200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...

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200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
RAD
                                                 Frühjahr 2017

                                         im Pott
Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und Oberhausen

● 200 Jahre Fahrrad
● NRW-Sternfahrt am 7. Mai
● 54 geführte Frühlingsradtouren

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     Adressaufkleber                          Duisburg, Gladbeck,
                                              Mülheim, Oberhausen
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
Duisburg                              Duisburg Hauptbahnhof
Essen                                         Kammerstraße 3 (Ostausgang)
Mülheim an der Ruhr                           47057 Duisburg
                                              Telefon             0203 / 80 71 790
Oberhausen                            Öffnungszeiten für Dauerkunden
                                              Mo-Fr                   5:30 – 22:30 Uhr
                                              Sa, So + Feiertage      8:00 – 20:00 Uhr
Ihre Fahrradpartner in Ihrer Region
                                      Öffnungszeiten des Büros
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                                              Sa, So + Feiertage      8:00 – 20:00 Uhr

                                      Essen Hauptbahnhof
                                              Am Hauptbahnhof 5
                                              45128 Essen
                                              Telefon                 0201 / 83 914 594
                                      Öffnungszeiten
                                              Mo-Fr                   5:30 – 22:30 Uhr
                                              Sa                     10:00 – 18:00 Uhr
                                              So + Feiert.           10:00 – 16:00 Uhr

                                      Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof

         Bewachung
                                              Dieter-aus-dem-Siepen-Platz 3
                                              45468 Mülheim an der Ruhr
                                              Telefon              0208 / 84 85 70
                                              Fax                  0208 / 84 85 729
                                              e-mail     Radstation@stadtdienste.de
                                      Öffnungszeiten
         Verleih                              Mo-Fr
                                              Sa, So + Feiert.
                                                                      5:30 – 22:30 Uhr
                                                                      8:00 – 18:30 Uhr

                                      Bahnhof Mülheim-Styrum
                                              Hauskampstr. 14

         Service                              45476 Mülheim an der Ruhr
                                              Telefon              0208 / 40 20 00
                                              Fax                  0208 / 40 20 01
                                              e-mail    Radstation@stadtdienste.de
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         Information
                                              Mo – Fr                 5:30 – 22:30 Uhr
                                              Sa, So + Feiert.        8:00 – 18:30 Uhr

                                      Oberhausen Hauptbahnhof
                                              Willy-Brandt-Platz 1
                                              46045 Oberhausen
                                              Telefon                 0208 / 85 51 74
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                                              Mo – Fr                 7:00 – 20:00 Uhr
                                              Sa                      10:00 – 16:00 Uhr
                                              So + Feiert.            Geschlossen
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Editorial                                       3

                                                 en auch dazu da, etwas stolz zurück und
Liebe Leserinnen und Leser,                      optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wir
                                                 freuen uns daher ganz besonders, dass in
                                                 diesem Jahr der ADFC-Kreisverband Duis-
das Fahrrad wird 200 Jahre alt! Der dies-        burg 30 Jahre, die „RAD im Pott“ ein vier-
jährige AGFS-Kongress auf der Messe Essen        tel Jahrhundert und die ersten Radstati-
greift das Thema auf, in Mannheim gibt es        onen in unseren Städten mittlerweile 20
eine sehenswerte fahrradgeschichtliche           Jahre für eine Verbesserung des Radfah-
Ausstellung - unser Titelfoto wurde dort         rens in unserer Region stehen.
übrigens gemacht und auch die RiP möchte
die einzelnen Entwicklungsschritte auf dem
Weg zum heutigen Fahrrad in einer kleinen
                                                 Inhalt
Serie aufzeigen. Es stellt sich allerdings das
Gefühl ein, das man die bisherige und zu-        Im Pott4
künftige Tragweite dieser Erfindung in un-       Pedelecfahren ist unsicher?4
serem Land auch im Jubiläumsjahr nicht so
                                                 Radschnellweg Ruhr6
recht würdigen wird. Dabei kann es bei un-
seren realen Verkehrsbedingungen wohl            Neue Regeln für RadfahrerInnen10
auch weniger um ein euphorisches Abfei-          Radstationen14
ern gehen. Die Geschichte des Fahrrads war       Technische Hilfe für LKW18
von Anfang an auch von Rückschlägen, ver-        200 Jahre Fahrrad21
passten Chancen und bewussten Anfein-
                                                 200 Jahre und wie weiter?24
dungen geprägt. Das Prinzip des Fahrrads
ist aber so universal, dass es sich auf lange
Sicht immer als Verkehrsmittel durchsetzen       Touristik28
wird. Der Mensch kann sich nur mit dem           Griechenland30
Fahrrad mit sehr geringem energetischen
Aufwand fortbewegen. Das Rumfahren in
                                                 Duisburg36
einer tonnenschweren Blechkarosse bleibt
bekanntlich auch mit elektrischem Antrieb        Problem Brücke40
in hohem Maß ineffizient. Selbst das Ge-         Baumaßnahmen an Radwegen43
hen, gewissermaßen die urmenschliche
Form der Fortbewegung, bedarf bei glei-          Mülheim / Oberhausen52
cher „Beförderungsleistung“ eines mehr-          Uneinsichtige Politik52
fachen Energieeinsatzes. So gesehen sollte
das Fahrradjubiläum Anlass zu einer kriti-       Freies Lastenrad Klara53
schen Standortbestimmung geben. Zwar
geht es seit mehr als 25 Jahren in Deutsch-      Gladbeck60
land mit dem Fahrrad (mit entsprechenden         Radabstellmöglichkeiten60
Mühen des ADFC) „Berg auf“, allerdings           Radschnellweg 262
wird gerade in Fahrradentwicklungsregio-
nen wie dem Ruhrgebiet das Potential des
Fahrrads als Verkehrsmittel noch nicht mal       Termine / Radtouren64
ansatzweise genutzt. Auch in dieser RIP-
Ausgabe finden Sie viele Beispiele, warum        Impressum72
wir immer noch nicht wieder eine echte           Kontaktadressen74
Fahrradregion sind. Trotzdem sind Jubilä-
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
4                                                        Im Pott

Gezielte Verun-                                                 Fahrrad“, schreibt die Allianz über E-Bike
                                                                fahrende Senioren am 26.10.2015, das Ma-
                                                                gazin Focus etwa titelt daraus: „So tödlich
sicherung durch                                                 sind Elektroräder“. Die Meldung fußt auf
                                                                der Angabe, dass zehn Prozent der im Jahr

Unfallzahlen
                                                                2014 tödlich verunfallten Radfahrer mit
                                                                Motor unterwegs waren (39 von 396). 32
                                                                dieser Verkehrsopfer waren 65 Jahre alt
                                                                oder älter.
                                                                Punktgenaues Abbremsen muss ebenso erlernt werden wie der
                                                                dosierte Einsatz der Motorkraft.
Die Nachricht, wie gefährlich E-Bike-Fah-
ren sei, taucht seit Veröffentlichung der
2014er-Unfallzahlen durch das Bundesamt
für Statistik im Juli 2015 regelmäßig in den
Medien auf. Zuletzt meldete die Allianz-
Versicherung ein „Risiko Elektrofahrrad
bei Senioren“, Medien griffen diese Mel-
dung bereitwillig auf. Nach Auffassung
des pressedienst-fahrrad ist diese Meldung
tendenziös, weil sie Daten fehlerhaft ana-
lysiert. Redakteur H. David Koßmann er-
klärt die Hintergründe und kommentiert.
„Doppelt so hohes Todesrisiko wie mit dem
E-Bikes geben älteren Radlern ein ungeahntes Maß an
Mobilität zurück.            Fotos: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

                                                                So tragisch diese Zahlen im Einzelfall sind –
                                                                denn jeder Verkehrstote ist einer zu viel –,
                                                                sie verlören an Schlagzeilenpotenzial, er-
                                                                wähnte man, dass E-Bikes im gleichen Jahr
                                                                ganze zwölf Prozent der in Deutschland ver-
                                                                kauften Räder ausgemacht haben und vor-
                                                                wiegend von älteren Menschen gefahren
                                                                werden. Zudem gibt das Statistische Bun-
                                                                desamt an, dass Senioren dreimal so häufig
                                                                an den Folgen von Verkehrsunfällen sterben
                                                                wie Menschen unter 65. Vergleicht man die
                                                                Verkehrsmittel, mit denen Senioren im Stra-
                                                                ßenverkehr tödlich verunglückten, steht das
                                                                Rad (inklusive Pedelecs) mit 22,9 % der To-
                                                                desfälle sicherer da als das Auto (40,7 %)
                                                                oder der Weg zu Fuß (25,2 %).
                                                                Insgesamt gab es laut Zweirad-Industrie-
                                                                verband (ZIV e. V.) Ende 2014 etwa 2,1 Mil-
                                                                lionen E-Bikes in Deutschland und mit gro-
                                                                ßer Wahrscheinlichkeit gehören sie zu den
                                                                häufiger und länger gefahrenen unter den
                                                                72 Millionen Fahrrädern in Deutschland.
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Im Pott                                        5

Setzt man also die eingangs zitierten Zah-
len dazu in Relation, sind elektromobile Se-
nioren keineswegs überrepräsentiert in der
Statistik der jährlichen Verkehrstoten.
Ohne Angaben zur Gesamtkilometerleis-
tung der Mobilitätsgattung und ohne Be-
trachtung der Altersgruppen ihrer Nutzer,
inklusive der durchschnittlich im Straßen-
verkehr zugebrachten Zeit, ist eine Aussa-
ge zur Gefährlichkeit eines Fahrzeugtyps
eindimensional und kontextlos.

                                                Liebe Redaktion der RiP,
Schützen statt verunsichern
Bevor also große Stimmen wie die Allianz        vielen Dank für das Titelbild in der letz-
mit Halbwahrheiten Stimmung machen              ten Ausgabe. Die Abbildung des schönen
und für Verunsicherung sorgen, sollten sie      herbstlichen Blumenstraußes ist besonders
sich vielleicht den Ursachen für die Ver-       Frauen positiv aufgefallen. Ein schöner
kehrsunfälle zuwenden. Die liegen nämlich       Nebeneffekt ist auch noch für mich raus-
noch immer überwiegend bei Regelverstö-         gesprungen: Beim Auslegen der Radzeit-
ßen anderer Verkehrsteilnehmer. Siche-          schrift in einem Blumenladen hat die nette
rer wird der Straßenverkehr für Radfahrer       Verkäuferin zunächst gedacht, das Titelbild
und Fußgänger nur dann, wenn weiter-            dient zur Vorlage für ein Geschenk. Mein
hin an den Rahmenbedingungen gearbei-           Mann hat nicht nein gesagt und so habe
tet wird, die wachsende Zahl schwächerer        ich neben der interessanten Lektüre einen
Verkehrsteilnehmer durch eine angemes-          netten Blumenstrauß bekommen. Nur wei-
sene und zeitgemäße Infrastruktur besser        ter so!              Doro Kleine-Möllhoff
zu schützen.
So wie der pressedienst-fahrrad seinem We-
sen nach das Gute am Radfahren betont,
lebt eine Versicherung vom Geschäft Angst
gegen Geld. Der Blick aufs ganze Bild aller-
dings macht deutlich: Grundsätzlich profi-
tiert der Einzelne genauso wie die gesamte
Gesellschaft von jedem Kilometer, der auf
dem Fahrrad zurückgelegt wird. Radfahren
macht die Menschen gesünder, leistungsfä-
higer und glücklicher. E-Bikes leisten dazu
einen großen Beitrag, nicht zuletzt, weil sie
einen Teil der älteren Bevölkerung wieder
oder überhaupt erst in den Sattel bringen.
Dass so Gesundheitsfolgekosten reduziert
werden und Lebensqualität erhöht wird,
darf man nicht aus dem Blick verlieren. In-
dividuelle Energie und Lebensfreude aber
lassen sich statistisch nur schwer erfassen.
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
6                                                          Im Pott

         Radschnellweg                                                     ßend dann wird auf MH Stadtgebiet bis zur
                                                                           Stadtgrenze DU weitergebaut. Eigentlich
                                                                           ist geplant, dass der Radschnellweg Ruhr
         Ruhr –                                                            bis 2020 komplett fertiggestellt sein soll.“
                                                                           Inzwischen ist diese Zeitplanung aber be-

         wie weiter?
                                                                           reits   überholt. In Essen geht es erst mal
                                                                              Perspektive Essen

                                                                           nicht weiter. Alle Verantwortlichen reden
                                                                           vom zügigen Weiterbau. Leider hat sich
                                                                           aber niemand um die erforderlichen Ar-
                                                                           beiten gekümmert. Plötzlich taucht ein
         So liest sich die Pressemeldung des Regio-                        seit Dezember 2016 geltendes Gesetz aus
         nalverbandes Ruhr (RVR): „Nach der Eröff-                         dem Nichts auf und verzögert den Wei-
         nung des ersten 6 km langen Referenzab-                           terbau. Grund: Weil der Radweg in Essen
         schnitts zwischen Mülheim und Essen im                            an einem Chemiewerk vorbeiführt, sind
         Jahr 2015 soll ab Februar der Gehölzschnitt                       eine Umweltverträglichkeitsprüfung ge-
         für den knapp 10 km langenBestand
                                       Abschnitt zwi-                      mäß Straßen- und Wegegesetz NRW und
         schen der Uni Essen bis zur Stadtgrenze Bo-                       ein Planfeststellungsverfahren notwen-
                                      Planung
         chum starten (Kosten: 19,1 Mio €). Im Früh-                       dig. Obwohl also die Bauarbeiten im Janu-
         jahr soll der Brückenschlag zwischen MH                           ar 2017 beginnen sollten, ist bis Dezember
         HBF und der Ruhr fertig werden. Anschlie-                         2016 noch kein Baurecht geschaffen wor-
         Neue Häuser auf dem Radschnellweg?          Grafik: Stadt Essen
                                                                           den. Jetzt verzögert die neue Rechtslage
                                                                           die Bauarbeiten vermutlich um 3 Jahre!
                                                                           In Essen taucht aber auch noch eine weite-
                                                                           res Problem auf: Die Politik stellt den für
                                                                           den kreuzungsfrei verlaufenden RS 1 erfor-
                                  Bernetal                                 derlichen Bahndamm zur Diskussion.
     Thurmfeld                                                             Erstmals alarmiert wurde der ADFC bereits
                                Energiequartier
                                                                           2015, als eine Präsentation zum „Elting-
                 Segerothviertel
                                                  Eltingviertel            viertel“ auf der Webseite der Stadt Essen
                                                                           veröffentlicht wurde. In dieser Präsentati-
                                                                           on wurde eine Vision zu besagtem Viertel
                   Universität
                                                                           vorgestellt, in der der geplante Verlauf des
eg Rheinische Bahn                                                         RS1 komplett durch Neubebauung über-
                      Universitätsviertel                                  plant und der Bahndamm komplett ent-
rupp Quartier                                                              fernt dargestellt wurde.
                                               

                                                                           Schon damals sind die Bedenken schriftlich
                                                                           bei der für das Projekt zuständigen Leite-
                                                         Alfrediviertel    rin beim Amt für Stadterneuerung und Bo-
                                                                           denmanagement der Stadt Essen und den
             Weststadt                                                     Ansprechpartnern der Projektpartner Vo-
                                                                           novia (vormals Deutsche Annington) und
                                             Burgplatz                     Innovation City Management GmbH geäu-
                                                                           ßert worden.
                                                                           Die Bedenken der Radfahrer wurden da-
                                                                           mals als unbegründet mit der Aussage
                                                                           zurückgewiesen, diese Grafik stamme le-
                                     Hauptbahnhof
                                                                           diglich aus einer externen Vorabstudie,
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
Im Pott                                            7

                                                                   und Weiterbau des RS1 im Jahr der „Grü-
                                                                   nen Hauptstadt – Essen 2017“ , war die-
                                                                   ser doch auch explizit als eines der Leucht-
                                                                   turmprojekte in der Bewerbung der Stadt
                                                                   Essen hervorgehoben und wurde auch bei
                                                                   jeder sich bietenden Möglichkeit Bestand-
                                                                   teil von Reden seitens der Stadtspitze.
                                                                   Selbst in den Reden bei der Eröffungszere-
                                                                   monie zur Grünen Hauptstadt Europas am
                                                                   21.01.2017 war der zügige Weiterbau des
                                                                   RS1 einer der genannten Punkte.
                                                                   Alle Personen aus lokaler Politik, Verkehrs-
                                                                   ministerium NRW, RVR und weitere, die
                                                                   schon frühzeitig auf mögliche Überplanun-
Teil der Strecke Richtung Osten. Leider gibt es das                gen im Eltingviertel hingewiesen wurden,
Reiterstellwerk nicht mehr.                     Foto: Simon Knur
                                                                   haben ähnlich wie die Stadt beschwichtigt
konkrete Planungen der Stadt gäbe es                               und betont, es bestände keine Gefahr für
noch keine. Am 18.02.2016 wurde dann                               den RS1 und den Bahndamm.
durch Stadtdirektor Best im Ausschuss für                          Es sah auch erst alles sehr gut aus: Der Lan-
Stadtentwicklung und Stadtplanung er-                              desbetrieb Straßen.NRW übernahm vom
neut das Projekt „Eltingviertel“ vorgestellt,                      RVR die Planung und Ausführung für den
darin wird erneut eine vorliegende Studie                          RS1 und im Planungsausschuss des RVR
erwähnt: „Es liegt nun ein städtebaulicher                         am 16.11.2016 gab es in einer Präsentati-
Entwurf eines renommierten Planungsbü-                             on zum aktuellen Planungsstand erfreuli-
ros (Speer und Partner)
vor, der von der Vonovia
in Auftrag gegeben wur-           Seit über 34 Jahren Ihr Buchholzer
de und eine Vielzahl von
Einzelmaßnahmen für das                        Tischlermeister
Eltingviertel enthält. Er
bezieht sich (auch) … auf        ■ ■ PaX-Fenster    & Türen Wohnen
                                       seniorengerechtes
den Übergang zwischen                 in Holz &
                                                   PaX-Fenster & Türen
                                                Kunststoff
                                   ■in»Flexo«
                                        Holz & der    zweite Handlauf
                                                 Kunststoff
Eltingviertel und Viehofer       ■ Sicherheits-Nachrüstung
Platz.“                            ■   Möbelbau    Sicherheits-Nachrüstung
                                ■ Wartung & Reparaturen
Mehrfache Anfragen und             ■ Fenster & Türen
Bitten um Einsicht in die-                         Wartung & Reparaturen
                                 ■ Möbelbau & Möbelreparaturen
                                       Sicherheits-Nachrüstung
                                   ■ Seniorengerechtes
se Studie wurden mit der        ■                             Wohnen
Aussage „Die Veröffentli-       ■  ■ kostenloser
                                       Wartung
                                      Flexo- der 2.
                                                   Fenstercheck-
                                                   &  Reparaturen
                                                    Handlauf
chung dieser Studie ist sei-                       Sicherheitsüberprüfung!
tens der Stadt nicht vorge-           Schreinerwerkstatt
                                    Möbelbau    &  Möbelreparaturen       für komfortables
sehen“ abgelehnt, selbst            Seniorengerechtes
                                    S                       Wohnen
                                              und geschütztes Wohnen
Ratsmitglieder der Stadt            FFlexo- der 2. Handlauf
                                                    Mitglied der Tischlerinnung Duisburg
Essen haben glaubhaft
                                 Sitttardsberger Alle
                                 Sitttardsb            Allee 163 • T        Tel
                                                                            Tel. 02 03 - 70 11 78
versichert, keinen Einblick
                                 Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 7.15 - 16.00 Uhr o. n. Vereinbarung
in diese Studie zu haben.
Es gab eine große Hoff-           www.schreinerei-michael-roth.de
nung auf einen Anschub
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
8                                                         Im Pott

che Neuigkeiten zum Weiterbau des RS1,                           fung neuen Wohnraums in diesem Bereich
darunter explizit auch der Abschnitt Essen-                      ist absolut erforderlich.“
Gelsenkirchen.                                                   In der Begründung zu diesem Antrag
Es drängt sich der Verdacht auf, dass ein                        schwärmen die beiden Unterzeichner des
Teilnehmer dieser Sitzung bei dieser Prä-                        Antrages, Peter Dinkelmann (sachkundiger
sentation jäh aus seinen visionären Träu-                        Bürger – SPD) und Uwe Kutzner (Ratsherr
men zum Eltingviertel gerissen wurde und                         – CDU), geradezu von Stellen am Nieder-
es mit der Angst zu tun bekommen hat.                            feldsee oder an dem Universitätsviertel, an
Noch am selben Tag wurde nämlich ein ge-                         denen der Bahndamm bereits komplett ab-
meinsamer Eilantrag von SPD/CDU für den                          getragen wurde.
einen Tag später (am 17.11.2016) tagenden                        Natürlich haben Essener Fahrradverbän-
Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadt-                        de auch diesen Antrag kritisiert und bei
planung mit folgendem Wortlaut verfasst:                         entsprechenden Stellen hinterfragt. Man
„Die Verwaltung wird im Zuge der Planung                         kann es schon ahnen, wie die Antwort lau-
des Radschnellwegs Ruhr RS1 gebeten, die                         tete: „Es besteht keine Gefahr für RS1 und
möglichen Varianten einer Entwicklung im                         Bahndamm, maximal wird dieser ein wenig
Bereich des Bahndamms der ehemaligen                             schlanker“. Wie man aber eine Öffnung
Rheinischen Bahn zwischen Gladbecker                             des Viertels mit einem schmaleren Bahn-
Straße und Goldschmidtstraße zu prüfen.                          damm hinbekommen möchte, erschließt
Eine Öffnung des Eltingviertels durch die                        sich nicht wirklich
Abtragung des Bahndamms und die Schaf-                           Auch gibt es Bestrebungen im Planungs-
                                                                 ausschuss die eigentlich für den RS1 nutz-
Brücke über die Altenessener Straße Abriss oder Nutzung für
den RS 1?                                 Foto: Frank Rosinger   bare Brücke über die Altenessener Straße
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
Im Pott                                                9

abzureißen und durch eine neue, breitere
Brücke zu ersetzen.
Hier ist dann mit weiteren Verzögerungen
                                                 Vorfahrtregeln?
und Kostensteigerungen zu rechnen, die in
diesem Fall zu Lasten des Stadthaushaltes        Die meisten Menschen, die auf einer ausge-
gehen dürften.                                   bauten Radtrasse unterwegs sind, dürften
Zum Jahreswechsel schreibt die Essener           sich wohl keine Gedanken über die Rechts-
Fahrrad Initiative (EFI) einen offenen Brief     lage zur Vorfahrt gemacht haben. Dieses
an Oberbürgermeister Thomas Kufen, eine          Problem führte jetzt zu einer Klage vor
der Hauptforderung für dieses Jahr:              dem Landgericht in Wuppertal.
„Bringen wir (deshalb) den Radschnellweg         Grund war ein Unfall auf der gut ausgebau-
mit einem Spatenstich in östliche Richtung       ten Panoramatrasse. Der Radfahrer auf der
noch in 2017 voran, ohne uns in Einzelhei-       Trasse stürzte, weil ein anderer von rechts
ten wie die Anbindung einzelner Anschluss-       kommender Radfahrer ihm angeblich die
stellen, z.B. am Eltingviertel, zu verlieren!“   Vorfahrt genommen hatte. Weder das
Schon diese Antwort am 15.01.2017 fällt          Amtsgericht in Velbert, noch das Landge-
eher kurz, knapp und ernüchternd aus,            richt konnten der Argumentation folgen.
verfasst wurde diese von Umweltdezernen-         Die Richter legten die Straßenverkehrsord-
tin Simone Raskob. In dieser wird bezüg-         nung eindeutig aus: „Liegt mangels aus-
lich des RS1 auf eine von Grün und Gruga         drücklicher Kennzeichnung oder Erkenn-
geplante Alternativstrecke (die sogenann-        barkeit ein kombinierter Geh- und Radweg
te „Intercityroute“) verwiesen, bezüglich        vor und kreuzt dieser einen ausgewiesenen
der eigentlichen RS1-Streckenführung Klä-        Rad- und Fußweg, handelt es sich um eine
rungs- und Gesprächsbedarf mit dem Bau-          Kreuzung im Sinne von § 8 I StVO, für die
ministerium genannt ohne diesen näher            das Vorfahrtsgebot rechts-vor-links gilt.“
auszuführen.                                     Es komme dabei nicht auf die Größe oder
Schon durch den Umstand, dass diese Alter-       Oberflächenbeschaffenheit an: „Schnitt-
nativroutenplanung besteht, drängt sich          flächen sich schneidender Fahrbahnen
bei den Essener Fahrradverbänden die Ver-        müssten nicht zumindest ansatzweise ver-
mutung auf, dass es bezüglich des RS1-Wei-       gleichbar sein, um als Kreuzung eingeord-
terbaus wohl zu größeren Verzögerungen           net werden zu können.“
kommen wird. Warum baut man eine Al-             Auch der gut ausgebaute Radschnell-
ternativstrecke und nicht am eigentlichen        weg Ruhr fällt unter diese Regelung. Von
Trassenverlauf weiter?!?                         Schnellweg kann also an allen Einmün-
Scheinbar scheint es in Essen leider schon       dungen keine Rede sein. Schließlich fehlt
„5 nach 12“ zu sein, einzige Hoffnung            die notwendige Beschilderung zu anderen
auf einen zügigen Weiterbau des RS1 ist          Vorfahrtregelungen. Also bitte aufpassen
ein verkürztes Prüfungsverfahren oder            und im Zweifelsfall anhalten.
ein möglicher Ministerialerlass seitens der                            Foto: Michael Kleine-Möllhoff

NRW-Minister Johannes Remmel (Umwelt)
und Michael Groschek (Verkehr).
Am 27. Januar hat die Bezirksregierung
Düsseldorf die Genehmigung zum Bau des
Abschnitts zwischen Chemiewerk und Bo-
chumer Stadtgrenze erteilt. Der erforder-
liche Freischnitt könnte also noch im Feb-
ruar erfolgen.
200 Jahre Fahrrad NRW-Sternfahrt am 7. Mai 54 geführte Frühlingsradtouren - Fahrradzeitschrift für Duisburg, Gladbeck, Mülheim und ...
10                                                       Im Pott

Änderung
für Radfahrer
Zum Jahreswechsel gab es einige Änderun-
gen der Straßenverkehrsordnung (StVO),
die auch Neuregelungen für Rad fahrende
beinhalten.

Ampelregelung                                                   •   Die Fahrbahnampel, wenn keine Fahr-
für den Radverkehr                                                  radampel vorhanden ist
                                                                Diese Regelung ist bereits seit 2013 in
                                                                Kraft. Um den Kommunen Zeit zu geben,
Ab 1. Januar 2017 regeln Fußgängeram-                           die Ampeln umzurüsten galt bislang aber
peln nicht mehr zugleich den Radverkehr.                        noch eine Übergangsregelung.
Nach Paragraf 37 Abs. 2 Satz 6 StVO gilt                        Leider wurden dabei häufig aus Fußgän-
künftig: "Wer ein Rad fährt, hat die Licht-                     gerampeln kombinierte Fußgänger- und
zeichen für den Fahrverkehr zu beachten."                       Radfahrerampeln gemacht. Diese Praxis
Ist keine Fahrradampel eingerichtet, gilt                       wird dem Radverkehr leider nicht immer
die Fahrbahnampel! - Vereinfacht darge-                         gerecht. Daher fordert der ADFC eigene
stellt sind also folgende Regeln anzuwen-                       Rad-Ampeln mit angepassten Ampelpha-
den:                                                            sen, um einen flüssigen Radverkehr zu er-
•    Eine spezielle Fahrradampel ist vorran-                    möglichen.
     gig zu beachten
•    Fahrradampel, wenn eine solche zu-
     sammen mit dem Fußgängersymbol
                                                                Eltern dürfen künftig ihre
     angebracht ist                                             Kinder beim Radfahren auf
Ob groß oder klein, besondere Fahrradampeln regeln den
Radverkehr.                     Foto: Michael Kleine-Möllhoff   dem Gehweg begleiten
                                                                Eine entsprechende Änderung der StVO
                                                                besagt, dass eine Begleitperson ab 16
                                                                Jahren ein Kind bis zum achten Lebens-
                                                                jahr radfahrend auf dem Gehweg beglei-
                                                                ten darf. Durch diese familienfreundliche
                                                                StVO-Novellellierung hat die Begleitperson
                                                                den Nachwuchs stetig im Blick.
                                                                Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müs-
                                                                sen die Kinder und die diese begleitende
                                                                Aufsichtsperson allerdings absteigen.
                                                                Zudem dürfen Kinder unter acht Jahren ab
                                                                sofort auch auf „baulich angelegten Rad-
                                                                wegen“ fahren. Davon sind jedoch Rad-
20. MÜLHEIMER
     FAHRRADFRÜHLING

 * 10 Uhr Eröffnung des 20. Mülheimer Fahrradfrühlings
 * Fahrradmesse der Mülheimer Fahrradhändler
 * Fahrradtourismus im Ruhrgebiet: Touren, Infos, Karten
 * Fahrradwaschstraße
 * Essen und Trinken zu familienfreundlichen Preisen
 * Aktuelles zur Radverkehrsplanung und- politik
 * Kunstrad-, Rennrad-, MTB-Präsentation
 * Sonderräder zur Probefahrt
 * Laufradrennen und Hüpfburg                                                          st
                                                                                         ag,
                                                                                             25. Ma
                                                                                                   i
 * Durchgängiges Bühnenprogramm

                                                                                                           20
                                                                                  er
                                                                              Donn

                                                                                                             17
 * gute Livemusik                                                                 Alte Schle
                                                                                             use
                                                                                                   r Ruhr
                                                                              6 8 M ü lh eim an de
                                                                          454

                                                                                                                r
                                                                                                           Uh
                                                                                    9:                     00
                                                                                         00            :
                                                                                              b i s 17

     64. Volksradfahren
     START: Wasserbahnhof Mülheim (9:00 Uhr bis 13:00 Uhr)
     ZIELANKUNFT: Wasserbahnhof Mülheim (bis 16:00 Uhr)
     STRECKEN: ca. 25 (familienfreundlich) und ca. 42 km
     STARTGELD: 2,50€ einschließlich Versicherung und Medaille
Der Mülheimer Fahrradfrühling ist eine gemeinsame Veranstaltung fahrradbewegter Mülheimer Initiatoren, u.a des ADFC

     www.muelheim-events.de
12                                     Im Pott

fahr- und Schutzstreifen ausgeschlossen.     ebenfalls, dass Kinder und ihre Begleit-
So soll mehr Eltern dazu gebracht werden,    person bei Fahrten auf dem Gehweg zum
alltägliche Wege mit den Kindern per Rad     Überqueren einer Fahrbahn absteigen
zu absolvieren. Das gerne von den soge-      und schieben müssen, wie Roland Huhn,
nannten Helikopter-Eltern praktizierte El-   Rechtsexperte des Allgemeinen Fahrrad-
terntaxi bis vor die Eingangstür von Kita    Clubs Deutschland (ADFC), bestätigt. Ge-
oder Schule ist bekannterweise kontrapro-    nerell gebe es in Deutschland noch einiges
duktiv. „Kinder mit dem Auto zur Grund-      an Verbesserungspotenzial, um Familien
schule zu bringen, sollte die Ausnahme       das Fahren auf einem flächendeckenden,
sein“, schreibt sogar der Automobilclub      sicheren Radverkehrsnetz in hoher Quali-
ACE in seinem Schulweg-Ratgeber.             tät zu ermöglichen. Dazu zählen beispiels-
Bislang wurde durch parkende Autos oder      weise eine wachsende Anzahl an Fahrrad-
Grünflächen der Sichtkontakt zwischen El-    straßen ohne Durchgangsverkehr und der
tern und Kindern stark eingeschränkt, was    Ausbau von Radschnellwegen.
zu Unsicherheit auf beiden Seiten führte.
Aber auch die radfahrenden Eltern sind in
der Pflicht und müssen durch die neue Geh-
                                             Pedelecs und E-Bikes auf
weg-Regelung andere Verkehrsteilnehmer       Radwegen
respektieren, um Konflikte zu vermeiden.
„Fußgänger haben auf dem Gehweg ab-
soluten Vorrang“, heißt es dazu in einer     Große Verwirrung besteht bei den neu-
Mail des Bundesverkehrsministeriums an       en Regelungen zu E-Bikes. Pedelecs, also
den pressedienst-fahrrad. Zu beachten ist    Fahrräder mit Tretunterstützung bis 25
Fotos: www.pd-f.de / gregor bresser
Im Pott                                        13

km/h durften ja bisher bereits auf Radwe-
gen fahren. Nun sollen ab 2017 aber auch
E-Bikes, oder besser gesagt Elektro-Mofas,
                                               Fahrrad wählen
die ohne Treten bis Tempo 25 selbständig
fahren können, auf den Radwegen rollen.
                                               5. NRW Sternfahrt
Dazu hat das Verkehrsministerium eine
eigene Definition des Begriffs E-Bike ge-      Eine Woche vor der Landtagswahl fin-
schaffen. Kenntlich gemacht werden soll        det die NRW Sternfahrt nach Düsseldorf
dies mit dem neuen ZusatzVerkehrszeichen       statt, passend zum Wahljahr unter dem
"E-Bikes erlaubt".                             Motto: „Fahrrad wählen!“. Bei hoffent-
                                               lich gutem Wetter demonstrieren wieder
                                               viele Radfahrer für bessere Bedingungen
                                               im Verkehr. Radfahrer aus Düsseldorf und
                                               umliegenden Städten treffen sich am Jo-
                                               hannes-Rau-Platz und fahren von dort aus
                                               gemeinsam durch die Stadt. Der genaue
                                               Ablauf und Routenverlauf stand bei Redak-
                                               tionsschluss noch nicht fest, die obligato-
                                               rische Fahrt durch den Rheinufertunnel ist
                                               aber fest eingeplant.
                                               Drei geplante Zwischenstopps an verkehrs-
                                               politisch interessanten Stellen mit Informa-
Echte E-Bikes, bis 25 km/h schnell, sind al-   tionen zu diesen sollen diesmal die orga-
lerdings echte Exoten. Die Intention des       nisatorischen Stopps an zufälligen Stellen
Gesetzgebers für das neue Zeichen war,         durch die Polizei unnötig machen.
mit einem Zusatzschild gleichzeitig die Be-    Im RAD im Pott-Gebiet wird wieder von
nutzung der Radwege für Fahrrad, Pede-         den bekannten Startpunkten gestartet.
lec und E-Mofas zu erlauben und für Mo-        Alle Details dazu im Tourenteil.
fas mit Verbrennungsmotoren und für die        Aktuelle Infos gibt es unter:
schnelleren S-Pedelecs nicht zu erlauben.      http://adfc-sternfahrt.org
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Zwei Jubiläen –                                 schaft für Radstationen ein einheitliches
                                                Konzept zum Erscheinungsbild und Ser-
                                                viceumfang von Radstationen erarbei-
eine große Idee!                                tet. Die Radstation in Mülheim war somit
                                                eine der ersten, welche nach einheitlichen
                                                Standards und nach dem Landesförderpro-
                                                gramm „100 Radstationen für NRW“ er-
Die Radstationen in                             richtet wurde.
Mülheim und Duisburg                            Radstationen waren in der Vergangen-
                                                heit immer auch ein Instrument der Be-
feiern Geburtstag                               schäftigungsförderung und arbeitsmarkt-
                                                politischer Themenfelder. So konnten in
                                                20 Jahren vor Ort zahlreiche Maßnahmen
Die Radstation im Mülheimer Stadtteil Sty-      ins Leben gerufen werden, um benach-
rum wird in diesem Jahr 20 Jahre alt und ist    teiligten Personen eine Chance auf Wie-
damit eine der ältesten Radstationen, für       dereingliederung in den Arbeitsmarkt zu
Fahrradprofis und Neulinge, überhaupt.          ermöglichen. Dieses Bild hat sich in den
Durch die Paritätische Initiative für Ar-       vergangenen Jahren geändert. Mit dem
beit e.V. (heute PIA Stiftung für integrierte   Fahrradboom und insbesondere dem E-
Stadtentwicklung) wurde im Sommer 1997          Bike-Trend sind Radstationen heute wichti-
die erste Radstation in Mülheim eröffnet –      ger Bestandteil ressourcenschonender Mo-
die Radstation am Hauptbahnhof Mülheim          bilität und vielerorts wichtiger Baustein im
folgte ein Jahr später. Damals wurde von        Mobilitätsverbund.
dem ADFC und der Entwicklungsgesell-            Implementiert in die Räume des Styrumer
Im Pott                                       15

                                               nicht nur dem Entgegenkommen der stän-
                                               dig wachsenden Anzahl an Radfahrern und
                                               Pendlern im Ruhrgebiet, auch durch die
                                               neue “Do it yourself“-Werkstatt wird das
                                               Angebot der Radstation um eine tolle Idee
                                               erweitert. Kunden können nun vor Ort, un-
                                               ter Aufsicht eines ausgebildeten Fahrrad-
                                               mechanikers, der Ihnen hilfreich zur Seite
                                               steht, ihr „liebstes Stück“ wieder auf Vor-
                                               dermann bringen.

Bahnhofs wurde 1997 vor allem der großen
Nachfrage nach einer fahrradfreundlichen
Verkehrslösung nachgekommen. Mit der
hohen Anzahl an Pendlern aus allen Him-
melsrichtungen erreichte die Radstation so
eine Vielzahl an Nutzern. Mit dem geplan-
ten Aus- und Umbau soll demnächst noch
ein erweiterter Kundenkreis abgedeckt
werden.
Für Mülheim-Styrum war die Eröffnung
der Radstation eine echte Bereicherung.
Sie war über Jahre hinweg nicht nur Fahr-
radparkhaus, sondern auch eine Art „Bür-
gerbegegnungsstätte“. Mit dem damalig
eingebundenen Kiosk und den vielen Auf-
enthaltsmöglichkeiten war dies ein belieb-     Radstation am Duisburger
ter und auch belebter Ort für einen Großteil
der fast 15.000 dort lebenden Menschen.        Hauptbahnhof
                                               Ebenfalls in diesem Jahr feiert die Radsta-
Umstrukturierung                               tion in Duisburg ein Jubiläum und zwar ihr
                                               10-Jähriges. Die Radstation hat Mitte Juni
Nach nunmehr 20 Jahren wird es Zeit, die       2007 ihren Betrieb direkt am Duisburger
Radstation Styrum an die Nachfragereali-       Hauptbahnhof aufgenommen und bietet
täten anzupassen. So wird die Radstation       seitdem vielfältige Servicedienstleistungen
von Grund auf saniert und mit neuer Tech-      an.
nik ausgestattet. Die Umstellung auf eine      Aufgrund der großen Verkehrsbewegun-
vollautomatische Zugangsanlage erlaubt         gen am Duisburger Hauptbahnhof und
es dem Kunden nun, sein Rad rund um die        der hohen Einwohnerzahl war es nicht nur
Uhr einzustellen. Die Bahn- und Radstati-      aus Umweltgesichtspunkten sinnvoll, son-
onskunden können in Zukunft nicht nur          dern auch verkehrsplanerisch richtig, eine
Ihre Wartezeit im frisch renovierten Auf-      Anlaufstelle für Pendler und Freizeitrad-
enthaltsraum überbrücken, sondern sich         ler zu realisieren um der anhaltenden Ver-
auch mit Heiß- bzw. Kaltgetränken und          kehrsbelastung entgegenzuwirken. Rad-
kleinen Snacks für die Weiterfahrt stär-       fahrinteressierte finden am Ostausgang
ken. Der weitere Ausbau der Station dient      des Duisburger Hauptbahnhofs einen ge-
16                                      Im Pott

schlossenen Abstellbereich für 450 Fahrrä-
der mit platzsparenden "Doppelparkern".
Darüber hinaus wurde als erstes in Duis-
                                                Autoverrücktes
burg ein elektronisches Zugangssystem
mittels Chip-Karte integriert, damit Abon-      Ruhrgebiet
nenten die Radstation betreten und ihre
Fahrräder gesichert und trocken abstellen
können.                                         Ständig beklagt die Autolobby in den Me-
                                                dien verstopfte Straßen, Staus und Zeitver-
                                                luste für Autofahrer im Ruhrgebiet und
Fazit                                           fordert mehr Investitionen für den Stra-
                                                ßenbau. Ein Vergleich der PKW-Nutzung
Als arbeitsmarktpolitisches Instrument in       von Berufspendlern mit anderen deut-
einer kleinen Nische gestartet, sind Rad-       schen Großstädten zeigt, dass das Ruhrge-
stationen heute vielerorts fester Bestand-      biet in der ersten Liga spielt: bei der PKW-
teil des Verkehrsverbunds und Anbieter          Nutzung.
breiter Servicedienstleistungen. Nach Jah-      Während in München oder Berlin deutlich
ren der Konsolidierung profitieren auch         weniger als 40 Prozent der Pendler einen
Radstationen von einem wachsenden Fahr-         PKW benutzen und der Anteil in den rhei-
radmarkt und einer steigenden Nachfrage         nischen Metropolen Köln und Düsseldorf
nach alternativen Mobilitätslösungen. Mit       immerhin unter 50 Prozent liegt, belegt
Mietradangeboten können sie so beispiels-       Oberhausen einen Spitzenplatz mit 73 Pro-
weise kurzfristige touristische Nachfragen      zent und befindet sich in guter Gesellschaft
abdecken und stellen so beliebte Koope-         mit den Nachbarstädten Bottrop (78 %),
rationspartner für Stadtmarketinggesell-        Duisburg (68 %) oder Essen (67 %).
schaften dar.                                   Der öffentliche Nahverkehr und das Fahr-
Die Radstationen in Mülheim waren sinn-         rad wird von Pendlern des Ruhrgebiets im
volle Projekte der Beschäftigungsförde-         Städtevergleich extrem wenig genutzt: in
rung und durch behutsame Weiterentwick-         Oberhausen 4 % Fahrrad, 15 % Bus und
lungen sind sie Keimzellen vieler weiterer      Bahn; in Essen Fahrrad 2 % und Bus und
Fahrradprojekte und Mobilitätsdienstleis-       Bahn 21 %. In Köln dagegen fahren be-
tungen geworden. Durch die Zusammen-            achtliche 11 % der Pendler Rad und 32 %
arbeit mit den Kommunen werden auch             fahren mit Bus oder Bahn. Ein weiteres Bei-
weiterhin Veranstaltungen, Angebote und         spiel ist Hannover mit 19 % Fahrradpend-
Service-Dienstleistungen rund ums Rad           lern und 32 % für Bus oder Bahn.
ausgearbeitet, sodass Radstationen auch in      Was machen die anderen besser? Offenbar
Zukunft integraler Bestandteil eines nach-      investieren sie mehr in ein gutes Radwege-
haltigen Verkehrs in unseren Städten sein       netz und in den öffentlichen Nahverkehr.
werden.                                         Der öffentliche Nahverkehr macht dage-
                                   Fotos: PIA
                                                gen im Ruhrgebiet vor allem mit jährlichen
                                                Preiserhöhungen von 3 Prozent auf sich
                                                aufmerksam und das bei sinkender Quali-
                                                tät.
                                                Das Ruhrgebiet hat beim Autoverkehr kei-
                                                nen Nachholbedarf, ganz im Gegenteil:
                                                die anderen Verkehrsträger brauchen eine
                                                umfassende Förderung.                     mß
der
                         M A R KT auf it       Im Pott
                    RRAD            dt m
      O  S S E R FAH er Innensta rad-
„GR                in d         Fahr
           straße tänden zu dsicher-

                                                                                                  Bild: Duisburg Kontor
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         35. DUISBURGER
         RADWANDERUNG
 Sonntag, 30. April 2017
 Unsere Start- und Zielkontrollstellen (u.a. Innenstadt,
 Königstraße) sind von 9 – 17 Uhr geöffnet
 Teilnehmerpässe sind (ca. 14 Tage vor dem Start) beim Stadtsportbund Duisburg, der Tourist
 Information Duisburg , der Hauptstelle der Sparkasse Duisburg (Königstraße) und am Veran-
 staltungstag an den jeweiligen Startpunkten kostenlos erhältlich.

  Stadtsportbund
                                                                                              L
        Duisburg
18                                   Im Pott

Lkw mit Ab-                                  sonderer Bedeutung. Hier gibt es jetzt ein
                                             Unternehmen, das nach dem erfolgreichen
                                             Abschluss einer Testphase im Frühjahr nun

biegeassistenten                             ihren kompletten Lkw-Fuhrpark mit einem
                                             kamerabasierten Abbiegeassistenten aus-
                                             gerüstet hat.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat zieht
eine erschreckende Bilanz: Jeder zehnte im
                                             Trotz allem bleibt weiterhin
Verkehr tödlich verletzte Radfahrer wur-     Vorsicht geboten!
de von einem abbiegenden Lkw überrollt.
Knapp zwei Drittel dieser Lkw-Abbiegeun-     Die Getränkegruppe Hövelmann aus Wal-
fälle mit Schwerverletzten oder Todesfol-    sum hat ein System erprobt, das den Fahrer
ge passieren auf Hochbord-Radwegen,          vor Hindernissen in seinem Abbiegebereich
die oftmals noch immer unsicher gestaltet    warnt. Der Abbiege-Assistent arbeitet mit
sind. Wider besseres Wissen werden Rad-      Sensoren im Trittbrett und einer Kamera
fahrende an Kreuzungen so geleitet, dass     auf Höhe der A-Säule der Beifahrerseite.
sie von Bäumen, parkenden Autos oder an-     Sobald bei einer Geschwindigkeit unter 30
deren Sichthindernissen verdeckt werden.     km/h der rechte Blinker gesetzt oder das
Wie schlecht die Sichtbeziehung zu Fuß-      Lenkrad rechts eingeschlagen wird, schal-
gängern und Radfahrern hergestellt wer-      tet sich das System ein. Der Fahrer hört ei-
den kann, zeigt der Blick aus der Fahrer-    nen Signalton und sieht das Kamerabild
kabine eines modernen Lkw, trotz der vier    des kritischen Bereichs auf einem Display.
Spiegel auf jeder Seite.                     Sollten die Sensoren ein Hindernis erfas-
Deshalb fordert der Fahrradclub ADFC         sen, ertönt zusätzlich ein Warnsignal, ver-
schon lange ein Assistenz-System für Lkw,    gleichbar mit den aus vielen Pkw bekann-
das Fahrer beim Abbiegen vor Personen im     ten Parkassistenten. Dabei unterscheidet
toten Winkel warnt. Gerade im Logistik-      dieses System nicht zwischen menschlichen
Standort Duisburg ist dieses Thema von be-   und nicht menschlichen Hindernissen.
                                                                         Fotos: Klaus Hauschild
Im Pott                                          19

Nachdem das System sich in der Praxis be-
währt hatte, wurden nun alle Rheinfels-
und Sinalco-Laster, vier Sattel- und elf Hän-
gerzüge, alles 40-Tonner, entsprechend
ausgerüstet.
Mit vertretbaren Kosten von etwa 800
Euro pro Lkw und überschaubarem Mon-
tageaufwand sei es gelungen, die Straßen
für Radfahrer und Fußgänger sicherer zu
machen. Da jeder Hövelmann-Lkw über-
wiegend innerstädtisch etwa 40.000 km
                                                                            Foto: Fa. Hövelmann

                                                Der tote Winkel ist immer noch Killer Num-
                                                mer eins bei Abbiegeunfällen. Dieses un-
                                                terstützende System sollte auf keinen Fall
                                                dazu führen, dass Fußgänger und Radfah-
                                                rer sich neben Lkw in Sicherheit wähnen.
                                                Bisher sind Lkw mit Totwinkelassistenten
                                                nur im Promillebereich anzutreffen. Und
                                                bei unsicher geführten Radwegen hat das
                                                System auch wenig Chancen zuverlässig zu
                                                arbeiten.
                                                Der ADFC ist trotz aller eventuellen Un-
                                                zulänglichkeiten der Meinung, dass Hö-
pro Jahr zurücklegt, konnte gleichzeitig        velmann mit dem freiwilligen Einbau des
auch der Stress der Trucker reduziert wer-      kamerabasierten Assistenzsystems eine lo-
den. Der Leiter der Logistik, Herr Michae-      benswerte Vorreiterrolle einnimmt. Sollte
lidis sagte dem ADFC, dass die Lkw-Fahrer       das eine Anregung für andere Spediteure
nach kurzer Eingewöhnung das System,            sein, würde sich der ADFC natürlich sehr
trotz anfänglicher Skepsis (noch ein Pieper     über diese Entwicklung freuen.
mehr im Auto), als hilfreich empfinden und      Natürlich hofft der ADFC weiterhin auf als-
es schätzen lernten.                            baldige gesetzlich verbindliche Regelungen.

                                                                                      rree
                                                                            350 JJaahh
                                                                       über 2
  Heinrich Praß
  Johannesstr.  35
    Heinrich Praß
  45964   Gladbeck
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  Tel.: 02043-67052
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  www.radreisen-
    Tel.: 02043-67052
  gladbeck.de
    www.radreisen-
    gladbeck.de                        Ungarn: Puszta und Thermalbäder
  o Radeln auf dem 52. Breitengrad o Lüneburger Heide mit Heideblütenfest
20                                      Im Pott

25 Jahre                                      1991 wurden mit Auflösung der Bezirks-
                                              verbände aus den größeren Ortsgruppen
                                              eigenständige Kreisverbände. Und die
RAD im Pott                                   suchten nach einem geeigneten Vereins-
                                              medium. Während in Duisburg zunächst
                                              auch überlegt wurde, gemeinsam mit an-
                                              deren Umweltverbänden eine „Duisbur-
Vor 25 Jahren erschien die erste Ausgabe      ger Umweltzeitung“ herauszugeben, ei-
der beliebten Fahrradzeitung für das west-    nigte man sich dann letztendlich auf eine
liche Ruhrgebiet. Gründer waren die ADFC      gemeinsame Fahrradzeitung mit Oberhau-
Kreisverbände (KV) in Duisburg und Mül-       sen. Vor allem Markus Westphalen und Mi-
heim/Oberhausen sowie die Essener Fahr-       chael Steinbach waren hier die treibenden
radinitiative (EFI). Nach seiner Gründung     Kräfte. Bereits im Frühjahr sollte die erste
kam auch der KV Essen dazu, der aber vor      Ausgabe erscheinen. Da es in Essen damals
einigen Jahren (vorübergehend) wieder         aber noch keinen KV des ADFC gab, exis-
ausgeschieden ist und noch später die Orts-   tierte hier als möglicher Partner nur die EFI,
gruppe Gladbeck.                              was die Einbeziehung der ADFC-Mitglieder
Die RAD im Pott ist im Prinzip das Ergeb-     erschwerte. Auch der Name des gemeinsa-
nis der damaligen Neustrukturierung des       men Titels war wegen der Assoziation mit
ADFC in NRW zu Beginn der 90er Jahre. Bis     dem Ruhrpott-Image nicht unumstritten.
1991 gab es in NRW neben dem Landes-          Daher dauerte es dann noch bis zum Som-
verband nur Bezirksverbände und einige        mer 1992, bis die erste Ausgabe der „RAD
Ortsgruppen. Duisburg, Oberhausen und         im Pott“ mit damals gerade einmal 32 Sei-
Mülheim gehörten zum Bezirksverband           ten in schwarz-weiß und einer Auflage von
Düsseldorf, Essen hingegen zu Dortmund.       2500 Exemplaren erschien.
Vor der RAD im Pott gab es im Bezirk Düs-     Im Laufe der Zeit hat sich viel verändert, so
seldorf über neun Jahre die Zeitschrift       wurde aus der Herausgebergemeinschaft
„Radsam“ – langjährige Mitglieder wer-        der Kreisverbände die Rad im Pott GbR ge-
den sich vielleicht noch daran erinnern. In   gründet, das Layout professionalisiert und
Dortmund kannte man hingegen die Zeit-        das Heft nach und nach von schwarz-weiß
schrift „FahrRad“. Hier wurde allerdings      auf durchgängigen Farbdruck umgestellt.
kaum über Essen berichtet. Dafür gab hier     Aus dem ursprünglich quartalsweisen Er-
die EFI alle zwei Monate einen Rundbrief      scheinungsrhythmus sind vor einigen Jah-
heraus, den die ADFC-Mitglieder allerdings    ren drei Ausgaben pro Jahr geworden. Da
nicht erhielten.                              es im Winter nicht so viel zum Thema Fahr-
Foto: Michael Kleine-Möllhoff
                                                                     rad zu berichten gibt
                                                                      und auch das Tou-
                                                                      renangebot über-
                                                                      schaubar ist, hat sich
                                                                      dies bewährt. Die
                                                                      Frühjahrsausgabe
                                                                      erscheint regelmä-
                                                                      ßig in einer Auflage
                                                                      von 10.000 Exemp-
                                                                      laren, immer recht-
                                                                      zeitig zur Fahrrad -
                                                                      Messe in Essen.
Im Pott                                                   21

Zweihundert                                    zum Relaishaus bei Neckarau und zurück
                                               – rund 14 Kilometer in rund einer Stunde.
                                               Die Fahrt -soweit man das überhaupt schon
Jahre Fahrrad                                  so nennen kann- war sicherlich nicht be-
                                               quem, denn die Laufmaschine verfügte ja
                                               noch nicht über Pedale. Man musste sich
                                               auf einem länglichen Schemel sitzend fort-
Ein geschichtlicher                            während mit den Füßen vom Boden ab-
Rückblick, Teil 1                              stoßen. Die eisernen Reifen und das eher
                                               ruppige Pflaster der Chaussee sorgten si-
                                               cherlich nicht für viel Komfort.
Eigentlich begann alles schon im Jahr 1815.    Die Verbreitung seiner Idee scheiterte an
Der Ausbruch des indonesischen Vulkans         vielen Gründen. Seine Laufräder waren
Tambora führte auch in Europa zu „Jahren       schwer, unbequem und teuer. Dazu fiel die
ohne Sommer“ und Ernteausfällen. Da-           Erfindung der Laufmaschine in eine Zeit
durch wurde die Pferdehaltung teuer. Das       umfangreicher politischer und territorialer
nahm möglicherweise Karl Friedrich Frei-       Neuordnungen als Folge der rund 20 Jahre
herr Drais zum Anlass, andere Möglichkei-      andauernden kriegerischen Auseinander-
ten der Fortbewegung zu finden. Er baute       setzungen mit dem napoleonischen Frank-
1817 das erste lenkbare Laufrad, das heute     reich. Hinzu kam eine Wetterverschlech-
als Vorläufer des Fahrrades gilt. Mit diesem   terung durch einen Vulkanausbruch 1815.
Laufrad fuhr bzw. lief er am 12. Juni 1817     Durch die folgenden Ernteausfälle in Mit-
von seinem Mannheimer Wohnhaus über            teleuropa kam es zu einer Hungersnot. Die
die Chaussee Richtung Schwetzingen bis                   Sonderausstellung im Mannheimer Technoseum
                                                                         Fotos: Michael Kleine-Möllhoff
22                                       Im Pott

Menschen lebten in Armut. Nur der Adel         in die richtige Richtung, wurde aber auch
und wenige Angehörige des Bürgertums           nicht intensiv weiterverfolgt.
konnten sich eine solche Laufmaschine leis-    Die Entwicklungen der Tretkurbelan-
ten.                                           triebe durch Mac Millan, Milius, Fischer,
Freiherr von Drais baute seine Laufma-         Michaux und Lallemaut waren das Bin-
schinen nicht selber. Lediglich eine Lizenz-   deglied vom Laufrad zum Fahrrad. Der
plakette am Lenker zeigte, dass es sich        Schotte Mac Millan brachte Schiebepeda-
um eine original Drais´sche Laufmaschine       le am Rahmen neben dem Vorderrad an,
handelte. Allerdings gab es diese Lizenz       die durch Hebelarme mit dem Hinterrad
nur für den Raum Baden. In anderen Tei-        verbunden waren und die Hin- und Her-
len Deutschlands und Europas konnte da-        bewegungen der Beine in Drehbewegun-
rum die Laufmaschine einfach nachgebaut        gen am Hinterrad umwandelte. Heute ste-
werden. Auch blieb dem Erfinder die ge-        hen diese Geräte in vielen Fitness-Studios.
bührende Anerkennung zu Lebzeiten ver-         Der Instrumentenmacher Fischer aus
wehrt. Im Gegenteil: Ein Ausspruch seines      Schweinfurt versah 1853 das Lauf-
Zeitgenossen Karl Gutzkow 1837 in „Die         rad mit Kurbeln. Die technische Umset-
Zeitgenossen“ macht dies deutlich: „Alle       zung war jedoch nicht so ganz gelungen.
Erfindungen des Herrn von D. sind mecha-       Erst 1862 gelang dem Franzosen Michaux
nische Hirngespinste“.                         eine technisch ausgereifte Umsetzung: Das
Alle diese Faktoren führten zu einer Stag-     Vorderrad wurde mit einer Kurbel verse-
nation in der Entwicklung. Erst zirka 1850     hen, die als Direktantrieb wirkte. 1867 auf
kam dann der nächste kleine Entwicklungs-      der Weltausstellung in Paris gelang ihm der
schritt.                                       Durchbruch mit dem Kurbelholzrad.
Beim Künzelsauer Schubstockrad erfolg-         Dadurch begann dann die größere Verbrei-
te der Antrieb über 2 Holzstöcke, mit de-      tung des Fahrrades. Um ein größeres Tem-
nen sich der Fahrer auf dem Boden abstieß.     po zu erreichen, blieb den Konstrukteuren
Also eine Art Nordic Walking auf einem         nur eine Möglichkeit: Durch Vergrößern
Laufrad. Die Füße nutzte der Fahrer zum        des Vorderrades bis auf gut 2 Meter Durch-
Lenken. Das war zwar ein weiterer Schritt      messer wurde eine höhere Geschwindig-
                                               keit von bis zu 20 km/h erreicht. So entstand
                                               dann ab ca. 1870 die Hochradproduktion.
                                               Das „Ariel“, eine Konstruktion der Englän-
                                               der William Hillman und James Starley, gilt
                                               als das erste Hochrad. Es enthielt einige
                                               Neuerungen: Verstellbare Pedale zur An-
                                               passung an verschiedene Beinlängen und
                                               als besonderen Entwicklungsschritt gab es
                                               auch ein tangential eingespeichtes Vorder-
                                               rad. Diese einseitig tangentiale Speichen-
                                               führung war beim Fahren stabiler, beim
                                               Bremsen jedoch noch immer problema-
                                               tisch. 1874 führte Starley darum die über-
                                               kreuzte tangentiale Speichenführung ein,
                                               die praktisch bis heute noch gilt. Die Rä-
                                               der waren nun auch vollgummibereift, da-
                                               durch auch schon etwas komfortabler.
                                               Ein Problem blieb trotzdem: Wegen der
Im Pott                                       23

                                                                   triebsart. Diese Firma
                                                                   wurde gegründet von
                                                                   John Kemp Starley, ei-
                                                                   nem Neffen von James
                                                                   Starley, und von Wil-
                                                                   liam Sutton. Aus diesem
                                                                   Unternehmen entstand
                                                                   später die Automobil-
                                                                   firma Rover. Wieder ein
                                                                   Beispiel, dass die Ent-
                                                                   wicklung des Fahrrades
                                                                   dem Automobil Vor-
                                                                   schub geleistet hat.
                                                                   Nachdem nun das Fahr-
                                                                   rad endlich eine ver-
                                                                   nünftige Größe hatte,
                                                                   ging der nächste Ent-
                                                                   wicklungsschritt hin zu
Foto: Herbert Fürmann                                              einem guten Rahmen.
Sturzgefahr wurde Hochradfahren jedoch         Über den Kreuzrahmen und den Fünf-
in vielen deutschen Städten nach wenigen       eckrahmen entwickelte sich der Diaman-
Jahren schon verboten, in Köln war es noch     trahmen. Der Name steht nicht in Zusam-
bis 1894 erlaubt.                              menhang mit der Stabilität sondern wird
Doch die Entwicklung ging weiter: 1885         abgeleitet von dem englischen Wort „Dia-
baute Carl Benz in ein Tricycle, also in ein   mond“, mit dem die Rautenform des Rah-
3rädriges Fahrrad, seinen Gasmotor ein         mens bezeichnet wird.
und konstruierte damit das erste Automo-       Als 1885 die Firma Mannesmann nahtlose
bil. Es wäre schön, wenn die Autofahrer ge-    Rohre herstellte, war dies der Durchbruch
legentlich einmal daran denken würden,         für die Herstellung leichter und stabiler
dass die Entwicklung des Fahrrades auch        Fahrradrahmen.
die Basis für das Automobil war.               Nun hatten die Radler schon Sicherheit und
Im Fahrradbau ging die Entwicklung wei-        Stabilität, aber es fehlte noch immer der
ter: Weil Hochradfahren gefährlich war,        Komfort. Der englische Tierarzt John Boyd
sollte das Fahrrad wieder kleiner werden,      Dunlop entwickelte den Luftreifen. Aller-
ohne jedoch an Geschwindigkeit zu ver-         dings war er nicht der Erste: der Englän-
lieren. Dies erreichten die Konstrukteure      der Robert William Thomson hatte bereits
durch Kettenantriebe am Vorderrad, die         1845 ein Patent auf den Luftreifen erhal-
durch ihre Übersetzung das gleiche Tem-        ten, dieses Patent war jedoch in Vergessen-
po ermöglichten. Diese Technik fand zu-        heit geraten. John Boyd Dunlop gründete
erst bei dem von James Starley entwickel-      zwar mit Geschäftspartnern die „Pneuma-
ten Sicherheitshochrad Kangaroo im Jahr        tic Tyre and Booth's Cycle Agency Ltd.“,
1884 ihren Einsatz.                            allerdings wurde ihm das Patent auf den
Schon 1879 stellte Henry John Lawson ein       Luftreifen 1890 wieder entzogen aufgrund
Fahrrad mit Kettenantrieb auf das Hinter-      des Patentes von William Thomson. Da-
rad vor. Doch erst die Entwicklung des „Ro-    durch kamen nun noch andere Hersteller
ver“ durch die Firma „Starley und Sutton“      für Luftbereifung auf den Markt, das führ-
1885 brachte den Durchbruch für diese An-      te zur schnellen Verbreitung.
24                                      Im Pott

                                              Mannheim noch
200 Jahre Fahrrad                             nicht fahrradtauglich
Radinfrastruktur hängt                        Im Sommer 1817 fuhr Karl Freiherr von
in Deutschland hinterher                      Drais in der Stadt am Rhein die erste Stre-
                                              cke mit seiner Laufmaschine, dem Vor-
                                              gänger des heutigen Fahrrads. Anerken-
Das Fahrrad ist ein Verkehrsmittel – dessen   nung war dem Erfinder allerdings nicht
Potenzial allerdings auch 200 Jahre nach      vergönnt. Sein Gefährt wurde von An-
seiner Erfindung noch längst nicht ausge-     fang an von der Obrigkeit torpediert und
schöpft ist. Ansätze und Ideen, wie man       der Nutzen in Frage gestellt. Radelt man
mehr Menschen in Deutschland auf das          200 Jahre später durch Mannheim, über-
Fahrrad bringen könnte, gibt es viele. Doch   kommt einen immer noch das Gefühl, dass
politische Entscheider scheinen das Thema     das Fahrrad hier nicht angekommen ist. Al-
zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.      lein eine Fahrt vom Bahnhof zur Ausstel-
Es braucht deshalb mehr Druck aus der Be-     lung gleicht einem Spießrutenlauf durch
völkerung, wie der pressedienst-fahrrad       den städtischen Verkehr. Das Fahrrad als
aufzeigt.                                     Lösung der innerstädtischen Verkehrspro-
Don Quijote würde sich im Allgemeinen         bleme? In vielen deutschen Städten hinkt
Deutschen Fahrrad-Club sicher wohl füh-       die Entwicklung der Fahrradinfrastruktur
len. Täglich ziehen die Verbandsmitglie-      hinterher. Nach Angaben von Dr. Bastian
der deutschlandweit in Kämpfe gegen die       Chlond, Leiter des Instituts für Verkehrs-
sprichwörtlichen Windmühlen. Ihre Rösser:     technik in Karlsruhe, werden mittlerweile
das Fahrrad. Ihr Ansinnen: eine lebenswer-    deutschlandweit über ein Drittel aller All-
tere Umwelt. Aber auf Bundes-, Landes-        tagswege mit dem Fahrrad zurückgelegt.
und Kommunalebene stoßen die Ideen            Eine positive Entwicklung, die jedoch zu ei-
und Maßnahmen zu oft auf taube Ohren.         nem Problem führt: Wird die Infrastruktur
Dabei rückt das Fahrrad gerade jetzt in den   in den Städten nicht an die wachsende Zahl
öffentlichen Fokus: 2017 steht das große      der Radfahrer angepasst, verliert das Rad-
200-jährige Jubiläum an. Dazu wurde in ei-    fahren schnell an Unterstützern.
nem ersten Akt am 10. November 2016 im
Technoseum in Mannheim eine Sonderaus-
stellung über die Geschichte des zweirädri-
                                              Worten Taten folgen lassen
gen Vehikels eröffnet.
Foto: www.pd-f.de / koga.com                  „Wir haben nicht die Zeit wie beim Bau des
                                              BER oder der Elbphilharmonie. Wo ist der
                                              Minister, der jetzt den Mut hat und mehr
                                              für den Radverkehr tut?“, fragt deshalb
                                              Ludger Koopmann, stellvertretender Vor-
                                              sitzender des ADFC, auf einem Symposium
                                              seines Verbandes zur Eröffnung der Jubilä-
                                              umsausstellung. Wütend schiebt er hinter-
                                              her: „Wir sind es leid, nur leere Worte zu
                                              hören. Wir wollen jetzt Taten sehen!“ Der
                                              Frust bei Koopmann ist begründet. Beim
                                              Symposium, das unter dem Titel „Fahrrad-
Im Pott                                              25

land Deutschland. Jetzt!“ lief, glänzten die
politischen Entscheider aus der Bundes-
und Landespolitik mit Abwesenheit.
Diese Situation ist nicht neu, wie Rolf Ka-
threin-Lehmann vom Taschenspezialisten
Ortlieb im Gespräch mit dem pressedienst-
fahrrad bestätigt. Er engagiert sich seit vie-
len Jahren in der Fahrradbranche. Immer
wieder muss er feststellen: Die wichtigen
Entscheider bleiben diesen Veranstaltun-
gen fern. „Aber wir brauchen die Politiker
                                                                   Foto: www.pd-f.de | David Koßmann
und Stadtplaner, die den Mobilitätswan-
del wollen“, so der Produktmanager. Städ-        as Hombach vom Stadtmöblierer WSM seit
te können durch geschicktes Networking           2005 in Deutschland zugenommen. Spezi-
aber selbst aktiv werden und mehr tun. In-       ell die Arbeit des ADFC und kommunaler
spiration dazu gibt es beispielsweise aus        Förderkreise sieht er als einen Grund dafür.
dem benachbarten Ausland.                        „Eine spürbare Steigerung im Modal Split,
                                                 also der Verkehrsmittelwahl, wird das Fahr-
                                                 rad aber nur dann erreichen, wenn die In-
Wie wollen wir künftig leben?                    frastruktur stimmt – hier gibt es sicherlich
                                                 noch einiges zu tun, wobei auch schon vie-
Die Niederlande haben sich in den letzten        les erreicht wurde“, meint Hombach.
Jahrzehnten auf Druck der städtischen Be-
völkerung zu einer Fahrradnation entwi-
ckelt. „Die Leute wurden nicht gefragt:
                                                 S-Pedelecs auf Radwege
,Welches Verkehrsmittel benutzt ihr?‘, son-
dern: ,Wie wollt ihr in eurer Stadt leben?’“,    Für Markus Riese vom Darmstädter E-Bike-
erklärt Saskia Kluit, Geschäftsführerin des      Hersteller Riese & Müller ist eine zukünf-
niederländischen Fahrradverbandes Fiet-          tig stärkere Nutzung von S-Pedelecs eine
sersbond, den Wandlungsprozess. Das Er-          Möglichkeit, den Radverkehr zu steigern.
gebnis sind grüne, urbane Räume, in denen        Die schnellen Elektroräder unterstützen bis
der Radverkehr klar Vorrang genießt. „Der        45 km/h und sind deshalb gerade für Pend-
Radverkehr braucht Platz, damit sich Men-        ler mit Strecken von fünf bis 30 Kilometer
schen wohlfühlen. Das funktioniert, wenn         eine echte Alternative zum Auto. „Studien
die Bevölkerung die Wandlung unterstützt         zeigen: Je mehr Fahrräder unterwegs sind,
und will“, so Kluit.                             umso sicherer und angenehmer wird das
                                                 Fahrradfahren. Mit S-Pedelecs kann sich
                                                 so viel Autoverkehr auf das Zweirad verla-
Abstellanlagen errichten                         gern, dass ein wahrer Schneeballeffekt aus-
                                                 gelöst wird“, sagt Riese. Sicherere Straßen-
In Utrecht beispielsweise haben neue Ab-         verhältnisse, infrastrukturelle Maßnahmen
stellanlagen an öffentlichen Plätzen für ein     und mehr Fahrradfahrer wären die Folge.
aufgeräumtes Stadtbild gesorgt. Wer sein         Grundvoraussetzung hierfür ist laut Riese
Rad schnell und sicher verwahren kann, der       eine billige und leicht umzusetzende Maß-
legt auch gerne Alltagswege regelmäßig           nahme: Radwege müssen auch innerorts
damit zurück. Die Nachfrage nach hoch-           für S-Pedelecs freigegeben werden. Das
wertigen Abstellanlagen hat laut Andre-          momentane Benutzungsverbot erweist
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