Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...

Die Seite wird erstellt Helmut Wiegand
 
WEITER LESEN
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
Hochschulmagazin der Stiftung
Tierärztliche Hochschule Hannover

49. Jahrgang
März 2020
Ausgabe Nr. 1

Interview:                          Innovation plus:
Keine Panik vor Q-Fieber            Entwicklung digitaler Konzepte
                                    für die Lehre
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
Kennen Sie schon den
                                                    Newsletter ?
   erscheint 2x im Monat                            bietet gebündelte veterinär-
                                                    medizinische Kompetenz
   liefert einen Mix an aktuellen
   und praxisrelevanten Themen                      ist kostenlos und jederzeit kündbar

                                                                                   Mit Neuigkeiten vom

Für alle, die schnell und bequem
auf dem Laufenden bleiben wollen.
Kleintier, Nutztier und Pferd – die Vielfalt der Veterinärmedizin gebündelt in einem Newsletter
   Neuigkeiten vom Bundesverband                     Fortbildungen – alle aktuellen Termine
   Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt)              der vetline Akademie
   Neues aus der Tiermedizin                         Weitergehende Informationen zu Beiträgen
   Fall des Monats aus dem fachforum kleintiere      aus unseren Fachzeitschriften
                                                     Der Praktische Tierarzt und Kleintierpraxis
   Tipps zum Praxismanagement
   Produktneuheiten

Bestellen Sie jetzt kostenlos den vetline.de-Newsletter: www.vetline.de/newsletter
und überzeugen Sie sich selbst von der Themenvielfalt!

www.vetline.de
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
EDITORIAL
Titelfoto: pixel2013, pixabay

                                das jährlich im Februar stattfindende Se-
                                minar Veterinary Public Health widmete
                                sich in diesem Jahr dem nahezu weltweit
                                verbreiteten Q-Fieber. Auch in Deutsch-
                                land kommt es immer wieder zu Ausbrü-
                                chen und immer wieder infizieren sich
                                nicht nur Tiere, sondern auch Menschen.
                                Die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr. Bei et-
                                wa der Hälfte der infizierten Menschen
                                kommt es zu grippeähnlichen Symptomen,
                                manchmal auch zu schweren Erkran-
                                kungen. Q-Fieber betrifft als Zoonose also     verfolgt das Niedersächsische Ministeri-
                                Tier- und Humanmediziner. Im Falle eines       um für Wissenschaft und Kultur das Ziel,
                                Ausbruchs sowie bei der Diagnostik und         die Qualität der Lehre zu verbessern und
                                der Prophylaxe ist deshalb eine enge Zu-       die Entwicklung innovativer Lehr- und
                                sammenarbeit von Human- und Veterinär-         Lernkonzepte zu unterstützen. Von der
                                medizinern wichtig. Das Seminar Veterina-      TiHo wurden zwei Anträge in dem Pro-
                                ry Public Health hatte aus diesem Grund        gramm bewilligt: In dem Projekt Farm-
                                das Ziel, den Austausch zwischen den Be-       Skills4Vets werden Professorin Dr. Martina
                                rufsgruppen zu intensivieren. An der TiHo      Hoedemaker, PhD, Dr. Svenja Woudstra,
                                forscht unter anderem Professor Dr. Mar-       und Heidi Arndt aus der Klinik für Rinder
                                tin Ganter aus der Klinik für kleine Klauen-   ein virtuelles Modell eines Milchviehbe-
                                tiere an der Infektionskrankheit. In un-       triebs erstellen, das Studierenden die Zu-
                                serer Titelgeschichte lesen Sie ein Inter-     sammenhänge und Abläufe rund um
                                view mit ihm zu dem Thema.                     Milchkuhherden nahebringen soll. Profes-
                                                                               sorin Dr. Madeleine Plötz und Dr. Nadine
                                Jedes Jahr im Januar wählt die Studieren-      Sudhaus-Jörn aus dem Institut für Lebens-
                                denschaft aus ihrer Mitte zwei Studieren-      mittelqualität und -sicherheit erhalten ei-
                                de, die ihre Interessen im Senat vertreten.    ne Förderung für ihr Projekt BePra-Vet,
                                In diesem Jahr übernehmen Luca Russell         mit dem Studierende während ihres
                                aus dem siebten Semester und Lotta Hen-        Schlachthofpraktikums über eine Online-
                                ni Truyen aus dem dritten Semester diese       Plattform Unterstützung, Lernmaterialien
                                verantwortungsvolle und, wie ich glaube,       und Hilfen erhalten, die es so in der Form
                                auch sehr spannende Aufgabe. Wir haben         bisher nicht gab.
                                mit den beiden gesprochen, um mehr
                                über ihre Motivation, solch eine Aufgabe       Ich wünsche Ihnen eine anregende
                                zu übernehmen, zu erfahren. Besser wer-        Lektüre!
                                den sollte nur noch die Wahlbeteiligung:
                                Von 2.235 stimmberechtigten Studieren-
                                den nutzten nur 148 ihre Möglichkeit, die
                                Wahl mitzubestimmen.

                                Es gehört zum Kern von Universitäten,
                                auch Bewährtes zu hinterfragen und wei-
                                terzuentwickeln. So auch in der Lehre. Mit
                                dem Förderprogramm Innovation plus             Dr. Dr. h. c. mult. Gerhard Greif

                                                                                                                   TIHO-Anzeiger   |   1/2020   3
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
Nr. 1|2020                           Inhaltsverzeichnis

    5          TIHO     titel | Keine Panik vor Q-Fieber
    7          TIHO     aktuelles | Bib-Tipp, Buchempfehlungen
    9          TIHO     campus | WHO-Zentrum, Promotion, Christian Visscher
17             TIHO     forschung | Spulwurmlarven, Innovation plus
26             TIHO     internationales | Ein Jahrzehnt internationale Forschung
29             TIHO     freunde | Fotowettbewerb, TiHo am Abend
30             TIHO     persönlich | DZIF-Preis für Professorin Gabriel

4       TIHO-Anzeiger   |   1/2020
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
TIHO      titel

          Der Schafhalter als Geburts-
          helfer. Beim Ablammen ist
          das Risiko einer Infektion
          mit Coxiella burnetti
          am Größten.
          Foto: Mat Brown, Pexels

KEINE PANIK VOR Q-FIEBER
Q-Fieber oder auch Query-Fieber, vom englischen Wort für Frage, ist eine Erkrankung, die bei Tieren
und Menschen auftreten kann. Eine Infektionsgefahr für den Menschen geht vor allem von Schafen,
Ziegen und Rindern aus. Anlässlich des Seminars Veterinary Public Health: „Q-Fieber – Prävention
und Bekämpfung einer Zoonose als gemeinsame Aufgabe von Human- und Veterinärmedizin“ haben
wir mit Professor Dr. Martin Ganter aus der Klinik für kleine Klauentiere über die Erkrankung gespro-
chen.

Welcher Erreger löst das Q-Fieber            Tiere infizieren sich, indem sie die langle-   haut. Es dauert deutlich länger, bis die
aus und wie können sich Menschen             bigen, sporenartigen Partikel inhalieren.      Kühe wieder tragend werden. Bei Ziegen
infizieren?                                                                                 treten hingegen vor allem Aborte auf. Es
                                             Was sind die Folgen eines Q-Fieber-            kann bis zu 80 Prozent des Bestandes be-
Der Erreger ist Coxiella burnetti – ein      Ausbruchs im Tierbestand?                      treffen. Die Symptome bei den Schafen
hochinfektiöses Bakterium. Es kann in                                                       sind in der Regel gering. Nur gelegentlich
nahezu allen Tierarten vorkommen. In         Ein Ausbruch im Bestand kann zu großen         treten Aborte auf oder es werden lebens-
Wiederkäuern vermehrt sich der Erreger       wirtschaftlichen Schäden führen, des-          schwache Lämmer geboren.
besonders stark. Während einer Geburt        halb ist Q-Fieber auch finanziell relevant.
oder eines Abortes scheidet das infi-        Coxiella burnetti besiedelt bei Wieder-        Häufig zeigen Tiere mit Q-Fieber keine
zierte Tier mehrere Milliarden der Erre-     käuern die Gebärmutter. Und das mit un-        Symptome, sollten Menschen sich ge-
ger mit dem Fruchtwasser und der Pla-        terschiedlichen Folgen: Beim Rind stehen       nerell schützen?
zenta aus. Für den Menschen genügt           beispielsweise Reproduktionsstörungen
theoretisch eine einstellige Zahl an Erre-   im Vordergrund. Es werden meist leben-         Die Frage ist berechtigt. Vor dieser ste-
gern, um sich zu infizieren. Jährlich er-    de Kälber geboren, Aborte sind selten, es      hen wir in der Klinik, wenn ein Tier hier-
kranken in Deutschland etwa 200 bis 300      kommt zum Nachgeburtsverhalten und             hergebracht wird, auch. Da das Risiko,
Menschen an Q-Fieber, die Dunkelziffer       die Tiere entwickeln Endometritiden –          sich zu infizieren besonders in der Ge-
liegt vermutlich höher. Menschen und         Entzündungen der Gebärmutterschleim-           burtsphase hoch ist, ist es notwendig,

                                                                                                           TIHO-Anzeiger   |   1/2020    5
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
TIHO     titel
sich gerade während dieser Zeit zu schüt-                                                schutzgesetz beziehen und zum Schutz
zen. Insbesondere, wenn man direkt mit                                                   des Menschen Maßnahmen in Tierbe-
den Tieren zu tun hat und es im Bestand                                                  ständen, wie zum Beispiel eine Impfung,
aktuell Q-Fieber-Fälle gibt. Um das zu                                                   anordnen. Das verdeutlicht, wieso eine
überprüfen, ist es hilfreich, ein Monito-                                                Kooperation zwischen Veterinär- und Hu-
ring einzuführen. Wir testen momentan                                                    manmedizinern nötig ist.
verschiedene Methoden auf ihre Monito-
ring-Eignung. Das Ganze muss effektiv                                                    Bei uns in der Klinik bieten wir den Klinik-
und kostengünstig sein und eine zuver-                                                   mitarbeitern halbjährlich, auf freiwilliger
lässige Aussagekraft haben.                                                              Basis ein Monitoring an. Wer möchte,
                                                                                         kann sich auf Q-Fieber testen lassen. Da-
Gibt es eine Impfung?                                                                    zu wird eine Blutprobe genommen und
                                                                                         auf Antikörper gegen den Erreger unter-
Für Rinder und Ziegen gibt es einen zu-                                                  sucht. Wir erleben hier immer wieder
gelassenen Impfstoff. Für das Schaf                                                      Überraschungen: Personen, die seit Jahr-
müsste er umgewidmet werden. Da noch                                                     zehnten in der Klinik arbeiten, sind im-
nicht eindeutig klar ist, wie hoch die                                                   mer noch negativ, während andere be-
Impfdosis beim Schaf sein müsste, star-                                                  reits bei der Einstellung positiv sind. Um
ten wir nun eine Impfstudie, um dies he-                                                 Infektionen bei den Mitarbeitern durch
rauszufinden. Für den Menschen gibt es                                                   infizierte Schafe und Ziegen zu verhin-
zwar einen Impfstoff, er ist aber nur in    Professor Dr. Martin Ganter aus der Klinik   dern, wenden wir, vor allem bei der Ge-
Australien verfügbar und zugelassen.        für kleine Klauentiere und forensische Me-   burt, aufwändige Sicherheitsvorkeh-
Bei bereits infizierten Menschen führt      dizin und Ambulatorische Klinik.             rungen an. W Das Interview führte Kerstin
dieser Impfstoff zu starken Nebenwir-       Foto: Kerstin Thellmann                      Thellmann.
kungen. Wenn wir uns impfen lassen
wollten, müssten wir uns zunächst tes-
ten lassen und einen längeren Aufent-       Um Menschen und Tiere gleicherma-
halt in Australien einplanen. Es wäre       ßen vor der Erkrankung zu schützen,            Q-Fieber
deshalb dringend notwendig, dass ein        ist es wichtig, dass Humanmediziner
nebenwirkungsarmer Humanimpfstoff,          und Tierärzte eng zusammenarbeiten.
                                                                                           Erreger:
zumindest für Personen, die ständig         Wie sieht das in der Praxis aus?
                                                                                           Coxiella burnetti ist ein intrazellu-
Kontakt zu entsprechenden Tieren ha-
                                                                                           läres Bakterium, das Sporen bildet,
ben – wie Tierärzte oder Schlachthofmit-    In der Humanmedizin gibt es das Pro-           die sehr resistent gegenüber Um-
arbeiter – verfügbar wäre.                  blem, dass Informationen aufgrund des          welteinflüssen sind.
                                            Datenschutzes zum Teil sehr langsam
Mit dem Forschungsverbund Q-GAPS            fließen. Bis bekannt wird, dass eine Er-
wollen Sie mehr über Q-Fieber erfah-        krankung beim Menschen vorliegt, ist die       Symptome beim Menschen:
ren. Was machen Sie genau?                  Infektion des Wiederkäuers, der die Hu-        Jeder Zweite ist symptomlos. An-
                                            maninfektion verursacht hat, schon             sonsten können unter anderem
                                                                                           Kopfschmerzen, grippeähnliche Be-
Innerhalb des Q-Fieber-Verbundes Q-         vorüber und man kann keine Schutzmaß-
                                                                                           schwerden, atypische Pneumonie,
GAPS (Anm. d. Red.: siehe TiHo-Anzeiger     nahmen mehr anordnen. Bei den Wie-
                                                                                           chronisches Müdigkeitssyndrom
4/2017) gibt es mehrere Arbeitsgruppen.     derkäuern selbst haben wir schnell eine
                                                                                           oder Herzklappenentzündungen
Unter anderem sind die Klinik für kleine    Diagnose und können gleich reagieren –         auftreten. Etwa ein Prozent der In-
Klauentiere, das Institut für Biometrie,    außer bei Schafen, da diese kaum Sym-          fizierten entwickelt ein chronisches
Epidemiologie und Informationsverar-        ptome zeigen und so eine Infektion meist       Q-Fieber.
beitung der TiHo, das Niedersächsischen     unentdeckt bleibt. Gut wäre ein disziplin-
Landesamt für Verbraucherschutz und         übergreifendes Meldesystem für Q-Fie-
Lebensmittelsicherheit, LAVES, und hu-      ber-Ausbrüche. Wenn in einem Betrieb           Diagnostik:
                                                                                           Die Diagnostik erfolgt serologisch.
manmedizinische Forscher sowie Mole-        der Erreger nachgewiesen wird, könnte
                                                                                           In der Veterinärmedizin wird der
kular- und Zellbiologen daran beteiligt.    man auf der humanmedizinischen Seite
                                                                                           Erreger auch molekularbiologisch
Die primären Aufgaben der hannover-         schon mal schauen, ob jemand infiziert
                                                                                           in Abortproben nachgewiesen.
schen Arbeitsgruppe in diesem Verbund       ist und diese Person(en) zügig behandeln
sind epidemiologische Studien, wie zum      oder Schutzmaßnahmen einleiten. Nach
Beispiel Untersuchungen zur Häufigkeit      dem Tierseuchengesetz ist Q-Fieber nur         Behandlung:
von Coxiella burnetti in Herden kleiner     eine meldepflichtige Krankheit. Wir ha-        In der Humanmedizin wird mit dem
Wiederkäuer. Zudem wollen wir heraus-       ben also keine direkte Handhabe, etwas         Antibiotikum Doxycyclin behan-
finden, welche Methoden wir einsetzen       im Betrieb zu unternehmen. Bei melde-          delt. In der Veterinärmedizin ist das
können, um ein Monitoring- und Über-        pflichtigen Tierkrankheiten geht es nur        Medikament nur für Geflügel er-
                                                                                           laubt. Daher ist es empfehlenswert
wachungssystem zu etablieren. Weitere       darum, die Zahl der auftretenden Fälle zu
                                                                                           einer Infektion vorzubeugen und
Ziele unserer Q-Fieber-Forschung sind:      erfassen. Die Humanmediziner können
                                                                                           die Tiere zu impfen.
die Evaluierung des Impfstoffs beim         sich, vorausgesetzt es besteht ein Risiko
Schaf und neue Wege in der Behandlung.      für die Bevölkerung, auf das Infektions-

6       TIHO-Anzeiger   |   1/2020
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
TERMINE
13.3.2020                                30.3.-3.4.2020                          12.5., 8.9. und 8.12.2020
Infektionsdiagnostik                     Disputationen                           Fortbildung der Klinik
Schwein                                  HGNI, PhD-Programme „Animal and
                                                                                 für Pferde
Institut für Pathologie                  Zoonotic Infections“ und „Veterinary    Klinik für Pferde
                                         Research and Animal Biology“
14 bis 19 Uhr                                                                    18.30 Uhr
Demonstrationshalle                      Raum wird online bekannt gegeben        Bayer-Hörsaal Klinikum am Bünteweg
Institut für Pathologie                  Kontakt: apl. Prof. Dr. Beatrice        Kontakt: Annika Lürig
Bünteweg 17                              Grummer                                 Tel.: +49 511 953-6500
Kontakt: Theresa Störk                   Tel.: +49 511 953-8124                  annika.luerig@tiho-hannover.de
Tel.: +49 511 953-8625                   beatrice.grummer@tiho-hannover.de
theresa.stoerk@tiho-hannover.de                                                  10.6.2020
                                         14.4.2020
16.-20.3., 23.-27.3.,                                                            Hochschulsportfest
8.-12.6., 14.-18.9.,
                                         Vorlesungsbeginn
                                                                                 Zentrum für Hochschulsport
28.9.-2.10., 7.-11.12.,
und 14.-18.12.2020                       16.4.2020                               12 Uhr
                                                                                 SportCampus, Am Moritzwinkel 6
Blockkurs Versuchstier-                  Semesterantrunk                         Kontakt: Rebekka Hoffmann, Kristine
kunde/Tierschutz nach                    AStA                                    Wetzlar und Lotta Truyen
FELASA B/C                                                                       asta-sport@tiho-hannover.de
                                         18 Uhr
Institut für Tierhygiene, Tierschutz     Alter Pylorus, Bischofsholer Damm 15
und Nutztierethologie                                                            12.6.2020

8.30 Uhr                                 22.4.2020                               Feierliche Promotion
Bibliothek und Kursraum 117                                                      14.15 Uhr
Institut für Lebensmitteltoxikologie
                                         Blutspende
                                                                                 Aula, Bischofsholer Damm 15
Bischofsholer Damm 15                    AStA und Deutsches Rotes Kreuz
Kontakt: Helge Stelzer
                                         11.30 bis 17.30 Uhr                     25.6.2020
Tel.: +49 511 856-8974
                                         TiHo-Tower, Bünteweg 2
helge.stelzer@tiho-hannover.de
                                         Kontakt: Jennifer Hillebrand
                                                                                 Sommerfest
                                         jennifer.hillebrand@tiho-hannover.de    17 Uhr
27.3.2020                                                                        Campus Bischofsholer Damm
Seminar Chirurgische                     6.5.2020                                Kontakt: Silke Vasel
Eingriffe an der Zehe des                                                        Tel.: +49 511 953-8003
                                         Vollversammlung                         silke.vasel@tiho-hannover.de
Rindes                                   der Studierenden
Klinik für Rinder                                                                8.7.2020
                                         13 Uhr
8.30 bis 17.30 Uhr                       Aula, Bischofsholer Damm 15
                                                                                 Blutspende
Klinik für Rinder
Bischofsholer Damm 15                    7.-8.5.2020                             AStA und Deutsches Rotes Kreuz
Kontakt: PD Dr. Maike Heppelmann
                                         98. Fachgespräch                        11.30 bis 17.30 Uhr
Tel.: +49 511 856-7355
                                                                                 Alter Pylorus, Bischofsholer Damm 15
maike.heppelmann@tiho-hannover.de        über Geflügelkrankheiten
                                                                                 Kontakt: Jennifer Hillebrand
                                         Klinik für Geflügel, DVG-Fachgruppe     jennifer.hillebrand@tiho-hannover.de
27.3.2020                                Geflügelkrankheiten, Deutsche Grup-
                                         pe der World Veterinary Poultry Asso-
Disputationen                                                                    16.7.2020
                                         ciation (WVPA)
HGNI, PhD-Programm „Systems                                                      Semesterabtrunk
                                         14 Uhr
Neuroscience“
                                         Maritim Airport Hotel                   AStA
Hörsaal Institut für Pathologie          Flughafenstraße 5
                                                                                 18 Uhr
Bünteweg 17                              Kontakt: Regina Baumann
                                                                                 Alter Pylorus, Bischofsholer Damm 15
Kontakt: apl. Prof. Dr. Beatrice         Tel.: +49 511 953-8778
Grummer                                  regina.baumann@tiho-hannover.de
Tel.: +49 511 953-8124                                                           17.7.2020
beatrice.grummer@tiho-hannover.de                                                Letzter Vorlesungstag

                          Weitere Informationen finden Sie unter www.tiho-hannover.de/termine

                                                                                                 TIHO-Anzeiger   |   1/2020   7
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
TIHO       aktuelles
    BIB-TIPP: DEAL                              DIE ANFÄNGE DER MHH (LIEGEN
    P Hinter dem Projekt DEAL verbirgt sich     AUCH IN DER TIHO)
    eine Verhandlungsgruppe der Hoch-
    schulrektorenkonferenz, die im Auftrag      Professor Dr. Reinhard Papst ist Eh-       wertvolles und zugleich unterhalt-
    aller deutschen Wissenschaftseinrich-       rendoktor der TiHo und einer von 41        sames Zeitdokument geschaffen.
    tungen versucht, bundesweite Open-          Studierenden, die im Jahr 1965 den
    Access-Transformationsverträge mit den      ersten Jahrgang der Medizinischen          „Konsequent modern. Die Anfänge
    größten kommerziellen Verlagen für          Hochschule Hannover bildeten. Spä-         der Medizinischen Hochschule Han-
    wissenschaftliche Zeitschriften auszu-      ter leitete er an der MHH die Abtei-       nover“ ist erschienen bei Lehmanns
    handeln. Im Januar 2019 wurde der erste     lung für Funktionelle und Ange-            Media, Berlin, und kostet 19,95 Euro.
    nationale Lizenzvertrag mit dem Verlag      wandte Anatomie und war Prorektor
    Wiley geschlossen, im Januar 2020 folgte    für Studium und Lehre, Rektor und
    der zweite Transformationsvertrag mit       Forschungsdekan. Mit seinem Buch
    Springer Nature.                            „Konsequent modern – Die Anfänge
                                                der Medizinischen Hochschule Han-
    Die Verträge basieren auf dem soge-         nover“ erinnert Papst als Zeitzeuge
    nannten Publish-and-Read-Modell.            an die Ideen der Gründungsväter
    Publikationen werden demnach im Open        und blickt auf den besonderen Grün-
    Access veröffentlicht. Forschungsein-       dergeist zurück. Auch erinnert er an
    richtungen erhalten zudem lesenden          die Einbindung der TiHo. Beispiels-
    Zugriff auf die Zeitschrifteninhalte von    weise fanden viele Lehrveranstal-
    Wiley und Springer (inklusive der Verlage   tungen und die Gründungszeremo-
    Palgrave, Adis und Macmillan) bis ins       nie in der TiHo statt. Er schreibt: „Der

                                                                                                                                   Foto: Sonja von Brethorst
    Jahr 1997.                                  akademische Start der MHH erfolgte
                                                an der Tierärztlichen Hochschule
    Da die TiHo beiden Verträgen beigetre-      und auch die Lehre begann überwie-
    ten ist, können alle Mitglieder der Hoch-   gend in der TiHo.“ Seine umfassende
    schule die Vorteile der Lizenzverträge      Recherche reichert er mit persön-
    nutzen und unter anderem in einem           lichen Anekdoten an und hat so ein
    Großteil der Zeitschriften beider Verlage
    kostenfrei im hybriden Open Access
    publizieren.

    Weitere Informationen unter:
    www.tiho-hannover.de/kliniken-              ERSTES DEUTSCH-BRASILIANISCHES
    institute/bibliothek/publizieren-und-
    forschen/open-access-finanzierung           TIERSCHUTZBUCH
    und www.projekt-deal.de
                                                Professor Dr. Jörg Hartung, Profes-
                                                sor Dr. Mateus Paranhos da Costa
                                                und Carmen Perez haben ein
                                                deutsch-brasilianisches Tierschutz-
                                                buch herausgegeben. Es trägt den
                                                Titel „Tierschutz in Deutschland und
                                                Brasilien – Verantwortung und Lei-
                                                denschaft”. In dem 304 Seiten um-
                                                fassenden Band finden sich 40 Bei-
                                                träge deutscher und brasilianischer
                                                Autoren zum Schutz von landwirt-
                                                schaftlichen Nutztieren, Pferden,
                                                Hunden und Katzen, Fischen, Zoo-
                                                und Wildtieren sowie zur Geschichte
                                                des Tierschutzes, zu gesetzlichen
                                                                                                                                   Foto: Sonja von Brethorst

                                                Bestimmungen, zur Umsetzung des
                                                Tierschutzes durch Behörden, zum
                                                Tierschutz im Studium der Veteri-

DURCHGEBLICKT
                                                närmedizin und zur Sicht von NGOs,
                                                Medien und der Industrie auf Tier-
                                                schutzfragen.
P Wir stellen Ihr tiermedizinisches Wissen
auf die Probe: Was ist die Besonderheit auf     Das Buch ist in deutscher und portu-       978-8585577-44-5) richten Sie bitte
diesem Röntgenbild? Die Auflösung finden Sie    giesischer Sprache erhältlich. Anfra-      an: Jörg Hartung, joerg.hartung@
auf Seite 30 in diesem Heft.                    gen zu der deutschen Ausgabe (ISBN         tiho-hannover.de.

8        TIHO-Anzeiger   |   1/2020
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
Die neuen Studierendenvertreter im Senat:
                                                                                   Lotta Henni Truyen und Luca Russell.
                                                                                   Foto: Kerstin Thellmann

                                                                                   Veranstaltungen, wie dem Sommerfest,
                                                                                   haben sich dann Kontakte zu anderen
                                                                                   studentischen Organisationen und dem
                                                                                   AStA ergeben. Auf einer Vollversamm-
                                                                                   lung habe ich schließlich mitbekommen,
                                                                                   dass neue Vertreter für den Senat ge-
                                                                                   sucht wurden. Da habe ich mich dann di-
                                                                                   rekt zur Wahl aufstellen lassen. Man be-
                                                                                   kommt durch diese Arbeit viel mehr mit,
                                                                                   was an der Uni passiert und kann aktiv
                                                                                   die Situation zukünftiger Studierender
                                                                                   verbessern.

STUDIERENDENVERTRETER                                                              Warum der Senat? Hatten Sie schon an-

IN DEN SENAT GEWÄHLT
                                                                                   dere Ämter inne? Was sind Ihre Ziele?
                                                                                   Truyen: Seit ich letztes Jahr an der TiHo
                                                                                   angefangen habe zu studieren, bin ich
                                                                                   AStA-Referentin für Sport und Freizeit
Im Januar wurden die neuen Studierendenvertreter für den Senat                     und konnte bereits einige Dinge erwir-
gewählt. Im Unterschied zu den anderen Senatsmitgliedern wer-                      ken. Für den Senat habe ich mich aufstel-
den sie nicht jedes zweite Jahr, sondern jährlich gewählt. Insge-                  len lassen, weil es in meinen Augen eini-
samt waren 2.235 Studierende stimmberechtigt, davon gaben                          ge Dinge gibt, die noch verbessert wer-
                                                                                   den können. Dafür möchte ich mich ein-
(nur) 148 ihre Stimme ab. Ab April werden Luca Russell aus dem
                                                                                   setzen.
siebten Semester und Lotta Henni Truyen aus dem dritten Semes-
ter die Studierendenschaft im Senat vertreten. Wir haben die bei-                  Russell: Der Senat ist das höchste poli-
den zu ihrer Motivation und ihren Zielen befragt.                                  tische Gremium an unserer Hochschule.
                                                                                   Ich war schon ein Jahr Senatsmitglied
                                                                                   und wurde jetzt wiedergewählt. Die
Warum engagieren Sie sich hochschul-                                               meiste politische Arbeit erfolgt zwar in
politisch an der TiHo?                       Warum Tiermedizin?                    den Kommissionen, im AStA und dem
Truyen: Ich finde es wichtig und richtig,                                          Studierendenparlament, aber im Senat
von seinem Stimmrecht und seinem             Truyen: Es ist ein Kindheitstraum     kann man diese Ergebnisse vorstellen.
hochschulpolitischem Einfluss Gebrauch       von mir, Tiermedizin zu studie-       Manchmal sind die Stimmen der Studie-
zu machen. Es ist sehr spannend, Ein-        ren und ich freue mich, dass die-     rendenvertreter im Senat auch entschei-
blicke in die verschiedenen Abläufe der      ser nun endlich wahr geworden         dend in Situationen, in denen die ande-
Universität zu bekommen und entspre-         ist. Außerdem sind meine Eltern       ren Senatsmitglieder geteilter Meinun-
chend demokratisch sowie konstruktiv         beide Tiermediziner und der Ap-       gen sind. So kann man dort durchaus für
mitwirken zu können. Außerdem macht          fel fällt ja bekanntlich nicht weit   die Studierenden etwas verändern. Vor
mir die hochschulpolitische Arbeit Spaß,     vom Stamm …                           meiner Senatszeit war ich ab dem ersten
insbesondere natürlich, wenn sich da-                                              Semester stellvertretender Vorstand und
durch möglicherweise das Leben der an-       Russell: Gute Frage. Es gab nach      später auch Vorstand der Studierenden-
deren Universitätsmitglieder verbessert.     dem Abitur mehrere Optionen.          gruppe für Tierärzte ohne Grenzen.
                                             Aber mich hat hauptsächlich das
                                             Studieren der Fächer interessiert
Russell: Ich bin generell an Politik inte-                                         Seit kurzem bin ich, neben meiner
                                             – die Berufe wollte ich meist
ressiert. Während des Abiturs habe ich                                             Senatstätigkeit, AStA-Referent für EDV.
                                             nicht ausüben. Da ich Medizin,
den Politik-Leistungskurs belegt und war                                           So funktioniert die Abstimmung mit dem
                                             und besonders die Neurologie,
über ein politisches Stipendium im Aus-      sehr spannend finde, habe ich         AStA viel besser und ich erhalte Hinter-
land. Mein Engagement an der TiHo hat        mich letztendlich für die Tierme-     grundinformationen zu Themen, die im
zuerst über Tierärzte ohne Grenzen an-       dizin entschieden. Bei dieser         Senat vielleicht manchmal etwas kürzer
gefangen. Direkt im ersten Semester bin      Entscheidung war sicherlich           besprochen werden. Zu meinen Erwar-
ich der Studierendengruppe an unserer        nicht ganz unwichtig, dass ich        tungen: Es gibt verschiedene Projekte,
Uni beigetreten. Einerseits wollte ich die   mein ganzes Leben lang Tiere          die schon seit längerem in den Kommissi-
Uni von einer anderen Seite kennenler-       hatte. Besonders Katzen haben         onen in Arbeit sind und die wir hoffent-
nen, andererseits finde ich die Arbeit von   es mir angetan. Ein Praktikum         lich bald zugunsten der Studierenden
Tierärzte ohne Grenzen sehr wichtig.         hat mir die Entscheidung für das      zum Abschluss bringen können. W Das
Durch das Mitwirken an verschiedenen         Studium dann erleichtert.             Interview führte Kerstin Thellmann.

                                                                                                       TIHO-Anzeiger   |   1/2020   9
Interview: Keine Panik vor Q-Fieber - Innovation plus: Stiftung Tierärztliche Hochschule ...
TIHO       campus

Insgesamt erhielten während dieser Winter-Promotion 57 Promovendi den Titel Doctor medicinae veterinariae und drei den Titel Doctor re-
rum naturalium. Fotos: Andreas Müller

ZIELSTREBIG ZUM TITEL
76 Promovendi, eine Alternative zur chirurgischen Kastration bei Hunden und eine Ode an die Pro-
motionszeit – das war die Winterpromotion des vergangenen Jahres.

P Nach  einem musikalischen Auftakt der Rocking Vets be-                ausruhen. Um dieses Niveau zu halten, müssen wir weiterar-
grüßte TiHo-Präsident Dr. Gerhard Greif alle Anwesenden                 beiten“, so Greif.
und ganz besonders die Promovendi. Greif wies nochmal auf
die hervorragende Position der TiHo im renommierten                     Festvortrag
Shanghai-Ranking hin. In diesem Ranking werden vor allem                Professorin Dr. Sandra Goericke-Pesch aus der Reprodukti-
die Forschungsleistungen von Universitäten bewertet. „Er-               onsmedizinischen Einheit der Kliniken brachte den Anwe-
folg verpflichtet – wir dürfen uns auf dem zweiten Platz nicht          senden mit ihrem Festvortrag eine Alternative zur chirur-

TiHo-Präsident Dr. Gerhard Greif fasste in seiner Rede die Ereignisse   Professorin Dr. Sandra Goericke-Pesch referierte über eine Alterna-
des vergangenen halben Jahres zusammen.                                 tive zur chirurgischen Kastration bei Hunden.

10       TIHO-Anzeiger   |   1/2020
16 Promovendi schlossen ihr Promotionsstudium mit dem Doctor of Philosophy ab.             Dr. Tobias Warnken, PhD, berichtete über
                                                                                           seine Doktorandenzeit.

gischen Kastration bei Hunden näher.        genzwinkernd darauf hin, dass es wäh-
Das GnRH-Agonist-Implantat bietet eine      rend einer Dissertation viele Erkennt-
medikamentöse Lösung und ist zeitlich       nisse gibt, unter anderen auch die, dass
begrenzt. Das Konzept dieser Anwen-         auf Eddings zurecht die Einschränkung
dung basiert auf dem Wirkmechanismus        steht: „hält auf fast allen Materialien“.
des Gonadotropin-releasing Hormons          Denn auf diversen Labormaterialen hält
(GnRH), das der Hypothalamus aus-           er meist eher nicht.
schüttet. Das synthetisch hergestellte
Medikament dockt an die GnRH-Rezep-         Warnken berichtete von seinen vielen und
toren des Hundes an und blockiert sie:      intensiven Stunden mit Statistikprogram-
Die Rezeptoren sind für körpereigenes       men. „Hatte ich neue Datensätze, war ich
GnRH nicht mehr zugänglich. Folglich        erst mal ein paar Stunden verschwunden
werden weniger Geschlechtshormone           und vertiefte mich in diese.“ Zum Schluss
gebildet und der Testosteron-Spiegel im     legte er allen Anwesenden noch eine sehr
Blut des Rüden sinkt. Tiere können mit      wichtige Erkenntnis ans Herz: „Schreib-
dieser hormonbasierten Methode nicht        blockaden gibt es wirklich!“ Vor seiner Dis-
nur schmerzfrei unfruchtbar gemacht         sertation hielt er Schreibblockaden für
werden, sie ist zudem reversibel. So        eine Ausrede, doch leider musste er sich       Ausgezeichnet: Inken Waltl, PhD, Dr. Lea
läuft nach Wirkende die Testosteronpro-     eingestehen, dass diese tatsächlich            Elisabeth Middendorf, György Szura, PhD,
duktion des Hundes rasch wieder an.         existieren. W kt                               Nicole de Buhr, PhD.

Rede der Promovendi
Die Ansprache der Promovendi hielt in
diesem Jahr Dr. Tobias Warnken, PhD. Er        Auszeichnungen
erzählte sehr authentisch und anschau-
lich aus seinem Leben als Doktorand.           Für ihre PhD-These „The role of brain       Für sein Engagement für andere aus-
Warnken promovierte an der Klinik für          infiltrating monocytes and resident         ländische Studierende wurde der Un-
Pferde zum Equinen Metabolischen Syn-          microglia in a mouse model of viral         gar György Szura, PhD, mit dem
drom. Nach dem Studium war sein Ziel,          encephalitis induced acute seizures         DAAD-Preis für hervorragende Leis-
eine Praxis zu eröffnen – mit einem Dok-       and epilepsy“ erhielt Inken Waltl,          tungen ausländischer Studierender
tortitel auf dem Praxisschild. Deshalb         PhD, den Gerhard-Domagk-Preis für           an deutschen Hochschulen geehrt.
entschied er sich, seine Dissertation in       Biowissenschaften. Waltl fertigte ihre      Szura promovierte an der Klinik für
Form einer klinischen Studie zu machen.        Arbeit am Institut für Pharmakologie,       Rinder.
                                               Toxikologie und Pharmazie an.
Doch während dieser Zeit packte ihn die
                                                                                           Nicole de Buhr, PhD, wurde für ihre
Begeisterung für die Forschung.
                                               Der Erich-Aehnelt-Gedächtnispreis           wissenschaftliche Arbeit am Institut
                                               ging an Dr. Lea Elisabeth Middendorf        für Physiologische Chemie und ihre
Warnken schaute auf eine bewegende             für ihre Dissertation „Konzeptionelle       Publikation „Degraded neutrophil ex-
Doktorandenzeit zurück. Es gab viele           Untersuchungen zu Interaktionen zwi-        tracellular traps promote the growth
positive und schöne Erlebnisse, aber           schen Tierernährung und Entglei-            of Actinobacillus pleuropneumoniae “
auch immer wieder Rückschläge, die ihn         sungen des Leberstoffwechsels bei           im Fachmagazin Cell Death & Disease
manchmal an seinem Dissertationsthe-           der Pute (Hepatische Lipidose)“ am In-      mit dem Gustav Rosenberger-Ge-
ma zweifeln ließen. Seine Kolleginnen          stitut für Tierernährung.                   dächtnispreis ausgezeichnet.
und Kollegen fanden sich sicherlich in
dieser Rede wieder. Warnken wies au-

                                                                                                          TIHO-Anzeiger   |   1/2020   11
TIHO      campus

          Professor Dr. Christian Visscher
          Foto: Sonja von Brethorst

FAST EIN ALTER HASE                                                                       – und tiergerechter: Ein gutes Sättigungs-
                                                                                          gefühl führt zu einem ruhigeren Verhal-
                                                                                          ten“, erklärt Visscher. „Besonders span-
Professor Dr. Christian Visscher ist seit Jahren eng mit dem Insti-                       nend ist an dem Projekt natürlich die
tut für Tierernährung der TiHo verbunden. Als neu berufener W3-                           computergestützte Beurteilung der
                                                                                          Schweine. Viele für uns interessante Pa-
Professor für Tierernährung und neuer Leiter des Instituts kommt                          rameter sind gut digital zu erfassen. Sol-
ihm das zugute.                                                                           che Methoden werden für eine effiziente
                                                                                          Fütterung immer relevanter werden.“
P „Als ich mein Studium an der TiHo an-      samt sechs Jahre umfasste, konnte er al-
fing, war es mein Ziel, Nutztierarzt zu      lerdings nicht vollständig erfüllen – es     Da die Tierernährung aber Groß- und
werden“, berichtet Professor Dr. Chris-      kam der Ruf auf die Professur und damit      Klein-, Liebhaber- und Nutztiere glei-
tian Visscher. Für seine Doktorarbeit ent-   die Institutsleitung dazwischen.             chermaßen im Blick hat, kommen wei-
schied er sich darum, am Institut für                                                     tere Tierarten hinzu. „Insgesamt sind un-
Tierernährung eine Feldstudie durchzu-       Der Tierart Schwein bleibt Visscher an       sere Forschungsprojekte sehr vielfältig –
führen: Er untersuchte, wie ein gröber       der TiHo weiterhin treu. „Schweine sind,     genau wie die tägliche Arbeit. Tierernäh-
vermahlenes Futter sowie Futterzusätze       genau wie Geflügel, gute Modelltiere, da     rung besteht nicht nur aus dem ‚Drei-
bei Mastschweinen das Vorkommen von          Forschungsansätze verhältnismäßig            satz‘, wie man das vielleicht hier und da
Salmonellen beeinflussen. Nach seiner        schnell umgesetzt und gut wiederholt         mal aus der Lehre ableiten könnte“, sagt
Promotion blieb er noch für eine kurze       werden können“, erklärt er. Geflügel sei     Visscher augenzwinkernd. Im Team ent-
Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter      zudem global sehr interessant, da es für     wickeln und verbessern sie Fütterungs-
am Institut und ging dann für mehrere        die Welternährung immer wichtiger wird       konzepte, um die Tiere gesund zu erhal-
Jahre in eine Gemischtpraxis. Dort war es    und gerade aus Deutschland und Europa        ten oder, im Krankheitsfall, den Gene-
möglich, sich zum Fachtierarzt weiterzu-     viele Impulse und Trends für die Geflü-      sungsprozess zu unterstützen. „Dazu ha-
bilden. „Das war nach der Doktorarbeit       gelhaltung kommen. „Nährstoffe sind          ben wir natürlich auch viele Anfragen.
der nächste logische Schritt“, sagt          weltweit begrenzt. Uns interessiert beim     Wir beraten bei Allergien, diätetischen
Visscher, „also machte ich den Fachtier-     Geflügel und bei Schweinen deshalb un-       Problemen und bieten unter anderem
arzt für Schweine.“ Später schloss er an     ter anderem, wie wir die Tiere möglichst     Bestandsbesuche, Testfütterungen, Rati-
der TiHo noch den Fachtierarzt für Tier-     ressourceneffizient füttern können.“         onskontrollen, Futter- und Tränkwasser-
ernährung an. Die Forschung ließ ihn je-                                                  analysen sowie Blut- oder Körpergewe-
doch auch danach nicht los. Und als er       In dem von der Deutschen Bundesstif-         beuntersuchungen an.
von Boehringer-Mitarbeitern, die er wäh-     tung Umwelt geförderten Projekt RE-
rend seiner Praxiszeit kennengelernt         SAFE-PIG ist die ressourcenschonende         An den Lehrinhalten möchte Visscher
hatte, angesprochen wurde, ob er sich        und gleichzeitig tiergerechte Fütterung      nichts Wesentliches ändern. Er möchte
vorstellen könne, für den Pharmakon-         ein zentraler Punkt. Unter anderem mit       aber neue Lehr-Methoden ausprobieren.
zern Feldstudien zu Schweinegesundheit       Professor Dr. Karl-Heinz Waldmann aus        „Gemeinsam mit Professor Klaus Jung
und Impfstoffen durchzuführen, sagte er      der Klinik für kleine Klauentiere arbeitet   und Pamela Liebig aus der Tierzucht und
zu. Private Gründe gaben den Ausschlag,      Visscher mit seinem Team in dem Koope-       meiner Kollegin Julia Hankel haben wir
der Industrie nach drei Jahren den Rück-     rationsprojekt daran, Schweine vollauto-     zum Beispiel eine interaktive Grafik er-
en zu kehren: „Es war eine schöne Zeit       matisiert nach ihrer Körperkondition in      stellt, mit der die Studierenden verschie-
dort. Langfristig ist es meiner Ansicht      Gruppen einzuteilen und sie entspre-         dene Parameter auswählen und anpas-
nach in der Industrie aber etwas schwie-     chend ihrer Bedürfnisse bestmöglich mit      sen können, um zu sehen, welche Aus-
riger, die Dual-Career-Idee zu verfolgen,    Proteinen zu versorgen. „So wollen wir       wirkungen ihre Futterwahl auf die Nähr-
gemeinsame Planungen sind schwieriger        den absoluten Proteineinsatz und gleich-     stoffversorgung eines Tieres hat.“ Außer-
umzusetzen.“ Visscher ging zurück ins        zeitig die Emissionen senken.“ Die Fütte-    dem möchte er die Wahlpflichtveranstal-
universitäre Leben und nahm eine Juni-       rung von mehr Rohfasern soll zudem das       tungen über ein Semester ausdehnen.
orprofessur im Institut für Tierernährung    Sättigungsgefühl der Tiere steigern, so-     „Es ist sinnvoll, die Veranstaltung lang-
der TiHo an. Den Vertrag, der nach er-       dass sie weniger Futter aufnehmen. „Das      fristig zu konzipieren. Dann ist der Aus-
folgreicher Zwischenevaluation insge-        macht die Fütterung nährstoffeffizienter     tausch intensiver.“ W vb

12      TIHO-Anzeiger   |   1/2020
Die Feuerwehrmänner versorgen
                                                                                           den Verletzten und treiben die Minipigs
                                                                                           zusammen. Foto: Christian Sürie

                                                                                           ben die Schweine zusammen und verlu-
                                                                                           den sie anschließend auf ein herbeige-
                                                                                           holtes Ersatzfahrzeug. Hierzu standen
                                                                                           den Feuerwehrmännern unterschied-
                                                                                           liche Hilfsmittel, wie Paletten, Treibe-
                                                                                           bretter und -paddel zur Verfügung. Dr.
                                                                                           Christian Sürie, Leiter des Lehr- und For-
                                                                                           schungsguts, hatte ein paar Tipps für die
                                                                                           Mannschaft: „Sie müssen auf die Schwei-
                                                                                           ne ruhig einreden, auch untereinander
                                                                                           sollten sie sich ruhig unterhalten, so wer-
                                                                                           den die Schweine nicht nervös.“

IN RUTHE WAREN DIE SCHWEINE                                                                Die Feuerwehrmänner fühlten sich nach
                                                                                           der Übung gut auf den Ernstfall vorberei-

LOS                                                                                        tet. „Jetzt haben wir das schon mal
                                                                                           durchgespielt und sind auf den Notfall
                                                                                           besser vorbereitet“, so Jan Janssen von
Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr Hannover lernten und                                   der Stadtfeuerwehr Hannover. Auch Sü-
trainierten auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe an drei Tagen,                           rie war begeistert vom Einsatz der Feuer-
                                                                                           wehrmänner. „Es sah nicht so aus, als
wie sie eine Unfallstelle mit freilaufenden Schweinen absichern.                           hätten sie das heute zum ersten Mal ge-
                                                                                           macht. Sie haben ihre Aufgabe sehr gut
P Das Szenario der Übung auf dem Lehr-     liefen frei herum, es trat Gefahrgut aus        gelöst. Man merkt, dass sie ein Team
und Forschungsgut Ruthe sah den Unfall     und ein Mensch wurde verletzt. Die Feu-         sind. Die Verständigung funktioniert oh-
eines Schweinetransporters vor: Ein An-    erwehrmänner sperrten die Gefahren-             ne viele Worte und jeder weiß, wo sein
hänger war umgekippt und die Schweine      stelle ab, versorgten den Verletzten, trie-     Platz ist.“ W kt

  AKKREDITIERUNGSUPDATE
  P Die Akkreditierung des Spermatologielabors der Repro-
  duktionsmedizinschen Einheit der Kliniken jährte sich Ende
  vergangenen Jahres zum zehnten Mal. Gleichzeitig musste
  die Akkreditierung erneuert werden.

  „Uns sind weltweit keine weiteren akkreditierten Spermato-
  logielabore bekannt“, berichtet apl. Professorin Dr. Dagmar
  Waberski aus der Reproduktionsmedizinischen Einheit der
  Kliniken. Da Akkreditierungsverfahren sehr aufwendig sind,
  ist es immer ein großer Erfolg, wenn der Prozess erfolgreich
  abgeschlossen wurde. Den Antrag für das Akkreditierte
  Zentrallabor für Spermatologie hatten die Wissenschaftle-
  rinnen und Wissenschaftler bei der Deutschen Akkreditie-
  rungsstelle eingereicht. Der Bundesverband Rind und
  Schwein (BRS e.V.) und die deutschen Pferdezuchtverbände
                                                                  Untersuchung im Labor. Foto: Martin Bühler
  nutzen die TiHo-Einrichtung als anerkanntes spermatolo-
  gisches Referenzlabor.
                                                                  spielsweise computergestützte Spermienanalyse und
  Tierärztinnen und Tierärzten sowie Züchterinnen und Züch-       Durchflusszytometrie. Auch Spermienverträglichkeitstests
  tern bieten die TiHo-Reproduktionsmediziner neben den mi-       oder Spermakonservierungstests bieten sie an. Zudem ent-
  kroskopischen Standardverfahren ein breites Spektrum er-        wickeln und validieren sie im Zentrallabor spermatologische
  weiterter spermatologischer Methoden. Dazu zählen bei-          Testverfahren für verschiedene Spezies. W vb

                                                                                                               TIHO-Anzeiger   |   1/2020   13
TIHO      campus

          Besprechung im WHO-
          Zentrum.
          Foto: Martin Bühler

TIHO UND WHO: ZUSAMMENARBEIT GEHT WEITER
Gegen Ende des vergangenen Jahres redesignierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das WHO
Collaborating Centre for Research and Training for Health at the Human-Animal-Environment Inter-
face (WHO CC HAEI). Die Zusammenarbeit zwischen TiHo und WHO wurde damit auf eine neue Basis
gestellt.

P Die WHO vertritt seit ihrem Bestehen     den neue Aufgaben und neue Arbeitsplä-       Trainings und Workshops auf nationaler
die Politik, keine internationalen For-    ne vereinbart. Der Name des WHO-Zen-         und regionaler Ebene durchzuführen
schungseinrichtungen unter ihrer eige-     trums wurde im Sinne des One-Health-         und praktische Hilfestellung bei der Um-
nen Schirmherrschaft zu etablieren,        Ansatzes modernisiert und weiter ge-         setzung des Tricycle-Projekts und dem
sondern Aktivitäten an bestehenden In-     fasst. Seit Ende 2015 wird das WHO-Zen-      Aufbau eines nationalen Überwachungs-
stitutionen zu unterstützen, zu koordi-    trum daher als WHO CC HAEI geführt. Die      programms zu geben.
nieren und zu nutzen. Vor diesem Hin-      erste Designationsperiode unter dem
tergrund ernennt die Organisation zu re-   neuen Namen lief bis Dezember 2019.          Erhebung zum Antibiotikaeinsatz
levanten Themen weltweit Forschungs-                                                    Neben diesen Aktivitäten wird das WHO-
einrichtungen zu WHO Collaborating         Integrierte Überwachung von Resis-           Zentrum an der TiHo seine bisherigen
Centres. So ist das WHO-Zentrum an der     tenzen                                       Projekte weiterverfolgen und die vielfäl-
TiHo am Institut für Biometrie, Epidemi-   Die Neuausrichtung des WHO-Zentrums          tige internationale Zusammenarbeit fort-
ologie und Informationsverarbeitung        ist Ausdruck einer Umstrukturierung der      setzen. Hierzu zählen verschiedene Un-
angesiedelt. Die Ernennung der Zentren     WHO: Das Institut für Biometrie, Epide-      tersuchungen zum Einsatz von Antibioti-
geschieht in Absprache mit dem jeweils     miologie und Informationsverarbeitung        ka und anderen Tierarzneimitteln bei le-
zuständigen Ministerium, das gegebe-       arbeitet künftig mit der neu entstan-        bensmittelliefernden Tieren sowie bei
nenfalls auch einen Teil der Förderung     denen Division für antimikrobielle Resi-     Pferden und Kleintieren. In der Langzeit-
übernimmt. Für das WHO CC HAEI ist das     stenzen zusammen. Das WHO CC HAEI            studie VetCAb-S ermittelt das Institut
Bundesministerium für Gesundheit ver-      wird die WHO und ihre Mitgliedstaaten        zum Beispiel, wie oft ein Nutztier in
antwortlich.                               bei der Umsetzung des sogenannten Tri-       Deutschland im Durchschnitt mit wel-
                                           cycle-Projektes, einem Teil des Global       chen Wirkstoffen und in welcher Dosie-
Beginn und Neuausrichtung                  Antimicrobial Surveillance Systems           rung behandelt wird. Mit dem Projekt
Die Zusammenarbeit zwischen der TiHo       (GLASS), unterstützen. Im Tricycle-Pro-      VetCAb-International Documentation
und der WHO besteht seit 47 Jahren.        jekt erheben die WHO-Mitgliedstaaten         entwickelte das IBEI ein internationales
1973 wurde die TiHo unter dem Titel        nach einem einheitlichen Protokoll Daten     Pendant, das Projektpartner weltweit zur
WHO Collaborating Centre for Research      zum Vorkommen von Extended Spec-             Erhebung von Daten nutzen können.
and Training in Comparative Medicine       trum beta-Lactamase-produzierenden E.
erstmals designiert. Im Herbst 1978 wur-   coli (ESBL) bei Mensch, Tier, Lebensmittel   Die neue Designationsperiode läuft bis
de daraus das WHO Collaborating Centre     und in der Umwelt. Das IBEI entwickelt       Dezember 2021. Diese Zeit soll, neben
for Research and Training in Veterinary    dafür epidemiologische Modelle, die hel-     den geplanten Aktivitäten, für den Aus-
Public Health, das bis 2014 gefördert      fen, die Kernaktivitäten für die ESBL-       bau der Zusammenarbeit innerhalb der
wurde. Danach starteten die Verhand-       Überwachung auszuweiten. Zudem ist           neuen WHO-Struktur genutzt werden.
lungen für eine Neudesignation, es wur-    geplant, in den WHO-Mitgliedsstaaten         W Nicole Werner

14      TIHO-Anzeiger   |   1/2020
jetzt nicht mehr auf Verbünden konventi-
                                                                                         oneller Festplatten, sondern auf Flash-
                                                                                         Speichern. Diese Systeme nutzen aus-
                                                                                         schließlich Halbleiterspeicher als Medi-
                                                                                         um. Sie haben gegenüber Festplatten
                                                                                         mehrere Vorteile: Die Zahl der gleichzei-
                                                            Klaus Sander und Silvester   tig möglichen Aktionen auf dem Spei-
                                                            Jordan aus der IDS vor den   chermedium steigt, die Antwortzeiten
                                                            TiHo-Speichern. Im linken    sinken und es gibt keinen Verschleiß be-
                                                            Turm sind die Speichersys-   weglicher Teile. Der Verzicht auf
                                                            teme des alten System mit    leistungsbremsende Faktoren wie
                                                            Festplatten zu sehen,        Schnittstellen, Protokolle und Bau-
                                                            rechts, sehr viel kleiner,   formen, der geringere Platzbedarf in den
                                                            der Flash-Speicher           Serverräumen, der reduzierte Energie-
                                                            Foto: Sonja von Brethorst    verbrauch und der geringere Kühlungs-
                                                                                         aufwand erleichtern die Administration
                                                                                         und verringern die Unterhaltskosten.

                                                                                         Der schnelle Primärspeicher ist ein soge-
                                                                                         nannter Active/Active-Cluster: Alle schrei-
                                                                                         benden Zugriffe der Server erfolgen syn-

TSCHÜSS FESTPLATTE!                                                                      chron auf zwei Speichersystemen, die sich
                                                                                         an zwei Standorten befinden. So ist si-
                                                                                         chergestellt, dass alle Daten an beiden
Festplatten und ihr schnurrendes Geratter waren uns über Jahr-                           Standorten vorhanden sind und genutzt
zehnte sehr vertraut. Doch jetzt heißt es Abschied nehmen: Die Fest-                     werden können. Die Infrastruktur ist so
                                                                                         aufgebaut, dass es möglich ist, die virtua-
platte wird durch neue Speichertechnologien abgelöst. An der TiHo                        lisierten Server zwischen den einzelnen
nutzte das Dezernat Informations- und Datenverarbeitungsservice                          Hosts oder den Standorten während des
(IDS) den Jahreswechsel, um ein neues System in Betrieb zu nehmen.                       laufenden Betriebes zu verschieben, bei-
                                                                                         spielsweise zu Wartungszwecken.
P Mit ihren beweglichen Lese- und           des Jahr deutlich zu, genau wie die Zahl
Schreibköpfen und drehenden Metall-         der zentral betriebenen Server. Gleich-      Das neue Speichersystem gibt der TiHo die
scheiben waren Festplatten eine häufige     zeitig werden die Systeme aufwändiger        Sicherheit, für den Betrieb der Server in
Ursache für Funktionsstörungen, die den     und komplexer. Die zunehmende Digita-        den nächsten Jahren Speicherplatz in aus-
Zugriff auf Daten behindern konnten. Die    lisierung eröffnet Chancen, setzt aber       reichender Quantität und Qualität zur Ver-
TiHo betreibt für die zentralen Dienste     mehr denn je eine funktionierende Infra-     fügung zu haben. Die nutzbare Datenspei-
und Daten über 200 Serversysteme. Der       struktur voraus. Diese Faktoren bewir-       cherkapazität steigt von zwei mal 50 Tera-
von diesen Servern genutzte Speicher ist    ken, dass jährlich etwa 20 bis 30 Prozent    byte auf zwei mal 140 Terabyte. Dies ent-
der sogenannte schnelle Primärspeicher      mehr Speicherplatz auf den Servern und       spricht der weiterhin erwarteten jähr-
der TiHo. Dieser zentrale Datenspeicher     mehr Leistung benötigt werden.               lichen Wachstumsrate von 20 Prozent für
bestand bisher aus einem Festplatten-                                                    die kommenden fünf Jahre.
system und wurde jetzt durch ein Flash-     Flashspeicher statt Festplatten
Speichersystem abgelöst, indem die IDS-     Um die künftig erforderliche technische      Positive Energiebilanz
Mitarbeiter während des Jahreswechsels      Leistung sicherzustellen, führte die IDS     Das neue Speichersystem benötigt etwa
in vollem Betrieb knapp 900 logische        einen aufwändigen Technologiewechsel         80 Prozent weniger Strom als das bishe-
Festplatten auf das neue System ver-        durch: Die Speicherung der Daten aus         rige festplattenbasierte System. Bei ei-
schoben. Die Speichersysteme der TiHo       dem schnellen Primärspeicher erfolgt         ner Laufzeit von fünf Jahren spart die
für die Home- und Gruppenlaufwerke                                                       TiHo so knapp 160.000 Kilowattstunden
(langsamer Primärspeicher) sowie für die                                                 Strom. Das entspricht etwa 80 Tonnen
Datensicherungssysteme (Sekundärspei-                                                    Kohlenstoffdioxid. Zusätzlich wird viel
cher) basieren zurzeit (noch) auf Fest-
                                              Die Anfänge                                weniger Strom für die Kühlung der Syste-
platten – hier sind die Anforderungen an                                                 me benötigt.
                                              Die ersten Computer mit Festplat-
die Kapazität höher, die an die Geschwin-
                                              ten hielten in den 1980er Jahren           Desktopcomputer ohne Festplatten
digkeit niedriger.                            Einzug in die TiHo. Eine Festplatte
                                              mit einer Kapazität von 20 Mega-           Im Bereich der Desktopcomputer ist der
Mehr Speicherbedarf                                                                      Systemwechsel ebenfalls weitgehend er-
                                              byte kostete damals etwa 2.000
An der TiHo steigen die Anforderungen         DM. Heute gibt es im Handel (bald)         folgt: Von den etwa 2.000 PCs und Lap-
an den Speicherplatz und die Leistungs-       Festplatten mit 20 Terabyte, also ei-      tops an der TiHo, die zentral verwaltet
fähigkeit der Speichersysteme unauf-          ne Million Mal größere Kapazität.          werden, besitzen etwa drei Viertel flash-
haltsam: Die Zahl datenerzeugender und        Die gängigen SSDs kosten heute             basierte Solid State Disks (SSDs) und nur
IT-gesteuerter Objekte, wie Computer,         knapp 100 Euro pro Terabyte.               noch ein Viertel arbeitet mit konventio-
Drucker oder mobile Geräte, nimmt je-                                                    nellen Festplatten. W Burkart Franz

                                                                                                        TIHO-Anzeiger   |   1/2020   15
TIHO        campus

                                       Foto: Kerstin Thellmann

     LIEBLINGSORTE
     P JederMensch hat Lieblingsorte – auch an
     der TiHo. Wir haben apl. Professorin Dr. Dag-
     mar Waberski aus der Reproduktionsmedizi-
     nischen Einheit der Kliniken der TiHo nach ih-
     rem persönlichen Lieblingsort an der TiHo
     befragt.

     „Das Arbeitszimmer ist eigentlich mehr ein Le-              Professorin Dr. Christina Strube mit ihrer Assistentin Ronja Raue im vollbe-
     bens- als ein Arbeitsraum für mich. Es hat sich             setzten Hörsaal. Foto: Sonja von Brethorst
     mit der Zeit und mit mir entwickelt. Man sieht
     es an den ganzen Exponaten. Einiges davon ist
     von Doktoranden und Gästen aus aller Welt,
     aber auch von meinen eigenen Studienreisen.                 KEINE ANGST VOR
     Das Schöne ist, alles was hier zu sehen ist, hat
     eine kleine Geschichte. Und wenn ich es sehe,               ZECKEN
     denke ich kurz daran zurück. Dieses Schild zum
     Beispiel habe ich mal im Müll gefunden. Das ist             Die TiHo-Vorlesung zur diesjährigen KinderUniHanno-
     noch aus der Zeit, als der Vorläufer unserer                ver (KUH) hielt Professorin Dr. Christina Strube, PhD,
     Einrichtung im Richard Götze-Haus am Bi-
     schofsholer Damm war. Es handelt sich um ei-
                                                                 aus dem Institut für Parasitologie. Sie brachte den
     ne Schablone, die an die Seitentür des Insti-               jungen Studentinnen und Studenten sehr kindgerecht
     tutsautos gehalten wurde, um dann mit Sprüh-                das Leben einer Zecke nah.
     farbe die Beschriftung aufzutragen. Oder die-
     ses Bild, mit dem Anatomie-Hörsaal der Hum-                 P Dieses Jahr fand schon das 17. KUH-Semester statt. An der TiHo er-
     boldt-Universität zu Berlin, dem sogenannten                fuhren die Grundschulkinder alles Wissenswerte über Zecken. Strube
     Trichinentempel. Hier hat mein Vater studiert               und Assistentin Ronja Raue (6) nahmen die Nachwuchsstudierenden
     und damals Professor Dr. Joachim Hahn ken-                  mit auf eine Reise durch ein Zeckenleben. In 45 Minuten begleiteten
     nengelernt. Dieser Wimpel und die Bilder sind               sie ein Holzbockkind auf seinem Weg zur adulten Zecke. Die Kinder
     von meinem eigenen Auslandsstudienaufent-                   hörten gespannt zu und hatten Unmengen an Fragen, sodass manch
     halt an der Cornell University in New York                  eine Hand gar nicht heruntergenommen wurde. Sie lernten, dass
     State. Es sind Geschenke von der Gastprofes-                schon die Dinosaurier mit Zecken zu kämpfen hatten, dass eine
     sorin und ihrer Tochter. Auf dem Aktenschrank               Zeckenlarve nur sechs Beine hat und dass eine Zecke bis zu fünf Milli-
     dort drüben stehen meine gesammelten Expo-                  liter Blut saugen kann. Aber wie schaffen sie das? Zecken können so
     nate. Sehr viele stammen aus Mittel- und Süd-               eine große Menge Blut aufnehmen, da sie nur die festen Bestandteile
     amerika, aber einige auch aus Ägypten – ei-                 des Bluts bei sich behalten und den Rest über ihren Saugrüssel wieder
     gentlich aus aller Welt. Auch das sind alles per-           in den Wirt abgeben. Zur Begeisterung der Kinder brachte Strube auch
     sönliche Erinnerungen. Mein Arbeitszimmer                   einige Zecken mit. Diese wurden mit vielen Ohs und Ahs begutachtet.
     ist wirklich etwas sehr Spezielles und daher ein            Am Ende des Vortrags ging Strube kurz auf die von Zecken übertrag-
     Raum, in dem ich mich gern aufhalte. Bespre-                baren Krankheiten Borreliose und FSME ein und erklärte den Mädchen
     chungen mit meiner Arbeitsgruppe finden                     und Jungen, wie sie sich vor einem Zeckenstich schützen können. Sie
     meist hier statt. In dieser Atmosphäre entste-              empfahl ihnen, helle Kleidung zu tragen und bei einem Gang durch ho-
     hen neue Gedanken – sowohl im Gespräch als                  hes Gras die Socken über die Hose zu ziehen. So können die kleinen
     auch beim Schreiben von Artikeln. Dies sind                 Spinnentiere nicht zwischen Hose und Bein nach oben klettern. Doch
     immer produktive und konstruktive Prozesse.“                was macht man, wenn die Zecke zugestochen hat? Die Kinder wussten
                                                                 die Antwort: Man zieht sie mit einer Zeckenzange heraus! W kt

16        TIHO-Anzeiger   |   1/2020
TIHO     forschung                                                                       Ansicht der Pionierneuronen in den Extremi-
                                                                                         tätenknospen. Auf www.tiho-hannover.de
                                                                                         finden Sie die Darstellung in bewegter Form.
                                                                                         Foto: Karsten Bode

                                                                                         vigation neuronaler Fortsätze sind zwi-
                                                                                         schen Wirbellosen Tieren und der Hirn-
                                                                                         rinde von Säugetieren während der Evo-
                                                                                         lution nicht verändert worden. Daher er-
                                                                                         laubt die Sensitivität auf gefährliche Che-
                                                                                         mikalien im Insektenembryo-Test auch
                                                                                         Aussagen über die Entwicklungsneuroto-
                                                                                         xizität beim Menschen“, sagt Bicker.

                                                                                         So funktioniert die Methode

                                                                                         In einem vom Bundesministerium für
                                                                                         Bildung und Forschung geförderten Ver-
                                                                                         bundprojekt haben Wissenschaftler der
                                                                                         TiHo und des LZH die anatomische Form
                                                                                         der Pionierneuronen dreidimensional vi-
                                                                                         sualisiert und exakt vermessen. Heu-
                                                                                         schrecken legen etwa 50 Eier in einem

MIT LASERTECHNIK TIERVER-                                                                Gelege ab, aus dem sich die Embryonen
                                                                                         relativ leicht herauspräparieren lassen.

SUCHE VERMEIDEN                                                                          Karsten Bode, Doktorand in der Arbeits-
                                                                                         gruppe Zellbiologie an der TiHo, kulti-
                                                                                         vierte die intakten Heuschreckenem-
Neue Methode misst die Wirkung entwicklungsneurotoxischer Che-                           bryos in 24-Well-Platten mit Testchemi-
mikalien und verzichtet gleichzeitig auf Versuche an Säugetieren.                        kalien und markierte die Pionierneurone
                                                                                         mit fluoreszierenden Antikörpern. An-
                                                                                         schließend machten LZH-Wissenschaft-
P Die Arbeitsgruppe von Professor Dr.        gering, da die erforderlichen Testverfah-   ler den Embryo mit dem sogenannten
Gerd Bicker aus dem Institut für Physio-     ren sehr aufwendig sind und eine hohe       CRISTAL-Verfahren optisch völlig durch-
logie und Zellbiologie der TiHo und die      Anzahl von Tierversuchen mit Laborna-       sichtig und betteten ihn stabil ein. Die
Abteilung für Industrielle und Biomedizi-    gern erfordern. Ein Zellkulturtest würde    Bildgebung erfolgte mit der Scanning La-
nische Optik des Laser Zentrum Hanno-        Zeit sparen, kostengünstiger sein – und     ser Optical Tomography (SLOT), einer in
ver (LZH) haben ein bildgebendes Verfah-     viel wichtiger: Tierversuche ersetzen.      der Abteilung für Industrielle und Biome-
ren entwickelt, mit dem chemische Sub-       Das neu entwickelte Testsystem arbeitet     dizinische Optik entwickelten Methode,
stanzen am Insektenembryo auf eine           mit dem Insektenembryo der Wander-          bei der ein transparentes Objekt mit
entwicklungsneurotoxikologische Wir-         heuschrecke und soll als Ersatz- und        einem Laserstrahl abgerastert und das
kung getestet werden können. „Ist das        Ergänzungsmethode für bisher verwen-        entstandene Fluoreszenzlicht von einem
System etabliert, könnte es zahlreiche       dete Versuche an Säugern eingesetzt         hochempfindlichen Fotodetektor erfasst
Versuche an Säugetieren ersetzen“, er-       werden.                                     wird. Ein Algorithmus aus der medizi-
klärt Bicker. Die Wissenschaftler stellten                                               nischen Röntgencomputertomographie
ihren neuen Test jetzt in dem Fachmaga-                                                  errechnet das 3D-Bild. Anschließend
                                             Pionieraxone nutzen
zin Scientific Reports vor. Scientific Re-                                               können die Wissenschaftler die Pio-
ports ist ein Open-Access-Journal und        Ein essenzieller Aspekt der Gehirnent-      nierneuronen durch eine digitale Bild-
gehört zum Nature-Verlag.                    wicklung ist die präzise Verknüpfung zwi-   analyse mit einem halbautomatischen
                                             schen den Nervenzellen. Das Testsystem      Segmentierungsverfahren darstellen
                                             erfasst, nachdem eine Chemikalie zuge-      und in ihrer Wuchsform vermessen. So
Viele ungetestete Chemikalien
                                             fügt wurde, die Störungen der neuro-        „identifizierte“ das Segmentierungsver-
Das Gehirn von Säuglingen reagiert emp-      nalen Verschaltung von Pionieraxonen        fahren beispielsweise die Testsubstan-
findlicher auf Chemikalien, als das er-      zum zentralen Nervensystem. Pionier-        zen Methylquecksilber oder Natriumar-
wachsener Menschen. Daher können In-         axone sind im sich entwickelnden Orga-      senit in Übereinstimmung mit epidemio-
dustriechemikalien, Pflanzenschutzmit-       nismus die Nervenzellen, die die ersten     logischen Daten und Tierversuchen als
tel, Inhaltsstoffe von Kosmetika oder        Zellfortsätze (Axone) ausbilden. Die aus-   entwicklungsneurotoxisch. „Jetzt validie-
Arzneimittel das sich entwickelnde Ner-      wachsenden Zellfortsätze dieser Pio-        ren wir den Insektenembryo-Test mit
vensystem während der Schwanger-             nierneuronen bahnen sich entlang von        einem Trainingsset von bekannten ent-
schaft oder auch nach der Geburt schädi-     Wegweisermolekülen (Semaphorine) ih-        wicklungsneurotoxischen und Kontroll-
gen. Die Anzahl bisher untersuchter Che-     ren Weg zum zentralen Nervensystem.         Substanzen auf seine zuverlässige Aussa-
mikalien ist aber leider verschwindend       „Die zellulären Mechanismen dieser Na-      gekraft“, erklärt Bicker.

                                                                                                              TIHO-Anzeiger   |   1/2020   17
Sie können auch lesen