Sprachrohr Die Zeitschrift der Studierendenschaft der FernUniversität in Hagen Ausgabe 1/2018
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Die Zeitschrift der Studierendenschaft
der FernUniversität in Hagen
Sprachrohr Ausgabe 1/2018
Verleihung der Mit Blended PBL – die Zukunft Die FernUni bleibt
WiWi-Eule für das Learning der vorerst
beste Modul zum Erfolg Fernlehre? NC-freie Zone2 EDITORIAL/INHALTSVERZEICHNIS Sprachrohr 1/2018
Liebe LeserInnen,
oft genug wird die FernUni von uns Studierendenvertretern ja mit Jeder darf mitmachen!
Kritik konfrontiert. Der Fachschaftsrat Wirtschaftswissenschaften Gerne rufe ich auch an dieser Stelle wieder dazu auf, dass ihr selbst
wollte hier einen anderen Weg beschreiten und hat einen Preis für tätig werdet und uns eure Artikel oder Leserbriefe zusendet. Das
die, aus studentischer Sicht, besten Module ausgelobt: die WiWi-Eu- SprachRohr ist schließlich ein Medium der Studierendenschaft für
le. Diese wurde auf dem Weihnachtsempfang durch Vertreter des die Studierendenschaft. Redaktionsschluss für unsere nächste Aus-
Fachschaftsrats verliehen. (Mehr dazu auf Seite 43.) gabe ist der 3. April 2018.
Und sonst so? Ich wünsche euch allen viel Erfolg bei den anstehenden Prüfungen
Sonst finden sich wieder viele verschiedene Beiträge eurer Studie- und natürlich das nötige Quäntchen Glück!
rendenvertreter in dieser Ausgabe: zum Beispiel über den NC, der
erst mal nicht kommen wird, oder über Veränderungen in der Fakul- Herzliche Grüße
tät WiWi. Und natürlich gibt es auch wieder die Termine für dem-
nächst anstehende Seminare im Mittelteil.
Jens-Raimer Beuerle
AStA-Referent für SprachRohr und Kultur, Sprecher Fachschaftsrat
Kultur- und Sozialwissenschaften
(SPD-Hochschulgruppe/Juso-HSG)
jens.beuerle@asta-fernuni.de
Inhaltsverzeichnis
Editorial2 Gleichstellungsgesetze in der
Studierendenschaft19 WiWi: Verleihung der WiWi-Eule 43
Grußwort des SP-Vorsitzes 3 ReWi: Aus dem Fachschaftsrat 46
FernUni bleibt vorerst NC-freie Zone 23
KSW: Der FSR ehrt AbsolventInnen 50
Meti:: Aus dem Fachschaftsrat 46
Hochschulpolitik Seminare
Junge Studenten, alte Sprecher 4
Seminarangebot der Bildungsherberge 27
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts Service
Seminare der Fachschaftsräte 29 Kinderbetreuung für
näher beleuchtet 5
FernUni-Studierende55
Die rätselhafte Studierendenstatistik 7 Der AStA fördert Lerngruppen 57
Hochschulsport
Aus dem Finanzreferat 8
Dabei sein ist alles! 36
Die gewählten Gremien in der Hopo 10 Impressum
Impressum/Schwarzes Brett 59
Mit Blended Learning zum Erfolg 13 Aus den Fachschaftsräten
WiWi: Falsche Noten 40
Hopo-Workshop15
Redaktionsschluss für das SprachRohr 2/2018 ist der 3.4.2018. Wir freuen uns auf eure Beiträge!
Schickt diese bitte an: sprachrohr@asta-fernuni.deSprachrohr 1/2018 GRUSSWORT DES SP-VORSITZES 3
Liebe Kommilitonen und
liebe Kommilitoninnen,
W
Erfolg zu wünschen, dafür ist es nie zu spät. So möchten wir eiter wurden in der letzten Sitzung des
euch für das Jahr 2018 und natürlich ganz besonders für eurer Studierendenparlaments im Jahr 2017
Studium alles Gute und den verdienten Erfolg wünschen! zwei AStA-Referate personell neu be-
setzt. Annette Stute (Grau und Schlau)
E
s lagen die Festtage zwischen den letzten beiden wurde als neue Referentin für Semi-
SprachRohrausgaben und den beiden Sitzungen nare und Studienangelegenheiten und Fabian Maryanowski
des Studierendenparlament. Somit können wir (FSA) als neuer Referent für Öffentlichkeitsarbeit gewählt. Der
aus diesem berichten, dass die Wahlordnung noch SP-Vorsitz gratuliert beiden und wünscht einen guten Start
einmal überarbeitet werden musste und diese im neuen Amt! Den ausgeschiedenen Referentinnen Veroni-
nun dem Rektorat, mit der Bitte um Genehmigung, vorliegt. ka Solloch (SPD/Jusos) und Rebekka Allen (RCDS) dankt der
Wir hoffen, dass wir Ende Januar alle Modalitäten für eine er- SP-Vorsitz für deren Arbeit und das Engagement zum Wohle
folgreiche Durchführung der Wahlen erledigt haben und einen der Studierenden!
Wahltermin beschließen können. Wir bedauern es sehr, dass
nur minimales Interesse an der hochschulpolitischen Arbeit Haben wir euer Interesse an der hochschulpolitischen Arbeit in
in Hagen besteht und sich nur wenige Kommilitoninnen und Hagen geweckt, oder habt ihr Fragen an uns? Dann kontaktiert
Kommilitonen bei uns gemeldet haben, um zum Beispiel im uns bitte unter: vorsitz@sp-fernuni.de
Wahlausschuss oder anderen Gremien mitzuarbeiten.
Euer SP-Vorsitz
Anne Blohm und Nils Roschin
Anne Blohm Nils Roschin
Vorsitzende des Studierendenparlaments Vorsitzender des Studierendenparlaments
Grüne Hochschulgruppe (GHG) SPD-/Juso-Hochschulgruppe
anne.blohm@sp-fernuni.de nils.roschin@sp-fernuni.de4 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
Zum Nachdenken:
Junge Studenten,
alte Sprecher
J
eder, der regelmäßig an Universi- Originale noch gibt in Zeiten der durchorga- fachlichen Qualität ihrer Lehrveranstaltun-
täten unterwegs ist, kennt sie. In nisierten Bologna-Universitäten und all der gen aber sehr zufrieden ist? Wahrscheinlich
Diskussionsveranstaltungen sind angeblich ständig gehetzten Kreditpunk- schon, aber selbst das passt ins Bild, denn
sie oft die einzigen Studenten te-Sammler. Das Problem ist jedoch, dass der Bachelor macht die Jungen zum Gefan-
im Publikum. Wenn sie das Mik- sie mit ihren Äußerungen ein Bild studenti- genen eines Systems, dessen Perfidität sie
rofon ergreifen, folgt erst mal ein Zitat von scher Gefühlslagen beschreiben, das längst am Ende gar nicht mehr erkennen können.
Heinrich Heine, Karl Marx oder Carl von Os- nicht mehr der Realität entspricht.
D
sietzky. Sie sitzen mit Vorliebe in den AStA- ie Ironie ist, dass an letzte-
G
Büros, auch wenn ihre eigene Zeit als ge- ut lässt sich das gerade in rer Kritik sogar etwas dran
wählte Studentenvertreter oft schon zehn, Berlin und anderswo bei ist. Während die Jungen vor
15 Jahre her ist. Und wenn Journalisten der Debatte um die Drittel- allem an ihren Jobeinstieg
nach Gesprächspartnern suchen, um über beziehungsweise Viertel- denken und beim Studie-
„die aktuelle Lage der Studierenden“ zu re- parität beobachten: Kann ren Tempo machen, lassen sie die Alten für
den, sind sie die ersten, die druckreife Sätze man ja machen. Man kann möglicherweise sich reden. Und nehmen in Kauf, dass die
in die Blöcke diktieren. sogar triftige Gründe dafür finden, warum Hochschulpolitiker sich an einige der wich-
ein Mehr an mittelalterlich anmutender tigsten Themen nicht mehr herantrauen,
W
ährend das Durch- Ständevertretung die Hochschulen demo- weil die professionellen (nicht zwangsläu-
schnittsalter der kratischer machen soll. Aber entspricht die fig die gewählten!) Studierendenvertreter
Erstabsolventen Intensität, mit der beileibe nicht nur die ihnen sonst die Hölle heiß machen. Ver-
deutscher Hoch- gewählten Studentenvertreter das Thema pflichtende Beratung, mehr Orientierung
schulen zwischen verfolgen, wirklich den drängendsten Pro- im Studium? Bloß nicht! Die Verschulung
2004 und 2014 um fast anderthalb Jahre blemen und Wünschen der heutigen Stu- ist schon schlimm genug. Nachgelagerte,
auf 24,4 gesunken ist, müssen einige ihrer denten? Und wenn die Alten den Verlust sozialverträgliche Studiengebühren, damit
lautstärksten Repräsentanten bei der Frage von Diplom und Magister beklagen, merken die Studienbedingungen jetzt besser sind?
nach ihrem Studiensemester erst mal pas- sie nicht die Diskrepanz zu den Umfragen, Auf keinen Fall, das wäre neoliberal. Mehr
sen. Weil sie längst mit dem Zählen aufge- denen zufolge sich die Mehrheit der Stu- FH-Studienplätze zulasten der Universi-
hört haben. Jetzt könnte man schmunzeln denten um Studienfinanzierung und Woh- täten? Besser nicht, wo bleibt sonst Hum-
und sagen: Ist doch nett, dass es solche nungssituation Gedanken macht, mit der boldts Bildungsideal?
J
ede Generation bekommt die Stu-
dierendenvertreter, die sie ver-
dient. Auch wenn sie aus der vo-
rigen Generation stammen. Wenn
die Jungen nicht bald selbst akti-
ver werden, können sie sich über die Alten
nicht beschweren.
Dieser Artikel wurde von Jan-Martin Wiarda
zuerst auf seinem Blog www.jmwiarda.de
veröffentlicht. Dort findet ihr mehrmals wö-
chentlich aktuelle Nachrichten aus Bildung,
Hochschulen und Wissenschaft.Sprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 5
Das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts
näher beleuchtet
Liebe Studierende, Was wird konkret kritisiert Möglichkeiten für weitere Kriterien sind
am 19.12.2017 verkündete das Bundes- Im vorliegenden Fall haben zwei Bewerber z. B. vorrangegangene Ausbildungen, Mo-
verfassungsgericht sein Urteil zum NC im vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen tivationsschreiben oder weitere Tests um
Fach Humanmedizin. Auf Facebook und in geklagt. Sie begründeten ihre Klage damit, die Eignung festzustellen. Auch hier bleibt
Nachrichten an mich wurde bereits gefragt, das aktuelle Verfahren die freie Berufswahl abzuwarten, wie eine Lösung aussieht. Wei-
ob es Auswirkungen für die FernUniversität durch das Vergabeverfahren einschränke, terhin sehen die Richter eine angemessene
dieses sei auch nicht mit dem Grund- Begrenzung der Wartezeit als nötig an. Wie
gesetz vereinbar. Dem stimmten die bisher, oft länger als die Regelstudienzeit,
Richter in Teilen zu und gaben das sehen die Richter als zu lang an.
Verfahren zur endgültigen Entschei-
dung an das Bundesverfassungsge- Bedeutung für die FernUniversität
richt weiter. Hagen
Aktuell ist nur ein Studiengang an der
In diesen Punkten muss sich FernUniversität in Hagen von einer offi-
das Verfahren ändern ziell geplanten Zulassungsbeschränkung
Ein Punkt, der kritisiert wurde, ist die betroffen bzw. bedroht. Es handelt sich
Ortspräferenz, sprich, wo möchte um den Masterstudiengang in Psycholo-
man studieren. Dabei müssen sechs gie. Dieser ist aktuell noch ohne NC. Zieht
Ortspräferenzen angegeben werden. man die Kritikpunkte der Richter heran, so
Bereits hier kann es passieren, dass muss man zu dem Schluss kommen, dass
ein Bewerber aufgrund der „falschen“ der Masterstudiengang in Psychologie nicht
Präferenz aus dem Verfahren fällt. vom Richterspruch betroffen ist. Weder
Grund hierfür ist die hohe Zahl der Be- müssen Bewerber an der Fernuniversität
werber pro verfügbaren Platz, es zählt eine Ortspräferenz angeben noch gibt es
jede Kleinigkeit, selbst die Ortsprä- Eignungstests, und auch eine Wartezeit ist
haben könnte. Daher beschäftige ich mich ferenz. Dieses Vorgehen ist laut den Rich- nicht vorgesehen. Zudem bewirbt man sich
im Folgenden mit dem Urteil und evtl. Fol- tern nicht mit der Forderung des Grund- nicht mit Abiturnoten, sondern mit den No-
gen für uns an der FernUniversität in Hagen. gesetzes nach gleicher Teilhabe vereinbar. ten aus dem vorangegangen Studium, des-
Die Begrenzung auf sechs Orte wird als zu sen Noten nach der Bologna-Reform in der
Das bisherige Verfahren willkürlich angesehen, außerdem darf die Theorie bundesweit vergleichbar sind. Inte-
Das aktuelle Verfahren sieht so aus, dass Ortspräferenz kein Primärkriterium im Aus- ressant könnte der Richterspruch dagegen
(nach Abzug von Auslandsstudierenden wahlverfahren darstellen. werden, wenn Bachelorstudiengänge von
und Härtefällen) 20 Prozent der verfügba- einem NC betroffen wären. Ob dies in Ha-
ren Plätze strikt an die Bewerber mit den Ein weiterer, großer Problempunkt, den die gen allerdings der Fall sein wird, ist aktuell
besten Abiturnoten vergeben werden. Die Richter sehen, ist die Vergleichbarkeit der unklar.
Vergabe erfolgt dabei zentral. Abiturnoten über die Ländergrenzen hin-
weg. Wie man hier vorgehen will, bleibt Tatsächlich könnte aber eine ganz andere
Weitere 20 Prozent der Plätze werden über abzuwarten. Ganz allgemein müssen nach Sache interessant sein: Das Bundesverfas-
die Wartezeit vergeben. Wartezeiten von dem Richterspruch aber alle Verfahren zur sungsgericht sagt, dass andere Kriterien
über 15 Semestern waren dabei möglich. Eignungsfeststellung gewissen Standards als die Note sehr wohl zulässig sind. Bis-
Die übrigen 60 Prozent der Plätze werden unterliegen. Tatsächlich ziehen unter- her wurde an der FernUniversität meinen
von den einzelnen Hochschulen vergeben. schiedliche Hochschulen auch unterschied- Informationen nach noch nicht darüber
Dabei können diese zusätzlich zur Abitur- liche Kriterien heran, die Gewichtung ist nachgedacht, ob man weitere Kriterien
note weitere Kriterien zur Auswahl heran- selbst bei gleichen Kriterien nicht zwangs- heranzieht. Geeignete Kriterien könnten
ziehen. Aktuell nehmen an diesem Verga- weise überall gleich. durchaus einen Vorteil für die Studierenden
beverfahren 35 Hochschulen teil. der FernUniversität bieten. Häufig ist es so,6 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018 dass unsere Studierenden über eine lange Berufspraxis verfügen oder neben dem Beruf studiert haben. Oft leidet die Studienleis- tung darunter, der Vergleich mit Studierenden anderer Universitäten fällt schwer, besonders, wenn deren Leistungen im Vollzeitstudium in jungen Jahren ohne berufliche Verpflichtungen erreicht wurden. Nach meinem Verständnis spricht nichts dagegen, den Richter- spruch als Möglichkeit zu nutzen, auf die FernUniversität einzuwir- ken, damit geeignete Kriterien gefunden werden, um die spezielle Situation unserer Studierenden besser abzubilden. Natürlich ist dies mit Kosten, Risiken und einigen ideologischen Fragen verbunden. Verfahren zur Eignungsfeststellung sind mit Kosten verbunden. Diese muss man im Auge behalten! Risiken sind hauptsächlich im Bereich des rechtlich Zulässigen zu suchen, man sollte aber für alle Möglichkeiten offen sein und zwar von allen Sei- ten. Dazu zählten die FernUniversität, die Studierenden und auch die Studierendenvertretung. Und da kommen wir leider zu einem schwierigen Punkt, nämlich einem ideologischen. Dieser ist mir per- sönlich sehr aufgefallen, als ich die in dieser Ausgabe abgedruckte Pressemitteilung des AStA in den sozialen Medien geteilt habe. Die möglichen Herangehensweisen sind sehr vielfältig und das zeigten auch die zahlreichen Reaktionen. Viele waren alternativen Kriterien gegenüber aufgeschlossen, andere beharrten auf dem Standpunkt, Noten wären ein sehr guter Gradmesser für die Studierfähigkeit von Bewerbern. Klar sein muss einem übrigens auch, dass weitere, evtl. sogar qualitative Kriterien, zu einer Entobjektivierung des Bewer- bungsvorgangs beitragen. Dieser, nicht unberechtigten, Kritik müss- te man sich stellen. Ich möchte an dieser Stelle aber keine ideolo- Fabian Maryanowski gische Diskusion eröffnen, ich möchte nur zeigen: Hier gibt es viel AStA-Referant für Öffentlichkeitsarbeit und Internationales, Mitglied zu klären! Die Klärung muss aber möglichst zeitnah erfolgen, sofern des Fachschaftsrates WiWi (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit) Er- man diesen Weg beschreiten möchte. Ich denke, die Studierenden- satzmitglied im SP, Mitglied des BHS Beirats vertretung wird in dieser Sache aber schnell aktiv werden und auf Freie Studentische Allianz eine Kooperation mit der Universität hinarbeiten. fabian.maryanowski@studium.fernuni-hagen.de
Sprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 7
Die rätselhafte
Studierendenstatistik
Ein Erlebnisbericht
J
a, ich gebe es offen zu: Das Fach Doch halt, zu früh gefreut. Denn unvermit- So ist u. a. die Zunahme um 492 Akademie-
Statistik war nie mein Stecken- telt kreuzt die Studierendenstatistik der studierende nun als eine Zunahme um 13,4
pferd – weder damals in der Schu- FernUniversität meinen Weg. Prozent ausgewiesen. Und die Zunahme um
le noch später in meinem ersten 76 Weiterbildungsstudierende entspricht
Studium. Fast folgerichtig fiel ich Viele Zahlen – und viele Rätsel. jetzt einer Zunahme um 2,6 Prozent.
durch meine erste Statistik-Prüfung durch, In dieser Statistik finde ich u.a. eine Zahlen- Klasse, wunderbar, ja … großartig! Nun sind
und den zweiten Anlauf schaffte ich ledig- kolonne zur Entwicklung der Akademiestu- die Studierendenzahlen selbst für Statis-
lich mit Ach und Krach. dierenden. So ist im Sommersemester 2015 tik-Dummys wie mich einleuchtend und
Dies war eine riesige Erleichterung, denn gegenüber dem Sommersemester 2014 ein nachvollziehbar.
somit durfte ich mein Studium fortsetzen. Plus von 492 Studierenden zu verzeichnen;
Grund genug also, die Sektkorken knallen relativ ist dies als ein Minus von 6,4 Prozent Statistik und Hochschulpolitik.
zu lassen. beziffert. Hmmm ... merkwürdig. Zum Schluss kehren damit wieder Zufrie-
Zögernd wandert mein Blick zur nächsten denheit und Erleichterung in Sachen Sta-
Statistik: Sie holt mich wieder ein. Spalte der Statistik: Im Bereich Weiterbil- tistik ein: Nach mehreren Jahren sind die
Nun, etliche Jahre später, bin ich als Aka- dung ist im Wintersemester 2013/14 ge- publizierten Studierendenzahlen endlich
demiestudierender an der FernUniversität genüber dem Wintersemester 2012/13 ein im Lot.
eingeschrieben. Hier sind meine akademi- Plus von 76 Studierenden zu konstatieren;
schen Freiheiten deutlich größer als je zu- dies ist als ein relatives Minus von 2,2 Pro- Solche Statistiken sind weder Tand noch
vor. zent deklariert. bloßer Selbstzweck. Denn sie werden im-
Vor allem genieße ich den Luxus, von Sta- Und weitere Beispiele mit solch mer mehr zur Basis wichtiger hochschulpo-
tistik verschont zu bleiben, etwa wenn ich flexiblen Vorzeichen-Setzungen finden sich. litischer Entscheidungen – für oder gegen
Themen im Bereich Organisationsentwick- Hmmm ... uns Studierende.
lung vertiefe. Und dann erst diese ruhige, Und gerade einer Wissenschaftsorganisa-
gut sortierte Universitätsbibliothek – ein- Suche nach Lösungen. tion stehen korrekte Statistiken besonders
fach paradiesisch. Verwirrt fahre ich meinen PC hoch und gut zu Gesicht.
tippe die Zahlenkolonnen in ein Tabellen-
kalkulationsblatt. Ich rechne hin, ich rech- Einen guten Start in das neue Jahr
ne her. Doch dieser verflixte Computer ist und erfolgreiche Statistik-Klausuren
einfach nicht in der Lage, die Rätsel um die wünscht euch
Studierendenstatistik zu lösen.
Meine Verwirrung schlägt um in Frustration: Thomas
Sitzt das eigentliche Problem womöglich
vor dem PC? Muss ich gar diesen ätzenden
Statistik-Grundkurs wiederholen?
In meiner Not fasse ich einen kühnen Ent-
schluss: Ich schreibe eine E-Mail an die
FernUniversität und bitte um Unterstützung
bei einer Lösung der Rätsel um die Studie-
rendenstatistik.
Die FernUniversität wird aktiv.
Zwölf Tage vergehen. Da sehe ich im Inter- Dr. Thomas Faust
net, dass das Berichtswesen der FernUni- Beratendes Mitglied des Studierendenpar-
versität bezüglich der Studierendenstatistik laments für das Akademiestudium
aktiv geworden ist. thomas.faust@studium.fernuni-hagen.de8 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
Die Ausgaben der Studierendenschaft
im Haushaltsjahr 2017/2018
Liebe Studierende, der AStA-Reisekostenansatz konnte dass Zuwendungen an Studierende
halbiert werden. nicht als „Geschenke“ (verlorene
an dieser Stelle möchte ich euch vorstellen, • Alle zwei Jahre wird gewählt. Die Zuschüsse), sondern nur als
wofür in diesem Haushaltsjahr eure Beiträge geplanten Ausgaben hierzu sind grundsätzlich rückzahlungspflichtige
verwendet werden – und da das Jahr bereits in einem eigenen Datenbereich Darlehen gewährt werden dürfen.
läuft, auch über aktuelle Entwicklungen angeführt. Über die Vergabe entscheidet das
berichten. • Es wurden gesonderte Mittel für Sozialreferat.
Inklusion und Gleichstellung in Höhe • Im Bereich Sonstige Ausgaben sind
von 22.500 € bereitgestellt. Diese diesmal Mittel in Höhe von 40.000
Der kommende Haushalt umfasst folgende wurden vorher auf verschiedene € für die mögliche Einrichtung
Ausgaben: andere Konten aufgeteilt. Diese Mittel einer Pedelec-Station an der
sollen verwendet werden für bspw. Bildungsherberge eingestellt.
Auch hierzu noch einige Erläuterun- Gebärdendolmetscher, Hilfsmittel,
gen: spezialisierte Veranstaltungen und
barrierearme Dokumente.
Es sind Ausgaben in Höhe von 1,873.960,71 • Der Bereich Sozialdarlehen enthält
Mio. € geplant. Hiervon entfallen 396.000 € auch Mittel für einen Sozialfonds für
auf die Fachschaften. bedürftige SeminarteilnehmerInnen in
Höhe von 20.000 €. Aus diesen Mitteln
• Insgesamt konnten die können Interessierte, bedürftige
Ausgabenansätze für Reisekosten im Personen gemäß § 46 Abs. 4 unserer
Vergleich zu vorherigen Haushalten Satzung Reisekostenerstattungen
reduziert werden, insbesondere erhalten. Hier ist jedoch zu beachten,Sprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 9
Einnahmen: Ausgaben für Seminare weit hinter den die Voraussetzungen beraten euch gerne
Planungen zurück. meine Kolleginnen Joana Kleindienst und
Es werden folgende Einnahmen erwartet: • Positiv ist zu bewerten, dass die Gudrun Baumgartner.
Einnahmen aus Förderungen durch das
• Studierendenschaftsbeiträge: Bundesminisiterium für Bildung und Es lässt sich trefflich Wahlwerbung
1.380.000,00 € Forschung deutlich höher sind, als bei damit machen, dass man doch das teure
• Überschuss des Vorjahres: der Aufstellung des Haushaltsplanes SprachRohr abschaffen könnte, um mehr
195.840,71 € ersichtlich war. Geld für Seminare zu haben. Leider geht
• Veranstaltungen, Seminare, • Es sind einige überflüssige Ausgaben, das an der Realität vorbei, denn bereits
Förderungen: insbesondere für Verpflegung, das zur Verfügung stehende Geld wird
103.120,00 € Zimmer und Räume zu beobachten. lange nicht vollständig abgerufen – und
• Entnahme aus der Sonderrücklage Gegenmaßnahmen sind bei der selbst wenn, würde ich dafür Sorge tragen,
Wahlen: aktuellen Rechtslage, nach der AStA- dass alles, was den Studierenden zugute
195.000,00 € Referenten freihändig und alleine über kommt, auch durchgeführt werden kann.
Ausgaben bis zu 1000 € entscheiden Fakt ist auch, dass ohne SprachRohr die
können, soweit sie ihr Referat betreffen, Mittel Seminare und Veranstaltungen noch
Gesamt: 1.873.960,71 € leider kaum möglich. viel weniger abgerufen werden. Also: Nutzt
unsere Leistungen!
Liebe Studierende, wie man weiß,
schimpfen Finanzverantwortliche stets mit
allen. Das gehört sich so. Also „schimpfe“
Aktuelle Entwicklungen: ich jetzt auch mit euch. Unverschämtheit,
wie kann er nur?!
• Mit Sorge wird derzeit die Entwicklung
der Ausgaben für die Reisekosten und Aus einem guten Grund: Ihr nehmt
Aufwandsentschädigungen für dei viel zu wenige Leistungen der
StudierendenvertreterInnen gesehen. Studierendenvertretung in Anspruch. Es ist
Nach mehreren Sondersitzungen des genug Geld für Seminare und Mentoriate
Studierendenparlaments sind nach gut da, insbesondere die neuen Online-
drei Monaten bereits knapp 40 Prozent Mentoriate. Findet euch zusammen, findet Carsten Fedderke
der jeweiligen Budgets aufgebraucht. eine Mentorin oder einen Mentor und lasst Finanzreferent
• Weiterhin bleiben in der Fachschaft euch jene von der Studierendenschaft carsten.fedderke@asta-fernuni.de
Rewi sowohl Einnahmen als auch bezahlen – das geht! Über das Wie und
Erläuterungen zu den Einzelposten in der Grafik:
Abkürzungen:
BHS: Bildungsherberge; SBV:
Studienbegleitende Veranstaltungen; Veranstaltungen usw. enthalten alle
ÖA: Öffentlichkeitsarbeit; SKP: Honorare und weitere Veranstaltungskosten,
Sachkostenpauschale auch die der Fachschaften.
Die Aufwandsentschädigungen enthalten Bewirtung und Raumkosten:
alle Aufwandsentschädigungen (feste Zusammengefasst, weil in den Fachschaften
und variable), auch die für Unigremien unter „Sonstige Kosten“ gebucht. Enthält
und Fachschaften. Lediglich die AEen für also jene sowie die aller übrigen.
Interessengruppen sind im eigenen Posten
Interessengruppen inkludiert. Recht und Sonstige: Enthält auch
Hochschulsport, Internationale Beziehungen
Reisekosten: Dito. und andere Kleinausgaben, die sich keinem
anderen Bereich zuordnen lassen.
Die Geschäftsausgaben bestehen im
Wesentlichen aus den Gehältern der Interessengruppen: LandesAStenTreffen,
Büroangestellten. Aktionsbündnis gegen Studiengebühren10 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
Die gewählten
Gremien an der
FernUniversität:
Teil 2
Liebe Kommilitoninnen und Kom-
militonen,
von Februar bis März 2018 finden die
Hochschulwahlen zu den Unigremien
statt, getrennt davon nicht nur zeitlich,
sondern auch organisatorisch, die Wah-
len der Studierendenschaft vermutlich
im Juni 2018. Den Hintergrund für diese
Trennung der Wahlvorgänge bzw. der Gre-
mien habe ich in der letzten Ausgabe des
SprachRohrs dargestellt. Kurz zusammen-
gefasst bestehen an der FernUniversität in
Hagen zwei getrennte Vertretungen:
• die Gremien der Universität (Senat,
Fakultätsräte),
• die Gremien der verfassten Studie-
rendenschaft (Studierendenparla-
ment, Fachschaftsräte). Die verfasste Studierendenschaft Durch dieses Wahlrecht kann mit einer
Der verfassten Studierendenschaft gehö- Stimme pro Person für das jeweilige Gre-
Im ersten Teil des Artikels in der Ausgabe ren alle ordentlich eingeschriebene Stu- mium wie das Studierendenparlament
2017/4 habe ich die Gremien der Uni- dentinnen und Studenten an, d.h. alle, die oder den zugehörigen Fachschaftsrat an
versität beschrieben. Im zweiten Teil des Ersthörer an der FernUniversität in Hagen den Wahlen aktiv, d. h. als Wähler, teilge-
Artikels folgen nun die Gremien der ver- sind und dementsprechend ihre elf Euro nommen werden. Durch das passive Wahl-
fassten Studierendenschaft, wobei des Studierendenschaftsbeitrag zahlen, sind recht kann jedes Mitglied der verfassten
Umfangs wegen der Allgemeine Studie- per Gesetz Mitglieder der verfassten Stu- Studierendenschaft auch selbst für die
rendenausschuss (AStA) hier ausgeklam- dierendenschaft und damit mit aktivem Organe der studentischen Selbstverwal-
mert werden soll und in einem dritten Teil und passivem Wahlrecht versehen. tung kandidieren.
in der Ausgabe 2018/2 folgt.Sprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 11
11
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ͻ ^ŽnjŝĂůůĞŝƐƚƵŶŐĞŶ12 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
Die Satzung ist quasi das Grundgesetz AStA, der einer Regierung der Studieren- die Bedeutung dieses Parlaments nicht zu
der verfassten Studierendenschaft an der denschaft entspricht. unterschätzen.
FernUniversität in Hagen. Derzeit haben Die Größe des Studierendenparlaments
alle Fachschaftsräte sieben Mitglieder, dies regelt die Satzung der Studierendenschaft. Dieser Artikel liefert einen Überblick über
zeigt, es sind recht kleine Gremien. Wer in Diese Größe richtet sich nach der Zahl der die in der verfassten Studierendenschaft
einer größeren Stadt lebt, kann dies mit eingeschriebenen ordentlichen Studieren- zu wählenden Gremien. Im dritten Teil soll
einem Stadtteilgremium vergleichen, z. B. den und beträgt derzeit 27 Sitze. Abhängig noch gesondert der Allgemeine Studieren-
einem Bezirksrat. Das Studierendenparla- von dem Stimmenanteil bei den Hoch- denausschuss behandelt werden, dessen
ment ist dem Fachschaftsrat in der Hier- schulwahlen erhalten die kandidierenden Aufgaben einen eigenen Teil dieser Reihe
archie übergeordnet, vergleichbar wie der Hochschulgruppen Sitze in diesem Parla- rechtfertigen.
Stadtrat dem Bezirksrat übergeordnet ist. ment. Als höchstes Gremium der verfass-
ten Studierendenschaft legt das Studie-
Diese Analogie zeigt, dass der Fachschafts- rendenparlament mit einer 2/3 Mehrheit Euer Referent für Hochschulpolitik
rat näher an der Basis, also den Studieren- auch die Satzung der Studierendenschaft
den ist. Der Fachschaftsrat ist somit der fest. Mit einfacher Mehrheit entscheidet es
Ansprechpartner für unmittelbare fachspe- auch über den Haushalt, der durch die elf
zifische Fragen zum Studium, soweit dies Euro Studierendenschaftsbeitrag finanziert
die studentische Selbstverwaltung klären und durch den AStA als Beschlussvorlage
kann. Er organisiert z. B. Seminare, Tagun- eingebracht wird. Aus seiner Mitte wählt
gen und andere Dinge, die dem Fortschritt das Parlament auch einen Vorsitz, der für
im Studium weiterhelfen. Hierzu haben die die Sitzungsleitung, inkl. der Einladungen
jeweiligen Fachschaftsräte ein finanzielles zu den Sitzungen, verantwortlich ist.
Budget, dass aus den elf Euro Studieren-
denschaftsbeitrag stammt. Dies sind aller- Wie bei Parlamenten üblich werden Teilauf-
dings keine Selbstbewirtschaftungsmittel, gaben in Ausschüsse und Arbeitsgruppen
d. h. der Fachschaftsrat ist nicht autonom verwiesen. Ein per Satzung verpflichtender Dr. Bernd Huneke
in seinen Finanzen. Das Budget wird vom Ausschuss ist der Haushaltsausschuss, der Stellv. AStA-Vorsitzender, Sprecher Fach-
Studierendenparlament beschlossen und wie der Name sagt, sich um Haushaltsfra- schaftsrat WiWi
durch den Allgemeinen Studierendenaus- gen, also die Finanzen, kümmert. Ein wei- (RCDS)
schuss (AStA) bzw. den Finanzreferenten terer fester Ausschuss ist dem Namen nach bernd.huneke@asta-fernuni.de
des AStAs eingestellt und verwaltet. der AStA, d. h. der Allgemeine Studieren-
Aus der Mitte seiner sieben Mitglieder denausschuss. Dieser hat allerdings eine
wählt der Fachschaftsrat seine Funktions- Sonderrolle, da er einer Regierung ent-
träger. Das sind mindestens der Sprecher spricht und vom Studierendenparlament
(d. h. der Vorsitzende) und der Mittelver- gewählt wird. Dementsprechend ist der
walter. Der oder die Sprecher (es können AStA dem Studierendenparlament verant-
auch zwei gewählt werden) sind für die wortlich, berichtet dort über seine Aktivi-
Sitzungen verantwortlich und leiten das täten und stellt sich falls notwendig auch
Gremium. Der Mittelverwalter ist für den kritischen Fragen. Dies zeigt auch die Un-
Haushalt verantwortlich, wobei er keine terschiede zum Fachschaftsrat, der Parla-
Zahlungen selbst ausführen kann, wie ge- ment und Regierung in einem ist, mit dem
sagt ist der Fachschaftsrat nicht finanziell Sprecher als primus inter pares. Das Stu-
autonom. Zusätzlich können Beauftragte dierendenparlament ist dies nicht, sondern
für spezielle Angelegenheiten gewählt trennt zwischen Studierendenparlaments-
werden. Dies sind üblicherweise der Öf- vorsitz als Sitzungsleitung und indirekt ge-
fentlichkeitsbeauftragte und der Semi- wähltem AStA als Regierungsorgan.
narkoordinator, wobei jeder Fachschaftsrat
die Zusatzaufgaben auch anders regeln In das Studierendenparlament können An-
kann. träge als Beschlussvorlagen eingebracht
werden, die als Arbeitsaufträge an den
AStA gehen, oder auch in parlamentsei-
Das Studierendenparlament genen Ausschüssen und Arbeitsgruppen
Im vorherigen Kapitel wurde die Analogie bearbeitet werden. Die Königsdisziplin
zur kommunalen Selbstverwaltung schon des Studierendenparlaments ist allerdings
eingeführt. Das Studierendenparlament der Haushalt, sei es die Festlegung der
ist dementsprechend in der Hierarchie Einnahmen, inkl. der Höhe des Studieren-
das höchste Gremium der studentischen denschaftsbeitrags, und die Festlegung
Selbstverwaltung und für den Beschluss der Ausgaben, d. h. der Verwendungszwe-
über den Haushalt verantwortlich. Auch cke. Dazu kommt die Wahl des AStAs als
wählt das Studierendenparlament den Regierungsorgan. Dementsprechend istSprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 13
Mit Blended Learning
13
zum Erfolg
Auf der Online, Open and Flexible Higher Educa-
tion Conference (OOFHEC) 2017 wurde über die
Zukunft der Fernlehre und Best Practices für
einen erfolgreichen Abschluss nachgedacht
D
ie diesjährige Konferenz der Europäischen Vereinigung der
Fernlehrenden Universitäten (EADTU) fand in Milton Keynes, der
Heimatstadt der Open University (OU) statt. Die OU ist nicht nur
die größte staatliche Fernuniversität Großbritanniens, sondern
auch weltweit in der Fernlehre führend. Welche Location könnte
passender sein, um die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte zu resümieren und
über „HIGHER EDUCATION FOR THE FUTURE“ nachzudenken?
M
ilton Keynes kennen einige vielleicht aus der Schule als eine der „New
Towns“, Planstädte, die in den 1960er Jahren zur Entlastung von Bal-
lungszentren wie London gebaut wurden. Einem Besucher fällt hier
zunächst auf, dass es überall viel Platz gibt: breite, vierspurige Straßen,
großzügige Parkanlagen und Unterführungen für Fußgänger und Rad-
fahrer, die auch breit genug für die Durchfahrt von Pkws wären.
Offenbar nicht genug Platz jedoch für Menschen, die sich hier keine Wohnung
leisten können, denn auf den zweiten Blick entdeckt man in vielen Unterführungen, in
unmittelbarer Nähe nobler Hotels oder auch vor der überdimensionalen Shoppingmall
Zelte. Nein, es sind keine Zelte einer Verkaufsausstellung, sondern Unterkünfte von Ob-
dachlosen.
U
nwillkürlich fragt man sich, ob das Los dieser Menschen ein anderes
wäre, wenn sie eine bessere Ausbildung oder eine staatlich geförderte
oder gar finanzierte Ausbildung genossen hätten, wie wir sie in der Bun-
desrepublik als selbstverständlich hinnehmen. Wie wichtig und nötig
freier Zugang zu Bildung ist und in Zukunft sein wird, wurde jedoch auch
auf dieser internationalen Konferenz in den Keynotes formuliert.14 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
Für die unmittelbare Zukunft wurde auf der Konfe-
renz allerdings vor allem ein anderes Problem als vor-
rangig ausgemacht:
„How should open universities dress now that the ‘conventional’ universities
have stolen our cloths?“ Sir John Daniel
K D
onventionelle Präsenzuniversitäten ass Blended Learning als innovative
haben auf veränderte Bedürfnisse und Lösungsstrategie neu aufgelegt wird,
technische Möglichkeiten reagiert und mag nur auf den ersten Blick verblüf-
bieten Studiengänge an, die ebenfalls fen. In Zusammenarbeit mit führenden
ortsunabhängig und berufsbegleitend Universitäten soll ein „maturity model
studiert werden können. Hier gilt es konkurrenzfähig for the development of blended degree education“
zu bleiben. Nach der Begeisterung über hohe Stu- entstehen, dass die Interessen aller Stakeholders von
dierendenzahlen in den vergangenen Jahren widmet Regierung über Lehrende, Technologieverantwortli-
man sich inzwischen vermehrt der Frage, wie Studie- che usw. bis hin zu den Studierenden berücksichtigt.
rende gehalten und darüber hinaus zu einem erfolg- Eine Stärkung von face-to-face-Komponenten
reichen Abschluss geführt werden können. wird dabei als unverzichtbarer Bestandteil gesehen.
Dabei handelt es sich keineswegs um „Nachhilfe vor
Ort“, die „gute Fernstudierende“ eigentlich nicht nö-
tig haben. Dass darüber hinaus Repetitorien, betreute
Lerngruppen und der Erwerb zusätzlicher Skills de-
zentral angeboten werden können, steht dazu nicht
im Widerspruch.
Ein Fernstudium ist überwiegend
durch Lebensumstände bedingt
– nicht dadurch, dass Fernstudis
niemanden treffen wollen
Das Programm der Konferenz findet ihr auf der Webseite der EADTU https://confe-
rence.eadtu.eu/. Die einzelnen Beiträge könnt ihr teilweise im Internet recherchieren.
Die vollständige Message von Milton Keynes gibt es hier: https://conference.eadtu.eu/
images/OOFHEC2017/2017_-_Message_of_Milton_Keynes.docx
Dr. Gudrun Baumgartner
(Grau & Schlau)
AStA-Referentin für Studium und Be-
treuung Süd/West und Hochschulsport
gudrun.baumgartner@asta-fernuni.deSprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 15
Hochschulpolitischer
15
Workshop 2018
Liebe Kommilitoninnen und Kom- eher ein Nischendasein. Nur wenige Politi- ordnungen und anderen Entscheidungen
militonen, ker und Politikerinnen nennen Hochschul- der Fakultät mitwirken können. Oder auf
politik als ihr Spezialgebiet, Schulpolitik der studentischen Ebene die Fachschafts-
für diesen Sommer vom Freitag, dem 22. ist für viele interessanter und scheinbar räte, die als Basisgremium die Interessen
bis zum Sonntag, dem 24.6.2018 organi- wichtiger. Das ist um so erstaunlicher, be- der Studierenden bündeln, gegenüber der
sieren wir wieder einen hochschulpoliti- trachtet man die Wichtigkeit guter akade- Universität ansprechen, aber auch vieles
schen Workshop in Hagen. Dieser richtet mischer Bildung für die Zukunftsfähigkeit vor Ort organisieren wie z. B. Seminare, In-
sich gezielt an Einsteiger, also an diejeni- unseres Landes. Zudem haben die meis- fo-Flyer und anderes.
gen, die nach den Hochschulwahlen 2018 ten Abgeordneten früher einmal selbst
in Gremien gewählt worden sind bzw. gera- studiert oder waren teils auch selber in
de kandidieren, da sich voraussichtlich die der Studierendenvertretung aktiv. Hochschulpolitische Schulung
Wahlen auf den Juni verschieben. Wir ha- Hochschulpolitik braucht auch wie je-
ben bewusst das Wochenende nach dem Viele von uns wollen und können sich des ehrenamtliche Engagement ständig
Campusfest (22.6.2018) gewählt, um den nur auf ihr Studium konzentrieren. Dies Nachwuchs, wobei insbesondere an Uni-
Teilnehmern am Anreisetag den Besuch ist verständlich, denn schon hierfür Zeit versitäten die Fluktuation größer ist, denn
als Rahmenprogramm zu ermöglichen. Für aufzubringen ist schwer. Um so wichtiger irgendwann nähert sich das Studium dem
dieses Jahr haben wir eine unterstützende ist es, immer wieder neue Interessierte zu Ende und die Expertise der Absolventen
Finanzierung durch das BMBF erhalten, so finden, die sich in den Gremien engagie- verlässt uns. Mit diesem Workshop wol-
dass wir eine Teilnehmerzahl 15+ anstre- ren, um die ausscheidenden Mitglieder zu len wir daher Interessierten und neuge-
ben. Der Kern des Programms beruht auf ersetzen. Denn unabhängig davon, ob es wählten Mitgliedern in den Gremien die
dem des Vorjahres, wobei wir einige ver- ein studentisches oder universitäres Gre- Grundlagen der Hochschulpolitik nahe-
tiefende Erweiterungen planen. mium ist, eine Beteiligung unsererseits bringen und für einen Wissenstransfer
ist wesentlich, um so die Entwicklung an sorgen. Denn gute Kenntnisse gleich zu
unserer Hochschule in die gewünschte Beginn des Engagements stärkt nicht nur
Warum Hochschulpolitik Richtung zu bewegen. Beispielhaft seien die Motivation, sondern auch die Erfolgs-
Hochschulpolitik ist vielfältig, dennoch hier die Fakultätsräte genannt, in denen chancen insbesondere bei der Mitarbeit in
führt sie im Rahmen der „großen“ Politik die studentischen Mitglieder an Prüfungs- Universitätsgremien.16 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
An Vorträgen soll der Workshop unter ande- eingeladen wird, wie Anträge für Beschlüs- schreibt mir bei Rückfragen. Bitte gebt auch
rem behandeln: se geschrieben werden und auch was bei an, ob und welche Übernachtungen ihr be-
den verpflichtenden Protokollen der Sitzun- nötigt, so dass das AStA-Büro dies für euch
• Aufbau der studentischen und univer- gen zu beachten ist. organisieren kann.
sitären Gremien,
• Aufbau und Aufgaben des AStAs, Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnah-
• Inhalte der Fachschaftsratsarbeit, Teilnahme und Rahmenprogramm me.
• Mitarbeit als studentische Mitglieder Der eigentliche Workshop beginnt am
in universitären Gremien, Samstag (23.06.) um 9 Uhr und wird vor-
• Widerspruchsverfahren und Prüfungs- behaltlich von Änderungen am Sonntag
ausschuss, (24.06.) ca. 16 Uhr enden. Für alle, die schon
• Nachteilsausgleichsregelungen im Stu- am Freitag anreisen können, steht der Be-
dium, such des Campusfestes auf dem Unigelän-
• Hochschulpolitik in Deutschland und de frei.
NRW. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben.
Die Studierendenschaft übernimmt auch
Ergänzt werden soll dieses Vortragspro- die Übernachtungskosten und stellt die Ver-
gramm durch eine Besichtigung der Uni- pflegung bereit. Soweit wie möglich erfolgt
versitätsbibliothek, was schon 2017 ein die Unterbringung am Tagungsort in der Dr. Bernd Huneke
interessanter Punkt war, und eine konkrete Bildungsherberge der Studierendenschaft. Stellv. AStA-Vorsitzender, Sprecher Fach-
Vorbereitung für die Arbeit in den studenti- Aus organisatorischen Gründen müssen wir schaftsrat WiWi
schen Gremien wie Fachschaftsrat und Stu- die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzen. (RCDS)
dierendenschaftsparlament. In diesem Teil bernd.huneke@asta-fernuni.de
des Workshops sollen die Teilnehmer unter Falls eurerseits Interesse an einer Teilnah-
anderem lernen, wie korrekt zu Sitzungen me besteht, meldet euch bei mir an, oder
Studienfinanzierung
mit BAföG
Immer weniger erhalten BAföG. Dabei fehlt gang mit Gesetzen und Verordnungen trai-
oft nur die Kenntnis, dass Förderung dem nieren. Umfang und genauen Ablauf wer-
Grunde nach möglich ist, und dann, wie den wir Vorkenntnissen und Erwartungen
diese Förderung beantragt wird. Die Alters- der TeilnehmerInnen anpassen. Mitgebrach-
grenzen von 30 bzw. 35 Jahren z.B. bei Mas- te Fragen können wir vor Ort klären – sofern
terstudiengängen widersprechen der Idee es komplexe Fälle sind, wäre es ratsam, sie
des lebenslangen Lernens. Das von den vorab per Mail zu übermitteln.
meisten Studierenden der FernUniversität
gewählte Teilzeitstudium ist nach den För- Die Kritik an der Bafög-Politik der Regierung
derrichtlinien sogar überhaupt nicht vorge- ist nicht Thema des Seminars, wir bleiben
sehen. dabei – das Bafög ist mit den heutigen Stu-
dienbedingungen kaum kompatibel. Schon
Ausnahmeregelungen erlauben es aber die Begrenzung der Förderung der Regel-
auch Älteren, Leistungen zu beziehen. Wie studienzeit ist Unsinn, wenn nur etwa 40
das klappt, wollen wir klären, und Antwor- Prozent der Studierenden innerhalb dieser
ten auf andere offene Fragen finden wir Frist fertig werden. Nach dem Deutschen
auch. Nach der Vermittlung der rechtlichen Studentenwerk benötigen Studierende
Grundlagen des BAföG wollen wir den Um- über 900 Euro, also einen deutlich höherenSprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 17
Betrag als den politisch administrierten sog. Programmvorschlag Personen, die nicht in der Lage sind, die Fahrt-
maximalen Förderbetrag von 735 Euro pro Freitag, 13.04.2017 kosten zu finanzieren, können einen Antrag
Monat. Ein Studium bedeutet nämlich sonst 18 Uhr: Begrüßung, Kennenlernen auf Kostenübernahme stellen (s. § 46 Abs. 4
wie bisher für die derart „Geförderten“ so 19 Uhr: Einführung in das Seminar und Er- unserer Satzung: Reisekostenvergütung).
oft ein Leben an der Armutsgrenze. Wir wartungsabfrage Für bedürftige TeilnehmerInnen an Semina-
brauchen eine erhebliche Erhöhung und Abendessen ren des AStA und der Fachschaften werden
Ausweitung des BAföG, orientiert an der Le- Samstag, 14.04.2017 die Reisekosten auf Antrag übernommen.
bensrealität der Studierenden. Unregelmä- 09 Uhr: Einführung ins BAföG – rechtliche Der Nachweis der Bedürftigkeit ist in geeig-
ßige Erhöhungen des BAföG – passend zu Grundlagen neter Form zu erbringen, z.B. durch einen
Wahlen – zeigen, dass eine automatisierte Danach: Vertiefung BAföG, Leistungsan- Bescheid über ALG II, BAföG oder BAB. Über
Anpassung der Studienfinanzierung an die spruch, Fachwechsel, Abbruch, Förderungs- den Antrag entscheidet das zuständige
Lebenshaltungskosten wünschenswert ist. dauer, AStA-Referat.
Dieses Seminar steht allen Interessierten Eignungsnachweis, Rechtsdurchsetzung,
offen, für Studierende der FernUniversität Verfahren, Widerspruch
ist das Seminar kostenfrei. Zur besseren 13 Uhr: Mittagessen – danach: Themen- Anmeldung/Info:
Planung bitten wir, sich frühzeitig anzumel- fortsetzung Vorsitz Haushaltsausschuss Ulrich Schnei-
den. Die Anmeldung muss spätestens bis Abendessen der (linke Liste)
Ende März erfolgt sein. Sonntag, 15.04.2017 ulrich.schneider@sv-fernuni.de
9 Uhr: Möglichkeiten, Grenzen, Perspektive,
Abschlussrunde
12:30 Uhr: Mittagessen und Abreise18 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
LaKof – Kirsten
Pinkvoss neue
Sprecherin
D A
ie Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten n dieser Stelle sei noch mal darauf hingewiesen,
der Hochschulen und Universitätsklinika in NRW (La- dass die FernUniversiät in Hagen in allen ihren Be-
Kof NRW) traf sich im November zur halbjährlichen reichen (hierzu zählt auch die Studierendenschaft)
Mitgliederversammlung in Hagen. Das ansprechend verpflichtet ist, das novellierte Landesgleichstel-
vorbereitete und mit vereinten Kräften bestens orga- lungsgesetz von NRW umzusetzen. Es trat bereits am
nisierte Treffen fand in der Ellipse der FernUni statt. Unsere Rektorin, 1.1.17 in Kraft. Es bezieht sich unter anderem sowohl auf die nun
Ada Pellert, begrüßte die Teilnehmerinnen und erläuterte den Ansatz gesetzlich vorgeschriebene geschlechtergerechte Sprache als auch
der FernUni, gerade auch Frauen, die sonst aus unterschiedlichen auf alle Wahlen. Wahllisten an Universitäten müssen paritätisch von
Gründen wie etwa Familienarbeit nicht dazu in der Lage wären, ein Frauen und Männern besetzt sein. Nur der konkrete Einzelnachweis,
Hochschulstudium zu ermöglichen. Auch der Gründungsgedanke dass sich keine Kandidatinnen aufstellen, kann davon in Ausnahme-
der FernUni, nämlich das lebenslange Lernen, kommt insbesondere fällen entbinden.
Frauen zugute, die oft erst später – wegen Unterbrechungen durch
Erziehungsaufgaben und/oder die Pflege nahestehender Personen
- ihre berufliche Karriere verfolgen können.
N
eben den vorgegebenen Themen, die ausführlich
und in lebhaftem Austausch bei der MV behandelt
wurden, musste auch die Neuwahl einer Spreche-
rin durchgeführt werden. Als Nachfolgerin für die
langjährige Sprecherin Valerie Daum wurde unsere
zentrale Gleichstellungsbeauftragte, Kirsten Pinkvoss, nun als Spre-
cherin gewählt. Sie ist damit ebenfalls Ansprechpartnerin für die Ar-
beitsgruppe „Wissensmanagement“. Außer dieser AG gibt es zwei
weitere, nämlich die AG „Allgemeine Gleichstellungsstandards“ und
eine AG zur Überprüfung der Satzung. Außerdem wurde der Sitz der
LaKof-Koordinierungsstelle, bisher an der Universität Paderborn ver-
ortet, an die RWTH Aachen verlegt.
D
ie LaKof NRW ist Mitglied der Bundeskonferenz der
Gleichstellungsbeauftragten (BuKof), die ihr jährli-
ches Treffen jeweils im September in wechselnden Kornelia Ellinger
Universitätsstädten durchführt. Beide Zusammen- Studentische Stellvertreterin der zentralen
schlüsse dienen der Vernetzung, der Information und Gleichstellungsbeauftragten
der Unterstützung aller Beauftragten, die an der gesetzlich veran- (Grau & Schlau)
kerten Aufgabe der Gleichstellung von Frauen und Männern, insbe- kornelia.ellinger@
sondere in Forschung, Lehre und Studium, mitwirken. studium.fernuni-hagen.deSprachrohr 1/2018 HOCHSCHULPOLITIK 19
Gleichstellungsge-
setze in der Studie-
rendenschaft
Wer profitiert von ihnen?
Beispiel, vor allem durch unsere Satzung,
die Geschäftsordnungen und das Hoch-
schulgesetz von Nordrhein-Westfalen vor-
gegeben. Dabei wurden in unsere Satzung
viele Teile aus dem Hochschulgesetz über-
nommen, unter anderem, dass bestimmte
Funktionen und Gremien geschlechterpari-
tätisch zu besetzen sind. Wichtig ist dabei
zu wissen, das manche Funktionen sich
gegenseitig ausschließen, etwa dann, wenn
eine Funktion Kontrollfunktionen enthält
und dieselbe Person sich in einer anderen
Funktion kontrolieren würde. Dass eine Per-
son mehrerere Funktionen hat, ist dabei ge-
nerell aber möglich.
Wo liegt nun eigentlich das Pro-
blem? An konkreten Bespielen
erklärt!
Um die Problematik besser zu verstehen, ist
es wichtig zu wissen, wie die Studierenden-
vertretung der FernUniversität zusammen-
Brian A Jackson/Shutterstock.com
gesetzt ist. Unter fernstudis.de findet ihr
eine Liste der Mitglieder des Studierenden-
parlaments. Aus dieser Liste wird ersicht-
L I
iebe Studierende, in den letz- n diesem Artikel möchte ich die The- lich, dass zum Zeitpunkt der Konstituierung
ten zwei Jahren meiner Arbeit matik der Gleichstellungsgesetze in zehn von 27 Vollmitgliedern des Studieren-
für die Studierendenvertretung der Hochschulpolitik, insbesondere denparlaments Frauen waren. Der aktuelle
habe ich viel erlebt und gelernt. jedoch deren Auswirkungen in und auf AStA besteht aus 13 Personen. Unsere Sat-
Am meisten habe ich über Ge- die Studierendengremien ansprechen. zung schreibt eine „geschlechterparitäti-
setze und Verordnungen gelernt und dabei Zudem beleuchte ich, wo Probleme in der sche“ Besetzung vor, heißt: ungefähr 50:50
auch besser die Stärken und Schwächen Umsetzung dieser Regelungen entstehen Männer zu Frauen. Bereits an dieser Stelle
einiger Regelungen verstanden. Schwächen und warum hier gut gemeinte Ideologie, wird deutlich, dass der Pool an Personal,
gut gemeinter Regelungen treten vor allem zumindest an der FernUniversität in Hagen, sprich, den von euch gewählten Vertretern,
dann auf, wenn diese in der Realität umge- versagt. nicht wirklich groß ist, zumal auch andere
setzt werden sollen, aber nur Arbeit, Proble- Positionen zu besetzen sind. In der Theo-
me und Effizientsverluste verursachen. rie kann der AStA durch ALLE Studierenden
Ein kurzer Abriss des rechtlichen der FernUniversität besetzt werden, nicht
Rahmens nur durch Mitglieder des Parlaments. In der
Der rechtliche Rahmen für die Studieren- Praxis wird sich das aber aus politischen
denschaft wird, neben Steuergesetzen zum Gründen nicht durchsetzen. Man muss also20 HOCHSCHULPOLITIK Sprachrohr 1/2018
zusehen, dass man alle Positionen „so gut letztlich auch die Frage nach der demokrati- Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich
es geht“ besetzt. So gut es geht, soll nicht schen Legitimation in meinen Augen. um meine persönliche Meinung. Ich spreche
zwangsläufig negativ sein. Es geht um den Bringt es eigentlich der gewählten Person in diesem Artikel weder für meine Fachschaft
Grundsatz, bei dünner Personaldecke Men- persönlich etwas, in diese Position ge- noch für den AStA oder meine Hochschul-
schen mit verschiedenen Stärken, Schwä- bracht worden zu sein? Hier finden sich gruppe.
chen und Interessen zusätzlich noch in ein natürlich schnell die gleichen Argumente
Korsett von Regeln zu zwängen, das unter wieder, wie in der freien Wirtschaft auch.
anderem auf dem Geschlecht aufbaut. Da- Zum Beispiel die Frage, ob die Person dort
bei soll auch nicht der Eindruck entstehen, überhaupt sitzen sollte, das böse Wort der
weil jetzt aktuell weniger Frauen vorhanden „Quote“ kommt mir in den Sinn. Dabei han-
sind, könnte es auch nicht andersrum sein. delt es sich um einen ideologisch durchaus
Sehr wohl könnte sich eine Situation erge- aufgeladenen Begriff, keine Frage, aber je
ben, in der „zu wenig Männer“ vorhanden wichtiger eine Position ist und je mehr Ver-
sind. Deshalb plädiere ich dafür, das Thema trauen und Respekt man von seinen Kolle-
erst mal Geschlechtsneutral zu betrachten, gen braucht, je mehr wird so ein Faktor zum
von beiden Geschlechtern kann es mal ei- Hemmnis. Schnell können in einem Team
nen „Mangel“ geben, die potentiellen Prob- aus verschiedenen, politischen Lagern psy-
leme sind dann die gleichen. chologische Reaktionen einsetzen, das ist Fabian Maryanowski
nur allzu menschlich und betrifft beide Ge- AStA-Referant für Öffentlichkeitsarbeit und
E
in weiteres Beispiel sind die schlechter. So werden kleine Fehler schnell Internationales, Mitglied des Fachschafts-
Vorsitzposten des Studieren- durch die eigene, subjektive Sichtweise rates WiWi (zuständig für Öffentlichkeitsar-
denparlaments. Der SP-Vorsitz aufgebauscht. Natürlich ist die Chance auch beit) Ersatzmitglied im SP, Mitglied des BHS
muss aus einem Mann und ei- da, dass völlig unpassende Personen so in Beirats
ner Frau bestehen. Weiterhin wichtige Funkionen gelangen und damit Freie Studentische Allianz
dürfen diese Personen nicht Mitglieder im im schlimmsten Fall den gesamten „Laden“ fabian.maryanowski@studium.fernuni-
AStA der FernUniversität sein und keinen aufhalten. hagen.de
Fachschaftsratsvorsitz inne haben. Aktu-
A
ell gibt es fünf Fachschaften in denen je m Ende bin ich zu der Über-
nach Ansicht auch auf das Geschlecht im zeugung gekommen, dass
Vorsitz zu beachten ist und das bei einer ein Eingriff des Gesetzge-
nicht nur dünnen Personaldecke, sondern bers in einen Bereich wie
auch noch bei einer, die zusätzlich durch ein Studierendenschafts-
das Geschlecht zusätzlich eingeengt wird. gremium keine Vorteile bietet. Weder für
Ohne das Ganze zu lang machen zu wollen die einzelne Person sehe ich einen ge-
(denn es gibt mehr zu beachten), sollte jetzt rechtfertigten Vorteil noch für die, die wir
schon jeder merken: In einer durch Wahlen vertreten. Die Studierenden sollten aus der
bestimmten Umwelt wird es kaum gelingen, bestmöglichen Kombination von Vertretern
die verfügbaren Funktionen bestmöglich zu vertreten werden, unabhängig von Merkma-
besetzen, die rechtlichen Restriktionen sind len wie dem dem Geschlecht.
einfach zu groß.
Gefahr zum Missbrauch
Für wen sind die Gesetze eigentlich Während ich keinerlei Vorteile bei einem
und für wen SOLLTEN sie sein?? Eingriff des Gesetzgebers in ein in sich ge-
Zwischendurch habe ich mich gefragt, für schlossenes und kompliziertes, demokra-
wen sollen diese Gesetze und Regelungen tisches System sehe, ist Missbrauch nicht
eigentlich sein? Für die Studierenden, die auszuschließen. Und hier möchte ich von
wir vertreten? Wer kann die Studierenden einem Fall berichten, an dem ich persön-
besser vertreten, eine motivierte, qualifi- lich beteiligt war und der mich letztlich
zierte Person mit genug Zeit oder eine Per- dazu gebracht hat, das Thema insgesamt
son, die evtl. nur aufgrund ihres Geschlechts anzusprechen. Nicht lange ist es nämlich
in diese Rolle rutscht? Diese Frage stellt her, dass in einem Gremium eine Frau abge-
man sich natürlich in vielen Unternehmen, wählt werden sollte. Das Endargument war
aber wie bereits angedeutet, es wird von dann, sie könne als einzige Frau in diesem
den Studierenden gewählt. Ein wirklich of- Gremium nicht abgewählt werden. Ohne die
fener Markt ist hier für die nächsten 2-2 1/2 Hintergründe näher zu beleuchten, sollte es
Jahre nicht vorhanden. Entspricht es dem einem Gremium möglich sein, eine Person
Wählerwillen, wenn trotz überwältigender abzuwählen, wenn man zu dem Schluss
Stimmmehrheit dann trotzdem z. B. der Vor- kommt, dass es sinnvoll für uns und die Stu-
sitz mit jemandem besetzt wird, der kaum dierenden ist. Posten sollen nach Kompe-
Stimmen bekam und „gerade so“ in ein tenz und Motivation, nicht nach Geschlecht
Gremium gewählt wurde? Hier stellt sich besetzt werden!Sie können auch lesen