Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich

 
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Kanton Zürich

              Schulblatt
              Bildungsdirektion

                                                                        1/2020

                                                              Engagiert
                                                                Soziales Lernen
                                                          ausserhalb der Schule

Ausgezeichnet                     Neue Serie                  Zweisprachig
Fabian Aegerter,                  Digitale Unterrichts­       «bili» feiert seinen
Berufs­bildner des Jahres         projekte                    20. Geburtstag
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
5                                                                                                    22
                                             Magazin                                             Fokus:                                                    Volksschule
                                                                                                 Engagiert
                                             4                                                                                                             20
                                             Kommentar                                           12                                                        Sekundarabschluss
                                             Bildungsdirektorin                                   Soziales Engagement                                      für Erwachsene
                                             Silvia Steiner über Lese-                            von und an Schulen                                       Noch einmal die Schulbank
                                             kompetenz und die                                    Die positiven Erfahrungen                                drücken, um beruflich weiter­
                                             Bedeutung des Vorlesens                              der Kantonsschule Hottingen                              zukommen
                                                                                                  mit dem Sozialeinsatz
                                             5                                                                                                             22
                                             Im Lehrerzimmer                                     14                                                        Stafette
                                             Careum Bildungszentrum                               Im Gespräch                                              Selbstbestimmtes Lernen
                                             für Gesundheitsberufe                                Fachfrau Ursula Huber                                    in der Sekundarschule
                                                                                                  über die Bedeutung von                                   Petermoos in Buchs
                                             6                                                    Service-Learning
                                             Persönlich                                                                                                    25
                                             Gastronom Fabian Aegerter                           17                                                        In Kürze
                                             ist Berufsbildner des Jahres                         Förderung sozialer
                                                                                                  ­Grundkompetenz
                                             9                                                    Wie Schülerinnen und
                                             Meine Schulzeit                                      Schüler soziales Engagement
                                             Marcel Hug, Rollstuhlsportler                        entwickeln
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Inhalt

                                             Wichtige Adressen                                                    Impressum Nr. 1/2020, 28.2.2020
                                             Bildungsdirektion: www.bi.zh.ch Generalsekretariat: 043 259 23 09     Herausgeberin: Bildungsdirektion Kanton Zürich, Walcheplatz 2, 8090 Zürich Erscheinungs­
                                             Bildungsplanung: 043 259 53 50 Bildungsstatistik: www.bista.zh.ch     weise: fünfmal jährlich, 135. Jahrgang, Auflage: 19 000 Ex. Redaktion: Redaktionsleiter
                                             Volksschulamt: www.vsa.zh.ch, 043 259 22 51 Mittelschul- und          reto.heinzel@bi.zh.ch, 043 259 23 05; Redaktorin jacqueline.olivier@bi.zh.ch, 043 259 23 07;
                                             ­Berufsbildungsamt: www.mba.zh.ch, 043 259 78 51 Amt für Jugend       Sekretariat schulblatt@bi.zh.ch, 043 259 23 09 Journalistische Mitarbeit an dieser Aus­
                                             und Berufsberatung: www.ajb.zh.ch, 043 259 96 01 Lehrmittel­          gabe: Walter Aeschimann, Andres Eberhard, Paula Lanfranconi, Andreas Minder, Andrea
                                              verlag Zürich: www.lmvz.ch, 044 465 85 85 Fachstelle für Schulbe­    Söldi Abonnement: Lehr­personen einer öffentlichen Schule im Kanton Zürich können das
                                             urteilung: www.fsb.zh.ch, 043 259 79 00 Bildungsrats­beschlüsse:     ­«Schulblatt» in ihrem ­Schulhaus ­gratis beziehen (Bestellwunsch an Schul­leitung). Bestellung
                                              www.bi.zh.ch > Bildungsrat > Beschluss­archiv Regierungsrats­       des «Schulblatts» an Privat­adresse ­sowie Abonne­ment weiterer Interessierter: a
                                                                                                                                                                                                  ­ bonnemente@
                                              beschlüsse: www.rrb.zh.ch                                           staempfli.com, 031 300 62 52 (Fr. 40.– pro Jahr) Online: www.schulblatt.zh.ch G    ­ estaltung:
                                                                                                                   www.bueroz.ch Druck: www.staempfli.com Inserate: inserate@staempfli.com, 031 300 63 80
                                             Titelbild: Marion Nitsch                                              Re­daktions- und Inserateschluss nächste Aus­gabe: 2.4.2020 Das n     ­ ächste «Schulblatt»
                                                                                                                   erscheint am: 30.4.2020

                                             Weiterbildungsangebote
                                             Unter den nachfolgenden Links finden Sie zahlreiche Schulungs- und Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen, Fachlehrpersonen, Schulbehörden und Schul­
                                             leitende: Volksschulamt: www.vsa.zh.ch > Ausbildung & Weiterbildung Pädagogische Hochschule Zürich: www.phzh.ch > Weiterbildung Unterstrass.edu:
                                             www.unterstrass.edu UZH/ETH Zürich: www.webpalette.ch > Sekundarstufe II > Gymnasium > UZH und ETH Zürich, Maturitätsschulen HfH – Interkantonale
                                             Hochschule für Heilpädagogik Zürich: www.hfh.ch > Weiterbildung ZAL – Zürcher Arbeits­        gemeinschaft für Weiterbildung der Lehrpersonen des
                                             ­Kantons Zürich: www.zal.ch > Kurse EB Zürich, Kantonale Berufsschule für ­Weiterbildung: www.eb-zuerich.ch ZHAW Zürcher Hochschule für Ange­
                                              wandte Wissenschaften, Soziale Arbeit: www.zhaw.ch/sozialearbeit > Weiterbildung > Weiterbildung nach Thema > Kindheit, Jugend und Familie
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Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
26                                                      34
Mittelschule                                           Berufs­bildung                                          39
                                                                                                               Amtliches
26                                                     32
Chance KWI                                             20 Jahre «bili»                                         41
Kinder aus sozial benach­                              Der zweisprachige Unterricht                            Stellen
teiligten Familien lernen für                          als Bereicherung für alle
die Gymiprüfung                                                                                                48
                                                       34                                                      schule & kultur
28                                                     Berufslehre heute
Digitale                                               Messerschmied EFZ                                       50
Unterrichtsprojekte                                                                                            Agenda
«U2 goes digital» – Physik                             36
lernen, aber ganz anders                               In Kürze
31
In Kürze

    Editorial
                                                               Vom Verkauf selbst gebackener Guetsli für einen guten Zweck über das Singen
                                                                                                                                                     Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Inhalt

                                                               im Pflegeheim oder das Klassenlager zwecks Mitanpacken bei der Bachbett­
                                                               räumung nach dem Hochwasser bis zum obligatorischen Sozialeinsatz im
     Reto Heinzel                                              ­Behinderten-, Asylanten- oder Kinderheim – soziales Engagement wird heute
                                                                an vielen Schulen grossgeschrieben. Warum eigentlich? Dieser Frage sind wir
                                                                in der vorliegenden Ausgabe nachgegangen und haben spannende Antworten
                                                                erhalten. Etwa, dass die Schülerinnen und Schüler dadurch lernen, Verantwor­
                                                                tung zu übernehmen, oder weil sie einen Perspektivenwechsel vornehmen
                                                                und erfahren, dass es andere Lebenswelten gibt als ihre eigenen.
                                                                Ein Wechsel steht auch beim «Schulblatt» an. Ich werde innerhalb der Bil­
                                                                dungsdirektion eine neue Aufgabe übernehmen und möchte mich deshalb an
                                                                dieser Stelle von Ihnen verabschieden. Den Stab gebe ich weiter an Jacqueline
                                                                Olivier und Marianne Koller, die das «Schulblatt» künftig gemeinsam reali­
                                                                sieren. 
                                                                                                                                                     3

Die Redaktion freut sich über Reaktionen auf das «Schulblatt»: reto.heinzel@bi.zh.ch, jacqueline.olivier@bi.zh.ch
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Lesekompetenz                                                                                                                 sich dies schon beim Schuleintritt: Wäh­

       Das Lesen
                                                                                                                                     rend die einen bereits flüssig lesen kön­
                                                                                                                                     nen, sind andere gerade einmal in der
                                                                                                                                     Lage, den eigenen Namen zu schreiben.

       entdecken
                                                                                                                                         Die Schulen leisten heute bereits viel,
                                                                                                                                     um die Lesekompetenz der Schülerinnen
                                                                                                                                     und Schüler zu stärken. Diese Arbeit müs­
                                                                                                                                     sen sie weiterführen. Gleichzeitig ist es

       von Silvia Steiner, Bildungsdirektorin                                                                                        wichtig, dass wir bereits früher ansetzen
                                                                                                                                     und die Startchancen aller Kinder ver­
                                                                                                                                     bessern. Die Frühförderung zu stärken ist
                                                                                                                                     mir deshalb ein wichtiges Anliegen, denn:
                                                                                                                                     Lese- und Sprachförderung muss schon
                                                                                                                                     vor dem Kindergarten beginnen.
                                          «Ein Buch ist wie ein Garten, den man in                                                       Die Schule ist weder für alles ver­
                                          der Tasche trägt», lautet ein arabisches                                                   antwortlich noch kann sie alles, was nicht
                                          Sprichwort. Was gibt es Schöneres, als in                                                  gut läuft, geradebiegen. Wenn nun mehr
                                          eine packende Geschichte einzutauchen                                                      Schülerinnen und Schüler Mühe mit dem
                                          und dabei Ort, Zeit und mitunter sogar die                                                 Lesen bekunden, dürfen wir diese Ent­
                                          anstehenden Pflichten zu vergessen? Wir                                                    wicklung nicht einfach den Schulen an­
                                          alle kennen junge und alte Menschen,                                                       lasten. Ebenso verfehlt ist es, für die ab­
                                          die Tag für Tag mit Begeisterung Bücher                                                    nehmende Lesefreude der 15-Jährigen
                                          verschlingen, ohne jemals genug davon                                                      allein die Schule in die Pflicht zu neh­
                                          zu kriegen. Wer gern liest, weiss: Zwi­
                                          schen Buchdeckeln ist so mancher Schatz
                                                                                            «Ein einfaches,                          men. Trotzdem müssen wir uns Gedanken
                                                                                                                                     machen, wie sich die Digitalisierung und
                                          zu heben.
                                              Die jüngsten PISA-Ergebnisse haben
                                                                                            aber effektives                          das veränderte Freizeitverhalten von Ju­
                                                                                                                                     gendlichen auf das Lesen auswirken und
                                          allerdings in Erinnerung gerufen, dass die           Mittel ist                            wie wir dem in den Schulen begegnen
                                          Freude am Lesen nicht etwas Naturgege­
                                          benes ist und den Kindern nicht in den
                                                                                            das ­Vorlesen.»                          können.
                                                                                                                                         Um die Sprach- und Lesekompeten­
                                          Schoss fällt. Lesen muss frühzeitig erlernt                                                zen zu fördern, sind auch die Eltern ge­
                                          und geübt werden. Bei der Lesekompe­                                                       fordert. Sie erfüllen eine Vorbildfunktion.
                                          tenz liegt die Schweiz im OECD-Durch­                                                      Ein einfaches, aber effektives Mittel ist das
                                          schnitt. Länder wie Deutschland, Finn­        reichte im Test die Mindestkompetenzen       Vorlesen von Geschichten. Wir wissen,
                                          land oder Frankreich haben deutlich           nicht. Diese Entwicklung muss uns zu         dass Kinder, die früh mit Büchern und
                                          besser abgeschnitten. Zwar ist der Anteil     denken geben, denn Lesefähigkeiten wir­      Geschichten in Kontakt kommen, später
                                          lesestarker Jugendlicher bei uns in etwa      ken sich unmittelbar auf die späteren        einfacher lesen lernen. Wer erst in der
                                          gleich gross geblieben. Beunruhigend ist      ­Berufschancen aus.                          Schule vom Wert des Lesens hört, wird
                                          dagegen die Zunahme von leseschwa­                 Lehrpersonen haben es mit Kindern       vermutlich Mühe haben, den Garten zu
                                          chen Schülerinnen und Schülern. Knapp          zu tun, die ganz unterschiedliche Voraus­   entdecken, der sich zwischen zwei Buch­
                                          ein Viertel der getesteten 15-Jährigen er­     setzungen mitbringen. Beim Lesen zeigt      deckeln verbirgt. 
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Magazin

                                                                                                                                                      Mein
                                                                                                                                                      Traumschulhaus
                                                                                                                                                      Célestin (8),
                                                                                                                                                      2. Klasse, Schul­
                                                                                                                                                      haus Blatten,
                                                                                                                                                      Männedorf
4
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Im Lehrerzimmer

         Careum Bildungszentrum
           für Gesundheitsberufe
                                                                                     Den ganzen Tag Betrieb
                                                                                                                    Fotos: Marion Nitsch

                                                                                                                                      Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Magazin

Keine Pausenglocke bestimmt den Tagesrhythmus am Careum, sondern die Unterrichtseinheiten, die von den pädagogischen Mit­
arbeitenden selbst definiert werden. Ein Kommen und Gehen den ganzen Tag herrscht deshalb im Pausenraum, der von Lehr­
personen und Mitarbeitenden genutzt wird. Nur mit dem Badge erhält man Zutritt, dafür von zwei Seiten. Drei Kühlschränke, drei
Mikrowellengeräte und ein Felfel-Automat sorgen dafür, dass der Raum über Mittag stets voll ist. Deckenlampen in Kugelform
verströmen warmes Licht für eine gemütliche Atmosphäre. Eine fantastische Aussicht über das Quartier und auf den Uni-Turm
bietet die grosse Fensterfront. Acht Berufe auf zwei Bildungsstufen werden in dem markanten roten Gebäudekomplex angeboten –
Berufsfachschule und Höhere Fachschule. Interprofessionalität sei ein wichtiger Teil des Denkens und der Ausbildung an ihrem
Bildungszentrum, erklärt Direktor Christian Schär. Privatrechtlich organisiert und mit staatlichem Leistungsauftrag bewegt sich
das Bildungszentrum zwischen klar definierten Ausbildungsvorgaben und freiem Markt. Jeder überschüssige Franken wird laut
dem Direktor ins Bildungszentrum reinvestiert, zum Beispiel in die digitale Transformation. [jo]
                                                                                                                                     5
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Persönlich                                                                                                                      ­ affee zu servieren und die Gäste zu be­
                                                                                                                                       K

       Chef und Coach
                                                                                                                                       grüssen. Oder jemandem zu zeigen, wo die
                                                                                                                                       Toilette ist. «Für uns Erwachsene sind sol­
                                                                                                                                       che Dinge selbstverständlich, nicht aber

       in einer Person
                                                                                                                                       für Jugendliche. Es ist wichtig, sich in
                                                                                                                                       ihre Situation einzufühlen, damit man sie
                                                                                                                                       nicht überfordert.» Ihm sei bewusst, dass
                                                                                                                                       die Welt nicht dieselbe sei wie die, in der

       Fabian Aegerter vom Restaurant Wald­                                                                                            er selbst aufwuchs. «Alles ist schneller ge­
                                                                                                                                       worden, der Leistungsdruck ist gestiegen»,
       mannsburg in Dübendorf wurde kürzlich                                                                                           stellt er fest. Auch die sozialen Strukturen

       zum Berufsbildner des Jahres gekürt.                                                                                            hätten sich verändert, sodass neben der
                                                                                                                                       Familie auch Lehrpersonen und Lehr­
                                                                                                                                       meister vermehrt gefordert seien.
       Text: Andres Eberhard Foto: Stephan Rappo

                                                                                                                                       Abstraktes praktisch vermitteln
                                                                                                                                       Es gibt ein Beispiel, das die Ausbildungs­
                                                                                                                                       methode von Fabian Aegerter gut veran­
                                                                                                                                       schaulicht: Jährlich findet in der «Wald­
                                                                                                                                       mannsburg» ein «Lehrlingsevent» statt, zu
                                                                                                                                       dem Eltern, Lehrpersonen und Chefs ein­
                                          Die Tische sind weiss gedeckt, das Silber­    von dem der 37-Jährige den Betrieb vor         geladen werden – wobei kulinarische Hö­
                                          besteck liegt bereit. Auf der Speisekarte     drei Jahren übernommen hat, hat sich           henflüge selbstredend im Mittelpunkt ste­
                                          finden sich Gastro-Klassiker und ein feu­     drüben im Stöckli einquartiert.                hen. Das Spezielle daran: Die Jugendlichen
                                          dales Chateaubriand. In der «Waldmanns­                                                      organisieren alles selbst. Sie setzen das
                                          burg» wird Wert auf Stil gelegt, das merkt    Ausbildung als Teamwork                        Thema, schreiben Konzepte und Bestell­
                                          man schnell. «Wir mögen es klassisch, das     «Hier bilden alle aus, nicht nur ich», be­     listen, gestalten und drucken Flyer. Am
                                          stimmt», sagt Fabian Aegerter und lacht.      tont Fabian Aegerter gleich zu Beginn,         Anlass selbst kochen und servieren sie.
                                          «Aber wir sind ein Restaurant für alle. Bei   denn das ist ihm wichtig. «Sowohl der          «So lernen sie Verantwortung zu überneh­
                                          uns gibt es auch Egliknusperli oder ein­      Postenchef in der Küche als auch die Ver­      men», sagt ihr Chef. Wichtig sei, sie dabei
                                          fachere Gerichte.»                            antwortliche für den Frühdienst oder die       zu begleiten. «Die Lernenden brauchen
                                               In der Gastronomie ist es üblich, dass   langjährigen Mitarbeiter.» Er sieht den        klare Ziele und Fixpunkte.» So setzt er
                                          gute Leistungen ausgezeichnet werden.         Preis deshalb als Auszeichnung für den         beispielsweise Deadlines, bis wann Grob-
                                          Der Preis, den Fabian Aegerter im letzten     ganzen Betrieb. Besonders freut ihn, dass      und Feinkonzept abzuliefern sind.
                                          Herbst gewonnen hat, ist jedoch anders.       es eine Lernende war, die ihn als «besten           Der Lehrlingsevent bringt weitere Vor­
                                          Es spielte keine Rolle, ob die Entenbrust     Chef» nominierte. «Das ist die vielleicht      teile: So lassen sich abstrakte Lerninhalte
                                          zart war oder der Gemüse-Quinoa-Salat         grösste Wertschätzung, die du als Lehr­        wie etwa Marketing in der Praxis vermit­
                                          schön angerichtet. Auch mit dem stil­         meister bekommen kannst.»                      teln. «Zudem kommen Lehrpersonen mit
                                          vollen Interieur und der Sicht über das            Was macht ihn zum guten Chef? Er          Eltern und Ausbildnern in Kontakt», sagt
                                          Glatttal konnte Aegerter nicht punkten.       sei ein Vorbild und habe sie mit seiner        Aegerter, der auch als Mitglied der Schul­
                                          Der Titel «Berufsbildner des Jahres» wur­     ­Begeisterung angesteckt, schrieb die Ler­     kommission an der Allgemeinen Berufs­
                                          de ihm allein für sein Engagement für          nende Csilla Dobszay als Begründung da­       schule sowie als Experte bei Abschluss­
                                          Lernende verliehen (siehe Kasten).             für, dass sie ihren Chef anmeldete. Die       prüfungen im Serviceberuf und an der
                                               Eigentlich ist Ruhetag im Restaurant      Jury wiederum strich die durchdachte          Hotelfachschule in Zürich ­tätig ist.
                                          Waldmannsburg. Spiel- und Gästepark­           Ausbildung sowie sein starkes persönli­            Aegerter ist auf der «Waldmannsburg»
                                          platz sind leer, an der Zufahrtsstrasse        ches Engagement heraus. Aegerter selbst       aufgewachsen, sein Vater hatte den Be­
                                          steht ein temporäres Einbahnschild. Aber       sieht sich nicht nur als Vorbild und Wis­     trieb Mitte der Neunzigerjahre gekauft.
                                          so richtig Ruhe ist hier nie, schliesslich     sensvermittler, sondern auch als M
                                                                                                                          ­ otivator   Als sich seine Eltern trennten, zog er mit
                                          ­leben Aegerters in diesem Haus mit Burg­      und Coach. «Junge Menschen brauchen           der Mutter und dem Bruder in den Kan­
                                           turm, das auf einem völlig frei stehenden     positive Erlebnisse, um Selbstvertrauen       ton Solothurn. Die Ferien verbrachte er
                                           Hügel ein paar hundert Meter ausserhalb       zu entwickeln», sagt er.                      oft im Restaurant, half mit, so gut es ging.
                                           der Stadt Dübendorf steht. Fabian Aeger­          Eines seiner Hauptprinzipien: Den         «Ich wusste schon mit sieben oder acht
                                           ter bewohnt mit seiner Frau und den bei­      Lernenden etwas zutrauen. «Bei uns ha­        Jahren, dass ich Wirt werden wollte.» Er
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Magazin

                                           den acht- und vierjährigen Kindern die        ben sie praktisch vom ersten Tag an Gäste­    absolvierte eine Lehre als Koch sowie spä­
                                           Wohnung über dem Restaurant. Der Vater,       kontakt.» Am Anfang reiche es, einen          ter eine weitere im Service. Der damalige
                                                                                                                                       Lehrmeister imponierte ihm. «Er wirkte
                                                                                                                                       immer natürlich und nahm sich viel Zeit,
                                            Die besten Chefs auszeichnen                                                               mir Dinge zu zeigen.» Besonders in Erin­
                                            Mit dem «Zukunftsträger-Preis» will die Gastro-Branche das Engagement für                  nerung geblieben ist ihm, wie sie einmal
                                            die Berufsbildung fördern. Jährlich werden ­darum die besten Chefs in vier Kate­           nach Feierabend zusammen Wein degus­
                                            gorien ausgezeichnet: Bäcker-Konditor-­Confiseur, Fleischfachmann, Koch und                tiert haben. «Für mich war das ein sehr
                                            Restauration. Zuerst melden Lernende ihre Chefs an. Daraufhin reichen diese                spezieller Moment. Weil es mir eine völlig
                                            eine Art Bewerbung ein inklusive Fragebogen zur Ausbildung in ihrem Betrieb.               unbekannte Welt eröffnete.»
                                            Die Jury nominiert die besten drei Berufsbildner pro Kategorie, besucht sie vor                 Es sind manchmal kleine Dinge, die
                                            Ort und bestimmt die vier Gewinner. Kriterien sind das «besondere Engagement               junge Menschen beeindrucken, und schein­
                                            beim Vermitteln von Grundlagen, Handwerk, Fachkompetenz und Wissen, aber                   bar unwichtige Momente, die bleiben.
                                            auch soziale Integration, die ­Förderung der Lernenden und ihrer Persönlichkeit            «Arbeit kann auch Spass machen», sagt
                                            sowie das Hochhalten des Berufsstolzes». [eba]                                             Fabian Aegerter. «Diese Freude zu vermit­
                                                                                                                                       teln, ist mir etwas vom Wichtigsten.» 
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Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Magazin

Gastronom Fabian
­Aegerter, Inhaber der
 «Waldmannsburg» in
 Dübendorf, freut sich,
 dass es eine Lernende
 war, die ihn als «besten
 Chef» nominierte.
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Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
ZVV-Schulinfo

                                    Mit dem
                                    öV den
                                    Kanton Zürich
                                    entdecken

                                  Die ZVV-Entdeckungsreise –                   SBB Schul- und Erlebniszug und
                                  Lehrmittel für die 4. bis 6. Klasse          ZVV-Schulbus – für die 5. bis 9. Klasse

                                  Entdecken Sie mit Ihren Schülerinnen         Besuchen Sie mit Ihrer Klasse den SBB Schul-
                                  und Schülern den Kanton Zürich! «Die         und Erlebniszug und den ZVV-Schulbus. In einer
                                  ZVV-Entdeckungsreise» bringt Kindern bei,    praxisnahen und erlebnisreichen Lernumgebung
                                  sich selbständig mit Zug, Bus, Tram          erarbeitet ein pädagogisch ausgebildetes
                                  und Schiff zu bewegen. Mit einem originell   Moderatorenteam mit den Schülerinnen und
                                  illustrierten Schülerheft erarbeiten sie     Schülern Inhalte rund um die Themen Sicherheit,
                                  einen Reiseplan. Danach geht es in Gruppen   nachhaltige Energienutzung, Mobilität und
                                  oder als ganze Klasse auf Entdeckungsreise   Berufswahl. Das Ziel des Angebots ist es zudem,
                                  mit interessanten Aufträgen rund ums         die jungen Besucherinnen und Besucher mit
                                  Thema öffentlicher Verkehr.                  Beispielen aus der Praxis für ein faires und
                                                                               verantwortungsvolles Verhalten im öffentlichen
                                  Die Tickets für die Reise stellt der ZVV     Verkehr zu motivieren.
                                  kostenlos zur Verfügung.
                                                                               4. bis 20. Mai 2020: Zürich Altstetten
                                  Bestellungen:                                2. bis 12. Juni 2020: Winterthur
                                  www.shop.zkm.ch
                                  verlag@zkm.ch
                                  Tel. 043 818 63 52
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020

                                  Preis: CHF 49.–
                                                                               Mehr Infos: www.zvv.ch/schulinfo
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Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
Welche Schulreise ist Ihnen speziell                                                                                 Meine Schulzeit

                                                                     «Das Hantieren
in Erinnerung und warum?
Eine Schulreise habe ich keine speziell in
Erinnerung. Woran ich mich jedoch gern

                                                                       in der Küche
erinnere, ist eine Projektwoche zum The­
ma «Mittelalter». In dieser Woche konnten
wir das Leben von damals hautnah nach­

                                                                      war mühsam»
empfinden. Wir lebten in einer Waldlich­
tung, kochten auf offenem Feuer, stellten
Werkzeuge her wie anno dazumal und er­
fuhren viel Spannendes über diese Zeit­
epoche.                                                         Fünf Fragen an Marcel Hug, Profi-
     Welche Lehrperson werden Sie
nie vergessen?                                              sportler in der Rollstuhl-Leichtathletik
Mir sind eigentlich alle Lehrpersonen in
guter Erinnerung. Als besonders enga­
giert erlebte ich die Lehrpersonen an der
Sportschule in Kreuzlingen, die es sehr
gut verstanden, uns sowohl schulisch als
auch sportlich individuell zu fördern.
     Welches war Ihr liebstes Fach              mussten wir viel selbstständig arbeiten
und weshalb?                                    und die Ausbildung und das Training gut
Auf allen Schulstufen haben mich Fächer,        koordinieren.
die mit der Natur und mit Menschen zu              Was hat Ihnen in der Schule gar
tun hatten, am meisten fasziniert. Da ich       nicht gefallen?
auf einem Bauernhof aufgewachsen und            Hauswirtschaft, besonders der Koch­
seit meiner Geburt gehbehindert bin,            unter­richt, war nicht so mein Ding. Da ich
­haben mich die vielen unterschiedlichen        damals noch an Gehhilfen ging, war das
 Facetten der Natur und des Menschseins         Hantieren in der Küche für mich eher
 besonders angesprochen und interessiert.       mühsam.
     Was haben Sie in der Schule fürs
 Leben gelernt?
 Etwas vom Wichtigsten, was ich gelernt                  Marcel Hug wurde 1986 mit Spina bifida
                                                         (offener Rücken) geboren. Die Volksschule
 habe, ist sicher, dass man sich für ein                 ­absolvierte er im Kanton Thurgau. Die Sport-­
 Ziel einsetzen und arbeiten muss, um im                  KV-Ausbildung schloss er 2008 in L  ­ uzern ab. Seit
                                                          2010 ist er Profisportler in der Rollstuhl-Leicht­
 Leben weiterzukommen und Erfolg zu                       athletik. Er gewann mehrere Medaillen an Europa-
 ­haben. Auch habe ich gelernt, Eigenver­                 und Weltmeisterschaften sowie an Paralympics, ­darunter
                                                          zwei Goldmedaillen in Rio 2016. Ausserdem wurde er an
  antwortung und Eigeninitiative zu über­                 den Swiss Sports Awards mehrfach als Behindertensportler
  nehmen. Besonders in der Sportschule                    des Jahres ausgezeichnet.

Bildungs-Slang
Ruedi Widmer, Cartoonist, interpretiert Begriffe aus Bildung und Schule – diesmal: Wissenslücke
                                                                                                                                  9Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Magazin
Schulblatt1/2020 Engagiert - Soziales Lernen ausserhalb der Schule - Kanton Zürich
10   Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus
Fokus

Engagiert
  Fotos: Marion Nitsch begleitete Schülerinnen und Schüler bei ihrem Sozialeinsatz

                                                                               Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus
                                                                               11
Soziales Engagement von und an Schulen

       Die Perspektive
       wechseln
       Mit älteren Menschen singen, Asyl­
       suchende in Deutsch unterrichten oder
       Sehbehinderten vorlesen: Seit 2004
       leisten Jugendliche des Akzents Ethik/­
       Ökologie am Zürcher Wirtschafts­
       gymnasium Hottingen auch einen Sozial­
       einsatz. Die Idee ist, dass sie andere
       Lebensrealitäten kennenlernen.
       Text: Walter Aeschimann

                                        Nathalie spielt jeden zweiten Mittwoch­        Sie belegen innerhalb des gymnasialen          aus sozial benachteiligten Familien, älte­
                                        nachmittag mit kleinen Kindern und hilft       An­gebots den sogenannten Akzent Ethik/        ren, kranken oder behinderten Menschen
                                        beim «Zvieritisch». Sie geht in eine Insti­    Ökologie. Das bedeutet, die entspre­chende     soll den Akzentklässlern neue Lebens­
                                        tution, die Familien in schwierigen Situa­     Lehrperson behandelt in jedem Semester         felder zeigen.» Diese Idee habe nach wie
                                        tionen unterstützt. «Die Kinder erkennen       und in ihrem Fach – eingebettet in den         vor Gültigkeit.
                                        mich sofort, wenn ich wiederkomme. Das         ­regulären Unterricht – ethisch oder öko­          Nathalie staunte zu Beginn, wie offen
                                        ist schön.» Lino, Janosch und Leo unter­        logisch relevante Themen. Wer diesen          die kleinen Kinder ihr gegenüber sind.
                                        richten Asylsuchende an der Fachschule          Akzent wählt, muss parallel im zweiten
                                                                                        ­                                             Mara war am Anfang schockiert, wenn ihr
                                        Viventa in Deutsch. «Es braucht sehr viel       Schuljahr auch einen obligatorischen So­      Menschen im Verein GsE «persönliche
                                        Geduld. Man muss die Dinge ganz anders          zialeinsatz leisten. Rund 80 Stunden über     und schlimme Lebensgeschichten erzähl­
                                        erklären», sagen sie. «Aber es ist eine gute    das Jahr verteilt, meistens am freien Mitt­   ten». Unterdessen kann sie besser damit
                                        Erfahrung.» Mara arbeitet bei Gemein­           wochnachmittag. Die Jugendlichen er­          umgehen. Leo erfährt von einem Asylan­
                                        sam statt Einsam (GsE), einem Verein in         halten dafür keine Entschädigung. Rund        ten viel über das Leben im Libanon. «Das
                                        Affoltern am Albis, der hilfsbedürftige Men­    40 Stunden haben sie unterdessen ab­          berührt mich sehr.» Lino und Janosch
                                        schen unterstützt. Sie hört den Lebens­         solviert.                                     stellen fest: «Die Asylanten sind glücklich,
                                        geschichten der Menschen zu, hilft Ihnen                                                      wenn wir kommen, weil wir gute Ge­
                                        Deutsch zu lernen oder gibt Essen am           Perspektivenwechsel als Idee                   sprächspartner sind.» Und Clara hat lernen
                                        Mittagstisch aus. «Ich wollte meinen So­       Die Schule liegt im Zürcher Kreis 7, einem     müssen, zu akzeptieren, dass Menschen
                                        zialeinsatz dort leisten, wo ich wohne und     ruhigen Quartier mit vielen Bürgerhäu­         verstorben sind, wenn sie zwei Wochen
                                        einen Bezug habe.»                             sern, unweit von Kunsthaus und Schau­          später wieder ins Blindenheim kam.
                                             Auch Clara hat das Blindenheim Müh­       spielhaus, angrenzend an das Universi­
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus

                                        lehalde bewusst gewählt. Ihre Mutter war       tätsquartier. Das Gymnasium führt den          Ohne Berührungsängste
                                        vor einem Jahr plötzlich und vorüber­          Akzent Ethik/Ökologie seit 2004, als erste     Die Schüler und Schülerinnen suchen
                                        gehend erblindet. «Das hat mich sehr           Schule in der Schweiz. Im Januar 2008          ihre soziale Institution eigenständig. Sie
                                        ­beschäftigt. Ich habe erkannt, dass seh­      wurde das Projekt mit dem «Profaxpreis»        schreiben eine Bewerbung, führen das
                                         behinderte Menschen eine ganz andere          für innovative Schulentwicklung ausge­         Bewerbungsgespräch und schnuppern
                                         Welt wahrnehmen.» Sie liest den Seh­          zeichnet. Seit November 2010 ist es im         ­allenfalls einen Tag. Erst dann treten sie
                                         behinderten vor. An Weihnachten backte        Lehrplan der Kantonsschule verankert.           den Einsatz an. Zur Auswahl steht jeweils
                                         sie Guetsli. Manchmal kommt eine Kin­         «Die Idee der Gründer war der Perspekti­        eine Liste von Einrichtungen, mit denen
                                         dergarten-Waldspielgruppe vorbei. Dann        venwechsel. Wirtschaftsmittelschüler sol­       die Schule gute Erfahrungen macht. Ein­
                                         spielen Clara, Kinder und Sehbehinderte       len sich auch mit ethischen und sozialen        zelne Organisationen stellen sich im ers­
                                         zusammen.                                     Fragen beschäftigen», sagt Kaspar Gysel,        ten Jahr auch in der Schule vor. Andere
                                             Die sechs 16 Jahre alten Schülerinnen     Geschichtslehrer am Gymnasium und ver­          werden von Ehemaligen empfohlen. «Es
                                         und Schüler der Klasse G2A besuchen das       antwortlich für den Akzent. «Und die län­       braucht viel Energie und eine sorgfältige
                                         Gym­nasium der Kantonsschule Hottingen        gerfristige, regelmässige Begegnung mit         Koordination, bis alle einen Sozialeinsatz
12

                                         mit Schwerpunkt Wirtschaft und Recht.         Asylbewerbern, Obdachlosen, Kindern             haben», sagt Gysel. «Aber die Arbeit lohnt
Sie unterrichten regelmässig
                                                                                                                       ­Asylsuchende: Leo (Bild links,
                                                                                                                            zweiter von links) und Lino
                                                                                                                        (Bild oben, links) an der Fach­
                                                                                                                              schule Viventa in Zürich.

sich.» Die Jugendlichen haben in der ent­       Am Schluss des Jahres müssen die Ju­          Schulleitung tragen die Idee, im Unter­
sprechenden Institution eine Fachperson,        gendlichen ihren Sozialeinsatz reflektie­     richt über Solidarität und gesellschaftli­
die sie unterstützt. Zusammen besprechen        ren. Sie schreiben ihre Gedanken auf ei­      che Verantwortung nachzudenken oder
sie jeweils vor dem neuen Einsatz die ver­      ner A4-Seite nieder. Dafür erhalten sie       Lernende zu animieren, den gewohnten
gangenen und die kommenden Stunden.             ein spezielles Zeugnis, das aber nicht für    Lebensraum zu verlassen. Die aktuelle,
Für die Dauer des Sozialeinsatzes ist den       den Abschluss zählt. Wichtig ist den Lehr­    intensive Klimadiskussion helfe ausser­
Jugendlichen auch eine Lehrperson zu­           personen, dass die Jugendlichen persönli­     dem, den Akzent in der Schülerschaft
geteilt, die sie betreut und manchmal in        che Eindrücke formulieren oder nochmals       ­wieder etwas populärer zu machen, sagt
der Institution besucht.                        bewusst über die Ziele des Sozialeinsat­       Gysel.
      Katharina Keller ist Französischleh­      zes nachdenken. Die Eckpfeiler sind auf            Dennoch überlegen sich die Verant­
rerin am Gymnasium und betreut seit             der Homepage aufgelistet: andere Reali­        wortlichen an der Schule, den Sozialein­
­vielen Jahren die Lernenden beim Sozial­       täten wahrnehmen, soziale Unterschiede         satz auf 60 Stunden zu reduzieren. Eine
 einsatz. Sie kann nur Positives berichten:     erleben, bewusster mit Benachteiligten         weitere Möglichkeit wäre, ihn auch kon­
 «Alle Jugendlichen, die ich betreute, wa­      umgehen, über einen längeren Zeitraum          zentrierter anzubieten, etwa während der
 ren vom sozialen Engagement überzeugt.         Verantwortung übernehmen oder Theorie          Sommerferien. Bereits heute dürfen die
 Sie machten Fortschritte. Sie wurden rei­      in die Praxis übertragen.                      Lernenden bestimmte Freifächer als So­
 fer. Niemand wollte abbrechen. Und die                                                        zialeinsatz anrechnen. Beispielsweise ein
 Institutionen waren sehr zufrieden.» Wenn      Anstrengend, aber lehrreich                    Entwicklungsprojekt, das sie vom Kon­
 es Schwierigkeiten gegeben habe, seien es      Im Moment belegen 15 Lernende den Ak­          zept bis zum erfolgreichen Fundraising
 Prob­leme innerhalb der Organisation ge­       zent Ethik/Ökologie. Schüler und Schü­         entworfen und abgeschlossen haben. Die
 wesen, sagt sie.                               lerinnen sind etwa gleich vertreten. Es sei    punktuelle Anpassung des Sozialeinsat­
                                                                                                                                                    Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus

      Auch Englischlehrer Ralph Kilchen­        eher schwieriger geworden, eine Klasse         zes würde den Jugendlichen wohl ent­
 mann unterstützt Akzentlernende. Er sei        mit diesem Akzent durchzuführen, sagt          gegenkommen. Denn sie sind sich einig:
 immer wieder beeindruckt, wie offen sie        Gysel. «Am Anfang war der Akzent sehr          Der Sozialeinsatz sei schon anstrengend,
 die Einsätze leisten würden: «Die Jugend­      speziell. Diesen Nimbus hat er etwas ein­      anstrengender als zuvor gedacht. Aber
 lichen haben überhaupt keine Berüh­            gebüsst.» Ein Grund sei sicherlich die         die interessanten und lehrreichen Er­
 rungsängste.» Er selbst hätte in diesem        Konkurrenz im eigenen Haus. Denn un­           fahrungen würden überwiegen. Sie seien
 Alter wohl eher Mühe gehabt, mit älteren       terdessen bietet das Schulhaus weitere         dank dem Sozialeinsatz offener geworden
 und dementen Menschen umzugehen.               Akzente an: Entrepreneurship und Im­           und hätten mehr Verständnis für andere
 Eine Szene im Zürcher Alterszentrum            mersion English. Die neuen Ausrichtungen       gesellschaftliche Situationen. Mara kann
 ­Sydefädeli ist ihm besonders in Erinne­       seien eher beliebter, «womöglich auch,         sich gar vorstellen, auch später freiwillig
  rung. Die Schülerin war 15, die älteste In­   weil man dabei Geld verdienen kann und         bedürftigen Menschen zu helfen. Für
  sassin 96 Jahre alt. «Es war eindrucksvoll,   ein praktischer Nutzen klarer ersichtlich      Clara ist besonders schön, wenn die Insas­
  wie die Schülerin über alle Altersgrenzen     ist». Gysel ist aber zuversichtlich, dass      sen im Blindenheim stets fragen würden,
  hinweg unbefangen mit den Menschen            der Akzent Ethik/Ökologie weiterhin be­        ob sie wiederkomme: «Sie freuen sich auf
                                                                                                                                                    13

  gesungen hat.»                                stehen bleibt. Das Kollegium und die           mich. Das freut mich auch.» 
Im Gespräch                                                                                                                  versuchen herauszufinden, was ihnen gut

       «Wichtig ist die
                                                                                                                                    gefällt, was weniger gut und was man
                                                                                                                                    noch besser machen könnte. Die Gruppe
                                                                                                                                    führt Protokoll, ordnet die Ergebnisse und

       Verankerung im
                                                                                                                                    schält die wichtigsten Themen heraus.
                                                                                                                                    Diese sogenannte Detektivmethode ist in
                                                                                                                                    verschiedener Hinsicht lehrreich: Schü­

       Unterricht»
                                                                                                                                    lerinnen und Schüler nehmen ihre Um­
                                                                                                                                    gebung neu und anders wahr und lernen
                                                                                                                                    Problemfelder kennen. Im Deutschunter­
                                                                                                                                    richt schreiben sie Protokolle und fassen
       Ursula Huber leitet das Zentrum Service-                                                                                     zusammen. Ihre Ergebnisse werten sie in
                                                                                                                                    der Mathematik aus und stellen sie zum
       Learning, das Schulen bei der ­Umsetzung                                                                                     Beispiel in Torten- oder Kreuzdiagram­

       von gemeinnützigen ­Projekten unterstützt.                                                                                   men dar. Auf der Basis der Auswertungen
                                                                                                                                    erarbeiten sie dann die Projektidee.
       Sie erklärt, was für sie ein gutes Projekt ist                                                                                    Wie entwickelt man ein gutes
                                                                                                                                    ­Projekt?
       und was es in der Praxis zu beachten gilt.                                                                                    Wir empfehlen, sich dabei an die fünf
                                                                                                                                     Qualitätsstandards von Service-Learning
       Interview: Reto Heinzel Foto: Marion Nitsch
                                                                                                                                     zu halten. Diese zeigen auf, wie ein sinn­
                                                                                                                                     voller Projektablauf aussehen sollte. Ne­
                                                                                                                                     ben dem Einbezug in den Unterricht ge­
                                                                                                                                     hört dazu die erwähnte Bedarfsabklärung.
                                                                                                                                         Was ist sonst noch wichtig?
                                                                                                                                     Ganz zentral ist der Aspekt der Partizi­
                                                                                                                                     pation, gerade auch im Rahmen des Lehr­
                                                                                                                                     plans 21. In einem Service-Learning-Pro­
                                                                                                                                     jekt können die Schülerinnen und Schüler
                                                                                                                                     möglichst vieles selbst entwickeln und
                                                                                                                                     gestalten. So lernen sie viel über sich
                                                                                                                                     selbst, über Zusammenarbeit, über an­
                                        Frau Huber, Sozialeinsätze oder gesell-       Wirkung als das kurzzeitige Einsammeln         dere Leute. Auch hier geht es wieder um
                                        schaftliches Engagement sind heute an         von Abfall im Wald. Damit die schulische       die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
                                        einigen Schulen fix im Stundenplan            Einbettung gelingt, bietet sich deshalb das    Wer eigene Ideen einbringen und umset­
                                        verankert. Ist das überhaupt sinnvoll?        Konzept des Service-Learning an.               zen kann, ist anders bei der Sache. Ein
                                        Es kommt ganz darauf an, wie das Thema            Worum geht es dabei?                       weiteres Qualitätskriterium ist die aus­
                                        an den Schulen umgesetzt wird. Gerade         Service-Learning verbindet einen Dienst        serschulische Kooperation. Wir sind der
                                        auf der Sekundarstufe II erlebe ich leider    an der Gesellschaft – also einen «Ser­         Meinung, dass es enorm viel bringt und
                                        oft, dass ein sozialer Einsatz zwar vor­      vice» – mit der Schulung von fachlichen        auch die persönliche Entwicklung stärkt,
                                        gesehen, aber zu wenig im Unterricht ver­     und überfachlichen Kompetenzen – dem           ausserhalb des Schulhauses mit Partnern
                                        ankert ist.                                   «Learning». Ein wichtiges Kriterium von        zusammenzuarbeiten und voneinander
                                             Wann ist dies aus Ihrer Sicht            Service-Learning-Projekten ist, dass die       zu lernen. Last, but not least steht die Re­
                                        der Fall?
                                        Ungünstig ist, wenn die Jugendlichen
                                        einen zweiwöchigen Sozialdienst leisten
                                        ­
                                        müssen, ohne dass in der Schule eine aus­
                                        reichende Vor- und Nachbereitung statt­
                                        findet. Die Jugendlichen brauchen eine
                                                                                                   «Service-Learning ist eine
                                        Idee davon, was ihr Engagement bewirkt.                      gute Vorbereitung auf
                                        Je besser ein Projekt aufgegleist und je
                                        sinnvoller die geleistete Arbeit ist, desto               die politische Partizipation.»
                                        mehr empfinden die Jugendlichen eine
                                        Form der Selbstwirksamkeit, sie erfahren
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus

                                        die Sinnhaftigkeit ihres Engagements. Ich
                                        gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn Kinder
                                        zwei Stunden «fötzelen» müssen, ist die       Schülerinnen und Schüler nicht einfach        flexion an, die von Anfang an eingeplant
                                        Umgebung danach zwar wieder sauber.           mit einem Auftrag irgendwohin geschickt       werden muss. Nur wenn Lernerfahrungen
                                        Wenn aber die Einbettung in den Unter­        werden, sondern dass sie selbst versu­        reflektiert und ausgewertet werden, las­
                                        richt fehlt, ist Selbstwirksamkeit für die    chen, ein Projekt zu entwickeln.              sen sie sich positiv nutzen. Schliesslich
                                        Kinder nur schwer erfahrbar, der Mehr­            Und wie sollen die Kinder dabei           sollte am Schluss eines Service-Learning-
                                        wert bleibt gering.                           vorgehen?                                     Projekts auch unbedingt eine Würdigung
                                             Wie könnte man es besser machen?         Sie sollten zunächst einmal abklären, ob      erfolgen, eine Anerkennung der geleis­
                                        Im Fall des «Fötzelens» könnte man zum        im Quartier, im Dorf oder in einer Insti­     teten Arbeit. Das kann ein gemeinsamer
                                        Beispiel im Unterricht über das Problem       tution überhaupt ein Bedarf für ein Enga­     Anlass sein, eine Wandzeitung oder ein
                                        des Litterings sprechen, das Thema «Food      gement der Klasse besteht. Dabei gehen        Video, das man ins Internet stellt.
                                        Waste» behandeln oder Monster aus Ab­         die Schülerinnen und Schüler in Gruppen           Gibt es etwas, was die beteiligten
                                        fall basteln. Solche Dinge bleiben in Erin­   vor: Sie führen unter den Leuten im Dorf      Lehrpersonen sonst besonders beach-
14

                                        nerung und entfalten eine ganz andere         oder im Quartier eine Umfrage durch und       ten müssen?
Die Lehrperson muss sich zurücknehmen
können. Es kann passieren, dass aus ei­
nem Projekt etwas völlig anderes entsteht
als geplant. Lehrpersonen sind Teilneh­
merinnen und Teilnehmer einer Expedi­
tion, sie sind Coaches. Ein klassischer Top-
down-Ansatz bringt hier nichts. In erster
Linie brauchen die Lehrpersonen also die
Kraft und den Willen, sich möglichst we­
nig einzumischen. Das ist eine riesige He­
rausforderung, die auch Mut ­erfordert.
      Wenn man in der Umgebung aktiv
wird, kann es rasch politisch werden.
Wie weit darf soziales Engagement in
der Schule gehen?
Für mich geht es bei Service-Learning
weniger um politische als um ethische
Fragen, zumindest auf den unteren Schul­
stufen. Service-Learning ist aber eine
gute Vorbereitung auf die politische Parti­
zipation in einer Demokratie – man muss
zusammen etwas entwickeln, sich eini­
gen, schauen, dass auch Minderheiten be­
rücksichtigt werden. Anders gesagt: Ser­
vice-Learning ist direktes «Demokratie
lernen». Insofern hat das durchaus eine
politische, wenn auch sicher keine partei­
politische Komponente. Es ist aber wich­
tig und richtig, dass die Schülerinnen
und Schüler einen politischen Blick ent­
wickeln.
      Heute ist viel von den überfachli-
chen Kompetenzen die Rede. Welchen
Beitrag leistet Service-­Learning, diese
zu stärken?
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. In Ser­
vice-Learning-Projekten sind fast alle
                                                                                                          Ursula Huber ist ausgebildete Primarlehrerin und
überfachlichen Kompetenzen gefragt. Die                                                               ­ istorikerin. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin
                                                                                                      H
Zusammenarbeit im Team ermöglicht es                                                               der Fachstelle für Gleichstellung im Kanton Zürich und
                                                                                                         leitete später das nationale Lehrstellenprojekt 16+.
beispielsweise, die sozialen Kompetenzen                                                              Seit 2005 ist sie Inhaberin von 3KommaPunkt, einem
zu stärken. Häufig können Schülerinnen                                                              ­Fachbüro für Projekte im Bildungsbereich. Neben der
                                                                                                        ­Geschäftsleitung des Schweizer Zentrums Service-­
und Schüler, die sonst nicht zu den stärks­                                                          Learning ist Huber auch für die Geschäftsleitung von
ten gehören, methodische Kompetenzen                                                                       ­profilQ, der nationalen Allianz zur Förderung der
                                                                                                                                     ­Schulqualität, zuständig.
zeigen, die im Unterricht normalerweise
keinen Platz haben. Ich kenne Jugend­
liche, die während des Projekts beein­
druckende organisatorische Fähigkeiten
entwickelten. Das sind sehr schöne Er­
folgserlebnisse.
      Sie leiten das Schweizerische
­Zentrum Service-Learning. Seit wann
 existiert dieses?                             Praxismaterialien zur Verfügung und bie­         schaft auf ihrer Website. Gehört es aus
 Das Zentrum wurde 2006 vom Migros-            ten Weiterbildungen an.                          Ihrer Sicht auch zur DNA der Schule,
 Kulturprozent lanciert, das die Aktivi­            Auf welcher Stufe gibt es die               dass sie sich der gesellschaftlichen
                                                                                                                                                           Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus

 täten bis heute trägt. Der Startschuss er­    ­meisten Projekte?                               ­Dimension bewusst ist und sich damit
 folgte mit dem Wettbewerb «x-hoch-herz»:       Eindeutig in der Volksschule. Auf Sekun­         auseinandersetzt?
 Schulen konnten Projekte zum Thema             darstufe II ist es viel schwieriger, ein Pro­    Für mich gehört zur DNA der Schule, dass
 «Sich engagieren für andere» einreichen,       jekt umzusetzen. In den Gymis gibt es erst       die Schülerinnen und Schüler lernen, dass
 von denen wir anschliessend die besten         wenige, die wagen, sich von etablierten          in einer funktionierenden Demokratie zu
 prämierten. Das haben wir mehrere Jahre        Unterrichtsformen zu lösen. Auch in der          leben auch heisst, Verantwortung zu über­
 gemacht. Danach haben wir jedes Jahr ei­       Berufsbildung sind mir nur wenige Pro­           nehmen. Dazu gehört auch das gesell­
 nen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem         jekte bekannt. Dort sind ja viele Lernende       schaftliche Engagement. Service-Learning
 Schulen das Thema «Engagement» krea­           nur während ein, maximal zwei Tagen              bietet hier eine gute Möglichkeit, dieses
 tiv aufnehmen konnten, indem sie Werbe­        im Unterricht, sodass die Lehrpersonen           zu schulen. Wenn die Jugendlichen aus
 spots, Songtexte, Fotos oder Postkarten        in erster Linie ihren Stoff durchbringen         der Schule kommen, sollten sie die Ein­
 gestalteten. Seit mehr als drei Jahren ver­    müssen.                                          stellung entwickelt haben, dass man in der
 geben wir nun Förderbeiträge an Schul­             Freiwilliges Engagement gehöre               Gesellschaft nicht nur profitieren darf,
 klassen. Zudem beraten wir Schulen bei         zur «DNA der Schweiz», schreibt die              sondern auch selbst einen Beitrag leisten
                                                                                                                                                           15

 der Entwicklung von Projekten, stellen         Schweizerische Gemeinnützige Gesell-             muss – und kann. 
Mara arbeitet bei «Gemeinsam
                                           statt Einsam». Zu Beginn war sie
                                               jeweils erschrocken über die
                                        ­tragischen Lebensgeschichten der
                                                 hilfsbedürftigen Menschen.
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus
16
Gelächter schallt durch das Treppenhaus
                                                                  Förderung sozialer Grundkompetenzen

                                                                Ermuntern oder
des ökumenischen Mittelschulfoyers in
Wetzikon. Es ist Freitagnachmittag. Ganz
oben im dritten Stock sitzen junge Men­

                                                                  verpflichten?
schen rund um einen Couchtisch: vier
Schülerinnen der Kantonsschule Zürcher
Oberland (KZO) und Katy, Diego und
­Fredy aus Ecuador. Sie haben es sich in
 den Sesseln einer in die Jahre gekomme­
 nen Polstergruppe bequem gemacht. Die
                                                           Verantwortungsbewusstsein gegenüber
 Gymnasiastinnen zeigen auf Teile ihrer
 Hand und wollen von den Migranten wis­
                                                             Mitmenschen, Gesellschaft und Natur
 sen, wie sie heissen: Handrücken, Dau­                        ist ein Bildungsziel von Gymnasien.
 men, Ringfinger. Dass der kleinste Finger
 einfach «kleiner Finger» heisst, sorgt für
                                                            Die Kantonsschulen im Kanton Zürich
 Schmunzeln, als eine Schülerin fragend
 den Mittelfinger zeigt, erreicht die Heiter­
                                                            ­versuchen auf unterschiedliche Weise,
 keit die nächste Stufe.                                                            es zu erreichen.
      «Deutsch für Asylsuchende und Aus­
 länderInnen» (DFA) heisst das Projekt, das                                                                                   Text: Andreas Minder
 an der KZO seit 2012 läuft. Eine Gruppe
 von Schülerinnen hatte seinerzeit die
 ­Initiative dafür ergriffen. Damals hatte es
  im Zürcher Oberland für Migranten kaum
  andere Möglichkeiten gegeben, Deutsch
  zu lernen. Inzwischen ist das anders, aber
  das Angebot der KZO besetzt mit seiner
  Niederschwelligkeit, der 1:1-Betreuung und
  dem familiären Touch eine Nische. Regel­
  mässig besuchen bis 16 Erwachsene aus
  verschiedenen Ländern den Kurs, der je­
  weils am Freitagnachmittag von 16.15 Uhr
  bis 18 Uhr stattfindet. Zurzeit seien es vor
  allem junge Männer aus Afghanistan und
  Syrien, sagt Lehrerin Andrea Looser. Sie
  betreut die Schülerinnen und Schüler zu­        gieren, sei es fürs Klima, sei es für die     zum Engagement für die Mitmenschen
  sammen mit ihrem Kollegen Urs Strässle.         Gleichstellung, sei es in der Schülerinnen­   und ihre Rechte.» In den Leitbildern
  Rund 15 Gymnasiastinnen und Gymna­              organisation.» Auch dass Jonathan an die­     vieler Zürcher Kantonsschulen tauchen
                                                                                                ­
  siasten betätigen sich dieses Semester          sem Abend der einzige männliche Schü­         ähnliche Grundsätze auf. Stadelhofen
                                                                                                ­
  als freiwillige Sprachlehrpersonen. Mit­        ler ist, sei kein Zufall. «Die Mehrheit       versucht, «den Sinn für Gemeinschaft und
  machen können sie ab der dritten Klasse.        der im DFA engagierten Jugendlichen ist       für Kultur zu wecken und zu bilden», für
  «Einige machen ein Semester, andere drei        weiblich.»                                    die Hohe Promenade gehört zur Bildung
  Jahre», sagt Andrea Looser. Die Englisch­           Die KZO ist eine UNESCO-assoziierte       «auch die Fähigkeit und Bereitschaft, Ver­
  lehrerin spielt in erster Linie die Rolle des   Schule. Schulen, die dieses Label tragen,     antwortung für sich und die Umwelt zu
  Coachs. Sie vermittelt den Schülerinnen         engagieren sich für interkulturelles Ler­     übernehmen und sich für Gerechtigkeit
  grundlegende didaktische Prinzipien und         nen, Toleranz, Frieden, Menschenrechte,       und Solidarität einzusetzen», Küsnacht
  macht auf kulturelle Unterschiede auf­          gegen Armut und für nachhaltige Entwick­      hält fest, dass «solidarisches Denken und
  merksam, deren Kenntnis wichtig ist, um         lung. Der Deutschkurs ist eine der Akti­      Handeln die Grundlagen einer funktio­
  eine vertrauensvolle Lernatmosphäre zu          vitäten im UNESCO-Programm der KZO.           nierenden Gemeinschaft bilden».
  schaffen.                                       Daneben gibt es Podiumsgespräche zu ak­
                                                  tuellen Fragen und regelmässig Sammel­        Eine echte Hürde
Etwas machen statt nur reden                      aktionen für Hilfsorganisationen. Häufig      Ein verbreitetes Mittel, das diesen Zie­len
In der Regel beginnt ein Kurs mit einer           werden diese Anlässe von Teilnehmenden        dienen soll, sind Sozialeinsätze. An der
Vorstellungsrunde, dann werden Lern­              des UNESCO-Freifachs organisiert.             Hohen Promenade verlassen die Schüle­
                                                                                                                                                Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus

paare gebildet. Im Raum neben der fide­               Andrea Looser ist überzeugt, dass die     rinnen und Schüler der 4. Klasse jeweils
len Runde in der Polstergruppe sitzen             Deutschkurse für die Jugendlichen sehr        im September für eine Woche das Klas­
­Jonathan und Nuba aus Syrien an einem            wertvoll sind. «Sich einzulassen auf Fremde   senzimmer, um in Kitas, Krippen, Heimen
 Tisch und schlagen sich mit Pronominal­          und Fremdes, aber auch die eigenen ­Werte     oder im Bergwald zu arbeiten. Den Ein­
 adverbien herum. Jonathan ist schon drei         zu reflektieren und zu vermitteln, fördert    satzort müssen sie selbst suchen. Prorek­
 Jahre bei DFA dabei. «Ich wollte etwas           die Lebensreife.» Wichtig sei auch die Er­    torin Gabriella Valisa erzählt, dass dieser
 machen, statt nur zu reden», erklärt er          fahrung der Selbstwirksamkeit: Die Schü­      erste Schritt – nach dem Telefon greifen
 ­seine Motivation. Podiumsdiskussionen zur       lerinnen und Schüler erlebten hautnah,        und eine Institution anrufen – für viele
  Flüchtlingsproblematik zu besuchen oder         dass das, was sie tun, etwas bewirkt und      eine echte Hürde sei. Die gleiche Erfah­
  zu organisieren, sei ihm zu trocken.            für andere eine Bedeutung hat.                rung macht Felix Meier, der in der Kan­
      Andrea Looser beschreibt das Profil             Im Rahmenlehrplan der EDK für Ma­         tonsschule Küsnacht für das zweiwöchige
  der Schülerinnen und Schüler, die am            turitätsschulen steht, soziale Grundkom­      Sozialpraktikum zuständig ist. Sei das
  Freitagabend Deutsch unterrichten, so: «Es      petenzen sollten gefördert werden: «Dies      ­geschafft, gehe es leichter.
  sind soziale Menschen, die Freude haben         geschieht vor allem durch Ermunterung              Der Einsatz selbst wird für viele Schü­
                                                                                                                                               17

  am Austausch und sich auch sonst enga­          zur Zusammenarbeit, zur Solidarität und        lerinnen und Schüler offenbar zu einer 
prägenden Erfahrung. Die Rückmeldun­            Andernorts setzt man auf Ermunterung.         eine gewisse Haltung voraus und wollen
                                        gen nach dem Einsatz seien sehr positiv,        So etwa an der Kantonsschule Stadel­          die Jugendlichen darauf verpflichten», sagt
                                        geben die befragten Schulen unisono zu          hofen. Man habe sich ein Obligatorium         Rektor Moritz Spillmann. Der Akzent­
                                        Protokoll. «Die allermeisten kommen             auch schon überlegt, sei aber zurück­         lehrgang stosse auf gutes Echo. Die Klasse
                                        glücklich zurück und finden es lässig, ein­     haltend, sagt Rektor Thomas Tobler. «Wir      könne jeweils prob­lemlos gebildet werden
                                        mal in die ‹richtige› Welt gegangen zu          versuchen die Schülerinnen und Schüler        und immer wieder müssten Interessierte
                                        sein», sagt Gabriella Valisa. Der Kontakt       zu unterstützen, wenn sie sich ausserhalb     auch abgewiesen werden. In der Enge gibt
                                        mit Menschen, die anders seien und de­          der Schule einsetzen wollen.» Das kann        es aber auch aus­serhalb des Akzentlehr­
                                        nen es vielleicht auch weniger gut gehe,        durch Urlaub oder Entgegenkommen im           gangs Mög­lichkeiten, sich zu engagieren.
                                        sei nicht nur interessant und berührend,        Stundenplan geschehen, wenn dieser mit        Im Rahmen des Projekt­unterrichts in der
                                        in der Regel erführen die Schülerinnen          dem Engagement etwa in der Jugendar­          3. Klasse können Schülerinnen und Schü­
                                        und Schüler auch viel Wertschätzung.            beit kollidiert. Die Klimastreikenden durf­   ler einen Sozialeinsatz leisten, Asylsu­
                                        ­Felix Meier spricht von über 80 Prozent        ten einen Klimahalbtag für die 2. Klassen     chende in Deutsch unterrichten oder ein
                                         positiven Reaktionen. Seine Schützlinge        organisieren und durchführen. Die Schule      reales    Entwicklungszusammenarbeits­
                                         verbringen ihren Einsatz meist in einer        zahlte die Referenten.                        projekt planen. Auch diese Ange­bote er­
                                         Bauern- oder Grossfamilie. «Für viele ist                                                    freuten sich guten Zuspruchs. «Mit dem
                                         es das erste Mal, dass sie rund um die Uhr     Akzentlehrgang setzt Impulse                  Akzentlehrgang setzen wir Impulse, die
                                         in ein fremdes soziales Umfeld integriert      An der Kantonsschule Enge gibt es seit        sich auf die gesamte Schule auswirken.»
                                         sind.» Das sei so intensiv, dass er oft noch   zehn Jahren für eine Klasse den Akzent­            Im ökumenischen Mittelschulfoyer in
                                         Jahre später von Ehemaligen auf den So­        lehrgang «Internationale Zusammenarbeit       Wetzikon geht es gegen 18 Uhr: In der Kü­
                                         zialeinsatz angesprochen werde. Meier ist      und Nachhaltigkeit». Die Schülerinnen         che hantieren Lara und Maja. Die beiden
                                         aus diesem Grund auch überzeugt, dass          und Schüler beteiligen sich an Anlässen       17-Jährigen bereiten heute den gemein­
                                         ein Obligatorium richtig ist: «Sonst ma­       in der Schule und an nationalen und inter­    samen Znacht vor: Gemüserisotto und Sa­
                                         chen immer nur die Gleichen mit.» Michel       nationalen Projekten. Sie können an ei­       lat. Wieso engagieren sie sich? «Ich habe
                                         Bourquin, Prorektor der Kantonsschule          nem Austauschprogramm mit einer Part­         über den Deutschkurs gelesen und ge­
                                         Wiedikon, an der es ebenfalls Sozialein­       nerschule im Ausland teilnehmen und           funden, es töne spannend», sagt Lara. Bei
                                         sätze für alle gibt, pflichtet ihm bei. Ohne   planen und begleiten zusammen mit der         Maja war es gleich. «Wir hatten gerade
                                         Verpflichtung würde es einigen entgehen,       Organisation «International Project Aid»      eine soziale Phase», fügt sie mit ironi­
                                         dass es befriedigend sein kann, sich für       ein eigenes Projekt in der Entwicklungs­      schem Grinsen an. Bereuen tun es beide
                                         die Allgemeinheit einzusetzen. «Salopp         zusammenarbeit. Wer in diese Klasse auf­      nicht, wöchentlich zwei, drei Stunden
                                         ausgedrückt: In gewissen Bereichen muss        genommen werden will, muss seine Moti­        Freizeit herzugeben. «Es ist ein guter Start
                                         man die jungen Menschen auch ein wenig         vation, sein bisheriges Engagement und        ins Wochenende», sagt Lara. Sie will im
                                         zu ihrem Glück zwingen.»                       seine Qualifikation darlegen. «Wir setzen     nächsten Semester weitermachen. 

       Clara von der Kantonsschule
       Hottingen übernimmt im Blinden-
       heim verschiedene Aufgaben,
       zum Beispiel Vorlesen.
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Fokus
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Inserat VDS | 24. Tagung 2020 | Schulblatt Kanton Zürich                                                      178 x 137 mm

                                                           24. Tagung Dyslexie und Dyskalkulie

                                                           Von Mythen über Fakten, Ursachen
                                                           und Therapien: Was wir über
                                                           Dyslexie und Dyskalkulie wissen

                                                           6. Juni 2020, 9.15 - 17.30 Uhr
                                                           Universität Zürich Irchel
                                                           Eine Veranstaltung für Fachpersonen aus Schule,
                                                           Medizin, Berufsbildung, Behörden, sowie für
                                                           Eltern und Betroffene.

                                                           Weitere Informationen und Anmeldung hier:
                                                           www.verband-dyslexie.ch

                                                            Verband                044 803 95 34
                                                            Dyslexie               info@verband-dyslexie.ch
                                                            Schweiz                www.verband-dyslexie.ch

     Jetzt weiterbilden.
     CAS Schulsozialarbeit
     Start: 24. April 2020

     www.fhsg.ch/schulsozialarbeit
                                                                                                                             Schulblatt Kanton Zürich 1/2020

                                                                     Marion Erlenhardt
     FHO Fachhochschule Ostschweiz                                          Absolventin
                                                                    CAS Schulsozialarbeit
                                                                                                                             19
Sekundarabschluss für Erwachsene                                                                                               hat nach einer Ausbildung zur Bäckerin-

        Das Sprungbrett
                                                                                                                                       Konditorin auch noch Coiffeuse gelernt
                                                                                                                                       und danach viele Jahre Haare geschnitten.
                                                                                                                                       Um neben der Schule etwas zu verdienen,

        zum Traumberuf
                                                                                                                                       steht sie auch jetzt noch eineinhalb Tage
                                                                                                                                       pro Woche im Coiffeursalon. Doch sie hat
                                                                                                                                       sich höhere Ziele gesetzt: «Ich möchte
                                                                                                                                       ­Sozialpädagogin werden.»

        Ohne Sekundarschulzeugnis ist es                                                                                                     Ihre Kollegin Ämell Rechaïdia ist
                                                                                                                                        ebenfalls Schweizerin, hat aber viele Jah-
        ­schwierig, eine Lehrstelle zu finden. An                                                                                       re in Tunesien gelebt, von wo ihr Vater

         der Fachschule Viventa in Zürich können                                                                                        stammt. Dort war sie auf dem Gymnasium.
                                                                                                                                        Vor zwei Jahren ist sie mit ihrer Familie
         Erwachsene den Abschluss nachholen.                                                                                            zurück nach Zürich gekommen. «Hier ist
                                                                                                                                        mein Abschluss nicht anerkannt», musste
         Die Nachfrage ist gross.                                                                                                       die 19-Jährige erfahren. Für die Kantons-
                                                                                                                                        schule war sie bereits etwas zu alt. Und
        Text: Andrea Söldi Foto: Hannes Heinzer                                                                                         auch eine Lehrstelle zu finden, klappte
                                                                                                                                        nicht. «Vielleicht lag es am fehlenden
                                                                                                                                        Zeugnis, vielleicht auch am Kopftuch»,
                                                                                                                                        mutmasst sie. Gemeinsam mit ihrer
                                                                                                                                        Schwester, die dieselbe Klasse besucht,
                                                                                                                                        will sie nun den Sek-A-Abschluss er-
                                                                                                                                        werben. Am meisten gefordert sei sie
                                                                                                                                        mit der deutschen Rechtschreibung und
                                                                                                                                        Grammatik, sagt Re­chaïdia, die fliessend
                                                                                                                                        Schweizer Mundart spricht. Doch auch im
                                                                                                                                        Fach Geschichte hat sie Lücken, weil es in
                                                                                                                                        Tunesien auf Arabisch unterrichtet wurde
                                                                                                                                        und sie nicht alles verstand. Nach dem
                                                                                                                                        ­Sekundarschulabschluss wolle sie an ei-
                                                                                                                                         ner Privatschule die Matura machen, sagt
                                                                                                                                         die zielstrebige Frau. «Mein Traum ist es,
                                                                                                                                         Maschinenbau zu studieren.»

                                                                                                                                       Wieder lernen, zu lernen
                                              An der Wandtafel ist in der Mitte eine       sich mit der Hebel-Wirkung. Im Laufe        Die Fachschule Viventa bietet jährlich gut
                                              Messlatte befestigt. Ayda Erkart hängt ein   der Lektion wird sie mathematische Ge-      30 Plätze in einer Sek-A- oder -B-Klasse
                                              kleines Gewicht ans linke Ende. Auf der      setzmässigkeiten kennenlernen, mit de-      an. Das Interesse übersteigt in der Regel
                                              rechten Seite bringt die Schülerin ein       nen sich die Beziehung von Gewicht und      das Angebot deutlich. Aufgenommen wird
                                              gleich schweres Gewicht an, jedoch zehn      Abstand genau voraussagen lässt.            aber nur, wer eine Prüfung in Deutsch
                                              Zentimeter näher beim Mittelpunkt. Die                                                   und Mathematik besteht. Zudem wird in
                                              Latte kippt nach links. «Wieso ist das       Zielstrebige Lernende                       einem Gespräch die Leistungsbereitschaft
                                              passiert?», will Lehrer Werner Gamper
                                              ­                                            In nur einem Jahr holen die Frauen und      abgeklärt. «Wir nehmen nur diejenigen,
                                              wissen. Ein junger Mann mit fremdländi-      Männer an der Schule der Stadt Zürich       die wirklich motiviert sind», sagt Bereichs­
                                              schem Akzent meldet sich: «Die Abstände      ihren Sekundarschulabschluss nach. «Es
                                                                                           ­                                           leiter Walter Heierli. Den Stoff von drei
                                              sind nicht gleich. So hat die Kraft eine     ist anstrengend», sagt Ayda Erkart. Die     Jahren Sekundarschule in einem einzigen
                                              andere Wirkung.» An der Fachschule
                                              ­                                            25-Jährige hat vor rund 10 Jahren die       Jahr aufzuarbeiten, sei anspruchsvoll. Die
                                              Viventa in Zürich Wipkingen steht an         Sek C besucht. «Ich muss vor allem für      Schule schliesst deshalb mit allen Schü­
                                              ­diesem Januarnachmittag Physik auf dem      die Fremdsprachen – Französisch und         lerinnen und Schülern einen Vertrag ab,
                                               Stundenplan. Die Sek-B-Klasse befasst       Englisch – viel arbeiten.» Die junge Frau   in dem sie sich unter anderem verpflich-
                                                                                                                                       ten, zuverlässig und seriös zu lernen. Je-
Schulblatt Kanton Zürich 1/2020 Volksschule

                                                                                                                                       den Nachmittag ab 15 Uhr arbeiten sie
                                                Sekundarschulabschluss für Erwachsene                                                  selbstständig in einem Lernatelier und
                                                Der Vorbereitungskurs für den Sekundarabschluss für Erwachsene (SAE) dauert            führen ein Journal. Bei Bedarf können sie
                                                ein Jahr. Ein Vorbereitungsmodul ist Teil des Kurses und wird empfohlen. Es            sich bei den Lehrpersonen Hilfe holen.
                                                umfasst sieben wöchentliche Doppellektionen ab August zum Thema «Arbeits­              «Viele sind es nicht mehr gewohnt, zu ler-
                                                organisation». Das Mindestalter für den Kurs beträgt 18 Jahre. Vorausgesetzt wer­      nen», erklärt Heierli. In einem Vorberei-
                                                den gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift, Grundkenntnisse in Englisch            tungsmodul vor Beginn des eigentlichen
                                                und/oder Deutsch sowie die bestandene Aufnahmeprüfung in Deutsch und Ma-               Unterrichts eignen sie sich deshalb zuerst
                                                thematik. Angeboten wird der Sekundarschulabschluss A, B oder A/B gemischt.            einmal Lernstrategien an. Dies trägt dazu
                                                Es besteht ausserdem die Möglichkeit, die Fächer Mathematik, Französisch und           bei, dass in der Regel 60 bis 70 Prozent er-
                                                Englisch auf einem anderen Niveau als jenem der Stammklasse abzuschliessen.            folgreich sind an der Schlussprüfung.
                                                Wer das Kursgeld nicht aus eigenen Mitteln aufbringen kann, hat die Möglich-               Im letzten Dezember konnte das An-
                                                keit, ein Stipendium bei der Berufsberatung des Kantons Zürich oder der zu-            gebot sein 30-jähriges Bestehen feiern.
                                                ständigen Sozialberatungsstelle zu beantragen. Nächster Kursbeginn ist der             Es geht auf ein Postulat der damaligen
                                                19. Oktober 2020. [as]                                                                 FDP-Kantonsrätin Trix Heberlein zurück.
                                                 www.stadt-zuerich.ch/viventa > Sekundarabschluss für Erwachsene                      Absicht war, die Arbeitslosigkeit unter
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                                                                                                                                       jungen Erwachsenen zu bekämpfen. Eine
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