KULTUR: WANN GEHT'S WIEDER LOS? - Ein Service der IHK für Unternehmen in der Region Stuttgart - IHK Region Stuttgart
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Juni 2021 Stuttgart · Böblingen · Esslingen-Nürtingen · Göppingen · Ludwigsburg · Rems-Murr
Ein Service der IHK für Unternehmen in der Region Stuttgart
KULTUR:
WANN GEHT’S
WIEDER LOS?
Seite 8Gemeinsam Handeln für unsere Umwelt
Klimaschutz und Nachhal- ESWE Versorgung ist der moderne Energie- Allein durch den Genuss von BRITA-gefilter-
tigkeit sind eine Gemein- dienstleister aus Wiesbaden mit 90-jähriger tem Wasser anstelle von Flaschenwasser wer-
schaftsaufgabe! Zwei hes- Geschichte. Bundesweit haben sich die Hes- den heute bereits 4 Mrd. Flaschen ersetzt, die
sische Unternehmen haben sen einen Namen als Energielieferant mit nebeneinandergestellt 35mal um den Äquator
sich das zu Herzen genom- Top-Konditionen gemacht. Schon früh hat reichen würden.
men und ein bundesweit ein- das Unternehmen den Fokus auf erneuerbare
maliges Projekt aufgelegt: Energien gelegt: ESWE-Strom wird zum gro- „Eines unserer Unternehmensziele ist eine
die Umweltpartnerschaft ßen Teil aus Sonne, Wind, Biomasse und Was- maximal mögliche CO2-Reduktion. Das unter-
von BRITA und ESWE Ver- serkraft gewonnen. stützt auch unser ESWE Innovations- und Kli-
sorgung. Ihr Ziel ist es, ge- maschutzfonds“, berichtet Ralf Schodlok, Vor-
meinsam den Schutz unserer Umwelt voranzu- Aufgrund gemeinsamer Sponsoringaktivitäten standsvorsitzender der ESWE Versorgungs
treiben und das Bewusstsein für nachhaltiges hatten sich die Unternehmenschefs über ihr AG. Durch den Fonds wurden in den letzten
Denken und Handeln zu stärken. Verständnis von ökologischer Verantwortung 17 Jahren Förderzusagen über mehr als 15,5
ausgetauscht – und schnell reagiert! Millionen Euro gemacht. Mit diesen Fondsmit-
BRITA, das mittelständische Familienunterneh- teln konnten rund 770 Gebäude energetisch
men aus Taunusstein, bietet weltweit Lösungen BRITA war bereits seit der Firmengründung saniert werden. Der Erfolg: 19.000 Tonnen
zur Trinkwasseroptimierung an – für Privat- vor über 50 Jahren ‚nachhaltig‘, als der Be- Kohlendioxid weniger pro Jahr.
personen ebenso wie für Profis der HoReCa- griff noch gar nicht existierte, erläutert Markus
Branche, aber auch Unternehmen, Schulen Hankammer, CEO der BRITA Gruppe. „Wer Nun haben beide Unternehmen ihre Kräf-
und Kliniken. Rund 2.200 Mitarbeiterinnen und sich tagtäglich mit der lebensnotwendigen, na- te gebündelt und präsentieren ihre Beiträ-
Mitarbeiter engagieren sich weltweit für diese türlichen Ressource Wasser beschäftigt, hat ge zum Umweltschutz gemeinsam: Unter
alternativen Angebote zu Mineralwässern in – geradezu naturgegeben das Ziel, etwas zur www.umweltpartner.team dreht sich alles um
überwiegend – Plastikflaschen und gegen die Rettung unseres Planeten beizutragen.“ das wichtige Thema Nachhaltigkeit.
daraus resultierenden Umweltprobleme.
Jetzt umsteigen auf Naturstrom aus Fließt Ihr Trinkwasser auch so
regenerativen Quellen nachhaltig wie Naturstrom?
ESWE Versorgung legt großen Wert auf erneuerbare Energie und Wer Erfrischung aus leitungsgebundenen Wasserspendern anbie-
die bestmögliche Vermeidung von CO2-Emissionen. Deswegen tet, investiert in Gesundheit und Wohlbefinden und leistet gleich-
werden konsequent zunehmend umweltfreundliche Energieres- zeitig einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz.
sourcen wie Sonne, Wind, Biomasse, Erdwärme und Wasserkraft
genutzt. Machen Sie mit und steigen Sie um auf
diese nachhaltige Art der Trinkwasserver-
So können sich Privatpersonen und Unternehmen in ganz sorgung.
Deutschland mit den Strom- und Gasprodukten
von ESWE Versorgung für eine nachhaltige und
umweltfreundliche Energieversorgung entschei-
den. Und das mit gutem Gewissen.
www.eswe-versorgung.de www.brita.netEDITORIAL
»Bildung ist Kernkompetenz der Unternehmen«
Die neue Regierungskoalition in Ba- hen sie jedoch unter Finanzierungsvorbe-
den-Württemberg ist die alte. Die Ent- halt. Es bleibt zu hoffen, dass diese sinnvolle
scheidung von Ministerpräsident Winfried und notwendige Kursbestimmung nicht am
Kretschmann, gemeinsam mit der Union Ende den leeren Kassen zum Opfer fällt. Die
weiterzuregieren trägt dem Wunsch vieler Bildung unserer Kinder ist unsere Zukunft.
Wählerinnen und Wähler nach Kontinuität An dieser Stelle darf nicht gespart werden.
Rechnung. Demgegenüber steht zum einen
die Ansage, ein „weiter so“ werde es nicht ge- Mit Sorge betrachten muss man die Ab-
ben und zum anderen die deutlich verscho- sicht, allen jungen Menschen im Land eine
benen Kräfteverhältnisse in der Koalition. Ausbildungsgarantie zu geben. Wer eine
Garantie gibt, muss sie auch einlösen. In
So wird erstmals in der Geschichte Baden- diesem Fall ist es aber nicht die Politik, die
Württembergs das Kultusministerium von dieses Versprechen halten muss. Es sind
XENIA TRONIARSKY einer Grünen-Politikerin geleitet, und es
dürfte spannend werden, wo die neue Mi-
die Unternehmen, die schon jetzt alles tun,
um durch eine hochwertige Ausbildung die
Berufsbildungsausschuss nisterin ihre Akzente setzt. Schon jetzt ver- Fachkräfte für morgen zu schaffen. Die IHK
der IHK Region Stuttgart rät ein Blick in den Koalitionsvertrag, welche wirbt unter ihren Mitgliedern unermüdlich
Richtung die Bildungspolitik des Landes für die duale Berufsausbildung, berät ausbil-
einschlagen wird. Es finden sich darin sehr dungswillige Betriebe und wirkt an der Wei-
positive Ansätze, aber leider auch Vorstel- terentwicklung der Ausbildungsberufe mit.
lungen, die für die Unternehmen in Baden- Die Unternehmen müssen jedoch grund-
Württemberg zur Belastung werden können. sätzlich frei entscheiden dürfen ob, in wel-
chen Berufen und in welchem Umfang sie
Ein erfreuliches Signal ist, dass sich die ausbilden, wenn sie wirtschaftlich erfolg-
zukünftige Landesregierung klar zur be- reich bleiben sollen - und sie brauchen qua-
ruflichen Bildung bekennt, die Attraktivität lifizierte Bewerber. Gerade hier mangelt es
steigern und die Gleichwertigkeit zur aka- zunehmend, und eine klare Profilschärfung
demischen Bildung herstellen will. Sogar der vor allem des mittleren Bildungsabschlusses
Transformationsbedarf zentraler Branchen ist längst überfällig.
wird anerkannt. So deutlich hat man das in
den vergangenen fünf Jahren nur selten ge- Eine Reihe von Maßnahmen, die der Koali-
ANDREA BOSCH hört. Digitalisierung bedeutet aber auch für
die Schulen im Land ständige Weitentwick-
tionsvertrag auflistet, sind schon jetzt auf
gutem Weg – nicht zuletzt dank der IHK-
Geschäftsführerin lung und Stillstand bedeutet Rückschritt. Organisation. So sind die Azubi-Card BW
Beruf und Qualifikation und das digitale Berichtsheft unter der Regie
der IHK Region Stuttgart Zu begrüßen ist es auch, dass die neue Lan- der IHKs im Land bereits in der Umsetzung.
desregierung den Qualitätsbegriff in den Das Programm AVdual für den Übergang von
Mittelpunkt ihrer Schulpolitik stellen will. der Schule in den Beruf wird seit Jahren in
Hierzu soll ein Dialog mit allen an der Praxis den Regionen erfolgreich umgesetzt.
Beteiligten geführt werden. Als Konsequenz
aus der Corona-Misere sollen neben dem Bildung, insbesondere die berufliche Bil-
Ausbau der digitalen Infrastruktur in den dung, ist eine Kernkompetenz der Unter-
Schulen auch die Themen Support und War- nehmerinnen und Unternehmer im Land.
tung angegangen und Lernrückstände über Die neue Landesregierung wird gut daran
ein ambitioniertes Lernlückenprogramm tun, auf ihren Rat und den der IHK als Inte-
ausgeglichen werden. Neu ist eine starke ressenvertretung der Wirtschaft zu hören.
Fokussierung auf Bildungsgerechtigkeit und
erstmals auch ein klares Bekenntnis zur För-
derung leistungsstarker Schülerinnen und
Schüler. Diese werden als künftige Fach- und
Führungskräfte von den Unternehmen im
Land und in der Region dringend gebraucht.
Solche Ansätze zur Qualitätsverbesserung
führen in die richtige Richtung. Wie alle
mit Ausgaben verbundenen Vorhaben ste-
6.2021 Magazin Wirtschaft 3INHALT
6.2021
KURZ & KNAPP
6 SAGEN SIE MAL … Fragen an
Walter Feeß, Baustoffrecycling Feeß
(Kirchheim/Teck)
8
KULTUR NACH
CORONA
DER STUTTGART-TIPP
Radtouren in der Region
7
ZAHLEN UND ZITATE
PERSONALIEN
BUCH über den Fachkräftemangel
14
IMMER HÄUFIGER
RECHNUNG bez.
KOMMT DIE RECH-
als Chance NUNG ELEKTRONISCH
TITELTHEMA
8 KULTUR UND VERANSTALTUNGEN
wann kommt die Branche aus der
Corona-Krise?
R AT & TAT
14 ELEKTRONISCHE RECHNUNG
So wird das Rechnungswesen
papierlos
16 IHK-KONJUNKTURUMFRAGE Die
Wirtschaft erholt sich
17 INTERVIEW IHK-Industrieausschuss-
vorsitzende Vanessa Bachofer über
die Produktivität ihrer „Corona-
Dümpelphase“ und ein klimaneutra-
les Deutschland bis 2045
18 UNTERSTÜTZUNG AUF DEM WEG IN
DIE ZUKUNFT Applikationszentrum 4.0
19 ACCESS2MARKETS Wie das neue
Außenhandelsportal Im- und Export
leichter macht
20 4 TIPPS ZUR ARBEITSPLATZ-
SICHERUNG im Pandemie-Loch
22 E-SHOPPING Wie Händler mit
den neuen Kundenansprüchen an
digitales Einkaufen umgehen.
24 MITTELSTANDSNEWS
Aktuelle Tipps und Kurzmeldungen
16
IHK-KONJUNKTURUMFRAGE:
29
„HEY ALTER!“ VER-
BESONDERS DIE INDUSTRIE HILFT SCHÜLERN ZU
25 WIRTSCHAFT IM TV BLÜHT AUF LAPTOPS & CO.
Das müssen Sie sehen
4 Magazin Wirtschaft 6.2021Nächste Messe:
08.03.-10.03.2022 LogiMAT
MENSCHEN & IDEEN ANZEIGEN-SPEZIAL
26 ZEITSPRUNG Dr. Fritz Wörwag über 38 INDUSTRIE- UND HALLENBAU
die Geschichte der Wörwag Pharma Innenausbau und Beleuchtung
GmbH & Co. KG, Böblingen
27 EXISTENZGRÜNDERIN Die Ebano
Design GmbH aus Waiblingen hat die
Haarspange perfektioniert BEK ANNTMACHUNGEN
28 DIE BESONDERE GESCHICHTE
„Hey Alter!” sammelt alte Rechner 42 PRÜFERENTSCHÄDIGUNG
für bedürftige Schüler ANMELDUNG ZUR PRÜFUNG
29 IMPULSE FÜR DEN HANDEL SACHVERSTÄNDIGE
Thailändische Kochboxen für
daheim
30 LABORS DER REGION Die Esaver
GmbH baut Spezialtrafos zum INFO
Stromsparen
43 HANDELSREGISTER März/April:
Neueintragungen, Veränderungen,
Das
Löschungen und Insolvenzen nach da?
IHK & REGION 47 BRANCHENSPIEGEL
31 MINT-BERUFE Azubi-Mädchen zeigen
Bezugsquellennachweis: Angebote
aus der Wirtschaft Läuft.
der First Lady, was sie können 49 IMPRESSUM
32 GENERATION Ü Initiative wirbt um
Fach- und Führungskräfte im Ruhe-
stand
IHK-TERMINE DIE LETZTE SEITE
33 SPITZEN-AZUBIS im Landkreis
Göppingen
58 KOMMENTAR Ruhig bleiben bei
Fake News im Netz – das rät
GEWERBEANSIEDLUNG IHK-Bezirks- Medienexperte Ruben Schäfer
kammer Esslingen spricht sich für
„Hungerberg“ in Dettingen aus
IHK HILFT eine EU-Datenbank
benutzerfreundlicher zu machen
VORSCHAU auf die Ausgaben
Juli und August/September
FIRMENREPORT
34 NACHRICHTEN Neues aus unseren
Mitgliedsunternehmen
36 GEBURTSTAGE
JUBILÄEN
SIE BEKOMMEN ZU VIELE
EXEMPLARE VON MAGAZIN
Unsere Förderanlagen.
WIRTSCHAFT? Kein Problem:
Informieren Sie uns telefonisch oder
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per Mail und wir ändern das. Denn
auch wir wollen nicht unnötig wirtschaftlich & leise.
Ressourcen verbrauchen und die Um-
welt belasten. Tel. 0711 2005-1347,
magazin.wirtschaft@stuttgart.ihk.de
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NACHGEFRAGT ZAHLEN & ZITATE
»Sagen Sie mal, Herr Feeß…«
94,6%
der Unternehmen im Gast-
65%
der Erwachsenen, die Mitte
1300
freie Lehrstellen gab es
gewerbe Baden-Württembergs Mai noch keine Erstimpfung Anfang Mai bei Betrieben
geht es nach eigenen Angaben erhalten hatten, wollen sich aus Industrie, Handel und
schlecht oder sehr schlecht. gegen Corona impfen lassen. Dienstleistung in der Region.
Quelle: IHK-Konjunkturbericht Quelle: Universität Erfurt Quelle: IHK
»Die Erleichterungen für Geimpfte
und Genesene sind gut, aber aus Sicht
des Einzelhandels nur ein Tropfen
WALTER FEESS
Geschäftsführender Gesellschafter auf den heißen Stein.«
Feess GmbH, Kirchheim/Teck IHK-Präsidentin Marjoke Breuning
Was ist an Baustoffen so faszinierend? Den Roh-
stoff zu recyceln, schont die Natur, spart Energie STUTTGART-TIPP
und Transportkilometer und schafft heimische Ar-
beitsplätze.
Sportlich: Die Radregion Stuttgart
Wie fühlt man sich, wenn man wie Sie einen Um-
weltpreis nach dem anderen bekommt? Solche
Bestätigung macht mich dankbar, beruhigt meine der Neckar ist, zeigt
Selbstzweifel und motiviert mich, auch gegen Wi- sich auf dem Neckar-
derstände weiter meinen Weg zu gehen. tal-Radweg, einem
4-Sterne-Qualitäts-
Haben Sie früher mal mit einer anderen Laufbahn radweg mit 367 Kilo-
geliebäugelt? Nein, es wird erzählt, dass ich schon meter Länge. Spezi-
als Sechsjähriger Chef werden wollte. Und das na- ell für E-Bike-Fahrer
heliegenderweise im väterlichen Betrieb, der da- wurde die Haupt-
mals viel kleiner war. route der „E-Bike-
Region Stuttgart“
Was möchten Sie unbedingt noch erleben? Dass entwickelt. Die rund
meine Kinder erfolgreich den Betrieb übernehmen SCHÖNE STADTKERNE findet man überall in der Region. 400 Kilometer lange
und Kreislaufwirtschaft zum Standard wird. Denn abwechslungsreiche
die Natur ist mächtiger als der Mensch. Und wenn Zahlreiche Radrouten ziehen Strecke führt rund um die Lan-
wir weiter gegen die Natur leben, haben wir als sich durch die Region - entlang deshauptstadt: über die Höhen
Menschheit keine Zukunft. des Neckars, durch faszinierende der Schwäbischen Alb, durch den
Landschaften, vorbei an maleri- Naturpark Schönbuch, entlang
Gibt es ein Buch, das Sie besonders beeindruckt schen Fachwerkstädten. des Schwäbischen Streuobstpara-
hat? Sorry, ich bin nicht der große Leser. Ich arbei- Der Württemberger Weinrad- dieses und vorbei an zahlreichen
te fast ausschließlich, wenn ich nicht esse, schlafe weg eignet sich besonders für historischen Stätten und Städten.
oder Fachzeitschriften lese. Genuss-Radler. An der Strecke Übrigens: In der ganzen Region
informieren beispielsweise Wein- Stuttgart hat RegioRad Stuttgart
Haben Sie ein Vorbild? Visionäre wie Henry Ford, lehrpfade über die Geschichte für Radelfreunde eine große Flotte
die Menschen motivieren konnten, beeindrucken und die Besonderheiten der Weine an Leih-Fahrrädern und Pedelecs
mich. Aber auch Helmut Kohl oder Angela Merkel, aus der Region. Und wer den An- im Angebot. Einen besonderen
die als Bundeskanzler viel mehr Verantwortung stieg bis zur Grabkapelle auf dem Service bietet der regionale Ver-
tragen als ich, viel mehr Themen international be- Württemberg geschafft hat, wird kehrsverbund VVS, denn in allen
dienen müssen und dabei ständig in der Öffentlich- mit einer fantastischen Aussicht Stadt- und S-Bahnen können Fahr-
keit stehen. belohnt. Wie abwechslungsreich räder mitgenommen werden.
Was ist Ihr Lebensmotto? Das Glas ist halbvoll. MEHR INFO unter www.stuttgart-tourist.de
Ehrlichkeit siegt. Ich gebe nie auf und ich darf mich
glücklich schätzen.
6 Magazin Wirtschaft 6.2021PERSONALIEN
BUCH-TIPP
MARIA ZESCH wird im August neue Vorstandsvorsit-
zende der Stuttgarter Takkt AG. Sie übernimmt die Position
Der Fachkräftemangel ein von Felix Zimmermann, der auf eigenen Wunsch aus dem
Glücksfall? Im Ernst? Was Vorstand ausgeschieden ist. Maria Zesch hat mehr als 20
Geschäftsführern und Jahre internationale Führungserfahrung. Seit 2008 hat sie
Personalern seit langem Geschäftsführungspositionen im Deutsche-Telekom-Kon-
schlaflose Nächte bereitet, zern inne, zuletzt bei Magenta Telekom Österreich. Zuvor
war sie bei der Strategieberatung A.T. Kearney und im Me-
würdigt der Management-
dienunternehmen ORF tätig.
berater Stefan Dietz als
eine Entwicklung, die für
Beschäftigte, Führungs-
kräfte und Unternehmen CHRISTOPH LÄNGE (49) übernimmt für die Albrings
bessere Zeiten verspricht. + Müller AG (Stuttgart) die Führung der Niederlassung
Im Wettbewerb um gute Lindau und verstärkt das Team der Bauherrenvertretung
bei anspruchsvollen Großprojekten. Parallel verantwortet
Mitarbeiter werden nur
Länge den Aufbau der Bereiche des Anti-Claim-Manage-
die fähigsten Manager ments sowie der gutachterlichen Tätigkeiten. Der Bauinge-
und die besten Firmen nieur und Diplom-Immobilienökonom (ADI) war unter an-
erfolgreich sein, argu- derem bei der DB Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm GmbH
mentiert Dietz. Dies mache auch die Wirtschaft und beim Neubau des Hauptbahnhofs Stuttgart 21 tätig.
insgesamt stärker. Von seinem unkonventionel-
len optimistischen Ansatz muss man sich nicht
restlos überzeugen lassen. Ein wertvoller Dis- DR. LUCIA CINQUE ist neu in der Geschäftsführung der
kussionsbeitrag ist das Buch aber allemal. Wörwag Pharma GmbH & Co. KG (Böblingen). Sie über-
nimmt die neu geschaffene Position des Chief Innovation
GLÜCKSFALL FACHKRÄFTEMANGEL. Wie Unternehmen Officers (CINO) und leitet das Unternehmen gemeinsam
und Führungskräfte von der Krise profitieren. Stefan Dietz, mit CEO Jochen Schlindwein und CFO Gerhard Mayer. Als
Campus-Verlag, Frankfurt 2020, 268 Seiten, 34,95 Euro, promovierte Biomedizintechnikerin bringt Lucia Cinque
ISBN 978-3-593-51251-8 Erfahrung aus Forschung und Entwicklung sowie Innova-
tionsmanagement mit und war zuletzt Mitgründerin eines
Startups in der Gesundheitsbranche.
JETZT BEWERBEN UM STUTTGARTER
WIRTSCHAFTS- UND INNOVATIONSPREIS MARCO SCHUBERT wird zum 1. Juli Leiter Region Eu-
ropa bei Porsche. Bislang war er Präsident der Audi Sales
Division China. Schubert folgt auf Barbara Frenkel, die in
Unter dem Leitmotiv „Stadt der Ideen. Heimat des den Vorstand wechselt. Marco Schubert ist seit 2018 in
Fortschritts“ hat die Landeshauptstadt Stuttgart einen seiner aktuellen Funktion für Audi in China tätig. Zuvor lei-
neuen Wettbewerb ins Leben gerufen: den Stuttgarter tete er den Vertrieb Asien und Übersee bei Skoda Auto a.s.
Wirtschafts- und Innovationspreis. Er ist mit insge- Von 2014 bis 2017 war Schubert Managing Director bei
samt 100.000 Euro in vier Kategorien dotiert und wird Audi in Schweden. Zuvor hatte er bereits drei Jahre lang die
Leitung der Region Nordeuropa bei Audi inne.
erstmals am
25. November
verliehen. Be-
werben können FRANK ELSÄSSER (56)
sich Stuttgar- hat gemeinsam mit seinem
ter Unterneh- Sohn LUCA ELSÄSSER
die Geschäftsführung der
men, Start-ups,
Elsässer Filtertechnik GmbH
Initiativen und in Nufringen übernommen.
Einzelpersonen. Künftig wird Frank Elsässer
Ausgezeichnet die Bereiche Vertrieb, Mar-
werden sowohl keting, Finanzen und Cont-
technische Innovationen als auch nicht-technische rolling leiten. Luca Elsässer
Lösungen, wie Organisations- und Marketingkonzepte verantwortet Einkauf, Logis-
tik und EDV. Der bisherige
oder Geschäftsmodelle, die innerhalb der letzten vier
Geschäftsführer Peter Wink
Jahre erfolgreich umgesetzt wurden. Gesucht werden ist aus persönlichen Gründen
Lösungen, die eine deutliche Verbesserung gegenüber Ende April aus dem Unter-
bisherigen Anwendungen zeigen, zur Förderung der nehmen ausgeschieden.
Wirtschaftskraft beitragen und einen positiven Effekt
für das Gemeinwohl haben. PERSONALNACHRICHTEN FÜR DAS MAGAZIN WIRTSCHAFT Gibt es auch in Ihrem
Unternehmen personelle Veränderungen auf der Führungsebene? Wir veröffentlichen Ihre Nach-
BEWERBUNGEN bis 1. Juli unter: www.stuttgarter-innovationspreis.de richt gerne. Senden Sie einen kurzen Text mit Bild an presse@stuttgart.ihk.de
6.2021 Magazin Wirtschaft 7TITELTHEMA
DIE SEHNSUCHT NACH KULTUR ist da,
glaubt Theaterhaus-Chef Werner Schretzmeier.
Wenn genügend Menschen geimpft sind, um
wieder ungeschützte Begegnungen zu erlauben,
könne es deshalb ganz schnell gehen.
8 Magazin Wirtschaft 6.2021KULTUR
»GENUG VOM FERNSEHEN«
VERANSTALTUNGEN NACH CORONA Wohl kaum eine Branche haben die Lockdown-Monate schwerer getroffen –
und mit ihr das kulturelle Leben der Region. Auftrittsverbote haben viele Betriebe und Soloselbstständige
ihrer Einnahmen beraubt, Mitarbeiter und Künstler haben sich beruflich umorientiert. Doch es gibt auch er-
mutigende Beispiele gegenseitiger Hilfe und Zeichen der Hoffnung.
Die Corona-Jahre werden gewiss nicht fen, der den „Mut“ der Initiatoren lobte, Lockdown mittags in einer Kneipe. Wir
als die ideale Zeit für einen Karriere- in dieser Krise „neue Wege zu gehen“. haben zusammengelegt und mit unserem
start in die Geschichte eingehen, schon Schließlich waren alle 1000 produzier- Startkapital von ein paar tausend Euro
gar nicht für Musiker. Wenn aber der ten CDs verkauft – „für eine lokale Aktion noch am selben Tag den ersten zwei Be-
Winnender Rapper Blades und die Back- keine schlechte Leistung“, wie nicht nur troffenen geholfen.“
nanger Sängerin Jazmine groß heraus- Derer findet.
kommen sollten, haben sie das auch Co- Inzwischen hat die „Soforthilfe“ mehr als
rona zu verdanken. Gemeinsam mit 21 An die Künstler gingen insgesamt 5000 eine Million Euro ausgeteilt – das Geld
weiteren Bands und Acts haben sie bei Euro, noch einmal 5000 Euro kommen kommt von Stiftungen, Unternehmen und
„Laut Stark für Kultur“ mitgemacht – über Gema-Gebühren sowie Lizenzen Privatpersonen, denen das Überleben der
einer Benefizaktion, mit der das in Win- des Streamingdienstes Spotify hinzu. Für Kultur wichtig ist. Ende vergangenen Jah-
nenden beheimatete Musiklabel 7us Me- viele mögen das eher symbolische Beiträ- res ließen einige Firmen der Künstlerhilfe
dia den Musikern in der erzwungenen ge sein, wie Derer einräumt. „Doch letzt- das Budget zukommen, das sie eigentlich
Pandemiepause mehr Aufmerksamkeit lich geht es ja darum, Öffentlichkeit zu für ihre Weihnachtsfeier eingeplant hat-
und ein bescheidenes Zubrot verschaffen generieren, damit die Künstler und ihre ten. Die Empfänger sind hauptberufliche
wollte. „Für beide bildete dies der Start- Werke Gehör finden und nicht vergessen Autoren, Musiker, Sängerinnen, Kompo-
schuss zu einer Musik-Karriere: Jazmine werden.“ nisten, Schauspielerinnen, Maler, Gra-
schaffte mit „Gemeinsam Einsam“ einen fikerinnen, Bildhauer und Studierende
ersten Radiohit, trat zweimal im TV auf Anspruchsvoll sind die Kulturschaffen- aus künstlerischen Disziplinen, aber auch
und hat gerade eine weitere Single ver- den nach 14 Monaten Corona nicht. Sie Tontechniker, Beleuchterinnen, Barmixer
öffentlicht; Rapper Blades kann sich vor können es nicht sein. „Für viele sind wir oder Reinigungskräfte, die ihren Lebens-
Anfragen von Labels nicht retten“, sagt ganz einfach der Kühlschrankfüller“, sagt unterhalt normalerweise in Kulturein-
Hans Derer, Geschäftsführer von 7us Joe Bauer, der gemeinsam mit Peter Jako- richtungen verdienen. „Die meisten kön-
Media und seit vier Jahrzehnten im Mu- beit und weiteren Gleichgesinnten gleich nen wir nur mit ein paar Hundert Euro
sikgeschäft. in der Corona-Anfangszeit im März 2020 unterstützen“, sagt Bauer, aber selbst das
die „KünsterInnen-Soforthilfe Stuttgart“ sei eine Erleichterung. „Viele fallen bei
Überhaupt sei „Laut Stark für Kultur “ gegründet hat. „Wir trafen uns nach ei- den staatlichen Unterstützungsprogram-
ein schöner Erfolg gewesen, so der Mu- ner spontanen Idee kurz vor dem ersten men komplett durch den Rost.“
sikunternehmer. 23 Songs, eingespielt
von lokalen Bands und Solomusikern aus
der Umgebung inklusive einer aufwän-
digen „All Star“-Hymne mit 64 Sängern
hatte er zu einem Album zusammenge-
stellt, eine CD produziert und diese über
eine eigens erstellte Homepage und den
Web-Shop des Zeitungsverlages Waiblin-
gen angeboten. Sponsoren wie die Kreis-
sparkasse Waiblingen, die Bäckerei Mau-
rer und der Reinigungsgerätehersteller
Kärcher halfen mit.
Dann rührte der Unternehmer zusam-
men mit seinem Team kräftig die Wer-
betrommel: Mehr als 500 Radioeinsätze
in fünf regionalen Sendern, dutzende
Berichte in Zeitungen und Netzmedien
sowie 15 TV-Ausstrahlungen halfen, die
Scheiben unters Volk zu bringen. Und
sicher hat auch das anerkennende Gruß- KARRIERE IN DER KRISE Die Aktion „Laut Stark für Kultur“ war als Motivationshilfe in der Corona-Flaute ge-
wort des Ministerpräsidenten gehol- dacht. Für den Rapper Blades und die Sängerin Jazmine brachte das Projekt überraschenden Auftrieb.
6.2021 Magazin Wirtschaft 9TITELTHEMA
Wie kommt es, dass einige Betroffene
bei den Corona-Hilfen leer ausgehen? Bei
Schauspielern und Musikern ist es nicht
unüblich, sich für ein Projekt zeitlich be-
grenzt anstellen zu lassen – etwa für eine
Fernsehproduktion oder eine Spielzeit
im Theater. Darüber hinaus treten sie als
Selbstständige gegen Gage auf. „Unstän-
dig freischaffend“ heißt diese Konstruk-
tion im Jargon der Finanzbehörden. Der
Haken: Je nach Umfang wird die selbst-
ständige Tätigkeit als Nebenerwerb ein-
gestuft und die coronabedingten Verluste
nicht ausgeglichen. Wenn die Betroffenen
dann ohne Engagements dastehen und
die Zeitverträge abgelaufen sind, haben
sie nur noch die Möglichkeit Arbeitslo-
sengeld II zu beantragen.
Eine andere Falle, die auch über größeren
Unternehmen zuschnappt, beschreibt
Uwe Trefz, Geschäftsführer der ASA Event
GmbH. Das Bietigheimer Unternehmen
ist einer der größten Musical-Tournee-
veranstalter Deutschlands und hat in den
30 Jahren seines Bestehens rund 10.000
Musical-Aufführungen mit mehreren Mil-
lionen Besuchern organisiert – zuletzt
eine Freddy-Mercury-Show in Leipzig im
März 2020. „Seither sind wir zum Nichts-
tun verdammt“, so Trefz, für den das Jubi-
läumsjahr nicht trauriger hätte ausfallen
können. Was den Eventunternehmer be-
sonders wurmt: „Bei den Novemberhilfen
Ende 2020 sind wir durchgefallen.“ Zwar
ist der Spätherbst für die Musicalveran-
stalter Hochsaison, entsprechend viele
Eintrittskarten wurden im Referenzzeit-
raum 2019 verkauft. Die Veranstaltungen
fanden jedoch praktisch alle im Dezember
DER VERWALTUNGSAUFWAND mit den Anträgen auf Corona-Hilfe sei unsäglich gewesen, sagt Tanja Telschow. oder später statt. „Da die Leistung nicht
Die Ludwigsburgerin führt die Bücher für Künstler und Eventagenturen. im selben Monat erbracht wurde, wurden
die Kartenverkäufe nicht als Umsätze an-
erkannt“, so Trefz.
IHK-INFO Unnötig zu sagen, dass die Ausgaben wei-
terlaufen: Büromieten. Planungskosten
für Veranstaltungen, die – vielleicht – in
Rat und Unterstützung für Unternehmen und Selbstständige aus dem Kultur- und der Zukunft stattfinden. Die zwölf festen
Veranstaltungsbereich finden Sie unter anderem hier: Mitarbeiter in Kurzarbeit, denen Trefz die
Differenz zu ihren normalen Gehältern
Corona-Hotline der IHK Region Stuttgart: Tel. 0711 2005-1677 auszahlt. „Das schultere ich größtenteils
coronahilfe@stuttgart.ihk.de privat“, sagt der ASA-Chef. Was ihm umso
Crowdfunding-Plattform des Landkreises Rems-Murr: schwerer fällt, als Geschäftsführergehäl-
www.betterplace.me/aktion/rems-murr ter bei den Corona-Hilfen nicht immer
geltend gemacht werden können.
Künstler-Soforthilfe Stuttgart
https://kuenstlersoforthilfe-stuttgart.de/
Das Prozedere der aktuellen Corona-
Neue Crowdfunding-Kampagne „Kulturimpuls Region Stuttgart“ Hilfen haben viele Soloselbstständige
www.startnext.com/pages/kulturimpuls-region-stuttgart
und Unternehmen als bürokratisch und
Krisenbündnis der deutschen Veranstaltungswirtschaft langwierig empfunden – ganz anders als
https://alarmstuferot.org/ während der ersten Welle im Frühjahr
2020. „Der Verwaltungsaufwand ist un-
10 Magazin Wirtschaft 6.2021SEIT 15 MONATEN
hat die ASA Event
GmbH in Bietigheim
kein Musical mehr
organisiert. Die
laufenden Ausgaben
schultert Geschäfts-
führer Uwe Trefz
größtenteils selbst.
säglich“, ärgert sich Tanja Telschow aus gewaltig und schlügen über die gesamte Betriebsstätte Gaplast/Peiting
Ludwigsburg. „Allein um die Daten der kulturelle Wertschöpfungskette durch:
November- und Dezemberhilfen für den „Ganz am Ende sitzen die Künstler. Viele
Steuerberater aufzubereiten, habe ich von ihnen haben ihr Instrument schon an
fünf Personentage gebraucht!“ Dabei ist den Nagel gehängt, haben umgesattelt
Telschow beileibe keine Anfängerin. Mit oder sind in ihren alten Beruf zurückge-
ihrer T hoch 3 Business + Office Manage- gangen“, weiß Telschow.
ment UG führt sie die Bücher von Event-
agenturen und Künstlern. Darüber hinaus „Das Regelwerk der Hilfsprogramme
engagiert sie sich seit vielen Jahren im passt nicht zur Situation in der Ver-
IHK-Dienstleistungsausschuss und singt anstaltungsbranche“ so Birgit Halama, Betriebserweiterung Langmatz/Oberau
in der mehrfach preisgekrönten Tübinger Inhaberin der Spirit of Event GmbH in
Blues- und Jazzband Nürtingen und neu-
Black Cat Bone und in es Mitglied im IHK-
der Stuttgarter Kult- »Künstler, Kreative Dienstleistungsaus-
Band Upfunkcoolo.
und Kultur- schuss. Mit ihrer
Eventagentur ma-
Die Notlage der Be- dienstleister leben nagt sie vor allem
troffenen kennt Tanja große Firmenjubiläen
Telschow deshalb ganz für ihr Metier.« – etwa die 200-Jahr-
genau. Einer ihrer Feier der Paul Hart-
IHK-Präsidentin Marjoke Breuning
Kunden, eine Event- mann AG in Heiden-
agentur aus der Regi- heim. „Für so eine
on, hat mittlerweile Insolvenz angemeldet. Veranstaltung brauchen wir eine Vorlauf-
Eine andere konnte Dank Schadenersatz- zeit von zwei Jahren“, sagt Halama. „Selbst
zahlungen für abgesagte Veranstaltungen wenn die Unternehmen ab der zweiten
Architektur
überleben und sogar noch schwarze Zah- Jahreshälfte ihre Jubiläumsplanung wie- Generalplanung
len schreiben. „Viele große Auftraggeber der aufnehmen würden, läuft für uns in Bau Generalunternehmer
haben aus ihren Veranstaltungsbudgets diesem Jahr nichts und im kommenden
Ersatz gezahlt“, sagt die Unternehmerin. Jahr so gut wie nichts mehr.“ Was die Un-
„Das hält einige Agenturen gerade so über ternehmerin besonders umtreibt: „Unsere peneder.com
Wasser.“ Die Umsatzausfälle seien jedoch jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
6.2021 Magazin Wirtschaft 11TITELTHEMA
sind hoch motiviert. Jetzt sitzen sie zuhause, alleine Dienstleister, die an einem Kulturerlebnis mitwirken,
und planen, wenn überhaupt, digitale Events. Sechs leben für ihr Metier. Aber mit jedem Tag mehr ohne
Beschäftigte sind seit vielen Monaten in Kurzarbeit, Perspektive müssen sie ihrem Business den Rücken
lediglich eine Mitarbeiterin organisiert derzeit hybride kehren, weil es keine Existenzgrundlage mehr bietet.
Veranstaltungen. „Ich kämpfe Tag für Tag darum, in Das dürfen wir nicht zulassen. Kultur- und Kreativ-
meinen Leuten das Feuer für diesen Beruf am Leben wirtschaft geht uns alle etwas an.“
zu erhalten“.
Stark unter den Lockdowns gelitten haben auch die
Bereits zu Jahresanfang hatte die IHK eine Öffnungs- Stuttgarter Innenstadtkinos. Trotzdem zeigt sich
perspektive für die Branche gefordert, die mit aus- Dr. Karin Fritz, Geschäftsführerin der EM-Filmthea-
gefeilten Hygienekonzepten überzeugt habe. „In die ZUVERSICHT- ter-Betriebe Mertz GmbH & Co. KG, verhalten opti-
Wertschöpfung einer Kultur- oder Sportveranstaltung LICH, dass sich mistisch. Zwar herrscht in den Sälen der Kinos Gloria,
sowie bei Messen und anderen Events sind eine Viel- die Säle wieder Cinema und EM im Stuttgarter Marquardtbau seit No-
füllen, ist Dr.
zahl an Dienstleistern involviert“, so IHK-Präsidentin vember gähnende Leere, fast alle Mitarbeiter, in nor-
Karin Fritz von
Marjoke Breuning. „Ein Großteil dieser Betriebe steht den Stuttgarter malen Zeiten etwa 45, sind in Kurzarbeit. „Ich bin aber
vor dem Aus.“ Laut IHK-Konjunkturumfrage war schon Innenstadtkinos. zuversichtlich, dass wir die schwierige Zeit mit unse-
im Januar die Hälfte der veranstaltungsaffinen Be- Das Familien- ren Häusern überstehen werden“, sagt Fritz, die das
triebe wegen der Umsatzverluste und schleppender unternehmen hat Familienunternehmen seit dem Tod ihres Vaters 2013
sich in der Krise
Auszahlung der staatlichen Hilfen insolvenzgefährdet. besser geschlagen in dritter Generation leitet. Zugute kommt ihr dabei,
„Das Ergebnis ist alarmierend und zeigt, wie brenzlig als viele Wett- dass sich die drei Filmtheater im Eigentum befinden.
die Lage ist“, so Breuning. „Künstler, Kreative und alle bewerber. Das im Nachbarbau gelegene Metropol hatte das Un-
ternehmen nur gepachtet und Ende vergangenen Jah-
res aufgegeben.
„Voraussetzung ist aber, dass man die Pandemie in
den Griff bekommt und dass es wieder eine klare,
dauerhafte Perspektive gibt“, betont Karin Fritz. Eine
mindestens 50-prozentige Auslastung sei schon not-
wendig, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Als
die Kinos während der Sommermonate 2020 unter Hy-
gieneauflagen öffnen durften, seien sie nur zu etwa 25
Prozent belegt gewesen. „Damals haben wir zum Teil
draufgezahlt“, sagt die Firmenchefin. „Trotzdem haben
wir geöffnet, weil wir dachten, nun geht es aufwärts.“
Aufwärts gehen mag es nun angesichts zunehmender
Impfungen und sinkender Infektionszahlen tatsäch-
lich. Viel werde jedoch davon abhängen, wie das Pub-
likum nach der erzwungenen Pause reagiert und ob es
weiterhin Beschränkungen gibt: „Die Verleiher werden
die wirklich interessanten Filme zurückhalten, bis sie
sicher sein können, dass die Leute sich auch wieder ins
Kino trauen und die Häuser besser ausgelastet werden
können.“
„Die Stunde der Wahrheit kommt 2022“, glaubt Werner
Schretzmaier. Der 77-jährige Gründer und Geschäfts-
führer des Theaterhauses Stuttgart hat seit den 1960er
Jahren alle Höhen und Tiefen des regionalen Kultur-
lebens mitgemacht. Die erzwungene Schließung habe
sein Haus bisher ganz gut überstanden, sagt Schretz-
meier. Neben den Soforthilfen gab es „einen namhaf-
ten Betrag“ von der Stadt Stuttgart, auch das Publi-
kum zeigte sich solidarisch, viele Besucher, die schon
Eintrittskarten gekauft hatten, verlangten ihr Geld
nicht zurück, als die Veranstaltungen abgesagt werden
mussten. Den 100 Mitarbeitern kann Schretzmaier ihr
Kurzarbeitergeld auf 95 Prozent ihres Gehalts aufsto-
cken. Sehr gefreut hat ihn auch, dass die Stuttgarter
Bühnen während der Krise zusammengehalten haben:
In der „Solidargemeinschaft Stuttgarter Theater“ ha-
ben insgesamt 16 Theaterbetriebe Erfahrungen aus-
getauscht und ihre Öffentlichkeitsarbeit koordiniert.
12 Magazin Wirtschaft 6.2021„Nach der Krise wird die öffent- DIESES JAHR Nachholbedarf“, ist der Kulturun- technisch hochgerüsteter Sprin-
liche Hand sparen müssen“, weiß LÄUFT NICHTS ternehmer überzeugt. „Die Leute ter-Kastenwagen, der alles bietet,
MEHR – damit
Schretzmeier. Und zuerst werde haben vom Fernsehen genug.“ Je was eine Band so braucht, um einen
hat sich Birgit
der Rotstift an der Kultur angesetzt, Halama, Inhaberin länger aber die Übergangspha- Marktplatz oder eine Festwiese zu
da macht sich der Theaterchef der Spirit of se mit AHA-Regeln dauere, desto bespaßen. Der Prototyp, den der
keine Illusionen. „Sofern es keinen Event GmbH in schwieriger werde es. Der Saal des studierte Produktdesigner und
Staatsvertrag gibt wie beim Staats- Nürtingen, bereits Theaterhauses biete 1900 Gästen Master für Business Development
abgefunden. So
theater oder der Staatsgalerie, ist richtig werde das
Platz, rechnet der Theaterchef vor. gerade im Rahmen einer Crowd-
Kultur eine freiwillige Leistung Geschäft wohl Bei einer so genannten Schach- funding-Kampagne finanziert, soll
und wird in Zeiten knapper Kassen erst in eineinhalb brett-Platzierung – jeder zweite bis Mitte September fertig sein.
zur Disposition gestellt.“ Als Privat- Jahren wieder Platz wird besetzt – könnten noch Bis dahin sollten Veranstaltungen
anlaufen.
theater erhält das Theaterhaus 30 900 Zuschauer untergebracht wer- unter freiem Himmel wieder mög-
Prozent städtische Förderung. 70 den. „Unter dieser Vorgabe könnten lich sein, hofft der Gründer und
Prozent seines Etats erwirtschaf- wir wohl gerade eben existieren.“ schmiedet bereits konkrete Pläne
tet es in normalen Zeiten selbst - Unwirtschaftlich sei der Betrieb mit den Städten Waiblingen und
50%
größtenteils aus Eintrittsgeld, aber dagegen, wenn die Abstandsre- Esslingen.
auch aus der Verpachtung des inte- gel von 1,5 Meter aufrechterhalten
grierten Restaurantbetriebs. werde. „Dann wäre nur jede zweite Corona sieht Denk dabei gar nicht
Reihe belegt und wir müssten vor als Handicap an, eher als Chance:
Wann wird ein Normalbetrieb DER UNTER- 250 Leuten spielen lassen.“ „Auch wenn die Infektionsgefahr
wieder möglich sein? Schretzmai- NEHMEN aus abnimmt, wird es noch lange siche-
den Bereichen
er traut sich keine Prognose zu. Ein Lichtblick zum Abschluss: rer sein, sich draußen zu treffen,
Messedienstleis-
„Der Schlüssel sind sicher die Imp- ter, Veranstalter, selbst in diesen schwierigen Zeiten als in geschlossenen Räumen.“ Ein
fungen.“ Sind genügend Menschen Personenverkehr, ruft die Eventbranche Gründer auf gemähtes Wiesle für die „Stadt-
geimpft, um wieder ungeschützte Friseur/Kosmetik, den Plan. Erst im Januar ist Marvin bühne“.
Begegnungen zu erlauben, kann es Fitness/Sport, Denk aus Waiblingen, unterstützt
Theater/Kultur,
auch ganz schnell gehen: „Es gibt Reise/Touristik
von einer Handvoll Mitstreiter, mit WALTER BECK
eine Sehnsucht nach realen Kultur- droht die seinem Konzept einer „Stadtbühne“ Redaktion Magazin Wirtschaft
veranstaltungen und einen großen Insolvenz. an den Start gegangen. Das ist ein walter.beck@stuttgart.ihk.de
6.2021 Magazin Wirtschaft 13RAT & TAT
RECHNUNG bez.
BEZAHLT WIRD SCHON
LANGE ONLINE. Jetzt kommen
auch immer mehr Rechnungen digital.
AUS RECHNUNG WIRD E-RECHNUNG
ELEKTRONISCHE RECHNUNGSABWICKLUNG Das müssen Sie wissen.
Dank Digitalisierung werden zu- E-Rechnungen müssen während PDF-Datei erreicht werden. So
2020
nehmend Unternehmensprozesse, der gesetzlichen Aufbewahrungs- wird es beim ZUGFeRD-Format
die bislang manuell bearbeitet dauer unverändert sowie lesbar umgesetzt.
wurden, elektronisch ausgeführt. und maschinell auswertbar sein.
So wird aus einer Rechnung immer Der Rechnungssteller erzeugt un- Bei der Korrektur von Papierrech-
häufiger eine E-Rechnung. Prinzi- SEIT DEM ter diesen Voraussetzungen eine nungen ist es in der Praxis oft üb-
27. NOVEMBER
piell ändert das wenig, denn eine Ausgangsrechnung in einem elekt- lich, die Originalrechnung – soweit
letzten Jahres
elektronische Rechnung unterliegt gehören Papier- ronischen Format. Dabei wird ge- sie noch nicht gebucht ist – zu-
allen Bestimmungen, welche auch rechnungen und nerell unterschieden zwischen rückzuverlangen, um dann eine
für Papierrechnungen gelten. Ein- Rechnungen im strukturierten Daten wie XML, un- neue (Original-)Rechnung zu ver-
ziger Unterschied: Der Rechnungs- PDF-Format bei Ge- strukturierten Daten im PDF-/ senden. Bei einer E-Rechnung ist
schäftsbeziehungen
empfänger muss dem Empfang von zwischen Bund und
TIF-/JPEG-/Word-Format oder als dies aus technischen Gründen
elektronischen Rechnungen zu- Unternehmen der E-Mail-Text und hybriden Daten, nicht möglich. Stattdessen wird die
stimmen. Dafür ist keine vorge- Vergangenheit an. zum Beispiel ZUGFeRD. ursprüngliche Rechnung per Kor-
schriebene Form nötig. Es reicht rekturrechnung neutralisiert und
konkludentes Verhalten, also bei- Strukturierte Rechnungsformate eine korrigierte E-Rechnung ver-
spielsweise die Bezahlung. Die Zu- wie XRechnung sind in ihrer reinen sandt. Idealerweise wird ein Datei-
stimmung kann auch nachträglich Form für den Menschen schwer format verwendet, das sich für die
gewährt werden oder sie kann als lesbar. Die Empfänger müssen da- digitale Langzeitarchivierung eig-
Rahmenvereinbarung in den AGB her zunächst die strukturierten net, zum Beispiel PDF/A. Optional
im Vorhinein erteilt werden. elektronischen Rechnungen für die hat der Rechnungssteller die Mög-
interne Rechnungsprüfung, Frei- lichkeit, einen maschinenlesbaren
Im Wesentlichen lässt sich die Ab- gabe und anschließende Archivie- Datensatz mit der E-Rechnung zu
wicklung von E-Rechnungen in rung visualisieren. Hybride Rech- erstellen und auszuliefern.
vier Schritte unterteilen: nungsformate vermeiden diesen
• Erstellung und Versand der Aus- Nachteil, indem sie das maschinen- Abschließend muss die digitale
gangsrechnung lesbar strukturierte Format und Ausgangsrechnung rechtssicher
• Bearbeitung der Eingangsrechnung die menschenlesbare visuelle Dar- elektronisch archiviert werden.
• Archivierung der elektronischen WEITERE INFOS stellung kombinieren. Technisch Danach wird sie an den Rech-
Rechnung https://t1p.de/dhvq kann dies etwa durch die Einbet- nungsempfänger übertragen. Eine
• Verfahrensdokumentation tung einer XML-Struktur in eine elektronische Signatur ist bereits
14 Magazin Wirtschaft 6.2021seit mehr als zehn Jahren nicht mehr er- eine integrierte OCR-Texterkennung er- wobei unbedingt das Verfahren dokumen-
forderlich. mittelt werden. Danach folgt die sachli- tiert werden muss. Nach dem Einscannen
che Prüfung durch die Person, die die Be- dürfen die Papierrechnungen normaler-
Für den Versand stehen verschiedene stellung ausgelöst hat. weise vernichtet werden.
Kommunikationskanäle zur Verfügung:
• als E-Mail Bei der papierbasierten Rechnungsverar- Seit dem 18. April 2020 müssen alle öffent-
• per Web-Download beitung werden oft Kontierungsstempel lichen Rechnungsempfänger auf Landes-
• via De-Mail eingesetzt, die Informationen wie Datum, und kommunaler Ebene elektronische
• via E-Post Beleg- oder Kontonummer enthalten. Die Rechnungen akzeptieren. Seit 27. Novem-
• über Fax (Computer oder Faxgerät) Software ermöglicht es, diese direkt im ber sind die öffentlichen Auftragnehmer
Rechnungen von Standard- oder Compu- Programm zu vergeben. Auch die Archivie- des Bundes verpflichtet, ihre Rechnungen
ter-Faxen an Standard-Faxgeräte gelten rung der Rechnung erfolgt dann automa- in einem strukturieren Dateiformat zu
dabei für den Empfänger nicht als elekt- tisch im Dokumenten-Managementsystem. übermitteln. Papierrechnungen und Rech-
ronisch und müssen nach den Vorschrif- nungen im PDF-Format gehören somit –
ten für Papierrechnungen archiviert und So vollautomatisch funktioniert das aller- zumindest bei den Geschäftsbeziehungen
behandelt werden. dings nur, wenn alle Rechnungen elektro- zwischen Bund und Unternehmen – größ-
nisch vorliegen. Will man Papierrechnun- tenteils der Vergangenheit an.
Nachdem die elektronische Rechnung gen in das System einfügen, sollte man sie
zugestellt wurde, muss sie geprüft, frei- mit einem Paginierstempel (fortlaufende Abschließend lässt sich festhalten: Die
gegeben und bezahlt werden. Zudem Nummer) versehen und zur Weiter- elektronische Rechnung kommt, Unter-
muss der Rechnungsempfänger die E- bearbeitung einscannen. Die Buchungs- nehmer sollten deshalb die Chance nutzen,
Rechnung ebenfalls rechtssicher elek- informationen werden automatisch aus- ihre Rechnungsverarbeitung zu automati-
tronisch archivieren. Je nach Software- gelesen oder manuell ergänzt und an das sieren und die Vorteile an Arbeits- und
lösung besteht die Möglichkeit, dass das ERP-System übermittelt. Wichtig ist, dass Geldersparnis sowie Fehlerminimierung
System die notwendigen Prüfungen nach dem Einscannen das Scan-Ergebnis zu nutzen, die sich daraus ergibt.
übernimmt. Dafür muss es jede Eingangs- so aufbewahrt wird, dass es mit dem
rechnung formal auf die gesetzlichen An- Original bildlich übereinstimmt, wenn es
ELISABETH RUNG, NILS DEICHNER
forderungen hin prüfen. Bei eingescann- lesbar gemacht wird. Insbesondere muss Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg
ten Papier- oder E-Mail-PDF-Rechnungen das verwendete Erfassungs- und Archivie- c/o ibi research an der Universität Regensburg GmbH
sollten die Rechnungsdaten zuvor durch rungsverfahren den GoBD entsprechen, www.ibi.de
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VIEL LICHT UND WENIG SCHATTEN
IHK-KONJUNKTURUMFRAGE Knapp 850 regionale Unternehmen gaben Auskunft zu ihrer wirtschaftlichen
Lage und zu ihren Erwartungen.
KOMMENTAR
In die Zukunft investieren
Die Politik hat viel Geld in die Hand
genommen, um die negativen Auswir-
kungen der Corona-Pandemie auf Ge-
sellschaft und Wirtschaft abzufedern.
Das war notwendig und in der über-
wiegenden Zahl der beschlossenen
Maßnahmen auch zielführend.
Dank der beschleunigten Durchimp-
fung wird Deutschland die Pandemie
voraussichtlich im Sommer in den
Griff kriegen. Zur langfristigen Siche-
rung unserer Zukunftsfähigkeit sollte
der Fokus deshalb rasch wieder auf
die Herausforderungen gerichtet wer-
den, für die ein sehr viel längerer Atem
notwendig ist: Für den Klimaschutz
Trotz anhaltender und vielerorts sogar aktuelle Lage überwiegend als kritisch. muss die Dekarbonisierung beschleu-
verschärfter Maßnahmen gegen die drit- Gestützt auf den brummenden Woh- nigt werden. Zum Erhalt der Leis-
te Corona-Welle hat sich die Stimmung in nungsbau bleibt die Bauwirtschaft dage- tungsfähigkeit von Staat und Wirt-
der Wirtschaft der Region Stuttgart im gen eine stabile Konjunkturstütze. schaft trotz demografisch bedingter
Frühsommer 2021 weiter aufgehellt. Das Abnahme und Alterung des Fachkräf-
liegt vor allem an der sich beschleunigen- Auch der Blick der regionalen Unterneh- tepotenzials müssen Qualifizierung
den Erholung der Industrie, die von der men auf die kommenden zwölf Monate und Digitalisierung vorangetrieben
Belebung der Weltwirtschaft, angetrie- fällt gespalten aus. In den produzieren- werden. Kommunikationsnetze und
ben vor allem durch China und die USA, den und ihnen zuliefernden Unterneh- Internetleitungen müssen schneller
profitiert. Aber auch aus der EU kommen men wächst die Zuversicht. Die Unsicher- ausgebaut und überfällige Investitio-
zunehmend positive Signale. heit über den weiteren Pandemieverlauf nen in die zum Teil marode Verkehrs-
schürt in den Lockdown-Branchen die infrastruktur dürfen nicht länger auf-
Von der Binnenwirtschaft kommen da- Skepsis. Insgesamt hat sich der Konjunktur- geschoben werden.
gegen weiterhin gemischte Signale. himmel über der Region Stuttgart jedoch
Während sich die Lage im Großhandel, weiter aufgehellt. Leistet der Staat hier seinen Part, be-
bei den unternehmensnahen Diensten gleitet von ökonomischen Anreizen
sowie im Güterverkehr im Sog der Indus- Aus Sicht der regionalen Unternehmen und forschungsfreundlicher Steuer-
trie merklich verbessert hat, bleibt die wird es bis zu einer Rückkehr zur Norma- und Förderpolitik, werden auch die
Situation in den von Schließungen und lität jedoch noch eine ganz Weile dauern. Unternehmen verstärkt in die Moder-
eingeschränkter wirtschaftlicher Aktivi- Von niedrigem Niveau aus erholen sich nisierung, Dekarbonisierung, Digitali-
tät betroffenen Branchen kritisch. Im die Inlandsinvestitionen erst langsam. sierung und Qualifizierung an ihren
Hotel- und Gaststättengewerbe befinden Auch die Beschäftigungspläne bleiben in hiesigen Standorten investieren. Da-
sich fast drei von zehn Betriebe in einer den meisten Branchen von Zurückhal- für braucht die Wirtschaft aber auch
existenzgefährdenden finanziellen Lage, tung geprägt. Planungssicherheit durch langfristige
jedem elften Unternehmen droht die Zielvorgaben. Die Entscheidung da-
Insolvenz. Auch die Einzelhändler mit www.stuttgart.ihk.de, Nr. 6295 rüber, auf welchem Weg diese Ziele zu
Bekleidung, Schuhen und Textilien, die erreichen sind, sollte dagegen unbe-
personenbezogenen Dienstleister, der dingt den Unternehmen überlassen
Personenverkehr sowie die Messe- und PHILIP REIMERS, IHK Region Stuttgart werden.
Veranstaltungsdienstleister bewerten ihre vowi@stuttgart.ihk.de
16 Magazin Wirtschaft 6.2021DIE ERHOLUNG DER
INDUSTRIE hat sich
seit Jahresbeginn noch
einmal beschleunigt.
»WIR HATTEN NIE EIN KRASSES LOCH«
KONJUNKTUR Unternehmerin Vanessa Bachofer über den Boom beim Kunststoffabsatz, die Produktivität ihrer
„Corona-Dümpelphase“ und darüber, ob Deutschland bis 2045 wirklich klimaneutral werden kann.
Messer, für die wir die Griffe liefern. Manch- der Druck in Sachen ökologischer Fußab-
mal meine ich schon, das Wachstum ist zu druck zunimmt. Wir selber recyceln schon
stark, denn die Folgen, dramatische Liefer- seit Jahren 99 Prozent unsere Abfälle und
engpässe und Preissteigerungen, sind deut- setzen, soweit es geht grünen Strom ein.
lich. Wir sehen, dass die Kunststoffhersteller
ihre Materialien und Prozesse ständig wei-
Mehr als der Hälfte (56 Prozent) der Un- terentwickeln. Allerdings wird das zu wei-
ternehmen Ihrer Branche geht es inzwi- ter steigenden Preisen führen.
schen wieder gut, 29 Prozent melden eine
befriedigende Situation, nur 15 Prozent Wie sehen Sie das als Geschäftsführerin
befinden sich in einer schlechten Lage. Sie eines Industrieunternehmens: Schafft
haben sicher bei der Umfrage „gut“ ange- Deutschland es, bis 2045 klimaneutral zu
kreuzt, oder? Ja. Wobei: Wir hatten nie ein werden? Das haben wir uns auch gefragt.
krasses Loch, weil wir global aufgestellt Zumindest muss dafür gesorgt werden,
sind. Zu der Zeit als China im Lockdown dass stabil grüner Strom zur Verfügung
VANESSA BACHOFER, Geschäftsführende war, war die Pandemie zum Beispiel in den steht, ohne dass die Preise dafür durch die
Gesellschafterin Mack & Schneider GmbH, Filderstadt,
USA noch gar nicht angekommen und um- Decke gehen. Auch ist mir nicht klar, wie
Vorsitzende des IHK-Industrieausschusses
gekehrt. Deshalb mussten wir auch zu Waren von außerhalb der EU beurteilt
Ihre Kollegen aus der Gummi- und Kunst- keiner Zeit kurzarbeiten. werden. Es soll ja eine CO2-Grenzsteuer
stoffindustrie berichten in der jüngsten kommen. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob
IHK-Konjunkturumfrage, dass sich die Die Inlandsinvestitionspläne der Befrag- das ohne ungerechte Wettbewerbsverzer-
wirtschaftliche Erholung spürbar fort- ten zeigen nach oben. Investieren Sie rung funktioniert.
setzt. Die Auslastung stieg von 67 auf 79 auch? Sehr viel sogar. Allerdings nicht als
Prozent und liegt damit wieder über dem unmittelbare Folge der Pandemie. Aber wir Sie vertreten unsere IHK-Mitglieder
langfristigen Durchschnitt von 77 Pro- haben während der Corona-Dümpelphase nicht nur im IHK-Industrieausschuss,
zent. Trifft das auch auf Sie zu? Ja. Das im April und Mai 2020 einiges neu entwi- sondern auch beim DIHK. Dort beschäfti-
liegt daran, dass inzwischen die meisten ckelt, zum Beispiel für die CO2-neutrale gen Sie sich gerade mit der EU-Industrie-
unserer Kunden aus der Corona-Delle Mobilität für unsere Automotive-Kunden. strategie. Wie ist Ihr erster Eindruck?
draußen sind. Unsere Partner kommen vor Das geht jetzt in Serie. Das führt wiederum Ich lese da viele schöne Wörter wie
allem aus den Bereichen Automotive, Heiz- dazu, dass der Platz knapp wird und wir „Competitive Sustainability“ oder „Open
technik und lebensmittelnahe Industrie. bauen werden. Auch die Fertigungstechnik Strategic Autonomy“... Zumindest wird
Wir bieten ihnen maßgeschneiderte System- wollen wir straffen und dabei auf Roboter- deutlich, dass die EU die große Liefer-
lösungen in den Bereichen technische zellen setzen. Bei uns ist eben immer etwas ketten-Abhängigkeit Europas erkannt hat
Kunststoffteile und Ventiltechnik. Fast los! und nun gegensteuern will. Optimistisch
überall dort geht die Nachfrage zur Zeit stimmt mich, dass bei der Zukunfts-
durch die Decke, selbst bei Produkten, bei Hat sich der Markt im letzten Jahr ver- planung auch an kleinere Firmen wie
denen man es sich gar nicht so recht erklä- ändert? Auf jeden Fall, aber nicht direkt unser Familienunternehmen mit 125 Mit-
ren kann. Ich denke da zum Beispiel an die wegen Corona. Wir merken sehr stark, dass arbeitern gedacht werden soll.
6.2021 Magazin Wirtschaft 17RAT & TAT
UNTERSTÜTZUNG AUF DEM
WEG IN ZUKUNFT
Applikationszentrum Industrie 4.0
In unserer neuen Kolumne stellen wir jeden Monat Einrich-
tungen vor, die unseren Mitgliedsfirmen bei Innovationen,
vor allem auf dem Weg in die Digitalisierung, unterstützen.
Wir starten mit den Einrichtungen des Stuttgarter Techno-
logie- und Innovationscampus.
Hinter dem Namen Stuttgarter Technologie- und Inno-
vationscampus oder kurz S-TEC verbergen sich mehrere
wissenschaftliche Einrichtungen, die mit Unternehmen zu-
sammenarbeiten und diesen so Kompetenz, Wissen und Er-
fahrung zu innovativen Forschungsschwerpunkten zugäng-
lich machen.
Die Forscher unterstützen bei
Eine dieser Einrichtungen ist das Applikationszentrum der Auswahl, Anpassung und
Industrie 4.0. Das Zentrum ist eine Forschungs-, Ent- auch der Einführung der neuen
wicklungs- und Demonstrationsumgebung, in der vor allem Technologien im Unternehmen.
kleine und mittlere Unternehmen testen können, welche Außerdem geben sie im Zentrum auch in
Technologien sich für sie eignen. Schulungen oder Trainings ihr Wissen weiter.
In dieser Testumgebung kann an Demonstratoren zum www.stuttgart.ihk.de, Nr. 4074182
Beispiel gezeigt werden, wie Anlagen an die Cloud ange-
bunden und dann die Maschinendaten auf einem virtuellen
Dashboard einer Mixed-Reality-Brille angezeigt werden
oder wie sich fahrerlose Transportsystem autonom in der STEFANIE RAU
Produktion bewegen und sich dabei gegenseitig ausweichen IHK Region Stuttgart
können. stefanie.rau@stuttgart.ihk.de
18 Magazin Wirtschaft 6.2021Sie können auch lesen