ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe

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ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
AUSGABE 2 / 2019
                                                                SOMMER

             ELAN
              Evangelisch-Lutherische Ansichten und Nachrichten
              Magazin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe

...und siehe es
WAR sehr gut!
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
Vorwort
                      Liebe Leserinnen und Leser,

                      die Folgen des Klimawandels sind nicht nur auf
                      pazifischen Inseln erfahrbar. Auch bei uns traten
                      sie im langanhaltenden heißen Sommer 2018
                      spürbar zu Tage. Das Thema ist mittlerweile in der
                      Gesellschaft angekommen.
                      Greta Thunberg wird nun ein Jahr lang schulfrei
                      machen, um sich noch intensiver für den Klima-
                      schutz einsetzen zu können. Im Herbst will sie an
                      internationalen Klimakonferenzen teilnehmen.
                      Greta sorgt sich um das Weltklima und um die Le-
                      bensgrundlagen zukünftiger Generationen. Diese
                      Sorge teilen mit ihr hunderttausende Schülerinnen
                      und Schüler, die freitags weltweit für mehr Ehrgeiz
                      und Wahrhaftigkeit der politischen Entscheidungs-
                      träger demonstrieren.

                      „Und siehe, es WAR sehr gut“ (1. Mose 1, 31), so
                      lautet der Titel dieser ELAN-Ausgabe. Das ist das
                      biblische Fazit über dem göttlichen Schöpfungs-
                      werk.
                      Christinnen und Christen haben aus dem Aufruf
                      des ökumenischen Weltkirchenrates 1993 in
                      Vancouver zu „Frieden, Gerechtigkeit und Bewah-
                      rung der Schöpfung“ ihr christliches Leitbild zum
                      Handeln in der Welt abgeleitet. Es gilt, sich selbst
                      ehrlich und ungeschminkt einzugestehen, dass un-
                      sere menschliche Lebensweise und unser Umgang
                      mit Mensch und Natur nicht folgenlos sind. Der
                      kirchliche Ruf zur Umkehr kann nur wirkungsvoll
                      und überzeugend sein, wenn kirchliches Leben
                      und Gestalten dieses auch abbilden. Dazu braucht
                      es Sachverstand, pfiffige Ideen und einen langen
                      Atem – um der Würde der Schöpfung willen.

                      Mit den Beiträgen in dieser ELAN-Ausgabe möch-
                      ten wir dazu anregen, seinen eigenen Standpunkt
                      zu finden und für sich ganz persönlich Möglich-
                      keiten eines umweltgerechten Lebenswandels zu
                      entwickeln.

                      All unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir
                      nicht nur zur Sommerzeit, dass sie die Muße dazu
                      finden, die Wunder der Schöpfung mit allen Sinnen
                      zu entdecken und zu erspüren.

                      Ihre ELAN-Redaktion

                      Karin Droste
                      Beate Ney-Janßen
                      Ulrich Hinz
Foto: ©kd

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                          Ulrich Hinz, Karin Droste – Redaktion ELAN
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
Staunend habe ich erkannt…

                                                              Gedanken
                                                          einer Wanderung
                                                              durch den
                                                          Fishriver Canyon.

Inhalt                                            Ich wandere nun schon seit Tagen
                                                   In dieser engen, langen Schlucht
2    Vorwort                                      In meinem Kopf ganz viele Fragen
3    Staunend habe ich erkannt…                      In meinen Lungen Canyonluft
4    Lebensmittel retten. Menschen Helfen.
6    Globales Lernen für Jugendliche                     Während ich einen Fuß
8    Naturschutz aufbauen                                vor den anderen setze              Liebe Leserinnen und Leser!
9    Karitatives Recycling statt Entsorgung      Tasten meine Augen die Felswand ab
10   You `re welcome! – Du bist willkommen       Gottes Welt birgt viele Gottesschätze      Vor etlichen Jahren, bin ich mit meiner
12   Bio-Gurken – aber bitte ohne Folie         Ich blicke auf, die Felswand fließt herab   Familie ein Stück durch den im Süden Na-
13   Energiefressern und Ressourcenkillern                                                  mibias gelegenen Fishriver Canyon gewan-
14   Geerntet wird in 190 Jahren                                                            dert. Das nebenstehende Gedicht bringt
                                               Unten gleicht sie einem Marmorkuchen
15   Bitte mal die Klappe halten!
                                              Vulkansteinadern durchziehen weißen Kalk      zum Ausdruck, wie fasziniert ich damals
16   Landwirtschaft
                                                      Nur wenige Gräser suchen              über den Anblick war, der sich mir da bot.
17   Unser täglich Schnitzel
18   Über die (Er)schöpfung                       In schwindelerregender Höhe halt          Ich bin es bis heute. Diese schöne Welt ist
19   Bienenwachs contra Plastik                                                             von Gott geschaffen. Das erkenne ich nicht
20   Speisekammer für die Biene                 Das Gestein bezeugt eine Geschichte         automatisch. Es gehört mehr dazu. Wer
21   Helmtausch in der Bauabteilung                   von Millionen von Jahren              es erkennt, hat darin ein Stück Weisheit
22   Heinrich Herrmanns                       Tektonische Bewegung faltete den Stein…       erlangt. Ich selber kann mit meinem Schul-
22   Andreas Hecht                             Noch ehe die ersten Menschen waren,          wissen nur darüber phantasieren, wie die
23   Wir sind dabei!                            Faltete hier Gott Kalk in Magma ein.        Dinge, beispielsweise der Fishriver Canyon,
24   Werde Teil des Filmprojektes !!!                                                       entstanden sind. Wirklich fassen kann ich es
25   Termine und Veranstaltungen                                                            nicht. In Sprüche 8 spricht die Weisheit in
                                                Und oberhalb der Marmormusterung
29   Freud und Leid
                                                      Folgt in Lagen Sandgestein            Person. Sie sagt in etwa „Ich bin die Erste,
                                                Ich stehe sprachlos vor Bewunderung,        die Gott geschaffen hat, und ich bin Zeugin
                                                    und fühle mich unendlich klein          davon, wie Gott die Welt erschaffen hat“.
                                                                                            Weisheit ist folglich: erkennen, dass diese
                                              Es reiht sich Sandstein an Sandstein Büste    Welt von Gott geschaffen ist. „Und Gott sah
                                                  Wo einst ein Meer auf Boden stieß.        an alles, was er gemacht hatte, und siehe,
                                                          In dieser öden Wüste,             es war sehr gut!“
                                                         Schuf Gott ein Paradies            Alles Weitere baut darauf auf. Auf die
                                                                                            Faszination und die Erkenntnis, dass Gott
                                                      Der Canyon überragt mich              diese Welt geschaffen hat, folgt mein Dank,
                                                     um ein dreihundert Faches,             mein Lob auf den Schöpfer. Ich habe die
                                                   Der Fishriver grub tief sich ein,        Schöpfung lieb gewonnen, weil ich über sie
EL AN                                                   wie es ein Fluss so tut,            gestaunt habe und weil ich darum weiß,
Magazin der Evangelisch-Lutherischen             Weil Gott zu ihm sprach „Mach es!“         dass sie von Gott her kommt. Und deswe-
Landeskirche Schaumburg-Lippe                  Und siehe, was Gott schuf, war alles gut.    gen schmerzt es mich auch, wenn wir als
-Landeskirchenamt- Pressestelle                                                             Menschen nicht achtsam mit ihr umgehen.
Bahnhofstraße 6 | 31675 Bückeburg                                                           Wenn eine Landschaft, die doch eigentlich
Internet: www.LKSL.de                                                                       so schön sein könnte, Ablageort unserer
E-Mail: kontakt@lksl.de                                                                     nicht mehr gewollten Haushaltsgegen-
                                                                                            stände geworden ist. Lasst uns darum mit
Verantwortlich: Ulrich Hinz (uh)                                                            dem, was Gott uns anvertraut hat, achtsam
Layout/Design, etc.: Karin Droste (kd)                                                      umgehen!
Einband: Titel 2019 © Karin Droste
Mitarbeit: Beate Ney-Janßen (ade)                                                                                 Anneliese Hoffmann

*) Name von der Reaktion geändert!
                                              Geistliches Wort                                                                   3
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
„Lebensmittel retten. Menschen helfen.“
Die Tafel in Stadthagen

I   mmer wieder erschrecken Meldun-
    gen darüber, wie viel Lebensmittel in
    Deutschland täglich vernichtet wer-
den. Schätzungen zufolge landen ca. 20
Prozent aller produzierten Lebensmittel
                                             in Deutschland einen gemeinsamen
                                             Dachverband. Seit 2017 firmieren die
                                             aktuell weit mehr als 900 Tafeln unter
                                             dem Namen „Tafel Deutschland e.V.“.
                                             Gemäß dem Motto der Tafeln, „Lebens-
                                                                                          der Tafeln des DRK in Schaumburg, zahl-
                                                                                          reiche Ehrenamtliche und sogenannte
                                                                                          „Ein-Euro-Jobber“. An fünf Tagen in
                                                                                          der Woche sind sie im Einsatz. Zu ihren
                                                                                          Aufgaben gehören die Abholung der
im Müll. Nicht nur die Grünabfalltonnen      mittel retten. Menschen helfen.“             gespendeten Lebensmittel, die Sortie-
füllen sich außer mit Gartenabfällen         verstehen sich die Tafeln als „Binde-        rung am Standort Stadthagen und die
auch mit großen Mengen von Speise-           glied zwischen Überproduktion und            Ausgabe an die Kunden.
resten und verdorbenen Lebensmitteln.        Unterversorgung“. Sie leisten durch die

                                                                                                                               Foto: ©uh

Auch in Supermärkten, Bäckereien,            Rettung von Lebensmitteln vor deren          Die Kunden
Fleischereien und großen Produkti-           Vernichtung einen wertvollen Beitrag         Zu den Kunden der Stadthäger Tafel
onsstätten der Lebensmittelindustrie         zum Umweltschutz und zur Ressourcen-         gehören derzeitig mehr als 1.000 Men-
bleiben Waren übrig, die nicht verkauft      schonung.                                    schen aus dem Stadtgebiet und dem
werden, weil sie dem Kunden äußerlich                                                     Umland Stadthagens. Als Nachweis der
zu unappetitlich erscheinen oder deren       Im Landkreis Schaumburg betreibt der         Bedürftigkeit gilt ein amtlicher Bescheid
Mindesthaltbarkeitsdatum fast oder           DRK-Kreisverband Schaumburg e.V. in          über den Bezug von Sozialleistungen, in
gerade abgelaufen ist.                       Stadthagen die größte Schaumburger           der Regel über Arbeitslosengeld II oder
Auf der anderen Seite nimmt der Anteil       Tafel, eine weitere Tafel in Rinteln sowie   Grundsich-erung, über eine geringe
an sozial und wirtschaftlich benachteilig-   Ausgabestellen in Obernkirchen und Bad       Rente oder andere geringe Einkünfte.
ten Mitbürgern in unserer Gesellschaft       Nenndorf. Außerdem gibt es im Kreisge-       Bei nachgewiesener Bedürftigkeit er-
zu.                                          biet die Bückeburger Tafel, die im Jahr      hält man einen Kundenausweis, der in
                                             2000 gegründet wurde.                        regelmäßigen Abständen bei nachgewie-
Als Reaktion auf diese Entwicklung                                                        senem Fortbestehen der Bedürftigkeit
wurde 1993 die erste Tafel in Berlin         Das Team                                     verlängert wird. Auf dem Kundenaus-
gegründet. Zwei Jahre später gründeten       Zum Team der Tafel in Stadthagen gehö-       weis stehen keine Namen, sondern nur
die 35 zu jener Zeit existierenden Tafeln    ren außer Heidi Niemeyer, Koordinatorin      Nummern. Dieses wahrt die Privatsphä-

  4                                                                                                                           Tafel
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
re der Empfänger. Über Eintragungen zu     In diesem Sinne kann man von einer           Fortwährend ist die Koordinatorin Heidi
der Nummer kann in einer Kundenkartei      Win-win-Situation sprechen. D.h., dass       Niemeyer mit der Organisation des Per-
festgestellt werden, wie viele Personen    sowohl die Tafeln durch den Empfang          sonaleinsatzes, der betrieblichen Orga-
zum Haushalt des Kunden gehören oder       von Spenden - und damit auch ihre Kun-       nisation und vor allem der Kontaktpflege
auf welche Besonderheiten bei der          den profitieren - als auch die Spender,      zu den Spendern beschäftigt. Letzteres
Zuteilung von Lebensmitteln geachtet       die Kosten für die teure Entsorgung von      ist unbedingt notwendig, damit der
werden muss. Dabei finden sich u.a. Ein-   überschüssigen Lebensmitteln einspa-         Tafel immer ausreichend Spenden zur
tragungen wie „Diabetiker“, „Vegetarier“   ren, die nicht mehr verkauft werden          Verfügung gestellt werden.
oder „kein Schweinefleisch“.               können.
Gewöhnlich kommen die Kunden ein Mal       Mitunter kommt es vor, dass das Waren-       Für die Anmietung der Räumlichkeiten,
in der Woche. Ein Wochentag ist aus-       angebot in den Tafeln unterschiedlich        für Energie, zwei Transportfahrzeuge
schließlich Rentnern und Rentnerinnen      ausgewogen ist. Dann gibt die eine           und deren Unterhaltung sowie für die
vorbehalten.                               Tafel zum Beispiel eine größere Menge        Ausstattung wie Kühlmöglichkeiten für
                                           Milcherzeugnisse an eine andere Tafel        die Lagerung von Lebensmitteln fallen
Die Spender                                ab und erhält dafür im Gegenzug viel-        regelmäßig Kosten an. Durch Spenden
Zu den regelmäßigen Spendern von Le-       leicht einen Anteil einer großen Partie      im Rahmen besonderer Aktionen von
bensmitteln gehören Supermärkte und        Wurstwaren. Beim Empfang größerer            Vereinen, Vereinigungen und DRK-Orts-
Discounter, Drogeriemärkte, Bäckereien,    Warenmengen von großen Lebensmit-            verbänden wie auch durch Geldspenden
Lebensmittelläden und landwirtschaftli-    telproduzenten werden Anteile solch          von Privatpersonen können notwendige
che Betriebe. Betriebe der Nahrungsmit-    einer Spende an benachbarte Tafeln           Anschaffungen, z.B. ein Gefrierschrank,
telindustrie im weiteren Umland bieten     weitergegeben.                               getätigt werden. Unverzichtbar für den
ebenfalls Spenden an.                                                                   Betrieb der Tafel ist ein Zuschuss des
                                                                                        DRK–Kreisverbandes Schaumburg in
                                                                                        beträchtlicher Höhe.

                                                                                        Durch ihr Engagement leisten die Tafeln
                                                                                        einen wichtigen sozialen Beitrag mit der
                                                                                        Unterstützung von Menschen, die sich in
                                                                                        einer prekären wirtschaftlichen Lage be-
                                                                                        finden. Außerdem fördern sie mit ihrem
                                                                                        Einsatz gegen Lebensmittelverschwen-
                                                                                        dung und Lebensmittelvernichtung auch
                                                                                        die Schonung wertvoller Ressourcen
                                                                                        und leisten damit einen Beitrag zum
                                                                                        Umweltschutz.

                                                                                        Schließlich sollte jeder Konsument in
                                                                                        Anbetracht des Hungers in der Welt
                                                                                        und aus Mitverantwortung für die Um-
                                                                                        welt einen wertschätzenden Umgang
                                                                                        mit Lebensmitteln pflegen. Denn die
                                                                                        Lebensmittelherstellung verbraucht
                                                                                        riesige Mengen von Ressourcen wie z.B.
                                                                                        Wasser und Energie. Durch Transport,
                                                                                        Lagerung und Weiterverarbeitung von
                                                                                        Nahrungsmitteln fällt klimawirksames
                                                                                        Kohlendioxid an, das entscheidend für
                                                                                        die aktuelle Klimaveränderung verant-
                                                                                        wortlich ist. (uh)

                                                                                         Die Tafeln in Schaumburg:

                                                                                         ➠ Bückeburger Tafel e.V.,
                                                                                         Dammstraße 11, 31675 Bückeburg
                                                                                         ➠ Tafel Rinteln,
                                                                                         Bahnhofsweg 2, 31737 Rinteln
                                                                                         ➠ Tafel Stadthagen,
                                                                                         Gubener Straße 1, 31655 Stadthagen

                                                                                         ➠ Weitere Ausgabestellen des DRK-
                                                                                         Schaumburg in Bad Nenndorf und in
                                                                            Foto: ©uh

                                                                                         Obernkirchen

Tafel                                                                                                                       5
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
Globales Lernen für Jugendliche

I   n der „Werkstatt Ökumenisches Ler-
    nen“ beim Ev.-Luth. Missionswerk
    (ELM) in Hermannsburg werden
Konfirmandengruppen und Schulklassen
zum Blick über den eigenen Tellerrand
angeregt. In verschiedenen Seminarein-
heiten wie zum Beispiel „Das gute Leben
oder: Was brauchen wir, um zufrieden
zu sein?“ erfahren sie etwas über die
Lebenswirklichkeit von Menschen in
ihnen fremden Kulturräumen und mit
anderen Alltagsherausforderungen als
ihren eigenen. Es wird dabei gefragt,
was das mit uns in der westlichen Welt
und mit unserer Lebensweise zu tun hat.

Im Seminarmodul „Die Reise eines T-
Shirts: Was haben wir mit Indien zu tun?“
erfuhren Konfirmandinnen und Konfir-
mandinnen der Meinser Kirchengemein-
de etwas darüber, wo und unter welchen
Umständen ihre Kleidung hergestellt
wird und welche ökologischen und sozia-
len Missstände damit zusammenhängen.
Durch die Auseinandersetzung mit den
globalen Zusammenhängen wurden
sie für ein kritisches Konsumverhalten
sensibilisiert.

Von ihrer Konfi-Freizeit in der „Werkstatt
Ökumenisches Lernen“ berichteten die
Konfis im Vorstellungsgottesdienst.
Sie baten die Gottesdienstteilnehmer
darum, auf dem Kleidungsetikett nach
dem Ursprungsland von Hemd, Jacke,
Hose, Rock oder Schuh zu suchen. Das
Ergebnis war für viele überraschend. Die
Mehrzahl der Kleidungsstücke stammte
aus China, Bangladesch, Indien, Kambod-
scha und Vietnam.
Unabhängig davon, dass für uns günstige      Die Beiträge der Konfis:                   günstiger ist, diese anstrengende Arbeit
Preise Arbeiterinnen und Arbeitern in                                                   von hunderten von Baumwollpflückern
Billiglohnländern viel Kraft und Schweiß     Die meisten unserer T-Shirts wie auch      erledigen zu lassen.
kosten (ausbeuterische und gesund-           die meisten anderen Kleidungsstücke
heitsgefährdende Arbeitsbedingungen,         werden aus Baumwolle hergestellt.          Wenn die Faserbüschel von den Kernen
geringe Löhne usw.), ist die Ökobilanz       Baumwolle wird zum Beispiel in Indien      befreit worden sind, geht die Baumwolle
katastrophal: hoher Chemieverbrauch          auf riesigen Plantagen angepflanzt. Der    auf die erste Reiseetappe, zum Beispiel
bei der Herstellung und Veredelung der       Wasserverbrauch, der beim Anbau von        in die Türkei. Dort werden die großen
Kleidung, hohe Luft- und Abwasserver-        Baumwolle anfällt, ist gravierend. Im      Ballen aufgebrochen und die Baumwolle
schmutzung und ein gewaltiger klima-         weltweiten Durchschnitt werden für         „gekämmt“. Nach ihrer Reinigung wird
schädlicher Energieverbrauch durch           die Produktion von 1 Kg Baumwolle ca.      die Baumwolle auf großen Spinnmaschi-
lange Transportwege.                         11.000 Liter Wasser benötigt. In den       nen zu Fäden versponnen und auf riesige
                                             USA wird die Baumwolle mit großen          Spulen gewickelt.
Dies stellten die Konfirmandinnen und        teuren Erntemaschinen von den Büschen
Konfirmanden am nachfolgend beschrie-        gepflückt. Doch in Indien lohnt sich die   Von dort aus geht die Reise weiter ins
benen Beispiel der „Reise eines T-Shirts     Anschaffung solcher Maschinen nicht,       mehr als 8000 Kilometer entfernte
um die Welt“ eindrucksvoll dar.              denn die Löhne sind so niedrig, dass es    Taiwan.

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ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
genäht werden müssen. Bei einer Jeans
                                                                                              sind es schon ein paar Teile mehr.
                                                                                              Die Näherinnen sitzen meist in ganz
                                                                                              engen Hallen dicht nebeneinander. Die
                                                                                              Luft ist stickig und der Lärm ohrenbe-
                                                                                              täubend.

                                                                                              Den letzten Schliff bekommt das T-Shirt
                                                                                              in Europa, wo es ja auch verkauft und
                                                                                              getragen werden soll. Dort werden die
                                                                                              Etiketten eingenäht. Vielleicht wird auch
                                                                                              etwas aufgedruckt oder aufgenäht. Zum
                                                                                              Schluss wird es noch einmal gebügelt
                                                                                              und schön verpackt.

                                                                                              Jetzt hat das T-Shirt nur noch einen
                                                                                              Kurztrip vor sich. Einmal über die Gren-
                                                                                              ze – und schon ist es in Deutschland. In
                                                                                              einer Boutique oder in einem großen
                                                                                              Bekleidungsgeschäft wird es ordentlich
                                                                                              zum Verkauf ausgelegt oder hingehängt.

                                                                                              Da die Modetrends häufig wechseln,
                                                                                              schafft es ein T-Shirt manchmal gerade
                                                                                              eine Saison. Dann ist es unmodern. Je-
                                                                                              denfalls nach westlichem Geschmack.
                                                                                              Also wird es aussortiert und in einen
                                                                                              Altkleidersack gesteckt. Viele der ge-
                                                                                              brauchten Altkleider aus Deutschland
                                                                                              kommen zum Beispiel nach Afrika.
                                                                                              In Kamerun gibt es riesige Märkte, auf
                                                                                              denen ausgediente Kleidungsstücke aus
                                                                                              Europa ein zweites Mal verkauft werden.
                                                                                  Foto: ©uh

                                                                                              Was für ein Wahnsinn!
                                                                                              Manches T-Shirt hat einen Weg von fast
                                                                                              40.000 Kilometer hinter sich gebracht -
Dort wird aus dem Garn in Webereien         Stoff „veredelt“. Mit schwermetall-               von der Ernte der Baumwolle bis zum
der Stoff hergestellt. Ein moderner voll-   haltigen Farben und vielen anderen Che-           Verkauf des fertigen Kleidungsstückes.
automatischer Webstuhl ersetzt dort         mikalien wird er aufgepeppt. Damit die
heute 1500 Arbeitsplätze.                   Farben dauerhaft beständig bleiben und            Und wo kommen Ihr Hemd, Ihre Hose,
Der fertige Stoff wird dann mehrmals ge-    der Stoff nicht so schnell knittert, folgen       Ihr Sportschuh, Ihre Jacke, Ihr Kleid her?
waschen, damit ein Großteil der Giftstof-   weitere Chemikalienbäder. Die Liste der           Schauen Sie einfach mal auf das Etikett:
fe ausgespült wird, die die Baumwolle im    möglichen Verfahren zur Verbesserung              Made in ... (uh)
Lauf ihres Wachstums durch das Besprü-      der Stoffqualität ist lang – ebenso die
hen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln        Liste der dazu eingesetzten Chemikalien.
aufgenommen hat. Dann wird der noch
gelbliche Baumwollstoff mittels eines       Damit es dem Stoff nicht langweilig wird,
aggressiven Bleichverfahrens für seine      geht es jetzt wieder auf Reisen: dieses
Färbung vorbereitet.                        Mal sind es aber nur 7800 Kilometer
                                            bis nach Bangladesch. In Südasien wird
Jetzt führt die Reise der schneeweißen      der Baumwollstoff zugeschnitten. Wenn
Stoffballen über 10.500 Kilometer nach      es ein T-Shirt werden soll, dann sind es
Tunesien. Dort in Nordafrika wird der       ganz wenige Teile, die danach zusammen

Lernen                                                                                                                              7
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
Naturschutz von unten nach oben aufbauen

I   n diesem Jahr kann Thomas Brandt
    auf 25 Jahre als wissenschaftlicher
    Leiter der Ökologischen Schutz-
station Steinhuder Meer (ÖSSM) in
Winzlar zurückblicken. Diese Zeit hat
                                             nur am Steinhu-
                                             der Meer, son-
                                             dern von Rinteln
                                             bis Nienburg, sind
                                             wie gesagt eine
ihm nicht nur jede Menge Erfahrungen         der Grundlagen
eingebracht, er könne jetzt auch an          für den Natur-
vielen Stellen die Früchte dieser Arbeit     schutz und sind
beobachten, sagt er. Der Naturschutz         von der ÖSSM in
am Steinhuder Meer habe sich durchaus        Kooperation mit
bezahlt gemacht.                             ve r s c hi e d e n e n

                                                                                                                                  Foto: ©ade
                                             Partnern angelegt
Viel, viel mehr Artenreichtum gebe es im     worden.
Vergleich zu den 1990er Jahren, sagt der     In diesen Blenken
Biologe und erzählt von dem, was „un-        hat sich beispiels-
                                                                                             ringsum sitzen, bleiben die Moorfrösche
ten“ getan werden muss, damit „oben“         weise die Krebsschere wieder angesie-
                                                                                             am Boden. Ideale Laich-Plätze haben
etwas ankommt. „Unten“, da sind die          delt. Von dieser Schwimmpflanze war
                                                                                             diese beiden bedrohten Arten in den
Pflanzen, die Böden, die weite Land-         nur noch ein einziger Restbestand am
                                                                                             Blenken gefunden und können sich nun
schaft um das Steinhuder Meer. „Oben“        Meer vorhanden. ÖSSM-Mitarbeiter
                                                                                             gut vermehren: Vom Moorfrosch gab es
– dazu führt er das Beispiel der Adler an,   vereinzelnten sie, setzten sie in einige
                                                                                             vor 25 Jahren noch fünf bis zehn Tiere
die in den Meerbruchswiesen seit Jahren      der Blenken, und jetzt kann Brandt
                                                                                             nahe dem Meer. Heute sind es 20.000
erfolgreich ihre Jungen aufziehen.           dann, wenn er im Garten der ÖSSM
                                                                                             bis 100.000. Laubfrösche hingegen sind
                                                                     am „Kleinen Stein-
                                                                                             aktiv angesiedelt worden – und auch das
                                                                     huder Meer“ – ei-
                                                                                             ist eine Erfolgsgeschichte, die den Blick
                                                                     nem Schau-Tümpel
                                                                                             eröffnet auf rund 10.000 Exemplare der
                                                                     – sitzt, auf Krebs-
                                                                                             kleinen Quaker, die dem Froschkönig als
                                                                     scheren blicken. In
                                                                                             Vorbild dienten.
                                                                     den älteren Blenken
                                                                                             So geht die Liste der Arten weiter nach
                                                                     gibt es sogar schon
                                                                                             oben und auch die Anzahl dieser Arten
                                                                     Torfmoose. Mini-
                                                                                             hat sich erheblich zum Positiven entwi-
                                                                     Moore würden dort
                                                                                             ckelt. Das geht dann eben hin bis zu den
                                                                     jetzt entstehen, sagt
                                                                                             See- und Fischadlern, die ihre Horste am
                                                                     Brandt, die andere
                                                             Foto: ©brandt

                                                                                             Steinhuder Meer haben.
                                                                     Pflanzen wie den
                                                                                             Einen Fischadler, sagt Brandt, habe er
                                                                     Fieber-Klee nach
                                                                                             unlängst beim Fang einer Karausche
                                                                     sich ziehen.
                                                                                             gesehen – einer der vielen Fisch-Arten,
                                                                     Die Wasserflächen
                                                                                             die auf der Roten Liste stehen. Wenn das
Eine der vielen Maßnahmen, die – auch-       und deren Fauna bieten auf diese Wei-
                                                                                             passiere, wenn eine gefährdete Art einer
den Adlern geholfen haben, sind rund         se einen guten Lebensraum für viele
                                                                                             anderen gefährdeten Art als Nahrung
200 Blenken, die es mittlerweile gibt.       Insekten. Erst kürzlich ist eine Unter-
                                                                                             diene, dann müsse doch wohl allerhand
Flachgewässer sind das mit einer Tiefe       suchung zu den Libellen-Arten in den
                                                                                             richtig gemacht worden sein beim Natur-
von 60 bis 80 Zentimetern und einer          Meerbruchswiesen gemacht worden. 38
                                                                                             schutz am Steinhuder Meer. (ade)
durchschnittlichen Wasserfläche von          Arten, sagt Brandt, seien entdeckt wor-
2.000 Quadratmetern. Manche sind             den, darunter einige ganz fantastische
mitten auf Weiden angelegt, andere auf       und seltene. 1995 habe es gerade
Flächen, die gemäht werden. Ursprüng-        mal eine Handvoll Libellen-Arten
lich gab es sie an vielen Orten, natürli-    in den Wiesen gegeben.
che Mulden im Boden, die zu manchen          Ähnlich wie den mit flinkem
Zeiten trocken fielen, zu anderen mit        Flügelschlag über dem Wasser
Wasser gefüllt waren und die so etlichen     surrenden Libellen ist es den
Pflanzen und Tieren einen Lebensraum         Amphibien ergangen. Acht Ar-
boten. Mit vielen dieser Blenken war es      ten sind jetzt am Meer und an
unter anderem durch Entwässerungs-           den Blenken – und nicht nur
maßnahmen vorbei. Als er bei der ÖSSM        dort. Auch im ÖSSM-Garten
                                                                                                                                   Foto: ©brandt

zu arbeiten begann, sagt Brandt, habe es     kann Brandt oft das Quaken
noch eine einzige Blenke gegeben, die        von Laub- oder Moorfröschen
halb voller Bauschutt gewesen sei.           hören. Während die grasgrünen
Die Blenken, die es nun wieder gibt, nicht   Laubfrösche gerne in den Hecken

  8                                                                                                                              Össm
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
Karitatives Recycling statt Entsorgung

U        nser Konsumverhalten wird
         angetrieben durch schnell
         wechselnde Moden und das
Bedürfnis, dem technischen Fortschritt
nicht hinterherhängen zu wollen.
                                              verkauft. Im seit
                                              2007 existierenden
                                              Gebrauchtwaren-
                                              haus "brauchbar"
                                              werden zu günsti-
Möbel, Gebrauchsgegenstände, Unter-           gen Preisen Haus-
haltungselektronik und Geräte aus dem         haltsgegenstände
IT-Bereich werden in immer kürzeren           verkauf t. In der
Abständen durch Neuanschaffungen              2009 eröf fneten
ersetzt. Der Anstieg der Ressourcenver-       „Galerie Vielfalt“ in
schwendung ist immens.                        Stadthagen werden
                                              vornehmlich antike
Wenn Umzug oder Haushaltsauflösung            Möbelstücke und
anstehen, führt der Blick in Keller,          Kunstgegenstände
Garage oder Dachboden oft zu einem            angeboten.

                                                                      Foto: ©uh
bösen Erwachen. Es gibt jedoch sinn-
volle Alternativen zum Aufstellen einer       Zudem bietet die
Schrottmulde oder dem Abtransport             SIGA eG mit ihren
zum Entsorgungszentrum. Online-               Wer k- un d Ver-
Marktplätze erfreuen sich nach wie vor        kaufsstätten sowie                         Bereich angegliedert. Aus drei, vier
großer Beliebtheit. Funktionstüchtige         den Dienstleistungen im Entsorgungs-       oder fünf gespendeten Fahrrädern wird
Geräte oder Möbelstücke können an             bereich Menschen eine Beschäftigung        ein funktionstüchtiges Fahrrad zusam-
soziale Unternehmen von Wohlfahrts-           und Möglichkeiten der beruflichen          mengebaut. Vor dem Verkauf wird die
organisationen oder andere Initiativen        Qualifizierung in unterschiedlichen Ar-    Verkehrssicherheit durch die Polizei
gespendet werden, die gebrauchte              beitsbereichen wie Verkauf, Verwaltung,    geprüft und durch Vergabe einer Prüf-
Geräte und Gegenstände entweder               Transport, Lagerhaltung und Reparatur      plakette bescheinigt. Fahrräder wie auch
weiterverkaufen oder sie zerlegen und         an.
die Rohstoffe dem Wirtschaftskreislauf        L angzeitarbeits-
zur Wiederverwertung zuführen.                losen wird so die
                                              Möglichkeit gege-
SIGA-Geschäftsführer Karsten Haake            ben, ihren Lebens-
und Kerstin Sawicki (Assistenz des Vor-       unterhalt unabhän-
standes) erläuterten im Gespräch mit          giger von öffentli-
der ELAN-Redaktion den Auftrag und            cher Unterstützung
die Organisation der 1996 gegründeten         zu bestreiten und
Schaumburger Initiative gegen Arbeits-        dadurch ihr Selbst-
losigkeit eG (SIGA). In Kooperation mit       wertgefühl und ihr
dem Jobcenter wird das Ziel verfolgt,         Selbstbewusstsein
Langzeitarbeitslose, die älter als 50 Jahre   zu stärken.
sind, und Menschen mit gesundheitli-
chen Einschränkungen durch Maßnah-            Bei den angebote-
                                                                       Foto: ©uh

men und Projekte dauerhaft in den Ar-         nen Waren in der
beitsmarkt zu integrieren. Zum Erreichen      „Galerie Vielfalt“
dieses Zieles wurden seit Gründung der        (Stadthagen) und
SIGA insbesondere Projekte im Bereich         im Sozialkaufhaus
des Recycling entwickelt.                     „brauchbar“ (Rinteln u. Stadthagen)        überholte und geprüfte Elektrogeräte
                                              handelt es sich um Spenden. Bevor sie      werden im Ladengeschäft „Lichtblick“
Seit 1999 läuft das Projekt „Sperrmüll-       ins Verkaufsregal kommen, werden sie       in Stadthagen angeboten. (uh)
Recycling - eine Alternative zur Arbeits-     repariert, geprüft und aufgearbeitet.
losigkeit“. Im Restaurationsfachbetrieb       Damit verfolgen die Märkte den Recy-
„Antik-Möbel-Manufaktur“ werden               clinggedanken, der auf Grund ökologi-
mittlerweile seit 17 Jahren antike Möbel      scher Erwägungen und einer steigenden
restauriert und zum Verkauf angeboten.        Zahl bedürftiger Menschen ein wichtiges
2008 wurde das Projekt „Metallrecy-           Element ihrer Arbeit darstellt.
                                                                                        Foto: ©uh

cling“ gegründet, das die kostenfreie
Abholung von Metallgegenständen               Zum Bereich Metallrecycling gehört ein
anbietet. Die wertvollen Rohstoffe wer-       Lager mit integrierter Reparaturwerk-
den nach ihrer sortenreinen Sortierung        statt. Die Fahrradwerkstatt ist diesem

Siga                                                                                                                         9
ELAN ...und siehe es WAR sehr gut! - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe
You ` re welcome! – Du bist willkommen

                                                    Gemeinsam mit ihrer Tochter erkun-            sie überall mit hin. „Das nenne ich mal
                                                    dete sie das Land und Leben in Ghana          Mutter-Kind-Bindung!“
                                                    fernab von Touristenburgen. Besonders         Ghana ist laut, chaotisch, freundlich,
                                                    eindrucksvoll und für Europäer unvor-         voller Musik, hat eigene Verkehrsregeln,
                                                    stellbar ist das oberirdisch verlaufende      kaum Unfälle, obwohl ab und an mal
                                                    Abwassersystem. Eine offene Kanalisa-         Hühner oder Ziegen auf der Straße lau-
                                                    tion, die durch die Gassen und Straßen        fen. Ampeln sieht man nur selten. Aber
                                                    läuft. Überall liegt Plastik herum. Müll      es funktioniert!
                                                    findet man öfters und wird an jeder
                                                    denkbaren Stelle verbrannt. Verbrannt         Je mehr sie sich auf das Land eingelassen
                                                    riecht es überall. Daran gewöhnte sie         habe, ihre eigenen Bedürfnisse hinten
                                                    sich aber schnell. Es gehört zum Leben        anstellte, je mehr habe sie die unbe-
                                                    dazu. Unklar blieb ihr, ob es überhaupt       schreibliche Faszination des Landes lieb
                                                    eine Müllabfuhr gibt. Alles hat dort seine    gewonnen. Nach vielen Besuchen und
                                                    eigenen Regeln.                               Exkursionen schaute sie mit Bewunde-
                                                    Die Städte in Ghana sind nicht vergleich-     rung den Fischern zu, die stundenlang
                                                    bar mit deutschen Städten, dennoch ist        die Netze in Handarbeit aus dem Meer
                                                    das Land nicht arm. Eigentlich ist alles      einholten. Zeit und Raum völlig anders,
                                                    vorhanden, nur die Mentalität und die         aber toll!!
                                                    Kultur sind eine andere. Man lebt und         Auch der kirchliche Aspekt und der
                                                    arbeitet, um sich und vor allem seiner        Glaube habe in Ghana einen sehr hohen
                                                    Familie ein gesichertes Leben zu gewähr-      Stellenwert. So ist es z. B. üblich, wenn
                                                    leisten. Bildung spielt auch dort eine        man das gängige Fortbewegungsmittel
                                                    große Rolle. Auch der teilweise schlechte     „Tro-Tro“ (eine Art marodes Sammeltaxi,
                                                    gesundheitliche Aspekt ist nicht zu un-       Bulli) nutzt, dass sich ein Prediger in den
                                                    terschätzen. Frau Korte kann die Menge
                                                    der Eindrücke gar nicht in Worte fassen,
                                                    welche sie alle mit nach Deutschland
                                                    zurück gebracht hat. Für sie war jeder
                                                    Tag ein großes Abenteuer.
                                    Foto: ©privat

E
                                                    Beim Fußweg durch die Gassen fiel ihr
                                                    auf, dass es keine Hausnummern gibt.
      inmal raus aus dem Alltag und                 Aber dennoch findet man das Ziel, das
      einen anderen Kontinent besu-                 man erreichen möchte. Als Europäerin
      chen? Für Andrea Korte ging es                wurde sie immer sehr freundlich und mit
im Februar 2019 nach Ghana, wo sie                  offenen Armen empfangen. „Die Gast-
ihre Tochter (wir berichteten bereits               freundschaft, trotz manchmal sozialer
darüber) besuchte.                                  Nöte, ist für mich unglaublich herzlich
                                                    und beeindruckend gewesen.“ Einen
Am Flughafen in Accra angekommen                    Satz, den sie ganz oft hörte, vermisst und
gab es gleich den Klima- und Kultur-                liebt sie jetzt: „You´re welcome! – Du bist
schock. Ihr Eindruck von ökologischer               willkommen“.
Lebensweise war erstmal verflogen.                  Eigentlich hatte sie Angst vor der Fremde,
Die ersten Minuten auf fremden Boden                den fremden Menschen, deren Ritualen
ließen nur den einen Gedanken zu: „Hier             und der fremden Sprache. Doch ganz im
ist alles ganz anders!“                             Gegenteil sei es für sie gewesen. Sie sei
                                                    von Ankunft an ein Teil der Gemeinschaft
Menschen, lautes Gerede, Tiere auf den              gewesen. Besonders spiele der familiäre,
Straßen und Autos, die in Deutschland               respektvolle und freundliche Umgang
nicht mehr als fahrtauglich gelten wür-             untereinander eine ganz große Rolle in
den. Hier enden also u. a. unsere alten             Ghana. Egal welcher sozialen „Schicht“
Autos mit grüner Plakette? Allein die               man angehöre. Sie habe sehr schnell
vielen neuen Gerüche bescherten einen               das Gefühl gehabt, unter dem Schutz
Sinnesrausch. Ob sie damit zwei Wochen              der Einheimischen zu stehen. Mütter
                                                                                                                                         Foto: ©privat

klarkommen würde?                                   mit Kinderwagen würde man dort fast
                                                    nie sehen. Die Mütter tragen ihre Babys
                                                    und Kleinkinder am Körper und nehmen

 10                                                                                                                                    Ghana
Foto: ©privat
Foto: ©privat

 Bulli setzt, eine Andacht hält und alle ge-
 meinsam singen und beten. Die Abfahrt
 kann sich manchmal schon Stunden hin-
 ziehen, da ein Tro-Tro keine festgelegten
 Abfahrtszeiten hat, sondern erst dann
 losfährt, wenn die letzte Sitzmöglichkeit
 besetzt ist. Für uns hier völlig undenkbar.
 Aber in Ghana ticken die Uhren anders.

 Schnell verging Frau Kortes tropischer
 Aufenthalt in Ghana und bald war sie
 wieder zurück im kalten Deutschland.

 Die Elanredaktion fragte Frau Korte, was
 Ghana jetzt für sie sei.
 „Trotz meiner Bedenken diese Reise
 anzutreten (der Wunsch meiner Tochter
 und der Wille meines Mannes), bin ich
                                               Foto: ©privat

 meiner Familie unendlich dankbar, dass
 ich diese Erfahrungen machen durfte!
 Und jetzt kann ich für mich sagen: Und
 siehe, es war sehr gut für mich. That´s
 Ghana for you!“ (kd)
           Foto: ©privat

 Ghana                                                              11
Bio-Gurken – aber bitte ohne Folie
Schöpfung schützen im Haushalt von Katja Keul

E      ine Tankstelle für ihr Auto hat
       Katja Keul an ihrem Haus instal-
       liert, und natürlich tankt sie mit
ihrem Elektroauto dort Naturstrom.
Wie geht sie, die doch seit 2009 im Bun-
                                             destag gehe. Dort ist sie in ihrer Fraktion
                                             Sprecherin für Abrüstungspolitik. Und
                                             das, sagt Keul, sei auch einer ihrer wich-
                                             tigsten Gründe gewesen, weswegen sie
                                             in die Politik gegangen sei: Die größte
                                                                                           Haus haben, neben dem sie ihr Fahrzeug
                                                                                           abstellen können.
                                                                                           Natürlich versuche sie auch, viele Klei-
                                                                                           nigkeiten zu beachten, die der Umwelt
                                                                                           helfen würden. Das sei aber manchmal
destag als Abgeordnete von Bündnis 90/       Zerstörung von Mensch und Umwelt sei          gar nicht so einfach, bekundet sie und
Die Grünen sitzt, aber ansonsten mit der     für sie der Krieg und dagegen wolle sie       macht es am Beispiel der Gurken fest.
Schöpfung um? Was ist ihr wichtig, wo        politisch handeln.                            Eine Zeitlang habe sie bewusst keine
sieht sie bei sich noch Defizite? Und wo     Die Schöpfung also bewahren, indem            Bio-Gurken gekauft, weil es die nur in
setzt sie ihre Prioritäten beim Umgang       Kriege verhindert werden, das ist eines       Folie eingeschweißt gab. Die Gurken
mit der Schöpfung?                           der großen Ziele im politischen Leben         ohne Folie waren hingegen nicht „Bio“.
                                                                                                               Auf schädliche Ver-
                                                                                                               packungen zu ver-
                                                                                                               zichten sei nicht im-
                                                                                                               mer einfach, sagt
                                                                                                               sie, schon gar nicht
                                                                                                               mit einer großen
                                                                                                               Familie wie ihrer,
                                                                                                               zu der neben ihr
                                                                                                               und ihrem Mann
                                                                                                               noch drei Kinder
                                                                                                               gehören.

                                                                                                                       Ihr persönliches
                                                                                                                       Manko sei im-
                                                                                                                       mer no ch, das s
                                                                                                                       sie eigentlich zu
                                                                                                                       viel Fleisch esse.
                                                                                                                       Sie hält sich aber
                                                                                                                       immerhin zugute,
                                                                                                                       dass sie möglichst
                                                                                                                       an d e r Fl ei s c h -
                                                                                                                       theke und dabei
                                                                                                                       weitestgehend
                                                                                                                       regionale Produk-
                                                                                                                       te kauft. Regional
                                                                                                                       und Bio sind die
                                                                                                                       wichtigsten Stich-
                                                                                                                       worte für sie und
                                                                                                                       das würde sie auch
                                                                                                                       weiterempfehlen,
                                                                                                                       allein schon aus
                                                                                                          Foto: ©ade

                                                                                                                       dem Grund, weil
                                                                                                                       sie die Verbraucher
                                                                                                                       als große politische
                                                                                                                       Macht ansehe.
Das Haus in der Gemeinde Marklohe im         der 49-jährigen Rechtsanwältin. Doch
Landkreis Nienburg, in dem Katja Keul        wie sieht es in anderen Bereichen aus, in     Hinterfragten Verbraucher das, was
mit ihrer Familie lebt, liegt malerisch an   all jenem, was die Schöpfung laut Bibel       sie zum Kauf angeboten bekommen,
einem kleinen Stichweg, der direkt auf       ausmacht? Wie setzt sich Keul in ihrem        genauer und handelten dann noch
die Kirche im Ort zuführt.                   privaten Umfeld damit auseinander?            entsprechend, könne sich eine Menge
Ja, so neben der Kirche und mitten im                                                      ändern – wie im Fall der Bio-Gurken, die
Ort zu leben, das gefalle ihr gut, sagt      Ihre Naturstrom-Tankstelle zeigt sie          jetzt auch ohne Folienverpackung zum
sie. Und fügt sofort hinzu, dass sie kein    gerne und berichtet auch davon, dass          Verkauf ausliegen. (ade)
Mitglied einer Kirchengemeinde sei, sie      ihre Heizungsanlage mittlerweile um-
die Kirchen aber dennoch als einen der       weltfreundlicher sei. Solche Dinge wie
stärksten Bündnispartner ansehe, wenn        die Tankstelle am Haus – das sei doch auf
es um ihre vorrangigen Anliegen im Bun-      dem Land gut möglich, dort, wo viele ein

 12                                                                                                                                   Politik
Energiefressern und Ressourcenkillern
den Garaus machen

D        ie Erneuerung der Kirchenhei-
         zung steht an, auf dem Gemein-
         dehausdach soll eine Photovol-
taikanlage installiert werden, der Wech-
sel zu einem anderen Stromanbieter
                                            an kirchliche Bedürfnisse angepasst und
                                            lässt sich auf die individuellen Bedingun-
                                            gen vor Ort abstimmen. Es regt dazu an,
                                            jeweils eigene Schwerpunkte und Ziele
                                            zu setzen.
                                                                                         Arbeitsfeldern und Lebensbereichen
                                                                                         große ökologische Verbesserungsmög-
                                                                                         lichkeiten stecken.

                                                                                         Kirchliches Umweltmanagement gibt
wird geprüft – Kirchenvorstände sind bei    Der hohe Bestand an zumeist sehr al-         Impulse, motiviert und fördert eine be-
solchen Überlegungen und in noch viel       ten Kirchen, äußerst großen und wenig        teiligungsorientierte Zusammenarbeit.

                                Kirchliches
mehr Angelegenheiten gefordert, nicht
nur nach ökonomischen sondern auch
                                            energieeffizienten Gemeindehäusern
                                            und Pfarrhäusern sowie Einrichtungen
                                                                                         Unabhängig davon, ob jemand im
                                                                                         Kirchenvorstand oder im Gemeindekir-

                                Umweltmanagement
unter ökologischen Gesichtspunkten
Ideen zu entwickeln und Entscheidun-
                                            in kirchlicher Trägerschaft wie Kinder-
                                            gärten und Friedhöfen bietet sehr viele
                                                                                         chenrat einen Sitz hat, sollten Fachfrau-
                                                                                         en und –männer aus dem Einzugsgebiet
gen zu treffen.                                                                                 der Kirchengemeinde darum
                                                                                                gebeten werden, ihre Fähigkei-
Auf Dauer sind durch Um-                                                                        ten und Kompetenzen miteinzu-
weltmaßnahmen in vielen                                                                         bringen. Durch Transparenz und
Fällen auch Kosteneinspa-                                                                       Beteiligungsorientierung kann die
rungen zu erzielen. Durch                                                                       Kirchengemeinde belebt werden.
den Einsatz überschaubarer
Finanzmittel können Energie-                                                                   Ähnlich wie es im Baubereich
und Wasserbrauch sowie das                                                                     der Fall ist, könnte man in der
Abfallaufkommen um bis zu                                                                      Kirchengemeinde Umweltbeauf-
30% gesenkt werden. Ange-                                                                      tragte ernennen. Gemeinsam
sichts stetig steigender Kos-                                                                  mit Fachleuten könnten sie eine
ten können auf diese Weise                                                                     kritische Bestandsaufnahme vor-
neue finanzielle Spielräume                                                                    nehmen und damit Energiefresser
eröffnet werden.                                                                               und Ressourcenkiller aufspüren.

Damit einhergehen kann ein                                                                     Hunderte von Kirchengemeinden
erheblicher Imagegewinn                                                                        betreiben schon seit Langem
durch glaubwürdiges Han-                                                                       Energiemanagement. Einige Ge-
deln. Durch die öffentliche                                                                    meinden setzen beim Einlauf an,
Bekannt-machung durchge-                                                                       andere fördern umweltfreund-
führter Maßnahmen mag das                                                                      liche Mobilität oder die Arten-
ein oder andere umgesetzte                                                                     vielfalt auf ihren Flächen. Neben
Projekt zudem seine Nachah-                                                                    einer guten Öffentlichkeitsarbeit
mer finden.                                                                                    ist es wichtig, die gemachten
                                                                                               Erfahrungen auszutauschen und
Bei der Erstellung von „Män-                                                                   nach Möglichkeiten der Koope-
gellisten“ und der Planung                                                                     ration bei Umweltschutzmaßnah-
und Durchführung von Maß-                                                                      men zu suchen. (uh)
nahmen und Projekten im Bereich             Angriffsflächen für Entwicklungsideen.
Umwelt- und Klimaschutz sind Kirchen-       Ein cleveres Energiemanagement zur
gemeinden und kirchliche Einrichtungen      Vermeidung von Energieverschwen-
nicht sich selbst überlassen. Unter-        dung durch Dämmung und intelligente
schiedliche Initiativen und Einrichtungen   Heizungslösungen (z.B. Einsatz regene-
inner- und außerhalb der Kirche beraten     rativer Energieträger wie Photovoltaik
und unterstützen sehr fachkundig. Das
                                                      Ein Projekt der Evangelischen
                                            oder Einbau von Wärmepumpen) sowie
Bemühen darum, in der Kirche den eige-                Kirche von
                                            ein an Vermeidung       Westfalen
                                                               von Abfall orientier-
nen ethischen Kriterien der „Bewahrung      ter Einsatz von Verbrauchsmaterialien
der Schöpfung“ gerecht zu werden, wird      und natürlichen Ressourcen im kirchen-
damit unterstützt.                          gemeindlichen Alltag ist als Beitrag in
                                            der gegenwärtigen Situation zwingend
Im Raum der Kirche wurde das kirchliche     notwendig.
Umweltmanagementsystem „Grüner
Hahn" bzw. „Grüner Gockel“ entwi-           In einigen unserer Kirchengemeinden
ckelt. Kirchengemeinden und kirchliche      gibt es bereits gute Beispiele. Doch bei
Einrichtungen werden Beratung und           genauem Hinschauen zeigt es sich, dass
Begleitung angeboten. Das System ist        noch in vielen kirchengemeindlichen

Grüner Hahn                                                                                                                  13
Geerntet wird in 190 Jahren

N         achhaltigkeit – was heutzu-
          tage in vielerlei Beziehung und
          gerade dann, wenn es um den
Umgang mit der Schöpfung geht, in aller
Munde ist, haben quasi die Forstbe-
                                            en Vogue ist. Das ist die wirtschaftliche
                                            Seite des Betriebes. Die andere Seite
                                            ist die der Ökologie. Für ihn, sagt Sierk,
                                            sei die Leitung des Betriebes immer ein
                                            Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und
                                                                                               die Ziele des Forstes für die kommenden
                                                                                               zehn Jahre sein?
                                                                                               Zehn Jahre, das ist der Rhythmus, in dem
                                                                                               solche Forsteinrichtungen erstellt wer-
                                                                                               den. Schnelllebig ist das beileibe nicht
triebe erfunden. Sie arbeiten vor diesem    Ökologie. Das eine wie das andere treibt           und so müssen die Ziele mit Bedacht
Hintergrund seit Jahrhunderten, denn        er aktiv voran – ärgert sich aber manches          gewählt werden. Zehn Jahre sind dabei
schließlich wird so manches, was sie        Mal doch über viele Vorschriften, die er           allerdings noch eine sehr kleine Zeit-
heute pflanzen erst Generationen später     beachten muss, gerade weil der Kloster-            spanne. Was heutzutage entschieden
zur Ernte kommen. Entsprechend ver-         forst so schön, so artenreich und auch als         wird, das kommt in manchen Fällen erst
antwortungsvoll gehe er mit „seinem“        Wirtschaftsbetrieb so sehr im Einklang             in 190 Jahren zur Ernte.
Forst um, sagt Karsten Sierk. Seit 1991     mit der Natur sei. Viele FFH-Gebiete –             Die Bilanz, die Böckmann zog, war aus-
ist er Leiter des Forstbetriebes Kloster    rund 80 Prozent der Flächen - gebe es im           nahmslos positiv. Solch ein Forst wie in
Loccum.                                     Klosterforst. Die gute Bewirtschaftung             Loccum, der sei ein echtes Juwel, sagt
                                            seit Jahrhunderten werde quasi damit               er. Eine gute Mischung von Laub- und
                                                                                               Nadelbäumen sei vorhanden, der Zu-
                                                                                               wachs an Holz und auch an der Vielfalt
                                                                                               der Arten deutlich sichtbar, das Alter der
                                                                                               Bäume in gewünschter Ausgewogenheit,
                                                                                               so dass niemals irgendwo ein Kahlschlag
                                                                                               befürchtet werden müsse. Auf den rund
                                                                                               590 Hektar Wald, die das Kloster besitze,
                                                                                               würden nur rund zehn Prozent der Fläche
                                                                                               durch Anpflanzungen aufgeforstet. Der
                                                                                               Rest der Aufforstung geschehe auf natür-
                                                                                               lichem Weg durch Aussamung.
                                                                                               Das alles ist wichtig, trägt zu einem
                                                                                               gesunden Wald bei und das hilft auch
                                                                                               der Fauna. Für Sierk hat die Ökologie
                                                                                               neben dem großen Ganzen aber noch
                                                                                               etliche kleinere Aspekte, die er beach-
                                                                                               tet. Gelegentlich Tot-Holz liegen lassen
                                                                                               ist notwendig – das schafft Lebensraum
                                                                                               für Insekten. Nist- und Höhlenbäume
                                                                                               erkennen und sie stehen lassen eben-
                                                                                  Foto: ©ade

                                                                                               so. An anderen Stellen wünscht er sich
                                                                                               allerdings auch wieder mehr Entge-
                                                                                               genkommen. Wenn etwa die Karpfen-
                                                                                               Teiche, die schon lange nicht mehr als
Eine der ältesten Forsten Deutschlands      gestraft, denn jedes dieser Gebiete                solche genutzt werden und stattdessen
ist es, die Sierk leitet, denn nach der     mache die Bewirtschaftung schwieriger,             zum Lebensraum für allerhand anderes
Stiftung an den Zisterzienser-Orden,        weil es derart viele Verordnungen gebe.            geworden sind, einmal ausgebaggert
die 1163 erfolgte, gab es niemals ei-       Lauscht man Christoph Böckmann,                    werden müssten, um nicht komplett zu
nen Eigentümer-Wechsel. Rund 650            dann macht Sierk seine Sache in jeder              verlanden. „Naturschutz ist manchmal
Hektar Wald gehören in Niedersachsen        Beziehung sehr gut. Böckmann führt ein             ein Käseglocken-Prinzip“, sagt er. Da
dazu, weite Flächen davon direkt um         Beratungsbüro für Forstbetriebe. Für               wäre es schon gut, diese Käseglocke ab
Loccum. Vielfalt zeichnet diesen Wald       das Kloster Loccum hat er in 2017 einen            und zu etwas anzuheben.
aus, das macht schon eine Karte von         Inventur-Bericht fertiggestellt. „Forst-           Was er darüber aber immer im Blick
dem Teilstück, das „Sündern“ genannt        einrichtung“ nennt sich dieser Bericht.            hat, nicht nur als Betriebsleiter im
wird, sehr deutlich. Ein kleinteiliger      Darin enthalten ist der Ist-Zustand des            Klosterforst, sondern auch als Syno-
Flickenteppich aus unterschiedlichen        Waldes. Wie alt sind die Bäume, wie                daler der Landeskirche Hannovers, ist
Baumarten ist darauf deutlich zu er-        hoch, wie dick, in welcher Menge und in            die Verantwortung des Menschen für
kennen. Spaziergängern im Wald gefällt      welchen Arten stehen sie auf den jewei-            die Schöpfung. Für diese und für die
besonders diese Vielfalt und Sierk nennt    ligen Flurstücken? Auf dieser Grundlage            kommenden Generationen. Weswegen
sie seinen „Bauchladen an Baumarten“.       stellt er Vergleiche zu seinen früheren            Nachhaltigkeit ihm wie schon seinen
Ein Pfund, mit dem er wuchern, auf          Loccumer Berichten an. Wie hat sich                Vorgänger ein großes Anliegen ist. (ade)
den Markt reagieren, immer das Holz         der Wald entwickelt? Ist er festgelegten
zur Verfügung haben kann, das gerade        Zielen nähergekommen? Und was sollen

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„Bitte mal die Klappe halten!“

W            as steht nicht alles in Häu-
             sern und Wohnungen,
             wofür jeder von uns keine
Verwendung mehr hat. Oder keinen
Platz. Sperrmüll ist dann eine Möglich-
keit. Flohmärkte eine andere. Gegen
überquellende Bücherregale etablieren
sich hingegen mehr und mehr "Offene
Bücherschränke". Eine Idee vom Ver-
schenken und Geschenkt bekommen
und von Wiederverwertung zur Freude
vieler am Beispiel der Rehburg-Loccu-
mer Bücherschränke.

Kommunikativ wird es an den Bücher-
schränken in Rehburg-Loccum immer,
wenn die Frage lautet: „Können Sie wohl
mal die Klappe halten?“ Das ist dann
keineswegs eine barsche Aufforderung
zur Stille, sondern nur die Bitte, eine
der Klappen aufzuhalten, hinter denen
Bücher in langer Reihe stehen. Romane
und Sachbücher, Kinderbücher, Bildbän-
                                             Foto: ©ade

de, Kochbücher, Reiseführer, Klassiker
von Goethe bis Lenz – die Auswahl ist
groß und dementsprechend groß auch
das Interesse an den Bücherschränken.         Paten auch noch an: Hat jemand viel         „Schätzchen“ oder eben auch dann viel
„Da quietschen manchmal die Reifen“,          mehr Bücher zu Hause, als momentan in       lesen zu können, wenn das Portemon-
sagt einer der ehrenamtlichen Bücher-         die Schränke passen, so holen sie auch      naie nicht dick genug für neue Bücher ist,
schrankpaten und schmunzelt. Wenn er          schon einmal eine Wagenladung ab, die       all das treibt Menschen an die Bücher-
nämlich eine der Klappen am Schrank in        dann in Kellern und Garagen zwischenge-     schränke. Oder einfach nur der Gang mit
Loccum halte, um Ordnung in die Buch-         lagert wird, um später in den Schränken     einem Buch in der Hand zum Schrank,
reihen zu bringen oder die Scheiben zu        zu landen.                                  um ein anderes nach Hause zu tragen.
putzen, beobachte er immer wieder, wie        Mancher, der seinen Haushalt auflösen       Das Geben und Nehmen funktioniert
Autofahrer auf den Schrank reagierten:        wollte und verzweifelt vor einem riesi-     gut, und ist mit den Bücherschränken
neugierig und mit einem spontanen             gen Regal voller Bücher stand, die ihm      ein allzeit verfügbares Angebot. Sieben
Schwenk auf den Marktplatz, um sich           niemand abnehmen wollte, hat so schon       Tage pro Woche rund um die Uhr sind
das Angebot anzusehen. Manches Buch           Hilfe bekommen und sich gefreut, dass       die Bücherschränke schließlich geöffnet.
aus dem Loccumer Schrank gehe so auf          nicht im Container landen musste, woran     Das kann keine Buchhandlung, keine
die Reise, denn wer unter den Buchtiteln      einmal das Herz hing.                       Bücherei leisten. Und: Dort, wo Offene
wählen könne, werde fast immer fündig.        Die Schränke wiederum haben ganz            Bücherschränke stehen, landen nicht
Touristen, die das Kloster besuchen,          unterschiedliche Nutzer. „Ich habe mal      mehr so viele Bücher in Altpapiertonnen.
und natürlich auch die Menschen aus           einen Karl May hier gefunden“, sagt ein     Obwohl auch die Bücherschrankpaten
dem Dorf seien weitere „Kunden“ des           Mann, der an einem Sonntag mit dem          – immer schweren Herzens – manche
Bücherschrankes.                              Fahrrad vor einem Schrank steht. „Viel-     Exemplare dem Altpapier zuführen.
So, wie die Schränke immer gut geleert        leicht habe ich ja noch einmal Glück.“ 20   Zerfledderte Bücher, solche, die nach
werden, so werden sie aber auch immer         Kilometer sei er dafür gerade gefahren,     Monaten noch unberührt im Schrank
wieder mit neuen Büchern gefüttert. Das       ihm war kein Weg zu weit für den Ver-       stehen (Erziehungsratgeber aus den
ist eine andere Beobachtung, die die          such, mehr vom Lieblings-Schriftsteller     1970er Jahren sind ein gerne bemühtes
Bücherschrankpaten oft machen: Men-           zu finden. Zwei kleine Jungen, die platt    Beispiel dafür) bekommen jedoch die
schen, die sich die Satteltaschen an ih-      auf dem Po vor einem Schrank sitzen         Jugendfeuerwehren in Loccum und
rem Fahrrad vollgeladen haben, um ihre        und Bilderbücher anschauen, sind eine       Winzlar geschenkt. Die sammeln Altpa-
aussortierten Bücher hinein zu stellen,       andere Beobachtung. „Ich habe doch          pier, um ihre Jugendarbeit finanzieren zu
die einen Korb voller Bücher über dem         nicht viel Geld“, sagt hingegen eine Frau   können und sind über jedes Kilogramm
Arm tragen oder ein einzelnes Exemplar        schüchtern und bedankt sich für das un-     froh. Dinge weiterverwerten, statt sie
in den Schrank stellen, bevor sie sich auf    eingeschränkte Angebot für alle.            wegzuwerfen, das funktioniert mit den
die Suche nach neuem Lesestoff machen.        Gezielte Suche nach Büchern, spontanes      Offenen Bücherschränken wunderbar.
Und einen weiteren Service bieten die         neugieriges Stöbern, die Freude über ein    (ade)

Bücherschrank                                                                                                                  15
Landwirtschaft
Interview mit Kreislandwirt

W            enn es um den Umwelt-
             schutz geht ist der Berufs-
             stand unserer Landwirte
umstrit ten wie kaum eine andere
Berufsgruppe. Für die einen sind sie
                                             schon eine bedeutende Rolle. Imker
                                             stellen ihre Bienenstöcke gerne in den
                                             Bereich blühender Rapsfelder. Doch für
                                             die Bestäubung zum Beispiel des Rapses
                                             spielen neben den Honig- und Wildbie-
                                                                                        Im Grunde genommen sind in Deutsch-
                                                                                        land ausreichend Flächen vorhanden,
                                                                                        um die Gülle sinnvoll einzusetzen. Der
                                                                                        so genannte Gülletourismus ergibt sich
                                                                                        aus der Notwendigkeit, aus viehstarken
Naturzerstörer – andere sehen in ihnen       nen auch diverse andere Insekten eine      Regionen die Gülle in Ackerregionen zu
Landschaftspfleger. Sie selbst sehen sich    wichtige Rolle.                            bringen.
wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt
und weisen mit gutem Recht darauf hin,       ELAN: Der chemischen Industrie wird        ELAN: Welche Rolle spielen wir Verbrau-
dass sie einen wesentlichen Anteil an        Mitschuld am Rückgang der Artenvielfalt    cher? Was können wir tun?
der Ernährung der Bevölkerung haben.         gegeben. Immer wieder wird der Einsatz     Wilharm-Lohmann: Durch sehr hohe
Veränderungen in der landwirtschaftli-       des Herbizids Glyphosat hart attackiert.   Standards haben wir in Deutschland
chen Nutzung gelten manchen als Ursa-        Wilharm-Lohmann: Wir setzen das            eine sehr gute Lebensmittelsicherheit.
che für den voranschreitenden Verlust        Herbizid Glyphosat vorwiegend ein zur      Natürlich muss sich der Verbraucher
an schützenswerten Lebensräumen und          Vernichtung von Unkraut bevor Mais         fragen, was ihm die Lebensmittel wert
dem damit verbundenen Bestandsrück-          oder Zuckerrüben gepflanzt werden.         sind. „Geiz ist geil“ wird leider auch sehr
gang zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.    Das Saatgut kann so unter minimalster      konsequent beim Kauf von Nahrungsmit-
Über Vorwürfe gegen die Landwirtschaft       Bodenbearbeitung eingebracht werden.       teln angewandt. Der alternative Einkauf
und ihre Haltung zum Schutz der Umwelt       Dies verhindert Erosion und fördert den    beim Direktervermarkter auf dem Wo-
sprachen wir mit Kreislandwirt Dieter        Erhalt der Bodenstruktur. Da vorher        chenmarkt oder im Hof- oder Bioladen
Wilharm-Lohmann.                             aufgebrachtes Glyphosat nicht von den      hat seinen Preis, den sich die Masse der
                                             aufwachsenden Nutzpflanzen aufge-          Verbraucher nicht leisten können oder
ELAN: Wenn es um Umwelt- und Kli-            nommen wird, ist sein Einsatz an dieser    wollen.
maschutz geht, hagelt es immer wieder        Stelle alternativlos.
Vorwürfe gegen die Landwirte. Sind sie                                                  ELAN: Stellt die sogenannte Ökologische
Umwelt- und Landschaftszerstörer?            ELAN: Außer Glyphosat werden aber          Landwirtschaft eine Alternative zur kon-
Wilharm-Lohmann: Nein, auf keinen            noch andere chemische Mittel einge-        ventionellen Produktion dar?
Fall. Jeder, der ein Haus baut, versiegelt   setzt – zum Beispiel zur Pilzbekämpfung.   Wilharm-Lohmann: Die Erträge würden
Flächen. Industrie und Energiewirtschaft     Wilharm-Lohmann: Gegen Pilzbefall          um ca. 40 bis 45 % niedriger ausfallen als
greifen mit dem Abbau von Boden-             setzen wir Fungizide ein. Jedoch ist die   bei konventioneller Bewirtschaftung. In
schätzen massiv in die Landschaft ein.       Konzentration bei Produkten mit ähnli-     der Konsequenz würden mehr landwirt-
Wir Bauern gestalten die Landschaft.         cher Wirkungsweise, die zum Beispiel zur   schaftliche Produkte aus dem Ausland
Wirtschaftliche Gesichtspunkte und           Schimmelbekämpfung im Badezimmer           auf den deutschen Markt kommen.
der Druck zur Produktionssteigerung          eingesetzt werden, wesentlich höher als
führen durch die Bewirtschaftung immer       in der Landwirtschaft.                     ELAN: Welche Bemühungen stellen
größerer Schläge natürlich auch zur Ver-                                                Landwirte von sich aus für den Umwelt-
änderung des Landschaftsbildes.              ELAN: Massentierhaltung wird ange-         schutz an? Früher gab es zum Beispiel
                                             prangert, weil große Mengen an Gülle       mehr Brachflächen.
ELAN: Führt dies denn zum Rückgang           anfallen. Fördert das nicht eine schäd-    Wilharm-Lohmann: Die gesetzlichen
der Population von Insekten und ande-        liche Belastung von Böden und Wasser       Vorgaben für Flächenstilllegungen sind
ren Wildtieren und damit zu weniger          durch eine hohe Stickstoffzufuhr?          verändert worden. Natürlich ist jede
Artenvielfalt?                               Wilharm-Lohmann: In der Vergangenheit      Fläche, die nicht intensiv bewirtschaftet
Wilharm-Lohmann: Das kann man                wurde hier und da häufig über Bedarf       wird, eine gute Alternative für bestimm-
pauschal nicht so sagen. Das müsste          gedüngt. In den Fällen war die absolute    te Arten.
intensiver untersucht werden. Im Ver-        Menge verantwortlich für Probleme.         Zur Förderung vor allem der Artenvielfalt
gleich zu den Ackerflächen bei uns sind      Sie treten auf, wenn die Inhaltsstoffe     unter Insekten sind neue Verordnungen
die bewirtschafteten Flächen in den          in Gülle oder auch Mineraldünger nicht     erlassen worden. Die Blühstreifenver-
ostdeutschen Bundesländern ungleich          vollständig von den Pflanzen aufge-        ordnung sieht die Anlage von Flächen-
größer. Interessant wäre es herauszu-        nommen werden. Das Ausbringen von          streifen nach festen Vorgaben vor. Dies
finden, welche Auswirkungen das auf          Dünger unterliegt strengen Regeln.         bringt nicht nur einen Imagegewinn für
die Tier- und Pflanzenwelt hat.              Die Witterung muss beachtet werden.        die Landwirtschaft mit sich, sondern es
                                             Starke Regengüsse führen dazu, dass        ist auf jeden Fall ein wertvoller Beitrag
ELAN: Ein viel diskutiertes Thema ist die    Nitrat ausgewaschen werden kann und        für Insekten und Wildtiere.
Biene. Muss den Landwirten der Schutz        in das Grundwasser einsickert. Abstände    Selbstverständlich gehört für uns Bauern
der Biene nicht aus eigenem Interesse        zu Gewässern wie zum Beispiel Gräben       zur Aufstellung einer „zukunftsfähigen
am Herzen liegen?                            müssen strikt eingehalten werden. Die      Landwirtschaft“ ein umweltverträglicher
Wilharm-Lohmann: Die Honigbiene              Düngebilanz wird durch Dokumentation       Umgang mit der Landschaft und der
spielt hier in unserer Gegend für uns        nachgewiesen.                              Natur dazu. (uh)

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