EVANGELISCH IN ÜBACH-PALENBERG - Dezember 2020 / Januar 2021 - kirche-uep.de
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Kirchengemeinde Übach-Palenberg
EVANGELISCH
Gemeindebrief der Evangelischen
IN ÜBACH-PALENBERG
Dezember 2020 / Januar 2021
Foto: Ramona Heim / stock.adobe.com
Weihnachten in Coronazeiten Andachten für die
Endlich konfirmiert! S. 6 Kommenden Wochen, S. 8EDITORIAL
Inhaltsverzeichnis Editorial
Weihnachten fällt nicht aus! ................ 3 Liebe Leserin, lieber Leser,
Konfirmationen 2020 .......................... 6 ich muss oft in diesen Tagen an einen
Andachten, Teil 1 .................................. 8 Satz denken, den jemand im Frühjahr in
Amtshandlungen ................................ 20 den Sozialen Netzwerken gepostet hat:
Gottesdienste ..................................... 21 „Wenn das mit Corona endlich vorbei ist,
Andachten, Teil 2 ................................ 22 dann gehen wir aber alle zusammen auf
Familiengottesdienst im Januar ........ 32 den Weihnachtsmarkt einen Glühwein
KinderKirche ....................................... 33 trinken.“ Ich fürchte, da ist jemand sehr
Wunschbaumaktion ........................... 34 optimistisch gewesen ... Auf den ersten
Weihnachtsbaumverkauf ................... 35 Corona-Herbst folgt nun bald der erste
Glaubenswege: Albert Schweitzer .... 36 Corona-Winter und das erste Corona-
Wenn noch ein Weihnachts- Weihnachten.
geschenk fehlt ............................. 38 Dieses Jahr ist alles anders. Das
Anschriften und Telefonnummern ... 40 merkt man auch unseren Gemeinde-
briefen an, die seit Monaten schon
hauptsächlich aus Andachten bestehen.
Grafik: Lotz
Wann sich daran etwas ändern wird –
wer weiß? Aber was wir wissen: Egal
was kommt, gleich wie die Entwicklung
der Corona-Pandemie sich gestaltet, es
gibt in unserem Leben als Christenmen-
schen eine große Konstante: nämlich
Gott, dessen Menschwerdung wir in
diesen Wochen feiern. Und mit ihm an
unserer Seite dürfen wir getrost un-
seren Weg gehen!
In diesem Sinne: Ein frohes und ge-
segnetes Weihnachtsfest und ein gutes
neues Jahr 2021! Im Namen des Redakti-
onskreises grüßt Sie herzlich
Impressum
Der Gemeindebrief „Evangelisch in Übach-Palenberg“ wird herausgegeben vom Presbyterium der Evangelischen
Kirchengemeinde Übach-Palenberg, vertreten durch den Vorsitzenden, Pfarrer Christian Justen.
Redaktion: Jana Eickvonder, Christian Justen (v. i. S. d. P.), Renate de Kleine, Angelika Krakau
Anschrift der Redaktion: Maastrichter Straße 47, 52531 Übach-Palenberg
Gestaltung: Christian Justen. Druck: Gemeindebriefdruckerei Harms, Martin-Luther-Weg 1, 29393 Groß Oesingen
Auflage: 3 300
Redaktionsschlus der nächsten Ausgabe: 31. Dezember 2020
2Aktuelles
Weihnachten fällt nicht aus!
In der Diskussion, die in den letzten Wo- in Coronazeiten ja doch auch ein wenig
chen in unserem Land geführt wurde, zu kurz: Natürlich, die meisten von uns
wenn es um die Corona-Pandemie, not- sehnen sich danach, Weihnachten ge-
wendige Maßnahmen gegen die Pan- meinsam mit den Menschen zu feiern,
demie und mögliche Einschränkungen die ihnen wichtig sind. Aber gleichzei-
ging, fiel vor allen Dingen immer wieder tig dürfen wir doch auch nie vergessen:
ein Stichwort: „Weihnachten“. „Wenn Ganz gleich, in welcher Weise wir dieses
wir uns jetzt anstrengen, dann können Jahr Weihnachten feiern, ganz gleich,
wir richtig Weihnachten feiern“, so lau- ob es ein fröhliches oder ein trauriges
tete der Tenor vieler Aussagen – und da- Fest wird, wir dürfen unbedingt darauf
bei hätte doch eigentlich jedem klar sein vertrauen, dass Gott mit uns Weihnach-
müssen, dass Weihnachten 2020 gewiss ten feiert.
nicht so gefeiert werden kann, wie wir Weihnachten fällt nicht aus – weil
es in der Vergangenheit tun konnten. Gottes Gegenwart, weil Gottes Liebe
Dass natürlich auch wir immer wie- zu uns nicht ausfällt!
der die Frage gestellt haben, wie denn In der letzten Gemeindebrief-Aus-
Weihnachten dieses Jahr wohl ausse- gabe haben wir angekündigt, dass wir
hen wird, das hat natürlich vor allen Din- wieder mit Präsenzangeboten, vor
gen damit zu tun, dass Weihnachten für allem auch mit Präsenzgottesdiensten,
Christenmenschen nicht das bunte Lich- beginnen möchten. Doch die Freude
terfest mit dem hübschen Tannenbaum darüber war nur von kurzer Dauer. We-
und den vielen Geschenken ist – son- nigstens haben wir im September in vier
dern: Weihnachten ist neben Karfreitag
und Ostern eines der drei wichtigsten
Feste der Christenheit. Wir feiern an
Weihnachten weder die Gemütlich-
keit noch den Lichterglanz, sondern
wir feiern, dass Gott in seinem Sohn
Jesus Christus Mensch geworden ist,
dass Gott all seine Herrlichkeit aufge
geben hat und sich zu einem schlichten,
machtlosen Menschen gemacht hat, da-
mit er uns Menschen in aller Dunkelheit
der Welt und in allem Elend, das uns um-
gibt, buchstäblich zu einem Bruder wird,
damit er unser Leben, unser Leiden und
unser Sterben teilen kann – so wie wir
dann auch mit ihm das ewige Leben
teilen können. Vielleicht kommt das bei
all den Diskussionen über Weihnachten
Foto: Lotz
3Aktuelles
Gottesdiensten unsere Konfirmationen das selbst umzusetzen, dafür fehlt uns
feiern können – in kleineren Gruppen, das Know How, und um regelmäßig ei-
ohne Gesang, ohne Chor, in kürzerer nen externen Dienstleister damit zu be-
und anderer Form. Ein Novum gab es auftragen, dafür fehlt uns irgendwann
dabei dann auch: Wohl zum ersten Mal das Kleingeld.
wurden Gottesdienste aus der Erlöser- Mitte Oktober zeichnete sich ab,
kirche live auf YouTube übertragen, so dass die zweite „Corona-Welle“ auch
dass alle, die nicht vor Ort dabei sein bei uns unmittelbar vor der Tür stand.
konnten, von zu Hause aus die Konfir- Als die 7-Tage-Inzidenzzahl sich in
mationen mitverfolgen konnten. Leider Übach-Palenberg stabil über 50 be-
wird dieses „Livestreaming“ aber die wegte, haben wir sozusagen die Reißlei-
Ausnahme bleiben müssen, denn um ne gezogen und alle Präsenzangebote
umgehend wieder eingestellt.
Einzige Ausnahme: Die Ange-
bote der Offenen Kinder- und
Jugendarbeit finden – u. a.
nach dem Willen des Land-
kreises und des Landes Nord
rhein-Westfalen – in einge-
schränkter Form nach wie vor
statt. Zwischenzeitlich lag der
Inzidenzwert in unserer Stadt
bei 260! Und an eine „Entwar-
nung“ ist noch lange nicht zu
denken.
Dennoch hat das Presby-
terium ausführlich darüber
beraten, ob es nicht zumin-
dest möglich sein könnte,
Gottesdienste wieder in Prä-
senzform zu feiern. Mehr-
heitlich wurde der Beschluss
gefasst, dies ab Dezember
2020 wieder zu tun, wenn
auch mit Einschränkungen.
So wurde die Höchstzahl der
Gottesdienstbesucherinnen
und -besucher auf 50 gesenkt.
St. Josef Eine Anmeldung zum Gottes-
Übach-Palenberg
Leben in Geborgenheit dienst ist unbedingt erforder-
lich. Und während des gesam-
ten Gottesdienstes muss ein
4AKTUELLES
Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Viele sagen: „Wer wird uns
Weitere Informationen zu den Gottes-
diensten finden Sie auf Seite 21. für Gutes sehen lassen?“
alle, die Präsenzgottesdienste nicht be- H���, lass leuchten über
suchen können oder wollen – und dafür
gibt es wahrlich genug gute Gründe –
uns das Licht deines Ant-
bieten wir wieder Online-Gottesdienste litzes!
an, die Sie auf unserem YouTube-Kanal Psalm 4, 7 – Monatsspruch Januar 2021
abrufen können. zudem finden sich wie
schon fast gewohnt in diesem Gemein- Wie es weitergeht? Das wissen wir
debrief zu (fast) jedem Sonn- und Feier- momentan auch noch nicht. Denn es
tag Andachten, die Sie zu Hause alleine hängt wesentlich davon ab, wann die
oder im Kreis der Familie feiern können. „dritte Corona-Welle“ kommt und wie
Alle anderen Angebote, Gruppen heftig sie wird – und welche Maßnah-
und Kreise dürfen – mit Ausnahme der men dann die Politik ergreift.
Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Aber wir dürfen gewiss sein: Mit
nach den Bestimmungen der Corona- dem menschgewordenen Gott an un-
schutzverordnung derzeit nicht statt- serer Seite geht es weiter, ganz gewiss!
finden. Christian Justen
Konrad-Adenauer-Straße 128
52511 Geilenkirchen
Telefon: 02451 - 911 605 3
Kontakt@Buchhandlung-deKleine.de
www.Buchhandlung-deKleine.de
WhatsApp: 0152 – 529 083 3
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Hause aus bestellen!
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5Konfirmationen 2020
Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden 2020
Aus Gründen des Datenschutzes
dürfen wir die Bilder der Konfirmationen
nur in der Print-Ausgabe
veröffentlichen!
6Konfirmationen 2020
Aus Gründen des Datenschutzes
dürfen wir die Bilder der Konfirmationen
nur in der Print-Ausgabe
veröffentlichen!
72. Advent – 6. Dezember 2020
Andacht für den 6. Dezember 2020
Liebe Leserinnen und Leser, geduldig und stärkt eure Herzen; denn
heute ist nicht nur der 2. Advent, das Kommen des Herrn ist nahe.“ (Jako-
sondern auch Nikolaustag. Die Kinder bus 5, 7f)
sind heute Morgen vermutlich schon un- Den Menschen damals, denen Jako-
geduldig und voller Vorfreude zu ihren bus schrieb, riss langsam der Gedulds-
geputzten Stiefeln in den Flur gelaufen faden. Eigentlich hatten diejenigen, die
oder haben einen mit verschiedenen die Himmelfahrt Jesu erlebt hatten, sei-
Leckereien gefüllten Teller gefunden, ne Rückkehr noch zu ihren Lebzeiten er-
der ihnen dorthin gestellt worden ist. wartet. Doch das war nicht geschehen.
Die Vorfreude ist die schönste Freude, Die Menschen mussten sich in Geduld
sagen wir immer. Das Warten auf den üben, während sie beteten, Gemein-
Geburtstag, die Hochzeit, auf Sankt schaft pflegten und auf Veränderung
Martin, den Nikolaus, das Osterfest und warteten. Doch die Ungerechtigkeit in
in diesen Wochen vor allem auf Weih- der Welt blieb. Und auch wir warten im-
nachten ist anstrengend, und unsere Er- mer noch – daran erinnert uns das The-
wartungen sind meist hoch. Wir wollen ma des zweiten Advents. Wir warten
vorbereitet sein, und so wird geputzt, auf die Ankunft Jesu, wir warten darauf,
gekauft, gebastelt, gebacken und was dass es Weihnachten wird, dass Verän-
wir sonst noch brauchen, damit dieses derung geschieht.
Fest für uns zum Fest wird. Es erfordert Aber Veränderung geschieht nur
aber auch ebenso viel Geduld. Das War- langsam. Sie ist nicht da von heute auf
ten auf den Retter der Welt, auf den, der morgen. Darum vergleicht der Schrei-
uns alle erlöst von den Belastungen und ber des Jakobusbriefes dieses Warten
Sorgen, der uns durch diese Corona mit dem geduldigen Warten des Bauern
pandemie trägt und Hoffnung gibt, dass auf den Regen. Er kann alles tun, das
es irgendwie weitergehen wird. Dieses Feld pflügen, die Samenkörner säen,
Warten ist äußerst anstrengend. Unse- immer wieder den Boden lockern und
re Geduld wird auf eine sehr harte Pro- auch das Unkraut beseitigen. Aber er
be gestellt. Das weiß auch schon der hat es nicht in der Hand, wann es regnet
Schreiber des Jakobusbriefes. Er will die und wie die Saat wächst. Er muss gedul-
Menschen trösten – damals wie heute, dig warten, bis die Erntezeit gekommen
mehr als 1900 Jahre später. Und er er- ist. Dann kann er sehen, was aus seiner
mahnt sie zugleich zum geduldigen War- Saat geworden ist, ob sie aufgegangen
ten, bis Jesus Christus wiederkommt. Er ist, ob der Ertrag mäßig, gut oder außer-
schreibt: „So seid nun geduldig, liebe gewöhnlich ist. Es geht nur gemeinsam.
Brüder (und Schwestern), bis zum Kom- Weder ein „Ich kann sowieso nichts tun,
men des Herrn. Siehe, der Bauer wartet also lasse ich es, denn es ist sinnlos“,
auf die kostbare Frucht der Erde und ist noch ein „jetzt erst recht, wenn es nicht
dabei geduldig, bis sie empfange den wachsen will, werde ich es eben größer
Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr ziehen“ funktioniert.
82. Advent – 6. Dezember 2020
Es geht nur gemeinsam. So sind
auch wir gefordert, unsere Samen zu
pflegen, so gut wir können, Gottes Wort
unter den Menschen auszubreiten, uns
gegenseitig zu helfen und zu unterstüt-
zen, die Einsamen zu besuchen und die
Geflüchteten zu beherbergen. Wenn ich
überhaupt nichts tue, verkümmert viel-
leicht gerade das, was wachsen könnte.
Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwi-
schen Tun und Abwarten zu finden und
zu wahren. Wir dürfen nicht aufgeben.
Foto: Lotz
Das ist schwer und braucht einen lan-
gen Atem. Denn es ist frustrierend, zu dert nun mit allen der Stern der Gottes-
sehen, wie die Welt mehr und mehr huld. / Beglänzt von seinem Lichte, hält
zerstört wird, die Müllberge wachsen, euch kein Dunkel mehr, / von Gottes An-
täglich Menschen an Hunger sterben, gesichte kam euch die Rettung her. (EG
obwohl hohe Summen an Spenden 16, 1.4)
geldern gesammelt werden, Kinder
(auch bei uns) am Existenzminimum Gebet
leben und Menschen an ihrer Einsam-
keit zugrunde gehen. Wir können nicht Guter Gott, es ist Advent. Unsere Er-
alles machen, wir können nicht alle ret- wartungen an Weihnachten sind hoch,
ten, diese Einsicht ist schwer, aber wir auch in dieser Zeit, wo uns die Corona
können unseren Teil tun. Erwarten heißt pandemie einen Strich durch so vieles
einzusehen, nicht alles machen zu kön- macht, was wir wie in all den Jahren zu-
nen, vertrauen, dass geschieht, was ge- vor geplant haben und machen wollten.
braucht wird, und meinen Teil dazu bei- Lass uns auf das sehen, was Weihnach-
tragen, dass etwas von dem geschieht, ten eigentlich ist: Die Geburt deiner
was nötig ist. Amen. Menschwerdung! Mit der Geburt eines
winzigen hilflosen Babys hat Dein Reich
Liedverse auf Erden begonnen. Die Er-Wartung an
dieses Kind war groß, und es hat sie an-
1. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ders erfüllt, als die Menschen es erwar-
ist nicht mehr fern! / So sei nun Lob ge- tet haben. Bald ist es wieder soweit. Wir
sungen dem hellen Morgenstern! / Auch gehen auf Weihnachten zu, erwarten
wer zur Nacht geweinet, der stimme deine Menschwerdung. Lass uns mittun
froh mit ein. / Der Morgenstern beschei- daran, dass deine Saat unter uns Men-
net auch deine Angst und Pein. schen aufgeht, dass wir geduldig an
deinem Reich mitbauen, damit die Er-
4. Noch manche Nacht wird fallen auf Wartung erfüllt wird. Amen.
Menschenleid und -schuld. / Doch wan- Angelika Krakau
93. Advent – 13. Dezember 2020
Andacht für den 13. Dezember 2020
Als aber Johannes im Gefängnis von Advent, warten auf den Gottessohn,
den Werken Christi hörte, sandte er sei- warten auf das Ereignis von Bethlehem.
ne Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, Warten fällt schwer. Warten fällt umso
der da kommen soll, oder sollen wir auf schwerer, je beladener unser Herz und
einen andern warten? Jesus antwortete unsere Seele sind. Und je dringender wir
und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Erlösung und Hilfe brauchen. Auch das
Johannes wieder, was ihr hört und seht: eine uralte menschliche Erfahrung. Und
Blinde sehen und Lahme gehen, Aussät- auch heute führt die Sehnsucht nach
zige werden rein und Taube hören, Tote Hilfe und Geborgenheit oft dazu, dass
stehen auf und Armen wird das Evange- wir betrogen und verführt werden. Der
lium gepredigt; und selig ist, wer sich reichhaltig gefüllte Markt der religiösen
nicht an mir ärgert. (Matthäus 11, 2–6) und scheinreligiösen Anbieter spricht
für sich.
Warten auf bessere Zeiten, vertröstet Warten wird doppelt schwer in ei-
werden auf eine bessere Zukunft – das ner Zeit, die immer von „Genuss sofort“
gehört zu unserem Alltag dazu. Und redet. Dabei hat auch das Warten, das
das war schon immer eine menschliche Sich-Vorbereiten eine eigene Qualität.
Erfahrung, auch damals schon, als der Wir kennen es doch alle aus unserem
Mann aus Nazareth kam und durch das eigenen Alltag, wie wichtig Vorfreude
Land zog. „Bist du es, der da kommen und Hoffnung sind. Und wie hilfreich es
soll, oder sollen wir auf einen andern selbst in schwierigsten Situationen ist,
warten?“ Wie oft mögen die Menschen zu wissen, dass Hoffnung auf Besserung
vergeblich gehofft haben, auf wie viele besteht. Das Licht am Ende eines Tun-
falsche Messiasse waren sie schon her nels macht den Weg durch die Finster-
eingefallen? Da wird man vorsichtig. nis erträglich. Die Hoffnung auf Weih-
Und da fragt man lieber nach, bevor nachten, auf die Geburt Jesu, auf das
man sich wieder in das Abenteuer Hoff- helfende Kommen des Gottessohnes
nung stürzt. hilft uns, den Alltag zu bestehen.
„Bist du es, der da kommen soll,
oder sollen wir auf einen andern war-
Foto: Müller
ten?“ Woran erkennt man den wahren
Messias? Wie sollen wir unterscheiden
können zwischen Kirche und Sekte,
zwischen Hilfe und Ausnutzung? Jesus
antwortete und sprach zu ihnen: „Geht
hin und sagt Johannes wieder, was ihr
hört und seht: Blinde sehen und Lahme
gehen, Aussätzige werden rein und Tau-
be hören, Tote stehen auf und Armen
wird das Evangelium gepredigt.“ Also:
103. Advent – 13. Dezember 2020
An den Früchten werden wir ihn erken- so. Und nimmt uns an, so wie wir sind.
nen, den Sohn des lebendigen und lie- Selig ist, wer sich nicht an ihm ärgert.
benden Gottes. An dem, was er für uns Das hat er auch gesagt zu den Jüngern
tut und bewirkt, und wie er unser Leben des Täufers. Selig ist, wer das einfach
verändert, daran werden wir erkennen, annimmt und hinnimmt, dass Gott eben
ob wir es wirklich mit ihm oder mit ei- so ist und so handelt.
ner schlechten und bösen Kopie zu tun Ihr Lieben, lasst euch doch einfach
haben. ein auf den Gott von Advent und Weih-
Man kann es auf die Formel bringen: nachten. Was kann schon passieren, au-
Gott geht es immer um mich, um mein ßer, dass er all das verwirklicht, was er
Leben, meine Sorgen und Freuden, um uns versprochen hat?
meine Angst und um meine Zuversicht,
um meine Vergangenheit und um mei- Liedvers
ne Zukunft, um mein Leben und mein
Sterben. Die Götter und Messiasse die- Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist
ser Welt hingegen wollen etwas von mir nicht mehr fern! / So sei nun Lob gesun-
haben. Und sie fesseln mich zu diesem gen dem hellen Morgenstern! / Auch
Zweck an Leib und Seele und nehmen wer zur Nacht geweinet, der stimme
mich ganz in Beschlag. froh mit ein. / Der Morgenstern beschei-
Gott aber schenkt mir Freiheit. Mir net auch deine Angst und Pein. (EG 16,1)
armem, elenden, schuldbeladenen
Menschen wird das Evangelium verkün- Gebet
digt. Die Botschaft von der unendlichen
Liebe Gottes. Und Gott heilt meine Le- Alle unsere Sorgen und Ängste, alles,
benskrankheiten. Oder er schenkt mir was uns bewegt an schönen und an
zumindest die Möglichkeiten, damit um- schweren Dingen, bringen wir vor Gott,
zugehen. „Bist du es, der da kommen indem wir beten: Unser Vater im Him-
soll, oder sollen wir auf einen andern mel. Geheiligt werde dein Name. Dein
warten?“ In der Tat, das Kind in der Krip- Reich komme. Dein Wille geschehe, wie
pe ist es, der da kommen soll. Und wir im Himmel, so auf Erden. Unser täg-
tun gut daran, nicht mehr auf einen an- liches Brot gib uns heute. Und vergib
deren zu warten. Und unser Leben nicht uns unsere Schuld, wie auch wir verge-
auf andere Größen aufzubauen. Es ist ben unsern Schuldigern. Und führe uns
nämlich eine alte Menschenerfahrung, nicht in Versuchung, sondern erlöse uns
dass Gott der einzige ist, auf den man von dem Bösen. Denn dein ist das Reich
sich wirklich verlassen kann. Und der in und die Kraft und die Herrlichkeit in
guten wie in schlechten Tagen auf un- Ewigkeit. Amen.
serer Seite steht. Und der nicht zuerst Johannes de Kleine
fragt, ob wir seine Liebe und seine Nähe
auch verdient haben. Da gibt es keine
Vorbedingungen und keine Eintritts-
klausel. Da trifft uns seine Liebe einfach
114. Advent – 20. Dezember 2020
Andacht für den 20. Dezember 2020
Im sechsten Monat wurde der Engel zen geboren und unter mancher Mühe
Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt und mit mancher Sorge aufgezogen.
in Galiläa, die heisst Nazareth, zu einer Ohne Maria hätte Gott in seiner Him-
Jungfrau, die vertraut war einem Mann melsferne bleiben müssen, ohne Maria
mit Namen Josef vom Hause David; und wäre Gott uns nie so nahe gekommen,
die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel wie er dies im Sohn der Maria tat. Auch
kam zu ihr hinein und sprach: Sei ge- das ist ja ein Stück des Geheimnisses
grüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit Gottes: Dass der allmächtige Gott der
dir! Sie aber erschrak über die Rede und Welt nur ihr Heil und ihren Frieden brin-
dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der gen kann, indem er all seine Allmacht
Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, drangibt und sich einer einfachen, jun-
Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. gen Frau anvertraut, die selbst noch
Siehe, du wirst schwanger werden und beinahe ein Kind ist, die selbst zu den
einen Sohn gebären, und du sollst ihm Schwachen und Schutzlosen gehört.
den Namen Jesus geben. Der wird groß Aber die Verheißung, welche Maria
sein und Sohn des Höchsten genannt hier erhalten hat, fordert zugleich auch
werden; und Gott der Herr wird ihm den unseren Widerspruch heraus. „Jesus
Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in
wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit“, heißt es da. Jesus ein König?
Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende Ist es nicht eher so gewesen, dass Ma-
haben. (Lukas 1, 26–33) ria ihr Kind auf armselige Weise in einer
Futterkrippe zur Welt bringen musste,
Wir alle kennen diese Erzählung nur dass ihr Sohn aus seinen kleinen Verhält-
allzu gut: Der Erzengel Gabriel kündi- nissen niemals herauskam und dass er
gt Maria an, dass sie den Sohn Gottes schließlich auf die allerschmachvollste
zur Welt bringen wird. Das rückt eine Weise hingerichtet wurde? Jesus ein Kö-
Einsicht in den Mittelpunkt, die gerade nig? Ist es nicht eher so gewesen, dass
bei uns Evangelischen oft in Vergessen- die einzige Krone, die er je getragen hat,
heit gerät. Wir schauen ja meist nur auf ein Kranz aus Dornen war, mit dem ihn
Christus, auf den menschgewordenen die römischen Soldaten verspotten und
Gott, und vergessen dabei doch leicht, quälen wollten? Ist es nicht eher so ge-
dass Gott nicht hätte Mensch werden wesen, dass man ihn ausgelacht hat, als
können, wenn da nicht diese junge Frau er von sich sagte, er sei der König Isra-
namens Maria gewesen wäre. Gott wird els? Aber auch, wenn wir die Verheißung
ganz und gar Mensch, und die Mensch- im übertragenen Sinn auffassen: Davon
werdung Gottes fängt genau damit an, merken wir ja trotzdem herzlich wenig,
dass er genauso auf die Welt kommt, dass Christus über die Erde regierte,
wie alle anderen Menschen auch, näm- dass Gottes Reich angebrochen wäre
lich von einer Mutter voll Hoffen und auf unserer Welt. Da ist doch vielmehr
Freude im Leib getragen, unter Schmer- immer noch alles beim alten, so wie es
124. Advent – 20. Dezember 2020
Kummer mehr, den Gott nicht mit uns
Quelle: commons.wikimedia.org
Menschen aushielte, keine Träne, die
Gott nicht mit uns weinte, keine Angst,
in der Gott uns nicht stärken wollte; es
gibt keinen Ort auf dieser Welt, wo Gott
nicht bei uns wäre, wo Gott uns allein
ließe. Das meint es, wenn wir sagen,
dass der Sohn der Maria zu unserem
Heiland geworden ist.
Liedverse
Michelangelo Merisi da Caravaggio: 1. Wie soll ich dich empfangen / und wie
Mariä Verkündigung (Ausschnitt)
begegn ich dir, / o aller Welt Verlangen, /
schon vor zweitausend Jahren war: Die o meiner Seelen Zier? / O Jesu, Jesu,
Reichen sind immer noch reich und die setze / mir selbst die Fackel bei, / damit,
Armen immer noch arm; die Mächtigen was dich ergötze, / mir kund und wis-
sind immer noch mächtig und die Unter- send sei.
drückten immer noch unterdrückt. Und
von Gottes Gegenwart in unserer Welt 3. Was hast du unterlassen / zu meinem
spüren wir so gut wie gar nichts. Trost und Freud, / als Leib und Seele sa-
Vielleicht suchen wir ja aber auch ßen / in ihrem größten Leid? / Als mir das
nur an der falschen Stelle. Oder noch Reich genommen, / da Fried und Freude
anders gesagt: Vielleicht ist es ja gerade lacht, / da bist du, mein Heil, kommen /
unser Fehler, dass wir Gott überhaupt ir- und hast mich froh gemacht. (EG 11, 1.3)
gendwo suchen. Denn Gott ist ganz ge-
wiss nicht an dem Ort, wo wir ihn gerne Gebet
hätten, und Gott ist ganz gewiss auch
nicht an dem Ort, wohin wir uns gerne Gott, du bist das Licht für eine trübe
wünschen würden. Sondern: Gott ist gewordene Welt. Alles ziehst du zu dir.
uns viel, viel näher. Gott ist da, wo wir Was groß und stark ist vor der Welt,
jetzt, hier und heute sind. Gerade da- weist du in seine Schranken, damit das
rum ist ja Gott in Christus Mensch ge- Kleine und Verletzte groß werden und
worden, nicht um uns mit seiner Macht gedeihen kann.
und Stärke und Kraft zu versehen, son- Lass uns nicht vergessen, dass dein
dern um mit uns unsere Ohnmacht und Licht über unserem Leben steht und
unsere Schwäche zu teilen. Mit Gottes dass wir dir damit dienen sollen, dass
Menschwerdung gibt es keinen Men- wir Schritte und Werke des Lichts voll-
schen mehr, der in seiner Ohnmacht al- bringen. Gib uns die Klarheit und den
lein wäre, sondern Gott ist einem jeden Mut, von deiner Barmherzigkeit zu zeu-
Menschen zum Immanuel, zum „Gott gen in allem, was uns begegnen wird.
mit uns“ geworden. Es gibt keinen Amen. Christian Justen
13Weihnachten
Andacht für das Weihnachtsfest
Liebe Leserinnen und Leser! terstand fürs Vieh auf den Feldern vor
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass dem kleinen Ort. Hier wurde Jesus, der
ein Gebot von dem Kaiser Augustus aus- angekündigte Sohn Gottes und zukünf-
ging, dass alle Welt geschätzt würde.“ tige Retter der Welt, der Friedefürst, als
Die Geschichte der Geburt Jesu fängt den der Prophet Jesaja ihn ankündigte
beim Apostel Lukas an wie ein Märchen. (Jesaja 9), geboren. Und wieder sind
Da heißt es ja meist: „Es war einmal ...“ es Engel, die diese frohe Botschaft den
Die meisten Märchen handeln von Prin- Menschen, ja den Ärmsten unter den Ar-
zessinnen und Königen, von armen hüb- men, den Hirten nämlich, die mit ihren
schen Mädchen, die einen Prinzen heira- Schafen draußen unter freiem Himmel
ten, oder von Müllersöhnen, die gegen schlafen, bekannt geben. Und schnell
einen Drachen kämpfen und dann die machen sie sich auf den Weg und finden
Königstocher zur Frau bekommen. Maria, Josef und das Neugeborene in
Ist die Geburtsgeschichte Jesu, des Windeln gewickelt in der Futterkrippe
Sohnes Gottes, wirklich ein Märchen? liegend, in diesem Stall. Das hat wenig
Für viele ja, denn sie glauben nicht an mit den Märchen zu tun, die wir ken-
das, was die Bibel uns überliefert. Ja, nen, trotz des märchenhaften Beginns
einiges klingt märchenhaft, ja unglaub- der Weihnachtsgeschichte. Und für Je-
lich. Allein schon die Schwangerschaft – sus gibt es auch kein Happy End wie in
Maria trägt Gottes Kind unter ihrem den Märchen. Erst muss die junge Fami-
Herzen, empfangen vom Heiligen Geist, lie ins Ausland, nämlich nach Ägypten,
weder von ihrem Verlobten Josef noch fliehen, weil der in Israel herrschende
von sonst einem Mann. Immer wieder König Herodes Angst um seinen Thron
tauchen Engel Gottes auf, um beide – hat. Jesus war schließlich als der neu-
Maria und Josef – bei der Stange zu geborene König von weisen Männern
halten. Und dann beginnt der Geburts- aus dem Ausland in Jerusalem gesucht
bericht. „Es begab sich aber ...“, dass worden, woraufhin der König die Tö-
Maria und Josef wegen der Volkszäh- tung aller neugeborenen Jungen veran-
lung, die Kaiser Augustus angeordnet lasste. Nach einer langen Zeit kehrt die
hatte, von Nazareth in das kleine Dorf Familie wieder zurück und lebt fortan in
Bethlehem aufbrechen mussten, ob- Nazareth, wo Jesus bei seinem Vater in
wohl die Wehen täglich einsetzen konn- die Lehre geht und Zimmermann wird.
ten. Aufgrund dieser Volkszählung war Als Erwachsener macht er sich auf und
Bethlehem völlig überlaufen. Aber die zieht mit einigen Männern und Frauen
Weissagung: „Und du, Bethlehem Efra- im Land umher, erzählt den Menschen
ta, die du klein bist unter den Städten in von Gott, heilt Kranke und tut verschie-
Juda, aus dir soll mir der kommen, der in dene andere Wunder. Schließlich wird
Israel Herr sei.“ (Micha 5, 1) musste ja er- er vor Gericht gestellt und zum Tode
füllt werden. Maria und Josef bekamen verurteilt. Er stirbt am Kreuz. So endet
einen Schlafplatz in einem zugigen Un- die Geschichte von Weihnachten. Keine
14Weihnachten
Traumhochzeit am Ende, kein könig- Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
licher Palast, in dem Jesus, der Sohn Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf
Gottes, mit seiner Frau lebt, eine Fami- Erden bei den Menschen seines Wohl-
lie gründet und eine neue Dynastie auf- gefallens.“ (Lukas 2, 10f.14)
baut.
Und doch endet diese Weihnachts- Liedvers
geschichte für uns Christen und alle,
die glauben, mit einem Happy End. O Bethlehem, du kleine Stadt, wie stille
Denn Gott hat seinen Sohn, der gelit- liegst du hier, / du schläfst, und goldne
ten hat wie wir Menschen, der Kälte, Sternelein ziehn leise über dir. / Doch
Entbehrung, Ablehnung, Flucht und in den dunklen Gassen das ewge Licht
Todesangst erlebt hat, der verspottet heut scheint / für alle, die da traurig sind
und ausgelacht wurde, vom Tode er- und die zuvor geweint. (EG 55, 1)
weckt. Dieses Leben, das so armselig in
einem hölzernen Verschlag begann, ist Gebet
einzigartig und gibt uns Hoffnung und
Zuversicht nicht nur an Weihnachten, Guter Gott, hab Dank für dieses Mär-
sondern gerade in den Krisenzeiten un- chen, das Du hast wahr werden lassen
seres Lebens. für die, die an Dich glauben und Dir ver-
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass trauen. Gib uns Kraft, dass wir Deinem
ein Gebot von dem Kaiser Augustus aus- Wort vertrauen und uns für Frieden
ging, dass alle Welt geschätzt würde.“ in dieser so friedlosen Welt einsetzen.
Eine wunderbare Geschichte für viele Lass uns denen nahe sein, die unserer
Menschen damals wie heute. Und ich Hilfe und unserer Liebe bedürfen, damit
höre und lese sie immer wieder gerne, sie nicht verzweifeln, sondern Weih-
diese Geschichte von der Menschwer- nachten in ihnen werde. Amen.
dung Gottes in jener armseligen Be- Angelika Krakau
hausung vor den Toren Bethlehems. Es
ist ein Märchen, eine wunderbare und
wundersame Erzählung von diesem
winzigen Kind, das Gott uns geschenkt
und anvertraut hat, damit es unseren
Weg mit uns geht und uns trägt und hält
in Kälte und Entbehrung, auf der Flucht
und in Todesangst, in Krieg und Gewalt,
in Arbeitslosigkeit und Krankheit mit all
seiner Liebe und Hingabe im Sterben
und über den Tod hinaus.
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich ver-
kündige euch große Freude, die allem
Volk widerfahren wird; denn euch ist
heute der Heiland geboren, welcher ist
151. Sonntag nach dem Christfest – 27. Dezember 2020
Andacht für den 27. Dezember 2020
Siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit deinen Diener in Frieden fahren, wie du
Namen Simeon; und dieser Mann war gesagt hast; denn meine Augen haben
fromm und gottesfürchtig und war- deinen Heiland gesehen“, so ruft Sime-
tete auf den Trost Israels, und der Hei- on zu Gott.
lige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wenn man es recht bedenkt, ist das
Wort zuteil geworden von dem Heili- zunächst eine eher erstaunliche Reak
gen Geist, er solle den Tod nicht sehen, tion. Denn dieser Ausruf klingt ja so, als
er habe denn zuvor den Christus des sei Simeon des Lebens müde, so, als
Herrn gesehen. Und er kam auf Anre- wollte er sagen: „Nun kann ich endlich,
gen des Geistes in den Tempel. Und als endlich sterben.“ Aber ich denke, man
die Eltern das Kind Jesus in den Tempel muss eher sagen: Simeon ist nicht des
brachten, um mit ihm zu tun, wie es Lebens müde, sondern er ist des Lebens
Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er voll. All seine Sehnsüchte haben sich er-
ihn auf seine Arme und lobte Gott und füllt, es gibt nichts, was ihm in seinem
sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener Leben noch fehlen würde. Er darf wei-
in Frieden fahren, wie du gesagt hast; terhin einen jeden Tag seines Lebens
denn meine Augen haben deinen Hei- als Geschenk aus Gottes Hand nehmen,
land gesehen, den du bereitet hast vor aber er weiß nun auch: Er braucht sich
allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten nicht mehr darum zu sorgen, ob ihm
die Heiden und zum Preis deines Volkes noch etwas fehlen würde an seinem
Israel. (Lukas 2, 25–32) Leben, falls nun der Tod zu ihm träte.
Im Gegenteil, mit dem Kommen des
Jesus wurde hineingeboren in eine Zeit, Sohnes Gottes in sein Leben hat er die
die seinen Zeitgenossen ganz sicher so wahre Lebensfülle empfangen – und
vorkam, als sei sie völlig aus den Fugen was sollte er da noch mehr wünschen?
geraten. Es war eine Zeit, in der Willkür Ich habe etliche Male erlebt, wie
und Gewalt die Oberhand hatten, eine Menschen an diesem Punkt angelangt
Zeit, die erfüllt war von der Sehnsucht
nach einer anderen, nach einer bes- Arent de Gelder: Simeons Lobgesang (ca. 1700)
seren Welt, erfüllt von der Sehnsucht
nach einem Retter, der endlich alles,
alles zum Guten wendet. Auch Simeon
war von dieser Hoffnung erfüllt, aber
mehr noch: Er wartete darauf, dass er
Quelle: commons.wikimedia.org
mit eigenen Augen noch das Kommen
dieses Retters sehen durfte. Und aus-
gerechnet zwei arme Leute mit einem
Säugling sind es, die ihm die Augen öff-
nen dafür, dass Gottes Reich nun wirk-
lich angebrochen ist. „Herr, nun lässt du
161. Sonntag nach dem Christfest – 27. Dezember 2020
sind, dass sie sagen konnten: „Mein Le- schon angebrochen, ist sein Heil schon
ben ist erfüllt. Und wenn nun der Tod da. Sicherlich, nach außen hin war das
kommt, so kann ich es ruhig, zufrieden damals so wenig sichtbar wie für uns
und glücklich in Gottes Hand zurückle- heute. Und doch bedeutet Weihnach-
gen.“ Ich denke etwa an einen Nach- ten, die Menschwerdung Gottes, dass
barn, dessen größter Wunsch es war, unsere Welt schon hier und jetzt von
trotz seiner schweren Krebserkrankung einer ganz anderen Wirklichkeit um-
Karnevalsprinz zu werden; und dass er, fangen ist, nämlich von der Wirklichkeit
von seiner Krankheit unübersehbar ge- der Liebe Gottes. Seit Weihnachten le-
zeichnet, die ganze Session über auf der ben wir zwar noch immer in dieser un-
Bühne stehen konnte, dass er bei jeder erlösten Welt, aber doch zugleich auch
Karnevalssitzung in der Umgebung mit schon in einer ganz anderen Welt, in der
dabei war, dass sein Traum in Erfüllung künftigen Welt der ewigen Liebe Gottes.
ging, das war etwas, was seinem Tod Seit Weihnachten dürfen wir in der Ge-
wenige Monate später die schlimmste wissheit leben, dass unser Leben immer
Spitze nahm. Ich denke an einen Winzer ein erfülltes, immer ein reiches Leben
an der Mosel, der am Tag nach seiner ist – weil Gott es mit seiner Liebe erfüllt.
Diamantkonfirmation mit einem Schlag-
anfall ins Krankenhaus kam und einige Liedverse
Monate später nach Hause entlassen
wurde, um dort zu sterben – und der 1. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, /
erst dann sterben konnte, als man ihm in seinem höchsten Thron, / der heut
noch einmal ein letztes Glas Wein zu schließt auf sein Himmelreich / und
trinken gab. Ich denke an eine alte Pfarr- schenkt uns seinen Sohn.
witwe, die erst ihre Ruhe fand und zum
Sterben bereit war, als sie ein letztes 6. Heut schließt er wieder auf die Tür /
Mal das heilige Abendmahl empfangen zum schönen Paradeis; / der Cherub
hatte. Und ich denke an etliche Men- steht nicht mehr dafür. / Gott sei Lob,
schen, die ganz, ganz ruhig wurden und Ehr und Preis. (EG 27, 1.6)
friedlich entschlafen konnten, nachdem
wir an ihrem Sterbebett den Psalm vom Gebet
Guten Hirten und das Vaterunser gebe-
tet haben. Da, wo die Sehnsucht von Gott, erscheine allen, in denen diese
Menschen ihre Erfüllung findet, da wo Zeit die Sehnsucht weckt. Erscheine
die Sehnsucht des Herzens gestillt ist, mit deiner Klarheit den Suchenden.
dort ist auch das Leben wirklich erfüllt. Erscheine mit deinem Trost den Trau-
Und dort ist dann auch die Zeit nicht ernden. Erscheine mit deinem Licht den
mehr aus den Fugen, weil sie zu Gottes Betrübten. Erscheine denen, die sich
Zeit wird, zu einer Zeit, die er selbst in nach Fröhlichkeit sehnen, Großen und
seine Hand nimmt. Kleinen. Erscheine in unser aller Leben
Für Simeon ist gewiss: Indem Gott und erfülle es mit dem Licht deiner Lie-
Mensch wurde, ist das Reich Gottes be. Amen. Christian Justen
17Silvester
Andacht für den 31. Dezember 2020
Lasst eure Lenden umgürtet sein und auf das Ende des Jahres 2020 warten,
eure Lichter brennen und seid gleich sollte uns deutlich machen, wie wenig
den Menschen, die auf ihren Herrn war- unserem Zeitmaß ein Anspruch auf Ab-
ten, wann er aufbrechen wird von der solutheit zukommen kann.
Hochzeit, damit, wenn er kommt und Was wir gemeinhin als „Zeit“ begrei-
anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig fen, das ist letztlich nichts anderes als
sind die Knechte, die der Herr, wenn er ein menschlicher Versuch, eine Struktur
kommt, wachend findet. Wahrlich, ich in den Lauf unseres Lebens zu bringen,
sage euch: Er wird sich schürzen und eine Ordnung zu schaffen, an der wir
wird sie zu Tisch bitten und kommen uns ein Stück weit orientieren können;
und ihnen dienen. Und wenn er kommt unsere Zeit mit der Abfolge von Jahren,
in der zweiten oder in der dritten Nacht- Monaten, Tagen, Stunden, Minuten, Se-
wache und findet’s so: selig sind sie. Das kunden ist nicht mehr als nur eine Zähl-
sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr hilfe, die doch nur in unserer Gedanken-
wüsste, zu welcher Stunde der Dieb welt existiert, aber keine Wirklichkeit
kommt, so ließe er nicht in sein Haus ein- darstellt. So hat es letztlich auch über-
brechen. Seid auch ihr bereit! Denn der haupt keine Bedeutung, ob wir den heu-
Menschensohn kommt zu einer Stunde, tigen Tag den 31. Dezember oder den 1.
da ihr’s nicht meint. (Lukas 12, 35–40) Januar nennen, ob wir auf unsere Brief-
bögen die Jahreszahl 2020 oder 2021
„Der Menschensohn kommt zu einer oder – wie es unsere jüdischen Geschwi-
Stunde, da ihr’s nicht meint.“ Das meint ster tun – die Jahreszahl 5781 schreiben.
mehr als nur ein plattes: „Das kann jetzt
jederzeit passieren“, sondern dahinter
verbirgt sich vielmehr die Erkenntnis:
Gottes Zeit ist etwas gänzlich anderes
als die Zeit der Menschen. Was wir un-
ter Zeit verstehen, mit unserer Eintei-
lung des Jahres in 365 oder 366 Tage,
des Tages in 24 Stunden, der Stunde in
60 Minuten, der Minute in 60 Sekunden,
das ist letztendlich nichts anderes als
Menschenwerk. Allein schon die Tatsa-
Foto: anncapictures / pixabay.com
che, dass es doch gar keine einheitliche
Zeitrechnung gibt, dass auf unserem
Erdball über 24 verschiedene Zeitzonen
gleichzeitig existieren und dass auf der
anderen Seite der Erde, etwa in Austra-
lien, schon lange das Jahr 2021 ange-
brochen ist, während wir immer noch
18Silvester
Das alles ist nur Menschenwerk und hat was wir uns da mit unserer menschli-
nicht das Geringste mit der Zeit Gottes chen Zeiteinteilung eingerichtet haben.
zu tun, die für uns letztlich unbegreiflich In Gottes Gegenwart verlieren Sekun-
bleibt. Gott entzieht sich jedem Versuch, den, Minuten, Stunden, Tage, Wochen,
ihn berechnen oder gar sein Tun vorher- Monate und Jahre ihre Wichtigkeit, ihre
sagen zu wollen. Faszination, auch ihren Schrecken und
Eine zweite Beobachtung: Es ist ihre Bedrohlichkeit, die sie oft auf uns
im Text gar nicht von einem Ende die ausüben. In Gottes Gegenwart wird
Rede; es geht nicht um das Ende der das, was wir Menschen Zeit nennen, zu
Geschichte Gottes mit dieser Welt, son- einer nebensächlichen Spielerei. Wich-
dern es geht um den Anfang von Gottes tig bleibt allein, dass Gott gegenwärtig,
heilvollem Handeln an uns Menschen. dass Gott da ist; und alles, was wir tun
Dies wird am deutlichsten sichtbar an können, ist diese Gegenwart Gottes an-
dem Verhalten des Hausherrn, der von zunehmen und zu sprechen: „Ja, Herr,
einem Fest nach Hause kommt, wie es sei Du bei mir!“
hier im Gleichnis geschildert wird: Seine
Knechte, die ihn zu Hause empfangen, Liedverse
erfahren eine merkwürdige Behand-
lung, der Herr macht sie nämlich zu 1. Der du die Zeit in Händen hast, / Herr,
Herren und sich selbst zum Diener. Was nimm auch dieses Jahres Last / und
hier geschildert wird, das ist im Grunde wandle sie in Segen. / Nun von dir selbst
genommen nichts anderes, als was uns in Jesus Christ / die Mitte fest gewiesen
auch die Weihnachtsbotschaft sagt: ist, / führ uns dem Ziel entgegen.
Gott hat sich selbst erniedrigt um unse-
retwillen, Gott ist gekommen, um uns zu 6. Der du allein der Ewge heißt / und
dienen, er ist zu unserem Wohlergehen Anfang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge
in diese Welt gekommen. Es geht nicht unsrer Zeiten: / Bleib du uns gnädig
darum, uns zu ermahnen: „Seid allezeit zugewandt / und führe uns an deiner
wach, damit ihr nicht im Endgericht ver- Hand, / damit wir sicher schreiten. (EG
dammt werdet“, sondern: „Seid doch 64, 1.6)
bereit, den menschgewordenen Gott
unter euch aufzunehmen.“ Gebet
Der Text ist so eine Zusage, eine Ver-
heißung, mit der Gott uns trösten will. Barmherziger Gott, du begleitest uns
Gott hat uns ein für allemal zugesagt, mit deiner Treue durch die Jahre. Wir
dass er bei uns ist, egal was geschieht, blicken dankbar zurück und schauen ge-
egal was kommen mag. Gott hat uns zu- spannt voraus. Altes, das uns belastet,
gesagt, dass er uns nicht allein lässt in und Neues, das uns ängstet: Lass es um-
allem, was uns auf unserem Lebensweg schlossen sein vom Vertrauen auf dich.
begegnen wird. Und gerade weil Gott Amen. Christian Justen
uns immer gegenwärtig sein will, darum
verblasst auch die Bedeutung dessen,
19Amtshandlungen
Die Amtshandlungen
werden aus Gründen
des Datenschutzes nur in der
gedruckten Ausgabe veröffentlicht.
Jeder Mensch hat
eine erste
Chance verdient.
Vielen Menschen in Paraguay fehlt es an Nahrung,
Bildung und vielem mehr. Wie sich für Petrona die
Zukunft verbessert, erfahren Sie unter:
brot-fuer-die-welt.de/chance
20Gottesdienste
Gottesdienste in der Gottesdienste in den
Erlöserkirche Übach
10 Uhr kommenden Monaten
6. Dezember Justen
2. Advent Sofern die Entwicklung der Corona-
13. Dezember Krakau Pandemie es zulässt, beginnen wir ab
3. Advent Dezember wieder mit der Feier von
20. Dezember de Kleine „Präsenz“-Gottesdiensten. Das Presby-
4. Advent terium hat beschlossen, dass für die
24. Dezember Krakau Gottesdienste nach wie vor besondere
Heiligabend 15 Uhr Regeln gelten müssen:
Justen
17 Uhr • Zwischen Menschen, die nicht im
Justen
selben Haushalt leben, ist ein Min-
19 Uhr
Krakau destabstand von 1,50 m einzuhalten.
23 Uhr • Die Zahl der Sitzplätze in der Kirche
ist auf 50 beschränkt.
25. Dezember Justen
1. Weihnachtstag • Vorerst finden Gottesdienste nur in
der Erlöserkirche statt.
26. Dezember Krakau
2. Weihnachtstag • Während des gesamten Gottes-
dienstes ist ein Mund-Nasen-Schutz
31. Dezember Justen
Silvester 17 Uhr zu tragen.
• Die Kontaktdaten aller Gottes-
3. Januar Justen
2. Sonntag n. W.
dienstbesucher werden festgehal-
ten.
10. Januar Krakau
1. Sonntag n. E.
• Eine Voranmeldung ist unbedingt
11 Uhr
notwendig! Ohne eine solche ist die
17. Januar Justen Teilnahme am Gottesdienst nicht
2. Sonntag n. E.
möglich.
24. Januar Lungová • Derzeit muss auf das Singen ver-
3. Sonntag n. E.
zichtet werden.
31. Januar Justen • Ab wann wieder Abendmahl gefei-
Letzter S. n. E.
ert werden kann, ist noch ungewiss.
7. Februar Justen
Sexagesimae
14. Februar Krakau
Estomihi
Aktuelle Informationen und
21. Februar Justen Anmeldung zum Gottesdienst
Invokavit
auch unter:
28. Februar Krakau www.gottesdienst-uep.de
Reminiszere
Gottesdienst mit Abendmahl Familiengottesdienst Taufe
212. Sonntag nach dem Christfest – 3. Januar 2021
Andacht für den 3. Januar 2021
Liebe Leserinnen und liebe Leser, was er will.
erst vor zwei Wochen haben wir Maria und Josef sind vermutlich eine
die Geburt Jesu gefeiert – anders als in Weile sprachlos, ehe sie ihren Spröss-
den vergangenen Jahren gewiss, aber ling auffordern, mit ihnen nach Hause
vermutlich intensiver als bisher. Heute zurückzukehren. Sie müssen feststel-
schon kommt uns eine andere biblische len, dass ihr 12-jähriger anfängt, sich
Erzählung über den Weg, die einzige üb- abzunabeln. Das ist ein schmerzhafter
rigens aus der Kindheit Jesu. Und über- Prozess für alle Eltern. Er erklärt ihnen,
liefert wird sie uns auch nur vom Evan- dass er in Gott andere Eltern hat als nur
gelisten Lukas. Jesus nabelt sich von zu sie beide. Er setzt sich mit seinem Glau-
Hause ab. Er macht sein eigenes Ding. ben auseinander, mit den Erwartungen,
Das kennen diejenigen unter Ihnen, die die Gott an ihn hat. Er setzt sich mit sei-
pubertierende Jugendliche zu Hause ner Zukunft auseinander, damit, dass er
haben. Sie wollen anders sein als ihre El- als erwachsener Mann sein Elternhaus
tern, meinen zu wissen, wo es lang geht, verlassen wird, um auf eigenen Füßen
und nehmen gutgemeinte Ratschläge zu stehen, um sein Leben in die Hand
nicht an. zu nehmen. Um als Wanderprediger mit
Bei Jesus scheint es auch so. Zu- Freunden und Freundinnen von Ort zu
nächst aber geht er seinen Eltern ver- Ort zu ziehen und Menschen die Lie-
loren. Die Familie ist mit vielen anderen, be Gottes nahe zu bringen. Und Maria
nachdem das mehrtägige Passahfest zu muss feststellen, dass sie ihren Sohn
Ende gegangen ist, auf dem Rückweg loslassen muss, dass sie ihn auf Dauer
von Jerusalem nach Nazareth. Irgend-
wann merken Maria und Josef, dass er
auch nicht bei Verwandten bzw. Nach-
barn ist. Sie machen sich auf den Weg
zurück nach Jerusalem und finden ihn
im Tempel. Vor Erleichterung, ihn un-
versehrt gefunden zu haben, schimpfen
sie zunächst mit ihm. Keineswegs klein-
laut kontert er: Was regt ihr euch auf?
Ich habe hier spannende Sachen zu tun.
Ich habe mit den Schriftgelehrten disku-
tiert, und ihr regt euch auf, dass ihr mich
nicht gefunden habt. Ihr hättet doch
Foto: dodo71 / pixabay.com
wissen müssen, dass ich hierher gehöre.
Ihr hättet wissen müssen, dass ich mehr
über meinen Vater erfahren will und
mit den Hohenpriestern und Schriftge-
lehrten darüber spreche, wie er ist und
222. Sonntag nach dem Christfest – 3. Januar 2021
nicht behüten und vor allen Gefahren gekreuzigt wird.
und allem Unheil schützen kann. Das Aber bis dahin vergehen noch Jah-
ist eine Erfahrung, die alle Mütter, alle re. Nach den Ereignissen an jenem Tag
Eltern unter uns ebenfalls machen. Wir im Jerusalemer Tempel kehrt Jesus mit
müssen unsere Kinder loslassen. Wir seinen Eltern nach Nazareth zurück. Die
können sie nicht bis in alle Ewigkeit vor Erzählung endet mit den Worten: „Und
den Gefahren des Lebens schützen. Wir Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und
müssen sie ihre eigenen Erfahrungen Gnade bei Gott und den Menschen.“
machen lassen. Wir können nur da sein, Das wünsche ich uns auch, dass wir
wenn sie uns brauchen, aber nicht be- an Weisheit zunehmen, dass wir auf
wahren. Gottes Stimme in unserem Leben ach-
Wir müssen erkennen, dass unsere ten und tun, was sie uns sagt. Denn Gott
Kinder nicht uns gehören, nicht unser sieht unser Leben voller Liebe an von
Besitz sind. Sie sind, wie wir, die Kinder Anfang an bis in Ewigkeit. Amen.
Gottes. Ihm dürfen wir sie anvertrauen.
Er begleitet sie ihr Leben lang. Wir kön- Liedvers
nen ihnen, unserem Auftrag gemäß, den
wir spätestens bei ihrer Taufe öffentlich Der du allein der Ewge heißt / und An-
und offiziell erhalten, Gott ans Herz le- fang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge
gen. Mit der Taufe versprechen wir, ih- unsrer Zeiten: / bleib du uns gnädig
nen Jesus nahe zu bringen, ihnen von zugewandt / und führe uns an deiner
Gottes Liebe zu erzählen, alles dafür zu Hand, / damit wir sicher schreiten. (EG
tun, dass sie Gott vertrauen und seine 64, 6)
Gebote halten und auf das ewige Leben
hoffen. Wir können sie zu Gott führen, Gebet
dass sie ihn in ihrem Leben erkennen
und seine Begleitung annehmen. So wie Himmlischer Vater, du weißt, was gut
Jesus es getan hat. Als 12-jähriger hat er und richtig für uns ist. Dennoch lässt
seinen Eltern erklärt, zu wem er gehört du uns unser Leben ausprobieren. Aber
und wer allen Menschen etwas zu sa- immer reichst du uns deine Hand, die
gen hat. Er hat sie damit aber auch be- uns halten will, wenn wir ins Straucheln
freit, befreit von der Last nämlich, dass geraten. Du bist auch dann noch an un-
sie die Verantwortung für ihren Sohn zu serer Seite, wenn unsere Eltern uns ge-
tragen haben. hen lassen müssen. Du stehst auch dann
Und er wollte ihnen klar machen, noch zu unseren Kindern, wenn wir es
welchen Auftrag er hat. Wirklich ver- nicht mehr können. Denn du siehst alle
standen haben sie es nicht, obwohl sie deine Kinder mit anderen Augen an, als
doch wussten, dass Maria den Sohn Menschen es tun. Danke, dass du uns so
Gottes geboren hat. Wirklich verstan- hilfst, den Weg zu gehen, der wirklich
den haben sie es vermutlich erst, als unser Weg ist. Sei und bleibe bei uns
sich Widerstand gegen sein Tun bildet, auch in diesem neuen Jahr. Amen.
er schließlich verhaftet, verurteilt und Angelika Krakau
231. Sonntag nach Epiphanias – 10. Januar 2021
Andacht für den 10. Januar 2021
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den beginnt.
Jordan zu Johannes, dass er sich von Und die Gerechtigkeit? Das bedeu-
ihm taufen ließe. Aber Johannes wehr- tet: Es gehört dazu, wenn Gott mit Men-
te ihm und sprach: Ich bedarf dessen, schen den Bund schließt, dass die Taufe
dass ich von dir getauft werde, und du erfolgt. Es ist der Wille Gottes, dass im
kommst zu mir? Jesus aber antwortete Untertauchen gewissermaßen die Sün-
und sprach zu ihm: Lass es jetzt ge- de vernichtet wird. Dass, wie Martin Lu-
schehen! Denn so gebührt es uns, alle ther es ausdrückt, der alte Adam ersäuft
Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s wird. Die Gerechtigkeit wird erfüllt, der
geschehen. Und als Jesus getauft war, Wille Gottes wird vollzogen, als Jesus
stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. sich taufen lässt.
Und siehe, da tat sich ihm der Himmel „Und als Jesus getauft war, stieg er
auf, und er sah den Geist Gottes wie alsbald herauf aus dem Wasser. Und sie-
eine Taube herabfahren und über sich he, da tat sich ihm der Himmel auf, und
kommen. Und siehe, eine Stimme vom er sah den Geist Gottes wie eine Taube
Himmel herab sprach: Dies ist mein herabfahren und über sich kommen.“
lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen Gott bekennt sich zu seinem Sohn.
habe. (Matthäus 3, 13–17) Zunächst schenkt er ihm seinen Geist. Er
stattet ihn aus mit seiner Kraft, mit der
Jesus wird getauft. Wie ungezählte an- Kraft des Allmächtigen und Barmher-
dere Menschen kommt er zum Jordan, zigen. Der Gott Abrahams und Sarahs,
kommt zu Johannes dem Täufer, zu der Gott Isaaks und Rebekkas, der Gott
dem, der die Menschen zur Umkehr Jakobs und Leas, der Gott der Väter und
aufruft und sie zum Zeichen eines neu- Mütter im Glauben macht deutlich, dass
en Lebens im Fluss untertaucht. Jesus, dieser Jesus in der Kraft Gottes, in der
Mensch unter Menschen, begehrt die Kraft des Heiligen Geistes seinen Weg
Taufe. Johannes, der ganz genau weiß, gehen wird.
dass da der Sohn Gottes, der Messias Und er setzt noch einen drauf: „Und
vor ihm steht, weigert sich zunächst. siehe, eine Stimme vom Himmel herab
Der Menschensohn, das Heil der Welt, sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an
von einem Menschen getauft – unmög- dem ich Wohlgefallen habe.“
lich. Umgekehrt wäre es richtig. Aber Jesus, jüdischer Mensch unter jü-
Jesus von Nazareth, Sohn der Maria, be- dischen Menschen, ist Gottes Sohn.
steht darauf: „Lass es jetzt geschehen! Sein Vater bekennt sich zu ihm. Stellt
Denn so gebührt es uns, alle Gerechtig- sich auf seine Seite. Erklärt sich solida-
keit zu erfüllen“. risch mit ihm. Macht von vornherein
Das bedeutet: Ich bin ein Mensch. deutlich, dass nichts und niemand den
Ich brauche die Taufe. Ich brauche das Vater vom Sohn wird trennen können.
Zeichen, dass ich zu Gott gehöre. Ich Und so kann dieser Jesus getrost sei-
brauche das Zeichen, dass neues Leben nen Weg gehen. Kann seine Aufgabe in
241. Sonntag nach Epiphanias – 10. Januar 2021
Ich bin getauft! Nichts und niemand
Bild: David Zelenka / commons.wikimedia.org
kann mich von Gott trennen. Im Leben
nicht und nicht im Sterben. In dieser
Welt nicht und nicht in der zukünftigen.
Auch für uns öffnet sich Gottes Himmel,
heute und immer.
Liedvers
Du Morgenstern, du Licht vom Licht, /
das durch die Finsternisse bricht, / du
gingst vor aller Zeiten Lauf / in uner-
schaffner Klarheit auf.
Angriff nehmen: Menschen mit Gott zu
versöhnen. Menschen deutlich zu ma- Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, /
chen, dass sie Gottes Kinder sind, Söh- führ uns durch Finsternis zum Licht, /
ne und Töchter des Allmächtigen und bleib auch am Abend dieser Welt / als
Barmherzigen. Hilf und Hort uns zugesellt. (EG 74, 1.4)
Auch uns gilt in der Taufe und damit
lebenslang die Zusage Gottes: Du bist Gebet
mein lieber Sohn, du bist meine liebe
Tochter – an dir habe ich Wohlgefallen. Alle unsere Sorgen und Ängste, alles,
Dich liebe ich bedingungslos. Ich stehe was uns bewegt an schönen und an
auf deiner Seite. Ich gehe mit dir jeden schweren Dingen, bringen wir vor Gott,
Weg, den du zu gehen hast. Und ich indem wir beten: Unser Vater im Him-
schenke dir meinen guten heiligen Geist mel. Geheiligt werde dein Name. Dein
als die Kraft des Lebens. Als die Kraft, Reich komme. Dein Wille geschehe, wie
die dich erfüllt, damit du dein Leben ge- im Himmel, so auf Erden. Unser täg-
stalten kannst, im Blick auf dich selbst liches Brot gib uns heute. Und vergib
und im Blick auf deinen Nächsten. uns unsere Schuld, wie auch wir verge-
Es ist durchaus hilfreich, in den dunk ben unsern Schuldigern. Und führe uns
len Tälern des Lebens sich daran zu er- nicht in Versuchung, sondern erlöse uns
innern, dass ich getauft bin auf den Na- von dem Bösen. Denn dein ist das Reich
men Gottes des Vaters und des Sohnes und die Kraft und die Herrlichkeit in
und des Heiligen Geistes. Gott ist bei Ewigkeit. Amen.
mir, an meiner Seite, in meinem Alltag, Johannes de Kleine
in guten wie in schweren Tagen. Er hilft
mir, Lasten zu tragen und Entschei-
dungen zu treffen; er hilft mir, Schuld zu
bekennen und neue Anfänge zu wagen.
Er hilft mir, Versöhnung zu leben. Er hilft
mir, die Liebe zum Nächsten zu leben.
252. Sonntag nach Epiphanias – 17. Januar 2021
Andacht für den 17. Januar 2021
Es war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, seine Kinder zu sich kommen ließ. Als
und die Mutter Jesu war da. Jesus aber sie um ihn versammelt standen, sagte
und seine Jünger waren auch zur Hoch- er ihnen mit schwacher Stimme: „Kin-
zeit geladen. Und als der Wein ausging, der, ich muss euch noch ein Geheimnis
spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie ha- verraten. Ihr müsst wissen: Man kann
ben keinen Wein mehr. Jesus spricht Wein – auch aus Trauben machen!“
zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was Ich denke, mein Lehrer hätte wohl
ich tue? Meine Stunde ist noch nicht damals auch die Geschichte vom Wein-
gekommen. Seine Mutter spricht zu wunder, das Jesus in Kana gewirkt hat,
den Dienern: Was er euch sagt, das tut. mit den Worten kommentiert: „Ja und?
Es standen aber dort sechs steinerne An der Mosel gibt es viele Winzer, die
Wasserkrüge für die Reinigung nach jü- Wein aus Wasser machen.“ (Damit Sie
discher Sitte, und in jeden gingen zwei mich nicht falsch verstehen: Wer mich
oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: kennt, der weiß, dass ich ganz beson-
Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und ders gerne einen Riesling von der Mosel
sie füllten sie bis obenan. Und er spricht trinke – zumal ich in Traben-Trarbach
zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem geboren bin!)
Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Vielleicht hätte er aber damit einen
Als aber der Speisemeister den Wein wichtigen Aspekt der Wundererzählung,
kostete, der Wasser gewesen war, und wenn auch nur unwissentlich, genau ge-
nicht wusste, woher er kam – die Die- troffen. Denn auch Johannes erzählt ja
ner aber wussten’s, die das Wasser letztlich hier eine Anekdote, und das
geschöpft hatten –, ruft der Speise- mit einem gewaltigen Augenzwinkern,
meister den Bräutigam und spricht zu wenn er den Speisemeister zum Bräu-
ihm: Jedermann gibt zuerst den guten tigam sagen lässt: „Jedermann gibt
Wein und, wenn sie betrunken werden, zuerst den guten Wein und, wenn sie
den geringeren; du aber hast den gu- betrunken werden, den geringeren; du
ten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das aber hast den guten Wein bis jetzt zu-
ist das erste Zeichen, das Jesus tat, ge- rückbehalten.“ Denn damals wie heute
schehen in Kana in Galiläa, und er offen- war das eigentlich ganz und gar nicht
barte seine Herrlichkeit. Und seine Jün- üblich, dass man in solcher Weise Wein
ger glaubten an ihn. (Johannes 2, 1–11) ausschenkte. Damals wie heute galt ei-
gentlich: Der beste kommt zum Schluss.
Wann immer ich diese Geschichte von Und dann werden die Zeitgenossen des
der Hochzeit zu Kana lese oder höre, Johannes bei diesem Satz sich gedacht
muss ich an meinen Deutschlehrer Ernst haben: Na, das mag ja eine schöne
Fröls denken. Es war zur Zeit des Gly- Hochzeit gewesen sein, wenn es da so
kolskandals in den 80er-Jahren, als er zuging!
uns die Anekdote erzählte von jenem Ein zweiter Aspekt: Normalerweise
alten Winzer, der im Sterben lag und all erwarten wir ja Wundererzählungen
26Sie können auch lesen