitung auf
Augenhöhe und
emotionale Wärme
sorgen sowohl unter
den BewohnerInnen als
sowie auch die Kooperation mit auch MitarbeiterInnen
dem Hospizteam der Caritas und für Zufriedenheit (Die
das Fachwissen der hauseigenen Fotos wurden natürlich
diplomierten Krankenpflegerin, vor der Corona-Zeit
aufgenommen).
wenn es um würdevolle Sterbe-
begleitung für Betroffene geht.
Gemeinsam Corona
trotzen
Die Informationen rund um
das Coronavirus sind schon für
medizinische Laien schwer zu
verstehen. Ältere, teils demen-
te, Menschen mit intellektueller
Beeinträchtigung tun sich hier
nochmals schwerer. Das Team
in unserem SeniorInnenhaus hat
hier einen sehr anschaulichen
Weg gefunden, das Thema leicht ten und in eine Schale bunter wurde allen erklärt, wie leicht und
zu erklären. Die BewohnerInnen Konfetti greifen, die natürlich unbemerkt es geschehen kann,
mussten zum Beispiel in einem dann alle an ihnen haften ge- sich das Virus einzufangen und
Sesselkreis ihre Hände befeuch- blieben sind. Auf diese Weise dann an Covid-19 zu erkranken.
Auch das Masken-Tragen vom
Personal und der eigenen Person
wurde gut aufgenommen und
umgesetzt.
Dank dem ausreichenden Platz-
angebot war es leicht möglich,
räumliche Trennungen zu schaf-
fen. Das gesamte Mitarbeite-
rInnen-Team setzt penibel und
diszipliniert alle Abstands- und
Hygieneregeln um. Die Impfun-
gen sind abgeschlossen und der
Alltag ist, bis auf das Aussetzen
externer Dienstleistungen und
Aktivitäten, weitgehend für alle
gleichgeblieben. Hier versucht
das Personal so gut es geht,
attraktive Freizeitangebote im
Auch Urlaubsaktionen und Ausflüge stehen am Programm. Haus zu setzen. Die seit Jahren
26WOHNEN MIT.MACHEN
Ruth Schüller
genießt ihr
Leben
im eigenen
und manchmal
Tempo.
auch durch die
rosa Brille…:)
Auch auf dem letzten
Lebensweg begleiten
wir Betroffene durch die
hauseigene, ausgebil-
dete Krankenschwester
und die Zusammenar-
beit mit einem mobilen
Hospizteam.
Frau Podhrazky und Herr Wolf sind gerne unterwegs
und genießen das Urlaubs-und Ausflugsangebot.
„Es ist Zeit da, um
auf persönliche
Bedürfnisse gut
eingehen zu können“
Durch den Ausbildungsmix aus Sozialbetreuung und Pflege kann
David Swienty, Hausleiter unser Personal die Bewohnerschaft in allen Belangen gut begleiten.
beliebten Auftritte der Wiener- „Natürlich fehlt der Kontakt von wieder das gesellschaftliche
Lieder-Sänger werden via Zoom und nach außen, Besuche von Leben verstärkt genießen zu
in den kleinen Veranstaltungssaal liebgewonnenen Partnerun- können“, zeigt sich David Swien-
im Dachgeschoß geholt, am Don- ternehmen, die öfters mit uns ty optimistisch. „Auch unsere
nerstag findet in der Tagesgruppe gemeinsam basteln und backen, Jubiläumsfeier – 10 Jahre Altern
ein Kaffeehaus statt, es wird unsere Ausflüge ins Theater, auf in Würde in der Nauschgasse –
musiziert und man vertritt sich den Markt, gemeinsame Feste wollen wir schließlich ausgiebig
bei Spaziergängen die Füße. und Ausflüge. Doch trotz alldem nachholen“, betont der Standort-
herrscht Normalität im Haus und leiter.
wir sind zuversichtlich, bald auch
27Sie können auch lesen