JAGD in Bayern - Bayerischer Jagdverband eV
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Angesprochen
Liebe Jägerinnen und Jäger,
mit Blick auf die mit Schrecken erwartete Veröffentlichung
des forstlichen Gutachtens und unter dem Damokles-
schwert der anstehenden Abschussverhandlungen stellt
sich immer öfter die Frage: Ist die Jagd heute Dienstleis-
tung oder noch Passion? Waidgerechte Jäger hängen unter
dem stetig wachsenden Druck immer öfter die Büchse an
den Nagel. Das ist bedenklich.
Tatsächlich braucht es zur Jagdausübung unter dem Joch Lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen! Wir haben die
knebelnder Pachtverträge, immens steigender Abschuss- Verantwortung für unserer Reviere und die Obhut des darin
zahlen und ausufernder Wildschäden immer mehr Idealis- lebenden Wildes übernommen. Wir sind kein verlängerter
mus, Zeit, Geld und Durchhaltevermögen. Und tatsächlich Arm der Grundbesitzer und Forstbehörden. Nein, wir sind
sind wir mit den heutigen Anforderungen an die Jäger sehr ein starker, unverzichtbarer Partner. Wenn uns diese Wert-
nahe dran an einem Dienstleistungsmodell. Nur, dass dabei schätzung entgegengebracht wird, suchen wir engagiert
der Jäger als Dienstleister dafür auch noch tief in die Tasche nach gemeinsam vertretbaren Lösungen.
greifen darf.
Gehen Sie erhobenen Hauptes in die anstehenden Ab-
Skurril, dass im Gegenzug Umweltverbände wie BUND und schussbesprechungen, nicht als demütiger Bittsteller und
NABU bezweifeln, dass wir die Jagd überhaupt noch brau- Exekutivorgan. Zeigen Sie Engagement, aber fordern Sie
chen, und – noch abstruser – dass Jäger sich tatsächlich genau das auch von der Gegenseite. Denn wir werden ge-
wirksam für die Natur engagieren. Ihr Vorwurf: Sie küm- braucht. Und nur als starke Partner können wir uns den An-
mern sich nur um das Wohl der Arten, die sie auch bejagen. forderungen des 21. Jahrhundert an die Jagd stellen.
Malen wir uns doch mal aus, was passiert, wenn wir einfach
in den Streik treten würden. Wer wird sich denn dann mit
der Büchse um unser „armes Sorgenkind“, den Klimawald,
kümmern? Ganz abgesehen von den Habitatsverbesserun- Ihre
gen und dem Artenschutz durch Prädatorenmanagement,
Seuchenprävention und Wildschadensverhütung? Wer
hegt, füttert, baut Reviereinrichtungen, erlegt, verarbeitet
und vermarktet dann rund 4,4 Mio. Stück Wild pro Jahr in
Deutschland? Uns Jägerinnen und Jägern wird mangelnde
Jagdpassion, Verfügbarkeit und Trophäenorientierung vor-
geworfen. Dabei wird von uns immer mehr Unleistbares Isabel Koch
gefordert und bei Nicht-Erfüllung mit Strafen belegt. Referat II – Kommunikation
Der Bayerische Jagdverband – anerkannter Naturschutzverband
2-2022 JAGD
in Bayern
38
Jagdpraxis Wildbiologie
Enok nachstellen | 24 Neozoen | 8
Fotos: S. 8: Film Studio Aves/stock.adobe.com, S. 36: lichtreflexe/stock.adobe.com, S. 42: I. Koch, S. 44: R. Deyerl,
Auf den Heimlichen Neubürger in Bayern
Rabenvögel überlisten | 48 Kompaktes Wissen | 12
Elstern-Endspurt Neubürger im Kurzporträt
Wildtiermonitoring Bayern | 16
44 Wo die Neuen stecken
Krankheiten | 20
Erreger im Gepäck
Geweihentwicklung | 38
Jährlich neu
Titel: rudiernst/stock.adobe.com
Jagdkultur
Reinhard Deyerl | 44
Bayerisches Geweihdesign
4 JAGD
in Bayern
2-2022JAGD
Inhalt
Digitalisierung
BJV-Apps | 52
BJV WildExperte und BJV Schießstandsuche
Recht
Wildunfall | 56
Wenn es im fremden Revier knallt
42 Rubriken
Angesprochen | 3
Revierpraxis Jagd aktuell | 6
BJV Intern | Heftmitte
Forstliches Gutachten 2021 | 28
Waldzustand bewerten BJV-Frischlinge | 50
Branchennews und Kleinanzeigen | 59
Kommentar | 32
Das sind wir Wald und Wild schuldig Impressum | 62
Schäden durch Nager | 34 Jagd-Kolumne | 66
Heimliche Knabberer
Wildschäden | 36
Verbiss vermeiden
Schalenwildmanagement | 42
Den Königen ganz nah
Wildbret
Rezepte zum Sammeln | 57 36
Bayerisches Surf & Turf
2-2022 JAGD
in Bayern
5JAGD
aktuell
Bedrohliche Winterjagd: Keine Schonzeit für Gämsen
Durch den anhaltend hohen Jagddruck
und den allgegenwärtigen Tourismus
gibt es in den bayerischen Alpen nur
noch sehr wenige, für das Gamswild
ganzjährig gut geeignete und nutz-
bare Rückzugsgebiete. Gleichzeitig
zeigen Analysen der Deutschen Wild-
tier Stiftung, dass das Durchschnitts-
alter der erlegten Gämsen zum Bei-
spiel im Landkreis Traunstein gerade
einmal 2,5 Jahre beträgt. Wildbiolo-
gisch richtig wäre etwa das Dreifache.
Fast 40 Prozent der Stücke wurden in
der gesetzlichen Schonzeit erlegt. „Die
starke Nutzung junger und jüngster
Altersklassen deutet klar darauf hin,
dass die Gämsenpopulationen regio-
nal bereits stark übernutzt und desta-
bilisiert sind“, so Andreas Kinser.
Mittlerweile stehen Gämsen auf der
In den bayerischen Alpen haben Gämsen auf 26.000 Hektar keine Schonzeit.
Foto: Andrea Izzotti/stock.adobe.com
Vorwarnliste der Roten Liste der Tiere
Deutschlands. Ein Alarmsignal, das wir
nicht ignorieren dürfen. Die Deutsche
In der Winterzeit hat es vor allem Winterlebensräumen des Gams- Wildtier Stiftung fordert, Jagdschon-
das Gamswild schwer und braucht wildes keine Schonzeit. Die Flächen gebiete in den bayerischen Alpen nach
Ruhe. Deshalb endet die Jagdzeit werden damit zur Todesfalle für die Vorbild der europäischen Nachbarlän-
auf Krickelwild eigentlich am 15. De- Gämsen. „Es gibt sogar sogenann- der auszuweisen, um die notwendi-
zember. Doch fast in den gesamten te Wald-Wild-Schongebiete, die von gen Alters- und Sozialstrukturen der
bayerischen Alpen gibt es unter dem Skifahrern oder Wanderern aus Rück- Gämsen wenigstens in kleinen Gebie-
Argument der Schutzwaldsanie- sicht auf die Wildtiere gemieden ten wieder zu stabilisieren. Gegen die
rung Gebiete, in denen Gämsen auf werden sollen, in denen aber ganz- Aufhebung der Schonzeit unterstützt
einer Fläche von 26.000 Hektar kei- jährig gejagt werden darf“, kritisiert die Stiftung gleichzeitig einen Nor-
ne Schonzeit haben. In den Chiem- Dr. Andreas Kinser, stellvertretender menkontrollantrag beim Bayerischen
gauer Alpen gibt es zum Beispiel Leiter Natur- und Artenschutz der Verwaltungsgerichtshof.
auf nahezu allen gut geeigneten Deutschen Wildtier Stiftung. Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung, C. Swoboda
40-jähriges JAGD-&-HUND-Jubiläum verschoben
Die aktuellen Entwicklungen rund um Teilnehmern nicht nur eine bessere Der neue Termin
die Corona-Pandemie machten eine Planungssicherheit, sondern ermög- steht bereits fest:
sichere Planung der JAGD & HUND An- licht auch ein gebührendes 40. Jubi- Das 40-jährige
fang Februar 2022 unmöglich. Da- läum der JAGD & HUND mit allen lang- Jubiläum der JAGD
her entschieden sich die Veranstal- jährigen Partnern und Ausstellern aus & HUND findet
ter der größten Jagdmesse Europas aller Welt, mit denen wir die Messe zu vom 7. bis 12. Juni
für eine Verschiebung. „Nach einem dem gemacht haben, was sie heu- 2022 in der Mes-
intensiven Austausch mit Partnern te ist: Europas größte Jagdmesse“, so se Dortmund statt. Bereits gekauf-
und Ausstellern haben wir daher die Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin te Tickets behalten ihre Gültigkeit.
Entscheidung getroffen, die Mes- der Westfalenhallen Unternehmens- Die Messe für Angelfischerei FISCH &
se zu verschieben. Das bietet allen gruppe. ANGEL pausiert 2022. PM
6 JAGD
in Bayern
2-2022JAGD
aktuell
Niederwildstrecken gehen zurück
In Bayern wurde im Jagdjahr 2020/21
weniger Niederwild gestreckt als noch
im Vorjahr. So wurden 58.838 Wild-
enten, 48.377 Hasen und 8.414 Fasane
erlegt. Damit ist die Entenstrecke im
Vergleich zum Vorjahr um 20,94 Pro-
zent, die Hasenstrecke um 17,47 Pro-
zent und die Fasanenstrecke sogar um
44,14 Prozent zurückgegangen. Auch
in anderen Bundesländern, wie in
Baden-Württemberg und Nordrhein-
Westfalen, ist ein deutlicher Strecken-
einbruch des Niederwildes festzu-
stellen. Einen neuen Tiefstand erlebte
auch Schleswig-Holstein. Dort wurden
nur 16.442 Hasen erlegt, was einem
Rückgang um fast die Hälfte zum
Vorjahr entspricht. Dies ist aber nicht
pauschal auf Habitatschwund zu-
rückzuführen, sondern durch mehrere
Faktoren beeinflusst. Die Strecken-
zahlen des vergangenen Jagdjahres
müssen auch unter dem Aspekt der
Corona-Pandemie betrachtet wer-
den. Denn aufgrund von Lockdowns
und Restriktionen haben weniger
Treibjagden stattgefunden. Die aktu-
ellen Streckendetails des Jagdjahres
2020/21 sind je Wildart im Wildtier- Die Strecken bei Enten, Hasen und Fasanen sind in Bayern im Jagdjahr 2020/21
portal Bayern abrufbar. C. Swoboda zurückgegangen. Foto: C. Swoboda
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2-2022 JAGD
in Bayern
7WILDBIOLOGIE
Neozoen
Seit Jahrzehnten bekommt die bayerische Fauna
Zuwachs aus anderen Teilen der Erde.
Dr. Stefan Tewinkel gibt einen Überblick, welche
Arten zugewandert, ausgewildert oder
aus der Haltung entkommen sind.
Neubürger
in Bayern
U nsere Tierwelt ist im steten Wan-
del. Während Rebhuhn und Hase
in vielen Gegenden verschwinden,
in Deutschland. Heute ist der wei-
ße Reiher flächendeckend zu finden.
Trotzdem ist es aber bislang nur sehr
tauchen neue Arten auf. Wer heute an vereinzelt zu Bruten in Deutschland
einem bayerischen Gewässer steht, gekommen.
trifft mit Silberreihern, Nilgänsen
oder Nutria auf Arten, die in weiten
Teilen Bayern bis vor wenigen Jahren Wenig neue Säuger der Kranich, der mittlerweile sogar in
schlichtweg nicht vorkamen. Südbayern brütet, der Kormoran oder
Einige dieser tierischen Neubürger Bei den Säugetieren gibt es nur we- auch der Seeadler, der nun wieder
haben den Weg zu uns ohne fremde nige natürliche Neubürger. Ein mögli- in mehreren Gebieten Bayerns vor-
Hilfe gefunden. In der Vogelwelt trifft cher Kandidat ist sicherlich der Gold- kommt. Insgesamt scheinen übrigens
dies auf die Türkentaube zu. Sie ist schakal, ein Hundeartiger, der sich große Vögel eher von Naturschutz-
etwa um die Mitte des 20. Jahrhun- über Ungarn und Österreich langsam bemühungen zu profitieren als die
derts erstmals bei uns aufgetaucht aber sicher Bayern nähert. Einzel- kleinen. Unter den Säugetieren ist der
und hat innerhalb weniger Jahre alle ne Nachweise gibt es bereits bei uns, Wolf das wohl bekannteste Beispiel.
Regionen Bayerns besiedelt. Heute ist etabliert ist die Art aber noch nicht. Auch einzelne Elche wandern gele-
diese mittelgroße Taube als Brutvogel Einige natürliche Zuwanderer wa- gentlich aus Polen oder Tschechien
fest etabliert. Auch der Silberreiher ren früher bei uns heimisch und sind zu uns ein, und bekanntermaßen
hat selbstständig den Weg zu uns ge- nun zurückgekehrt, meist weil sie ihr haben auch schon Braunbären den
funden. Bis in die 1990er-Jahre war Verbreitungsgebiet wieder deutlich Weg zu uns gefunden. Die Ansied-
er eine ausgesprochene Seltenheit ausweiten konnten. Hierzu zählen lung einer stabilen Population ist
8 JAGD
in Bayern
2-2022Foto: Film Studio Aves/stock.adobe.com
bei diesen Großsäugern allerdings in Kanadische angesiedelt. Um hier eine um Tierarten, die seit der Entdeckung
naher Zukunft nicht zu erwarten. weitere Faunenverfälschung zu ver- Amerikas durch Kolumbus im Jahr
hindern, ist es in Deutschland nun 1492 eingebürgert wurden. Zu diesen
gemäß der Bundesartenschutzver- „gebietsfremden Arten“ werden da-
Fehler beim ordnung verboten, Kanadische Biber her meist auch Muffel- und Damwild,
Wiedereinbürgern „anzubieten, zur Abgabe vorrätig zu manchmal sogar Fasan und Wild-
halten, feilzuhalten oder an andere kaninchen gezählt, Arten, die seiner-
Weitere Rückkehrer sind Wander- abzugeben“. Auch die Zucht ist ver- zeit hauptsächlich aus jagdlichen
falke, Luchs, Biber und Fischotter, boten. Beim Wanderfalken wurden Gründen eingeführt wurden.
hier spielen allerdings auch Wieder- teilweise gebietsfremde Unterarten
einbürgerungen eine wesentliche ausgewildert. Sehr viel häufiger denkt
Rolle. Zumindest beim Wanderfal- man bei Neubürgern an die Arten, die Frühere Aussetzungsprojekte
ken und beim Biber lief hierbei nicht nur mit Hilfe des Menschen zu uns
immer alles glatt. So wurden neben gekommen sind. Definitionsgemäß In neuerer Zeit ist eine gezielte Ein-
Europäischen Bibern teilweise auch handelt es sich bei diesen Neozoen führung von Neozoen die Ausnahme.
2-2022 JAGD
in Bayern
9Silberreiher haben eine
ausgeprägte Neigung zu wandern.
Foto: Dr. S. Tewinkel
Waschbären wurden als
Pelzlieferanten nach
Deutschland eingeführt.
Foto: chrisroosfotografie/stock.adobe.com
Minks verdrängen
den heimischen
Europäischen Nerz.
Foto: hkuchera/stock.adobe.com
Gefangenschaftsflüchtlinge. Jagdlich Viele andere Neozoen, wie etwa Rost-
relevant sind vor allem Marderhund und Nilgans, aber auch die in einigen
und Mink, letzterer auch als Ameri- Gegenden nicht seltene Mandarinente
kanischer Nerz bekannt. Beide gelten sind auf Vögel zurückzuführen, die
Eines der letzten Beispiele ist ver- als erhebliche Gefahr für unser Nie- aus Vogelhaltungen entkommen sind.
mutlich der Waschbär. Die hiesige derwild. Weitere Pelztiere, die sich bei Besonders auffällig sind hierbei die im
Population ist wohl hauptsächlich auf uns etabliert haben, sind die Nutria Rhein-Main-Gebiet mittlerweile weit
das Aussetzen weniger Tiere in den und die Bisamratte. verbreiteten Halsbandsittiche, eine
1930er-Jahren am hessischen Eder- grüne Papageienart, die in Baum-
see zurückzuführen. höhlen brütet und lärmend durch die
Ein Grund für das Aussetzungsprojekt Neue Vogelarten dortigen Wohngebiete fliegt.
soll die Entwicklung in der Pelzwirt-
schaft gewesen sein. Die zum Schutz Bei der Vogelwelt spielen gezielte
der frei lebenden Pelztierpopulatio- Ansiedlungen eine eher untergeord- Lästig und bedrohlich
nen errichteten Farmen lieferten nicht nete Rolle. Der Versuch, Truthühner
die gewünschte Pelzqualität, also ent- oder Moorschneehühner in Deutsch- Viele der eingebürgerten Arten wer-
schied man sich, die wild lebenden land zu etablieren, ist weitgehend den durchaus als lästig oder bedroh-
Pelztiere weiter zu verbreiten. misslungen. Allenfalls bei der Kana- lich wahrgenommen, sei es weil sie
Der Pelzindustrie haben wir in dagans ist die gegenwärtige Popula- Schäden in der Landwirtschaft an-
Deutschland noch weitere Neozo- tion wohl zumindest teilweise auf er- richten, als Ruhestörer auftreten oder
en zu verdanken, sei es durch be- folgreiche Aussetzungsmaßnahmen die einheimische Fauna und Flora
wusstes Aussetzen oder auch durch zurückzuführen. gefährden. Einige Ökologen sehen
10 JAGD
in Bayern
2-2022WILDBIOLOGIE
Neozoen
auch die Gefahr einer Verarmung der weil sie weniger schädlich ist, son-
globalen Vielfalt, weil irgendwann dern weil die Art aufgrund ihres na- Dr. Stefan
überall nur noch dieselben Tier- oder türlichen Vorkommens im Südosten Tewinkel
Pflanzenarten vorkommen. Europas dann doch keine gebiets-
fremde Art für die EU ist. Das Fehlen ist mit der Jagd
des Minks auf der Liste hat dagegen seit frühester
Gesetzlich geregelt vermutlich wirtschaftliche Interessen. Kindheit ver-
Diese Nerzart ist schließlich der be- traut. Das Spe-
Aus diesem Grund gibt es seit 2014 liebteste Pelzlieferant. Eine Haltung zialgebiet des pas-
die „Verordnung (EU) 1143/2014 des in Pelztierfarmen wäre aber nach sionierten Jägers ist
europäischen Parlaments und des Aufnahme auf die Unionsliste nicht die Ornithologie.
Rates vom 22. Oktober 2014 über die mehr möglich.
Prävention und das Management der
Einbringung und Ausbreitung invasi-
ver gebietsfremder Arten“. Als invasiv Strategien erforderlich
gilt demnach eine „gebietsfremde vorhanden sein. Dabei kommt nicht
Art, deren Einbringung oder Ausbrei- Neben dem Haltungsverbot führt die selten die Jagd zum Zuge.
tung die Biodiversität und die damit Aufnahme in die Unionsliste auch zu Besonders erfolgreich ist man in
verbundenen Ökosystemdienstleis- einem generellen Verbot des Inver- Deutschland bei diesen Manage-
tungen gefährdet oder nachteilig kehrbringens. Darüber hinaus müssen mentstrategien allerdings nicht. Die
beeinflusst.“ Mit der zuletzt im Jahr Managementstrategien entwickelt Nilgans nimmt in ihrem Bestand eher
2019 erfolgten Erweiterung umfasst werden. In der frühen Phase der In- zu. Auch bei den invasiven Säugetie-
die sogenannte Unionsliste momen- vasion müssen die Individuen sofort, ren ist keine wesentliche Trendwende
tan 35 Pflanzen- und 31 Tierarten von vollständig und dauerhaft beseitigt zu erkennen. Vielleicht sollten wir uns
EU-weiter Bedeutung. Bei den Tieren werden. Bei den bereits weit verbrei- ein Beispiel an Großbritannien neh-
sind neben Vögeln und Säugetieren teten Arten, wie Nutria, Bisam, Wasch- men: Dort ist es gelungen, die eben-
auch Fische und Wirbellose aufge- bär, Marderhund und Nilgans, müs- falls invasive, aus Amerika stam-
führt. Die ähnlich häufig wie die Nil- sen innerhalb von 18 Monaten nach mende Schwarzkopf-Ruderente in-
auftretende Rostgans findet sich üb- deren Aufnahme in die Unionsliste nerhalb weniger Jahre nahezu voll-
rigens nicht auf der Unionsliste, nicht wirksame Managementmaßnahmen ständig wieder auszurotten. ♦
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Kompaktes Wissen
Neubürger im
Kurzporträt
Was wir Jäger über die Neozoen in unseren Revieren wissen sollten,
hat Dr. Stefan Tewinkel in Steckbriefen zusammengefasst.
Waschbär (Procyon lotor)
Merkmale: Kleinbär, Länge: ca. 90 cm, Gewicht: ca. 6 kg
Nahrungswahl: Allesfresser (etwa zu gleichen Teilen Pflanzen, Wirbeltiere und Wirbellose)
Ursprüngliche Verbreitung: Nordamerika
Vorkommen in Deutschland: vermutlich seit den 1930er-Jahren aufgrund von Auswilderungen und entflohenen
Tieren aus Pelzfarmen
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2016
Gefährdungspotenzial: Prädation auf Eier und Jungvögel von Bodenbrütern, Fische, Reptilien (z. B. Ringelnat-
ter, Europäische Sumpfschildkröte) und Amphibien (z. B. gefährdeter Moorfrosch, Gelb-
bauchunke); verursacht wirtschaftliche Schäden an Gebäuden und in der Landwirtschaft
Gefahrenabwehr: ganzjährige Jagdzeit, Abschuss, Fallenjagd, Sicherung gefährdeter Bereiche (z. B. durch
Zäune)
12 JAGD
in Bayern
2-2022WILDBIOLOGIE
Kompaktes Wissen
Goldschakal (Canis aureus)
Duben/stock.adobe.com, Budimir Jevtic/stock.adobe.com, Pfeile: drawlab/stock.adobe.com
Fotos: (v. l. n. r.): hkuchera/stock.adobe.com, meandering emu/stock.adobe.com, Stanislav
Merkmale: Hundeartiger, Länge: ca. 110 cm, Ge-
wicht: ca. 9 kg
Nahrungswahl: Fleischfresser ähnlich dem Fuchs, frisst
auch menschliche Abfälle
Ursprüngliche Verbreitung: Südosteuropa, Vorderasien, Nordafrika
Vorkommen in Deutschland: natürliche Einwanderung einzelner Tiere,
allerdings noch nicht etabliert
Invasive Art nach Unionsliste: nein, auch nicht zu erwarten, da natürlicher
Einwanderer
Gefährdungspotenzial: ähnlich dem Fuchs, Prädation auf Niederwild und
Bodenbrüter
Gefahrenabwehr: entfällt bislang
Marderhund/Enok
(Nyctereutes procyonoides)
Merkmale: Hundeartiger, Länge: ca. 80 cm, Gewicht:
ca. 7 kg
Nahrungswahl: Allesfresser (ähnlich dem Waschbären),
nimmt auch Aas auf
Ursprüngliche Verbreitung: Ostasien
Vorkommen in Deutschland: seit 1960, aus Osteuropa eingewandert,
wurde dort seit dem 19. Jahrhundert aus-
gewildert
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2019
Gefährdungspotenzial: Prädation auf Eier und Jungvögel von
Bodenbrütern, Reptilien (Europäische
Sumpfschildkröte) und Amphibien; ver-
ursacht wirtschaftliche Schäden in der
Landwirtschaft
Gefahrenabwehr: ganzjährige Jagdzeit, Sicherung gefähr-
deter Bereiche (z. B. durch Zäune)
Mink oder Amerikanischer Nerz (Neogale vision)
Merkmale: Marder, Länge: ca. 70 cm, Gewicht: ca. 1,5 kg
Nahrungswahl: Fleischfresser, z. B. Kleinsäuger, Vögel, Amphibien, Fische, Krebse
Ursprüngliche Verbreitung: Nordamerika
Vorkommen in Deutschland: entkommene und freigelassene Tiere aus Nerzfarmen (z. B. von Tierschützern)
Invasive Art nach Unionsliste: nein, Stand 2021
Gefährdungspotenzial: verdrängt den Europäischen Nerz, Prädation von Fischen, Amphibien, Kleinsäugern,
Vögeln und Wirbellosen
Gefahrenabwehr: Bejagung aus Gründen des Jagdschutzes ist möglich. Allerdings gibt es keine gezielten
Maßnahmen, da der Nerz nicht Bestandteil der Unionsliste ist.
2-2022 JAGD
in Bayern
13WILDBIOLOGIE
Kompaktes Wissen
Nutria (Myocastor coypus)
Merkmale: Nager, Länge: ca. 90 cm, Gewicht: ca. 8 kg
Nahrungswahl: nahezu ausschließlich Pflanzenfresser,
selten Wirbellose
Ursprüngliche Verbreitung: Südamerika
Vorkommen in Deutschland: aus Pelzfarmen, teilweise gezielt bei
Aufgabe der Farmen, um sich der
Tiere zu entledigen; in Frankreich frei-
gesetzt, um Pflanzen an Fischteichen
zurückzudrängen
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2016
Gefährdungspotenzial: starke Fraßschäden an Unterwasser- und
Ufervegetation, Prädation von Muscheln,
Wühltätigkeit im Uferbereich
Gefahrenabwehr: ganzjährige Jagdzeit
Sonstiges: Es besteht Verwechslungsgefahr mit
dem Biber. Vor dem Verzehr ist eine
Trichinenuntersuchung erforderlich.
Dr. S. Tewinkel, links unten: kazakovmaksim/stock.adobe.com,
rechts oben: Dr. S. Tewinkel, Pfeile: drawlab/stock.adobe.com
Bisam (Ondatra zibethicus)
Merkmale: Nager, Länge: ca. 55 cm, Gewicht: ca. 1,5 kg
Fotos: links oben: Dr. S. Tewinkel, links Mitte:
Nahrungswahl: hauptsächlich Pflanzenfresser, selten Wirbellose, Amphibien, Fische
Ursprüngliche Verbreitung: Nordamerika
Vorkommen in Deutschland: seit Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund von Auswilderungen im heuti-
gen Tschechien, teilweise aus Pelzfarmen entkommen
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2017
Gefährdungspotenzial: starke Fraßschäden an Unterwasser- und Ufervegetation, Prädation von
Muscheln und Krebsen, verursacht Uferschäden durch Wühlen
Gefahrenabwehr: durch haupt- und ehrenamtliche Bisamjäger, ganzjährige Schusszeit
Sonstiges: Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem Biber. Vor dem Verzehr ist eine
Trichinenuntersuchung erforderlich.
14 JAGD
in Bayern
2-2022Nilgans (Alopochen aegyptiaca)
Merkmale: Gänsevogel, Länge: ca. 70 cm, Gewicht: ca.
2,5 kg
Nahrungswahl: hauptsächlich Pflanzenfresser, Triebe,
Getreide und Samen
Ursprüngliche Verbreitung: Afrika
Vorkommen in Deutschland: Gefangenschaftsflüchlinge in den Nie-
derlanden führten zur Einwanderung nach
Deutschland. Erstbrut in Deutschland in den
1980er-Jahren
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2017
Gefährdungspotenzial: Konkurrenz um Nistplätze und Reviere an Gewässern
Gefahrenabwehr: Jagdzeit vom 1. August bis 15. Januar, Fütterungsverbote,
Anstechen oder Austausch von Eiern (Ausnahmegenehmigung
erforderlich)
Schwarzkopf-Ruderente (Oxyura jamaicensis)
Merkmale: kleiner Entenvogel, Länge: ca. 40 cm, Gewicht: ca. 0,5 kg
Nahrungswahl: Wasserpflanzen, Wirbellose
Ursprüngliche Verbreitung: Nordamerika
Vorkommen in Deutschland: 1948 in Großbritannien angesiedelt, bisher nur wenige Nachweise in Deutsch-
land, zum Beispiel Ismaninger Speichersee bei München, Niederbayern
Invasive Art nach Unionsliste: ja, seit 2016
Gefährdungspotenzial: Hybridisiert fruchtbar mit der stark gefährdeten Weißkopf-Ruderente (Oxyura
leucocephala), Ressourcenkonkurrenz mit anderen Wasservögeln
Gefahrenabwehr: in Bayern keine Jagdzeit, in Großbritannien erfolgreiche Ausrottungskampagne
seit 2000, dort jetzt nahezu verschwunden
Dr. S. Tewinkel ♦
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2-2022 JAGD
in Bayern
15Wo sich Neozoen im Freistaat angesiedelt
haben, verraten die von Jägern gesammelten
Daten. Regina Gerecht erläutert die Verbreitung
anhand der daraus entstandenen Karten.
Wo
die Neuen D as Wildtiermonitoring Bayern des BJV verfolgt
methodisch unterschiedliche Arbeitsansätze. So
lassen sich großflächig Daten auf Bundeslandebene
erheben. Einer davon ist die Flächendeckende Er-
stecken
fassung. Sie gibt Auskunft darüber, ob eine Tierart in
einem Gebiet gemeldet wurde und somit dort vor-
kommt. Dafür beteiligen sich viele Jägerinnen und
Jäger aus zahlreichen Revieren, um das Vorkommen
von Wildtieren in einem 3-Jahres-Turnus zu erfas-
sen - im Idealfall flächendeckend. Die Ergebnisse
aller Monitorings stehen Ihnen kartografisch
und visuell aufbereitet auf unserer Homepage
bereit: https://www.jagd-bayern.de/mitmachen/
wildtiermonitoring/wildtiermonitoring-buchband/
R. Gerecht ♦
Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Waschbär-Vorkommen
Der Waschbär ist mittlerweile flächendeckend im
!
Erfurt
nördlichen Bayern anzutreffen. Die Meldungen
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
im südlichen Landesteil sind dagegen eher lückig.
Dies korreliert auch mit der Jagdstrecke: Dort wo
häufiger Waschbären gesichtet und gemeldet wurden,
Prag
!
!
Bayreuth ist tendenziell auch eine höhere Strecke zu verzeichnen.
Würzburg
! Pilsen
!
Ansbach
!
Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
!
Stuttgart
!
Foto: Beth Baisch/stock.adobe.com
Landshut
!
Augsburg
!
München
!
Salzburg
!
Vaduz
!
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Waschbär
2016 und 2019
2019
³
2016
kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA
16 JAGD
in Bayern
2-2022WILDBIOLOGIE
ayern
Wildtiermonitoring B
Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Marderhund-Vorkommen
Die Verbreitung des Marderhundes in Bayern ist bisher Erfurt
!
noch recht lückig. Die Karte der Flächendeckenden
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
Erfassung weist auf eine erhöhte Meldedichte im Nord-
osten des Landes und somit auf ein erhöhtes Vorkommen
hin. Trotzdem die Strecke des Marderhundes stetig steigt, !
Prag
Bayreuth
beträgt sie einen Bruchteil dessen, was in anderen deutschen Würzburg
!
!
Pilsen
!
Bundesländern, vor allem Mecklenburg-Vorpommern und
Brandenburg erlegt wird. !
Ansbach
Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
!
Stuttgart
!
Landshut
!
Augsburg
!
München
!
Foto: Sergey Ryzhkov/stock.adobe.com
Salzburg
!
Vaduz
!
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Marderhund
2016 und 2019
2019
³
2016
kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA
Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Goldschakal-Vorkommen
Der Goldschakal wird bisher in Bayern nur recht selten
!
Erfurt gesichtet und gemeldet. Allerdings haben sich die
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
Meldungen 2019 im Vergleich zu den Vorjahren gehäuft.
Prag
!
Bayreuth
!
Würzburg
! Pilsen
!
Ansbach
!
Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
!
Stuttgart
!
Landshut
!
Augsburg
!
München
!
Salzburg
!
Foto: HPE/stock.adobe.com
Vaduz
!
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Goldschakal
2019
2017
³
2013
kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA
2-2022 JAGD
in Bayern
17Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Nutria-Vorkommen
Erfurt
Die Karte der Flächendeckenden Erfassung zeigt eine
!
nur lückenhafte Verbreitung der Nutria in Bayern.
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
Das hiesige Vorkommen geht auf aus Pelztierfarmen
entlaufene Individuen zurück.
Prag
!
Bayreuth
!
Würzburg
! Pilsen
!
Ansbach
!
Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
!
Stuttgart
!
Landshut
!
Augsburg
!
München
!
Salzburg
!
Foto: tmartinek/stock.adobe.com
Vaduz
!
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Nutria
2016 und 2019
2019
³
2016
kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA
Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Mink-Vorkommen
Der Mink ist in ganz Bayern sehr lückenhaft verbreitet.
Allerdings weist die Flächendeckende Erfassung von !
Erfurt
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
2019 auf eine hohe Meldedichte und somit ein
höheres Vorkommen in der Oberpfalz hin.
Prag
!
Bayreuth
!
Würzburg
! Pilsen
!
Ansbach
!
Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
!
Stuttgart
!
Landshut
!
Augsburg
!
München
!
Salzburg
!
Foto: imaton/stock.adobe.com
Vaduz
!
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Mink
2016 und 2019
2019
³
2016
kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA
18 JAGD
in Bayern
2-2022WILDBIOLOGIE
ayern
Wildtiermonitoring B
Flächendeckende Erfassung 2019 Flächendeckende Erfassung 2019
Gemeldete Nilgans-Vorkommen Gemeldete Rostgans-Vorkommen
Erfurt Erfurt
! !
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
Bearbeitung: Regina Gerecht, Bayerischer Jagdverband
Prag Prag
! !
Bayreuth Bayreuth
! !
Würzburg Würzburg
! Pilsen ! Pilsen
! !
Ansbach Ansbach
! !
Regensburg Regensburg
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
Kartengrundlagen: Esri; Tschechien: OpenStreetMap, ODbL 1.0
! !
Stuttgart Stuttgart
! !
Landshut Landshut
! !
Augsburg Augsburg
! !
München München
! !
Salzburg Salzburg
! !
Vaduz Vaduz
! !
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Datenquelle: Bayerischer Jagdverband
Nilgans Rostgans
2016 und 2019 2016 und 2019
2019 2019
³ ³
2016 2016
kein Nachweis kein Nachweis
keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km keine Angabe 0 12,5 25 50 75 100 km
Sources: Esri, USGS, NOAA Sources: Esri, USGS, NOAA
Die Nilgans kommt mittlerweile in ganz Bayern vor. Die In Bayern konzentriert sich das Hauptverbreitungsge-
Karte der Flächendeckenden Erfassung 2019 zeigt je- biet der Rostgans auf das nördliche Schwaben und das
doch eine höhere Meldehäufigkeit in Nordwest-Bayern. südliche Mittelfranken.
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Krankheiten
Foto: Ty/stock.adobe.com
W aschbär, Marderhund, Grauhörnchen und viele an-
dere fremde Tierarten gehören eigentlich nicht in
unsere Reviere. Dennoch sind sie mehr oder weniger weit
verbreitet. Neubürger, wie Neozoen auch
genannt werden, können die Artenviel-
Erreger falt bereichern, aber auch eine Bedrohung
für unsere angestammte Flora und Fauna
sein. In bereits durch den Menschen be-
einträchtigten Lebensräumen verdrängen
im Gepäck
sie nicht nur einheimische Arten durch
Nahrungskonkurrenz oder als Fressfeinde.
Mit den tierischen Einwanderern kommen
bekannte, aber auch exotische Erreger zu
uns und werden unter Umständen eben-
falls heimisch. Sie können auch uns Men-
schen direkt oder indirekt schädigen. Dabei ist ihr Einfluss
von der geographischen Verbreitung abhängig und natür-
lich davon, wie häufig die Wirtstiere vorkommen.
20 JAGD
in Bayern
2-2022WILDBIOLOGIE
Krankheiten
Manche neuen Arten werden den heimischen
nicht nur als Nahrungskonkurrenten oder
Fressfeinde gefährlich. Einige tragen Erreger
mit sich, die sogar uns Menschen
infizieren können.
Entwicklung findet dann in Zwischenwirten wie Süßwas-
serschnecken und Fröschen statt. Ein Larvenstadium, der
Dunker´sche-Muskelegel, wird manchmal im Wildbret von
Wildschweinen nachgewiesen. Der Mensch kann sich über
den Verzehr rohen Schwarzwildbrets und der daraus her-
gestellten Produkte infizieren.
Beim Fuchs und auch beim Marderhund wurde zudem der
Blutparasit Babesia microti nachgewiesen. Nagetiere gel-
ten als Reservoirtiere, Zecken als Überträger. Der Mensch
kann sich über Letztere mit diesem Erreger infizieren und
an einer Babesiose erkranken. Nachdem der Marderhund
heutzutage noch in Asien in Massen als Pelztier in Farmen
gezüchtet wird, ist auf ihn der Verdacht gelenkt worden, als
Reservoir für das neuartige, weltbeherrschende Coronavi-
rus Sars-CoV-2 zu dienen. Forscher der Goethe-Universität
Frankfurt, Abteilung Integrative Parasitologie und Zoo-
physiologie, haben zusammen mit Wissenschaftlern vom
LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik
in diesem Jahr die genetische Grundlage identifiziert, dass
sich Marderhunde mit diesem Coronavirus infizieren und
es auch übertragen können, und zwar mit höherer Wahr-
scheinlichkeit als andere Hundeartige oder Fledermäuse.
Zu den sich in Europa ausbreitenden Arten zählen die als
invasiv geltenden Raubsäuger Waschbär, Marderhund,
Amerikanischer Nerz oder Mink sowie der zunehmend Würmer im Kleinbären
in Deutschland gesichtete Goldschakal. Durch ihr breites
Nahrungsspektrum und ihre hohe Anpassungsfähigkeit Ein mit dem Waschbären eingeschlepp-
können diese Tiere viele natürliche Lebensräume besie- ter Erreger ist der Waschbärspul-
deln. Ihr Vordringen in städtische Gebiete kann die Über- wurm. Er ist auch auf den Menschen Waschbär-
spulwürmer
tragung von Krankheitserregern auf Menschen und Heim- übertragbar (Zoonose). Seine Eier
Foto: US gov/
bzw. Haustiere begünstigen. werden über den Kot der Tiere wikimedia.org
verbreitet. Das ist insbesondere
in Städten, in denen Waschbären
Parasiten-Überträger Nahrungsquellen, Quartiere und
stille Örtchen nutzen, eine poten-
Neben dem Rotfuchs gilt der verwandte Marderhund als zielle Gefahr für den Menschen. Um
Überträger von Parasiten wie Fuchsbandwurm oder Tri- die 200 Waschbärspulwürmer kön-
chinen. Außerdem ist er ein klassischer Endwirt für den nen den Darm ihres Wirtes besiedeln,
Saugwurm Alaria alata, der sich in seinem Darm vermehrt ohne dass dieser Krankheitssymptome auf-
und die Eier mit dem Kot in die Umwelt abgibt. Die weitere weist. Allerdings werden täglich Millionen Spulwurmeier
2-2022 JAGD
in Bayern
21WILDBIOLOGIE
Krankheiten
der Goldschakal beherbergt Erreger.
Einige von ihnen, wie Hundeband-
wurm, -spulwurm oder Trichinen,
sind auch für den Menschen gefähr-
lich. Goldschakale sind zudem an-
fällig für Tollwut, Staupe und Lepto-
spirose. Auch können sie ähnlich wie
andere Hundeartige an Räude leiden
und die gefürchtete Räudemilbe
verbreiten.
Nähe zum Menschen
Viele der bei den Fleischfressern
(Carnivoren) vorkommen-
den Parasitenstadien und
Krankheitserreger können
auch den Menschen in-
fizieren. Während noch
vor einigen Jahrzehnten
ein höheres Risiko für im
Der Goldschakal kann unter anderem Parasiten
übertragen, darunter die Räudemilbe (r.).
Wald arbeitende Perso-
Fotos: ondrejprosicky/stock.adobe.com, Joel Mills/wikimedia.org
nen bestand, so sind heute
die Freizeitaktivitäten des
Menschen der Grund für die
zunehmende Gefährdung einer
breiteren Bevölkerung. Nachdem
ausgeschieden. Sie sind besonders widerstandsfähig ge- nicht nur der Fuchs die Nähe des Menschen wenig scheut,
genüber Umwelteinflüssen. kann die Übertragung von Krankheitserregern auch von
Die Infektionsgefahr geht allerdings nicht von den Eiern, anderen Tierarten im urbanen Raum erfolgen, dabei müs-
sondern von den sich darin binnen weniger Wochen ent- sen unsere Haushunde oder -katzen noch nicht einmal als
wickelnden Larven aus. Nach Aufnahme der Eier durch Zwischenglied fungieren.
Zwischenwirte, wie Nagetiere und Vögel, schlüpfen die Auch wenn die einst gefürchtete Tollwut in unseren Breiten
infektiösen Zwischenformen und besiedeln die Organe äußerst selten geworden ist, sollten neben einheimischen
ihres neuen Wirtes, wobei sie ihn zum Teil schwer schädi- Wildtieren vor allem auch die Neozoen auf ihr Spektrum
gen. Der Entwicklungszyklus endet mit dem Fressen der an übertragbaren Erregern hin untersucht werden. Um
infizierten Zwischenwirte durch einen Waschbären. Die mögliche Auswirkungen der Neozoen auf die Biodiversität
Larven gelangen in seinen Darm. Nur dort können sie sich abschätzen und ihr Zoonosepotenzial einschätzen zu
zum geschlechtsreifen Parasiten entwickeln. Der Mensch können, wird weltweit geforscht. ♦
ist in dem beschriebenen Kreislauf
ein klassischer Fehlwirt. Das Risiko
schwerer Infektionen ist allerdings Dr. Claudia Gangl
äußerst gering. Der Waschbär gilt
außerdem als Reservoirwirt für Toll- ist BJV-Fachreferentin für Wildbiologie, Wildtier-
wut- und Staupeviren und für das gesundheit und Tierschutz. Die Diplom-Biologin
West-Nil-Virus. vertritt den Verband in diesen Themenbereichen
Der Mink, eine weltweit verbreite- nach innen und außen und steht den BJV-Mitglie-
te gebietsfremde Marderart, gilt dern bei Fragen zu Wildkrankheiten, Tierschutz
als Überträger einer Vielzahl von und Wildbrethygiene sowie -vermarktung mit Rat
Zoonoseerregern, u. a. Leptospiren, und Tat zur Seite.
Trichinen und Toxoplasmen. Auch
22 JAGD
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Enok nachstellen
Der scheue Marderhund wird meist als Beifang
beim Nachtansitz erlegt. Sie können ihn aber auch
erfolgreich aktiv bejagen.
Auf den
Heimlichen
D er Marderhund, auch Enok ge-
nannt, ist wohl einer der bekann-
testen und zugleich unbekanntesten
Marderhund in Deutschland meist als
Beifang erlegt wird, gibt es natürlich
noch die Fallen-, Bau- und sogar die
Neubürger in Deutschland. Bekannt, Lockjagd.
weil jeder schon mal seinen Namen
gehört hat und weiß, wie er aussieht,
unbekannt, weil man ihm tagsüber Baujagd
nur selten im Revier begegnet und
ihn nur wenige Jäger gezielt bejagen. Der Marderhund steckt häufig im Bau. ernste Gefahr für die Gesundheit des
Sehr heimlich hat er seinen Weg von Die Baujagd auf den Enok ist aller- Hundes. In vielen Fällen kann der
der Ukraine aus, wo er aus Pelzfarmen dings mit viel Schaufeln und Graben Marderhund einfach im Genick ge-
in die Freiheit entlassen wurde, in den verbunden, denn er springt in der Re- griffen und aus dem Kessel geholt
1960er-Jahren zu uns gefunden. Da- gel nicht. Er erscheint mitunter an der werden. Kunstbaue sind bei dieser
mals standen selbst Jäger ratlos da, Röhrenausfahrt, wechselt dann aber Jagdart natürlich viel komfortabler als
wenn sie zu einem Wildunfall mit fast immer in den Bau zurück. Ein Naturbaue.
einem Marderhund gerufen wurden. wildscharfer Hund drängt den Enok,
Dieses Raubwild, das aussieht wie ein in vielen Fällen stecken sogar zwei im
Fuchs in einem zotteligen Waschbär- Bau, in den Kessel, wo er dann ausge- Fangjagd
kostüm, war damals noch gänzlich graben werden kann und muss.
unbekannt und gibt noch heute viele Zwar sind die Laute, die ein Marder- Auch die Fangjagd auf den Marder-
Rätsel auf. hund gegenüber dem Hund von sich hund ist eine spannende, allerdings
Dabei ist die Jagd auf diesen Hunde- gibt, denen des Dachses ähnlich und zeitintensivere Möglichkeit, des Enok-
artigen sehr spannend und vielfäl- sehr furchteinflößend, aggressiv ist besatzes im Revier Herr zu werden.
tig. Neben dem Ansitz, bei dem der er aber nicht und deshalb auch keine Eine genügend große Lebendfalle
24 JAGD
in Bayern
2-2022JAGDPRAXIS
Enok nachstellen
Foto: Alexej Kaschin/stock.adobe.com
ist die beste Wahl. Zwar ist der Mar-
derhund nicht so neugierig wie der Marderhund-Trophäen
Waschbär, dafür aber auch nicht so
argwöhnisch wie etwa der Fuchs. Wenn Sie auf den Enok Waidmannsheil hatten, bieten
Der Fangerfolg kann sich schon nach Balg, Schädel und auch der Penisknochen schmückende
einigen Tagen einstellen, wenn die Trophäen. Besonders der Winterbalg ist schön dicht. Al-
neu aufgestellte Falle ein wenig ver- lerdings sind Marderhunde in der kalten Jahreszeit meist
wittert ist und der Köder – bewährt auch schwieriger zu erbeuten, weil sie bei anhaltender
haben sich Aufbruch oder Dörrobst – Kälte und Schnee Winterruhe halten.
lieblich lockt. Das Abbalgen geht am besten, wenn der Kern noch warm ist.
Schädel und Penisknochen bearbeiten Sie einfach so, wie Sie es vom
Herrichten von Geweihen und Gehörnen gewohnt sind, das heißt abko-
Lockjagd chen, von Fleischresten befreien und bleichen. Arrangiert auf einem Holz-
brett ist der Schädel eine sehenswerte Erinnerung an den Jagderfolg. Der
Am erfolgversprechendsten für die Penisknochen wird von einigen Jägern sogar am Hut getragen.
Lockjagd auf den Enok sind die frühen
2-2022 JAGD
in Bayern
25JAGDPRAXIS
Enok nachstellen
Magnus Pelz
Jahrgang 1971. Der studierte
Betriebswirt macht gerade eine
Ausbildung zum Berufsjäger.
Er ist Lockjagdexperte und hat
Raubwild schon auf verschiede-
nen Kontinenten bejagt.
Bei der Lockjagd lohnt es sich, die Kaninchenklage lange und in mehreren Serien
erklingen zu lassen. Marderhunde scheint das anzuziehen. Foto: M. Pelz
postieren und dann locken kann. Sehr
erfolgreich ist das Locken mit der Ka-
ninchenklage, und zwar anders als
beim Fuchslocken mit langen und
vielen Lockserien.
Sie können die Kaninchenklage ruhig
über eine Minute lang erklingen las-
sen und die Serie gleich nach einer
Minute wiederholen. Der Fuchs steht
bei so einem Spektakel freilich selten
zu, aber der Marderhund scheint das
zu mögen.
Häufig kommt es vor, dass zwei –
Enoks leben monogam und sind oft
mit ihrem Partner unterwegs – oder
sogar mehr Tiere auf die Klagelau-
te zustehen. Oft gelingt es, eine Du-
blette zu erlegen. Nach dem ersten
Schuss sollte man daher sofort wie-
der zur Kaninchenklage greifen. Die
Chance, dass der andere Marderhund
Marderhunde sind häufig zu zweit unterwegs. Deshalb lohnt es sich, auf den noch einmal nach seinem Artgenos-
zweiten zu warten, wenn der erste erlegt wurde. Foto: Film Studio Aves/stock.adobe.com sen schaut, ist recht groß.
Aber Vorsicht ist geboten, denn der
Marderhund stellt sich manchmal tot.
Selbst nach einer halben Stunde, die
Morgenstunden. Noch vor Sonnen- Zeit, um sie abzupassen. Ideal ist, er nach dem Schuss regungslos dort
aufgang wechseln Marderhunde von wenn man weiß, wo die Wechsel verendet zu liegen scheint, kann es
ihren nächtlichen Streifzügen zu- dieser nachtaktiven Räuber sind, so- vorkommen, dass er plötzlich hoch-
rück zu ihrem Bau. Das ist die beste dass man sich etwas abseits dieser wird und das Weite sucht. ♦
26 JAGD
in Bayern
2-2022Jahnke. Was sonst. Detaillierte Informationen zu dieser Aufnahme finden Sie unter www.nachtsichttechnik-jahnke.de/vergleich Nur Nachtsichtgeräte auf Restlichtverstärkerbasis liefern ein reales und kein errechnetes Bild. Entdecken Sie unsere Premium-Nachtsichtgeräte für die Jagd. Qualität, Leistung und Zuverlässigkeit ohne Kompromisse. Hergestellt in deutscher Handarbeit. Erfahren Sie jetzt mehr unter www.nachtsichttechnik-jahnke.de/was-sonst
REVIERPRAXIS
n 2021
Forstliches Gutachte
Am 24. November stellte Landwirtschaftsministerin Kaniber das
Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2021 vor.
Wir haben die wichtigsten Inhalte für Sie zusammengefasst.
Waldzustand
bewertet
D as Forstliche Gutachten umfasst
45 Seiten und stellt die Ergeb-
nisse der Aufnahmen aus dem Früh-
erreicht. Sie zeigt die positivste Ent-
wicklung seit Aufnahmebeginn. Ihr
Leittriebverbiss wurde seit 1991 um
verdoppelte sich der Anteil der Tan-
nenverjüngung im Bergwald in den
zwei höchsten Höhenstufen (s. Abb. 3).
jahr dar. Das Gutachten gibt es seit 30 26,4 % verringert, sodass bei 89,3 % Mehr als die Hälfte der bayerischen
Jahren, und die Bemühungen von Jä- der Tannenverjüngung kein frischer Waldfläche liegt in privater Hand, ge-
gern sowie Förstern zur Verbesserung Leittriebverbiss vorkommt. folgt von einem Drittel Staatswald.
der Verjüngungssituation sind deut- Auch beim Verbiss im oberen Drit- Die restliche Fläche ist im Besitz von
lich sichtbar. 1.413.783 Verjüngungs- tel der Pflanzen zwischen 20 cm und Körperschaften. Eine Aufschlüsse-
pflanzen zwischen 20 cm und maxi- maximaler Verbisshöhe hat sich die lung nach Besitzarten zeigt, wo wald-
maler Verbisshöhe waren 2021 ohne Situation insgesamt verbessert. Hier bauliche Verbesserungen nötig und
Leittriebverbiss, was 87,6 % aller auf- überwiegen die Rückgänge der Ver- möglich sind. Am besten steht in
genommenen Pflanzen entspricht. bissprozente seit 2015 von Fichte (3,4 Bezug auf das Verbissprozent seit
Der langjährige Trend hin zu mehr %), Tanne (6,9 % ) und Eiche (1,3 %) Aufzeichnungsbeginn der Staatswald
Laubwald in der Verjüngung zwischen gegenüber den Zunahmen der Ver- dar. Der Anteil des Leittriebverbisses
20 cm und maximaler Verbisshöhe hält bissprozente von Kiefer (1,5 %), Buche liegt beim Staatswald, bis auf einzel-
an und liegt nun bei 51,9 %, bei Pflan- (5,1 %) und Edellaubhölzern (2,2 %). ne Ausnahmen, kontinuierlich unter
zen unter 20 cm sogar bei 52,2 %. Auch dem im Privat- und Körperschafts-
die Baumartenzusammensetzung rei- wald, was nicht weiter verwunderlich
chert sich mehr und mehr an. So stie- Situation im Bergwald ist, da hier die Toleranz gegenüber
gen die Anteile von Tanne, Buche und Wildeinflüssen am geringsten ist.
Edellaubbäumen. Die Anteile von Fich- Der Blick auf den gesondert betrach- Bei der Auswertung der Leittriebver-
te und Kiefer sanken (s. S. 30, Abb. 1). teten Bergwald, dem durch seine bissprozente ergeben sich ähnliche
vielfältigen Schutz- und Regulie- Werte für die Besitzarten Staatswald,
rungsfunktionen eine besondere Auf- Körperschaftswald und Privatwald.
Leittriebverbiss merksamkeit entgegengebracht wird, Die Verläufe variieren jedoch etwas.
wenig verändert zeigt, dass sich der Anteil der Pflanzen Das Verbissprozent sank um 1 bis
mit frischem Leittriebverbiss seit gut 1,3 % für Fichte und stieg bei der Bu-
In den letzten zehn Jahren hat sich 20 Jahren auf einem ähnlichen Niveau che um 2,1 bis 4,2 % für alle Besitz-
beim Leittriebverbiss nur wenig ver- befindet. Nichtsdestotrotz steigen die arten. Bei den anderen Baumarten
ändert (s. Abb. 2). Am stärksten wer- Anteile der Tanne auch in der Berg- treten Abweichungen einer Besitz-
den weiterhin die Leittriebe von waldverjüngung im Hinblick auf die art auf. Im Körperschaftswald steigt
Eichen (24,9 %), dicht gefolgt von Erfassung 2018 in den Höhenstufen der Leittriebverbiss zu 2018 an der
Edellaubhölzern (22,8 %) verbissen. kleiner als 20, 50 bis 79,9 und 80 cm Tanne leicht und sinkt bei der Kiefer.
Mit einigem Abstand folgt die Buche bis maximale Verbisshöhe. Nur in der Hier haben Staats- und Privatwald
(15,9 %), die damit erstmals stärker Höhenstufe von 20 bis 49,9 cm ist ihr eine entgegengesetzte Entwicklung.
verbissen wurde als die Tanne (10,7 Anteil 2021 um 0,9 % zu 2018 gesun- Bei den Eichen sinkt der Leittriebver-
%), die einen historischen Tiefstwert ken. Innerhalb der letzten zehn Jahre biss im Privatwald und steigt bei den
28 JAGD
in Bayern
2-2022REVIERPRAXIS
n 2021
Forstliches Gutachte
Foto: Karel/stock.adobe.com
2-2022 JAGD
in Bayern
29REVIERPRAXIS
n 2021
Forstliches Gutachte
anderen Besitzarten. Bei den Edel-
laubbäumen verhält es sich wie bei
der Eiche, jedoch sinkt hier der Leit-
triebverbiss beim Staatswald.
Bewerten der Verbisssituation
Bei der abschließenden Bewertung
der Verbisssituation wurde die Hälfte
der Hegegemeinschaften als tragbar
(47 %) und günstig (3 %) eingestuft.
Die andere Hälfte bekam die Wer-
tung zu hoch (47 %) und deutlich zu
hoch (3 %). Zwar hat sich der Anteil
der Hegegemeinschaften mit deut-
lich zu hoher Verbissbelastung um
1 % zu 2018 verringert, der Anteil an
Hegegemeinschaften mit zu hoher
Verbissbelastung ist jedoch um 4 %
gestiegen.
Fast überall in Bayern herrscht zu ho-
her Verbissdruck. Ausnahmen sind
Großteile des Bayerischen Waldes und
der Fränkischen Schweiz, die Allgäuer
Alpen und der Großraum München
bis zum Chiemsee. 15 der 20 Hege-
gemeinschaften mit deutlich zu ho-
her Verbissbelastung liegen im Nor-
den Bayerns und dort hauptsächlich
an den Grenzen bzw. in Grenznähe zu
Thüringen, Hessen und Baden-Würt-
temberg. 42,5 % der Hegegemein-
schaften behielten ihre Verbissbelas-
tung in Hinblick auf das Gutachten von
2018 als günstig oder tragbar bei. Für
38,6 % blieb die Verbissbelastung zu
hoch oder deutlich zu hoch. Die rest-
lichen 18,9 % wechselten ihren Status.
Abschussempfehlung
Die im Rahmen des Forstlichen Gut-
achtens abgegebene Empfehlung
zum Abschuss setzt ihren Trend dahin
gehend fort, dass in mehr Hegege-
meinschaften (50 %) der Abschuss er-
höht werden soll. 2018 wurde dies bei
nur 47 % gefordert. Der Anteil davon
mit der Empfehlung zur deutlichen
30 JAGD
in Bayern
2-2022REVIERPRAXIS
es G
NL
utachtenPURE
2021
tlich
EINS MIT DER
Fors
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NATUR
MORE
In den Forstlichen Gutachten wird die Verbissbelastung
regelmäßig erfasst. Foto: Lubos Chlubny/stock.adobe.com
Erhöhung des Abschusses sank je-
doch im Vergleich zu 2018 (6 %) auf
4 %. Die andere Hälfte soll ihren Ab-
schuss beibehalten. Gut einem Drit-
tel der Hegegemeinschaften wurde
zudem wieder wie im Gutachten von
2018 empfohlen, den Abschuss bei-
zubehalten. Knapp ein Drittel erhielt
wie schon 2018 eine Erhöhung des
Abschusses als Empfehlung. Die rest-
lichen 34 % wechselten ihren Status.
Mit dem Forstlichen Gutachten 2021
bekommen sowohl Reviere einer ro-
ten Hegegemeinschaft, also deren
Verbissbelastung als zu hoch oder
deutlich zu hoch eingeschätzt wurde,
als auch Reviere, deren Hegegemein-
schaft von 2018 zu 2021 eine rote
Hegegemeinschaft wird, automatisch
eine revierweise Einschätzung und
Bewertung des Verbissdrucks. Die-
se wird nach Aussagen des Staats-
ministeriums für Ernährung, Land-
wirtschaft und Forsten Anfang 2022
fertig, damit eine Berücksichtigung
bei der Erstellung des Abschussplans
möglich ist. C. Baucks ♦
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