INFO 2020 KOSTENLOS - NABU Rhein-Erft
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Kreisverband Rhein-Erft
KOSTENL
OS
INFO 2020
Wissenswertes – Tipps – Termine
Ö Kinder und Jugendliche aktiv
Ö Schwebfliegen & Co.
Ö Einladung zur JahreshauptversammlungNaturschutzbund Deutschland im Rhein-Erft-Kreis e.V. (NABU)
Vorsitzender Wolfgang Dingarten
Tel.: 01 76-15 31 77 55
wolfgang.dingarten@gmail.com
Stellvertretender Vorsitzender Dr. Bernhard Arnold
Tel.: 0 22 32-4 76 80, barnold@netcologne.de
Stellvertretender Vorsitzender Hartmut Volkammer
Tel.: 0 22 35-9 87 82 16
hrvolkammer@t-online.de
Stellvertretender Vorsitzender Horst-Werner Hennchen
Tel.: 0 22 35-8 59 40
hw.hennchen@web.de
Geschäftsführer Hartmut Kaftan
Tel.: 0 22 35-7 37 59
hartmut.kaftan@t-online.de
Schatzmeisterin und Désirée Dreyer-Rogers
Mitgliederbetreuung Tel. 0 22 35/79 97 70, ddreyer@posteo.de
Umweltbildung/ Heike Fischer
Jugendsprecherin Tel.: 01 70-2 81 21 64
heike.fischer-erftstadt@t-online.de
Pressesprecherin Susanne Kirsch
Tel. 01 63-1 83 12 02, presse@nabu-rhein-erft.de
Naturschutz- und info@nabu-rhein-erft.de
Landschaftspflegestation
Geschäftsstelle – Büro Friesheimer Busch 1, 50374 Erftstadt
Tel. 0 22 35 - 9 55 60 71
info@nabu-rhein-erft.de
Das Büro ist besetzt:
Donnerstag: 10.00-12.00 Uhr Kreisverband Rhein-Erft
jeden 1. Mittwoch im Monat ab 19.00 Uhr
(eingeschränkte Zeiten in Schulferien)
Spendenkonto Kreissparkasse Köln,
IBAN: DE 28 3705 0299 0190 0001 14
SWIFT-BIC: COKSDE33
NABU-Stiftung Bank für Sozialwirtschaft Köln,
„Naturerbe Rhein-Erft“ IBAN: DE 82 3702 0500 0001 1414 13
SWIFT-BIC: BFSWDE33XXX
Impressum: Herausgeber: NABU Rhein-Erft
Redaktion: Karin Heller (heller.56@web.de)
Druck: Kristin Schölermann Mediendesign, Hamm
(gedruckt auf 100% Recycling-Papier)
Titelbild: Udo Hürten
Das NABU-Info erscheint einmal jährlich kostenlos
Auflage 10.000 ExemplareInhaltsverzeichnis
Vorwort NABU-Info 2020 – Wolfgang Dingarten 3
In eigener Sache – NABU Rhein-Erft
Flächenkauf für den Naturschutz – Gisela Wartenberg 4
LPS – Unser Jahr im Friesheimer Busch – Susanne Kirsch 8
Stiftungen helfen dem Naturschutz – Unterstützer von Naturschutzprojekten 38
Natur des Jahres
Die Blume des Jahres 2019 – Die Besenheide – Birgit Schnell 11
Die Spinne des Jahres 2019 – Die Ameisenspringspinne – John Osmani 12
Der Vogel des Jahres 2020 – Die Turteltaube – Jochen Hiller 14
Schmetterlinge im Rhein-Erft-Kreis – Der mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter – Karl-Heinz Jelinek 16
Lautlos und pfeilschnell – Paul Schnitzler 19
Stürme, Dürre, Borkenkäfer – Der Trockensommer 2018 – Uwe Schölmerich 22
Eine Vogelfreundin erinnert sich... – Birgit und Axel Schleicher 26
Rastplätze für Zugvögel – Jochen Hiller 30
Aktiv werden im NABU – Ihre Zeitspende für die Natur 40
kurz & knapp – NABU-Nachrichten 42
Ihr NABU-Mitgliedsantrag 44
Einladung zur Jahreshauptversammlung 2020 46
Termine 2020 – Veranstaltungen NABU Rhein-Erft & Kooperationspartner 47
Kinder- & Jugendarbeit
Der versalzene Grießpudding und andere Erlebnisse bei den NABU-Ferienwerkstätten –
Gisela Wartenberg 58
Naturdetektive – Eine monatliche Umwelt-/Naturveranstaltung für Kinder 61
Die NAJU-Adleraugen im Umweltzentrum Friesheimer Busch – Mathias Cöln 62
Fribu’s Kinderseite 64
NABU-Aktionen & weitere Projekte
Wildkräuter und Wildgräser für bedrohte Insekten in Elsdorf-Giesendorf 34
Die Blumenwiese im NABUnten Garten – Gisela Wartenberg 36
Die Apfelernte 56
LVR – Obstwiesenprojekte – Gerrit Klosterhuis 60
Höchster Artenbestand an Schmalbauchwespen in NRW – Andrea Jakubzik und Klaus Cölln 68
Der Stierkäfer – eine besonders schützenswerte Käferart im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot
Friesheimer Busch“ – Rolf Hedemann 70
Was fliegt denn da? Schwebfliegen im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ –
Miriam Lindenmeier 72
Perspektive des Naturschutzgebietes „Ehemalige Klärteiche Bedburg“ –
Bernd Arnold, Matthias Schindler, Peter Tröltzsch 70
Betrifft der Klimawandel auch unsere heimischen Orchideen? – Wolfgang E. Melenk 81
NABU-Fachleute und Arbeitskreise 88
1Liebe Leserinnen und Leser!
Seit März 2019 habe ich die Nachfolge Die Zukunft
unserer langjährigen Vorsitzenden Gise- bringt viele
la Wartenberg, die nunmehr unser Eh- Ve r ä n d e r u n -
renmitglied ist, angetreten. Eine Aufga- gen, und die
be, die nur zu leisten ist, wenn alle mit- bevorstehen-
arbeiten und alle sich für unsere Umwelt den Aufgaben
und den Naturschutz engagieren. So zu bewältigen,
verstehe ich diese Aufgabe als Heraus- wird nicht ein-
forderung für das Team aus vielen eh- fach sein.
renamtlichen Mitgliedern, die sich zu-
sätzlich in der Vorstands- und Beirats- Der Klimawan-
arbeit engagieren. del wird uns
genauso be-
Als ich vor nunmehr zwölf Jahren das schäftigen, wie die Energiewende, das
Obstwiesenfest in Friesheim besuchte, Artensterben und die Strukturprobleme
hatte ich keine Vorstellung von der Ar- der Landwirtschaft. Gemeinsam gehen
beit des NABU und den vielfältigen Auf- wir es an, und ich lade alle ein, sich wei-
gaben und Angeboten. Seit dieser Zeit ter für den Natur- und Artenschutz ein-
bin ich Mitglied, habe in der Land- zusetzen und unsere Arbeit zu unter-
schaftspflegestation samstags mitgear- stützen. Ich wünsche Ihnen anregende
beitet und in der Woche Tierdienst ge- Lektüre und nachhaltige Eindrücke.
macht, habe die vielen motivierten und
fleißigen Mitglieder kennen und den Zu- Ihr
sammenhalt und den Teamgeist einer Wolfgang Dingarten
für die Umwelt und den Naturschutz Vorsitzender NABU Rhein-Erft e. V.
wichtigen Arbeit schätzen gelernt.
Damen-Herren-Salon Erwin Huppertz
Öffnungszeiten:
Di.-Fr. 9.00-18.00 Uhr Frenzenstraße 21-23
Di.+Do. bis 19.00 Uhr nach Vereinbarung 50374 Erftstadt-Lechenich
Sa. 8.00-14.00 Uhr Telefon 0 22 35/7 16 99
3Flächenkauf für den Naturschutz
Von Gisela Wartenberg
Ö Zum Vermögen der NABU-Stiftungen gehört nicht nur Kapital, sondern auch
Grundbesitz. Viele von Ihnen haben schon Mails oder Briefe von der NABU-Stif-
tung „Nationales Naturerbe“ erhalten, in denen sie um Spenden für Grunderwerb
gebeten wurden.
Steigt der NABU etwa auch in den Im- stehen nicht im Fokus. Die für uns wert-
mobilienhandel ein? Ja und nein. Ja, er vollsten sind häufig Extremstandorte
kauft Flächen, und nein, er verfolgt kei- von geringem landwirtschaftlichen Wert,
ne wirtschaftlichen Zwecke, sondern aber mit einem großen Potenzial für be-
überlegt bei jedem Kauf, ob der Erwerb drohte Arten.
einen Mehrwert für den Schutz und Er-
halt der Natur bringt. Sofern diese In den vergangenen Jahren habe ich im
Flächen, meist Wiesen und Weiden, Rahmen von Stiftungswochenenden ei-
wieder verpachtet werden, gibt der nige davon selbst kennengelernt. Übri-
NABU die Bewirtschaftungsform vor. gens: Jeder zahlt einen Teilnehmerbei-
trag und übernimmt sämtliche Kosten,
Auf Grund der begrenzten Mittel prüft wie Fahrt, Unterkunft und Verpflegung.
der Stiftungsvorstand sorgfältig, wel-
che Ziele mit dem Erwerb erreicht wer- Im Mai des vergangenen Jahres habe
den können. Hochwertige Ackerflächen ich eine der größten Erwerbungen der
NABU-Stiftung besucht,
den Anklamer Stadt-
bruch bei Usedom. Rund
1.360 ha Wald, Moor,
Schilf und Wasser-
flächen. Nach einem
Deichbruch 1995 war die
Fläche nicht mehr wirt-
schaftlich nutzbar. Der
NABU konnte sich im
Bieterverfahren durch-
setzen und hat auch
noch ein Vorkaufsrecht
für angrenzende Flächen.
Seeadler und Rohrsän-
ger, Biber und Otter ha-
ben nun einen ungestör-
ten Lebensraum.
Liebenauer Kiesgruben bei Nienburg
4Fisch- und Seeadler haben auch in ei- Ein ganz anderes Entwicklungsziel hat
ner anderen Region ein störungsfreies der „Hirschacker“ in Schwetzingen.
Revier gefunden, in den Liebenauer Einst durch Waldweiden entstanden,
Kiesgruben in Niedersachsen. Über wurde er viele Jahre militärisch genutzt,
100 ha ehemalige Abgrabungen mit ehe der NABU ihn 2016 erwarb. Die
ausgedehnten Wasserflächen und an- großflächigen Sand- und Magerrasen
grenzendem Grünland sind heute ein auf Dünenstandorten gilt es hier zu ent-
Eldorado für Wasservögel jeglicher Art. wickeln. Das erinnert an das „Ehemali-
Der NABU Nienburg managt in enger ge Munitionsdepot Friesheimer Busch“
Abstimmung mit der Stiftung die Ge- in Erftstadt, mit dem Unterschied, dass
bietsbetreuung. Dieses Projekt war die der Hirschacker fast zehnmal so groß
Blaupause für ein ähnliches Vorhaben ist.
ein Stück weiter Weser aufwärts bei
Rinteln. Von öffentlichen Wegen sowie Man könnte nun den Eindruck gewin-
Beobachtungshütten kann man beide nen, dass die NABU-Stiftung nur an
Gebiete gut einsehen. großen Gebieten interessiert ist. Das
täuscht – es kommt einzig auf den na-
Ein anderes Großprojekt wird teilweise turschutzfachlichen Wert an. Kürzlich
finanziert durch die Sammlung von Alt- lernte ich beim Fondshaltertreffen der
handys durch den NABU – auch im NABU-Stiftung „Naturerbe NRW“ eine
Friesheimer Busch steht eine Sammel- ehemalige Tongrube bei Mechernich
box. Alte Handys für die Havel helfen, kennen, gerade einmal 2 ha groß.
die unter Federführung des NABU ste-
hende Renaturierung der Unteren Havel Auch der NABU Rhein-Erft hat in sei-
umzusetzen. Wer einmal mit dem Pro- nem Fonds nicht nur Kapital, sondern
jektleiter Rocco Buchta
eine Wanderung oder
Schiffstour in diesem Ge-
biet gemacht hat, ist be-
geistert, wie aus einer
ehemaligen Bundeswas-
serstraße mit gezielten
Eingriffen ein naturnahes
Fließgewässer entstan-
den ist. Flächen im Ei-
gentum des NABU er-
leichtern manche Maß-
nahmen. Dazu gehört
auch der nahe gelegene
Gülper See, eines der äl-
testen Naturschutzgebie-
te der Region.
Renaturierte Havel,
Bereich mit angeschlossenem Seitengewässer
5dann die „Bet-
telbriefe“ mit an-
deren Augen.
Man muss ja
nicht auf jeden
reagieren!
Sofern Sie je-
doch lieber in
Ihrem Umfeld et-
was bewegen
möchten, ist der
Stiftungsfonds
„NABU Naturer-
be Rhein-Erft“
der richtige An-
sprechpartner.
Jeder noch so
Elsdorfer Klärteiche kleine Betrag als
„Zustiftung“ läs-
mit zwei ehemaligen Klärteichen der st unser Kapital wachsen und sichert
Zuckerfabrik Elsdorf Flächenbesitz (6 ha). mit den Zinserträgen dauerhaft unsere
Mitte Oktober wurde im Rahmen einer Arbeit. Gelegenheiten dafür gibt es vie-
Biotopbereisung überlegt, wie die le, Jubiläen, Geburtstage u. a.
zukünftige Pflege aussehen soll. Denn
mit Ausnahme einiger Großgebiete, wie Gern geben wir Ihnen auch weitere In-
Anklamer Stadtbruch und Grünhaus formationen zu unserem Naturschutz-
(Brandenburg), werden die meisten Stif- fonds „NABU Naturerbe Rhein-Erft“.
tungsflächen von den lokalen NABU- Vorn im Heft auf der Umschlagseite fin-
Gliederungen betreut. Bei den Elsdorfer den Sie die Kontonummer des Stif-
Klärteichen will sich in Zukunft die Orts- tungsfonds. Wichtig ist, dass Sie auf
gruppe Kerpen engagieren. Jochen Hil- dem Überweisungsträger nach dem
ler sucht noch Mitstreiter, die helfen, die Wort „Zustiftung“ das entsprechende
Verbuschung der Ufer einzudämmen. Stichwort (Name und ggfs. Adresse)
notieren, damit wir den Beitrag zuord-
Liebe Leser, vielleicht kommen auch nen und uns bedanken können.
Sie mal bei Gelegenheit in die Nähe ei-
nes der Gebiete der NABU-Stiftung
„Nationales Naturerbe“. Infos finden Auskunft erteilt
Sie unter www.naturerbe.de. Allerdings
Gisela Wartenberg
sind nicht alle frei zugänglich, wie auch
Tel. 0 22 35/7 14 64
aus Sicherheitsgründen die Elsdorfer
Klärteiche. Möglicherweise sehen Sie E-Mail: gisela@wartenberg1.de
6Naturschutz- und Landschaftspflegestation
Unser Jahr im Friesheimer Busch –
eine Ziege erzählt
Von Susanne Kirsch
Ende März im Winterquartier der gebracht. Nett
Walliser Schwarzhalsziegen: ist es hier!
Trocken, hell
Uns Ziegenfrauen geht es gut! Die Hälf- und der Wind
te von uns ist trächtig. Unsere Men- bläst hier
schen freuen sich über unsere dicken auch nicht so
Bäuche. Sie machen jede Woche unser stark herein! Ich frage mich nur, warum
Wohn- und Schlafzimmer mit den war- der Luxus plötzlich?
men Paletten zum Schlafen sauber. Das
ist im großen grünen Zelt direkt neben Unsere Menschen schauen jetzt ganz
dem Umweltzentrum. Jeden Tag gibt es oft bei uns vorbei. Jeden Tag gibt es
frisches Heu, und manchmal bringen sie frisches Heu, Stroh und leckeres Kraft-
Bündel mit getrockneten Birkenzwei- futter. Manchmal auch Möhren und
gen zum Knabbern. Die mögen wir Apfelschnitze. Die meisten meiner
besonders gern! Mit einem dicken Freundinnen sind inzwischen ganz
Schlauch füllen sie die Tränken. Ein Le- schön dick geworden. Ich auch.
ben im Paradies! Manchmal schnacken wir ein bisschen
über die Trennwände unserer Appart-
Wir ärgern unsere Menschen gern! Im ments. So alleine in der Box ist es
Frühjahr haben wir ganz schicke Heu- schon langweilig.
raufen in unser Zelt bekommen. Wir
waren verschwenderisch und haben Ein paar Tage später…
mit Genuss das wertvolle Heu fleißig
auf dem Boden verteilt. Das fanden un- Oh Mann, heute Nacht hatte ich ganz
sere Menschen nicht so toll: Sie haben heftige Bauchschmerzen. Das waren
Schlösser angebracht und schwere wohl Wehen, denn heute Morgen habe
Balken auf die Raufendeckel gelegt. ich zwei Zicklein geboren. Meine Stall-
Aber wir sind schlau! Mit spitzen Zäh- nachbarin hat nur eins bekommen. Die
nen kriegen wir die Deckel immer wie- Menschen schauen jetzt noch öfter
der auf. nach uns. Die Kinder haben einen blau-
en Punkt auf den Bauchnabel bekom-
Bisher durften wir immer auf der Wiese men; das sei gut für die Wundheilung,
an der Heuhütte im Umweltzentrum sagt unser Mensch. Meine Zicklein
herumlaufen. Heute haben die Men- stoßen mich ganz schön heftig in das
schen uns in unsere Stallappartements Euter, wenn sie Hunger haben. Zum
8Glück habe ich genug Milch für die Klei- dafür, dass die Menschen gut beschäf-
nen. Unser Mensch Bernd hatte uns tigt sind: Sie schleppen Zaunrollen,
Mamas vor der Geburt noch schnell ei- bauen die Zäune auf, schneiden Zwei-
ne schicke Euterfrisur geschnitten, da- ge von den Bäumen und mähen die
mit unsere Kinder besser an die Milch- Wiesen für unser Winterheu.
bar kommen.
Es ist heiß! 30 Grad und mehr. Unsere
Anfang April Kumpels, die Schafe, haben ihren Win-
terpullover noch an. Aber bald kommt
Wir Ziegenfrauen haben insgesamt die Erlösung, der Schafscherer kommt.
zehn Zicklein auf die Welt gebracht. Ohne ihre Wolle fühlen sich die Schafe
Vorne schwarz, hinten weiß, wie es sich wieder richtig wohl. Allerdings sehen
gehört. die Schafe jetzt sehr dünn aus; wir ha-
ben sie kaum wiedererkannt. Ihre Läm-
Jetzt dürfen die Kids auch raus zum mer haben sie auch kaum noch wieder-
Spielen und sobald es wärmer wird, erkannt; dementsprechend groß war
geht es auf die grüne Wiese im Fries- das Geblöke, bis alle Mamas und Kin-
heimer Busch. Da treffen wir auch wie- der wieder vereint waren.
der unsere Kumpels, die Schafe. Sie
bleiben immer draußen. Aber das Wo- Wir Ziegen haben es da besser: Unser
chenbett im kalten Gras stelle ich mir Fell hat kaum Unterwolle, sodass wir
nicht so schön vor. Pullover hin oder nicht so schwitzen müssen. Das hat ei-
her – da schwöre ich auf unsere Stall- nen Grund: Denn wir stammen ja aus
appartements. dem warmen Wallis! Damit wir keinen
Der Sommer
Hier im Frieshei-
mer Busch ist es
schön warm. Die
Sonne scheint,
das Knabenkraut
blüht. (mmhhh…
lecker – aber das
dürfen die Men-
schen nicht
hören!). Jeden
Tag treiben uns
unsere Men-
schen auf eine
neue grüne Wie-
se. Wir lieben die
frischen Knos-
pen. Wir sorgen
9uns hübsch gemacht für
den Bock, dem Vater un-
serer Kinder. Wir alle ha-
ben gelben Ohrschmuck
bekommen, die Menschen
sagen Ohrmarken dazu.
Da steht unsere persönli-
che Nummer drauf, wie im
Personalausweis quasi.
Ach, jetzt sehe ich, die
Männer bekommen so et-
was auch… und ich dach-
te, wir wären etwas Be-
sonderes! Die Nägel be-
kommen wir auch ge-
macht. Wir nennen es Pe-
diküre, der Mensch sagt
Klauenpflege dazu. Mein
Mensch macht es sich
dazu gemütlich auf einem
Stuhl, und ich kuschele
Sonnenbrand bekommen, legen wir mich in seinen Schoß. Das Ergebnis
uns mittags unter die Schattenbäume. sieht schick aus! Aber vor allem tun die
Füße jetzt nicht mehr weh, denn wir
Unsere Kinder wachsen sehr schnell laufen wieder gerade.
und sind bald fast so groß wie wir.
Immer wenn der Mensch irgendetwas
Der Herbst mit uns gemacht hat, sei es Klauenpfle-
ge oder Wurmkur zum Beispiel, bekom-
Der Friesheimer Busch ist jetzt braun men wir einen farbigen Strich auf den
und trocken. Die Blätter sind rot und Rücken. Bei uns ist also häufiger Kar-
gelb und zauseln wild im Wind. Einige neval als bei den Menschen!
von uns müssen jetzt gehen, denn wir
sind zu viele geworden. Denjenigen von Winter
uns, die übrigbleiben, schieben die
Menschen eine komische Flüssigkeit Spät im November oder Anfang De-
ins Maul. Das sei gehen die Würmer, zember kommt der Schnee nach Fries-
sagen sie. heim. Der Boden ist gefroren und es
wächst nichts mehr, was wir fressen
Die Frauen bekommen jetzt einen Mann könnten. Deshalb dürfen wir Ziegen
zugeteilt. Wenn der wüsste, wie gut es jetzt wieder ins Winterquartier.
ihm geht! Übrigens haben wir Frauen
10Blume des Jahres 2019
Die Besenheide
Calluna vulgaris (LINNÉ) HULL
Von Birgit Schnell
Ö Die Blume des Jahres 2019 ist die Besenheide (Calluna vulgaris) aus der Familie
der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Der Name „Besenheide“ entstand, weil ih-
re Zweige in der Vergangenheit der Besenherstellung dienten. Der botanische
Name „Calluna“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „reinigen“.
Die Besenheide ist ein Zwergstrauch, res bedrohten Lebensraumes
der 30 bis 100 Zentimeter hoch wird. hinzuweisen. Die Heide ist ei-
Bekannt ist sie für ihre leuchtende rosa ne Kulturlandschaft, die ge-
oder lila Blütenpracht, die die Heide- pflegt werden muss, damit
landschaft überzieht. Die winzigen Blü- sie erhalten bleibt, beispiels-
ten, sie sind einzeln nur ein bis vier Mil- weise durch Beweidung mit
limeter lang, sind an einem dichten Schafen.
traubigen Blütenstand angeordnet und
bestehen aus je vier Kronen- und Im Rhein-Erft Kreis
Kelchblättern. Die Blütezeit ist von Au- sind Vorkommen der
gust bis Ende September. Die Blüten Besenheide bekannt,
enthalten einen zuckerhaltigen Nektar, u. a. in der Steinhei-
der Nahrung für Bienen und seltene de, im Bürgewald,
Schmetterlinge, wie der Komma-Dick- Lörsfelder Busch
kopffalter, ist. Sie können sowohl von und Friesheimer
Insekten, als auch vom Wind bestäubt Busch.
werden. Die Blätter der Pflanze liegen
an den Ästchen an und sind nur wenige
Millimeter lang. Die Spaltöffnungen
oder Poren der Blätter befinden sich
nur auf der Blattunterseite, um die
Pflanze vor zu viel Verdunstung zu
schützen. Die Besenheide wächst auf
den sauren und mageren Böden der
Heidelandschaften, auch in Mooren
und in lichten Wäldern.
Die Loki Schmidt Stiftung Naturschutz
Hamburg hat die Besenheide ausge-
wählt, um auf die Schutzwürdigkeit ih-
11Die Spinne des Jahres 2019
Die Ameisenspringspinne
Myrmarachne formicaria (De Geer, 1778)
Von John Osmani
Ö Die Ameisenspringspinne gehört zur Familie der Springspinnen. Der Name deu-
tet schon an, dass diese Springspinne irgendwas mit Ameisen zu tun hat. Genau
gesagt tarnt sie sich mit ihrem Äußeren als Ameise. Da Ameisen sehr wehrhaft
sind und von vielen Beutegreifern verschmäht werden, ist dies also ein aktiver
Schutz vor Fressfeinden.
Sie hat einen länglichen Körperbau mit Die Giftklauen der Weibchen sind nor-
einer Länge von ca. 6 mm. Die Färbung mal ausgebildet. Bei den Männchen
ist eher dunkel im Vorderkörperbereich. stehen sie fast waagerecht nach vorne,
Der längliche Hinterleib ist gelblich bis sind stark verlängert und flach. Man
orangebraun und im hinteren Bereich kann so die Geschlechter voneinander
dunkel gefärbt. Vorder- und Hinterkör- unterscheiden. Die Männchen verwen-
per sind mit einem dünnen Stil verbun- den die großen Chelizeren (Kieferklau-
den, so wie es bei vielen Ameisenarten en), um damit vor den Weibchen zu bal-
auch der Fall ist. Die Beine sind gelblich zen. Außerdem führen sie damit auch
und haben schwarze Muster. Das erste untereinander Kämpfe aus - ähnlich wie
Beinpaar ist dunkel gebändert und ver- dies z. B. Hirschkäfer mit ihren großen
dickt. Es wird beim Laufen meist erho- Zangen tun.
ben und imitiert dadurch Antennen von
Ameisen. Ameisenspingspinnen ernähren sich
von kleinen Insekten, die sie nach typi-
scher Manier der Spingspinnen erbeu-
ten: Sie springen ihre Beute an. Von
Ameisen ernährt sie sich allerdings
nicht – im Gegensatz zu anderen Spin-
nen, die zum Teil spezialisiert sind auf
den Fang von Ameisen.
Man findet sie ebenso auf Trockenra-
sen, aber auch auf Wiesen und manch-
mal sogar in oder an Gebäuden. Sie ist
weit verbreitet aber nicht häufig zu fin-
den. Manchmal kann man sie in leeren
Schneckenhäusern antreffen, wo sie
Foto: Jochen Rodenkirchen überwintern. Wer also mal im Winter in
12ein leeres Schneckenhaus schaut und durchaus sein, dass es sich um eine
glaubt eine Ameise darin zu sehen, soll- Ameisenspringspinne handelt.
te genauer hinschauen, denn es könnte
13Der Vogel des Jahres 2020
Die Turteltaube
Von Jochen Hiller
Ö Der deutsche Name der kleinen Turteltaube kommt von ihrem schnurrend-gur-
renden Gesang. Kennzeichen sind auch die rostbraun-schwarz gefleckten Flügel
und die schwarz-weißen Streifen am Hals. Die Turteltaube ist recht scheu und
hält sich meist in Bäumen auf. Zur Nahrungssuche geht sie auf den Boden, wo
sie Samen von Kräutern, Blumen, Gräsern, aber auch von Fichten und Kiefern
aufnimmt. Selten werden auch Insekten gefressen, sie muss täglich trinken.
Ab Mitte April bis Anfang Mai wird das Inseln bis nach Nordwestchina in West-
Nest im dichten Laub von Bäumen und Ost-Ausdehnung. Von Norden nach
Sträuchern gebaut, aber auch auf Süden kommt sie von Dänemark, Mit-
Streuobstwiesen und Obstplantagen. teleuropa bis nach Nordafrika vor. In
Frühestens ab Mitte Mai werden zwei Großbritannien ist sie schon fast ausge-
weiße Eier bebrütet. Die Jungen sind storben!
Nesthocker und bleiben bis zu drei Wo-
chen im Nest. Flugfähig sind sie nach Die Turteltaube ist bei uns die einzige
dreißig Tagen. ihrer Art, die als Zugvogel vorkommt.
Als Langstreckenzieher überwintert sie
Das Verbreiterungsgebiet der Turteltau- in der Sahelzone von Mauretanien bis
be erstreckt sich von den Kanarischen nach Äthiopien.
14In Deutschland ist der Bestand in den (Stand 2016) auf Stufe zwei (stark ge-
letzten 15 Jahren um zwei Drittel deut- fährdet) eingestuft worden.
lich zurückgegangen, er wird im Mo-
ment auf ca. 25.000-45.000 Brutpaare Um mehr über die Zugwege dieser Art
geschätzt. Gründe dafür sind der Ver- zu erfahren, wurden einige Tiere vom
lust geeigneter Brut- und Nahrungs- NABU und dem BIRD LIFEMALTA als
plätze in der industrialisierten Landwirt- Partnerverband sowie der Uni Gießen
schaft, Monokulturen, der Schwund mit Sendern versehen, um die Wander-
von Zwischenbrachen und Blühstreifen bewegungen festzustellen. Man hofft
und der Einsatz von Herbiziden. durch das ICARUS (International Coo-
peration for Animal Research Using
Aber auch die legale und illegale Jagd Space) genannte Projekt, das im Au-
auf den Zugrouten sowie Veränderun- gust 2018 anlief, die gewonnenen Er-
gen der Rastplätze spielen dabei eine kenntnisse nutzen zu können, um die
große Rolle. Durch alle diese Faktoren Turteltaube besser zu schützen.
ist die Turteltaube in der roten Liste
Quellen: NABU, BR24.de
15Schmetterlinge im Rhein-Erft-Kreis
Der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter
Pyrgus armoricanus
Von Karl-Heinz Jelinek
Ö Die Dickkopffalter sind eine Familie der Tagfalter, die in der öffentlichen Wahr-
nehmung nur wenig in Erscheinung tritt. Viele Arten sind eher unscheinbar und
entziehen sich teilweise der Beobachtung. Arten aus der Gattung der Würfel-
Dickkopffalter sind zudem noch schwierig zu bestimmen.
Wie es der deutsche Name bereits aus- ten, so wie es mir im Oktober 2018 im
drückt, bildet der Mehrbrütige Würfel- ehemaligen Munitionsdepot im Fries-
Dickkopffalter im Gegensatz zu vielen heimer Busch gelang. Grundsätzlich
Arten aus dieser Gattung unter günsti- sieht man den Falter, selbst wenn er in
gen Bedingungen mehrere Generatio- einem Gebiet vorhanden ist, relativ sel-
nen im Jahr. Insbesondere nach Hitze- ten. Seit ich am 24.08.2016 dort den
sommern kann man im Spätherbst Fal- Erstnachweis für Nordrhein-Westfalen
ter einer dritten Generation beobach- erbringen konnte, habe ich die Art an
Der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter am 07.08.2019 im ehemaligen Munitions-
depot im Friesheimer Busch.
16Störstellen im Bereich des ehemaligen Munitionsdepots im Friesheimer Busch sind
wichtige Strukturen.
diesem Ort in jedem Jahr beobachten Die Art gilt nach der Roten Liste
können. Falter der ersten Generation, Deutschlands von 2011 als sehr selten
die von Mitte Mai bis Mitte Juli fliegen, und gefährdet, zeigt aber seit einigen
konnte ich dabei noch nie finden. Meist Jahren erhebliche Ausbreitungstenden-
sah ich Falter der zweiten Generation zen. Das ist wiederum nicht verwunder-
im August an blühendem Dost saugen. lich bei einer Art, die bisher hauptsäch-
Beweidung erzeugt Störstellen und niedrige Vegetation.
17lich mediterran verbreitet war. Man Wie viele seltene Offenlandarten
kann davon ausgehen, dass der Mehr- benötigt auch der Mehrbrütige Würfel-
brütige Würfel-Dickkopffalter hierzulan- Dickkopffalter niedrige Vegetation mit
de zurzeit zu den Gewinnern des Klima- freien Bodenstellen. Solche Stellen ent-
wandels gehört. stehen durch Verletzungen der Vegeta-
tionsbedeckung während der Bewirt-
Andererseits finden wir diesen an Ma- schaftung, insbesondere auch durch
gerrasen gebundenen Falter auch nicht Beweidung. Neben blühenden Kräutern
überall in unserer ansonsten völlig für die Nahrungsaufnahme der Falter
überdüngten Landschaft. Nicht nur im braucht die Art für die Entwicklung der
Rhein-Erft-Kreis haben Gebiete wie das Raupen niedrige Polster von klein-
ehemalige Munitionsdepot im Frieshei- wüchsigen Fingerkrautarten. Zurzeit
mer Busch absoluten Seltenheitswert. sind die Bedingungen im ehemaligen
Immerhin gibt es im Kreisgebiet seit Munitionsdepot für anspruchsvolle Of-
2019 eine zweite Fundstelle. Jochen fenlandarten dank der guten Bewirt-
Rodenkirchen beobachtete am 15. schaftung optimal.
September am Hochwasserdamm bei
Niederberg drei Falter. Fotos von Karl-Heinz Jelinek
18Lautlos und pfeilschnell
Von Paul Schnitzler
Ö Ein kurzes Huschen, vielleicht einen leisen Flügelschlag oder ein paar Kotkrümel
auf der Fensterbank – das ist alles, was die meisten Menschen von Fledermäu-
sen je mitbekommen. Und doch ist zumindest dem Namen nach eine Art im
Rhein-Erft-Kreis auch denen ein Begriff, die sich wenig mit der Natur befassen:
Die Bechsteinfledermaus, Dreh- und Angelpunkt vieler Diskussionen rund um
den Hambacher Forst und den Kohleausstieg.
Dabei ist die Bechsteinfledermaus nur schon in der zweiten Hälfte des 18.
eine von weltweit rund 1.200 Arten, die Jahrhunderts entdeckte Lazzaro Spal-
von Zoologen in der Ordnung der lanzani, dass es eine naturwissen-
„Handflügler“ zusammengefasst wer- schaftliche Erklärung für dieses Phäno-
den. Allen ist eines gemeinsam: Sie men gibt: Die Orientierungsfähigkeit
sind die einzigen Säugetiere, die zum der Fledermäuse hat etwas mit den Oh-
aktiven Flug befähigt sind. Und genau ren zu tun. Es dauerte allerdings noch
das macht sie zu einer sehr erfolgrei- bis Ende der 1930er Jahre, bis eine
chen Tiergruppe. Immerhin stellt sie vollständige Lösung des Rätsels erfolg-
nach den Nagetieren mit weitem Ab- te. Denn erst da wies Donald R. Griffin
stand die Säugergruppe mit den meis- die Echoortung mittels Ultraschall bei
ten Arten dar. Fledermäusen nach.
Ihre nächtliche Lebensweise war den Ach ja, wo die Vampire doch schon er-
Menschen jahrhundertelang mehr als wähnt wurden: Es gibt sie wirklich! Drei
suspekt. Kein Wun-
der also, dass Fleder-
mäuse in die Nähe
von Teufel, Vampiren
und anderen Untoten
rückten. Scheinbar
lautlos und pfeil-
schnell im Stockfins-
tern umherfliegen,
dabei äußerst wendig
und niemals irgend-
wo anstoßend? Das
konnte nicht mit rech-
ten Dingen zugehen,
hier musste der Leib-
haftige die Finger im
Spiel haben. Doch Bechsteinfledermaus Foto: Paul Schnitzler
19hen sie wie die Zug-
vögel zur Überwinte-
rung in tropische Ge-
filde. Oder sie bleiben
vor Ort und halten
Winterschlaf. Und ge-
nau das tun sie. Mit
Beginn der kalten
Jahreszeit suchen sie
sich Verstecke, in de-
nen sie vor Wind und
Wetter gut geschützt
die Zeit bis zum Früh-
jahr überdauern kön-
nen. Dabei wird der
Wasserfledermaus Foto: Paul Schnitzler Stoffwechsel extrem
verlangsamt. Die Tie-
re kühlen ihren Kör-
mittel- und südamerikanische Fleder- per auf Temperaturen knapp über der
mausarten ernähren sich tatsächlich Umgebungstemperatur herunter und
von Blut. Aber eben nur diese drei. Die sparen dadurch sehr viel Energie. Nur
Nahrung der restlichen Arten ist ausge- so können sie mit dem kleinen
sprochen vielfältig. Von Nektar-, Frucht- Fettpölsterchen die lange Winterzeit
und Pollenfressern über Insekten-, überstehen. Das funktioniert aber nur
Frosch- oder Fischjägern bis hin zu dann, wenn die Umgebung auch wirk-
Arten, die sich von Kleinsäugern lich kühl genug ist. Außerdem sind eine
ernähren, ist da so einiges dabei. Hier hohe Luftfeuchtigkeit und Frostsicher-
in Europa stehen nahezu ausschließlich heit wichtig, denn sonst vertrocknen
Insekten und andere Kerbtiere auf dem oder erfrieren die Tiere. Feuchtkalte
Speiseplan der Fledermäuse. Allerdings Höhlen oder alte Keller bieten daher
verschmähen Wasserfledermäuse auch vielen Fledermausarten ein sicheres
Fischbrut nicht, und der südeuropäi- Winterquartier. Im Sommer hingegen
sche Riesenabendsegler geht zumin- haben Fledermäuse es gerne warm und
dest während der Zugzeiten regelmäßig trocken. Nicht umsonst sind zum Bei-
auf die Jagd nach Kleinvögeln bis Rot- spiel die geräumigen Dachstühle von
kehlchengröße! Kirchen, Burgen und Schlössern bei
vielen Arten sehr begehrte Sommer-
Da die mitteleuropäischen Arten alle- quartiere. Neben den klimatischen Be-
samt Insekten oder andere Kerbtiere dingungen stimmt es auch mit der Ru-
fressen, haben sie im Winter ein Pro- he, denn wann ist schon mal jemand
blem: Es gibt kaum Futter. Und so auf solch einem Dach?
bleibt den Fledermäusen die Wahl zwi-
schen zwei Strategien. Entweder zie-
20Über die Vorkommen,
Verbreitung und Häu-
figkeit der Fleder-
mäuse im Rhein-Erft-
Kreis ist nicht viel be-
kannt, denn systema-
tische Kartierungen
wurden bisher nicht
durchgeführt. Ledig-
lich Zufallsfunde von
Quartieren, verletzten
oder geschwächten
Tieren sowie in zu-
nehmender Zahl auch
Daten aus Gutachten,
die im Zuge von Bau- Zwergfledermaus Foto: Paul Schnitzler
vorhaben erstellt wer-
den (müssen), geben
ein wenig Auskunft. Damit kann zumin- deren Vorkommen im Rhein-Erft-Kreis
dest schon mal eine Liste der Fleder- zu zeichnen. Jedenfalls würde ich mich
mausarten des Rhein-Erft-Kreises er- über konkrete Informationen freuen!
stellt werden. Etwa die Hälfte der in
NRW nachgewiesenen 23 Arten wur- Kontakt
den bisher hier gefunden! Vielleicht ge- Paul Schnitzler
lingt es ja, zukünftig Daten über das Telefon: 0 22 71/9 21 21
Vorkommen von Fledermäusen zu E-Mail: schnitzler@bskw.de
sammeln und ein genaueres Bild über
21Stürme, Dürre, Borkenkäfer –
Der Trockensommer 2018 und die Folgen
für den Wald im Rhein-Erft-Kreis
Von Uwe Schölmerich
Der Wald im waldarmen Rhein-Erft- den Trockenheit mit extremen Tempe-
Kreis leidet – und nicht nur er. In ganz raturen bis um die 40 °C. Nach einer
Europa wurden 2018 und 2019 die Fol- Winterpause ging es 2019 ähnlich wei-
gen der Witterungsextreme deutlich. ter mit Sturm Eberhard und weiter un-
Dabei haben sich die Extremwetterer- terdurchschnittlichen Niederschlägen
eignisse wie erwartet als wesentlich für und Hitzewellen. Der Juni 2019 war der
die Waldentwicklung dargestellt. Es be- wärmste Juni seit Beginn der Aufzeich-
gann mit dem Sturm Friederike am 18. nungen; im Juli wurden 43 °C in Köln
Januar 2018, gefolgt von Sturm Burg- gemessen. Die Wasserversorgung der
lind, dann gefolgt von einer anhalten- Bäume ist noch heute durch Wasser-
mangel in den tieferen Schichten des
Bodens gestört. Im November 2018 be-
fand sich ganz Deutschland in einer
außergewöhnlichen Dürre. Näheres
dazu findet man auf der Website des
Helmholtz Zentrum für Umwelt-
forschung hier: https://www.ufz.de/
index.php?de=37937
Zwar gibt es im Rhein-Erft-Kreis kaum
Fichten, die anderswo der begleitenden
Fichtenborkenkäfervermehrung zum
Opfer fielen, doch zeigen sich auch an
praktisch allen unseren heimischen
Laubbäumen schon seit dem Sommer
2018 deutliche Schäden. Besonders
betroffen sind ältere Bäume, die sich
unter dem früher typischen atlanti-
schen-subatlantischen Klima mit mil-
den Wintern und feuchten Sommern als
konkurrenzstark gezeigt haben. Häufig
sind die Buchen auch vom Kleinen Bu-
Buchenschleimfluss chenborkenkäfer befallen, der bisher
Foto: U. Schölmerich aber mehr als Sekundärschädling ge-
22sehen wurde. Die klei-
nen Bohrlöcher fallen
kaum auf, bis schließ-
lich eine braun-
schwarze schleimige
Flüssigkeit aus der
Rinde austritt (Bu-
chenschleimfluss).
Wir wissen auch aus
der jährlichen Wald-
schadenserhebung,
dass Bäume über 60
deutlich höhere Scha-
densgrade aufweisen
als jüngere. So sind
gerade ältere Buchen
Abgestorbene Altbuchen in der Naturwaldzelle Altwald
oft abgestorben oder
Ville bei Bliesheim Foto: Klaus Görgen
treiben nur noch in
unteren Kronenregio-
nen Blätter. Stärker
betroffen sind Waldränder nach Süd- abstarben. Diese Wälder sind durch die
West oder in dieser Himmelrichtung ge- 1956 tagebaubedingte Grundwasser-
neigte Hänge. Die auf dem nicht berg- absenkung ohnehin destabilisiert. In-
baulich veränderten Teil der südlichen teressanterweise haben die beiden
Ville vorhandenen Stauwasserböden, Trockensommer beim Eschentriebster-
die keine in die Tiefe gehende Bewur- ben etwas Erleichterung gebracht, weil
zelung zulassen, zeigen ebenfalls höhe- dem Pilz die nötige Feuchte in der Streu
re Schadensgrade. fehlte. Dieser Effekt wird allerdings si-
cher nicht anhalten.
Auch Pappeln, Weiden und Birken –
obwohl robuste Pionierbaumarten – Durch den witterungsbedingten Stress
sind stark betroffen. Besonders betrof- sind auch Bergahorne in größerem Stil
fen sind leider auch jüngere Erstauffors- von der Rußrindenkrankheit befallen,
tungen auf ehemaligen Ackerflächen. deren Sporen auch beim Menschen al-
Eichen und Eschen sind dort beson- lergische Reaktionen verursachen kön-
ders betroffen. Schon in den Vorjahren nen. Auch dieser Pilz ist eingeschleppt:
wurde die Gemeine Esche vom aus Asi- Aus Nordamerika kommend trat er
en eingeschleppten falschen weißen 2005 erstmals in Deutschland auf. Re-
Stengelbecherchen befallen, was einen lativ gut zeigt sich die Hainbuche in den
Teil der Eschen zum Absterben bringt. Wäldern – sie hat ja auch ein weit nach
Besonders dramatisch ist dies in den Süden gehendes natürliches Verbrei-
Altwäldern Kerpener Broich und Parrig, tungsgebiet.
wo alte Eschen innerhalb von Wochen
23Die warme Witterung hat auch andere nicht mehr bewirtschafteten, dicht ge-
Schädlinge im Rhein-Erft-Kreis ver- schlossenen Buchen-Naturwaldzelle in
mehrt auftreten lassen. So konnte sich Bliesheim, wird klar, dass die Na-
der Eichenprozessionsspinner an we- turnähe eines Waldes allein keine Sta-
sentlich mehr Orten etablieren oder trat bilität gegenüber einer sich verändern-
dort stärker als sonst auf. Die Raupe den Klimasituation bietet.
dieses Falters ist vom dritten bis vierten
Häutungsstadium Quelle von allerge- Die Natur selbst kennt keinen Schaden,
nen Härchen, die bei empfindlichen sondern nur die dynamische Reaktion
Menschen teils gefährliche Haut- und auf Umweltveränderungen. Ein Scha-
Lungenallergien auslösen können. den entsteht erst dann, wenn die Leis-
tungen der Wälder, die wir Menschen
Auch die hier weniger vorhandenen Na- von ihnen erwarten, nicht mehr er-
delbäume sind betroffen. Fast alle der bracht werden können. Dies ist leider
wenigen vorhandenen Fichten sind ab- nicht nur hier bei uns der Fall. Abge-
gestorben – auch als Omorikafichte in storbene Bäume spenden keinen Sau-
den Gärten. Lärchen sind zum Teil vom erstoff mehr, sondern verbrauchen ihn
Lärchenborkenkäfer befallen, manche beim Abbau der organischen Substanz;
Kiefern auf schwierigen Standorten kranke Bäume werden instabil und ge-
sind abgestorben. fährden Waldbesucher und diejenigen,
die am Waldrand wohnen. Wertvolle
Verlichtete Flächen werden schnell von Stämme werden entwertet und un-
stickstoffliebenden Pflanzen wie Brom- brauchbar für die Verwendung als Bau-
beere, Waldreitgras oder Brennnessel oder Möbelholz – die Versorgung mit
eingenommen, die eine Wiederbewal- Holz, wovon jeder jährlich 1,3 m³ ver-
dung erheblich erschweren. Die jahr- braucht, wird damit gefährdet. Kranke
zehntelange, anhaltende Überdüngung Wälder sind auch weniger gut in der La-
der Wälder durch Stickstoffeinträge de- ge, schädliche Immissionen, wie Staub,
stabilisiert das Waldökosystem nach- Gase oder Lärm, zu filtern. Die lokale
haltig. Klimawirkung durch Abkühlung und
Luftbefeuchtung wird gemindert. Um
Insgesamt kann man zur Zeit aber nicht diese für uns negativen Auswirkungen
von einem allgemeinen Waldsterben zu begrenzen, ist ein gezieltes Wald-
sprechen. Die auftretenden Verände- management notwendig.
rungen sind Ergebnis der Witterungsex-
treme, die auf ein mehr oder weniger Das Problem: auf welche Klimaverän-
stabiles, meist menschengemachtes derung sollte man sich einstellen? Wald
Waldökosystem einwirken. Weniger hat eine lange Perspektive von 100
stabil sind z. B. Fichtenreinbestände, Jahren und mehr. Wer kann über solche
die in anderen Regionen große Teile Zeiträume die Klimaentwicklung regio-
des Waldes ausmachen und nun nal bezogen einigermaßen sicher vor-
flächig dem Borkenkäfer zum Opfer fal- hersagen? Niemand. Daher müssen wir
len. Aber – betrachtet man die Verände- Entscheidungen darüber, wie der Wald
rungen in der seit fünf Jahrzehnten der Zukunft aussehen soll, in Unsicher-
24heit treffen. Ziel muss sein, die Reakti- 6. Wir gewinnen den erneuerbaren
onsfähigkeit der Wälder zur Selbsthei- Rohstoff Holz und schaffen damit
lung zu stärken und damit die Resilienz eine Kohlenstoffsenke in langlebi-
zu stärken. Was bedeutet das prak- gen Holzprodukten oder substitu-
tisch? ieren fossile Brennstoffe.
7. Wir schonen den Waldboden als
1. Wir gehen davon aus, dass es lang- wertvolle Ressource durch Befah-
fristig wärmer und trockener wird rungsverbot außerhalb von Wegen
und dass extreme Ereignisse, wie und Rückegassen in weitem Ab-
Hitze, Dürre, Starkregen und Sturm, stand.
vermehrt auftreten. 8. Wir schützen die Waldflächen vor
2. Wir sorgen durch gezielte Eingriffe Inanspruchnahme durch andere
dafür, dass vorhandene Mischbaum- Nutzungsarten.
arten in den Wäldern nicht durch 9. Wir sorgen für Alt- und Totholz,
Konkurrenz anderer Baumarten ver- Wildnisflächen, Naturwaldzellen
schwinden (Minderheitenschutz) und Sonderbiotope im Wald.
3. Wir setzen auf Naturverjüngung, wo 10. Wir werben um Verständnis, dass
immer möglich, da die genetische eine zielgerichtete Jagd Vorausset-
Breite heimischer Baumarten die zung für die Etablierung von ge-
Basis für eine klimaangepasste Se- mischten Wäldern ist.
lektion der nachfolgenden Generati-
on junger Bäume bietet. Ein in diesem Sinne verstandenes
4. Wir sorgen für mehr Mischbaumar- Waldmanagement ist nicht das Pro-
ten bei Aufforstungen, insbesonde- blem, sondern ein Teil der Lösung der
re auch solcher, die als wärmetole- Klimakrise.
ranter gelten (z. B.
Esskastanie, Sor-
bus-Arten, Wald-
nuss, Wildobst). Da-
bei orientieren wir
uns an heimischen
Baumarten als
Grundbestand.
5. Wir fördern die
Struktur in Wäldern
durch regelmäßige
Nutzung, sodass
alte, mittelalte und
junge Bäume auf der
Fläche wachsen; da-
mit wird bei einem
Sturmereignis nie
der ganze Wald zer- Gut strukturierter 80jähriger Buchenmischwald bei
stört. Brühl Foto: U. Schölmerich
25Eine Vogelfreundin erinnert sich . . .
Text von Birgit Schleicher, Fotos von Axel Schleicher
Ö Als Referentin im NABU Rhein-Erft-Kreis leitete ich viele Jahre vogelkundliche
Wanderungen und ließ die Teilnehmer an meinem Wissen und meiner Bewunde-
rung an den gefiederten Mitbewohnern der Erftaue rund um die Gymnicher Müh-
le teilhaben. Vor neun Jahren bekam ich vom Rhein-Erft-Kreis, vertreten durch
Herrn Geusen, den Auftrag, ein Vogelmonitoring an der Gymnicher Mühle und
deren Umfeld in der Brutsaison 2010 durchzuführen. Von Ende April bis Mitte
Juni 2010 war ich frühmorgens mit Fernglas, Stift, Block, offenen Ohren und
Augen unterwegs.
An der Ecke Heinrichstraße/Erftstraße sang hören. Was in unseren Ohren so
in Gymnich ging es über die Autobahn- wohltönend klingt, ist eigentlich Kampf-
brücke hinunter in die Felder zwischen geschrei, bei dem jedem Eindringling
der Kleinen Erft und dem Erft-Flutkanal. mitgeteilt wird, dass dieses Gebiet be-
Entlang deren Böschungsbepflanzung reits besetzt und mit Schnabel und
mit Bäumen und Hecken turnen Blau- Krallen verteidigt wird. Die Vogeldamen
und Kohlmeisen, und auch die Mönchs- hören allerdings daraus, dass da ein
grasmücke lässt früh im Jahr ihren Ge- Männchen eine Partnerin sucht. Den
Bachstelze
26Ruf der Kohlmeise und Blaumeise er- Fitis und Star! Dazwischen stottert und
kennen viele Menschen, den der Mön- stammelt es! Es ist der Sumpfrohrsän-
chsgrasmücke nur wenige. ger mit seinen geklauten Vogelliedern!
Experten haben die Imitationen von 212
Man erkennt recht gut, warum sie ihren anderen Vogelarten herausgefunden,
Namen trägt, das Männchen hat ein darunter sogar von 113 Arten aus sei-
schwarzes Käppchen auf, das Weib- nem afrikanischen Winterquartier. Da ist
chen und die Jungvögel jedoch ein rot- aber noch einer, der andere Vögel
braunes. Was aber hat der Mönch mit nachahmt, jedoch dazwischen rasselt
einer Grasmücke zu tun? Nun, es ist ein wie ein alter Computer. Der Gelbspötter
Name aus dem Mittelhochdeutschen: ist im ganzen Untersuchungsgebiet
Gra heißt grau und smüken – schmie- zehn Mal anzutreffen!
gen. Es ist also ein graues Vögelchen,
das sich mit einer Mönchskappe Zurück auf dem geteerten Weg erfreut
durchs Gebüsch schmiegt. mich der Gesang der Goldammer. Er
soll Beethoven zum Anfang seiner fünf-
Richtung Gymnicher Mühle umranden ten Symphonie inspiriert haben. Die
dichte Heckenreihen mit Brombeerge- Goldammer ist leicht zu finden, sie prä-
büsch einen Teil des einst geplanten sentiert sich gern auf den obersten
Golfplatzgeländes. Aus einem dichten, Zweigen von Bäumen oder Büschen.
fast mannshohen Brennnesselbestand Ihr Nest baut sie allerdings direkt auf
höre ich die Stimmen von Amsel, Haus- dem Boden. Trotz guter Tarnung verliert
sperling, Rauchschwalbe, Blaumeise, sie daher oft ihre Jungen an Marder,
Eine Rauch-
schwalbe
füttert ein
Jungtier
27Hermeline oder Igel, aber auch an stö- ihr backofenförmiges Nest geschickt
bernde Hunde. Deswegen ist es so und gut getarnt z. B. im Brombeerge-
wichtig, dass Hunde zur Brutzeit der büsch oder direkt auf dem Boden.
Vögel angeleint werden. Gerade die
Goldammer ist durch Flurbereinigung, Ich überquerte die Straße nach Brüg-
Beseitigung von Hecken und Feld- gen, und vor mir liegt der aufgegebene
gehölzen in ihrer Lebensgrundlage be- zweite Teil des schon landschaftlich
drängt. Schon 2010 ging der Bestand modellierten Golfplatzes. Erst später
nach unten und das hat sich fortge- wurde das wertvolle Gelände durch ei-
setzt. nen Zaun geschützt. Am Ufer der Klei-
nen Erft wuchs während meiner Kartie-
Auch der Fitis hat den weiten Weg aus rungsphase eine lange Pappelreihe
seinem Winterquartier aus dem tropi- (sie wurde zum größten Teil gefällt). Ich
schen und südlichen Afrika geschafft. suchte den Baumfalken, der Mitte April
Seine Flugleistung über die 2000 km aus seinem Winterquartier in Südafrika
lange Überquerung der Sahara verdient erscheint und sich spätestens Anfang
unsere höchste Bewunderung. Mai eines der verlassenen Krähennes-
ter in den Pappeln für sein Brutgeschäft
Äußerlich zum Verwechseln ähnelt der aussucht. Die Rabenkrähen haben ihre
Fitis dem Zilpzalp, der aber immer sei- Jungen längst groß gezogen, und so
nen eigenen Namen ruft. Selbst Fach- spart der Baumfalke Kraft und Zeit,
leute können die beiden nur dadurch wenn er nicht selbst noch einen Horst
unterscheiden. Beide Vogelarten bauen bauen muss.
Auf diesem Gelän-
de ist auch eine Tal-
senke eingegraben,
die allgemein als
Canyon bekannt ist
und zu meinem
liebsten Beobach-
tungsgebieten ge-
hörte. In der Regel
wurde ich immer
von Goldammer,
Gelbspötter und Fi-
tis begrüßt, und
Rauchschwalben
und Mauersegel in
großer Zahl zisch-
ten über mir durch
den Luftraum. Ich
Bluthänfling war jedoch auf der
28Suche nach dem Schwarzkehlchen, suche. Ihre Nester befanden sich in den
damals noch nicht so häufig, wie wir es verlassenen Wirtschaftsgebäuden, die
heute antreffen. Es bevorzugt Brach- zur Mühle gehörten und ideal waren für
flächen mit mittelhohen Büschen und ihr Brutgeschäft.
sitzt gerne auf verholzten Stängeln oder
Karden, von wo aus es singt. Das Nest Rechts des Wegs breitete sich eine
baut es auch nahe am Boden in der Ve- Kiessenke aus, die von dichtem Ge-
getation versteckt. büsch gesäumt war. Mich interessierte
eine Brombeerhecke, die sich mitten
Auf dem Weg zurück erfreut der Ge- darin ausbreitete. Und tatsächlich, bei
sang der Feldlerche, die zum Himmel jedem Aufsuchen dieses Ortes konnte
aufsteigend ununterbrochen singt, ich gut verborgen Schwarzkehlchen
selbst mit Futter im Schnabel – und so beobachten.
ihr Revier anzeigt. Auch damals war sie
schon gefährdet, ich zählte aber noch Ein Neuntöter beobachtete das Ge-
drei Paare. Im Jahr 2019 ist sie schon schehen von einer erhöhten Böschung
zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres aus. Er baut seine Nester in Dornenbü-
gewählt worden, um auf ihre bedrohte schen und spießt darin seine erbeute-
Situation in den zu dicht aufwachsen- ten Insekten, aber auch Mäuse und Ei-
den und mit schweren Erntemaschinen dechsen als Vorrat auf.
befahrenen Getreidefeldern aufmerk-
sam zu machen. Auch Bluthänfling, Fitis, Goldammer
und Gelbspötter fanden dort Nahrung
Eine besondere Überraschung boten und sangen unüberhörbar.
ein Stück des Wegs weiter zwei Paare
Kiebitze, die dort versuchten ihre Jun- Zwei Turteltauben, die zum Vogel des
gen aufzuziehen. Leider wurden sie im- Jahres 2020 gekürt wurden, waren in
mer wieder von Rabenkrähen gestört. der angrenzenden Türnicher Kiesgrube
Ein Junges sah ich aufwachsen, im regelmäßig zu hören.
nächsten Jahr waren sie verschwun-
den. Auch Bachstelzen mit ihrem wip- Laut der neuen Liste im NABU-Info
penden Trippelschritt fanden dort viele 2019 sind insgesamt 79 Vogelarten in
Insekten. der Erftaue dokumentiert. Dies ist dem
Schutz dieses Gebietes mit seinen un-
Im angrenzenden Gebiet um die Gym- terschiedlichen Biotopstrukturen zu
nicher Mühle, beim heutigen Wasser- verdanken. Die geplante Erftverlegung
spielplatz, befand sich ein verwildertes mit neuen Biotopstrukturen kann sich
Gelände, in der drei Nachtigallen mit durchaus positiv auf die Artenvielfalt
ihrem lockenden Gesang um Weibchen der Brutvögel des Offenlandes auswir-
warben. Über mir flogen zig Rauch- ken und wird mit Spannung verfolgt.
schwalben auf erfolgreicher Nahrungs-
29Rastplätze für Zugvögel
Von Jochen Hiller
Ö Limikolen (Watvögel), Enten, Singvögel und verschiedene Greifvögel, die zum Teil
im hohen Norden, in der arktischen Tundra, Spitzbergen, Island oder Sibirien brü-
ten, ziehen im Spätsommer und Herbst in ihre Überwinterungsgebiete nach Sü-
den. Die Zugvögel finden in ihrem Lebensraum nicht mehr genug zu fressen, und
der Hunger treibt sie in den Süden. Umgekehrt treten die Zugvögel den Rückflug
in die nördlichen Brutgebiete an, wenn das Nahrungsangebot dort attraktiver ist.
Bei ihrem Flug in den Süden müssen Weg benötigt werden. Verschiedene
die Vögel Entfernungen von 2.000 bis Seen, Flüsse, große Teiche oder Wie-
10.000 km (z. B. Küstenseeschwalbe) sengelände mit Sträuchern bieten dazu
nach West-Südafrika, Gebiete südlich Gelegenheit. Weil in einer zunehmen-
der Sahara oder auch nur nach Süd- den Veränderung der Landschaft ge-
westeuropa bewältigen. Ohne Rast ist eignete Rastplätze knapp werden, sind
ein erfolgreicher Zug nicht möglich, weil die vorhandenen Plätze für die Zugvö-
Fettreserven aufgefüllt werden müssen, gel besonders wichtig und müssen er-
die als Energieträger für den langen halten werden.
Bruchwasserläufer Foto: Jochen Hiller
30Einige dieser Rastplätze liegen im Drei- Weitere seltene Gäste waren bisher:
eck Kerpen, Bedburg und Elsdorf. Dort Blauflügelente (1, 3); Eisente (1, 3),
gibt es das Naturschutzgebiet Boisdor- Moorente (1), Mandarinente (4), Samt-
fer See (1), das Naturschutzgebiet Klär- ente (3), Rotfussfalke (1) und Tannen-
teiche Bedburg (2), das Landschafts- häher (2).
schutzgebiet Wiebachteich (3) und die
NABU-Teiche „Sittarder Hof“ (4). Eine Sehr hohe Bestände erreichen auch die
Vielzahl von Arten konnte schon an den Nilgans (BV) und die Kanadagans (BV),
Gewässern beobachtet werden. mitunter bis zu 100 Stück. Des Weite-
Art Gebiet Anzahl Status Rote Liste
Einstufung BP
Alpenstrandläufer 2, 3 bis 10 DZ 1 10-15
Bruchwasserläufer 2, 3, 4 1-5 DZ 1 0-1,
extrem selten
Bekassine 1, 2, 3, 4 bis 30 DZ 1 5500-8500
Dunkler
Wasserläufer 2, 3 1-3 DZ kein BV
Flussregenpfeifer 1, 2, 3, 4 1-5 DZ * 5500-8000
Flussuferläufer 1, 2, 3, 4 1-3 DZ 2 300-420
Goldregenpfeiffer 3 bis 100 DZ 1 -8
Grünschenkel 2, 3, 4 1-5 DZ kein BV
Kampfläufer 2, 3 bis 10 DZ 1 20-30
Rotschenkel 2, 3 1-5 DZ 3 11000-17500
Sandregenpfeifer 2, 3, 4 1-5 DZ 1 950-1100
Sichelstrandläufer 3 1-5 DZ kein BV
Waldwasserläufer 2, 3, 4 bis 10 DZ, WG * 950-1200
Zwergstrandläufer 2, 3, 4 bis 10 DZ kein BV
Knäkente 1, 2, 3, 4 1-3 DZ 2 1400-1900
Löffelente 1, 2, 3, 4 bis 10 DZ, WG 3 2500-2900
Pfeifenente 1, 2, 3, 4 bis 100 DZ, WG R 40-45
Tafelente 1, 2, 3, 4 bis 15 DZ, WG * 4000-5500
Spießente 1, 2, 3 1-5 DZ, WG 3 30-40
Fischadler 1, 2, 3, 4 1 DZ 3 550
Kornweihe 1, 2, 3, 4 1 DZ, WG 1 40-60
Legende:
Status: BV = Brutvogel, BP = Brutpaare, DZ = Durchzügler, WG = Wintergast
Rote Liste (Stand 2016):
1 = vom Aussterben bedroht; 2 = stark gefährdet; 3 = gefährdet;
R = Art mit geografischer Restriktion in Deutschland; * = ungefährdet
31ren kommt noch die Rostgans mit Be- Singvögel, wie Bergfink, Braunkehl-
ständen bis zu 20 Stück vor. chen, Gartenrotschwanz, Rotdrossel,
Steinschmätzer oder Uferschwalbe, die
in der Umgebung der Gewässer rasten,
finden Insekten, Beeren und Sämereien
in den vielen Baum- und Straucharten.
Diese Gebiete sind von Menschenhand
geschaffen worden für Industriezwecke
oder als Ausgleichsmaßnahme. Es soll-
ten alle Anstrengungen unternommen
werden, um sie zu erhalten, damit wei-
terhin Zugvögel, Teilzieher oder Winter-
gäste diese als Trittstein auf ihrem Weg
benutzen können.
Als Rastplatz kommt den Gewässern
eine überregionale Bedeutung zu!
Quellen: Der Falke, Sonderheft
Rotschenkel Foto: Jochen Hiller Vogelzug; Rote Liste NABU
Nil- und Saatgänse Foto: Jochen Hiller
3233
Wildkräuter und Wildgräser für bedrohte Insekten
in Elsdorf-Giesendorf
Direkt in der Nachbarschaft vom Eulen- von Elsdorf, Andreas Heller, das Grund-
turm/Giesendorf liegt ein unscheinba- stück freigegeben und durch die Mitar-
res Grundstück, auf dem sich in der beiter des Bauhofs entrümpeln und für
Vergangenheit einiger Schutt und Unrat die Einsaat von Wildkräutern und -grä-
angesammelt hatten. Auf Initiative von sern vorbereiten lassen. Dort haben
Leonhard Binek hat der Bürgermeister NABU-Mitglied Leonhard Binek und
seine Ehefrau Theresia mit
viel Engagement einen Tum-
melplatz für Insekten herge-
richtet.
Neben der Einsaat der Fläche
mit einer vom NABU Rhein-
Erft gespendeten Mischung
heimischer Gräser- und Kräu-
tersamen von der biologi-
schen Station Bonn/Rhein-
Erft wurde eine Sandkuhle für
im Boden lebende Insekten
v. r.: Ortsvorsteher Stefan Ebel, Bürgermeister Andreas Heller mit Sohn, Leonhard
Binek, Hartmut Kaftan. Foto: Robert Wassenberg/Stadt Elsdorf
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