BLICKPUNKT WIRTSCHAFT - IHK Trier
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JULI/AUGUST 2021 | www.ihk-trier.de | Postfach 2240, 54212 Trier | A 4792
NACHRICHTEN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER TRIER
BLICKPUNKT
WIRTSCHAFT
No 07/08
INDUSTRIE-MOTOR LÄUFT AUF HOCHTOUREN
Werkstätten Raus aus Mobil in
lehren fürs Leben dem Corona-Tief die ZukunftIhr Spezialist für
Stahl- und Hallenbau
Stahlbau. Hallenbau.
Schlüsselfertiges Bauen.
Sie benötigen eine maßgefertigte Produktionshalle, die neben
ausreichend Platz für Maschinen und Arbeitsplätze auch
moderne Büroräume beinhaltet? Sie planen den Neubau einer
Lagerhalle für Ihre Produkte oder möchten mit Ihrem Autohaus Mehr Infos
gibt´s hier:
gerne expandieren? Dann sind Sie bei uns genau richtig, denn
wir verwirklichen all Ihre Ideen individuell, wirtschaftlich und
qualitätsbewusst. www.seitz-speicher.deSTANDPUNKT 3
MIT KRAFT UND MUT
AUS DER KRISE
Es gibt in der regionalen Wirtschaft wieder mehr Licht als Schatten
– gemessen an dem, was bereits hinter uns liegt. Aber wir stehen neuen
Risiken gegenüber: Engpässe bei Energie und Rohstoffen treiben die Preise in die Höhe
und lähmen die Wirtschaft dort, wo es vergleichsweise gut läuft – etwa am Bau oder in
der Industrie.
Stationärer Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie brauchen pragmatische Lösungen
für den Re-Start wie flexiblere Öffnungszeiten, großzügiger nutzbare Flächen für die
Außengastronomie und lokale digitale Plattformen. Damit die Betriebe überleben, die
weiter mit den Lockdown-Folgen kämpfen, müsste die Überbrückungshilfe III bis zum
Jahresende verlängert werden.
Mehr Praktikabilität ist bei den Impf- und Test-Nachweisen vonnöten. Ein Testsystem mit
intelligenter Logistik in den Kommunen ist als „Überbrückungshilfe“ besser als Schlie-
ßungen und finanzielle Hilfen.
Außerdem brauchen wir eine leistungsfähige Verwaltung mit schnellen und digitalen
FOTO: THEWALT
Verfahren – gerade auch abseits der Großstädte. Um die Wirtschaft nicht auszubremsen,
sind zudem verkürzte Prozesse nötig, zum Beispiel mithilfe vollelektronischer Melde-,
Genehmigungs- und Nachweisverfahren.
Dr. Jan Glockauer Der Blick aufs zweite Halbjahr gibt uns Grund zum vorsichtigen Optimismus. Doch eine
Hauptgeschäftsführer kurzfristige Konsumfreude im Sommer bleibt ein Strohfeuer, wenn uns nicht spätestens
Industrie- und Handelskammer Trier nach der Bundestagswahl mehr Zukunftsorientierung gelingt. Denn die Digitalisierung,
der Klimawandel und die demografische Entwicklung werden uns alle in einer Nach-Co-
rona-Zeit fordern. Wir gehen die Herausforderungen mit Zuversicht und Mut an – in
unseren Mitgliedsbetrieben und mit unserer IHK.Demnächst für Sie im Programm
Seminare & Lehrgänge
FOTO: CHRISTOPHER ARNOLDI
DIGITAL FIT IM JOB BERUFLICHER AUFSTIEG
Digitaler Innovations- und Produktmanager Geprüfter Betriebswirt
(IHK) – Live Online Master Professional in Business Management
10. September 2021 – 30. November 2021 30. August 2021 – 26. Mai 2023
Online Marketing Manager (IHK) – Live Online Geprüfter Wirtschaftsfachwirt –
15. September 2021 – 19. November 2021 berufsbegleitend abends
3. Dezember 2021 – 10. November 2023
Modern Workplace – Überblick zum modernen
Arbeitsplatz mit Office 365 für Entscheider Geprüfter Technischer Betriebswirt
29. September 2021 10. Dezember 2021 – 7. Oktober 2023
Einstieg in BigData/Data Sciences mit Python – Geprüfter Logistikmeister
Live Online (Meister, Bachelor Professional)
9. November 2021 – 18. November 2021 11. Dezember 2021 – 27. April 2024
EXPERTENWISSEN TAGESSEMINARE
Fachkraft für Controlling (IHK) – Lohn und Steuern aktuell – Workshop
Live Online 31. August 2021
17. August 2021 – 21. Oktober 2021
Interner Auditor ISO 9001:2015
Personal Coach (IHK) Kompetent, zielorientiert, fair
2. September 2021 – 10. Juni 2022 22. September 2021 – 23. September 2021
Personalentwickler (IHK) Führen und Managen
7. September 2021 – 18. November 2021 Grundlegende Führungskompetenzen
5. Oktober 2021 – 6. Oktober 2021
Business English Basic Level (IHK) –
Berufliche Alltagskommunikation in Englisch Protokoll führen: Wesentliche Inhalte
8. September 2021 – 16. Februar 2022 auf den Punkt gebracht
18. Oktober 2021
BIS ZU 60 PROZENT FÖRDERUNG MÖGLICH.
Information & Anmeldung: IHK Trier, Telefon: (06 51) 97 77-7 90, E-Mail: biz@trier.ihk.de, Web: weiterbildung.ihk-trier.deINHALTSVERZEICHNIS 5
19
FOTO: CHRISTOPHER ARNOLDI
FOTO: TGC GROUP
16
53
FOTO: GESUNDL AND VULK ANEIFEL
FOTO: TESL A AUTOMATION
08
TITEL 25 Saarburger Start-up
08 Industrie-Motor siegt bei Ideenwettbewerb
läuft auf Hochtouren 26 Gründer erkunden
die Kunst des Gründens
WIRTSCHAFTSTRENDS 27 Weinkellerei Peter Mertes
14 #GemeinsamUnternehmen bildet Azubis top aus
16 Werkstätten lehren fürs Leben 27 Digitale Eifel-Messe
18 Raus aus dem Corona-Tief will Menschen vernetzen
19 Der Brunnenhof „18ZWO“ – 27 Dr. Oetker profitiert von
Tradition trifft Digitalisierung Appetit auf Pizza und Kuchen
20 Mobil in die Zukunft
21 Coronakrise: IHK AKTUELL
Was und wer Ihnen jetzt hilft 27 Standortpolitik
22 Tipps für Mitarbeitereinsätze 28 International
in Osteuropa 30 Wein, Kultur, Tourismus
23 So zahlt sich Weiterbildung aus 31 Recht und Steuern
24 Meldepflicht gilt jetzt 33 Aus- und Weiterbildung
für sämtliche Einfuhren
RUBRIKEN
UNTERNEHMENSNOTIZEN 03 Standpunkt
25 Der kleine Buchfink 31 Kreis Junger Unternehmer
landet in Trier 36 Registernachrichten
25 ARMON GmbH: 53 Leben
Hochzeit für die Zeitarbeit 54 ImpressumMagazin
Ausbildung – mit voller Kraft voraus
Melden Sie uns Ihre offenen Ausbildungsstellen!
Gerade jetzt brauchen junge Menschen berufliche Perspekti-
GRAFIK: MARKENMUT
ven – und zukunftsorientierte Betriebe suchen langfristig qua-
lifiziertes Fachpersonal. Bilden Sie auch im Jahr 2021 aus und
binden dadurch junge, engagierte Menschen frühzeitig an Ihr
Unternehmen!
Wir stellen Ihre Ausbildungsberufe und Praktikumsplätze in die
Lehrstellenbörse der IHK ein und verknüpfen sie mit dem digi-
talen Ausbildungsatlas der rheinland-pfälzischen IHKs. Auf der
Homepage https://www.derausbildungsatlas.de/ können junge
Menschen im Umkreis ihres Heimatorts sowohl nach Ausbil-
dungsstellen suchen als auch nach Unternehmen, die in ihren
Wunschberufen ausbilden. Dazu arbeiten alle IHKs in Rhein-
land-Pfalz zusammen, so dass auch über IHK-Grenzen hinweg
Ergebnisse auffindbar sind.
Teilen Sie uns hierzu bitte Ihre offenen Ausbildungsplätze über die
Homepage der Kampagne „Ausbildung kennt keine Auszeit“ mit.
Kontakt: https://www.ausbildung-trier.jetzt/
,,Heimat shoppen‘‘: Kreative Ideen gesucht!
Aktionswochenenden im September und Oktober für Unternehmer und Vereine
Magazin // Seite 6
Auch im Jahr 2021 rollt die erfolgreiche IHK-Imagekampa- regionalen Gewerbes hin. Hierbei unterstützt sie die IHK
gne ,,Heimat shoppen‘‘ durch die Region Trier. Denn Trier mit der Bereitstellung von Werbematerial: Logo,
momentan ist es wichtiger denn je, auf den gesell- Plakate, Einkaufstüten und Homepage stehen zum
schaftlichen und wirtschaftlichen Wert des Handels, Einsatz bereit.
der Gastronomie und der Dienstleister hinzuweisen. Machen Sie mit und unterstützen Sie die Heimat-shop-
Der Startschuss fällt am 10. und 11. September 2021. pen-Kampagne mit kreativen Ideen! Unternehmer
Ab dann besteht die Möglichkeit, ein Aktionswochen- oder Vereine, die teilnehmen möchten, können sich an
ende in der Zeit bis zum 3. Oktober 2021 auszuwählen. ihren Gewerbeverein oder die IHK Trier wenden.
An diesem Wochenende weisen alle beteiligten Geschäfte Kontakt: IHK Trier, Stefan Rommelfanger, Telefon: (06 51) 97 77-9 30,
ihre potenziellen Kunden werbewirksam auf die Bedeutung des Fax: -5 05, E-Mail: stefan.rommelfanger@trier.ihk.de
der clevere römer
"industria" heisst eben soviel und ich finde, dass diese eigen- das ist mal ein zugpferd,
wie "fleiss" und "betriebsamkeit"! schaften durch diese statue wie es im buche steht!
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021
sehr gut symbolisiert werden.
0721_Zugpferd_Industrie.indd 1 28.05.21 20:01MAGAZIN 7
Rechtstipp
Ein Hoch auf den HOGANEXT-Wein!
Keine Impfpflicht
Azubiprojekt mit dem Wiltinger Weingut Van Volxem
im Betrieb
Seit dem 7. Juni dürfen Betriebsärzte
in Unternehmen Impfungen gegen
COVID-19 durchführen. Eine gesetz-
liche Impfpflicht gibt es allerdings
nicht. Daher sind Corona-Schutzimp-
fungen im Betrieb für die Mitarbeiter
grundsätzlich freiwillig.
Arbeitgeber haben jedoch nicht nur
FOTO: ONDREJ NOVOTNY
ein Interesse daran, die wegen der
Corona-Pandemie ergriffenen Arbeits-
schutz-Maßnahmen möglichst zügig
zu beenden, sondern sind auch zum
Schutz der Gesundheit ihrer Arbeit-
nehmer verpflichtet. Und sie wollen
Andrea Mereu, Azubi Chan Yavsan und Pascal Brizin (vorne, von links) vom Weinromantikhotel eine Infektionsgefahr im Betrieb wei-
Richtershof holen den Wein gleich persönlich im Weingut Van Volxem ab. Hinten im Bild (von links): testgehend ausschließen. Dies könnte
Betriebsleiter Dominik Völk, Albrecht Ehses, Ulrich Schneider und Projektleiter Ondrej Novotny. mithilfe einer Impfpflicht im Betrieb
erreicht werden.
Diesem berechtigten Interesse des
Abgefüllt, etikettiert, ausgeliefert, trink- Traubenlese und -selektion mitzuwirken. Arbeitgebers stehen jedoch das Recht
bereit: Der HOGANEXT-Wein des Wiltin- Von Inhaber Roman Niewodniczanski des Arbeitnehmers auf körperliche
ger Weinguts Van Volxem wartet nun in erfuhren sie mehr über die Weinherstel- Unversehrtheit und der Schutz seines
den teilnehmenden Hotels und Gaststät- lung – vom Weinberg über den Keller bis zur allgemeinen Persönlichkeitsrechts
ten auf Gäste, die ihn kosten möchten. Vinothek. Entstanden ist daraus am Ende entgegen. Aus diesem Grund sind die
Schutzpflicht des Arbeitgebers und
Entstanden ist dieser besondere Tropfen ein eigener HOGANEXT-Wein mit indivi-
das Persönlichkeitsrecht des Mitarbei-
im Rahmen eines Azubiprojekts, das duellem Label, den die teilnehmenden ters in jedem Einzelfall gegeneinander
wiederum Teil der IHK-Initiative für eine Betriebe nun ausschenken können. abzuwägen. Dabei wird in Betrieben
hochwertige Ausbildung in der Hotel- Es ist ein trocken-schmeckender, mine- des Gesundheits- und Pflegewesens
und Gaststättenbranche ist. Auszubil- ralisch-frischer 2020er Riesling aus den die Interessenabwägung eher zu
dende der HOGANEXT-Betriebe können Steillagen der Saar und damit ein vielsei- Gunsten des Arbeitgebers ausfallen
von zahlreichen Schulungen profitieren tiger Essensbegleiter. 1000 Liter wurden als in Betrieben ohne Umgang mit
vulnerablen Personengruppen.
und regionale Hersteller sowie Produkte insgesamt abgefüllt.
Überwiegen die Interessen des Arbeit-
besser kennenlernen: wertvolles Wissen Ab dem Sommer soll es für die HOGA- nehmers, kann er nicht zur Impfung
für ihre Ausbildung und die Beratung der NEXT-Azubis weitere Produktschulungen verpflichtet werden. Dementspre-
Gäste. in Präsenz geben. Unterstützt wird das chend darf ihn der Arbeitgeber für die
So waren im Herbst einige Auszubilden- Projekt von der Nikolaus-Koch-Stiftung. Verweigerung der Impfung auch nicht
de bei Van Volxem zu Gast, um an der Info: www.hoganext.de sanktionieren, indem er eine Abmah-
nung oder Kündigung ausspricht.
Um den Infektionsschutz in Betrieben
zügig umsetzen zu können, ist Arbeit-
Wer hat die meisten Mitarbeiter? gebern daher zu raten, ihre Mitarbei-
ter von der Notwendigkeit einer Imp-
fung und der damit verbundenen Vor-
IHK Trier startet Unternehmensumfrage teile (Aufhebung der Verpflichtung
zum Tragen eines Mund-Nase-Schut-
Die Region Trier verfügt über eine vielfäl- Diese Unternehmen möchten wir in einem zes etc.) zu überzeugen, indem er sie
sachlich darüber aufklärt.
tige Unternehmenslandschaft und einen Bericht veröffentlichen. Wir haben dazu
Mehr zum Thema Impfen im Betrieb
leistungsfähigen Mittelstand. Es liegt bis- im Frühsommer 2021 eine Auswahl von lesen Sie unter „IHK Aktuell“.
lang jedoch keine Übersicht der beschäfti- Firmen angeschrieben, um deren aktuelle
gungsstärksten regionalen Unternehmen Beschäftigtenzahl zu erfragen. Sollte Ihr
vor. Eine entsprechende Erhebung hat Unternehmen mindestens 100 Personen
die IHK im vorigen Jahr wegen der Coro- beschäftigen (Kriterium: Summe der
na-Krise leider nicht zu Ende führen kön- Vollzeit- sowie Teilzeitkräfte und Auszu- Assessorin jur.
nen. Diese Lücke wollen wir nun schließen bildenden, ohne geringfügig Beschäftigte) Sabine Plate-Betz,
und alle Mitgliedsunternehmen sammeln, und bisher noch keinen Erhebungsbogen Geschäftsführerin der
die in der Region, also der Stadt Trier und erhalten haben, so wenden Sie sich bitte Vereinigung Trierer
FOTO: V TU
Unternehmer in der
den vier Landkreisen, 100 Mitarbeiter und an Katharina Berens (E-Mail: berens@trier.
Region Trier e.V.
mehr beschäftigen. ihk.de, Telefon: (06 51) 97 77-9 02).Titelthema
INDUSTRIE-MOTOR
LÄUFT AUF HOCHTOUREN
Produzierendes Gewerbe treibt die Wirtschaft in der Region Trier an
Text: Ursula Bartz, Susanne Rendenbach
Fotos: Tesla Automation (Seite 8-10), Christopher Arnoldi (Seite 11-13),
Arla Foods (Seite 11 unten)
DANK IHRER INNOVATIONSKRAFT UND EINER HOHEN NACHFRAGE NACH IHREN PRO-
DUKTEN IST DIE STIMMUNG IN WEITEN TEILEN DER REGIONALEN INDUSTRIE BLENDEND.
FAST JEDES ZWEITE UNTERNEHMEN MELDET MEHR AUFTRÄGE ALS IM DURCHSCHNITT.
WIR WERFEN EINEN BLICK AUF DREI GLOBAL PLAYER AUF DER ÜBERHOLSPUR.
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021TITELTHEMA 9
Mit Höchstgeschwindigkeit in die Zukunft: Tesla brennt für die Beschleunigung des Über-
gangs zu nachhaltiger Energie. Innerhalb weniger Jahre wurden revolutionäre Strategien
und Produkte entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht. Das ist nur möglich
dank der großen Begeisterung und Identifikation der Mitarbeiter, der hohen Geschwin-
digkeit in der Umsetzung von Prozessen und Projekten sowie überdurchschnittlicher
Innovationskraft und Effizienz.
Dieser Geist ist auch in Prüm spürbar, wo mit der Tesla Automation GmbH eine Tochter
des US-Konzerns beheimatet ist. Mit insgesamt rund 1300 Mitarbeitern ist sie Teil der
Erfolgsgeschichte von Tesla. Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung und Herstellung von
innovativen, hochautomatisierten Produktionssystemen, die an allen Tesla-Produktions-
standorten eingesetzt werden.
Um solche innovativen Produktionsanlagen schnellstmöglich realisieren zu können, ver-
fügt Tesla Automation über eine sehr hohe eigene Fertigungstiefe. „Wir können solche
Anlagen im Vergleich zu den meisten anderen Maschinenbau-Unternehmen häufig mehr
als doppelt so schnell entwickeln und realisieren“, sagt Geschäftsführer Lothar Thom-
mes. Die Technik wandelt sich so rasant, dass die Produktionsanlagen mit neu entwi-
ckelten Maschinen und Prozessen diesem Fortschritt permanent Sorge tragen müssen.
Denn Tesla treibt den Wandel von konventionellen Fahrzeugantrieben zur E-Mobilität mit
ungeheurer Kraft und Geschwindigkeit an.
Stütze in der Coronakrise
Wie stark die Industrie von Innovationen getrieben ist und wie stark die Industrie die
gesamte Wirtschaft antreibt, zeigt Tesla Automation damit exemplarisch. Während
andere Branchen von der Coronakrise hart getroffen wurden und auch für die nächste
Der Tesla-Neubau in Prüm Zukunft wenig optimistisch sind, kann sich die Industrie in der Region Trier vor Auf-
wächst in Rekordgeschwindigkeit. trägen vielerorts kaum retten. 51 Prozent der Betriebe im produzierenden Gewerbe
Im August soll er bezogen werden. berichten von guten, 35 Prozent von befriedigenden und nur 14 Prozent von schlechten
Geschäften. Die Auslastung ist hoch, das Exportgeschäft gut, ebenso die Perspektive
für 2021.
Damit hat sich die Industrie in der Krisenzeit als Motor erwiesen. Dass die hiesige Unter-
nehmenslandschaft kleinteiliger und deutlich heimatmarktorientierter ist als im Landes-
schnitt, schirmt die regionale Wirtschaft stärker von außenwirtschaftlichen Schocks ab.
Im Ganzen kam sie daher bislang glimpflich durch die Krise. Sogar während des Lockdo-
wns hat sich das Konjunkturklima leicht erholt, wie unsere Umfrage zeigt (siehe Seite 16).
„Gerade in Krisenzeiten werden Innovationen gebraucht“, sagt Thommes. Unabhängig
von Konjunkturlagen ist das Unternehmen stetig gewachsen. 1983 unter dem Namen
Grohmann Engineering gegründet, firmiert es seit Anfang 2017 unter Tesla und hat sich
seit dieser Zeit fast verdoppelt. Inzwischen entwickelt das Unternehmen ausschließlich
für Tesla Produktionsanlagen zur Herstellung von Elektrofahrzeugen und deren Kompo-
nenten sowie Stromspeicher- und Photovoltaikanlagen.
Minifabrik für Impfstoffe aus Prüm
Darüber hinaus beliefert Tesla Automation weitere Auftraggeber mit Anlagen zur Herstel-
lung von Speicherchips sowie mit einem Produkt, das helfen könnte, die Corona-Pan-
demie zu besiegen: Für die Tübinger Biotechfirma CureVac hat Tesla Automation einen
mRNA-Printer entwickelt. Eine mobile „Minifabrik“, die überall auf der Welt zum Einsatz
kommen könnte, um vor Ort Impfstoff herzustellen.
mRNA-Vakzine transportieren eine Art Bauanleitung für einen Baustein des Virus.
So können die Zellen diesen selbst herstellen, was die Bildung von Antikörpern und
Abwehrzellen gegen dieses Virus anregt. Zudem können mit seiner Hilfe verschiedenste
Arzneimittel hergestellt werden, die auf RNA basieren, schließlich wurde er ursprünglich
zur Bekämpfung von Krebs entwickelt. Eine revolutionäre Idee, die die Lösung für viele
Krankheiten bedeuten könnte.Titelthema
Tesla treibt den Wandel
von konventionellen Fahrzeugantrieben
zur E-Mobilität voran.
Der kontinuierlichen Geschäftsentwick- Region braucht neue Zukunftsvision
lung begegnet Tesla Automation mit einem Ein wesentlicher Grund dafür seien infrastrukturelle Defizite in der Region. Zum einen
physischen Wachstum. Im März entschied fehle es an der digitalen Infrastruktur – dies habe sich gerade während der Pande-
sich das Unternehmen für einen zweige- mie mit Blick auf die notwendigen Homeoffice-Arbeitsplätze besonders gezeigt. „Die
schossigen Erweiterungsbau am Standort Digitalisierung ist ein Schlüsselthema!“ Zum anderen fehle es an Freizeitmöglichkeiten,
in Prüm mit fast 20 000 Quadratmetern Kultur, Kulinarik und insbesondere an Wohnimmobilien und einer besseren ärztlichen
Fläche, unmittelbar angrenzend an das Versorgung, also in Summe an einem attraktiven Umfeld im Privaten.
Titelthema // Seite 10
Hauptgebäude. In kürzester Zeit erhielt „Wir haben viele tolle, innovative Unternehmen hier in dieser Region. Aber der Fach-
das Unternehmen die Baugenehmigung, kräftemangel wird deren Weiterentwicklung künftig hemmen“, sagt Thommes. Um
für August ist bereits der Einzug geplant. der demografischen Entwicklung entgegenzutreten, benötige man ein ansprechendes
Wie im Zeitraffer ziehen die Bauunterneh- Umfeld, damit der regionale Nachwuchs in der Region bleibe und zusätzlich Menschen
men die neue Produktionsstätte hoch. von außerhalb hier sesshaft würden.
Zwar bekommt man auch in Prüm den Die Region als Ganzes brauche eine völlig neue Zukunftsvision mit ambitionierten,
Rohstoffmangel am Markt zu spüren, aus- konkreten Zielen, müsse nachhaltige Geschäftsideen pushen, überregional denken und
bremsen lässt sich das Unternehmen hier kooperieren. „Wenn die Region ihre Defizite aufholen will, muss sie eine Vorreiterstellung
aber nicht. einnehmen und gleich mehrere Schritte auf einmal gehen. Sonst bleibt sie auch weiterhin
Die Mitarbeiter ziehen alle an einem Strang hinter anderen Regionen zurück.“
und ermöglichen ein hohes Tempo, lobt Damit Deutschland seine gute Position als Industriestandort nicht an andere Länder
Thommes. Die Ausbildung sei ein weiterer verliere, müsse es sich dringend entbürokratisieren. „Wir brauchen kurze Entschei-
Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft. dungswege und Rahmenbedingungen, die eine schnellere Umsetzung von Innovationen
Mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter ermöglichen.“
seien Auszubildende oder duale Studenten.
Zusammen mit den langjährigen Kollegen Mehr als 38 000 Beschäftigte
bildeten sie die ideale Mischung aus Erfah- Denn: „Die Industrie ist der zentrale Innovationstreiber in unserer Region und Garant
rung und der Begeisterung für neue Ideen für Wertschöpfung und Beschäftigung“, sagt Dr. Matthias Schmitt, IHK-Geschäftsführer
– und auch für das weitere Wachstum. „Wir Standortpolitik. Der Löwenanteil privater Investitionen in Forschung und Entwicklung
haben tolle Mitarbeiter mit Passion!“, sagt geht auf das Konto des verarbeitenden Gewerbes. „Damit das so bleibt, müssen Politik
der Geschäftsführer. und Verwaltung die Standortbedingungen konsequent optimieren.“ Besonders relevant
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021
Kommunikation ist ein entscheidendes seien hier Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Entbürokratisierung und verkehrliche
Element für Problemlösung und Innovation. Erreichbarkeit.
Die Räume sind offen, die Büros großflächig Aktuell trägt die Industrie ein Drittel zur regionalen Wirtschaftskraft bei. Der Umsatz lag
und hell. 2019 bei knapp 11 Millionen Euro und ist damit innerhalb von zehn Jahren um 40 Prozent
Ganz klar, der Name Tesla zieht. Viele neue gestiegen. Die durchschnittliche Wertschöpfung pro Beschäftigtem ist in diesem Sektor
Mitarbeiter nehmen weite Strecken auf besonders hoch. Mit mehr als 38 000 Menschen arbeiten so viele Beschäftigte in der
sich, um hier zu arbeiten. Doch nicht alle Industrie wie noch nie.
entscheiden sich dafür, ihren Lebensmit- Besonders stark in der Region Trier vertreten sind die Verbrauchsgüterproduzenten –
telpunkt in die Eifel zu verlegen, berichtet insbesondere Hersteller von Nahrungsmitteln und Getränken. Auf sie entfallen fast die
Thommes. Hälfte der industriellen Umsätze.TITELTHEMA 11
Global Player aus Pronsfeld
Einer der größten und bedeutendsten von
ihnen ist die Arla Foods GmbH mit ihrem
weltweit größten Standort in Pronsfeld im
Eifelkreis Bitburg-Prüm. Was 1967 auf der
grünen Wiese als Zusammenschluss drei-
er kleiner Molkereien aus Schönecken,
Bleialf und Üttfeld zur Molkereigenossen-
schaft Milch-Union Hochwald begann, hat
sich längst zum Global Player entwickelt.
Die europäische Molkereigenossenschaft
Arla Foods zählt weltweit zu den Top
zehn, deutschlandweit zu den Top fünf der
Branche.
Mit der Produktion von Butter, Milchpulver
und Käse fing alles an. Heute ist das Milch- Jürgen Wolf, Standortleiter des Arla-Werks in Pronsfeld,
Werk in Pronsfeld spezialisiert auf haltbare will das internationale Geschäft weiter stärken.
Molkereiprodukte: Trinkmilch, Milchmisch-
getränke, Sahne, Kondensmilch, Schmand, Milch. „Zudem haben sich die Verkaufs- Die kurzfristig explosionsartig angestie-
Butter, Mischstreichfette und Milchpulver. zahlen bei Kondensmilch stabil gehalten, gene Nachfrage habe das Werk mit einer
Eine Erfolgsgeschichte, der selbst die und sehr positiv entwickeln sich die Zahlen angepassten Produktion (Reduktion von
Corona-Pandemie keinen Dämpfer ver- bei Milchstreichfetten.“ In rund 70 Länder Milchkonzentrat) aufgefangen. Liefereng-
passt hat. „Haltbare Milchprodukte sind wird exportiert – darunter Ägypten, Kuwait pässe habe es zu keinem Zeitpunkt gege-
gefragt, und wir haben sie konsequent und die Malediven. ben – auch nicht bei Artikeln, die für die
weiterentwickelt“, sagt Werks-Chef Jür- Produktion notwendig sind. „Den größten
gen Wolf. Stark gestiegen sei seit einigen Boom bei haltbarer Milch Anteil beziehen wir aus Europa, nur eine
Jahren die Nachfrage nach laktosefreier Das Geschäftsjahr 2020 sei „ein wirklich geringe Menge vom internationalen Markt.
gutes“ gewesen. Zu Beginn des ersten Das hat reibungslos funktioniert.“ Den
Lockdowns habe die Nachfrage der Hauptrohstoff liefern mit 4,3 Millionen
Supermarkt-Kunden nach H-Milch den Litern Milch täglich rund 2000 Landwirte
Pronsfeldern „eine enorme Auftragsla- aus Deutschland, Luxemburg und Belgien
ge“ beschert. Statt bis dato 4000 hätten nach Pronsfeld.
täglich rund 6000 Paletten (1 Palette = Dass das Werk so gut durch die Krise
700 Liter) zu Spitzenzeiten die Werkstore gekommen ist, liegt nach Auskunft Wolfs
verlassen. „Das war, wie wenn Weihnach- vor allem am Absatzmarkt. „Unseren
Derzeit baut Arla an einem zweiten ten und Ostern zusammenfallen“, erinnert Hauptumsatz erwirtschaften wir im Ein-
Trockenturm für Milchpulver: sich Wolf. Nach zweieinhalb Monaten habe zelhandel. Wir sind nicht so stark in der
„Eine klare Stärkung des Standorts.“ sich die Nachfrage wieder auf Normalni- Gastronomie und in Kantinen vertreten.“
veau eingependelt.
Neuer Trockenturm
für 190 Millionen Euro
Jedes Jahr investiert Arla nach Auskunft
von Wolf zwischen 15 und 20 Millionen
Euro in den Eifeler Standort. Die Summe,
die derzeit auf dem rund 55 Hektar großen
Gelände verbaut wird, setzt allem bisher
Dagewesenen das Sahne-, oder besser
gesagt das Milchhäubchen auf. 190 Mil-
lionen Euro lässt sich das Unternehmen
den Bau eines zweiten Trockenturms für
Milchpulver kosten und realisiert damit
eines der größten Bauprojekte in der Eifel.
Im Herbst soll der Turm in Betrieb genom-
men werden.
Rund 95 000 Tonnen Milchpulver kann Arla
dann jährlich zusätzlich produzieren. Wolf
nennt dies „eine klare Stärkung des Stand-
orts Pronsfeld und seiner strategischenTitelthema
Bedeutung“. Zudem unterstütze diese Wolf. „Unter anderem auch, um für die
Investition das langfristige Ziel der stär- Angehörigen attraktive Arbeitsplätze zu
keren Internationalisierung. Denn mit dem finden.“
zusätzlich produzierten Milchpulver sollen Eine wichtige Rolle spiele natürlich auch die
Marktanteile beispielsweise in Afrika, vor Infrastruktur. Wie Lothar Thommes nennt
allem in Nigeria, sowie in China gewonnen Wolf spontan das Stichwort Digitalisierung.
werden. „Glasfaser bis ins Haus müsste längst Stan-
Gewinnen muss das Werk in Pronsfeld dard sein. Auch beim Mobilfunk klafft eine
dazu schnellstmöglich zusätzliches qua- riesige Lücke. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm
lifiziertes Personal – rund 70 Mitarbeiter ist eine der Regionen mit den meisten
sowie weitere Auszubildende. Mit sei- Netzabbrüchen.“ Großen Handlungsbedarf
nen rund 1000 Mitarbeitern und etwa sieht er zudem beim öffentlichen Nahver-
30 Auszubildenden ist der reine Produkti- kehr und bei der Ärzteversorgung.
onsstandort bereits jetzt einer der wich- Als Herausforderung nennt der Werks-
tigsten Arbeitgeber in der Region. Um Chef die mitunter langwierigen Planungs-
noch attraktiver zu werden, gibt es zum und Genehmigungsverfahren – ein Punkt, Stark unter Strom
Beispiel ein umfangreiches Gesundheits- den auch eine IHK-Unternehmensumfrage Ebenfalls auf Wachstumskurs befindet
management und reservierte Kita-Plätze belegt. Bei der Bewertung des Indus- sich das Trierer Mittelstandsunternehmen
für Kinder der Angestellten. „Wir haben triestandorts Deutschland hatten rhein- KAUTZ GmbH. Die Auftragslage: „gigan-
hoch motivierte Mitarbeiter, und Ausbil- land-pfälzische Industrieunternehmen tisch“ (Originalton Axel Horstmann).
dung ist bei uns ein wichtiges Thema“, sagt in einer Negativ-Rangliste die Dauer und Das Produkt: individuelle Schaltanlagen.
Wolf. „Und wir bieten vielfache Möglich- Komplexität von Planungs- und Genehmi- Das Erfolgsrezept: maßgeschneiderte
keiten, sich im Unternehmen weiterzuent- gungsverfahren an dritter Stelle genannt. Lösungen in Premium-Qualität. 1985 von
wickeln.“ Auch Bachelor- und Masterar- Noch schlechter hatten sie das Steuerrecht Rolf Kautz in der Eurener Flur gegründet,
beiten seien im Werk in Pronsfeld möglich. beurteilt. Auf Platz 1 der Kritik rangiert die hat es sich unter der Führung von Axel
Ein Vorteil sei die Zugehörigkeit zum Fülle und Verständlichkeit von bürokra- Horstmann, der das Unternehmen 2012
Arla-Verbund. So habe man etwa den Pro- tischen Auflagen. übernommen hat, konsequent weiter zum
jektleiter für den neuen Trockenturm aus Wobei Wolf für das Genehmigungsverfah- Global Player und zu einer der Top-Adres-
Titelthema // Seite 12
Dänemark in die Eifel „abziehen“ können. ren des Trockenturms lobende Worte fin- sen in der Branche entwickelt.
„Dieses Beispiel zeigt aber auch, dass die det. „Bei dieser Planung haben wir alle von Unter rund 400 Mitbewerbern deutsch-
großen Unternehmen in der Region bei der Anfang an mit ins Boot genommen und das landweit rangiert der Starkstrom-Anla-
Mitarbeitergewinnung ins Gespräch kom- große Projekt in Einzelprojekte zerlegt. Das genbauer aus Trier nach Auskunft des
men und kooperieren müssen“, erläutert hat sehr gut geklappt.“ Firmenchefs unter den ersten drei bis
fünf. Rund 70 Mitarbeiter aus 13 Nationen
zählt das Unternehmen derzeit.
2500 Kunden weltweit füllen die Auftrags-
bücher. Darunter ist von der Lebensmit-
telbranche über das Gesundheitswesen
bis hin zum klassischen Industriesektor
so ziemlich jeder Bereich vertreten. Die
Referenzliste liest sich wie ein Who is
Who der ganz Großen.
Kein Wunder: Die reibungslose Strom-
versorgung ist der neuralgische Punkt
in jedem Produktionsbetrieb und jeder
stromabhängigen Unternehmung. Auf
diesem Sektor hat sich der Mittelständ-
ler mit bahnbrechenden Innovationen ein
bemerkenswertes Renommee aufgebaut.
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021
„Wir sind eine Manufaktur. Unsere
Lösungen sind stets individuell und
nach den besonderen Anforderungen
des Kunden maßgeschneidert“, erläutert
Horstmann. Dabei werden die Nieder-
spannungsschaltanlagen von Trier aus
komplett geplant und gebaut, um dann
ebenfalls von den KAUTZ-Mitarbeitern
Der Trierer Mittelständler KAUTZ stellt vor Ort montiert und in Betrieb genom-
mit rund 70 Mitarbeitern individuelle Schaltanlagen her. men zu werden.TITELTHEMA 13
Sorgen über zu wenig Arbeit muss sich
der Firmenchef ohnehin nicht machen.
„Die Auftragslage ist gigantisch. Für
2021 rechnen wir mit einem Umsatz von
14 bis 15 Millionen Euro. Und 2020 war ein
Rekord-Umsatzjahr.“
Zusätzliche Aufträge
in der Pandemie
30 Prozent mehr Aufträge habe Corona
dem Unternehmen beschert. „Insbeson-
dere die Lebensmittelbranche, aus der wir
viele Kunden haben, erweitert ihre Lager-
kapazitäten massiv. Zusätzliche Aufträge
haben wir auch aus der Pharmaindustrie
gewinnen können – im Bereich Sonder-
maschinenbau für Impfstoffe. Und der
intensivere Fokus der Krankenhäuser
auf die Strom-Versorgungssicherheit hat
„Die Auftragslage ist gigantisch“, sagt Geschäftsführer Axel Horstmann. sich für uns gewinnbringend ausgewirkt.“
In der Corona-Pandemie sei die Zahl der Aufträge um 30 Prozent gestiegen. Allerdings wirken sich inzwischen auch
die Schattenseiten der Pandemie auf
den Unternehmensalltag aus – etwa die
Pionierarbeit zahlt sich aus Verknappung einiger Rohstoffe. „Man-
Bahnbrechend in diesem Bereich war die Entwicklung des Modul-K-LXS-Systems im Auf- che Komponenten, die früher innerhalb
trag des Chemie-Konzerns Lanxess im Jahr 2015. Das modulare Stecksystem ermöglicht von 24 Stunden bei uns im Werk waren,
es, Einschübe im laufenden Betrieb zu wechseln und garantiert so eine hohe Verfüg- brauchen inzwischen vier Wochen. Kleine
barkeit der Anlagen. War die früher von Lanxess genutzte Schaltanlage noch mit 1700 Zulieferer vertrösten uns zum Teil auf eine
verschiedenen Einschüben versehen, so sind es mit der baulich optimierten Version dreimonatige Wartezeit.“ Auch preislich
von KAUTZ heute gerade noch 14. Ein kleiner Computer steuert die Variantenvielfalt mache sich der Engpass schmerzlich
der Funktionen. bemerkbar. „Bis Dezember 2020 haben
Eine weitere Punktlandung gelang der KAUTZ GmbH mit der Verwendung von Chrom- wir für das Kilo Kupfer 6,50 Euro bezahlt.
stahl für die Anlagenschränke. Hergestellt vom Metallbauer S+L aus Föhren, sichert Inzwischen sind es 9,40 Euro.“
diese Innovation dem Unternehmen ein verkaufsstarkes Alleinstellungsmerkmal. „Die- Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage
ser Edelstahl ist unheimlich hart, aber nicht spröde. Deswegen haben die Anlagen sogar zeigt: Im produzierenden Sektor sind die
die Erdbeben-Tests der höchsten Stufe bestanden“, sagt Horstmann. „Das macht nie- Energie- und Rohstoffpreise aktuell für
mand anderes weltweit.“ 60 Prozent der Befragten ein zentraler
Pionierarbeit leisteten die Experten aus der Eurener Flur auch 2012 bei der Entwicklung Risikofaktor für die wirtschaftliche Ent-
des ARC-K-Systems. Brannte bei einem Störlichtbogen beziehungsweise einem Kurz- wicklung. Vor einem Jahr galt dies nur für
schluss in der Schaltanlage bis dato das gesamte Innenleben in Sekundenschnelle ab, so 26 Prozent.
schaltet der Störlichtbogenbegrenzer des KAUTZ‘schen Systems die Anlage in maximal Angesprochen auf seine Einschätzung
1,2 Millisekunden ab – ohne, dass etwas verbrennt oder Schaden nimmt. zum Industriestandort Region Trier sagt
Horstmann: „Ein Standort-Vorteil ist für
Forschungsprojekte laufen parallel mich die Loyalität, die sowohl bei den Mit-
Dank der Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern und dem Zukauf verschiedener arbeitern als auch bei den Kunden sehr
Komponenten kann das Unternehmen neben den selbst entwickelten und produzierten groß ist.“ Der größte Nachteil sei die Nähe
Niederspannungsschaltanlagen auch Transformatoren und Mittelspannungsschaltanla- zu Luxemburg. „Die Leute haben bei glei-
gen liefern. Für die luftisolierten Mittelspannungsschaltanlagen sitzt der Partner, die chem Brutto 30 Prozent mehr Netto raus,
Firma Elatec aus Konz, gleich um die Ecke. da kann hier niemand mithalten.“
Elementar für den Erfolg der KAUTZ GmbH sei die Investition in Forschung, erklärt Dringenden Handlungsbedarf sieht er bei
Horstmann. „Wir sind in unserer Branche das Unternehmen mit den meisten Forschungs- der Verkehrsanbindung, der Infrastruktur
projekten. Bei uns laufen stets drei bis vier Projekte parallel.“ und den Telekommunikationsnetzen. Um
Die Motivation liegt für den 58-Jährigen auf der Hand: „Als mittelständisches Unter- qualifiziertes Personal anziehen zu kön-
nehmen müssen Sie die Nase vorn haben, sonst werden Sie weggespült.“ So befinde nen, brauche es zudem mehr bezahlbaren
sich beispielsweise ein Hybrid-Kompensator, der Stromschwankungen ausgleichen soll, Wohnraum.
nach mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungszeit derzeit in Bayern in der Testphase. Grundsätzlich wünscht sich der Unter-
Luft nach oben sieht Horstmann auf einem weiteren Sektor: So habe das Unternehmen nehmer, dass dem Mittelstand mehr
seinen ersten Auftrag beim Rückbau eines Atomkraftwerks in Deutschland erfolgreich Gehör geschenkt wird. „Denn von hier
abgewickelt. Zwei Folgeaufträge seien bereits unterzeichnet. stammt das Gros der Steuereinnahmen.“Wirtschaftstrends
Industrie- und Handelskammern
starten gemeinsame
Ehrenamtskampagne
In ganz Deutschland engagieren sich tausende Unterneh-
merinnen und Unternehmer in der Mitmachorganisation der
Wirtschaft. Der IHK. Sie bringen sich mit den Erfahrungen
aus dem eigenen Betrieb ein und gestalten darüber hinaus
ihre Region mit. Denn zusammen erreichen wir mehr. Ob es
darum geht, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu
verbessern, den Fachkräftenachwuchs zu fördern oder bei
der Bewältigung der Corona-Krise zu helfen.
Sie alle eint ein Ziel:
In der bundesweiten Kampagne lassen die IHKs auf der Lan-
dingpage www.ihk.de/gemeinsam-unternehmen sowie in den
sozialen Medien die Unternehmer zu Wort kommen, die sich
Wirtschaftstrends // Seite 14
ehrenamtlich engagieren. Und wir sagen an dieser Stelle:
DANKE!
Autorin
Ursula Bartz
bartz@trier.ihk.de
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021WIRTSCHAFTSTRENDS 15 Das sind die Gremien der IHK Trier, in denen Sie ehren- amtlich mitwirken können: Vollversammlung: Sie ist das oberste Gremium der IHK und wird alle fünf Jahre gewählt. 43 Unternehmerinnen und Unternehmer aus allen IHK-zugehörigen Branchen der gesamten Region entscheiden hier über die Zukunft der Wirt- schaft in der Region Trier und bestimmen die Leitlinien der IHK-Arbeit. Fachausschüsse: Sie arbeiten die Themen inhaltlich auf, beraten die Geschäftsbereiche der IHK sowie die Vollver- sammlung und bereiten Beschlüsse vor – sowohl auf regio- naler als auch auf Bundesebene. Die Fachfelder reichen von Verkehr und Logistik über Tourismus bis hin zur Berufsbil- dung. Dazu gibt es Arbeitskreise zum Beispiel zur Außenwirt- schaft, Industrie oder dem dualen Studium. Prüfer: Ihnen ist die hohe Qualität in der Aus- und Weiterbil- dung unter dem Dach der IHK zu verdanken. Sie nehmen zum einen in der Ausbildung Zwischen- und Abschlussprüfungen ab. Zum anderen stehen sie bei Fortbildungs- sowie bei Sach- und Fachkundeprüfungen mit ihrer Expertise zur Verfügung. Dazu müssen sie fachlich wie persönlich geeignet sein und berufen werden. Prüfer arbeiten in Teams, den Prüfungsaus- schüssen.
Wirtschaftstrends
Werkstätten lehren fürs Leben
Wie Unternehmen von der überbetrieblichen Ausbildung profitieren können
„Die Leute gehen hier raus und haben in
99 Prozent der Fälle einen Job“, sagt Gerd
Lenz stolz. Seit 23 Jahren arbeitet er als Aus-
bilder in der Industrie-Lehrwerkstatt (ILW)
Trier und pendelt inzwischen als Geschäfts-
führer zwischen Werkstätten und Büro. Nicht
selten stehen ehemalige Schüler mit Kaffee
und Kuchen vor seiner Tür – um sich dafür zu
FOTO: CHRISTIAN REUTER
bedanken, dass in der ILW die Grundlage für
ihr berufliches Leben gelegt wurde. „Wir
haben hier viel gelernt, und es war eine tolle
Zeit“, höre er dann oft. Ein schönes Lob für
Lenz und sein vierköpfiges Team.
Die ILW gehört neben dem Überbetrieblichen
Ausbildungszentrum (ÜAZ-Wittlich) und dem Johannes Reuschen ist der neue Geschäftsführer des bebiz in Bitburg.
Berufsbildungszentrum (bebiz) in Bitburg zu
den drei Einrichtungen in der Region Trier, die Hinzu kommen stellenweise, zusätzlich zum jeder mache etwas anderes. „Wir gehen auf
in erster Linie junge Menschen auf die Arbeit Berufsschul-Unterricht, theoretische Schu- die Stärken und Schwächen des Einzelnen
in gewerblich-technischen Berufen vorberei- lungen. In Wittlich, wo die Metall-, Kunst- ein und bringen die Auszubildenden bis zur
ten. Und das auf verschiedenen Wegen: stoff- und Elektrotechnik im Fokus sind, Prüfung. Und das fast ausnahmslos
Wirtschaftstrends // Seite 16
gehört dazu das Wissen über Materialien, erfolgreich.“
Grundausbildung: Industrie-, Werkzeug- rechtliche Grundlagen, Elektrizität, Brand- Lenz beobachtet, dass die Unternehmen
und Zerspanungsmechaniker, Mechatroni- schutz et cetera. heute häufig mehr in ihre Azubis investieren
ker, Maschinen- und Anlagenführer können „Einer der Vorteile für die Betriebe ist, dass und auch deshalb auf die Unterstützung der
in überbetrieblichen Werkstätten in die Aus- sie für die Auszubildenden im ersten Ausbil- überbetrieblichen Lehrwerkstätten zurück-
bildung starten. Hier verbringen sie die ers- dungsjahr keinen Meister freistellen müs- griffen. Die drei- bis zwölfmonatigen Grund-
ten Monate, zum Teil auch das gesamte erste sen“, sagt Hartmut Weber, Geschäftsführer lehrgänge sind in Trier flexibel organisiert. Je
Ausbildungsjahr, um die grundlegenden des ÜAZ-Wittlich, das in diesem Jahr sein nachdem, wie es in die betrieblichen Abläufe
Fertigkeiten zu erlernen. Und so geht es in 50-jähriges Bestehen feiert. Schließlich passt.
den Werkstätten umtriebig zu: Es wird herrscht in der Branche ohnehin Fachkräfte- Johannes Reuschen, der neue Geschäftsfüh-
geschweißt, gebohrt, gedreht, gefräst, mangel, und die Ressourcen müssen so rer des bebiz, erklärt: „Wir bieten Geräte und
gefeilt. effektiv wie möglich eingesetzt werden. Methoden, die in den Betrieben nicht immer
Außerdem seien die Berufe deutlich komple- vorhanden sind, da sie nicht so generalis-
xer geworden, das könne nicht jeder Betrieb tisch aufgestellt sind wie wir.“ Gerade das
in vollem Umfang abbilden. Weber: „Wir sind erste Ausbildungsjahr sei sehr arbeitsinten-
hier in Wittlich technisch sehr gut ausgestat- siv, und dank des bebiz könnten sich die
tet, da wir immer wieder in moderne Techno- Betriebe auf die Spezialisierung im zweiten
logie und Digitalisierung investiert haben. So Ausbildungsjahr fokussieren. Auch deshalb
können wir die Auszubildenden auf die viel- sei die Nachfrage hier aktuell sehr hoch.
fältigen Herausforderungen im Beruf
vorbereiten.“ Außerbetriebliche Ausbildung: Hier
Selbst ein duales Studium ist im ÜAZ-Witt- absolvieren junge Menschen ihre komplet-
lich möglich: Azubis können in Kooperation te Berufsausbildung in den Einrichtungen
mit den Betrieben, dem Umweltcampus Bir- – mit praktischen Phasen in Betrieben. Das
kenfeld der FH Trier, der BBS Wittlich und der bebiz zum Beispiel bildet in seinen acht
FOTO: CHRISTOPHER ARNOLDI
IHK Trier die Ausbildung zum Industrieme- Werkstätten Maler und Lackierer, Tischler,
chaniker plus den Bachelor of Engineering Verkäufer und Metallbauer aus. In der ILW
absolvieren. ist eine Ausbildung zur Fachkraft für Metall-
„Wir können unsere Teilnehmer sehr indivi- technik möglich.
duell betreuen“, sagt ILW-Geschäftsführer
Gerd Lenz zu den weiteren Vorteilen. In Prüfungsvorbereitung: Spezielle Kurse
Hartmut Weber, Hochzeiten arbeiten bis zu 50 Leute in den bereiten Auszubildende auf ihre Abschluss-
Geschäftsführer des ÜAZ-Wittlich. vier Werkstätten in der Engelstraße – und prüfung Teil 1 oder 2 vor. Hier wird unterWIRTSCHAFTSTRENDS 17
anderem geschaut, welche Kompetenzlü- Meisterkurse mit Vorkurs im Bereich Metall- Einrichtungen arbeiten nicht nur innerhalb
cken noch zu füllen sind, wie sie unter Zeit- und Elektrotechnik sowie Firmenschulun- ihrer Stadt- oder Kreisgrenzen, sondern
druck arbeiten und ein gutes Fachgespräch gen, die auf die betrieblichen Bedürfnisse auch für Unternehmen darüber hinaus.
führen können. abgestimmt sind. Bei der ILW können
Auch die Prüfungen selbst finden zum größ- Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit Blick in die Zukunft: „Wir tragen einen
ten Teil in den Lehrwerkstätten statt. „Das bedrohte Menschen, die für eine Qualifizie- wichtigen Teil zur Fachkräftesicherung in
ist eine große Unterstützung, ohne sie rung im Metallbereich geeignet sind, eine unserer Region bei“, fasst Weber das obers-
wären die Prüfungen kaum umsetzbar. sogenannte Berufsanschlussfähige Teilqua- te Ziel zusammen. Dabei sieht Lenz mit
Sonst müssten wir ja einen ganzen Betrieb lifikation im Berufsfeld des Industriemecha- etwas Sorge, dass sich die Betriebe schwer-
in Beschlag nehmen, um genügend Arbeits- nikers erwerben. Und das bebiz bietet Wei- tun, neue Auszubildende zu gewinnen: ein
plätze vorhalten zu können“, sagt Christian terbildungen in den Bereichen SPS-, CAD- Problem, mit dem zahlreiche Branchen
Reuter, Leiter des IHK-Prüfungsteams. Und und CNC-Technik, Pneumatik, Elektropneu- kämpfen. Dabei seien sowohl die Zukunfts-
die Einrichtungen stellen zahlreiche Prüfer matik, Hydraulik und Schweißtechnik an. aussichten als auch die vielfaltigen Tätigkei-
– ein wertvolles Engagement, das wiederum ten und die Gehälter in den gewerblich-tech-
die Betriebe entlastet. Unterschiede: Das Besondere am ILW ist nischen Berufen verlockend.
die Organisation als Genossenschaft. Sie Reuschen, der sein Amt erst vor drei Mona-
Berufsorientierung und wurde 1964 vom Verband der Metall- und ten angetreten ist, hat sich vor allem zwei
-vorbereitung: Verschiedenste Projekte Elektroindustrie Rheinland-Rheinhessen Ziele gesetzt: „Ich möchte in die Betriebe
richten sich an Schüler und Jugendliche, die e.V., der IHK Trier, dem Trierer Unternehmen hineinhorchen, wo sie Bedarf sehen und wo
noch keinen Ausbildungsplatz gefunden AGROB und zwölf weiteren Industrieunter- wir sie noch stärker unterstützen können.
haben. Ziel ist es, ihnen berufliche Möglich- nehmen der Region gegründet, um Jugend- Wir wollen am Puls der Zeit sein, mit der
keiten aufzuzeigen und erste Fertigkeiten liche in industriellen Metallberufen auszubil- Technik in den Betrieben mithalten, wenn
mit auf den Weg zu geben. Auch den Haupt- den. Da sie sich in privater Trägerschaft nicht sogar Vorreiter sein.“
schulabschluss können sie hier nachträglich befindet, finanziere sie sich komplett selbst, Außerdem sehe er gerade infolge der Corona-
erwerben. Profitieren können davon unter erklärt Lenz. pandemie das Problem, dass junge Men-
anderem junge Menschen mit Lernbeein-
trächtigungen oder Migrationshintergrund,
die noch nicht berufsreif, körperlich oder
sozial benachteiligt sind und jene, die eine
Ausbildung abgebrochen haben. Häufig stel-
len die Werkstätten auch den Kontakt zu
Ausbildungsbetrieben her. „Wir wollen junge
Menschen fit machen für den Arbeitsmarkt,
damit die Unternehmen davon profitieren
können“, sagt Reuschen.
FOTO: CHRISTIAN REUTER
Umschulung: Wer zuvor einen anderen
Beruf erlernt oder in einem Berufsfeld bereits
einige Jahre Erfahrungen gesammelt hat, in
diesem Bereich aber nicht mehr arbeiten
kann, kommt für eine Umschulung in Frage. Gerd Lenz leitet die Geschicke der Industrie-Lehrwerkstatt Trier.
Alle drei Häuser bieten die Umschulung zum
Industriemechaniker an. Die Fachkraft für Sowohl das bebiz als auch das ÜAZ-Wittlich schen weniger gut vorbereitet auf den Aus-
Metalltechnik ist in Trier möglich, der Maschi- sind Zweckverbände der jeweiligen Land- bildungsmarkt kommen. „Hier wollen wir die
nen- und Anlagenführer in Bitburg und Witt- kreise. Ersteres betreibt an zwei Standor- Betriebe unterstützen, die schwächere
lich. Das ÜAZ-Wittlich hat zudem den Mecha- ten, in Prüm und Bitburg, die Fachbereiche Azubis einstellen, damit diese besser quali-
troniker und Elektroniker im Portfolio. Elektrotechnik, Farb- und Raumgestaltung, fiziert werden können.“
Hauswirtschaft, Holztechnik, Metalltechnik
Qualifizierung / Weiterbildung: Auch hier sowie Wirtschaft und Verwaltung. Das
ist die Liste der Angebote lang. In Wittlich ÜAZ-Wittlich ist seit 1971 einer der führen-
beinhaltet sie unter anderem den Qualitäts- den Anbieter überbetrieblicher Aus- und Autorin
manager (IHK), die Ausbildung der Ausbilder Weiterbildung im gewerblich-technischen Ursula Bartz
in IHK-Kooperation, berufsbegleitende und handwerklichen Bereich. Alle drei bartz@trier.ihk.deWirtschaftstrends
Raus aus dem Corona-Tief
Konjunktur-Erholung hat sich in der Region Trier trotz des Lockdowns fortgesetzt
Weiterhin sehr schwach präsentiert sich
die Handelskonjunktur mit einem Wert von
nur 83 Indikatorpunkten (Jahresbeginn:
82 Punkte). Hier sind es insbesondere der
typische Innenstadthandel und der
Kfz-Handel, die unter den Lockdown-Ein-
schränkungen extrem gelitten haben.
Das produzierende Gewerbe präsentiert
sich überwiegend in einer starken wirt-
schaftlichen Verfassung. 51 Prozent der
Befragten sprechen von guten, nur 14 Pro-
Hoffnungsvolle Nachrichten: Der Lock- Einzelhandel, zwischenzeitlich gewachsen zent von schlechten Geschäften.
down hat die Konjunktur-Erholung in der sein. Die Industriebetriebe melden eine über-
Region Trier zwar gebremst, konnte sie Bereits zum Umfragezeitpunkt sichtbar durchschnittlich hohe Auslastung. Dank
aber nicht aufhalten. Der IHK-Konjunk- erholt präsentieren sich die Investitions- steigender Auftragseingänge im Spätwin-
turklima-Indikator, in den die Angaben der planungen. Der entsprechende Erwar- ter und Frühjahr verfügen sie nun über ein
Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäfts- tungssaldo steigt gegenüber der Winterum- gutes Auftragspolster. 44 Prozent melden
lage und den Geschäftserwartungen für die frage von -4 auf nun +5 Prozentpunkte, was über- und nur 24 Prozent unterdurch-
kommenden zwölf Monate eingehen, ist auf eine anziehende Investitionsdynamik schnittliche Auftragsbestände.
gegenüber der Vorumfrage vom Jahresbe- hinweist. Ähnlich haben sich die Beschäfti- Auch die Exporterwartungen, die zu Beginn
Wirtschaftstrends // Seite 18
ginn um 4 Punkte auf nun 109 Zähler gungsplanungen entwickelt, so dass mit der Pandemie eingebrochen waren, weisen
gestiegen. Er nähert sich damit dem einer Belebung des regionalen Arbeits- wieder nach oben. 25 Prozent der Export-
Vorkrisenniveau. markts zu rechnen ist. betriebe rechnen für die kommenden zwölf
Der langjährige Durchschnittswert des Weiterhin verstecken sich hinter den Monate mit steigenden, nur 17 Prozent mit
Indikators liegt bei rund 120 Punkten. An Durchschnittswerten stark voneinander rückläufigen Ausfuhren. Getrübt wird das
der IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr abweichende Branchenkonjunkturen. Der Bild allerdings von der Verknappung vieler
2021 haben sich 184 regionale Unterneh- Konjunkturklima-Indikator für die Industrie wichtiger Rohstoffe und folglich massiven
men aus Industrie, Handel und Dienstleis- liegt fast unverändert bei 122 Punkten und Preiserhöhungen.
tungssektor mit mehr als 18 500 Beschäf- signalisiert damit einen robusten Auf- Insgesamt sprechen die Daten und die zwi-
tigten beteiligt. schwung. Im Dienstleistungssektor hat schenzeitlich erfolgten Lockerungen für
sich das Klima um 18 Punkte von 96 auf eine anziehende Konjunktur in den Som-
Gute Geschäftslage, aktuell 114 verbessert. mer hinein.
leicht aufgehellte Aussichten
Ihre aktuelle Geschäftslage bezeichnen
41 Prozent der Befragten als gut, 39 Pro-
zent als befriedigend und 20 Prozent als
schlecht. Hieraus resultiert ein deutlich
positiver Saldo aus Positiv- und Negativant-
worten in Höhe von +21 Prozentpunkten
(Jahresbeginn: +19 Prozentpunkte).
Die Geschäftserwartungen für die kom-
menden zwölf Monate haben sich gegen-
über der Vorumfrage ebenfalls aufgehellt.
Blickpunkt Wirtschaft 07 & 08/2021
Optimisten und Pessimisten halten sich
mit einem Anteil von jeweils rund einem IHK-Konjunkturklimaindikator für die Region Trier
Viertel die Waage. Der entsprechende
Erwartungssaldo legte von -7 Prozent-
punkten im Winter auf aktuell -1 Prozent-
punkt zu. Da die Umfrage vor den rhein- Konjunkturbericht
land-pfälzischen Beschlüssen zur Locke- Der Konjunkturbericht steht auf www.ihk-
rung der Lockdown-Bestimmungen durch- trier.de/p/Konjunkturberichte-185.html Autor
geführt wurde, dürfte die Zuversicht der zum Download zur Verfügung. Dr. Matthias Schmitt
regionalen Betriebe, insbesondere im schmitt@trier.ihk.deWIRTSCHAFTSTRENDS 19
Der Brunnenhof „18ZWO“ –
Tradition trifft Digitalisierung
Quereinsteiger wollen zeigen: Schlanke Prozesse aus der Industrie funktionieren auch in der Gastronomie
Der Brunnenhof in Trier weckt das Bild eines
schönen, historischen Ortes mit einer lan-
gen Historie. Tim Becker und Konstantin
Rohr möchten als langjährige Freunde das
gastronomische Angebot wiederaufleben
lassen und ihre Vision einer prozessual digi-
talisierten Bar im Herzen Triers verwirkli-
chen. Dabei profitieren sie vom Know-how,
das sie in ihren eigentlichen Jobs an den
Mann bringen: Becker arbeitet als Geschäfts-
F O T O : T H E W A LT
führer der TGC Gruppe mit Standorten in
Rommersheim, Koblenz und Grevenmacher
daran, individuelle Software-Lösungen für
Unternehmen zu entwickeln. Rohr ist der Konstantin Rohr (links) und Tim Becker stellen den Service
Geschäftsführende Gesellschafter von in der neuen Bar im Trierer Brunnenhof digital auf.
Security Service Schmitt in Trier und Inha-
ber des Hotels Porta Nigra. diese Anforderungen nach Laufwegen prio- Waren lassen sich
Sie möchten nun einen Beitrag zur Gastro- risiert auf einer Smartwatch. Unnötige digital managen
nomieszene in Trier leisten. „Eine so schö- Wegstrecken werden so reduziert. Wie Zudem hat das System wirtschaftliche Vor-
nen und historisch wertvollen Ort wie den schnell die Getränke auf dem Tisch landen, teile: Die Industrie spricht von einer digita-
Brunnenhof wollen wir einfach belebt zeigt ein Timer an. Ein Vorgehen, das für die len Supply-Chain, wenn sämtliche Waren-
sehen“, erklärt Becker. Optimierung von Lieferketten in der Indust- flüsse digital abgebildet werden und sich
rie häufig Standard ist, kann in der Gastro- über ein Warenwirtschaftssystem automati-
Smartwatch im Service nomie auf diese Weise die Wartezeiten ver- siert managen lassen. Verbräuche lassen
Neben seinem Charme birgt die Location kürzen und dem Servicepersonal helfen. sich so exakt darstellen und Nachbestellun-
gewisse Herausforderungen, die zu Lasten gen automatisieren. Gespeichert werden
der Übersichtlichkeit für Personal und Besu- In Rekordzeit zum Drink die anfallenden Daten in einer Cloud.
cher gehen. Ein kleiner Innenraum kombi- Die Bestellungen werden am Tisch ange- Die vielfältige Nutzung von Software ist in
niert mit einer großen Terrasse und einem nommen und drahtlos auf einen Küchenmo- der Gastronomie ein Kostentreiber und
Innenhof erfordert einen hohen Bewirtungs- nitor an der Bar übertragen. Die fertigen erschwert in bestehenden Geschäften
aufwand mit langen Laufwegen. Als Quer- Produkte stellen die Mitarbeiter auf einem deren Einsatz, da ihr Nutzen kaum in Zahlen
einsteiger betrachten die Betreiber dieses gekennzeichneten Tablet von der Bar bereit, zu beziffern ist. Die Betreiber sind daher
Problem aus einem anderen Blickwinkel und so dass sie schnellstmöglich zum Gast kom- dankbar um Förderangebote wie „Digi-
sehen in modernsten Digitalisierungsstan- men. Auch hier werden die Zeiten gemes- boost“, die die initialen Kosten senken.
dards die Lösung für einen effizienten und sen, um im Ergebnis die Kennzahlen über Trotz aller Digitalisierung innerhalb der
flüssigen Betrieb. den gesamten Prozess vom Rufen der Bedie- neuen Bar im Brunnenhof, die den Namen
Der Denkansatz lautet: Wie lässt sich Gast- nung bis hin zur servierten Bestellung zu „18ZWO“ tragen wird, können weniger tech-
ronomie mithilfe von Technologie verbes- erhalten. Diese Kennzahlen helfen, den nikaffine Gäste auch auf herkömmliche Art
sern? „Ich habe mir viele Software-Lösun- Service dahingehend zu optimieren, dass bestellen. Sämtliche Prozesse können off-
gen für die Gastronomie angeschaut und der Gast so früh wie möglich seine Bestel- line umgesetzt werden.
mich häufig gefragt: Die Menschheit kann lung erhält, das Personal unnötige Wege Im Juli 2021 sollen die Bauarbeiten abge-
doch zum Mars fliegen, warum habt ihr so einspart und Gäste nicht mehr ständig Aus- schlossen sein, und die Bar öffnet ihre Pfor-
vieles, was nach aktuellem Stand der Tech- schau nach ihm halten müssen. ten für Gäste. Dann ist sie vorbei, die digitale
nik möglich ist, in der Gastronomie noch Tische, die zu lange warten, senden automa- wie analoge Fastenzeit.
nicht umgesetzt?“, fragt Software-Unter- tisch ein Signal, um dem Personal mitzutei-
nehmer Becker. len, dass hier etwas nicht stimmt und
Letztlich haben die Betreiber einzelne neue bedient werden sollte. Das macht das Arbei-
Ideen zu einem Ganzen zusammengefügt. ten übersichtlicher und entlastet das Perso-
So kann der Gast künftig mittels Rufsystem nal, dem ein Bonifizierungssystem zusätz- Autor
den Service unabhängig von dessen Stand- lich den Anreiz bietet, den vorgegebenen Christian Kien
ort zu sich bitten. Das Servicepersonal sieht digitalen Prozess konsequent einzuhalten. kien@trier.ihk.deSie können auch lesen