Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes - September 2016 Jahrgang 68 www.tjv.at
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Neuaufstellung
auf der Zielgeraden!
G eschätzte Weidkameradinnen und Weidkameraden, werte Jägerschaft. Jedem
Anfang wohnt ein Zauber inne… Dieser Spruch wurde in letzter Zeit immer
wieder gehört und von politischen Strategen verwendet. Nun, wenn man die An-
fangsphase unseres neuen Jagdgesetzes analysiert, dann hat man eher den Ein-
druck, es war ein böser Zauber, der diesem Gesetz innegewohnt hat. Viel wurde
gemutmaßt, noch mehr wurden Gerüchte gestreut und zuletzt sogar die Einheit
der Tiroler Jägerschaft auf eine harte Probe gestellt. Aufgrund dieser hartnäckigen
Querschüsse könnte man gar die Leistungen des Jägerverbandes übersehen, die er
vollbrachte, wenn es um das „Ziehen der Giftzähne“ des neuen Gesetzes ging. Es
waren die Bezirksjägermeister, die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter des
Jägerverbandes, die viele Stunden damit verbrachten, korrigierend einzugreifen.
Das funktioniert aber nur, wenn man die Ruhe bewahrt und aus dem Verhand-
lungstisch keinen Stammtisch macht.
Dasselbe gilt, wenn es um die Anpassung der Jagdkarten-Gebühren geht und ins-
gesamt um die Neuaufstellung unseres Verbandes. Wir mussten uns nicht neu
erfinden, wir mussten nur in kurzer Zeit aufholen, was über Jahre nicht als vor-
dringlichste Aufgabe definiert wurde.
Wir hatten mit gehörigem internen Gegenwind zu arbeiten, aber auch hier gilt:
Was dich nicht umbringt, macht dich stärker! Auch die wachsende kritische Öf-
fentlichkeit und die wenigen, aber umso lauteren militanten Jagdgegner werden
uns nicht umbringen, sondern stärker machen! Ich erlaube mir diese Prognose
in aller Bescheidenheit, weil ich in den letzten Jahren neben den vielen Prügeln,
die bisweilen von der Seite angeflogen kamen, die starke Seite der Tiroler Jäger-
schaft kennenlernen durfte. Die Seite der vielen ehrenamtlichen Funktionäre, der
Berufsjäger und Jagdaufseher und nicht zuletzt die der Jagdpächter, die diesem
unserem Heimatland nicht nur die Treue halten, sondern dazu beitragen, dass
wir alle die Fahne der alpenländischen Jagdkultur noch viele Jahre hochhalten
können. Ich wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche und spannende Hirschbrunft
und ein kräftiges Weidmannsheil! ❙
Anton Larcher
Landesjägermeister von Tirol
Foto: Rudigier (1) Jagd in Tirol 09
06 | 2016
2015 3Rotwild: Von Hormonen, Angebern und den Auserwählten 10
20 Haselwild: Versteckte Waldgeister
28 Steinwild: Ein Horn sagt mehr als tausend Worte!
3 zum geleit 20 Haselwild: Versteckte Waldgeister 46 Fuchsbandwurm: Erreger der
26 Fuchsprojekt Tirol - Teil 1: Vorkommen gefährlichsten Parasitose in Mitteleuropa
6 Foto des Monats von Salmonellen bei Füchsen in Tirol 48 Portrait: Herbert Rupprechter – Wildmeister,
28 Steinwild: Ein Horn sagt mehr als Revier Brandenberg/Kaiserhaus/Rumpf
■ Forschung & Praxis tausend Worte! 50 Jägerwissen auf dem Prüfstand:
Testen Sie Ihr Wissen
08 Aktuelles: Das Wandern ist des
Hirsches Lust… ■ Wald & Lebensraum
08 Aktuelles: Projekt „Roadkill“ – Erfassung ■ JAGD & GESCHICHTE
von toten Tieren im Straßenverkehr 31 Pflanzenserie: Sommer-Linde 52 Kunst: Steinzeitliches Jagdpfeiferl
09 Aktuelles: Grünfinkbestand durch (Tilia platyphyllos Scop.)
Parasitenkrankheit halbiert 33 Lebensraum: Die Heide –
09 Aktuelles: EU warnt vor CWD Lebensraum mit Geschichte ■ Info & Service
09 Reviere: Ein seltener Anblick
54 Mitteilungen der Geschäftsstelle
■ Jäger & Revier 58 Jubilare im September 2016
■ Wild & Ökologie 59 TJV-Akademie
36 Wildbret: Wildbrethygienische Risiken 62 Aus den Bezirken
10 Rotwild: Von Hormonen, Angebern bei der Jagd im Alpenraum 64 Veranstaltungen
und den Auserwählten 40 Leseprobe: Das „Ansprechen“ 67 Vereine
4 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Billiani (1), Kirchmair (1), Rudigier (1)INHALT
Wild| Impressum
& Ökologie
Lebensraum: Die Heide – Lebensraum mit Geschichte 33
40 Leseprobe: Das „Ansprechen“
Impressum
Herausgeber Medieninhaber (Verleger):
Tiroler Jägerverband,
Meinhardstraße 9, 6020 Innsbruck,
Tel.: 0512-57 10 93, 0800-244 177
Fax: 0512-57 10 93-15, E-Mail: info@tjv.at
68 Jäger in der Schule Schriftleitung: Mag. Martin Schwärzler (TJV)
70 Bücherecke Layout: Evelyn Schreder (Bezirksblätter)
72 Kulinarium: Rehgulasch aus dem Schlögel Hersteller und Anzeigenverwaltung:
mit Pfifferlingrisotto Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes
September 2016 • Jahrgang 68 www.tjv.at
Bezirksblätter Tirol GmbH, Eduard-Bodem-Gasse 6,
74 Autotest: Range Rover Evoque 6020 Innsbruck, Tel.: 0512-320 4111,
Fax: 0512-320 720, E-Mail: jagd@jagdintirol.com
Redaktion:
■ JAgDHUNDE TJV (Martin Schwärzler, Martina Just,
Christine Lettl, Miriam Traube, Anja Waldburger),
76 Tiroler Jagdhundetag Bezirksblätter Tirol
77 Vereine
Produktion, Bildbearbeitung: Evelyn Schreder
79 Krankheiten: Erkrankungen der Zähne
„Jagd in Tirol” wird an alle Mitglieder des Tiroler Jägerver-
und des Rachenraumes bandes kostenfrei abgegeben. Sie ist eine Fachzeitschrift,
welche die behördlichen Kundmachungen und Verlaut-
barungen zu veröffentlichen hat und zusätzlich über grund-
sätzliche Fragen und aktuelle Ereignisse auf dem Gebiet
■ Humorvolles des Jagdwesens, des Naturschutzes usw. informiert. „Jagd
in Tirol” erscheint am Monatsanfang. Redaktionsschluss ist
80 Klavinius der 10. des Vormonats. Für unverlangte Manuskripte und
Bilder wird keine Verantwortung übernommen. Namentlich
Das Titelbild dieser Ausgabe stammt oder mit Kürzel gezeichnete Beiträge geben nicht unbe-
81 Jagdmarkt-Anzeigen von Jonas Niepmann. dingt die Meinung von Redaktion und Herausgeber wieder.
Fotos: Thorsten Schier/Shutterstock (1), Kirchmair (1) Jagd in Tirol 09
06 | 2016
2015 5Hör mal, wer da hämmert
Der Dreizehenspecht, oder auch „Bergspecht“ genannt,
ist in unseren Nadelwäldern heimisch und ernährt sich
vorzugsweise von Raupen und Würmern, die er unter
der Baumrinde hervorpickt. Wie der Name schon erraten
lässt, besitzt der Dreizehenspecht nur drei Fußzehen,
durch die er in der Lage ist, rückwärts den Stamm
hinauf- und hinunterzuklettern oder mit Leichtigkeit
Drehbewegungen darauf auszuführen.
Das Foto des Monats wurde von Dr. Hanspeter
Neuner aus Jenbach aufgenommen.
6 Jagd in Tirol 09 | 2016september 2016 FOTO DES MONATS
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„Jagd in Tirol“ sind eingeladen,
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verletzt werden und die abgebildeten Personen mit ei-
ner Veröffentlichung ihres Bildes einverstanden sind. Die
Teilnehmer räumen dem TJV mit der Einsendung und
Teilnahme uneingeschränkt das Recht ein, übermittelte
Fotos unentgeltlich und in sämtlichen Medien zu nutzen
und zu veröffentlichen.
Jagd in Tirol 09 | 2016 7Forschung & Praxis Aktuelles
Das Wandern ist des Hirsches Lust …
A nfang Juli erreichte den TJV die Mel-
dung einer Sichtung eines markierten
Hirsches in Innervillgraten, Nähe Kalkstein.
wildarten ist die Markierung ein äußerst
hilfreiches Werkzeug, um Alter und Raum-
verhalten nachzuverfolgen. Meldungen von
wünscht (+43 (0)512 571093, info@tjv.at),
wichtig dabei sind Farbe, Seite und wenn
möglich die Kennziffer der Marke. ❙
Ein IIIer Hirsch mit einer weißen Ohrmar- markierten Tieren sind daher jederzeit er- Miriam Traube
ke im rechten Lauscher konnte ganz in der
Nähe der Stelle, wo sich damals das Wil-
dererdrama abspielte, beobachtet werden.
Mit Unterstützung des Nationalparks Hohe
Tauern konnte der Markierungsort ermit-
telt werden: Im strengen Winter 2013/14
wurde er als Kalb zusammen mit einem
Hirsch und einem Tier in der Nähe von Un-
tertilliach (Bereich Aue) markiert. Letztes
Jahr wurde er in Südtirol im Gsieser Tal
beobachtet. Die Luftlinie zwischen Markie-
rungsort und diesjährigem Sichtungspunkt
beträgt alleine 30 km, ins Gsieser Tal sogar
noch mehr. Es ist jedoch davon auszugehen,
dass die gewanderte Strecke noch weiter ist.
Vielen Dank auch hier nochmal dem Beob-
achter für die Meldung der Sichtung.
Ausgeprägte Wanderungen sind beim Rot-
wild keine Seltenheit. Bei unseren Schalen-
Projekt „Roadkill“ –
Erfassung von toten Tieren
im Straßenverkehr
D ie Habitatfragmentierung, also die Zer-
schneidung der Lebensräume durch Straßen
und Bahnlinien, ist nichts Neues. Auch dass jähr-
lich viele Tiere, nebst Schalen- und Raubwild vor
allem auch Amphibien und Reptilien, dadurch zu
Tode kommen, ist bekannt. Unfälle mit größeren
Tieren sowie mit Sach- oder Personenschaden
werden der Polizei gemeldet und dadurch erfasst. Android
Aber Daten zu jenen Arten, deren Zusammen-
stoß mit einem Fahrzeug keine Schäden verurs-
acht oder die nicht zum jagdbaren Wild zählen,
fehlen meist. Mit dem Projekt „Roadkill“ möch-
ten Forscher der BOKU Wien einen Überblick
über Anzahl, Umfang und Verbreitung der tie-
rischen Verkehrsopfer bekommen, um dadurch
mögliche „Hotspots“ zu entschärfen und die An- iPhone
zahl zu Tode kommender Tiere im Straßenver-
kehr zu reduzieren.
Jeder kann an diesem Forschungsprojekt mitarbei-
ten und auf Straßen zu Tode gekommene Tiere mit-
tels einer App oder auch mit dem Online-Formular
auf der Homepage www.roadkill.at erfassen. ❙
Martina Just
8 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Greßmann, BOKU WienAktuelles | Reviere Forschung & Praxis
Ökologie
Grünfinkbestand durch EU warnt vor CWD
Parasitenkrankheit halbiert L ockstoffe werden oft auf Basis von Hirschu-
rin hergestellt. Ist dieser aus Nordameri-
ka importiert, ruft die EU zur Vorsicht auf, da
W ährend der heißen Sommermonate tritt seit 2012 eine Vogelkrankheit bei
Grünfinken auf, die sich hauptsächlich über Futterstellen und Vogelträn-
ken verbreitet. Bis 2012 gehörte der Grünfink mit rund 235.000 Brutpaaren
dort die neulich auch in Europa nachgewiesene
Tierseuche CWD (Chronic Wasting Disease)
bei Hirschen verbreitet ist. Wie bereits berich-
in Österreich zu den Top 15 der heimischen Brutvögel. Seither haben sich die tet, diagnostizierte das Norwegische Veteri-
Bestände des Finken halbiert. Die Vogelschutzorganisation BirdLife empfiehlt närinstitut bereits zwei Fälle der Chronic Was-
daher, Futterstellen während des Sommers regelmäßig zu kontrollieren. Sollten ting Disease bei Elchen und einen bei Rentieren
kranke oder gar tote Vögel beobachtet werden, muss die Fütterung sofort ein- in Norwegen. Dieses Jahr wurde diese Krankheit
gestellt werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Ein Zusammenhang erstmals in Europa nachgewiesen.
zwischen dem massiven Grünfinken-Rückgang und der Vogelkrankheit Tricho- Nun warnt die EU vor einer möglichen Ausbrei-
moniasis gilt als wahrscheinlich. „Bei freilebenden Tieren kann man nicht aktiv tung der Tierseuche über den Import von Hir-
gegen den Parasiten vorgehen. Die wichtigste Maßnahme ist, die Ansteckungs- schurin aus Nordamerika. Urin von Weißwedel-
kette bei den Vögeln zu unterbrechen und große Vogelansammlungen wie bei- hirschen, Maultierhirschen oder Wapitis kann
spielsweise an Futterplätzen zu verhindern. Auch Vogeltränken sind bevorzugte nämlich in Lockstoffen, welche für den jagdlichen
Übertragungsorte dieser Krankheit“, so Mag. Rene Brunthaler, Pathologe an der Gebrauch vertrieben werden, enthalten sein. Die
Veterinärmedizinischen Universität Wien. nordamerikanischen Vertreter der Hirsche sind
Ist ein Vogel erst einmal infiziert, ist das sein Todesurteil. „Die Parasiten befallen schon seit Jahren von CWD betroffen. Da die Er-
den vorderen Verdauungstrakt und rufen schwerwiegende Entzündungen her- krankung vermutlich über die Ausscheidungen
vor. Sie können kein Futter mehr zu sich nehmen und sterben“, so Brunthaler. übertragen werden kann, gilt auch der Urin er-
Ein Einstellen der Fütterung führt zu keinem erheblichen Schaden, da die Vö- krankter Tiere als ansteckend. Die EU fordert da-
gel im Sommer selbstständig ausreichend Nahrung finden. Mit dem Beginn her eine deutliche Kennzeichnung der Herkunft
der kalten Jahreszeit, bei Frost und Schnee, kann mit der Fütterung wieder be- von Hirschurin und ruft zur Vorsicht bei der Ver-
gonnen werden, da ein Auftreten der Krankheit bei niedrigen Temperaturen wendung von Lockstoffen auf. Die Krankheit äh-
unwahrscheinlich ist. BirdLife nelt BSE bei Rindern und endet für das erkrankte
bittet alle Trichomoniasis- Tier tödlich. Bislang ist jedoch keine Übertragung
Verdachtsfälle zu melden, auf Menschen nachgewiesen. ❙
denn je mehr Informationen Christine Lettl
zum Grünfinkensterben vorlie-
gen, umso mehr kann die Orga-
nisation dem besorgniserregenden
Rückgang auf den Grund gehen. ❙ Ein seltener Anblick
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Bei einem morgendlichen Reviergang hatte ich den sel-
tenen Anblick, dass ein Hase ohne Gefährdung, freiwillig
schwimmend einen Gebirgsbach überquerte. Manchmal
sind die kleinen Anblicke die schönsten!
Christine Kahlhofer (Kahlhofer Jagd Telfs)
Seit 2012 wird ein starker Rückgang des Grünfinkbestandes verzeichnet.
Fotos: Samwald (1), BirdLife (1), Kahlhofer (2) Jagd in Tirol 09 | 2016 9Rotwild Wild & Ökologie
Von Hormonen,
Angebern und den
Auserwählten
Wir haben nun Anfang September, die Abende werden wieder kühler und wenn
man genau in die Baumkronen schaut, erkennt man, dass der Herbst nun langsam
Einzug hält. Das satte Grün der Laubbäume beginnt sich zu wandeln, der Wald wird
bunt und lebendig. Der Herbstbeginn ist für viele Jäger ein Synonym für die
atemberaubendste Zeit im Rotwildrevier, die Rothirschbrunft.
Meist werden mit diesem Spektakel nur das Röhren der Hirsche und die
faszinierenden Brunftkämpfe verbunden. In Wirklichkeit steckt aber viel mehr
dahinter als nur ein paar Tage Akustik und enorme Prachtkörper.
Autoren: Miriam Traube und Martina Just
Foto: Hain (1) Jagd in Tirol 09 | 2016 11Wild & Ökologie rotwild
D
er Gipfel des Brunftgeschehens wird hier herrscht Damenwahl. Klar ist, dass für schaft der Hirsche ist jedoch stark indi-
je nach Höhenlage und Witterung in eine optimal ablaufende Brunft beide Ge- viduenabhängig und so gibt es auch hier
den meisten Bergregionen zwischen schlechter synchron zur Fortpflanzung be- die Angeber, welche sich in Szene setzen
Ende September und Anfang Oktober er- reit sein müssen, was wiederum durch eine müssen und sich selbst bei vorhandenem
reicht, jedoch bringen die Hormone bereits Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden Harem immer wieder mit den benachbar-
jetzt Bewegung in die Sache. Es kommt kann. Es bleibt jedoch unumstritten, dass ten Platzhirschen anlegen.
Leben in die Feisthirschrudel. Die traute der Hirsch das ganze Jahr über in der Lage
Geselligkeit zwischen den Hirschen weicht ist, Nachkommen zu zeugen, das Alttier
einer gewissen Konfrontationsbereitschaft jedoch dem durch Hormone gesteuerten Imponieren, was das Zeug hält
bzw. Aggressivität, ausgelöst durch den weiblichen Zyklus folgt. Auch wenn die Bevor es nun allerdings zum tatsächlichen
Anstieg des Testosteronspiegels. Der nette alten Herren die Ersten sind, die die Ge- Beschlag der Tiere kommt, umfasst die
Nachbar von nebenan wird zum Erzriva- meinschaft der Feisthirschrudel verlassen, Brunft eine Vielzahl von Verhaltensweisen,
len und die Feisthirschrudel beginnen sich sind sie dennoch in der Regel nicht von welche feste Bestandteile einer erfolgreichen
langsam, aber sicher aufzulösen. Anfang an für den Beobachter an Brunft- Fortpflanzung einzelner Individuen darstel-
plätzen sichtbar. Wie durch eine innere len. Alles beginnt schon mit der Feistzeit
Uhr gesteuert tauchen sie meist erst dann der Hirsche, es gilt Reserven aufzubauen,
„Die Letzten werden am Ort des Geschehens auf, wenn es zur um die energieaufwendige Brunftzeit über-
die Ersten sein“ Sache geht und es sich sozusagen lohnt, stehen zu können. Die Körpermaße der
Waren die jungen Hirsche bis dato im- Einsatz zu zeigen, zuvor halten sie sich im Hirsche verändern sich, ihr Erscheinungs-
mer eine Nasenlänge voraus und zogen Hintergrund. Ganz anders verhalten sich bild wird imposanter. Dies stellt einen ganz
meist lebhaft zwischen den Einständen da die mittelalten Hirsche, sie sind gleich entscheidenden Faktor in Bezug auf das
und Äsungsflächen an vorderster Front zu Beginn mit von der Partie und versu- Imponierverhalten bei den Brunftkämpfen
hin und her, wohingegen die Alten eher chen, sich ihren Harem zusammenzuhal- dar. In vielen Fällen wird alleine durch das
träge wirkend hinter den Junghirschen ten. Mit vollem Körpereinsatz treten sie Erscheinungsbild und die Körpersprache
herzogen, so gilt nun das Sprichwort „Die jedem auftauchenden Kontrahenten ent- der Hirsche die Lage zwischen zwei oder
Letzten werden die Ersten sein“. Die ältes- gegen, was auch ein Grund dafür sein mag, auch mehreren Rivalen geklärt. Erst wenn
ten Hirsche verlassen als erste die Feist- dass sie beim Erscheinen der alten weißen sich zwei annähernd gleich starke Hirsche
einstände und machen sich auf den zum Herrschaften, welche sich ihre Kraftreser- auf dem Brunftplatz gegenüberstehen, kann
Teil beachtlichen Weg zu den Damen ih- ven aufgespart haben, schon oft, bevor es
rer Wahl. Ein Irrglaube, dem so manches zum eigentlichen Brunftkampf kommt,
Mannsbild schon erlegen ist, denn auch den Kürzeren ziehen. Die Kampfbereit- Während der Feistzeit leben
die Hirsche im Rudel gesellig
und friedlich beisammen. Mit
Beginn der Brunft steigt dann
aber die Konfrontationsbereit-
schaft und die Feisthirschrudel
beginnen sich aufzulösen.
12 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Mächler (1), Hain (1)Rotwild Wild & Ökologie
Die jungen Hirsche erlernen durch
Nachahmung und Zuschauen das
vollständige Verhaltensmuster und den
korrekten Ablauf eines Brunftkampfes.
es zu einem Kampf kommen. Dieser soge- Verhaltensmuster durchführen. Auch die- Noch werden sie von den Platzhirschen
nannte Brunftkampf ist eingebettet in ein se Kenntnisse müssen durch Nachahmung nicht als ernsthafte Rivalen wahrge-
nommen und als Beihirsche geduldet.
Arsenal an Verhaltensweisen. Hier spielt und Zuschauen erlernt werden. Es ist da-
auch das Alter der Herrschaften eine ent- her nicht verwunderlich, dass die jungen
scheidende Rolle. Die jungen Wilden müs- Hirsche für gewöhnlich als Beihirsche vom
sen erst noch lernen und sich ein Repertoire Platzhirsch geduldet werden, sobald sie haften Mitbewerbers vom Platz verwiesen
an Imponier- und Drohgebärden aneignen, jedoch ein gewisses Alter erreicht haben, zu werden. In der Zeit, in der ihnen das
wodurch auch zu erklären ist, warum sich werden sie als Rivalen eingestuft und beim Brunftgeschehen bereits anzusehen ist und
die Hirsche erst ab einem bestimmten Al- Unterschreiten einer gewissen Distanz zum sich eine gewisse Mündigkeit bei den Platz-
ter aktiv am Brunftgeschehen beteiligen Kahlwildrudel gnadenlos verjagt. Aber auch hirschen einstellt, kann der ein oder andere
und in der Regel erst mit fünf, sechs Jahren für die Alten gibt es eine Zeit, in der sie Ge- kahlwildlose Hirsch als Sieger aus seinem
die ersten Brunftkämpfe mit vollständigem fahr laufen, beim Auftauchen eines ernst- Eroberungskampf hervorgehen.Wild & Ökologie ROTWILD
Nach dem Brunftkampf wird der
Unterlegene über eine kurze Strecke
vom Gewinner verfolgt und mit dem
Sprengruf vertrieben.
Alles nur Show? niermarsch, wie er oft genannt wird, ist ein
Beim Brunftkampf handelt es sich um eine wesentlicher Bestandteil dieser Kampfzere-
ritualisierte Verhaltensweise des Rothir- monie. Fühlt sich hier keiner der Hirsche
sches, welche nicht die Absicht verfolgt, unterlegen und gibt nach, kommt es zum über ein sehr sozial lebender Wiederkäuer.
sein Gegenüber zu töten, sondern als Kom- Kampf, bis sich der Unterlegene zurück- In den Monaten September und Oktober
mentkampf aufgebaut ist, in dem sich die zieht und nur eine kurze Strecke vom Ge- ändert sich dieses Verhalten allerdings bei
Kontrahenten durch die ritualisierten Im- winner verfolgt und mittels Sprengruf ver- den Platzhirschen. Sie werden sehr platz-
ponier- und Drohgebärden immer weiter trieben wird. einnehmend, man könnte sie beinahe als
einander annähern und aufeinander ab- Aber nicht nur der Brunftkampf erfolgt territorial bezeichnen, denn sie weichen
stimmen, wobei sie sich gleichzeitig ver- ritualisiert, auch das Verhalten des Platz- ihrem Harem nicht mehr von der Seite und
suchen einzuschätzen. Der parallele Impo- hirsches, um seine Konkurrenten aus der verteidigen diesen gegen jeden fremden
Ferne zu beeindrucken, folgt gewissen Ri- Eindringling. Der Unterschied zur Terri-
tualen. Der Rothirsch ist das ganze Jahr torialität liegt jedoch darin, dass es beim
Wenn zwei etwa gleich starke Hirsche
aufeinander treffen, kommt es zum
Kommentkampf, bei welchem sich die
Kontrahenten nach einem ritualisierten
Ablauf annähern und, falls sich keiner
unterlegen fühlt, auch kämpfen.
14 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Markus P. Stähli - wildphoto.ch (2), Billiani (1), Kirchmair (1)ROTWILD Wild & Ökologie
Mittels akustischer, olfaktorischer und optischer
Markierungen versucht der Hirsch das Gebiet, in
welchem sich das Kahlwild aufhält, gegenüber
möglichen Konkurrenten abzugrenzen.
Platzhirsch nur den Anschein macht, dass
er ein bestimmtes Gebiet gegen das gleiche
Geschlecht verteidigt. Dies liegt allerdings
daran, dass sich Kahlwild zu dieser Zeit
sehr punktuell an guten Äsungsplätzen
aufhält. Zieht das Kahlwild aber aus ir-
gendeinem Grund weiter, wird der Hirsch
folgen, somit wird nicht der Ort des Ge-
schehens, sondern die Ressource „Fort-
pflanzung“ bzw. „Vererbung der eigenen
Gene“ verteidigt.
Der Duft der Tanzarena
Daher sind die Brunftplätze meist mit
einem guten Äsungsangebot ausgestattet,
einigermaßen eben und gut überschaubar.
Der Hirsch hat dadurch die Möglichkeit,
sich optimal zu präsentieren, wenn nö-
tig zu kämpfen, und vor allem erleichtert
ihm eine offene Fläche den Überblick über
das Kahlwild. Der Hirsch versucht das Ge-
biet, in welchem sich das Kahlwild aufhält,
mittels akustischer, olfaktorischer und op-
tischer Markierungen abzugrenzen. Die
akustische Abgrenzung ist für die mögliche
Konkurrenz über weite Distanzen hörbar.
Auch die olfaktorische Markierung, oder
besser gesagt das Parfüm der Hirsche, ist
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Brunft-Parfüm zu erhalten, werden flache, notwendigen Verhaltensweise kaum mehr gen. Die Anzahl gewonnener Kämpfe, das
feuchte Stellen verwendet oder durch Beachtung geschenkt. Die Nahrungsauf- stundenlange Röhren bzw. das ganze Re-
Plätzen neue Mulden geschaffen und die- nahme geht bei den Platzhirschen gegen pertoire an Verhaltensweisen während der
se danach durch Nässen, das Verspritzen null, aber auch konkurrenzstarke kahl- Brunft haben einen nicht unwesentlichen
von Samenflüssigkeit und Samen, parfü- wildlose Hirsche nehmen zur Hauptzeit Einfluss auf das Kahlwild in puncto Part-
miert und anschließend als Suhle genutzt. des Brunftgeschehens kaum mehr Äsung nerwahl.
Die Voraugendrüsen produzieren zudem auf. Das tägliche Zeitbudget für die Nah- Nun rückt auch das Geweih in den Mittel-
ein Sekret, welches ebenfalls zur olfak- rungsaufnahme liegt bei nunmehr 0 bis punkt der Betrachterin, denn es liefert ein
torischen Gebietsmarkierung eingesetzt 20 Prozent. Dafür wird nach der Brunft Indiz für die Fruchtbarkeit beziehungs-
wird. Beim Setzen weiterer optischer Mar- dieser Verhaltensweise wieder mehr Auf- weise die Spermienmenge und -qualität
kierungen wird das Sekret zusätzlich an- merksamkeit geschenkt und neben Ruhen des Hirsches. Das heißt, dass die Größe
gebracht. Dabei schlagen die Hirsche mit und Wiederkauen findet eigentlich nichts und Vielseitigkeit des Geweihs den Damen
ihrem Geweih Sträucher und Stämme bis anderes mehr statt, da die Fettreserven zeigt, bei welchem Herr die Wahrschein-
zum Abbrechen der Zweige beziehungs- für den Winter aufgebaut werden müssen. lichkeit eines erfolgreichen Beschlags am
weise bis zum Abreiben der Rinde, damit Die Brunftzeit ist somit auch eine physio- größten ist. Oder um es mit anderen Wor-
der hell leuchtende Splint aus der Ferne logische Meisterleistung der Hirsche. Bei ten zu sagen: Hirsche, die attraktiver sind,
gut sichtbar ist. fast keiner Energiezufuhr eine körperliche sollten demnach auch eine bessere Sper-
Höchstleistung zu erbringen – der Mensch mienqualität liefern. Ein Punkt, der bei der
wäre dazu nicht in der Lage. Fortpflanzung im ersten Moment nur im
Kraft aus den Reserven schöpfen Hintergrund steht, jedoch bei genauerem
Dieser Fortpflanzungswahn hat auch einen Hinschauen nicht unwesentlich ist, denn
enormen Einfluss auf das Aktivitätsver- Das Geweih – das Austragen und Aufziehen eines Kalbes
halten der Hirsche. Während die Alttiere ein optisches Signal? bedeutet für die Mutter einen erhöhten
größtenteils ihrem normalen Tagesablauf Erreicht der weibliche Zyklus seinen Hö- Energiebedarf, welchen es sich natürlich
folgen, sorgt das Testosteron der Hirsche hepunkt, ist es für die Tiere an der Zeit, nur lohnt einzugehen, wenn auch etwas
dafür, dass diese nicht wirklich zur Ruhe einen passenden Partner auszusuchen. Die Passables dabei entsteht.
kommen. Nimmt die Nahrungsaufnahme Hirsche haben sich im Verlauf der Brunft
vor und auch nach der Brunft einen Groß- bereits von ihrer besten Seite gezeigt und
teil der täglichen Aktivität ein, wird zur versucht, die Rolle des Platzhirsches ein- Wann der optimale Zeitpunkt für
Brunftzeit dieser eigentlich überlebens- zunehmen beziehungsweise zu verteidi- den Beschlag ist und welcher Hirsch
zum Zug kommt, ist die alleinige
Entscheidung des Tieres. Für die
Auswahl ist nicht nur das Brunft-
verhalten der Hirsche sondern auch
die Größe und Vielseitigkeit des
Geweihs ausschlaggebend.
16 Jagd in Tirol 09 | 2016 Foto: Markus P. Stähli - wildphoto.ch (1)ROTWILD Wild & Ökologie
Der Platzhirsch versucht sein Kahlwildrudel beisammen
zu halten und verteidigt es gegenüber möglichen, ernst
zu nehmenden Rivalen. Dies verlangt viel Aufmerksamkeit
Ennstaler Wildfutter mit
und Körpereinsatz, wodurch kaum Zeit für die Nahrungs-
aufnahme übrig bleibt. SesamKombi und Luzerneheu
ENNSTALER WILDFUTTER
Eine Frage des energetischen Aufwandes
Daher ist die Brunft viel mehr als eines der spektakulärsten Schau-
mIT SESAMKOMBI
spiele der Natur, so geht es doch für jedes Individuum um die Ver-
erbung und den Erhalt seiner eigenen Gene. Die Damen können
UND LUZERNEHEU
ihre Gene zwar beinahe jährlich weitergeben, jedoch jeweils nur
an ein Kalb. Somit ist der weibliche Lebenszeitfortpflanzungser-
folg begrenzt. Anders ist es bei den Hirschen, wobei der Platz-
Erhältlich in Säcken
hirsch mit den besten Karten spielt, da er seine Gene gleich an ➠ Erhältlich
zu 30 in
kgSäcken
(990
mehrere Kälber weitergeben kann. Erreicht ein Hirsch den Status zu 30 kg
des Platzhirsches nicht, dann kann er seine Gene nur vereinzelt
oder sogar gar nicht weitergeben. Aus genetischer Sicht lohnt sich
(990kg/Palette)
kg/Palette)
das Mannsein vor allem dann, wenn man es schafft, Platzhirsch
zu werden und damit einhergehend einen hohen Lebenszeitfort- Big Big
➠ BagsBags zu 550
zu 550 kg kg
pflanzungserfolg hat.
Ob sich nach dem Beschlag während der nächsten 34 Wochen
bis 600 kg kg
bis 600
ein Wildkalb oder ein Hirschkalb entwickelt, ist von verschie-
denen Faktoren, wie dem sozialen Rang und der Kondition des ➠ Preis auf Anfrage
Tieres, den Umweltfaktoren, der Wilddichte und dem Platzhirsch
abhängig. Ein starkes Tier, welches über eine gute körperliche
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Verfassung verfügt und einen hohen sozialen Rang hat, kann es
«sich leisten», viel Energie in das Austragen eines Hirschkalbes
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zu stecken. Einen Sohn in die Welt zu setzen, macht demnach Consulting - Agrarmarketing Fax: 0 35 34 / 20 192
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Platzhirsches einzunehmen. Verfügt das Tier nicht über die kör-
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perlichen Ressourcen, diese Kosten zu tragen, oder hat es in der
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Foto: Markus P. Stähli - wildphoto.ch (1)
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in Tirol | 2016 17
Predlitzwinkel 171 Mobil: 0664 / 44 54 74 2Wild & Ökologie ROTWILD
Den zuvor kräftigen und imposanten Hirschen ist
die kräftezehrende Brunft deutlich anzusehen. Die
erhöhte körperliche Aktivität und die reduzierte
bzw. fehlende Nahrungsaufnahme führen zu
einem massiven Gewichtsverlust. Sie müssen sich
anschließend, noch vor den ersten starken Schnee-
fällen, von dieser physiologischen Meisterleistung
erholen und die Fettdepots wieder auffüllen.
rate, die bedingt ist durch die besseren Um-
weltbedingungen, welche einen positiven
Einfluss auf die Kondition der Kälber und
Schmaltiere haben. Eine hohe Wilddichte
zieht eine höhere Sterblichkeit der Kälber,
Schmaltiere und älteren Tiere mit sich und
erhöht das Durchschnittsalter der Tiere
beim Setzen des ersten Kalbes. Bei hohen
Dichten werden zudem vermehrt Wildkäl-
ber gesetzt, so bedeutet dies für die Mutter
einen geringeren Energieaufwand.
Ende gut, alles gut
Nach Abschluss der Brunft bleiben die
Brunftrudel noch eine Weile bestehen, be-
vor sich die Hirsche wieder in ihre alten
Einstände zurückziehen und sich das Kahl-
wild wieder zu den bekannten Rudeln ver-
eint. Wie kräftezehrend die Brunft für die
Hirsche ist, lässt sich nun deutlich am op-
tischen Erscheinungsbild erkennen. Denn
die ständige Bewegung, das Röhren und die
Kämpfe sind sehr energieintensiv. Da die
Hirsche in ihrem Liebeswahn kaum Nah-
rung aufnehmen und der Körper die zuvor
angelegten Fettreserven anzapft, kommt es
dementsprechend zu einem deutlichen Ge-
wichtsverlust von bis zu 20-30 kg. Für den
bereits vor der Türe stehenden Winter sind
die Fettreserven aber überlebenswichtig.
Von nun an nutzen die Hirsche die langen
Nächte zur Nahrungsaufnahme und ver-
suchen, die verlorenen Feistdepots so gut
wie möglich wieder aufzufüllen. Sie streben
also den von uns Menschen gefürchteten,
jedoch nach so einer Radikaldiät auftre-
Sozialstruktur einen tiefen Rang, dann ter und die Fütterungen, weisen die Tiere tenden Jo-Jo-Effekt an. Um den Winter zu
setzt es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein meist eine gute Kondition auf und ebenfalls überleben, müssen sie dieses Ziel vor dem
Wildkalb. Die körperliche Verfassung, also die Schmaltiere sind meist so gut beisam- ersten kräftigen Schneefall erreichen. Wie
die Kondition der Tiere, hat aber auch auf men, dass auch sie zu einem Großteil be- die meisten Tiere verfügt aber auch das
weitere Faktoren einen Einfluss. Ist das Tier schlagen werden. Rotwild über einen meteorologischen Sinn
in guter Kondition, so setzt es in der Regel Ferner hat die Wilddichte ein Wörtchen und zieht noch vor den starken Schneefäl-
zu einem früheren Zeitpunkt sowie stärkere mitzureden, wenn es um die Kondition der len in die Wintereinstände. Für die Hirsche
Kälber. Für das Überleben der Kälber sind Tiere und Kälber sowie das Geschlecht des ist die Brunft des letzten Herbstes in Ver-
das Geburtsgewicht und die verbleibende Nachwuchses geht. Auch bei der Zuwachs- gessenheit geraten und sie bereiten sich in
Zeit bis zum Wintereinbruch von großer rate hat die Wilddichte ihre Finger im Spiel. friedlicher Geselligkeit zusammen mit den
Bedeutung. Durch die günstigen Umwelt- Denn desto geringer die Wilddichte ist, um- vorherigen Rivalen erneut auf den Höhe-
bedingungen, vor allem die milderen Win- so höher ist im Verhältnis die Nachwuchs- punkt im Herbst vor. ❙
18 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Markus P. Stähli - wildphoto.ch (2)Damit nichts passiert,
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Haselwild
Versteckte
Waldgeister
20 Jagd in Tirol 09 | 2016haselwild Wild & Ökologie
Im September macht sich langsam aber doch der Herbst im
Revier bemerkbar. Beim Ansitz sind meist die unerwarteten
Anblicke die schönsten. Mit etwas Glück trifft man auch auf
einen ganz besonderen Bewohner des Alpenraums, das
Haselhuhn (Tetrastes bonasia ).
Autorin: Christine Lettl
D
er relativ kleine Vertreter der Raufußhühner ver-
rät sich im Herbst durch das charakteristische
„Spissen“ der Hähne. Eine Folge hoher Töne weist
auf die Anwesenheit eines Haselhahnes hin. Im Dickicht
des Waldes verliert sich der Gesang allerdings schnell
und ist daher meist maximal über 100 Meter zu hören.
Trotz des unscheinbaren leisen und hohen Gesangs gibt
es individuelle Unterschiede zwischen den Gesängen
der Hähne zu hören. Akustische Untersuchungen haben
gezeigt, dass über die syntaktischen Merkmale der Stro-
phen Hähne individuell unterschieden werden können.
Dabei ist die erste Hälfte des Eingangselements stets
gleich, während die Variationen zwischen den einzelnen
Hähnen in den folgenden Strophen zunimmt.
Herbstgefühle
Haselwild lebt territorial und zeichnet sich zudem durch
seine Standorttreue aus. Hähne besetzen ihre Reviere
das ganze Jahr und stecken die Grenzen vorrangig mit
ihrem Gesang ab. Besonders intensiv geschieht dies im
Frühjahr und im Herbst während der Balz. Beim Ha-
selwild hat die Herbstbalz noch eine wichtige Funktion:
mit dem Balzgesang soll eine passende Partnerin ange-
lockt werden. Die Paarbildung findet beim Haselwild
nämlich bereits vor dem Winter statt. Anschließend
Haselhuhn
Körpergröße 35 – 40 cm
Balzzeit Frühjahr und Herbst
Gelege 5 – 10 Eier
Brutdauer 25 Tage
Balzgesang Hahn „spissen“
Lockruf Henne „bisten“
Jagdzeit (Tirol) 15.9. – 15.10.
Foto: Fotolia (1) Jagd in Tirol 09 | 2016 21Wild & Ökologie Haselwild
Die Küken sind Nestflüchter, sie folgen nach dem Schlüpfen sofort ihrer Mutter. Diese
führt sie an Stellen, an denen die Küken ihre wichtigste Eiweißquelle finden: Insekten
verbringen Hahn und Henne den Winter schließt, allerdings ist das eher selten der Den Lebensraum des Haselhuhns bilden
und das Frühjahr gemeinsam. Im Gegen- Fall. Im September, wenn der Nachwuchs nämlich vor allem die untersten 2 Meter
satz zum Birk- und Auerwild bilden Hahn ausgewachsen ist, trennen sich die Jungen eines verjüngten, strukturreichen Waldes.
und Henne über diese Zeit ein monogames von der Henne. Rechtzeitig zur Herbstbalz Ausreichend Deckungsmöglichkeiten zwi-
Paar. Aber nicht nur die Hähne verraten ist die Henne somit wieder alleine unter- schen Schlafplatz und Nahrungsquellen
sich über ihre typischen Rufe, auch die wegs und schließt sich wiederum einem gehören zu den wichtigsten Faktoren für
Haselhenne ist durch ihr „Bisten“ für auf- Hahn an. einen sicheren Haselwild-Lebensraum. In
merksame Zuhörer zu entdecken. strukturlosen Wäldern mit hohem Holzan-
Die Eiablage erfolgt nach der Frühjahrs- teil findet das Haselwild nicht genug Schutz
balz zwischen April und Mai. Das Gele- Meister der Tarnung vor seinen zahlreichen Fressfeinden und
ge wird etwa 25 Tage lang von der Henne Wie bei den Schneehühnern sind auch verschwindet aus solchen Einständen.
sorgsam bebrütet. Anschließend schlüp- beim Haselwild Henne und Hahn sehr ähn-
fen aus den etwa 5 bis 10 Eiern die Küken. lich gefärbt. Anhand der schwarz-bläulich
Als Nestflüchter ist das Gesperre von der schimmernden Kehle unterscheidet sich Hohe Ansprüche
Führung der Mutter abhängig. Manchmal der Hahn jedoch deutlich von der Henne. Generell ist Haselwild an Wälder gebun-
kann beobachtet werden, dass sich auch Charakteristisch ist beim Haselwild zudem den, ist dabei aber nicht von bestimmten
der Hahn zwischendurch der Familie an- die Federholle, welche bei Erregung ge- Waldgesellschaften oder Höhenstufen an
sträubt wird. Mit dem weiß-braun-schwarz sich abhängig. Während es in den Wald-
gefärbten Gefieder sind sie im Dickicht gebieten der europäischen und asiatischen
des Waldes jedoch beinahe unsichtbar Taiga weit verbreitet ist, ist das Vorkom-
unterwegs. Genau hier liegt auch die men in Mitteleuropa stark zurückgegan-
größte Stärke des Haselwilds: die Tar- gen. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt
nung. Da es großteils in Bodennähe un- hier in den Alpen.
terwegs ist, muss sich das Haselwild vor Ausschlaggebend für das Vorkommen des
zahlreichen Räubern in Acht nehmen. Haselwilds sind jedoch die Art der Waldbe-
Im Dickicht gelingt die Flucht jedoch wirtschaftung und Waldnutzung. Negativ
oft nicht schnell genug, eine perfekte auf das Vorkommen von Haselwild wirken
Tarnung ist daher die beste Vorsorge. sich etwa die Reduktion des Flächenanteils
junger Waldstadien, die aktive Reduktion
der Nahrungspflanzen (beerentragende
Gehölze, Pioniergehölze) und deren Be-
Das Gelege des Haselwilds schattung sowie die Zunahme des Holz-
umfasst meist 5 bis 10 vorrates der Wälder aus. Aber auch andere
rot-bräunlich gefleckte Eier.
Faktoren wie Klima, Jagd und Weidewirt-
22 Jagd in Tirol 09 | 2016 Fotos: Strigl (1), Zangerl (1), Descouens CC-BY-SA 4.0 (1), Rudigier (1)Haselwild Wild & Ökologie
schaft nehmen Einfluss auf den Haselwild-
bestand. Infolge des Rückgangs dieser Art
kann auch die Isolation eines Bestandes zu
dessen Rückgang führen, selbst wenn ein
geeigneter Lebensraum vorhanden wäre.
Denn wie auch bei anderen Tierarten sind
ausreichender genetischer Austausch und
Vermeidung von Inzucht auf lange Sicht
für stabile Bestände ein Muss. Hier spielt
hinzu, dass das Haselhuhn ein sehr stand-
orttreues Wild ist. Das Streifgebiet eines
Haselhuhn-Paars umfasst im Normalfall
etwa 30 bis 80 ha, bedingt auch durch das
territoriale Verhalten der Vögel. Jungvögel
suchen nach der Trennung von der Mutter
meist in einer Entfernung zwischen 1 und
2 Kilometern nach einem eigenen Revier.
Die Tendenz, neue Lebensräume zu besie- Das Hudern in Sandbädern
deln, ist bei sehr niedrigen Bestandsdich- dient der Parasitenabwehr
und Gefiederpflege.
ten daher eher gering.
Insekten den Hauptanteil der Nahrung
ausmachen. Genauso sind Sandkuhlen
Was darf‘s heute sein? gefragt, welche etwa an Forstwegen gefun- die Haselhähne am besten während der
Das richtige Nahrungsangebot ist ebenfalls den werden. Hier werden einerseits gerne Balz über das Spissen zu bestimmen. Mit
bedeutend für einen stabilen Bestand. Als kleine Steine aufgenommen, welche die Hilfe eines Spissers werden die Hähne da-
Nahrung können praktisch alle Laubholz- Verdauung unterstützen, vor allem aber zu verführt, auf die Rufe zu antworten oder
arten dienen, besonders aber die Früchte gönnen sie sich wie andere Raufußhühner sich den vermeintlichen Rivalen zu nähern.
von Sträuchern. Speziell im Spätwinter regelmäßig ein Sandbad. Dieses ist nicht Doch wegen des verhältnismäßig leisen
sind jedoch kätzchentragende Pionier- nur ein scheinbar angenehmes Vergnügen, Rufs und dem unauffälligen Verhalten ist
baumarten wie Hasel, Birke, Erle und Zit- das „Hudern“ ist ein wichtiger Bestandteil selbst während der Balz der Nachweis eher
terpappel eine bevorzugte Nahrungsquel- der Gefiederpflege und Parasitenabwehr. aufwendig. Bei flächendeckenden Aufnah-
le. Kräuter und Grassamen werden gerne men besteht die Standardmethode daraus,
im Sommer und Herbst aufgenommen. das Gelände in parallelen Linien von etwa
Die Hauptnahrung in dieser Zeit bilden al- Wer suchet, der findet 100 Meter Abstand abzugehen und dabei
lerdings diverse Früchte. Für die Entwick- Der heimliche Waldbewohner ist oft lange alle 100 Meter stehenzubleiben, um mit der
lung der Jungtiere sollten, gleich wie bei Zeit unentdeckt im Revier unterwegs. In Lockpfeife 5 bis 6 Mal etwa alle 30 Sekun-
den anderen heimischen Raufußhühnern, Hinblick auf die Bestandeserhebung sind den den Gesang des Hahnes nachzuahmen
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Haselwild nutzt Bestände aus
lichtem Laub- und Nadelholz
mit nötigem Unterwuchs, der
ausreichend Deckung und
Äsung bietet.
plätze als Nachweisstelle dienen. Hier ist die Die Jagd, eine beinahe
Chance, Federn und Losung in der näheren vergessene Kunst
und auf eine Antwort zu warten. Nach der Umgebung zu finden, relativ groß. Die Jagd auf den scheuen Haselhahn gilt
Herbstbalz können die Spuren im Schnee, In seinem bevorzugten Lebensraum hält seit Jahrhunderten als besondere Kunst
Schneehöhlen und die charakteristische sich Haselwild gerne im Stangengehölz auf. des Weidwerks. Heute ist sie auf Grund des
Winterlosung Nachweise des Haselwilds Aber auch natürliche Bachläufe werden zurückgegangenen Vorkommens eine Sel-
liefern. Problematisch ist dabei, dass sich häufig aufgesucht – daher lohnt es sich, im- tenheit. Gejagt wird im Herbst meist durch
Haselwild im Winter bevorzugt im Geäst mer auch diese auf der Suche nach Hasel- Spissen vom Schirm aus. Es gilt nicht um-
oder in Schneehöhlen aufhält. Spuren und wild ins Auge zu fassen. Bevorzugt werden sonst die alte Weisheit „Der Hahn hat auf
Losung sind daher oft schwer zu finden. Im hier Bereiche mit Streifen von mindestens jedem Federl ein Aug“. Um den Hahn zum
Sommerhalbjahr können dafür Sandbade- 10 bis 20 Metern natürlicher Vegetation. Zustehen zu veranlassen, wurde ursprüng-
lich mit Lockern aus Knochen von Gans
oder Hasenlauf gespisst. Heute sind auch
Instrumente aus Metall oder Kunststoff
erhältlich. Die Gesangsstrophe lautet in
etwa „tsiiii-ü-IIH si, si-si-si-sui“. Ist Dia-
na guter Laune, so der steht der Hahn mit
dem typischen „Burren“ zu und markiert
sein Revier gegenüber dem Eindringling.
Es gilt jedoch Acht zugeben, mancher
Das Verbreitungsgebiet des Haselwildes erstreckt
sich über den gesamten Waldgürtel Europas und
Asiens. In Mitteleuropa ist das Vorkommen haupt-
sächlich auf die Alpen und das Alpenvorland beschränkt.
24 Jagd in Tirol 09 | 2016 Foto: Schwärzler; Grafik: Vicpeters CC BY-SA 3.0Hahn kommt vorsichtig am Waldboden gelaufen, um den ver-
meintlichen Konkurrenten auszukundschaften. Vor dem Schuss
ist genaues Ansprechen oberstes Gebot, um eine Henne nicht mit
einem Hahn zu verwechseln. Denn während der Balzzeit kann
auch die Henne einem erfolgreichen Spisser zustehen.
Hege: Wo Haselwild sich wohlfühlt
Vielerorts sind durch veränderte Techniken und Ziele in der Wald-
nutzung Haselwildbiotope verschwunden oder gefährdet. Um
diesen heimlichen aber auch faszinierenden Bewohner im Revier
zu fördern, können zahlreiche kleine Maßnahmen durchgeführt
werden. Oft kommt Haselwild neben Auerwild vor, da es zum
Großteil ähnliche Ansprüche an den Lebensraum stellt. Daher
können beinahe alle Hegemaßnahmen für das Auerwild auch für
das Haselwild angewandt werden. Speziell beachten muss man al-
lerdings, dass Haselwild vor allem von den untersten 2 Metern des
Waldes abhängig ist. Die beiden wichtigsten Faktoren sind Licht
und Nahrung. Gerne nutzt Haselwild Übergangszonen zwischen
Verjüngung, Lichtungen oder Böschungen. Ratsam ist etwa, dass
auf Freiflächen (etwa auf Windwurf-, Schneebruch- oder Schlag-
flächen) nicht rein die Zielbaumarten gesetzt werden, sondern dass
man auch den natürlichen Pionierstadien des Waldes Platz lässt.
Hier findet das Haselwild nämlich ausreichend Nahrungsquellen.
Während der Brutperiode von April bis Mitte Juli sollten zudem
forstliche Eingriffe vermieden werden, um den Tieren möglichst
viel Ruhe zu gewährleisten.
Der Balzgesang des Haselhahns und Lockrufe der Haselhenne kön-
nen auf der Webseite des TJV nachgehört werden:
www.tjv.at/portfolio/haselhuhn/ ❙
Während die Federholle bei
beiden Geschlechtern aus-
geprägt ist, hat nur der Hahn
die schwarz gefärbte Kehle.
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Foto: Kirchmair (1)Wild & Ökologie FUCHSPROJEKT
Fuchsprojekt Tirol – Teil 1
Vorkommen von Salmonellen
bei Füchsen in Tirol
Im Zuge der vom Tiroler Jägerverband in Auftrag gegebenen Studie über Häufigkeit und Verbreitung des
fünfgliedrigen Fuchsbandwurms bei Füchsen in Tirol wurden die eingesandten Füchse auch auf das Vorkommen
von Salmonellen untersucht. Im folgenden Beitrag werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorgestellt.
Autor: Dr. Walter Glawischnig, Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Innsbruck (AGES)
1. Salmonellen kontaminiert sein und zu Erkrankungen österreichische Salmonellenzentrale der
Salmonellen sind Bakterien, die in der Um- beim Menschen führen. Für die Anste- AGES in Graz zur weiteren Abklärung und
welt weit verbreitet sind und weltweit vor- ckung gesunder Tiere sind meist sogenann- zur Bestimmung des genauen Salmonellen-
kommen. Diese Mikroorganismen leben im te latente (lat. latere = verborgen sein) Sal- Serotyps geschickt.
Darm von Tier und Mensch und sind au- monellen-Ausscheider verantwortlich. Da-
ßerhalb des menschlichen bzw. tierischen runter versteht man jene Tiere, welche die
Körpers unter bestimmten Umständen Bakterien, ohne sichtbar erkrankt zu sein, 3. Ergebnisse
lange überlebensfähig. Sonnenlicht (UV- im Kot ausscheiden und dadurch Neuinfek- Salmonellen wurden bei 9 (2,1%) Füchsen
Strahlung) beschleunigt das Absterben der tionen bei anderen Tieren verursachen. unterschiedlicher Alters- und Geschlechts-
Erreger, im getrockneten Kot sind sie jedoch Über Vorkommen und Verbreitung von gruppen gefunden (Tabelle 1). Insgesamt
über 2 Jahre lang nachweisbar. Durch Ein- Salmonellen bei den verschiedenen Wild- konnten bei den positiven Füchsen fünf
frieren werden Salmonellen nicht abgetötet. tieren in Österreich liegen bis dato nur we- verschiedene Salmonellen-Serotypen diffe-
Von Bedeutung sind diese Bakterien, da nige Informationen vor. Durch die Einsen- renziert werden, wobei der Typ Salmonella
Mensch und Tier an einer Salmonellenin- dung von Füchsen im Rahmen des Fuchs- Dublin (S. Dublin) am häufigsten nachge-
fektion (Salmonellose) erkranken können. bandwurmprojekts ergab sich die Möglich- wiesen wurde. In 5 der 9 Tiroler Bezirke
Typische Symptome dieser Krankheit sind keit, diese Tiere auch auf Salmonellen zu wurden positive Füchse festgestellt (Ab-
beim Menschen dabei Bauchschmerzen, untersuchen.
Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Fieber.
Erkrankte Personen können nach einer Anzahl Salmonellen-Serotyp
Bezirke
überstandenen Infektion die Krankheitser- 2. Einsendungen Füchse (Anzahl der Isolate)
reger oft über längere Zeit (im Stuhl) aus- Im Zuge des vom Tiroler Jägerverband ➠ S. Dublin (3)
scheiden. Salmonellosen sind zumeist le- organisierten Fuchsbandwurmprojektes Kitzbühel 61
➠ S. Abony (1)
bensmittelbedingte Erkrankungen, wobei wurden im Zeitraum November 2014 bis
sich Menschen häufig durch den Verzehr Jänner 2016 insgesamt 434 Füchse aus ➠ S. Dublin (1)
Kufstein 59
➠ S. Typhimurium (1)
roher Lebensmittel tierischer Herkunft (z. B. ganz Tirol an das Institut für veterinärme-
Eier, Faschiertes, Rohwürste) oder durch dizinische Untersuchungen der Agentur ➠ monophasischer
Imst 53
kontaminierte Verarbeitungsprodukte (z. B. für Gesundheit und Ernährungssicherheit Stamm B (1)
Tiramisu, Mayonnaisen, Kartoffelsalate) (AGES) in Innsbruck zur Probenentnahme
Reutte 46 ➠ S. Dublin (1)
infizieren. In den Sommermonaten steigen und Untersuchung übermittelt. Die Füchse
die Infektionen bedingt durch Salmonellen waren mit einem Anhänger versehen, auf ➠ S. enterica subsp.
Lienz 42
oft sprunghaft an; Grund dafür sind häufig welchem relevante Daten wie Herkunftsge- diarizonae (1)
Fehler bei der Küchenhygiene wie z. B. das meinde, Revier, Schussdatum u. a. schrift- Schwaz 53 negativ
Schneiden von rohem Fleisch und Salat auf lich festgehalten waren. Für die Salmonel- Landeck 36 negativ
demselben Schneidbrett. lenuntersuchung wurde jedem Fuchs ein
IBK-Stadt 4 negativ
In der Tierwelt haben Salmonellen vor Stück der Leber sowie ein Stück Losung aus
allem in der Nutztierproduktion große Be- dem Enddarm entnommen. Dieses Proben- IBK-Land 80 negativ
deutung. Einerseits können Nutztiere ana- material wurde im Labor mikrobiologisch Gesamt 434 9 (2.1%)
log dem Menschen an einer Salmonellose auf Salmonellen untersucht. Konnten bei
Tabelle 1: Anzahl der Füchse mit Untersuchungser-
erkranken, andererseits können Lebens- einem Fuchs Salmonellen nachgewiesen gebnissen pro Bezirk sowie den einzelnen nachgewie-
mittel tierischer Herkunft mit Salmonellen werden, so wurden die Bakterien an die senen Salmonellen-Serotypen
26 Jagd in Tirol 09 | 2016FUCHSPROJEKT Wild & Ökologie
Da Salmonellen auch beim Menschen zu
Erkrankungen führen können, sollten im
Umgang mit möglichen infizierten Tieren
die grundsätzlichen Verhaltensweisen der
Vorsicht und der Hygiene beachtet werden.
Füchse können ein Reservoir für verschie-
dene – auch für den Menschen gefähr-
liche – Krankheitserreger sein. Aus diesem
Grund ist das richtige Verhalten im Kontakt
und im Hantieren mit diesen Wildtieren
wichtig, um Ansteckungsmöglichkeiten im
Vorhinein zu unterbinden.
Die interessanten Ergebnisse von Salmo-
nellennachweisen bei Füchsen in Tirol un-
terstreichen die Bedeutung von gezielten
Studien zur Wissenserweiterung über das
Abbildung 1: Ungefähre geographische Darstellung der Salmonellen-positiven Füchse in den einzelnen Bezirken Vorkommen von für Mensch und Tier
wichtigen Krankheitserregern bei unseren
Wildtieren. Die aktive Überwachung des
Gesundheitsstatus der Wildtierbestände
bildung 1). Im Zuge der Probenentnahme ken meist an schwerem Durchfall mit hohem ist ein wichtiges Werkzeug für die Jäger-
waren bei positiven Füchsen keine beson- Fieber, trächtige Tiere können verwerfen. In schaft, aber auch für den einzelnen Jäger
deren Hinweise auf eine akute Salmonellen- Tirol wurde S. Dublin bei Rindern verein- oder Revierbetreuer, um frühzeitig Infor-
Erkrankung erkennbar. zelt in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel mationen über das Auftreten von Krank-
nachgewiesen. Von großer Bedeutung sind heits- oder Seuchenerregern bei Wildtie-
dabei jene Rinder, welche die Krankheitskei- ren im Revier zu erhalten, um daraus re-
4. Schlussfolgerungen me über den Kot ausscheiden, ohne sichtbar sultierend erfolgreich Gegenmaßnahmen
Füchse sind primär Fleischfresser (Carnivo- erkrankt zu sein. Dadurch können Weide- einleiten zu können. ❙
ren). Neben Abfällen und vereinzelt pflanz- fläche oder beispielsweise Wasserstellen mit
licher Kost stehen auf ihrem Speiseplan vor diesen Bakterien kontaminiert werden und
allem auch tote Tiere sowie verwestes tie- zu Neuinfektionen von anderen Tieren (u. a.
risches Organmaterial, also Aas. Krankheits- auch Wildtieren) führen. Besonders auf Seit Jahrzehnten beschäftigt
keime von verendeten Tieren können auf Almgebieten, wo Rinder aus verschiedenen sich Thalhammer Wildfutter
Füchse übertragen werden und sind bei die- Herkunftsbetrieben aufgetrieben werden,
sen unter Umständen nachweisbar. Für be- können Übertragungen und Neuinfekti-
mit der Herstellung von
stimmte infektiöse Erreger wie beispielswei- onen durch latente Krankheitsausscheider
se Salmonellen sind Füchse daher gute Indi- stattfinden. Dass dabei nicht nur Rinder er-
katortiere, die über das Vorkommen und die kranken können, zeigte vor einigen Jahren
Verbreitung dieser Bakterien im Tierreich auf einem Almgebiet im Bezirk Kufstein ein
und in der Umwelt Auskunft geben. seuchenhafter Krankheitsausbruch in einer
Bei 2,1% der von uns untersuchten Füchse Gamswildkolonie mit dramatischen Folgen.
konnten Salmonellen nachgewiesen werden. Als vermutliche Ansteckungsquelle wurden
Obwohl Füchse an einer Salmonellose er- auf dem Almgebiet mehrere S. Dublin-posi-
kranken können (schwere Allgemeinerkran- tive Wasserstellen identifiziert, die mit groß-
kung mit hoher Sterblichkeit, u. a. Durchfall er Wahrscheinlichkeit von Rindern, die am
sowie Totgeburten oder Aborte bei trächtigen Beginn der Almperiode an schwerem, fie-
Fähen), waren bei den positiven Füchsen in berhaftem, durch Salmonellen verursachten
unserer Untersuchung keine spezifischen Durchfall erkrankten waren, verschmutzt
Hinweise auf ein akutes Krankheitsgesche- wurden. Dass bei unseren Untersuchungen Zusammensetzung:
hen auffindbar. Vermutlich waren diese po- S. Dublin-infizierte Füchse vor allem in den 50 % Pellets und 50 % Müsli
sitiven Tiere nur Ausscheider, bei denen die Bezirken Kufstein und Kitzbühel festgestellt
Bakterien zwar nachweisbar waren, aber kei- wurden, überrascht daher nicht und be-
ne schwere Krankheit verursacht haben. Be- stätigt einen direkten oder indirekten Zu-
merkenswert ist, dass am häufigsten der Sal- sammenhang mit infizierten Rindern. Wo
monellen-Serotyp S. Dublin bei den Füchsen sich die Füchse mit S. Dublin angesteckt
festgestellt wurde. S. Dublin ist besonders an haben, beispielsweise über kontaminierte Brixnerstraße 4 | 6020 Innsbruck
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führt. Mit S. Dublin infizierte Rinder erkran- bekannte Infektionsquellen, bleibt unklar.
Grafik: AGES Jagd in Tirol 09 | 2016 27Sie können auch lesen