Bund der Deutschen Katholischen Jugend - Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes zur BDKJ-Hauptversammlung 2020
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Bund der Deutschen Katholischen Jugend Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes zur BDKJ-Hauptversammlung 2020
BDKJ-Hauptversammlung 2020
Vorwort
Liebe Delegierte der BDKJ-Hauptversammlung,
liebe Interessierte an der Arbeit des BDKJ-Bundesvorstands,
Ein bewegendes Jahr geht zu Ende und für den BDKJ Bundesvorstand war extrem viel
Bewegung drin!
Vor 12 Monaten hätten wir nicht gedacht, dass wir nach diesem Jahr nur noch als halber
Bundesvorstand vor der Hauptversammlung sitzen würden. Wir hätten aber auch nicht
gedacht, dass die Engagierten der 72 Stunden-Aktion einen Bambi gewinnen — WIR sind
Bambi, dass wir mit einer unfassbar starken Gruppe junger Menschen Teil des Synodalen
Weges sind oder dass wir erstmals Gremiensitzungen wegen eines Virus absagen oder
verschieben müssen.
Auch in Politik, Kirche und Gesellschaft hat sich im vergangenen Jahr viel bewegt, das wir
als BDKJ aktiv mitgestaltet haben. Das kirchenpolitische Geschehen war maßgeblich geprägt
von den Vorbereitungen zum Synodalen Weg und von der ersten Synodalversammlung. Eine
Stimmung des Aufbruchs und der Wille nach Veränderung und Zukunftsfähigkeit stimmen
uns für die kommenden Jahre hoffnungsvoll. Auch in unserer Gesellschaft sind wir in Zeiten
der Krise wieder näher zusammengerückt, was beispielsweise durch die große Solidarität
mit anderen schutzbedürftigen Menschen — beispielsweise durch das Erledigen von
Einkäufen — sichtbar geworden ist.
Die vergangenen Monate waren anstrengend und haben uns einiges abverlangt. Wir haben
aber vieles mit der Unterstützung aus den Jugend- und Diözesanverbänden und der hohen
Einsatzbereitschaft der BDKJ-Bundesstelle leisten können. Wir mussten aber leider in den
vergangenen Monaten auch bewusst auf weitere Veranstaltungsplanungen verzichten, um
das Tagesgeschäft und die Arbeit am Synodalen Weg, im Bereich der Aufarbeitung und
Intervention sexualisierter Gewalt und relevante anstehende Gesetzgebungsprozesse
entsprechend weiter verfolgen zu können.
Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass wir auch in schwierigen Situationen gemeinsam
viel erreichen können, wenn wir zusammenhalten und unsere Kräfte bündeln. Für die
geleistete Arbeit im vergangenen Jahr und für die großartige Unterstützung, insbesondere
in den vergangenen Wochen und Monaten, möchten wir all denjenigen danken, die ihren
Beitrag dazu geleistet haben, dass der BDKJ seine Arbeit trotz aller äußeren Umstände so
gut leisten konnte! DANKE!
Euer BDKJ-Bundesvorstand
Lisi Maier Katharin Norpoth
BDKJ-Bundesvorsitzende BDKJ-Bundesvorsitzende
3BDKJ-Hauptversammlung 2020
Inhalt
Vorwort .............................................................................3
A Politik und Gesellschaft...................................................5
1 Jugendpolitik.................................................................6
2 Kinder- und Jugendhilfepolitik ...........................................7
3 Politische Kontakte .........................................................9
4 Mädchen- und Frauenpolitik ..............................................9
5 Europäische Jugendpolitik .............................................. 10
6 Internationale Jugendarbeit und -politik ............................. 12
7 Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ........................................ 15
8 Ehrenamts- und Engagementpolitik.................................... 18
9 Freiwilligendienste........................................................ 19
10 Diversität................................................................... 22
11 Entwicklungspolitik und Nachhaltigkeit................................ 22
12 Friedensethik und Soldat*innenfragen ................................ 25
13 Wichtige Vertretungsgremien in Politik & Gesellschaft............. 27
B Kirche und Jugendpastoral............................................. 33
1 Nachklang Jugendsynode ................................................ 34
2 Kirchenpolitische Strategie U28 ........................................ 34
3 Kirchenpolitische Vernetzung............................................ 35
3.1 KPV.......................................................................... 35
4 Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt am Main............... 36
5 Synodaler Weg ............................................................ 36
6 Aktion Dreikönigssingen 2020 ........................................... 39
7 Ökumenischer Kreuzweg der Jugend .................................. 40
8 Wichtige Vertretungsgremien in Kirche & Pastoral................... 40
9 Novellierung der jugendpastoralen Leitlinien der DBK ............. 43
10 Jugendbibel ................................................................ 43
C Dachverband.............................................................. 44
1 Öffentlichkeitsarbeit ..................................................... 44
2 Datenschutz ............................................................... 46
3 72-Stunden-Aktion 2019 ................................................. 46
4 Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen
Jugendverbandsarbeit ................................................... 48
5 Verbandsaufbau ........................................................... 49
6 AG Ministrant*innen ...................................................... 50
7 Sinus-Jugendstudie U18 „Wie ticken Jugendliche 2020?“ .......... 50
8 Digitalität................................................................... 51
9 Rechtsträger des Bundesverbands und weitere Mitträgerschaften .51
Anhang: Abkürzungen und Fachbegriffe................................... 54
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
4BDKJ-Hauptversammlung 2020
A Politik und Gesellschaft 1
2
3
Im zurückliegenden Berichtszeitraum waren für den BDKJ-Bundesvorstand im gesellschafts 4
politischen Bereich insbesondere folgende drei Aspekte handlungsleitend: 5
6
- Das Erstarken rechtsextremer Kräfte im politischen Raum und die daraus folgende 7
rechtsterroristische Gewalt im außerparlamentarischen Raum — und unsere An 8
strengungen, im gesellschaftlichen, politischen und innerkirchlichen Diskurs den 9
antidemokratischen, antifeministischen und menschenfeindlichen Akzentsetzungen 10
mit unseren Vorstellungen einer demokratischen, vielfältigen und gerechten 11
Gesellschaft entgegenzutreten. 12
13
- Der starke Fokus auf Klimapolitik und Nachhaltigkeitsfragen als Zukunftsfragen der 14
Jugend und unserer gesamten Gesellschaft. Dazu gehört auch das daraus erwach- 15
sende Engagement, was tausende junge Menschen — auch aus unseren Strukturen 16
und mit der strukturellen Unterstützung von Umwelt- und 17
Naturschutzjugendverbänden — auf die Straße getragen haben und damit die 18
Lobbyaktivitäten u. a. unserer Verbandsvertreter*innen entsprechend gestärkt 19
haben. 20
21
- Die Begleitung von Gesetzgebungsprozessen, die die Rahmenbedingungen für das 22
ehrenamtliche Engagement beeinflussen werden. Dazu zählen neben dem Masern 23
schutzgesetz und der SGB VIII-Reform auch die Errichtung einer Ehrenamts- und 24
Engagementstiftung. 25
26
Prozesse und Veranstaltungsvorbereitungen, die aktuell bereits viele Arbeitsressourcen 27
binden sind der Kinder- und Jugendarbeitskongress in Nürnberg im September 2020, bei 28
dem der BDKJ einige Veranstaltungen anbieten wird, der Deutsche Kinder- und Jugend 29
hilfetag in Essen 2021 und die Veranstaltungen im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft. 30
In diesem Bericht wird auf diese Arbeitsbereiche noch nicht ausführlich eingegangen, 31
sondern erst im Nachgang zu den Veranstaltungen im Mai 2021. 32
33
Grundsätzlich gelingt es dem BDKJ über seine Netzwerke, aber auch als eigenständiger 34
Akteur in viele dieser Prozesse gut eingebunden zu werden. Dennoch muss festgestellt 35
werden, dass viele zivilgesellschaftliche Strukturen in Deutschland immer mehr unter Druck 36
geraten und sich dadurch auch Verwaltungshandeln vor Ort, aber auch auf höheren Ebenen 37
verändert. Teilweise werden in vorauseilendem Gehorsam aufgrund der Erstarkung rechter 38
Kräfte und entsprechender Anfragen in den Parlamenten Förderungen hinterfragt. Teilweise 39
wird aus mangelndem Subsidiaritätsverständnis das Trägerprinzip außer Kraft gesetzt und 40
auch in der Engagementpolitik mehr staatlich gesteuert. Teilweise wird aus mangelndem 41
Wissen, was Jugend(verbands)arbeit ist und leistet, an den falschen Stellen gespart. 42
43
Als Jugendverbände gilt es hier wachsam zu sein und sich selbst sichtbar zu machen, wie 44
es uns über die 72- Stunden-Aktion äußerst erfolgreich gelungen ist. Viele der oben 45
benannten und befürchteten Entwicklungen für Jugendverbände sind in teilweise viel 46
drastischerem Ausmaß in Nachbarländern seh- und spürbar. Hier gilt es im europäischen 47
und internationalen Kontext solidarisch zu sein und selbstorganisierte katholische 48
Strukturen außerhalb Deutschlands zu unterstützen und zu stärken, damit der „shrinking 49
space for civil society“ nicht noch immer kleiner wird. 50
51
52
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
5BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 1 Jugendpolitik
2
3 1.1 Eigenständige Jugendpolitik in Deutschland
4
5 Die Jubiläumsfachtagung „10 Jahre eigenständige Jugendpolitik“ der Arbeitsstelle
6 Eigenständige Jugendpolitik der AGJ fand am 30. Oktober 2019 in Berlin statt. Der
7 Bundesvorstand konnte über den DBJR daran teilnehmen und war für den Deutschen
8 Bundesjugendring auf einem Podium vertreten. Dort ging es insbesondere um den Wandel
9 und die Erfolge, aber auch die noch zu erfüllenden Pakete der Eigenständigen
10 Jugendpolitik.
11
12 Gemeinsam wollen die Bundesministerien künftig „gute Politik für Jugend machen,
13 gemeinsam mit Jugend Politik gestalten und offen sein für selbstbestimmte Politik von
14 Jugend“. Die Bundesregierung will gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen, also allen
15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen die gleichen Chancen und Möglichkeiten eröffnen,
16 ihre Zukunft in allen Regionen Deutschlands mitzugestalten. Dazu sind in der Strategie
17 neun Handlungsfelder beschrieben. Es geht um Zukunft, Generationendialog und Jugend
18 bilder, um Beteiligung, Engagement und Demokratie, um Stadt und Land, Wohnen und
19 Kultur. Es geht um Vielfalt und Teilhabe, um Bildung, Arbeit und Freiräume, um Mobilität
20 und Digitales. Und nicht zuletzt geht es um Umwelt, Gesundheit, um Europa und die Welt.
21
22 Die Jugendstrategie der Bundesregierung wurde am 3. Dezember 2019 vom Kabinett
23 beschlossen. In der Jugendstrategie wird der Jugend-Check als freiwilliges und unterstüt-
24 zendes Beispiel zur Überprüfung von Gesetzesentwürfen der Bundesregierung beschrieben.
25 Im Rahmen der Veranstaltung, bei der die Jugendstrategie von Jugendministerin Franziska
26 Giffey an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben wurde, konnten acht Personen aus den
27 BDKJ-Jugendverbänden teilnehmen und wurden ins Bundeskanzleramt eingeladen.
28
29 Der Jugend-Check kommt uns in der Strategie eindeutig zu kurz. Er wird lediglich als
30 Beispiel aufgeführt, wie Gesetzentwürfe der Bundesregierung anhand einer standardi-
31 sierten Methodik auf mögliche Auswirkungen auf die Lebenslagen junger Menschen
32 zwischen zwölf und 27 Jahren überprüft werden können. Er wird als freiwilliges
33 Beratungs- und Unterstützungsangebot für andere Ressorts beschrieben, was dem
34 BDKJ eindeutig zu wenig ist.
35
36 Der Jugend-Check muss ein verpflichtendes Instrument für die Bundesregierung werden.
37 Dann wird unsere Forderung aus der Strategie „U28 — Die Zukunft lacht“ auch entspre-
38 chend umgesetzt und ernstgenommen.
39
40 1.2 Kinder- und Jugendbeteiligung
41
42 Die BDKJ-Hauptversammlung 2018 hat die Einrichtung einer AG Kinder- und Jugend
43 beteiligung bis zur Hauptversammlung 2019 beschlossen, die 2019 mit konkreten
44 Arbeitsaufträgen bis Mai 2020 verlängert wurde. Der AG gehören Ozan Ardicoglu (KSJ),
45 Marc Eickelkamp (KjG), Alexandra Guserle (BDKJ DV Rottenburg-Stuttgart), Eva Jelen
46 (BDKJ Bayern), Lena Schmidt (BDKJ DV Speyer), Benedikt Walzel (BDKJ DV Hildesheim),
47 Yvonne Everhartz (Bundesstelle), Vanessa Hüfner (Bundesstelle, Elternzeitvertretung von
48 Yvonne Everhartz) und Lisi Maier (Bundesvorsitzende) an.
49
50 Im Sommer 2019 ist ein BDKJ.konkret zum Thema „Jugendbeteiligung — Aufräumen mit
51 dem Mythos der unpolitischen Jugend“ erschienen. Am 21. September 2019 veranstaltete
52 die AG im Rahmen des Fachtags zu „Kirche U28“ einen Workshop zu „Wie geht
53 Jugendbeteiligung?“. Von Erfolgsfaktoren für eine gute Jugendbeteiligung bis zu
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
6BDKJ-Hauptversammlung 2020
Best-Practice-Beispielen wurden praxisnah Schritte zur Umsetzung in eigene Strukturen 1
vorgestellt und erarbeitet. 2
3
Im Herbst fanden mehrere Gespräche zum Beschluss „jugend.beteiligen.jetzt“ auch mit 4
Unterstützung von Mitgliedern der AG Jugendbeteiligung im Bundestag statt. Herausgehoben 5
wurden die Forderungen, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen und Beteiligungs 6
formate für Kinder, Jugendliche und junge Menschen zu schaffen. 7
8
Auf der Homepage des BDKJ soll eine Unterseite entstehen, auf der Best-Practice- 9
Beispiele für gelingende Jugendbeteiligung eingestellt werden. Dies ist aufgrund der 10
hohen Arbeitsbelastung und des personellen Wechsels im Referat Jugendpolitik noch nicht 11
vollzogen worden. 12
13
Im Verlauf der Arbeit hat sich sehr deutlich herauskristallisiert, dass die Arbeitsaufträge 14
zwar sehr konkret waren, das Feld der Jugendbeteiligung aber sehr umfangreich ist. 15
Grundsätzlich wurde der Austausch zu den verschiedenen Feldern der Jugendbeteiligung 16
und Jugendpolitik auch über die konkreten Fragestellungen hinaus von den 17
AG-Mitgliedern als äußerst hilfreich bewertet. 18
19
Aufgrund der Auswertung durch die AG und den Bundesvorstand schlägt der Bundesvorstand 20
insbesondere mit Bezug auf das Superwahljahr 2021 eine Implementierung einer offenen 21
jugendpolitischen Vernetzungsrunde vor. Diese soll sich sowohl physisch wie auch telefo- 22
nisch vernetzen und über aktuelle jugendpolitische Entwicklungen austauschen. 23
24
2 Kinder- und Jugendhilfepolitik 25
26
2.1 Prävention sexualisierter Gewalt 27
28
Ende November veranstalteten afj und BDKJ das regelmäßig stattfindende Vernetzungs 29
treffen zur Prävention Sexualisierter Gewalt mit den Referentinnen Dr. Andrea Redeker 30
(Präventionsbeauftragte im Bistum Essen) und Doris Eberhardt (Stabsstelle Intervention 31
und Prävention im Bistum Münster). 32
33
Auf dem Vernetzungstreffen wurde die „Rahmenordnung — Prävention gegen sexualisierte 34
Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der 35
Deutschen Bischofskonferenz“ und die zweite Überarbeitung der Leitlinien der DBK von Dr. 36
Andrea Redeker vorgestellt. Es folgte ein Input von Doris Eberhardt zu einem der wichtigs- 37
ten Bausteine der Präventionsarbeit in Institutionen — die „Institutionellen Schutzkonzepte“. 38
Zudem befasste sich der BDKJ-Hauptausschuss seit Juni 2019 mit den bisherigen Beschlusslagen 39
zur Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und passte diese auf 40
aktuelle Gesetzeslagen an. Eine entsprechende Übersicht verabschiedete der BDKJ- 41
Hauptausschuss in seiner Februar-Sitzung 2020. Im Berichtszeitraum fand auch ein 42
Gespräch mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des 43
sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) an. Dieser machte deutlich, wie notwendig inner- 44
kirchlich die Expertise der Jugendverbandsarbeit aus seiner Sicht für eine gute und 45
verlässliche Weiterentwicklung der Präventions- und Interventionsarbeit ist. 46
47
Sowohl aus dem fachlichen, wie auch aus dem politischen Kontext wurde im vergange- 48
nen Jahr vielfach betont, wie hilfreich für die Präventionsbeauftragten der BDKJ- 49
Strukturen und Verantwortliche der Diözesen die Vernetzung im Themenfeld ist. Auch 50
von Seiten des Bundesvorstands wird die Vernetzung und gegenseitige Information als 51
ein wichtiger Schritt angesehen. Gleichzeitig wird immer wieder deutlich, dass die 52
Verbände, aber auch Diözesanstrukturen in sehr unterschiedlichen Tempi und mit sehr 53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
7BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 unterschiedlichen personellen und finanziellen Ressourcen unterwegs sind — was sich
2 beispielsweise auch durch sehr unterschiedliche Stundenumfänge und Arbeitsfelder
3 zur Präventionsarbeit in den DVs zeigt.
4
5 Im kommenden Zeitraum werden erhöhte Ressourcen für den Bereich Aufarbeitung (siehe
6 Kapitel C, Dachverband) von Seiten des Bundesvorstands aufgewandt werden. Dies wird
7 eine entsprechend gute Basis sein, um darauf aufbauend die Präventions- und Inter
8 ventionskonzepte unserer Strukturen zu überprüfen und gegebenenfalls neu auszurichten.
9 Zudem wird innerhalb der BDKJ-Bundesstelle das Interventionskonzept zur Prävention
10 sexualisierter Gewalt an die neue Rahmenordnung und die neuen Leitlinien implemen-
11 tiert. Zudem werden über JHD Bildung Schulungen für Mitarbeitende unserer
12 Jugendverbände und darüber hinaus angeboten.
13
14 2.2 SGB VIII-Reform
15
16 Zur Reform des SGB VIII hat die Bundesregierung einen erneuten Anlauf genommen. Das
17 Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat einen Dialog
18 prozess vorgeschaltet, der 2019 in verschiedenen Formaten vier Themenschwerpunkte
19 behandelt hat. Die Themen waren „Besserer Kinderschutz und mehr Kooperation“,
20 „Fremdunterbringung: Kinderinteressen wahren — Eltern unterstützen — Familien stärken“,
21 „Prävention im Sozialraum stärken“ und „Mehr Inklusion/wirksames Hilfesystem/weniger
22 Schnittstellen“. Die Jugendhilfe aber auch die Behindertenhilfe und die Gesundheitshilfe
23 konnten in den verschiedenen Formaten am Dialogprozess mitwirken. In regionalen
24 Fokusgruppen waren Vertreter*innen der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit dabei.
25 Hier wurden die vier Themenbereiche kurz angerissen, behandelt und es konnten Impulse
26 in den Prozess gegeben werden. Kernpunkt war die Arbeitsgemeinschaft von 50 Expert*innen
27 aus der Jugendhilfe. Diese AG wurde Schritt für Schritt erweitert. Unter der Leitung von
28 Staatssekretärin Caren Marks hat die AG die vier Themenbereiche behandelt und hierzu
29 Impulspapiere aus dem Ministerium besprochen und bewertet. Der DBJR war in der AG
30 vertreten, die Jugendsozialarbeit war nicht in der AG vertreten. Themen aus der
31 Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit waren nur am Rande der verschiedenen Formate
32 Thema. Es wird zukünftig auch darum gehen, die Inklusion in allen Bereichen der
33 Jugendhilfe zum Thema zu machen und entsprechend die Jugendhilfe in eine inklusive
34 Jugendhilfe umzuwandeln.
35
36 Der BDKJ ist für die Weiterentwicklung des SGB VIII federführend in der katholischen
37 Jugendsozialarbeit dafür zuständig und hat mit der Geschäftsstelle der BAG KJS den
38 RatschlAG SGB VIII als Beratungsstruktur genutzt. In mehreren Sitzungen und
39 Telefonkonferenzen wurden die Impulspapiere zu den Sitzungen der bundeszentralen
40 Arbeitsgruppe bewertet, behandelt und Positionen hierzu versucht einzuspeisen.
41 Außerdem wurden die Verknüpfungen zum BVKE (Bundesverband katholischer
42 Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen) verstärkt und hier gemeinsame
43 Anknüpfungspunkte und eine gemeinsame Vorgehensweise ausgelotet und gesucht.
44
45 Der Beteiligungs- und Dialogprozess im Rahmen „Mitreden − mitgestalten“ wird vom
46 Bundesvorstand als ein richtiger Ansatz bewertet. Wie erwartet haben allerdings
47 Akteure aus anderen Feldern der Jugendhilfe und außerhalb der Jugendhilfe den
48 Dialogprozess stärker dominiert als aus unserer Perspektive hilfreich ist. Positiv zu
49 bewerten ist, dass das Ministerium sich sehr deutlich für eine inklusive Lösung ausge-
50 sprochen hat und sich somit nochmals an dieses dicke, aber aus unserer Sicht notwen-
51 dige Brett heran traut.
52
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Auf Basis der Ergebnisse des Dialogprozesses wird es einen Gesetzesentwurf geben. Dieser 1
muss ab Frühjahr 2020 durch den Bundesvorstand bewertet und entsprechend intensiv 2
begleitet werden. Hierzu soll mit anderen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe 3
kooperiert werden. Die politische Lobbyarbeit zum Kinder- und Jugendhilfegesetz wird im 4
Jahre 2020 ein wichtiges Thema sein. 5
6
3 Politische Kontakte 7
8
Im vergangenen Jahr konnten an unterschiedlichen Stellen wieder etliche Gespräche mit 9
Abgeordneten des Deutschen Bundestags und des Europaparlaments geführt werden. Zudem 10
spielte die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden und politischen Akteuren der Ministerien 11
eine bedeutende Rolle. Das BMFSFJ ist in jugend- und förderpolitischen Anliegen der wich- 12
tigste Ansprechpartner des Bundesvorstands. Doch auch mit dem Bundesministerium für 13
Arbeit und Soziales (BMAS), dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und 14
Entwicklung (BMZ) und dem Auswärtigen Amt gab es im zurückliegenden Berichtszeitraum 15
viele Berührungspunkte. Gut waren auch verschiedene Kontakte in die Parteizentralen, so 16
bezogen auf die Freiwilligendienst-/Pflichtdienstdebatte zum CDU-Parteivorstand, zum 17
Thema Kinderarmut zum Parteivorstand der Linken, zu frauenpolitischen Fragestellungen 18
zu den stellvertretenden Parteivorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen und zu jugend-, 19
sozial- und bildungspolitischen Fragestellungen zum Parteivorstand der SPD und den 20
Mitarbeitenden des Willy-Brandt-Hauses. 21
22
Wir bewerten die Kontakte im vergangenen Jahr als äußerst positiv. Die Kontakte im 23
Bereich Jugendpolitik sowie Arbeit und Soziales wurden an unterschiedlichen Stellen 24
verstetigt. Vor allem im Kontext der 72-Stunden-Aktion konnten wieder gute 25
Verbindungen aufgebaut werden. 26
27
Nun gilt es die positiven Effekte der 72-Stunden-Aktion entsprechend zu nutzen und die 28
Politiker*innen auch im Nachgang an den BDKJ zu binden. Insbesondere im Vorfeld der 29
Bundestagswahlen gilt es zu den Parteizentralen weiterhin einen guten Draht zu halten, 30
um gegebenenfalls auch die Wahlprogramme mitgestalten zu können — oder Schlimmeres 31
(beispielsweise Pflichtdienst) zu verhindern. 32
33
4 Mädchen- und Frauenpolitik 34
35
Die seit mehr als 20 Jahren stagnierende bzw. seit dieser Legislaturperiode wieder rück- 36
läufige Frauenrepräsentanz in allen Parlamenten hat Frauen innerhalb und außerhalb der 37
Parlamente auf den Plan gerufen: Bis zu den nächsten Bundestagswahlen forderten sie 38
eine Wahlrechtsreform, die auch Geschlechterparität auf der Agenda hat. Die entspre- 39
chende Kampagne des Deutschen Frauenrats heißt: #mehrfrauenindieparlamente. Die 40
Bundesfrauenkonferenz hat sich der Forderung 2019 angeschlossen. Da sich die Parteien 41
bislang nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten, sieht es aber gerade so aus, als 42
würde gar keine Wahlrechtsreform in dieser Legislaturperiode mehr abgestimmt werden 43
können. Der BDKJ hat in einigen Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten und im Rahmen 44
verschiedener Parlamentarischer Gespräche, die vom Frauenrat initiiert waren, die 45
diesbezügliche Haltung deutlich gemacht. 46
47
Der BDKJ wurde im vergangenen Jahr oftmals angefragt, sich zu Verbindungen zwischen 48
Antifeminismus und rechtsextremistischem und antidemokratischem Gedankengut zu 49
äußern. Zudem hat der BDKJ an einer Studie zu antifeministischen Strömungen teilgenom- 50
men, die von der Amadeo Antonio Stiftung erstellt wurde. 51
52
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9BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 Lisi Maier (Bundesvorsitzende) war Teil der Jury des Marie-Juchacz-Preises, der am 8. März
2 2020, dem Internationalen Frauentag, an Marlies Krämer verliehen wurde.
3
4 Ein Schwerpunkt der frauenpolitischen Aktivitäten im Berichtszeitraum lag im Bereich der
5 Kirchenpolitik. Die Amazonas-Synode, die Vorbereitung auf den Synodalen Weg und die
6 damit einhergehenden Aktivitäten durch die Bewegung Maria 2.0 spielten im vergangenen
7 Jahr eine große Rolle. Ein Fachtag zum Frauenpriestertum, der durch das Bundesfrauen
8 präsidium vorbereitet wurde, griff die Debatten mit einer hochrangig besetzten
9 Veranstaltung (u. a. mit Christiane Florin, Weihbischof Schepers, Jaqueline Straub) auf.
10
11 Der alljährliche Mädchen- und Frauenpolitische Fachtag des Frauenpräsidiums fand dieses
12 Jahr unter dem Motto „Diagnose weiblich — Mädchen- und Frauengesundheit im Fokus“ in
13 Würzburg statt. Themen waren „Menstruation ist politisch“, gesellschaftskritische Verhütung
14 und Gesundheit als Menschenrecht. Im Anschluss daran fand die Bundesfrauenkonferenz
15 statt. Beide Veranstaltungen fanden erst nach Berichtslegung statt.
16
17 Frauenpolitisch konnte erneut eine hohe Aufmerksamkeit für unsere Positionen und
18 Beschlusslagen erreicht werden. Der BDKJ ist innerkirchlich, aber immer auch gesell-
19 schaftspolitisch als starker frauenpolitischer Akteur sichtbar. Insbesondere die Vor
20 bereitung und Durchführung des „Fachtags Frauenpriestertum“ ermöglichte viele
21 Kontakte zu relevanten Akteur*innen und Journalist*innen, woraus sich zahlreiche
22 Pressekontakte und Interviewanfragen im Nachgang ergaben.
23
24 Sicherlich gilt es im kommenden Jahr auch die kirchenpolitischen Entwicklungen im
25 Rahmen des Synodalen Wegs weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Dennoch wird der
26 Fokus insbesondere in Hinblick der näher rückenden Bundestagswahl 2021 auf den frauen-
27 politischen Entwicklungen in Staat und Gesellschaft liegen. Zudem gilt es in den kommen-
28 den Monaten die gemeinsamen Gleichstellungsstrategien mit der Frauenministerin zu
29 unterstützen.
30
31 5 Europäische Jugendpolitik
32
33 Die Wahlen zum Europaparlament fanden am gleichen Wochenende wie die 72-Stunden-
34 Aktion, am 24. Mai 2019, statt und wurden auch im Rahmen dieser thematisiert. Im Vorfeld
35 hatte eine kleine Arbeitsgruppe Aktionsvorschläge erarbeitet, die auf der Homepage vorge-
36 stellt wurden. Zudem flankierte eine Postkartenaktion die Positionen des BDKJ zur Europa
37 wahl. Die Positionen waren im Rahmen der BDKJ-Hauptversammlung verabschiedet worden.
38
39 Die Vernetzung auf europäischer Ebene wurde durch regelmäßige Kontakte im Rahmen der
40 COMECE Youth Platform, die von Seiten vor ca. zwei Jahren das erste Mal durch die COMECE
41 initiiert wurde, unterstützt. Verschiedene Jugendverbände, die auf europäischer Ebene
42 agieren, haben sich dort zusammengeschlossen und tauschen sich über ihre Aktivitäten
43 sowie über aktuelle Entwicklungen der Europapolitik aus. Im vergangenen Jahr wurde die
44 Zusammenarbeit in diesem Kreis durch Telefonkonferenzen in regelmäßigen Abständen von
45 drei bis vier Monaten intensiviert. Die Telefonkonferenzen fanden im Berichtszeitraum drei
46 Mal statt. Ein Präsenztreffen in Brüssel ist für Mitte April geplant. Da der BDKJ keine eigene
47 europäische Ebene besitzt, aber europapolitisch an verschiedenen Stellen eingebunden ist
48 und agiert, nimmt er als ständiger Gast an diesen Treffen teil.
49
50 Seit dem 1. Dezember 2019 ist die Stelle des Referats für Europäische Jugendpolitik mit
51 Jakob Kemper besetzt. Er wurde zudem im Februar 2020 in die AG Europa des DBJR gewählt.
52
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
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Auch nach den Wahlen zum Europaparlament hat die Bedeutung der Europapolitik 1
nicht abgenommen und wurde weiterhin vom Bundesvorstand begleitet. Mit der 2
Wiederbesetzung der Stelle des Referats für Europäische Jugendpolitik konnte dies 3
noch intensiviert werden. 4
5
Die Kernaufgabe im kommenden Jahr wird darin bestehen, die EU-Ratspräsidentschaft 6
und gegebenenfalls auch den Vorsitz Deutschlands beim Europarat konstruktiv zu beglei- 7
ten und sich — wo möglich — in die dortigen Prozesse einzubringen. Dies wird u. a. im 8
Rahmen der EU-Jugendkonferenzen möglich sein, welche der DBJR durchführt. 9
10
Ebenfalls weitergeführt werden sollen der Austausch und die Vernetzung mit anderen 11
Jugendverbänden auf europäischer Ebene, die sich in der „COMECE Youth Platform“ 12
zusammengeschlossen haben. 13
14
5.1 Europabüro für katholische Jugendarbeit und Erwachsenenbildung 15
16
Gemeinsam mit der afj, der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der 17
Bundesrepublik Deutschland (AKSB e. V.), der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB 18
Deutschland e. V.) und der Europäischen Föderation für Katholische Erwachsenenbildung 19
(FEECA) trägt der BDKJ das Europabüro für katholische Jugendarbeit- und Erwachsenen 20
bildung in Brüssel. 21
22
Aufgabe des Europabüros ist die Vermittlung zwischen der katholischen Jugendarbeit in 23
Deutschland und der Jugend- und Bildungspolitik der EU. Dazu leitet das Europabüro 24
Anliegen seiner Träger an die EU weiter und kommuniziert aktuelle Entwicklungen in den 25
entsprechenden Politikfeldern zurück. Die wichtigsten Informationen über die Aktivitäten 26
des Europabüros werden auf dessen Internetseite veröffentlicht und viermal im Jahr per 27
Newsletter versandt. 28
29
Thematisch befasste sich das Europabüro mit der Vorbereitung und Durchführung einer 30
Fachtagung im Dezember 2019 (siehe nächster Abschnitt), den Ergebnissen der Europawahl 31
sowie den Themen und Zielen der Träger für 2020. Ebenfalls wurden die aktuellen Ent 32
wicklungen im Bereich von Erasmus+ und dem ESC weiterhin begleitet. Ein Schwerpunkt bei 33
Erasmus+ liegt derzeit bei Inklusion. Das Europabüro hat sich gemeinsam mit COMECE, EKD/ 34
Diakonie, aej, NEVSO, BAGFW (Caritas und DRK), EURODIACONIA und Bayerischer Jugendring 35
mit einer Stellungnahme in diesen Diskurs eingebracht. 36
37
5.2 Fachtagung 2019 38
39
Die Fachtagung vom 3. bis 4. Dezember 2019 in Brüssel trug den Titel „Partizipation und 40
Demokratie in der EU nach der Europawahl 2019: Aufgaben für die politische Bildung“. Sie 41
bestand aus verschiedenen Teilen: einer Debatte mit Dr. Corina Stratulat vom European 42
Policy Center in Brüssel und Afke Groen von der Maastricht University als Expertinnen zu 43
den Ergebnissen der Europawahl, einem Workshopteil, in dem Best-Practise-Beispiele 44
vorgestellt wurden, sowie einem Teil zu Planspielen in der Europabildung. Den Abschluss 45
vortrag hielt Märthe-Maria Stamer von der Georg-August-Universität in Göttingen zu 46
„Aufgaben für die politische Bildung“. Neben den inhaltlichen Teilen blieb auch Raum für 47
den informellen Austausch der Teilnehmenden. 48
49
Für die Kontaktarbeit vor Ort in Brüssel ist das Europabüro der fünf Träger eine sehr 50
gute Stütze. Prozesse z. B. bezüglich Erasmus+ können so direkt begleitet werden und 51
die Stimme auch des BDKJ wird dort eingebracht. Ebenfalls ist das Europabüro 52
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
11BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 ansprechbar für die Jugend- und Diözesanverbände des BDKJ und bietet Hilfestellung
2 bei der Organisation von Veranstaltungen in Brüssel.
3
4 Das Format war teilweise in englischer Sprache gehalten, was sehr gut funktioniert hat.
5 An der Fachtagung 2019 nahmen leider weniger Personen als in den Vorjahren teil,
6 was in der Steuerungsgruppe kritisch ausgewertet wurde. Gründe dafür könnten in der
7 terminlichen Situation kurz vor Weihnachten oder Attraktivität des Themas liegen.
8
9 Auch 2020 ist vom 1. bis 2. Dezember die Durchführung einer Fachtagung in Brüssel geplant.
10 Das Thema hierfür steht noch nicht fest. Zudem soll es eine weitere Fachtagung mit dem
11 Schwerpunkt „Fördermittel“ geben, die in Deutschland stattfinden soll.
12
13 6 Internationale Jugendarbeit und -politik
14
15 In enger Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Düsseldorf und der afj wird stetig das
16 Beratungs- und Informationsangebot für Träger der internationalen Jugendarbeit weiter-
17 entwickelt, um möglichst vielen Jugend(Verbands)gruppen bundesweit internationale
18 Begegnungen zu ermöglichen. Die Entwicklungen in der internationalen Jugendpolitik
19 werden weiterhin v. a. im Rahmen des DBJR beobachtet und begleitet. Hierzu zählten im
20 letzten Jahr insbesondere die Entwicklung eines deutsch-israelischen Jugendwerkes und
21 die Veröffentlichung der Zugangsstudie.
22
23 Diese Themen und deren Relevanz für den Bereich der katholischen internationalen
24 Jugendarbeit werden stetig im Rahmen des Runden Tisch Internationale Jugendarbeit
25 ausgetauscht.
26
27 Die kontinuierliche Bereitstellung von Informationen und die Beratung von Trägern ist
28 ein wichtiger Bestandteil der Arbeit im Rahmen der internationalen Jugendarbeit. Die
29 Stärkung internationaler Jugendarbeit bleibt jedoch eine Herausforderung, die hohe
30 Anstrengungen erfordert und Ressourcen bindet. Dafür ist der Runde Tisch Internationale
31 Jugendarbeit mit der afj und dem Jugendhaus Düsseldorf ein wichtiges Austauschgremium.
32
33 Der BDKJ wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus und der afj auch zukünftig
34 Anstrengungen unternehmen, um neue Träger für die internationale Jugendarbeit zu
35 gewinnen und zur Qualitätssicherung internationaler Maßnahmen beizutragen. Der BDKJ
36 wird insbesondere im Rahmen der AG Internationale Jugendpolitik des DBJR Entwicklungen
37 in diesem Feld kritisch begleiten und für die Interessen katholischer Träger eintreten.
38 Zudem werden wir uns gemeinsam mit der afj stärker in den fachpolitischen und wissen-
39 schaftlichen Diskurs einbringen, u. a. mit einer Studie zur „Religiösen Dimension in
40 internationalen Jugendbegegnungen“, welche wir beim Forscher-Praktiker-Dialog ange-
41 meldet haben, sowie — vorausgesetzt eine Zusage erfolgt — einem Forschungsbericht auf
42 dem Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg.
43
44 6.1 Methoden in der internationalen Jugendarbeit
45
46 Der in Kooperation von afj, BDKJ und Jugendhaus Düsseldorf produzierte Methodenkoffer
47 Internationale Jugendarbeit mit dem thematischen Schwerpunkt auf Kritischem Konsum
48 wurde im vergangenen Jahr sehr gut nachgefragt. Die dort enthaltenen Methoden wurden
49 bei der diesjährigen KJP-Tagung Internationale Jugendarbeit erneut in einem Workshop
50 aufgegriffen und mit den Teilnehmenden ausprobiert. Auf der KJP-Tagung war zudem ein
51 Vertreter des Koordinierungszentrums für den deutsch-israelischen Jugendaustausch
52 ConAct zu Gast, um einen Workshop zu Methoden für eine diversitätsbewusste Bildung und
53 Begegnung durchzuführen. Gemeinsam mit der afj und dem Jugendhaus Düsseldorf wurde
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
12BDKJ-Hauptversammlung 2020
in der Vergangenheit ein Konzept für individuelle Methodenschulungen entwickelt. 1
Mitarbeitende der Bundesstelle und der afj können „gebucht“ werden, um vor Ort in der 2
Diözese bei passenden Anlässen über internationale Jugendarbeit zu informieren und zu 3
einem gewünschten Thema zu beraten, beispielsweise zur finanziellen Förderung, zur 4
Partner*innenfindung, zur konkreten Planung oder zu Methoden. Eine verstärkte Werbung 5
für dieses Angebot in den sozialen Medien etc. wurde kürzlich begonnen. 6
7
Die KJP-Tagung Internationale Jugendarbeit ist auch in diesem Jahr wieder zufrie- 8
denstellend gelaufen. Aufgrund der Tatsache, dass sie bislang jedes Jahr in 9
Düsseldorf stattfindet, können aus logistischen Gründen jedoch nicht immer alle 10
daran Interessierten teilnehmen. Bezüglich des individuellen Schulungsangebotes ist 11
eine gute Bewerbung nun wichtig, um Träger von dieser Möglichkeit zu überzeugen. 12
13
Nach wie vor zeigen Träger ein großes Interesse an Methoden für internationale 14
Begegnungen, weshalb der BDKJ dahingehend auch zukünftig Schulungen etc. anbieten 15
möchte. Die Resonanz auf das individuelle Schulungsangebot bleibt derweil abzuwarten. 16
Gemeinsam mit dem Jugendhaus Düsseldorf soll überlegt werden, ob die KJP-Tagung 17
Internationale Jugendarbeit zukünftig auch im Wechsel an einem anderen Standort 18
durchgeführt werden soll. 19
20
6.2 72-Stunden-Aktion international 21
22
Bei der 72-Stunden-Aktion haben 45 internationale Partnerschaftsprojekte stattgefunden, 23
davon 15 mit Partner*innen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Es handelte sich um Projekte, 24
die parallel zwischen Partner*innen in Deutschland und im Ausland oder im Rahmen von 25
internationalen Begegnungen durchgeführt wurden. Die Projekte mit osteuropäischer 26
Beteiligung wurden von Renovabis finanziell unterstützt. Der Aktion vorausgegangen war 27
ein internationales Vernetzungstreffen mit Teilnehmenden aus Bosnien, Serbien, Slowakei, 28
Rumänien, Ukraine, Deutschland, Litauen, Österreich und Ungarn, bei welchem es zum 29
einen um ein Partnerschaftsmatching ging, zum anderen um gemeinsame Aktivitäten im 30
Rahmen der 72-Stunden-Aktion. Im Anschluss an die Aktion wurde eine separate Broschüre 31
veröffentlicht: „72 Stunden GO EAST! Dokumentation der internationalen Projekte mit 32
Partner*innen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa“. 33
34
Es hat sich gezeigt, dass die 72-Stunden-Aktion ein sehr niedrigschwelliges Einstiegs-Format 35
für internationale Begegnungsprojekte darstellt. Als sehr positiv anzusehen ist, dass das 36
Interesse und Engagement von Gruppen aus Deutschland und dem Ausland sehr hoch war. 37
38
Auch Träger, die bisher nicht in der internationalen Jugendarbeit aktiv waren, konnten 39
so gewonnen werden. Zudem konnten Kontakte, die bei den in den vergangenen 40
Jahren stattgefundenen Fachkräfteaustauschen in Bosnien und Herzegowina, Serbien 41
und Litauen geknüpft wurden, eingebunden werden. Die finanzielle Unterstützung 42
seitens Renovabis war jedoch unabdingbar für den Erfolg der internationalen 43
Aktivitäten im europäischen Kontext. 44
45
Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion 2019 konnte der Kontakt zu diversen weiteren 72-Stunden- 46
Aktionen in Europa hergestellt werden. Dieser kann für die nächste Sozialaktion noch stärker 47
genutzt werden, um untereinander Solidarität zu zeigen und um die Aktion in Europa noch 48
sichtbarer zu machen. Bei den Projekten, die im Rahmen von internationalen Begegnungen 49
stattgefunden haben, ist nun das Potenzial für eine Rückbegegnung in diesem oder im 50
nächsten Jahr vorhanden. Der BDKJ will hier dranbleiben und einzelne Träger bei der 51
Durchführung unterstützen. 52
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
13BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 6.3 Deutsch-Israelischer Fachkräfteaustausch
2
3 Für die Zeit vom 22. bis 27. März 2020 wurde ein Fachkräfteaustausch des BDKJ in Kooperation
4 mit der afj nach Israel geplant. Der Austausch sollte in Partnerschaft mit dem Hebrew Scouts
5 Movement stattfinden und hatte das Ziel, dass die Teilnehmenden Strukturen von (religiöser)
6 Jugendarbeit in Israel kennenlernen und sich zu Ansätzen der Jugendarbeit in Deutschland und
7 Israel austauschen. Zudem sollten Anknüpfungspunkte für deutsch-israelische Kooperationen
8 geschaffen sowie Einblicke in das Land Israel mit seiner Kultur und politischen Situation
9 gewonnen werden. Für die Maßnahme haben sich 16 Vertreter*innen der katholischen
10 Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit angemeldet. Das Programm sah neben Begegnungen
11 mit Akteur*innen der (katholischen) Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit gedenkstätten-
12 pädagogische Elemente, wie den Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sowie das
13 Kennenlernen des pädagogischen Programms des Ghetto Fighters‘ House vor. Daneben waren
14 beispielsweise das Kennenlernen der Friedensarbeit des Willy Brandt Centers Jerusalem und
15 ein Besuch am See Genezareth im Programm vorgesehen.
16
17 Erfreulich war das große Interesse an diesem Fachkräfteaustausch. Aufgrund der
18 schlechten Fördersituation im deutsch-israelischen Jugendaustausch konnte jedoch
19 leider nur ein Teil der Anmeldungen angenommen werden. Das Einreiseverbot, das
20 seitens Israel wegen des Corona-Virus’ verhängt wurde, führte leider zu einer Absage
21 des Fachkräfteaustausches.
22
23 Nach dem voraussichtlichen Abschluss des Fachkräfteaustausches im Oktober 2020 berät
24 der BDKJ darüber, wie ggf. Akteur*innen, die die Delegation vor Ort kennengelernt hat,
25 zukünftig in Veranstaltungen eingebunden werden könnten. Zudem wird eine Doku
26 mentation des Fachkräfteaustausches veröffentlicht, die auf Blog-Beiträgen basiert, die
27 die Teilnehmenden während der Reise erstellen. Perspektivisch erfolgt eine Abfrage
28 darüber, inwiefern die Teilnehmenden das Gelernte in ihren Bezügen umgesetzt haben.
29
30 6.4 usammenarbeit mit der Ukraine
31
32 Zusammen mit der ukrainischen Partnerorganisation Obnova war für den Herbst 2019 ein
33 erinnerungspädagogisches Seminar in Lviv, Ukraine geplant. Bei Obnova hat sich im Laufe
34 des Planungsprozesses die Ansprechperson geändert. Aus Kapazitätsgründen musste diese
35 leider von der Durchführung des Workshops im vergangenen Jahr Abstand nehmen. Der
36 BDKJ hat schließlich im Herbst 2019 in Kooperation mit Obnova, dem Ukrainischen
37 Jugendring NYCU und dem DBJR einen Förderantrag beim Auswärtigen Amt für ein
38 deutsch-ukrainisches Projekt unter dem Titel „Zusammenarbeit zur Stärkung der jungen
39 Zivilgesellschaft und der deutsch-ukrainischen Gedenkkultur“ eingereicht. Darin ist
40 vorgesehen, dass der BDKJ in diesem Jahr einzelne Maßnahmen zur Projektsäule zur
41 deutsch-ukrainischen Gedenkkultur umsetzt. Der BDKJ will sich dabei mit seinen ukraini-
42 schen Partnerorganisationen 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges insbesondere mit der
43 Stärkung der Erinnerungskultur unter jungen Menschen, mit Frieden und Versöhnung
44 auseinandersetzen.
45
46 Leider hat das Auswärtige Amt nicht die volle Höhe der Mittel entsprechend des
47 Antrages in Aussicht gestellt. Daher werden die im Rahmen des Projektes geplanten
48 Maßnahmen etwas weniger umfangreich ausfallen können als ursprünglich geplant. Im
49 Herbst 2019 konnte ein erneutes persönliches Gespräch mit Obnova geführt werden,
50 welches sehr positiv verlief. Auch die Einbindung des NYCU und DBJR und die bisher
51 gelaufene Kommunikation stimmen positiv hinsichtlich des Engagements der
52 Partnerorganisationen in diesem Projekt.
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
14BDKJ-Hauptversammlung 2020
75 Jahre nach Kriegsende will der BDKJ mit diesem Projekt Impulse für die Friedens- und 1
Versöhnungsarbeit in seinen Verbänden setzen, denn Fragen des Friedens und der Ver 2
söhnung sind für die kirchliche Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit von zentraler 3
Bedeutung. Das Projekt birgt zudem das Potenzial der Stärkung der Partnerschaft 4
zwischen BDKJ und Obnova. 5
6
6.5 Förderprogramm Go East 7
8
Das Förderprogramm Go East will katholische Akteure dabei unterstützen, Ost-West- 9
Begegnungsprojekte zu verwirklichen. Bereits bestehende Programme des Jugend 10
austauschs sollen auf diese Weise ergänzt werden. So sind die Mittel kompatibel für eine 11
Ko-Finanzierung mit internationalen KJP-Mitteln. Gefördert werden unter anderem 12
Jugendbegegnungen, Fachkräfteaustausche und Vernetzungstreffen. Go East wird von 13
Renovabis, dem BDKJ und der afj getragen. Anträge können direkt bei Renovabis gestellt 14
werden und werden von der Vergabekommission beraten, die aus Vertreter*innen der drei 15
Träger besteht. Einmal jährlich treffen sich die für Go East Verantwortlichen der Träger zu 16
einer Beiratssitzung in Freising, um über die inhaltlichen Linien und aktuellen Ent 17
wicklungen im Programm zu beraten. Seit der Gründung der Förderlinie vor zehn Jahren 18
konnten über 200 Jugend- und Fachkräfteaustausche bezuschusst werden, darunter viele 19
Projekte katholischer Jugendverbände. Auch die im osteuropäischen Ausland stattfindenden 20
Fachkräftemaßnahmen des BDKJ werden stets über dieses Förderprogramm bezuschusst. Go 21
East ist neben dem KJP eine wichtige Förderquelle für den Jugendaustausch mit Osteuropa, 22
da neben den Fahrtkosten auch Kosten, die vor Ort entstehen, gefördert werden. 23
24
Der Go East-Beirat hat sich als sehr gutes Forum etabliert — zum einen, um über die 25
aktuellen Entwicklungen im Jugendaustausch mit Osteuropa zu beraten, zum anderen 26
für einen engeren Austausch unter den Trägern des Förderprogramms. Die Zusammen 27
arbeit mit Renovabis hat sich mithilfe des Beirats und der Kooperationen im Rahmen der 28
Fachkräfteaustausche nach Osteuropa verstärkt. Renovabis ist für den BDKJ ein wichti- 29
ger Partner, insbesondere wenn es um die Realisierung von Austauschen nach Mittel-, 30
Ost- und Südosteuropa und Kontakte in der Region geht. 31
32
Der Bundesvorstand strebt an, die enge Zusammenarbeit mit Renovabis für die Gestaltung 33
des Jugendaustausches mit Osteuropa kontinuierlich weiterzuführen. Für dieses Jahr ist 34
zudem ein Förderantrag für einen Fachkräfteaustausch nach Russland geplant, der in 35
Kooperation des BDKJ mit dem Jugendzentrum der Erzdiözese Moskau stattfinden soll. 36
Die Durchführung ist für Ende 2020/Anfang 2021 vorgesehen und soll eine stärkere 37
deutsch-russische Zusammenarbeit in katholischer Trägerschaft anregen. 38
39
7 Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik 40
41
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist im BBiG-Modernisierungsgesetz angepasst worden. 42
Wichtigste Veränderung war die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Diese liegt 43
ab dem 01. Januar 2020 für neu begonnene Ausbildungsverhältnisse bei 515 EUR und steigert 44
sich mit jedem Ausbildungsjahr. In den nächsten Jahren soll die Mindestausbildungsvergütung 45
steigen. Der Bundesvorstand hat sich dafür eingesetzt, dass die Mindestausbildungsvergütung 46
auch für außerbetriebliche Ausbildungen gilt. Dies ist in das Gesetz noch aufgenommen 47
worden und seit dem 01. Januar 2020 so gültig. Die Kosten hierfür werden von der 48
Bundesagentur für Arbeit getragen. 49
50
Im Berichtszeitraum waren die U25-Sanktionen im Bereich Hartz IV ein wichtiges Thema. 51
Diese Sanktionen bestrafen bei Erwachsenen Fehlverhalten schrittweise bis zu 100 Prozent. 52
Bei Jugendlichen sieht das Gesetz vor, eine Sanktionierung sofort um 100 Prozent für 3 Monate 53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
15BDKJ-Hauptversammlung 2020
1 auszusprechen (außer bei Meldeversäumnissen). Bei einer weiteren Pflichtverletzung werden
2 auch die Kosten der Unterkunft gestrichen. Der Bundesvorstand hat sich weiterhin in seiner
3 Lobbyarbeit und via Pressemeldungen gegen Sanktionen insbesondere die verschärften für
4 junge Menschen im SGB II ausgesprochen. Er sieht Sanktionen weder mit der Unverfügbarkeit
5 des Existenzminimums, die durch das Grundgesetz gegeben ist, noch mit der Menschenwürde
6 vereinbar. Ein mit Spannung erwartetes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat für
7 Erwachsene im SGB II festgelegt, dass die Sanktionen in der Summe 30 % nicht überschreiten
8 dürfen und differenzierter als bisher zu behandeln sind. Für den Jugendbereich sind vom
9 Bundesverfassungsgericht keine Festlegungen getroffen worden. Entsprechend hat das BMAS
10 für Erwachsene und Jugendliche verordnet, dass die Jobcenter nur noch Sanktionen in Höhe
11 von maximal 30 Prozent des Arbeitslosengeldes II aussprechen dürfen. Eine gesetzliche
12 Regelung hierzu steht noch aus.
13
14 Weiterhin stehen wichtige Instrumente der Arbeitsförderung, die die berufliche Orientierung
15 und die Integration besonders benachteiligter Jugendlicher fördern, vor Veränderungen. Die
16 Berufseinstiegsbegleitung bedarf einer 50-prozentigen Kofinanzierung. Diese ist ab 2020
17 durch die Bundesländer zu leisten. Da sich nur wenige Bundesländer entschieden haben,
18 hierfür das Geld zur Verfügung zu stellen, wird es in den meisten Bundesländern das sehr
19 bewährte Instrument der Berufseinstiegsbegleitung, das Jugendliche mit absehbaren
20 Schwierigkeiten im Übergang in Ausbildung und Beruf schon in den letzten Schuljahren
21 begleitet, nicht mehr geben. Bei der assistierten Ausbildung war geplant, das Instrument
22 in den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen in ausbildungsbegleitendenden Hilfen
23 aufgehen zu lassen. Mit intensiver Lobbyarbeit von verschiedenen Seiten, zu der auch der
24 Bundesvorstand seinen Beitrag geleistet hat, konnte erreicht werden, dass im entspre-
25 chenden Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), diese
26 Pläne nicht mehr Berücksichtigung finden. Die Assistierte Ausbildung (AsA) soll mit einer
27 fakultativen, ausbildungsvorbereitenden Phase und einer ausbildungsbegleitenden Phase
28 erhalten bleiben. Die ausbildungsbegleitenden Hilfen (ABH) gehen dabei in der Assistierten
29 Ausbildung auf. Es soll ein individuell gestaffeltes, an den Bedarfen der Jugendlichen
30 orientiertes Instrument geschaffen werden, das je nach Bedarf Jugendliche mit
31 Stützunterricht, sozialpädagogischer Begleitung und weiteren Instrumenten in der
32 Ausbildung begleitet und auch die Möglichkeit enthält, die Betriebe bei der Ausbildung zu
33 unterstützen.
34
35 Der Kooperationskreis des arbeit für alle e. V. (afa) hat im Berichtszeitraum zweimal
36 getagt. Im afa-Kooperationskreis finden sich Träger und Multiplikator*innen aus der
37 Jugendberufshilfe zusammen, um sich über aktuelle Fragen der Jugendberufshilfe
38 auszutauschen und die Gestaltung und Wirkung der gesetzlichen und untergesetzlichen
39 Regelungen für die Jugendberufshilfe zu thematisieren. Beim dreitägigen Treffen in Berlin
40 wurden fachpolitische Gespräche mit den Fraktionen des Deutschen Bundestages geführt.
41 Diese Möglichkeit wurde von den Fraktionen des Deutschen Bundestages gut angenommen.
42 In den Gesprächen konnten den Politiker*innen die Wirkung gesetzlicher Regelungen und
43 die möglichen Wirkungen von gesetzlichen Planungen aus Sicht der Praxis nahegebracht
44 werden. Der zweite afa-Kooperationskreis in Nürnberg wurde genutzt für Gespräche mit
45 relevanten Akteuren und Entscheider*innen aus der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit.
46 Themen hierbei waren die Instrumente der Arbeitsförderung, die Einkaufsprozesse der
47 Bundesagentur (u. a. das Trägermanagement), das Qualitätsmanagement bezogen auf die
48 Maßnahmen und weitere Themen zur Gestaltung und Veränderung arbeitsmarktpolitischer
49 Instrumente. Vor den Gesprächen fand im afa-Kooperationskreis und der Bundes
50 arbeitsgemeinschaft katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) eine Abfrage zu möglichen
51 Themen und Anfragen in den Gesprächen statt. Diese Gelegenheit wurde gut genutzt, so
52 dass der afa-Kooperationskreis mit sehr differenzierten Themenstellungen auf die
53 Gesprächspartner*innen zugehen konnte. Die Ergebnisse der Gespräche wurden
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
16BDKJ-Hauptversammlung 2020
zusammengefasst und der Jugendberufshilfe zur Verfügung gestellt. Hierfür gab es eine 1
sehr positive Resonanz. 2
3
Das Thema Kinder- und Jugendarmut ist weiterhin im Fokus der politischen Debatte. 4
Insbesondere ist die Diskussion um eine Kinder- und Jugendgrundsicherung immer präsen- 5
ter. Viele Nichtregierungsorganisationen im sozialen Bereich fordern eine solche Kinder- 6
und Jugendgrundsicherung, um die Absicherung von Kindern und Jugendlichen auf eine 7
gerechtere und breitere Basis zu stellen und der Kinder- und Jugendarmut vorzubeugen. 8
Immer mehr Akteur*innen aus den verschiedenen Parteien zeigen sich offen für diese 9
Überlegungen. Dies bedeutet aber nicht, dass eine solche Kinder- und 10
Jugendgrundsicherung vor der Realisierung steht. 11
12
Die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung bewertet der Bundesvorstand positiv, 13
insbesondere den Lobby-Erfolg, dass diese Mindestausbildungsvergütung auch für 14
Jugendliche in außerbetrieblicher Ausbildung gezahlt wird. Der Bundesvorstand bedau- 15
ert, dass es in nur wenigen Bundesländern eine Weiterführung der Berufseinstiegs 16
begleitung geben wird. Bei der assistierten Ausbildung konnten die Lobbyaktivitäten 17
über die BAG KJS dazu beitragen, dass es in die richtige Richtung zu gehen scheint. 18
19
Der Bundesvorstand bewertet die Arbeit des afa-Kooperationskreises positiv und sieht 20
hierin ein wirksames fachpolitisches Instrument. 21
22
Der Bundesvorstand will sich dafür einsetzen, dass die Sanktionen im SGB II auch in den 23
gesetzlichen Regelungen verändert werden. Er wird sich dafür einsetzen, dass der 24
Gesetzgeber die Möglichkeit nutzt, die Sanktionen ganz abzuschaffen. Insbesondere ist es 25
notwendig, dass die verschärften Sanktionen für Jugendliche auch in den gesetzlichen 26
Regelungen der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig wird der Bundesvorstand den 27
Gesetzgebungsprozess im „Arbeit für Morgen Gesetz“ begleiten, damit die assistierte 28
Ausbildung im Kern erhalten bleibt und als erfolgreiches Instrument der Arbeitsförderung 29
weitergeführt werden kann. Zur Überwindung der Kinder- und Jugendarmut kann eine 30
Kinder- und Jugendgrundsicherung ein wichtiger Schritt sein. Auf dem Weg zu einem 31
Kinder- und Jugendgrundeinkommen wird der Bundesvorstand Aktivitäten auf eine 32
Kinder- und Jugendgrundsicherung hin als richtigen Schritt in die richtige Richtung 33
unterstützen. 34
35
Die Arbeit im afa-Kooperationskreis soll in der bewährten Form weitergeführt werden. Es 36
sollen weiterhin in der BAG KJS und im afa-Kooperationskreis die Themen für die Gespräche 37
breit eingesammelt und dann nach den Gesprächen entsprechend aufbereitet werden. Die 38
Ergebnisse sollen insbesondere in die katholische Fachwelt gestreut werden. 39
40
7.1 Aktionstag der Katholischen Jugendsozialarbeit „Josefstag“ 41
42
Der Josefstag 2019 fand unter dem Motto „Brücke bauen, Hände reichen − Jugend braucht 43
Perspektive in Europa“ statt. Das Thema wurde von den Trägern des Josefstages aus dem 44
Themenpool genommen, das bei der Abfrage 2018 erstellt worden war. Am Josefstag 45
waren Einrichtungen der Jugendsozialarbeit und Aktive aus der Jugendverbandsarbeit im 46
Gespräch mit Verantwortlichen aus Kirche und Politik. Ein wichtiger Schwerpunkt waren 47
die Kandidat*innen für das europäische Parlament. Die Anzahl der in die Aktionskarte 48
eingetragenen Aktivitäten konnte gesteigert werden. Das Thema Europa wurde sehr gut 49
angenommen. Die Aktionsidee, Brücken zu bauen, wurde an vielen Standorten umgesetzt. 50
In der Brückengalerie auf der Homepage waren viele Bilder zu sehen von tatsächlichen und 51
symbolischen Brücken, die von den Jugendlichen in den Einrichtungen erstellt wurden. 52
53
Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstandes
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