Mitteilungen 2021 - ICOM Deutschland
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Mitteilungen 2021
ISSN 1865-6749 | Heft 43 (28. Jahrgang)
eIn ganZes JahR COROna-kRIse
Museen vermissen ihre Besucher und finden kreative Lösungen
üBeR Den telleRRanD
Wie es den Museen in anderen Ländern ergeht
naChhaltIgkeIt
17 Nachhaltigkeitsziele werden in 17 Museen umgesetztMADE WITH
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Viele Museen in Deutschland und der Welt sind trotz der Corona-Pandemie wie-
der geöffnet. Sie möchten ihren Besuchern einen sicheren und entspannten Auf-
enthalt ermöglichen und ihre Mitarbeiter nicht gefährden. Dazu haben sie ein
Hygiene-Konzept entwickelt und informieren über die geltenden Regeln:
Tragen Sie in gemeinsam genutzten Desinfizieren Sie sich Waschen Sie sich regelmäßig und
Räumen eine Maske! die Hände! gründlich die Hände!
Halten Sie zu anderen Personen Vermeiden Sie Gruppenbildung! Vermeiden Sie das Händeschütteln!
immer Abstand! In vielen Räumlichkeiten ist die Anzahl Tastobjekte und Touchscreens sind
der Personen begrenzt. aktuell nicht nutzbar.
Informationen zu den geltenden Hygieneregeln erhalten Sie von (über-)regionalen Gesundheitseinrichtungen und den Museumsverbänden .
Daten und Fakten zu den weltweiten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Museums- und Kulturerbesektor sowie Tipps zur Wieder-
eröffnung der Museen finden sie auf den Internetseiten von ICOM Deutschland www.icom-deutschland.de/de/aktuelles/covid-19.html
und ICOM https://icom.museum/en/covid-19 .
Piktogramme: www .peter-schmidt-group .de/projekte/cases/pandemic-designeDItORIal
Liebe ICOMMitglieder,
beim Durchlesen der aktuellen Beiträge für die Ausgabe
2021 der Mitteilungen vollzieht sich vor meinem geistigen
Auge ein Déjàvu der letzten eineinhalb Jahre, die im Schat
ten von Corona standen: All die Szenarien, die wir wäh
rend der unterschiedlichen Phasen der Covid19Pandemie
Foto: ICOM
erlebt haben, deren neue Virusvarianten noch immer keine
endgültige Hoffnung auf eine grundlegende Entspannung
geben, rufen ungute Erinnerungen wach. Zu prägnant sind
die Zeiten der Schließungen erinnerlich, des Verharrens
und Abwartens, des Abhängigseins von Politikerentschei
dungen, deren Maßstäbe offenkundig mehr am Wirtschafts Sammlungsforschung, Aufbau neuer, deutlich umfangrei
sektor orientiert waren und sind, denn am Kultursektor. cherer Datenbanken, neue digitale Zugänge für virtuelle
In vielen Ländern, insbesondere aber in Deutschland, Besucher etc. – wurde recht gut gemeistert, die Hürde ge
entwickelte sich überdies eine intensiv geführte öffentliche riet zur Kür und vieles wurde schließlich zu Alltag und
Diskussion um den Stellenwert von Kultur in unserer Ge Routine im (Fast)Regelbegtrieb. Das Leben hat sich in
sellschaft. Gerade der Blick über den Tellerrand zu den zwischen schrittweise normalisiert, wenngleich zahlreiche
europäischen Nachbarstaaten, aber auch zu den USA oder Einschränkungen weiterhin bestehen, in den Museen selbst
Richtung Indien, China, Japan, Australien hat es ermög sowie im nationalen wie internationalen Austausch mit
licht, zu vergleichen, wie es der Museumswelt insgesamt anderen Häusern.
ging. Weniger transparent sind die kaum validen Nachrich Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass sich über
ten aus den afrikanischen Museen gewesen, weil die Anbin die vergangenen Monate auch die Rolle des Museums und
dung an eine internationale Öffentlichkeit noch nicht so die Justierung dessen, was Museen, was Kunst, Kultur und
ausgeprägt ist. ICOM International hatte bereits im Herbst kulturelle Teilhabe insgesamt betrifft, merklich gewandelt
2020 die Auswirkungen der Pandemie in einer weitreichen haben. Der Prozess dieser Transformation ist noch nicht
den Erhebung ermittelt und konnte im Frühjahr 2021 abgeschlossen, zumal die ICOMMuseumswelt seit einigen
nochmals präzisere Daten liefern. Das Bild, das sich ergab, Jahren um eine zeitgemäße, neue Museumsdefinition ringt.
war tiefgreifend, über weite Strecken erschreckend und be Die Pandemie, die kriegerischen wie auch terroristischen
sorgniserregend, und nur im Hinblick auf die zum Teil be Konflikte, schließlich die Naturkatastrophen haben dazu
achtlichen Fortschritte im Bereich Digitalisierung positiv. beigetragen, dass immer intensiver der gesellschaftliche
Über den Herbst und Winter kam mit dem zweiten, sehr Wert von Kunst und Kultur (materiell wie immateriell) be
langen Lockdown erneutes Warten, Umorganisieren, Ab leuchtet und hinterfragt wird. Präventive Restaurierung, in
sagen ganzer Ausstellungen, aber auch erste nachhaltige tensivierte konservatorische Maßnahmen, Gebäudeschutz,
Erfolge bei der Entwicklung neuer digitaler Zugänge und Sicherungsmaßnahmen – auch in Zusammenarbeit mit
einer zunehmend virtuellen Öffentlichkeit, was gerade in Blue Shield Deutschland – sind wesentlich für die Fokus
Deutschland Dank der finanziellen Unterstützung des NEU sierung auf das, was bewahrt und geschützt werden soll. Die
STARTProgramms durch das BKM einen deutlichen An Debatte über den Umgang mit dem kolonialen Erbe zielt in
schub erfuhr. eine weitere Richtung, die nicht minder heftig, zunehmend
Die hier publizierten Berichte und Einzelfacetten der Kol aber sachlich und gut strukturiert bilateral (multilateral)
legen und Kolleginnen lesen sich spannend und informa geführt wird.
tiv, da sie ein breites Spektrum an Erfahrungen und Ent Die Mitteilungen geben Ihnen diese Handlungsfelder an
wicklungen in den Nachbarstaaten im Bann der Pandemie schaulich weiter und inspirieren Sie möglicherweise, Ihren
nachvollziehen lassen. Sie bekunden ähnliche Probleme und Arbeitsalltag im Museum besser zu bewältigen oder das
Sorgen, bieten aber zugleich die Chance, aus Erfahrungen kollegiale Gespräch zu suchen. Gemeinsam mit dem Vor
zu lernen und sich solidarisch zu fühlen mit einer Muse stand von ICOM Deutschland wünsche ich Ihnen gute
umswelt, in der deutlich wurde, wie sehr wir voneinander LeseEinsichten,
profitiert und uns wechselweise stützend durch die Krise
begleitet haben. Das Netz der Solidarität kann und sollte
noch stärker werden.
Was zu Beginn als unüberwindbare Hürde erschien –
rein digitale Meetings, weniger Ausstellungen, weniger Aus
leihtätigkeiten, mehr Homeoffice, akribische Nachverfol
gung von Besuchererfassungsdaten, Rückbesinnung auf Ihre Beate ReifenscheidInhalt
Foto: Adam Niescioruk, unsplash
Foto: ICOM
AKTUELLES
Pandemie – Ende in Sicht? Migration, Prekarität und Widerstand: Geschichte(n)
Zur Lage der Museen und wie ICOM Deutschland sammeln in Corona-Zeiten
unterstützen kann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 DOMiD dokumentiert die Lebensbedingungen einer
während der Pandemie besonders benachteiligten Gruppe. . . . 24
Corona: Museen im Blick
Der Deutsche Kulturrat setzt sich auch für die Museen ein . . . . . . . 7 „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Rassismus,
Widerstand und Empowerment” – Eine partizipative
Museen in Frankreich: geschlossen. Wie lange noch? Stadtlabor-Ausstellung
Die chronologische Schilderung eines außergewöhnlichen Wie geht partizipativ trotz Corona?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Jahres. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Was wir hier tun: Museumsdefinition, Konsultation
ICOM Niederlande – 2020: Ein Jahr der Krise und Die Arbeit zur Neugestaltung der Museumsdefinition
der Initiativen wird mit Einbindung der Komitees fortgesetzt . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Wie es den niederländischen Museen ergangen ist
und was ICOM Niederlande unternommen hat. . . . . . . . . . . . . . . . 12
RÜCKBLICK
Verändert die Corona-Pandemie die dänische
Museumswelt? Museums Facing a Planetary Emergency
Tiefe Einschnitte und voraussehbare langfristige Die erste virtuelle Jahrestagung von ICOM Deutschland
Auswirkungen einer sanitären Krise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 zusammen mit ICOM Griechenland und ICOM Zypern. . . . . . . . . 31
Slowenische Museen in Zeiten von Covid-19 Die erste ICOM Master Class: Integrative Security,
Wenn die sanitäre Krisensituation missbraucht wird, um Emergency and Disaster Management in Museums
den Stellenwert der Kultur zu gefährden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Vorbereitung und gute Planung sind unerlässlich zur
Bewältigung von Katastrophen aller Art. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Regionale Verantwortung – eine mögliche Lehre
aus der Corona-Zeit
Aussichten auf eine (Museums-)Welt nach Corona . . . . . . . . . . . . . 19
Das Museum als gesellschaftlicher Resonanzraum?
„Corona-Alltag” im Museum der Alltagskultur
Wo das Leben in Corona-Zeiten selbst zum
Ausstellungsthema wird . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2 | ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021Foto: Histopad/AVICOM
Foto: Blue Shield
INTERNATIONALE KOMITEES UMSCHAU
Der Internationale Museumstag ICOM Deutschland Young Professionals
Museen inspirieren die Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Das junge Netzwerk gibt Einblicke in seine Aktivitäten. . . . . . . . . 55
Museen haben keine Grenzen, sie haben ein Netzwerk 17 Museen × 17 SDGs – Ziele für eine nachhaltige
Deutsche Mitglieder in offiziellen Positionen bei ICOM. . . . . . . . . 38 Entwicklung
Ein Projekt zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele
Das neue internationale Komitee IC Ethics in den österreichichen Museen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
IC Ethics – International Committee on Ethical Dilemmas. . . . . . 41
Der Westen und der Rest der Welt: finde
Von analog zu digital – AVICOM und sein Medien-Festival die Unterschiede!
AVICOM – International Committee for Audiovisual, Ein Plädoyer für eine bessere Anerkennung der
New Technologies and Social Media. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 nicht-westlichen Kunst. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
ICOM CECA Special Interest Groups Aufarbeitung kolonialer Präsenz
CECA – International Committee for Education and Zur Arbeit der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus
Cultural Action. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 kolonialen Kontexten in Deutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
2020, das Jahr, das nicht enden wollte Blue Shield Deutschland: Projekte und Aktivitäten
UMAC – International Committee for University Museums Kulturgutschutz braucht ein starkes Netzwerk. . . . . . . . . . . . . . . . . 64
and Collections. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
IC Costume und Corona
IC Costume – International Committee for Museums Veranstaltungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
and Collections of Costumes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Vorstand. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
ICOM MPR Challenge 2020
ICOM MPR – International Committee for Marketing and Public Impressum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Relations. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
CAMOC – Das Internationale Komitee für Stadtmuseen
CAMOC – International Committee for the Collections and Activi-
ties of Museums of Cities. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
ICOM Glass – Aktivitäten 2019-2020, sowie Ausblick 2021
ICOM Glass – International Committee for Museums
and Collections of Glass. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
ICOFOM Aktivitäten in 2020
ICOFOM – International Committee for Museology . . . . . . . . . . . . 52
ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021 |3Öffnung nach der ersten Schließung:
Besuchszahlen im Sommer 2020
88 % der Museen in Europa haben im Sommer 2020 trotz
Wiedereröffnung einen Rückgang der Besuchszahlen festgestellt.
Rückgang ≤ 25 % 17 % der Museen
in Europa
Rückgang ≤ 50 % 28 %
Rückgang ≤ 75 % 23 %
Rückgang ≥ 75 % 20 %
unverändert / Erhöhung 12 %
Gründe dafür sind (in % der Museen):
73 %
weniger bis keine Touristen:
Schulklassen kommen nicht mehr: 64 %
Verunsicherung, zu viele Menschen auf einmal anzutreffen: 54 %
Projekte und Ausstellungen fallen aus: 50 %
ak tuelles
Digitaler Schub in der CoronaZeit
93 % der Museen in Europa haben ihr digitales Angebot während der Pandemie ausgebaut,
insbesondere (in % der Museen):
bestehendes Angebot erweitert neues Angebot eingeführt
Posts in den sozialen Medien 67 % 9%
Videos (YouTube, Vimeo…) 39 % 24 %
online pädagogische Angebote 20 % 27 %
virtuelle Führung 18 % 19 %
online Ausstellung 22 % 22 %
Erweiterung der Onlinesammlung 31 % 12 %
Quizz, Rätsel, Wettbewerb 18 % 19 %
Liveübertragung aus dem Museum 17 % 19 %
Quelle: NEMO 2021
spezifischer Newsletter 23 % 10 %
Museum Podcast 9% 12 %
4 | ICOM Deutschland – MIt te Ilung e n 2021Ak tue lles
Pandemie – Ende in Sicht?
Beate Reifenscheid
Foto: spuno, Adobe Stock
Die Pandemie zeigt sich selbst im Mai Schließungen mit langfristigen und langfristig nahezu alle Möglich
2021 noch immer mit voller Wucht Folgen keiten aufzutreten und ihren regulä
und hat alle Lebensbereiche sowie ren Lebensunterhalt zu bestreiten.
den Kultursektor weltweit nachhaltig In Deutschland bedeutete dies, dass Auch Tourismus sowie Gastronomie
erschüttert. Auch wenn Deutschland nach fast fünf Monaten des Stillstands liegen brach. Sie alle agieren in einem
bislang weitgehend „glimpflich“ durch und der geschlossenen Museen, diese kulturellen und gesellschaftlichen
diese Pandemie gekommen sein mag, für knappe drei Wochen an einigen Ökosystem, in dem sich diese wech
so sind dennoch mehr als 80.000 To Orten zwar öffnen konnten, dann je selseitig beeinflussen und befruchten.
te im Zusammenhang mit Covid-19 doch weiter in den Schließmodus ge Für die Museen weltweit sind die
verzeichnet worden (Stand Mitte Mai raten sind. Im letzten Jahr sah es kaum Einbrüche und Folgen noch nicht ab
2021) und weltweit sogar 3,2 Millio besser aus: Bereits ab März 2020 lag sehbar, gerade große amerikanische
nen (stetig steigend). Egal, wohin man das kulturelle Leben brach, alle kul Museen, aber auch die „Flaggschiffe“
schaut und hinhört – die Auswirkun turellen Einrichtungen wurden über unter den bedeutenden Museen in Eu
gen werden geradezu im Minutentakt Monate – bis auf eine kurze Pause im ropa kämpfen gerade mühevoll um
über alle medialen Kanäle ausge Sommer – geschlossen und bis vor die Rückkehr zur Normalität, die in
strahlt. Der Fokus liegt jedoch eindeu kurzem auch ganz vom öffentlichen Bezug auf Besucherzahlen noch lange
tig nicht bei den Museen und nicht bei Leben abgeschnitten. Viele Künstler nicht an altbekannte Ziffern anknüp
der Kultur insgesamt. und Soloselbständige verloren mittel- fen wird. Erhebungen von ICOM In
ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021 |5Ak tue lles
ternational zufolge sind die Zahlen gen sich viele, warum Hygienekon in der Vielfalt der breit aufgestellten
dramatisch. zepte und Adressnachverfolgung, Co Museumskultur, die zugleich Spiegel
Auch in Deutschland ist die Lage rona-App und Schnelltests – warum des Wissens-, des Bildungs- und des
immer noch beunruhigend, selbst jetzt das alles nicht ausreichend sein soll, Erinnerungskanons ist, findet sich Ge
noch, wo absehbar mehr und mehr um nicht wenigstens in reduziertem sellschaft wieder. Gerade hier finden
Museen wieder in der Lage sind, ihre Maß Besucher*innen wieder in die Wertschöpfung des kulturellen Erbes,
Türen zu öffnen, Ausstellungen zu Museen zu lassen und Mitarbeiter*in das Verstehen der Gegenwart und die
bieten und voraussichtlich im Spät nen an ihre angestammten Arbeits Gestaltung des Zukünftigen auf le
sommer auch wieder mehr Publikums plätze. bendige und innovative Weise statt.
programme realisieren zu können. Lassen Sie uns gemeinsam dafür
Kultur ist lebensnotwendig einstehen, dass mit der Öffnung der
Unterstützung für die Museen Museen und mit der Rückkehr der
Es klafft eine Lücke in unserem öffent künstlerischen Vielfalt ein gestärktes
ICOM Deutschland, der Deutsche lichen Bewusstsein, die sich zwischen Bewusstsein dafür aufkommt, dass
Kulturrat, der Deutsche Kunstrat, der dem Credo „Kunst ist ein Lebensmit all dies das Rückgrat unserer Gesell
Deutsche Museumsbund, die Akade tel“ und dem Appell „macht alles schaft ausmacht und dass der kultu
mie der Künste und andere haben in dicht“ zerreißt. Es ist weniger die Fra relle Dialog mit und über Kultur und
den vergangenen Monaten kontinuier ge nach der Relevanz, sondern mehr Kunst uns vor Übergriffen von anti-
lich den Dialog mit der Politik gesucht noch, warum sich Gesellschaften auf kulturellen, anti-demokratischen und
und bieten Unterstützung bei gemein der ganzen Welt gerade in Zeiten von anti-humanistischen Bestrebungen
samen Lösungsmodellen an. Unbe Not – und eine Pandemie mit zigtau schützt. Eine von der Gesellschaft ab
stritten sind durch die großen Unter send Toten und vernichteten Lebens geschnittene oder ausgesperrte Muse
stützungsmaßnahmen, zum Beispiel existenzen ist eine kaum wegzudisku umslandschaft und Kulturszene darf
das NEUSTART-Programm des BKM tierende Not – es sich leisten, vieles es nicht geben – auch nicht in Zeiten
zur Unterstützung des Kultur- und von dem auszublenden, was gesell von Pandemien.
Museumssektors sowie zahlreicher schaftlichen Zusammenhalt stärkt,
Galerien und Künstler*innen, wich was Freude und Motivation bietet, Prof. Dr. Beate Reifenscheid ist Direktorin des
tige Hilfsmittel bereitgestellt worden, was kulturelle und gesellschaftliche Ludwig Museum Koblenz und Präsidentin
um brennende Probleme abzufedern. Bildung ausmacht und damit genau von ICOM Deutschland;
NEUSTART KULTUR wird bereits das, was uns diese Zeit zu ertragen und icom@icom-deutschland.de.
in seiner zweiten „Auflage“ weitrei positiv umzuwandeln hilft. Wenn wir
chend genutzt. Es gab und gibt Unter an die „guten Momente“ während der Weitere Informationen:
stützung insbesondere für Galerien Pandemie denken, dann sind es die https://icom-deutschland.de/de/aktuelles/
sowie für Museen im Bereich der di spontanen Performances im Netz, die covid-19.html
gitalen Vernetzung, der virtuellen An viral gingen, die Gesänge und Kon
gebote – von interaktiven Apps, bis zerte im letzten Jahr, die über Balko https://icom-deutschland.de/de/compo-
hin zu Augmented Reality-Program ne hinweg einfach stattfanden und nent/content/article/30-covid-19/305-
men. Die Museen haben weitreichend schließlich die neuen digitalen Forma unesco-bericht-museums-around-the-
aus der Not eine Tugend gemacht und te, mit denen man andere Zugänge zu world-in-the-face-of-covid-19-april-2021.
sich oft als sehr erfinderisch erwie Museen, ihren Ausstellungen und html
sen. Zweifelsohne sind die Angebote Sammlungen fand. Dennoch: digital
vielfältiger geworden und haben Be ersetzt nicht real. Museen jedoch sind
sucherbindung bewirkt – und nicht in erster Linie gelebte Realität von
zuletzt auch das Bewusstsein geschärft, Kultur und Diskurs, von realem Er
wie essentiell Museen für den gesell kenntnis- und Erlebensraum, von
schaftlichen Zusammenhalt sind. Wissenschaft und gesellschaftlichen
Dennoch: die Verzweiflung und der Dialogen.
Ärger vieler Akteure im Kultur- und Es wird sich jetzt und in den kom
Museumssektor greifen mehr und menden Jahren zeigen, ob der politi
mehr um sich. Der Eindruck, dass die sche Wille die Museumslandschaft,
Politik sich nicht auf eine gemeinsame für die Deutschland weltberühmt ist,
Strategie einlassen kann oder will, stärkt und finanziell unterstützt. Län
verstärkt sich. Museen und Theater der und Kommunen werden die Haus
wurden im Rahmen der Gesetzgebung haltskonsolidierungen möglicherweise
zur Eindämmung der Pandemie kur nutzen, um gerade an der Kultur am
zerhand gleichgesetzt mit der Vergnü drastischsten zu sparen. Hier wird
gungsbranche (und Bordellen) – beide sich zeigen, ob neben den unbestritten
haben gleichwohl ihre Daseinsberech herausragenden Institutionen, auch
tigung – und mit der Bundesnotbrem die Breite und Vielfalt der kommuna
se sieht man sich weiterhin in einem len und ehrenamtlich geführten Mu
„kulturellen Vakuum“. Zu Recht fra seen weiterhin unterstützt werden. Nur
6 | ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021ak tue lles
Corona: Museen im Blick
Olaf Zimmermann
Seit mehr als einem Jahr hält die Co änderter Form aufrechterhalten wer nung von Kultureinrichtungen stark.
ronaPandemie die Politik und die den kann und nach der Pandemie das Museen sind die Einrichtungen, die
Menschen in Deutschland in Atem. kulturelle Leben in seiner gesamten auch schon vor der Pandemie über viele
Wahrscheinlich hätte sich kaum je Vielfalt weiterarbeiten und sein kre Erfahrungen in der Regulierung von
mand träumen lassen, dass in Deutsch atives und verbindendes Potential ge Besucherströmen verfügen. Sie gehören
land eine Pandemie derart um sich nutzt werden kann. Der Deutsche Kul deshalb zu den Kultureinrichtungen
greift und dass dieses Land so wenig turrat hat weiter vorgeschlagen, dass die Pilotfunktion in der Pandemie ha
darauf vorbereitet ist. Anfangs fehlte die Mittel des Kulturinfrastruktur ben. Neben den Bibliotheken sind die
es an allem, an Schutzmasken, an Des fonds von den Kulturverbänden aus Museen die ersten Kulturorte, die wie
infektionsmittel, an Erfahrungen im gereicht werden, da sie die Bedarfe des der öffnen konnten und sicher auch
Umgang mit einer Krankheit, die bei jeweiligen Feldes kennen und über Er wieder können. Hier werden die wich
vielen Menschen einen schweren Ver fahrungen in der Mittelvergabe ver tigen Erfahrungen gesammelt, die hof
lauf nimmt, bei einigen sogar zum fügen. fentlich den Kultureinrichtungen, die
Tode führt. Inzwischen ist es eher der Mit dem Programm NEUSTART erst später öffnen dürfen, wie den The
gefühlt ewig dauernde Lockdown, der KULTUR hat Kulturstaatsministerin atern, Konzerthäusern und Kinos, zu
an den Nerven zerrt und zehrt. Monika Grütters die Idee des Deut gute kommen werden.
schen Kulturrates aufgegriffen. Das
Ein Jahr Krisenmodus Programm beinhaltet vier Programm Herausforderung Kultur-
linien: finanzierung
Für den Deutschen Kulturrat war und pandemiebedingte Investitionen,
ist die CoronaPandemie eine Ausnah Stärkung der Kulturinfrastruktur, Die größte Herausforderung für die
mesituation. Sie kann mit den Wor alternative, auch digitale Kulturan nächsten Jahre, nach dem Sieg über
ten „ein Jahr Krisenmodus“ zusam gebote, das Virus, ist die Sicherung der Kul
mengefasst werden. Gleich zu Beginn Kompensation pandemiebedingter turfinanzierung. Der Schuldenberg zur
der Pandemie haben wir uns dafür stark Einnahmeverluste und Mehrbedar Bewältigung der Krise ist gigantisch, er
gemacht, dass nicht nur die gewerbliche fe bei bundesgeförderten Häusern muss wieder abgetragen werden. Leider
Wirtschaft bei möglichen Hilfsmaß und Projekten. ist die Kulturfinanzierung als soge
nahmen in den Blick genommen wird, Inzwischen wird das Programm mit nannte freiwillige Leistung der öffent
sondern auch der gemeinnützige Sektor einem Gesamtetat von zwei Milliarden lichen Hand, ein beliebter Einsparungs
mit seinen vielen Vereinen und Stif Euro in mehr als 60 Einzelprojekten bereich. In verschiedenen Kommunen
tungen, die auch für den Museumsbe von verschiedenen Verbänden und wurden bereits Einschnitte in der Kul
reich konstitutiv sind. Es ging und geht Fonds umgesetzt. Museen konnten an turfinanzierung angekündigt. Verbun
nach wie vor darum, Arbeitsplätze zu verschiedenen Programmen partizipie den mit geringeren Eigenmitteln aus
sichern und freiberuflich Tätigen den ren wie z. B. der Unterstützung pande Eintrittsgeldern kann eine Abwärts
Zugang zuerst zu Soforthilfen und miebedingter Investitionen in Museen, spirale entstehen, die aufgehalten wer
dann zur November und Dezember der Ausweitung des Programms muse den muss.
hilfe bzw. der Überbrückungshilfe zu um4punkt0, dem Programm Kulturge Der Deutsche Kulturrat wird daher
ermöglichen. Weiter war von zentraler meinschaften der Kulturstiftung der mit allen Kräften für die Sicherung der
Bedeutung, dass zuerst der Bund und Länder. Viele Programme waren rasch Kulturfinanzierung von Bund, Län
später auch die Länder flexibel mit überzeichnet und die erste Milliarde dern und Kommunen eintreten.
zugesagten Fördermitteln umgehen. reichte nicht aus. Es ist sehr positiv,
dass in diesem Jahr eine weitere Milli
Foto: Jule Roehr
NEUSTART KULTUR arde für das Programm NEUSTART
KULTUR zur Verfügung gestellt wur
Schon im März des letzten Jahres hat de. Im Rahmen dieser Aufstockung ist
sich der Deutsche Kulturrat für einen der Kultursommer 2021 geplant. Er
Kulturinfrastrukturfonds eingesetzt. soll ermöglichen, dass in den Städten
Es war klar, dass die bestehenden In und Kommunen gemeinschaftlich ge
strumente, die sich vornehmlich an zeigt wird, wie viel Kultur vor Ort
Unternehmen richten, nicht ausreichen dann hoffentlich wieder da sein wird. Olaf Zimmermann ist Geschäftsführer des
würden die Not im Kulturbereich zu Deutschen Kulturrates;
bekämpfen. Mit dem Kulturinfrastruk Öffnungsperspektiven o .zimmermann@kulturrat .de .
turfonds sollte die kulturelle Infra
struktur gerettet werden, damit in der Neben den Programmen macht sich Weitere Informationen:
Pandemie das kulturelle Leben in ver der Deutsche Kulturrat für die Öff www .kulturrat .de, www .neustartkultur .de
ICOM Deutschland – MIt te Ilung e n 2021 |7Ak tue lles
Museen in Frankreich:
geschlossen. Wie lange noch?
Frankreich ist bekanntlich ein zentralisiertes Land. So liegt auch die Kultur im Zu-
ständigkeitsbereich der nationalen Regierung – vor allem in Zeiten einer Pandemie.
War das etwa von Vorteil für die Museen? Ein Rückblick auf ein Jahr in dem (fast)
alles anders war.
Juliette Raoul-Duval
Mehr als 200 Tage ohne Museen. In Frankreich sind grund noch nicht abgelöst, in Erwartung der alles entscheidenden,
sätzlich alle Museen geschlossen, ob städtisch oder länd aber verschobenen Stichwahl.
lich, ob groß oder klein, ob privat oder öffentlich, es trifft Die Schließung aller Museen kam nicht völlig überra
sie alle. Hier werden politische Entscheidungen auf natio schend. Die meisten Museen, insbesondere die 1.220 mit
Bild: ICOM France
naler Ebene getroffen. Die Tore wurden am 16. März 2020 dem Label „Musée de France“ registrierten Museen, sind
geschlossen, vom 18. Mai bis 30. Oktober wieder geöffnet, öffentliche Einrichtungen und ihre Mitarbeiter gehören dem
seitdem erneut geschlossen. öffentlichen Dienst an bzw. sind verbeamtet. Ihnen gewäh
Von Anfang an griff das System der sozialen Absicherung ren die Maßnahmen der Regierung einen besonderen Schutz:
à la française in vollem Umfang mit dem Versprechen, das Rund 500 Millionen wurden für den Bereich des kulturel
Fortbestehen des Einkommens zu sichern, zur Not auch len Erbes freigegeben, ein Betrag, der im Verlauf der Pande
mit staatlicher Unterstützung – „koste es, was es wolle“ mie mehrmals angepasst wurde.
(quoiqu’il en coûte), so der berühmte Spruch des Präsiden Allerdings darf man die Unsicherheit der privat geführten
ten Macron. Die Maßnahmen werden an höchster Stelle Museen, deren (freien) Mitarbeiter und Lieferanten / Dienst
des Staatsapparates beschlossen und verkündet, sie gelten leister auch nicht unterschätzen. Vermittler und Museums
einheitlich für alle Regionen und Landkreise – auch das pädagogen, Restauratoren, Ausstellungsgestalter und viele
ein Merkmal des französischen Verwaltungsmodus. mehr befanden sich plötzlich in einer sehr prekären Lage.
Kommunalpolitiker, Abgeordnete und territoriale Volks Die staatliche Unterstützung richtete sich primär an die
vertreter verlangten regional differenzierte, der „Inzidenz- Museen, die sich wiederum dafür einsetzten, ihren freien
Geografie“ angepasste Maßnahmen. Allerdings war der Mitarbeitern und Lieferanten trotz Schließung eine gewisse
Kontext zur Umsetzung dieser Forderung ungeeignet: Der Beschäftigung und somit ein gewisses Einkommen zu si
erste strenge Lockdown (confinement) begann buchstäb chern. Denn für Besucher geschlossen heißt nicht, dass nicht
lich am Tag nach den Kommunalwahlen. Das Festhalten gearbeitet wird. Das Kulturministerium hatte ausdrücklich
am ersten Wahlgang Mitte März wurde heftig diskutiert. dazu aufgerufen, die Kontinuität der Programmierung auf
Der zweite Wahlgang wurde auf unbestimmte Zeit verscho rechtzuerhalten, sofern dies im Homeoffice und mit „Dis
ben – er fand schließlich am 28. Juni statt – was das gesamte tanzarbeit“ möglich war.
Land in eine sonderbare Situation brachte: Eine Vielzahl Im Rückblick auf dieses ganze Jahr der Pandemie lassen
von (Ober-)Bürgermeistern hing in der Luft, weder gewählt sich sieben für die Museen relevante Abschnitte skizzieren:
noch geschlagen, nicht mehr rechtmäßige Amtsinhaber aber
Resilienz und Vorfreude auf die Zeit danach
16. März bis 18. Mai 2020: erste Schließung der Museen.
In ganz Frankreich legen die Museumsmitarbeiter großen
Wert darauf, mit Vernunft und Verantwortung zu han
deln. Unter den widrigsten Umständen gilt es, unbedingt
weiter zu bestehen: Man entscheidet sich zur Resilienz. Die
sozialen Medien laufen auf Hochtouren, virtuelle Führun
gen und Workshops sprießen geradezu auf den Webseiten,
Foto: MAD, Florence Bertin
die Schätze der Vermittlungs- und kulturellen Programmen
werden allen zugänglich gemacht. Sie finden umso schnel
ler ihr Publikum, da sie überwiegend für Schulklassen ge
dacht waren – die Schüler und deren Eltern sind im Lock
down alle zu Hause.
Trotz der anfänglichen Schockstarre – oder vielleicht ge
Eingehüllte Exponate des Musée des Arts Décoratifs, ganz ohne rade deswegen – und obwohl sie ihren Stellenwert durch
Besucher. den unglücklichen, auf ministerialer Ebene immer wieder
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Eine Reihe von Zoom-Meetings rund um die „Solidarität“ als ICOM Solidarity Project.
verwendeten Ausdruck der „nicht-systemrelevanten Akti staltung in eine ganze Reihe bis zum Ende der Pandemie
vität“ geschwächt sehen, versuchen die Museen, sich das fortzuführen, das damals für September 2020 erhofft war.
Leben danach auszumalen. Die einen machen sich Sorgen, Dieser Optimismus spiegelt sich auch im Titel der Veran
die anderen können die Zeit danach kaum erwarten, eine staltungsreihe wider: „Réouvertures, où en êtes-vous ?“,
Zukunft, die sich aufs Wesentliche konzentriert und so zu deutsch „Wiedereröffnung: wie weit sind Sie?“.
mit nur besser sein kann als vorher: weniger Produktivi
tätsdrang, vernünftigerer Ausstellungsturnover, weniger Wiederaufnahme des Tagesgeschäftes
Zwang auf Blockbuster-Ausstellungen …
Schon Ende März hat sich ICOM Frankreich als Sprach 18. Mai 2020: die Museen dürfen wieder öffnen. Einige
rohr all dieser Initiativen etabliert, unter anderem mit einer sind bereit, die meisten aber müssen zuerst das vom Mini
Presseschau, die frei zugänglich auf seiner Webseite ge sterium vorgegebene Protokoll in einen Wiedereröffnungs
pflegt wird. Zudem beschäftigt sich das Komitee intensiv plan umsetzen: sanitäre Protokolle, maximale Besuchs
mit der Nachbereitung des Symposiums der nationalen und zahlen, Empfang der Besucher, Sicherheit der Mitarbeiter,
internationalen ICOM-Komitees zur Museumsdefinition, Homeoffice und dergleichen, alles wird geplant, ausgear
das gerade „rechtzeitig“ am 10. März in Paris stattfand. beitet, mit den Gewerkschaften ausdiskutiert, ausprobiert.
Nach der Präsenzveranstaltung wird die Zusammenarbeit Indes wird die „Wiedereröffnungs“-Reihe zum ersehn
mit den Partnerkomitees, darunter ICOM Deutschland, ten Treffpunkt der ICOM-Frankreich-Gemeinschaft, ein
auf Distanz fortgeführt, die Diskussionen werden transkri mal im Monat ein Moment zum Aufatmen und Kraft
biert, übersetzt und als Symposiumsband online veröf schöpfen. Das Thema der für den 25. September geplanten
fentlicht. Jahrestagung wird angepasst: „Und jetzt: Wiederaufbau.
Das Museum der Zeit danach“ (Et maintenant, reconstruire.
Von „Präsenz“ zu „Distanz“ Le musée d’après) ist das neue Motto. Das Format wird
zuerst als hybride Veranstaltung geändert, um schließlich
Zwei neue Begriffe finden ihren Einzug in den allgemeinen doch nur online stattzufinden. Straßburg gilt nun als Risi
Wortschatz: „présenciel“ vs. „distanciel“, vor Ort vs. auf kogebiet, entsprechend sind Präsenzveranstaltungen unter
Distanz (zumeist online). Arbeiten im Homeoffice wird zur sagt. Die vorgesehenen Museumsbesuche in Karlsruhe
Pflicht, beinahe ohne Regelungen und ohne die nötigen fallen ebenfalls aus. Zum ersten Mal muss die Mitglieder
„Werkzeuge“. Doch die Zeit drängt, in wenigen Wochen hat versammlung online stattfinden.
man sich mit der „Distanzarbeit“ (télétravail ist der geläu Die Besuchszahlen der Museen, die geöffnet haben, fallen
fige französische Begriff) auf verschiedensten Plattformen sehr unterschiedlich aus. In den großen Museen der Groß
vertraut gemacht und das Arbeitsrecht angepasst. städte, die nun ohne Touristen auskommen müssen, ist der
ICOM Frankreich hört weiterhin zu und nimmt die Not Besucherrückgang erschreckend hoch: -70 Prozent im
seiner Mitglieder wahr. Im Mai wird ein virtuelles Treffen Louvre oder im Musée d’Orsay. Andere Museen, insbeson
angeboten, nicht ahnend, dass diese Initiative derart ein dere außerhalb von Paris und Umgebung, stehen deutlich
schlagen würde. Von überall her melden sich die Mitglie besser da, sie haben die Besuchszahlen von vor der Schlie
der an, um sich zu beteiligen. Das Bedürfnis, sich auszutau ßung wieder erreicht oder manchmal sogar übertroffen. Die
schen, miteinander in Kontakt zu bleiben, ist immens. ICOM Erklärung liegt auf der Hand: Die lokale Bevölkerung blieb
Frankreich beschließt umgehend, diese einmalige Veran während der Sommerferien zu Hause, statt zu verreisen.
ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021 |9Ak tue lles
Foto: Onasill-Bill (CC BY-NC-SA 2.0)
In der Galerie der
Etruskischen und
Römischen Antike im
Louvre sehnen sich
die Statuen nach der
Zeit, in der sie von
Besuchern umgeben
waren.
Weltweit beginnt man langsam, das Ausmaß der Krise Die Ernüchterung: von Resilienz zu Solidarität
zu erfassen. Aus den von ICOM und NEMO durchgeführ
ten Befragungen geht hervor, dass 13 Prozent der amerikani 30. Oktober: die Pandemie facht wieder auf, die erneute
schen Museen möglicherweise nie wieder öffnen werden. Schließung lässt den Traum einer besseren Zukunft ver
Einige Regionen der Welt trifft es besonders hart. In Fran blassen. In den Museen tun sich die Teams schwer, die
kreich wird erst wirklich klar, wie wichtig die soziale Absi vorgegebene Richtung zu halten. Kaum geöffnet müssen
cherung ist – und sei sie ansonsten wegen ihrer hohen Ko die Herbst-Ausstellungen gleich wieder schließen, überall
sten noch so verschrien. wird heftig um Verlängerung der Leihgaben gerungen. Die
Oktober neigt sich dem Ende zu, man denkt immer noch, Zeit der Resilienz ist vorbei, nun heißt es zusammenhalten,
einer zweiten Welle zu entkommen. Die Ausstellungen für um durchzuhalten. Solidarität ist Trumpf.
den Herbst sind bereit. ICOM Frankreich plant das letzte ICOM Frankreich greift diesen Begriff der Solidarität auf
Zoom-Treffen der „Wiedereröffnungs“-Reihe. Schon be und richtet einen neuen Zyklus von monatlichen Zoom-
mühen sich etwa das MUCEM (Marseille) oder die Straß Treffen mit erweitertem, internationalem Radius ein. Zu
burger Museen um das Anlegen von Sammlungen von Ob sammen mit den nationalen Komitees von Griechenland,
jekten und Zeugnissen dieser seltsamen Zeit. Finnland und Israel sowie dem internationalen Komitee
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CIMUSET wird ein Antrag auf Förderung durch die ICOM dagogen oder Psychiater berichten über die Ratlosigkeit der
Solidarity Projects eingereicht. Die Finanzierung der Simul Bürger, die um ihre Kulturstätten und um ihre sozialen
tanübersetzung der Diskussionen in den drei ICOM Ar Kontakte beraubt sind.
beitssprachen wird damit gebilligt. Von den zehn vorgese Die Unterzeichner des Appells werden von der Ministe
henen Terminen haben vier bereits stattgefunden und jeweils rin empfangen.
bis zu 280 Teilnehmer (zzgl. rund 350 Ansichten der Auf Zur Vorbereitung eines zweiten Termins im Ministe
zeichnungen) aus 30 unterschiedlichen Ländern verzeichnet. rium am 12. Februar führt ICOM Frankreich zwei Umfra
Die Hoffnung auf eine erneute Öffnung der Museen wird gen durch: Die institutionellen Mitglieder werden gefragt,
immer wieder in den Medien aufgegriffen sowie von den ob sie für eine Eröffnung bereit seien, während die euro
Politikern und Entscheidungsträgern hervorgerufen. Schließ päischen Nationalkomitees gebeten werden, über die Lage
lich wurde oft genug bewiesen, dass die Ansteckungsge in deren Ländern zu berichten. Doch weder der Vergleich
fahr in Museen recht niedrig sei. Die Mitarbeiter stehen be mit den Nachbarländern, noch die Einschätzung der Ri
reit. Ein Datum zeichnet sich ab: der 15. Dezember. Alles ist siken, nicht einmal die eigene Überzeugung der Ministerin
vorbereitet. („mir blutet das Herz“) bringen den Durchbruch.
18. März 2021: der dritte Lockdown beginnt, die Mu
Ein herber Rückschlag am 15. Dezember seen bleiben geschlossen. Ohne jegliche Perspektive.
Die gesamte Museumswelt hört dem Premierminister auf Der zögerliche Versuch einer territorial differenzier
merksam bei der Liveübertragung seiner Rede zu und ver ten Handhabung
nimmt entsetzt, dass Kaufhäuser, Kultstätten oder Ein
kaufszentren öffnen dürfen … nicht aber die Museen! Einige Oberbürgermeister beschließen, ihre städtischen
Alle bleiben geschlossen, überall in Frankreich, was auch Museen trotzdem zu öffnen. Auf sofortigem Druck des
immer sie für Maßnahmen und Protokolle ausgearbeitet Staates mit dem Hinweis auf die möglichen Kollateralschä
haben. Heftige Diskussionen entfachen erneut über die Klas den – Begegnung der Gruppen vor und nach dem Besuch,
sifizierung mancher Geschäfte als systemrelevant oder eben Treffen von Freunden, Ansammlungen und dergleichen –
nicht. Man ist erbost, dass ausgerechnet im Land der Laizi muss dies umgehend rückgängig gemacht werden. Doch
tät die Kultstätten öffnen dürfen, Kulturstätten dagegen sind diesmal die Regeln des neuen Lockdowns zeitweilig
nicht. Es herrscht Unverständnis darüber, dass ausgerech nicht mehr national einheitlich, sondern nach Regionen dif
net im Land, in dem die „kulturelle Ausnahme“ geprägt ferenziert. Öffnet sich damit ein Fenster für eine regionale
wurde, die nicht gewinnbringenden Einrichtungen ge Verwaltung der Kultur? Wünschenswert wäre es.
schlossen sind, die Einkaufstempel dagegen offen sind. Die
Museumsmitarbeiter, die sich bis dahin sehr stark für die Juliette Raoul-Duval ist freie Beraterin für Museumsmanagement
Gemeinschaft engagiert hatten, fühlen sich missachtet. „Was und Präsidentin von ICOM Frankreich; presidence@icom-musees.fr.
muss man ihnen denn antun, damit sie reagieren?“, so der
verzweifelte Ausruf von Michel Guerin in seinem Leitarti Weitere Informationen:
kel in der Zeitung le Monde. www.icom-musees.fr
16. Dezember: ICOM Frankreich bittet um ein Gespräch
mit der Kulturministerin und wird von ihrem Kabinett am
Bild: Ministère de la Culture
21. Januar empfangen. Zwar hat die Ministerin Roselyne
Bachelot bereits ein offenes Ohr für Museen („die Museen
werden die ersten Kultureinrichtungen sein, die wieder öff
nen können“), doch versucht man, sie von der Dringlich
keit zu überzeugen: Viele Museen mögen derzeit vom
Staat geschützt sein, andere jedoch ringen um ihre Ar
beitsplätze und um ihre Einnahmen.
„Das Schlimme ist, wenn kulturelle Einrichtungen als
Ansteckungsorte gesehen werden.“
2. Februar 2021: Emma Lavigne, Direktorin des Tokyo- „Culture chez nous“ (Kultur bei uns zu Hause) ist ein Portal des Kul-
Palastes, und 113 weitere Unterzeichner legen in einem Ap turministeriums auf dem Museen und andere Kultureinrichtungen
pell die Weichen der Debatte. Die Museen, aber auch die ihre digitalen Angebote zugänglich machen können.
Presse, die allgemeine Öffentlichkeit, die Kollegen aus dem
Ausland und mittlerweile auch viele Wissenschaftler hin
terfragen die herrschende Politik. Mehrere Untersuchungen,
darunter von der TU Berlin oder vom Institut Pasteur, be
stätigen das geringe Ansteckungsrisiko in den Museen.
Jean-Francois Delfraissy, Sprecher des wissenschaftlichen
Rates, der den Präsidenten zur Pandemiebekämpfung berät,
bestätigt es: „Kultureinrichtungen gehören zu den risiko
armen Aktivitäten“ (le Monde, 18.03.21). Soziologen, Pä
ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021 | 11Ak tue lles
ICOM Niederlande – 2020: Ein Jahr der
Krise und der Initiativen
In den Niederlanden sind viele Museen stärker von den eigenerwirtschafteten Ein-
nahmen abhängig. Umso härter trifft sie die pandemiebedingte Schließung. Noch
lange kein Grund zum Verzweifeln, meinen unsere Nachbarn, denn mit jeder Krise
entstehen auch Chancen und Möglichkeiten, sich neu zu erfinden. So ist beispiels-
weise die Digitalisierung in kürzester Zeit weit vorangeschritten.
Diederik von Bönninghausen
Die Pandemie hat tiefgreifende Auswirkungen auf den
Niederländischen Museumsbereich. Die Museen mussten
ihre Tore für Besucher schließen, einige davon endgültig.
Manche Kollegen haben ihre Stelle verloren, eine ganze
Generation von Schulkindern wächst heran, ohne unsere
nationalen Schätze sehen zu können. Andererseits haben sich
die Museen intensiv damit beschäftigt, sich neu zu erfin
den und digital präsenter zu sein. Die Wertschätzung der
Kultur ist in der Bevölkerung wieder gestiegen. In dieser
Zeit verzeichnete ICOM Niederlande einen deutlichen Mit
gliederzuwachs und konnte seinen Service erweitern.
Schließen, öffnen, schließen: Die Museen haben es
schwer
Als sich das Virus Anfang 2020 verbreitete, mussten die
Museen schließen, wie auch der größte Teil des gesellschaft
lichen Lebens. Beihilfen des Staates wurden zunächst für
Unternehmen eingerichtet, später auch für Kultureinrich
tungen. Insgesamt ist der Betrag zur Unterstützung des
kulturellen Sektors – sowohl für Einrichtungen als auch
Foto: Arja van Veldhuizen
für Selbständige, da Freiberufler die niederländische Kul
turlandschaft stark prägen – recht hoch.
Unter den ersten Einrichtungen, die im Sommer wieder
öffnen durften, gehörten die sogenannten „1,5 m-Museen“,
die den Besucherstrom dynamisch steuern können. Den
noch mussten sie im Winter während des zweiten und drit
ten Lockdowns wieder schließen, was ihre Zukunftsaus Aufrüsten: Neu installierte Desinfektionsmittelständer und Bänder,
sichten eindeutig trübte. um den Weg deutlich zu markieren. Das Provisorium wird zum
Die kontinuierliche Kürzung der staatlichen Zuschüsse Dauerzustand.
in den letzten 10 –15 Jahren führte zur Entwicklung eines
neuen Betriebsmodells, das auf Einnahmen aus Eintritten,
Café, Shop, Events und Sponsoring beruht. Der Anteil an
eigenerwirtschafteten Mitteln übersteigt die 50 % im gesam Die Ergebnisse dieser Umfragen werden eingesetzt, um den
ten Museumssektor. Genau das entpuppte sich als Achilles Druck auf die lokalen und nationalen Behörden zu erhöhen.
ferse für die Museen. Einige mussten den Betrieb komplett
einstellen, die meisten mussten die Anzahl der (freien) Mit Frühjahr 2021: immer noch geschlossen
arbeiter reduzieren – ein harter Schlag für viele Freiberuf
ler. Auch der weit verbreitete Einsatz von Ehrenamtlichen Anfang 2021 legt der Lockdown große Teile der Gesell
stellte die Museen vor Herausforderungen, da viele von ih schaft weiterhin lahm, die Museen sollen bis zum 1. April
nen aus Angst um ihre eigene Gesundheit den Dienst im geschlossen bleiben. Deren Argument, sie böten ihren Be
Museum verweigerten. suchern einen sicheren Ort ohne erhöhtes Ansteckungsri
Sowohl ICOM als auch der Niederländische Museums siko, wird zurzeit in einigen Pilotprojekten auf den Prüf
verband haben Befragungen ihrer Mitglieder durchgeführt. stand gestellt. Selbsttests und Corona-Apps sollen dabei
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Foto: Arja van Veldhuizen
Fußabstreifer „Schön, dass ihr zurück seid!“, der zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown gute Dienste geleistet hat.
unterstützen, diese sind jedoch noch nicht flächendeckend Blockbuster-Ausstellungen entfachte schon vor Ausbruch
erhältlich. Da die Impfkampagne vorläufig nur einige Grup der Pandemie: Sollte nicht die gesellschaftliche Rolle der
pen der Bevölkerung betrifft, wird es noch Monate dau Museen Vorrang haben, statt immer nur die höchstmög
ern, bis ausreichend viele Menschen einen Impfschutz er lichen Besuchszahlen anzustreben und auf den internatio
halten haben werden. nalen Tourismus zu setzen? Museen hatten bereits begon
Doch besteht Hoffnung auf eine baldige Öffnung der nen, sich verstärkt an die lokalen Communities zu richten.
Kultureinrichtungen, somit auch der Museen. Mitte April Dieser Trend wird sich sicherlich fortführen, zum einen,
startet ein Pilotprojekt, in dem Monumente, Tiergärten, weil es noch lange dauern wird bis der Tourismus wieder
Konzertsäle sowie Museen für drei Tage ihre Tore öffnen anzieht, zum anderen, weil die Menschen die Vorzüge ihrer
werden. Besuchen darf sie, wer einen negativen Test vor eigenen Region wiederentdeckt haben, was den Reiz einer
weisen kann und sich vorab die Eintrittskarte online be Auslandsreise vorerst reduziert. Sowohl die Museen als
stellt hat. Wir gehen davon aus, dass zumindest die Museen auch die Bevölkerung nehmen den kulturellen Reichtum
damit belegen können, wie gut sie für den verantwortungs immer mehr wahr, der in Depots und Ausstellungen um
vollen Umgang mit ihren Besuchern geeignet sind. die Ecke aufbewahrt wird.
Währenddessen wird die staatliche Unterstützung für Ferner bietet der Ausfall der Besucher Anlass zum „Blick
Museen fortgeführt, allerdings sind nicht alle Museen dazu nach Innen“. Die Gelegenheit ist günstig, Verbesserungen
berechtigt. Die Umstrukturierungen und der Stellenabbau einzuführen, Abläufe zu digitalisieren, Online-Angebote
dauern an. Der Museumsverband und weitere Einrichtungen zu entwickeln, Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und
wollen die Durchführung der Pilotprojekte und die frühere dergleichen.
Öffnung der Museen durch Lobbyarbeit durchsetzen. Die private Förderung der Kultur ist in den Niederlan
den eine alte, fest verankerte Tradition. Derzeit weiten die
Chancen entstehen privaten Stiftungen und der Staat ihre Förderungen aus.
Dabei verschiebt sich der Fokus von den großen Ausstel
Der Museumsbereich sprüht gerade vor Kreativität, was lungen oder prestigevollen Restaurierungen auf innovative
sich von Anfang an als sehr nützlich erwies. Museen ha Projekte und auf die Unterstützung der Digitalisierung. Da
ben sich erfolgreiche neue Wege ausgedacht, ihre Besucher mit helfen sie den Museen, sich mit neuen Arbeitsmethoden
auch aus der Ferne zu begeistern. Die Digitalisierung und und Ausstellungen auf die Zeit der neuen Öffnung vorzu
Online-Angebote haben in der Zeit riesige Fortschritte ge bereiten.
macht. Ausstellungen, Vermittlung, Events aber auch Er Allerdings bleibt vieles noch ungewiss. Museen gehen
öffnungen sind nun online übertragbar, Museen organisie von einem länger andauernden starken Rückgang der Be
ren Workshops und Webinare für Kollegen und Besucher. suchszahlen aus, der Auswirkungen auf ihre Aktivitäten
Doch wird durch solche Aktivitäten kaum Einkommen und auf die Beschäftigung in diesem Bereich haben wird.
generiert, was ihre Nachhaltigkeit in Frage stellt. Freie Mitarbeiter und Ehrenamtliche werden anstelle von
Der Trend zur Digitalisierung der Museumsaktivitäten festen Verträgen wohl noch häufiger als vor Ausbruch der
ist nicht neu. Auch die Diskussion um den Stellenwert der Pandemie eingesetzt werden.
ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021 | 13Ak tue lles
Besondere Corona-Beschilderung
Kreativität und Erfindungskraft sind entscheidend für
das Fortbestehen des gesamten Museumsbereiches. Aktive
(internationale) Netzwerke können unterstützen und för
dern den Austausch.
ICOM Niederlande
Der Mitgliederzuwachs von ICOM Niederlande zeigt, wie
Foto: Arja van Veldhuizen
wichtig es ist, Teil eines internationalen Netzwerkes zu sein.
In 2019 waren es 5.447, in 2020 6.124 Mitglieder. Aus
tritte aufgrund der stark eingeschränkten Nutzungsmög
lichkeiten der Karte waren minimal.
ICOM Niederlande hat sich auch 2020 mit der neuen
Museumsdefinition befasst, die in unserem Land ein heiß
diskutiertes Thema ist. Zusammen mit dem Niederländi Ein ausgeklügeltes System: hängt ein Türschild am Haken, heißt es
schen Museumsverband und weiteren Organisationen hal „Raum besetzt, bitte warten“. Hängt keines, heißt es „Raum ist frei,
ten wir unsere Mitglieder informiert und haben deren bitte eintreten“.
Rückmeldungen durch Umfragen gesammelt. Online-Work
shops sind ab dem Frühjahr 2021 geplant. Als zentrale An
laufstelle will ICOM Niederlande ein koordiniertes Mei
nungsbild seiner Mitglieder ausarbeiten, das als nationaler Förderbudget erhöht und erweitert haben: Was früher für
Beitrag in die internationalen Diskussionen um die Muse Reisebeihilfen zur Verfügung stand, kann nun auch für
umsdefinition und die Ethischen Richtlinien einfließen soll. weitere Initiativen unserer Mitglieder genutzt werden, wie
Zwei Vorstandsmitglieder gestalten diese Prozesse. etwa Forschung und Kooperationsprojekte mit dem ICOM-
Wie auch die Museen hat ICOM Niederlande die eigenen Netzwerk. Zudem haben wir unseren Mitgliedern die Teil
Strukturen und Arbeitswege überdacht. Grundlage dafür ist nahme an einem Zwei-Tages-Kurs zur „Arbeit in einem
der 3-Jahres-Strategieplan, der während der digitalen Mit internationalen Kontext“ ermöglicht, was zur Verbesse
gliederversammlung im Herbst 2020 verabschiedet wurde. rung ihrer internationalen Kompetenzen beigetragen hat.
Da der Vorstand ehrenamtlich arbeitet, müssen für bestim Unser Ziel ist es stets, unsere Mitglieder dazu anzure
mte Tätigkeiten vermehrt externe Aufträge erteilt werden. gen, sich in den internationalen Netzwerken und Commu
Eine neue, vielversprechende Mitgliederdatenbank wur nities einzubringen. Die Karte mag den freien Eintritt ge
de eingerichtet. Nun haben wir einen besseren Überblick währen, aber viel wichtiger ist, dass sie eine Möglichkeit
über unsere Mitglieder, die in den Vorständen der interna zur Vernetzung schafft.
tionalen Komitees aktiv sind. Das Kommunikationskon
zept wurde ebenfalls überarbeitet, was ab Mitte 2021 in der Diederik von Bönninghausen ist Vorsitzender von ICOM Niederlande;
neuen Webseite zu sehen sein wird. president@icomnederland.nl.
Wir verstehen uns als eine Organisation, die viel mehr
kann, als nur eine Karte zu verwalten. So haben wir den Weitere Informationen:
Service für unsere Mitglieder verbessert, indem wir das www.icomnederland.nl
14 | ICOM Deutschland – Mit te ilung e n 2021Sie können auch lesen