HÄNDEL ZIMMERMANN MENDELSSOHN - Anna Lucia Richter Sopran Esther Dierkes Sopran Patrick Grahl Tenor Chor des Bach-Vereins Köln Gürzenich-Chor Köln ...

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HÄNDEL
ZIMMERMANN
MENDELSSOHN
 Anna Lucia Richter Sopran
   Esther Dierkes Sopran
    Patrick Grahl Tenor
 Chor des Bach-Vereins Köln
   Gürzenich-Chor Köln
  Kartäuserkantorei Köln
    Oratorienchor Köln
   Chöre am Kölner Dom
 Gürzenich-Orchester Köln
 Hartmut Haenchen Dirigent
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Für Kölns Musiker
sind wir von Anfang an da.
        Weil wir das Gürzenich-Orchester unterstützen.

        Ohren auf! Unter diesem Motto steht das Angebot des
        Gürzenich-Orchesters an Kinder und Jugendliche.

        Wir unterstützen dieses Engagement des Orchesters, weil wir
        wissen, wie wichtig das kulturelle Erleben schon in frühen Jahren
        ist. Und weil wir uns als internationales Unternehmen aus der
        Region unserer Stadt verpflichtet fühlen.

        www.lufthansa.com/verantwortung

                                                      First Global Partner
                                                      des Gürzenich-Orchesters
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DAS KONZERT
     AUF EINEN BLICK

» Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe
Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die
Leute fröhlich und man vergisst über sie alle
Laster. « So schreibt der Reformator Martin
Luther, dem die Kraft der Musik neben der
des Wortes mindestens so bedeutend schien.
Dem Jubiläum 500 Jahre Reformation ist
das heutige Konzert gewidmet, und dafür
bietet die festliche » Feuerwerksmusik « von
Georg Friedrich Händel das passende Entree.
Sie war als optimistische Bekräftigung des
Friedensvertrags gedacht, der den neun Jahre
andauernden Österreichischen Erbfolgekrieg
beendet. Die » Sinfonie in einem Satz « von
Bernd Alois Zimmermann dagegen, sechs
Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
komponiert, gibt den Zerwürfnissen ihrer Zeit
zwischen Zusammenbruch und Neuanfang
eine eindringliche Gestalt, eine Erinnerung
daran, dass das Ende eines Krieges noch lang
kein Frieden ist. Frieden, himmlischen und
Herzensfrieden, beschwört Felix Mendelssohn
Bartholdy mit seinem großen » Lobgesang «,
einer sinfonischen Kantate für Solisten, großen
Chor und Orchester, die zum bewegendsten
gehört, was Komponisten an geistlicher Musik
geschaffen haben.
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SINFONIE
      KONZERT
      2

      GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
17'   Ouvertüre D-Dur HWV 351
      für Oboen, Fagotte, Trompeten,
      Hörner, Pauken, Schlagzeug,
      Streicher und Basso continuo
      » Music for the Royal Fireworks «
      1749
      Ouvertüre: Adagio-Allegro-Lentement
      Bourrée ( alla breve )
      La Paix: Largo alla Siciliana
      La Réjouissance ( das Vergnügen ): Allegro
      Menuet I
      Menuet II
      Adagio

      BERND ALOIS ZIMMERMANN                             PROGRAMM
18'   Sinfonie in einem Satz
      für großes Orchester
      1947–52, rev. 1953

      PAUSE

      Gustav Adolph Spangenberg ( 1828–1891 )
      malte 1866 dieses populäre Gemälde
      » Luther im Kreise seiner Familie musizierend «.
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FELIX MENDELSSOHN
      BARTHOLDY
60'   Lobgesang
      Eine Symphonie-Kantate
      nach Worten der Heiligen Schrift
      » Sinfonie Nr. 2 « B-Dur op. 52
      für Soli, Chor und Orchester
      1840
  1   Sinfonia. Maestoso con moto – Allegro –Animato –
      Maestoso con moto – Allegretto un poco agitato –
      Adagio religioso

 2    Allegro moderato maestoso – Animato –
      Allegro di molto
      ( Chor: » Alles, was Odem hat, lobe den Herrn « ) –
      Molto più moderato ma con fuoco
      ( Sopran und Frauenchor: » Lobe den Herrn,
      meine Seele « )

 3    Rezitativ ( Tenor: » Saget es, die ihr erlöset seid « ) –
      Allegro moderato ( Tenor: » Er zählet unsre Tränen « )

 4    Chor. A tempo moderato
      ( Chor: » Saget es, die ihr erlöset seid « )

 5    Andante ( Sopran I und II: » Ich harrete des Herrn « –
      Chor: » Wohl dem, der seine Hoffnung setzt « )

 6    Allegro un poco agitato – Allegro assai agitato
      ( Tenor: » Stricke des Todes hatten uns umfangen « )

 7    Allegro maestoso e molto vivace
      ( Chor: » Die Nacht ist vergangen « )

 8    Choral. Andante con moto – Un poco più animato
      ( Chor: » Nun danket alle Gott « )

 9    Andante sostenuto assai ( Tenor und Sopran:
      » Drum sing’ ich mit meinem Liede ewig dein Lob « )

10    Schlusschor. Allegro non troppo – Più vivace –
      Maestoso ( Chor: » Ihr Völker, bringet dem Herrn Ehre
      und Macht « )
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Anna Lucia Richter Sopran
Esther Dierkes Sopran
Patrick Grahl Tenor
Chor des Bach-Vereins Köln
Thomas Neuhoff Einstudierung
Gürzenich-Chor Köln
Christian Jeub Einstudierung
Kartäuserkantorei Köln
Paul Krämer Einstudierung
Oratorienchor Köln
Andreas Meisner Einstudierung
Mitglieder der Chöre am Kölner Dom

                                     PROGRAMM
Winfried Krane und
Eberhard Metternich Einstudierung

Gürzenich-Orchester Köln
Hartmut Haenchen Dirigent

—

SO 29.10.17 11 Uhr
MO 30.10.17 20 Uhr
DI 31.10.17 20 Uhr
Kölner Philharmonie

Konzerteinführung eine Stunde
vor Konzertbeginn mit Michael Kube

Das Konzert am Di 31.10.17
wird von WDR 3 Live übertragen,
Beginn 20.04 Uhr
                                     7
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LIEBE
          KONZERTGÄSTE

Die Reformation gehört zu        zu verkünden. Was liegt da
den Ereignissen und Ent-         näher, als den Festakt der
wicklungen, die unsere Welt      Stadt Köln, mit dem wir an
formten und bis heute prägen.    den Beginn der Reformation
Europa musste lernen, wie        erinnern, in ein Konzert ein­
man ein friedliches Neben-       zu­betten? Georg Friedrich
einander der Konfessionen        Händels » Feuerwerksmusik «
gewährleistet. Der Weg war       macht den festlichen Auftakt,
mühsam und oftmals auch          und Bernd Alois Zimmermann
schmerzhaft. Die Menschen        mahnt uns mit seiner bewe-
mussten lernen, tolerant mit     genden » Sinfonie in einem
Mitgliedern anderer Religions-   Satz «, dass uns der Friede
gemeinschaften umzugehen.        zwischen Menschen, Völkern
Die christlichen Kirchen         und Religionen jede Anstren-
mussten lernen, sich auf ihr     gung wert sein muss.
Gemeinsames zu besinnen.              Der » Lobgesang « von
Diese Lernprozesse sind bis      Felix Mendelssohn Bartholdy
heute nicht abgeschlossen.       gehört zu den bewegendsten
Auch unsere Zeit kennt Kriege    Chorwerken der geistlichen
um Macht und Religion, auch      Liturgie. Ich freue mich, dass
unser Alltag ist vom Neben-      sich renommierte Kölner
einander verschiedener           Chöre dafür unter der Leitung
Religions­gemeinschaften         von Hartmut Haenchen ver-
bestimmt. Viele Herausforde-     einigen, der wie kein anderer
rungen des Miteinanders sind     Dirigent für die friedenstif-
noch anzugehen.                  tende Kraft von Musik steht.
     Musik war für Martin
Luther weit mehr als nur eine    Viel Freude beim Konzert
Möglichkeit, das Wort Gottes     wünscht Ihnen

                    Henriette Reker
                   Oberbürgermeisterin
                     der Stadt Köln
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9   VORWORT
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LIEBES
                 PUBLIKUM

» 500 Jahre Reformation « –      historisch gesichert: erst seit
gemeinschaftliche Feier und      der Reformation erinnern wir
Festakt am runden Jahrestag      uns also an Jahrestage.
des Thesenanschlags von               Und unser Reformations-
Wittenberg. Wir fühlen uns       jubiläum? Hat es eine Bedeu-
beschenkt, dass Sie alle         tung für die Zukunft? Für
mit uns hier in der Kölner       Köln? Wie wäre es damit: Wir
Philharmonie feiern. Dass        feiern den Beginn einer neuen
das Gürzenich-Orchester          Medienrevolution, die statt
mit so vielen prominenten        Fake-News und Hass revo-
Chören und Solisten dieses       lutionäre Ideen von Zusam-
wunderbare Programm zur          menhalt und Unterstützung
Aufführung bringt, erfüllt uns   verbreitet. Wir erleben eine

                                                                   VORWORT
mit großer Dankbarkeit.          neu entfachte Leidenschaft
     Gemeinsam blicken           für Bildung und Wissenschaft,
wir auf die historischen         nicht in Elfenbeintürmen,
Leistungen des Mönchs und        sondern alltäglich für alle.
Reformators Martin Luther. In    Menschen in unserer Stadt,
unzähligen Veranstaltungen       die ihrem Gewissen folgen
haben sich viele Menschen        oder mit Gottvertrauen die
mit diesem epochalen Ereig-      großen Themen unserer Zeit
nis auseinandergesetzt. Es       anpacken, werden gehört.
wurde getagt, gefeiert und       Wir sind inspiriert durch
gepilgert auf Luthers Spuren.    Sprachvirtuosen, die zu Über-
Erfunden wurde das » histo-      setzerinnen und Übersetzern
rische Jubiläum « von protes-    zwischen Religionen, Ländern
tantischen Universitäten, die    und Menschen verschiedens-
das Gedächtnis ihrer eigenen     ter Herkunft werden. Dann
Gründung an runden Daten         haben wir wieder etwas zu
festlich begingen. Es scheint    feiern.

                      Rolf Domning
          Stadtsuperintendent des Evangelischen
            Kirchenverbandes Köln und Region
                                                                   11
500 JAHRE
                      REFORMATION

Wir feiern das Jubiläum » 500 Jahre                       kümmern sich um Menschen in ver-
Reformation « mit einem staatlichen                       schiedenen Lebenslagen und tragen
Feiertag und hier in der Kölner Phil­­har­­­­­­­­­­­­­­   zum Zusammenhalt in der Gesellschaft
monie mit festlicher Musik, weil nach                     bei.
vielen Etappen bewegter Geschichte                             Ein wesentlicher Impuls der Refor­­­­
Dankbarkeit darüber besteht, dass                         mation war die Arbeit für gute Bildung.
wesentliche Impulse der Reformation                       Die Reformation war zunächst ein
breite Wirkung gefunden haben, die                        Geschehen an der Universität. Martin
christlichen Konfessionen in ökume­                       Luther, Philipp Melanchthon, Johannes­­­­­
nischer Vielfalt und Verbundenheit                        Calvin und andere traten für den
gemein­sam auf dem Weg sind und das                       wissen­schaftlichen Diskurs und die
friedliche Zusammenleben von Angehö-                      Ausbreitung von Bildungsmöglich­keiten
rigen aller Religionen ein hohes Gut ist.                 ein. Sie waren der Auffassung, der
     Die evangelische Kirche und die                      gläubige und der suchende Mensch
Stadt Köln erinnern daran, dass es                        müsse die Bibel verstehen und kennen,
Zeiten gab, in denen in Köln keine                        um sich ein eigenes Urteil bilden zu
Toleranz gelebt wurde. Die Schriften                      können. Deshalb waren Schul- und
Luthers wurden zum Beispiel 1520 auf                      Universitätsgründungen eine der wich-
dem Domhof verbrannt, ein akademi-                        tigsten Maßnahmen der Reformatoren.
scher Diskurs war nicht möglich. Bis                      Nach wie vor gilt, gerade angesichts
zum Beginn der Franzosenzeit konnten                      des Bedeutungszuwachses von religiö-
die Evangelischen sich nur heimlich zu                    sem Leben, dass Theologie die Religion
Gottesdiensten versammeln oder sie                        durch Reflexion kultiviert. Der Wettbe-
mussten nach Mülheim am Rhein auf                         werb der Gedanken führt zu einer
der anderen Rheinseite oder bis nach                      mündigen Religion, die Wissenschaft
Frechen laufen, um dort öffentliche                       und Glauben zu verbinden vermag.
Gottesdienste im Geist der Refor-                              Eine tiefgreifende Wirkung in allen
mation zu besuchen. Im Jahr 1802                          Bevölkerungsschichten entfaltete die
konnte im Haus der Brauerzunft auf                        Reformation durch ihr Liedgut. Martin
der Schildergasse schließlich der erste                   Luther war nicht nur Sprachschöpfer,
freie evangelische Gottesdienst in                        sondern auch Lieddichter. Durch die
Köln gefeiert werden. Es gibt in diesen                   Lieder, die Kinder und Erwachsene
Tagen viel zu feiern, denn die Kirchen in                 lernten, wurde das reformatorische
unserer Stadt und der Region arbeiten                     Gedankengut schnell verbreitet, und
seit Jahrzehnten partnerschaftlich                        ihr Klang fand Eingang in die Seele.
und vertrauensvoll in einer oft lebendi-                  Luthers Liedschöpfungen bezeugen
gen Ökumene zusammen. Gemeinsam                           die letzten Dinge, die das Leben tra-
nehmen Christen aller Konfessionen                        gen, und der Sound der Botschaft der
diakonische Verantwortung wahr,                           Erlösung drängt mit ihnen hinaus in
alle Welt. Für Luther gehört die Musik    Wort. « Diesen Trost haben bedrückte
zu den segensreichsten Gaben der          Minderheiten in der Zeit des Aushar-
Schöpfung. Er bezeichnet sie deshalb      rens erfahren. Wer bewahrt wurde und
als » Heil brin-                                                 wem Raum zum
gende und fröh-                                                  Atmen geschenkt
liche Kreatur «                                                  wurde, der kann
und beschreibt                                                   loben. » Alles,
die Welt als klin-                                               was Odem hat,
gende Schöp-                                                     lobe den Herrn!
fung. Für ihn und                                                Halleluja, lobe
viele spätere                                                    den Herrn! Lobt

                                                                                      GRUSSWORT
Theologen der                                                    den Herrn mit
Reformation                                                      Saitenspiel, lobt
ist es unstrittig,                                               ihn mit eurem
dass der Musik                                                   Liede! «
unmittelbare                                                          Gründe
Spuren der                                                       zum Loben und
Transzendenz                                                     zur Dankbarkeit
innewohnen. So                                                   gibt es reichlich:
passt es, wenn                                                   die Dankbarkeit
in diesen Fest-                                                  dafür, in einem
tagen Chöre in                                                   freien Land leben
ökumenischer                                                     zu dürfen, in dem
Verbundenheit die Freude und Schön-       jede friedliche Religionsausübung
heit der Chormusik Mendelssohns zu        möglich und geschützt ist, Menschen
Gehör bringen.                            alle Instrumente erlernen, ihre Musik-
     Die Psalmen des Volkes Israel, die   vorlieben frei wählen dürfen und in
Christen mitsprechen, drücken alle        dem Bildung für jeden ein hoher gesell-
Lebens- und Gefühlserfahrungen aus,       schaftlicher Wert ist.
die denkbar sind: Klage, Verzweiflung,
Ohnmacht, Bitte, Vertrauen, Lob
und Dank. Die durch Mendelssohn
vertonten biblischen Worte bezeugen
Licht und Schatten. » Er hat aus der
Not errettet, aus schwerer Trübsal,                        Dr. Bernhard Seiger
aus Schmach und Banden, die ihr               Superintendent des Kirchenkreises
gefangen in Dunkel waret. « » Er zäh-                Köln-Süd und Beauftragter
let unsere Tränen in der Zeit der Not,            für das Reformationsjubiläum
er tröstet die Betrübten mit seinem                          in Köln und Region
                                                                                      13
TEXT VON
MICHAEL KUBE
So verschieden Händels
       » Feuerwerksmusik «, Zimmermanns
          Sinfonie und der » Lobgesang «
        von Mendelssohn zu sein scheinen,
           haben sie doch eines gemein:
      Die Zelebrierung eines neuen Zeitalters

In allen Kulturen der Welt werden Feste mit Musik begangen.
Sie ist Ausdruck der Ausgelassenheit bei freudig-fröhlichen Anlässen
wie auch klangliche Untermalung beim Innehalten nach traurig-tra-
gischen Ereignissen. Für manch eine Melodie hat sich dabei über die
Jahrzehnte und Jahrhunderte eine eigene Tradition entwickelt – sie ist
heute vielfach fester Bestandteil bei einer Hochzeit oder Trauerfeier.

                                                                           ESSAY
Doch nicht nur im gesellschaftlichen oder privaten Kreis spielt Musik
eine verbindende Rolle. Sie war und ist noch immer auch eine Form der
staatlichen Repräsentation – einst bei Hofe oder in der Kirche, heute
bei Feierstunden und offiziellen Terminen. Was in früheren Zeiten
vielfach als Gelegenheitsmusik zu speziellen Anlässen entstand, hat
inzwischen Eingang in den Konzertsaal und weit darüber hinaus
gefunden: von der Domweih-Motette der Renaissance ( Dufay ) über
die Ratswahl-Kantate ( Bach ) und herrschaftliche Suiten ( Händel ),
dem klingende Schlachtengemälde mit Siegessinfonie ( Beethoven ),
exotischen Triumphzügen ( Verdi ) und festlichen Einweihungs-Präludien
( Strauss ) bis hin zu den Olympischen Spielen und der Erkennungs-
melodie der UEFA Champions-League, bei der eine Krönungshymne
von Georg Friedrich Händel deutlich Pate stand. Die musikalische
Feier des Reformationsfestes steht ebenfalls in dieser Tradition, auch
wenn nur wenige Werke direkt mit Luthers Anschlag der 95 Thesen im
Jahre 1517 in Verbindung zu bringen sind. Fasst man den Bogen jedoch
weiter, gelangt man zu einigen Kompositionen von Felix Mendelssohn
Bartholdy, darunter seine sogenannte » Reformations-Sinfonie «, die
1830 zum 300. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses der protestan-
tischen Reichsstände entstand – einschließlich eines breit angelegten
instrumentalen Finales mit dem Choral » Ein feste Burg ist unser Gott. «
                                                                           15
Feuerwerk
Der zeitgenössische kolorierte Kupferstich zeigt
das Feuerwerk auf der Themse am 15.05.1749, das
von Händels Klängen seiner » Feuerwerksmusik «
musikalisch illustriert wurde.
Grandiose Eröffnungsmusik
              oder politisches Blendwerk –
               Georg Friedrich Händels
                 » Feuerwerksmusik «

Siegesfeier mit großer Musik. Als am 18. Oktober 1748 mit dem
Frieden von Aachen der fast neun Jahre andauernde Österreichische
Erbfolgekrieg beendet wurde, stellten sich die darin festgeschriebenen
Bedingungen nicht für alle beteiligten Kriegsparteien gleichermaßen
vorteilhaft dar: Während dem zur europäischen Macht aufgestiegenen
Preußen der Besitz von Schlesien bestätigt wurde, musste Österreich

                                                                          ESSAY
einige norditalienische Herzogtümer abtreten; Frankreich und England
übergaben in den Kolonien ihre jeweiligen Eroberungen und kehrten
damit in Nordamerika und Indien zum status quo ante bellum zurück.
Der Friede währte allerdings nur kurz: Der 1756 ausbrechende Sie-
benjährige Krieg, der nicht nur Europa erschütterte, sondern auch in
Übersee geführt wurde, gilt als der erste weltumspannende Konflikt
überhaupt. Da England zwar das für den lukrativen Indien-Handel so
wichtige Madras zurückerhielt, zugleich aber auf wichtige Handels­
posten in Kanada und Gibraltar verzichten musste, wurde der von
König Georg II. akzeptierte Friede von der britischen Öffentlichkeit
geschmäht. So notierte der Politiker und Schriftsteller Horace Walpole
( 1717–1797 ): » Der Frieden zwischen uns, Frankreich und Holland wurde
unterzeichnet, er ist aber nicht im mindesten erfreulich; die Aktien
steigen nicht, und die Kaufleute sind unzufrieden [ … ] kurz gesagt, es
hat nicht das leiseste Anzeichen von öffentlicher Freude gegeben; die
Regierung wird aber ein prächtiges Feuerwerk veranstalten. «
      Dieses Feuerwerk sollte zunächst nur wenige Tage nach dem
Friedensschluss veranstaltet werden, wurde dann aber mit Rücksicht
auf die in so kurzer Zeit nur schwer durchführbaren Vorbereitungen
( wohl aber auch wegen des herbstlichen Wetters ) verschoben. Erst
am 27. April 1749 kam es schließlich zu dem geplanten Großereignis
im Londoner Green Park: Für die mächtige Maschinerie der Raketen
und Feuerräder wurde ein aus Holz und bemalten Leinwänden zusam-
mengesetztes, tempelartiges Gebäude errichtet, zuvor aber sollte ein
von Händel zu diesem Anlass neu komponiertes Werk erklingen, die
» Music for the Royal Fireworks «. Den Kern der Besetzung bildeten
                                                                          17
GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Geboren am 05.03.1685
in Halle ( Saale )
Gestorben am 14.04.1759
in London

» Feuerwerksmusik «
1749                                 Instrumente der Militärmusik, die sich für
                                     das Musizieren außerhalb geschlossener
Uraufführung ( Urfassung )
                                     Räumlichkeiten bewährt hatten. Doku-
am 27.04.1749 in London
                                     mentarisch belegt ist neben den Pauken
Zuletzt gespielt vom                 und kleinen Trommeln eine Besetzung von
Gürzenich-Orchester                  nicht weniger als 24 Oboen, 12 Fagotten,
am 08.12.1998                        einem Kontrafagott sowie jeweils neun
Leitung John Nelson                  Hörnern und Trompeten. Außerdem
                                     fügte Händel noch Streichinstrumente
     hinzu – vor allem, um den Klang des Ensembles ein wenig weicher zu
     gestalten ( in der ursprünglichen Partitur sind sie durchweg an die
     Oboen und Fagotte gekoppelt ). Somit ergeben sich für den äußerst
     repräsentativ gestalteten ersten Satz gleich drei instrumentale Chöre:
     nämlich den Chor der Hörner, den der Trompeten sowie den der Oboen
     und Streicher, die in der langsamen Einleitung zunächst im mächtigen
     Tutti erklingen, dann aber im schnellen Teil der Ouvertüre auf vielfältige
     Weise miteinander abwechseln oder in wechselnden Kombinationen
     erscheinen. Anders als üblich folgt darauf allerdings nicht bloß eine
     Reihe kurzer stilisierter Tanzsätze; zwischen der raschen Bourrée und
     den beiden abschließenden Menuetten stehen zwei Sätze program-
     matischen Charakters: » La paix « ( Der Friede ), ruhig fließend im Stile
     eines pastoralen Sicilianos, und » La Réjouissance « ( Die Freude ), als
     glänzend strahlender, siegesgewisser Gegenpart.
          Händels » Feuerwerksmusik « erfüllte damit bestens ihre Funktion
     als festliche Eröffnung eines groß angelegten Spektakels, das mit
     zischenden Raketen und Kanonendonner begann, dann aber außer
     Kontrolle geriet, so dass die Maschinerie selbst abbrannte. Nur durch
     den Einsatz von Spritzenwagen konnte eine größere Katastrophe für
     die Stadt verhindert werden.
ESSAY

Georg Friedrich Händel
im Alter von 64 Jahren. Das Porträt
des Komponisten stammt von einem
unbekannten Meister.
                                      19
Bernd Alois Zimmermann
Fotoaufnahme aus dem Jahr 1954.
Das Unfassbare fassbar machen:
         Bernd Alois Zimmermann und seine
              » Sinfonie in einem Satz «

Von Aufbrüchen und Ausbrüchen. 1918 in Köln geboren, gehörte
Bernd Alois Zimmermann zu jener Generation von Komponisten, die
nach der kulturellen Gleichschaltung des Dritten Reiches und den
Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu Beginn der 1950er-Jahre eigen­­­­­
ständig hervortrat. Dabei mochte Zimmermann jedoch der sich bald
radikalisierenden Avantgarde kaum folgen. Ohne selbst die musikali-

                                                                            ESSAY
sche Vielfalt der » Goldenen 20er-Jahre « direkt erlebt zu haben,
erschien ihm die damit verbundene Klangsprache noch vertraut, wäh-
rend die um ein Jahrzehnt jüngeren Komponisten ( wie etwa Karlheinz
Stockhausen ) gegen das Repertoire aufbegehrten, das sie in den
ebenso bereinigten wie begrenzten Programmen in den Konzertsälen
ihrer Kindheit und Jugend kennengelernt hatten. Verbunden mit den
Ideen und der Ästhetik des Serialismus, resultierte daraus zwar eine
nahezu gleichberechtigte Entwicklung der einzelnen Parameter des
musikalischen Materials, gleichzeitig setzte aber auch eine wechselsei-
tige Entfremdung zwischen schöpferischem Geist und Auditorium ein.
     Davon unbeeinflusst, entwickelte Zimmermann, der sich zunächst
für Theologie interessierte, sich dann aber noch vor Kriegsbeginn zum
Winter 1938/39 an der Kölner Musikhochschule für Schulmusik, Musik-
wissenschaft und Komposition eingeschrieben hatte, einen deutlich
wahrnehmbaren eigenen Stil. Nach ersten neoklassizistischen Versu-
chen folgte bald die Hinwendung zur freien Atonalität, dann zur streng
gebundenen Dodekaphonie, schließlich auch zu seriell strukturierten
Arbeiten, bis er Ende der 1950er ( unter Einbeziehung des Jazz ) die Col-
lage für sich entdeckte – ein Verfahren, bei dem sowohl sukzessiv wie
simultan Kombinationen eigenen und fremden musikalischen Materials
die Partitur bestimmen, am wohl eindringlichsten, verständlichsten in
der » Musique pour les soupers du Roi Ubu « ( 1966 ), die im Rahmen des
Bernd Alois Zimmermann-Schwerpunktes im 10. Sinfoniekonzert im Mai
2018 auf dem Programm stehen wird.
                                                                            21
Wie neu Zimmermann in seinem Schaffen ansetzte, zeigt die » Sinfonie
in einem Satz « – als eine Komposition, die in ihrer kantigen ersten Fas-
sung von 1951 die Eindrücke einer schwierigen Zeit in sich aufnimmt, in
der umgearbeiteten zweiten Fassung von 1953 aber konzilianter und in
ihrer veränderten Besetzung für den Konzertgebrauch auch gängiger
erscheint. Dabei täuscht der neutral formulierte Titel über die ursprüng­­­-
liche Intention des Werkes hinweg: So sollte am Beginn der Arbeit die
schon in der Vorstellung als » sehr extrem « charakterisierte Komposi-
tion noch in drei Sätze gegliedert und als » Symphonia Apocalyptica «
oder » Visionen des Johannes von Patmos « bezeichnet werden. Dass
Zimmermann von dieser mehrteiligen Konzeption Abstand nahm, ist
schließlich der Ausarbeitung und der Erkenntnis geschuldet, das
» Unfassbare fassbar zu machen, das Chaotische zu ordnen, das Gren-
zenlose zu begrenzen « ( Über die Beharrlichkeit der Missverständnisse,
1956 ). Die als Auftragswerk des WDR fertig gestellte Partitur sorgte
allerdings bei der Uraufführung für Irritationen, vor allem die promi-
nente Verwendung einer Orgel wurde mit Unverständnis aufgenommen.
Erst in der revidierten zweiten Fassung, bei der Zimmermann erheblich
in den ursprünglichen formalen Verlauf eingriff und das von ihm so
bezeichnete » Orgelhindernis « mit einer
veränderten Instrumentation beseitigte,       BERND ALOIS
kam es zu weiteren, dann auch erfolgrei- ZIMMERMANN
chen Aufführungen. Die aus einer einheit- Geboren am 20.03.1918
lichen Grundsubstanz, einer einzigen          in Bliesheim, heute Erftstadt
Keimzelle entwickelte Partitur stellt im      Gestorben am 10.08.1970
Gegensatz zum ersten Eindruck keine           in Frechen-Königsdorf bei Köln
Folge von Variationen dar, sondern ent-
                                              Sinfonie in einem Satz
faltet sich in einem organischen Prozess
                                              1947–52/53
über zögerliche Phasen hinweg zu exzes-
siven, apokalyptischen Ausbrüchen, an         Uraufführung
deren Ende ein in seiner Größe beeindru- im März 1952 vom
ckender, unisoner Klang auf dem Ton D         Kölner Rundfunk-Sinfonie-
steht.                                        Orchester unter der Leitung
                                              von Hans Rosbaud.

                                            Zuletzt gespielt vom
                                            Gürzenich-Orchester
                                            am 09.05.2004
                                            Leitung Markus Stenz
(

Die Arbeit an meiner » Sinfonie in        und sogenannter » freier Atonalität «,
einem Satz « erstreckte sich, mehrfach    die dynamische Form und die zum Teil
unterbrochen, über einen Zeitraum         emanzipierte Klangfarbe, all das war
von mehreren Jahren. Das Werk wurde       einer » Behandlung « unterworfen, die
1952 beendet und im folgenden Jahre       ich seitdem nicht mehr angewendet
einer Neufassung unterzogen. Die Sin-     habe. Das Werk gehört zusammen mit
fonie entstand in der Nachkriegszeit,     dem Violinkonzert in einen Abschnitt
in einer Zeit der                                             meiner Entwick-
Niederbrüche,                                                 lung, die wesent-
in einer Zeit, die                                            lich vom Ausdruck

                      SINFONIE
wohl wie kaum                                                 bestimmt ist.
eine andere gear-                                            – Formal handelt

                      IN EINEM                                                      ESSAY
tet war. Es gab                                               es sich nicht
kein Entrinnen;                                               um eine Anei-

                        SATZ
Ungeborgenheit,                                               nanderreihung
Unsicherheit,                                                 mehrerer Sätze,
Angst: Symp-                                                  die ohne Pause
tome, die nicht zu                                            unter Einschaltung
übersehen waren,                                              von bindenden
all das drängte zur Darstellung, zur      Zwischengliedern durchgespielt
Aussage. Stil war zwar nicht Nebensa-     werden, sondern um ein musikalisches
che, aber sekundär. Die Sinfonie stellt   Gefüge, welches aus einer einheitlichen
einen Abschluss in meinem Schaffen        musikalischen Grundsubstanz, einer
dar. Der große Orchesterapparat, die      Grundgestalt, entwickelt wird.
Weiträumigkeit der Anlage, die simul-
tane Verwendung von Reihentechnik                  Bernd Alois Zimmermann, 1956

                                          )
                                                                                    23
Aufwachend beschlossen wir
in nichts mehr einzuwilligen
nur mehr uns treiben
und fortreißen zu lassen
alles was Körper hat, schwimme
sagten wir uns, alles was Inhalt hat
spüre, also sprangen wir
in das Leuchtbad von Wunder und Trost
nahmen das Wort, zerlegten es in Teile
sangen, sprachen als Tier
laudato si'

ADRIAN KASNITZ
25   MUSIK UND POESIE
1   SINFONIA

2   CHOR
    Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!
    Halleluja, lobe den Herrn!
    Lobt den Herrn mit Saitenspiel,
    lobt ihn mit eurem Liede!
    Und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen.
    Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.

    SOPRAN UND FRAUENCHOR
    Lobe den Herrn, meine Seele,
    und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
    Lobe den Herrn, meine Seele,
    und vergiss es nicht, was er dir Gutes getan!

3   TENOR / REZITATIV
    Saget es, die ihr erlöst seid
    durch den Herrn,
    die er aus der Not errettet hat,
    aus schwerer Trübsal, aus Schmach und Banden,
    die ihr gefangen im Dunkeln waret,
    alle, die er erlöst hat aus der Not.
    Saget es! Danket ihm und rühmet
    seine Güte!
    Er zählet unsre Tränen in der Zeit der Not,
    er tröstet die Betrübten mit seinem Wort.
    Saget es! Danket ihm und rühmet seine Güte!

4   CHOR
    Sagt es, die ihr erlöset seid
    von dem Herrn aus aller Trübsal.
    Er zählet unsere Tränen in der Zeit der Not.
5   SOPRAN I UND II / DUETT, CHOR
    Ich harrete des Herrn,
    und er neigte sich zu mir
    und hörte mein Flehn.
    Wohl dem, der seine Hoffnung
    setzt auf den Herrn!
    Wohl dem, der seine Hoffnung
    setzt auf ihn!

6   TENOR
    Stricke des Todes hatten uns umfangen,
    und Angst der Hölle hatte uns getroffen,
    wir wandelten in Finsternis.
    Er aber spricht: Wache auf!
    Wache auf, der du schläfst,

                                                    GESANGSTEXTE
    stehe auf von den Toten,
    ich will dich erleuchten!
    Wir riefen in der Finsternis:
    Hüter, ist die Nacht bald hin?
    Der Hüter aber sprach:
    Wenn der Morgen schon kommt,
    so wird es doch Nacht sein;
    wenn ihr schon fraget,
    so werdet ihr doch wieder kommen
    und wieder fragen:
    Hüter, ist die Nacht bald hin?

    SOPRAN
    Die Nacht ist vergangen!

7   CHOR
    Die Nacht ist vergangen,
    der Tag aber herbeigekommen.
    So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis
    und anlegen die Waffen des Lichts
    und ergreifen die Waffen des Lichts!
                                                    27
8   CHOR
    Nun danket alle Gott
    mit Herzen, Mund und Händen,
    der sich in aller Not
    will gnädig zu uns wenden,
    der so viel Gutes tut;
    von Kindesbeinen an
    uns hielt in seiner Hut,
    und allen wohlgetan.
    Lob, Ehr’ und Preis sei Gott,
    dem Vater und dem Sohne,
    und seinem heil’gen Geist
    im höchsten Himmelsthrone.
    Lob dem dreiein’gen Gott,
    der Nacht und Dunkel schied
    von Licht und Morgenrot,
    ihm danket unser Lied.

9   TENOR UND SOPRAN
    Drum sing’ ich mit meinem Liede
    ewig dein Lob, du treuer Gott!
    Und danke dir für alles Gute,
    das du an mir getan!
    Und wandl’ ich in der Nacht
    und tiefem Dunkel,
    und die Feinde umher stellen mir nach:
    so rufe ich an den Namen des Herrn,
    und er errettet mich nach seiner Güte.
    Drum sing’ ich mit meinem Liede
    ewig dein Lob, du treuer Gott!
    Und wandl’ ich in Nacht,
    so ruf ich deinen Namen an,
    ewig, du treuer Gott!
10   SCHLUSSCHOR
     Ihr Völker, bringet her dem Herrn Ehre und Macht!
     Ihr Könige, bringet her dem Herrn Ehre und Macht!
     Der Himmel bringe her dem Herrn Ehre und Macht!
     Die Erde bringe her dem Herrn Ehre und Macht!
     Alles danke dem Herrn!
     Danket dem Herrn und rühmt seinen Namen
     und preiset seine Herrlichkeit.
     Alles, was Odem hat, lobe den Herrn,
     Halleluja, lobe den Herrn!

                                                         GESANGSTEXTE

     » Nun danket alle Gott «
     Vom evangelischen Theologen Martin
     Rinckart ( 1586–1649 ) stammt der Choral
     » Nun danket alle Gott «, den Mendelssohn
     Bartholdy in seinem » Lobgesang « aufgriff.
     Notendruck von 1666.
                                                         29
Felix Mendelssohn Bartholdy
Gemälde von Eduard Magnus ( 1799–1872 ),
entstanden 1845/46.
Neue Bindungen.
              Mendelssohns » Lobgesang «
                sucht die Annäherung
              zwischen den Institutionen
                Kirche und Konzertsaal

Überwindung von Gattungsgrenzen. Das Stück für [ … ] war kein
Oratorium, sondern wie ich es auf deutsch nannte » eine Symphonie für
Chor und Orchester « und hiess » Lobgesang « – erst 3 Symphoniesätze,
an welche sich 12 Chor- und Solosätze anschliessen; die Worte aus den
Psalmen, und eigentlich alle Stücke, Vokal- und Instrumental, auf die
Worte » Alles was Odem hat, lobe den Herrn « komponiert; Du verstehst

                                                                           ESSAY
schon, dass erst die Instrumente in ihrer Art loben, und dann der Chor
und die einzelnen Stimmen.
     Wohl kaum wird man in der Kürze treffender die wesentlichsten
Momente der » Lobgesang « genannten Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52
zusammenfassen können, als dies Felix Mendelssohn Bartholdy
selbst in einem Brief an seinen langjährigen Freund Karl Klingemann
getan hat. Die in diesem Werk realisierte Verbindung von Sinfonie und
Kantate, von weltlicher Orchestermusik und geistlichem Gesang, von
profanem Anlass und sakraler Feier wurde von den Zeitgenossen oft
mit Beethovens 9. Sinfonie in Verbindung gebracht, sie ist aber auf ihre
eigene Weise höchst originell und fand in vergleichbaren Partituren
anderer Komponisten nur selten eine adäquate Nachfolge: Mendels-
sohn überschritt mit seinem » Lobgesang « zwar Gattungsgrenzen,
schuf aber keine neue Gattung.
     Singulär ist auch die Entstehungsgeschichte. Vermutlich noch 1839
bestellte der Rat der Stadt Leipzig für die im folgenden Jahr anste-
henden Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum der Erfindung der
Buchdruckerkunst beim hoch angesehenen Gewandhauskapellmeister
ein dem Anlass entsprechendes Werk. Schon 1828 hatte Mendelssohn
zum Dürer-Fest für die Berliner Singakademie eine » Große Festmusik «
geschrieben; im gleichen Jahr entstand auch eine » Festmusik zum Fest
der Naturforscher «. Diese Werke blieben jedoch ungedruckt und erleb-
ten wegen ihrer speziellen funktionalen Bindung auch keine weitere
Aufführung. Diesen für einen Komponisten nicht immer erfreulichen
Umstand versuchte Mendelssohn bei dem Auftrag für die Guten-
berg-Feier offensichtlich zu umgehen, indem er gleich zwei Werke kom-
ponierte: Für den Festakt am 24. Juni 1840 entstand ein » Festgesang «
                                                                           31
für Männerchor und Blasorchester ( auch er blieb ungedruckt ), beim
Festkonzert am folgenden Abend erklang in der Thomaskirche dann
aber die Sinfonie Nr. 2 op. 52, der » Lobgesang «. Sie bildete den krö-
nenden Abschluss einer beziehungsreichen Programmfolge, die aber
nur indirekt mit Gutenbergs erstem Bibeldruck in Verbindung steht: Zu
Beginn wurde Carl Maria von Webers » Jubel-Ouvertüre « gespielt, die
mit einer brillanten Paraphrase über » Heil dir im Siegerkranz « endet;
ein Werk, das 1818 zum 50jährigen Regierungsjubiläum des sächsi-
schen Königs Friedrich August I. entstand. Es folgte das » Dettinger
Te Deum « von Georg Friedrich Händel, das dieser 1743 zur Feier des
Cumberlandschen Sieges über Frankreich geschrieben hatte. Über
den Verlauf des Konzerts berichtete Robert Schumann in der von ihm
gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik ausführlich: » Die Form des
Ganzen konnte für diesen Zweck nicht glücklicher gefunden werden.
Enthusiastisch wirkte das Ganze [ … ]. Einzelnes heben wir nicht hervor;
doch – jenen mit Chor unterbrochenen Zweigesang > ich harrete des
Herrn
FELIX MENDELSSOHN
BARTHOLDY
Geboren am 03.02.1809
in Hamburg
Gestorben am 04.11.1847
in Leipzig

Sinfonie Nr. 2
Lobgesang
1839–40
                                     Den umfangreichen Text der folgenden
Uraufführung
                                     Kantate, die formal einerseits die Sinfo-
25.06.1840 in Leipzig
                                     nie als Finale abschließt, andererseits
Zuletzt gespielt vom                 durch die vorangehenden Instrumental-
Gürzenich-Orchester                  sätze vorbereitet wird, stellte Mendels-
am 20.12.1987                        sohn vornehmlich aus Psalmen, Worten
Leitung Horst Meinardus              aus dem Buch Jesaja sowie den Briefen
                                     des Paulus an die Epheser und Römer
     zusammen. Er übernahm diese Texte allerdings nicht immer wörtlich
     aus der Luther-Bibel, sondern griff aus dramatischen und musikali-
     schen Gründen gelegentlich in die Vorlage ein. So ergänzt er in der Nr. 6
     » Stricke des Todes hatten uns umfangen « den bloß berichtenden Text

                                                                                 ESSAY
     durch die Frage: » Hüter, ist die Nacht bald hin? « Das in der Heiligen
     Schrift lediglich erwähnte wiederholte Fragen wird dabei musikalisch
     durch eine gesteigerte, fast drängende Sequenzierung des Abschnitts
     nicht nur ausgedeutet, sondern durch seine Intensität fast greifbar
     gemacht.
           Den Zusammenhalt zwischen Sinfonie und Kantate stellt
     Mendelssohn durch die variierte Verwendung einzelner Motive her.
     Abgesehen von dem Motto » Alles was Odem hat «, das gleich im ersten
     Chor aufgegriffen wird und mehrfach in anderen Sätzen wiederkehrt,
     verweist der Chor » Saget es, die ihr erlöset seid « auf den Instrumen-
     talchoral des zweiten Satzes; bei dem strahlenden Ruf » Die Nacht ist
     vergangen « handelt es sich um das rhythmisch veränderte und nach
     Dur gewendete Thema des Scherzos. Diese das gesamte Werk durch-
     ziehende thematische Verknüpfung verdeutlicht auch den komposito-
     rischen Anspruch, den Mendelssohn mit dieser Partitur verband – und
     offenbart damit auch einen sehr persönlichen Bekenntnischarakter.
     Dem widerspricht auch nicht der romantische Tonfall des vorletzten
     Satzes mit dem sonoren Klang der geteilten tiefen Streicher oder die
     geradezu toposhafte Melodielinie des Horns, die das Sopransolo » Ich
     harrete des Herrn « kontrapunktiert. Das Werk klingt mit einem großan-
     gelegten, nahezu triumphalen Schlusschor aus, der – und hier schließt
     sich der musikalisch durchmessene Zyklus – in jenen Posauneneinsatz
     des Mottos mündet, der auch den » Lobgesang « eröffnete.
                                                                                 33
ANNA LUCIA
                      RICHTER
                                     SOPRAN

Anna Lucia Richter erhielt ihre Aus-         Notenbüchlein für Anna Magdalena
bildung bei Kurt Widmer in Basel und         Bach u. a. mit Georg Nigl im Wiener
schloss ihr Gesangsstudium bei Klesie        Konzerthaus. Die CD » Bach Privat « mit
Kelly-Moog an der Musikhochschule            diesen Werken ist soeben erschienen.
Köln ab. Die Solistin gewann bereits         Besonders begeistert sich Anna
zahlreiche internationale Preise, wie        Lucia Richter für den Liedgesang.
2016 den Borletti-Buitoni Trust Award.       Sie ist mit einem umfangreichen
Als Konzertsängerin trat sie unter           Repertoire in allen großen Liedzentren
anderem mit dem Lucerne Festival             zu Gast, z. B. bei der Schubertiade
Orchestra unter Riccardo Chailly,            Schwarzenberg, dem Rheingau Musik
mit dem Orchestre de Paris unter             Festival, beim Heidelberger Frühling,
Thomas Hengelbrock, dem Orchester            dem Schleswig-Holstein Musikfestival
der Accademia Nazionale di Santa             oder in der Wigmore Hall London. Ihr
Cecila unter Daniel Hardingoder dem          US-Debüt gab sie u. a. mit einem viel
London Symphony Orchestra unter              beachteten Liederkreis-Programm mit
Bernard Haitink auf. Eine Tournee mit        Eichendorff-Vertonungen, begleitet
Mahlers Liedern aus » Des Knaben             von Michael Gees, in der Weill Hall der
Wunderhorn « gemeinsam mit dem               Carnegie Hall. In dieser Saison wird
Chamber Orchestra of Europe unter            sie bei Liederabenden in München,
der Leitung von Bernard Haitink führt        Bilbao, den Niederlanden und Vila-
sie im November zum Concertgebouw            bertran von Gérard Wyss und Gerold
Amsterdam und nach Luxemburg. Mit            Huber begleitet. Die Künstlerin nimmt
dem NDR Elbphilharmonie Orchester            auch immer wieder zeitgenössische
unter Thomas Hengelbrock singt sie           Vertonungen in ihre Liedprogramme
Mozarts Requiem. Erstmals steht              auf, darunter Werke von Moritz Eggert
Beethovens Neunte Symphonie                  und die » Ophelia Sings « von Wolfgang
bei Konzerten mit dem Freiburger             Rihm, die er eigens für sie komponiert
Barockorchester in Berlin, Stuttgart         hat. Im September 2017 ging sie mit
und Freiburg auf dem Programm. Die           dem Ensemble MusicAeterna unter
Werke von Johann Sebastian Bach              der Leitung von Teodor Currentzis
gehören zum Kernrepertoire der               und Mozarts konzertanter Oper » La
Künstlerin: Mit Kantaten ist sie in dieser   Clemenza di Tito « auf Tournee. In der
Saison mit dem B’Rock Orchestra bei          Kölner Aufführung von Mozarts » Don
der Mozartwoche in Salzburg, mit dem         Giovanni « wird sie die Zerlina verkör-
Tonkünstler-Orchester in Grafenegg           pern. Zuletzt war Anna Lucia Richter
und schließlich im März mit Liedern          am 18.04.2014 beim Gürzenich-Or-
aus Schemellis Gesangbuch und dem            chester Köln zu Gast.
35
ESTHER
                               DIERKES
                                          SOPRAN

Esther Dierkes war bereits während               und imposantesten Freiluftarenen
ihres Studiums in der Klasse von                 Europas ( Schirmherrschaft Anna
Hedwig Fassbender an der Hoch-                   Netrebko ) – war Esther Dierkes 2016
schule für Musik und darstellende                als Giannetta in Donizettis » L'elisir
Kunst Frankfurt am Main u. a. als                d'amore « zu erleben und verkörperte
Csárdásfürstin in der Reihe » Oper               die Gerda in Sergej Banewitschs
für Kinder « an der Oper Frankfurt               Kinderoper » Die Schneekönigin « im
und als Lauretta in Puccinis » Gianni            Haydn-Saal von Schloss Esterházy. Sie
Schicchi « zu erleben. Seit dieser               ist Stipendiatin des » Richard-Wag-
Spielzeit ist die Sopranistin festes             ner-Verbands «, erhielt das Stipendium
Ensemblemitglied der Oper Stuttgart              des » Cusanuswerks « und wird zudem
und gestaltet in dieser Saison die Par-          durch die » Da Ponte «- Stiftung und
tien der Gretel ( » Hänsel und Gretel « ),       Yehudi-Menuhin » Live Music Now « e. V.
Venus ( » Orpheus in der Unterwelt « ),          gefördert. Esther Dierkes besuchte
Blumenmädchen ( » Parsifal « ), 1. Dame          Meisterkurse bei Helmut Deutsch,
( » Die Zauberflöte « ) und Josephe              Edith Wiens, Gerd Uecker und Rudolf
Asteron ( » Erdbeben.Träume « ). Als             Piernay. Sie konzertierte mehrfach in
Opernstudiomitglied war sie bisher               Konzerthäusern wie der Kölner Philhar-
als Zerlina ( » Don Giovanni « ), Barena         monie, der Berliner Philharmonie, dem
( » Jenufa « ), Frasquita ( » ­Carmen « ),       Gewandhaus Leipzig und in der Alten
Michael ( » Peter Pan « ) und in wei-            Oper Frankfurt. Dabei arbeitete sie
teren Partien in Opern von Strauss               u. a. mit Dirigenten wie Sylvain Cam-
( » Salome, «, » Elektra « ), Rossini ( » Bar-   breling, Marc Soustrot, Ulf Schirmer
bier von Sevilla « ), Mozart ( » Le nozze        und Bertrand de Billy zusammen. Bei
di Figaro « ) und Verdi ( » Nabucco « ) zu       den zweiten Sinfoniekonzerten dieser
hören. In der Oper im Steinbruch St.             Saison gibt Esther Dierkes ihr Debüt
Margarethen – eines der schönsten                beim Gürzenich-Orchester Köln.
PATRICK
                          GRAHL
                                    TENOR

Patrick Grahl wurde in Leipzig            jungen Seemanns in Richard Wagners
geboren und war bis 2006 Mitglied         » Tristan und Isolde «. Außerdem ist er
des Thomanerchors unter Georg             seit 2002 Tenor des Männerquartetts
Christoph Biller. Er studierte an der     » Thios Omilos «, einem Ensemble,
dortigen Musikhochschule » Felix          das mit einem Repertoire geistlicher
Mendelssohn Bartholdy « Gesang bei        als auch weltlicher Literatur von der
Berthold Schmid und schloss 2016          Renaissance bis zur Moderne erfolg-
» mit Auszeichnung « ab. Im gleichen      reich im In- und Ausland gastiert. Mit
Jahr gewann er den 1. Preis beim 20.      dem Ensemble » Barockwerk Ost « ist
Internationalen Johann-Sebasti-           er zudem 1. Preisträger des Förder-
an-Bach-Wettbewerb Leipzig. Solis-        preises Alte Musik 2014 des SR und der
tisch tritt er vor allem als Oratorien-   Akademie für Alte Musik im Saarland.
und Konzertsänger in Erscheinung          2010–2013 war Patrick Grahl Stipen-
und arbeitet dabei mit Dirigenten wie     diat der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn.
Sir John Eliot Gardiner, Daniele Gatti,   In der Spielzeit 2017/2018 konzertiert er
Hermann Max, Hartmut Haenchen,            mit Dirigenten wie Giovanni Antonini,
Peter Schreier, Konrad Junghänel,         Stefano Montanari, Andrew Manze
Peter Neumann und Ludwig Güttler          und Leopold Hager u. a. mit der
zusammen. Bei Orchestern und Ensem-       Staatskapelle Dresden, dem Basler
bles wie dem Thomanerchor Leipzig         Kammerorchester, der Akademie für
und dem Gewandhausorchester, dem          Alte Musik Berlin und der NDR Radio
Dresdner Kreuzchor und der Dresdner       Philharmonie. Als Don Ottavio wird
Philharmonie sowie der Accademia          Patrick Grahl darüber hinaus im
Nazionale di Santa Cecilia und dem        Rahmen einer Produktion des Teatros
London Symphony Orchestra ist er          La Fenice di Venezia im Oktober 2017
gleichermaßen zu Gast. An der Opéra       in Mozarts » Don Giovanni « zu erleben
National de Lyon sang er in » Elektra «   sein. In den zweiten Sinfoniekonzerten
von Strauss den Jungen Diener und         gibt Patrick Grahl sein Debüt beim
die Partie des Hirten/Stimme eines        Gürzenich-Orchester Köln.
BACH-VEREIN
                     KÖLN

Im Mai 2016 feierte der Bach-Verein        Philharmonie sowie dem Nationalen
Köln mit der Aufführung der » Mass «       Musikforum in Wrocław gemeinsam
von Leonard Bernstein sein 85-jäh-         mit dem Bundesjugendorchester.
riges Bestehen und setzte damit die
kontinuierliche, seit 2010 bestehende      Das Repertoire des Chorleiters
Kooperation, mit dem Gürzenich-Or-         ­ homas Neuhoff reicht von Mon-
                                           T
chester Köln fort. Zur Besonderheit        teverdis » Marienvesper « bis hin zu
des Chores und seines Künstlerischen       » Nuits « von Xenakis, vom Solo-Madri-
Leiters Thomas Neuhoff zählt die           gal der Renaissance bis zum gewalti-
Affinität zu Kompositionen des 20. und     gen romantischen Klangkosmos eines
21. Jahrhunderts. So finden sich im        Gustav Mahler. Die Werke Johann
Repertoire der letzten Jahre Werke u. a.   Sebastian Bachs und ihre historische
von Hermann Schroeder, Arvo Pärt,          Aufführungspraxis bilden für den
Benjamin Britten, Komitas Vardapet         Gardiner-Schüler den roten Faden
und Iannis Xenakis ebenso wie die          seines musikalischen Lebenswegs. Seit
Kölner Erstaufführungen der Oratorien      er 2002 zum Künstlerischen Leiter des
» Das Buch mit sieben Siegeln « von        Bach-Vereins Köln berufen wurde, hat
Franz Schmidt und » Belshazzar’s           er die großen Vokalschöpfungen des
Feast « von William Walton. Bis heute      Thomaskantors immer wieder neu erar-
bildet die Beschäftigung mit dem           beitet. In der rheinischen Chorszene
kompositorischen Œuvre Johann              hat er sich durch zahlreiche Erstauf-
Sebastian Bachs einen Schwerpunkt          führungen profiliert: Neben Urauffüh-
der musikalischen Arbeit des Chores.       rungen wie der » Bonner Messe « von
Auch über die Grenzen Kölns hinaus         Christophe Looten ( 2003 ) dirigierte er
hat sich das Ensemble einen Namen          auch in Kölner Philharmonie mehrfach
gemacht. So gastierte es nach 2013         Werke des 20. Jahrhunderts, z. B. » Das
im Oktober 2016 zum zweiten Mal in         Buch mit sieben Siegeln « von Franz
seiner Geschichte in der Leipziger         Schmidt und – am Pult des Gürze-
Thomaskirche. Im Frühjahr 2018 startet     nich-Orchesters Köln – » In Terra Pax «
das internationale und generatio-          von Frank Martin, » Belshazzar’s Feast «
nenübergreifende Musikprojekt » War        von William Walton sowie zuletzt
Requiem: Ewig ruhe der Krieg! «mit         Leonard Bernsteins » Mass « beim
drei Aufführungen von Brittens » War       Abschlusskonzert des Festivals » ACHT
Requiem « in der Kölner und der Berliner   BRÜCKEN | Musik für Köln «.
GÜRZENICH-
                     CHOR

Der Gürzenich-Chor ist eine fest           dem Verband Deutscher Konzertchöre.
verwurzelte Instanz des Kölner Musik-      Als Chor der Stadt Köln tritt der Gürze-
lebens. 1827 als Chor der Concertge-       nich-Chor außer in der Philharmonie
sellschaft zu Cöln gegründet, ist er der   regelmäßig in den großen Kirchen der
älteste Chor der Stadt. In der langen      Stadt auf und folgt Einladungen zu
Geschichte des Chores tauchen viele        Konzerten im In- und Ausland. Im Jahr
illustre Namen auf: Komponisten wie        2016 wurde der Gürzenich-Chor Köln
Konradin Kreutzer, Ferdinand Hiller,       mit der Zelter-Plakette für sein fast
Hermann Abendroth und Franz Wüllner        200-jähriges Bestehen ausgezeichnet.
stehen ebenso auf der Gästeliste
wie Johannes Brahms und Giuseppe           Christian Jeub ist gebürtiger
Verdi, Max Bruch und Richard Strauss,      Solinger. Er studierte Kirchen- und
die als Gastdirigenten nach Köln           Schulmusik an der Musikhochschule
kamen, um mit dem Gürzenich-Chor           Köln und absolvierte ein Aufbaus-
eigene Werke aufzuführen. Nach             tudium in den Fächern Chor- und
wie vor ein Laienchor, fühlt sich          Orchesterleitung bei David de Villiers
der Gürzenich-Chor auch heute              an der Folkwang-Hochschule Essen.
einem hohen künstlerischen Niveau          Am Münchener Staatstheater am
verpflichtet und bereichert seit 2011      Gärtnerplatz war er als stellvertre-
unter der künstlerischen Leitung von       tender Chordirektor von September
Christian Jeub das kulturelle Leben        2000 bis Ende der Spielzeit 2006/2007
in Köln. In ca. drei bis vier Konzerten    engagiert. Seit der Spielzeit 2007 bis
pro Jahr stehen große Oratorien mit        Juli 2016 war Christian Jeub Chordi-
Orchesterbegleitung genauso auf den        rektor am Musiktheater im Revier und
Programmen wie a cappella-Chorli-          leitete bis zum Herbst 2017 zudem den
teratur. Workshops mit renommierten        Musikverein Gelsenkirchen. Im Februar
Gastdirigenten ergänzen das Angebot        2011 wählte der Gürzenich-Chor Köln
ebenso wie Probenwochenenden und           Christian Jeub zu seinem neuen künst-
Konzertreisen. Der Gürzenich-Chor ist      lerischen Leiter.
Mitglied im Netzwerk Kölner Chöre und
                                                                                      41
KARTÄUSER-
             KANTOREI K LN

Die Kartäuserkantorei Köln, von          Gürzenich-Orchester in dem Konzert
Peter Neumann gegründet, hat seit        » Lob der Torheit « das gleichnamige
über 45 Jahren einen festen Platz im     Frühwerk von Bernd Alois Zimmermann
Kölner Musikleben und wirkte bei der     sowie die » Psalmensinfonie « von
Eröffnung der Kölner Philharmonie        Strawinsky und das » Stabat Mater «
mit Mahlers 8. Sinfonie unter Marek      von Poulenc aufführen.
Janowski im Jahr 1986 mit, ebenso
2011 bei den Jubiläumskonzerten mit      Paul Krämer, geboren 1990, wuchs
demselben Werk unter Markus Stenz        in Oberhausen auf und erhielt dort
und den Aufführungen der » Gurre-Lie- mit sechs Jahren seinen ersten Kla-
der « von Schönberg im Sommer 2014.      vierunterricht Noch in seiner Schulzeit
Seit 2013 leitet Paul Krämer den Chor.   absolvierte er eine Kirchenmusik
Beim Internationalen Chorwettbewerb C-Ausbildung. 2012 nahm Paul Krämer
in Stettin im März 2015 wurde die        ein Dirigierstudium bei Marcus Creed
Kartäuserkantorei Köln für ihre Leis-    an der Hochschule für Musik und
tung mit Gold ausgezeichnet. Großen      Tanz Köln auf. Mit Felix Mendelssohn
Beifall von Publikum und Presse erhielt Bartholdys Oratorium » Paulus «
die Aufführung von Mendelssohns Ora- debütierte er im September 2015 sehr
torium » Paulus « im September 2015 in erfolgreich in der Kölner Philharmonie
der Kölner Philharmonie. Im März 2016 und schloss gleichzeitig sein Bache-
folgte die Mitwirkung der Kartäuser-     lorstudium mit Bestnote ab. Zurzeit
kantorei Köln bei einem Konzert des      studiert er im Masterstudiengang Diri-
» Acht Brücken «-Festivals im Klaus von gieren bei Peter Dijkstra an der HfMT
Bismarck Saal des WDR. Im Februar        Köln. Seit Mitte 2013 ist Paul Krämer
2017 führte die Kartäuserkantorei Pur- künstlerischer Leiter der Kartäuser-
cells und Händels » Ode for Cecilia’s    kantorei Köln, mit welcher er bereits
Day « in der Kölner Philharmonie auf     mehrfach in der Kölner Philharmonie zu
und ließ in diesem Juni französische     hören war. Unter seiner Leitung wurde
Musik von Francis Poulenc und Camille die Kartäuserkantorei Köln 2015 beim
Saint-Saëns in der Kölner Trinitatiskir- International Passion Music Festival
che und in der für ihre Chagall-Fenster Szczecin mit Gold ausgezeichnet. Paul
berühmten Kirche St. Stephan in Mainz Krämer ist seit 2016 Chordirektor des
erklingen. Am 15. Mai 2018 wird die      Philharmonischen Chores der Stadt
Kartäuserkantorei zusammen mit dem       Bonn.
ORATORIENCHOR
               K LN

Der Oratorienchor Köln wurde im Jahr      Andreas Meisner, Jahrgang 1959,
1957 gegründet. Neben der Pflege der      studierte Evangelische Kirchenmusik
Musik Johann Sebastian Bachs stehen       an der Kölner Musikhochschule. Nach
auch Werke aus anderen Musikepo-          dem A-Examen 1984 setzte er seine
chen auf dem Programm. 1986 über-         Studien bei Prof. Ludger Lohmann in
nahm der Altenberger Domorganist          Stuttgart fort, wo er 1986 die » Künst-
Andreas Meisner die musikalische Lei-     lerische Reifeprüfung « im Hauptfach
tung.Im Rahmen zahlreicher Konzerte       Orgel ablegte. Verschiedene Meis-
erarbeitet der Chor ein umfangreiches     terkurse, u. a. bei Marie Claire Alain
Repertoire mit Chorwerken des Barock,     und Wolfgang Rübsam, ergänzten
der Klassik und zunehmend Kompositi-      die Ausbildung. Seit 1985 ist Andreas
onen der Romantik und Spätromantik.       Meisner Domorganist am Altenberger
Auch Werke moderner Komponisten           Dom, künstlerischer Leiter der Geist-
wie Duruflé, Pärt, Schostakowitsch,       lichen Dommusiken und Mitwirkender
Schönberg und Messiaen stehen             der Internationalen Altenberger
auf dem Programm. Zahlreiche              Orgelakademie. Im Jahre 2006 wurde
Konzertreisen führten den Chor zum        er zum Kirchenmusikdirektor ernannt.
Flandern-Festival nach Belgien, mehr-     Zahlreiche CD-Aufnahmen und eine
fach nach Paris, nach Rumänien, Rom       intensive nationale und internationale
und Liverpool. Im Jahr 2007 feierte der   Konzerttätigkeit ergänzen seine
Chor sein 50-jähriges Bestehen mit        berufliche Aktivität. Im pädagogischen
Hector Berlioz’ Requiem im Altenberger    Bereich übernahm er – neben zahlrei-
Dom und einem Konzert in der Dresd-       chen Orgelschülern – zeitweise einen
ner Frauenkirche. Der Chor konzertiert    Lehrauftrag für Chorleitung an der
regelmäßig in der Kölner Philharmonie     Kölner Musikhochschule. Tätigkeiten
sowie im Altenberger Dom. Außerdem        als Herausgeber und Bearbeiter bei
ist er häufig zu Gast beim Altenberger    der Edition Dohr, Köln, runden das Bild
Kultursommer und nimmt an Landes-         eines vielseitigen Musikers ab.
chorfesten des VDKC teil.
                                                                                    43
SÄNGER DER CHÖRE
        AM K LNER DOM

Seit vielen Jahren besteht eine regel-   Eberhard Metternich ist seit 1987
mäßige Zusammenarbeit zwischen           Domkapellmeister am Hohen Dom zu
dem Gürzenich-Orchester Köln und         Köln und leitet neben dem Vokalen-
den Chören am Kölner Dom. Zunächst       semble Kölner Dom auch den Kölner
begann dies mit der Verpflichtung der    Domchor ( Knabenchor ). Er erweiterte
Knaben und Mädchen für besondere         die Kölner Dommusik beständig auf
Partien in Sinfonien oder in der Oper    nun vier Chöre und eine eigene Musik-
Köln, in den letzten Jahren weitete      schule. Selbst Chorknabe bei den
sich diese Zusammenarbeit auch           Limburger Domsingknaben studierte er
auf die Erwachsenenchöre aus. Mit        Schulmusik und Gesang in Köln, später
Beet­hovens 9. Sinfonie­­­, Bruckners    Chorleitung bei Uwe Gronostay an der
»Te Deum «, Mahlers 8. Sinfonie,         Musikhochschule Frankfurt. Weitere
Schönbergs »Gurre-Liedern « und          Studien führten ihn nach Wien und
Faurés Requiem seien nur einige Werke    Stockholm. Mit seinen Chören unter-
hervorgehoben. Im heutigen Konzert       nimmt er regelmäßig Konzertreisen,
wirken Mitglieder der Domkantorei        die ihn bis nach Kanada, USA, Mexiko
Köln und des Vokalensembles Kölner       und Israel führten. Er arbeitet häufig
Dom mit. Die Domkantorei Köln steht      mit anderen Kulturinstitutionen Kölns
unter der Leitung von Winfried Krane,    zusammen, wie Oper, Gürzenich-Or-
zugleich auch Leiter der Musikschule     chester Köln, WDR und Philharmonie,
des Kölner Domchores. Das Vokal­         und war mit den Chören des Domes
ensemble Kölner Dom wird geleitet        kultureller Botschafter Kölns vor allem
von Eberhard Metternich, der als         in den Partnerstädten Bethlehem, Tel
Dom­kapell­meister die Gesamtver­­       Aviv, Cork und Liverpool. Seit 1993
antwortung für die Musik an der Kölner   hat Eberhard Metternich einen Lehr-
Kathedrale hat.                          auftrag im Fach Chorleitung an der
                                         Musikhochschule Köln, die ihm 2001
                                         den Titel » Professor « verlieh.
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