Adventisten - Advent-Verlag Lüneburg
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Ausgabe Nr. 10/2021 | Oktober | www.adventisten-heute.de | ISSN 2190-0825 adventisten & Die Zeitschrift der S i e b e n t e n - Ta g s - A d v e n t i s t e n heute Wie eng soll die Pforte sein? Seite 7 DVG und Netzwerk Waldfriede starten Kooperation Seite 18 Warum ich gern Pastorin bin Seite 20 Mission neu denken ab Seite 8
N e u e B ü c h e r d e s A d v e n t - Ve r l a g s L ü n e b u r g Impulse für Glauben und Denken Schau nicht zurück Marlyn Olsen Vistaunet Schau nicht zurück Ein Leben voller Schicksalsschläge und Paperback, unerschütterlichem Gottvertrauen 240 Seiten, 14 x 21 cm, M arlyn Olsen Vistaunet erzählt ehrlich und bewegend von den harten Schicksalsschlägen, die sie schon in jungen Jahren durchleben musste. 17,90 Euro (15,90 Euro für Leserkreis- mitglieder), Art.-Nr. 1984. Als Dreijährige wurde sie entführt und verlor wenig spä- ter den Bruder bei einem Hausbrand, der auch die Eltern * schwer verletzt zurückließ. Später kamen ein College- Rauswurf und sexuelle Gewalt hinzu. Doch durch all die Verzweiflung und das Leid hindurch erlebte sie Gott immer * Weitere Infos wie Inhaltsverzeichnis oder Leseproben sind auf www.advent-verlag.de abrufbar. wieder als treuen Wegbegleiter, der sie beschützte und ihr Neuanfänge schenkte. Der QR-Code führt Smartphones direkt zur Internetseite des Buches. glauben heute 2021 Judith Fockner glauben heute Theologische Impulse Paperback, 120 Seiten, A uch 2021 finden sich in glauben heute wieder Beiträ- ge, die zum Tiefergraben, Weiterdenken und zum Aus- tausch anregen sollen. 14 x 21 cm, 10,00 Euro (8,00 Euro für Leserkreis- mitglieder), Die Themen drehen sich diesmal um den biblischen Schöp- Art.-Nr. 1989. fungsbericht (Lothar Wilhelm), Zeichen der (End-) Zeit (Rolf Pöhler), den Umgang mit christlicher Dogmatik (Mat- * thias Dorn), das Gesetz in Römer & Galater (Ekkehardt Müller) und die Heilsgeschichte aus adventistischer Sicht (Stefan Höschele). Leserkreis- Bestellmöglichkeiten • Am Büchertisch oder im Onlineshop: www.advent-verlag.de Mitglied werden • Tel.: 0800 2383680, Fax: 04131 9835-500 • bis zu 30 % Preisermäßigung • E-Mail: bestellen@advent-verlag.de • automatische Lieferung Immer auf dem neuesten Stand – sofort nach Erscheinen abonniere den E-Mail-Newsletter des Advent-Verlags! • Jahrespräsent-Buch kostenlos für Leserkreis-Mitglieder Advent-Verlag | www.advent-verlag.de www.facebook.com/adventverlag www.advent-verlag.de/leserkreis
editor ial | i nhal t Gehet hin … aktuell Als introvertierte Person war und ist der Missions- 4R ichard Elofer, Leiter des Jüdisch-adventistischen auftrag für mich eine echte Herausforderung. Nicht Freundschaftszentrums, im Ruhestand / Corona- nur, weil anscheinend von mir erwartet wird, dass Maßnahmen als Gefahr für die Religionsfreiheit? ich wildfremde Menschen ansprechen soll – nein. 5G eneralkonferenz publiziert biblisch-theologische Ich soll auch noch über eine der tiefgreifendsten Überlegungen zum Impfen und intimsten Sachen sprechen – meinen Glauben 6R eport: Notizen gegen die Krise – und den anderen von dessen Richtigkeit überzeu- gen. So, oder so ähnlich dachte ich viele Jahre lang. Kolumne Kürzlich, während einer Fortbildung, erzählte ich abends beim Tagesausklang im Restaurant von meinem Beruf als Pastorin. 7W ie eng soll die Pforte sein? (Hartmut Wischnat) Auf einmal konnte ich mich vor interessierten Fragen über meinen Beruf und Glauben gar nicht mehr retten und es entsponnen sich lange Gespräche, die Thema des Monats: mir leichtfielen und sogar Spaß machten. Es war ein respektvoller Austausch Mission neu denken auf Augenhöhe, in dem ich von dem erzählen konnte, woran ich glaube, ohne etwas zu erzwingen oder jemanden in eine unangenehme Situation zu bringen. 8M ission und Ethik (Stefan Höschele) So kann Mission also auch gehen, erlebte ich. 10 Zurück in die Zukunft (Erhardt Dan / Dragutin Lipohar) In dieser Ausgabe von Adventisten heute geht es um die Frage, wie wir un- 12 Gelebte Mission (Heike Steinebach) serem Missionsauftrag in einer Weise gerecht werden können, die auf Respekt 13 Mission „Hope Center“ in Bensheim und Wertschätzung basiert. Stefan Höschele betont in seinem Artikel „Mission (Marion Gaffron) und Ethik“, dass es Gottes Mission ist, aus der unser Handeln und unsere Ethik 14 Link2Jesus – digitale Hauskreise für das entspringen. Mission geschieht, indem wir anderen Menschen durch unser Vor- analoge Leben (Marc-Aurel Nerlich, Isabell Köhler) bild und Zeugnis den Weg zu Jesus ebnen. 15 Missionarische Angebote der Freikirche in In dem Artikel „Zurück in die Zukunft“ reflektieren die beiden Autoren Deutschland (Dragutin Lipohar und Eri Dan) über den biblischen Ursprung von Mission. Sie betrachten die Missionsbemühungen und -prinzipien der ersten Christen, Adventgemeinde aktuell von Paulus und Simon Petrus, und leiten daraus Grundsätze für die heutige Gemeinde und ihre Mission ab – sie ist missionarisch, diakonisch und lässt sich 16 Lesermeinungen immer von Jesus leiten. Heike Steinebach berichtet aus ihrer persönlichen Erfahrung und sagt: Wer Adventist World missionarisch leben möchte, braucht eine persönliche Beziehung zu Jesus. Gottes Segen bei der Lektüre! 10/2021 Eure Jessica Schultka Dein Zuspruch macht mich stark Seite 10 Unvernünftige Leiterin des Advent-Verlags, schultka@advent-verlag.de Tränen Seite 13 Zehn Kamele und drei Engel Seite 22 IMPRESSUM Die weltweite Zeit- adventisten heute | ISSN 2190-0825 Die Herausgeber: Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (119. Jahrgang) Kraft der Sanftmut schrift der Siebenten- Ausgabe Nr. 10/2021 | Oktober | www.adventisten-heute.de | ISSN 2190-0825 Tags-Adventisten Verlag: Advent-Verlag GmbH, Pulverweg 6, 21337 Lüneburg, adventisten & E-Mail: info@advent-verlag.de, Die Zeitschrift der S i e b e n t e n - Ta g s - A d v e n t i s t e n heute Internet: www.advent-verlag.de; www.facebook.com/adventverlag Redaktion: Thomas Lobitz (Chefredakteur, tl), Jessica Schultka (js), Wie eng soll die Pforte sein? Freikirche aktuell Seite 7 Nicole Spöhr (nsp), Adresse: siehe Verlag; DVG und © LeonidKos – shutterstock.com 17 Von Trends und ewigen Wirklichkeiten Netzwerk Waldfriede Tel. 04131 9835-521. E-Mail: info@adventisten-heute.de, starten Kooperation Seite 18 Internet: www.adventisten-heute.de Warum ich gern Pastorin bin Seite 20 18 DVG und Netzwerk Waldfriede starten Kooperation Anzeigen: Dorothee Schildt-Westphal, Tel. 04131 9835-521, 20 W arum ich gern Pastorin bin Fax 04131 9835-502, E-Mail: anzeigen@adventisten-heute.de 21 Wie kann ich helfen? Bezug: Kostenlos bei Bezug über den Büchertisch der örtlichen Adventgemeinde in Deutschland sowie online (zum Herunterladen, Mission 22 D ie Marienhöhe auf Online-Besuch in den Gemeinden neu denken 23 s teps2.one – Kleingruppenimpulse Speichern und Drucken) im Internet: www.adventisten-heute.de ab Seite 8 Gestaltung: Ingo Engel, München 24 Erneuerung des Hauses Wittelsbach Titelgestaltung: Julia Klaushardt, Hope Media Der Auftrag lautet: In die Welt 25 S ieben Jahre, fünf Wege / Die Wachtelburg als Ort Produktion/Druck: Strube Druck & Medien OHG, 34587 Felsberg gehen und das Evangelium der Begegnung gewinnt an Reiz Spendenkonto: Freikirche der STA, IBAN: DE14 6009 0100 0227 3850 04, verkünden. Aber wie soll das BIC: VOBADESSXXX, Verwendungszweck: Aheu-Finanzierung geschehen? 26 N otizbrett: Gebet für missionarische Anliegen / Merkmale eine geistlich gesunden Gemeinde / Vertreter des jüdischen und islamischen Glaubens Adventisten heute online lesen sprechen Grußworte Jede Ausgabe ist auch im Internet als pdf unter advent-verlag.de/zeitschriften/ 27 Anzeigen adventisten-heute/ verfügbar. 30 A DRA heute adventisten heute | Oktober 2021 | 3
a ktu e l l Na c h r i c h t e n Kurznachrichten Corona-Maßnahmen als Gefahr für die Religionsfreiheit? n Richard Elofer, Leiter des Jüdisch- Über den Umgang mit gegensätzlichen Auffassungen adventistischen Freundschaftszentrums, im Ruhestand Nach dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 10. August zeich- Dr. Richard Elofer, Leiter des Jüdisch-adventisti- net sich der Trend ab, dass die Bundesländer ihre Corona-Verordnungen nach schen Freundschaftszentrums (Jewish-Adventist dem 3-G-Grundsatz ausrichten. Zugang zu Veranstaltungen oder vielen Innen- Friendship Center − WJAFC), trat Ende August räumen (Restaurants, Kinos etc.) sollen dann nur diejenigen erhalten, die ent- in den Ruhestand. Elofer, selbst Jude, leitete weder geimpft, getestet oder genesen sind. Die Stadt Hamburg hat sogar eine seit mehr als 21 Jahren das Freundschaftszen- 2-G-Regelung beschlossen (geimpft, genesen). trum und erinnerte die adventistische Kirche Zunächst war der Besuch von Gottesdiensten von diesen Regelungen nicht immer wieder daran, wie wichtig dieser Dienst betroffen gewesen. Man hat dadurch der besonderen Bedeutung des Grund- und ein respektvoller und informierter Umgang rechts der Religionsfreiheit Rechnung tragen wollen. Die Stadt Hamburg hat mit seinem jüdischen Volk ist, betonte Gary Gottesdienste jedoch in der neuesten Fassung ihrer Corona-Verordnung aus- Krause, Direktor des Referats Adventist Mission drücklich erwähnt und es den einzelnen Kirchengemeinden überlassen, ob sie der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung). die 2-G-Regel anwenden. Richard Elofer wurde in Casablanca/Marokko in einer orthodoxen jüdischen Familie geboren Hürden für Gottesdienstbesuch niedrig halten und trat im Alter von 19 Jahren, als er in Pa- In diesem Zusammenhang weist der Leiter des Instituts für Religionsfreiheit ris lebte, den Siebenten-Tags-Adventisten bei. an der Theologischen Hochschule Friedensau, Dr. jur. Harald Mueller, in einem Danach war er 15 Jahre lang als Außendienst- Schreiben auf zwei Aspekte hin: Eine Testpflicht für Gottesdienstbesucher wür- mitarbeiter des adventistischen Verlags sowie de zwar eine formale Gleichbehandlung mit anderen Veranstaltungen herstel- als Gemeindepastor tätig, bevor er Vorsteher len. Jedoch sei der Gottesdienstbesuch für viele gläubige Menschen Teil der der Adventisten in Israel wurde. Während seines „spirituellen Grundversorgung“ und könne nicht beliebig weggelassen werden. Dienstes in Israel erfolgte im Jahr 2000 zusätz- Daher müssten die Hürden für einen Gottesdienstbesuch, soweit vertretbar, lich die Ernennung zum Direktor des Jüdisch- mit Hilfe von geeigneten Hygienekonzepten niedrig gehalten werden. adventistischen Freundschaftszentrums. 2012 zogen er und seine Frau Liliane wieder nach Innerkirchliche Gewissensfreiheit gewährleisten Frankreich, wo er sich ganz seiner Arbeit als Lei- Ferner habe die Frage von „Geimpftsein oder nicht?“ bereits zu einer merk- ter des Zentrums widmen konnte. Weitere Infor- lichen Fragmentierung der Gesellschaft geführt und teilweise den Charakter mationen zum Jüdisch-adventistischen Freund- eines Glaubensstreits angenommen. Dieser Bruch werde verschärft durch die schaftszentrum: www.jewishadventist.org jetzt von der Politik ins Auge gefassten Regeln zur Förderung der Impfkampa- Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten gne, die mit Erschwernissen für Impfverweigerer verbunden seien. „Soll ich ge- unterhält neben dem Jüdisch-adventistischen zwungen werden, gemeinsam in den Lockdown zu gehen, nur weil sich andere Freundschaftszentrum die folgenden weiteren nicht impfen lassen wollen?“ oder „Warum soll ich benachteiligt werden, wenn Zentren: ich mich gegen eine Impfung entscheide?“, so werde jeweils unter Bezug auf • Zentrum für ostasiatische Religionen: Bud- die Grundrechte argumentiert. Weil sich diese widerstreitenden Auffassungen dhismus, Taoismus, Konfuzianismus und Schin- nicht auflösen lassen würden und gleichzeitig der Staat Entscheidungen über toismus jeweils für alle geltenden Regeln treffen müsse, rät Mueller dazu, Gewissens- • Zentrum für südasiatische Religionen: Hindu- freiheit nicht nur vom Staat einzufordern, sondern auch im privaten und in- ismus, Jainismus und Sikhismus nerkirchlichen Bereich denjenigen zu gewähren, die eine andere Auffassung • Weltweites Zentrum für adventistisch-musli- vertreten als man selbst. „Das fällt angesichts der hitzigen und meist ohne mische Begegnungen übereinstimmende Tatsachenwahrnehmung geführten Debatte nicht leicht, ist • Urbanes Zentrum (Großstadt-Zentrum) aber dringend notwendig, wenn wir weiter gemeinsam in die Zukunft gehen • Zentrum für säkulare und postmoderne Studien wollen“, so die Einschätzung des Experten für Religionsfreiheit. APD/tl Weitere Informationen (Englisch): www.globalmissioncenters.org/home (APD/tl) Wenn nur Geimpfte und Richard Elofer Ge-nesene an war u. a. Kirchen- Gottesdiensten leiter in Israel teilnehmen © Ivan Diaz – unsplash.com und leitete das dürfen, würde Jüdisch-adventis- dies die Re- tische Freund- ligions- und © SAD schaftszentrum. Gewissensfreiheit einschränken. 4 | adventisten heute | Oktober 2021
akt uel l Nac h r i c ht en Gottvertrauen und moderne Medizin ergänzen sich Generalkonferenz publiziert biblisch-theologische Überlegungen zum Impfen Am 19. August hat die Gesundheitsabtei- ken, Wissen zu erwerben und zu erkennen, lung der Generalkonferenz (Weltkirchen- was richtig, gut und nützlich ist. leitung) biblisch-theologische Überlegun- gen zum Thema Impfen veröffentlicht. Der 3. Gott erledigt nicht, was der Mensch Autor ist Jiří Moskala (Th.D., Ph.D.), Pro- tun soll fessor für Altes Testament und Dekan des Man könne nicht um Gottes Eingreifen bit- Theologischen Seminars der Andrews Uni- ten, um eine gute Ernte einzufahren und versity (Berrien Springs, Michigan/USA). nicht bereit sein, hart für die Erhaltung Auch wenn die Bibel nicht übers Impfen der Ernte zu arbeiten. spreche, so enthalte sie dennoch wichtige Gesundheitsgrundsätze, die auch für mo- 4. Gott schenkt Gesundheit als Gabe, derne Fragen anwendbar seien. Die allge- die Nächstenliebe ermöglicht meine Regel sei klar, so Moskala: „Erlaubt Gott möchte, dass wir unsere Gesundheit ist, was mit den biblischen Gesundheits- so gut wie möglich erhalten. Nicht nur, um © Andrews University grundsätzen in Einklang steht und ihnen länger zu leben, sondern auch, um ande- nicht widerspricht.“ ren zu dienen und so lange wie möglich nützlich zu sein. Erlaubtes und Verbotenes Es gebe viele erlaubte Aktivitäten und 5. Gott schützt das Leben. Impfen ist Der Leiter des Theologischen Seminars der Einrichtungen, die in Übereinstimmung Nächstenliebe und Lebensschutz Andrews University, Prof. Jiří Moskala, ver- mit der Offenbarung Gottes seien, auch Gott hat uns geboten, dass wir das Leben fasste im Auftrag der Gesundheitsabteilung wenn sie nicht direkt in der Bibel erwähnt schützen und für die Gesundheit unserer der Generalkonferenz eine Einschätzung von würden. Nächsten sorgen sollen (3 Mo 19,18; Hes Impfungen aus biblischer Perspektive. Der Theologe führt die Bibelgesprächs- 34,4). „Auch wenn es einige Unbekannte kreise als Teil des adventistischen Gottes- in der Langzeitforschung und ihren Aus- dienstes an oder dass das Abendmahl alle wirkungen gibt, überwiegen die Vorteile 8. Medizinische Wissenschaft und drei Monate gefeiert werde, dass Schulen, der Impfung die möglichen Probleme. Sich Glaube sind komplementär Universitäten und Krankenhäuser unter- impfen zu lassen, ist ein Akt der Nächs- „Kreativität und Erfindergeist sind Gaben halten werden oder die Organisations- tenliebe, denn die Impfung trägt dazu bei, Gottes. Die Beweise der Wissenschaft sind struktur der adventistischen Kirche in andere vor schweren Erkrankungen oder eindeutig: Impfstoffe retten Leben, und Ortsgemeinden, Vereinigungen, Verbänden gar dem Tod zu bewahren und damit eine die Nebenwirkungen sind meist geringfü- und Divisionen. Laut Moskala ist das ver- gemeinschaftliche Immunität oder Herde- gig und kurzfristig. Die vielen positiven boten, „was (1) im Widerspruch zum aus- nimmunität aufzubauen.“ Aspekte überwiegen bei weitem die mini- drücklichen Gebot Gottes steht und (2) malen negativen Auswirkungen und Ge- den allgemeinen Lebensgrundsätzen, die 6. Gebet um Heilung schließt Anwen- sundheitsrisiken.“ im Wort Gottes zum Ausdruck kommen, dung von Medikamenten nicht aus widerspricht“. „Gebete um Heilung und Vitalität heben Ellen White ließ sich gegen Pocken Die Bedeutung von Impfungen aus bi- die Anwendung verschiedener Heilmittel, impfen blisch-theologischer Perspektive kann ge- Operationen, Medikamente oder Impfun- Diese biblisch-theologischen Überlegungen mäß dem Theologieprofessor aus verschie- gen nicht auf. Wie man sie anwendet, werden laut Moskala durch die Praxis von denen Blickwinkeln dargestellt werden: hängt von der jeweiligen Lebenssituation Ellen White unterstützt und bestätigt, da ab.“ Ellen White habe dies 1911 bekräf- sie selbst [gegen Pocken] geimpft war und 1. Gott ist der wahre Arzt tigt: „Es ist keine Verleugnung des Glau- andere dazu ermutigte, dies aus zwei Grün- Gott ist der wahre Arzt, der unsere Krank- bens, angemessene Heilmittel vernünftig den zu tun: „(1) die persönliche Gesund- heiten heilt. Medizin und verschiedene einzusetzen.“ heit ermöglicht es uns, anderen effizient Heilmittel können hilfreich sein, aber nur zu dienen; und (2) um Krankheiten nicht der Herr bewahrt und stellt die Gesundheit 7. Krankheiten zu vermeiden, ist eine zu übertragen und andere anzustecken.“ wieder her. biblische Verpflichtung Eine ausführlichere Fassung des Artikels Vorbeugen sei immer wichtiger als heilen. gibt es unter dem Shortlink: https://bit. 2. Gott stattete den Menschen mit Ver- Krankheiten zu vermeiden, sei eine bibli- ly/38DM3BE Zum vollständigen Text dieser stand aus, damit er ihn anwendet sche Verpflichtung, schreibt der Theologe. Überlegungen auf Englisch: Gott hat die Menschen nach seinem Bild, Die Motivation sollte demnach darin be- www.healthministries.com/ als intelligente Wesen geschaffen, die ih- stehen, gesund zu sein sowie Familie und vaccination-biblical-theological-reflection/ ren Verstand einsetzen sollen, um zu den- Gesellschaft zu schützen. APD/tl adventisten heute | Oktober 2021 | 5
Re po r t Notizen gegen die Krise Tagebuchauszüge eines Notfallseelsorgers im Einsatz für Flutopfer H abe mich gemeldet. Mit der prak- wahren Helden sind die betroffenen Men- Ich sortiere und kennzeichne Latzho- tischen und wirkungsvollen Un- schen. Es ist beeindruckend, wie sie mitei- sen, immer wieder kleiden wir Arbeiter terstützung der Firma Hellwig und nander wieder aufbauen, wie sie die Gebir- und Handwerker aller Nationen ein, Hand- Fölster aus Kellinghusen bin ich nun fünf ge an Veränderungen bewältigen. Ich tanke schuhe, Gummistiefel … „Deutschland Tage zur Notfallseelsorge in Bad Neuenahr- hier Mut, egal was die Zukunft bringt. hilft“ hat fast immer, was sie brauchen. Ahrweiler. Gemeinsam geht alles leichter. Mittagspause, ein Zug mit THW-Helden 16. August (Berliner) holt Essen, sammelt sich um den 15. August Ein großer Audi, sauber, ein älterer Mann Biertisch auf den Bänken, sie rücken zu- Ausgabestelle an einer Tankstelle, ich tei- hat getankt. „Wie geht es Ihnen?“ Er öff- sammen, jeder soll Platz haben, die Män- le Hilfsgüter aus, helfe beim Koordinieren net den Kofferraum, kleine Kiste mit Bei- ner sind müde. „Was macht ihr als Erstes, und spreche Menschen an. Bin auch direkt leidskarten, seine Frau (80) ist in der Flut wenn ihr nach Hause kommt?“ „Einkau- zu Mensch gesandt worden im Schlepptau ertrunken, das Haus weggespült, neben der fen!“ „In normalem Leben sein.“ „U-Bahn der Handwerker oder zu Hausbesuchen am Kiste ein Köfferchen, Kofferraum wieder zu. fahren.“ „Aber vielleicht wird mir das auch Abend. Er ist 86, sie wollten demnächst 60 Jahre zu eng.“ „Schlafen gehen. Nee, Duschen.“ Die Katastrophe hat bei einigen größte Hochzeitstag feiern, alles war geplant … Und vergessen. Viel Arbeit, viel Müdigkeit, Not ausgelöst, bei anderen nur das Gefühl Tränen laufen ihm übers Gesicht. Seine viel Humor, viel Respekt, viel Zusammen- der Bedrohung gesteigert. Diese zweite Tochter wird ihn aufnehmen. Nebenbei den- halt. Herkunft, Alter, Lebensstil … hier Gruppe finde ich am schmerzlichsten. Denn ke ich: 60 Jahre Lebenspartnerschaft – was trennt nichts. Hier wird wahres Leben ge- ihre Angst friert sie ein und blockiert Krea- für ein Geheimnis, was für eine Leistung, staltet, bis zur letzten Energiereserve. tivität und Kraft. An die Ausgabestelle kom- eine Stärke, ein Geschenk – ein Verlust! Am Nachbartisch sitzt die Köchin, isst men alle Menschen – Ausländer, Deutsche, mit den anderen ihr gekochtes Essen. Arme, Reiche, zu Fuß oder mit teuren Au- 17. August Freundliches Lächeln zu jedem. Sie sitzt tos, Alt und Jung. Wir geben Ihnen, was wir Gespräche mit Helfern des Technischen allein am Tisch. Aber sie ist nicht einsam. haben. Viele sind noch ohne Strom, frisches Hilfswerks (THW) und des Deutschen Ro- Diese vielen Männer um sie herum bil- Leitungswasser, Küche, Kochstelle etc. ten Kreuzes (DRK). Das war aufschluss- den eine Burg aus breiten Schultern, das Der erste Tag bringt mich total auf den reich über deren Strukturen und Arbeit. schenkt Geborgenheit, die sie stärkt und Boden, ich bin berührt vom Menschsein. Das THW geht noch immer mit Dreier- die Männer lassen sie Anerkennung füh- Eine kleine Runde zu Fuß durch das Teams in die Orte: Baumensch, Handwer- len, weil sie mit Genuss ihr Essen in sich Krisengebiet. Gerettete Fotoalben. Man- ker, Seelsorger. Diese beraten vor Ort den schaufeln. che haben alles verloren, das Wasser stand Bedarf, er wird dann an die Zentrale wei- Auf dem Weg zum Lager der Austausch über zwei Meter in ihrer Wohnung, selbst tergegeben, welche dann die Arbeitstrupps mit einem Feuerwehrmann aus Bayern, er die Türrahmen sind entfernt worden... Die passend entsendet. In unseren Gesprächen blieb stehen, wartete auf mich, stolz er- darf ich reflektieren und sortieren helfen, zählt er, dass seine Frau auch als Notfall- auf diese Weise tragen sie ihre Bedeutung seelsorgerin arbeitet. Er spricht von Öku- spürbar zusammen. mene, dieses Miteinander ist ihm wertvoll. Ein junges Paar braucht Schutzanzüge, Beim Abschied wünsche ich ihm Segen. aber wir haben keine, das hört jemand, Mir war nicht sofort klar, dass er in seinem geht in sein Auto, holt zwei heraus und Fragen etwas Heimweh versteckt hatte … gibt sie den beiden. Nicht die Katastrophe ist die größte Die Palette mit den Trinkwasserfla- Krise, sondern den hoffnungsvollen Blick © Ulf Röder schen kippt beim Transport genau in der in die Zukunft zu verlieren. Stellen wir Ausfahrt der Tankstelle um. Ein riesiger uns mutig gegen diese Tendenzen. Denn Haufen Plastikflaschen. Im Nu bilden alle wo das Böse wächst, wächst immer auch eine Kette und reichen die Flaschen durch, das Gute! Nach der Flut – die kümmerlichen, materiel- dass wir sie stapeln können, innerhalb von Ulf Röder, Pastor von Hamburger len Reste eines Lebens. Minuten ist die Ausfahrt wieder frei. Adventgemeinden und Notfallseelsorger 6 | adventisten heute | Oktober 2021
Ko l u m n e Wie eng soll die Pforte sein? Der Weg ins Himmelreich ist schmal. Und wer ist der Türsteher? J esus hat deutlich gemacht, wie sehr Gott j eden Menschen liebt, und er selbst hat alles getan, damit alle Menschen gerettet werden können (Joh 3,16). Andererseits spricht Jesus davon, dass die Pforte eng und der Weg schmal ist, der zum Leben führt (Mt 7,13–14; Lk 13,24). Aber er ist es nicht, der die Pforte eng macht. Ein Blick auf sein Leben zeigt, dass er die Tür weit aufmacht! Aber warum ist die Pforte eng? Das ewige Leben © Matthias Müller – churchphoto.de ist ein Geschenk – das klingt nicht „eng“! Es däm- mert mir, dass die Enge nicht bei ihm, sondern eher bei uns Menschen zu finden ist. Woran sehen wir, dass jemand durch die Pforte gegangen ist? Stark vereinfacht erkennen es viele daran, ob jemand „in der Gemeinde“ ist. Als Kind sah ich keinen Unterschied zwischen Gemeindegliedern und „Gästen“. Das lernte ich erst später. Auch dem Konzept des „drinnen“ und „draußen“ begegnete ich machen? Niemand. Es ist ein Irrweg, den Eintritt in Das wäre mal ein guter erst später. Ich fühle mich bis heute unwohl dabei. den Leib Christi (die Gemeinde) an Veränderungen Grund für eine gewisse Es passt nicht zu Jesus. Ja, er sprach u. a. von denen, im Leben festzumachen, die erst in der Gemeinde Enge an der Kirchentür … die drinnen und draußen sind (Mt 25), aber er ist be- durch die Kraft Christi stattfinden können. züglich der Hochzeitsgäste nicht wählerisch (Mt 22). Die Grenze in der ersten Gemeinde zwischen Mein nächstes Aha-Erlebnis mit Jesus war die drinnen und draußen war offensichtlich ziemlich Entdeckung, dass er viele derer, die drinnen wa- durchlässig. Menschen mit den unterschiedlichsten ren (vor allem Israels religiöse Elite), damit kon- Fehlern kamen in die Gemeinde. Es gab viel zu tun, frontierte, dass sie in Wahrheit draußen waren (Mt um im Kontakt mit Jesus das Leben umgestalten zu 23,13) und viele derer, die sie „draußen“ sahen, lassen, Werte zu erneuern und in das Reich Gottes bereits drinnen waren! Das Kriterium war also nicht hineinzuwachsen – ohne dabei die Individualität die Mitgliedschaft im Volk der Juden. zu verlieren, die die Gemeinde so reich macht (vgl. Um es abzukürzen: Die Pforte wird dadurch eng, 1. Korintherbrief). dass jeder einzelne Mensch vor Konsequenzen zu- Wenn man sie erst hineinließe, wenn sie hinein- rückschrecken kann, die er durch den Eintritt in passen, hätte man drinnen seine Ruhe. Anderer- das Reich Gottes erwartet. Der „reiche Jüngling“ seits ist das Missionsmodell Jesu für seine Gemein- erlebte die enge Pforte (Mt 19,16ff). Es ist leichter, de: Lebensgemeinschaft der Christen untereinander einfach weiterzumachen wie bisher, als sich an Je- und gewinnende Freundschaft mit allen Menschen. sus als den Mittelpunkt des Lebens auszurichten. Diese Gemeinschaft wird von Lukas im engen Zu- Ja, das hat Konsequenzen! Aber andere, als man oft sammenhang mit den täglichen Bekehrungen und denkt: gute Konsequenzen. vielen Taufen genannt (vgl. Apostelgeschichte 2). Manchmal wird Menschen der Eintritt in Gottes Wie wäre es, wenn jeder sich im Leben eng an Hartmut Wischnat Reich durch uns Gemeindemitglieder erschwert. Jesus hält und auf seine eigene Reinheit sieht, ist Pastor der Advent- Was ist die Motivation dafür, die Pforte eng zu hal- anstatt das zu versuchen, was nur Christus kann gemeinden Göppingen ten? Ist es der verständliche Wunsch, die Gemeinde – die Gemeinde reinigen? Wie wäre es, wenn wir und Esslingen und lebt reinzuhalten? Eine ernste Frage: Können wir die gleichzeitig unser Leben und unsere Türen mehr mit seiner Frau Christi- Gemeinde denn „rein“ halten? Wer reinigt uns? Es für Nachbarn und Freunde öffnen? Die Pforte mag ne (ebenfalls Pastorin) ist Jesus. Und wer kann den Menschen reinigen, für viele Menschen eng erscheinen – unsere Türen und Sohn in Schwäbisch wenn wir ihm den Zutritt zu Jesus unnötig schwer sollten aber weit offen stehen! ■ Gmünd. adventisten heute | Oktober 2021 | 7
T he m a d e s M o na ts Mission und Ethik Das Evangelium moralisch integer verkündigen I st Mission manchmal unmoralisch? Dieser Vor- Das Ergebnis war eine Erklärung, die Siebenten- wurf wird nicht nur von säkularen Zeitgenos- Tags-Adventisten guten Gewissens befürworten sen erhoben. Christen selbst denken seit ihren können:2 „Christliches Zeugnis in einer multireli- ersten Versuchen, das Evangelium zu verbreiten, giösen Welt“.3 Der zentrale Abschnitt dieses Textes darüber nach, ob – und wenn ja, in welchen Fällen besteht aus zwölf Prinzipien, die den Respekt vor – ihre Aktivitäten dem Geist Jesu entgegenwirken. dem anderen in den missionarischen Aktivitäten In einer pluralistischen Gesellschaft, in der unzäh- definieren und illustrieren: z. B. Ablehnung von lige Weltanschauungen miteinander im Wettstreit Gewalt und Diskriminierung, kulturelle Sensibili- stehen, ist es umso wichtiger, dass Nachfolger Jesu tät, Wahrhaftigkeit, sozialer Dienst ohne Bekeh- sich mit der Frage beschäftigen, wie ihre missiona- rungsdruck, die Trennung von Religion und poli- rischen Aktivitäten aufgenommen werden: Ob also tischer Agitation; außerdem Zusammenarbeit mit die Botschaft, die sie weitertragen – und auch die Andersgläubigen für das Gemeinwohl. Im Grunde Bei der Weitergabe des Art und Weise, wie sie es tun – als moralisch aner- sind all diese Grundsätze Variationen zu den The- Evangeliums sollten kennenswert verstanden werden kann. men Nächstenliebe und Nachfolge Jesu! Wie aber auch dessen Werte gelebt Dieser Herausforderung haben sich 2011 drei der verhalten sich nun ganz allgemein Mission und Mo- werden. größten christlichen Organisationen gewidmet.1 ral zueinander? © NONRESIDENT- unsplash.com 8 | adventisten heute | Oktober 2021
M ission neu d enken Mission und Moral – ein Spannungsverhältnis? auch die Mission ihren Platz wieder zurückerhalten Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Mission kann – diesmal mit dem Hinweis, dass Mission unse- ist wesentlich Gottes Mission; Moral heißt immer: re menschliche Entsprechung zum Reich Gottes ist.6 menschliche Moral – die auch zeitbezogene und un- vollkommene Ideen widerspiegelt. Etwas genauer: Die Geburt der Ethik aus der Missio Dei 1. Das Wort „Mission“ kommt so in der Bibel nicht vor. Diese starke Verknüpfung (Reich Gottes – Mission Dennoch drückt es ein Grundprinzip der Geschichte Gottes – christliche Mission – christliche Ethik) ist Gottes mit uns Menschen aus. Als Christen sind wir schon deshalb nicht überraschend, weil das Wesent- ergriffen von der Tatsache, dass Gott selbst seinen liche der christlichen Ethik vorwiegend aus Gottes Sohn Jesus Christus zur Erlösung der Menschheit Mission entstanden ist. Nicht aus einem Regelkata- aussendet. Unsere Rolle ist ihm daher nachgeordnet: log (den brauchten die neutestamentlichen Gemein- Wir nehmen als Gesandte („Apostel“) an dieser Mis- den manchmal als Stütze, weil es bei ihnen drunter sion teil,4 der Mission Gottes, der sogenannten Missio und drüber ging). Nicht aus abstrakten Idealen oder Dei. Unser Handeln als Christen und seine Begrün- Werten (so hilfreich klassische Tugenden wie z. B. dung – d. h. unsere Ethik – hat sich daher nach der Gerechtigkeit und Mäßigkeit meist sind). Nicht aus Ethik zu richten, die aus dieser Mission entspringt. einem reinen Nutzenkalkül (das war zu biblischen 2. Dass Gott unzulängliche Menschen in seinen Zeiten keine Basis der Moral). Nein: Die christliche Dienst stellt, führt allerdings fast zwingend dazu, Ethik wurde aus dem Vorbild Christi geboren, dessen dass dabei auch einiges moralisch schiefgeht. Sitt- Mission es war, sein Leben für uns zu geben. Sie wur- liche Vorstellungen einer bestimmten Zeit, kultu- de aufgebaut auf die „Verfassung“ des Reiches Got- rell selbstverständliche Umgangsformen, wenig tes – die Bergpredigt, die Jesus gelebt hat: Abkehr reflektierte Praktiken des Predigens, Lehrens, Hel- von Vergeltung, Freiheit von Sorgen, Vergebung für fens – all das kann trotz bester Absichten entweder Feinde, Selbsterkenntnis in Versuchung, Ende des haarscharf danebengehen oder mit historischem Richtens – und der Gesinnung „Dein Wille geschehe“. Abstand sogar als unverantwortlich erscheinen. Jesus sendet uns in die Welt mit Prinzipien, die Historische Fälle wie die „Missionierung“ Latein- „nicht von dieser Welt“ sind – und gestaltet erst amerikas ab dem 16. Jahrhundert oder die „Bekeh- uns um, dann andere, und manchmal ganze Gesell- rung“ der Massen durch Zwangstaufen im Kiewer schaften. Insofern sind Ethik und Mission nicht nur Reich im Jahre 988 sind nur die Spitze des Eisbergs. keine Gegensätze, sondern aufs Engste verwandt! Auch weniger politisch agierende Bewegungen wie Tatsächlich ist moralisches Handeln oft das Ele- die Erweckten des 18. und 19. Jahrhunderts „evan- ment, das in der Mission den Ausschlag zum Erfolg gelisierten“ zuweilen durch die Androhung von gibt:7 ein ehrlicher Arbeitnehmer in einem Umfeld, Höllenqualen, in Ausnutzung von Bildungslücken das von kleinen oder größeren Betrügereien ge- oder gar durch materielle Anreize. prägt ist; Großzügigkeit, wo die anderen sonst alles gegeneinander aufrechnen; barmherziges Handeln Dennoch: „Missionspflicht“ z. B. gegenüber Migranten, wenn die Gesellschaft Dass Dinge misslingen und manchmal gut Gemein- sie missgünstig beäugt. Und umgekehrt kann unser tes sogar das Gegenteil bewirkt, heißt jedoch noch Zeugnis des Glaubens, das wir bei passender Gele- lange nicht, dass es nun ganz und gar egal wäre, ob genheit vor einem Bekannten abgeben, Gottes Ge- wir als Nachfolger Jesu Zeugnis ablegen von unse- bot für uns und größtes Glück für einen Menschen rem Glauben und unserer Hoffnung. Im Gegenteil: sein, der bislang ohne Hoffnung lebt. ■ Dass wir an Gottes Mission teilnehmen, ist im Grun- de ein ganz natürlicher Vorgang – „wir können’s ja 1 Beteiligt waren der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die Weltweite Evan- gelische Allianz (WEA) und der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog nicht lassen“ (Apg 4,20). Früher nannte man das (und damit die römisch-katholische Kirche). tatsächlich „Missionspflicht“;5 doch auch wenn wir 2 Sehr ähnliche Prinzipien und Gedanken erscheinen in der adventistischen Stellungnahme zu Religionsfreiheit, Evangelisation und Proselytismus aus dem diesen altbackenen Begriff heute nicht mehr ver- Jahre 2000; siehe Erklärungen, Richtlinien und andere Dokumente, CD-ROM- wenden, so ist am Kern der Sache etwas dran. Wie Ausgabe, Lüneburg 2002, 136–137. 3 Bangkok, Januar 2011. Das Dokument wurde in Deutschland auch mit dem Jesus Liebe zum Nächsten, ja zu den Feinden be- Kurztitel MissionRespekt bekannt und von der gleichnamigen Initiative fiehlt, so trägt er uns auf, zu den Menschen zu ge- verbreitet; vgl. https://missionrespekt.de. 4 Seit etwa zwei Generationen sind sich Theologen einig, dass wir nicht nur hen und ihnen den Weg zur Jüngerschaft zu ebnen. einfach von Mission als Auftrag an uns Menschen sprechen können, sondern Diesem Auftrag nach bestem Wissen und Gewis- dass diese in Gottes eigenem Wesen begründet ist. 5 Und zwar nicht nur in adventistischer oder freikirchlicher Sprechgewohnheit; sen zu entsprechen ist nicht gesetzlich, sondern siehe z. B. das letzte Kapitel der lutherisch geprägten Ethik von N.H. Søe, Prof. Stefan Höschele genau diese Dimension macht die manchmal diffus Christliche Ethik: Ein Lehrbuch, München 1949, 405–409 („Missionsrecht und Ph. D. (University of Missionspflicht“). verstandene Nächsten- und Feindesliebe zur kon- 6 Siehe z. B. Markus Mühling, Systematische Theologie: Ethik, Göttingen 2012, Malawi), lehrt Systema- kreten „Entfeindungsliebe“ (wie sie der jüdische 166–167, 281. tische Theologie an der 7 Daher wird seit wenigen Jahren auch zaghaft von „missionaler Ethik“ Theologe Pinchas Lapide genannt hat). Da ist es nur gesprochen; siehe Andy Draycott und Jonathan Rowe (Hg.), Living Witness: Theologischen Hoch sachgemäß, dass in der neueren evangelischen Ethik Explorations in Missional Ethics, Nottingham 2012. schule Friedensau adventisten heute | Oktober 2021 | 9
T he m a d e s M o na ts Zurück in die Zukunft Mission neu denken finden sich in der Sendung Jesu, und sie kann nur aus dieser Perspektive richtig verstanden und prak- tiziert werden (vgl. Joh 20,21). Damit ist klar, dass der missionarische Auftrag kein Freibrief für ein arrogantes und anmaßendes Auftreten ist, in dem alle, die nicht so denken wie wir Christen, als verlo- rene und verdammungswürdige Kreaturen betrach- tet werden. Jesus selbst sah überall Menschen, die zu ihm gehören und auch gehören können, auch dann, wenn sie nicht formal zu seinen Nachfolgern gezählt wurden (Joh 10,16). Dass das Evangelium aber Widerstand hervor- ruft, liegt in der Natur der Sache. Bei genauerer Be- trachtung entspricht es in keiner Weise den gängi- gen Vorstellungen über Verdammnis und Erlösung, Himmel und Hölle, Gegenwart und Zukunft, Leben und Tod. Die Ablehnung des Rettungsweges Gottes ist ein Ausdruck der Autonomiebestrebungen des Menschen, der sich selbst an die Stelle Gottes setzt und am besten zu wissen meint, was wirklich gut und böse ist, was Freiheit, Gerechtigkeit und ein gutes Leben bedeuten. Wider besseres Wissen ha- ben Menschen die Gottesoffenbarung verschmäht (Röm 1,18–25) und lehnen sein Angebot ab. © Stephan G. Brass Jesus machte frühzeitig darauf aufmerksam, dass sowohl er selbst als auch seine Botschaft – das Evangelium von der Gnade Gottes – auf Ablehnung stoßen werden (Joh 15,18.20.24). Doch, das hin- derte ihn nicht daran, sein Leben für die Rettung D Die ersten Christen ie christliche Mission hat keinen guten Ruf. der Menschheit hinzugeben. lebten ihren Glauben auf Doch, das liegt nicht unbedingt nur an der vielfältige Weise missio- „bösen Welt“, sondern ist eher ein hausge- Jesus von Nazareth narisch aus, in kleinen machtes Problem. Um das zu verstehen, müssen wir Seine Sendung in die Welt verstand und praktizier- Gruppen, bei den Bedürf- zwischen der berechtigten Kritik an der christlichen te Jesus als Ausdruck einer innigen Beziehung zum tigen und sogar im Ge- Mission und dem Widerstand gegen das Evangelium Vater, „der will, dass alle Menschen gerettet werden fängnis, wie Paulus und unterscheiden. Die Kirchengeschichte kennt nur zu und dass sie die Wahrheit erkennen“ (1 Tim 2,4) Silas – hier dargestellt in gut die vielen Auswüchse sogenannter christlicher sowie der bedingungslosen Liebe zu den Menschen. einem Anspiel auf dem Mission, manchmal auch „Evangelisierung der Hei- Er verstand seine Mission nicht als Auftrag, den es diesjährigen Hope Camp den“ genannt. Dabei spielten Gewalt, Vorteilnahme, zu erfüllen galt. Es war das aus Liebe geborene Be- in Friedensau. Ausbeutung, Betrug und rücksichtloses Machtstre- dürfnis „zu suchen und zu retten, was verloren ist“ ben immer wieder eine Rolle. (Lk 19,10). Das tat er aber immer mit Respekt und Von ihrer ursprünglichen Bedeutung her be- Achtung vor der Entscheidungsfreiheit und Würde trachtet, kann sich die christliche Mission der seines jeweiligen Gegenübers. Damit setzte er den Kritik aufrichtig stellen. Sie war nie Selbstzweck, hohen Standard christlicher Mission. verfolgt keine verborgene Agenda und war nie als Jesus sprach nicht aus einem gemütlichen Fern- machtpolitisches Instrument gedacht. Ihre Wurzeln sehsessel über die Liebe Gottes zu allen Menschen 10 | adventisten heute | Oktober 2021
M ission neu d enken (Joh 3,16), sondern zeigte sie, indem er den Vater Aquila und Priszilla – mobil, um bei den Men- um Vergebung bat auch für die, die ihn misshan- schen sein zu können delten und verhöhnten, als er unschuldig verurteilt Gesandte mit Bereitschaft zur Mobilität, so könnte am Kreuz von Golgatha hing (Lk 23,34). Sein Reden man das Ehepaar Aquila und Priszilla beschreiben und Tun stimmten überein. Seine Liebe war echt (1 Kor 16,19). Das taten sie, um bei den Menschen und grenzenlos. Sie galt jedem Menschen, unab- sein zu können. In einem Vortrag, der ihren Dienst hängig von Religion, Herkunft und Geschlecht. Das beschreibt, ist gar die Rede von der Mobilität der ist die Sendung, in die hinein Jesus seine Nachfol- Liebe. Eine treffende Bezeichnung für die Vorge- gerinnen und Nachfolger – seine Gemeinde – ge- hensweise dieses Ehepaars in ihrem Bemühen Men- stellt hat. Das ist christliche Mission in ihrer ur- schen für das Reich Gottes zu gewinnen und die sprünglichen und unverfälschten Bedeutung. Arbeit der Jüngerinnen und Jünger Jesu zu unter- stützen. Die ersten Christen Als die von Jesus angekündigte Wende kam und Simon Petrus – voll des Heiligen Geistes der Heilige Geist zu Pfingsten erschien, wurden die Voll des Heiligen Geistes (siehe Apg 4,8) sah sich Jüngerinnen und Jünger von ihm erfüllt. Sie wur- Petrus selbst vor Gericht stehend in der Lage, Jesus den mit den Gaben des Geistes ausgestattet und zur als den Messias zu bekennen. Vor Pfingsten hatte er Sendung in die Welt befähigt. So entstand eine Ge- seinen Herrn verraten. Doch das Kommen des Heili- meinde, die dem Willen und der Vorstellung Jesu – gen Geistes veränderte alles. Aus einem ängstlichen des Herrn der Gemeinde – entsprach. Verräter wurde ein mutiger Zeuge des Evangeliums. In seinem Leben erfüllte sich die Verheißung, von Die Gemeinde in Jerusalem – gemeinsam gesandt der Jesus seinen Jüngern erzählte (Apg 1,4.8). Der Gemeinde nach dem neutestamentlichen Verständ- Heilige Geist ist es, der Menschen zu Jüngerinnen nis ist die Versammlung der Jesusnachfolger und und Jüngern Jesu macht, die glaubwürdig das lebt in Gemeinschaft. Sie versteht sich immer Evangelium verbreiten und Menschen in die Nach- als Gläubige, die gemeinsam in die Welt gesandt folge rufen. sind. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass die Gemeinde in Jerusalem so gelebt und gewirkt hat Die missionarische Gemeinde heute Erhardt Dan (Apg 2,42-47). Die Gemeinde nach dem Vorbild des Neuen Testa- leitet zusammen mit In dieser Gemeinde vereinen sich die zwei we- ments ist immer eine missionarische und diakoni- Dragutin Lipohar sentlichen Elemente christlicher Gemeinschaft: die sche Gemeinde. So folgt sie dem Vorbild und Ruf die Abteilung für größere Versammlung und die kleinen Gruppen, Jesu und so steht sie in der guten Tradition der Kommunikation und die das natürliche Umfeld für die Sendung der Ge- Urgemeinde. Jesus selbst verbreitete das Evangeli- Gemeindeaufbau in der meinde in die Welt darstellten, weil sie die Men- um in Wort und Tat. Seine Jüngerinnen und Jünger neu gebildeten Hanse schen dort trafen, wo das Alltagsleben stattfand. folgen ihm in allem, was er gesagt und getan hat. Vereinigung, mag Musik, Ihre Haltung gegenüber den Menschen in der Stadt Im Mittelpunkt der Sendung der Gemeinde stehen Fotografieren, Reisen. führte dazu, dass sie trotz der Anschuldigung, eine also kein Programm, keine Methoden, sondern der Sekte zu sein, einen guten Ruf hatte und Menschen Herr der Gemeinde – Jesus Christus, der sagt: „ … sich ihr aufgrund des Wirkens Gottes in großer Zahl ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5). Folge- anschlossen (Apg 2,47). richtig lesen wir von dem Ruf an seine Jüngerinnen und Jünger, immer „bei ihm zu sein“ (Mk 3,14) und Paulus von Tarsus – gesandt zu allen Menschen mit ihm verbunden zu bleiben (Joh 15,7–8), um so Ganz im Gegensatz zu seiner ursprünglichen Über- viel Frucht bringen zu können. zeugung, in der er für den jüdischen Glauben ei- Die Sendung der Gemeinde gilt den Menschen, ferte und die Christen verfolgte, reihte sich Saulus die ohne Gott verloren sind. Sie ist kein Unterfan- von Tarsus unter die Jünger Jesu ein. Eine per- gen, um verlorenen Boden zurückzugewinnen oder sönliche Begegnung mit Jesus machte aus Saulus zahlende Mitglieder anzuwerben. Gemeinde ist im- Dragutin Lipohar den Apostel Paulus, der sich durch Jesus zu allen mer nur dann Gemeinde im Sinne Jesu, wenn sie leitet zusammen mit Er- Menschen gesandt wusste (Röm 3,30). Ganz beson- für andere da ist. Wenn sie am Leben der Menschen hardt Dan die Abteilung ders aber zu denen, die bis dahin nicht im Blickfeld teilnimmt, und zwar „nicht herrschend, sondern für Kommunikation und der Christengemeinde standen – den Heiden (Röm helfend und dienend!“ (Dietrich Bonhoeffer). Gemeindeaufbau in der 11,13; 15,16.18). Dabei urteilte er nicht über die Für ihre Sendung lässt sich die Gemeinde heute neu gebildeten Hanse Motivation der unterschiedlichen Verkündiger, von von Jesus leiten und von der Urgemeinde, sowie Vereinigung. Zuvor war denen er wusste, und fürchtete auch keine Konkur- den Müttern und Vätern des Glaubens inspirieren. er als Abteilungsleiter renz, sondern blieb seinem Motto treu: „Die Haupt- Vor diesem Hintergrund sucht und findet sie Wege, für Gemeindeaufbau sache ist doch, dass Christus verkündet wird.“ um ganz im Sinne Jesu das Evangelium in Wort und in der Niedersachsen- (Phil 1,18 BB) Tat zu den Menschen zu bringen. ■ Vereinigung tätig. adventisten heute | Oktober 2021 | 11
T he m a d e s M o na ts Gelebte Mission Offene Herzen und Häuser – um alles Weitere kümmert sich Gott D u möchtest Mission machen? Vergiss dass mir Dinge plötzlich klar wurden, über fühlte ich mich getrieben, einen bestimm- es! Mission kann man nicht machen. die ich gerade mit Gott gesprochen hatte. ten Menschen anzusprechen. Aus so ei- Mission kann man nur leben! Wenn Manche Fragen blieben auch länger offen, nem „Trieb“ heraus ist in diesem Jahr, bei du Mission lebst, ist es nicht dein Ent- aber meine Erfahrungen mit Gott haben meiner eigenen Reha, eine Freundschaft schluss, missionarisch zu sein, sondern du mein Vertrauen zu ihm so gestärkt, dass zu einer Frau entstanden, die in der ihrer bist es einfach. Mission passiert! ich nicht mehr auf eine sofortige Antwort Reha-Zeit jeden Sabbat an unserem On- Doch wie kann Mission passieren? Da angewiesen bin. line-Gottesdienst teilnahm und sich selbst gibt es eine grundlegende Voraussetzung: Mit dieser Vorbereitung kannst du dei- als Reha-Adventistin bezeichnet. Selbst Du brauchst eine lebendige Beziehung zu nen Tag mit Gott leben. Und das spüren die aus der Entfernung haben wir immer noch Gott! Du kannst den Menschen nur je- Menschen, mit denen du zusammen bist. gute Glaubensgespräche. manden nahebringen, den du selbst gut Du kannst erfahren, wie sich Menschen kennst. Gott macht es uns leicht, ihn ken- dir gegenüber öffnen. Du bekommst einen Auf Menschen zugehen nenzulernen. Er hat uns einen sehr langen neuen Blick auf die Menschen um dich Eine Gemeinde, die missionarisch leben Brief geschickt, in dem er uns schreibt, wie herum. Und dann kommst du mit einigen möchte, braucht Gott hingegebene und er ist, was er denkt, was er für uns plant von ihnen ins Gespräch und wirst den rich- Menschen zugewandte Mitglieder. Jede und was er für uns getan hat und immer tigen Zeitpunkt finden, um zu bezeugen, Evangelisation läuft ins Leere, wenn nach noch tut. Das tägliche Bibelstudium lässt wie Gott dir in einer Situation geholfen der Veranstaltung keine Menschen da sind, dich Gott erkennen, ihn lieben und weckt hat, die seiner Situation sehr ähnlich ist. die mit den Gästen ins Gespräch kommen eine Begeisterung in dir, die ihm gilt. Du kannst ängstlichen und hoffnungslo- und mit ihnen eine Beziehung aufbauen, Doch Gott belässt es nicht bei dem sen Menschen von der Hoffnung erzählen, in der sie diese Menschen bei ihren wei- Brief, sondern ist auch persönlich rund um die dich trägt. Es geht bei dieser Art der teren Schritten des Glaubens begleiten die Uhr für dich ansprechbar. Ihm kannst Mission nicht darum, die Massen zu errei- können. Und die Begleitung darf nicht mit du alle deine Sorgen, deinen Ärger und chen, sondern darum, durch eine persön- der Taufe aufhören. Ich darf mich glück- deine Freuden erzählen. Du kannst ihn liche Beziehung zu Gott gute Beziehungen lich schätzen, in einer Gemeinde zu sein, zu Dingen und Ereignissen fragen, die du zu Menschen aufzubauen, die dir vertrau- in der es solche Menschen gibt. So hat ein nicht verstehst. Du gehst in die Interakti- en, weil sie dein Leben sehen. Glaubensbruder nach einem Gottesdienst on mit ihm. Wie oft habe ich selbst erlebt, bemerkt, dass eine Frau vor unserem Mein Gebet am Tagesanfang Schaufenster stand und die Plakate gele- Bevor ich zur Arbeit gehe, bete ich immer: sen hat, die dort hingen. Er ist zu ihr ge- „Herr, bitte lass mich heute ein Segen für gangen und hat mit ihr ein Gespräch ange- die Menschen sein, mit denen ich zu tun fangen. Im Laufe des Gespräches hat er sie habe!“ Obwohl ich auf der Arbeit für mei- eingeladen, sich unsere Räume anzusehen ne etwas andere Art von Humor bekannt und mit uns zu essen. Diese Geste brach- bin, kommen viele Kollegen, Ärzte und te die Frau dazu, wiederzukommen und Patienten zu mir, um mit mir über ihre sie ließ sich von seiner Familie zu einem Sorgen zu sprechen. Neulich kam eine Hausgottesdienst einladen. Später kam sie Kollegin zu mir und sagte: „Heike, dich zu den regulären Gottesdiensten, bekam © Kerstin Pawlowski – churchphoto.de würde ich niemals anlügen! Du hast eine Bibelstunden und wurde getauft. ganz besondere Freundschaft mit Gott, da Persönliche Beziehungen aufbauen, un- werde ich es mir mit dir doch nicht ver- sere Wohnzimmer für Gäste öffnen, auch derben!“ Ich durfte auch Patienten, die dann, wenn wir sie erst flüchtig kennen, in meiner Klinik ihre Reha absolvieren, und unsere Begeisterung über Gott weiter- sabbats abholen und zum Gottesdienst geben – das ist gelebte Mission. Um alles und zu Bibelstunden mitnehmen. Es fing andere kümmert sich Gott! Mission kann man nicht „machen“, aber es oft mit einer kleinen Bemerkung darüber Heike Steinebach, Krankenschwester, gibt eine grundlegende Voraussetzung dafür. an, dass Gott mir geholfen hat. Manchmal Gemeindegründerin und Buchautorin 12 | adventisten heute | Oktober 2021
M ission neu d enken Eine Haltung und ein Raum für echte Begegnungen Mission „Hope Center“ in Bensheim © Hope Center Bensheim I m Leitbild des Hope Centers heißt es: „Ein Hope Gelingt es jedoch, genau das nicht zu tun, ent- Ein Ort zum Wohlfühlen Center ist ein Raum für Begegnung. Unabhän- steht ein „Raum für Begegnung“ mit einem wun- und für Gemeinschaft – gig von Geschlecht, Nationalität, Kultur, Spra- derbaren „Duft“. So gibt es inzwischen mehr als ein das Hope Center in che und Religion begegnen wir uns vorurteilsfrei, Dutzend Menschen, die immer wieder gern unsere Bensheim. liebevoll und wertschätzend. Jeder ist hier herzlich Angebote nutzen und eine persönliche Bindung willkommen und angenommen. Wir möchten, dass zum Hope Center aufgebaut haben. Wenn ich sie es Ihnen in jeder Hinsicht gut geht. Ihr Glück, Ihre frage, warum sie immer wieder kommen, höre ich Lebensqualität und Freude liegen uns am Herzen. mit unterschiedlichen Worten folgenden Inhalt: Kultur- und Freizeitangebote, Zeit für Begegnung „Ich fühle mich hier so wohl. Hier darf ich sein, wie und Austausch über Lebensthemen tragen dazu ich bin. Das tut so gut!“ In dieser Atmosphäre ent- bei, das zu erleben, was Jesus Christus verspricht: stehen intensive Gespräche. Auf dieser Basis kann Leben im Überfluss.“ man sich auch kontrovers schwierigen Themen nä- Dieses Leitbild hängt für jeden sichtbar in unse- hern und voneinander lernen. Ja genau, voneinan- rem Hope Center, in dem wir uns als Adventgemein- der. Nur Jesus selbst kannte alle Antworten. Unser de Bensheim seit über vier Jahren für die Menschen Wissen ist Stückwerk. Dessen sollten wir uns klar in unserer Nachbarschaft engagieren. Es beschreibt sein, wenn wir seiner Mission folgen. auf angenehme Weise das, was ich unter Mission Das Schönste bei unserer Mission „Hope Center“ verstehe. Die darin beschriebene Haltung in der ist für mich, wenn wir im Miteinander unsere Mau- Begegnung mit jedem Menschen zu bewahren, so ern abbauen und Masken ablegen. Wenn Herzens- schräg oder anstrengend er in meinen Augen auch begegnung geschieht. Wenn Einsichten aufleuchten. sein mag, fordert uns als Team mal mehr mal we- Wenn innere Heilung geschieht. Das sind die kraft- niger heraus. Wie groß ist doch die Versuchung, vollsten und heiligsten Momente. Für diese Erlebnis- Menschen abzuschreiben oder in Schubladen zu se lohnen sich alle Durststrecken und jede Ressour- verfrachten! Wie schnell sind wir dabei, in richtig ce, die eingesetzt wurde. Das durften wir unzählige und falsch zu kategorisieren! Male erleben. Gott sei Dank! Marion Gaffron adventisten heute | Oktober 2021 | 13
T he m a d e s M o na ts Eine kleine Jugend- bewegung entsteht Link2Jesus – digitale Hauskreise für das analoge Leben I ch sitze auf dem Boden in meiner Getrieben von der Frage, wie wir immer Das Projekt wächst Wohnung. Der Laptop ist mit meiner mehr zu Gott hinwachsen können, ent- Neben den vielen, kleinen Hauskreistreffen Musikbox verbunden und es erklingt stand eine kleine Bewegung, die sich zum findet jährlich ein großes Hauskreistreffen gedämpfte Lobpreismusik im Hintergrund. Ziel gesetzt hat, Jugendlichen die Bibel statt, damit sich die kleinen Hauskreise In meiner Hand halte ich einen Tasse Tee näher zu bringen, sie zu mündigen Chris- untereinander besser vernetzen können. und meine Gedanken fahren wieder einmal ten werden zu lassen und sie in ihrer Chris- Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und Karussell. In meinem Kopf herrscht Cha- tusnachfolge zu bestärken. Hierfür nutzen den Austausch über die eigene Gruppe os. Eigentlich wollte ich jetzt ein wenig in wir seit der Gründung des Projektes vor hinaus. An diesen jährlichen Treffen neh- der Bibel lesen. Doch zum einen fehlt mir allem Online-Plattformen. So können sich men derzeit neun (digitale) Hauskreise, die Motivation und zum anderen tauchen Jugendliche auch während der Woche tref- mit jeweils etwa vier bis sieben Personen Fragen und Gedanken auf, wie: Warum um fen, um über die Bibel und ihre Relevanz im Alter von 14 – 29 Jahren teil. Seit die- alles in der Welt steht das in der Bibel? Was für das Leben zu reden, oder auch über all- sem Jahr gibt es auch einen Hauskreis, der soll ich damit anfangen? Wie soll ich das im tägliche Themen zu diskutieren. sich vor Ort trifft und sich diesem Projekt Alltag umsetzen? Fragen, auf die ich des Für die Gestaltung unserer Hauskreise angeschlossen hat. So ergibt sich eine ak- Öfteren keine Antworten habe. Fragen, die nutzen wir zwei Methoden. In der ersten tive Teilnehmerzahl von 44 Personen, in- mir die Lust am Bibellesen nehmen und werden von den Leitern des Hauskreises klusive 13 Leitern. mich frustrieren. Themen vorbereitet, die das Ziel haben, Zum Projekt gehört ein Leiterteam, das ein Gespräch mit der Bibel entstehen zu immer wieder fragt, was Gottes Plan mit Verschiedene Angebote lassen. dem Projekt ist. Dafür trifft sich dieses Kennt ihr diese Gedanken, die eigentlich Dieses Gespräch steht im Zusammen- Team zweimal jährlich an einem Wochen- positiv sein sollten und trotzdem ins Ne- hang mit unserem alltäglichen Leben und ende zu einer intensiven Gebetszeit. gative driften? Aber wie kann – anstelle hilft dabei, biblische Einsichten praktisch Ein weiteres Standbein seit 2020 ist der von Frustration – Freude, Motivation, Neu- umzusetzen. Die zweite Methode nennen Weg einer „Ausbildungsstätte“ für Jugend- gierde und Wissensdrang entstehen? Ge- wir „Jüngerschaftshauskreise“, die nach liche, um z. B. Hauskreisleiter zu werden danken, dazu führen, dass die Bibel nicht dem Prinzip von Michael Dörnbrack (Leiter oder Bibelstunden oder sogar Predigten nur einmal wöchentlich in der Gemeinde der Josia-Missionsschule in Isny) stattfin- zu halten. Diesen Bereich wollen wir wei- Verwendung findet, sondern zum alltägli- den. Hierbei wird jede Woche ein Abschnitt terhin ausbauen. Jugendliche sollen sich chen Begleiter wird? aus der Bibel von den Hauskreisteilneh- bei uns frei fühlen, ihr Potenzial zu ent- Genau diese Fragen waren der Auslöser mern bearbeitet. Das bedeutet, den Text decken und das zu entwickeln, was Gott für die Gründung von Link2Jesus, im Jahr zu lesen und die Gedanken und Fragen, die in sie hineingelegt hat. Denn wir sind 2014. Ein Projekt, geleitet von Jugendli- einem unter der Woche dazu kommen, zu überzeugt davon, dass Gott nicht nur die chen für Jugendliche. notieren. Qualifizierten ruft, sondern die Gerufenen Zusätzlich zu den wöchentlichen On- qualifiziert. line-Treffen gibt es Ausbildungs-, Weiter- Für uns haben Hauskreise definitiv Po- bildungs- und Ermutigungswochenenden tenzial. Als Link2Jesus-Projekt dürfen wir für unsere Hauskreisleiter, die kleine, immer wieder feststellen, dass Hauskreise zusätzliche „analoge“ Hauskreistreffen für den eigenen Glauben eine wichtige mit den Teilnehmern ihres Hauskreises Bereicherung sind. Dass Jugendliche mo- gestartet haben. Diese dienen der Ge- tiviert sind, ihre Komfortzone verlassen meinschaftsbildung innerhalb der Haus- und etwas finden, das ihnen einen siche- kreise. Obgleich mit Videokonferenzsoft- ren Raum gibt, Fragen stellen zu dürfen. ware schon viel möglich ist, so ist es doch Wir als Link2Jesus sind gespannt, wo es © Link2Jesus wichtig, dass sich die Hauskreismitglieder noch hingeht und welchen Weg Gott mit persönlich treffen, um auch persönlich uns gehen wird. Inzwischen findet bei Link2Jesus auch vieles miteinander Gemeinschaft zu pflegen und Marc-Aurel Nerlich, analog statt. sich besser kennenzulernen. Isabell Köhler (Projektleitung) 14 | adventisten heute | Oktober 2021
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