KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG

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KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
KirchenBlatt
Nr. 37 I Donnerstag 11. September 2014
Einzelpreis: € 1,- I www.kirchenblatt.at

                                                                                                           2	Landtagswahl.
                                                                                                              Die Parteien
                                                                                                              stellten sich
                                                                                                              den Fragen beim
                                                                                                              Stammtisch in
                                                                                                              Dornbirn.

                                                                                                           8	Nachlese.
                                                                                                              Michael Tischin-
                                                                                                              ger sprach beim
                                                                                                              Herbstsymposion
                                                                                                              über den Weg der
                                                                                                              Achtsamkeit.

                                                                                                          20	Heilig-Krüz-Tag.
                                                                                                              Gedanken zum
                                                                                                              „verschwinden-
                                                                                                              den Fest Kreuz-
                                                                                                              erhöhung“ am
                                                                                                              14. September.
                                                                                      Dietmar STeinmair

Segnen. Im                                                                   In der Basilika Rankweil ist der zweite
                                                                             Sonntag im September dem Silbernen bzw.
                                                                             Wundertätigen Kreuz gewidmet. Das ur-
                                                                             sprüngliche Kreuz besteht aus Lärchenholz

Kreuz liegt Heil
                                                                             und kam vor 800 Jahren nach Rankweil. Im
                                                                             18. Jahrhundert wurde das Kreuz zunächst
                                                                             mit Kupfer und dann mit Silber aus Votiv-
                                                                             gaben überzogen, um diese vor der Ausliefe-
                                                                             rung an die Regierung in Wien zu retten.
                                                                             Auch heute noch wird dem Kreuz Wunder-
Das Fest „Kreuzerhöhung“ am 14. September hat in Rankweil große Bedeutung.   tätigkeit zugesprochen. Die Basilika lädt nun
                                                                             wieder ein: Zum Gesegnet-Werden. Und um
                                                                             selbst zum Segen zu werden. u Gottesdienst-
                                                                             zeiten unter www. basilika-rankweil.at
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
2 Landtagswahl                                                                                                         11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

                                              Gesellschaftspolitischer Stammtisch zu den Landtagswahlen 2014
Auf ein wort

Wahlzeit!
                                              Die Wahl zwischen ...
F   ür die Landtagswahlen am
    21. September prognosti-
zieren alle Umfragen den Ver-
lust der absoluten Mehrheit für                          Sieben der neun wahlwerbenden Parteien           dung und Schule, Ökologie und Klimawan-
die ÖVP Vorarlberg. Kaum ver-                            für die Vorarlberger Landtagswahlen              del sowie globale Solidarität. Zunächst wur-
wunderlich, lieferte doch die                            stellten sich am Montag dieser Woche             de je eine Frage aus diesen Themenbereichen
unharmonische Zusammen-                                  im Kolpinghaus Dornbirn den Fragen des           gestellt, auf die die Kandidaten im „Fakten-
arbeit in der „großen“ Koaliti-                          EthikCenters der Katholischen Kirche sowie       Check“ in aller Kürze antworten mussten.
on in Wien ausreichend Irrita-                           dem Publikum.                                    Im Anschluss an den „Fakten-Check“ hat-
tionen nach Vorarlberg. Durch                                                                             ten die Besucher Gelegenheit, mit den Kan-
den Rücktritt von ÖVP-Vize-                              Dietmar Steinmair                                didaten direkt ins Gespräch zu kommen: Die
kanzler Spindelegger fiel für die                                                                         Vertreter der wahlwerbenden Parteien gingen
Ländle-Volkspartei allerdings                            Zugegeben, die Zahl an Podiumsdiskussio-         von Tisch zu Tisch diskutierten die brennen-
ein Reibebaum weg, gegenüber                             nen mit Politikern ist derzeit inflationär. An   den Themen in Form von moderierten Ge-
dem sie sich hätte profilieren                           Möglichkeiten, sich über Themen und Stand-       sprächen.
können. Ob der leichte ÖVP-                              punkte der Parteien zu informieren, mangelt
Aufwind durch den neuen Vi-                              es nicht.                                        Apropos Parteienvertreter. Von den Spit-
ze-Kanzler Mitterlehner auch                             Dennoch war der Kolping-Saal in Dornbirn         zenkandidaten erschienen SPÖ-Klubob-
diesseits des Arlberg spürbar                            voll besetzt. Das lag auch an der angekündig-    mann Michael Ritsch, Mag. Sabine Scheff-
ist, wird sich weisen. Gleichzei-                        ten Gestaltung des Abends. Michael Willam        knecht von den NEOS sowie Erwin Dünser
tig fehlt Markus Wallner (noch)                          vom EthikCenter hatte im Vorfeld sechs zen-      von den „Christen“. Die regierende Volks-
das Charisma eines „Landesva-                            trale Themenbereiche definiert: Nachhaltige      partei entsandte Landesrat Mag. Harald Son-
ters“, wie es Vorgänger Herbert                          Familienpolitik, Schutz an den Grenzen des       deregger nach Dornbirn, die FPÖ den Land-
Sausgruber besessen hatte.                               Lebens, Umgang mit den Schwächsten, Bil-         tagsabgeordneten Dr. Hubert Kinz und die

M     itentscheidend für die
      Richtung der neuen Lan-
desregierung ist somit der not-                                                  Die Kandidat/innen auf die Frage: „Was
wendige Koalitionspartner der
ÖVP. Werden es erstmals die
Grünen sein, oder doch wie-
der die FPÖ? Schaffen es die
NEOS auf die Regierungsbank
oder - eher unwahrscheinlich -
die SPÖ? Noch sollen 25% der
Wähler unentschlossen sein.

D    er Wahlkampf und die
     Spitzenkandidaten lassen
darauf schließen, dass es sich                                                   Harald Sonderegger                       Hubert Kinz
niemand mit der ÖVP verscher-                                                    ÖVP                                      FPÖ
zen will. Gröbere Angriffe auf
die seit Jahrzehnten in Vor-                                                     „Wir haben die letzten sieben Jahr-      „Die Aufgabe von uns Freiheitli-
arlberg regierende Volkspartei                                                   zehnte das Land immer verantwor-         chen in diesem Land liegt zuerst
oder andere Unappetit-                                                           tungsbewusst geführt, wir waren          darin, messbare Ziele zu setzen: Die
lichkeiten blieben bislang aus.                                                  immer vom Wähler ausgestattet mit        Bildungsreform, die notwendig ist.
Darum: Mahlzeit - es ist Wahl-                                                   einem klaren Auftrag zur Regie-          Die Steuerreform, die notwendig ist,
zeit. Bitte gehen Sie wählen!                                                    rungsbildung, wir werden diesen          um Armut sicher zu bekämpfen, fai-
                                                                                 Auftrag auch gerne weiterhin an-         re Pensionen zu haben und das El-
                                                                                 nehmen und möchten deshalb auch          terngeld einzuführen. Und die Ent-
                                                                                 um das Vertrauen bitten.                 bürokratisierung der Wirtschaft. Das
                                                                                 Es geht primär um Vorarlberger Fra-      sind unsere drei Hauptziele.
                                                                                 gen. Verkürzend - und in der Kür-        Im Bereich der Gesundheit ist uns
                                                                                 ze liegt natürlich immer auch eine       wichtig, die ärztliche Versorgung in
                                                                                 gewisse Unschärfe: Wenn Sie nicht        allen Talschaften des Landes zu si-
                                                                                 Stillstand, Blockade und Ähnliches       chern. Das wird ein sehr großes Pro-
                                              Das direkte Gespräch zwischen      wollen, das Sie im Bund beklagen,        blem, weil wenige Ärzte nachkom-
dietmar steinmair                             Kandidaten und Pulbikum stand im   dann erteilen Sie der Vorarlberger       men und viele in Pension gehen.
dietmar.steinmair@kath-kirche-vorarlberg.at   Zentrum des Stammtisches im Kol-   Volkspartei unter Markus Wallner         Wenn Sie uns den Auftrag geben,
                                              pinghaus Dornbirn.                 einen möglichst klaren Auftrag.“         kriegen Sie messbare Ergebnisse.“
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
Vorarlberger KirchenBlatt   11. September 2014                                                                            Landtagswahl 3

                                                                                                                      Krankenhäusern“ sehr wohl. Für SPÖ, Grü-
                                                                                                                      ne und NEOS steht die Fristenregelung nicht
                                                                                                                      zur Debatte, wenngleich Scheffknecht Orga-
                                                                                                                      nisationen fördern will, die Frauen bei unge-
                                                                                                                      wollten Schwangerschaften unterstützen. Die
                                                                                                                      ÖVP lehnt Abtreibungen an öffentlichen Spi-
                                                                                                                      tälern nach wie vor ab, FPÖ und „Die Chris-
                                                                                                                      ten“ verwiesen auf den Wert behinderten Le-
                                                                                                                      bens. Alle Vertreter sprachen sich gegen die
                                                                                                                      Sterbehilfe und für den Ausbau der Palliativ-
                                                                                                                      betreuung aus. Die Möglichkeiten der Patien-
                                                                                                                      tenverfügung müssten noch besser genützt
                                                                                                                      und bekannt gemacht werden, wie Scheff-
                                                                                                                      knecht und Sonderegger betonten.
                                                                                                                      Wiesflecker machte auf ihren Einsatz für den
                                                                                                                      Armutsbericht sowie auf die Kompetenz der
                                                                                                                      Grünen in ökologischen Fragen aufmerk-
                                                                                                                      sam. Die Maßnahmen für die einstimmig be-
   Diskussion reihum. Am „Stammtisch“ durften die Wähler/innen einmal sitzen bleiben - und die                        schlossene „Energieautonomie 2050“ würden
   Politiker besuchten die Tische reihum. Politik in Bewegung? Steinmair (6), Willam (4)                              allerdings noch zu schleppend umgesetzt.
                                                                                                                      In den Fragen des Lebensstils sprach sich
                                                                                                                      Kinz für einen Mentalitätswandel hin zum
   Grünen die Landtagsabgeordnete Katharina                      Themen. Die Inhalte in den Statements der            Sparen aus, nur so könne etwa Wohnen wie-
   Wiesflecker. Christoph Alton von der Bürger-                  Kandidaten waren die aus den Wahlprogram-            der leistbar werden.
   liste „WIR - Plattform für Familien“ konnte,                  men bekannten. Gleichzeitig konnten die              Ritsch bezeichnete die immer geringer ausfal-
   wenn auch nicht am Podium, so doch in den                     Vertreter während des „Fakten-Checks“ mit            lenden öffentlichen Mittel für die Entwick-
   Diskussionsrunden seine Positionen vertre-                    ihren persönlichen Erfolgen und Verspre-             lungszusammenarbeit als beschämend. Da-
   ten. Die Männerpartei sowie die Piratenpartei                 chen punkten - oder auch nicht. Das The-             neben verwies er auch darauf, dass Armut in
   hatten die Einladung des EthikCenters zum                     ma „Asylmissbrauch“ war kaum zu verneh-              Vorarlberg vor allem Frauen, Pensionisten,
   Stammtisch nicht angenommen.                                  men, das Thema „Abtreibung an öffentlichen           Alleinerzieherinnen, aber auch Kinder treffe.

haben die Vorarlberger/innen davon, wenn sie Sie und IHre Partei wählen?

   Katharina Wiesflecker                            Michael Ritsch                           Sabine Scheffknecht                   Erwin Dünser
   Die Grünen                                       SPÖ                                      NEOS                                  Die Christen

   „Sie bekommen, wenn Sie uns                      „Ich hätte gerne, dass mehr Geld         „Wir hatten heute gute Diskussio-     „Ein zentrales Thema in un-
   wählen, das ‚Bioland Vorarlberg‘.                in leistbares Wohnen fließt und          nen, in denen es um Sachpolitik und   serem Wahlkampf ist der Le-
   Das bedeutet: die Hälfte der Lebens-             weniger in Betongold und private         nicht um Machtpolitik ging. Das ist   bensschutz. Er beginnt bei
   mittel, die wir brauchen, produzie-              Wohnungen. Mein zweites Anliegen         auch das, wofür wir uns im Landtag    der Empfängnis und geht bis
   ren wir hier bei uns. Sie bekommen               ist echte Wahlfreiheit in der Fami-      einsetzen werden: Dass es wieder      zum natürlichen Tod. Es ist das
   ein 50.000-Dächer-Programm, mit                  lie. Das Beste ist natürlich, wenn ein   mehr um die Sache geht, darum,        größte Übel in unserer Gesell-
   dem wir die Energieautonomie und                 Kind in der Familie bleibt und die       Entscheidungen zu treffen, ergeb-     schaft, dass wir von ‚wertem‘
   die Klimaschutzziele vorantreiben                Erziehung in der Familie gemacht         nisorientiert und über Parteigren-    und ‚unwertem‘ Leben reden.
   wollen.                                          wird. Aber es gibt viele, die eine       zen hinweg.                           Wir setzen uns dafür ein, dass
   Und Sie bekommen eine Modellre-                  Kinderbetreuung haben wollen.            Wir werden uns einsetzen für unse-    das Bauernsterben und das
   gion ‚Gemeinsame Schule‘, für die                Und das dritte Thema: ich hätte          re Kernthemen im Bereich der Bil-     Wirtshaussterben aufhört.
   ich mich sehr stark einsetze, mit der            gerne eine neue und bessere Schu-        dung und Wirtschaft. Angefangen       Und wenn die eine oder ande-
   großen Zielsetzung: Halbierung der               le. Für die kämpfe ich. Eine Schule      bei der Kinderbetreuung über die      re Apotheke schließen muss,
   Risikoschüler und Verdoppelung der               ohne Schultasche, Ganztagsmodelle        Schulautonomie, eine neue Auf-        sehe ich das ebenfalls als poli-
   Spitzenschüler.                                  mit verschränktem Unterricht, damit      wertung der Lehre bis hin zur Wirt-   tischen Erfolg.“
   Ein ganz zentraler Punkt bei diesen              die Kinder wirklich Freizeit haben       schaft, wo wir sagen: Da muss Bü-
   Wahlen ist, dass die ÖVP die absolu-             und keine Nachhilfe mehr notwen-         rokratie abgebaut werden, in die
   te Mehrheit verlieren wird.“                     dig ist.“                                Politik muss Transparenz hinein.“
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
4 Vorarlberg                                                                                                   11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

Übergabe                             Nächster Schritt für den Seelsorgeraum „Kirche in Dornbirn“
der Dekrete
                                     An der Kirche weiterbauen
                                                 Feierlich war der Rahmen, in dem die Pries-
                                                 ter und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen
                                                 des Seelsorgeraums „Kirche in Dornbirn“
                                                 vergangenen Freitag ihren Auftrag entgegen
                                                 nahmen. Das Ineinander der Seelsorge
                                                 für die Stadt als Ganze und jener in den
                                                 einzelnen Pfarren wurde dabei deutlich.
                                                 In seiner Ansprache verglich Generalvikar
Dekan Erich Baldauf erhält                       Rudolf Bischof die Situation mit biblischen
sein Dekret zur Ernennung zum                    Berufungserzählungen. Damit knüpfte er das
Moderator. Ionian (12)                           pastorale Tun an die persönliche Berufung.          Kerzen als Symbole für die Pfarren.
                                                 Sie wird es auch sein, die die Zukunft trägt.

                                                 Patricia Begle                                      neuer Angebote fließen, in Formen der Seel-
                                                                                                     sorge, die Menschen erreicht, die bis jetzt der
                                                 Rund 60 Frauen und Männer hatten sich im            Kirche fern standen.
                                                 Pfarrzentrum im Hatlerdorf versammelt. Ih-          In seiner Ansprache ermutigte Generalvikar
                                                 nen gemeinsam ist ihre Verantwortung für            Rudolf Bischof dazu, an der Kirche, die von
                                                 die Kirche in Dornbirn. Seit 1. September gel-      Vätern und Müttern aufgebaut wurde, wei-
                                                 ten hier die Bedingungen der neuen Struk-           terzubauen. Auch dann, wenn es hoffnungs-
                                                 tur, die sich auch in neuen Anstellungen und        los erscheint. Er erinnerte an biblische Beru-
Reinhard Himmer ist Schoren und                  Aufgabenverteilungen zeigt. Nun wurden die          fungsgeschichten, in denen die Berufenen
Oberdorf zugeteilt.                              Priester und hauptamtlichen MitarbeiterIn-          oft Widerstand leisteten oder auf Widerstand
                                                 nen ganz offiziell und feierlich beauftragt.        stießen.

                                                 Kerzen als Symbole. Mit Kerzen wurde                Engagement. Dann überreichte Generalvi-
                                                 symbolisiert, wie in Zukunft in der Kirche in       kar Rudolf Bischof die Dekrete an die Priester,
                                                 Dornbirn Seelsorge aussehen wird. Für jede          Pastoralamtsleiter Walter Schmolly die Beauf-
                                                 einzelne Pfarren stand eine eigene Kerze, eine      tragungen an die pastoralen Mitarbeiter/in-
                                                 zusätzliche Kerze versinnbildlichte das Wir-        nen. Es war ein sehr persönlicher und herzli-
                                                 ken der Kirche in der Stadt als Ganzer. Ne-         cher Akt. Er machte deutlich, dass es hier um
                                                 ben der intensiveren Kooperation der Pfarren        eine besondere Sache geht, dass hier eine gro-
                                                 untereinander wird künftig ein Teil der Ar-         ße Aufgabe ansteht, die das Engagement von
Gerold Reichart ist v.a. in Hasel-               beit aller Hauptamtlichen in die Entwicklung        jedem und jeder Einzelnen verlangt.
stauden, Ebnit und Rohrbach tätig.

                                                 Pfarrvikare im Seelsorgeraum Dornbirn werden: Otto Feurstein, Paul Riedmann und Josef
                                                 Schwab (von links). Marreddy Thumma (ganz rechts) ist im Seelsorgeraum als Kaplan tätig.
Christian Stranz SVD ist zuständig
für Markt und Hatlerdorf.

                                     Pastorale Mitarbeiterinnen: (von links) Steffie Krüger (außerpfarrliche Jugendarbeit), Martina Lanser (Hatler-
                                     dorf), Nora Bösch (Markt), Ulrike Amann (Rohrbach), Sabrina Wachter (Kinder und Jugendpastoral), Helga Reben-
Katharina Weiss wird Organisati-     klauber (Oberdorf), Agnes Pichler (Kinder-und Jugendpastoral), Carmen Nachbaur (Schoren). Nicht im Bild: Alfons
onsleiterin.                         Meindl (Haselstauden und Ebnit).
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
Vorarlberger KirchenBlatt   11. September 2014                                                                               Vorarlberg 5

Theologischer Fernkurs startet in der Diözese Feldkirch im November 2014
                                                                                                                           AusFRauenSICHT

Theologisch fundierter Glaube                                                                                              Die Saat geht auf
Glauben und Denken sind keine Gegensät-
ze. Theologie bietet Orientierungswissen. Ein
theologisch fundierter Glaube ist dialogfähig
                                                             fache Antworten oft nicht genügen. Eine be-
                                                             sondere Gelegenheit für die Diözese Feldkirch
                                                             ist der Theologische Fernkurs mit Studienwo-
                                                                                                                           S  eptember der elfte. Vor 25
                                                                                                                              Jahren wurde die ungari-
                                                                                                                           sche Grenze offiziell geöffnet,
und engagiert. Der theologische Fernkurs ist                 chenenden im Bildungshaus Batschuns, der                      der Eiserne Vorhang durchge-
auf 2½ Jahre angelegt. Die monatliche Zusen-                 im November 2014 startet. Die Möglichkeit,                    schnitten. Die Tür in die Frei-
dung von Skripten zur persönlichen Lektüre                   den Fernkurs direkt vor der Haustüre „im                      heit sollte nicht die einzige
wird durch Studienwochen bzw. Studienwo-                     Ländle“ zu absolvieren, gibt es nur alle vier                 bleiben. Der Prozess, der da-
chenenden ergänzt. Der Kurs bietet fundierte                 Jahre.                                                        mals in Gang war, vermoch-
Information über die Grundlagen des christ-                  u Infonachmittag mit Mag. Dr. Peter Zeillinger,               te mehr. Er kam vom Volk, war
lichen Glaubens. Er ermöglicht Orientierung                  Fr 19. September, 17.30 - 19 Uhr, Bildungshaus                Zeichen lebendiger Demokra-
in einer unübersichtlichen Welt, in der ein-                 Batschuns.                                                    tie, getragen und begleitet vom
                                                                                                                           Gebet Tausender. Er zeigte, dass
                                                                                                                           die Angst gewichen war, dass
                                                                                                                           Menschen mutig ihre Freiheit
Neuer Pfarrer in Frastanz                                                                                                  einforderten. Ohne Gewalt. Ein
                                                                                                                           Prozess voller Hoffnung.

Christus ist
unsere Mitte                                                                                                               S  eptember der elfte. Vor drei-
                                                                                                                              zehn Jahren gingen die Tür-
                                                                                                                           me des World-Trade-Centers
                                                                                                                           in Flammen auf. Das Ereignis
                                                                                                                           machte eine Entwicklung sicht-
Beim Gottesdienst am vergange-                                                                                             bar, deren Verlauf bis heute we-
nen Samstag in der Pfarrkirche                                                                                             der gestoppt noch in eine an-
Frastanz wurde Pater Gottfried                                                                                             dere Richtung gelenkt werden
Wegleitner in sein Amt einge-                                                                                              konnte. Im Gegenteil. Ratlo-
führt. P. Wegleitner freut sich auf                                                                                        sigkeit und Angst machen sich
die Aufgabe: „Unsere Pfarre ist                                                                                            breit.
eine einladende Gemeinde. Jun-
ge und Alte, Gesunde und Lei-
dende, Wohlhabende und Arme
sind herzlich willkommen!“ Ver-
                                                                                                                           H    eute scheinen sich vieler-
                                                                                                                                orts Ordnungen aufzulö-
                                                                                                                           sen. Die Kräfte, die dabei frei-
treter der Pfarrgemeinde Frastanz                                                                                          gesetzt werden, sind oft voller
begrüßten den neuen Pfarrer offi-                Pater Gottried Wegleitner (Mitte) wurde von Rudolf Bischof (links) im     Hass und Grausamkeit. Die
ziell im Rahmen der Feier.                       Beisein von Altpfarrer Herbert Spieler in sein Amt eingeführt. Ionian     Saat geht auf. Weltweit.
                                                                                                                           Das ist aber nicht alles, denn
                                                                                                                           gleichzeitig sprießen überall In-
Volkshochschulen                                 ÖBB wird wieder                                                           itiativen einer guten Zukunft
starten in den Herbst                            familienfreundlicher                                                      aus dem Erdboden. Menschen
                                                                                                                           verbinden und verbünden sich
Die Volkshochschulen bieten                      Die ÖBB nimmt die seit Jänner                                             für Gerechtigkeit und Frie-
im Herbst 2014 wieder in mehr                    2014 geltende Tarifverschlechte-                                          den. Die Kraft, die daraus er-
als 1.000 Veranstaltungen ein                    rung für Mehrkindfamilien zu-                                             wächst, ist groß, kann Wunder
Programm zu den Schwerpunk-                      rück: Seit 1. September können                                            schaffen. So liegen Angst und
ten: Gesellschaft und Kultur, der                mit der Vorteilscard Family bis zu                                        Hoffnung nah beinander, fast
Zweite Bildungsweg, Naturwis-                    vier Kinder unter 15 Jahren pro                                           schon im selben Atemzug. Was
senschaften, Technik und Um-                     Erwachsenen gratis mitfahren.                                             wir tun können? Beten. Und
welt, berufliche Bildung, Spra-                  Damit reagierte die ÖBB auf die                                           nicht aufhören, den Frieden zu
chen, Kreativität und Gestalten                  massiven Proteste des Familien-      ÖBB nimmt Verschlechterung           säen. Denn jede Saat geht auf.
sowie Gesundheit und Bewe-                       verbands. In der seit Jänner gel-    zurück. Bis zu vier Kinder fahren
gung. Ein Hauptaugenmerk le-                     tenden Regelung konnten nur          bei der Vorteilscard Family gratis
gen die Volkshochschulen auf                     mehr zwei Kinder gratis mit der      mit. Begle
Integrationsangebote zum Erler-                  Vorteilscard Family mitreisen, für
nen der deutschen Sprache. Im                    jedes weitere Kind war ein Halb-
Jahr 2013 nahmen 25.260 Per-                     preisticket zu lösen. Mag. Andre-
sonen an 2.100 Veranstaltungen                   as Prenn vom Familienverband:
der Vorarlberger Volkshochschu-                  „Wir freuen uns, dass damit die
len teil. Das ist ein Minus von                  Bahn auch für Mehrkindfamilien
4 % bei den Teilnehmer/innen                     wieder eine leistbare Alternative                                         Patricia begle
und 5% bei den Veranstaltungen.                  zum Auto darstellt.“                 Redaktion Berichte: Wolfgang Ölz
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
6 Fotoalbum                                                                                                        11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

Unspektakulär hingen die bunten Kopfhörer an ihren Stangen. Interessant wurde es erst beim Hinhören. Dann nämlich
erzählten Frauen und Männer aus ganz Vorarlberg von ihrem Einsatz für andere.  Ionian (6), Mäser

Geschenkte
Zeit - in Worte
verpackt
25.000 Menschen engagieren sich in Vorarlberg
für Kirche und Caritas - freiwillig und unentgelt-
lich. Bei der Dornbirner Herbstmesse kamen sie
auf ungewöhnliche Art und Weise zur Sprache.
u Alle Statements zum Nachhören unter                       Das Interesse an der Freiwilligenarbeit war groß - auch seitens der Politik. Landeshaupt-
www.steinfuerstein.at                                       mann Markus Wallner und Außenminister Sebastian Kurz machten beim Stand Halt.

                                                                            Erstaunliche Vielfalt
                                                                            Ob im Pfarr-Team oder Putz-Team, ob in der Betreuung von Flücht-
                                                                            lingsfamilien oder Senior/innen, die Vielfalt der Tätigkeiten ist groß.
                                                                            So groß wie die Begabungen und Interessen der Freiwilligen selbst.
                                                                            Davon leben Dorf- und Stadtgemeinschaften, davon lebt die Kirche.
                                     Ob sie die Stimme kennt?

Auch manch bekannte Stimme           Bischof Benno informierte sich bei     Kopfhörer waren auch zu gewinnen          Als kleines Dankeschön gab es für
war zu hören - vergnüglich.          Caritasmitarbeiter Claudio Tedeschi.   - das begeisterte sogar Jugendliche.      die Besucher/innen etwas Süßes.
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
Vorarlberger KirchenBlatt   14. September 2014                                                                             Thema 7

Fernsehgottesdienst aus der Pfarrkirche zu den HeIligen Drei Königen in Hittisau am 14. September

Heilige Messe via Satellit:
Bitte auf Empfang gehen
In den Fernsehprogrammen ORF2 und ZDF             auch deswegen, da uns von den Verantwort-         Knapp 20 Techniker, Kameraleute, Licht-,
werden jeden Sonntagvormittag Gottes-             lichen der Pfarre Hittisau großes Verständnis     Bild- und Tontechniker werden in Hittisau
dienste übertragen. Heuer kommen sie auch         und Unterstützung für unsere Notwendigkei-        mit Hilfe der vier Studiokameras und der
aus Vorarlberg. Nach dem Festspielgottes-         ten entgegengebracht wird“, lobt er die Zu-       ca. 30 Mikrofone möglichst alle Details, Wor-
dienst im Juli aus Bregenz Herz-Jesu ist nun      sammenarbeit.                                     te und Musikstücke einfangen und übertra-
Hittisau im Bregenzer Wald an der Reihe.          Bereits am Freitag, zwei Tage vor dem Gottes-     gen. Schwärzler: „Alle diese Geräte, Schein-
Die Vorbereitungen sind aufwändig und             dienst, werden die vier Übertragungswagen         werfer, Kameras, Mikrofone werden teils per
laufen schon seit Langem. Das KirchenBlatt        bei der Kirche platziert, und der Licht-, Bild-   Funk, andere mit einigen tausend Metern Ka-
wirft einen Blick hinter die Kulissen.            und Tonaufbau wird begonnen. Der Samstag          beln verbunden und vernetzt.“
                                                  ist dann vorwiegend für die technischen Vor-
Dietmar Steinmair                                 einstellungen reserviert. Ab 16 Uhr sind Pro-     Wozu der Aufwand? Und das alles, damit
                                                  ben vorgesehen, um 19.30 Uhr startet die Ge-      sich die Zuseher zuhause ganz auf den Inhalt
Damit die Zuseher/innen am heimischen TV-         neralprobe in der Pfarrkirche Hittisau.           der Eucharistiefeier konzentrieren können.
Schirm eine möglichst gute Übertragung in                                                           Beim Fernsehgottesdienst mit Dekan Hubert
Bild und Ton aus Hittisau empfangen kön-          Hinter den Kameras. Die Herausforderung           Ratz steht das Fest der Kreuzerhöhung im
nen, ist einiger Aufwand nötig. Neben den         bei Live-Übertragungen besteht auch dar-          Mittelpunkt. „Das Kreuz - sichtbares Heils-
Veranstaltern vor Ort, in diesem Fall die Pfar-   in, den Zuseher/innen ein möglichst freund-       zeichen - Entfernen oder Wiederentdecken?“,
re Hittisau mit Dekan Hubert Ratz, und der        liches und leuchtendes Bild zu übermitteln.       so das Thema. Das sichtbare Heilszeichen wie
Mitarbeit durch Bernhard Loss und Matthias        Dazu werden in der Kirche an die 60 Schein-       im Evangelium setzt sich fort im Brauch des
Nägele aus dem Pastoralamt der Diözese, ist       werfer, möglichst nicht im Bild sichtbar, plat-   Wettersegens einer almreichen Region.
es der Österreichische Rundfunk in Dornbirn       ziert. Im Fernsehübertragungswagen werden         Musikalisch Mitwirkende sind die Chor-
und Wien, der die technische Infrastruktur        die Bilder der Kameras aufbereitet, die ent-      gemeinschaft Hittisau unter Melchior
koordiniert.                                      sprechenden Einblendungen und Grafiken            Schwärzler sowie der Musikverein Hittisau-
                                                  zugesetzt und die bereits produzierten Auf-       Bolgenach unter Peter Gmeiner. An der histo-
Nicht alltäglich. Ing. Anton Schwärzler vom       nahmen von Hittisau vorbereitet.                  rischen Schönachorgel spielen Doris Dorner
ORF Dornbirn ist der Produktionsleiter der        Wie geht es dann mit dem Signal weiter?           und Melchior Schwärzler.
TV-Übertragung diesen Sonntag aus Hitti-          „Eine Herausforderung wird der Transport der
sau. „Die Techniker des ORF freuen sich auf       Fernsehbilder zu den Zusehern sein. Wir wer-      XX Fernsehgottesdienst, Live-Übertragung
diesen Gottesdienst, ist doch ein Fernseh-        den das Bild zum Satellit, welcher in 36.000      aus der Pfarrkirche in Hittisau.
gottesdienst in Vorarlberg nicht alltäglich“,     km Höhe stationiert ist, und von dort wieder      So 14. September, 9.30 Uhr, ORF2 / ZDF
so Schwärzler. Der technische Aufwand sei         die 36.000 km zurück zu den Zusehern sen-         XX Der nächste Fernsehgottesdienst kommt am
zwar groß, aber überschaubar. „Überschaubar       den“, erklärt Schwärzler.                         16. November 2014 aus der Basilika Rankweil.

                                                                                                                            Vier Übertragungs-
                                                                                                                            wagen, tausende
                                                                                                                            Meter Kabel, 30 Mik-
                                                                                                                            rophone, vier Studio-
                                                                                                                            kameras und viele Mit-
                                                                                                                            wirkende sind nötig
                                                                                                                            für den Gottesdienst,
                                                                                                                            der in den ganzen
                                                                                                                            deutschen Sprachraum
                                                                                                                            übertragen wird. ORF
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
8 Thema                                                                                                      11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

                                                                                                   Den Körper nicht nur als Vehikel
                                                                                                   betrachten, das funktionieren
                                                                                                   muss, sondern dankbar als
                                                                                                   Geschenk entgegennehmen - das
                                                                                                   ist schon ein erster Schritt in die
                                                                                                   Achtsamkeit. caroline begle

Nachlese: Dr. Michael Tischinger beim Herbstsymposion 2014 in St. Arbogast

Gegenmittel zur Erschöpfung
„Erlöst - schöpferisch leben in einer Zeit,       „Frankl hat es einmal so ausgedrückt: Wir        ist. Wenn dieser zum Beispiel an Leistung und
die erschöpft“, lautete der Titel des dritten     schwimmen im Meer der Möglichkeiten.             Arbeit gekoppelt ist, leben wir anders als im
Vortrages beim Herbstsymposion. Michael           Es gilt, mit Bewusstheit zu wählen, was wir      Glauben, dass das „Leben ein Geschenk ist“.
Tischinger, Arzt und Theologe, gab dabei          möchten und es mit ganzem Herzen zu er-          Geschenkt sind uns auch unsere Gefühle. Ob
seine Erfahrung und sein Wissen weiter.           greifen.“ Dazu muss der Mensch gut mit sich      angenehm oder unangenehm, sie alle wollen
                                                  in Kontakt sein. Achtsamkeit ist der Schlüssel   uns etwas Wichtiges sagen.
Patricia begle                                    dorthin. Auf allen vier Ebenen eingeübt kann
                                                  Weg zu einem geglückten Leben sein.              Achtsamkeit gegenüber dem Sozialen.
Menschen, die an einem „Burn-Out“ leiden,                                                          „Papa, wo bist du?“, die Frage seiner Toch-
gehören zum Alltag von Michael Tischinger.                                                         ter, die das Kind wiederholt am Tisch stell-
Der Facharzt für Psychiatrie und Psychothera-                                                      te, brachte Tischinger selbst auf den Weg der
pie leitet die Adola Klinik in Oberstdorf. Sein                                                    Achtsamkeit. „Ich wollte die Liebe meiner
Studium der Theologie erleichtert ihm dabei                               Dr. Michael Tisch-       Tochter nicht verpassen“, erzählt der zweifa-
den Zugang zur spirituellen Dimension des                                 inger: Solange du        che Vater. Tatsächlich stellen die meisten Pa-
Mensch-Seins, die an diesem Ort in den Hei-                               sagst „ich muss“, hast   tienten fest, dass sie „ihre Beziehungen ver-
lungsprozess mit einbezogen wird. Denn die-                               du keinen Platz für      nachlässigt haben“. Beziehungen sind es aber
ser ist ganzheitlich angelegt und umfasst alle                            „ich will“. mäser        auch, die Patienten im Heilungsprozess unter-
vier Dimensionen, die den Menschen ausma-                                                          stützen und die befreiende Botschaft vermit-
chen: die körperliche, die psychische, die so-    Achtsamkeit gegenüber dem Körper.                teln, dass keiner „alles alleine schaffen muss“.
ziale und die spirituelle Dimension.              „Das beginnt mit der Wertschätzung für die
                                                  Weisheit unseres Körpers“, erläutert der Me-     Achtsamkeit gegenüber dem Spirituel-
„Ich will“. „Leben heißt sich zu verausgaben      diziner. Es gilt, auf die Bedürfnisse und die    len. Dankbarkeit ist hier ein wichtiger As-
und sich auch immer wieder neu füllen zu          Botschaften des Körpers zu hören. Wie die        pekt. Denn ein dankbarer Mensch lebt in Ver-
lassen“, beschreibt Tischinger ein Grundprin-     klassischen Fragen eines Arztes weist er uns     bundenheit und bezieht sich über sich selbst
zip. Dafür muss dem einzelnen Menschen be-        auf zwei Dinge: „was wir (zu viel) haben“ und    hinaus. „Letztlich geht es darum, das Wun-
wusst sein, was für ihn erfüllend ist. Gleich-    „was uns fehlt“.                                 der des Lebens, das Wunder der Schöpfung
zeitig muss ihm das Erfüllende, dieser Wert,                                                       wirklich zu erspüren, in Beziehung zu sein
Orientierung werden und sich in ein „ich          Achtsamkeit gegenüber Gedanken und               mit mir selbst, mit anderen Menschen, mit
will“ wandeln. „Solange du sagst ‚ich muss’       Gefühlen. „Einstellungen und Grundüber-          der Schöpfung, mit dem Schöpfer.“
hast du keinen Raum für ‚ich will’“, bringt Ti-   zeugungen haben große Wirkmacht“, erklärt
schinger es auf den Punkt. Menschen, die an       Tischinger. „Je weniger wir uns deren bewusst    XX Buchtipp: Michael Tischinger, Jeder Tag ist
Erschöpfung leiden, fehlt das Erfüllende.         sind umso mächtiger sind sie.“ So macht es       ein geschenktes Leben: Schritte der Achtsamkeit.
                                                  Sinn, danach zu fragen, was prägend war,         Kreuz Verlag 2013.
Achtsamkeit. Das Gegenmittel zur Erschö-          welche Botschaften wir mit ins Leben bekom-      XX Die Vorträge zum Nachhören unter:
pfung sieht Tischinger in der Achtsamkeit.        men haben, woran unser Selbstwert geknüpft       www.kath-kirche-vorarlberg.at/herbstsymposion
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
Vorarlberger KirchenBlatt   11. September 2014                                                                         Interview 9

Telefonseelsorge Vorarlberg bietet neue Ausbildung für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen an                         zur Sache

Ansprechpartner für Men-                                                                                          Neue Ausbildung
                                                                                                                  ab 2015

schen in persönlichen Krisen                                                                                      Voraussetzungen, um bei der
                                                                                                                  Telefonseelsorge mitarbeiten zu
                                                                                                                  können: Mindestalter ist 25 Jah-
                                                                                                                  re. Verpflichtend ist die erfolgrei-
Sepp Gröfler, Leiter der Telefonseelsorge                                                                         che Absolvierung der internen
Vorarlberg, im KirchenBlatt-Gespräch über                                                                         Ausbildung (ca. 200 Stunden). Es
Nutzen und Ziele seiner Einrichtung.                                                                              wird eine hohe Bereitschaft er-
                                                                                                                  wartet, sich mit den eigenen Le-
Wolfgang Ölz                                                                                                      bensthemen zu beschäftigen
                                                                                                                  und die Interessent/innen soll-
Was ist das Hauptanliegen der Telefonseelsorge?                                                                   ten auch von keiner akuten Kri-
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr er-                                                                      sensituation betroffen sein. Be-
reichbar. Unsere 82 ehrenamtlichen Mitar-                                                                         lastbarkeit, Lernbereitschaft,
beiter/innen sind Ansprechpartner für Men-                                                                        Einfühlungsvermögen, Flexibili-
schen in schwierigen Lebenssituationen                                                                            tät, Offenheit, guter sprachlicher
und persönlichen Krisen, bis hin zu suizida-                                                                      Ausdruck, Fähigkeit zu Abgren-
len Krisen. Aber auch Alltagsthemen werden                                                                        zung, Geduld und hohe Refle-
häufig besprochen. Besonders für einsame                                                                          xionsbereitschaft sind weitere
Menschen ist die Telefonseelsorge ein wichti-                                                                     Anforderungen an die Ausbil-
ges Verbindungsglied zur Gesellschaft.                                                                            dungskandidat/innen.

Welche Menschen in welchen Lebenssituationen                                                                      Die Ausbildung umfasst
rufen bei der Telefonseelsorge an?                                                                                5 Wochenendseminare mit ei-
Psychische Belastungen, Beziehungsthe-                                                                            nem hohen Selbsterfahrungs-
men rund um Partnerschaft und Familie, so-             Besonders für einsame Menschen ist die Telefonseelsorge    anteil, 12 Ausbildungseinheiten
wie Auskünfte zum sozialen Netz Vorarlbergs            ein wichtiges Verbindungsglied zur Gesellschaft.           á 3 Stunden, Arbeit in Basis-
sind die Hauptthemen.                                  Telefonseelsorge Vorarlberg / photocase / user cinematic   gruppen, Selbststudium, Ex-
                                                                                                                  kursionen. Nach erfolgreichem
Wie viele Anrufer wählten im letzten Jahr die                                                                     Absolvieren der Ausbildung ver-
Nummer der Telefonseelsorge?                           den von der evangelischen Kirche, der Ge-                  pflichten sich die Teilnehmer/
Es waren ca. 12.500 Anrufe.                            bietskrankenkasse, privaten Spender/innen                  innen für mindestens 3 Jahre
                                                       und den eigenen Mitarbeiter/innen (ca. 3 %!)               ehrenamtlich am Telefon mit-
                                                       aufgebracht.                                               zuarbeiten. Der Dienst umfasst
                                                                                                                  ca. 12 Stunden im Monat. Ein-
                                                       Was „bringt“ der ehrenamtliche Dienst bei der              mal monatlich wird die Arbeit
                                                       Telefonseelsorge?                                          am Telefon in einer Supervisi-
                               Ehrenamtliches          Die Ausbildung und der ehrenamtliche                       onsgruppe verpflichtend reflek-
                               Engagement berei-       Dienst können für die eigene Persönlichkeits-              tiert. Einmal jährlich ist der Be-
                               chert die persönliche   entwicklung sehr wertvoll sein. Die verpflich-             such mindestens einer internen
                               Entwicklung und nährt   tende, regelmäßige Begleitung in einer Su-                 Fortbildungsveranstaltung ver-
                               die Demut. Gröfler      pervisionsgruppe ermöglicht auch die Arbeit                pflichtend.
                                                       an eigenen Themen. Ehrenamtliches Enga-
Wieviele nutzten den E-Mail-Dienst? Unterschei-        gement bereichert die persönliche Entwick-                 Auswahlverfahren für die Aus-
den sich E-Mail-Kontakte von Telefonanrufen?           lung und nährt die Demut. Wenn Geben und                   bildung 2015: Bewerber/innen
Ca. 150 Mails erreichten uns letztes Jahr. Die         Nehmen in einer guten Balance stehen, dann                 sind eingeladen, sich einem klei-
Mailberatung wird von erfahrenen Mitarbei-             ist die Mitarbeit in der Telefonseelsorge erfül-           nen Auswahlverfahren zu stel-
ter/innen mit Zusatzausbildung gemacht.                lend. Es wird erwartet, dass die Teilnehmer/               len. Dazu gehört das Ausfüllen
Die Themen sind ähnlich wie am Telefon.                innen sich im Gegenzug für die Ausbildung                  eines Bewerbungsbogens und ein
Der Unterschied besteht darin, dass man im             verpflichten, drei Jahre lang ca. 12 Stunden               persönliches Gespräch mit Mit-
Gegensatz zum Telefon über Mail immer mit              monatlich Dienst im Büro der Telefonseelsor-               gliedern des Ausbildungsteams.
derselben Mitarbeiterin, demselben Mitarbei-           ge zu versehen.
ter in Kontakt ist.                                                                                               Anmeldung:
                                                       Was ist konkret am Telefon zu tun?                         u E office@ts-vorarlberg.at oder
Wie wird der Dienst der Telefonseelsorge finan-        Gemeinsam mit den Anrufer/innen sollen                     T 05572/26368 (vormittags)
ziert? Wie ist die Telefonseelsorge im Land orga-      deren Anliegen und Fragestellungen struk-                  u Weitere Informationen unter
nisiert?                                               turiert werden, um dann lösungsorientierte                 www.142online.at
Die Telefonseelsorge ist ein privater Verein,          Ansätze zu entdecken und neue Handlungs-                   u Unter der Nummer 142 ist die
der zu gleichen Teilen von der Diözese Feld-           möglichkeiten zu entwickeln. Anrufer/innen                 Telefonseelsorge Vorarlberg rund
kirch (45%) und vom Land Vorarlberg (45%)              sollen ermuntert werden, förderliche Lebens-               um die Uhr vertraulich und kosten-
subventioniert wird. Die restlichen 10% wer-           bedingungen zu entwickeln.                                 frei erreichbar.
KIRCHENBLATT - KATHOLISCHE KIRCHE VORARLBERG
10 Thema                                                                                                                   11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

Die Krise in der Ukraine stellt auch für die christlichen Kirchen eine besondere Herausforderung dar.      Foto: Reuters

Ostkirchen-Experte Professor Thomas Bremer über die Ukraine-Krise

Die Ukraine-Krise und die Kirchen
Auch wenn der Konflikt in der Ukraine (bei             Position in diesem Konflikt vertreten. Die           da gab es viele Märtyrer. Das muss anerkannt
Redaktionsschluss gab es einen instabilen              offiziellen Stellungnahmen des Moskauer Pa-          werden. Die Aufrufe aus Rom gehen in die
Waffenstillstand) nicht religiöser Natur ist,          triarchs sind zwar manchmal etwas polternd,          Richtung, eine gewaltfreie Konfliktlösung zu
gab es auch Vorwürfe zwischen Kirchen.                 in Bezug auf Politik aber zurückhaltend.             suchen.
Über deren Bedeutung spricht Theologie
Thomas Bremer im Interview.                            Sie sehen also Ansätze, dass die Kirchen zu einer    Es heißt, das orthodoxe Moskauer Patriarchat
                                                       Beruhigung des Konflikts beitragen, der ja an        würde Russland als sein Territorium betrachten.
                                                       sich kein religiöser Konflikt ist?                   Welche Auswirkungen hat das auf den Ukraine-
Im Hintergrund der politischen Ukraine-Krise ist       Genau. Die Kirchen haben betont, dass es             Konflikt?
auch von einem „Propaganda-Krieg“ verschie-            kein religiöser Konflikt ist. Es sind ganz weni-     Keine, denn das sogenannte kanonische Terri-
dener Kirchen die Rede. Müssten Kirchen nicht          ge Personen, die das nicht so sehen.                 torium des Moskauer Patriarchats war immer
zur Beruhigung der Lage beitragen?                                                                          schon weiter als Russland und umfasst fast
Bremer: Verglichen mit anderen Konflikten              Sie haben die griechisch-katholische Kirche und      den gesamten Bereich der ehemaligen Sow-
kann ich die Propaganda-Vorwürfe nicht                 ihre Unterstützung der Kiewer Politik angespro-      jetunion. Das ist ziemlich unumstritten. In-
nachvollziehen. Natürlich ist zu sagen, dass           chen. Wie ist das zu verstehen?                      teressant ist aber das Verhalten in Bezug auf
vor allem die griechisch-katholische Kirche            Die griechisch-katholische Kirche hat eine           die von Moskau annektierte Krim. Geht man
und die orthodoxe Kirche des Kiewer Patri-             bestimmte Geschichte hinter sich, in der die         davon aus, dass die Krim jetzt zu Russland
archats sehr stark die Politik der ukraini-            Identifizierung mit der ukrainischen Nationa-        gehört, müsste das ja heißen, dass die drei
schen Regierung unterstützen. Die ukrai-               lität immer eine sehr wichtige Rolle gespielt        orthodoxen Bistümer dem Moskauer Patriar-
nisch-orthodoxe Kirche, die in Gemeinschaft            hat. Das hat neben anderen Umständen dazu            chat direkt unterstellt werden. Das ist bislang
mit dem Moskauer Patriarchat ist, bekennt              geführt, dass sie sich in diesem Konflikt stark      aber nicht passiert: Sie unterstehen weiter
sich aber auch zur territorialen Unversehrt-           engagiert hat. Aber das gilt auch für die ukra-      dem Metropoliten des Moskauer Patriarchats
heit der Ukraine. Das entspricht auch dem,             inische Orthodoxie des Kiewer Patriarchats.          in Kiew. Wenn man so will, wurde kirch-
was der ukrainische Rat der Kirchen und                Das ist eine schismatische Kirche, die in der        licherseits die Annexion der Krim nicht mit-
Religionen sagt. Noch einmal etwas anderes             Orthodoxie nicht anerkannt ist. Diese Kirche         gemacht. Der Umgang des Moskauer Patriar-
ist es mit dem Moskauer Patriarchat selbst:            war ein politisches Projekt der 90er Jahre.          chats mit den politischen Entwicklungen ist
Dort gibt es Personen, welche die russische                                                                 noch nicht klar. Interview: Heinz Niederleitner
                                                       Kann Rom Einfluss auf die griechisch-katholische
                                                       Kirche ausüben, damit diese sich weniger ex-
                          Thomas Bremer                poniert?                                              Orthodoxie in der Ukraine
                          ist Professor für            Rom ist da in einer schwierigen Lage: Die
                          Ökumenik, Ostkirchen-        unierten Kirchen sind ja Teil der katholischen        Die ukrainische Orthodoxie ist gespalten in eine
                          kunde und Friedens-          Weltkirche, sodass es grundsätzliche Solidari-        Kirche, die dem Moskauer Patriarchat unter-
                          forschung an der             tät gibt. Allerdings werden sie von den Ortho-        steht, und einer Abspaltung, die ein Kiewer
                          Katholisch-theologi-         doxen als Belastung im ökumenischen Ge-               Patriarchat gegründet hat. Dieses wird von der
                          schen Fakultät der           spräch aufgefasst. Doch hat die griechisch-           Orthodoxie weltweit nicht anerkannt. Daneben
                          Universität Münster.         katholische Kirche im Westen der Ukraine              gibt es noch eine ältere autokephale Kirche.
                          Foto: Niina Into, Helsinki   während des Kommunismus stark gelitten –
Vorarlberger KirchenBlatt   11. September 2014                                                                       Thema 11

100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs                                                                     Zur Sache

Weltkriegs-Gedenken im                                                                                       Seelsorge beim
                                                                                                             Militär
Schatten neuer Kriege                                                                                        Viele Gläubige haben Schwierig-
                                                                                                             keiten, mit der Haltung der
                                                                                                             katholischen Kirche zum Militär
Am Samstag, 13. September, besucht Papst                                                                     zurecht zu kommen. Das Zweite
Franziskus Europas größtes Kriegerdenkmal,                                                                   Vatikanische Konzil formuliert
den „Sacrario di Redipuglia“ in der Nähe                                                                     die Verantwortung des Soldaten
von Görz. Doch es geht dabei nicht nur                                                                       für den Frieden auf der Welt fol-
um das Gedenken an den Ersten Weltkrieg.                                                                     gendermaßen: „Wer als Soldat
                                                                                                             im Dienst des Vaterlandes steht,
Walther Werth                                                                                                betrachte sich als Diener der Si-
                                                                                                             cherheit und Freiheit der Völker.
„Ich hab es in den Abendnachrichten im                                                                       Indem er diese Aufgabe recht
Fernsehen gehört, dass Papst Franziskus am                                                                   erfüllt, trägt er wahrhaft zur Fes-
13. September nach Redipuglia kommen                                                                         tigung des Friedens bei.“ Öster-
wird.“ Der Erzbischof von Görz, Carlo Ro-                                                                    reichs Militärdiözese hat ein
berto Maria Redaelli, war überrascht, dass                                                                   Institut für Religion und Frieden
der Papst in die Grenzregion Friaul/Slowe-                                                                   eingerichtet, um sich mit den
nien kommt, um sowohl am österreichisch-                                                                     sicherheitspolitischen Verände-
ungarischen Soldatenfriedhof als auch beim                                                                   rungen im Licht der kirchlichen
italienischen Soldatenfriedhof der Gefalle-                                                                  Soziallehre auseinanderzusetzen.
nen aller Kriege zu gedenken. Es ist ein star-                                                               Leiter des Instituts ist Monsigno-
kes Zeichen des Pontifex, gerade diesen Land-                                                                re Dr. Werner Freistetter.
strich zu besuchen. Vor 100 Jahren tobte dort
ein unvorstellbarer Krieg, den der damalige            „Presente!“ - „Hier!“ So melden sich Soldaten, wenn   Veränderung. Freistetter be-
Papst Benedikt XV. als ein „sinnloses Gemet-           sie beim Appell aufgerufen werden. Das Denkmal        tont, dass sich die Militärseel-
zel“ bezeichnet hatte. In diesem Gebiet liefer-        in Redipuglia erinnert an einen Appell-Platz, auf     sorge seit dem Ersten Weltkrieg
ten sich italienische und österreichisch-un-           dem sich die Gefallenen „melden“. Johann Jaritz       stark verändert hat: „Damals
garische Truppen nach Italiens Kriegseintritt                                                                waren die Seelsorger Teil des
1915 zwölf große Schlachten, bei denen Hun-            nicht zu einem historisch, kulturellen oder           Systems, sie hatten durchaus
derttausende Menschen getötet oder verwun-             sogar touristischen Interesse reduziert wer-          eine motivierende Wirkung.
det wurden. Auch zwei Großonkel des Paps-              den könne. „Der Wert des Friedens hat keine           Sie verstanden sich unter ande-
tes, dessen Eltern ja aus Italien stammten,            religiöse Farbe, er ist ein Geschenk Gottes für       rem auch als eine religiös-mora-
sind im Ersten Weltkrieg gefallen.                     die Menschen aller Zeiten.“ Sein Schreiben            lische Unterstützung der Kriegs-
                                                       an die Gläubigen beendet Erzbischof Redael-           führung. Heute hingegen beruht
„Dritter Weltkrieg“. Beim Gottesdienst                 li mit dem Hinweis, dass die entscheidende            die Militärseelsorge auf der
wird der Papst im Gedenken an den Ersten               Aktion im Sinne des Friedens die erzieheri-           Religionsfreiheit des Einzelnen.
Weltkrieg einen Bogen in das Heute span-               sche ist.                                             Dem Einzelnen muss ermöglicht
nen. Er hat kürzlich in Bezug auf die IS-Terro-        Wenn Papst Franziskus am 13. September die            werden, seinen Glauben zu le-
risten im Nordirak gesagt: „Das sind Früchte           Gedenkstätte von Redipuglia besucht, wird             ben. Die Militärseelsorge hat vor
des Kriegs, wir sind im Krieg, es ist ein dritter      auch die österreichische Kirche hochrangig            allem bei den Auslandseinsätzen
Weltkrieg, wenn auch schrittweise.“ Er wird            vertreten sein. Kardinal Christoph Schön-             des Bundesheeres eine große
an die politischen Verantwortungsträger ap-            born, der Kärntner Bischof Alois Schwarz und          Aufgabe als Begleitung der Sol-
pellieren, die Fehler der Vergangenheit nicht          Militärbischof Christian Werner werden zum            daten bei Einsätzen in Extrem-
zu wiederholen.                                        Gedenken und zum Gottesdienst nach Redi-              situationen. Diese Seelsorge ist
Der Bischof von Görz hat anlässlich der Ge-            puglia reisen. Über 100.000 Menschen wer-             auch eine Chance für die Kirche,
denkfeiern einen Hirtenbrief mit dem Titel             den erwartet. Der Papst wird den Bischöfen            indem sie junge Menschen
„Er ist unser Friede“ verfasst, in dem er be-          kleine Öllampen überreichen, die sie in ihren         begleiten und ihnen Stütze
tont, dass der Jahrestag zum Ersten Weltkrieg          Heimatdiözesen entzünden sollen.                      sein kann.“ Walther Werth

                                                       „Weg des Friedens“
                                                       Das Gebiet des oberen Isonzotals war im Ersten
                                                       Weltkrieg ein Teil der Front. Aus dieser Zeit
                                                       sind noch Relikte und Friedhöfe erhalten.
                                                       Freilichtmuseen, Gedenkorte und Friedhöfe
                                                       wurden im „Weg des Friedens“ verbunden,
Adolfo Bergoglio , Großonkel des Papstes,              die geführte Touren anbietet: www.potmiru.si.         Monsignore Dr. Werner Freistetter
liegt in Redipuglia begraben. Richard Lein/Kathpress                                                                     Foto: GEorg Pulling/Kathpress
14 Panorama                                                                                               11. September 2014   Vorarlberger KirchenBlatt

stenogramm                          Einladung zu einem weltweiten Gebetstag

„„ 85. Geburtstag. Die bekann-
                                    Vorbereitungen auf die Familiensynode
te Lepra-Ärztin und Ordensfrau
Ruth Pfau wurde am Dienstag                   Hatte der Papst die Katholiken vor der kom-      Nach Informationen der Frankfurter Allge-
85 Jahre alt. Sie hat jahrzehnte-             menden Außerordentlichen Bischofssynode          meinen Zeitung hat der Bischof von Antwer-
lang an der Bekämpfung der                    um ihre Meinung zu den Themen Familie,           pen, Johan Bonny, eine außergewöhnlich kri-
Lepra in Pakistan gearbeitet.                 Ehe und Sexualität gefragt, lädt der Vatikan     tische Denkschrift zur bisherigen Ehe- und
Seit 1996 ist die Krankheit unter             nun für den 28. September zu einem welt-         Sexualmoral der Kirche verfasst.
Kontrolle. Mit 83 ist Pfau dann               weiten Gebetstag für das Treffen der Bischöfe.   So soll es laut der Frankfurter Allgemeinen in
in die Arbeit mit behinderten                 Die Synode vom 5. bis 19. Oktober soll eine      der Denkschrift unter anderem heißen, in der
Menschen und den Kampf gegen                  erste Bestandsaufnahme sein. Genauer be-         Enzyklika „Humanae vitae“ (Paul VI.) und
Erbkrankheiten eingestiegen,                  handelt wird das Thema dann 2015 bei der         dem Schreiben „Familiaris consortio“ (Jo-
wo sie nach wie vor tätig ist.                Ordentlichen Bischofssynode. Seit der An-        hannes Paul II.) nehme die Kirche ihre eige-
                                              kündigung durch den Papst wird das The-          ne Tradition nicht ernst, wenn sie für Gewis-
                                              mengebiet kirchenintern intensiv diskutiert,     sensentscheidungen keinen Raum lasse und
                                              zum Beispiel der künftige Umgang mit wie-        die Lehre der Eucharistie als „Mittel der Gna-
                                              derverheirateten Geschiedenen.                   de“ ignoriere.

Ruth Pfau   Archiv
                                    Umsatzplus bei Produkten aus Fairem Handel
n	 Gotteslob. Die lange Zeit                  Österreicher geben immer mehr
des Wartens geht nun auch für                 Geld für fair gehandelte Produkte
Österreichs Organisten in den                 aus. Im ersten Halbjahr 2014 leg-
Pfarrkirchen zu Ende: Nach                    te laut „Fairtrade Österreich“ der
Angaben des Katholischen                      Umsatz um elf Prozent auf 69,9
Bibelwerks in Stuttgart sind                  Millionen Euro zu. Die stärksten
die drei Bände des Orgelbuchs                 Steigerungen gab es heuer bei
zum Stammteil gedruckt und                    Kaffee (plus 18 Prozent), Süßig-
werden im Lauf des Septembers                 keiten (plus 25 Prozent) und
in den Pfarren ankommen.                      Baumwollprodukten (plus 55 Pro-
Das Werk umfasst ca. 900 Seiten               zent); Blumen, Bananen und
und werde nun buchbinderisch                  Fruchtsäfte blieben auf Vorjahres-
weiterverarbeitet. Die Druckerei              niveau.                              Fairtrade: Immer öfter im Wagerl.      Fairtrade Österreich/Yoshikato
werde die Auslieferung in der
zweiten Septemberwoche be-
ginnen und voraussichtlich in
der Folgewoche abgeschlossen                                          Verwüstung in                          Nächstes Treffen für
haben. Pfarren und kirchliche                                         Leobener Pfarrkirche                   Sozialwort 10+
Institutionen in Österreich ha-
ben insgesamt 3.500 Ausgaben                                          Religiöser Wahn hat offenbar eine      Im Prozess der Überprüfung
des Orgelbuchs vorab bestellt.                                        junge Frau zur Verwüstung der          und Aktualisierung des Ökume-
                                                                      Leobener Stadtpfarrkirche St. Xa-      nischen Sozialworts der christ-
„„ Theologische Kurse. Die                                            ver vergangene Woche getrieben.        lichen Kirchen steht das zweite
„Theologischen Kurse“ richten                                         Die psychisch verwirrte 22-Jähri-      von insgesamt drei Dialogtreffen
im diesjährigen Wintersemes-                                          ge habe die Tat gestanden, hieß        auf dem Programm: Vertreterin-
ter unter anderem den Fokus auf                                       es seitens der Polizei. Die Frau,      nen und Vertreter anderer Reli-
Apokalypse und „letzte Fragen“.                                       die nun in medizinischer Be-           gionen sowie aus der Zivilgesell-
In Linz läuft ein Spezialkurs                 Die Stadtpfarrkirche    handlung ist, habe gesagt, eine        schaft werden am 10. Oktober ab
zum Thema „Der Tod und das                    Leoben–St. Xaver        höhere Macht habe ihr rituelle         14 Uhr im Cordatus-Haus in Wels
Danach“. In Eisenstadt geht man               Foto: Obersteirer       Handlungen in dem Gotteshaus           ihre Sichtweise einbringen. Inter-
unter anderem der Frage nach,                                         befohlen. Bei der Tat waren Bil-       essierte sind zu dieser Veranstal-
wie man heute Gewalttexte                                             der, Kreuze und Kerzenständer          tung eingeladen (Anmeldung er-
der Bibel verstehen kann. „Feste                                      aus Verankerungen gerissen, der        beten). Es wird insgesamt zehn
und Feiern im Leben der Kirche“                                       Altar verschoben und ein toter         Themenkreise in den Bereichen
heißt dagegen das Studienwo-                                          Vogel vor den Tabernakel gelegt        wie Bildung, Arbeitszeit, Sozial-
chenende Liturgik in Innsbruck.                                       worden. Das Altartuch wurde be-        staat oder sozial gerechte Finanz-
                                                                      schmiert. Pfarrer Markus Plöbst        wirtschaft geben.
XX Mehr dazu auf:                                                     kündigte an, man werde für die         XX Mehr auf: www.ksoe.at oder
www.theologischekurse.at                                              Frau beten.                            www.sozialwortzehnplus.org
Vorarlberger KirchenBlatt   11. September 2014                                                                              Panorama 15

Christen, Juden und Muslime beteten auf Initiative von Bischof Manfred Scheuer (links) für den Frieden.        Foto: Gilbert Rosenkranz

Gebete für den Frieden auf der Welt
Mit einer interreligiösen Gebetsveranstal-                   gedenken, ist ein Liebesdienst sowohl der      Gottesdienst auch ein großes Friedenstreffen
tung für den Frieden haben am vergan-                        Angehörigen wie auch der Glaubens- und         in Antwerpen begann, bei dem unter ande-
genen Freitag vor dem Goldenen Dachl in                      der Religionsgemeinschaften und letztlich      rem der scheidende EU-Ratspräsident Her-
Innsbruck Vertreter von Judentum, Chris-                     eine Menschenpflicht“, sagte Diözesan-         man Van Rompuy, der ägyptische Groß-
tentum und Islam des Ausbruchs des Ersten                    bischof Manfred Scheuer, der auch Präsident    mufti Shawki Ibrahim Abdel-Karim Allam
Weltkriegs vor 100 Jahren und des Zweiten                    von Pax Christi Österreich ist. Getragen war   sowie der polnische Schriftsteller Zygmunt
Weltkriegs vor 75 Jahren gedacht. Die Reli-                  die Veranstaltung auch von der Fokolare-Be-    Baumann erwartet wurden. Zu den Rednern
gionsvertreter beteten in den jeweils eige-                  wegung und der Gemeinschaft Sant’Egidio,       gehörte auch die irakische Abgeordnete
nen Traditionen. „Der Toten der Kriege zu                    die am Sonntag mit einem ökumenischen          und Jesidin Vian Dakheel.

Schottland: Bischöfe bei Mögliche Papstreise                                                    Weltkirche
Referendum neutral       in die Türkei
Eine neue Umfrage vor dem Un-                    Papst Franziskus will dem Ver-
abhängigkeitsreferendum Schott-                  nehmen nach noch in diesem                     „„ Religions-UN. Im Kampf gegen religiös begründeten
lands hat am Wochenende Groß-                    Jahr die Türkei besuchen. Angeb-               Terrorismus wäre laut dem israelischen Ex-Präsidenten
britannien erschüttert: Erstmals                 lich plane Franziskus, am 30. No-              Shimon Peres eine „UN der Religionen“ wichtig.
lagen die Abspaltungsbefürwor-                   vember am Patronatsfest des ortho-
ter mit 51 Prozent knapp vorne.                  doxen Ökumenischen Patriar-                    „„ Kontakt. Am 21. September finden Gespräche zwi-
Die katholische Kirche will vor                  chats in Istanbul teilzunehmen.                schen den Piusbrüdern, die wesentliche Teile des Zwei-
der Volksabstimmung am 18. Sep-                  Entsprechende Gerüchte seien                   ten Vatikanischen Konzils ablehnen, und dem Vatikan
tember neutral bleiben. Alle                     „nicht gegenstandslos“, heißt                  statt. Thema dürfte sein, ob ein neuer Annäherungspro-
4,2 Millionen Wahlberechtigten                   es im Vatikan. Allerdings hat                  zess der Gruppe zur Einheit möglich ist. Die Piusbrüder
sollten mit „völliger Wahlfreiheit“              der Leiter des türkischen Reli-                haben beim vorigen Versuch wichtige Punkte abgelehnt.
dafür stimmen, was ihrer Meinung                 gionsamts, Mehmet Görmez, den
nach das Beste für die Zukunft                   Papst unterdessen scharf ange-
sei, so der Glasgower Erzbischof                 griffen: Der Papst stelle sich zu                                        Luther in Rom: Der Vatikan will
Philip Tartaglia.                                wenig schützend vor die islami-                                          dem Reformationsgedenkjahr 2017
Der Erzbischof von St. Andrews                   schen Opfer von Gewalt, die es                                           eine eigene Ausstellung widmen.
und Edinburgh, Leo Cushley,                      zunehmend in den westlichen                                              Unter anderem die Vatikanischen
mahnte, alle Katholiken sollten                  Ländern gebe, behauptete Gör-                                            Museen werden sich daran betei-
sich auch nachher positiv am Ge-                 mez und verwies auf Anschläge                                            ligen. Die Planungen beginnen
sellschaftsdiskurs beteiligen.                   auf Moscheen in Deutschland.                                             im Oktober. Bild: Lucas Cranach d.Ä.
16 Bewusst leben                                                                                                  11. September 2014      Vorarlberger KirchenBlatt

Voraussetzungen für einen guten Vater-Kind-Kontakt

Vater-Sein nach der Trennung
Nicht alle Väter können nach der Scheidung
kontinuierlich Teile der Lebenswelt ihrer
Kinder gestalten und ihre Väterlichkeit
weiterentwickeln.

Bei fast einem Viertel der Scheidungsväter
kommt es nach der Trennung von der Partne-
rin auch zu einem Abbruch des Kontakts zu
den Kindern. So wird der Vater häufig in ab-
rupter Weise von wesentlichen Bereichen der
Elternschaft ausgeklammert oder sie sind für
ihn nur noch in reduzierter Form und unter
erschwerten Bedingungen praktikabel. Dies
gilt gleichermaßen für die Sorge um kind-
liche Anliegen, gemeinsame Alltagserfahrun-
gen, Spiel und Unternehmungen wie für die
Versorgung und Erziehung des Kindes. Vie-
le Aspekte des Zusammenlebens, die letztlich
die Grundlage für gegenseitige Zuneigung,
Verständnis und somit die Entwicklung einer
Beziehung darstellen, sind deshalb nach der        Väter sind wichtig für alle Bereiche der kindlichen Entwicklung. Besonders nach einer Trennung
Scheidung nicht mehr oder nur in geringem          ist die aktive Gestaltung einer guten Vater-Kind-Beziehung notwendig.        olesiabilkei – Fotolia.com
Ausmaß verfügbar.
                                                   die Liebe der Kinder, die sie nur mehr selten      teilen immer wieder versichert wird, dass
Widersprüchliche und belastende Situa-             sehen, weshalb sie diese gerade auch aus die-      es keine Schuld an der Trennung hat.
tion. Neben der Erarbeitung einer Kontakt-         sem Grund verwöhnen und (unbewusst oder            „„Beide Elternteile sollten dem Kind durch
regelung muss der Vater eine neue häusliche        bewusst) Koalitionen mit dem Kind gegen die        organisatorische Strukturen (vor allem zeit-
Umgebung schaffen, die für Besuche des Kin-        Mutter suchen.                                     lich gesehen) ein gutes Hin- und Herpendeln
des geeignet ist. Und er muss mit eventuel-                                                           zwischen „Mamawelt“ und „Papawelt“
len anfänglichen emotionalen Problemen der         Gestaltung einer Vater-Kind-Beziehung              ermöglichen.
Kinder beim Wechsel zwischen Vater und             nach der Trennung. Folgende Bedingungen            „„Ein Mindestmaß an regelmäßigen
Mutter angemessen umgehen. Die Entwick-            erhalten eine positive Vater-Kind-Beziehung        Kontakten gibt den Kindern Sicherheit.
lung einer neuen Vaterrolle, die mit der Tren-     nach einer Trennung aufrecht:
nung meist einhergeht, kostet viel Energie         „„Der Vater muss schon vor der Trennung            Welche Wünsche artikulieren die Kinder
und führt häufig zu einem Leistungsabfall in       eine tragfähige Beziehung bzw. Bindung             in Bezug auf ihre Väter?
anderen Lebensbereichen (Arbeit, Gesund-           zum Kind aufgebaut haben.                          „„Ich möchte das Gefühl haben, dass ich
heit).                                             „„Beide Elternteile müssen die Bedeutung           für dich wichtig bin.
Nach einer Scheidung erinnert kaum noch            der Vater-Kind-Beziehung für die kindliche         „„Ich möchte einen regelmäßigen, siche-
etwas an das selbstverständliche Miteinander       und jugendliche Entwicklung ernst nehmen.          ren, persönlichen Kontakt zu dir und
in der alten Familie. Das bedeutet für geschie-    „„Eltern müssen es schaffen, während und           verlässliche Unterstützung.
dene Männer, dass sie neue Wege als Vater im       nach der Trennung den Konflikt zum Partner         „„Ich wünsche mir ausreichende Zeit zu
Umgang mit ihren Kindern finden müssen.            von der Beziehung zum Kind zu trennen.             zweit und gemeinsame Unternehmungen.
Dies kann nur dann erfolgreich sein, wenn          „„Eine funktionierende „elterliche“ Kom-
der Kontakt zu den Kindern regelmäßig ist,
denn nur so kann eine stabile Väterlichkeit
                                                   munikation/Kooperation und wechselseiti-
                                                   ger Informationsaustausch der Eltern über
                                                                                                       Beratung
entwickelt werden. Findet dieser Kontakt sel-      die Kinder. Wenn die Eltern miteinander
tener als einmal monatlich statt, so gelingt es    reden und funktionierende Vereinbarungen
kaum einem Vater, die Beziehung zu seinem          treffen können – und wenn die Eltern sich
                                                                                                       mag. magda pirker
Kind aufrechtzuerhalten.                           nicht gegenseitig abwerten. Kinder wün-
                                                                                                       Pädagogin, Mediatorin
Oft gibt es nach der Trennung auch deshalb         schen sich, dass ihre Eltern trotz Scheidung
                                                                                                       eisenstadt
Schwierigkeiten, weil die bisherigen Konflikte     gemeinsam Eltern bleiben und dies auch              beratung@kirchenzeitung.at
der Eltern weiter fortbestehen. Dazu kommen        in der Repräsentation nach außen sichtbar
noch Ängste auf beiden Seiten: Mütter haben        wird, was sich z.B. beim gemeinsamen
häufig Angst, die Liebe ihrer Kinder an den        Besuch von Schulveranstaltungen zeigt.             XX Bei Fragen, Problemen ... wenden Sie sich an:
Vater zu verlieren, etwa weil er die Kinder ver-   „„Dem Kind das Schuldgefühl an der Tren-           Berater/innen des Ehe- und Familienzentrums,
wöhnt oder er als Abwesender meist derjeni-        nung nehmen (wenn es sich dafür verant-            Herrengasse 4, 6800 Feldkirch, Tel. 0 55 22/741 39
ge ist, der idealisiert wird. Väter bangen um      wortlich fühlt), indem von beiden Eltern-          beratungsstellen-efz@kath-kirche-vorarlberg.at
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