Religion in Bewegung 23 2020

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Religion in Bewegung 23 2020
31. OKTOBER BIS 13. NOVEMBER

                                                               23 2020

Religion in Bewegung
Themenheft Wie uns der Glaube bewegt

In allen Religionen spielt die Bewegung eine
zentrale Rolle: im Gebet, beim Pilgern oder
auch im gesellschaftlichen Engagement.
Religion in Bewegung 23 2020
EDITORIAL

                                                                            zVisite ist eine interreligiöse
                                                                            Gemeinschafts­produktion
                                                                            verschiedener Zeitschriften

                                                                            Die evangelisch-reformierte
                                                                            Zeitung
                                                                            www.reformiert.info

In Zeiten des Stillstandes haben sich die
«zVisite»-Redaktorinnen und -­ Redaktoren
für das ­Thema Bewegung entschieden:                                        Zeitung der römisch-katholischen
                                                                            Pfarreien des Kantons Bern
Es war im März, als die Corona-­Krise nicht nur das öffentliche,            www.pfarrblattbern.ch
sondern auch das religiöse Leben lahmlegte. Die Türen der
Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel blieben f­ ür ihre
Gläubigen verschlossen.                                                      Zeitschrift der Christ-
Ostern feierten Christinnen und Christen zu Hause. J­ uden und              ­katho­lischen Kirche
­Jüdinnen zelebrierten Purim nicht wie gewohnt in Gemein-                    www.christkatholisch.ch
 schaft. Und nach Mekka pilgerten dieses Jahr nur ein paar
 Tausend anstelle der 2,5 Millionen Menschen.

                                                                            Pfarrblatt der katholischen
In dieser «zVisite»-Ausgabe sprechen zwei Frauen und zwei                   Kirche im Kanton Zürich
Männer über Erfahrungen auf ihrem Pilgerweg nach Rom,
Madras, Santiago de Compostela und Mekka. Sie haben sich
in der Verenaschlucht, einem Abschnitt des Jakobswegs,                      Das Magazin der jüdischen
g­etroffen und sich ausgetauscht, wie die Wallfahrt sie ver­                Gemeinde Bern
ändert habe.

Doch nicht nur ­eine körperliche Bewegung wie das Pilgern wirkt             Zeitung der römisch-katholischen
sich auf den Geist aus, sondern auch der Tanz, die Musik und die            Pfarreien des Kantons Aargau
Medita­tion. ­Zudem porträtieren wir vier Menschen, die sich                www.horizonte-aargau.ch
von ihrer Religion dazu bewegt fühlen, sich ­aktiv für die Ge-
sellschaft zu engagieren.
                                                                            Evangelisch-reformierte Zeitung
                                                                            BS, BL, SO, SH, LU, SZ, UR und OW
Geniessen wir trotz Einschränkungen, Distanz- und Hygiene-                  www.kirchenbote-online.ch
vorschriften die Bewegungsfreiheit und gehen aufeinander zu.
Bleiben Sie gesund!
                                                                            Das jüdische Wochenmagazin
Nicola Mohler                                                               www.tachles.ch

Redaktorin «reformiert.» und Blattmacherin «zVisite»
                                                                            Auflage: 775 000 Exemplare
                                                                            Redaktion: Zeinab Ahmadi,
                                                                            Christa Amstutz, Marie-Christine
                                                                            Andres, Thomas Binotto,
                                                                            Hannah Einhaus, Anouk Hiedl,
                                                                            Katharina Kilchenmann,
 Seit 2019 ist auch das «forum» an der Redaktion von «zVisite» beteiligt.
                                                                            Andreas Krummenacher, ­Nicola
 Aus produktionstechnischen Gründen transformieren wir die «zVisite»        Mohler, ­Franz Osswald, Laavanja
 in unser Magazinformat. Sie können jedoch die Zeitungsausgabe von          Sinnadurai, Tilmann Zuber
 der zVisite-Website als PDF downloaden. Dort finden Sie zudem weitere      Blattmacherinnen: Nicola Mohler,
 Beiträge, die hier keinen Platz mehr hatten.                               Katharina Kilchenmann
                                                                            Layout: Renata Hubschmied,
 Redaktion forum                                                            Bern. Gestaltungskonzept:
                                                                            Susanne Kreuzer. Korrektorat:
 www.zvisite.ch                                                             Pia Schwab, Bern

                                                                                           forum 23 2020    2
Religion in Bewegung 23 2020
INHALT

                                               4

                                                                                                                                                        Foto: Pascale Amez
ZVISITE

Unterwegs zu Gott
Ob nach Mekka, Madras, Rom oder
Santiago de Compostela – wer sich
auf den Weg macht, verändert sich.
Ein Muslim, eine Hindu und zwei
Christen sprechen über die Erfah-
rungen ihrer Pilgerreisen.

DAS FORUM ZU BESUCH

Religion in Bewegung                                                                                          ZVISITE                             8
Zu Besuch sein, Gast sein, sich
                                                                                                              Von Liebesgeschichten und
austauschen, zuhören, nachfragen,
                                                                                                              Wettkämpfen
würdigen: Das ist das Motto der
                                                                                                              Der indische Tempeltanz ist
­interreligiösen Zeitung «zVisite».

                                                                                                   26
                                                                                                              Laavanja Sinnadurais Leidenschaft.
 Hier berichten und schreiben Reli-
 gionsgemeinschaften nicht über­
 einander, sondern miteinander.                                           ZVISITE                             AUS DEN PFARREIEN             9–24
 Die multireligiöse Redaktion über-
 rascht jedes Jahr mit neuen Ein-                                         Unterwegs in die                    ZVISITE                          25
 sichten und Begegnungen, diesmal                                         Gesellschaft
 zum Thema Religion und Bewegung.                                                                             Eine kleine Bewegung, die Leben
                                                                          Vier Menschen erzählen, wie sie
                                                                                                              bedeutet
                                                                          ihr Glaube zu einem gesellschaft­
                                                                                                              Der Tetraplegiker Peter Lude
                                                                          lichen Engagement bewegt hat.
                                                                                                              über das Atmen

                                                                                                                                                31
                                                     Foto: Pascale Amez

 Das Thema in Bildern                                                                                         AGENDA
 Die Fotografin Pascale Amez hat sich für
 diese Ausgabe Gedanken gemacht, was                                                                          SCHLUSSTAKT                      32
 für sie der Puls der Zeit bedeutet. Entstan-
 den ist eine Fotostrecke, die von wachen                                                                     Impuls zum Kirchenjahr: Allerheiligen
 Nächten, Träumen und neuen Realitäten                                                                        Heiligkeit ohne Perfektion
 erzählt. Immer im Spannungsfeld zwischen
 dem Wunsch, in den Tag hineinzu­leben,
 und der Notwendigkeit, sich Sta­bilität und
 Sicherheit zu geben.
 Pascale Amez ging der Frage nach, wie
                                                                                                               ONLINE + 
 sie sich in der Gesellschaft bewegen
 will – mittendrin im Strom oder lieber ruhig                                                                  Serie «Bischofswahl»
 am Rand? Ihre Antworten in dieser Aus­
 gabe und online.                                                                                              Ein Beitrag von Felix Gmür,
                                                                                                               Bischof von Basel und Präsident
 www.zvisite.ch/galerie
                                                                                                               der Schweizer Bischofskonferenz

                                                                                                               Josef Annen
                                                                                                               Der Generalvikar tritt überraschend
                                                                                                               auf Ende Oktober zurück. Erste
Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 20. Oktober 2020                                                             Stimmen dazu auf unserer Website.
Titel: Bewegung                                                                                                www.forum-pfarrblatt.ch
Foto: Pascale Amez

                                                                                                                                   forum 23 2020    3
Religion in Bewegung 23 2020
Fotos: Pascale Amez
Unterwegs zu Gott und
zu sich selber
Ob nach Mekka, Madras, Rom oder Santiago de Compostela – wer sich
auf den Weg macht, verändert sich. Ein Muslim, eine Hindu und zwei Christen
sprechen über die Erfahrungen ihrer Pilgerreisen.

              Sie sind zu Fuss 2500 Kilometer gepilgert. Warum?       Ich befürchtete, unterwegs
              Mariette Mumenthaler: Als ich mich vor 20 Jah-
              ren auf den Pilgerweg ins spanische San­tiago de
                                                                    könnte es mir langweilig
              Compostela machte, wollte ich über den Sinn           werden.
              des Lebens nachdenken. Vieles hatte ich in mei-                    Mariette Mumenthaler, pensionierte Lehrerin
              nem Leben schon gemacht, und plötzlich fragte
              ich mich, warum ich all dies eigentlich tat. So bin   Haus Gottes im Innenhof der Moschee, ist un-
              ich dann losgegangen. Pilgern heisst gehen. Es        ser zentrales Heiligtum. In ihre Nähe zu gelan-
              ist wichtig, langsam vorwärtszukommen.                gen, kann man vergessen. Ich bin um drei Uhr
              Lars Kottmann: Zum Abschluss einer Auszeit ent-       nachts dorthin aufgebrochen und hatte den-
              schied ich mich 2017, nach Santiago zu pilgern.       noch keine Chance. Da waren viel zu viele Men-
              Ich hatte damals mit gesundheitlichen Proble-         schen. In Mekka braucht man Geduld, Geduld
              men zu kämpfen, hatte meinen Job gekündigt            und nochmals Geduld.
              und das tiefe Bedürfnis, diesen Weg zu gehen.
                                                                    Was ist Ihnen beim Pilgern ­wichtiger,
              Auch Sie pilgerten, stiegen dabei aber                der Weg oder das Ziel?
              als Erstes ins Flugzeug.                              Kottmann: Der Weg.
              Burim Luzha: Ja, ich hatte aufgrund der Arbeit        Lalithambikai Sinnadurai: Für mich ist es eindeu-
              nicht viel Zeit. Deshalb bin ich nach Mekka ge-       tig das Ziel, der Tempel der Göttin Shakti im in-
              flogen. Aber auch dort ist man viel zu Fuss un-       dischen Madras. Das spirituelle Leben findet in
              terwegs. Die Heilige Moschee von Mekka ist die        und um den Tempel statt. Wenn ich dort bin, be-
              grösste der Welt, jährlich besuchen sie Millio-       suche ich ihn jeweils dreimal täglich. Ich bete,
              nen von Pilgern. Die Kaaba, das quaderförmige         esse vegan, singe, meditiere und übe Yoga.

                                                                                                       forum 23 2020    4
Religion in Bewegung 23 2020
Mumenthaler: Als ich nach Santiago pilgerte,          Ich spürte, was mir im Leben
hatte ich ein Ziel. Aber schlussendlich hat mich
der Weg innerlich viel mehr bewegt.
                                                    wichtig ist.
Kottmann: Das habe ich auch so erlebt. Das Un-                                   Burim Luzha, Sozialarbeiter

terwegssein war schöner als das Ankommen. Die
Menschenmassen und der Rummel in Santiago           Pilgerfahrt nur einmal. Wenn die Menschen bei
liessen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich ging        der Kaaba stehen, sieht man keine Unterschie-
dann weiter zum Kap Finisterre. Dort sass ich auf   de zwischen Arm und Reich. Denn alle tragen
einer Klippe, sah auf das weite Meer hinaus und     dort das gleiche weisse Gewand. Ganz anders ist
konnte so meine Pilgerreise gut abschliessen.       es in den Strassen Mekkas: Auf der einen Seite
Luzha: Im Islam sagt man, Gott belohne nicht        stehen Luxushotels, während in den Neben-
nur den Erfolg, sondern auch die Anstrengung.       strassen Pilger aus Afrika und anderswo ihr Es-
Neben dem Ziel ist der Weg entscheidend. Für        sen unter freiem Himmel kochen. Die Pilgerrei-
jeden Muslim und jede Muslimin ist der Hadsch,      se zeigt, dass Materielles schlussendlich keine
die grosse Pilgerfahrt nach Mekka, eine religiö-    Erfüllung bringt. Deshalb suchen viele trotz
se Pflicht, die er einmal im Leben absolvieren      Reichtum das einfache Leben.
muss. Früher reisten die Gläubigen in Karawa-       Sinnadurai: Flugtickets nach Indien sind natür-
nen Hunderte von Kilometern weit. Der Einzel-       lich teuer. Von weit her zu pilgern, ist also ein Lu-
ne pilgerte in einer Gemeinschaft und wurde so      xus. Den Shakti-Tempel in Madras besuchen
in seinem Glauben gestärkt. Wer pilgert, begibt     aber auch viele Einheimische, die arm sind. Alt
sich auf einen Glaubensweg zu sich selber. Die      und Jung leben auf der Strasse, waschen sich im
Reise nach Mekka ist eine religiöse Selbstfin-      Fluss und erledigen ihre Notdurft draussen. Es
dung. Die weisse Kleidung, die alle tragen,         ist traurig, dies zu sehen. Ich stamme aus Sri Lan-
drückt aus, dass wir Teil einer Gemeinschaft        ka und weiss, was Armut bedeutet. Den Freiwil-
sind. Wir pilgern, um uns in Bescheidenheit und     ligen, die vor dem Tempel Essen an die Armen
Weisheit ein Stück weit zu stärken.                 verteilen, spende ich deshalb regelmässig Geld.

Sie sind allein gepilgert. Hatten Sie Angst         Wie erleben Ihre Kinder das?
vor der Einsamkeit?                                 Sinnadurai: Als Kulturschock. Wenn wir zurück-
Mumenthaler: Anfangs befürchtete ich, es            kehren, sind sie jeweils eine Woche lang nicht
könnte mir unterwegs langweilig werden. Was         wirklich gesprächig. Und dann sagen sie: Wir le-
sollte ich den ganzen Tag lang denken? Doch         ben im Luxus. Wir können wählen, was wir essen,
dann fand ich den Rhythmus. Im Jahr 2000            während andere sich nur Reis mit Gemüse leisten
traf man auf dem Jakobsweg nach Santiago            können, wenn überhaupt. Ich finde es wichtig, ih-
nur wenige Pilgerinnen und Pilger. Die Ge-          nen aufzuzeigen, wie andere auf der Welt leben.
spräche mit ihnen waren eindrücklich. Ich
konnte offen über alles reden und musste
mich nicht verstellen.
Kottmann: Die Einsamkeit der ersten beiden
Wochen machte mich dünnhäutiger. Es gab
keine Medien und keine Nachrichten. Nichts,
nur den Weg und mich. Ich reagierte auf alles
viel direkter. Wenn es anstrengend wurde und
die Hitze zunahm, wünschte ich mir, mit je-
mandem zu reden. Ich merkte, dass ich mir in
diesen Momenten nicht zu viele Gedanken ma-
chen durfte. Je weiter ich ging, desto mehr ge-
noss ich die Einsamkeit. Der Weg war ein wich-
tiger Lernprozess.

                                                    Mariette Mumenthaler, 73                    Burim Luzha, 32
Zum Pilgern braucht man Zeit und Geld.
Ist Pilgern heute ein Luxus?                        Die pensionierte Lehrerin pilgerte im       Der Sozialarbeiter unternahm 2019
Mumenthaler: Nein, denn auf dem Weg nach            Jahr 2000 nach Santiago de Composte-        die kleine Pilgerfahrt nach Mekka.
                                                    la und ist seither jährlich auf dem Ja-     Nun plant er für 2021 den Hadsch, die
Santiago de Compostela kommt man mit wenig
                                                    kobsweg unterwegs. 2016 ging die Ka-        ­grosse Pilgerfahrt, die jeder Muslim
aus, sofern man in Herbergen, Schlafsälen oder
                                                    tholikin für «Kirche mit den Frauen» zu      und jede Muslimin einmal im Leben
draussen übernachtet.
                                                    Fuss von St. Gallen nach Rom.                machen sollte.
Luzha: Ins saudische Mekka zu pilgern kostet.
Deshalb unternehmen die meisten Muslime die

                                                                                                                   forum 23 2020    5
Religion in Bewegung 23 2020
Fotos: Pascale Amez

                      Es gibt Pilgerberichte über Gottesbegegnungen.
                      Hatten Sie ein spirituelles Erlebnis?
                      Luzha: Die Zeit in Mekka erfüllte alle meine
                      Sehnsüchte. Mir wurde bewusst, dass an diesem
                      Ort bereits Abraham, die Propheten und Mo-
                      hammed, der letzte Gesandte Allahs, gewesen
                      waren. Das war sehr emotional. Durch diese
                      Gottes­nähe fand ich inneren Frieden und Glück-
                      seligkeit. Ich sage nicht, dass ich Gott begegnet
                                                                             Man sollte keine zu hohen
                      bin, aber in meinem Denken und Handeln bin ich
                      Gott nähergekommen. Ich spürte, was mir im Le-       Erwartungen haben.
                      ben wichtig ist. Viele materielle Wünsche, die ich                Lalithambikai Sinnadurai, Pflegeassistentin

                      hatte, sind nebensächlich geworden. Weniger
                      schön war, mitanzusehen, wie historische Stätten     an. Doch er blieb. Gott hat in diesem zarten In-
                      in Mekka abgerissen und stattdessen riesige          sekt ein Werkzeug gefunden, um mit mir über
                      neue Hotelbauten errichtet werden.                   die Zerbrechlichkeit und Schönheit des Lebens
                      Kottmann: Ich hatte nicht die Erwartung, Gott zu     zu kommunizieren.
                      begegnen. Doch es war so, dass durch das Ge-         Sinnadurai: Wir begegnen Gott in unseren Ritu-
                      hen und Unterwegssein Frieden in mein Leben          alen; im Singen und Beten verbinden wir uns mit
                      kam. Das wurde mir aber erst zu Hause bewusst.       ihm. Ein tamilisches Sprichwort sagt, dass wir
                      Ein Erlebnis kam dennoch einer Gottesbegeg-          Gott im Lachen der armen Menschen begegnen.
                      nung sehr nahe: Kurz nach Genf hatte ich eine        Mumenthaler: Auf dem Jakobsweg erfuhr ich
                      Krise, und ich glaubte, nicht mehr weitergehen       Gott in den Zusammentreffen mit anderen
                      zu können. Als ich erschöpft auf einer Bank am       Menschen. Diese spirituelle Dimension zu spü-
                      Waldrand sass, landete ein Schmetterling auf         ren, tat mir gut. Solche Momente erlebte ich
                      meiner Hand. Das war mir vorher noch nie pas-        auch in den Kirchen und Kapellen, die ich be-
                      siert. Der Schmetterling sass minutenlang da         suchte. Mich beeindruckte, dass hier schon so
                      und wuselte herum. Ich begriff in diesem Mo-         viele Generationen gebetet haben.
                      ment, dass es wichtig und gut war, dass ich die-
                      sen Weg machte. Mir schien: Gott sagt deutlich       Was empfehlen Sie Pilger­anfängern?
                      Ja zu mir. Nach zehn Minuten wollte ich weiter-      Sinnadurai: Eine Reiseapotheke mitzunehmen,
                      gehen und stupfte den Schmetterling ganz sanft       um gegen Krankheiten gewappnet zu sein. Ins-

                                                                                                              forum 23 2020    6
Religion in Bewegung 23 2020
Geh einfach los. Der Rest
                                                    ergibt sich von alleine.
                                                                              Lars Kottmann, Büroangestellter

                                                    wie lehrreich sie war. Ich reise gern und habe
                                                    über dreissig Länder besucht. Doch diese Men-
                                                    schenmasse in Mekka war gewaltig und ein-
                                                    drücklich. So einen Moment hatte ich vorher
                                                    noch nie erlebt. Er lehrte mich Geduld und
                                                    Rücksichtnahme.
                                                    Sinnadurai: Ich bin so oft nach Indien gereist,
                                                    dass ich keine grossen Erwartungen mehr habe.
                                                    Ich bete auch zu Hause und versuche, hier Frie-
                                                    den zu finden. Ich erinnere mich an das schwie-
                                                    rige Leben in Sri Lanka und weiss, wie wichtig
                                                    es ist, Frieden zu suchen und sich gegenseitig zu
                                                    unterstützen.
                                                    Mumenthaler: Im Gegensatz zum Jakobspilgern
                                                    hatte meine Pilgerreise nach Rom 2016 ein kir-
                                                    chenpolitisches Ziel: Wir wollten dem Papst eine
                                                    Petition übergeben, die die Gleichberechtigung
                                                    der Frauen in der katholischen Kirche forderte.
gesamt ­sollte man keine zu hohen Erwartungen       Vertreter des Vatikans haben uns aber nicht
haben, weder an den spirituellen noch an den        empfangen. Doch der Weg und die Gespräche
touristischen Teil der Reise. Der Lebensstandard    unterwegs und in Rom haben mir bewusst ge-
in Indien ist nicht derselbe wie in der Schweiz,    macht, wie drängend dieses Thema ist. Deshalb
doch die Reise lohnt sich auf jeden Fall.           bin ich froh, nach Rom mitgepilgert zu sein.
Mumenthaler: Beim Pilgern ist weniger mehr.
Vor meiner Reise nach Santiago riet man mir,        Und das mit über 70 Jahren. Ist man
von allem drei Stück mitzunehmen: drei ­Hosen,      zum Pilgern je zu alt?
drei Hemden, drei Socken­      paare. Unterwegs     Mumenthaler: Nein. Solange man sich gesund
merkte ich: Eigentlich brauche ich nur zwei.        fühlt, wartet stets ein Weg.
Kottmann: Der wichtigste Tipp lautet: Geh ein-
fach los. Der Rest ergibt sich von alleine. Viele                        Interview Anouk Hiedl, Tilmann Zuber
Menschen träumen von dieser Reise, aber es
fehlt ihnen der Mut, sie anzutreten. Und man
sollte sich zu Beginn einer Pilgerreise nicht zu
viele Kilometer pro Tag vornehmen. Irgend-
wann ist man erschöpft.
Luzha: Ich finde, man sollte sich auch gut see-
lisch auf die Reise vorbereiten, sich überlegen,
was man in Mekka erhofft, und sich bewusst
werden, welche Gewohnheiten und Zwänge
man aufgeben kann.

Hat Sie die Pilgerreise verändert?
Kottmann: Ich habe erlebt, was es bedeutet, un-
terwegs zu sein und im Heute zu leben, ohne das
Morgen planen zu müssen. Beim Pilgern lernt
                                                    Lalithambikai Sinnadurai, 53                 Lars Kottmann, 45
man, den Moment auszukosten, sich zu öffnen
und zu vertrauen. Man weiss nicht, was der          Die Pflegeassistentin und tamilische         Das Mitglied der Freikirche Bewegung
nächste Tag bringt oder wo man in einer Woche       Lehrerin ist vor 31 Jahren von Sri           Plus Sissach arbeitet im Büro eines
                                                    ­Lanka in die Schweiz eingereist. Die        Handwerksbetriebs. Er pilgerte 2017
eine Übernachtungsmöglichkeit findet und was
                                                     Hindu pilgert wenn möglich jährlich         vom Baselbiet zu Fuss nach Santiago
man essen wird. Diese Erfahrung gibt mir bis
                                                     nach ­Indien und findet dort Lebens-        de Compostela und fand dabei aus
heute noch viel Energie.
                                                     kraft, ­innere Ruhe und Zufriedenheit.      ­einer persönlichen K
                                                                                                                     ­ rise heraus.
Luzha: Die Mekka-Reise hat mich verändert. Ich
denke immer wieder darüber nach und merke,

                                                                                                                     forum 23 2020    7
Religion in Bewegung 23 2020
Fotos: Pascale Amez
Von Liebesgeschichten und Wettkämpfen
Die Juristin und interkulturelle Mediatorin Laavanja Sinnadurai tanzt schon
ihr ganzes Leben: Der indische Tempeltanz ist ihre Leidenschaft.

Die Armreifen klimpern, während Laa-        Teil der Volkskultur                      Weit öffnet sie die Augen und macht ein
vanja Sinnadurai sich die Ohrhänger         Da kommen etwa Götter den Erdenge-        grimmiges Gesicht, nur um gleich ein
ansteckt. Spiegel braucht sie dafür kei-    schöpfen zu Hilfe, verführen sie oder     Lächeln zu zeigen, das das Herz be-
nen, denn das hat sie schon unzählige       fordern sie heraus, etwas Ausserge-       rührt. «Die Mimik ist wichtig, und ich
Male gemacht. «Ich tanze, seit ich den-     wöhnliches zu tun. Mal sind es Liebes-    muss mich als Tänzerin in die Emotio-
ken kann», sagt die 30-Jährige. «Schon      geschichten, mal Wettkämpfe, immer        nen jeder Figur hineinfühlen. Nur so
als kleines Mädchen war ich im Unter-       aber geht es um die Menschen in ihrem     kann ich das Publikum mit der Ge-
richt und bewunderte meine Tanzleh-         Alltag, zu dem auch ihre Glaubens­        schichte berühren.»
rerin, ihre Schönheit und ihre Bewe-        praxis gehört. «Bei uns wird nicht so         In Zentralindien wurden die bisher
gungen. Und bis heute gehören der           sehr getrennt zwischen dem Weltli-        ältesten Dokumentationen des Tanzes
Tanz, die Kleider, der Schmuck und die      chen und dem Geistlichen», sagt Sin-      überhaupt entdeckt. Steinzeitliche
Art, sich zu schminken, zu meinem Le-       nadurai. «Wenn Gott Krishna, der          Höhlenmalereien stellen den tanzen-
ben.» Schnell schlüpft sie in den seide-    Liebling der Frauen, auftaucht, ver-      den Gott Shiva dar. «Shivas Tanz sym-
nen Sari, den sie über ihren Alltagsklei-   schmelzen die Welten. Dann geht es        bolisiert den Kreislauf der Zeit, des Le-
dern trägt, drapiert das Stoffende lässig   einfach nur um Liebe im Herzen, im        bens insgesamt. Er zerstört das Alte und
über der Schulter und steckt mit einer      Körper und im Geist.»                     schafft neues Leben», sagt Sinnadurai.
Klemme die Haare zusammen. «Wie                 Bharatanatyam ist einer der ältes-    Damit bezwinge er die Dämonen der
Bolly­wood, nur echt», sagt sie lachend.    ten klassischen Tanzstile des indischen   Unwissenheit und Unachtsamkeit. «Es
    Schön wie die hinduistische Göttin      Subkontinents. Er wird nicht nur von      heisst, wenn Shiva zu tanzen aufhört,
für Glück und Liebe Lakshmi steht sie       den Tempeltänzerinnen interpretiert,      steht das Universum still. Tanz ist für
da, die Juristin und interkulturelle Me-    sondern ist auch Teil der hinduisti-      uns eine Form von Gebet, wir ehren und
diatorin aus Bern, und stellt ein paar      schen Volkskultur. Das Wort setzt sich    feiern damit die Götter, die Menschen
Gesten des indischen Tempeltanzes           aus den Abkürzungen der vier wesent-      und das L­ eben.»
vor: Wellenförmige Handbewegungen           lichen Tanzelemente zusammen: «Bha-                              Katharina Kilchenmann
symbolisieren das Wasser, ein Halb-         va» steht für Emotion, «Ra-ga» für die
kreis mit dem einen Arm deutet die auf-     Melodie, «Ta-la» ist der Rhythmus und
gehende Sonne an, die nach oben zei-        «Natya» heisst Tanz.
genden Handflächen mit gespreizten                                                     Im Video tanzt Laavanja Sinnadurai
Fingern die offenen Blätter einer See-      Das Publikum berühren                      die Geschichte, wie sie am Morgen am
rose. «Im Bharatanatyam gibt es stili-      Es sind die Grundpfeiler dieses Tanzes,    Wasser erwacht und auf Shiva wartet.
sierte Gesten für Tiere, die Natur, Göt-    der auch schauspielerische Elemente        www.zvisite.ch/tanz
ter und Menschentypen», führt sie aus.      hat. Das macht Sinnadurai gleich vor:

                                                                                                              forum 23 2020    8
Religion in Bewegung 23 2020
Foto: Pascale Amez

  Für ein paar
Sekunden spürte ich
Weite und Ruhe.
 Peter Lude, Psychotherapeut, Tetraplegiker

Eine kleine Bewegung, die Leben bedeutet
Atem. Für den Tetraplegiker Peter Lude ist das selbständige Atmen
pure Freiheit. Und in den Religionen schärft der Atem das Bewusstsein
für Gott und die Gegenwart.

Einatmen, ausatmen: eine kleine Bewe-                              ­ uhe, den Inbegriff der Freiheit.» Ihm
                                                                   R                                          Bewusstsein für das Hier und Jetzt und
gung, die unser Leben prägt, vom ersten                            wurde klar: «Wenn das mein Normalzu-       die gött­liche Nähe geschärft. «In der
Schrei des Neugebore­nen bis zum letzten                           stand werden kann, geht es mir gut –       Konzentration auf den Atem, der etwas
Atemzug des Sterbenden. Hört diese Be-                             trotz aller Einschränkungen. Erschöp-      sehr Konkretes ist, kann der Geist zur
wegung auf, sind wir tot. Fällt sie schwer,                        fung kann Erlösung ­bedeuten.»             ­Ruhe kommen.»
sind wir erschöpft. Dies hat der Psycho-                               Der Atem ist für die menschliche            Christinnen und Christen nutzen da-
therapeut und Buchautor Peter Lude am                              Existenz essenziell. Auch in den Religi-    für das Herzensgebet, bei dem sie beim
eigenen Leib erfahren. Seit 36 Jahren hat                          onen spielt er eine wichtige Rolle. Er      Einatmen «Jesus Christus», beim Ausat-
er als Tetraplegiker seinen Körper kaum                            wird in vielen Glaubensrichtungen           men «Erbarme dich meiner» sprechen.
mehr aktiv bewegt. Dennoch erlebt er das                           gleichzeitig mit dem Geist Gottes und       Yogis führen mit Pranayama-Atemübun-
Gelähmtsein als hochaktiven Prozess.                               der Lebensenergie asso­ziiert. So kennt     gen Körper und Geist zusammen. Musli-
    Bei einem Kopfsprung ins Meer ver-                             der Hinduismus diese Atem-Geist-            mische Sufis kennen Meditationsformen
schob sich beim damals 19-jährigen                                 Kombination als Prana, das vergleich-       wie die der drehenden Derwische oder
Schwimmsportler ein Halswirbel. Reg-                               bar ist mit dem hebräischen Ruach im        den Dhikr, bei dem mit ruhiger Atmung
los trieb er im Wasser, das Gesicht nach                           Alten Testament oder der Lebensener-        die 99 Eigenschaften Gottes rezitiert wer-
unten. «Sofort war mir klar: Ich bin ge-                           gie Qi im Buddhismus. Die antiken grie-     den. Auch in mystischen Traditionen des
lähmt.» Sein Kollege dachte, Lude wol-                             chischen Philosophen und Mediziner          Judentums meditieren Gläubige zum
le ihm zeigen, wie lange er den Atem                               vereinten im Wort Pneuma den Hauch          Gottesnamen und beruhigen im Einklang
anhalten könne.                                                    und den göttlichen Geist.                   mit dem Atem ihren Geist.
                                                                                                                   «Der Atem ist der Ort der Gegen-
Prana, Ruach und Pneuma                                            Bewusstsein schärfen                        wart, der Ort, wo das Leben stattfin­det»,
Bei einer Tetraplegie ist auch die Atem-                           «Der Atem steht in vielen religiösen        sagt Martin Rötting. Gleichzeitig ver-
muskulatur betroffen. So fiel Lude in                              Meditationspraxen im Zentrum», sagt         binde er uns mit a
                                                                                                                                ­ llen anderen Lebewe-
der Zeit nach dem Unfall das Atmen                                 Martin Rötting, Professor für Religi-       sen. Denn wer lebt, der atmet.
schwer. Die hohe innere Aktivität, das                             onswissenschaften an der Universität
Denken und Wollen, trieb den jungen                                Salzburg. Er forscht zu Bewegung und                 Marie-Christine Andres, ­N icola Mohler
Patienten bald an ­einen Punkt völliger                            Religion. «Die zahlreichen Atemtech-
Erschöpfung. «In mir hat es unaufhör-                              niken zielen darauf ab, die ungezügelte     Labyrinthe sind wie kleine Pilgerreisen.
lich gearbeitet, bis ich nicht mehr konn-                          Bewegung des Geistes zu beruhigen.»         Thomas Binotto sucht in einem Video­
te», sagt L­ude. «Und dann plötzlich                               Oft lenken Emotionen und Gedanken           essay ihre universelle Bedeutung.
konnte ich ein Mal leicht einatmen. Für                            den Menschen von der Gegenwart ab.          www.zvisite.ch/labyrinthe
ein paar Sekunden spürte ich Weite und                             Durch Meditationstechniken wird das

                                                                                                                                       forum 23 2020    25
Religion in Bewegung 23 2020
Wir können unsere Stim-
me für die Tiere erheben.
           Christoph Ammann, reformierter Pfarrer

Aus Barmherzigkeit und Nächstenliebe aktiv
Den reformierten Pfarrer Christoph Ammann bewegt das Leid der Tiere.
Er findet, die Kirchen sollten sich in dieser Frage klarer positionieren.
«Warum setzt sich die Kirche so sehr für        Christliches Ethos als Weg                   tend. Die Kirchen erlebt der Theologe
das menschliche Leben ein, auch für das         Das Gleichnis des barmherzigen Sama-         immer noch als zögerlich im Umgang
ungeborene, währenddem das Tierleid             riters ist für den Theologen eine Schlüs-    mit Tieren: «Es gibt kaum gute Argu-
in der theo­logischen Diskussion kaum           selgeschichte: «Der Samariter begleitet      mente dafür, warum der Mensch das
eine Rolle spielt?» Diese Frage treibt
­                                               mich seit meiner Kindheit: vom Bilder-       Tier verzwecken darf – das sollte uns
Christoph Ammann bis heute um.                  buch von Kees de Kort, das ich liebte, bis   als Christen und Christinnen doch
    Die Katzen, mit denen er im refor-          hin zu meinen heutigen ethischen Posi-       zum Nachdenken bringen.»
mierten Pfarrhaus aufwuchs, habe er             tionen.» Jesus erzähle die Geschichte,           Ammann ist Präsident des 2004 ge-
natürlich geliebt, sagt der Theologe.           ohne eine Antwort zu geben auf die Fra-      gründeten Vereins «Arbeitskreis Kir-
Wirklich bewegt hat ihn aber eine               ge: «Wer ist mein Nächster?» Darum           che und Tiere» (Akut). Dieser lanciert
Fernsehsendung über einen Störmetz-             zeigt das Gleichnis für Ammann einen         jetzt eine Selbstverpflichtung für Kirch-
ger, die er als Jugendlicher sah. Obwohl        für das christliche Ethos zentralen Weg      gemeinden, tierfreundlich zu handeln.
diese Weise, Tiere zu schlachten, ver-          auf: Sich nicht aus sicherer Distanz fra-    «Ein einfacher Punkt ist, weniger
gleichsweise «human» sei, hätten ihn            gen, wer der Nächste ist, sondern sich       Fleisch zum Konsum anzubieten», er-
die Bilder lange beschäftigt. Daraufhin         von dem berühren lassen, was einem           klärt Ammann. Mittagstische könnten
folgte eine erste vegetarische Phase in         begegnet. Und sich fragen: «Was bedeu-       problemlos vegetarisch oder ve­gan sein,
seinem Leben.                                   tet es, ein Liebender zu werden?»            und nicht bei jedem Anlass brauche es
    Mit dem Studium der Theologie                   Wer Barmherzigkeit und Nächsten-         Würste auf dem Grill. Der Tierschützer
und der anschliessenden wissenschaft­           liebe ernst nehme, könne das heutige         will den Fleischkonsum nicht verteu-
lichen Arbeit am Institut für Sozial­           Tierleid in der Massenhaltung und den        feln. Aber er findet auch, dass jeder sich
ethik der Universität Zürich wurde die          Versuchslabors nicht einfach ignorie-        den damit verbundenen ethischen Fra-
Tierethik für Ammann schliesslich               ren, ist der Ethiker überzeugt. Die Tiere    gen stellen sollte. Die Klimakrise und
zum Forschungs- und Herzensanlie-               seien stumm, «aber wir können unsere         die Corona-Infektionen in grossen
gen zugleich. Dabei lässt er sich nicht         Stimme für sie erheben». Das bedeutet        deutschen Schlachtbetrieben befeuer-
von einzelnen Bibelstellen über den             für ihn nicht, das Unrecht an Menschen       ten die Diskussion über den Fleischkon-
Umgang mit Tieren leiten, sondern               auszublenden.                                sum. «Es wird immer schwieriger wer-
von der Frage: «Wie kann ich in der                  Dass in der öffentlichen Diskussi-      den, diesen noch zu rechtfertigen», sagt
heutigen Zeit auf glaubwürdige Weise            on Menschenleid oft gegen Tierleid           der Zürcher Pfarrer.
Christ sein?»                                   ausgespielt wird, macht Ammann wü-                                       Christa Amstutz

                                                                                                                   forum 23 2020    26
Fotos: Pascale Amez
                                                                                                            Auch Mädchen und
                                                                                                          Frauen sollen fühlen: Die
                                                                                                          Tora ist unsere Tora.
                                                                                                                             Dorit Grant Kohn, Rebbetzin

Tradition mit liberalen Werten verbinden
Die Rebbetzin Dorit Grant Kohn engagiert sich für die ­Gleichstellung
der Frauen im Judentum. Vieles habe sich schon zum Guten verändert.­
Dorit Grant Kohn ist nicht einfach die        und Frauen sind gleichwertig, aber an-                      mische Religion, die sich der jeweiligen
Frau des YB-verrückten Rabbiners Mi-          ders. Das Lernen der Schriften und die                      Umgebung anpasse, ohne den Kom-
chael Kohn der jüdischen Gemeinde in          Gottesdienste sind Männersache.                             pass der Halacha, der jüdischen Gebo-
Bern. Sondern sie setzt mit ihrem Reli-       Frauen widmen sich primär ihren                             te und Verbote, zu verlieren.
gionsunterricht für Mädchen, ihrer            häuslichen Pflichten. Kohn, die sich                            Der Spielraum für Frauen sei deut-
Wissensvermittlung für Frauen und ih-         selbst als orthodox bezeichnet, wider-                      lich grösser, als gemeinhin in orthodo-
ren pointierten Ansichten fortschrittli-      spricht dieser Auffassung und setzt                         xen Kreisen angenommen werde. «Ich
che und neue Akzente punkto Gleich-           hier einiges in Bewegung: «Alter und                        glaube, dass es im Judentum diskrimi-
berechtigung von Mann und Frau im             Geschlecht dürfen keine Rolle spielen.                      nierende Regeln gibt, die angegangen
Judentum.                                     Je mehr wir wissen, desto mehr fühlen                       werden müssen», ist die Berner Rebbet-
    Aufgewachsen ist die studierte Polito-    wir uns miteinbezogen.» Dem Unter-                          zin überzeugt. Als Beispiel nennt sie das
login in einer religiösen Familie, die von    richt für Hebräisch und Liturgie misst                      Verbot von weiblichen Zeugen vor jüdi-
England nach Israel übersiedelte. Damals      sie daher bereits im Reli­gionsunterricht                   schen Gerichten, bei Hochzeiten oder
war sie ein Jahr alt. Ihren Mann, einen ge-   der Kinder grosse Bedeutung bei, für                        Übertritten. Dies sei keine Frage der Ge-
bürtigen Norweger, lernte sie an der Uni-     Mädchen wie für Buben. «Mein Mann                           schlechter. «Diese Regeln sollten als dis-
versität Jerusalem kennen, wo beide Ju-       spricht oft davon, dass unser Judentum                      kriminierend anerkannt werden.»
dentum und Hebräisch für englischspra-        wie eine Muttersprache sein soll. Auch                          Kohn steht mit diesen Forderungen
chige Studenten unterrichteten. Sie           Mädchen und Frauen sollen fühlen:                           nicht alleine da. Vielmehr vernetzt sie
heirateten 2012 und zogen 2016 mit ihrer      Die Tora ist unsere Tora.»                                  sich seit Jahren in einer grossen Com-
kleinen Tochter Mia nach Bern, wo ihre                                                                    munity: «Ich bin Teil von vier feministi-
zwei weiteren Kinder Benjamin und Lio-        Orientierung nicht verlieren                                schen, modern-orthodoxen Facebook-
ra zur Welt kamen. Um sich auf die Rolle      «Allein in den letzten 20 Jahren hat sich                   Gruppen, die sich über ihre Erfahrun-
als Frau des Rabbiners, als Rebbetzin,        sehr viel verändert», sagt Kohn. Die                        gen austauschen.» Sie macht sich aber
vorzubereiten, studierte die 32-Jährige       moderne Orthodoxie wolle Tradition                          keine Illusionen: «Der Weg zur Gleich-
jüdisches Recht und absolvierte zusam-        und liberale Werte verbinden. «Grund-                       stellung ist überall ein langsamer Pro-
men mit ihrem Mann auch einen Kurs in         werte wie Gleichheit von Mann und                           zess, ob wirtschaftlich, politisch, gesell-
praktischer Gemeindeleitung.                  Frau, Gerechtigkeit und Menschen-                           schaftlich oder eben auch religiös.»
    Eine im orthodoxen Judentum weit-         würde gehören zum Fundament im Ju-
verbreitete Haltung lautet: Männer            dentum.» Es sei eine lebendige, dyna-                                                     Hannah Einhaus

                                                                                                                                 forum 23 2020    27
Mein Enga­gement sehe
ich als eine Verpflichtung.
   Merve Sulemani, angehende Gymnasiallehrerin

Zwischen Ausgrenzung, Solidarität und Safe Space
Merve Sulemani setzt sich gegen Rassismus, für die Konzernverantwortungs­
initiative und den inner­mus­limischen Dialog ein.
Die Zürcherin Merve Sulemani hatte im-           die muslimische Jugendplattform «Pro-           Die junge Zürcherin setzt sich auch
mer schon einen ausgeprägten Sinn für            ject Träff» zu gründen. Muslimische Ju-     für die Konzernverantwortungsinitiati-
Gerechtigkeit. Früh begann die 30-Jäh-           gendliche aus dem Raum Zürich kön-          ve ein. Anders als bei ihrem Engage-
rige, sich mit ihren eigenen Privilegien,        nen dort über ihre Herausforderungen        ment mit muslimischen Jugendlichen
wie sie sie etwa als Schweizer Staats­           im Alltag sprechen. In dem sogenann-        sei sie bei diesem Thema jedoch nicht
bürgerin hat, auseinanderzusetzen – und          ten Safe Space, einem Schonraum, in         direkt betroffen. «Ich kann eine wohl-
sie zu hinterfragen. Als Aktivistin ver-         dem nicht diskriminiert werden darf,        tuende Distanz wahren», sagt Sulema-
steht sie sich aber nicht: «Mein gesell-         finden die Jugendlichen auch Bezugs-        ni. Trotzdem spiele ihre Religion auch
schaftliches Engagement sehe ich als             personen, die antimuslimischen Ras-         hier eine Rolle: Sie hätte gerne an ei-
eine Verpflichtung.» Sie betrachtet es als       sismus und Ausgrenzung selber erfah-        nem öffentlichen Stand für die Initia­
Selbstverständlichkeit, ihre Privilegien         ren haben. «Die Jugendlichen berichten      tive geworben, habe sich aber dagegen
dazu zu nutzen, um auf gesellschaftliche         uns, dass Bombenleger-Witze auf dem         entschieden. «Ich möchte nicht, dass
Missstände hinzuweisen, ohne sich da-            Schulhof auch heute keine Seltenheit        die Diskussion rund um die I­nitiative
bei als Retterin aufzuspielen.                   sind. Einige von uns kennen das aus der     mit der Kopftuchdebatte vermischt
    Der Einsatz der Muslimin beginnt             eigenen Schulzeit», sagt Sulemani.          wird.» Deshalb wirbt sie für die Initiati-
bei vermeintlich selbstverständlichen                                                        ve nun vorerst am ­Telefon.
Dingen. «Bereits die Tatsache, dass ich          Wohltuende Distanz wahren                       Ihre Grundhaltung, sich zu solidari-
Lehrerin werden möchte, kann als ge-             Für die angehende Gymnasiallehrerin ist     sieren und einen Beitrag für das friedli-
sellschaftliches Engagement betrachtet           klar: Es benötigt mehr innermuslimi-        che Zusammenleben in der Gesellschaft
werden.» Es sei eine Herausforderung,            schen Dialog. Deshalb wird bei «Project     zu leisten, bildet das Fundament für ih-
in der «ethnisch homogenen» Berufs-              Träff» etwa über verfestigte Denkweisen     ren Einsatz. Regelmässig legt sie aber
gruppe der Lehrpersonen Fuss zu fas-             wie die Rolle der Familie oder der Ge-      auch bewusste Pausen ein und geht ih-
sen, findet Sulemani. Immer wieder               schlechter diskutiert. «Hier sollen eben-   ren Hobbys nach. «Wir müssen nicht
werde sie auf ihren sichtbaren religiö-          falls heikle Fragen Platz haben.» Sule­     überall und ständig Aufklärungsarbeit
sen Hintergrund reduziert.                       mani weiss, dass Jugendliche gelegentlich   leisten. Heute können sich alle auch
    Oft wird Sulemani auf den Islam an-          Hemmungen haben, kontroverse The-           selbst informieren, und ich schütze
gesprochen und in die Rolle der Islam-           men in der Moschee, zu Hause oder in der    mich vor einem Aktivismus-Burn-out.»
Expertin gedrängt. Das hat sie dazu be-          Schule anzusprechen, da sie sich dort un-
wogen, mit Freundinnen und Freunden              genügend verstanden fühlen.                                              Zeinab Ahmadi

                                                                                                                   forum 23 2020    28
Fotos: Pascale Amez
                                                                                                        Ich war schon immer ein
                                                                                                      politischer Mensch.
                                                                                                        Martin Sarbach, Oberrichter und Exerzitienleiter

Zuhören, mitfühlen und sich nach Gott sehnen
Ob als Oberrichter, Exerzitienleiter, Politiker oder Familienvater: Für Martin
Sarbach steht immer die Suche nach Lösungen im Mittelpunkt.
«Ich war schon immer ein politischer            dem man nicht immer alles gut findet.»                Herausforderung ist für ihn, seine un-
Mensch», sagt Martin Sarbach und                Als junger Mann fand er die Kirche zu                 terschiedlichen Lebenswelten unter ei-
lacht verschmitzt. Seine Locken und             konservativ und kehrte ihr den Rücken                 nen Hut zu bringen. Sein Sohn leidet
die munteren Augen geben ihm etwas              zu, ohne je auszutreten. «Später merk-                seit Geburt an einer schweren zerebra-
Jungenhaftes. Bereits als Jugendlichen          te ich, dass es auch hier Menschen mit                len Lähmung und kann nur mit den Au-
trieb den heute 48-Jährigen die Frage           einem weiten Horizont gibt.» Sarbach                  gen kommunizieren. Sarbach trat des-
um, in welcher Partei er sich engagie-          beschloss, seiner Sehnsucht nach Gott                 halb in der Politik kürzer. Unumwun-
ren könnte. Als Student gründete er ei-         innerhalb der Kirche nachzugehen:                     den gibt er zu, die Betreuung seines
nen Verein zur Lancierung der zweiten           Er absolvierte ein Einführungsjahr am                 Kindes sei oft eine Überforderung. «Er
UNO-Beitrittsinitiative – mehrere Jah-          Priesterseminar in Chur und lebte dann                braucht ununterbrochen Zuwendung.
re bevor dies überhaupt auf die politi-         zwei Jahre als Novize bei den Jesuiten.               Sobald man sich nicht mit ihm beschäf-
sche Agenda kam.                                Seine bis heute andauernde Verbunden-                 tigt, beginnt er zu weinen, da er selber
    Bald wurde dem jungen Aktivisten            heit mit dem Jesuitenorden kommt etwa                 nichts tun kann.» Heute hat die Familie
klar, dass er als Teil einer politischen Par-   in seinen Wander-Exerzi­tien-Kursen im                noch eine kleine Tochter, und Sarbach
tei effektiver arbeiten könnte. Schluss­        Lassalle-Haus zum Ausdruck. Nicht zu                  staunt, wie selbständig ein gesundes
endlich fand er bei den Sozialdemokraten        wissen, was hinter der nächsten Wegbie-               Kleinkind sein kann.
den nötigen Gestaltungsspielraum für            gung kommt, findet der Katholik wunder-                   «Natürlich ist alles etwas viel, Beruf,
seine Ideen. «Als Teil der Gesellschaft         schön – egal, ob aufs Wandern oder auf                Politik und Familie. Aber es muss ein-
möchte ich mich einfach aktiv einbrin-          den Lebensweg bezogen. «Neue Wege zu                  fach möglich sein, auch mitten in all
gen», erklärt das Mitglied der Geschäfts-       gehen, ist Teil meiner Biografie. Heute bin           diesen Anforderungen gottverbunden
leitung der SP des Kantons Zürich. Mit          ich Oberrichter, aber ich würde mich                  zu leben», sagt Sarbach mit Nachdruck.
seinem Glauben habe das weniger zu tun.         nicht wundern, wenn sich eines Tages ein              Ihm bleibe nichts anderes übrig, als den
Über seine Beziehung zu Gott rede er im         ganz anderes Berufsfeld auftäte.»                     inneren Raum, in dem dies möglich sei,
politischen Umfeld nur selten, erst recht           Sowohl bei seiner Arbeit als Richter              immer wieder neu zu finden oder
nicht ungefragt.                                als auch als geistlicher Begleiter be-                manchmal zu erkämpfen. «Doch was
                                                geistert ihn das Zuhören. «Mir ist nicht              wäre das für eine Religion, die nur in
Nicht wissen, was kommt                         das Urteil wichtig, sondern die Mög-                  der Weltflucht zu leben ­wäre?»
In der Kirche geht es ihm wie oft in der        lichkeit, mit den Leuten nach Lösungen
Politik: «Man ist Teil eines Verbandes, in      zu suchen», sagt Sarbach. Die grösste                                      Beatrix Ledergerber-Baumer

                                                                                                                                forum 23 2020    29
INSERATE

 NÄCHSTE SYNODENSIT ZUNG

                                                  Aufgrund der speziellen Lage durch
                                                  die Corona-Pandemie ist die Sitzung                                         Jetzt
                                                  ausnahmsweise nicht öffentlich.                                         Infoabende
                                                                                                                           besuchen!
  5. Sitzung, 10. Amtsperiode, Römisch-katholische Synode des Kantons Zürich

  Donnerstag, 5.11.2020, 8.15 Uhr,
  Ref. Kirchgemeindehaus Liebestr. 3, Winterthur
  Traktanden
                                                                                GOTTBOUTIQUE
                                                                                     UND DIE WELT
  1. Ersatzwahlen Synode. Kirch­-               6. 	Teilrevision der Anstellungsord-
     gemeinde Zollikon-Zumikon                       nung. Entbindung vom Seelsorge-
                                                     geheimnis
  2. Mitteilungen
  3. Ersatzwahl Mitglied Synodalrat
                                                                               Filmpreis
                                                7. 	Evaluation des Bildungsbetriebes
                                                     der Paulus Akademie. Teil 2
                                                                                         der für
                                                                               Spiritualität Zürcher
                                                                                                 freieKirch
                                                                                                       Gei
     (Rest der Amtsdauer 2019–2023)
  4. 	Übergangsregelung zur Steuer-                                    Am 27. Mai ist der Autor und Journalist Loren
                                          8. 	Motion: Netto-null CO2-Emissionen

                                                                                                                         Lernen in
                                               bis 2050 in der Kath. Kirche Kt. ZH
       vorlage 17. Auszahlung der Sonder-                               das Radio­Format «Perspektiven» geprägt.
       beiträge an die Kirchgemeinden     9. Resolution für die Konzernver-
  5. Sonderbeitrag Finanzausgleich
                                               antwortungsinitiative                                                     überschau-     len Nerv der Zeit, noch b

                                                                                                                                Foto: SRF/zvg
       für die röm.-kath. Kirchgemeinde 10. Fragestunde
       St. Petrus Embrachertal                                                                                           baren          wie Postchristentum oder

                                                                                                                         Klassen.
                                                                                                                                        Spiritualität gängig wurde
  www.zhkath.ch/synode                                                                                                                  sie mitgeprägt.
                                                                                                                             Mitten in Zürich.
                                                                                                                                             Noch letzten Herbst w
                                                                                                                                        Perspektivensendung auf
INSERATE                                                                                                                     fes.ch
                                                                                                                                        und in der Sendung «Zwis
                                                                                                                                        SRF 1 zu hören: «Türen a
                                                                          Sinnerfüllt durchs Leben – aber wie?                          tät für freie Geister» hiess
                                                                                                                            Nächste Inserateschlüsse:
                                                                        Weder glitzernd    17.11.2020
                                                                                               noch glamourös liess sich Empfehlung     begrüssten Gästeschar
                                                                                                                                                        an alle, die w
                                                                                           19.30 –21.30 Uhr                 ➜ 2. November (Nr. 24)
                                                                        die diesjährige      Preisverleihung der beiden wer             dings   erstwar
                                                                                                                                              Marti  einmal   ein ha
                                                                                                                                                         und was   er
                                                                                                                            ➜ 16. November (Nr. 25)
                                                                        Kirchen am Zürcher BachstrasseFilmfestival
                                                                                                       7                  an. An- aufgetischt.
                                                                                                                                             Lorenz Marti war ents
                                                                                           GZ Wollishofen / Bistro          ➜ 30. November (Nr. 26)
                                                                        stelle von
                                                                        Lorenz    Marti Smalltalk
                                                                                          (1952–2020) mit Cüpliwar ein imFreigeist
                                                                                                                           Folium Theologe.  Festredner
                                                                                                                                                     Auf Kurt Aeschb
                                                                                                                                                          seinen  Vat
                                                                          www.MariaBischoff-coaching.ch
                                                                        war
                                                                        und    Anstehen
                                                                               blieb           mit Sowohl
                                                                                       sich treu.     Maske in     imseinen forum@c-media.ch
                                                                                                                         Vorraum        ernannter Kurt
                                                                                                                                 Ra- terpfarrer       «Unterhaltung
                                                                                                                                                            Marti wu
  Sehbehindert oder blind zu sein, kann das tägliche                    des Kinosaals als
                                                                        diosendungen         angesagt.
                                                                                                   auch in seinen Kolum- immer          Dienst»,gerne
                                                                                                                                                   nahmangesproch
                                                                                                                                                           die Chanc
  Leben stark beeinträchtigen. Wir bieten Ihnen und
                                                                        nenDas        Popcorn-Kino
                                                                               und Büchern         trat er eröffne
                                                                                                                 für eine dafür         Predigt zu halten,
                                                                                                                              freie, Geschichte                die sic
                                                                                                                                                       und Politik
  Ihren Angehörigen professionelle Unterstützung in
  folgenden Fachbereichen an:                                                    Für mehr Freude im Leben:
                                                                        mehr Zeit für den
                                                                        ungebundene                 Film samt
                                                                                             Spiritualität            dargebote-
                                                                                                                   ein,  die ohne ewigenhatte. Nach   einem
                                                                                                                                                  Fragen  desIntro
                                                                                                                                                              Mensc m

      • Optische Beratung / Low Vision
                                                                        Gott
                                                                        Damit
                                                                                  Lebensqualität spenden
                                                                        nem Fingerfood,
                                                                                 und Kirchenmauern
                                                                        dent Micheltraf erMüller
                                                                                                  hielt Kirchenratspräsi-
                                                                                             schonfest. früh  Auch
                                                                                                                     auskommt. versums,
                                                                                                                  denin spirituel­
                                                                                                                                        langlosigkeiten
                                                                                                                                        schen Kirche
                                                                                                                          der Co- schäftigten
                                                                                                                                                          über die
                                                                                                                                                    der Zeit
                                                                                                                                                        und
                                                                                                                                                      ihn
                                                                                                                                                                undalt
                                                                                                                                                             Film das
                                                                                                                                                          so sehr, zei
      • Sozialberatung                                                  rona-Zeit bräuchten wir die physische ge Moderator, dass er auch
      • Orientierung und Mobilität                                       INSERATE
                                                                        Nähe,     das Kino, in dem es eben anste-                            Messerscharf sezierte
      • Informatik- und Kommunikationstechnologie
                                                                        ckend wirke, zu lachen und zu weinen von Michelangelos Freske
      • Lebenspraktische Fähigkeiten
      • Ergotherapie                                                    und neue Erkenntnisse über sich und an- lichen Erbsündenmakel
      • Präsentation und Verkauf praktischer Hilfs-                     dere zu gewinnen.
                                                                                      Für Ihre Steuern und Erbschaftssachen             die erlösende Taufe einen
          mittel                                                              Der von der katholischen Informa- trick», der den Kirchen
                                                                                                 Dr. Strebel, Dudli + Fröhlich
      • Blindenschriftunterricht                                        tionsbeauftragtenSteuerberatung
                                                                                                   Kerstin Lenz                Stiftung BRUNEGG
                                                                                                                          Treuhand AG wuchs besorgt habe.
                                                                                                                     undeloquent
      • Begegnungszentrum mit vielfältigem Kurs-                                                                         Brunegg 3 | Hombrechtikon
          angebot                                                                                         (ehem. Steuerkommissäre)
                                                                                                                           www.stiftung-brunegg.ch
                                                                                        Tel. 044 308 25 50          Post-Spendenkonto:
                                                                                                              8052 Zürich              87-2430-9
                                                                                                                          www.sdf-treuhand.ch
                                                                               INSERATE
                                                                                                                 IBAN  CH18 0070 0113 9004 4943 9
  Wenn Sie uns brauchen, sind wir für Sie da!                                        Steuern      Erbsachen       Altersvorsorge  Liegenschaften

  Zürcher Sehhilfe                             Zürcher Sehhilfe
                                                                                          Für Ihre Steuern und Erbschaftssachen
                                                                                                                        Nächste Inserateschlüsse:                FJ
  Lutherstrasse 14                           Lagerhausstrasse 3                                    Dr. Strebel, Dudli +➜Fröhlich
                                                                                                                         29. Juni (Nr. 15)
                                                                                                   Steuerberatung und Treuhand AG
                                                                                                                                                                   h
  8004 Zürich                                  8400 Winterthur                                                             ➜ 13. Juli (Nr. 16)
  Tel. 043 322 11 70                         Tel. 052 202 25 80                                          (ehem. Steuerkommissäre)
                                                                                                                           ➜ 27. Juli (Nr. 17)                     p
                                                                                       Tel. 044 308 25 50 8052 Zürich www.sdf-treuhand.ch
                                                                                   Die Dargebotene     Hand                                                        R
          info@zsh.ch  www.zuercher-sehhilfe.ch                                     Steuern      Erbsachen             forum@c-media.ch
                                                                                                                 Altersvorsorge Liegenschaften
31. OKTOBER BIS 13. NOVEMBER

 Da wegen der Corona-Pandemie kurzfris-           Hören und Handeln                                  In allen Kirchen gilt Maskenpflicht.
 tige Änderungen möglich sind, beachten           Religiös-soziale und benediktinische Im-           www.bischoefe.ch
 Sie die Websites der Veranstaltungen.            pulse, mit Geneva Moser, Co-Redaktions-
                                                  leiterin «Neue Wege».                             Gottesdienste
Kunst                                             Mi, 4.11., 19.00-21.00, Pfarreisaal St. Peter
                                                  und Paul, Werdgässchen 26, Zürich. Fr. 15.–       Eucharistiefeier in der Predigerkirche
                                                  www.zentrum-spiritualitaet.ch                     Sa, 31.10., 16.00, «Besondere Menschen».

                                                                                                    Allerseelen-Liturgie im Flughafen
                                                  Geborgenheit
                                                                                                    Mo, 2.11., 17.00,Andachtsraum, Check-in 2
                                                  Kontemplation, achtsames Gehen, Im-
                                                  puls. Mit Marianna Alonso, Kontempla-             Im slawisch-byzantinischen Ritus
                                                  tionsleiterin Willigis-Jäger-Stiftung.            Mo, 2.11., 19.00, Dreikönigskirche Zürich
                                                  Sa, 7.11., 10.00–16.30, Werdstr. 53, Zürich.      Adoray in Heilig Kreuz Zürich
                                                  Mittagessen: Teilete. Kurskosten: Fr. 59.–/70.–
                                                                                                    So, 8.11., 17.15 Lobpreis, 17.30 Hl. Messe
                                                  www.zentrum-spiritualitaet.ch
                                                                                                    Politischer Abendgottesdienst
Feierabend-Bild                                   Moment bitte                                      Fr, 13.11., 18.30, Wasserkirche, Zürich
Inspiration vom Bild zur Bibel. Bilder von        Spaziergang, Kurzfilm über die Verweil-
                                                                                                    Hochschulgottesdienst
Meister Bertram, Jörg Ratgeb, Emil Nolde.         App «3:33 Weiler», Tee und Gespräch.
                                                                                                    Je So, 20.00, Liebfrauenkirche, Zürich
Di, 3./17.11./8.12., 18.00, Veranstaltungs­       Sa, 7.11., 15.00, Treffpunkt Tram-Haltestelle
zentrum, Pfingstweidstrasse 28, Zürich.           Milchbuck, Zürich.                                Online-Gottesdienste
Eintritt frei, Anmeldung: 044 205 99 60           www.katholisch-stadtzueri.ch                      www.mutterkirche.ch
www.bibelwerk.ch                                                                                    www.kloster-einsiedeln.ch/live
                                                  Ort der Gottesbegegnung                           www.altstadtkirchen-live.ch
                                                  «Herr, ich liebe die Stätte deines Hau-
Gespräch
                                                  ses ...» Der Kirchenraum als Ort der              TV-/Radio-Gottesdienste
                                                  Gottesbegegnung, mit Pfr. Marcel von              Röm.-kath. Gottesdienst: So, 1.11., 9.30, ZDF
Weg durch die Trauer
                                                  Holzen.                                           Radiopredigt: So, 10.00, Radio SRF 2 Kultur,
Gesprächsnachmittag bei einem Kaffee
                                                                                                    Musikwelle; Tel. 032 520 40 20
mit Heidi Hofer, Trauerbegleiterin.               Mi, 11.11., 19.00–21.00, Pfarreisaal St. Peter
                                                  und Paul, Werdgässchen 26, Zürich. Fr. 15.–
Mi, 25.11., 14.00–16.30, Napfgasse 4, Zürich.
Teilnahmegebühr. Anmeld. 044 369 55 66.
                                                  www.zentrum-spiritualitaet.ch                     Seelsorge-Gespräche
www.frauenbund-zh.ch                                                                                Bahnhofkirche
                                                                                                    Mo – Fr, 7.00 –19.00, Sa/So, 10.00 –16.00
Ökologie                                                                                            Predigerkirche
                                                                                                    Mo – Fr, 14.00 –18.00
Dialog der Generationen
Zwei Teams – eins unter 25 und eins
über 60 – debattieren: Verzicht oder Ver-                                                           Gebete und Meditation
bot? Wie retten wir unseren Planeten?                                                               MontagsMusik
Fr, 6.11., 19.30–21.00, Viaduktstr. 12, Zürich.                                                     Mo, 2.11., 12.15 – 12.45, St. Peter+Paul, ZH
Fr. 20.–/14.–, Studierende und Lernende
gratis. Anmeldung: 043 336 70 30                                                                    Meditatives Singen zur Nacht
www.paulusakademie.ch                                                                               So, 8.11., 18.30 – 19.10, Krypta St.Anton, ZH

                                                                                                    Bahnhofkirche
Was schulden wir der Natur?
                                                                                                    Mo – Fr, 7.00, 7.30, 8.00, 8.30: Wegworte
Referat und Diskussion über Klima-
                                                                                                    Mo–Fr, 18.45. Sa/So, 15.45: Abendgebet
schutz, Tierrechte, Gen-Technologie
Do, 12.11., 19.30–21.00, Paulus Akademie,                                                           Haltestille Bahnhofstrasse
Pfingstweidstr. 28, Zürich. Eintritt frei,         Woche der Religionen                             Do, 12.15 –12.35, Augustinerkirche
Anmeldung: 043 336 70 30
www.paulusakademie.ch                              Auch in Zürich leben Menschen vieler
                                                   Religionen. Sie laden Entdeckungs-               Vernetzt
                                                   freudige und Interessierte zu Filmvor-
Spiritualität                                      führungen, Diskussionen, Liturgie und
                                                                                                    Jugendseelsorge
                                                                                                    www.jugendseelsorge.ch
                                                   Musik,Tempelbesuch, Spiritualität, Frag
Ich höre die Stille
                                                   den Imam usw.                                    Kabel/Lehrlingsseelsorge
Meditation, Stille, Kontemplation, Impulse.
                                                                                                    044 251 49 60, www.lehrlinge.ch
Je Di, 3./10./17./24.11., 18.00–19.00,             So, 8., bis So, 15. November
Johanneum, Aemtlerstr. 43a, Zürich.                www.forum-der-religionen.ch                      Anderssprachige Gottesdienste
www.herzjesu-wiedikon.ch                                                                            www.zh.kath.ch/migrantenseelsorge

                                                                                                                             forum
                                                                                                                              forum 23 2017    31
                                                                                                                                    22 2020   
IMPULS ZUM KIRCHENJAHR: ALLERHEILIGEN
PFARRBLAT T DER KATHOLISCHEN KIRCHE

                                                                                                                                                                           Foto: Jean-Marie Duvoisin/zvg
IM KANTON ZÜRICH

Gültig für die Sonntage vom 1. und 8. November

Herausgeberin
Stiftung forum – Pfarrblatt der katholischen
Kirche im Kanton Zürich
Redaktionsadresse
Hirschengraben 72, 8001 Zürich
044 266 12 72, redaktion@forum-pfarrblatt.ch,
www.forum-pfarrblatt.ch
Sekretariat: Aufgrund der derzeitigen Corona-
Pandemie ist unser Sekretariat vorläufig nur
am Dienstag besetzt: 8.30–11.30 Uhr und
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Stiftungsratspräsident: Pfr. Andreas Rellstab
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                                                                       Heiligkeit ohne Perfektion
Redaktionssekretariat: Rita Grob
Chefredaktion: Thomas Binotto (bit)
Redaktion: Pia Stadler (ps), Beatrix Ledergerber (bl),
Veronika Jehle (vej)
Fotografie: Christoph Wider
Grafik: Angelika Dobner

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                                                                      Von den Plakatwänden und aus dem Inter-    staunend, wer den Mut für diese Him-
Stadt Zürich: Direkt beim Pfarramt ihres Stadt-
quartiers (Adresse auf Pfarreiseiten ersichtlich)                     net kommen sie uns entgegen: unsere        melsöffnung hatte.
Zürich-Land: Direkt beim Pfarramt Ihres
                                                                      Ideale von Schönheit und modernem
Wohnortes (Adresse auf Pfarreiseiten ersichtlich)
Stadt Winterthur: 052 224 03 80,                                      Lebensstil. Zwar wissen wir auch um        Allerheiligen lässt uns mutig aufbli-
mitgliederverwaltung@kath-winterthur.ch
Bezahlte Abos: 044 266 12 72,
                                                                      deren Grausamkeit – eigene Fotos auf       cken zu Gott. Beten wir nicht immer
redaktion@forum-pfarrblatt.ch                                         Instagram können ihnen kaum je ent-        wieder «Vater unser im Himmel»? Der
Abopreise: Jahresabo Inland Fr. 38.–, Ausland Fr. 77.–
                                                                      sprechen. Dennoch sprechen uns diese       Himmel ist dort, wo Gott ist. Unsere
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creative media gmbh, Schützenstrasse 19,                              Ideale an, denn sie verwenden unsere       Sehnsucht lässt uns Gott suchen, wenn
8902 Urdorf, 043 322 60 30, Fax 043 322 60 31                         Sprache und ihre Botschaft transpor-       wir den Heiligen entlang in den Him-
forum@c-media.ch, www.c-media.ch
                                                                      tieren sie mit heutigen Bildern.           mel schauen. Dieses Fest will uns stau-
Druck                                                                                                            nen lassen über unsere Berufung zur
AVD Goldach AG, 9403 Goldach, www.avd.ch
Pfarreiseiten: Text&Gestaltung jeweiliges Pfarramt                    Da haben es Ideale früherer Zeiten         Heiligkeit.
                                                                      schwerer. In den Kirchen stehen sie           Heilige sind Zeuginnen und Zeugen
65. Jahrgang, erscheint 14-täglich, ISSN 1420-2212
                                                                      auf Gesimsen und neben Altären und         für Gottes Gegenwart in ihrem Leben.
                                                                      schauen meist nicht etwa zu uns, son-      An diesem Fest nun dürfen wir selbst
                                                                      dern verklärt nach oben. Ob diese Hei-     hoffen und staunen, dass Gott uns in al-
                                                                      ligen uns noch etwas zu sagen haben?       len Situationen unseres Lebens seine
                                                                          Bei vielen vermag auch das Abstau-     Gegenwart schenkt. Unsere Heiligkeit
                                                                      ben nicht dazu beizutragen, dass wir       bedeutet, uns als Gottes geliebte Kinder
                                                                      einen Zugang zu ihnen bekommen. Da         zu wissen und so eine Hoffnung zu ha-
                                                                      kann uns das Fest «Allerheiligen» be-      ben – auch dort, wo andere nur Aus-
                                                                      freien vom unbedingten Begreifen-          sichtslosigkeit erblicken. Für dieses
                                                                      Müssen einzelner Statuen. So wie           Ideal der Heiligkeit braucht es nicht
                                                                      schon um 609 n. Chr. das Pantheon in       Perfektion, sondern Menschen, die al-
                                                                      Rom Maria und allen Märtyrern ge-          les von Gott erwarten. Das ist mein
                                                                      weiht wurde – offenbar waren Letztere      christliches Schönheitsideal.
                                                                      meist nicht bekannt –, rückt das Fest
                                                                      vom 1. November nicht einzelne Heili-                                         Abt Urban Federer

                                                                      ge in unser Bewusstsein, sondern das
                                                                      Ideal der Heiligkeit selbst.               Der 1968 geborene und in Zürich aufgewachsene

                                                                          «Seid heilig, weil ich heilig bin!»,   Urban Federer ist seit 2013 Vorsteher der Benediktiner-

                                                                      steht im ersten Petrusbrief. Unsere        abtei Einsiedeln. Im Paulusverlag ist von ihm eine
                                                                                                                 Samm­lung mit Meditationen zum Kirchenjahr unter dem
                                                                      Nähe zu Gott schenkt uns Heil. Auch
                                                                                                                 Titel «Quellen der Gottesfreundschaft» erschienen.
                                                                      im Pantheon fallen nicht die Heiligen
                                                                      auf. Das hat mit dem antiken Bauwerk
                                                                      zu tun, aber auch mit der offenen Kup-
                                                                      pel. Nicht die Statuen, sondern wir
                                                         Post CH AG

                                                                      schauen da plötzlich verzückt nach         Das Bild zeigt den Blick in den Himmel über
                                                                      oben in den Himmel – und fragen uns        der Einsiedler Gnadenkapelle.

                                                                                                                                                forum 23 2020    32
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