ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe

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ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
AUSGABE 3 / 2019
                                                             HERBST

         ELAN
         Evangelisch-Lutherische Ansichten und Nachrichten
          Magazin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe

               g er    junge Erwa
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                         Generation
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My way
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Vorwort
                      Liebe Leserinnen und Leser!

                      Sie halten eine ELAN-Ausgabe mit dem Schwer-
                      punkt Jugend in Händen.
                      Wir haben junge Leute befragt nach ihren Zu-
                      kunftsplänen, nach ihren Erwartungen an Erwach-
                      sene und nach den Gründen für ihr Engagement.
                      Mit Älteren haben wir über ihre Erfahrungen mit
                      jungen Menschen gesprochen. Zudem gibt es
                      Beiträge über digitale Kommunikation und über
                      analoges Miteinander junger Leute.
                      In Beiträgen über Freizeitangebote, Fit-For-Live
                      Kurse, vom KonfiCamp oder über die Interessenver-
                      tretung der Evangelischen Jugend in unserer Kirche
                      möchten wir beispielhaft Einblicke gewähren in
                      aktuelle Angebote für junge Menschen und junges
                      Engagement in unserer Kirche.

                      „Die Jugend ist die Zukunft der Kirche!“

                      Zuerst möchten wir aus Interesse an der Zukunft
                      junger Menschen durch Angebote, besondere
                      Maßnahmen und die Bereitstellung von Räumen
                      einen Beitrag leisten. Ausgehend vom Entwick-
                      lungsprozess „Zukunftskonferenz“ wurden dazu
                      zahlreiche Ideen entwickelt. Einiges davon konnte
                      in unserer Landeskirche in den vergangenen Jahren
                      für die Belange Jugendlicher auf den Weg gebracht
                      und umgesetzt werden. Neue Personalstellen wur-
                      den geschaffen und zusätzliche Finanzmittel für die
                      Durchführung des KonfiCamps oder den Umzug
                      und die Einrichtung des Landesjugendpfarramtes
                      im Jakob-Dammann-Haus in Stadthagen zur Ver-
                      fügung gestellt.

                      Wir wünschen Ihnen, dass Sie der ein oder an-
                      dere Beitrag anregt, sich an die eigene Jugend
                      zu erinnern. Und wir hoffen, dass wir manchen
                      jungen Menschen mit dem Blick durch das ein oder
                      andere Fenster neugierig machen können auf die
                      Möglichkeiten zur Teilnahme und der Teilhabe für
                      Jugendliche in der Kirche.
                      Nicht nur ein Heft über Jugendliche sondern auch
                      für Jugendliche halten Sie in Händen. Deshalb bit-
                      ten wir unsere erwachsenen Leser und Leserinnen
                      darum, diese ELAN-Ausgabe nach dem Durchlesen
                      an junge Menschen weiter zu geben.

                      Ihre ELAN-Redaktion

                      Karin Droste
                      Beate Ney-Janßen
                      Ulrich Hinz
Foto: ©kd

            LKSL.de
                          Ulrich Hinz, Karin Droste – Redaktion ELAN
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Die SIM-Karte meines Lebens

                                         Liebe Leserinnen und Leser!

                                         Wie kann man Welt gewinnen? Wie
                                         fällt einem die Welt zu? Durch gute
                                         Schulnoten, einen super Abschluss,
                                         einen tollen Ausbildungs- oder Stu-
                                         dienplatz, einen angesehenen Job,
                                         viele Freunde, Präsenz in den sozialen
                                         Medien, durch Geld …?
                                         Gewinnt man dadurch die Welt?
Inhalt                                   Vielleicht. Und wenn wir ehrlich sind,
2 Vorwort
3 Die SIM-Karte meines Lebens
                                         müssen wir wohl zugeben, dass uns
4 Neue Lajukam - Interview               diese Dinge auch wichtig sind: gute
5 Soziale Netzwerke                      Leistungen zu bringen, angesehen zu
6 Ein Raum gegen die Stürme des Lebens   sein bei Freunden und Fremden, genug
6 Jugendzentren – wozu überhaupt?        Geld zu haben fürs tägliche Leben und
7 Fit-For-Life
8 Drunter und drüber
                                         für Wünsche und Träume. Messen wir
10 vorbereitet auf das Leben?            uns und andere nicht doch daran?          Weg nach Jerusalem. Er weiß, dass
11 Verantwortung für das Ganze                                                     sein Leben zu Ende geht und zwar
12 Lachen verboten!                      Aber wir merken auch: nicht alles liegt   nicht irgendwann später, so wie wir
13 Fridays for Future                    in unserer Hand. Manchmal kann man
14 Die Angst der Generation D                                                      alle irgendwann sterben, sondern sehr
15 Jugendsprache
                                         noch so viel büffeln und lernen, die      bald schon. Im Angesicht des Todes
16 ELM gibt die Antwort                  guten Noten bleiben aus; man kann         kommen wohl bei uns allen die großen
17 Mein Handy geht hier nicht            sich noch so sehr anstrengen eine         Lebensfragen auf. Wenn wir Abschied
18 Was ich einmal werden will            Lehrstelle oder einen Job zu bekom-       nehmen müssen, dann fragen wir uns:
20 Tauffest beim Konficamp               men, jemand anderes ist besser oder
22 Berufsinformationsmesse                                                         Wie kann es weitergehen? Was macht
24 Zusammen leben lernen
                                         wird bevorzugt; man kann versuchen        uns aus? Was hat Bestand?
25 Posaunenchor Sommerfreizeit           es allen recht zu machen und nieman-
25 Starker Auftritt von „Tür an Tür“     dem weh zu tun und am Ende ist doch       Die SIM-Karte meines Lebens hat Be-
26 Gehst du Schloss Baum!                jemand sauer oder verletzt. So sehr       stand, sie ist das wichtigste! Die Seele
28 Aus der Landeskirche                  wir uns auch bemühen, nicht alles
29 Termine und Veranstaltungen                                                     und alles, was sie beinhaltet. Und das
33 Freud und Leid
                                         haben wir in der Hand.                    kommt nicht von irgendwo. Die Bibel
                                                                                   erzählt, dass Gott den Menschen aus
                                         Was hat ein Mensch denn davon,            Erde geschaffen hat und dann hat er
                                         wenn ihm die ganze Welt zufällt, er       ihm Leben eingehaucht, den Lebensa-
                                         selbst dabei aber seine Seele verliert?   tem. Erst der Atem Gottes macht aus
                                         (Mt 16,26)                                dem Erdklumpen einen Menschen mit
                                         Was ist die Seele? Jemand hat mir mal     Körper und Seele.
                                         gesagt, die Seele sei vergleichbar mit
                                         der SIM-Karte meines Smartphons.          Ich bin dankbar, dass dies so ist! Dank-
                                         Das eine ist die technische Hülle, die    bar für die SIM-Karte meines Lebens,
EL AN                                    SIM-Karte aber füllt mein Handy mit       für meine Seele. Deshalb lasse ich mich
Magazin der Evangelisch-Lutherischen     Leben. Die Seele wäre dann meine          von diesem Satz gerne immer wieder
Landeskirche Schaumburg-Lippe            SIM-Karte für alle Gefühle und Gedan-     daran erinnern, dass es das Wichtigste
-Landeskirchenamt- Pressestelle          ken. Aber auch für meine Beziehungen      ist auf sie aufzupassen, denn ob mir
Bahnhofstraße 6 | 31675 Bückeburg        und meine Geschichte, die mich zu         die Welt zufällt, liegt doch nicht in
Internet: www.LKSL.de                    dem Menschen macht, der ich bin.          meiner Hand.
E-Mail: kontakt@lksl.de
                                         Was hat ein Mensch denn davon,
Verantwortlich: Ulrich Hinz (uh)
                                         wenn ihm die ganze Welt zufällt, er                     Sarah-Madeleine Keller,
Layout/Design, etc.: Karin Droste (kd)
Einband: 2019 © Karin Droste
                                         selbst dabei aber seine Seele verliert?                     Pastorin in Sülbeck
Mitarbeit: Beate Ney-Janßen (ade)        Das fragt Jesus seine Freunde auf dem

*) Name von der Reaktion geändert!
                                         Geistliches Wort                                                              3
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Neue Lajukam-Interview

D        ie Landesjugendkammer
         Schaumburg-Lippe, kurz
         Lajukam, ist eine Gemeinschaft
junger Menschen in unserer Landes-
kirche, die sich zum Evangelium Jesu
                                            Arbeitsgemeinschaft der evangelischen
                                            Jugend Deutschlands, zu vertreten. Dies
                                            geschieht zum Teil in Zusammenarbeit
                                            mit dem Landesjugendpfarramt.
                                             Was muss sich ändern, damit „kirch-
                                                                                       Eine super Möglichkeit ist, wie wir fin-
                                                                                       den, Jugendgottesdienste anzubieten,
                                                                                       die von Jugendlichen für Jugendliche ge-
                                                                                       staltet werden. Bei diesen Gottesdiens-
                                                                                       ten lässt sich sehr gut erkennen, was den
Christi bekennt.                            liche Jugendarbeit“ wieder Aufwind         Jugendlichen wichtig ist, worauf sie Wert
                                            bekommt?                                   legen und was sie eventuell an einem
Die Lajukam bietet all denjenigen, die                                                 eher traditionellen Gottesdienst stört.
sich ehrenamtlich in der Arbeit mit Kin-    Für uns als Lajukam steht der Spaß an
dern und Jugendlichen innerhalb der         der ehrenamtlichen Arbeit an vorder-       Projekte, die wir veranstalten und neu
Landeskirche engagieren, eine Plattform,    ster Stelle. Und genau dieser Spaß,        organisieren wollen
um andere Menschen mit ähnlichem            diese Freude an Gemeinschaft, an ge-
Interesse kennenzulernen, sich unter-       meinsamen Projekten, Aktionen und          Zu unserem Hauptprojekt gehört seit
einander auszutauschen und gemeinsam        allem, was nur denkbar ist, muss bei den   langem die Osternachswanderung. Hier-
an Projekten zu arbeiten.                   Jugendlichen geweckt werden. Dieses        zu treffen wir uns am Abend des Oster-
                                            kann unserer Meinung nach am besten        samstages in einer Kirchengemeinde
Das Gremium besteht aus Delegier-           geschehen, indem die Jugendlichen an       unserer Landeskirche. Vor Ort lernen
ten, die aus ihren Kirchengemeinden         verschiedenen Aktionen teilnehmen. Die     wir uns bei verschiedenen Workshops,
entsandt werden, Vertretern der Kir-        Jugendlichen müssen selbst sehen und       einem kleinen Buffet und Musik etc.
                                                                                       besser kennen. Anschließend kommt
                                                                                       der eigentliche Teil der Osternacht-
                                                                                       wanderung – die Wanderung durch die
                                                                                       Nacht, bei welcher wir mehrere Statio-
                                                                                       nen ablaufen, um den Leidensweg Jesu
                                                                                       gemeinschaftlich zu erleben. Am Zielort
                                                                                       (einer weiteren Kirchengemeinde) ange-
                                                                                       kommen, besuchen wir den Osterfrüh-
                                                                                       gottesdienst und nehmen anschließend
                                                                                       am Osterfrühstück der Gemeinde teil,
                                                                                       womit die Osternachtswanderung offi-
                                                                                       ziell endet.

                                                                                       Zurzeit planen wir eine Art Talentshow,
                                                                                       bei welcher alle Interessierten aus unse-
                                                                                       rer Landeskirche die Chance dazu haben,
                                                                                       ihr individuelles Talent auf die Bühne
                                                                                       zu bringen – ob Musik, Tanz, Gesang
                                                                                       oder Akrobatik – wir freuen uns über
                                                                                       ein buntes und vielfältiges Programm
chenleitung und Mitarbeitern aus dem        vor allem erleben, was für einen Spaß      und hoffen auf eine rege Teilnahme und
Bereich der evangelischen Jugendarbeit.     das Miteinandersein und füreinander        ein volles Publikum, welches die Acts
Zweimal im Jahr kommt die Delegier-         Dasein macht, welche Möglichkeiten es      tatkräftig unterstützt. Zum jetzigen Zeit-
tenversammlung zusammen, um sich            gibt, wenn man sich auf etwas Neues        punkt steht ein genaues Datum jedoch
gegenseitig über die Arbeit in den unter-   einlässt.                                  noch nicht fest.
schiedlichen Gemeinden zu informieren
und gemeinsame Ziele zu verfolgen.          Was gehört zu einer „Kirche für Jugend-    Wenn ihr motiviert seid ehrenamtliche
                                            liche“ dazu?                               Jugendarbeit zu machen oder Lust habt
Gleichzeitig ist die Landesjugendkammer                                                mit uns ein Projekt zu planen, seid ihr bei
auch ein politisches Vertretungsorgan       Für uns gehören vor allem Spaß, Offen-     uns immer willkommen.
aller ehrenamtlich tätigen jungen Men-      heit und Lockerheit mit in eine Kirche
schen in unserer Landeskirche. Sie ist      für Jugendliche. Der Mut Neues auszu-      Euer Vorstand der Lajukam
bestrebt, die verschiedenen Interessen      probieren, die Jugendlichen selbst in
und Bedürfnisse innerhalb und gegen-        die Prozesse miteinzubeziehen, sich an     Für weitere Informationen besucht uns
über den Institutionen der Landeskirche     ihren Interessen zu orientieren, Themen    doch einfach unter: www.lajukam-sl.de
und auf Landes- und Bundesebene, in         aufzugreifen, die für Jugendliche von
der Arbeitsgemeinschaft der Evangeli-       Bedeutung sind.
schen Jugend Niedersachsens und der

  4                                                                                                                       Lajukam
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Soziale Netzwerke

I   n den sozialen Netzwerken gibt es
    viele christliche Seiten und Profile,
    die vor allem bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen gut ankommen.
Warum? Weil sie Themen jenseits des
                                            Auf Instagram und Twitter ist die Nerd-
                                            gemeinde ebenfalls verbunden.

                                            Kreativposten Instagram
                                            Auf Instagram machen immer mehr User
                                                                                        Markusevangelium. Außerdem eint den
                                                                                        Hamburger und den Brandenburger die
                                                                                        Liebe zum gepflegten Bart – Pflegetipps
                                                                                        sind inklusive.

Mainstreams behandeln. Und weil sie         beim #Bibelteilen mit. Drei Fotos, Zwei     Folgeempfehlung für @seeligkeitsdinge
von echten Menschen gepflegt und            Sätze, ein Bibelwort. Den Startschuss       Mitten aus dem Leben schreibt auch @
nicht von Agenturen bespielt werden.        dazu hat Tobias Sauer im Netzwerk           Seeligkeitsdinge auf Instagram. Josephi-
                                            ruach.jetzt gegeben. Für alle Kreativen     ne ist Pastorin in der Nordkirche. Mit
Twitch: Der bärtige Kirchendude             ist @herzstärkend ein Tipp. Bibellesen      4600 Followern ist sie zwar weit vom
Er ist wohl einer der ungewöhnlichsten      und Handlettering – das geht dort zu-       offiziellen Insta-Influencer entfernt.
Theologen, den die Kirchen zu bieten        sammen. Immer wieder gibt es hübsche        Und doch erreicht sie vor allem junge
haben. Der bärtige Kirchendude. Auf         Ideen für Übersichten, Tracker und an-      Frauen mit ihren regelmäßigen Postings
Twitch.tv streamt er seine Videospiele.     dere christliche Vorlagen für das eigene    und Stories.
Im Moment bereitet er sich auf #Mis-        Bullet Journal.
sionLuna vor. Der Kirchendude ist
nicht nur Rollenspieler und Twitch-
Streamer sondern auch Influencer
für Gott – sagt Hanno Rother über
sich selbst. Der katholischer Priester
leitet die Jugendburg Gemen, eine
Jugendbildungsstätte der Kirche von
Münster. Der 37-Jährige ist Gamer
und Geistlicher in Personalunion.
Auf YouTube stellt er seine Streams
in ein Archiv. Auf Twitter, facebook
und instagram ist Hanno Rother als
Kirchendude unterwegs.

YouTube: Tatsächlich Pastor
Micha Steinbrück ist tatsächlich
Pastor. Auf YouTube ist der Internet-
Pastor der Landeskirche Hannovers
mit einem Hybrid eines Vlogs und
Let’s-Play-Kanals unterwegs. Er spielt
Videospiele und erzählt währenddes-
sen darüber, welche Bezüge ihm dort
zu religiösen Themen auffallen. In Mi-
necraft hat er gerade begonnen, eine
#digitaleKirche zu bauen. pastor.di-
                                            Foto: © il
gital dreht die Themen Serien, Filmen
und Gamings auf einem evangelischen
Blog weiter. Micha Steinbruck twittert                                                  #dnkgtt
als @dreihaender unter anderem zu           YouTube: Frag den Pastor                    #dnkgtt ist der Hashtag für Danke Gott
#gaming / #VR / #Serien / #digitaleKirche   Pastor Gunnar Engel erklärt in seinen       und eine ziemlich einfache Möglichkeit,
                                            YouTube-Videos “Frag den Pastor” jede       in den sozialen Netzwerken dem eigenen
YouTube, Instagram, Twitter: Die Nerd-      Menge über die Bibel, die Kirche und        Glauben Ausdruck zu verleihen.
gemeinde                                    den Glauben und berichtet aus seinem                                 Ines Langhorst
Als Sammelbecken für alle Nerds ver-        Leben als Pastor. Auf seinem Blog pas-
steht sich die Nerdgemeinde auf YouTu-      torgunnar.de gibt es außerdem Podcasts,
be. Experimentieren, spielen, rumner-       Predigten und immer wieder neue Anre-
den, glauben - all das passiert in den      gungen zum #Bibellesen.
Videos von und mit Wolfgang Loest,
Pastor der Lippischen Landeskirche. Er      Offenbart: Der bärtigste Biblecast im
hat all die im Blick, die mit Mainstream    Web
nicht besonders viel anfangen können        Einzigartig ist der Offenbart-Cast. Lukas
und sich im Besonderen zuhause fühlen:      Klette und Simon Mallow lesen sich in
Cosplayer, Gamer, SciFi, Fantasy, Comic.    ihrem Podcast Stück für Stück durch das

Netzwerke                                                                                                                   5
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Ein Raum gegen die Stürme des Lebens
Jugendzentren – wozu überhaupt?

Z         eit haben und
          Zeit geben – das
          sieht Thomas
Rathmann als seine
vorrangige Aufgabe an,
wenn er die Jugendzen-
tren in Sachsenhagen
und Hagenburg für Kin-
der und Ju gendlic he
öffnet. Zeit und einen
R aum anb i e ten, d en
die Besucher sich nach
ihren eigenen Wünschen
gestalten und in dem sie
gemeinsam manches tun
können, was an anderen
Stellen nicht immer mög-
lich ist.

Vor nicht gar so langer
Zeit wurden in dem Ju-
gendzentrum in Hagen-
burg noch Bankgeschäfte
abgewickelt. Manchmal,                                                                                                  Foto: ©ade
sagt Rathmann, würden
deshalb Bankkunden im                       gerne und ziemlich regelmäßig zu den         solchen Fahrten – auch als Fahrer für die
Eingang stehen und leicht verwirrt          Offenen Türen. Das andere, was er mag,       Jugendliche fungieren können.
dreinschauen – wo ist der Schalter und      ist die Auswahl, die sich ihm dort bietet.
weshalb wuseln hier so viele Jugendliche    Gemeinsam Computerspiele spielen ist         Demnächst, meint Rathmann, werde das
herum? Das große Schild, das auf die        eine Sache – im Keller sind aber noch        einfacher. Momentan baut er auf Teamer
neue Nutzung der Räume in Hagenburgs        allerhand andere Möglichkeiten. Eine         aus Sachsenhagen, die der vorhergehen-
Zentrum hinweist, fehlt noch. Andere        Tischtennisplatte etwa, und eben die         de Jugendpfleger dort noch ausgebildet
Dinge waren zunächst wichtiger.             Anlage, auf der sie die Musik auflegen       und in die Arbeit integriert hat. Jetzt sind
                                            können, die ihnen gefällt.                   aber auch schon die ersten Jugendlichen
Wichtiger war es, die Räume im Erdge-       Ihnen diesen Raum und diese Möglich-         aus Hagenburg soweit, dass sie eine
schoss und im Keller so einzurichten,       keiten zu geben ist das eine, was Thomas     Juleica-Ausbildung machen können.
dass Jugendliche sich wohlfühlen. Das       Rathmann als Jugendpfleger zur Verfü-
scheint gelungen, denn schon einige Mi-     gung stellt.                                 Dass er selbst bei den Offenen Türen und
nuten vor der eigentlichen Öffnungszeit     Zwei Standorte hat er dafür: einen in        anderen Angeboten nicht der städtische
schlendern die ersten Besucher herein       Hagenburg, einen weiteren in Sachsen-        „Aufseher“ ist, versteht sich für ihn von
und gehen so selbstverständlich in diese    hagen. An jedem Standort bietet er die       selbst. Es gehe schließlich nicht darum,
oder jene Ecke, als ob sie hier zu Hause    Offene Tür an zwei Tagen pro Woche an        erwachsenes Personal vorzuhalten, das
wären. Die Couch im Erdgeschoss ist         und dann sollen die Jugendlichen tun,        die Jugendlichen zur Raison bringe, son-
schnell besetzt, der Bildschirm flimmert    was ihnen gefällt – sofern sie einige we-    dern vielmehr darum, einen Gesprächs-
und drei Jungen zocken gemeinsam.           nige Regeln beachten, die sie gemeinsam      partner anzubieten, der für sie da ist,
                                            aufgestellt haben.                           wenn sie jemanden brauchen. Dafür,
Freunde treffen, wenn sonst im Ort                                                       sagt Rathmann, sei es notwendig, Zeit
nichts los ist, nennt der 14-jährige Vin-   Der gelernte Erzieher und Gemeinde-          zu haben und den Jugendlichen Zeit zu
cent als einen Grund, weshalb er ins        Diakon macht das jetzt seit zwei Jahren      lassen. Und das könne schon einmal so
Jugendzentrum kommt. Klasse findet          und würde seine Angebote gerne noch          sein, dass er eine Stunde lang mit einem
er auch, dass sie hier einen trockenen      erweitern. Einmal im Monat lädt er           seiner jugendlichen Besucher wortlos
Unterschlupf haben an stürmischen           jetzt schon ein, an einem Samstag einen      zockt, bis der anfängt, von dem zu er-
und regnerischen Tagen. Hier, sagt er,      gemeinsamen Ausflug zu machen. Eine          zählen, wo ihn der Schuh drückt. Auch
können sie die Musik gerne auch mal         der jüngsten Aktionen war eine Fahrt         wenn das manchmal dazu führt, dass
laut aufdrehen – das ist nicht in jedem     zur Gamescom in Köln. Das funktioniert       die Jugendlichen ihn erstaunt fragen, ob
Elternhaus ohne weiteres immer mög-         allerdings nur, wenn er auf ehrenamtli-      er denn tatsächlich fürs Zocken bezahlt
lich. Seit fünf Jahren schon kommt er       che Teamer bauen kann, die – wie bei         werde. (ade)

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ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Fit-For-Life

„      Fit-For-Life ist das perfekte Ange-
       bot für die Zeit nach der Kon-
       firmation.“ Dies sagen sowohl
Teilnehmende als auch Mitarbeitende.
                                             Daher sind auch die, nach erfolgreichem
                                             Abschluss, erhaltenen Zertifikate für
                                             den beginnenden beruflichen oder stu-
                                             dentischen Weg von Bedeutung. Mit 16
                                                                                          Teamkompetenz
                                                                                          Herausforderungen im Team meistern,
                                                                                          sich in der Gruppe ausdrücken, Spannun-
                                                                                          gen und Konflikte erkennen und lösen.
Warum? Eine begeisterte Jugendliche          Jahren dürfen die Jugendlichen sogar die     Organisation & Recht
äußerte sich so: „Ich finde, dass der Fit-   Jugendleiterkarte beantragen.                Die rechtlichen, organisatorischen und
For-Life-Kurs interessant und spannend       Im Fit-For-Life-Kurs geschieht die Wis-      finanziellen Seiten der Jugendarbeit
ist, da man viel Neues lernen kann und       sensvermittlung als organisierter Bil-       kennen lernen.
gemeinsame Erfahrungen macht. Dazu           dungsprozess, der aber durch „Learning-      Highlights
kommt, dass man das alles mit seinen         By-Doing-Prozesse“ ergänzt wird. Die         Jugendfreizeiten erleben, Ausflüge unter-
Freunden machen kann!“                       Lebensentwürfe derer, die gemeinsam          nehmen, TeamerIn auf dem Konfi Camp
Aber was ist Fit-For-Life eigentlich, und    im Fit-For-Life-Kurs sind, führen in die     oder Konfi-Pate werden, besondere Akti-
was macht den Reiz an Fit-For-Life aus?      Reflexion. Die erlebte Auseinanderset-       onen wahrnehmen oder mit organisieren.
Vor über 10 Jahren startete der erste        zung mit dem Glauben ermöglicht eine
Fit-For-Life-Kurs in der St.-Martini Ge-     andere Sicht auf die Welt und deren          Aktuell bietet unsere Landeskirche vier
meinde Stadthagen und ist dort heute         Mitmenschen. Fit-For-Life bildet ganz-                 Fit-For-Life-Kurse, in den Ge-
nicht mehr wegzudenken. Fit-For-Life         heitlich!                                               meinden Meerbeck, Mein-
nimmt die Interessen und Wünsche Ju-                                                                  sen, Pollhagen und Stadtha-
gendlicher auf, sich zu engagieren und                                                                 gen, an. Geleitet werden sie
Verantwortung zu                                                                                       von Pastor Jörg Böversen,
                                                                                                        Regionaldiakonin Amelie-
                                                                                                        Katharine Schmidt und
                                                                                                         Regionaldiakon Lukas Voll-
                                                                                                         hardt. In Kooperation mit
                                                                                                          ehrenamtlichen Mitar-
                                                                                                          beitenden wird das Pro-
                                                                                                           gramm kontinuierlich
                                                                                                            verbessert und weiter-
                                                                                                            entwickelt.

                                                                                                                 Mit Beginn eines neu-
                                                                                                                 en Schuljahres star-
                                                                                                                 ten auch die neuen
                                                                                                                  Fit-For-Life Kurse,
                                                                                                        ©p rivat  welche neben
                                                                                                  Foto:
                                                                                                                   Hauptamtlichen
                                                                                                               von bereits geschulten
                                                                                          TeamerInnen aus der Jugendarbeit be-
                                                                                          gleitet werden. Wir freuen uns sehr, die
                                                                                          Jugendarbeit auf diesem Wege weiter vo-
                                             Hier ein kurzer Blick in die Kursinhalte:    ranzubringen, junge Menschen zu fördern
                    übernehmen. Neben        Persönlichkeitstraining                      und zu begleiten. Auch in diesem Jahr sind
  der, für Jugendliche, als lang empfun-     Die eigene Person, Stärken und Schwä-        wir gespannt, welche unterschiedlichen
denen Schulphase, in der sie oft wenig       chen kennen lernen, Interessen und           Persönlichkeiten und Begabungen sich in
Verantwortung übernehmen dürfen,             Zukunftspläne abklären.                      den Fit-For-Life-Kursen zeigen werden.
bietet christliche Jugendarbeit den          Glaube live
Raum, sich ganz neu auszuprobieren           Über Basics des christlichen Glaubens                          Jörg Böversen, Pastor und
und damit die Erfahrung „Ich werde an-       diskutieren, Christen auf den Zahn fühlen,                   Amelie-Katharine Schmidt,
genommen und kann etwas beitragen“.          Zweifel und Fragen loswerden.                                           Regionaldiakonin
Dieser Prozess wird durch die Fit-For-       Action
Life-Kurse unterstützt. Im Zentrum des       In Outdoor-Aktionen üben wir Mut und
Fit-For-Life-Konzepts steht nicht aus-       gegenseitiges Vertrauen.
schließlich die Vermittlung von Fachwis-     Praxis-Projekte
sen. Es ist vielmehr ein Lebens-Coaching,    In der Gruppe einen Jugendgottesdienst
das mit zahlreichen alternativen und         organisieren, neue Möglichkeiten von
praxisnahen Methoden die Glaubens-           Jugendarbeit kennen lernen, ein Projekt
und Persönlichkeitsentwicklung der           oder eine Gruppenstunde vorbereiten
Teilnehmenden schult.                        und durchführen.

FitForLife                                                                                                                        7
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Drunter und drüber im organisierten Chaos
Das Kreativ-Projekt Kliemannsland hat zahlreiche Fans – und viele machen mit

D        er offizielle Trailer vom Klie-
         mannsland auf YouTube reicht
         nah an 800.000 Aufrufe heran,
insgesamt liegt die Anzahl der Auf-
rufe aller Clips bei rund 90 Millionen.
                                            gelandet, sagt Helen Bollensdorff. Die
                                            28-Jährige gehört zum Redaktions-Team
                                            im Kliemannsland und ist eine von sechs
                                            festen Bewohnern des Hofes. Vorher hat
                                            sie Kommunikationswissenschaften und
                                                                                       bastelt dort oft an diesem und jenem
                                                                                       herum, beweist eindrücklich, wie wenig
                                                                                       Ahnung er von vielem hat, wie viel sich
                                                                                       aber auch aus allem möglichen zimmern
                                                                                       lässt. Die Tische und Bänke auf dem
Über einen Mangel an Aufmerksamkeit         Germanistik studiert, hat zufällig einen   Streifen zwischen Café und Straße sind
müssen sich die Leute dort also nicht       Clip vom Kliemannsland gesehen, ist zu     nur ein winziges Beispiel dafür. Dass die
beklagen. „Mein Leben ist perfekt“, sagt    einem Besuch zum Weihnachtsmarkt           eine oder andere Tischplatte aus einer al-
Fynn Kliemann, Namensgeber dieses           dorthin gefahren, hat sich dann um ein     ten Stalltür gebaut wurde, ist ihr deutlich
Projektes, das vor Kreativität, Spaß und    Redaktions-Praktikum beworben – und        anzusehen, und macht einen großen Teil
                                                                                                          des Charmes und der
                                                                                                          Anzieh-ungskraft des
                                                                                                          Kliemannslandes aus.
                                                                                                          Wer hierher kommt,
                                                                                                          will nichts Perfektes
                                                                                                          vorfinden, sondern
                                                                                                          etwas Kreatives ma-
                                                                                                          chen, oder es zumin-
                                                                                                          dest erleben.
                                                                                                          Denjenigen, die selbst
                                                                                                          mitmachen wollen,
                                                                                                          wird eine breite
                                                                                                          Plattform geboten.
                                                                                                          Als Bürger des Klie-
                                                                                                          mannslandes können
                                                                                                          sie sich auf dessen
                                                                                                          Website anmelden
                                                                                                          – und sich dann in
                                                                                                          allerhand Entschei-
                                                                                                          dungen über künftige
                                                                                                          Projekte einbringen
                                                                                                          oder sich auch selbst
                                                                                                          bewerben für eine
                                                                                                          kreative Woche mit
                                                                                                          einem konkreten Pro-
                                                                                                          jekt. Handwerker sind
                                                                                                          dort besonders gerne
                                                                                                          gesehen. Die bringen
                                                                                                          schließlich Erfahrung
                                                                                          Foto: ©ade      mit und können solche
                                                                                                          wie Fynn Kliemann
                                                                                                          noch manches lehren.
Malheuren nur so strotzt, zum Ende          zugeschlagen, als ihr danach ein fester    Miesepetrig sollten diejenigen allerdings
des Trailers, während er sich über das      Arbeitsplatz angeboten wurde. Womit        nicht sein, sondern vielmehr bereit, auch
Lenkrad eines Treckers beugt und das        das wirtschaftliche Konzept des Klie-      den einen oder anderen derben Scherz
scheinen auch die anderen Menschen          mannslandes schon ein wenig erklärt        über sich ergehen zu lassen. Aber auch
auf dem Hof so zu empfinden. Was aber       wird: Keine Kommune, die hippiemäßig       wenn der Ton rau erscheint, bleibt er
ist dieses Kliemannsland, das in tiefster   versucht, sich selbst zu versorgen, son-   doch immer freundlich. Im Gegenzug
Provinz nahe dem Städtchen Zeven vor        dern ein Projekt, das von Leuten am        dürfen die Helfer ebenfalls austeilen
rund drei Jahren damit begann, von sich     Leben gehalten wird, die durchaus Geld     und wer als solcher ins Kliemannsland
reden zu machen?                            für ihre Arbeit bekommen, denn die         kommt, darf außerdem dort wohnen.
                                            Webserie wird von „funk“ mitfinanziert,    Eine kleine Wohn- und Bauwagenland-
Weit oben, auf einem der Schornsteine       einem Online-Medienangebot von ARD         schaft steht auf einer Ecke des Hofes
auf dem Hof, steht ein rosa lackierter      und ZDF. Wöchentlich können sich Fans      und bekommt immer wieder neue Be-
Rasenmäher. Nur so, weil irgendjemand       so darauf verlassen, dass sie zumindest    wohner. Einige der Wagen waren selbst
mal meinte, der Schornstein müsse ver-      einen neuen Clip zu sehen bekommen.        einmal Projekt wie der, der stark an den
schönert werden, und weil der Rasenmä-      Diese Clips sind in erster Linie schräg.   „Löwenzahn“Bauwagen von Peter Lustig
her ohnehin nicht mehr lief, sei er dort    Fynn Kliemann als „Heimwerkerkönig“        erinnert mit einer Wendeltreppe, die

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ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
sich an einer Seite bis aufs Dach herauf-   über den Hof, die von Mitarbeitern und     möglichkeiten. Ein Fahrrad hängt über
schraubt, um in eine luftige Terrasse zu    Helfern an den Wochenenden angebo-         dem Garten-Eingang, die angrenzenden
münden. Aktuell steht der Ausbau des        ten werden. Wer gerade Zeit hat, über-     Wände sind mit Graffitis übersät – und
hauseigenen Badesees auf dem Pro-           nimmt dann die neugierigen Gruppen,        es geht bestimmt noch mehr.
gramm. Um sicher zu gehen, dass die         denn geordnete Bahnen muss schließlich
tiefe Kuhle nicht etwa ausgehoben wird,     auch das Chaos haben. Diese Besucher       Das sind weitere Aspekte im Kliemanns-
um anschließend mitansehen zu müssen,       können sich dann auch im hofeigenen        land: Wer künstlerisch arbeiten will,
dass das Wasser in sandigen Schichten       Café bedienen lassen, in dem unter         kann sich anmelden. Ein alter Hühner-
versickert, holt das Team sich dann auch    anderem Produkte aus dem eigenen           stall ist mittlerweile zum Atelier umge-
schon mal einen Fachmann, der im Vor-       Garten angeboten werden.                   baut worden und auch ein Ton-Studio
feld sein geschultes Auge darauf lenkt.                                                steht zur Verfügung. Auf dem Hof gibt
Das Verdeck eines Rettungsbootes, das       Für den Garten ist Jonas Pfeifer zu-       es dann manchmal Konzerte, Kunst steht
einem U-Boot nicht unähnlich ist, wartet    ständig – gelernter Gemüsegärtner,         an allen Ecken und Enden herum. Es ist
schon darauf, in dem See versenkt zu        seit zweieinhalb Jahren als solcher        immer etwas los im Kliemannsland. Der
werden, um spannenden Tauchgängen           dort angestellt und in so manchen der      Kreativität und dem Projekt-Charakter
zu dienen.                                  Kliemannsland-Clips in Hauptrollen zu      scheint es unterdessen nicht zu scha-
                                            sehen. Jonas mochte den Stil von Fynn      den, dass dieses Land, dieser Hof auch

                                                                                                                  Foto: ©ade

„Irgendwie ist alles organisiert, obwohl    Kliemann, fand es gut, dass das Projekt    wirtschaftlich arbeiten müssen. Immer
alles drunter und drüber geht“, be-         ein bisschen verrückt ist und war nach     intensiver und immer langfristiger werde
schreibt Helen das, was sich auf dem Hof    einer Europareise gerade auf Arbeitssu-    das, was sich dort entwickle, sagt Jonas –
und damit auch in ihrem Leben abspielt.     che. So kam er zum neuen Job.              und fügt breit grinsend hinzu: „Wir sind
2016 hat dieses Drunter und Drüber          Den Garten, den er angelegt hat und        immer noch verrückt genug, um nicht
begonnen und ist schnell immer größer,      in dem er immer Neues ausprobiert,         kommerziell zu sein.“
in vielen Bereichen auch professioneller    zeigt er mit einer gehörigen Portion       Wer einen Eindruck vom Kliemannsland
geworden. Mittlerweile kann beispiels-      Besitzerstolz, erzählt von dem Tee-Beet,   bekommen möchte, kann das Café (Ei-
weise nicht mehr jeder jederzeit einfach    das er noch anlegen will, von den Inka-    chenstraße 14 | 27404 Elsdorf/OT Rüs-
auf den Hof gehen. Mit zunehmender          Gurken, die nicht wirtschaftlich sind,     pel) dort an den Wochenenden von 12
Bekanntheit wurde das einfach zu viel       die er hier aber anbauen darf, berichtet   bis 17 Uhr besuchen. Oder unter www.
und wenn an Drehtagen mal eben 20           von den ersten Erdnüssen aus eigener       kliemannsland.de wie auch auf YouTube
Leute im Hintergrund stehen und einfach     Ernte und bietet mit „seinem“ Garten       viele amüsante Stunden mit den Video-
nur zuschauen möchten, wird es schwie-      auch den Künstlern unter den Gästen im     Clips verbringen. (ade)
rig. Der Kompromiss sind Führungen          Kliemannsland manche Verwirklichungs-

Kliemannsland                                                                                                                  9
ELAN - Heranwachsende junge Erwachsene Generation D - Landeskirche Schaumburg-Lippe
Was hat mich im Laufe meines jungen Lebens
geprägt bzw. vorbereitet auf das Leben?

W            er hat mich in den wenigen
             Jahren meines noch sehr
             jungen Lebens geprägt?
Wenn ich mir diese Frage stelle, kom-
men mir unendlich viele Erinnerun-
                                            habe, etwas abzugucken und von ihr
                                            zu lernen, was mich wirklich in meiner
                                            Persönlichkeitsentwicklung und in der
                                            Schule effektiv weitergebracht hat.
                                            Aber nicht nur meine Freunde, sondern
                                                                                         nur ermutigen, sich genauso für diese
                                                                                         Menschen einzusetzen!

                                                                                         Aber nicht nur Menschen haben mich
                                                                                         geprägt, sondern auch Erlebnisse. Be-
gen, Erlebnisse, aber auch Menschen         auch meine Turn- und Taekwondo-Trai-         sonders ein Erlebnis, ein mehrwöchiger
gedanklich in den Kopf, so als wolle er     ner haben mich geprägt. Sie haben mich       Krankenhausaufenthalt mit nur 15 Jah-
mir sagen: „Dich hat irgendwie alles        motiviert immer weiter zu trainieren und     ren, hat mich stark geprägt. In dieser
geprägt.“                                   das zu erreichen, was ich wollte – bis ich   Zeit ging es mir unbeschreiblich schlecht.
                                            schließlich meinen schwarzen Gürtel im       Trotz mehrerer Mitpatienten, die auch
Ich würde wirklich von mir behaupten,       Taekwondo und meinen Übungsleiter-           ungefähr in meinem Alter waren, habe
dass ich nach 19 Lebensjahren wirklich      schein im Turnen in der Hand hielt. Auf      ich mich sehr alleine gefühlt. Ich hatte
viel erlebt habe und miterleben musste      eine ganz andere Weise haben                 das Gefühl, mir würde keiner richtig
– sowohl Gutes als auch Schlechtes.         mich                                         zuhören oder es ernst nehmen, was ich
                                                                                         in dieser Situation am besten gefunden
                                                                                         hätte. Mein enttäuschter Wunsch nach
                                                                                          einer Person, die mir einfach mal zuhört
                                                                                          und nicht gleich daraus Schlüsse zieht,
                                                                                           wurde immer größer.

                                                                                           Doch genauso habe ich diese „Person“
                                                                                           gefunden: Gott. Ich habe gelernt, zu
                                                                                           beten und Gott alles zu erzählen, wie
                                                                                            ich es erzählen wollte, sodass ich mei-
                                                                                            ne Last – ja, man könnte sagen – able-
                                                                                             gen konnte. Durch die vielen Gebete
                                                                                             habe ich große Kraft bekommen
                                                                                              und mein Wunsch wurde erfüllt. Ab
                                                                                              dann ging es wieder bergauf! Dieses
                                                                                               Ereignis hat mich auf den richtigen
                                                                                               Kurs gebracht – meinen Kurs.

                                                                                                 Doch ehrlich gesagt, weiß ich gar
                                                                                                 nicht so recht was mein Kurs ge-
                                                                                                 nau ist und wo mein Leben und
                                                                                                  die Ereignisse mich noch hinfüh-
                                                                                                  ren werden. Aber das muss ich
                                                                                                   auch gar nicht wissen. Ich habe
                                                                                                   einen Plan für die nächsten Jah-
                                                                                              at
                                                                                  Foto: © priv      re und freue mich über jedes
                                                                                                    Ereignis und Erlebnis sowie
                                                                                                    über jeden Menschen, der mir
                                                                                           auf meinem Lebensweg begegnet und
                                                      jedoch Menschen geprägt, diesen, wenn auch nur für eine kurze
                              Angefan-      die Hilfe benötigten, sodass ich meine Zeit, mit mir gehen möchte.
     gen bei den Menschen, die mich am      Hilfsbereitschaft und mein lebhaftes Denn ich bin mir wirklich sicher: Alles
meisten geprägt haben, fallen mir auf       Engagement an ihnen entdecken konnte. passiert aus einem Grund und aus dem
Anhieb meine Freunde ein. Ich darf mich                                                    was geschieht, sollen wir lernen oder
zu den glücklichen Personen auf dieser      Da war meine schwerbehinderte Tante, Schlüsse ziehen. Ich bin auf jeden Fall
Welt zählen, die immer einen lebens-        die durch ihre offene und liebevolle Art bereit dafür und freue mich darauf!
frohen, glücklichen und energiereichen      zugelassen hat, dass ich in ihre Welt
Freundeskreis besaßen. Besonders stark      eintauchen durfte. Und die geflüch-                               Laura Celine Schwier
hat mich von meinen Freunden tatsäch-       teten Menschen, denen ich durch die
lich meine ehemalige beste Freundin         Flüchtlingshilfe der Kirche helfen konnte.
geprägt. Sie war für mich viele Jahre ein   Bis heute durfte ich so erfahren, dass
großes Vorbild durch ihre schlaue, sym-     ich die größte Motivation und Freude
pathische und ehrgeizige Art. Ich war       erhalte, wenn ich Menschen helfe, die
so beeindruckt davon, dass ich versucht     grade Hilfe brauchen. Ich kann jeden

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Verantwortung für das Ganze
Analogurlaub - Segelfreizeit 2019 – Erfahrungen

N         atürlich, manches ist auf einer
          Segelfreizeit wie auf anderen
          Freizeiten, die in einem Haus
stattfinden. Und doch ist es anders.
Die erste Frage der Eltern auf dem Vor-
                                             dergleichen geschah.
                                             Alle waren froh, dass
                                             überhaupt Duschen da
                                             waren!
                                             An Deck mussten alle mit
bereitungstreffen machte das schon           anpacken. Beim Segel-
deutlich: Tragen die Kinder auf dem          setzen gab es keine Mög-
Schiff eine Schwimmweste? Du bist auf        lichkeit, sich zu drücken.
dem Meer, um dich herum: nur Wasser.         Wenn die Teenies an
Das Schiff könnte in Seenot geraten. Zu-     Klau oder Piek standen
allererst brauchten die Teenies also das     und das Seil durchzogen,
Vertrauen: Das Schiff trägt mich, hier bin   um das Segel zu setzen –
ich sicher. Und spätestens nach dem ers-     dann mussten sie einen
ten Tag auf See war dieses Vertrauen da.     gemeinsamen Rhythmus
Eines gibt es auf dem Schiff nicht: Platz.   finden, mussten zusam-
Eine persönliche Komfortzone sucht           men die Kraft aufbrin-
man/frau vergeblich. Es ist eng, drei        gen, um das Segel in die
Personen teilen sich eine Kabine. Damit      Höhe zu ziehen. Wenn
kamen die Teenies aber gut zurecht. Nur      sie nicht schnell genug
eine Reisetasche war erlaubt. Sie wurde      waren, musste das an-
irgendwo hingezwängt, notfalls auf die       dere Team warten und
Koje. Eine Packliste half allen. Nur das     das Manöver verzögerte
Notwendigste durfte mit. Auch Smart-         sich. Das bedeutete: Je-
phones gab es übrigens nicht – und sie       der trug Verantwortung
wurden nicht vermisst.                       für das Ganze. Natürlich
                                             waren alle stolz, wenn
Minimalistisch war auch der Wasserver-       die Segel dann im Wind
                                                                          Foto: © privat

brauch: Am ersten Abend gab es gleich        standen und das Schiff
die Ansage: Geht mit dem Duschwasser         allein durch Windkraft
sparsam um! Ein kleines Rinnsal kam aus      fortbewegt wurde. Nur
dem Duschkopf. Ich befürchtete schon         gemeinsam war das zu
eine Meuterei deswegen, aber nichts          schaffen.
                                                        Alle mussten an Deck präsent       ein „Stimmungs-Gewitter“ gab, musste
                                                        sein, denn von einem Augen-        das Problem angesprochen und gelöst
                                                        blick auf den anderen konnte       werden. Denn am nächsten Tag mussten
                                                        der Kapitän ein Segelmanöver       wieder gemeinsam die Segel gesetzt
                                                        verlangen. Unser Matrose           werden.
                                                        nannte das „blickig“ sein:         Eine wichtige Erkenntnis war außerdem:
                                                        sehen, was gerade zu tun, wo       Nicht wir bestimmen, sondern der Wind
                                                        zu helfen ist.                     bestimmt, wo es lang geht. Gern wären
                                                                                           wir noch länger in die dänische Inselwelt
                                                        An der Schot stand jeweils         eingetaucht, aber der Nordwind ließ es
                                                        nur ein „Mann“. Er hatte die       nicht zu. Wir mussten wieder nach Süden
                                                        alleinige Verantwortung für        segeln, Richtung deutscher Küste. Die
                                                        dieses Seil, das im richtigen      Natur gab die Regeln vor.
                                                        Tempo mitgeführt werden
                                                        musste. Das zu schaffen,           Zum Schluss sei noch gesagt: Auch Jungs
                                                        war eine große Bestätigung.        können putzen und kochen – und haben
                                                        Einige durften sogar unter         Freude daran. Alle Teenies beteiligten
                                                        Aufsicht des Kapitäns als          sich an den Bordabläufen auf ihre Weise
                                                        Rudergänger fungieren und          und haben einiges dabei gelernt.
                                                        waren abends sehr stolz.           Die Fahrt war ein besonderes Erlebnis.
                                                        Das Leben an Bord, von Reling      Das Schiff und die Gemeinschaft haben
                                                        zu Reling, in den engen Kajü-      uns getragen.
Foto: © privat

                                                        ten brachte die Erfahrung:
                                                        Du kannst niemandem aus                                  Rainer Diekmann,
                                                        dem Weg gehen. Wenn es                                 Pastor in Bückeburg

Analog Urlaub                                                                                                                  11
Lachen verboten!
Vier Tage mit spitzen Ohren in Mythodea

                                               nen sie ihr Lager aufschlägt, eine eigene       dass sie ihrem zweiten Hobby, dem
                                               Bezeichnung gegeben: Sie nennen sich            Tanzen, nicht nachgehen kann.
                                               die Tarel von Tragant.                          Getanzt wird gerade am Abend viel auf
                                                                                               Mythodea. Weshalb es die Tarel nicht
                                                Vor zwei Jahren ist Carolyn zu Fenra-          tun? Nun, das sei doch eigentlich ganz
                                                Leánne geworden. Damals meinte ein             einfach, sagt sie. Den Tanz – oder auch
                                                Freund, dass sie sich solch ein Live-          Gesang – einer Tarel müsse man sich
                                                Rollenspiel doch einmal etwas genauer          überirdisch schön und vollkommen
                                                ansehen müsse – das würde ihr sicher-          vorstellen. Das könne doch keiner aus
                                                lich gefallen. Weil
                                                sie doch schon
                                                immer Schau-
                                                spiel geliebt, ein

E
                               Foto: ©ade       Freiwilliges kul-
                                                turelles Jahr in
        iner der Sprüche, die Carolyn           Hannovers Ball-
        Dreesmann noch nicht mal mehr           hof absolvier t
        ein müdes Lächeln entlocken:            habe und gerne
„Spitz doch mal die Ohren!“. Was                in andere Rollen
eigentlich auch ganz gut ist, wenn sie als      schlüpfe. Also sah
Fenra-Leánne von Elastea in Mythodea            sie es sich an, war
weilt. Denn was sie auf gar keinen Fall         fasziniert – und
machen darf, während sie in der Welt            stieg in das Spiel
dieses fiktiven Kontinents ihre Rolle           ein.
spielt, ist lächeln.                            Die Gruppe der
                                                Tarel machte sie                                                             Foto: ©ade
Gespitzte Ohren hat sie in jenen Tagen          über das Internet
immer. Mit Mastix angeklebt, der Ansatz         ausfindig, bewarb sich dort und wurde          der Gruppe leisten. Weswegen sie eben
von einer Haarsträhne gut verdeckt. Die         genommen. Ein Skype- Interview gehört          weder tanzen noch singen.
Ohren sind der deutlichste Hinweis auf          zu der üblichen Aufnahme-Prozedur.             Außerhalb ihrer Rolle lacht sie auf und
die Rolle, die die 21-jährige Loccumerin        Beide Seiten meinten danach, dass sie es       sagt: „Man muss sich aber auch vor
spielt, wenn sie auf dem Brokeloher             miteinander versuchen wollen. Das, sagt        Augen führen, dass das, was man da tut,
Rittergut zum „Conquest of Mythodea“            sie, sei beileibe nicht immer so.              bescheuert ist.“ Was sie nicht stört. An-
einzieht. „Elfe“ sagen diejenigen, die          Die Bewerbungen seien zahlreich – viele        dere würden am Computer spielen und
sich in der Fantasy-Welt nicht gar so gut       träumten davon, eine Elbin zu spielen.         virtuell in andere Welten eintauchen.
auskennen, dann zu ihr. Als „Elbin“ wird        Schön, ätherisch, würdevoll. Das hat           „Ich gehe raus und mache das in echt.“
sie von denjenigen bezeichnet, die sich in      schon was. Schwierig wird es oft dann,         Weswegen sie sich auch verabschiedet
Tolkiens Kosmos Mittelerde auskennen.           wenn die Anwärter erfahren, dass Lä-           mit den Worten: „Wir sehen uns – in
Um dieser Diskussion aus dem Weg zu             cheln und Lachen verboten sind. Das            Mythodea.“ (ade)
gehen hat sich die Gruppe derer, mit de-                    tun Elben beziehungsweise
                                                            Tarel nun einmal nicht. Die Be-
                                                            gründung dafür ist eigentlich
                                                            ziemlich einfach. „Ich bin 500
                                                            Jahre alt als Fenra-Leánne –
                                                            wer kann mir wohl einen Witz
                                                            erzählen, den ich noch nicht
                                                            gehört habe?“, sagt Carolyn
                                                            Dreesmann. Mit einem Alter
                                                            von 500 Jahren ist sie übrigens
                                                            noch eine der Jüngeren in
                                                            ihrer Gemeinschaft.
                                                            In den vier Tagen des Con-
                                                            quest kommt sie kaum aus ih-
                                                            rer Rolle heraus. Von frühmor-
                                                            gens bis spät in die Nacht sieht
                                                            sie aus, denkt, redet, handelt,
                                                            wie es diese Tarel tun. Dazu
                                             Foto: ©ade                                                                      Foto: ©ade
                                                            gehört dann allerdings auch,

 12                                                                                                                               in Echt
Fridays for Future

A         ngestoßen durch den Einsatz
          der schwedischen Schülerin
          Greta Thunberg für eine kon-
sequente Klimapolitik haben sich auch
an Schulen im Landkreis Schaumburg
                                             am Gymnasium Adolfinum statt. Die
                                             Schüler*innen konnten sich über Um-
                                             weltschutzorganisationen und deren Zie-
                                             le informieren. Ein Fachmann klärte über
                                             Ursachen und Folgen der Klimaerwär-
                                                                                        Greta und Martha sehen die Ursache
                                                                                        für das schleppende Vorankommen in
                                                                                        Sachen Klimaschutz nicht nur in der
                                                                                        mangelnden Einsicht und im fehlenden
                                                                                        Durchsetzungswillen politischer Ent-
Initiativen und Gruppen gebildet, die        mung und der Wirkung von Treibhaus-        scheidungsträger sowie im Einfluss von
sich auf vielfältige Weise für den Erhalt    gasen und Folgen der Lebensweise des       Lobbyisten, sondern auch in der Haltung
von Lebensgrundlagen auf unserem             Menschen auf. In ihren Klassen setzen      vieler Menschen, die bequem, ignorant
Planeten für ihre und für zukünftige         sich die Siebtklässler mit ihren eigenen   und faul seien.
Generationen einsetzen.                      Lebens- und Verbrauchsgewohnheiten
                                             und deren Folgen auseinander. Mögliche     An Greta Thunberg fasziniert die beiden,
Durch Meldungen auf Instagram und in         Veränderungen des eigenen Konsum-          dass sie trotz massiver Widerstände
der Presse wurde die Bückeburger Schü-       verhaltens zum Beispiel zur Vermeidung     nicht nachgäbe und entschlossen den
lerin Martha Crämer (16) Anfang des          von Plastikmüll oder zur Einsparung von    eingeschlagenen Weg fortführe.
Jahres aufmerksam auf einen geplanten        Ressourcen wurden besprochen. Ein
Schülerstreik der Bewegung „Fridays          Bewusstsein für Handlungsmöglichkei-       Die beiden Schülerinnen sind fest ent-
for Future“ in Hannover. Zusammen mit        ten im persönlichen Lebensumfeld und       schlossen, ihren eigenen Lebensstil, ihre
fünf Mitschülerinnen aus dem Gymna-          im Schulalltag konnte auf diese Weise      Gewohnheiten und ihr Konsumverhalten
sium Adolfinum                                                                                         selbstkritisch zu überden-
(Bückeburg) hat                                                                                        ken und erproben alterna-
sie daran teilge-                                                                                      tive Lösungen in ihrem All-
nommen. Die                                                                                            tag. Auch ihre Eltern und
Schulleitung                                                                                           Geschwister haben sie mit
hätte ihnen ih-                                                                                        ins Boot genommen. Ob
ren Antrag auf                                                                                         beim Einkauf, alltäglichen
Freistellung                                                                                           Selbstverständlichkeiten
zur Teilnahme                                                                                          oder der Nutzung des Au-
gleich geneh-                                                                                          tos wollen beide ihre Fa-
migt.                                                                                                  milienmitglieder zu einem
Zusammen mit                                                                                           nachhaltigen Lebensstil
ihrer Freundin                                                                                         bewegen.
Greta Bartling
(15) und weite-                                                                                       Martha und Greta sind
ren Schülerin-                                                                                        überzeugt davon, dass
nen und Schü-                                                                                         es höchste Zeit sei, damit
lern arbeitet                                                                                         anzufangen angesichts
Martha in der                                                                                         der Bedrohungen für die
Umwelt-AG an                                                                                          Lebensgrundlagen auf
ihrer Schule                                                                                          unserem Planeten anstatt
mit. Sie erfah-                                                                           Foto: ©uh   nur drum herum zu reden.
ren große Un-                                                                                         Alle seien in der Pflicht
terstützung durch die Schulleitung und                                                  und Verantwortung, sich zu informieren,
aus dem Lehrerkollegium. Die Mitglieder      geweckt werden. Die Teilnahme an der       die persönliche Einstellung zu überprü-
in der AG haben sich zum Ziel gesetzt,       abschließenden Demo für den Klima-         fen und manche Verhaltensweise zu
die Ursachen für den Klimawandel und         schutz durch die Bückeburger Innenstadt    ändern! (uh)
diesbezügliche Zusammenhänge zu ver-         wurde allen Schülern und Schülerinnen
stehen, wissenschaftliche Erkenntnisse       des Adolfinums freigestellt.
zu recherchieren und klimafreundliche                                                   Informationen über das Engagement
Projekte zu entwickeln, die sowohl im        Anfang Juli nahm Martha Crämer an der      von Christinnen und Christen für die
persönlichen Umfeld wie auch in der          von „Fridays for Future“ und der Jugend-   Bewahrung der Schöpfung findet man
Schule umgesetzt werden könnten.             organisation des BUND Niedersachsen        unter anderem auf der Internetseite
Martha und Greta betonen, dass es            organisierten „Conference for Future“      des Projekts „Christians for future“.
ihnen wichtig sei, dass Forderungen der      in Hannover teil. Intensives Arbeiten in   Es wurde initiiert vom Arbeitskreis Ge-
Bewegung „Fridays for Future“ realis-        Workshops, Vernetzung und Austausch        rechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
tisch und durch wissenschaftliche Fakten     zwischen den Regionalgruppen sowie         Schöpfung der Konföderation Evangeli-
abgesichert sein müssten.                    eine abschließende Demo standen auf        scher Kirchen in Niedersachsen.
Am 1. Juli fand auf Initiative der Umwelt-   dem Programm.                              Internet: www.christians4future.org
AG für den 7. Jahrgang ein Projekttag

future                                                                                                                       13
Die Angst der Generation D

                 I   ch weiß nicht, wer damit angefangen
                     hat, einer Generation Buchstaben
                     als Beschreibung zu verpassen. Es
                  begann, glaube ich, mit der Generation
                  X, dann folgte die Generation Y. In der
                                                               ältere Generation mag das alles etwas
                                                               lächerlich klingen. Probleme mit der
                                                               Handykamera und dem Datenvolumen
                                                               sind vielleicht sogenannte first world
                                                               problems. Aber genau das spiegelt auch
                  Soziologie sind wir nun bei Z angelangt.     ein Teil des Drucks wider. Wenn man von
                  Da wir ja nun bei den Buchstaben an das      allen Seiten zu hören bekommt, welche
                  Ende des Alphabets gekommen sind, gibt       Möglichkeiten einem offen stehen, dass
                  uns das die Freiheit, aus der Reihenfolge    einem im Grunde die Welt zu Füßen liegt,
                  des Alphabets auszuscheren. Ich würde        sowohl analog als auch digital, dann ent-
                  zum Buchstaben D springen. D steht für       steht ein Druck der Entscheidungen. Es ist
                  „Druck“. Den Druck, den diese Genera-        die Angst vor der falschen Entscheidung.
                  tion aushalten muss und der zu großen        Auslandsjahr – aber wo? Studieren – oder
                  Ängsten führt.                               doch eine Ausbildung? Und wenn ja, was
                  An erster Stelle ist der Schuldruck zu       studieren?
                  nennen. Dieser Leistungsdruck in der         Aus den vielen Möglichkeiten und der
                  Schule wird von vielen Seiten aufge-         Angst vor der falschen Entscheidung
                  baut. Von den Lehrenden, den Eltern,         entsteht dann eine gewisse Hyperaktivi-
                  den Mitschülerinnen und Mitschülern          tät. Bevor ich mich endgültig entscheide,
                  und auch von einem selbst. Alle tun dies     versuche ich mir möglichst lange alle Opti-
                  sicherlich in bester Absicht und auch in     onen offen zu halten. Das führt dazu, dass
                  dem Wissen darum, dass der Leistungs-        Entscheidungen lange hinausgezögert
                  druck ein zu hohes Maß angenommen            werden. Ob ein Treffen unter Freunden
                  hat. Trotzdem ist er in vielen meiner        oder in der Jugendgruppe wirklich statt-
                  Gespräche mit Jugendlichen da. Hier          findet zeigt die WhatsApp-Gruppe fünf
                                                               Minuten vorher an. Die Verlässlichkeit
                                                               nimmt ab, aus Angst, etwas zu verpassen.
                                                               Und was ist mit Fridays for Future? Hier
                                                               zeigt sich vielleicht der größte Druck,
                                                               unter dem die                    steht. Sie
                                                               muss die Welt retten. Während meine Ge-
                                                               neration sich gerne in die Ironie flüchtet.
                                                               Und wir die Welt nur noch als Witz, als
                                                               Spruch oder als Comedy ertragen können.
                                                               Junge Menschen spüren, dass die Ironie
                                                               nicht mehr hilft und sie tatsächlich etwas
                                                               unternehmen müssen. Es ist diese Angst,
                                                               zu spät zu sein, die bei den Protesten
                                                               sichtbar wird.
                  zeigt sich die Angst, zu versagen. Denn es   Dennoch habe ich große Hoffnung für
                  herrscht die allgemeine Ansicht, wer die     diese Generation, denn sie fragt nach
                  Schule nicht schafft, der hat sein Leben     Gott. Sie fragt nicht nach einem kirchli-
                  verspielt. Wobei, und das ist das Neue,      chen, dogmatischen, traditionellen Gott.
                  man ohne Abitur als jemand gilt, der die     Aber ich spüre eine Rückkehr der Frage
                  Schule nicht geschafft hat. Wer es nicht     nach den letzten Dingen. Das ist sicherlich
                  bis ganz nach oben schafft, der hat es gar   in den Ängsten begründet. Wer Angst
                  nicht geschafft.                             hat, fragt nach Gott. Sie sind mit vielen
                  Es ist aber nicht allein die Schule, die     unserer Antworten unzufrieden, weil sie
                  den Leistungsdruck aufbaut, er speist        ihnen nicht genügen. Darum bleiben die
                  sich aus unterschiedlichen Quellen. Hier     Kirchen sonntags leer.
                  ist auch der Druck der Individualisierung
                  zu nennen. Das geteilte Foto ist das ent-    Aber die Jugendlichen, die plötzlich pil-
                  scheidende Medium im Netz geworden.          gern oder jedes Jahr nach Taizé fahren,
                  Egal ob als Statusmeldung auf WhatsApp       oder sich trotz allem immer noch konfir-
                  oder bei Instagram. Die Jugend steht         mieren lassen, zeigen mir, dass die Frage
                  unter dem Druck des perfekten Fotos.         nach Gott lebendig ist.
                  Es ist die Angst, nicht gesehen, nicht                           Hans-Angelus Meyer,
                  wahrgenommen zu werden. Für manch                                Pastor in Seggebruch

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Jugendsprache

Die Hübsche und der Lauch                  Lauch aus der letzten Reihe, waren sie       und Wörterbüchern gebanntes Sprach-
Echt dufte – wer so seine Begeisterung     nicht beim Gemüsehändler, sondern            system, heißt es in der Zusammenfas-
über etwas ausdrückt, der war vor rund     vermutlich in der Schule. Gemeint ist ein    sung der Untersuchung. Die deutsche
40 Jahren jung und wild. Heute runzeln     Mitschüler. Lauch ist ein Schimpfwort für    Sprache sei vielmehr ein komplexes
Jugendliche kurz mit der Stirn – dieses    einen, der unterlegen ist. Der Gemüse-       Bündel sich vielfach überschneidender
Wort ist alt. Mega könnte ihm heute ent-   vergleich ist nicht neu. Menschen älteren    Formen und Variätäten.
sprechen – ist aber auch schon wieder      Semesters werden mit den Begriffen
auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit.    Spargeltarzan oder Bohnenstange etwas        Standarddeutsch als Klammer
Und doch werden sich diese jungen          anfangen können.                             Eine besondere Rolle im großen Gemur-
Leute von heute in ein paar Jahrzehnten                                                 mel des Deutschen hat das Standard-
an ihre Sprache zurück erinnern. An die    Jugendsprache ist eine Spielart              deutsch. Es stellt eine übergreifende Ver-
Hübsche und den Lauch zum Beispiel.        Und das macht deutlich: Jugendsprache        ständigung sicher. Besser oder schlech-
                                           gibt es schon immer. Sie ist eine Spielart   ter als andere Sprachvarianten des
“Liebe geht raus an Dich”                  der deutschen Sprache. Eine einheitliche     Deutschen ist es aus wissenschaftlicher
Mit dem Disney-Klassiker “Die Schöne       Jugendsprache, die alle Jugendlichen         Sicht aber nicht. Standarddeutsch, auch
und das Biest” haben diese beiden Aus-     verstehen und sprechen, gibt es nicht.       Hochdeutsch oder Standardsprache,
drücke nichts zu tun. Wobei Hübsche        Sozialwissenschaftler sprechen von           umfasst das, was Kinder und Jugendliche
sich auch für Menschen jenseits der 30     verschiedenen Stilen, je nachdem wo          heute in der Schule lernen und bildet
                                                                                                    sich in der Schriftsprache ab.
                                                                                                    Nachrichtensprecher*innen
                                                                                                    nutzen die Standardspra-
                                                                                                    che, damit möglichst viele
                                                                                                    Menschen die Informationen
                                                                                                    verstehen können.

                                                                                                    Was gibt es noch? Dialekte,
                                                                                                    Regionalsprachen, Deutsch
                                                                                                    von Migrant*innen, Inter-
                                                                                                    netbasierte Kommunikati-
                                                                                                    on, gesprochene Sprache,
                                                                                                    Fachsprachen und eben Ju-
                                                                                                    gendsprache sind Stile der
                                                                                                    deutschen Sprache.

                                                                                                    Jugendwort des Jahres
                                                                                                    Seit gut zehn schafft es das
                                                                                                    Jugendwort des Jahres in die
                                                                                                    Schlagzeilen: Ehrenmann/
                                                                                                    Ehrenfrau hat es 2018 auf
                                                                                                    Platz 1 geschafft. Dabei han-
                                                                                                    delt es sich einfach um die
                                                                                                    Bezeichnung für jemanden,
                                                                                                    der etwas Besonderes für
Foto: ©il                                                                                           einen selbst tut. Die Wahl
                                                                                                    des Jugendwortes soll die
erklärt: Es ist ein Kompliment in den      Jugendliche herkommen, mit welchen           sich wandelnde Jugendsprache doku-
Kommentaren der Instagram-Selfies          Leuten sie gerade sprechen und in wel-       mentieren. Das Jugendwort des Jahres
oder Reaktionen auf den aktuellen          chen Zusammenhängen Jugendliche              ist aber vor allem ein gutes Marketing-
Whatsapp-Status. Auch die Antwort auf      unterwegs sind.                              Instrument für das Buch 100 Prozent
dieses mega Kompliment versteht sich                                                    Jugendsprache, das der Langenscheidt-
von selbst: “Liebe geht raus an Dich!”     Verschiedene Formen der deutschen            Verlag herausgibt – und der hat lange
                                           Sprache                                      Jahre die Jury geleitet.
Früher oder heute: Der Gemüsever-          Die deutsche Sprache zeichnet sich                                     Ines Langhorst
gleich bleibt                              zunehmend in der Differenzierung in
Schwieriger wird es wohl beim Lauch.       verschiedene Spielarten aus. Das hat der
Wer an Porree als würzige Grundlage        “Bericht zur Lage der deutschen Spra-
deftiger Gerichte denkt, liegt definitiv   che” vor zwei Jahren herausgearbeitet.
falsch. Reden Jugendliche über den         Sprache sei nicht nur ein in Grammatiken

Sprache                                                                                                                      15
ELM gibt die Antwort

W            ie verbringen junge Men-
             schen in Argentinien
             eigentlich ihre Freizeit?
Gibt es christliche Kirchen in Indien?
Was hat mein Hähnchenbrustfilet mit
                                              und gesellschaftspolitischen Umständen
                                              lebt und sich mit und für andere Men-
                                              schen engagiert.

                                              Warum sollte man so etwas aber tun?
                                                                                                 Was muss ich denn dafür mitbringen?
                                                                                                 Geld? Sprachkenntnisse?
                                                                                                 Also die wichtigste Voraussetzung ist,
                                                                                                 dass du bei Ausreise zwischen 18 und 27
                                                                                                 Jahren alt bist. Die meisten Kosten, z.B.
Südafrika zu tun?                             So ein entwicklungspolitischer Freiwil-            für Flug, Taschengeld und Unterkunft
                                              ligendienst erweitert den Horizont auf             wird das ELM tragen. Wir finden es aber
                                                                                                 spitze, wenn du dir einen Förderkreis zu-
                                                                                                 sammensuchst. Sprachkenntnisse musst
                                                                                                 du bei der Bewerbung nicht nachweisen,
                                                                                                 aber je besser Deine Sprachkenntnisse
                                                                                                 zu Beginn das Auslandsjahres sind, desto
                                                                                                 schneller findest Du Dich zurecht.

                                                                                                 So so, wo kann ich denn noch mehr
                                                                                                 erfahren?
                                                                                                 Weitere Infos bekommst Du von Lea
                                                                                                 Wollstadt, Thekla Haß, Niels von Türk
                                                                                                 und Heidrun Völker hier:

                                                                                                 Wir freuen uns, wenn du dich bewirbst!
                                                                                    Foto: ©elm

                                                                                                 https://www.elm-mission.net/gemein-
                                                                                                 deangebote/int-freiwilligendienste/
                                                                                                 nord-sued-faq.html

Das sind drei zusammenhanglose Fragen,        vielen Ebenen. Jede*r von uns ist Teil             Falls du jetzt noch immer nicht über-
die nichts miteinander zu tun haben.          der globalisierten Welt und sollte wissen,         zeugt bist, findest du zum Abschluss
Oder?                                         wie sie funktioniert, wer welche Vor-              noch Zitate von zwei Freiwilligen, was
Doch! Denn für alle drei Fragen findest       und Nachteile hat und was wir ändern               sie über ihr Jahr im Freiwilligendienst
du beim Ev.-luth. Missionswerk in Nie-        können. Und natürlich triffst du viele             denken:
dersachsen (ELM) die Antwort! Doch die        neue Leute, lernst oder übst eine Fremd-
sagen wir euch nicht einfach, sondern         sprache und kannst checken, ob all die             Insgesamt war es ein wunderschönes
wir drücken euch ein Flugticket in die        Klischees über die Länder zutreffen.               Jahr mit vielen tollen Eindrücken und
Hand, damit du die Antworten selber                                                              Erfahrungen, auch wenn es teilweise
findest....naja, vielleicht nicht ganz so     Ok, klingt bis hierhin ganz spannend,              ein recht hartes Jahr war. Ich habe un-
einfach, aber nochmal von vorn:               wie funktioniert das denn bei euch?                glaublich viel gelernt und hoffe, dass es
                                              Nach der Bewerbungsphase gibt es ein               mir, wenn ich nach Hause komme, helfen
Du kannst dich bei uns für einen Freiwilli-   Bewerbungsseminar, bei dem wir euch                wird, anderen Menschen offener zu be-
gendienst bewerben. Das bedeutet, dass        kennenlernen, um danach die passenden              gegnen und mich für die Gerechtigkeit
du in einem Land des globalen Südens          Freiwilligen auszuwählen. Dann findet              in der Welt einzusetzen. (M., zurück aus
(Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay,     ein Wochenendseminar und im Sommer                 Choma, Sambia)
Indien, Südafrika, Sambia) für 6 oder 12      ein Vorbereitungsseminar statt, bevor du
Monate einen entwicklungspolitischen          im August/September 2020 ausreist. Ein             Ich bin dankbar, dass ich die Chance
Freiwilligendienst in einer Sozialeinrich-    (halbes) Jahr später kommst du wieder              hatte, diesen Freiwilligendienst über das
tung leisten würdest. Das ist anders,         und wir sehen uns bei einem Rückkehr-              ELM machen zu können. Es war ein sehr
als einfach nur eine Urlaubsreise in ein      seminar. Und dann bist du hoffentlich              eindrucksvolles und prägendes Jahr und
Land, in dem man im Hotel sitzt, eine         so nachhaltig geprägt und begeistert,              ich werde unfassbar viel mitnehmen. (N.
Safari macht und in den Pool springt.         dass du dich noch viele Jahre engagierst           zurück aus Soweto, Südafrika)
Es bedeutet, dass man unter anderen           und deine Erlebnisse und Erfahrungen
finanziellen, sprachlichen, klimatischen      sinnvoll einbringst.

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