Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse

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Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
-Impulse
Beiträge zur Religionspädagogik aus EKKW und EKHN
                                                      2 21

                 VOR UNS
           DIE SINTFLUT?
                                            Zur Aktualität von
                                  Weltuntergangserzählungen
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
-Impulse 2 | 21                                                                                                                                       7. Jahrgang

EDITORIAL | Nadine Hofmann-Driesch, Anke Kaloudis, Christian Marker, Uwe Martini, Birgitt Neukirch, Katja Simon ..... 1

PERSONEN & PROJEKTE .................................................................................................................................... 2
Friedenseiche Bad Hersfeld n Neuer Direktor des Frankfurter Bibelhaus Erlebnis Museums
n Werkheft Schulabschlussgottesdienste 9./10. Klasse

KIRCHE & STAAT .................................................................................................................................................. 3
Vokationstagung im Februar 2021 n Eintritt in den Ruhestand n Anträge auf Bildung konfessionell gemischter
Lerngruppen n Bevollmächtigung neuer Religionslehrer*innen n Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
positioniert sich eindeutig zu den gegenwärtigen Herausforderungen des Religionsunterrichtes n Für alle in der
Schule Schulseelsorger*in sein – Interreligiöse Schulseelsorge

GRUNDSATZARTIKEL
n Monika Jakobs: Apokalyptik und Endzeitstimmung in der Tradition und in der Lebenswelt Jugendlicher ............ 5

FACHDIDAKTISCHE BEITRÄGE
n Nadine Hofmann-Driesch: „Komm mit auf die Arche: du, ich und Gott.“ (Grundschule) ....................................... 9
n Karsten Müller: Computerspiele zwischen Weltuntergang und neuem Leben (Sek. I) ........................................ 11
n Christian Marker: Zukunftsängste und Weltuntergangsphantasien (Sek. II) ........................................................ 14
n Annette Geil: Komm und sieh... Dystopische Visionen im Religionsunterricht (Berufsschule) ............................. 17

KONFIRMANDENARBEIT .................................................................................................................................. 20
n Katja Simon, Achim Plagentz: Hurra! Die Welt geht nicht unter!

ANFORDERUNGSSITUATION ..................................................................................................................................... 22
n Anita Seebach: „Träum ja nur (Hippies)“

ZWISCHENRUF .............................................................................................................................................................. 24
n Christine Weg-Engelschalk: Wann ist er endlich weg, der blöde Lockdown?

PRAXIS TIPPS .................................................................................................................................................... 26
Fotogen (S. 23) n Filme zum Thema n Lit-Tipps n Bibelhaus n Ganzschriften lesen in der Oberstufe n Buchbesprechungen

TIEFGANG | Jan Schäfer ...................................................................................................................................... 31

FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN | MAI – SEPTEMBER 2021 ................................................................. 32

            Konfessionelle                       Interreligiöses                      Digitales                            Home-                                Differenzierung in
            Kooperation                          Lernen                               Lernen                               schooling                            heterogenen Lerngruppen

Impressum                                                                                                                                        Alle Links und Materialien sowie
                                                                                                                                                 Zusatzinformationen zum Heft
Herausgeber:    Die RPI-Impulse werden herausgegeben vom Religionspädagogischen Institut                                                         finden Sie auf der Webseite
                (RPI) der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und der                                                              http://www.rpi-impulse.de
                Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
Redaktion:      Nadine Hofmann-Driesch, Anke Kaloudis, Christian Marker, Uwe Martini,                                                            Die RPI Impulse inkl. Material
                Birgitt Neukirch, Katja Simon                                                                                                    werden als „Open Educational
Lektorat:       Ruth Bittner-Scherhans                                                                                                           Resources“ unter der Creative-
Anschrift:      RPI der EKKW und der EKHN, Rudolf-Bultmann-Straße 4, 35039 Marburg.                                                              Commons-Lizensierung BY-NC-SA
Redaktionsbüro: Hanna Hirschberger, Tel. 0561-9307-137;                                                                                          (Namensnennung – nicht
                hanna.hirschberger@rpi-ekkw-ekhn.de                                                                                              kommerziell) veröffentlicht:
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Einzelheft:     € 4,00 zuzüglich Versandkosten. Abonnement: € 10,- pro Jahr
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                (inkl. Versand). Alle Unterrichtenden für Evangelische Religion im
                Kirchengebiet der EKKW und der EKHN erhalten die Hefte gratis.
Layout:         Ralf Kopp, Darmstadt · www.ralfkopp.biz
Druck:          Druck- und Verlagshaus Thiele & Schwarz, Kassel
Auflage:        12.500 Exemplare
ISSN:           2365-7960
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
EDITORIAL

     LIEBE LESERINNEN                                         zug auf biblische Überlieferungen,
                                                              insbesondere die Endzeitrede Jesu in
                                                                                                        Die aktuelle Situation in der Zeit von
                                                                                                        Corona nimmt dann in besonderer
                                                              Mk 13, spielt dabei die Frage nach        Weise der Beitrag von Christine
            UND LESER,                                        der Bedeutung des Themas in der           Weg-Engelschalk in den Blick: als
                                                              Lebenswelt Jugendlicher eine wichti-      Schulseelsorgerin denkt sie in ihrem
                    nein, die Stimmung ist nicht gut. Ge-     ge Rolle. Der Beitrag endet mit dem       „Zwischenruf“ über die Folgen des
                    genwärtig blicken wir nicht gerade        Plädoyer dafür, das Thema zu nut-         Verlusts der Schule als sozialem Ort
                    optimistisch in die Zukunft. Dystopi-     zen, um mit Lernenden darüber             nach – ein Thema, das nicht nur Reli-
                    en, also in der Zukunft spielende Er-     nachzudenken, was diese für die           gionslehrkräfte beschäftigt.
                    zählungen mit negativem Ausgang,          noch unbekannten Zumutungen der
                    haben Konjunktur. Gründe für einen        Zukunft stärken kann.                     Das Nachdenken über Dystopien
                    Weltuntergang gibt es viele: Natur-                                                 kann dazu führen, dass düstere Zu-
                    und Klimakatastrophen, eine Ali-          In den fachdidaktischen Beiträgen         kunftsbilder übermächtig werden
                    en-Invasion, ein Asteroideneinschlag      werden verschiedene Aspekte des           und Zynismus, Fatalismus, Hysterie
                    oder eine Supernova werden als            Themas aufgegriffen. In dem Grund-        oder den Rückzug ins Private beför-
                    mögliche Szenarien für den Weltun-        schulbeitrag geht es um die Sint-         dern. Das ist natürlich nicht das, was
                    tergang angesehen. Und aktuell ist        flut-Geschichte. Vorgestellt wird das     wir mit diesem Impulse-Heft und den
                    es natürlich die Corona-Pandemie,         „Geschichten-Ich“, ein besonderer         verschiedenen Beiträgen im Sinn ha-
                    die eine globale Bedrohung darstellt      methodischer Zugang für diese             ben. Letztlich geht es doch darum,
                    und für manche Mitmenschen Anlass         „schwierige“ Erzählung. Für höhere        realistisch mit der aktuellen Situation
                    für Weltuntergangserzählungen bie-        Jahrgangsstufen der Sek. I werden         umzugehen und – je nach Kräften
                    tet. In diesem Zusammenhang spielt        Computerspiele in den Blick genom-        und Möglichkeiten – den Blick nach
                    dann auch die Verbreitung von Ver-        men, die mit ihrer Ambivalenz zwi-        vorne zu wagen. Diese Sichtweise
                    schwörungs-„Theorien“, die nicht          schen actionhaltigen Weltuntergangs-      und der hoffnungsvolle Blick, der für
                    selten mit antisemitischen Tendenzen      szenarien und der Hoffnung auf ein        den christlichen Glauben von Anfang
                    verbunden sind, eine Rolle.               „gutes Leben“ bei Jugendlichen be-        an wichtig ist und in den Bildern einer
                                                              liebt sind. In dem Sek. II-Beitrag „Zu-   vollendeten Zukunft im Reich Gottes
                    Bücher, Filme, Songs und Computer-        kunftsängste und Weltuntergangs-          seinen Ausdruck findet, werden in al-
                    spiele mit dystopischem Setting er-       phantasien“ finden sich Anregungen,       len Artikeln des vorliegenden Heftes
                    freuen sich schon seit einiger Zeit bei   wie man mit Schüler*innen über dys-       angesprochen. Eine Perspektive, die
                    Jugendlichen großer Beliebtheit. Der      topische Zukunftsvorstellungen nach-      in diesem Zusammenhang Leitlinie
                    Hype begann vor etwa 10 Jahren mit        denken und sie hinsichtlich ihrer Funk-   sein könnte, formuliert der Verfasser
                    dem Film „Die Tribute von Panem“,         tion      untersuchen      kann.    Der   des 2. Timotheus-Briefes, wenn er
                    hat aber durchaus Vorläufer – man         BBS-Beitrag schließlich greift das In-    schreibt: „Denn Gott hat uns nicht
                    denke nur an den bekannten Roman          teresse der Schüler*innen auf und un-     gegeben den Geist der Furcht, son-
                    von George Orwell „1984“. Beliebt         tersucht aktuell populäre Dystopien       dern der Kraft und der Liebe und der
                    sind Dystopien unter anderem, weil        mit Hilfe von Filmausschnitten. Der       Besonnenheit.” (2.Tim 1,7)
                    sie das gegenwärtige Lebensgefühl         Konfi-Beitrag „Hurra! Die Welt geht
                    aufgreifen und ohne Frage auch ei-        nicht unter!“ nähert sich dem Thema       In diesem Sinne grüßt Sie
                    nen hohen Unterhaltungswert haben.        über einen Song – die Ideen in diesem     Ihre Redaktion
                    Häufig geht es in dystopischen Fikti-     Beitrag sind auch sehr gut für den Un-
                    onen um jugendliche Protagonist*in-       terricht in der Sek. I geeignet.
                    nen, die sich gegen ein Unterdrü-
                    ckungssystem auflehnen oder gegen
                    „das Böse“ kämpfen – hier ergeben                                                                                             Foto © Peter Kristen
                    sich Identifikationsmöglichkeiten für
                    Heranwachsende.

                    Im Grundsatzartikel dieses Hefts
                    geht Monika Jakobs auf apokalypti-
                    sche Vorstellungen in Vergangenheit
                    und Gegenwart ein. Neben dem Be-

      Wenn Sie diese Zeitschrift, die kostenfrei an alle
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              Sie sich bitte an unser Redaktionsbüro:
              hanna.hirschberger@rpi-ekkw-ekhn.de;
                                  Tel.: 0561-9307-137.        Uwe Martini, Christian Marker, Birgitt Neukirch, Anke Kaloudis, Katja Simon,
                                                              Nadine Hofmann-Driesch (v.l.n.r.)

  -Impulse 2|21 | Editorial                                                                                                                  1
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
PERSONEN & PROJEKTE

FRIEDENSEICHE BAD HERSFELD
Die „Friedenseiche“ auf dem Gelände der Ev. Jugendbildungsstätte in Bad           land hinein. Wäre der Kalte Krieg eskaliert, wäre es hier
Hersfeld findet seit November 2020 eine inhaltliche Aufwertung. Dieser auf        passiert. Dagegen erhob sich ein friedlicher Widerstand,
dem Frauenberg gepflanzte Baum erinnert daran, dass Bad Hersfeld und              der bei einer Großdemonstration etwa 30.000 Anhän-
Umgebung Teil des „Fulda Gap“ waren, das sich von Herleshausen bis Bad            ger*innen der Friedensbewegung auf die Straße brachte.
Neustadt an der Saale erstreckte. An dieser Stelle befürchtete die NATO ei-
nen Vorstoß der Truppen des Warschauer Pakts zwischen zwei ihrer Armee-           Die Anbringung einer Tafel mit einem QR-Code ist mit
gruppen hindurch und weiter in das Hinterland der Bundesrepublik Deutsch-         der Freischaltung einer Homepage (https://friedens-
                                                                                  eiche-frauenberg.de) verbunden. Dort finden sich Bau-
                                                                                  steine für die Konfi-Arbeit, liturgische Texte, Friedensstif-
                                                                                  ter-Übungen und weiteres Unterrichtsmaterial zum The-
                                                                                  ma „Frieden“. Neben allgemeinem Material entdeckt
                                                                                  man auch regionale Bezüge, wie z. B. Interviews mit frie-
                                                                                  densbewegten Zeitzeug*innen. Diese erinnern sich an
                                                                                  die Zeit des Kalten Krieges. Außer den Materialien, die
                                                                                  hier verfügbar sind, gibt es in der Reihe rpi-konfi Baustei-
                                                                                  ne für eine Freizeit sowie eine Einheit von Katja Simon
                                                                                  „Frieden wird sichtbar“ (rpi-konfi 7/20).
                                                             Foto © Ute Janssen

NEUER DIREKTOR DES
FRANKFURTER BIBELHAUS ERLEBNIS MUSEUMS
                   Gründungsdirektor Pfarrer Dr. h.c.         dienste um die Vermittlung der bibli-    rent. Die Dauerausstellung des Bibel-
                   Jürgen Schefzyk ist nach 17 Jahren         schen     Lebenswelt     und     die     hauses mit der didaktischen Erschlie-
                   als Leiter des Frankfurter Bibelhaus       theologische Wissenschaft geehrt.        ßung der Leihgaben der Israelischen
                   Erlebnis Museums in den Ruhestand          Denn Schefzyk hatte auch die wis-        Antikenverwaltung konzipierte er 2011
                   gegangen. In dieser Zeit baute er die      senschaftliche Leitung des For-          neu und kuratierte zwischen 2012 bis
                   Dauerausstellung auf und etablierte        schungsschwerpunkts Biblische Ar-        2016 für die Museumsdidaktik im Bi-
Jürgen Schefzyk    die andauernde Zusammenarbeit mit          chäologie und Erlebnispädagogik          belhaus drei Ausstellungen. Dinkelaker
                   der Israelischen Antikenverwaltung         des Museums inne und war seit 2010       ist Mitorganisator des interkulturellen
                   sowie die Kooperation mit zehn             Sprecher der Arbeitsgemeinschaft         Projektes „3Tage-3Orte-3Religionen“,
                   Theologischen Fakultäten in Deutsch-       Deutsche Bibelmuseen bis 2019.           Mitglied des christlich-jüdischen Ar-
                   land und vielen großen Museen. Auch                                                 beitskreises „Im Dialog“ und evangeli-
                   für neun Sonderausstellungen zeich-        Seit Januar 2021 ist Veit Dinkelaker     scher Delegierter in der Arbeitsgemein-
                   net er verantwortlich. 2014 verlieh die    neuer Direktor des Frankfurter Bibel-    schaft Christlicher Kirchen Frankfurt
                   Mainzer Universität Schefzyk die           haus Erlebnis Museums. Er leitete dort   am Main. Seit 2017 ist er mit Lehrauf-
Veit Dinkelaker    Doktorwürde der Theologie ehren-           seit 2009 den Bereich „Bildung und       trägen an der Goethe-Universität
                   halber. Damit wurde er für seine Ver-      Vermittlung“ als theologischer Refe-     Frankfurt tätig.

WERKHEFT SCHULABSCHLUSSGOTTESDIENSTE 9./10. KLASSE
Dieses ökumenische Werkheft nimmt die Altersgruppe            Das Werkheft bietet in seiner modularen Grund-
der 15- bis 16-Jährigen in den Blick, deren Schulzeit         struktur viel Raum für individuelle Gestaltung so-
nach der 9. oder 10. Klasse endet. Es will Lehrkräfte,        wie für die Einbeziehung unterschiedlicher Pers-
Pfarrerinnen und Pfarrer, Pastoralreferentinnen und           pektiven bei der Gottesdienstplanung. Es wurde
-referenten sowie pastorale Mitarbeiterinnen und Mitar-       von einer ökumenischen Arbeitsgruppe erarbei-
beiter ermutigen,                                             tet und ist Ausdruck der bewährten guten öku-
                                                              menischen Zusammenarbeit zwischen der Ev.
n das Ende der Haupt- oder Realschulzeit als                  Kirche von Kurhessen-Waldeck und dem Bis-
  wichtiges biographisches „Schwellenereignis“ auf            tum Fulda. Das Werkheft ist online verfügbar:
  dem Weg des Erwachsen-Werdens aufzugreifen,                 https://www.ekkw-macht-schule.de/schulrefe-
n die Übergangssituation bewusst zu gestalten,                rat/referatsleitung/downloads
n die Heterogenität der Schulgemeinde positiv
  aufzunehmen,                                                Neben der pdf-Datei wird dort auch eine von
n die Schulkultur durch das Feiern von Gottes-                den Nutzern individuell bearbeitbare Fassung
  diensten auch zum Abschluss der Schulzeit                   als Word-Dokument und der Download einer
  zu bereichern.                                              Grußkarte angeboten.

2                                                                                                        -Impulse 2|21 | Personen & Projekte
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
KIRCHE & STAAT

                VOKATIONSTAGUNG IM FEBRUAR 2021
                Religion im öffentlichen Raum – welche Rolle spielt sie und welche Rolle darf oder muss sie in einem
                                                                                                                       EINTRITT IN DEN
                weltanschaulich neutralen Staat übernehmen? Mit diesen Fragen haben wir die digitale Vokationsta-
                gung begonnen. Die 30 Teilnehmer*innen kamen ins Gespräch mit Vertreter*innen des Ethikkomitees
                                                                                                                       RUHESTAND
                des Klinikums, der Notfallseelsorge, des Sara-Nussbaum-Zentrums für jüdisches Leben, des Run-
                                                                                                                       Mit Wirkung zum 1. April 2021 trat
                den Tisches der Religionen und mit einem Vertreter der digitalen Kirche. Ideenreiche Workshops und
                                                                                                                       der Leiter des Kirchlichen Schulam-
                der Austausch in der Gruppe wurden als hilfreich und anregend erlebt. Beeindruckt waren die Teil-
                                                                                                                       tes in Gießen, Schulamtsdirektor i.
                nehmer*innen von den Möglichkeiten des digitalen Arbeitens. Als Stärkung für die Aufgabe der Lehr-
                                                                                                                       K. Pfarrer Karl-Heinz Lerch, in den
                kräfte in der Schule wurden die Gespräche mit der Bischöfin Frau Dr. Hofmann und der Bildungsde-
                                                                                                                       Ruhestand ein. Die Stelle wird zum
                zernentin Frau Dr. Neebe wahrgenommen. Nicht zuletzt haben alle den feierlichen Gottesdienst zum
                                                                                                                       nächstmöglichen Zeitpunkt durch
                Abschluss der Tagung, der in (richtig schöner) Präsenz gefeiert werden konnte, sehr genossen.
                                                                                                                       die Kirchenleitung der EKHN wieder-
                                                                                                                       besetzt.
Foto © privat

                ANTRÄGE AUF BILDUNG KONFESSIONELL GEMISCHTER LERNGRUPPEN
                Das Schulreferat der EKKW hat sich in einem mit dem          RU betroffen, für den unter normalen Bedingungen demnächst die Anträge
                Bistum Fulda abgestimmten Schreiben an die Staatli-          auf Bildung von gemischt-konfessionellen Lerngruppen gestellt werden
                chen Schulämter im Bereich der EKKW gewandt. Grund           müssten. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten aufgrund der Coro-
                dafür war die Frage, wie in diesem Jahr mit den Anträgen     na-Pandemie verlängern beide Kirchen die Anträge, die in diesem Jahr er-
                auf Bildung von gemischt-konfessionellen Lerngruppen         neut gestellt werden müssten, um ein weiteres Jahr. Dennoch eingehende
                im Religionsunterricht verfahren werden soll. Den Kir-       Anträge werden selbstverständlich geprüft und beschieden. Ein reguläres
                chen ist bewusst, dass die Corona-Pandemie für die           Antragsverfahren kann aus Sicht beider Kirchen erst wieder durchgeführt
                Schulen nach wie vor eine große Herausforderung dar-         werden, wenn sich die Verhältnisse annährend normalisiert haben; man geht
                stellt; davon sind auch der evangelische und katholische     davon aus, dass dies im Jahr 2022 gegeben sein wird.

                BEVOLLMÄCHTIGUNG NEUER RELIGIONSLEHRER*INNEN
                Die Corona-Pandemie hat Einfluss auf die Bevollmächtigung der neuen Re-           chen Feiern. In diesem Rahmen fand
                ligionslehrer*innen. Schon zum dritten Mal seit Beginn der Pandemie musste        die Bevollmächtigung mit der Über-
                der zentrale Gottesdienst mit Kirchenpräsident Pfarrer Dr. Volker Jung und        gabe der Urkunden für dreißig Lehr-
                der stellvertretenden Kirchenpräsidentin Pfarrerin Ulrike Scherf abgesagt         kräfte statt. Das KSA Mainz hofft
                werden. Die gültigen Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen lassen es            darauf, dass die Bevollmächtigungs-
                aus gutem Grund nicht zu, dass Gottesdienste mit mehreren hundert Men-            tagung mit Gottesdienst und Über-
                schen gefeiert werden können.                                                     gabe der Urkunden wie traditionell
                                                                                                  gewohnt im Mai 2021 stattfinden
                Dennoch wurden in diesem Frühjahr in den Kirchlichen Schulämtern in               kann.
                Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden sechzig Lehrer*innen bevollmächtigt
                und beauftragt, Evangelischen Religionsunterricht zu erteilen. Die entspre-       Nach wie vor geplant ist, dass – bei
                chenden Tagungen fanden als digitale Veranstaltungen statt. Feierliche Got-       entsprechender Situation rund um
                tesdienste wurden in kleinen Gruppen in der Französisch-reformierten Kirche       Corona – im November 2021 an die
                in Offenbach, der Friedenskirche in Darmstadt und im KSA Wiesbaden als            Tradition der gemeinsamen und zent-
                Online-Gottesdienst gefeiert.                                                     ralen Bevollmächtigungsgottesdiens-
                                                                                                  te angeknüpft wird.
                Im Bereich des KSA Gießen gab es bereits im Herbst 2020 insgesamt sieben
                kleine Tagungen mit sehr persönlichen und spirituell dichten gottesdienstli-      Jan Schäfer, Schulamtsdirektor i. K.

                   -Impulse 2|21 | Kirche & Staat                                                                                                     3
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
KIRCHE & STAAT

Konfessionslosigkeit, Interreligiöses Lernen, konfessionelle Kooperation:
DIE EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND (EKD) POSITIONIERT
SICH EINDEUTIG ZU DEN GEGENWÄRTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
DES RELIGIONSUNTERRICHTES
In der Schule verdichten sich wie in einem Brennglas religiöse und       n Interreligiöse Kompetenz
kulturelle Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Diese reichen             Perspektiven und Empfehlungen für die
von Religionsabbruch und Konfessionslosigkeit bis hin zu religiö-           Aus-, Fort- und Weiterbildung von Religions-
ser Vielfalt und Multireligiosität. Lehrkräfte im Fach Religion stehen      lehrkräften
vor der Herausforderung, mit dieser religiösen Gemengelage im
Unterricht angemessen umzugehen. Nicht selten fühlen sie sich            n Der konfessionell-kooperative Religions-
dabei allein gelassen. Nicht nur, was die konkrete und in Studium           unterricht als Herausforderung für die
und Ausbildung erlernte Unterrichtspraxis anbelangt, sondern                Religionslehrerinnen- und Religions-
auch, was die inhaltliche Linie der Kirche betrifft. Wo steht Kirche,       lehrerbildung
wenn es um die Frage des Unterrichts geht, in dem konfessionslo-            Empfehlungen der Gemischten Kommission
se Schüler*innen die Mehrheit bilden? Wie stellt sie sich religiöse         für die Reform des Theologiestudiums für die
Bildung in einer Gesellschaft vor, die durch das Miteinander vieler         Aus-, Fort- und Weiterbildung
Religionen geprägt ist? Und wie positioniert sie sich zur Frage, wie
das konfessionelle Miteinander für schulische Bildungsprozesse           Download aller drei Texte über den jeweiligen QR Code oder über
fruchtbar gemacht werden kann?                                           www.rpi-impulse.de

Es sind drei Texte, die sich mit diesen Fragen beschäftigen und          Die Texte sind von verschiedenen Gremien der EKD im letzten
Perspektiven für die zukünftige Arbeit an den Themen Konfessi-           Jahr verabschiedet worden. Sie geben Aufschluss über wesentli-
onslosigkeit, Interreligiöses Lernen und Konfessionelle Kooperati-       che Akzentverschiebungen in der Organisation der Aus-, Fort- und
on in Studium, Ausbildung und Weiterbildung aufzeigen:                   Weiterbildung sowie über notwendige Kompetenzen zur Befähi-
                                                                         gung religiöser Bildung in religiös heterogenen Lernkontexten. Es
n Theologisch-Religionspädagogische                                      sind hilfreiche Texte für alle, die sich für eine Weiterentwicklung
    Kompetenzen für das gemeinsame                                       des Religionsunterrichtes an unseren Schulen engagieren.
    Lernen mit Konfessionslosen in
    schulischen Kontexten
    Perspektiven und Empfehlungen für die Aus-,
    Fort- und Weiterbildung von evangelischen
    Religionslehrerinnen und -lehrern

FÜR ALLE IN DER SCHULE SEELSORGER*IN SEIN –
INTERRELIGIÖSE SCHULSEELSORGE
Ein kurzer Bericht über die Jahreskonferenz Schulseelsorge 2021
Alle Menschen im Lebensraum Schule qualifiziert seelsorglich zu          Wer sind die Menschen, die sich hinter diesem zusammenfassen-
begleiten, diese herausfordernde Aufgabe gehört zum kirchlichen          den „alle“ verbergen?
Auftrag für Schulseelsorger*innen.
                                                                         Im Gespräch mit Menschen unterschiedlicher religiöser, ethnischer
Knapp 40 Schulseelsorger*innen aus der EKKW und der EKHN                 und kultureller Prägungen, die als Referent*in Songül Yasar und
nahmen im Februar 2021 an der online durchgeführten Jahreskon-           Workshopleitungen Zafer Cin, Matthias Stock und Fatmagül Tuncay
ferenz Schulseelsorge teil. Auch wenn die Jahreskonferenz traditio-      anwesend waren, zeigte sich schnell, dass eine Unterscheidung in
nell von der leibhaftigen Begegnung lebt, vom Wiedersehen, sich          „wir“ und „die anderen“ der Diversität der Menschen im Lebensraum
Umarmen, vom kollegialen Austausch, vom Erzählen, wie es weiter-         Schule nicht gerecht werden kann.
gegangen ist seit dem vergangenen Jahr, nutzten viele die Gelegen-
heit, sich in diesem Jahr im digitalen Raum zu treffen.                  Alle im Lebensraum Schule sind mit individuell unterschiedlichen
                                                                         „inneren Landkarten“ unterwegs. Dass es hilfreich ist, diese wahrzu-
Wie kann es gelingen, als ev. Schulseelsorger*in alle Menschen in        nehmen und sich von denen der anderen erzählen zu lassen, um
der Schule, unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Weltan-       einander besser zu verstehen, darauf konnten sich viele am Ende
schauung, seelsorglich zu begleiten?                                     der Tagung einigen.

4                                                                                                              -Impulse 2|21 | Kirche & Staat
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
APOKALYPTIK UND ENDZEITSTIMMUNG
                 IN DER TRADITION UND IN DER LEBENSWELT
                 JUGENDLICHER
                 Monika Jakobs

                 Von Zeit zu Zeit werden Daten für den nahenden Welt-          Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die End-
                 untergang propagiert; so für die Jahrtausendwende,            zeitrede, die der Evangelist Markus in seinem 13. Ka-
                 oder – nach dem sog. Maya-Kalender – für den 21.              pitel, unmittelbar vor der Passion, überliefert, denn sie
                 Dezember 2012. Interesse für das Weltende lässt sich          durchbricht das apokalyptische Denkschema in be-
                 für alle Phasen der Geschichte belegen: mal mehr, mal         merkenswerter Weise. Jesus wird von Petrus, Jakobus,
                 weniger, mal beschränkt auf Geheimbünde, mal als ge-          Johannes und Andreas nach dem Datum für die End-
                 sellschaftsdurchdringende Stimmung. Dabei hat jede            zeit gefragt, eine Endzeit, die für sie zwingend mit der
                 Zeit ihre eigenen apokalyptischen Ängste, bei welcher         Zerstörung des Jerusalemer Tempels verbunden ist. In
                 einzelne Bedrohungen und Risiken ins Unendliche ex-           seiner Antwort beschreibt Jesus, was man zu erwar-
                 trapoliert werden. In der jüngsten Geschichte hat dies        ten hat: man wird von Kriegen und Naturkatastrophen
                 beispielsweise zum Wettrüsten zwischen West und Ost           hören; es wird Verfolgungen geben, der heilige Ort wird
                 geführt, zum „war against terror“, Aktionen, die ihrerseits   entweiht, Pseudo-Messiasse werden Verwirrung stiften,
                 apokalyptische Dimensionen angenommen haben.                  eine Sonnenfinsternis und vom Himmel fallende Sterne
                                                                               gehören dazu. Die Katastrophe beschreibt hier noch
                 Apokalypse, wörtlich übersetzt „Offenbarung“, ist in          nicht das Ende, sondern sie ist gewissermaßen nur das
                 der ursprünglichen Bedeutung eine Bezeichnung für             Vorspiel für das endzeitliche Kommen des Menschen-
                 biblische Schriften bzw. Textteile, z.B. das Buch Dani-       sohnes „mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Mk 13,26).
                 el oder die Offenbarung des Johannes. In ihnen wird           Zur Enttäuschung der Jünger weiß aber noch nicht
                 eine Denkweise sichtbar, welche das Ende der gegen-           einmal Jesus den Zeitpunkt des Ereignisses. Auch die
                 wärtigen Welt herbeikommen sieht – oft mit dem Hin-           empfohlene Vorbereitung klingt harmlos: Zeichen lesen
                 weis auf Geheimwissen, das offenbart wurde oder neu           und wachsam sein. Diese Zeichen sind vergleichsweise
                 interpretiert wird. Es beinhaltet genaue Vorstellungen        wenig dramatisch. Sie werden verglichen mit dem Ergrü-
                 von den Zeichen und dem Ablauf des Weltendes. Die             nen eines Feigenbaums, an dem man erkennt, dass es
                 apokalyptische Vorstellung vom Weltende ist geprägt           bald Frühling wird. (Mk 13,28)
                 von einem absoluten Gegensatz von Gut und Böse. Ent-
                 sprechend wird die Menschheit unterteilt in diejenigen,       Der Evangelist selbst und seine Zuhörenden haben al-
                 die gerettet werden und diejenigen, die untergehen. Sie       lerdings einen Informationsvorsprung, denn die unvor-
                 ist oft verbunden mit Determinismus, d.h. das Weltende        stellbare fundamentale Erschütterung, die Zerstörung
                 ist unabwendbar. Typisch für apokalyptische Schriften         des Jerusalemer Tempels, hat schon stattgefunden. Wie
                 ist ein bilderreicher und symbolhafter Stil, dessen Deu-      bei der Prophetie liegt auch bei der Apokalyptik der ent-
                 tung wiederum Spezialwissen erfordert.1 Apokalyptische        scheidende Gehalt nicht primär in der Voraussage der
                 Vorstellungen können Menschen, die die Welt als ganz          Zukunft, sondern in der Weise, wie Vergangenheit und
                 negativ erleben, durchaus Trost spenden, zumal wenn           Gegenwart im Hinblick auf die Zukunft verarbeitet und
                 sie sich sicher sein können, auf der richtigen Seite zu       interpretiert werden. Dabei interessiert angesichts des
                 stehen.                                                       Ausbleibens des Messias die Frage: War das alles, oder
                                                                               gibt es Hoffnung für mich, für uns, für die Welt? Die be-
                                                                               sondere Botschaft des Markusevangeliums lautet: Habt
                                                                               keine Angst, zieht euch nicht zurück, haltet die Augen
                                                                               auf. Und schließlich wird darauf beharrt, dass Gott derje-
Monika Jakobs ist em. Professorin                                              nige ist, der letztendlich richtet. In der Apokalyptik üben
   für Religionspädagogik an der                                               nicht Menschen Selbstjustiz, sondern es wird eine neue
      Universität Luzern/Schweiz.                                              göttliche Ordnung beschrieben. Im Buch Daniel heißt es,
                                                                               dass die Verständigen und diejenigen, die Gutes getan
                                                                               haben, „immer und ewig wie die Sterne leuchten wer-

                                                                               1
                                                                                   Vgl.: Bull, Klaus-Michael: Apokalyptik und Neues Testament,
                                                                                   online: Apokalyptik und NT, bibelwissenschaft.de, abgerufen
                                                                                   am 01.03.2021; Böttrich, Christfried, Art. Apokalyptik (NT), in:
                                                                                   Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de),
                                                                                   2014.2010, 19-45, hier: 27.

-Impulse 2|21 | Grundsatzartikel                                                                                                                  5
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
GRUNDSATZARTIKEL

den“ (Dan 12,2). Die Verständigen, die auf Unverständnis       findet die apokalyptische Literatur
gestoßen sind, diejenigen, die Gutes getan haben und           Bilder. Die machtvollen Bilder ent-
keinen irdischen Erfolg hatten, neutestamentlich gewen-        stehen aus der Machtlosigkeit.
det kann man sagen, wie Jesus.
                                                               Das mediale Schüren von Ängsten
Es gibt keine absoluten Zeichen, welche die Apokalyp-          führt einerseits zur Abstumpfung
se ankündigen, nur Hoffnungsbilder, nichts Großes, nur         gegenüber tatsächlichen Nöten und
ein gewöhnlicher Feigenbaum, der austreibt. Damit be-          macht andererseits anfällig für auf-
schreibt der apokalyptische Text des Markusevangeli-           geblasene Versprechungen, Macht-
ums gut, dass es hier nicht um Wissen geht, sondern um         gehabe, falsche Propheten, für
die Zumutung, die der Glaube bereithält: Angesichts der        Übertreibungen, für politische Ideo-
Apokalypse mit ihren kosmischen Dimensionen soll sich          logien. Weil Reden über die Zukunft
der Blick auf das Kleine richten, auf die saftigen Zweige      Deutung von Gegenwart ist, zielt die
des Feigenbaums. Das ist ein recht nüchterner Rat, und         Auseinandersetzung mit der Apo-
ein markanter Widerspruch zum apokalyptischen Du-              kalyptik in die Mitte der politischen
alismus, der auf eine endzeitliche Auseinandersetzung          Kultur.
zwischen dem Guten und dem Bösen herausläuft.
                                                               Die biblische Rede des Markus er-
                                                               kennt das Schlimme, das Menschen
Die Apokalypse ist schon da – für einige                       erlebt haben und erleben werden,
                                                               an, aber sie will keine Angst er-
Ob man tatsächlich von einer „apokalyptischen Erwärmung“       zeugen. Sie ruft dazu auf, Realität
sprechen kann, sichtbar etwa in christlich-fundamen-           wahrzunehmen, in der Gegenwart
talistischen und islamistischen Kreisen2 oder in der apo-      zu sein, wachsam zu sein. Und sie
kalyptischen Ästhetisierung durch Filme und Computer-          weiß, dass wir mit Situationen kon-
spiele3, sei dahingestellt. Fest steht jedoch, dass die Zu-    frontiert sind, wo es keine Gerech-
gänglichkeit der sozialen Medien, in denen jeder seine         tigkeit, keinen Ausgleich gibt. Nicht
persönlichen Phantasien veröffentlichen kann, sowie die        aber Aggression ist die Antwort,
Nachrichten, die durch immer größeren Sensationsge-            sondern die Zusage, dass das Gute
halt um Aufmerksamkeit ringen, einen guten Nährbo-             Wert hat, oder: in der Sprache des
den für Endzeitstimmung und Verängstigung abgeben.             Evangeliums: das Wiederkommen
Damit werden Zukunftsängste geschürt und Verschwö-             des Menschensohns. Eine Zusage,
rungstheorien gefördert, die leicht politisch instrumenta-     eine feste Hoffnung, nicht mehr und
lisiert werden können.                                         nicht weniger.

Bei alledem wird jedoch übersehen, dass Apokalypsen
bereits eingetreten sind. Dazu ist allerdings der Blick über   Die Zukunft der Jugend
den eigenen Tellerrand notwendig. Viele Menschen ha-
ben ihre persönlichen Apokalypsen schon erlebt: durch          Viele der gängigen Computerspiele
Umweltkatastrophen, Gewalterfahrungen, prekäre Le-             und erfolgreichen Blockbuster be-
benslagen, schwere persönliche Krisen, den Verlust von         dienen sich apokalyptischer Motive
Menschen, durch das Zerbrechen von Lebensplänen.               mit dem Kampf des Guten gegen
Tsunamis, geborstene Atomkraftwerke, Überschwem-               das Böse und dem Helden bzw.
mungen, Dürren u.v.m. Unsichere, prekäre Situationen           der Heldin, welche das Böse besie-
sind für viele Menschen auf der Welt keine Bedrohung,          gen. Der apokalyptische Dualismus
sondern bittere Realität.                                      bietet nicht zuletzt eine geeignete
                                                               Grundstruktur für packende Er-
Doch schon das Gefühl, in unsicheren Zeiten, in Unge-          zählanlagen. Man kann wohl davon
wissheit zu leben, und die Angst vor dem Verlust des           ausgehen, dass diese meist ohne
gewohnten Lebens kann Wut, Aggression, Empörung                großes Nachdenken konsumiert
und Verzweiflung auslösen. Diese Angstmache birgt po-          werden, denn sie sind spannend
litischen Zündstoff in sich, denn sie verbindet sich mit       und eignen sich bestens zur Unter-
bereits erlebten Kränkungen und enttäuschten Hoffnun-          haltung und zum Zeitvertreib. Das
gen; sie fördert die Suche nach Sündenböcken und steht         Ausmaß dieses Konsums ist bei den
einer differenzierten Realitätswahrnehmung im Wege.            Jugendlichen zwar milieu- und ge-
Man sähe doch so gerne einen Engelfürsten Michael              schlechtsabhängig; unbestreitbar ist
wie im Buch Daniel (12,1), der die Feinde in den Staub         jedoch, dass diese Angebote und ihr
tritt. Auch die Friedfertigsten sind nicht dagegen gefeit,     Konsum zur Selbstverständlichkeit
gewalttätige Phantasien zu entwickeln, wenn sie in die         heutiger Jugendkultur gehören. Da-
Enge gedrängt werden, wenn sie sich ungerecht behan-           raus lässt sich jedoch nicht ableiten,
delt, herabgewürdigt fühlen, in eine ausweglose Situati-       dass Jugendliche für apokalyptische
on geraten. Für diese extremen Gefühle und Phantasien          Phantasien und ihre Gefährdun-

6                                                                    -Impulse 2|21 | Grundsatzartikel
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
GRUNDSATZARTIKEL

gen anfälliger sind als Erwachsene.      lässt sich nicht behaupten, dass Jugendliche einer be-
Vielmehr dienen Jugendliche – wie        stimmten Alterskohorte mehr oder weniger pragmatisch,
auch Kinder – als Projektionsfläche      egozentrisch oder politisch interessiert seien. „Diese Zu-
für Ängste und Hoffnungen der Er-        nahme der Generationsetikettierungen steht im Wider-
wachsenen. Das zeigt sich in ei-         spruch zu den Zeitdiagnosen von Enttraditionalisierung
ner vielfach alarmistisch geprägten      und Pluralisierung, da eine Vielfalt von Sozialität die typi-
Rhetorik, bei der es weniger um          sierende Charakterisierung schwieriger, wenn nicht gar
die Gefährdung eines einzelnen Ju-       unwahrscheinlich werden lässt.“5 Mit anderen Worten:
gendlichen geht, sondern um die          Es ist anzunehmen, dass unter den Jugendlichen immer
Gefährdung der ganzen zukünftigen        ein Teil ist, der sich politisch engagiert, mal mehr, mal
Gesellschaft. Viele gesellschaftlich     weniger sichtbar, mit größerer oder geringerer Breiten-
relevanten Themen werden an der          wirkung. Die derzeitige „Fridays for Future“-Bewegung
Jugend abgehandelt, seien dies Po-       etwa ist ein sichtbares Zeichen für politisches Engage-
litikverdrossenheit oder Jugendpro-      ment, jedoch nicht ohne weiteres als Indikator eines ge-
test, Probleme des digitalen Zeital-     stiegenen politischen Interesses zu sehen.
ters, Migration u.v.m.

Tatsächlich aber sind Jugendliche        Apokalyptik und Endzeitstimmung
besonders zukunftssensibel, weil         in der religiösen Bildung
ihre eigene Zukunft vor ihnen liegt
und in der Regel weniger festge-         Trotz der gerade ausgeführten Entwarnung lassen sich
fahren ist als bei Älteren. Jugend-      sinnvolle und relevante Bildungsziele im Zusammenhang
zeit bedeutet seit dem 20. Jahr-         mit dem Thema formulieren.
hundert Vorbereitungszeit auf ein
wahrscheinlich langes Leben, mit         Zum ersten ist der politische Aspekt in kritischer Absicht
gesellschaftlichen Erwartungen und       zu nennen. Dabei geht es darum, Endzeitstimmung und
individuellen Glücksvorstellungen.       Panikmache erst einmal als solche zu identifizieren, denn
Entsprechend haben Heranwach-            sie sind nicht immer offensichtlich. Ein lohnender Ansatz
sende Entwicklungsaufgaben zu            ist dabei Sprachkritik und die Förderung sprachlicher
bewältigen, die vor allem zukunfts-      Sensibilität im Hinblick auf politische Rhetorik. Die Er-
bezogen sind: Vorbereitung zum           zeugung von Ängsten durch manipulierenden Sprach-
eigenständigen Lebenserwerb und          gebrauch ist ein politisches Mittel, und zwar nicht nur der
auf eine Berufsrolle, die Entwicklung    Boulevardpresse. „Flüchtlingslawine“ und „Überfrem-
eines persönlichen Wertesystems,         dung“ sind dafür Beispiele. Katastrophen-, Chaos- und
der Aufbau tragender Bindungen,          Untergangsmetaphorik ist mit Skepsis zu begegnen.
psychosexuelle      Identitätsfindung,   Genauso kann übrigens Sprache auch verharmlosen,
Unabhängigkeit von den Eltern. Sie       etwa „Klimawandel“ statt „Klimakatastrophe“. Lohnend
befinden sich in einem Stadium psy-      ist auch die Dekonstruktion apokalyptischer Argumen-
chosozialer Entwicklung, in der sie      tation, welche sich auf „uraltes“, womöglich „von der
ihre eigene Identität sowie die Kom-     Kirche unterdrücktes“ Geheimwissen bezieht oder be-
petenzen für die vollständige sozi-      ansprucht, geheime Codes zu entschlüsseln. Leitende
ale Teilhabe zu entwickeln haben.        Fragen sind: Wer warnt aus welchen Gründen? Welche
Zentrale Themen sind dabei die zu-       Konsequenzen und Handlungsoptionen werden implizit
künftigen Erwerbsmöglichkeiten und       oder explizit vorgeschlagen? Gibt es einen Unterschied
der Aufbau eigenständiger sozialer,      zwischen der Mission einer Greta Thunberg und religiö-
auch sexueller Beziehungen und           sen Gruppen, die sich vor dem mutmaßlichen Weltun-
Lebensformen.4 Wenn Jugendliche
an Zukunft denken, beschäftigt sie
das, was sie selbst betrifft: Fragen
der Ausbildungs- und Berufswahl,
die Akzeptanz der Peergroup, die         2
                                             Rahner, Johanna: Die Zeit, die bleibt. Zur messianischen Grund-
reale oder ersehnte romantische              struktur des Eschatologischen, in: Arens, Edmund (Hg.): Zeit
                                             denken. Eschatologie im interdisziplinären Diskurs, Freiburg i. Br.
Beziehung. In der Bewältigung und            u.a. 2010, 46-57, hier: 49
Umsetzung dieser Aufgaben und            3
                                             Gruber, Franz: Diskurs der Hoffnung. Zur Hermeneutik eschato-
Wünsche spielen individuelle Aspek-          logischer Aussagen, in: Arens, Edmund (Hg.): Zeit denken.
te, Lebensmöglichkeiten und gesell-          Eschatologie im interdisziplinären Diskurs, Freiburg i. Br. u.a.
                                         4
                                             Vgl. Liebsch, Katharina: Lebensplanung und Zukunftsorientie-
schaftliche Erwartungen eine Rolle.          rung. Optionen auf das Erwachsenen-Leben, in: Dies. (Hg.):
                                             Jugendsoziologie. Über Adoleszente, Teenager und neue Gene-
Damit soll nicht gesagt werden, dass         rationen, München 2012, 209-220, hier: 209.
                                         5
                                             Liebsch, Katharina: Geschichte(n) und Generationen. Prozesse
Jugendliche unpolitisch seien. Ent-
                                             gesellschaftlicher Transformationen, in: Dies. (Hg.): Jugendso-
gegen den Schlagzeilen der Jugend-           ziologie. Über Adoleszente, Teenager und neue Generationen,
forschung wie z.B. der Shell-Studien         München 2012, 33-56, hier: 47.

   -Impulse 2|21 | Grundsatzartikel                                                                            7
Impulse - VOR UNS DIE SINTFLUT? 2 21 - rpi-Impulse
GRUNDSATZARTIKEL

tergang bereits von der Welt zurückziehen? Wie ist die      Resilienz
Grenze zu bestimmen zwischen nüchternem Blick auf
die Realität und Panikmache?                                Für Ängste sind besonders diejenigen Menschen anfäl-
                                                            lig, die wenig Zutrauen in das eigene Vermögen haben,
Daraus ergibt sich ein zweiter, eher existenzieller An-     zukünftig Probleme und Komplikationen, Krisen und
knüpfungspunkt. Worin besteht der Reiz individuel-          schwierige Zeiten zu bewältigen. Sie sind eher geneigt,
ler radikaler Lebensentscheidungen, auch gegen den          die Bewältigung von Herausforderung an andere, ver-
Mainstream, gegen Widerstände? In welchen Lebens-           meintlich stärkere Menschen zu delegieren oder sogar
situationen kann man den Eindruck gewinnen, dass            sich autoritären Persönlichkeiten oder Strukturen zu un-
es um Alles oder Nichts geht? Warum lassen sich jun-        terwerfen, die ihnen Sicherheit versprechen.
ge Männer (und junge Frauen) heute für einen heiligen
Krieg begeistern, für einen „endzeitlichen“ Kampf? Was      Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, die Heraus-
erhoffen sie sich vom diesseitigen und jenseitigen Le-      forderungen und Belastungen des Lebens gut zu meis-
ben? Es könnte sich ein interessanter Vergleich mit der     tern. Es ist ein Konzept, das sich von der Defizitperspek-
Motivation für ein christliches Ordensleben – historisch    tive verabschiedet und sich auf die Stärkung der Kräfte
und aktuell – ergeben. Ebenso spielen bei einigen christ-   und Ressourcen eines Menschen konzentriert6 und das
lichen Freikirchen endzeitliche Vorstellungen und, in der   in der Pädagogik neuerdings immer mehr an Bedeutung
Konsequenz, eine Lebensführung angesichts dieser Be-        gewinnt. Neben sozialen Ressourcen wie z.B. zuverläs-
drohung eine große Rolle. Sie sind der Überzeugung,         sigen Vertrauenspersonen und unterstützenden Bezie-
apokalyptische Zeichen in der heutigen Gesellschaft         hungen sowie personalen Ressourcen wie kognitiven
erkennen zu können. In diesem Denkmodell hat auch           Fähigkeiten und emotionalen Anlagen spricht auch die
der Teufel wieder seinen Platz. Es lohnt sich durchaus,     Lebenshaltung der Kohärenz eine zentrale Rolle. Sie be-
auch historisch dem Zusammenhang zwischen Himmel/           deutet, dass das eigene Leben als verständlich wahr-
Hölle-Vorstellungen, etwa in Kriegszeiten oder während      genommen wird, dass man darauf vertraut, zukünftige
Pandemien wie der Pest, mit dem Lebensgefühl der je-        Herausforderungen meistern zu können und beinhaltet
weiligen Zeit auf den Grund zu gehen.                       das Gefühl der Selbstwirksamkeit.7

Die apokalyptische Struktur eines Computerspiels oder       Das Thema „Apokalyptik und Endzeitstimmung“ eignet
eines Films eignet sich für einen unterrichtlichen Ge-      sich als Einstieg für das Nachdenken darüber, was die
sprächsanlass. Wie bei allen Anleihen aus der populären     Jugendlichen, besonders aus ihrer eigenen Perspekti-
und Massenkultur kann es aber sein, dass gerade die         ve, für die noch unbekannten Zumutungen der Zukunft
Aktualität und Attraktivität des Mediums einen analyti-     stärkt. Bei dem komplexen Prozess der Resilienzstär-
schen Zugang erschwert. Ebenso besteht die Gefahr,          kung kann religiöse Bildung einen kleinen Beitrag leisten,
dass man die Aussagen des Films zu schnell und für Ju-      indem sie ihnen Denk- und Deutungsmuster anbietet,
gendliche nicht überzeugend gegenüber den „wahren“          die für sie mehr werden können als nur Unterrichtsstoff.
christlichen Aussagen abwertet. Der Blick auf dieses
Material kann jedoch gut einen weiteren wichtigen As-
pekt apokalyptischer Vorstellungen aufzeigen, nämlich
den der letztendlichen Gerechtigkeit. In den Filmen siegt   6
                                                                Jakobs, Monika: Religion und Gesundheit aus entwicklungspsychologischer Perspekti-
das Gute über das Böse. Inwiefern sind dann apokalyp-           ve – und was dies für die Religionspädagogik bedeutet, in: Theo-Web 17 (2018), H. 1,
tische Vorstellungen eine Art mit Erfahrungen von nicht         83-100, bes. 89-92.
wieder gut zu machendem Leiden umzugehen?
                                                            7
                                                                Vgl. Fröhlich-Gildhoff, Klaus/Rönnau-Böse, Maike: Resilienz. München 5 2019.

8                                                                                                                 -Impulse 2|21 | Grundsatzartikel
„KOMM MIT AUF DIE ARCHE:
Worum geht es:
Mittels einer selbstgebastelten Figur (z.B. aus Moos-

                                                         DU, ICH UND GOTT.“
gummi) beteiligen die Kinder sich aktiv und verknüpfen
damit ihr eigenes Leben mit der Erzählung von Noah
und der Arche. Auf diese Weise werden sie eingela-
den, über die Menschen und Gott nachzudenken, sich
selbst zur Sprache zu bringen und die lebensrelevan-
                                                         Eine schwierige Geschichte mit dem
ten Themen in der Geschichte zu entdecken. Diese         Geschichten-Ich erzählt
Methode kann auf viele unterschiedliche Geschichten
übertragen werden. Hier wird sie exemplarisch an der     Nadine Hofmann-Driesch
biblischen Sintflutgeschichte vorgestellt.

Autorin:                                                 Erzählen mit dem Geschichten-Ich
Nadine Hofmann-Driesch
Studienleiterin RPI Nassau                               Im Religionsunterricht gemeinsam mit den Kindern auf die Suche gehen:
nadine.hofmann-driesch@rpi-ekkw-ekhn.de                  Was haben diese alten biblischen Geschichten mit uns zu tun? Was er-
                                                         zählen sie von mir und meinem Leben? Die Idee, mit einem Geschich-
                                                         ten-Ich zu arbeiten, kann das Ergründen dieser Fragen unterstützen und
Klassenstufen:                                           den Kindern die Möglichkeit eröffnen, eine persönliche Lebensrelevanz
Jahrgang 2/3                                             der biblischen Geschichten auszuleuchten. Allein schon die Erkenntnis,
                                                         dass diese Geschichte auch etwas erzählt, das in meinem Leben vor-
Stundenumfang:                                           kommt, schlägt eine Brücke zwischen den Kindern und der Geschichte
5-6 Stunden                                              und bringt die Lerngruppe ins Gespräch. Diese Erkenntnis wird dadurch
                                                         befördert, dass die eigene Figur in die einzelnen Szenen der Geschichte
Kompetenzen:                                             eingetragen wird. So kann ein Bezug hergestellt werden oder eine Posi-
Die Schüler*innen können                                 tionierung vorgenommen werden. Die von den Kindern selbstgestalteten
n die Noah-Geschichte mit eigenen                        Figuren stehen für das jeweilige Kind selbst und ermöglichen eine hohe
   Worten nacherzählen,                                  Identifikation. Die Kinder bleiben keine stummen Zuhörer, sondern wer-
n die Ambivalenz zwischen Vernichtung                    den aktiv in die Erzählung mit hineingenommen. Auch wenn die Kinder
   und Bewahrung benennen,                               in Perspektivenübernahme Gefühle oder Gedanken der handelnden Per-
n und sich zu lebensrelevanten Punkten                   sonen vermuten und äußern, setzen sie ihre Figur in die jeweilige Szene
   in der Geschichte positionieren.                      hinein. Zum innerlichen Erleben bzw. Nachempfinden kommt ein äußer-
                                                         liches Tun. Es ist erstaunlich, wie gut die Schüler*innen so erzählte und
                                                         gestaltete Geschichten auch Wochen später noch präsent haben.

Material:                                                Diese Art des gemeinsamen Erzählens kann sehr gut an der Tafel oder
M1 		Vorlage Nachdenkheft                                dem Whiteboard mit nötigem Abstand voneinander durchgeführt wer-
M2		Geschichte von Noah (Erzählvorlage mit Bildern)      den, ohne dass man dabei in der frontalen Lernsituation verharrt.
M3		Wort-Erklär-Karten „bereuen“ und „vertrauen“
M4		Hinweise zum Video „Die Geschichte von Noah“         1. Stunde: Bevor es losgeht – Basteln des Geschichten-Ich
     Das Video ist verfügbar unter
    https://youtu.be/U-RGM2LwB_Ym                        Die Kinder erhalten eine farbige Scheibe Moosgummi in Größe DIN A5.
                                                         Die Farbe dürfen sie frei wählen. Ihr Auftrag: „Male auf diesem Moos-
                                                         gummi mit Bleistift eine Figur mit Kopf, Armen, Körper und Beinen vor
Darüber hinaus wird noch farbiges Moosgummi o. Ä.        und schneide sie dann aus. Diese Figur sollst du sein. Sie ist dein „Ich“,
benötigt für die Ich-Figuren und für die Bestandteile    das wir brauchen, wenn wir gleich eine biblische Geschichte hören.“
der Geschichte zum Erzählen an der Tafel. Das Video
(vgl. M4) kann im Homeschooling den Schüler*innen        Man kann statt Moosgummi auch Papier oder Pappe verwenden. Das
zur Verfügung gestellt werden.                           Moosgummi erlaubt aber eine längerfristige Nutzung. In einer Klarsicht-
                                                         folie wird die Figur später in den Relihefter eingeheftet. Den wenigsten
                                                         genügt eine einfarbige Figur, und so erhalten die einzelnen Figuren in-
                                                         dividuelle Noten in Form von farbigen Pullovern, Hosen, Schuhen oder
                                                         auch Mützen. Wenn alle Figuren fertig sind, stellt jedes Kind seine Figur
                                                         den anderen vor. Hält sie hoch und erklärt, was diese Figur zur eigenen
                                                         macht.

                                                         Jetzt wird das eigene Geschichten-Ich auf die erste Seite des Merkheftes
                                                         (M1) gemalt. Das Merkheft besteht aus einer DIN A4-Seite, die auf beiden
                                                         Seiten bedruckt ist und zweimal gefaltet wird. Auf diese Weise entsteht
                   Die Materialien sind auf
                                                         ein Heftchen mit 8 Seiten.
                   unserer Webseite verfügbar.

                   www.rpi-impulse.de                       -Impulse 2|21 | Fachdidaktischer Beitrag                             9
GRUNDSCHULE

In Homeschooling oder Wechselunterricht kann mit far-                  zugänglich gemacht werden. An der Nachdenkstelle, in der das Geschich-
bigem Papier die Figur auch in Heimarbeit angefertigt                  ten-Ich eingetragen werden soll, werden die Kinder aufgefordert, das Video
werden. Wichtig ist, dass sie bei einer Videokonferenz                 kurz anzuhalten. Es gibt eine Wort-Erklär-Karte (M3a) zu „bereuen“, die da-
oder schulischen Präsenzphase der Lerngruppe vorge-                    nach durchgelesen werden kann.
stellt wird. Das Merkheft wird den Schüler*innen als wei-
teres Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt.                          3. Stunde: Noah ist ein Freund von Gott

2. Stunde: Die Geschichte                                              Noah wird vorgestellt als Freund von Gott. Die Geschichte verweilt und die
zum Nachdenken beginnt                                                 Kinder sind eingeladen, von ihren Freunden zu erzählen. Dabei wird immer
                                                                       das jeweilige Geschichten-Ich zur Szene gehängt. Die Kinder überlegen,
Die Lehrkraft beginnt einleitend zu erzählen: „Die Bibel               was Vertrauen bedeutet. Die Seiten 3 und 4 (fakultativ) im Nachdenkheft
ist ein Buch voller Geschichten zum Nachdenken …“                      können bearbeitet werden.
(siehe M2). Zur Visualisierung wird eine Moosgummi-Bi-
bel in die obere linke Tafelecke geklebt oder mit Magne-               Für das Lernen zuhause gibt es wieder eine Wort-Erklär-Karte zum Begriff
ten befestigt. Damit gerät der Ursprung der Geschichte                 „vertrauen“ (M3b).
nicht aus dem Blick.
                                                                       4. Stunde: Überall ist nur noch Wasser
Dann wird der erste Teil der Geschichte erzählt. Als Sym-
bol für Gott wird in der Geschichte ein rotes Ausrufezei-              Die Geschichte wird weitererzählt und die Kinder sind eingeladen, sich in
chen gewählt, in dem Bewusstsein, dass jedes Symbol                    Noah einzudenken. Wie mag es ihm gehen? Auch bei dieser Perspektiven-
für Gott unzulänglich und fragwürdig sein kann. Ein vi-                übernahme wird das Geschichten-Ich in der Szene befestigt, wenn die Kin-
sualisierter Hinweis auf Gott erscheint aber angesichts                der sich äußern.
der göttlichen Präsenz in dieser Geschichte sinnvoll.
                                                                       Das Nachdenkheft (S. 5) bringt das noch mal in die schriftliche Form.
Als Untergrund können ein grünes und ein blaues Tuch
oder Fotokartons verwendet werden.                                     5. Stunde: Das Ende der Flut und der Regenbogen

Die Geschichte wird erzählt bis zu der Stelle, an der von              Die Schlussszene wird an der Tafel erzählt und nochmal auf Noah geschaut.
Gottes Reue gesprochen wird. Die Erzählung stoppt und                  Was er wohl sagt, als er die Arche verlässt? Auch dazu gibt es eine entspre-
die Kinder werden eingeladen, zu überlegen: Was be-                    chende Seite (S. 6) im Nachdenkheft. Am Ende der Geschichte haben sich
deutet es, wenn man bereut? Was ist das für ein Gefühl?                die Menschen und die Tiere nicht verändert, aber Gott schon, er schließt
Kennst du das?                                                         einen Bund mit Noah und verspricht, keine globale Zerstörung mehr über die
                                                                       Schöpfung zu bringen. Dafür steht das Zeichen des Regenbogens. Warum
Wer den anderen davon erzählen möchte, kann sein                       wählt Gott den Regenbogen aus? Was ist das besondere an ihm? Nach der
Geschichten-Ich an die Tafel zur Szene heften. Vielleicht              Positionierung in der Geschichte kann die Antwort im Nachdenkheft (S. 7)
haben die Kinder zu dieser Szene aber auch anderes zu                  verschriftlicht werden.
sagen, z. B. wie traurig es ist, dass die Menschen sich
so verhalten. Die Impulse werden mit Blick auf die Lern-               6. Stunde: Die ganze Geschichte im Blick
gruppe gesetzt.
                                                                       Zum Abschluss wird die ganze Geschichte betrachtet und zum Theologisie-
Im Anschluss daran wird die Szene (M2) weitererzählt                   ren eingeladen. Was, denken die Kinder, ist der wichtigste Teil der Geschich-
und Seite 2 im Nachdenkheft bearbeitet. In der Home-                   te? Fehlt dieser Geschichte etwas? Könnte man einen Teil weglassen?
schooling-Variante kann das Video (M4) den Kindern
                                                                       An dieser Stelle kommt die Frage von den Kindern, ob Gott auch hätte anders
                                                                       handeln können. Musste die Flut sein? Die Ambivalenz der Erzählung steht
                                                                       nun allen vor Augen. Einige sagen, dass es nur mit der Flut auch das Verspre-
                                                                       chen Gottes am Ende gab. Andere sagen, dass die Flut an der Bosheit der
                                                                       Menschen nichts geändert hat.

                                                                       Die letzte Seite im Merkheft (S. 8) stellt die Frage, warum die Bibel diese
                                                                       Geschichte erzählt. In den Antworten der Kinder finden sich viele ihrer vorher
                                                                       geäußerten Gedanken wieder und dienen somit einer Evaluation.

                                                                       Diese Stunde muss in Präsenz oder in einer Videokonferenz stattfinden, um
                                                                       ein gemeinsames Nachdenken zu ermöglichen.
                                                            Foto © privat

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Worum geht es:
So sehr der Mensch die Katastrophe fürchtet, so sehr
                                                        Digitale Dystopie:
fasziniert sie ihn. Dies spiegelt sich auch in einem
breiten Angebot populärer Computerspiele wider, die     COMPUTERSPIELE
den Weltuntergang in Szene setzen. Im Vergleich dazu
wird anknüpfend an die Rezeptionsgeschichte der bi-     ZWISCHEN WELTUNTERGANG
blischen Apokalypse deren historischer Sitz im Leben
sowie deren eigentliche Aussageabsicht erarbeitet.      UND NEUEM LEBEN
Die Schüler*innen sollen der Angst vor der Katastro-
phe eigene Hoffnungsbotschaften entgegensetzen          Karsten Müller
und dabei auch die christliche Hoffnung auf eine neue
Welt bzw. ein neues Leben in die Reflexion einbezie-
hen.                                                    Mit Computerspielen lernen – Zeitverschwendung?
Autor:                                                  Während der Begriff „Digitalisierung” in aller Munde ist und nach immer
Karsten Müller,                                         neuen digitalen Tools für den Unterrichtseinsatz beziehungsweise nach
zertifizierter Medienpädagoge                           einer digitalen Infrastruktur für eine gesamte Schule gesucht wird, gerät
karsten.mueller@MEDIAinRES.de                           die Lebenswirklichkeit der Lernenden mitunter aus dem Blick. Compu-
www.MEDIAinRES.de                                       terspiele fristen seit jeher stark vorurteilsbeladen ein Schattendasein. Zu
                                                        stark ist die Debatte von der Sorge geprägt, Computerspiele würden Ju-
                                                        gendliche aggressiv, passiv und süchtig machen sowie inhaltlich keinen
Klassenstufe:                                           Mehrwert bieten.
Jahrgang 10
                                                        Diese Einschätzung kontrastiert mit der Tatsache, dass drei Viertel der
Stundenumfang:                                          Jugendlichen zwischen 12-19 Jahren regelmäßig spielen; die Bedeutung
6-8 Stunden                                             dieses Mediums hat in Pandemie-Zeiten noch einmal deutlich zugenom-
                                                        men.1 Darüber hinaus ist diese eingeengte Sichtweise auf Games oftmals
Kompetenzen:                                            gekennzeichnet von fehlender Kenntnis der Genre-Vielfalt sowie der in-
Die Schüler*innen können                                haltlichen Angebote. Wichtig für eine adäquate Betrachtung von Compu-
n die menschliche Faszination an der                    terspielen ist auch der pädagogische Fokus auf die Aspekte „Storytel-
   Katastrophe erkennen und kritisch reflektieren,      ling” und „Gameplay”: Hieran kann verdeutlicht werden, wie Jugendliche
n Computerspiele als Ausdruck von Welt-Anschau-         über eine starke Immersion (interaktives Eintauchen in das Computer-
   ung verstehen und Spielprinzipien beschreiben,       spiel, sodass die virtuelle Umgebung als „real“ empfunden wird) nicht nur
n die biblische Apokalypse in ihrer Struktur            an Inhalte (Story, Themen, Motive, Genre) herangeführt werden, sondern
   verstehen und einordnen,                             wie sie sich mit diesen auch problemlösend, fantasievoll und reflexiv aus-
n christliche Hoffnungsbilder beschreiben und           einandersetzen.
   zu ihnen eine (persönliche) Stellungnahme
   formulieren.

Material:
M1		 Zeitungsmeldungen
M2 		 Sind wir alle Gaffer?
M3 		 Die Offenbarung an Johannes
M4 		 Horizon Zero Dawn
M5 		 Das neue Jerusalem
M6 		 Vorstellung von Computerspielen
M7 		 Holzschnitte von Dürer zur Apokalypse
M8 		 Dear Esther

                  Die Materialien sind auf
                  unserer Webseite verfügbar.           1
                                                            vgl. entsprechende Studien: www.mpfs.de

   -Impulse 2|21 |www.rpi-impulse.de
                  Fachdidaktischer Beitrag                   -Impulse 2|21 | Fachdidaktischer Beitrag                           11
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