1 2022 Katholische Hochschule Freiburg, Catholic ...
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
1 2022 Impressum Herausgeber: Rektorat der Katholischen Hochschule Freiburg, V.i.S.d.P.: Prof.in Dr. Stephanie Bohlen, Katholische Hochschule Freiburg, Karlstraße 63, 79104 Freiburg | Redaktion: Astrid Spüler, kommunikation@kh-freiburg.de | Satz: Büro MAGENTA Freiburg | Lektorat: Sabrina Weber | Druck und Litho: Schwarz auf Weiß, Freiburg | Bildnachweise: Annika Schowalter / KH Freiburg (S. 6, 7, 19, 35, 36), Florian Bilger Fotodesign (1, 9, 17, 22, 34), Colourbox (Cover, 10, 15, 23, 32), Michael Doh (16), Lisa Farkas (22), Bettina Flitner (25, 26, 27), Human you & me e.V. (29), Anna-Maria Metzler (30), Markus Edgar Ruf (S. 37), Pexels (20), Simone Schuldis (24), Università di Catania (18), Unsplash (12, 13, 33), Yuriy-Fedkovych-Universität Czernowitz (32), Lena Zimmermann (30, 31) Das Hochschulmagazin der Katholischen Hochschule Freiburg Campus intern erscheint jeweils zum Semesterbeginn mit zwei Ausgaben pro Jahr und einer Gesamtauflage von 1.200 Exemplaren. Eine Online-Ausgabe ist unter www.kh-freiburg.de ein sehbar. Mitarbeitende erhalten ihr persönliches Exemplar per Hauspost. Anderen Leser*innen bieten wir derzeit ein kosten freies Abo nach Hause. Wenn Sie die Campus intern abonnieren möchten, senden Sie uns bitte eine Nachricht an kommunikation@kh-freiburg.de. Auch nicht ausgezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Ansicht der Redaktion wieder. Die Redaktion der Campus intern freut sich stets über Kritik, Anregungen und Beiträge aus allen Bereichen der Hochschule. Schreiben Sie uns: kommunikation@kh-freiburg.de. Korrektur: In der letzten Ausgabe 02/2021 der Campus intern hat sich in einem Text über die Interna tional Week (Seite 25) ein Fehler eingeschlichen: Petra Merkelbach ist nicht wie angegeben Studentin, sondern Teilnehmerin der Wissenschaftlichen Weiterbildung »Kunsttherapie«. Der vorgestellte Work- shop wurde von ihr gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen der Weiterbildung organisiert und geleitet: Anette Strobel, Marlene Monzel, Britta Künzig und Paula Cesar, unterstützt von Lorna Cruz-Aguilú.
1 2022
Für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Geschichte der Hochschulen für Angewandte iner zukunftsrelevanten und zukunftsfähigen Ge-
e
Wissenschaften in Baden-Württemberg ist eine Er- sellschaft zu erschließen.
folgsgeschichte. Seit der Gründung der ersten Fach-
hochschulen vor rund 50 Jahren hat nicht nur die In dem aktuellen Hochschulmagazin berichten wir
Anzahl der Studierenden stetig zugenommen. Mit nun über die konkrete Arbeit an unserem Forschungs-
ihnen gestiegen sind auch die Anzahl und Vielfalt institut – dem Institut für Angewandte Forschung,
der Studienangebote, die Qualität der Forschung IAF. Die detaillierte Vorstellung der laufenden For-
und Lehre. Dass die meisten Fachhochschulen vor schungsprojekte veranschaulicht gut, was Forschung
rund zehn Jahren in Hochschulen für Angewandte an der KH Freiburg bedeutet.
Wissenschaften umbenannt wurden, macht eines
deutlich: Ein Studium ist mehr als nur eine Ausbil- Selbstverständlich kann man unsere Hochschule
dung, in der beruflich relevante Qualifikationen er- nicht auf die Forschung und auch nicht auf das Stu-
fahrungsbezogen vermittelt werden. Im Fokus der dium allein reduzieren. Unser Verständnis von Ler-
Studienangebote steht vielmehr die Befähigung der nen geht weit darüber hinaus. So geschieht Lernen
Studierenden zum wissenschaftlichen Arbeiten. beispielsweise auch in den Initiativen unserer Stu-
Studierende sollen lernen, sich zentralen Fragen zu dierenden. Auf diese sind wir stolz, gerade in einer
stellen, die sich im Sozial- und Gesundheitswesen Zeit, in der die Aktivitäten der Hochschule sonst so
oder der Pastoral ergeben. Sie entdecken dabei stark durch die Pandemie begrenzt wurden. Die stu-
Wege, sich selbstständig Antworten auf diese dentische Theatergruppe KHotics hat es geschafft,
Fragen zu erarbeiten und das erworbene Wissen das kulturelle Leben an unserer Hochschule weiter-
und Können in der Praxis anzuwenden. Mit dieser zuführen. Und auch unsere weltweiten Kontakte
Grundhaltung wissenschaftlichen Arbeitens und und Partnerschaften konnten wir aufrechterhalten
kritisch-reflexiven Forschens qualifizieren sich die und sogar ausbauen – allen Widrigkeiten zum Trotz.
Studierenden für eine immer komplexer und an- Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam nach
spruchsvoller werdende Berufspraxis. vorne blicken.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen muss Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und ein
Hochschule ein Ort sein, an dem Forschung betrie- gutes, erfolgreiches Sommersemester.
ben wird, deren Relevanz sich primär aus ihrem
VORWORT
Praxisbezug ergibt. So erleben wir es auch an un Ihre
serer Hochschule: Wir engagieren uns für eine wis-
senschaftlich fundierte Praxis, greifen in der For-
schung praxisrelevante Fragen auf und setzen in
Forschungs- und Entwicklungsprojekten Impulse, Prof.in Dr. Stephanie Bohlen
um Handlungsmöglichkeiten für die Gestaltung Rektorin
11 2022
15 | 17 |
INHALT
■ FORSCHUNG ■ FORSCHUNG
4 Forschung für das Leben 20 Digitale Spaltung der älteren Generation
Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) Neue Studie liefert Daten zum Medienverhalten
stellt sich vor von Senior*innen
Tjard de Vries, Zofia Malachowska-Thiel Prof. Dr. Michael Doh
8 »Forschung hält auch unbequeme 21 5 Fragen an Katharina Zschiesche
Antworten bereit« Interview mit einer studentischen Hilfskraft
Interview mit Prof.in Dr. Ines Himmelsbach
Haben Sie schon einmal erwogen,
22
10 Forschungsvielfalt für Zukunftsfragen aus der Kirche auszutreten?
Aktuelle Forschungsprojekte am IAF Kompetenzzentrum der KH Freiburg beteiligt
sich an Studie
15 Mehr Selbstbestimmung und Teilhabe Dr. David Gutmann
im Alter
Ein Forschungsprojekt untersucht, wie digitale
Bildung für ältere Menschen gelingen kann ■ STUDIUM
Prof. Dr. Michael Doh
23 Bewegungsdiagnostik in der
19 Mit Würde pflegen und gepflegt werden Frühförderung
Eine Dissertation über die prekäre Einblicke in ein Lehrforschungsprojekt von
Pflegesituation in Privathaushalten Studierenden der Heilpädagogik
Jasmin Kiekert Franziska Heinzel Lichtwark
21 2022
22 | 26 |
■ INTERNATIONALES ■ HOCHSCHULE
17 Lokal studieren – global qualifizieren 28 How-to »Hochschulleben mitgestalten«
DAAD fördert ein Projekt zu Stärkung Eine Anleitung des AStA der KH Freiburg
der Internationalisierung Viktor Droll
Prof.in Dr. Nausikaa Schirilla
30 Kein Stillstand auf der Bühne
18 Hochschule & Internationales Studentische Theatergruppe KHotics
inszeniert »Andorra«
29 Wenn Angst und Hunger zum Alltag Laurina Xanthopoulos, Lisa Schrom
gehören
Der neu gegründete Verein »Human – 33 Kurz gemeldet
you & me e. V.« hilft in Afghanistan
Katja Braun 35 Neu berufen an der KH Freiburg
32 Solidarität mit der Ukraine 38 Neue Publikationen
Prof.in Dr. Stephanie Bohlen
Prof.in Dr. Cornelia Kricheldorff
■ ALUMNI
■ PRAXIS 37 Alumni im Gespräch: Lucas Lacher
25 Ein Haus für mich
Ein heilpädagogisches Kunstprojekt
für Grundschulkinder nach
der Hochwasserkatastrophe
Prof.in Dr. Monika Wigger
INHALT 31 2022
Forschung für das Leben
Das Institut für Angewandte Forschung (IAF)
stellt sich vor
Die vielfältigen Forschungsaktivitäten an der Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der
Katholischen Hochschule Freiburg entstammen un- Arbeit unserer Kooperationspartner*innen und
terschiedlichen Disziplinen und Forschungstradi Auftraggeber*innen bei. Neu gewonnenes Wissen
tionen und werden seit 1996 am Institut für Ange- fließt so in die Praxis zurück, trägt zur Aktualisie-
wandte Forschung (IAF) als zentrale wissenschaftli- rung von Handlungskonzepten bei und kommt da-
che Einrichtung der Hochschule gebündelt und durch mittelbar oder unmittelbar den Nutzer*innen
koordiniert. Das IAF finanziert sich als In-Institut zugute.
der KH Freiburg ausschließlich aus Drittmitteln. Die Insgesamt bearbeitet das IAF derzeit Forschungs-
Leitung des IAF hat die Prorektorin für Forschung, projekte im Umfang von 3,5 Mio. Euro aus eingewor-
Prof.in Dr. Ines Himmelsbach, inne. Derzeit sind 15 benen Drittmitteln (Stand: Januar 2022).
wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und 11 studenti Mit Bezug auf die Jahre 2021 und 2022 ergibt sich
sche Hilfskräfte in 15 Forschungsprojekten beschäf- damit eine Quote an eingeworbenen Mitteln für
tigt. 31 Professor*innen gehören den insgesamt drei Forschungsaktivitäten von mehr als 1 Mio. Euro/Jahr
Forschungsschwerpunkten der Hochschule an: Ver- und ein Verhältnis von ca. 26.000 Euro/Professor*in
sorgungsforschung in Gerontologie, Pflege und Ge- pro Jahr.
sundheitswesen; Bildung, Sozialisation und Inklu- Fast 70% aller Professor*innen der KH Freiburg sind
sion sowie Religion und Ethik. in den drei Forschungsschwerpunkten versammelt.
Insgesamt stellt sich das thematische Spektrum der 30% aller Professor*innen der Hochschule führen
Projekte sehr breit dar und reicht von Inklusions- aktuell zumindest ein eigenes Forschungsprojekt.
themen über die Förderung digitaler Kompetenzen
hin zu Fragen der akademisierten Pflege oder Wissenstransfer durch Forschung
Hospizarbeit. Aus Forschungsperspektive werden
aber auch sozialarbeiterisch relevante Themen wie Forschung wird an Hochschulen für Angewandte
zum Beispiel Aspekte der Quartiersarbeit und der Wissenschaften (HAW) bundesweit mehr und mehr
Paarberatung in Forschungsfragen und -projekten zu einer Selbstverständlichkeit und trägt damit heu-
aufgegriffen. Den forschenden Professor*innen, te wesentlich zu deren Attraktivität und Qualität
wissenschaftlichen Mitarbeitenden sowie Hilfskräf- bei. Forschung und Entwicklung sind vor diesem
ten stehen die Forschungskoordination mit den Hintergrund ein wichtiges Kompetenzmerkmal der
Mitarbeiter*innen Tjard de Vries und Zofia Mala- KH Freiburg, integriert sowohl in die Lehre als auch
chowska-Thiel sowie die IAF-Assistentin Elisabeth im Aufgabenspektrum des IAF. Damit verbunden
Schätzle unterstützend zur Seite. sind Wissenstransfer in die Region, Kooperationen
mit Partner*innen aus Wirtschaft und Kommunen
sowie die Zusammenarbeit mit anderen Hochschu-
Das IAF – Zahlen und Fakten
len im lokalen, bundesweiten und internationalen
Die Forschung an der KH Freiburg hat sich in den Rahmen.
letzten 15 Jahren stetig weiterentwickelt, sodass
zunehmend Erfolge in großen, kompetitiven Förder- Forschung an der KH Freiburg ist auf keine spezifi-
linien erzielt werden können, z. B. auf europäischer sche Form festgelegt, sondern kann vielmehr durch
Ebene HORIZON 2020, EFRE, ESF oder INTERREG interdisziplinäre, schwerpunktsetzende sowie zu-
und auf nationaler Ebene in Ausschreibungslinien kunftsweisende Forschungsfelder charakterisiert
unterschiedlicher Bundesministerien wie dem BMBF, werden. Dabei bedient sie sich wissenschaftlicher
FORSCHUNG
dem BMFSFJ sowie des Landes Baden-Württemberg. Ansätze der Sozial-, Geistes- und Gesundheitswis-
Darüber hinaus wird am IAF eine Vielzahl von Pro- senschaften. Das Spektrum der wissenschaftlichen
jekten durch Stiftungen und Organisationen geför- Aktivitäten ist durch hohe Interdisziplinarität der
dert, die sich mit Theorie-Praxis-Transfer und der Forschenden gekennzeichnet. So prägen unter-
Entwicklung und Evaluation von Praxiskonzepten schiedliche, miteinander kombinierbare Varianten
im Sozial- und Gesundheitswesen beschäftigen. das breite Forschungsverständnis der Hochschule
Dieser Theorie-Praxis-Transfer trägt unmittelbar zur und das Arbeiten am IAF:
41 2022
• empirische Forschung – Entwicklung einer Frage- mitteleinwerbung. Die folgenden drei thematischen
stellung, empirische Beantwortung, Präsentation/ Forschungsschwerpunkte haben sich entwickelt:
Publikation der Ergebnisse
• Interventionsforschung – Entwicklung einer Kon- »Bildung, Sozialisation, Inklusion«
zeption von Maßnahmen, Evaluation der Maß-
nahme, Präsentation sowie Publikation der Er- Dieser Bereich beinhaltet Forschung zu Sozialisa
gebnisse tion, Bildung und Beratung von Jugendlichen und
• Begleitforschung und Implementierungsfor- Familien, fördert die Teilhabe im Rahmen Sozialer
schung – Beratungs- und Begleitungsprozesse Arbeit in und mit dem Gemeinwesen (Stadt-/
von Organisationen, deren Evaluation sowie Quartier
entwicklung) sowie bei Benachteiligung
Präsentation/Publikation der Ergebnisse und Behinderung sowohl auf der individuellen als
• Grundlagenforschung – Theoretische Ausein auch auf der Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystem
andersetzung in einzelnen Disziplinen, Präsenta- ebene.
tion/Publikation der Ergebnisse
• Literaturrecherche und -publikation – Systema »Versorgungsforschung in Gerontologie, Pflege
tische Literatur- und Rechtsprechungsarbeit, und Gesundheitswesen«
Präsentation/Publikation in Form eines Reviews,
einer Metaanalyse Im Zentrum stehen aktuelle Entwicklungen in
gerontologischen Handlungsfeldern, in Pflege und
Eine wichtige Rolle spielen auch prozessorientierte Gesundheitswesen. Die Projekte umfassen sowohl
Beratungsangebote für soziale Einrichtungen, Orga interdisziplinäre Studien als auch grundlagen- und
nisationen, Städte und Gemeinden. Der rapide ge- problemorientierte Forschungsvorhaben, die die
sellschaftliche Wandel führt in sozialen Einrichtun- Voraussetzung für die Entwicklung und Evaluation
gen sowie in Kommunen zu großem Entwicklungs- innovativer Versorgungskonzepte bilden.
bedarf und Veränderungsdruck, was die beteiligten
Akteur*innen vor hohe Anforderungen stellt. Das »Religion und Ethik«
IAF bewegt sich in diesen Gestaltungs- und Begleit-
prozessen konsequent und konstant am »Puls der Themen dieses Schwerpunkts sind u. a. der gesell-
Zeit« und bindet frühzeitig gesellschaftspolitisch schaftliche Wandel und seine Herausforderungen
relevante Themen mit ein, begleitet und berät die für die organisierte Religion und ihre vielfältigen
genannten Akteur*innen und unterstützt sie, Ziele Ebenen und Formen der Präsenz. Das Forschungs-
zu definieren und adäquate Lösungen zu finden. Im spektrum umfasst Fragen von Ordensgemeinschaf-
Vordergrund stehen dabei immer die Akteur*innen ten, Kirchengemeinden, Bistumsverwaltungen, kirch
und eine möglichst ganzheitliche Vorgehensweise. lichen Krankenhäusern sowie anderen Einrichtungen
Eine Übersicht der aktuellen Forschungsprojekte und Feldern der Kirchen und ihrer Diakonie und
finden Sie auf den Seiten 10–14. Caritas.
Forschungsschwerpunkte Arbeiten am IAF
Die oben skizzierte thematische Spannweite der Die zunehmende Zahl erfolgreicher Drittmittelan
Forschung an der KH Freiburg ist insgesamt in drei träge in großen Förderlinien sichert längere Lauf
zukunftsweisenden Schwerpunkten konzentriert zeiten in Projekten und damit längere Verträge und
und verleiht ein unverwechselbares Profil. Die For- bessere Weiterentwicklungschancen für akademi-
schungsprojekte an der KH Freiburg greifen Fragen sche Mitarbeitende. Im Kontext der Forschungspro-
des Strukturwandels in den sozial-caritativen, pfle- jekte bietet sich so die Option der Weiterqualifizie-
gerischen und pastoralen Diensten auf und entwi- rung, indem die Durchführung von Promotionsver-
ckeln beispielhafte Modellkonzepte im Umgang mit fahren mit der eigenen Tätigkeit verknüpft werden
FORSCHUNG
neuen sozialen und gesellschaftlichen Problemla- kann. Derzeit promovieren neun akademische Mit-
gen. Alle drei Forschungsschwerpunkte sind in die arbeitende an der Hochschule und sechs am IAF,
bundesweite Forschungslandkarte der Hochschul- fünf der Promotionen sind unmittelbar an ein aktu-
rektorenkonferenz (HRK) aufgenommen worden elles Forschungsprojekt angebunden. Die thema
und entsprechen damit den von der HRK gesetzten tische Spannbreite reicht dabei von heilpädagogi
Kriterien im Hinblick auf Einbindung von forschen- schen, gerontologischen bis hin zu sozialarbeiteri-
den Kolleg*innen, Publikationstätigkeit und Dritt- schen Fragestellungen.
51 2022
Wissenschaftlicher Nachwuchs Im Kontext der Nachwuchsförderung ist es ein An
liegen, Masterabsolvent*innen die Möglichkeit zur
Die Förderung des wissenschaftlichen Nach- Weiterqualifizierung im wissenschaftlichen Sektor zu
wuchses ist ein bedeutendes Anliegen der Arbeit ermöglichen. Neben der Möglichkeit, die Promotion
am IAF sowohl im Hinblick auf akademische Mit mit einer Tätigkeit in einem Forschungsprojekt am IAF
arbeiter*innen als auch auf studentische Hilfs- zu verbinden, war die Durchführung des kooperativen
kräfte und ein wichtiges Projekt in der Strategie Promotionskollegs »Versorgungsforschung: Collabo
umsetzung 2025 der KH Freiburg. Studentische rative Care« ein großer Erfolg. Im Rahmen dieses
Hilfskräfte haben durch die Mitarbeit in For- gemein samen Vorhabens der Universität Freiburg,
schungsprojekten die Möglichkeit, erste Erfahrun- der Pädagogischen Hochschule Freiburg sowie der
gen im Forschungsbereich zu sammeln und dieses Evangelischen Hochschule und der KH konnten 12
Handlungsfeld als potenziellen Arbeitsbereich Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Promotionen
kennenzulernen. Daneben sind auch Forschungs- durchführen. Ein Nachfolgeantrag mit dem Titel »Ver-
praktika eine Möglichkeit für interessierte Bache- sorgungsforschung: Health Equity« ist derzeit unter
lor- und Masterstudierende, sich den Forschungs- Begutachtung des Ministeriums für Wissenschaft,
bereich zu erschließen. Zusätzlich bietet das IAF Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK).
Studierenden der KH die Möglichkeit, bei Interes- Zudem besteht die Möglichkeit zu kooperativen und
se und Ideen Abschlussarbeiten im Rahmen von assoziierenden Promotionen mit Universitäten und
Forschungsprojekten zu verfassen. Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg.
FORSCHUNG
61 2022
Die Möglichkeit der Assoziierung für HAW-Profes Aktivitäten gut bis sehr gut entwickelt sind, ist die
sor* innen ist im Landeshochschulgesetz festge- Strukturierung und Förderung der Internationalisie-
schrieben. Die jeweiligen Universitäten in Baden- rung im Forschungsbereich die nächste Aufgabe
Württemberg haben spezifische Assoziierungssat- der strategischen Entwicklung der KH Freiburg. Für
zungen erlassen, mithilfe derer sich die HAW-Pro- die Maßnahmen rund um diese Internationalisie-
fessor*innen auch den Status einer Erstbetreuung rung der Forschung stehen im neu akquirierten Pro-
ermöglichen können. Weitere Informationen zur jekt »QISS: Querschnittsaufgabe Internationalisie-
Promotion an einer HAW sowie ein Netzwerk und rungsStrategie sichern« Gelder des DAAD zur Verfü-
regelmäßige Workshops für Doktorand*innen bie- gung. (Detaillierte Infos zu diesem Projekt finden
tet die Servicestelle Forschung & Transfer des HAW Sie auf Seite 16). Die bevorstehenden Aufgaben be-
BW e.V. Derzeit befindet sich das Promotionsrecht inhalten internationale Antragstellung, die Etablie-
an HAWen im politischen Diskurs. Die Entwicklungen rung einer Hochschulbibliografie, die Vorbereitung
hierzu werden Promotionen an HAWen in Baden- des IAF-Internetauftrittes in englischer Sprache so-
Württemberg in den kommenden Jahren weiter er- wie die Etablierung nachhaltiger Strukturen für in-
möglichen. ternationale Forschungspraktika. Die strategische
und operative Entwicklung des IAF schreitet dyna-
misch voran und zeigt Wege, auf denen die For-
Forschungskoordination
schungsaktivitäten der KH Freiburg sehr bald inter-
Die Forschungskoordinator*innen sorgen dafür, nationale Dimension erreicht haben.
dass jedes IAF-Mitglied eine optimale Unterstüt-
zung bekommt, um seine*ihre forschenden Tätig- Strategische Entwicklungen der nächsten Jahre
keiten so gut wie möglich ausüben zu können. Zu
den Aufgaben der Forschungskoordination gehören Unter Einbindung der Gremien der Hochschule, ins-
u.a. Erstellung und Pflege der Forschungsinfrastruk besondere auch der Senatskommission Forschung,
tur, Drittmittelakquise, Unterstützung der Forschen- wurden mit Blick auf die Strategie 2025 zwei Themen
den bei der Antragstellung, Projektverwaltung sowie identifiziert: Einerseits die Nachwuchsförderung
(gemeinsam mit der Abteilung Wirtschaft und Finan- von Studierenden bis hin zur Erstberufung und an-
zen) Projektcontrolling. Ziel ist es, die forschenden dererseits die Internationalisierung unserer Hoch-
Professor*innen bei der Antragsstellung sowie der schule im Bereich der Forschung. Die Strategieum-
Akquise neuer Projekte bestmöglich zu unterstützen setzung dieser beiden Themen hat im Jahr 2022 be-
und die Zugänge zu deutschen und internationalen gonnen. Für den Bereich der Nachwuchsförderung
Drittmittelsystemen zu erleichtern. Die forschen- sind hier ein Konzept zur Nachwuchsförderung mit
den Professor*innen können zudem auf ein diffe- Ausbau der Stellen für wissenschaftlichen Nach-
renziertes Forschungsunterstützungssystem zu- wuchs und die Ermöglichung von Forschungsprak
rückgreifen, das u. a. Möglichkeiten von Deputats- tika angedacht. In Bezug auf Internationalisierung
nachlass, Forschungssemestern, Geldern aus dem stehen internationale Sichtbarkeit sowie Kompe-
Forschungsfonds u. ä. beinhaltet. Die Forschungs tenzaufbau zu internationalen Antragsstellungen
koordinator*innen übernehmen auch die Kommuni im Fokus.
kation mit Förderorganisationen in allen Angelegen
heiten und sorgen für eine gute Vernetzung des IAF
mit wichtigen forschungsrelevanten Institutionen
auf der lokalen und nationalen Ebene. Sie sind ers-
te Anlaufstelle nicht nur für IAF-Mitglieder, sondern Zofia Malachowska-Thiel und Tjard de Vries
auch für alle KH-Angehörigen, die ein Anliegen zur sind Forschungskoordinator*innen am IAF der
KH Freiburg. Sie unterstützen die forschenden
Arbeit und den Aufgabenbereichen im IAF haben.
Professor*innen der Hochschule bei der
Akquise von Drittmitteln, der Antragstellung
sowie dem Projektmanagement.
Internationalisierung Sie stehen zudem allen Akademischen Mit
FORSCHUNG
arbeitenden und studentischen Hilfskräften
Aktuell konzentrieren sich die Forschungsaktivi am IAF unterstützend zur Seite und sorgen
täten hauptsächlich auf die lokale oder nationale für den Ausbau der Forschungsinfrastruktur
Ebene und nur wenige Projekte werden in einem an der KH Freiburg. Zusätzlich dazu sind sie
jeweils mit weiteren Stellenanteilen in dritt-
inter
nationalen Forschungsumfeld durchgeführt. mittelgeförderten Forschungs- bzw. Hoch
Während auf der Ebene des Studierendenaus- schulentwicklungsprojekten tätig.
tauschs und der Lehre sowie bei den individuellen
Kontakten des Lehrpersonals die internationalen
71 2022
»Forschung hält auch unbequeme Antworten bereit«
Die Leiterin des Instituts für Angewandte Forschung
Prof.in Dr. Ines Himmelsbach im Interview.
Frau Himmelsbach, im Wissenschaftsbarometer Mit der organisatorischen Trennung war auch die
2021 stimmt die Hälfte der Befragten der Aussage Schaffung eines neuen Prorektorats Weiterbildung
zu, dass Wissenschaftler*innen zum Wohle der verbunden, das explizit die Stärkung der Weiterbil-
Gesellschaft arbeiten. Tragen auch die Forschungs- dungen in den Blick nimmt, während wir am IAF nun
projekte des IAF zur Lösung gesellschaftlicher The- all unsere Kräfte ausschließlich in die Forschung
men und Herausforderungen bei? stecken können. Beide Bereiche wurden damit inhalt-
Es ist mir zu ausschließlich gedacht, nur vom Wohl lich gestärkt, aber die Synergien zwischen den Insti-
der Gesellschaft zu sprechen. Denn diese Sicht tuten können trotzdem weiterhin genutzt werden.
lässt Verkürzungen zu wie »Wenn es nicht zu mei-
nem Wohle ist, dann ist es keine Forschung«, aber Welche Synergien fließen denn zwischen For-
Forschung hält zuweilen auch unbequeme Antwor- schung und Lehre? Wie profitieren die Studieren-
ten parat. Zudem umfasst unsere Forschung noch den von der Arbeit des IAF?
mehr Dimensionen und ist dabei zuallererst dem Forschungsprojekte der Professor*innen werden in
Forschungsgegenstand an sich verpflichtet, nicht Lehrveranstaltungen zum Thema gemacht und aktu-
der Gesellschaft. Im Feld, in dem sich unsere Hoch- alisieren und bereichern damit das Studium. Eigene
schule bewegt, werden aber in der Tat fast all diese Projekte sind ganz anders vermittelbar als aus-
Forschungsgegenstände immer direkt aus Fragen der schließlich die Rezeption der Arbeiten anderer. Es
Gesellschaft heraus generiert. Der Vorteil an Hoch- wird deutlich, dass durch Projekte immer wieder
schulen für Angewandte Wissenschaften liegt genau neue Fragen entstehen und um die Deutung von
in dieser Interdisziplinarität: Wir analysieren gesell- Ergebnissen gerungen werden muss. Liest man eine
schaftliche Herausforderungen aus unterschiedlichen abgeschlossene Studie, entsteht oft ein zu absolutes
Perspektiven und bieten damit Lösungsansätze auch Bild. Aktuell beschäftigen wir in Forschungsprojek-
für ganz aktuelle gesellschaftliche Themen. ten rund 15 studentische Hilfskräfte. Die Studieren-
den können durch diese Mitarbeit in Forschungspro-
Können Sie dafür Beispiele aus aktuellen jekten über ihre Lehrveranstaltungen hinaus erleben,
Forschungsprojekten nennen? was Forschung in Feldern des Sozialen, der Gesund-
Ein Thema ist der Umgang mit dem Megatrend Digi- heit und der Angewandten Theologie bedeutet. Letzt-
talisierung für Zielgruppen, die in diesem Diskurs endlich entsteht durch diese Beschäftigung auch ein
häufig vergessen werden: Menschen mit kognitiven Einblick in das wissenschaftliche Berufsfeld und da-
Beeinträchtigungen im Projekt Teilhabe Digital oder mit eine Option für einen möglichen eigenen Karriere
im Projekt DiBiWohn ältere Menschen, die bereits weg.
Unterstützungsbedarf, beispielsweise im betreuten
Wohnen oder im Pflegeheim haben. Das Projekt Sie betonen häufig, dass Ihnen diese Nachwuchs-
(AP)2 CARITAS stellt sich Fragen der Professionalisier förderung besonders am Herzen liegt. Was unter-
ung der akademisierten Pflege insbesondere im Be- nimmt das IAF noch in dieser Richtung?
reich der Altenhilfe und auch das sehr partizipative Ich möchte gerne Menschen für den Beruf des*der
Projekt IDEA greift aktuelle gesellschaftliche Debat- Hochschullehrenden begeistern. Es freut mich des-
ten auf. halb sehr, dass gerade sechs Promovierende am IAF
in laufenden Projekten beschäftigt sind. Das sind so
Im September 2020 sind aus dem ehemaligen In viele wie nie zuvor und das ist eine gute Zahl für
stitut für Angewandte Forschung, Entwicklung und eine kleinere Hochschule wie unsere. Wir wollen
FORSCHUNG
Weiterbildung zwei eigenständige Institute ent- diesen Karriereweg aber noch weiter ausbauen und
standen: Das IAF mit dem Schwerpunkt Forschung haben deshalb im Rahmen der strategischen Ziele
und das IWW für Weiterbildungen. Inwiefern hat der Hochschule zukunftsweisende Entwicklungs-
diese neue Struktur die Arbeit am IAF verändert? perspektiven für die Nachwuchsförderung entwor-
Die veränderte Organisationsstruktur hat sehr viel fen. Wir wollen bessere Karriereoptionen schaffen,
Entwicklungspotenzial freigesetzt und ermöglicht anstatt nur den universitären Mittelbau zu kopieren,
eine Fokussierung auf die jeweiligen Kernbereiche. und wir untersuchen, ob es eine HAW-spezifische
81 2022
Karriere geben kann. Brauchen wir ein neues Profil
von Nachwuchswissenschaftler*innen, die Praxis
und Forschung besonders gut miteinander ver-
einbaren können, die offen für Diskurse mit an-
deren Disziplinen sind? Außerdem bereiten wir
uns darauf vor, dass Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften in Baden-Württemberg in K ürze
das Promotionsrecht erhalten werden.
Am IAF promovieren und forschen überdurch-
schnittlich viele weibliche Mitarbeitende und
über die Hälfte der forschenden Professor*innen
sind Frauen. Gleichzeitig gibt es kaum Forschen-
de mit eigener oder familiärer Migrationsge-
schichte. Welche Bedeutung hat für Sie Diver
sität in der Forschung?
Ich denke Diversität analog zu Interdisziplinarität
und die finde ich sehr wichtig. Ein Forschungs-
projekt gewinnt sehr durch die Perspektivenviel-
falt der Forschenden, denn nur so kann es in seiner
Ganzheit beschrieben, eingeordnet und verstan-
den werden. Unsere Hochschule wird auch da-
durch diverser werden, dass wir unsere Forschung
internationalisieren und damit neue Themen und
Zielgruppen erschließen.
Interview: Astrid Spüler
Prof.in Dr. Ines Himmelsbach studierte
Erziehungswissenschaften und Romanistik
an den Universitäten Heidelberg und Frank-
furt. Sie wurde zum Thema »Altern zwischen
Kompetenz und Defizit« am Institut für
Erziehungswissenschaften der Goethe-Uni
ver sität Frankfurt am Main promoviert.
2014 übernahm sie die Professur für Soziale
Gerontologie an der Katho lischen Hoch-
schule Freiburg. Sie ist an der Universität
Heidelberg assoziiert und erhielt für ihre
Forschung verschiedene Preise, darunter
den Preis der Wilhelm-Woort-Stiftung für
Angewandte Alternswissenschaften (2015).
Seit September 2020 hat sie an der KH
Freiburg die Leitung des Instituts für
Angewandte Forschung (IAF) inne und ist
Prorektorin für Forschung.
91 2022
Woran wird geforscht an der KH Freiburg? Wer sind die Akteur*innen und Fördergeber, die Drittmittel für
die Forschung bereitstellen? Auf diesen Seiten erhalten Sie Einblick in aktuelle Forschungsprojekte des
Instituts für Angewandte Forschung der KH Freiburg.
Forschungsvielfalt für
Zukunftsfragen
Aktuelle Forschungsprojekte
am IAF
Forschungsschwerpunkt
Versorgungsforschung in Gerontologie, Pflege und Gesundheitswesen
(AP)² Caritas – Akademische Pflege und erweiterte Das Projekt verfolgt das Ziel, Kriterien zukünftiger
Pflegepraxis in der ambulanten und stationären Aufgaben- und Verantwortungsbereiche akade-
Altenhilfe der Caritas misch ausgebildeter Pflegefachpersonen in der am-
bulanten und stationären Langzeitpflege sowie im
Leitung: Prof.in Dr. Nadine Konopik, Quartier herauszuarbeiten. Darüber hinaus sollen
Prof.in Dr. Mirella Cacace vertragliche, leistungs- und ordnungsrechtliche
Mitarbeitende: Katharina Hartmann Rahmenbedingungen definiert werden und Emp-
FORSCHUNG
Förderinstitution: Ministerium für Soziales, Gesund- fehlungen für den Einsatz von akademisch ausge-
heit und Integration des Landes bildeten Pflegefachpersonen ausgesprochen wer-
Baden-Württemberg den. Es handelt sich hier um ein Kooperations
Projektlaufzeit: 2021 bis 2023 projekt mit dem Caritasverband der Erzdiözese
Fördersumme: 108.324,44 EUR Freiburg e. V., der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft
Altenhilfe, Hospizarbeit und Pflege (DiAG) sowie
der Hochschule Furtwangen.
101 2022
AQuiLa 2 – Aufbau von Quartiersansätzen für DiBiWohn – Digitale Bildungsprozesse für ältere
stationäre Einrichtungen der Langzeitpflege Menschen in seniorenspezifischen Wohnformen
der institutionalisierten Altenhilfe (Teilprojekt 2)
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach und
Prof.in Dr. Nadine Konopik Leitung: Prof. Dr. Michael Doh
Mitarbeitende: Jasmin Kiekert, Katharina Hartmann, Mitarbeitende: David Leopold, Mario Jokisch,
Birgit Krötz Linda Goebl
Förderinstitution: Ministerium für Soziales, Gesund- Förderinstitution: Bundesministerium für Bildung
heit und Integration des Landes und Forschung (BMBF)
Baden-Württemberg Laufzeit: 2020 bis 2025
Projektlaufzeit: 2021 bis 2022 Fördersumme: 765.655,98 EUR
Fördersumme: 283.864 EUR
Dieses zweite Teilprojekt beinhaltet einen quantita-
AQuiLa 2 ist ein Anschlussprojekt von »AQuiLa 1«, tiven Forschungsfokus und mediengerontologische
das an dessen Ergebnisse anknüpft und beabsich- Forschungsinhalte, bspw. in Bezug auf die Digitali-
tigt, eine zukunftsorientierte, inklusive Altenpla- sierung von Einrichtungen der Altenhilfe und deren
nung in Baden-Württemberg auf Quartierskonzepte Bewohnerschaft.
mit stationären Pflegeeinrichtungen zu erstellen
und dabei Bürger*innen und einschlägige Ak-
teur*innen im Quartier einzubinden. Hierbei wird
im Projekt mit Zukunftswerkstätten, Fokusgruppen
und Feedback-Interviews gearbeitet, mit deren Hilfe
Best-Practice-Beispiele erarbeitet und Handlungs-
empfehlungen abgeleitet werden sollen.
DiBiWohn – Digitale Bildungsprozesse für ältere Psychotherapie im Gehen in der Natur mit an
Menschen in seniorenspezifischen Wohnformen Depression erkrankten Patient*innen
der institutionalisierten Altenhilfe (Teilprojekt 1)
Leitung: Prof. Dr. habil. Eric Pfeifer
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach Förderung durch: Forschungsfonds der
Mitarbeitende: Christina Klank, Tjard de Vries Katholischen Hochschule Freiburg
Förderinstitution: Bundesministerium für Bildung und Laufzeit: 2021 bis 2022
Forschung (BMBF)
Laufzeit: 2020 bis 2025 In der Pilotstudie, die in Kooperation mit der Klinik
Fördersumme: 670.181,99 EUR für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
des Universitätsklinikums Freiburg durchgeführt
Verbundforschungsprojekt mit den Universitäten wird, wird Psychotherapie im Gehen in der Natur im
Ulm und Heidelberg, der Evangelischen Heim Sinne eines »Walk-and-Talk«-Angebots als schul-
stiftung und der Stiftung MedienKompetenz Forum übergreifende psychotherapeutische Behandlung
Südwest mit dem Ziel, individuelle Bildungs- und auf Stationen der Klinik untersucht. Es handelt sich
Mediatisierungsprozesse im höheren und hohen dabei um die erste derartige Studie, die das Thema
Alter und ihren Rückwirkungen auf Bildungsbiogra- als komplementäres Element im Spektrum des Be-
fie, Identitätsarbeit, Lebenswelt und sozialer Teil- handlungsangebots bei an Depressionen erkrank-
habe im Kontext seniorenspezifischer Wohnformen ten Patient*innen einer psychosomatischen Klinik
FORSCHUNG
der institutionalisierten Altenhilfe zu untersuchen. beforscht. Ein Seitenstrang der Studie beinhaltet
Dieses erste Teilprojekt beinhaltet bildungsbiogra- zudem die Validierung zweier englischsprachiger
phische und sozialräumliche Grundlagenforschung Messinstrumente in deutscher Sprache mittels On-
und einen qualitativen Forschungsfokus, bspw. in line-Validierungsstudie (in Kooperation mit dem In-
Bezug auf die Bildungsbiographien der Technik stitut für Grenzgebiete der Psychologie und Psy-
noviz*innen und -begleiter*innen, die am Verbund- chohygiene Freiburg – IGPP).
forschungsprojekt partizipieren.
111 2022
rät bei der Einbindung der Akteur*innen aus der
Gottenheimer Bürgerschaft in diesen Prozess, da-
mit die aktuell und künftig Interessierten, Profes
sionellen, freiwillig engagierten und familiären Ak-
teur*innen einbezogen werden. So kann dazu bei-
getragen werden, dass die Pflegewohngruppe ihren
Platz im Ortsgefüge findet und gleichzeitig dort
auch auf einen breiten Konsens stößt.
Gut leben und älter werden in Beiertheim-Bulach
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach,
Prof.in Dr. Cornelia Kricheldorff
Auftraggeber: Stadt Karlsruhe (Förderung über die
Allianz für Beteiligung e. V.)
Laufzeit: 2021 bis 2022
In diesem Projekt begleitet das IAF einen Entwick-
lungs- und Gestaltungsprozess im Karlsruher Stadt-
teil Beiertheim-Bulach, der bürgerschaftlich orien-
Kommunale Projekte tiert ist. In den beiden ehemals selbstständigen Ge-
meinden Beiertheim und Bulach, die nun einen
Stadtteil bilden, wird beabsichtigt, durch eine ex-
Im Zuge des demografischen Wandels stehen im- emplarische und modellhafte soziale Quartiersent-
mer mehr Kommunen und Gemeinden vor der wicklung im Kontext des demografischen Wandels
grundsätzlichen Frage, wie sich die eigene Bürger- innovative Ideen zu entwickeln, die in der Folge
schaft entwickelt, welche Bedarfe zukünftig gerade Transfercharakter in Form und Prozess für die Stadt
im Hinblick auf die älter werdende Gesellschaft ent- Karlsruhe und ihre 27 Stadtteile haben. Darüber hi-
stehen und was für Maßnahmen notwendig werden. naus werden stadtteilübergreifend zukunftsfähige
Das IAF unterstützt, berät und begleitet seit länge- Rahmenbedingungen für Fragestellungen von »gu-
rem kommunale sowie bürgerschaftliche Akteur*in ter Pflege im Quartier« und »neuen Wegen offener
nen bei solchen Prozessen auf dem Weg zu neuen Altenarbeit« geschaffen. Zudem werden u. a. Lern-
zivilgesellschaftlichen Perspektiven auf kommuna- werkstätten mit Karlsruher Bürger*innen und Ak-
ler Ebene. Dabei greift es auf einen großen Erfah- teur*innen durchgeführt.
rungsschatz zurück. So wurden in den vergangenen
Jahren beispielsweise zahlreiche Bedarfserhebun-
gen älterer Bürger*innen in Freiburger Stadtteilen
und Umlandgemeinden erfolgreich durchgeführt. Pfaffenweiler 2030 – eine Gemeinde mit Lebens-
qualität für alle Generationen
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach,
Prof.in Dr. Cornelia Kricheldorff
Gut alt werden in Gottenheim Auftraggeber: Gemeinde Pfaffenweiler (Förderung
über die Allianz für Beteiligung e.V.)
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach, Laufzeit: 2021 bis 2022
Prof.in Dr. Cornelia Kricheldorff
FORSCHUNG
Auftraggeber: Gemeinde Gottenheim Im Projekt wird ein umfassender Entwicklungs- und
Laufzeit: 2021 bis 2022 Gestaltungsprozess in der Gemeinde Pfaffenweiler
wissenschaftlich und bürgerschaftlich orientiert
Das IAF begleitet und moderiert in der Gemeinde begleitet. In diesem Partizipationsprozess werden
Gottenheim den Gestaltungs- und Entwicklungspro- gemeinsam mit Bürgerschaft, den Gemeinderät*in-
zess einer ambulant betreuten Pflegewohngruppe nen und sonstigen Interessensvertreter*innen künf-
von fachlicher und wissenschaftlicher Seite und be- tig relevante Wohn- und Lebensformen im Alter, nach-
121 2022
haltige Strukturen im sozialen Miteinander und Fra-
gen der Generationengerechtigkeit thematisiert. Das
IAF führt zu diesem Zweck eine Befragung aller
Haushalte in Pfaffenweiler durch und begleitet bzw.
moderiert im Sinne des Beteiligungsprozesses vier
thematische Workshops, mit denen die nächsten
Schritte für ein gutes Leben für alle Generationen in
der Gemeinde erarbeitet werden sollen.
Seidenfaden – Miteinander verwoben und vernetzt
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach,
Prof.in Dr. Cornelia Kricheldorff
Auftraggeber: Stadt Offenburg (Förderung über
die Allianz für Beteiligung e.V.)
Laufzeit: 2021 bis 2023
Forschungsschwerpunkt
Ziele des Projekts sind, die Vernetzung der Bewoh- Bildung, Sozialisation und Inklusion
ner*innen des neuen Offenburger Quartiers Seiden-
faden untereinander zu ermöglichen sowie deren
Integration in den bestehenden Stadtteil zu för- Effektivität von Paarberatung im Kanton Zürich –
dern. Zudem soll das Gesamtvorhaben bürger- Evaluation
schaftliches Engagement aller Generationen für das
Quartier anregen. Das IAF übernimmt hier die wis- Leitung: Prof. Dr. Christian Roesler
senschaftliche und bürgerschaftlich orientierte Be- Förderinstitution: Ökumenischer Verein für
gleitung des Gestaltungs- und Entwicklungsprozes- Paarberatung und Mediation im
ses. Dabei werden insbesondere die städtischen Kanton Zürich e.V.
Akteur*innen beraten und bei der Durchführung Laufzeit: 2019 bis 2022
des Projekts unterstützt.
Ziel des Projektes ist es, die Wirksamkeit der Paar-
beratung, die der Auftraggeber im Kanton Zürich an-
bietet, hinsichtlich der Verbesserung der Bezie-
Wissenschaftliche Begleitung des Pilotprogramms hungsqualität und der Erhöhung der Beziehungs-
»Sterben, wo man lebt und zu Hause ist« stabilität in einem naturalistischen Setting zu erfas-
sen. Die Studie beabsichtigt, zur Erhöhung der
Leitung: Prof.in Dr. Ines Himmelsbach Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Paarbera-
Mitarbeitende: Lara Graupner, Willi Gertsen tung unter realen Praxisbedingungen beizutragen.
Auftraggeber: Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend
Laufzeit: 2021 bis 2024
Fördersumme: 381.270 EUR IDEA – Inklusives Digitales Erinnerungsarchiv:
Migrantinnengeschichte als Teilhabe
Es handelt sich hier um ein Forschungsprojekt im
Sinne eines Metavorhabens, das ein deutschland- Leitung: Prof.in Dr. Nausikaa Schirilla
weites Pilotbauprogramm unterschiedlicher Hospiz Mitarbeitende: Birgit Heidtke, Myriam Alvarez
einrichtungen wissenschaftlich begleitet und ins- Förderinstitution: Bundesministerium
FORSCHUNG
besondere die konzeptuelle Arbeit im Rahmen der für Bildung und Forschung
jeweiligen Einrichtungen beschreibt, begleitet und Laufzeit: 2019 bis 2022
fachlich sowie konzeptionell mit vorantreibt. Ein Fördersumme: 309.931,41 EUR
besonderes Augenmerk liegt auf der wissenschaft-
lichen Begleitung der Verknüpfung der Hospizarbeit Im Projekt IDEA wird ein partizipatives digitales
mit Quartiersansätzen und den Herausforderungen Archiv aufgebaut, das Migrantinnen dazu befähi-
sowie Möglichkeiten, die darin bestehen. gen will, ihre Geschichte mit der Methode von Oral
131 2022
History zu erfassen und öffentlich sichtbar zu ma- der Bedeutungsstrukturen in Träumen und die Sinn-
chen. Das Projekt adressiert dabei politisch und ge- strukturen ganzer Traumserien identifiziert werden
sellschaftlich aktive Migrantinnen und will sie so- können. Ziel des gesamten Forschungsvorhabens
wohl als Zeitzeuginnen als auch als Multiplikatorin- ist es, ein Korpus an Traumserien zu sammeln, mit
nen gewinnen. Im Projekt werden die Geschichten der Methode der Strukturalen Traumanalyse zu un-
von Migrantinnen als aktive Bürgerinnen rekonstru- tersuchen und so Erkenntnisse über überindividuel-
iert, veröffentlicht und verlässlich archiviert. Migran- le Muster von Traumstrukturen und deren Zusam-
tinnen sollen als Akteurinnen an der Überlieferung menhang mit psychotherapeutischen Verläufen zu
und gesellschaftlichen Repräsentation ihrer Ge- gewinnen.
schichte teilhaben. Das partizipative Forschungs-
vorhaben wird im Verbund mit der Hochschule Furt-
wangen und der Feministischen Geschichtswerk-
statt Freiburg e. V. realisiert. Vergleich der Wirksamkeit von Emotionsfokussier-
ter Paartherapie und Systemischer Paartherapie in
der Praxis
InstAgT – Individuelle soziotechnische Arrange- Leitung: Prof. Dr. Christian Roesler
ments für die gesellschaftliche Teilhabe von Förderinstitution: Heidehof Stiftung
Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen Laufzeit: 2021 bis 2023
Leitung: Prof. Dr. Gregor Renner, Im Projekt werden die Emotionsfokussierte Paarthe-
Prof. Dr. Florian Kiuppis rapie und die Systemische Paartherapie in ihrer An-
Mitarbeitende: Theresa Etges, Verena Wahl wendung unter Alltagsbedingungen in Hinsicht auf
Förderinstitution: Bundesministerium ihre Wirksamkeit auf Paare mit hoher Belastung mit-
für Bildung und Forschung einander verglichen. Ließe es sich hier zeigen, dass
Laufzeit: 2019 bis 2023 Emotionsfokussierte Paartherapie im Vergleich sig-
Fördersumme: 684.363,54 EUR nifikant höhere Besserungsraten auch bei stärker
belasteten Paaren erbringt als ein etabliertes Stan-
Zusammen mit Projektpartner*innen der Hoch- dardverfahren wie Systemische Paartherapie, dann
schulen Furtwangen und Karlsruhe werden Strate ließe sich in Zukunft die Versorgung von belasteten
gien und praktisch-organisatorische Lösungen ent- Paarbeziehungen in Deutschland verbessern.
wickelt, die Menschen mit kognitiven Funktions
beeinträchtigungen, ihre Angehörigen und Betreu-
ungspersonen dazu befähigen sollen, sich neue
Technologien in individuellen soziotechnischen Ar- Wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts
rangements anzueignen. Damit soll eine verbesser- »Lotsenportal«
te selbstständige und selbstbestimmte Teilhabe am
Leben in der Gesellschaft für Menschen mit kogni Leitung: Prof. Dr. Christian Roesler
tiven Funktionsbeeinträchtigungen (insbesondere Förderinstitution: Diözesanstelle Ehe, Familien-
sog. geistiger Behinderung) ermöglicht werden. und Lebensberatung
des Erzbistums Freiburg
Laufzeit: 2021 bis 2023
Strukturale Traumanalyse Das Projekt zielt darauf ab, ein digitales Lotsenpor-
tal zu initiieren, das Paaren eine schnelle Einschät-
Leitung: Prof. Dr. Christian Roesler zung ermöglicht, ob präventive Angebote (universell
Förderinstitution: Susan Bach Stiftung zur Stärkung der Beziehung bzw. selektiv für Risiko-
FORSCHUNG
Laufzeit: 2022 gruppen) in ihrer individuellen Situation nützlich
sind oder ob aufgrund der Belastung eher Paar- bzw.
Im Fokus des Erkenntnisinteresses steht die Bedeu- Einzelberatung notwendig ist. Darüber hinaus kön-
tung von Träumen für den psychotherapeutischen nen Paare über das zu entwickelnde Lotsenportal
Prozess. Die Methodik der Strukturalen Traumana- Informationen zu präventiven Angeboten und Maß-
lyse stellt hierbei einen Versuch dar, eine systema- nahmen sowie niederschwellig einen Zugang zu Be-
tische wissenschaftliche Methode zu kreieren, mit ratung erhalten.
141 2022
Mehr Selbstbestimmung und Teilhabe im Alter
Ein Forschungsprojekt untersucht, wie digitale Bildung für
ältere Menschen gelingen kann
Das interdisziplinäre Verbundprojekt DiBiWohn durch den Forschungsschwerpunkt »Digitalisierung
»Digitale Bildungsprozesse für ältere Menschen in im Bildungsbereich« des BMBF-Rahmenprogramms
seniorenspezifischen Wohnformen der institutionali Empirische Bildungsforschung. Das Fördervolumen
sierten Altenhilfe« umfasst grundlagen- und anwen- beträgt 2,7 Millionen Euro, davon 1,4 Millionen Euro
dungsbezogene Forschungsschwerpunkte in Berei- für das IAF an der Katholischen Hochschule Frei-
chen der empirischen Bildungsforschung, Geron burg.
tologie und Medienpädagogik. Es richtet sich an ei- Verbundpartner sind neben der Katholischen Hoch-
nen Personenkreis, der bislang von Bildungs- und schule Freiburg das Zentrum für Allgemeine Wissen-
Digitalisierungsangeboten unzureichend erschlos- schaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität
sen wurde: Ältere Menschen, die in seniorenspezi- Ulm, die Stiftung MedienKompetenz Forum Süd-
fischen Wohnformen der institutionalisierten Alten- west (MKFS) in Ludwigshafen und die Evangelische
hilfe leben. Heimstiftung GmbH Stuttgart. Die Verbundleitung
Forschungsschwerpunkte umfassen zum einen bil- hat Prof. Dr. Michael Doh inne. Er verantwortet
dungstheoretische Forschungsinhalte, die sich auf zusammen mit den Akademischen Mitarbeiter*in-
grundlegende Fragen zu (digitalen) Bildungspro- nen David Leopold, Dr. Mario Jokisch und Linda
zessen im höheren und hohen Alter beziehen und Göbl das Teilprojekt »Mediengerontologische For-
hierzu Rückwirkungen und Korrelate auf die Bil- schung«. Ein weiteres Teilprojekt »Bildungsbio
dungs-, Medien- und Technikbiographie, auf Identi- graphie- und Sozialraumforschung« leitet Prof.in
tätsarbeit und auf Lebenswelt untersuchen. Zum Dr. Ines Himmelsbach, gemeinsam mit den Akade-
anderen stehen bildungspraktische Forschungsin- mischen Mitarbeiter*innen Christina Klank und
halte im Fokus, die sich auf die Entwicklung und Ge- Tjard de Vries.
staltung von informellen und non-formalen digita-
len Bildungsformaten im Alter richten. Teilprojekt »Bildungsbiographie- und
Mittels partizipativer Methoden und eines Beglei- Sozialraumforschung«
tungskonzepts sollen für diese technikunerfahrene
Zielgruppe digitale Zugänge wie Tablets und Inter- Im Fokus dieses Projekts stehen bildungstheoreti-
net erschlossen und sowohl Bildungsangebote wie sche Grundsatzfragen, wie z. B. die Erfassung (digi-
auch Teilhabe- und Teilgabeangebote im Sozial- taler) Bildungs- und Aneignungsprozesse mit bio-
raum entwickelt werden. Darüber hinaus gilt es spe- graphischen und problemzentrierten Interviews bei
ziell für das digitale Ehrenamt im Alter (Technik- Bewohner*innen aus seniorenspezifischen Wohn-
und Lernbegleitende) digitale Formate zur Vernet- formen. Zudem werden im Projektverlauf Aspekte
zung und Weiterbildung (z. B. Online-Plattformen) sozialer Teilhabe beleuchtet und der Effekt der
zu untersuchen und zu implementieren.
Das Forschungsprojekt startet zunächst in Baden-
Württemberg und Rheinland-Pfalz an strukturstar-
ken Standorten der Praxispartner und vorrangig in
Betreuten Wohnanlagen mit integrierten Pflege
angeboten. Die Forschungsbefunde und die daraus
entwickelten Bildungs- und Handlungskonzepte
münden (nach drei Jahren) in ein Transferkonzept,
das bundesweit auf weitere Wohnformen von Trä-
gern der Altenhilfe (insbesondere ambulante und
stationäre Pflege) skaliert werden soll und hierbei
auch weitere Bildungsträger (z.B. Volkshochschu-
len, Senioren-Universitäten) einbeziehen möchte.
Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von fünf
Jahren (09/2020–08/2025) und wird gefördert
151 2022
Im Juli 2021 fand ein Verbund-
und Beiratstreffen an der Univer-
sität Heidelberg statt.
ntwickelten Bildungsformate auf sozialräumlicher
e Koordination der quantitativen Methoden und Pro-
Ebene analysiert. Zudem übernimmt dieses Teilpro- zessabläufe. Neben dem Pflegewissenschaftler Da-
jekt im Gesamtprojekt die Koordination der qualita- vid Leopold (»Habitus und Digitalisierung im hohen
tiven Methoden und Prozessabläufe. Alter«) strebt auch die Gesundheitswissenschaftle-
Im Rahmen des Teilprojekts entstehen zwei Doktor- rin Linda Göbl eine Promotion an (»Digitale Ge-
arbeiten von Akademischen Mitarbeiter*innen am sundheitskompetenz im Alter«).
IAF: der Gerontologe und Sozialarbeiter Tjard de Im Rahmen des Teilprojekts starteten im Frühjahr
Vries promoviert zur »Identitätsarbeit älterer Men- 2021 drei quantitative Basisstudien, die derzeit
schen in einer digitalisierten Welt« und die Bil- ausgewertet und publiziert werden sollen: So wur-
dungswissenschaftlerin Christina Klank zu »Offliner den onlinebasiert 133 Leitungskräfte aus Einrich-
sein – Offliner bleiben?«. tungen des Betreuten Wohnens und der stationären
Die Datenerhebung zu den Bildungsbiographien Altenpflege zum Grad der Digitalisierung ihrer Ein-
hat im Frühjahr 2021 begonnen und die ersten Aus- richtungen befragt. Parallel wurden über 100 Perso-
wertungen finden derzeit statt. Bis zum Ende des nen aus Einrichtungen des Betreuten Wohnens –
Jahres 2022 sollen ca. 40 von angestrebten 70 Bil- vorrangig aus der Ev. Heimstiftung BW – mittels
dungsbiographien erhoben werden. Die Auswer- Telefonbefragung zu deren (digitalen) Mediennut-
tungen konzentrieren sich vor allem auf die Gestal- zung, digitalen Kompetenzen und Alltagsaktivitä-
tung erster Fallporträts und die Rekonstruktion der ten erfasst. Darüber hinaus konnten in einer On-
gesamten Bildungsbiographie mit der Frage, wie line-Befragung bundesweit über 330 bildungs
sich dort insbesondere die Selbstdefinition des Off- affine, davon 170 ehrenamtlich tätige Technikbe-
liner-Seins einwebt. Für den Teilbereich der Sozial- gleiter*innen, zu ihrer Digitalen Bildung und ihren
raumanalyse sind in diesem Jahr die Entwicklung Kompetenzen untersucht werden.
der Instrumente und erste Datenerhebungen ge- Das Verbundprojekt hat eine eigene Nachwuchs-
plant. gruppe mit derzeit sechs Promovierenden und wei-
teren Master- und Bachelorqualifikant*innen, die
von einem multidisziplinären Projektbeirat (u.a.
Teilprojekt »Mediengerontologische Forschung«
Prof.in Dr. em. Cornelia Kricheldorff, ehemals Pro-
Im Fokus steht zum einen Grundlagenforschung in rektorin für Forschung der KH Freiburg) begleitet
Bezug auf die Digitalisierung von Einrichtungen der werden. Das Projekt bietet auch Studierenden an
Altenhilfe und deren Bewohnerschaft und in Bezug der KH Freiburg Möglichkeiten für qualitative und
auf das »Digitale Ehrenamt« im Alter (u. a. digital quantitative Abschlussarbeiten.
literacy). Zum anderen sollen in beiden Personen-
FORSCHUNG
gruppen der Techniknoviz*innen und Technikbe-
gleitenden Wirkeffekte und Mediatisierungsprozes- Prof. Dr. Michael Doh ist seit dem Sommer
semester 2021 Professor für Digitale Transfor-
se (u.a. soziale Teilhabe, bürgerschaftliche Partizi- mation im Sozial- und Gesundheitswesen an
pation, Obsoleszenz, Selbstwirksamkeit, Altersbild, der Katholischen Hochschule Freiburg.
Lebenszufriedenheit) infolge des partizipativ ange-
legten Begleitungkonzepts längsschnittlich unter-
sucht werden. Im Verbundprojekt übernimmt es die
161 2022
Lokal studieren – global qualifizieren
DAAD fördert Projekt zu Stärkung der Internationalisierung
Der Deutsche Akademische Austauschdienst
(DAAD) hat im Rahmen der Programmlinie »HAW.In-
ternational« mit QISS ein bedeutendes Projekt zur
Internationalisierung der Katholischen Hochschule
Freiburg. Das Projekt QISS (»Querschnittsaufgabe
Internationalisierungsstrukturen sichern«) hat eine
Laufzeit von zwei Jahren und wird von Prof.in Dr.
Nausikaa Schirilla gemeinsam mit den Prorek-
tor*innen Prof.in Dr. Ines Himmelsbach und Prof.
Dr. Hauke Schumann geleitet.
Das Projekt wurde beantragt, um die Internationali-
sierung der Hochschule in der Breite zu verankern
und dabei bestimmte Aspekte der Internationalisie-
rung der Hochschule weiter auszubauen. Die KH
verfügt bereits über viele lebendige internationale
Partnerschaften mit anderen Hochschulen und Uni-
versitäten, sowie über zahlreiche Formate und Pro-
jekte zur Internationalisierung. Das Ziel von QISS innovative internationale Formate in der Lehre wei-
besteht nun darin, Internationalisierung stärker terzuentwickeln und auf die Forschung auszuwei-
und systematisch in die laufenden Prozesse der ten. Dazu müssen allgemein und in manchen Studi-
Hochschule und in alle relevanten Bereiche zu inte- enbereichen auch speziell neue Formate der Lehre
grieren. In Planung sind dafür konkrete Maßnah- und Mobilität entwickelt werden. Die Digitalisie-
men wie ein internationales Gastprogramm für Pra- rung eröffnet dahingehend ganz neue Möglichkei-
xissemester und eine internationale Praxisstellen- ten wie gemeinsame virtuelle Module oder Semina-
datei. Diese Maßnahmen sollen zu einer Verbesse- re mit einer Partnerhochschule.
rung der englischen Lehrangebote und zur Attrakti- Das Ziel des Projektes QISS ist auch der Aufbau ei-
vität von Auslandssemestern und Lehre im Ausland ner Willkommenskultur für Studierende und Dozie-
beitragen. In diesem Zuge ist auch die Übersetzung rende aus unseren Partnerhochschulen. Eine er-
der Website geplant, sodass zentrale Informationen folgreiche Umsetzung bedeutet dabei, dass Inco-
auf Englisch abrufbar sind. Außerdem soll die Etab- mings nicht in kleinen Gruppen »am Rande sitzen«
lierung internationaler Forschungspraktika voran- oder Gastdozierende nicht vor kleinen Truppen
getrieben werden. »Aufrechter« lehren müssen.
Mit diesen Vorhaben soll sichergestellt werden, In den ersten Schritten soll die Internationalisie-
dass nachhaltige Strukturen als Grundlage der In- rungsstrategie der Hochschule in Theorie und Pra-
ternationalisierung aufgebaut werden. Internatio- xis überarbeitet und angepasst werden – wir hof-
nale Aktivitäten – ob ein Auslandssemester, Lehre fen, dies in einem partizipativen Prozess zu reali-
im Ausland oder ein Forschungsaufenthalt – sollen sieren und wünschen uns, dass möglichst viele Mit-
sichtbarer, besser anerkannt und auch materiell glieder der Hochschule ihre Wünsche, Bedürfnisse
INTERNATIONALES
besser unterstützt werden. Mobilität – also z. B. ein und Verbesserungsvorschläge einbringen.
Auslandsbesuch – soll für alle Hochschulangehörigen
inkl. Verwaltungsmitarbeiter*innen und Forschende
ermöglicht werden. Prof.in Dr. Nausikaa Schirilla ist Professorin
für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Migration
Mit dem Projekt QISS werden die vielen bereits be- und interkulturelle Kompetenz an der Katholi-
stehenden Ansätze der Internationalisierung an der schen Hochschule Freiburg.
KH, wozu auch die alle zwei Jahre stattfindende »In-
ternational Week« zählt, konzeptionell und strate-
gisch ausgedehnt und in allen Bereichen der Hoch-
schule integriert werden. Es kommt darauf an, neue
17Sie können auch lesen