Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Von Patient zu Patient

                     Myelodysplastische
                     Syndrome (MDS)

                              Empfehlungen und Hinweise zum
                              Umgang mit der Erkrankung
Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Die Patienten                                         4

Inhalt
         Umgang mit der Diagnose                               8
         Die Mitteilung an Freunde, Familie und Umfeld        18
         Zugang zu ­hilfreichen I­nformationen                26
         Auswahl des Arztes/Klinikums                         28
         Einflussmöglichkeit auf ­Behandlungsentscheidungen   31
         Umgang mit Schwankungen der Laborwerte               35
         Erfahrungen während der Behandlung                   40
         Partnerschaft                                        48
         Rückkehr in den Alltag                               53
         Sorge vor ungünstigem Verlauf                        58
         Umgang mit der Endlichkeit des Lebens                61
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Die Patienten

                    Claus K.                                                                                                      Bergit K.                                                                    Edith B.
                    Jahrgang 1957, ältester Spross       Spanien gelebt und gearbeitet).       für mich ein Weckruf, noch acht-   Im Februar 2006, an meinem 49.         stets die Hoffnung. In diesem         Ich bin Jahrgang 1948. Ich lebe
                    einer norddeutschen Bauernfa-        Ich lebe seit meiner Rückkehr al-     samer zu leben und das Wunder      Geburtstag erhielt ich meine MDS-      Sommer musste ich in Pension ge-      mit meinem Lebensgefährten
                    milie. Schwul. Erlernter Beruf:      lein, aber im gleichen Haus wie ei-   des Lebens noch stärker wertzu-    Diagnose. Seit fast sechs Jahren       hen, arbeite aber an einem Tag in     seit einigen Jahren zusammen.
                    Buchhändler. Verwitwet seit          nige meiner besten Freunde. Sie       schätzen als zuvor.                lebe ich nun damit. Es gibt dunkle     der Woche weiter für meinen ehe-      Zu meinen engsten Vertrauten
                    1994. Praktizierender Buddhist       unterstützen mich, wo immer sie                                          und helle Stunden. Die hellen über-    maligen Arbeitgeber. Außerdem         gehört auch mein Sohn und des-
                    seit 1997. Mitglied bei den Grü-     können, ebenso wie meine Fami-                                           wiegen, ja wirklich, das tun sie!      bin ich in verschiedenen Patien-      sen Familie, die allerdings über
                    nen. Hobbys: Pflanzen, Fotogra-      lie. MDS zwang mich, meinen Le-                                          Nach anfänglichem Schock bin ich       ten-Vereinen und Verbänden „ge-       300 km von mir entfernt wohnt.
                    fie, Meditation. MDS-Diagnose        bensstil radikal zu vereinfachen,                                        über die Jahre in die Krankheit hin-   gen MDS“ unterwegs und möchte         Die Diagnose MDS wurde im Ap-
                    im Sommer 2007, kurz nach            allein schon aus Mangel an Geld                                          eingewachsen. Obwohl sich mein         eine Selbsthilfegruppe in der Regi-   ril 2008 gestellt. Begreifen konn-
                    meinem 50sten Geburtstag und         und Kraft. Das finde ich gut: Sich                                       Zustand verschlechtert hat und         on Göttingen aufbauen. Ich habe       te ich eine solche Diagnose
                    kurz nach meiner Rückkehr nach       auf Wesentliches zu konzentrie-                                          auch weiter verschlechtern wird,       zwei erwachsene Söhne und einen       nicht, denn ich war sportlich ak-
                    Berlin (seit 1999 hatte ich zuerst   ren, statt kostbare Lebenszeit zu                                        bin ich nicht bereit einfach aufzu-    Mann, die mich unterstützen. Da-      tiv und glaubte, mich immer ge-
                    in Großbritannien und danach in      verplempern. Die Diagnose war                                            geben. Zur Traurigkeit gesellt sich    für bin ich dankbar.                  sund ernährt zu haben.

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Die Patienten

                    Wolfgang H.                         Daniela M.                                                            Ute S.                                                                     Petra M.
                    1940 geboren, Abitur, Kunststu-     Ich bin 56 Jahre alt. Die Diag-    befand. Familie, Freunde, kompe-   Ich habe gerade meinen 68. Ge-       verkraften. Zurzeit bekomme ich       Ich bin 45 Jahre, lebe mit mei-
                    dium, verschiedene Berufe aus-      nose MDS wurde bei mir im          tente Ärzte, Schwestern und        burtstag gefeiert. Ich bin verhei-   eine neue Therapie, und ich hoffe,    nem Mann und Sohn Martin (11)
                    geübt, verheiratet. Drei Kinder,    Mai 2010 gestellt. Danach ging     Pfleger haben mich während der     ratet. Wir haben keine Kinder,       dass es bald wieder bergauf geht.     in Leutkirch im Allgäu. Von Beruf
                    fünf Enkelkinder und in der         alles relativ schnell – die Vor-   Wochen in der Uniklinik und in     dafür aber einen Hund. Das           Unser gemeinsames Hobby war           bin ich Schneiderin. Meine Hob-
                    Zwischenzeit 71 Jahre alt. Die      untersuchungen für eine allo-      den Monaten danach unter-          heißt, wir müssen bei Wind und       Reisen. Leider können wir dies        bys sind Tennis, Wandern und
                    Diagnose MDS erhielt ich 1996.      gene Stammzelltransplantation      stützt. Es geht mir inzwischen     Wetter raus an die frische Luft.     nicht mehr so richtig planen.         Radfahren. Ich lese viel und ar-
                    Richtig ernst genommen habe         wurden ambulant durchgeführt       wieder gut, ich kann ein norma-    Das hat sich auch positiv auf        Ich besuche zweimal in der Woche      beite gern in unserem Garten.
                    ich die Erkrankung erst vor zwei    und innerhalb kurzer Zeit wur-     les Leben führen und bin dank-     meinen Krankheitsverlauf aus-        Pilates-Kurse, die mir sehr guttun.   Zeitpunkt der Transplantation
                    Jahren, als sie akut wurde. Seit-   de eine 100%ige HLA-identi-        bar für das Glück, das ich trotz   gewirkt. Mein Immunsystem hat        Ich lerne dabei meinen Körper         war der 16.06.2010.
                    dem erhalte ich auch erfolg-        sche Spenderin gefunden. Mein      allem hatte.                       sich stabilisiert.                   besser kennen, fühle mich wohl
                    reich eine medikamentöse The-       Sohn und seine Freundin waren                                         Die Krankheit wurde vor zwei         trotz MDS.
                    rapie.                              für mich da, obwohl er sich ge-                                       Jahren festgestellt. Die Diagnose
                                                        rade mitten im Staatsexamen                                           musste ich mental erst einmal

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Unter welchen U ­ mständen wurde bei
                              ­Ihnen die Diagnose MDS gestellt?
Umgang mit der Diagnose

                              Bergit K. Ich ging wegen anhal-       Nach zwei Wochen bangem War-       Körper Petechien und blaue Fle-      mals in einer ländlichen Region       zunächst einmal in kurzen Ab-        Wolfgang H. Weil seit 1994
                              tender Oberbauchbeschwerden           ten kam die Diagnose MDS mit       cken auftraten, ohne dass ich        im Südosten Spaniens. Hierbei         ständen intramuskuläre B12-In-       Blutproben eine stetige Abnahme
                              zum Internisten, der machte ne-       Trisomie 8. Meine Oberbauchbe-     mich gestoßen hätte, ging ich        stellte sich heraus, dass mit mei-    jektionen. Hoffend, dass sich mein   der Thrombozyten gezeigt haben,
                              ben einer Magenspiegelung ein         schwerden verschwanden übri-       schließlich zum Arzt.                nem Blutbild etwas nicht in Ord-      Blutbild dadurch rasch wieder        erhielt ich 1999 nach einer Kno-
                              Blutbild. Den alarmierenden Be-       gens unbehandelt.                                                       nung war. Allerdings ging man         normalisieren würde. Was aber        chenmarkuntersuchung die Diag-
                              fund „wahrscheinlich eine ernst-                                         Ute S. Die jährliche Kontrolle bei   der Sache nicht wirklich auf den      nicht geschah. Dann untersuchte      nose „MDS im Sinne einer
                              hafte Bluterkrankung“ teilte er mir   Edith B. Aufgrund anhaltender      meinem Hausarzt (Internist) zeig-    Grund. Man empfahl mir lediglich,     man mich auf alle Krankheiten,       refraktären Anämie“.
                              an meinem 49. Geburtstag mit.         Rückenschmerzen wurde durch        te eine Verschlechterung des Blut-   Eisen zu mir zu nehmen und mehr       die das Blutbild sonst noch durch-
                              Ich sollte sofort zur weiteren Ab-    ein MRT eine Knochenmarksver-      bildes. Dies nahm er zum Anlass,     Fleisch zu essen. Im darauf fol-      einanderbringen können. Bis nur      Petra M. Im Oktober 2009 wurde
                              klärung zum Hämatologen. Er           änderung festgestellt, die wahr-   mich an die Universitätsklinik zu    genden Winter zog ich zurück          noch Krankheiten übrig blieben,      mir der Blinddarm entfernt. Nach
                              machte schon für den nächsten         scheinlich durch eine Blutsyste-   überweisen. Ich vereinbarte einen    nach Berlin, wo ich bis 1999 ge-      die sich nur durch einen Blick ins   der OP wurde mir mitgeteilt, dass
                              Tag einen Termin für mich klar. Ich   merkrankung hervorgerufen war.     Termin in der Uniklinik. Dort er-    lebt hatte. Mein Hausarzt intensi-    Knochenmark diagnostizieren las-     ich sehr schlechte Blutwerte hat-
                              hatte zunächst große Angst, Leu-      Der hinzugezogene Hämatologe       folgte die Untersuchung des Kno-     vierte die Untersuchungen und         sen. Insgesamt wurde ich dreimal     te. Mir wurde empfohlen, mich
                              kämie zu haben, die einzige Blut­     stellte dann durch eine Knochen-   chenmarkes, die ergab, dass ich      stellte fest, dass ich darüber hin-   punktiert: Die Diagnose kam also     sofort von einem Hämatologen
                              erkrankung, die ich kannte. Der       marksbiopsie das MDS fest.         „MDS“ habe.                          aus praktisch überhaupt kein Vit-     sozusagen tröpfchenweise. Den        untersuchen zu lassen. Dort wur-
                              Hämatologe nahm erneut Blut ab,                                                                               amin B12 im Körper mehr hatte.        Begriff „myelodysplastisches Syn-    de nach einer Knochenmarks-
                              sah sich meine verformten roten       Daniela M. Nachdem ich über        Claus K. Um Ostern 2006 herum        Nun muss man wissen, dass die         drom“ entdeckte ich erstmalig auf    punktion MDS diagnostiziert.
                              Blutkörperchen unter dem Mikro-       einige Monate eine immer weiter    befand ich mich wegen starker        Symptome von Vitamin-B12-             dem Überweisungsschein meines
                              skop an und entschied sich für        abnehmende Leistungsfähigkeit      Bauchschmerzattacken in Alican-      Mangel und MDS sich weitgehend        Hausarztes an die Charité.
                              eine Knochenmarkspunktion:            feststellte, und als am ganzen     te im Krankenhaus. Ich lebte da-     überschneiden. So erhielt ich also

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Wie und mit welchen Worten wurde
                               Ihnen die Diagnose mitgeteilt?                                                                                                                        Wie sind Sie mit der D
                                                                                                                                                                                                          ­ iagnose umgegangen?
Umgang mit der Diagnose

                               Bergit K. Es ist inzwischen lange    lerdings, als der Arzt sagte, dass    die Bestandteile des Blutes, z. B.    herer oder fernerer Zukunft „mög-    Bergit K. Die Zeit um die Diagno-      war die Zeit der quälenden Unge-
                               her, aber ich weiß genau, dass die   MDS in eine akute Leukämie über-      Erythrozyten, Leukozyten, Throm-      liche Komplikationen zu erwarten“.   se herum – es dauerte mehr als         wissheit: „Wie schlimm ist es?“
                               Worte „unheilbare Erkrankung“,       gehen könne.                          bozyten und erklärte mir die nor-     Ansonsten erklärte er mir, wie das   zwei Wochen, bevor die Punktions-      Nachdem die Diagnose feststand,
                               „Blutkrebs“ und „keine Leukämie,                                           malen Blutwerte und die meini-        Knochenmark funktioniert und         ergebnisse eintrafen – war die bis-    begann ich mich langsam zu sta-
                               aber eine Vorform“ fielen. Ich war   Daniela M. Die Diagnose bekam         gen (schlechten).                     wie diese Funktion bei MDS ge-       her schwierigste und schlimmste        bilisieren. Es wurde leichter, nach-
                               in einer Art Schockzustand und       ich „scheibchenweise“. Nach einer                                           stört ist.                           Zeit in meinem nun fast sechsjäh-      dem ich endlich Klarheit hatte.
                               kann mich daher an das Gespräch      Knochenmarkspunktion beim Hä-         Claus K. Ich musste recht lange                                            rigen Krankheitsverlauf. Ich habe
                               im Einzelnen nicht erinnern, ob-     matologen musste ich mit unkla-       auf dem Flur warten, bis ich dran     Wolfgang H. Ich kann mich            viel im Internet recherchiert und      Edith B. Erst mal stand ich vor ei-
                               wohl es in ruhiger Atmosphäre        rem, hohem Fieber ins Kranken-        war, und erinnere mich überdeut-      nicht mehr erinnern, was mir         wenig verstanden. Ich habe ver-        ner Wand, die ich nicht erklimmen
                               verlief, beim Hämatologen statt-     haus, wo die Ärzte sich umgehend      lich an den harten Stuhl aus ge-      mein Arzt gesagt hat, bekam aber     sucht, andere Betroffene zu fin-       konnte. Erst Monate später, als ich
                               fand und ca. eine Stunde dauerte.    mit dem untersuchenden Labor in       gittertem Metall, auf dem ich saß.    eine Kopie des Arztbriefes zur       den, um mich zu orientieren, zu        „Zeit hatte”, mich mit meiner Er-
                                                                    Verbindung setzten. Sie erfuhren      Der Arzt, der mir die Diagnose        Knochenmarkuntersuchung „ge-         beruhigen, zu vergleichen, zu in-      krankung zu befassen, und nach
                               Edith B. Mein Partner war da-        die Ergebnisse, die schon vorlagen    dann mitteilte, war recht jung und    schenkt“.                            formieren … Jeder Tag war anders,      einer erneuten Knochenmarksbi-
                               mals bei der Besprechung des Be-     – und ich somit die zu dem Zeit-      vertrat den Arzt, der mich punk-                                           ich war sehr abhängig von dem,         opsie ein Fortschreiten der Krank-
                               fundes mit dabei. Die Erklärungen    punkt vermutete Diagnose.             tiert hatte. Er nahm sich aber Zeit   Petra M. In der Uniklinik Ulm        was ich gelesen habe oder gesagt       heit festgestellt wurde, wurde mir
                               des Arztes waren gut verständlich                                          für mich, obwohl draußen noch so      wurde die Diagnose sehr sachlich     bekam, denn ich hatte noch keine       bewusst, was auf mich zukommen
                               und ohne Umschweife. Aber ob-        Ute S. Ich hatte das Glück, einen     viele Patienten warteten. Vieles      und einfühlsam in einem langen       eigenen Erfahrungen und noch           könnte. Daraufhin folgte eine Er-
                               wohl ich mir die größte Mühe         noch sehr jungen Professor anzu-      von dem, was er sagte, hörte ich      Gespräch mit mir und meinem          keinen eigenen Standpunkt zu           nüchterung.
                               gab, verstand ich noch nicht allzu   treffen, der mir die Diagnose         wie aus einer großen Ferne. Unter     Mann besprochen.                     meiner Erkrankung entwickelt. Ich
                               viel davon. Geschockt war ich al-    bildlich aufzeichnete. Er zeichnete   anderem sagte er, es seien in nä-                                          schlief schlecht und weinte viel. Es

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Wie wurde mit Ihnen über
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                                                                                                                                                              ­ esprochen?
Umgang mit der Diagnose

                               Daniela M. Da ich selbst schon       Claus K. Zunächst stellte sich bei     Wolfgang H. Ich habe erst ein-        Bergit K. Da MDS nach wie vor         Edith B. Grundsätzlich war mein
                               ein wenig recherchiert hatte, was    mir eine gewisse seelische Taubheit    mal im Pschyrembel (medizini-         meist unheilbar ist, wurde mir ge-    Partner mit zu den Arztgesprä-
                               meine Symptome bedeuten könn-        ein. Man funktioniert und tut, was     sches Wörterbuch) nachgelesen,        raten, eher nicht so viel über die    chen gekommen. Mittlerweile war
                               ten, war mir der Begriff MDS nicht   zu tun ist. Aber der eigentliche       was MDS genauer ist und war be-       Zukunft nachzudenken und zu           ich mit meiner Diagnose etwas
                               fremd. Trotzdem habe ich es in       Umgang mit der Diagnose fand bei       ruhigt, dass bei „nur“ 50 % der Er-   hoffen, dass ich einen eher milden    vertrauter geworden, auch durch
                               den ersten Stunden meiner Familie    mir nicht wirklich im Bewussten        krankten innerhalb von zwei Jah-      und langsamen Verlauf haben           Informationen aus dem Internet.
                               und Freunden weitergegeben, als      statt, sondern eher im Bereich des     ren eine akute Leukämie auftritt.     würde. Obwohl ich schon sehr          Dass ich eine tödliche Erkrankung
                               hätte ich Schnupfen. Erst abends     Poetischen. Manches Reale und          Zu diesen 50 % gehörte ich als        früh transfusionsabhängig wurde,      bekommen könnte, war mir be-
                               wurde mir bewusst, dass ich          Alltägliche empfand ich plötzlich      Optimist natürlich nicht!             bin ich nach den statistischen Kri-   wusst geworden. Der Arzt beant-
                               schwer krank sein könnte, und ich    als surreal, während andere Berei-                                           terienkatalogen eine Niedrig-Risi-    wortete mir alle Fragen, soweit ich
                               war froh, dass mein Sohn ein         che des Lebens, wie Tod und Ster-      Petra M. Ich war natürlich ge-        ko-Patientin. Das heißt, die Wahr-    meine Krankheit begriff und Fra-
                               zweites Mal an diesem Tag zu mir     ben, plötzlich ganz real wurden. Als   schockt und wollte das alles auch     scheinlichkeit, dass sich mein        gen stellen konnte. Er erklärte mir,
                               ins Krankenhaus kam!                 Folge der Diagnose nahm ich mei-       nicht glauben. Wir haben uns im       MDS in eine akute Leukämie ver-       dass man mit einer Stammzell-
                                                                    ne eigene Lebendigkeit noch viel       Internet und mit Broschüren erst-     wandelt, ist relativ gering. Leider   transplantation eine auftretende
                               Ute S. Durch die Art der Aufklä-     deutlicher wahr als sonst. Fast        mal über diese Erkrankung infor-      sagt diese Wahrscheinlichkeit         Leukämie heilen könne. Das erste
                               rung verlor ich die Angst, zumal     seismografisch. Und das war eben-      miert.                                trotzdem nicht aus, wie sich die      Gespräch fand nun auch in der
                               der Professor sich sehr viel Zeit    so angenehm wie unangenehm –                                                 Erkrankung bei mir weiter entwi-      Uniklinik statt mit einer guten, für
                               nahm und eine gewisse Ruhe und       beides gleichzeitig. Da war eine                                             ckelt. Ich versuche, längerfristige   uns Laien verständlichen Aufklä-
                               Zuversicht ausstrahlte.              Kombination aus (Lebens-)Freude,                                             Zukunftsgedanken zu meiden und        rung über das MDS und eine even-
                                                                    Taubheit und Schmerz.                                                        eher in der Gegenwart zu leben.       tuelle Stammzelltransplantation.

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Was hat Ihnen in der Situation am meisten geholfen?
Umgang mit der Diagnose

                               Wolfgang H. Da wurde wenig            Daniela M. Die Zukunft betraf        te der MDS-Erkrankung, während      Bergit K. Mir hat am meisten         Edith B. In der Klinik lag ein Flyer   Daniela M. Das Gefühl, vom ers-
                               gesprochen, außer: „Abwarten          immer die geplante Therapie, also    er alles, was irgendwie psychoso-   geholfen, mich mit anderen MDS-      der „Leukämie-Hilfe Rhein-Main         ten Moment an, nicht alleine zu
                               und Tee trinken, bis es schlimmer     die Transplantation und die Aus-     zial „riecht“, eher nicht so gern   Erkrankten auszutauschen. Das        e. V. (LHRM)“ aus, mit einer Info      sein, Unterstützung zu haben, von
                               wird.“                                sicht auf vollständige Heilung!      vertieft. Nur einmal ging es um     hilft mir heute immer noch. Auch     über den nächsten Stammtisch,          meiner Familie, meinen Freunden,
                                                                                                          ethische Aspekte des Umgangs        habe ich mir verschiedene Krank-     der gleich am kommenden Tag            die da waren und den Ärzten, die
                               Petra M. Meine Ärztin hat mit         Claus K. In der Ambulanz der         mit dem Tod. Anlass war ein Buch,   heitsbewältigungsstrategien an-      stattfand. Anita Waldmann              immer wieder all meine Fragen
                               mir von Anfang an direkt und of-      Charité, wo ich die erste MDS-Di-    in dem auch Fotos von Susan         trainiert. Ich habe versucht, mei-   (1. Vorsitzende) hieß uns willkom-     beantworteten.
                               fen über meine Heilungschancen        agnose erhielt, wurde über even-     Sontag abgedruckt waren, die        nen Alltag beizubehalten und         men. Als sie von meiner Erkran-
                               gesprochen. Da ich zum Zeitpunkt      tuelle therapeutische Möglichkei-    2004 an MDS verstorben war –        habe jahrelang auch weiter gear-     kung erfuhr, lief sie ins Büro und     Ute S. Die fachliche Kompetenz
                               der Diagnose erst 43 Jahre alt war    ten gesprochen. Mein Hausarzt        darunter auch solche, die ihren     beitet. Dadurch konnte ich die       kam mit einer Tasche voller Infor-     des Arztes, d. h. seine gute Betreu-
                               und ich mich in einer sehr guten      (der übrigens auch eine psycho-      Sterbeprozess dokumentieren.        Krankheit „klein“ halten. Neben      mationen für mich zurück. Nach-        ung, seine Erklärungen, Worte
                               körperlichen Verfassung befand,       therapeutische Ausbildung hat)       Plötzlich waren wir beim Thema,     der Erkrankung Normalität und        dem ich diese durchforstete, be-       wie: „Das bekommen wir hin.“ So
                               riet sie mir unbedingt zu einer       sprach mit mir alle insgesamt an-    wie man stirbt und wie lieber       Alltag zu leben war sehr hilfreich   kam ich einen guten Einblick in        nahm er mir die Sorge um die Zu-
                               Knochenmarktransplantation. Mir       stehenden Fragen und Probleme        nicht …                             für mich. Gleichzeitig habe ich      das, was mir bevorstehen könnte.       kunft.
                               wurde erklärt, dass das die einzige   durch, also auch die lebensprakti-                                       versucht, einfach zu akzeptieren,    Als ich das Buch über die Trans-
                               Möglichkeit für eine Heilung ist.     schen. Vor allem aber half er mir,                                       dass ich ab jetzt krank bin und      plantation und deren Folgen las,       Claus K. Direkt nach der Diagno-
                                                                     einen guten Facharzt zu finden.                                          darauf auch Rücksicht nehmen         begriff ich erst, was dies bedeute-    se, waren es wohl die inneren Dia-
                               Ute S. Die Worte: „Sie können         Dieser wiederum konzentriert sich                                        muss.                                te. Bisher hatte ich dieses Thema      loge mit meinen Partner, der lei-
                               damit 100 Jahre alt werden“ trös-     bewusst und ziemlich konsequent                                                                               völlig unterschätzt.                   der schon 1994 verstarb. Sein
                               teten.                                auf die rein medizinischen Aspek-                                                                                                                    Beispiel. Der hat mir nicht nur ge-

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Empfehlungen
Umgang mit der Diagnose

                               zeigt, wie man lebt, sondern auch,    Wolfgang H. Am meisten hat          Bergit K. Darauf zu vertrauen,       auch zu ihm sagen: „Heute bist du
                               wie man stirbt: seine Leichtigkeit,   mir der Gedanken geholfen, dass     dass man stark genug ist, mit der    nicht eingeladen. Geh! Heute
                               seine Unkompliziertheit, seine        das mögliche Unheil ja in unge-     neuen Situation klarzukommen.        habe ich anderes zu tun, als mich
                               Selbstironie und seine Ehrlichkeit,   wisser Ferne liegt und bis dahin    Wenn man nicht so schwer krank       um dich zu kümmern.“
                               sowohl sich selbst, als auch ande-    auch manch anderes passieren        ist, dass man zeitnah transplan-
                               ren gegenüber. Und wie er prak-       kann.                               tiert werden muss, wird man in       Edith B. Sich so gut wie möglich
                               tisch bis zum letzten Tag sich                                            diese Erkrankung mit der Zeit hin-   über das Krankheitsbild zu infor-
                               ebenso sehr um andere kümmerte        Petra M. Sehr geholfen hat mir,     einwachsen, und man wird lernen,     mieren, Selbsthilfegruppen zu be-
                               und sorgte, wie um sich selbst. Er    dass ich von Anfang an sehr gro-    mit ihren Herausforderungen um-      suchen, mit Betroffenen zu kom-
                               hat mir bewiesen, dass eine chro-     ßes Vertrauen in das Ärzteteam in   zugehen. Man sollte immer wieder     munizieren. Das nimmt
                               nische und fortschreitende Er-        Ulm haben konnte. Mit mir und       versuchen, der eigenen Angst zu      weitgehend den Schrecken.
                               krankung, die tödlich enden kann,     meiner Familie wurde immer sehr     begegnen. Das gelingt nicht im-
                               nicht bedeutet, dass man deshalb      offen und ehrlich gesprochen. Für   mer, aber sehr oft. So oft wie       Claus K. Gehen Sie nicht allein
                               in Selbstmitleid versinken muss.      alle Fragen und auch Bedenken       möglich sollte man die Krankheit     zu dem Termin, wo Sie das Ergeb-
                               Und zweitens, dass es gerade          war immer genügend Zeit.            bewusst verbannen und Dinge mit      nis Ihrer Punktion erwarten. Bit-
                               dann, wenn man früh sterben                                               anderen Menschen zusammen            ten Sie Ihren Partner oder einen
                               muss, am allerwenigsten Sinn                                              oder alleine tun, die Freude ma-     Freund, Sie zu begleiten.
                               macht, im Voraus sein künftiges                                           chen. Ich stelle mir mein MDS oft
                               Siechtum, den eigenen Tod zu be-                                          als schwarzen Gast vor, der immer
                               trauern.                                                                  mit am Tisch sitzt. Ich KANN aber

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Myelodysplastische Syndrome (MDS) - Von Patient zu Patient
Wie, d. h. mit welchen Worten, haben Sie MDS erklärt?
Die Mitteilung an Freunde,

                                  Bergit K. Es war fast unmöglich,      zudem werden bei mir nicht genü-      mir MDS erklärt. Anderen habe ich    plättchen. Vor allem, was ist,        hört, die gesund werden oder zu         Wolfgang H. Ich habe aus dem
                                  anderen diese Erkrankung zu er-       gend Thrombozyten gebildet. Die       gesagt, dass es eine bösartige Er-   wenn man zu wenig Sauerstoff in       denen, deren Leben sie eher noch        Arztbrief und dem Pschyrembel
Familie und Umfeld

                                  klären. Allein die Bezeichnung        unreifen Blutzellen nennt man         krankung des blutbildenden Sys-      seinen Zellen hat, in den Muskeln     verkürzt. Aber dass die Zeit auf mei-   vorgelesen und erläutert, was
                                  „myelodysplastisches Syndrom“         Blasten. Bis zu einem Prozentan-      tems ist, das zu einer akuten Leu-   vor allem und im Gehirn. Und was      ner Seite steht und sich die thera-     ich verstanden hatte.
                                  behält kein Mensch. Bis ich das       teil von 20 nennt man die Erkran-     kämie führen kann.                   der Unterschied ist zwischen dem      peutischen Möglichkeiten von Jahr
                                  schreiben und aussprechen konn-       kung MDS, wenn die 20-Prozent-                                             Rückenmark und dem Knochen-           zu Jahr verbessern. Meinen Eltern       Petra M. Ich habe meine Er-
                                  te, vergingen ein paar Tage. Freun-   Marke überschritten ist, spricht      Ute S. Ich sagte, dass mein Kno-     mark, weil das von den Leuten         und meinen drei Brüdern habe ich        krankung immer als schwere
                                  de und Familienangehörige wollen      man von Akuter Myeloischer Leuk-      chenmark kein gesundes Blut pro-     ständig verwechselt wird. Anfangs     darüber hinaus auch eine Aufklä-        Blutkrankheit beschrieben. Mit
                                  eher keine langwierigen Erklärun-     ämie (AML), die dann mit Chemo        duziert.                             auch von mir selbst übrigens. Eine    rungsbroschüre der Deutschen Leu-       dem Begriff MDS konnte nie-
                                  gen hören. Mit der Beschreibung,      behandelt werden muss und meist                                            Punktion habe ich erklärt, auch       kämie-Hilfe geschickt, die ich hilf-    mand etwas anfangen.
                                  es sei „eine Art der Leukämie“        nur durch eine Stammzelltrans-        Claus K. Ich habe versucht, ihnen    was eine Stammzelltransplantati-      reich und gut verständlich fand.
                                  konnten die meisten vordergrün-       plantation heilbar ist. Die eigenen   alles das zu erklären, was ich       on ist und wie sie gemacht wird       Ich dachte mir, es ist besser, wenn
                                  dig am ehesten etwas anfangen,        Stammzellen werden vernichtet,        selbst gerade erst gelernt hatte:    und wozu sie dient. Welche Ge-        sie jetzt erfahren, was mit mir los
                                  auch wenn es nicht ganz den Kern      die neuen Stammzellen eines ge-       Welche drei Blutlinien es gibt und   fahren es dabei gibt, z. B. die Ab-   ist, als zu einem späteren Zeitpunkt,
                                  trifft.                               sunden Menschen sollen dann für       wozu sie dienen. Wo Blut im Kör-     stoßreaktionen. Dass sie lebensge-    wo ich um mich herum keine Auf-
                                                                        eine neue gute Blutbildung sorgen.    per produziert wird. Was bei mei-    fährlich ist und manche sie nicht     geregtheiten mehr will. Außerdem
                                  Edith B. Im Knochenmark wird                                                nem Blut anders ist als bei gesun-   überleben. Aber auch, dass es         finde ich es unangenehm und be-
                                  das Blut gebildet. Mein Knochen-      Daniela M. Mein Sohn und einige       dem Blut. Was passieren kann,        nicht wenige Leute gibt, die ge-      lastend, Geheimnisse zu haben. Das
                                  mark hat einen Defekt, es reifen      meiner Freunde arbeiten im medi-      wenn man, wie ich, zu wenig rote     heilt werden, und im Voraus nie-      war schon immer so bei mir.
                                  nicht alle Blutzellen heran, und      zinischen Bereich und haben eher      Blutzellen hat und zu wenig Blut-    mand weiß, ob man zu denen ge-

                             18                                                                                                                                                                                                                                   19
Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Erkrankung reagiert?
                                  War MDS bei Ihren Freunden b ­ ereits bekannt?                                                                  Was war für Sie in dieser Situation besonders schwierig?
Die Mitteilung an Freunde,

                                  Bergit K. Von MDS hatte noch           zwischen meinen Freunden von        groß der Wunsch zu wissen, was       Edith B. Die totale Ungewissheit,    Gedanke bei Freunden: „Ach,        Wolfgang H. Ich fand es schwie-
                                  niemand je etwas gehört. Was die       früher und mir zwar immer mal       jetzt geschehen soll, und wie, und   wie mein Leben weitergehen wird.     das ist schon nicht so schlimm.“   rig, meiner Frau und unseren Kin-
Familie und Umfeld

                                  Reaktionen betrifft, so gab es die     wieder, aber insgesamt seltener     wann. Obwohl das noch längst         Wie, ob und in welchem Zeitmaß       Das machte mich traurig. Ich       dern meinen Optimismus nahezu-
                                  komplette Bandbreite – von Trost       Thema als am Anfang.                nicht klar war. Und oft auch jetzt   sich die Krankheit weiterentwi-      kann diesen Leuten aber verzei-    bringen, weil sie ihn als
                                  spendend, mitfühlend, erschro-                                             noch nicht ist.                      ckeln wird. Es gab keine Medika-     hen, da sie ja selbst nicht in     „Wurstigkeit“, Gleichgültigkeit
                                  cken, sprachlos, interessiert, hilf-   Edith B. Alle zeigten Mitgefühl.                                         mente, die das Ansteigen der         meiner Lage sind und dadurch       oder Fatalismus empfanden.
                                  los bis abwehrend und distanziert.     Aber kaum jemand verstand et-       Wolfgang H. Meine Frau und           Blasten verhindern konnten. Und      kein Mitgefühl haben können.
                                  Danach blieb vieles zwischen uns       was von dem, was ich erzählte. Es   unsere Kinder wussten nicht, was     die Blasten sind nach jeder Kont-                                       Petra M. Meinem damals zehn-
                                  nicht mehr, wie es war. Einige         ging mir ja anfangs genauso.        MDS ist und hatten Angst, dass       rolle angestiegen, aber es waren     Claus K. Die Reaktionen mei-       jährigen Sohn erklären zu müssen,
                                  Freundschaften veränderten sich,                                           ich bald an Krebs sterben würde.     immer noch unter 20 %, also          ner Freunde und Bekannten          dass sich mein bis dahin guter
                                  einige wurden intensiver, andere       Daniela M. Sie waren alle ir-                                            noch keine Leukämie.                 waren sehr unterschiedlich.        Zustand verschlechtern wird und
                                  schliefen ein. Ich verlor eine enge    gendwie schockiert und für viele                                                                              Manche dramatisierten, man-        die „Mama“ für lange Zeit in die
                                  Freundin, die mit meiner Erkran-       war MDS auch eine ganz unbe-                                             Daniela M. Am schwierigsten          che verharmlosten. Nur wenige      Klinik muss - das hat mich sehr
                                  kung nicht umgehen konnte oder         kannte Erkrankung.                                                       war es für mich, meiner Mutter,      fanden einen rationalen und        belastet.
                                  wollte, aber ich fand auch neue,                                                                                die selber zwei schwere Krebs-       qualifizierten Zugang zur Dia-     Auch meinen Eltern sagen zu
                                  mir inzwischen ganz wichtige Be-       Claus K. Keiner hatte je vorher                                          operationen hinter sich hatte, von   gnose, der ihnen half, auch        müssen, dass ich schwer krank
                                  zugspersonen. Wenn es keine            von MDS gehört, mit Ausnahme                                             meiner Krankheit zu erzählen.        emotional angemessen auf           bin, war sehr schwierig, weil ich
                                  schwerwiegenderen medizini-            eines Freundes von mir, der Arzt                                                                              mich zu reagieren.                 weiß, dass sie sich große Sorgen
                                  schen „Zwischenfälle“ oder Kran-       ist. Entsprechend groß war der                                           Ute S. Bedingt durch das Unbe-                                          machen.
                                  kenhausaufenthalte gibt, ist MDS       Aufklärungsbedarf. Und ebenso                                            kannte der Krankheit entstand der

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Was hätten Sie sich in dieser Situation
                                  Was hat Ihnen in der S
                                                       ­ ituation am meisten geholfen?                                                          von Ihrem Umfeld gewünscht?
Die Mitteilung an Freunde,

                                  Bergit K. Einmal der Austausch       rote Beete gebracht, weil ihnen      Claus K. Zu spüren, dass ich        Bergit K. Insgesamt mehr Zeit,        Ute S. Guten Zuspruch, Ernst-      Petra M. Mein Umfeld war klas-
                                  mit anderen Betroffenen, die von     eine blutbildende Wirkung nach       meinen Eltern, meinen Brüdern       Zuhören und mehr Offenheit. Es        haftigkeit, Menschen, die in der   se!!! Weil ich offen war und vielen
Familie und Umfeld

                                  ähnlichen Erfahrungen berichte-      gesagt wird. Das hat mich zu Trä-    und den näheren Angehörigen         ist einfacher, gesagt zu bekom-       gleichen Situation sind.           Menschen von meiner Erkrankung
                                  ten. Aber auch mir klar zu ma-       nen gerührt.                         sowie meinen Freundinnen und        men: „Ich kann mit deiner Diag-                                          erzählt habe, wurde ich aufgefan-
                                  chen, dass ich dankbar sein konn-                                         Freunden wichtig bin. Weil sie es   nose und Krankheit nicht umge-        Claus K. ich hätte mir ge-         gen – ein sehr gutes und si-
                                  te für die GENAU richtigen Worte     Daniela M. Auch hierbei war es       zeigten – nicht nur durch Worte.    hen, das alles weckt zu große         wünscht, dass wir etwas mehr       cheres Gefühl ...
                                  einiger meiner Angehörigen oder      wieder die Unterstützung, die ich    Drei gab es sogar, die extra nach   Ängste in mir, deswegen habe ich      Zeit für einander gehabt hätten
                                  Freunde. Es waren nicht unbe-        hatte und die mir geholfen hat,      Berlin reisten, um mich zu sehen    mich nicht bei dir gemeldet …“,       – Qualitätszeit. In den ersten
                                  dingt diejenigen, von denen ich es   meinen Optimismus immer wie-         und um bei mir zu sein.             als wenn sich der Betreffende to-     Wochen und Monaten nach der
                                  erwartet hatte. Ich wollte jeden-    derzufinden!                                                             tal entzieht, obwohl man sich         Diagnose war das Band zwi-
                                  falls ihre guten Wünsche und                                              Wolfgang H. Geholfen hat mir,       vorher mehrfach in der Woche          schen mir und meiner Umge-
                                  Worte um mich herum packen wie       Ute S. Die Zuversicht und der        dass ich mich von den Zukunfts-     gesehen hatte. Diejenigen, die sel-   bung merkwürdig dünn, sodass
                                  eine kuschelige Jacke, um sie        gute Zuspruch meines Mannes. Er      ängsten meiner Mitmenschen          ber Erfahrungen mit Krisen oder       ich manchmal dachte, ich lebe in
                                  dann anzuziehen, wenn es mir be-     hat mich sehr getröstet mit den      nicht habe anstecken lassen.        schweren Krankheiten hatten,          einer anderen Welt. Gewünscht
                                  sonders schlecht gehen würde.        Worten, das schaffen wir schon                                           konnten mich am besten aufge-         hätte ich mir von einigen, dass
                                  Das hat funktioniert. Außerdem       gemeinsam. Auch wurde der wö-        Petra M. Mein Mann an meiner        fangen. Ohne viele Worte wussten      sie einfach mal innehalten.
                                  gibt es hin und wieder Nachschub     chentliche Blumenstrauß bedeut-      Seite, das Lächeln meines Sohnes,   sie, wie das geht.
                                  an guten, wichtigen Worten oder      sam (den ich seit mehr als 20 Jah-   meine lieben Freundinnen. Mein                                            Wolfgang H. Weniger Betrof-
                                  Gesten. Frauen aus meinem Dorf       ren bekomme).                        Glaube und viele Gebete haben       Daniela M. Es gibt nichts, was        fenheit und Mitleid, dafür aber
                                  haben mir selbst eingemachte                                              mich oft getragen.                  hätte anders sein sollen!             eine gute Portion Zuversicht!

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Wie sind Sie vorgegangen, um sich
                                  Empfehlungen                                                                                                   Informationen über MDS zu beschaffen?
Die Mitteilung an Freunde,

                                  Bergit K. Krank zu sein bedeutet      ernst zu nehmen und eben auch        nicht, und sehen Sie ihnen ihre     Bergit K. Ich habe viel im Inter-    Therapien austauschen. Ich ma-       Claus K. Meine größte Hilfe war
                                  nicht, weniger liebenswert zu sein.   selbst weiterhin Freundin zu sein.   Schwächen nach. Wir alle lernen,    net recherchiert, und nach einiger   che all das auch weiterhin. Ich      die Recherche im Internet. Zum
Familie und Umfeld

                                  Natürlich ändert sich das Bezie-      Ich weiß, dass das alles nur geht,   keiner ist perfekt.                 Zeit konnte ich bei den Informati-   habe einfach das Gefühl ich muss     Beispiel das Kompetenznetz Leuk-
                                  hungsgeflecht, denn man selbst        wenn man sich einigermaßen gut                                           onen die Spreu vom Weizen tren-      mich kümmern und die Kontrolle       ämie oder die Infos bestimmter
                                  wird anders, dünnhäutiger, viel-      fühlt. Manchmal muss man sich        Wolfgang H. Lassen Sie sich Ih-     nen. Ich bin zu MDS-Kongressen       behalten, solange es geht.           Kliniken und Selbsthilfeorganisa-
                                  leicht egoistischer, kompromisslo-    aber auch ein bisschen überwin-      ren Frohsinn nicht durch düstere    und -Treffen gefahren und habe                                            tionen im In- und Ausland. Sehr
                                  ser. Darauf reagieren die anderen     den, um den inneren Schweine-        Zukunftswolken trüben. Denn ers-    mir dort viele Vorträge von MDS-     Edith B. Ich habe mir immer die      wichtig für die Beschaffung wei-
                                  und sind verunsichert. Man sollte     hund vom Sofa zu kriegen.            tens kommt es anders und zwei-      Spezialisten angehört. Auf diesen    Befunde und Berichte in Kopie        terer Informationen war auch,
                                  nicht auf die Schiene rutschen:                                            tens als man denkt ...              Kongressen habe ich auch Ärzte       vom Arzt geben lassen, um sie zu     dass ich mich einer Online-Selbst-
                                  „Niemand mag mich oder nie-           Daniela M. Sprechen Sie über                                             auf meinen Fall angesprochen. Ich    Hause genauer unter die Lupe zu      hilfegruppe anschloss. Dort konn-
                                  mand versteht mich“, sondern of-      Ihre Krankheit! Anteilnahme und      Petra M. Seien Sie offen - nur      habe mir natürlich eine Zweitmei-    nehmen. Was ich nicht verstand,      te ich Frauen und Männern, die
                                  fen bleiben für neue Kontakte,        Hilfsangebote helfen bei den eige-   wenn Ihr Gegenüber weiß, was        nung in einem weiteren MDS-          waren beim nächsten Besuch die       selbst von MDS betroffen waren,
                                  weiter rausgehen in die Welt und      nen Ängsten!                         mit Ihnen los ist, kann er versu-   Center-of-Exellence eingeholt.       Fragen an den Arzt.                  und die schon mehr wussten als
                                  viele Gespräche führen, die mit                                            chen zu helfen.                     Dabei ging es immer wieder um                                             ich, Fragen stellen. Wichtig waren
                                  der Krankheit nichts zu tun haben.    Ute S. Leute zu finden, die das                                          die Frage, ob eine Stammzell-        Daniela M. Ich habe die meisten      natürlich auch die Gespräche mit
                                  Nach dem Motto: „Lebe dein Le-        gleiche Schicksal haben. Damit ein                                       transplantation bei mir (schon)      Informationen durch die Hämato-      meinem Hausarzt und mit mei-
                                  ben und nicht deine Krankheit.“       Austausch stattfinden kann.                                              angezeigt ist. Gleichzeitig beweg-   logen der Uniklinik Düsseldorf be-   nem Facharzt.
                                  Wichtig ist es auch, die objektiv                                                                              te ich mich in mehreren deutsch-     kommen und habe all die Fragen,
                                  weniger schweren Krankheiten          Claus K. Überfordern Sie die                                             und englischsprachigen MDS-Fo-       die ich hatte, vorher notiert.
                                  von Angehörigen und Freunden          Menschen in Ihrer Umgebung                                               ren, in denen sich Patienten über

                             24                                                                                                                                                                                                                                 25
Welche Informationen waren
                              am hilfreichsten?                                                        Empfehlungen

                              Bergit K. Gute Informationsquel-     ich von der LHRM erhalten. Viele    Bergit K. Meine Empfehlung ist,      net zu finden – die Blogs, die ich    Petra M. Es ist wichtig, sich gut
Zugang zu ­hilfreichen

                              len: www.mds-foundation.com,         Informationen sind im Internet zu   sich zu informieren, sich zu küm-    dabei gefunden habe, haben mei-       zu informieren, um mit den Ärzten
                              www.marrowforums.org, www.           erhalten, man muss allerdings       mern. In den letzten Jahren wur-     ne Angst verstärkt! Nach kurzer       am Behandlungskonzept „mitar-
                              leukaemie-und-wir.de, die Ameri-     auf das Erfassungsdatum und die     den einige neue Therapien und        Zeit habe ich mich darauf be-         beiten“ zu können.
I­nformationen

                              can Society of Hematology (ASH),     Quel­len achten.                    Medikamente gegen MDS entwi-         schränkt, nur sachliche Informati-
                              die Deutsche Leukämie- & Lym-                                            ckelt. Man sollte Bescheid wissen.   onen zu lesen und Fragen, die ich
                              phom-Hilfe e. V. (DLH) u. a. Mate-   Daniela M. Es gibt eine Patien-     Dabei geht es selbstverständlich     hatte, meinen Ärzten zu stellen.
                              rialien: Bei diversen Kongressen     tenbroschüre über Myelodysplas-     nicht um Detailkenntnisse, dafür
                              lagen Informationsmaterialien zu     tische Syndrome, in der viele me-   sind die Ärzte da, aber man sollte   Claus K. Seien Sie kritisch mit der
                              hämatologischen Erkrankungen,        dizinische Zusammenhänge            z. B. fragen können, warum man       Auswahl der Quellen, denen Sie
                              Eisenüber­ladung, Stammzelltrans-    ver­ständlich erklärt werden (von   dieses oder jenes Medikament         vertrauen. Wenn Sie merken, dass
                              plantation und ähnliches aus,        Prof. Germing und Prof. Gatter-     vielleicht nicht bekommt. Wenn       Sie etwas nicht wissen, notieren
                              meist gesponsert von der Phar-       mann).                              man sich selbst nicht informieren    Sie sich die Frage und nehmen Sie
                              maindustrie. Die blauen Hefte der                                        und immer wieder auf den neus-       sie mit zum nächsten Arztbesuch.
                              Deutschen Krebshilfe waren sehr      Claus K. Die Broschüren der         ten Stand bringen möchte, so         Und: Versuchen Sie, andere Men-
                              informativ.                          Deutschen Leukämie- & Lym-          könnte dies der/die Partner/in für   schen kennenzulernen, bei denen
                                                                   phom-Hilfe e. V. (DLH), sowie die   einen tun.                           MDS diagnostiziert wurde. Es ist
                              Edith B. Wie vorher schon er-        Internetseiten des Kompetenznet-                                         ein sehr befreiendes Gefühl, wenn
                              wähnt, die meisten für mich ver-     zes Leukämie (www.kompetenz-        Daniela M. Ich habe anfangs          es Ihnen gelingt, Ihre Vereinzelung
                              ständlichen Informationen habe       netz-leukaemie.de).                 versucht, Informationen im Inter-    zu überwinden.

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Wie sind Sie bei der ­Suche nach dem
Auswahl des Arztes/Klinikums

                                    ­„richtigen“ Behandler vorgegangen?                                                                            Welche Kriterien sind für Sie in der Behandlung wichtig?

                                    Bergit K. Der Internist schickte      Ute S. Wie schon erwähnt hat         nächstgelegene ambulante Onko-      Bergit K. Vertrauen zum Arzt,         war, musste eine Klinik gefunden      gendwo anders eine Zweitmei-
                                    mich aufgrund der Blutwerte um-       mein Hausarzt die Wahl getroffen,    logie überwiesen.                   dass er sich Zeit für mich nimmt,     werden, die Stammzelltransplan-       nung holt. Ebenso wichtig ist aber
                                    gehend zum Hämatologen und            mit der ich viel Glück hatte.                                            dass er auf unser Gespräch vorbe-     tationen durchführt.                  auch die persönliche Atmosphäre
                                    der Hämatologe nach einiger Zeit                                           Petra M. Ich habe mich von          reitet ist, ein Gespräch auf Augen-                                         in einer Arztpraxis bzw. die Pflege-
                                    zu den MDS-Experten in die Uni­       Claus K. Um einen guten Haus-        mehren Ärzten und Hämatologen       höhe, verständliche Informatio-       Claus K. Mir ist wichtig, dass die    qualität in einer Klinik, der Ser-
                                    klinik. Da bin ich bis heute in Be-   arzt zu finden, als ich Anfang       beraten lassen und mich schließ-    nen über die Aussichten der           Ärzte wissen, was sie tun, sie gut    vice, die Freundlichkeit und nicht
                                    handlung.                             2007 nach Berlin zurückzog, habe     lich von meinem guten Gefühl lei-   Behandlung und über mögliche          informiert sind und dass sie mich     zu vergessen: Die Hygiene.
                                                                          ich Freunde gefragt. Und um die      ten lassen.                         Nebenwirkungen, eine gute Mi-         auch als Mensch wahr und ernst
                                    Edith B. Mein Hämatologe hat          „richtige“ Klinik zu finden, habe                                        schung zwischen Beruhigung,           nehmen. Dass sie anstehende the-      Petra M. Wichtig war mir ein
                                    mir die freie Wahl gelassen. Für      ich mich zum einen von meinem                                            Vermittlung von Hoffnung und          rapeutische Entscheidungen mit        professionelles Umfeld und Ver-
                                    mich war die Wohnortnähe das          Hausarzt beraten lassen und zum                                          Realitätssinn in einer freundlichen   mir durchsprechen und dabei           trauen, dass der eingeschlagene
                                    Ausschlaggebende.                     anderen von zwei Freunden, die                                           Atmosphäre. Einmal hat mir ein        auch alternative Optionen aufzei-     Weg der richtige ist. Es hat mir
                                                                          Ärzte sind und sich auskennen                                            Arzt gesagt: „Wenn Sie immer al-      gen. Dass sie mir die Möglichkeit     auch gut getan zu wissen, dass
                                    Daniela M. Durch meinen Sohn          bzw. besseren Zugang zu Infor-                                           les so genau wissen wollen, müs-      geben, Fragen zu stellen, und diese   Tag und Nacht jemand für mich
                                    wusste ich, dass die Uniklinik Düs-   mationen hatten als ich.                                                 sen Sie es auch aushalten kön-        so beantworten, dass ich sie ver-     da ist.
                                    seldorf ein Kompetenzzentrum für                                                                               nen.“ Klare Ansagen, auch sie sind    stehe. Dass sie offen und ehrlich
                                    MDS hat, darum hat sich mir die       Wolfgang H. Da gabs nichts zu                                            hilfreich.                            zu mir sind, und dass sie nicht
                                    Frage nach der „richtigen“ Klinik     suchen ... Mein besorgter Hausarzt                                                                             verbergen, wenn sie unsicher sind.
                                    nicht weiter gestellt.                hat mich vor fast zwei Jahren we-                                        Edith B. Da mein MDS inzwi-           Und dass sie nicht persönlich be-
                                                                          gen meiner Blutwerte in die                                              schen in eine AML übergegangen        leidigt sind, wenn man sich ir-

                               28                                                                                                                                                                                                                                     29
Welche Informationen aus den Aufklärungs-
                                 Empfehlungen                                                              gesprächen waren besonders wichtig für Sie?

                                                                                                                                                                                                                                 ­Behandlungsentscheidungen
Auswahl des Arztes/Klinik

                                                                                                                                                                                                                                  Einflussmöglichkeit auf
                                 Bergit K. Zur Behandlung von         Claus K. Seien Sie ein mündiger      Bergit K. Dass es – im Unter-       Ute S. Für mich war die Erkennt-      die HIV-Infizierten einteilte in die
                                 MDS sollte man sich auf jeden        Patient. Respektieren Sie zwar die   schied zu vor 10 bis 15 Jahren –    nis wichtig, dass die Krankheit       Unschuldigen, etwa Kinder und
                                 Fall in ein MDS-Center-of-Exel-      Kompetenz und die Person Ihres       Behandlungsmöglichkeiten gegen      zwar nicht zu heilen ist, man aber    Bluter, und diejenigen, die selbst
                                 lence begeben, auch wenn das         Arztes, aber nicht seinen weißen     MDS gibt, die zwar nicht heilen,    doch ganz gut mir ihr leben kann.     Schuld sind, etwa die Heroinsüch-
                                 bedeutet, eine längere Anfahrt zu    Kittel. Bedenken Sie, dass Ihre      aber eine Verschlechterung hin-     Und den Alltag wie - früher ge-       tigen oder wir Schwulen. Mein
                                 haben. Hausärzte wissen mehr-        Krankenakte Ihnen gehört, nicht      auszögern können. Dass ich wäh-     wohnt - weiter bewältigen kann.       Freund, der HIV-infiziert war,
                                 heitlich noch sehr wenig über die-   Ihrem Arzt.                          rend der Therapie engmaschig                                              pflegte sich darüber zu mokieren
                                 ses Krankheitsbild und haben oft                                          kontrolliert werde, dass man gut    Claus K. Ich musste gerade la-        und sagte dann immer: „Also ich
                                 keinen Zugang zu Studien.            Wolfgang H. Wenn Sie Zweifel         auf mich aufpasst. Dass mehrere     chen, als ich die Frage las. Mein     habe mich an einer Glasscherbe
                                                                      an der Diagnose oder Therapie        MDS-Experten auf meinen Fall        Arzt sagte einmal zu mir, dass ich    infiziert, ich gehöre zu den un-
                                 Daniela M. Ich hatte das Glück,      haben, dann holen Sie eine zweite    gucken, damit der Transplantati-    mir nichts vorzuwerfen habe, dass     schuldigen Opfern.“
                                 sofort einem Arzt zu begegnen,       Meinung ein!                         onszeitpunkt nicht etwa verpasst    ich alles richtig gemacht habe.
                                 dessen Kompetenz ich umfassend                                            wird. Das Prinzip Hoffnung.         Dass man an MDS nicht „selbst
                                 vertraut habe und auf einer Stati-   Petra M. Nehmen Sie sich die                                             Schuld“ ist, wie z. B. an einer In-
                                 on zu liegen, auf der ich mich       Zeit und die Ruhe verschiedene       Daniela M. Für mich war es          fektionskrankheit , weil man sich
                                 aufgehoben fühlte! Wenn dieses       Kliniken anzusehen. Versuchen Sie    wichtig, über die Risiken und die   nicht geschützt hat. Das fand ich
                                 Gefühl nicht da ist, sollte man      nicht allein zu sein, sondern neh-   Chancen der Behandlung aufge-       wichtig, obwohl es mir peinlich
                                 versuchen, ein solches Umfeld zu     men Sie sich „Verstärkung“ mit       klärt zu sein, um eine Entschei-    war, dass ich es wichtig fand für
                                 finden.                              (Partner, Freunde)!                  dung treffen zu können.             mich. Denn ich erinnere mich ja
                                                                                                                                               noch gut an die Zeiten, als man

                            30                                                                                                                                                                                              31
Wie hat Ihr Arzt mit Ihnen über das                                                                                Hatte das Auswirkungen auf
                                  Behandlungsziel gesprochen?                                                                                        das Einhalten Ihrer Therapie?
­Behandlungsentscheidungen
 Einflussmöglichkeit auf

                                  Bergit K. Bei MDS-Therapien           von meinem behandelnden Arzt           tation sein kann. Die „wagen“ wir     Bergit K. Nicht das Behand-           tisch möglich wäre. Kein Arzt gibt
                                  geht es immer um eine wahr-           ausführlich erklärt und bildlich       erst, wenn meine Blastenzahl sich     lungsziel, sondern die möglichen      gern solch einen Rat. Und kein
                                  scheinliche und vorübergehende        dargestellt.                           der gefährlichen 20-Prozent-Mar-      Nebenwirkungen haben in einem         Patient akzeptiert gern solch ei-
                                  Ansprechrate. Ziele sind eine                                                ke nähert oder aber, wenn diese       Fall dazu geführt, dass ich eine      nen medizinischen „Offenba-
                                  Transfusionsunabhängigkeit und/       Claus K. Das haben wir: Ziel 1:        Therapiemethode soweit verfeinert     Therapie abgelehnt habe. Wenn         rungseid“. Aber obwohl ich mich
                                  oder sogar eine vorübergehende        Zeit gewinnen, bis die therapeuti-     ist, dass man ihren tatsächlichen     ich eine Therapie beginne, versu-     innerlich anfangs gegen dieses
                                  Remission. Dabei kommen auch          schen Möglichkeiten sich verbes-       Erfolg effektiver planen und vor-     che ich auf jeden Fall therapietreu   Nichtstun aufbäumte, ließ ich
                                  die Risiken der Therapie zur Spra-    sert haben. Ziel 2: alles vermeiden,   hersagen kann. Gesprochen haben       zu sein.                              mich von meinem Arzt Schritt für
                                  che. Bei zwei Medikamenten wur-       was irreversible Schäden an den        wir auch darüber, ab wann ich                                               Schritt, sprich Therapieoption für
                                  de ich bei einer statistischen An-    Entgiftungsorganen verursachen         Blutkonserven bekommen könnte,        Daniela M. Es hatte großen Ein-       Therapieoption, von ihm überzeu-
                                  sprechrate von 30 bis 40 % eine       könnte. Ziel 1 wollen wir erreichen    möchte oder sollte. Wir warten, bis   fluss auf meine Entscheidung für      gen, dass man einstweilen wirk-
                                  Zeitlang transfusionsunabhängig.      durch Nichtstun bei gleichzeitiger     ich weniger als 9 g/dl Hämoglobin     die Transplantation!                  lich am besten erst mal abwartet.
                                  Ein toller Erfolg, den ich jetzt im   engmaschiger Blutkontrolle. Ziel 2     im Blut habe.
                                  Rahmen einer Studie zu wieder-        ist natürlich größer, nämlich mei-                                           Claus K. Oh ja, unser Therapie-       Petra M. Ja, sicher. Denn die
                                  holen hoffe.                          ne vollständige Genesung bei           Wolfgang H. Mein Arzt hat als         plan ist sehr partnerschaftlich       Aussicht auf komplette Heilung
                                                                        gleichzeitiger Vermeidung von Or-      Ziel die Unabhängigkeit von Blut-     entworfen worden. Es ist ja auch      hat mir sehr viel Kraft gegeben.
                                  Daniela M. Das Ziel der erwähn-       ganschädigungen durch etwaige          transfusionen genannt.                eine starke, seltene, fast radikale
                                  ten Transplantation war eine voll-    Abstoßreaktionen. Was zurzeit                                                Entscheidung, angesichts so einer
                                  ständige Heilung. Die Chancen,        nach Expertenmeinung in meinem         Petra M. Das Ziel ist Heilung.        Diagnose übereinzukommen, auf
                                  aber auch die Risiken, wurden mir     Fall nur die Stammzelltransplan-                                             alles zu verzichten, was theore-

                             32                                                                                                                                                                                                 33
Empfehlungen                                                                                                  Mit welchen Gefühlen gehen Sie zur Kontrolle?
­Behandlungsentscheidungen

                                                                                                                                                                                                                                                                     Umgang mit Schwankungen
 Einflussmöglichkeit auf

                                  Bergit K. Mit dem Arzt eng zu-      Daniela M. Stellen Sie all die Fra-    Claus K. Ich empfehle Mündig-      Bergit K. Immer mit gemischten         Ute S. Zurzeit mit sehr gemisch-      Petra M. Ich bin immer vor jeder
                                  sammenzuarbeiten. Zu versuchen      gen, die Sie haben! Wenn sie Ih-       keit. Wer sich zutraut, die Ar-    Gefühlen! Oft mit dem innerlichen      ten Gefühlen, da ich ein neues        Kontrolle sehr nervös. Ich hoffe
                                  eine Therapie sehr bewusst und      nen nicht geduldig und verständ-       beitsweise seines blutbildenden    Stoßgebet: „Hoffentlich ist mein       Präparat erhalten soll, das in        gute Blutwerte zu haben.
                                  positiv anzunehmen, therapietreu    lich beantwortet werden, suchen        Organs zu verstehen, für den ist   Hb-Wert nicht unter 8,0.“ Es ist al-   Deutschland noch nicht zugelas-

                                                                                                                                                                                                                                                                     der Laborwerte
                                  zu sein, die Einnahmevorschriften   Sie sich eine andere Klinik, die auf   es eigentlich dann auch kein so    lerdings so, dass man nach Jahren      sen ist.
                                  genau zu beachten, die Therapie     die MDS-Behandlung spezialisiert       großer Schritt mehr, die durch     der ständigen Blutkontrolle den ei-
                                  nicht selbstständig zu unterbre-    ist. Für mich war es auch wichtig,     das myelodysplastische Syndrom     genen Hb-Wert ziemlich genau vo-       Claus K. Na ja, natürlich hofft
                                  chen oder abzubrechen. Kurz: al-    dass ich bei den Vorgesprächen in      hervorgerufenen Funktionsstö-      raussagen kann. Ein Absturz ist        man immer, dass sich die Blut-
                                  les dafür zu tun, damit das Medi-   Begleitung meines Sohnes oder ei-      rungen nachzuvollziehen. Und       daher oft keine Überraschung           werte wenigstens seit der letzten
                                  kament seinen Job machen kann.      ner Freundin war, denn es ist wirk-    der dritte Schritt wäre dann,      mehr. Natürlich beobachte ich          Kontrolle nicht verschlechtert ha-
                                  Bei unerträglichen Nebenwirkun-     lich eine Fülle von Informationen,     dass man sich Informationen be-    auch die klinischen Werte, also Le-    ben. Und seitdem ich hochdosiert
                                  gen sollte man sich jedoch sofort   die man bekommt! In Gesprächen         sorgt, wie wirksam die auf dem     ber-, Nieren-, Entzündungswerte        EGCG zu mir nehme, den Wirk-
                                  beim Arzt oder im Krankenhaus       darüber fällt es viel leichter, eine   Markt befindlichen Therapie-       usw. Man wird mit der Zeit nach-       stoff des Grüntees, warte ich ei-
                                  melden, auch am Wochenende.         Entscheidung zu treffen.               möglichkeiten für einen selbst     sichtiger gegenüber Werten, die        gentlich sogar auf eine Verbesse-
                                                                                                             sein könnten.                      sich außerhalb der Norm befinden.      rung.

                                                                                                                                                Daniela M. Ich habe keine Angst,       Wolfgang H. Ich gehe mit Neu-
                                                                                                                                                bin höchstens gespannt, ob und         gier zu Kontrollen, weil ich wissen
                                                                                                                                                wie weit sich meine Werte verbes-      möchte, ob und wann sich was
                                                                                                                                                sert haben.                            getan hat.

                             34                                                                                                                                                                                                                                 35
Welche Bedeutung haben „schlechte“
                               Wie läuft die Kontrolle Ihrer Laborwerte ab?                                                                    oder „gute“ Ergebnisse für Sie?
Umgang mit Schwankungen

                               Bergit K. Ich muss tatsächlich       Ute S. Zurzeit fast alle zwei Wo-     sen“ von etwa drei Wochen wird       Bergit K. Immer noch eine sehr        Claus K. Gute Werte beruhigen        Wolfgang H. Es gibt für mich
                               mindestens alle zwei Wochen zur      chen, da meine Blutwerte sehr         ein- bis zweimal kontrolliert.       große. Zum Beispiel bin ich bei ei-   und schlechte beunruhigen. Es ist    keine „schlechten“, sondern nur
                               Blutkontrolle ins Krankenhaus.       schlecht sind. Am Anfang der Er-                                           nem Hämoglobinwert von 7,9            natürlich wichtig zu wissen, wo      „weniger gute“ Ergebnisse, die
                               Das hat etwas mit meiner Trans-      krankung war ich dafür einmal im      Petra M. Jetzt, 18 Monate nach       niedergeschlagen. Bei 8,2 Hb          man steht. Aber ich merke doch       sich bessern können.
der Laborwerte

                               fusionsabhängigkeit zu tun und       Monat bei meinem Hausarzt.            der Transplantation, werden die      nicht so sehr, weil das eben über     oft, dass ich die Laborergebnisse
                               mit den möglichen Nebenwirkun-                                             Laborwerte im Abstand von vier       acht ist. Psychologie der Zahlen.     nicht nur als Fakt nehme, sondern    Petra M. Gute Ergebnisse ma-
                               gen des Eisenchelators. Im Rah-      Claus K. Anfangs monatlich.           Wochen kontrolliert. Die Kontrol-    Jeder weiß, dass die 0,3 Unter-       ihnen darüber hinaus auch noch       chen mich sicherer den richtigen
                               men einer Studie muss ich dem-       Mittlerweile lasse ich sie beim Hä-   len erfolgen in der Uniklinik Ulm.   schied etwa durch Tagesschwan-        einen Einfluss auf meine Stim-       Weg zu gehen. Bei schlechteren
                               nächst sogar wöchentlich zur         matoonkologen nur noch alle zwei      Die Abstände der Kontrollen wer-     kungen, durch den Transport des       mung gestatte. Das ist schwer ab-    Ergebnissen kommt die Angst, die
                               Kontrolle.                           bis drei Monate kontrollieren. Zwi-   den größer, je weiter die Trans-     Blutes oder durch ein anderes         zustellen. Natürlich habe ich        Krankheit könnte zurückkommen.
                                                                    schendurch gibt auch mein Haus-       plantation zurückliegt.              Analysegerät, in dem das Blut         nichts dagegen, wenn ein gutes
                               Daniela M. Im Moment brauche         arzt immer mal wieder ein „kleines                                         ausgewertet wird, bedingt sein        Ergebnis meine Stimmung hebt.
                               ich nur noch alle vier Wochen zur    Blutbild“ in Auftrag. Der ist näm-                                         können. Ich wäre gerne unabhän-       Aber dass ein schlechtes Ergebnis
                               routinemäßigen Kontrolle. Ich        lich für meine monatliche Vitamin                                          gig von Laborwerten, aber bin es      mich bedrückt, das hilft mir über-
                               fahre dazu in die Transplantati-     B12-Substitution zuständig.                                                nicht.                                haupt nicht. Da hilft nur Rationa-
                               onsambulanz der Uniklinik, bei der                                                                                                                    lität und ein ernstes Wörtchen mit
                               ich bei Problemen auch zwischen-     Wolfgang H. In den sieben Tagen                                            Ute S. Die Frage erübrigt sich –      der eigenen Psyche.
                               durch anrufen kann.                  „Spritzerei“ werden die Blutwerte                                          schlechte – schlecht, gute – gut.
                                                                    täglich im Labor des Krankenhau-
                                                                    ses ermittelt. In den „Spritzenpau-

                          36                                                                                                                                                                                                                                 37
Was hilft Ihnen im Umgang mit „schlechten“ Ergebnissen?                                                         Empfehlungen
Umgang mit Schwankungen

                               Bergit K. Das Verdrängen, da bin     Auf und Ab mancher Werte im Be-      lachen kann, ist da Hoffnung.         Bergit K. Sich von Laborwerten         duld und Menschen, die immer
                               ich ganz ehrlich. Die eigenen Ein-   reich der Normalität ist.            Wenn das aufhört, sollte ich bes-     relativ unabhängig zu machen, sie      wieder zuhören.
                               flussmöglichkeiten sind ja gleich                                         ser auch aufhören zu atmen.           aber trotzdem immer im Auge zu
                               null. Natürlich hilft auch, wenn     Ute S. Mein Mann, meine              Und wer? Kontakt zu anderen           behalten. Dabei natürlich nicht        Claus K. Klingt einfach, ist super-
der Laborwerte

                               der Arzt sagt, „der Wert“ sei zwar   Schwester und Freunde sprechen       Menschen überhaupt. Ich lebe ja       den einzelnen Wert betrachten,         schwer: Freuen Sie sich über gute
                               schlecht, aber möglicherweise nur    mir Mut zu, aber ich muss da al-     leider allein, und wenn man sich      sondern die Entwicklung mehrerer       Werte, aber beweisen Sie, dass Sie
                               ein Ausreißer. Oft ist es tatsäch-   leine durch. Bei Schmerzen helfen    isoliert, neigt man dazu, im eige-    Wochen oder Monate berücksich-         ein Fels in der Brandung sind und
                               lich schon so gewesen, dass sich     Tabletten – bei schlechten Werten    nen Saft zu schmoren. Und sich        tigen. Arzt oder Schwestern fra-       keine Memme, wenn das Gegen-
                               Werte langfristig wieder verbes-     nur die Hoffnung, dass es auch       zu bedauern. Man wird leicht zum      gen, wenn einem etwas auffällt,        teil der Fall ist. Wenn das zu
                               sern. Ich reagiere stark auf die     wieder „bergauf geht“, z. B. nach    Hypochonder. Isolation ist Gift.      dabei lieber einmal zu viel als zu     schwierig ist: Lenken Sie sich ab
                               professionelle Beruhigung eines      einer Transfusion.                   Deshalb: Erst mal jemanden anru-      wenig fragen. Es kann durchaus         und widmen Sie sich einer Tätig-
                               kompetenten Arztes, aber auch                                             fen. Man muss gar nicht über das      sein, dass bei dieser großen Da-       keit, bei der Sie sich nicht als „Pa-
                               auf die Tröstungen meines Man-       Claus K. Was? Wenn ich gar zu        Laborzeugs reden. Sondern sich        tenmenge mal was durchrutscht.         tient“ fühlen. Egal, was es ist:
                               nes, der mich aus der Dramatisie-    dysfunktional reagiere, stelle ich   stattdessen dafür interessieren,      Laborwerte zu Hause als Kopie          Doppelkopf, Konzert, Ihr Hobby.
                               rung holt.                           mir mich als Figur in einem Car-     wie es der anderen Person geht.       abheften.                              Beschließen Sie einfach, stark zu
                                                                    toon vor. Als Schreckschraube, die   Und schon öffnet sich ganz von                                               sein. Lassen Sie sich nicht gehen.
                               Daniela M. Meine Familie, meine      in Ohnmacht fällt, nachdem sie       selbst die Tür der Isolationszelle,   Daniela M. Es dauert wirklich          MDS ist nun mal nichts für Zim-
                               Freunde, mit denen ich darüber       erfährt, dass die Milchstraße ver-   in der man sich mit seinen Labor-     das vor einer Transplantation vor-     perlieschen.
                               sprechen kann. Die Ruhe meines       glühen wird. Ich denke immer, so     werten verbunkert hatte, und der      ausgesagte Jahr, bis sich eine Sta-
                               Arztes, der mir erklärt, dass das    lange ich über mich selbst noch      Horizont wird weiter.                 bilität einstellt. Da braucht es Ge-

                          38                                                                                                                                                                                                  39
Womit haben Sie „kämpfen“ müssen,
                               Welche Auswirkungen hat die Behandlung?                                                                                                                und wie haben Sie dies gemeistert?
Erfahrungen während der

                               Bergit K. Ich habe schon mehrere     Bauchschmerzen, Nieren- und Bla-    auf ein Weiterleben nie aufgege-      bekomme ich Tabletten. Wenn ich         Bergit K. Alle massiv auftreten-      habe ich mich intensiv mit mei-
                               Therapien erhalten, außerdem be-     senprobleme, Ausschlag … Da ist     ben.                                  die Mitpatienten sehe, die alle am      den Nebenwirkungen stellen eine       nem Krankheitsbild auseinander-
                               komme ich alle zwei Wochen eine      insgesamt einiges, was ich schon                                          Tropf hängen, freue ich mich über       Therapie für den Betroffenen erst-    gesetzt. Aber, als das MDS nach
                               Bluttransfusion von roten Blutkör-   wegstecken musste. Ich habe bis-    Ute S. Die körperlichen Auswir-       „meine Gesundheit“.                     mal infrage. Es ist jedoch manch-     einem Jahr in eine AML überge-
                               perchen. Grundsätzlich machen        her das Glück gehabt, dass sich     kungen waren sehr unangenehm,                                                 mal wichtig, die Nebenwirkungen       gangen war, kam der erste seeli-
Behandlung

                               mir die Anämiesymptome am            alle Nebenwirkungen nach einer      da ich das Medikament schlecht        Petra M. Die Therapie war körper-       eine Zeit lang zu ertragen, in der    sche Zusammenbruch mit Ratlo-
                               meisten zu schaffen: Erschöp-        Zeit wieder gegeben haben. Nur in   vertragen habe. Das Erfreuliche       lich, wie seelisch sehr belastend.      Hoffnung, dass sie wieder vorbei-     sigkeit, Heulen und Wutanfällen.
                               fungszustände, Atemnot bei kör-      einem Fall musste das Medikament    war, dass ich statt fünf Sitzungen    Ich dachte manchmal, dass ich           gehen. Diese Zeit des „Aussitzens“,   Doch es half ja alles nichts, ich
                               perlicher Anstrengung, manchmal      abgesetzt werden.                   nur drei brauchte, bis meine Blut-    nicht mehr kann, aber ich wurde         in der auch die Ärzte unsicher        musste mich mit den Tatsachen
                               Herzrhythmusstörungen, große                                             werte sich normalisiert hatten. Da-   vom ganzen Team gut aufgefan-           sind, wie man am besten weiter-       abfinden. Die zweite Phase eines
                               Müdigkeit ohne unbedingt schla-      Edith B. Meine Behandlungszeit      nach hatte ich drei Monate Ruhe,      gen. Es kam auch immer wieder           macht, zerrt ziemlich an den Ner-     ähnlichen seelischen Knicks kam,
                               fen zu können. Diese Symptome        war sehr langwierig und körper-     bis erneut gespritzt wurde, und die   Kraft in mich und ich wusste:           ven. Es geht manchmal darum,          als ich ca. fünf Monate nach der
                               weisen mich immer darauf hin,        lich anstrengend. Insgesamt im      Nebenwirkungen immer schlimmer        “Jetzt denkt grade eben jemand          herauszubekommen, ob der Nut-         Transplantation von meinem Re-
                               dass eine erneute Transfusion not-   Rückblick gesehen, empfand ich      wurden. Jetzt setzte man das Medi-    ganz fest an dich ... !!!“ Körperlich   zen oder der Schaden einer Thera-     zidiv erfuhr. Da dachte ich, ich
                               wendig ist. Psychisch bin ich dann   jede Behandlung als neue Hoff-      kament ab. Die seelische Belastung    zu sehen, wie schnell man einen         pie größer ist. Dazu sollte man       muss wohl doch sterben. Aufge-
                               auch nicht so besonders stabil.      nung auf Besserung. Auch wenn       war hoch.                             Menschen „runterfahren“ kann,           nicht gleich aufgeben.                ben wollte ich aber nicht. Ich be-
                               Während medikamentöser Thera-        mir bewusst war, dass meine Leu-                                          das war schon eine Erfahrung -                                                gann, mich mit meiner Psyche zu
                               pien hatte ich diverse unangeneh-    kämie und/oder die Begleiterkran-   Wolfgang H. Nach den Spritzen         der seelische Zustand nach einer        Edith B. Nach dem Ende meiner         beschäftigen, mit autogenem
                               me Nebenwirkungen wie hartnä-        kungen jederzeit zum Tode führen    ist meine Bauchdecke rot und          Hoch-Dosis-Chemotherapie ist            Berufstätigkeit, das war ein Vier-    Training, Lebensplanung nach
                               ckige Verstopfung oder Durchfall,    können, habe ich die Hoffnung       brennt etwas. Gegen die Übelkeit      heute noch ein Problem.                 teljahr nach der Diagnose MDS,        dem Buch von Dr. Simonton. Von

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