Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at

 
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Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes
März 2013 • Jahrgang 65 www.tjv.or.at
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Inhalt
   4
   Zukunftsperspektiven
   der Jagd im Alpenraum

                                                                       21
                                                                       Jagdhunde sind doch die
                                                                       besten freunde

                                                                                                                          10
                                                                                                                          Schlüssel
                                                                                                                          zum Erfolg!
                                                                                                                          Raubwildbejagung
                                                                                                                          oder
                                                                                                                          Lebensraumerhaltung

15 Kolumne: Alles, alles will ihn fressen                                     25	Aus den Revieren                                                           31	Offroad Spezial
16	Leserbriefe | Risikobär M13                                                26 Jägerinnen                                                                 32 Kulinarium
17 Weidmannsheil den Jubilaren im März                                        27	Der Jäger in der Schule                                                    33 Bücher
18 Mitteilungen der Geschäftsstelle                                           28 Vereine                                                                    34 Jagdhunde
22	Aus den Bezirken                                                           29	Anno dazumal                                                               36	Anzeigen
24 Veranstaltungen                                                            30 Kinder auf der Pirsch

                                                                                                                                                                Meinung
Zukunftsperspektiven
Zum Aufbruch in eine durch die Jägerschaft                                    schaft Verständnis einzufordern, muss sie
selbst mit klaren Perspektiven gestaltete                                     auch Sensibilität zeigen, Verständnis gegen-
Zukunft bedarf es einer selbstkritischen                                      über berechtigten Forderungen und Wün-
                                                                                                                                                                   Ernst Rudigier
Standortbestimmung und Analyse der ge-                                        schen der Gesellschaft, in der wir leben,                                        Vorstandsmitglied
genwärtigen Situations-Realität. Wir wer-                                     aufbringen. Nur dann hat sie als Minder-                                      Tiroler Jägerverband
den über unsere Nasenspitzen, über unsere                                     heit in dieser Lebensgemeinschaft Bestand
Revier-, Gebiets- und Landesgrenzen, über                                     und erhält Anerkennung und die dringend
unsere eigenen Interessen hinausschauen                                       nötige Unterstützung. Wenn wir uns allen
müssen. Manch alte Wege werden wir wei-                                       Veränderungen verschließen und das Neue                                       benden Tiere und auf die Jagd direkt oder
tergehen und uns von nichts und nieman-                                       selbstgefällig damit abtun, dass wir in der                                   indirekt Einfluss nehmen. Daher wird es
dem davon abbringen lassen. Zudem ist es                                      Vergangenheit doch bestens gefahren sind                                      zukünftig nicht ausbleiben, dass wir, um für
aber nötig geworden, manche zu hinterfra-                                     und es deshalb auch keine Veränderungen                                       unsere Anliegen Gehör zu finden, über al-
gen, um auch neue gehen zu können. Wir                                        für die Zukunft braucht, werden wir uns                                       le Medien publizistisch fachkompetent die
dürfen nicht blind gegenüber dem Ganzen,                                      Schritt für Schritt ins Out manövrieren.                                      Öffentlichkeit zu Hilfe rufen. Faktum ist,
dem Prinzipiellen der Jagd werden. So wie                                     Ganzheitlich jagdpolitisches Verständnis                                      dass über das zukünftige Schicksal der wild
die Jägerschaft primär für Wild und Natur –                                   ist heute oberstes Gebot, weil beinahe alle                                   lebenden Tiere und deren Lebensrechte und
und in Verbindung damit für die Jagd – das                                    politischen Elemente des täglichen Lebens                                     somit auch über die Jagd letztinstanzlich die
Recht und die Pflicht hat, von der Gesell-                                    und die Gesellschaft auf sämtliche wild le-                                   ganze Bevölkerung entscheidet.            ■

IMPRESSUM: JAGD IN TIROL · Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes. Herausgeber und Medieninhaber (Verleger): Tiroler Jägerverband, Adamgasse 7a, 6020 Innsbruck, Tel. 0512-57 10 93, 0800/244 177,
0664/9750 806, Fax 0512/571093-15, E-Mail: info@tjv.or.at, Schriftleitung: Helmuth Waldburger. Layout: Bernhard Feurstein. Hersteller und Anzeigenverwaltung: Bezirksblätter Tirol GmbH, Eduard-Bodem-
Gasse 6, 6020 Innsbruck, Tel. 0512-320 4111, Fax 0512-320 720, E-Mail: jagd@jagdintirol.com. Redaktion: Geschäftsstelle TJV. Anzeigen: Sonderprodukte, www.facebook.com/Sonderprodukte. Produktion &
Bildbearbeitung: Evelyn Schrder, „Jagd in Tirol” wird an alle Mitglieder des Tiroler Jägerverbandes kostenfrei abgegeben. Sie ist eine Fachzeitschrift, welche die behördlichen Kundmachungen und Verlautbarungen zu veröffentlichen
hat und zusätzlich über grundsätzliche Fragen und aktuelle Ereignisse auf dem Gebiet des Jagdwesens, des Naturschutzes usw. informiert. „Jagd in Tirol” erscheint am Monatsanfang. Redaktionsschluss ist der 15. des Vormonats.
Für unverlangte Manuskripte und Bilder wird keine Verantwortung übernommen. Namentlich oder mit Kürzel gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung von Redaktion und Herausgeber wieder.

Jagd in Tirol 03/2013                                                             Titelfoto: Mag. Christian Messner, Fotos Seite 3: Ernst Rudigier                                                                                     3
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Zukunftsperspektiven   Was ist Jagd – was ist
                       eine zukunftsfähige Jagd?

Jagd im
                       Was ist überhaupt eine zukunftsfähige Jagd
                       - oder zumindest, was verstehe ich darun-
                       ter? Da die Probleme der Jagd in den Alpen
                       in weitem Maße dieselben der Jagd generell
                       sind, werden wir zuerst einen Blick auf letz-
                       tere werfen.

Alpenraum
                          Eine zukunftsfähige Jagd ist eine solche,
                       die es erlaubt, auch in Zukunft im Einklang
                       mit der Natur und ihren Rhythmen zu ja-
                       gen. Eine Jagd, die von einer breiten Öffent-
                       lichkeit akzeptiert wird. Zwar wird es immer
                       Gegner der Jagd geben, aber es geht darum,
                       dass ein Großteil der Bevölkerung die Jagd
                       versteht und akzeptiert. Jagd muss, insbe-
                       sondere in einem sensiblen Ökosystem wie
                       jenem der Alpen, in erster Linie nachhaltig
                       und auf die Erhaltung des gesamten Wild-
                       bestandes hin orientiert sein. Und zwar
                       tatsächlich in ihrer Ausübungsform und
                       nicht nur in Worten gefasst. „Nachhaltig“
                       ist nämlich ein großes Wort, von dem die
                       wenigsten Jäger tatsächlich die Bedeutung
                       kennen. „Nachhaltig“ wird nämlich auch als
                       Synonym für „zukunftsfähig“ verwendet –
                       mit der Bedeutung „längere Zeit andauern
                       oder bleiben“. Deswegen darf Jagd nicht le-
                       diglich auf Jagdwirtschaft reduziert werden
                       (ein Problem, das gerade in jenen Ländern
                       besteht, wo das Wild wie der Grund und
                       Boden dieselben Eigentumsverhältnisse
                       hat). Weniger Wirtschaft und mehr Jagd
                       und weg von den Monokulturen jagdbarer
                       Arten – das wird auch den immer größer
                       werdenden Konflikt mit dem Forst limitie-
                       ren. Zukunftsfähige Jagd bedeutet weiters,
                       dass sie vertretbar sein muss.
                          Was soll an der Jagd vertretbar sein? 1.
                       die Jagdausübung, 2. die Methoden, Mittel
                       und Geräte, die dafür verwendet werden,
                       3. die Jagdzeiten und Jagdperioden, 4. die
                       bejagten Arten etc. Wie bzw. wo soll sie ver-
                       tretbar sein? In der Gesellschaft, bei den an-
                       deren Kategorien, die von Grund und Bo-
                       den leben (Forst- und Landwirtschaft) oder
                       bei den anderen Naturnutzern, die auch
                       etwas vom Wild haben möchten. Schafft
                       es der Jäger, das Wild auch den anderen
                       näherzubringen – sodass es auch andere
                       «nützen» und erleben können – wird er ih-
                       nen auch die Jagd selbst näherbringen und
                       somit verträglicher machen. Nur was man
                       kennt kann man respektieren!
                          Vertretbar heißt weiters – man darf sich
                       mit hohem Haupt und gutem Gewissen
                       hinter die Jagd stellen. Kann man das? Was
                       ist Jagd in den Alpen heute – im Sinne einer
                       kritischen Betrachtung? Ein paar Gedan-

4	                                                Jagd in Tirol 03/2013
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Reportage

ken dazu: Jagdtourismus – ist der gesamte              trolle der Jagd Sache der Aufsichts- und der
Jagdreise-Apparat Jagd? Abschüsse auf den              sogenannten Berufsjäger, die von den Jagd-
Markt zu werfen wie andere kommerzielle                ausübungsberechtigten/Jagdpächtern ange-
Produkte? Für Gamsjagden in den Bergen                 stellt (bezahlt) werden. Dies ist eine reine
zu werben wie für einen anderen x-belie-               Farce und sollte sich ändern. Im Übrigen
bigen Sporturlaub? Natürlich ist man sich              führt eine professionell geführte Jagd auch
über die wirtschaftliche Bedeutung der                 zu besseren Resultaten und ist im Sinne
Jagd bewusst, aber das Ganze dürfte etwas              des sozialen und gesellschaftlichen Wan-
moderater geschehen. Bei diesen Werbe-                 dels zukunftsfähiger. Zukunftsfähige Jagd
prozessen hat man das Gefühl, dass die                 heißt also auch, man muss hinter ihr stehen
ganze Ehrfurcht rund um das Geschehen                  können. Damit dies möglich ist, muss sie
Jagd verloren geht. Eine Jagd ohne Faktor              aber soweit möglich «stubenrein» sein. Und
Ehrfurcht vor dem Lebewesen – somit oh-                hier liegt der „Hund begraben“ – denn viele
ne ethisch korrekte Einstellung – ist nicht            Schatten verdunkeln diese sonst so noble
zukunftsfähig.                                         Aktivität.
   Ist Gatterjagd oder Wintergatterwirt-                  Deswegen auch, aber nicht nur, wird die
schaft Jagd? Ist „Trophäenkult über alles“             Jagd zunehmend kritisch betrachtet. Gäbe
Jagd? Ist die heute noch übliche Einteilung            es keine tatsächlich äußerst fragwürdigen
in Nutz- und Schadwild bzw. die Raub-                  Ereignisse, welche die Jagd prägen, wäre je-
wildbekämpfung Jagd? Ist das Fallen- bzw.              de Diskussion pro oder contra Jagd einfach.
Schlageisenstellen eine Jagdform, die heu-             Dem ist aber nicht so, denn die Jagdskep-
te noch vertretbar ist? Ist die immer häu-             tiker und Jagdgegner haben viele gute Ar-
figere Autopirsch oder der in den geheizten            gumente gegen uns. Einige davon werden

                                                                                                      Kodiak.de 2013
Hochsitzen praktizierte Ansitz bis tief in die         ja von den Jägern selbst förmlich auf dem
Nacht hinein Jagd? Ist der immer häufigere             Silbertablett serviert.
Gebrauch von Nachtsichtgeräten Jagd? Ist                  Und das Schlimmste ist, dass sich die
der Gebrauch von Gewehren mit Optiken,                 Jagd vieler Probleme bewusst ist, aber sie

                                                                                                                                                                   Tragende
die es erlauben, auf 500 bis 600 m eine                verdrängt oder zumindest nichts dagegen

                                                                                                       Abgabe von Waffen nur an Inhaber einer Erwerbserlaubnis.
Gämse zu erlegen, Jagd? Ist der kontinuier-            unternimmt. Sie ist zu schwach, diese zu
liche Gebrauch von Funkgeräten und Mo-                 bekämpfen. Man muss die Courage haben,
biltelefonen als Gebrauchsmittel zur Jagd
noch Jagd? Ist die intensive Fütterei, die
immer noch weit verbreitet ist, Teil einer
                                                       die schwarzen Schafe auszugrenzen, die
                                                       trockenen Äste abzusägen, sich zu eman-
                                                       zipieren, die Kraft haben, sich zu erneuern
                                                                                                                                                                     Verbindung
zukunftsfähigen Jagd? Dies und vieles mehr             und mit alten Vorurteilen aufzuräumen.                                                                           Blaser Gewehrriemen
müssen wir hinterfragen! Und es soll keiner            Dann kann man nach außen treten und mit
                                                                                                                                                                        Bequem: extra breite Schulter-
Argumente entgegnen wie z.B. „aber wenn                Information und „offensiver“ Kommuni-                                                                            auflage. Rutschsicher: elastische
ich ohne Störung und sauber eine Sau mit               kation beginnen. Wir hingegen belassen es                                                                        Neopren-Einlage. Praktisch: inte-
Nachtsichtgerät in der Nacht entnehmen                 beim Alten und benehmen uns wie ein Igel                                                                         griertes Etui für zwei Büchsen-
kann, warum nicht?“ – denn dies ist kei-               oder ein Strauß.                                                                                                 patronen. Vielseitig: Schnell-
ne Jagd, dies ist professionelles Töten, aus                                                                                                                            verschluss, passend für fast alle
durchaus guten Gründen. Aber das wäre der                                                                                                                               Waffentypen.
Job der Berufsjäger und der anderen im Ge-
                                                       Was ist also eine                                                                                                Erhältlich in 3 Farben:
schäft tätigen Profis (Wildhut, Parkwächter,           zukunftsfähige Jagd?                                                                                             Anthrazitfarbenes oder
                                                                                                                                                                                                               Anthrazit
Forestali, Guardiacaccia …) und nicht Auf-             Eine Jagd, die ausgewogen ist – den Zeiten                                                                       dunkelgrünes Cordura
                                                                                                                                                                        sowie braunes Leder.
gabe der herkömmlichen Jäger. Profi- und               und ihren Problemen angepasst. Sie muss
Berufsjäger gehören zwar zur Jagd und sind             aktuelle Umweltgegebenheiten und das
ein Teil davon, aber die Jagd, die hier unter          sozio-kulturelle wie politische Umfeld ernst
die Lupe genommen werden soll, jene, die               nehmen. Nicht stur ihren eigenen Weg ge-
öffentlich zur Diskussion steht, ist die mehr          hen, sondern das Gedankengut, die Wahr-
oder weniger so bezeichnete Freizeitjagd!              nehmung und die Skepsis der anderen ernst
Jagdprofis sind etwas anderes – und deren              nehmen! Eines der Hauptprobleme heute
Aufgaben sind etwas anderes – ein Kapitel              ist die schlechte oder gar fehlende Kommu-
für sich. Eine zukunftsfähige, von der Ge-             nikation nach außen. Wir sind kaum kom-
sellschaft gestützte Jagd muss transparent             munikationsfähig. Wir reden zwar viel un-
sein – sprich – die Bestandeserhebungen/               ter uns, aber kaum mit den anderen, wenn‘s
Schätzungen, die Abschusspläne sowie die               nicht sein muss. Wir wischen die Probleme
Aufsicht/Kontrolle müssen öffentlich sein.             gerne unter den Teppich, verdrängen sie
In vielen Teilen der Alpen isind die Bestan-           oder leisten eine „Selbstüberzeugungsthe-
deserhebung, auf welcher die Abschussplä-              rapie“, indem wir uns selber auf die Schul-
ne erstellt werden, sowie die Aufsicht/Kon-            ter klopfen und sagen: „Für mich ist alles                                                                                    www.blaser.de
                                                                                                                                                                  Import und Fachhandels-Auskunft: Idl GmbH · Südbahnstr. 1
                                                                                                                                                                            A-9900 Lienz · office@waffen-idl.com
Jagd in Tirol 03/2013                   Foto: Ernst Rudigier                                                                                                                                                           5
Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at
Fachartikel

                                                                                                   Wegkommen von den
                                                                                                   Monokulturen jagdbaren Wildes.
                                                                                                   Rehe und Hirsche vom Jeep oder aus
                                                                                                   geheizten Hochsitzen aus zu schießen –
                                                                                                   dies hat mit Jagd nichts zu tun.

                                                                                                   schal abzulehnen ist keine gültige Option.
                                                                                                   Nicht gesellschaftlich, nicht ethisch (übri-
                                                                                                   gens auch jagdethisch), nicht ökologisch
                                                                                                   und schon gar nicht gesetzlich. Jäger, die
                                                                                                   heute noch behaupten, Wölfe wurden ille-
                                                                                                   gal ausgewildert, sind Ewiggestrige. Entwe-
                                                                                                   der machen sie Informationsterrorismus
                                                                                                   und sind deswegen ignorant, oder sie sind
                                                                                                   ignorant, weil sie die biologischen Prozesse
                                                                                                   nicht verstehen. Kein seriöser Jäger (oder
                                                                                                   sogar Wildbiologe) würde heute diese neue
  ok – was kümmern mich die anderen!“.           Jagdwissenschaft liegt!). Wegkommen von           Ausbreitungsdynamik in Frage stellen. Es
  Sollte man sich aber nicht einmal hinter-      den Monokulturen jagdbaren Wildes. Rehe           geht vielmehr darum, sich mit der Frage
  fragen? Einmal überlegen, ob alles, was        und Hirsche vom Jeep oder aus geheizten           zu befassen, wie ein Miteinander möglich
  kritisch zur Jagd geäußert wird, nicht auch    Hochsitzen aus zu schießen – dies hat mit         wird. Trotzdem sind ablehnende Wortmel-
  etwas an sich hat? Andererseits – es gibt      Jagd nichts zu tun. Ein Jäger, der nicht bereit   dungen und Initiativen gegen Raubtiere an
  in der Jagd viel Gutes und Positives – aber    ist, sich sein Hinterteil abzufrieren, soll zu    der Tagesordnung und die „offizielle“ Jagd
  nicht einmal das können wir richtig rü-        Hause auf dem Diwan bleiben und Fußball           toleriert dies. Oder es wird reine Heuchelei
  berbringen. Erstens, weil wir nicht gera-      schauen. Exzesse, wie sie bei der Rothirsch-      betrieben, mit Aussagen wie „Wenn sie von
  de die Kommunikationsweltmeister sind.         jagd in einigen Regionen vorkommen,               selbst kommen….“ Aber die Wirklichkeit
  Wir haben es außerdem verschlafen, uns         müssen aufs Schärfste verurteilt und aus-         ist eine andere. Wildereiakte sowie illegale
  ernsthaft mit diesem Thema zu befassen         gegrenzt werden. Da darf man nicht passiv         Tötungen sind immer noch Tatsache und
  – Information und Kommunikation ist            zuschauen, nur weil einige (sehr wenige)          an der Tagesordnung! Man braucht näm-
  NICHT gleich Propaganda und Lobbying!          der Revierinhaber Geldmagneten aus dem            lich gar nicht einen Wilderer oder Jäger zu
  Zweitens – es ist oft schwierig, sich hinter   Ausland sind! Die Ausbildung der Jungjä-          erwischen, der z.B. einen Luchs geschossen
  die Jagd zu stellen, denn da liegen Pro-       ger muss verbessert werden. Teilweise sind        hat, alleine die Tatsache, dass es nicht zu ei-
  bleme noch offen herum. Wir verschlafen        die Zustände, ist die Qualität der angebote-      ner vitalen Population gekommen ist, dass
  also gleichermaßen einen „Reinigungs-“         nen Kurse miserabel.                              abrupt an einer Grenzlinie ihre Verbreitung
  wie einen Kommunikationsprozess.                  Technisch wie ethisch-philosophisch –          endete – obschon die ökologischen Voraus-
                                                 man erklärt zwar alles über die Wildtiere         setzungen ideal waren (und sind) – spricht
                                                 und deren Biologie - und dies oft falsch und      für sich! Jahrzehntelang wurde unter an-
  Probleme heute                                 mit alten überholten Kenntnissen (Jagd-           derem Jagdpolitik betrieben – „die Jagd
  Die Probleme heute – was ist von der Jagd      technik, Waffen, Kaliber, Wildbrethygiene)        sei notwendig, man müsse die fehlenden
  so NICHT zukunftsfähig? Das Problem            - aber nichts über Jagdgeschichte, Jagdkul-       Raubtiere ersetzen“. Und heute, wo sie da
  bleibt – es hat zu viele Schwachpunkte, wel-   tur, Jagdethik. Die Jäger kennen ihre eigene      sind? Es gibt Jagdregionen, in denen man
  che die Jagd – im Gesamten – schwer ver-       Geschichte nicht, sie wissen kaum, was Jagd       Sonderkonzepte erstellt und Sondergeneh-
  tretbar und nicht zukunftsfähig machen.        wirklich bedeutet! Junge Jägergenerationen        migungen erlassen hat, um das Problem
  Was sind die Kernpunkte, die sich ändern       lehnen weitgehend das jagdliche Brauch-           Rotwild (viel zu hohe Dichten) in den Griff
  müssen? Wo liegen die heutigen Schwach-        tum ab – bezeichnen es als „lediglich folklo-     zu bekommen – was ja kaum gelingt. Und
  punkte, die gestärkt werden müssen, damit      ristischen Trödel“. Jagdliche Bräuche und         die Probleme bleiben, bis sie ein starker
  die Jagd zukunftsfähig wird? Jagd muss sich    waidgerechtes Benehmen bedeuten jedoch            Winter klärt. Dann kommt zufällig ein Wolf
  trauen, die schwarzen Schafe zu isolieren,     Regeln zu respektieren. Also spielen sie eine     vorbei, reißt zwei Hirsche und man schreit
  sich von den Exzessen distanzieren – Jagd      wichtige Rolle! Die Jagd muss aufhören mit        Alarm – der Wolf muss weg! Es gibt keinen
  muss sich hinterfragen – kritische Aspekte     Schlagwörtern wie „ohne Jagd kein Wild“           Platz für ihn! Hat der Jäger eine Ahnung,
  bearbeiten. Jagd muss mit Klischees und        und dem Missbrauch von Wörtern wie öko-           wie sehr dies seinem Image schadet?
  Pauschaldefinitionen aufräumen. Jagd           logisch, nachhaltig und Biodiversität.               Das Paradoxon dabei ist – wofür? Man
  muss beginnen, die Wildbiologie ernst zu          Die Ansichten zu den Großraubtieren            kann mit Großraubtieren sehr wohl zu-
  nehmen (die meisten Jäger haben heute          müssen sich ändern. Es geht nicht darum,          sammenleben und weiter jagen. Und wenn
  noch keine Ahnung, welcher Unterschied         Großraubtierfans zu werden, aber verant-          man mit diesem Thema verantwortungsvoll
  zwischen Jagdgeschichten, Jagdkunde und        wortungsvoll damit umzugehen. Sie pau-            umgeht, steht einer legalen Jagd auch auf

6	                                                          Foto: hw, Mag. Christian Messner                                  Jagd in Tirol 03/2013
Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at
Fachartikel

    diese Arten in Zukunft auch bei uns nichts
    im Wege – z.B. Freude an der legalen Bä-
    renjagd wie in Slowenien. Diese legale Jagd
    muss man sich aber zuerst verdienen, in-
    dem man zeigt, ernsthaft mit diesen Arten
    umzugehen. Das Management darf nicht
    mit der Büchse beginnen. Ernsthaft damit
    umzugehen heißt, deren Status zu erheben
    (Monitoring) und das Vorkommen zu einer
    vitalen Population heranwachsen zu lassen.
    Vital heißt, nicht in hohen Dichten – aber
    so, dass sie reproduktions- und somit über-
    lebensfähig ist.

    Der kuriose Umgang
    mit der Wissenschaft
    Beispiel Räude: Obschon Resultate von
    langjährigen Studien vorliegen, die aufzei-                20 Jahre Feld- und Laborforschung der Universität Torino haben bewiesen, dass bei
    gen, wie man von Räude befallene Gams-                     korrekter Entnahme/respektiver Zurückhaltung beim Schießen sich die Gams besser
                                                               erholen kann, denn die Immunität, die sie erlangen kann, wird von den überlebenden
    vorkommen bejagen sollte, werden diese                     Stücken weitervererbt.
    nicht wahrgenommen. 20 Jahre Feld- und
    Laborforschung der Universität Torino ha-
    ben bewiesen, dass bei korrekter Entnahme/                 Die Frage, die sich stellt, ist: Warum igno-          dubiose Resultate/Aussagen – immer öfter
    respektiver Zurückhaltung beim Schießen                    riert die Jagd die Erkenntnisse der Wissen-           kommt es zu „Gefälligkeitsgutachten“. Diese
    sich die Gams besser erholen kann, denn die                schaft so oft? Immer dann, wenn sie nicht in          Missstände der Wildbiologie werden min-
    Immunität, die sie erlangen kann, wird von                 ihr „wirtschaftliches“ Konzept passt?                 destens indirekt aber von der Jagd selbst
    den überlebenden Stücken weitervererbt.                       Natürlich gibt es auch die Kehrseite der           provoziert und gefördert.
    Man sollte nicht als einzige Maßnahme ein-                 Medaille. Oft wird von der Wissenschaft                 Beispiel Jagdplanung: Einer der absolut
    fach auf jedes suspekte Tier schießen. Aber                aus zu schlecht kommuniziert. Und nicht               gravierendsten Fehler ist die Art und Weise,
    genau dies passiert. In weiteren Studien an                alles, was aus der Wissenschaft/Wildbiolo-            wie die Jagdplanung, das Jagdmanagment
    der Universität Wien wurde dieser Prozess                  gie kommt, ist tatsächlich ein Evangelium.            heute betrieben wird. Und hier sind die Jä-
    der Immunität von Arnold und Mitarbei-                     Auch in der Wildbiologie gibt es dubioses             ger nur indirekt schuld daran, hier kommen
    tern bestätigt. Aber im Räude-Management                   Vorgehen. Immer härter wird die Konkur-               die Behörden und nochmals auch Wildbio-
    geht alles weiter wie immer schon. Lokal ist               renz zwischen Instituten und einzelnen                logen ins Spiel. Man versucht immer mehr,
    die Räude von einer Epidemie zu einer En-                  Forschern – der Leistungs- und Zeitdruck              die Jäger konstant zufriedenzustellen. Jedes
    demie geworden. Dies ist nur ein Beispiel.                 wird immer größer. Dabei entstehen sehr               Jahr am selben Ort gleich viel Schalenwild

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                                                                                                         Feuerbereit:
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    Jagd in Tirol 03/2013                                                                                                                                                7
Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at
Fachartikel

                                                                                                   Man muss es nur ansprechen und damit um-
                                                                                                   gehen. Bei der Jagd ist aber alles schlimmer,
                                                                                                   denn – Jäger töten Tiere – und dies wirkt
                                                                                                   sich eben gleich anders aus! Jagd muss sich
                                                                                                   also ändern. Wer sich nicht ändern kann und
                                                                                                   sich der „Evolution“, in diesem Fall sprich -
                                                                                                   der sozio-kulturellen Situation anpassen
                                                                                                   kann, wird aussterben. Dies ist die dogma-
                                                                                                   tische Regel von Charles Darwin.

                                                                                                   Jagd muss sich ändern
                                                                                                   Die Jäger ändern sich nur technologisch –
                                                                                                   modernerer Jeep, bessere Kaliber, Nacht-
                                                                                                   sichtgeräte, Fotofallen aber nicht anders.
                                                                                                   Die Erkenntnisse der Wildbiologie werden
                                                                                                   immer noch zu oft vom alten Jagdlatein in
                                                                                                   den Schatten gestellt, Anpassungen an die
                                                                                                   kulturelle Lage, an die Umweltsituation fin-
                                                                                                   den nur dürftig statt. Die Jagd schafft es auch
                                                                                                   nicht, über die eigenen Grenzen hinwegzu-
  So stark, wie ich für eine Erhaltung der Raufußhühnerjagd bin, so fest bin ich auch gegen        schauen und gemeinsame Wege einzuschla-
  die Missstände, die diese Jagd heute kennzeichnen. Diese Jagd darf wirklich nur dann             gen. Sie ist nicht bereit, alteingeflochtene
  erfolgen, wenn erwiesenermaßen die Population vital ist, also einen positiven Trend              Regeln, die eh nicht mehr funktionieren,
  aufweist. Und dies anhand von seriösem Monitoring und nicht Stammtischzählungen.
                                                                                                   zu brechen und zu ändern. Sie ist nicht be-
                                                                                                   reit, Probleme zusammen zu diskutieren,
                                                                                                   auch am internen Prozess hapert’s. Die Jagd
  zu schießen ist – so scheint es – das oberste     kommene Hahn scheint in keiner Statistik       macht vieles falsch – ABER – sie ist auch
  Ziel. Dies ist aber ein großer strategischer      auf, ist aber trotzdem einer weniger. Machen   Leidträger vieler anderer Fehler und Pro-
  Fehler. Die systematische Abflachung der          wir eine Simulation mit theoretischen Zah-     bleme. Eine immer zersiedeltere Umwelt
  Populationsdynamik, die Abflachung der            len, nur um den Prozess zu veranschaulichen.   mit immer größeren Barrieren, welche die
  natürlichen Fluktuationen durch regulative        15 % Entnahme von einem real geschätzten       Bewegungsfreiheit des Wildes einschrän-
  Eingriffe ist ein großer Fehler. Man nimmt        Bestand sind tragbar. Wird jedoch der Be-      ken, höhere Touristenzahlen und immer
  den evolutiven Prozessen jede Chance zu           stand überschätzt, dann wirken sich die 15     ausgefallenere Freizeitaktivitäten sind ein
  walten. Jahre mit mehr und Jahre mit weni-        % Entnahme anders aus. Denn 15 % von 800       großer Störfaktor. Ein heikles Thema stellt
  ger Rehen (oder Gämsen, Hirschen) sind na-        (der reale Bestand) sind 120 Tiere. 15 % von   heute die Forstpolitik dar. Forstdiktaturen
  türlich und normal. Flaschenhalssituationen       1.000 (der überschätzte Bestand) sind 150      sind immer häufiger, man verlangt immer
  sind ein wesentlicher Aspekt der Evolution,       Tiere. Im Endeffekt erlege ich aber die 150    höhere Abschusszahlen, immer längere
  deren Resultat eine Verbesserung unseres          Tiere vom realen Bestand – also ernte ich      Jagdperioden, man hat ein krankes Weltbild
  Wildes bedeutet.                                  rund um 20 % mehr als ich dürfte! Und ab-      der Natur. Reduktion ist das einzige Schlag-
     Beispiel Jagdplanung – Raufußhühner:           hängig von der Überschätzung kann es noch      wort. Dass aber schlechter Waldbau auch
  So stark, wie ich für eine Erhaltung der          viel mehr ausmachen! Berechnet man noch        eine Rolle spielen könnte, wird verdrängt.
  Raufußhühnerjagd bin, so fest bin ich auch        dazu, dass mit Schrotschüssen bis zu 40 %      Mehr und länger schießen bedeutet aber
  gegen die Missstände, die diese Jagd heu-         angeschossen, also umgebracht, aber nicht      für das Wild mehr Stress und ist gleichzu-
  te kennzeichnen. Diese Jagd darf wirklich         gefunden werden (scheinen in der Statistik     setzen mit mehr Schäden. Der Wald darf
  nur dann erfolgen, wenn erwiesenermaßen           nicht auf), dann steigt die Entnahme noch-     nicht Monokultur von jagdbaren Arten be-
  die Population vital ist, also einen positiven    mals deutlich und am Ende habe ich vom         deuten, aber noch weniger Monokultur von
  Trend aufweist. Und dies anhand von seri-         realen Bestand eine Entnahme, die um 40 %      waldwirtschaftlich interessanten Bäumen.
  ösem Monitoring und nicht Stammtischzäh-          und mehr höher ist als möglich. Dies ist auf   Kommunikation: Jagd muss lernen, offen-
  lungen. Die Raufußhühnerjagd – sei es Birk-       Dauer nicht tragbar! Kein Wunder, dass es      siv zu kommunizieren, sich zu zeigen und
  oder Auerwild, Hasel- oder Schneehahn,            lokal schlecht aussieht mit den Raufußhüh-     nicht sich lediglich zu rechtfertigen. Dafür
  im Frühling oder im Herbst, muss auch             nern. Und noch ein letzter Gedanke zu den      braucht es Profis – für Kommunikation!
  ordentlich ausgeführt werden. Zum Beispiel        Jagdzeiten. Immer längere Jagdperioden         Die Homepages von den miserabelsten Or-
  weg vom Schrot, hin zur Kugel! Ein einziger       (z.B. um die Rotwildbestände in den Griff zu   ganisationen und Vereinen haben bereits
  Schrotkern eines schlechten Schusses kann         bekommen) sind ein falscher Ansatz. Immer      attraktive Internet-Plattformen. Nur wir
  bereits einen Auerhahn töten. Es kann aber        ausgedehntere Ruheperioden und Rück-           Jäger nicht. Und nicht etwa, weil auf den
  passieren, dass er nicht im Feuer liegt, abrei-   zugsgebiete sollte es geben. Vertrauteres      Homepages nicht tolle Fotos von Jagden
  tet und nicht gefunden wird. Dies passiert        Wild würde die Jagd selbst auch viel schö-     drauf sind, aber weil sie für alle anderen
  viel öfter als man meint und wird zudem           ner machen. Ergo Negatives hat es in jedem     Nichtjäger uninteressant sind. Wir machen
  kaum gemeldet. Fazit: Der trotzdem umge-          Bereich, jeder Organisation und Kategorie.     so nur interne Kommunikation, was auch

8	                                                               Foto: Ernst Rudigier, hw                                     Jagd in Tirol 03/2013
Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at
Fuchsnächte!
                                                                                                            Reportage
                                                                                                   BBF MASTER LIGHT Luxus

wichtig ist, aber wir müssen vor allem die         form WISO der Alpenkonvention ist eine
Außenwelt erobern! Die Aufgabe der Jagd            neue technische Plattform, die mit Mandat
ist es, still und leise, aber aktiv die Leute zu   der acht Umweltminister der acht Alpen-
überzeugen – dafür muss sich die Jagd aber         staaten gegründet wurde. Das erste Doku-
zuerst bessern und mit vielem aufräumen!           ment wurde bereits unter der Slowenischen
   Das Bewusstsein – ich bin Jäger, das ist        Präsidenz im März 2011 eingereicht und
Jagd – ist die Basis für die Zukunft. Wenn         adoptiert. Grenzüberschreitend und inter-
ich nicht weiß, wer ich bin und woher ich          disziplinäre Arbeit. Ziel: Großraubtiere,
komme, werde ich kaum wissen, wohin ich            Schalenwild, Forst-, Jagd-, Landwirtschaft
soll, muss und kann! Jagd muss sich eman-          und Tourismus in Einklang bringen.
zipieren und vertretbar sein – dann muss              In Wirklichkeit sind die Jagdgegner auch
sie sich nicht mehr verstecken! Viele sind         nicht so häufig wie angenommen, oder wie
gegen die Jagd und doch, wenn’s ums Kon-           sie gerne von sich selbst sagen und die meis-
krete geht, wird in den „oberen Etagen“ der        ten sind dem Thema gegenüber uninte-
Administrationen und der Politik erkannt:          ressiert oder gleichgültig. Diese können
Es braucht die Jagd. Vielleicht nicht diese,       und müssen wir überzeugen – das ist der                             Komplettangebot
besser eine andere, aber es braucht sie.           Auftrag für die Zukunft. Wie? Durch gute
Dies ist nicht nur das Produkt von Jagdpoli-       Jagdführung, Jagd muss tatsächlich, nicht
tik der hohen Jagdlobby, sondern durchaus          nur mit Slogans, nachhaltig werden. Sie         Kaliber:
das Resultat von Überlegungen von Profis,          muss vertretbar sein!                           20/76 und
die über Fachberichte die Politiker unter-                                                         .22 Hornet
                                                                                                   .222 Rem.
stützen. Die IUCN (International Union for
                                                                                                   .223 Rem.
the Conservation of Nature = Internationa-         Zukunftsperspektiven                            5.6 x 50R Mag.
le Union für die Erhaltung der Natur) hat          Aus dem lateinischen perspicere heißt           .243 Win.
z.B. während ihres zweiten Weltkongresses          dies hindurchsehen, hindurchblicken.            6.5 x 57R
in Amman (Jordanien) im Jahr 2000 eine             Und Synonyme davon sind Zukunft, Aus-           7 x 65R, .30-06
richtungsweisende Resolution und eine              sicht, Chance, Hoffnung, Möglichkeit,
Grundsatzerklärung („Policy statement“)            Zukunftsaussichten. Viele schöne, positiv
                                                                                                   ... elegante, schmale
verabschiedet. In diesen Dokumenten wird           tönende Worte. Um Zukunftsperspektiven          Bauform; geschmie-
die nachhaltige Nutzung wildlebender Res-          zu haben, heißt es aber, sich ernsthaft der     dete 60 cm Läufe;
sourcen – und somit auch die Jagd – akzep-         Probleme bewusst zu werden, sie nicht zu        ausgezeichnete
tiert und als wesentlicher Teil der IUCN-          verdrängen, sondern aktiv zu bekämpfen.         Schussleistung, gut
Politik zur Förderung und Erhaltung der            Damit die Jagd auch in Zukunft als maß-         justierbarer Stecher;
Ökosysteme und der biologischen Vielfalt           geblicher Teil der Kultur, Tradition, Be-       klassisches Äußeres –
ausgewiesen. Es gibt auch andere Beispiele,        wirtschaftung und Erhaltung der Alpen           Tierstücke, Arabesken;
                                                                                                   geschliffene Nussholz-
die zeigen, dass Jagd durchaus auch Unter-         anerkannt wird.                         ■
                                                                                                   schäfte, Bayerische
stützung genießt und salonfähig ist. Um                                  Dr. Paolo Molinari,       Backe, Biberschwanz
ein aktuelles Beispiel zu nennen: Die Platt-                            AGJSO 2012, Kärnten        am Vorderschaft; Lie-
                                                                                                   ferung solange Vorrat
                                                                                                   reicht!

                                                                                                    ... jetzt
                                                                                                   im Set mit:
                                                                                                   ZEISS Duralyt 3-12x50
                                                                                                   Abs. 60, Leuchtabsehen,
                                                                                                   statt: € 3.014.- nur    ... ¤ 2.622.-
                                                                                                   ZEISS Diatal 7x50 Abs. 40 od. 60,
                                                                                                   Leuchtabsehen,
                                                                                                   statt: € 3.159.- nur     ... ¤ 2.744.-
                                                                                                   ZEISS Duralyt 3-12x50 Abs. 6.,
                                                                                                   statt: € 2.744.- nur    ... ¤ 2.380.-
                                                                                                   Die Preise verstehen sich inkl. Montage,
                                                                                                   montiert und eingeschossen in EURO
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Um Zukunftsperspektiven zu haben, heißt es aber, sich ernsthaft der Probleme bewusst                      bzw. über Ihren Büchsenmacher
zu werden, damit die Jagd auch in Zukunft als maßgeblicher Teil der Kultur, Tradition,               Händlernachweis und Infos: Burgstaller GmbH
Bewirtschaftung und Erhaltung der Alpen anerkannt wird.                                                Tel. 04762/82228 • FAX 04762/822532
                                                                                                            Mail: info@waffen-burgstaller.at
                                                                                                     www.zeiss.de/sportsoptics • www.sabatti.com
Jagd in Tirol 03/2013                                                                                          www.waffen-burgstaller.at        9
Zeitschrift des Tiroler Jägerverbandes März 2013 Jahrgang 65 www.tjv.or.at
Schlüssel
   zum Erfolg
   Raubwildbejagung oder
   Lebensraumerhaltung

10	                       Jagd in Tirol 03/2013
Fachartikel

D
           ie Fortbildungsveranstaltung am 16. Januar 2013 im Tiroler
           Jägerheim in Innsbruck war ein voller Erfolg, etwas über 100
           Jäger haben sich über die neuesten Erkenntnisse im Bereich
der Raubwildbejagung informiert. Prof. Dr. Klaus Hackländer vom
                                                                                                                  GRATIS
Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) des Departments
für integrative Biologie und Biodiversitätsforschung der Universität                          JAGD-KATALOG
für Bodenkultur Wien war zu Gast, um in das Netzwerk der Räuber-
Beute-Beziehungen und ihren Wechselwirkungen mit ihrer Umwelt                                       Jetzt anfordern!
einen genaueren Einblick zu geben. In unserer heutigen Kulturland-
schaft wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Gewinner wie
Fuchs oder Steinmarder haben es geschafft, sich den Gegebenheiten
anzupassen und brauchen zum Überleben keine Unterstützung des
Menschen, sie finden selbst in dicht besiedelten Gebieten ihren Platz
und ein reichliches Nahrungsangebot.
  Anders sieht es bei den Verlierern wie dem Feldhasen oder Auer-
huhn aus. Ohne aktive Managementmaßnahmen wären diese Tierar-
ten in vielen Gebieten Europas aus ihren ursprünglichen Lebensräu-
men schon verschwunden. Doch woran liegt das? Vielleicht an den
eben erwähnten Gewinnern. Würde die Beutegreifer-Bejagung somit
einen Beitrag zum Artenschutz leisten? Oder ist der Grund in dem
Verschwinden geeigneter Habitate zu suchen und die Lebensraumer-
haltung ist der Schlüssel zum Erfolg für den Artenschutz? Wissen-
schaftler aus aller Welt haben sich schon mit dieser Thematik befasst.
Summer et al. (2004) untersuchten den Bruterfolg von Auerhühnern
in Schottland in Abhängigkeit von Prädatoren, Wetter und Vegetati-
on. Die Räuberdichte wurde von 1992 bis 1996 manipuliert und die
Produktivität der Hennen in Waldgebieten mit und ohne Räuberma-
nagement wurde verglichen (Abb.1).

                                                                                                                                                  Stammkunden erhalten
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                                                                               digital                                                                                    Fälle!
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                                                                                                                                                                              99,
                                                                                                                                                                                   99
                                                                            Waage mit einem Messbereich                                                                                  99
                                                                            von bis zu 200 kg in 100 g-
                                                                            Schritten und mit extra stabilen
                                                                                                                                                                        nur     34,
                                                                            und verzinkten Wiegehaken.
                                                                            Seitlich an der Waage befindet
                                                                            sich ein ausziehbares Maßband
                                                                            mit 1 m Länge. Mit digitalem
                                                                            Thermometer, das die Tempe-
                                                                            ratur in Celsius und Fahrenheit
Abb. 1) Bruterfolg des Auerhuhns in Gebieten mit
(Experiment) und ohne Raubwildbejagung (Kontrolle)                          anzeigt. Messeinheiten: kg/lbs/
                                                                            stone. 3 Batterien AAA erfor-
                                                                                                                                                            Bis 200 kg
(aus Summer et al. (2004)).                                                                                                                                   Mit ausziehbarem
                                                                            derlich (bitte separat bestellen).                                                Maßband
                                                                            Bestell-Nr. 123185.69.003                                                         Digitales Thermometer
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In dieser Studie wurden aufgrund der Raubwildbejagung eine Sen-              Ihr tolles Gratis-Geschenk!
                                                                                                                                  Jagdmesser
                                                                             Scharfes, 13,5 cm langes
kung der Prädationsrate sowie eine zeitweise Erhöhung des Fort-              Jagdmesser TERRIER mit 5 cm
pflanzungserfolges erreicht. Abb. 1 verdeutlicht jedoch, dass der            Klinge. Inkl. Lederetui. (Ein Gratis-
Bruterfolg des Auerwildes nicht alleine von der Raubwilddichte               Geschenk pro Bestellung, solange
                                                                             Vorrat reicht).               137454
beeinflusst wird. 1995 sank die Anzahl der Küken pro Henne im
Versuchsgebiet trotz Bejagung des Raubwildes auf annähernd das                Tel.: (01) 3 10 06 20                                                   www.askari-jagd.at
gleiche Niveau wie im Referenzgebiet. Auch Baines et al. (2004) be-
                                                                               Askari Sport GmbH                                               Telefon (01) 3 10 06 20
schäftigten sich in einer Studie mit dem Einfluss von Prädatoren und           Paketfach Friedewald                                            www.askari-jagd.at
Waldstrukturen auf den Bruterfolg dieser Raufußhühner (Abb.2).                 4005 Linz                                                       E-mail: service@askari-jagd.at
Diese Abbildung zeigt einen bedeutenden Einfluss des Deckungs-                 Amtsgericht Coesfeld, eingetragen HRB/6840 - Geschäftsführer: Paul Brüggemann, Heike Wagner, Rüdiger Walter
                                                                             Porto- und Verpackungskosten bei Kreditkarten/Bankeinzug € 5,95. Bei Nachnahmesendungen zzgl. Nachnahmegebühren.
grades der Heidelbeere auf den Bruterfolg des Auerhuhns. Bis zu                       (Bonität vorausgesetzt). Es gelten unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen unter www.askari-jagd.at.
                                                                                      Dieser Artikel ist nur über den Versand erhältlich, nicht in den Läden! Lieferung solange der Vorrat reicht!
einem Deckungsgrad von 15 Prozent bis 20 Prozent steigt dieser

Jagd in Tirol 03/2013                                             Fotos: Albert Mächler
                                                                     69-00_Maerz_90x242_V3_DE_L39B.indd 1                                                                                               11
                                                                                                                                                                                             21.01.13 14:21
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                                                                          und den Bruterfolg dieser Art? Bolton et al. (2007) untersuchten in
                                                                          einem achtjährigen Experiment in elf Untersuchungsgebieten den
                                                                          Effekt der Prädationskontrolle von Fuchs und Rabenkrähe auf den
                                                                          Bruterfolg und die Bestandesentwicklung des Kiebitzes.

                                                                          Abb. 3) Effekt der Raubwildbejagung auf den Gelegeerfolg
                                                                          des Kiebitzes (aus Bolton et al. (2007)).

   Abb. 2) Bruterfolg der Auerhenne und durchschnittlicher
   Deckungsgrad der Heidelbeere a) ohne Raubwildbejagung
   und b) mit Raubwildbejagung (aus Baines et al. (2004)).

   an, fällt danach allerdings wieder ab. In einem Vergleichsgebiet mit
   zusätzlicher Raubwildbejagung nimmt der Bruterfolg hingegen nicht
   wieder ab, stagniert dennoch auf etwa gleichem Niveau wie in dem
   Untersuchungsgebiet ohne Raubwildmanagement und 15 Prozent
   Heidelbeerdeckung. Das Habitat hat hier einen höheren Stellenwert
   und somit auch einen größeren Einfluss (Superfaktor) als die Räuber-
   dichte. Die Heidelbeere bietet für das Auerwild Schutz vor Witterung
   sowie Räubern und zugleich Nahrung. Der Fortpflanzungserfolg des
   Auerwildes und somit dessen Populationsentwicklung hängen nicht
   nur von der Räuberdichte ab, sondern auch vom Lebensraum und           Abb. 4) Jährliche Populationsentwicklung des Kiebitzes (%)
   somit ist die Lebensraumerhaltung eine entscheidende Management-       mit und ohne Raubwildbejagung (aus Bolton et al. (2007)).
   maßnahme zum Schutz der Auerwildbestände. Auch der Kiebitz ist
   ein immer wieder gerne von Fuchs und Rabenkrähe aufgesuchtes
   Beutetier und unterliegt somit ebenfalls einem gewissen Prädations-    Die Räuberdichte war in den Untersuchungsgebieten sehr unter-
   druck. Doch ist dieser entscheidend für die Populationsentwicklung     schiedlich und somit auch die Zahl der entnommenen Individuen.
                                                                          Es gibt keinen allgemeinen gebietsübergreifenden Effekt, sondern es
                                                                          besteht ein signifikanter Unterschied zwischen den Gebieten. Den
                                                                          Bruterfolg (Abb. 3) wie auch die Populationsentwicklung (Abb. 4)
                                                                          des Kiebitzes betreffend, gibt es Gebiete mit negativem, welche mit
                                                                          positivem und Gebiete ohne Effekt. Wiederum als entscheidender
                                                                          Faktor hat sich das Habitat bzw. dessen Struktur in einer Untersu-
                                                                          chung von MacDonald & Bolton (2008) herausgestellt. Mit zuneh-
                                                                          mendem Abstand zur Feldgrenze nimmt die Prädationsrate für das
                                                                          Rebhuhn ab. Dies entspricht dem natürlichen Verhalten der Beute-

                                                                          Der Fortpflanzungserfolg des Auerwildes und somit
                                                                          dessen Populationsentwicklung hängen nicht
                                                                          nur von der Räuberdichte ab, sondern auch vom
                                                                          Lebensraum und somit ist die Lebensraumerhaltung
                                                                          eine entscheidende Managementmaßnahme zum
                                                                          Schutz der Auerwildbestände.

12	                                                                                                                        Jagd in Tirol 03/2013
Fachartikel

  greifer, welche gerne lineare Strukturen wie Feld- und Waldgrenzen        Phänomen. Bei der Betrachtung solcher Statistiken stellt sich nun die
  zur Nahrungssuche nutzen. Doch sind nun die Lebensraumerhaltung           Frage, ob unser Raubwild die Ursache für den Rückgang von Beute-
  und die Habitatverbesserungsmaßnahmen wirklich ein Rezept mit             populationen darstellt oder vielmehr als Hemmnis für die Erholung
  Erfolgsgarantie? Kommt es wirklich nur auf das Habitat und nicht auf      von Beutetierpopulationen zu betrachten ist. Selbst steigende Ab-
  die Beziehungen zwischen einzelnen Tierarten an? Am Beispiel des          schusszahlen beim Fuchs bewirken keine Änderung beim Rebhuhn.
  Rebhuhns wird deutlich, dass ein Management einer Tierart ohne die        Der Abfall der Rebhuhnzahlen erfolgte auch schon lange vor dem
  dazugehörige Erfolgskontrolle nicht funktioniert. Bro et al. (2004) er-   Anstieg des Fuchsabschusses und lässt einen anderen Hintergrund
  forschten den Einfluss von Habitatmanagementmaßnahmen auf die             des Rückgangs vermuten.
  Rebhuhnpopulation und kamen zu dem Schluss, dass solche Maß-
  nahmen, wie das Anlegen von Deckungsstreifen, nicht immer mit
  einem positiven Effekt auf die Populationsentwicklung gleichzuset-
  zen sind, denn das Anlegen dieser Streifen hatte keinen Einfluss auf
  die Brutpaardichte. Die Arbeit von Aebischer & Ewald (2004) bestä-
  tigt die Annahme, dass nur die Kombination unterschiedlicher Ma-
  nagementmaßnahmen zum Erfolg führen kann und dieses Ergebnis
  nur durch eine anschließende Prüfung sichtbar wird. In ihrer Studie
  kombinierten sie Habitatverbesserungsmaßnahmen mit einer Beute-
  greiferkontrolle. Die Referenzgebiete zur Kontrolle belegen dabei den
  Erfolg dieser Maßnahmenkombination (Abb. 5)

                                                                            Abb. 6) Jagdstreckenentwicklung Rebhuhn und Fuchs
                                                                            in Niederösterreich

                                                                            Um die Konfliktträchtigkeit dieser Thematik noch weiter zu verdeut-
                                                                            lichen machte Prof. Dr. Hackländer einen Ausflug in die Psychologie
                                                                            und Philosophie, denn die Jagd ist sehr mit Emotionen bepackt und
                                                                            somit werden die Wildtiere von vielen Jägern aber auch Nicht-Jägern
                                                                            in „Gut“ und „Böse“ eingeteilt. Doch was gibt uns das Recht dazu?
                                                                            Was macht den Auerhahn wertvoller als den Fuchs? Es sind beides
                                                                            Lebewesen, die ihr Anrecht auf Lebensraum beanspruchen. Da die
                                                                            Einteilung von „Gut“ und „Böse“ jedoch von Emotionen und Wert-
                                                                            vorstellung beeinflusst wird, kann diese von Person zu Person unter-
  Abb. 5) Durchschnittliche Frühjahrsdichte des Rebhuhns in                 schiedlich sein.
  Gebieten mit Management und ohne Management. 1996                            „Der Mensch besitzt eine angeborene emotionale Verbundenheit
  begannen zwei der zuvor nicht gemanagten Gebiete mit
  dem Management (aus Aebischer & Ewald (2004)).
                                                                            mit anderen Lebewesen“ (Edward O. Wilson), was auch die Wahl der
                                                                            beliebtesten Werbefiguren verdeutlicht (Platz 1: Bärenmarke-Bär).
                                                                            Wie sehr Ereignisse und Werte unsere Einstellungen und damit auch
                                                                            unser Verhalten beeinflussen können, zeigt eine Umfrage zur Mei-
  Diese Forschungsarbeiten belegen die Notwendigkeit einer gut              nung zu Großraubtieren und deren Recht auf Wiederansiedlung. Vor
  durchdachten Entscheidungsfindung und Evaluierung von Manage-             der Wanderung des Problembären „JJ1“ waren über 50 Prozent der
  ment- bzw. Artenschutz-Maßnahmen. Die Prädatorenkontrolle kann            in Bayern Befragten für eine Wiederansiedlung, nach den Vorfällen
  nur dann einen Beitrag dazu leisten, wenn die Rolle der Prädatoren        jedoch nicht einmal mehr 30 Prozent. In Norddeutschland hinge-
  in dieser „Lebensgemeinschaft“ bekannt ist und die äußeren Gege-          gen nahm die Zustimmung nur um 10 Prozent auf knapp über 40
  benheiten stimmen. Ist ein Gebiet grundsätzlich nicht oder auch           Prozent ab. Je mehr der Mensch selbst von Ereignissen betroffen ist,
  nicht mehr geeignet und können Habitatverbesserungsmaßnahmen              desto mehr kochen auch die Emotionen auf! In Australien sorgte
  keine Änderung des Sachverhaltes herbeiführen, dann hilft auch            hingegen die Invasion der Kaninchen dafür, dass sich die Einwoh-
  keine Raubwildbejagung mehr! Die Jagdstreckenentwicklung von              ner einen neuen Osterhasen, den großen Kaninchennasenbeutler,
  Rebhuhn und Fuchs in Niederösterreich (Abb. 6) unterstreicht dieses       suchten. Wie unterschiedlich die Einstellungen zu einer Wildart

                                                             Top - Angebote unter:                                       Walter Beutler

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                                                          An- und Verkauf,                                               Eggenwaldweg 60            13
                                                Reparatur und Verwertung von Waffen
  Jagd in Tirol 03/2013
Landeshauptschießstand Arzl                                                                                              6020 Innsbruck
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   sein können zeigt der Vergleich mit dem Status des Kaninchens in    Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die Raubwild-
   Spanien. Auf der Iberischen Halbinsel stellt das Kaninchen eine     bejagung einen Beitrag zum Artenschutz leisten kann, dieser
   Schlüsselrolle auch für die zwei bedrohten Arten, den Iberischen    aber aufgrund der Vielfältigkeit der Emotionen bezüglich die-
   Luchs und den Kaiseradler, dar. Der Bestand ist nach Ausbruch       ser Thematik belegt sein sollte. Bei der Beantwortung von solch
   von RHD massiv eingebrochen und nunmehr vom Ausster ben             komplexen Fragestellungen sollte jedoch die Vermischung mit
   bedroht. Untersuchungen zufolge beeinflusst die Kaninchenhäu-       Emotionen und Wertvorstellungen vermieden werden. Eine aus
   figkeit die Anzahl bedrohter Greifvögel (Delibes-Mateos et al.      naturschutzfachlicher und jagdwirtschaftlicher Sicht nachhaltige
   2007). Gut und Böse variieren also mit der Zeit, von Region zu      Bejagung kann nur betrieben werden, wenn die Rolle des Beu-
   Region, zwischen Interessengruppen und je nach ökologischem         tegreifers in dem jeweiligen Ökosystem bekannt ist. Dabei spielt
   Wissen. Bei der Entwicklung bzw. Umsetzung von Management-          jedoch die Erhaltung des Lebensraumes (Superfaktor) eine maß-
   maßnahmen muss dementsprechend immer der Gesamtkontext              gebliche Rolle, denn sie ist nachhaltiger und trägt zudem zu einem
   betrachtet werden, denn die Räuber-Beute-Beziehungen sind           positiven Image der Jagd bei.                                   ■
   nun mal nicht so einfach und simpel, wie sie uns als Nahrungs-                                                                 Dipl.-Ing. Miriam Traube
   kette in der Grundschule vorgestellt wurden. „Pflanzen als Pro-
   duzenten werden von Pflanzenfressern gefressen und diese von                                                                                              Literatur:
   Fleischfressern und diese von den Konsumenten an der Spitze.                      Aebischer, N.J. & Ewald, J.A. (2004): Managing the UK grey partridge Perdix perdix
                                                                                     recovery: population change, reproduction, habitat and shooting. Ibis 146: 181–191.
   Ausscheidungen und tote Organismen werden zersetzt und Mine-
                                                                                       Baines, D., Moss, R. & Dugan, D. (2004): Capercaillie breeding success in relation
   ralstoffe gelangen wieder in den Boden.“ Es handelt sich vielmehr                     to forest habitat and predator abundance. Journal of Applied Ecology 41: 59-71.
   um ein riesiges Nahrungsnetz, das viele Verknüpfungen aufweist.          Berger, K. M., & Conner, M. M. (2008): Recolonizing wolves and mesopredator suppression
   In diesem Nahrungsnetz haben auch die Superprädatoren (große             of coyotes: impacts on pronghorn population dynamics. Ecological Applications 18: 599–612.

   Beutegreifer) und Mesoprädatoren (mittlere Beutegreifer) ihren                 Bolton, M., Tyler, G., Smith, K. & Bamford, R. (2007): The impact of predator control
                                                                                         on lapwing Vanellus vanellus breeding success on wet grassland nature reserves.
   Platz und somit auch eine Funktion zu erfüllen. Wie komplex un-                                                              Journal of Applied Ecology 44: 534–544.

   ser Ökosystem ist, veranschaulicht die Untersuchung von Berger                                    Bro, E., Mayot, P. Corda, E. & Reitz, F. (2004): Impact of habitat
                                                                                              management on grey partridge populations: assessing wildlife cover using a
   & Connor (2008), die den Einfluss von Wölfen auf Kojoten und                                                 multisite BACI experiment. J. Appl. Ecol. 41: 846–857.
   somit auf Gabelböcke erforschten. In der Studie wird der posi-       Delibes-Mateos, M., Redpath, S.M., Angulo, E., Ferreras, P. & Vil- lafuerte, R. (2007): Rabbits
                                                                                      as a keystone species in southern Europe. Biological Conservation 137: 149–156.
   tive Einfluss des Wolfes auf die Gabelbockpopulation verdeutlich.
                                                                                        MacDonald, M. A. & Bolton, M. (2008): Predation of Lapwing Vanellus vanellus
   Durch die Prädation der Kojoten steigt die Populationsgröße der                   nests on lowland wet grassland in England and Wales: Effects of nest density, habitat
   Gabelböcke an. Der Einfluss der Kojoten auf die Kitzsterbilchkeit                                                and predator abundance. J. Ornithol. 149: 555–563.

   wird durch den Superprädator Wolf reduziert (Abb. 7).                               Summers, R.W., Green, R.E., Proctor, R., Dugan, D.,Lambie, D., Moncrieff, R.,
                                                                                  Moss, R. & Baines, D. (2004): An experimental study of the effects of predation on the
                                                                           breeding productivity of capercaillie and black grouse. Journal of Applied Ecology 41: 513–525.

                                                                                                  Buchtipp
                                                                         Tolle Zeiten und Große Jäger
                                                                         Band III, Klaus Neuberger
                                                                                                                  352 Seiten, über 900 Fotos
                                                                                                                  Format: 23,5 x 28,5 cm
                                                                                                                  ISBN: 978-3-99024-097-7
                                                                                                                  Preis: € 49,90

                                                                                                         Klaus Neuberger beschreibt und zeigt
                                                                                                         mit Band III der Jagddokumentation
                                                                                                         „Tolle Zeiten & Große Jäger“, für
                                                                                                         jeden an der Jagd Interessierten,
                                                                                                         mit Unterstützung von über 900
                                                                                                         Fotos, Jagdatmosphäre von gestern
                                                                                                         und heute, in Österreich, Ungarn,
                                                                                                         Deutschland, Tschechien, Kanada,
                                                                         Südamerika, Afrika und anderen Jagddestinationen. „In tiefer
                                                                         Demut, beseelter Dankbarkeit und vitaler Reminiszenz sei daran
                                                                         erinnert – die Wiesen und Bäche unserer Jugend sind nicht mehr.
                                                                         Die Spielfelder haben sich verlagert. Denken wir aufrechten Herzens
                                                                         daran zurück und bemühen wir uns nachhaltig, kommenden Gene-
                                                                         rationen noch zauberhafte Plätze für ihre Träume zu erhalten. Jagen
   Abb.7) Veränderung der Kitzsterblichkeit bei Gabelböcken
   mit und ohne Wolf, Populationsentwicklung des Gabelbocks              ist auch ein Ausdruck persönlicher Freiheit.“
   (aus Berger & Connor (2008)).

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Kolumne
Alles, alles
will ihn fressen!
Von Wildungen sagte es bereits im 18. Jahrhundert, und –
es passt gerade so schön hierher – trifft heute wohl weit mehr zu als damals.

D
         ie großen, ich meine die wirklich     Salatplantage und in mehrschnittigen Wie-      altes Engagement wieder, die „Fuchsnäch-
         großen(!), Hasenjagden kenne ich      sen, deren Vielfalt immer mehr zurückgeht,     te“ sind ein erster, wenn auch einseitiger,
         selbst nicht mehr, obschon nicht      fehl am Platze. Unmittelbar auf diese Um-      Ansatz. Brachen, nur dem Wilde dienend,
greisen, so doch ehrwürdigen Alters. Un-       stände folgt der zweite, nicht weniger gra-    stellen Inseln im Strom der Lebensfeind-
terstellend, die Altvorderen trugen so dick    vierende Faktor: die Fressfeinde. Empfahlen    lichkeit dar. Wer nach Windwürfen und
auf, wie wir es heute tun, müssen diese        die Heger noch vor gar nicht so langer Zeit,   Schneebrüchen Wildschaden an Bäumen
Jagden wirklich noch Strecke gebracht ha-      auf alles zu schießen, was einen krummen       bezahlt, kann auch das Schutzgeld für ei-
ben. Dann folgten die, mir nunmehr selbst      Schnabel hätte, schossen ebendiese noch        nen Satz Hasen erübrigen und eine Brache
erinnerlichen, nicht minder legendären         die Krähennester aus, rückte man noch den      pachten. Schonende Bejagung, jedoch mit
Jagden der 60er und 70er, dünn gesät die       Kolkern und Hähern mit Hagel und Lot zu        fermen Hunden, um die Durchmischung
photographischen Belege, schon deutlich        Leibe, so ist das heute Schnee von gestern.    des Besatzes zu fördern. Die Umsetzung
schmäler die Beute, dicht jedoch die schein-   In noch jüngerer Vergangenheit liegt eine      mag dauern, mit viel Einsatz, Disziplin und
bar endlosen Elegien darauf.                   weitere Fahrlässigkeit unserer Zunft: Wir      Zurückhaltung verbunden sein, bringt aber
                                               ließen, zu hohen Zeitaufwand vorschüt-         etwas zurück: den Hasen.                 ■
                                               zend, die Kunst des Fallenstellens so sehr                                                  OSKAR
Was nun bringt den                             in Vergessenheit geraten, dass wir darauf
Hasen wirklich in Not?                         verzichten mussten, weil die wahren Kön-
Wie immer grobes Unwissen, gepaart mit         ner in Minderzahl gerieten, und die Dilet-
dem Unwillen, eine eigene Ansicht zu ver-      tanten durch ihre zweifelhaften „Erfolge“       Jagdzeiten in Tirol
treten. Punkt. Die einen, unschuldig und       das Ansehen aller Jäger hemmungslos ram-
                                                                                               Männl. Rotwild Kl. I             01.08.–15.11.
bar jeder Begeisterung für Wildtiere, erken-   ponierten. Und als jüngstes Bravourstück        Männl. Rotwild Kl. II & III      01.08.–31.12.
nen im Hasen seit Jahrzehnten eine Comic-      dulden wir nun schon seit Jahren, dass un-      Weibl. Rotwild/Kälber
Figur (Bugs Bunny 1940, Klopfer 1942), die     ter anderem alle Rabenvögel kollektiv un-       und Schmalspießer                01.06.–31.12.
anderen, durchaus interessiert, einen frau-    ter Schutz gestellt werden, stimmen in EU-      Gamswild                         01.08.–15.12.
enverprügelnden Macho (Grzimek, Tierle-        weites Gejammer über diesen Irrsinn ein         Gamswild in Osttirol             01.08.–31.12.
                                                                                               Männl. Rehwild Kl. I & II        01.06.–31.10.
ben) mit insgeheim bewunderter Potenz,         und lassen uns gleichzeitig eine Schüssel
                                                                                               Männl. Rehwild Kl. III           01.06.–31.12.
wohingegen meine Ausgabe des „Neuen            Wasser bringen, um unsere Hände in Un-          Weibl. Rehwild & Kitze           01.06.–31.12.
Brehm“ jeden Experten mit der Information      schuld zu waschen. Wir lauschen verzückt        Steinwild                        01.08.–15.12.
bedient, der Hase sei ein „derber Nager“.      den Ausführungen der Experten, wie wir          Muffelwild                       01.08.–31.12.
   Soweit die Theorie. Doch lassen wir es      denn diesen oder jenen Beutegreifer scho-       Murmeltier                       15.08.–30.09.
nicht beim pointensicheren Zitat bewen-        nen oder gar neu ansiedeln sollen, wohl         Feld- und Alpenhase              01.10.–15.01.
                                                                                               Dachs                            15.07.–15.02.
den, bleiben wir nicht in der Studierstube,    wissend, dass dies die Nahrungskette nach
                                                                                               Haselhahn                        15.09.–15.10.
sehen wir, feldforschend, in die Reviere.      unten ganz eklatant verändern wird.             Alpenschneehuhn                  15.11.–31.12.
Was tut sich da, dem Hasen Förderliches?          Letztlich wären noch die streunenden         Stockente, Ringeltaube           01.10.–15.01.
Wenig, erschreckend wenig! Immer mehr,         Hunde und jene, deren Besitzer die Auf-         Fasan                            01.10.–15.01.
schleichend, von oberflächlichem Hinse-        sichtspflicht als demokratiegefährdend
                                                                                                Ganzjährig bejagbar: Fuchs, Steinmarder, Iltis,
hen unbemerkt, bereiten wir, mainstream-       einstufen, anzuführen. Wenn auch kein             Waschbär, Marderhund und Schwarzwild
hörig, den Boden für den Niedergang der        Hund einen gesunden Hasen greifen kann,          Folgende Wildarten sind ganzjährig
                                                                                                 zu schonen: Wolf, Braunbär, Baummarder,
Hasenpopulation. Keineswegs handelnd,          so scheint es mir doch wenig förderlich,        	Luchs, Wildkatze, Reb-, Stein- und Blässhuhn,
nein, schlimmer noch: duldend. Wich-           wenn die Hasen einer steten Beunruhigung          Waldschnepfe, Uhu, Wald-, Raufuß- und
                                                                                                 Steinkauz, Turm- und Baumfalke, Habicht,
tigster Einflussfaktor ist wohl der Wandel     unterworfen werden, die Hunde wechseln,           Mäusebussard, Sperber, Steinadler, Graureiher,
des Lebensraumes. Weitgehend verschwun-        doch der Hase bleibt derselbe. Erstaunlich        Kormoran, Gänsesäger, Rackelwild, Kolkrabe,
den sind stillgelegte Flächen im Ackerbau,     in diesem Zusammenhang: Jene „Tier-               Elster, Eichelhäher, Rabenkrähe
                                                                                                Auer- und Birkhahn:
intensivierte Landwirtschaft und hoher         freunde“, die unsere Hasenjagden stören,          Rahmenschusszeit: Auerhahnen in den ungera-
Einsatz von Chemie tun ein ihres. Tiere, die   fallen beim Stöbern ihres eigenen Hundes          den Jahren vom 15. April bis 15. Mai, Birkhahnen
                                                                                                 jährlich vom 1. Mai bis 15. Juni, jeweils
größtenteils von Gräsern und Wildkräutern      – der tut nix! – in Verzückung.Was kann           eingeschränkt auf maximal 15 Tage.
leben, sind in einer von Folien bedeckten      man tun? In erster Linie brauchen wir unser

Jagd in Tirol 03/2013                                                                                                                               15
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