Schulblatt Nr.5 / 16 Basler - SCHULFERNSEHEN RELOADED
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SCHULFERNSEHEN RELOADED
SCHULHUND HONEY KENNT KEIN VORURTEIL
NEUE SERIE : EIN JAHR UNTERWEGS MIT … FLÜCHTLINGEN
Nr. 5 / 16
Basler
SchulblattBasler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
INHALT
SCHWERPUNKT
4 SCHULFERNSEHEN RELOADED
5 WIE DIE SCHULE INS FERNSEHEN KAM …
6 DIDAKTISCH AUFBEREITET UND MULTIMEDIAL
8 JEDERZEIT, À LA CARTE, KOSTENLOS
10 KREATIVER UMGANG MIT DIGITALEN MEDIEN
EDIT
3 Guten Tag
3 Gestalterin Bildstrecke
18 Schulevaluationen : « Es geht nicht darum, gute Tipps zu geben »
20 Schulhund Honey kennt kein Vorurteil
22 Under Construction ( VII )
23 Nicht perfekt, na und ?
24 Statt vieler Töpfe nur noch ein Topf
26 Ein Jahr unterwegs mit … Flüchtlingen
28 Recht schulisch
29 Wer unterrichtet hier ? Kinder raten
30 10 Fragen an … Monica Gschwind
31 Wer unterrichtet hier ? Die Auflösung !
32 Schulklassen graben in der eigenen Vergangenheit
KANTONALE
SCHULKONFERENZ
34 Rückschau von Gaudenz Löhnert auf ein Jahr KSBS
FREIWILLIGE
SCHULSYNODE
36 Grusswort und Mitteilungen
38 FSS-Mitglieder in den Grossen Rat
42 Bericht aus dem Grossen Rat
PZ.BS
46 Neues aus der Bibliothek
48 Auf eduBS gezielt nach Schulvorstellungen suchen
49 ILIAS – Mehr als eine Dokumentenablage
50 Leserbriefe
51 Impressum
2Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
GUTEN TAG
« RAHMENBEDINGUNGEN Schon wieder hat ein neues Schuljahr begonnen : Das bietet mir die Gelegenheit,
SIND ZENTRAL, ABER … » Ihnen mit ganz vielen Themen hier « Guten Tag » zu sagen. Ich könnte über neue
Schülerinnen und Schüler sprechen, zu Übergängen, Lehrplan, Schullaufbahn-
verordnung, Integration … aber das tun wir so oft. Viel lieber möchte ich über
Sie sprechen, oder besser : mit Ihnen !
Ich bin überzeugt davon, dass die Schule mit all ihren Facetten bei uns in Basel
eine gute, sogar eine sehr gute Schule ist. Es wird bestimmt auf fast allen Ebenen
hochprofessionell gearbeitet, es sind bestimmt fast alle mit grossem Engagement
dabei, und von unserer Arbeit können bestimmt fast alle unserer Schülerinnen
und Schüler profitieren.
Und was machen wir mit all diesen « fast » ? Selbstverständlich sind gute Rah-
menbedingungen zentral, und wir geben uns, manchmal mit unterschiedlichem
Erfolg, auch Mühe, diese zu bieten. Entscheidend aber ist, wie Sie das tägliche
Zusammensein mit den Schülerinnen und Schülern gestalten, wie Sie Ihren Un-
terricht aufbauen, wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler ernst nehmen und un-
terstützen, wie Sie es schaffen, ein so gutes Beziehungsumfeld herzustellen, dass
Lernen und Arbeiten erfolgreich ist und auch Spass machen darf !
Ich wünsche Ihnen im neuen Schuljahr viele unvergessliche menschliche Be-
gegnungen, viele Gelegenheiten zum Arbeiten in einer fröhlichen Umgebung.
Lehrplan, Lehrmittel, Checks, Prüfungen, Noten brauchen wir, aber im Zent-
rum stehen Sie … machen Sie’s gut und freuen Sie sich darüber !
SCHULFERNSEHEN RELOADED
SCHULHUND HONEY KENNT KEIN VORURTEIL
NEUE SERIE : EIN JAHR UNTERWEGS MIT … FLÜCHTLINGEN
Dieter Baur, Leiter Volksschulen
Nr. 5 / 16
Basler
Schulblatt
KORRIGIEREN
Einfach darauf loskritzeln und dann korri- etwas ausradiert und so hat jedes Korrigieren
gieren. Chesa Cuans Bildstrecke zum Thema eine Spur hinterlassen.
Korrigieren ist ziemlich simpel, hat der Schü- Sollen die Wörter und Texte bewusst an die
lerin aber grossen Spass bereitet. Schule erinnern ? Ja, das war Absicht. Ich woll-
te auf diesem Weg den Bezug zur Schule her-
Wie korrigierst du denn im Alltag ? Ich nehme es stellen. Als Basis habe ich am Anfang Texte aus
nicht so genau und bin eher der chaotische Typ. dem Internet genommen, die typisch für die
Meistens streiche ich das Wort oder den Satz Schule sind. Zu einem späteren Zeitpunkt habe Chesa Cuan ( 17 ),
einfach durch und schreibe darüber oder da- ich nur noch Wörter geschrieben, die mit der VorKurs SfG Basel
neben das Richtige hin. Auch meine Bildstrecke Schule zu tun haben, und so ist eine bunte Mi-
ist nicht sauber korrigiert, sondern absichtlich schung entstanden. Dass ich noch immer ver-
ein solches Flickwerk. bunden schreibe, war ein Vorteil, da ich auf die-
Wie sind deine Bilder entstanden ? Eigentlich ha- sem Weg noch ein zusätzliches Schulmerkmal
be ich keine Skizzen oder so gemacht. Ich ha- einbinden konnte.
be einfach drauflosgeschrieben und dann mit
verschiedenen Stiften wie Bleistiften, Markern Interview : Julia Hebeisen, Praktikantin
oder Kohle gearbeitet und Schicht für Schicht Abteilung Kommunikation ED
aufgetragen. Manchmal habe ich auch wieder
3Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
SCHUL-
FERNSEHEN
RELOADED
Wer unter den älteren Semestern erinnert sich noch an TV-Legende Heiner Gautschy,
ans Basteln mit Gerda Conzetti oder die schulmeisterlichen Fernsehsendungen mit
Hans A. Traber ? Von den ersten, umstrittenen Sendungen in den 1960er-Jahren über
VHS-Kassetten und DVDs bis zum multimedialen Wissensprogramm : Das Schweizer
Schulfernsehen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal verändert. Geblieben
ist der gesetzliche Bildungsauftrag. Die technologische Entwicklung, insbesondere das
Internet, hat die Welt, das Fernsehen, den Unterricht revolutioniert. Die neuen Medi-
en bereichern zwar den Unterricht, man kann sich aber auch verirren im Dschungel der
( Pseudo- ) Informationen. Das Schweizer Schulfernsehen heisst heute « SRF mySchool »,
hat sich vom schwarz-weissen Frontalunterricht zur multimedialen Wissensplattform
entwickelt und ist für Lehrpersonen – auch weniger technikbegeisterte – eine wahre
Goldgrube. Reinschauen lohnt sich.
4Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
WIE DIE SCHULE
INS FERNSEHEN KAM …
BILDUNG IM FERNSEHEN BOOMT. NEBEN VIELEN WISSENSSENDUNGEN
BEHAUPTET SICH DAS SCHWEIZER SCHULFERNSEHEN – SEIT ÜBER 50 JAHREN !
Von Yvonne Reck Schöni
Schulfernsehen ? Gibt’s das überhaupt noch ? Yes ! Aber es heisst Schulfernsehen. Die Einschaltquote war nicht das Problem. Aber
heute « mySchool » und hat nicht mehr viel mit dem Schulfernse- Wissensvermittlung erfuhr eine grundlegende Wende. Mode-
hen zu tun, das die Älteren unter uns als Kinder erleben durften. riertes Dozieren war nicht länger gefragt, Features und Doku-
Und ein Erlebnis war das ! Nicht dass wir uns noch im Entfern- mentationen waren die neuen Mittel, sie steigerten den Unter-
testen an irgendeinen Sendungsinhalt erinnern könnten. Aber haltungswert rapid. Die grösste Veränderung im Schulfernsehen
allein wie der Lehrer auf einem grossen Rollwagen den riesigen aber brachte der technische Fortschritt.
Fernsehkasten ins Zimmer schob, die Vorhänge zuzog und, be-
vor er den Knopf drückte, die aufgeregte Schülerschar mahn- AUFNEHMEN UND ABSPIELEN
te, jetzt aber ganz gut aufzupassen – allein dieses Spektakel war Die Einführung von Videokassetten war ein Meilenstein. Erst
stets grosses Kino. Es war die Zeit vor den Beamern. Und damals damit konnte man Schulfernsehen im Unterricht sinnvoll an-
musste eine Sendung dann geschaut werden, wenn sie lief. Es gab wenden, zurückspulen, unterbrechen oder auszugsweise wieder-
keine Aufnahmetechnologien oder gar zeitversetztes Fernsehen. holen. Mitte der 1990er-Jahre löste die DVD das VHS-System ab,
und heute braucht man die gewünschte Sendung gar nicht mehr
ANFÄNGLICHE WIDERSTÄNDE aufzunehmen, man kann sie per Internet streamen. Mit der Etab-
Klar, dass Schulfernsehen kein Schrott war. Sondern pädago- lierung der Computer an den Schulen wurden Unterrichtsmittel
gisch wertvoll. Kritische Stimmen, besonders aus Lehrerkrei- multimedial, und auch das Schulfernsehen erweiterte sein Ange-
sen, gab es in den Anfängen trotzdem, und die Fernsehmacher bot massiv. Die Internetplattform von « SRF mySchool » ist eine
mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. « Jeder Pionier wird Fundgrube für Lehrpersonen sämtlicher Stufen ( siehe Seite 6 ).
anfangs Widerständen begegnen, die sein Werk vorübergehend Dass sich im Lauf der Jahrzehnte auch die Themenvielfalt enorm
hemmen, aber auf die Dauer nicht verhindern können. » Die Re- vergrössert hat, versteht sich. Neben traditionellen Inhalten wie
de ist hier weder von Passepartout noch vom Lehrplan 21. Das Zi- Geschichte oder Naturkunde finden sich heute Beiträge zu Sex-
tat des damaligen Generaldirektors der Programmkommission ting, YouTube oder der EU.
des Schweizer Fernseh-Versuchsbetriebs bezog sich auf die Idee
eines Schulfernsehens und stammt aus dem Jahr 1955*. Es sollte * Mehr zur Geschichte des Schulfernsehens im Webspecial von
noch etwas dauern, bis das Schweizer Fernsehen 1964, nach zwei « mySchool », www.srf.ch / myschool > über « mySchool »
erfolgreichen Versuchssendungen, die erste offizielle Schulfern- > 50 Jahre Schulfernsehen
sehsendung in Schweizer Schulstuben senden durfte. Schwarz-
weiss natürlich. Es war ein Beitrag über « Unser Parlament » ( Bild
rechts unten ), dauerte 28 Minuten und hatte, aus heutiger Sicht,
den Unterhaltungswert einer Endlosschlaufe.
FEATURES UND DOKUS
Gefilmter Unterricht, ergänzt mit gestellten Szenen und lang-
fädigen Erörterungen – so etwa kamen die ersten Schulfern-
sehsendungen daher. Dem noch nicht so verwöhnten Medien-
konsumenten gefiel’s. Spätestens in den 1980er-Jahren ging es
dem Lehrer auf dem Bildschirm an den Kragen. Nicht aber dem
5Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
DIDAKTISCH AUFBEREITET
UND MULTIMEDIAL
DAS GUTE ALTE SCHULFERNSEHEN HAT SICH ZUR MULTIMEDIALEN
PLATTFORM « MYSCHOOL » ENTWICKELT
Von Yvonne Reck Schöni
Technische Möglichkeiten und didaktische Ansprüche haben Manche Beiträge von « mySchool » beinhalten auch Aus-
sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Auf schnitte aus anderen Sendeformaten wie « Netz Natur » oder
der Plattform von « mySchool », wie das Schulfernsehen der « Einstein », eingebettet in zusätzliche Hintergrundinformatio-
SRG heute heisst, finden Lehrpersonen eine Fülle von Film- nen und schülergerechte Erklärungen. Auch Radiobeiträge kön-
beiträgen samt didaktischem Material und Hintergrundinfor- nen Bestandteil eines « mySchool »-Beitrags sein. Eine sinnvolle
mationen. Die Themenpalette ist beeindruckend. Synergie, denn für eine einmalige Ausstrahlung sind viele Fach-
beiträge viel zu schade.
Eines vorweg : Es gibt tatsächlich Leute, die setzen sich wochen-
tags um punkt 9 Uhr vor den TV-Bildschirm und sehen sich GROSSE THEMENPALETTE
eine Stunde lang Schulfernsehen an. Menschen, die vormittags Die Sendungen werden auf SRF 1 von Montag bis Freitag jeweils
zuhause sind. Darunter vermutlich viele pensionierte Lehrper- zwischen 9 und 10 Uhr ausgestrahlt, ausser in den Sommerferien.
sonen. Die dann gesendeten Erstausstrahlungen werden aber in Aber die gezeigten Filmbeiträge lassen sich nach der Ausstrah-
der Folge von sehr viel mehr Leuten verfolgt, denn das Haupt- lung im Fernsehen auf der Webseite abspielen, bei den einge-
publikum konsumiert zeitversetzt oder streamt die Beiträge von kauften zumindest so lang, wie die Rechte bestehen. Die Videos
der Webseite auf den Beamer im Klassenzimmer ( mehr dazu lassen sich mit Hilfe der Funktion « Suche von A bis Z » auffin-
im Beitrag auf Seite 8 ). Ob das Hauptpublikum von « SRF my- den. Fächer- und Stufenfilter erleichtern die Suche. Das Angebot
School » überhaupt Lehrpersonen und ihre Schülerinnen und bedient die ganze Themenpalette des Lehrplans 21 und umfasst
Schüler sind, will SRF ( Schweizer Radio und Fernsehen ) dem- Sendungen für die Primar-, Sek-I- und Sek-II-Stufe. Besonders
nächst evaluieren. In der Region Zürich und Ostschweiz scheint viele Filme gibt es zu den Fachbereichen Natur, Technik, Ge-
das Angebot eher bekannt zu sein. Eine kleine – natürlich nicht schichte und Kultur, aber auch Wirtschaftsthemen oder Beiträ-
repräsentative – Umfrage des Schulblatts im Basler Lehrerkreis ge zu aktuellen Ereignissen sind gut vertreten. Viele Sendungen
lässt hingegen vermuten, dass Schulfernsehen bei uns wenig ge- tangieren mehrere Schulfächer. Eher abstrakte Fächer wie Ma-
nutzt wird. thematik eignen sich hingegen nur beschränkt fürs Fernsehen.
Das ist erstaunlich. Oder auch nicht. Einerseits finden man-
che, die neuen technikbasierten Lehrmittel böten schon genug VIELE HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Filmsequenzen. Andererseits finden Lehrpersonen, die « my- Die Rubrik Fokus auf der Webseite bündelt grosse übergreifende
School » nutzen, auf der Webseite eine Fülle an hervorragen- Themen wie Islam oder Zweiten Weltkrieg, zu denen sich dort
den Videos samt Zusammenfassungen und zusätzlichem Unter- jeweils mehrere Beiträge finden. Zu ausgewählten Themen und
richtsmaterial bis hin zu Vorschlägen für ganze Lektionen. « SRF Reihen gibt es zudem interaktive iBooks zum Download, mit di-
mySchool » ist heute ein multimediales Wissensprogramm und daktischen Hinweisen und Online-Übungen. So kann man auf
hat nichts mehr mit dem verstaubten Image des Schulfernsehens den Spuren der grossen Entdecker mit Kolumbus in See stechen
zu tun. und das Gelernte überprüfen. Mit « Schweizer Geschichte – en
français » können Schülerinnen und Schüler Geschichte repetie-
SCHWEIZER EIGENPRODUKTIONEN ren und gleichzeitig das Französischvokabular erweitern, elekt-
Das Besondere am Schweizer Angebot : Neben eingekauften Sen- ronische Lernkärtchen inklusive.
dungen realisiert SRF viele Eigenproduktionen, die zum Teil spe- In der Rubrik Lehrerzimmer finden sich spezielle Fachbeiträ-
ziell auf Schweizer Verhältnisse zugeschnitten sind. Dazu gehö- ge für Lehrpersonen, Eltern und Schulbehörden. Dort geht es um
ren zum Beispiel die vielbeachteten Berufsporträts oder auch schulische und bildungspolitische Themen wie die Reformflut
kurze Erklärungen aktueller Abstimmungsvorlagen. Und dazu oder Tablets im Unterricht. Zu ganz grossen Schulthemen wie
gehört auch das neue Multimedia-Projekt « 4 Sprachen zum Des- Lehrplan 21 oder der Sprachendebatte finden Interessierte gan-
sert ». Dieses Webgame will Primarschülerinnen und -schülern ze Dossiers mit Beiträgen aus verschiedenen Sendegefässen zum
Appetit machen auf die vier Landessprachen und regt sie an, die Thema. Einfach mal stöbern.
Sprachregionen in der Schweiz spielerisch zu erkunden. Anhand
von vier Kochvideos gehen die Kinder auf eine geografische und www.srf.ch / myschool
kulturelle Entdeckungsreise.
6Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
MEHR SCHULFERNSEHEN
yrs. Mediengestützter Unterricht kann Lehr-
personen bei der Vorbereitung und
Durchführung des Unterrichts entlasten.
Schulfernsehen gibt es auch auf deutschen
Sendern. « Planet Schule » heisst das Angebot
des Südwestrundfunks ( SWR ) und des West-
deutschen Rundfunks ( WDR ), ebenfalls
ergänzt mit Begleitmaterial wie Unterrichts-
konzepten, Arbeitsblättern und Hintergrund-
informationen.
www.planet-schule.de
Schulfernsehen in den 60er-Jahren bedeutete : Auch der Bayerische Rundfunk produziert ein
gefilmter Unterricht und gestellte Szenen eigenes Schulfernsehen als Multimedia-
( unten ein Bericht zum Berufsbild « Polizeigehilfin » ). Angebot.
www.br.de / fernsehen / ard-alpha
Das Bildungsangebot des Hessischen Rund-
funks heisst « w issen² » und bietet ebenfalls
viele nützliche Angebote für die Schule.
www.wissen.hr.de
7Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
JEDERZEIT, À LA CARTE,
KOSTENLOS
PER MAUSKLICK ZUR SENDUNG : MIT DER ONLINEPLATTFORM
« MYSCHOOL » ERFÜLLT DIE SRG IHREN GESETZLICHEN BILDUNGSAUFTRAG
Von Peter Wittwer
Die Lehrperson werden digitale Angebote nie ersetzen. Aber Teil des Zielpublikums nutzt aber mittlerweile diese Möglich-
sie werden zunehmend wichtig. Auf der « mySchool » -Platt- keit, die Sendung direkt bei der Erstausstrahlung anzuschauen
form finden Lehrpersonen kürzere und längere Videos zu oder auf einem Datenträger festzuhalten. Letzteres ist rechtlich
Themen quer durch den Lehrplan 21, die alle kostenlos und kein Problem, da nicht mehr wie früher jeder Mitschnitt einer
ohne Anmeldung für den Unterricht genutzt werden können. Sendung angemeldet und separat abgerechnet werden muss. Seit
Alle Filme, zu denen sich häufig auch noch Unterrichtsmate- sich die Deutschschweizer EDK und die Verwertungsgesellschaf-
rialien herunterladen lassen, können ganz simpel direkt über ten auf eine pauschale Abgeltung der Urheberrechte für alle un-
den SRF-Player abgespielt werden. Ein Teil des Angebots ter dem « mySchool »-Label laufenden Angebote geeinigt haben,
kann zudem entweder als « Video on demand » heruntergela- dürfen alle Sendungen ohne Anmeldung mitgeschnitten und
den oder in der Bibliothek des PZ.BS auf einem Datenträger auch in die schuleigene Mediothek gestellt werden ( siehe Seite 9 ).
ausgeliehen werden.
TECHNISCH SIMPEL
Nicht nur der Begriff Schulfernsehen ist beim Schweizer Radio Ebenfalls nicht angemeldet und abgegolten werden muss natür-
und Fernsehen ( SRF ) irgendwann nach der Jahrtausendwen- lich die direkte Nutzung der « mySchool »-Filme über den SRF-
de verschwunden und durch den trendigen Begriff « SRF my- Player auf der Onlineplattform. Da mittlerweile in allen Basler
School » abgelöst worden. Auch die technische Umsetzung die- Schulhäusern ein genügend leistungsstarker Internetanschluss
ses Bildungsauftrags, den SRF auf Basis eines Leistungsauftrags vorhanden sein sollte, lassen sich so alle Inhalte mit wenigen
der Erziehungsdirektorenkonferenz wahrnimmt, hat sich weit Mausklicks ins Klassenzimmer holen und via Bildschirm oder
davon entfernt, was man sich gemeinhin unter Fernsehen vor- Beamer abspielen.
stellt. « SRF mySchool » ist heute eine kostenlose Onlineplattform Die Hürden, die für das so genannte Streamen von kürzeren
nicht nur, aber besonders auch für Schulen. Sie bietet qualitativ und längeren Videos über den Player zu nehmen sind, sind für
hochstehendes Bildmaterial zur ganzen Themenpalette des Lehr- jede technisch durchschnittlich begabte Lehrperson durchaus
plans 21, das sich jederzeit ins Schulzimmer holen lässt. Die gesi- zu bewältigen. In der Regel genügt es, auf den ausgewählten Vi-
cherte Qualität erspart Lehrpersonen zeitraubendes Herumsur- deofile zu klicken, und der Beitrag sollte ohne Ruckeln und in
fen im Netz auf der Suche nach tauglichem Material. Bevor ein guter Tonqualität zu sehen respektive hören sein. Abgesehen von
Angebot auf « mySchool » aufgeschaltet wird, prüft ein aus Lehr- einer aktuellen Version des Adobe Flash Players und dem Über-
personen aller Stufen bestehendes Gremium, ob sich der Bei- prüfen, dass JavaScript auf dem Computer nicht ausgeschaltet ist,
trag für den Unterricht an Schweizer Schulen eignet, und ergänzt braucht es keine zusätzlichen technischen Vorkehrungen.
diesen oft mit zusätzlichem Begleitmaterial für den Unterricht.
AUFNEHMEN UND BEARBEITEN ERLAUBT
Zwar ist auf SRF 1 der Sendeplatz zwischen 9 und 10 Uhr an
Werktagen immer noch für die einmalige ( oder bei Eigenpro-
duktionen häufig auch mehrmalige ) Ausstrahlung von « my-
School »-Beiträgen reserviert. Nur ein verschwindend kleiner
8Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
SUCHEN UND FINDEN ALLE « MYSCHOOL » -FILME
Etwas mehr Aufwand als das Abspielen dürfte eher das Finden IN DER PZ.BS-BIBLIOTHEK
und Aufarbeiten von geeigneten Angeboten von « mySchool » er- wit. Auch im Internetzeitalter noch nicht
fordern. Dazu hat die Redaktion eine Suchfunktion eingerichtet. ( ganz ) ausgedient hat die Möglichkeit, Filme
Damit lässt sich, sortiert nach Schulstufe und Fach, die ganze Pa- und Serien, die unter dem « mySchool »-La-
lette der aktuell verfügbaren Angebote auf den Bildschirm holen. bel ausgestrahlt worden sind, auf DVD zu er-
Wer zu einem bestimmten Thema einen Filmbeitrag sucht, kann werben und ohne Internetanschluss via einen
sein Glück zudem via eine Stichwortsuche oder die alphabetisch DVD-Player abzuspielen. Dies macht vor
gegliederte Übersicht versuchen. Und wer noch weitere Fragen allem deshalb Sinn, weil auf der « mySchool »-
hat – grundsätzliche, technische, inhaltliche –, findet die Ant- Plattform neben Eigenproduktionen auch
wort vielleicht auf der Liste der FAQs. zahlreiche eingekaufte Produktionen auf-
geschaltet sind, für die SRF nur für be-
schränkte Zeit die Rechte erworben hat und
die danach wieder von der Plattform
verschwinden. Die Bibliothek des PZ.BS
erwirbt deshalb nach Auskunft von Biblio-
theksleiterin Elisabeth Tschudi ein oder
mehrere Exemplare von allen « mySchool »-
DVDs, die das SRF über den Onlineshop
zum Verkauf anbieten darf.
REGE GENUTZT
Einige dieser « mySchool »-DVDs werden von
den Schulen auch eifrig ausgeliehen.
Sehr gefragt ist beispielsweise eine Dokumen-
tation von Kurt Mayer über die Entstehung
der Alpen, die in den letzten drei Jahren mehr
als 50 Mal von Lehrpersonen ausgeliehen
worden ist. Ebenfalls Publikumsrenner in der
PZ.BS-Bibliothek sind eine Eigenproduktion
der « mySchool »-Redaktion zur « Generation
Facebook » oder eine Porträtreihe zum
Thema « Erste Liebe », zu dem die Redaktion
auch ein ganzes Dossier mit pädagogischem
Begleitmaterial zusammengestellt hat.
Für den Sexualkundeunterricht an Basler
Schulen immer wieder ausgeliehen werden
auch « mySchool »-Kurzfilme zur Empfängnis-
verhütung mittels Pille oder Kondome.
Für manche Themen eignet sich eben
die Distanziertheit eines Videos besser als die
Nähe der Klassenlehrperson.
9Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
KREATIVER UMGANG
MIT DIGITALEN MEDIEN
MARIA PAPANIKOLAOU, NEUE FACHEXPERTIN MEDIENPÄDAGOGIK
BEI ICT MEDIEN AM PZ.BS, BERÄT LEHR- UND FACHPERSONEN
Von Valérie Rhein
Die Medienpädagogin Maria Papanikolaou ermuntert auch
Lehrpersonen ohne besonderes technisches Flair, von den
neuen digitalen Möglichkeiten zu profitieren. Der Umgang
mit digitalen Medien will zwar geübt sein, doch was die Tech-
nik angeht, ist vieles einfacher und benutzerfreundlicher ge-
worden. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich auch das
Internet nutzen, um Brücken zwischen Schule und Eltern-
haus zu bauen. Dem modernen Schulfernsehen steht sie po-
sitiv gegenüber.
Das Schuljahr ist noch jung. In den Schulen füllen sich die Wän- Neugier wecken, Ängste abbauen : Als Teammitglied der PZ.BS-
de der langen Gänge und Klassenzimmer aber bereits wieder Fachberatung berät und unterstützt Medienpädagogin Maria
mit den kreativen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Eine Papanikolaou Lehr- und Fachpersonen. Foto : Andreas Vogele
Pracht, die leider einem kleinen Kreis vorbehalten bleibt : jenen,
die den entsprechenden Schulhausgang betreten. Das ist schade wird immer einfacher », sagt sie. Neugier wecken, Ängste abbau-
– und müsste nicht sein. Nicht im Zeitalter des Internets. en, für Lehrpersonen Möglichkeiten schaffen, sich mit digitalen
Medien vertraut zu machen, bevor sie sie in den Unterricht inte-
GESTALTEN STATT NUR KONSUMIEREN grieren, und Weiterbildungen entwickeln – daran arbeitet Maria
Maria Papanikolaou, seit Anfang 2016 Fachexpertin Medien- Papanikolaou derzeit.
pädagogik bei ICT Medien am Pädagogischen Zentrum PZ.BS, Zudem begleitet und unterstützt sie Lehr- und Fachpersonen
skizziert ein mögliches Projekt : « Zweitklässlerinnen und Zweit- aller Schulstufen auf Anfrage bei der Konzeption und Umset-
klässler einer Primarschule sind am Thema ‹ Sinne ›. Aus Papier- zung von Projekten mit digitalen Medien oder bei Fragen rund
schnipseln und Leim basteln sie bunte Früchte. » Dann fotogra- um den Einsatz von Technologie im Unterricht. Wer also Pro-
fieren die Kinder ihre Papiercollagen und stellen die Bilder auf jekte wie etwa die eingangs skizzierten Papiercollagen auf der
die Schulwebsite. « So präsentieren sich die Achtjährigen ein ers- Schulwebsite plant und sich für Gestaltung und Umsetzung von
tes Mal online, und ihre kreative Arbeit gelangt », so Papaniko- einer Fachfrau beraten lassen möchte, rennt bei Maria Papani-
laou, « auf jenes Medium, das sie bisher weitgehend konsumie- kolaou offene Türen ein – und darf sich von ihrer spürbaren Be-
rend kennengelernt haben. » geisterung für die modernen Technologien anstecken lassen.
BRÜCKE ZWISCHEN SCHULE UND ELTERNHAUS E-LEARNING UND SOCIAL MEDIA
Wird zusätzlich ein Blog eingerichtet, können die Kinder die Ar- Studiert hat Maria Papanikolaou Architektur. In ihrer Zeit als
beiten ihrer Klassenkameradinnen und -kameraden auch kom- Assistentin an der ETH gehörten CAAD – die vier Buchstaben
mentieren. So lassen sich Dialog und Reflexion ausserhalb des stehen für « computer-aided architectural design » – und das In-
Klassenzimmers weiterführen. Und die Eltern müssen nicht bis ternet zu ihrem Berufs- und Forschungsalltag. Das war in den
zum nächsten Elternabend warten, um die Arbeiten ihres Kindes neunziger Jahren. Seither hat die Fachfrau für E-Learning und
und seiner Klasse anschauen zu können. « Solche Projekte dienen Social Media eine ganze Reihe digitaler Lernplattformen entwi-
auch als Brücke zwischen Schule und Elternhaus », sagt die Me- ckelt und als FHNW-Dozentin Erfahrungen für die didaktische
dienpädagogin. Vor allem aber machen sich die Kinder so schon Gestaltung des Unterrichts mit Medien gesammelt.
früh mit dem Internet und dessen Regeln vertraut – « ein proak-
tiver, präventiver Zugang », wie Papanikolaou betont. Maria Papanikolaou ist unter E-Mail
maria.papanikolaou@edubs.ch oder Telefon 061 373 31 00
BERATUNG UND UNTERSTÜTZUNG FÜR LEHRPERSONEN erreichbar ( Mo und Fr ganzer Tag, Di und Do vormittags ).
Als Fachexpertin Medienpädagogik des PZ.BS möchte sie auch
Lehrpersonen ohne technisches Flair für den Einsatz moderner
Technologien im Unterricht begeistern. « Denn die Technologie
10Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 Schwerpunkt
MARIA PAPANIKOLAOU
ZU « MYSCHOOL »
« Ich finde, das Medium Fernsehen ist mit der
Zeit gegangen, flexibler geworden und hat sich
längst in das Internet integriert. Videos-
on-Demand ermöglichen das Einbetten von
Sendungen oder Teilen davon in den Unter-
richt, und die Sendungen werden durch mass-
geschneiderte Unterrichtsmaterialien ergänzt.
Gegenüber anderen schulischen Angeboten
aus dem Internet hat ‹ mySchool › den Vorteil,
dass ein Begleitgremium für die Einhaltung
von Qualitätsstandards sorgt.
In einem nächsten Schritt wünschte ich mir
eine Personalisierung des Schulfernsehens :
Als Lehrperson möchte ich meine Inhalte
individuell organisieren, mich mit Kolleginnen
und Kollegen austauschen und in Teams
zusammenarbeiten können. So könnte ich im
Unterricht etwa einen Filmausschnitt zeigen,
der von anderen Lehrpersonen empfohlen und
kommentiert wurde. Und ich wünsche mir,
dass die Schülerinnen und Schüler eines Tages
selbst mit dem ‹ mySchool ›-Material arbeiten
könnten. Sie sollen einen kreativen Zugang zu
den Medien Fernsehen und Film finden, die
wir zurzeit vorwiegend konsumieren.
Filmausschnitte könnten so zum Beispiel
direkt in eine Präsentation, eine Dokumen-
tation oder eine Collage integriert und dabei
auch reflektiert werden. »
11Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
« E S GEHT NICHT DARUM,
GUTE TIPPS ZU GEBEN »
DIE PRIMARSTUFEN ST. JOHANN UND KLEINHÜNINGEN HABEN SICH IN EINEM
PILOTVERSUCH GEGENSEITIG EVALUIERT
Von Peter Wittwer
An allen 37 Volksschulstandorten des Kantons wird in den mativen Erwartungen an die Umsetzung von fünf Reformthe-
nächsten sechs Jahren zweimal der Stand der Schulentwick- men der Volksschulreformen transparent gemacht werden. Jede
lung und der Umsetzung der Schulreformen erhoben. Dazu Schule wählt ein Fokusthema aus und setzt damit einen eigenen
werden den Schulen vier verschiedene Formen von Evalua- Evaluationsschwerpunkt.
tionen zur Wahl gestellt. Die Schulen haben beispielsweise
die Möglichkeit, sich in einer so genannten « Partnerschul- GEMEINSAMES FOKUSTHEMA LERNBEGLEITUNG
Peer-Review » gegenseitig mit Fokus auf ein selbst gewähl- Für das Modell der so genannten « Partnerschul-Peer-Review »
tes Thema zu evaluieren. Die Schulleitungen der Primar- hat das Institut für Forschung und Entwicklung der Pädagogi-
stufen Kleinhüningen und St. Johann haben das in einem schen Hochschule FHNW, das die Schulevaluationen im Auftrag
Pilotversuch gewagt und sind mit dem, was diese Form der der Volksschulleitung durchführt, im letzten Schuljahr einen
Zusammenarbeit ihren Schulen gebracht hat, mehr als zu- Pilotversuch auf der Primarstufe initiiert und fachlich begleitet.
frieden. Die erste Hürde bestand darin, zwei Schulleitungen miteinander
in Kontakt zu bringen, die freiwillig zusammen den Blick über
Hat der grosse Aufwand zur Veränderung der Volksschule im den eigenen Tellerrand hinaus wagen wollten. Es waren schliess-
Kanton Basel-Stadt im Rahmen der Schulharmonisierung und lich die Primarstufen Kleinhüningen und St. Johann, die sich als
weiteren Volksschulprojekten zu den angestrebten Verbesserun- erste Basler Schulen der Herausforderung stellten.
gen geführt ? Um dies fundiert beantworten zu können, ohne Sowohl Nadine Bühlmann ( PS St. Johann ) wie auch Florian
die Schulen übermässig zu belasten, wird die Wirkung der ab- Ritter ( PS Kleinhüningen ) sind rückblickend überzeugt, dass
geschlossenen oder noch laufenden Reformen im Rahmen ei- sich die vielen Stunden, die sie und Teile ihres Kollegiums in den
ner auf mehrere Jahre angelegten Gesamtevaluation untersucht. Pilotversuch investiert haben, gelohnt haben. Rasch zeigte sich
nämlich, dass beide Partner mit ähnlichen Voraussetzungen und
QUANTITATIVE UND QUALITATIVE ERHEBUNGEN Zielen in den freiwilligen Testlauf eingestiegen sind. Ihre Schu-
Einerseits wird mit quantitativen Analysen von statistischen len seien von der Grösse und dem soziokulturellen Umfeld her
Kennzahlen untersucht, wie erfolgreich die Schullaufbahnen vergleichbar und in der Schulentwicklung mit ähnlichen Frage-
von Schülerinnen und Schülern durchlaufen werden – zum Bei- stellungen konfrontiert, sagt Florian Ritter. Das sei wohl mit ein
spiel, wie viele Jugendliche nach der Volksschule eine Mittel- Grund gewesen, dass beide Schulen bei der Auswahl des Fokus-
schule besuchen oder eine Berufsausbildung in Angriff nehmen. themas unabhängig voneinander das Augenmerk auf den The-
Dazu nimmt der Regierungsrat jährlich ausgewählte Richtwerte menkreis Förderung und Integration und insbesondere die in-
zur Kenntnis, die jeweils auf dem Bildungsserver und im Volks- dividuelle Lernbegleitung richten wollten, ergänzt Nadine Bühl-
schulbericht publiziert werden. Weichen die Ist-Werte zu stark mann.
von den erwünschten Soll-Werten ab, werden Änderungen ein-
geleitet. ZWEI SCHULEN BESUCHEN SICH EINEN TAG GEGENSEITIG
Zur Vertiefung und Ergänzung der statistischen Datenerhe- Ein fünfköpfiges Evaluationsteam zusammenzustellen, war an
bungen finden in den nächsten Jahren schulstandortbezogene beiden Schulen kein Problem. Innert wenigen Minuten hätten
Evaluationen statt, deren Daten vor allem der Weiterentwick- sich genügend Freiwillige gemeldet, erinnert sich Nadine Bühl-
lung der Schulen dienen sollen. An allen 37 Volksschulen des mann. Um möglichst alle Bereiche erfassen zu können, gehör-
Kantons wird im Auftrag der Volksschulleitung bis zum Som- ten den Teams sowohl Lehrpersonen des Kindergartens, beider
mer 2022 zweimal der Stand der Umsetzung der Schulreformen Stufen der Primarschule und in Kleinhüningen sogar eine Mit-
erhoben. Eine quantitative Befragung zum Entwicklungsprozess arbeiterin der Tagesstruktur an. Aufgabe dieser Teams war es,
ist für alle Standorte obligatorisch. Darüber hinaus werden ih- unter fachlicher Anleitung die Evaluationsleitfragen zu entwi-
nen drei qualitativ ausgerichtete Evaluationsformen zur Wahl ckeln, das Programm für den Besuchstag an der Partnerschu-
gestellt. Diese drei Varianten wurden oder werden zunächst in le vorzubereiten und die gewonnenen Eindrücke zu sammeln
Pilotversuchen mit einem Fokusthema erprobt, das die Schulen und strukturiert zurückzumelden. Am Besuchstag selbst wur-
selbst bestimmen können. Als Grundlage für die Schulevaluati- den nicht nur Lehr- und Fachpersonen der Partnerschule be-
onen dienen Orientierungsraster, in denen die wichtigsten nor- obachtet und befragt. Zur Abrundung ihrer Eindrücke redeten
18Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
die Evaluationsteams auch mit Schülerinnen und Schülern und
holten sogar telefonisch Elternstatements zu den ausgewählten
Themen ein.
Nadine Bühlmann und Florian Ritter finden es richtig und er-
freulich, dass im Kanton Basel-Stadt ein vergleichsweise offener
Ansatz für die qualitative Evaluation der Schulen gewählt wor- Die Fachhochschule Nordwestschweiz sucht
den ist. « Bei dieser Form der Standortbestimmung geht es nicht Pensionierte Primar- oder Sekundarlehrpersonen
darum, als Inspektoren aufzutreten und der Partnerschule gute mit Interesse an Naturwissenschaften und
Tipps zu geben. Die Motivation muss vielmehr sein, eine Dienst- naturwissenschaftlichen Experimenten für Mitarbeit
am FHNW-Projekt MobiLab (siehe: mobilab-nw.ch).
leistung für eine andere Schule erbringen zu wollen und zu sehen,
wie andere eine Aufgabe lösen », sagt Nadine Bühlmann. Ähn- Aufgabenbereich:
Begleitung bei Einsätzen in Klassen an ein- bis zwei
lich sieht dies auch Florian Ritter : Die partnerschaftliche Evalu-
Halbtagen (unterschiedliche Wochentage).
ation bringe einer Schule eine wertvolle Aussensicht, die einem
vor Augen führt, wo allenfalls blinde Flecken in der Selbstwahr- Interessiert?
Bitte melden Sie sich bei maria.till@fhnw.ch oder
nehmung vorhanden sind. 079 958 18 35
Umgekehrt kann eine solche Spiegelung durchaus auch den Der Beginn der Mitarbeit erfolgt nach Absprache.
positiven Effekt haben, dass etwas, das man als problematisch
empfindet, von Aussenstehenden gar nicht so wahrgenommen
wird. Nadine Bühlmann war beispielsweise positiv überrascht,
dass die Beeinträchtigung des Lernklimas durch die vielen Pro-
visorien, welche die Gesamtsanierung des Schulhauses St. Jo-
hann mit sich brachte, von aussen betrachtet weit weniger ein
Thema war, als sie und ihr Kollegium befürchtet hatten.
DENKANSTÖSSE UND NEUE PFADE
Vor allem beim selber gewählten Fokusthema, der individuel-
len Förderung und Lernbegleitung, habe die Evaluation eine
nachhaltige Diskussion angeregt, wie sich die Schulen in die-
sem Bereich weiterentwickeln möchten. Für Florian Ritter hat
die Evaluation die Erkenntnis gebracht, dass im Kindergarten,
der Primarschule und der Tagesstruktur offenbar unterschied-
liche Vorstellungen vorhanden sind, wie eine gute Lernbeglei-
tung aussieht. Ein wichtiger nächster Schritt ist es, nun schulin-
tern ein gemeinsames Verständnis von dem zu entwickeln, was
über alle Stufen hinweg angestrebt werden soll. Die Denkanstös-
se, die eine solche freiwillige Zusammenarbeit unter Peers liefert,
können aber durchaus auch über das Fokusthema hinausgehen.
Im vorliegenden Fall hat sich beispielsweise die PS St. Johann
durch den Einblick in das an der PS Kleinhüningen umgesetzte
« Programm zur Förderung Alternativer Denkstrategien » ( kurz
PFADE ) bestärken lassen, dieses Lehrmittel zur Gewaltpräventi-
on an Primarschulen ebenfalls einzuführen und dem nationalen
Netzwerk der PFADE-Schulen beizutreten.
Weitere Informationen
Richtwerte und Orientierungsraster :
www.edubs.ch>schulentwicklung>evaluation
Volksschulbericht : www.edubs.ch>publikationen>broschueren>
Brainfood
broschueren-volksschulen
Projekt PFADE : www.gewaltprävention-an-schulen.ch
Beratung durch die PH FHNW : Adrian Bucher,
adrian.bucher@fhnw.ch, Tel. +41 56 202 79 27
Die Schokoladenseite
der Naturwissenschaften erleben.
Beratung ED : Regina Kuratle, regina.kuratle@bs.ch,
Tel. +41 61 267 56 12 www.technorama.ch
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HONEY KENNT KEIN VORURTEIL
WAS TIERGESTÜTZTE PÄDAGOGIK BEWIRKEN KANN
Von Yvonne Reck Schöni
In der Tagesschule Bachgraben, einem Spezialangebot der
Volksschulen, gibt es eine besonders beliebte « Hilfslehre-
rin » : Schulhündin Honey begleitet die Klassenlehrerin Sabi-
ne Hänni durch den Schulalltag. Für ihren Einsatz im Klas-
senzimmer ist Honey speziell geschult. Und auch die Kinder
müssen sich an klare Regeln halten. Was sie auch tun, und
zwar gerne.
Acht Kinder zählt die Klasse von Sabine Hänni. Acht Kinder und
ein Hund. Zusammen bilden sie die Klasse B in der Tagesschule
Bachgraben, einem heilpädagogischen Spezialangebot, das zum
Schulstandort Wasgenring gehört. Und Honey gehört wirklich
zur Klasse ! Sie kommt nicht gelegentlich zu Besuch, sondern be-
gleitet und unterstützt Sabine Hänni in ihrer täglichen pädago-
gischen Arbeit. Seit 16 Jahren schon arbeitet die Heilpädagogin Zählen und Rechnen geht besser, wenn Schulhund Honey
mit einem Schulhund, ihre Erfahrungen sind durchwegs positiv. miteinbezogen ist. Foto : zVg
Die Kinder lieben Honey, ein Cavalier King Charles Spaniel. Ho-
ney wiederum akzeptiert alle Kinder, so wie sie sind. Egal, was schränkt sich aber nicht auf den direkten Kontakt mit dem Tier.
sie können oder eben nicht gut können – Honey ist ohne Vorur- Der Hund kann auch Thema einer Geschichte oder eines Lo-
teile, « behandelt » alle gleich, hört immer zu, wenn jemand ihr gicals sein, oder ein Motiv im Zeichnen, oder die Schüler kön-
vorliest, bleibt stets ruhig, und wenn sie nicht mehr mag, zieht sie nen für Honey einen Parcours auf einem Plan entwerfen und ihr
sich auf ihr Plätzchen zurück. Dort lässt man sie in Ruhe. Das ist räumliches Denken trainieren.
die Regel, und an die halten sich alle ( was bei generellen Schul-
hausregeln bekanntlich nicht durchwegs der Fall ist ). NICHT STÄNDIG IM MITTELPUNKT
Es sei aber nicht so, dass der Hund ständig im Zentrum des Un-
HONEY ALS MOTIVATOR terrichts stehe, sagt die Heilpädagogin. Honey sei einfach ein
Heute hat Sabine Hänni Stoffsäckchen vorbereitet, in denen Teil davon. Der positive Einfluss reicht viel weiter. Der Hund
Buchstabenkärtchen stecken. Jedes Kind darf ein Säcklein wer- fördert Verantwortungsbewusstsein und Empathie, verbessert
fen, Honey holt und bringt es dem Kind auf Kommando und das Sozialverhalten der Kinder auch untereinander, stärkt deren
bekommt zur Belohnung ein Gudi. Aufmerksam verfolgen die Selbstvertrauen, hilft, Ängste abzubauen, fördert alle Sinne, die
Erst- und Zweitklässler das Geschehen und widmen sich danach Wahrnehmung und die Kommunikationsfähigkeit. Hänni könn-
ihrer Aufgabe : die Buchstaben im Säckchen so vor sich hinzule- te noch vieles aufzählen. Sie stellt aber auch klar : Funktionieren
gen, dass ein richtiges Wort entsteht. Danach arbeitet jeder Schü- kann hundegestützte Pädagogik nur, wenn Hund und Lehrper-
ler ( es sind alles Buben ) individuell an seinem Arbeitsblatt. ai son ein Team und speziell dafür ausgebildet sind. ( Die beiden
oder ei ? tz oder z ? Honey liegt derweil an ihrem Platz unter dem haben zusammen eine Therapiehunde- und Schulhundeausbil-
Lehrerpult, wie immer, wenn die Kinder still für sich arbeiten. dung gemacht. ) Man kann einen Schulhund darum nicht auslei-
hen, jedenfalls nicht für diesen Zweck. Es gibt wohl so genannte
HONEY FORDERT STRUKTUR Besuchshunde ( siehe Kastentext ), diese haben aber eine andere
« Unsere Kinder sind in der Regel sehr ablenkbar, haben grosse Funktion.
Konzentrationsprobleme, können schlecht fokussieren », erklärt
Sabine Hänni. « Ausser, wenn sie mit dem Hund arbeiten. » Ho- KEIN HUNDESITTING
ney wirkt beruhigend auf die Klasse, aber auch motivierend. Die Und noch etwas betont Sabine Hänni : Der Einsatz eines Schul-
Kinder machen alles lieber, wenn der Hund beteiligt ist. Er sorgt hunds ist kein Hundesitting. Einfach den Hund mit in die Schule
auch für Ordnung und Struktur. Man kann nicht einfach Dinge nehmen, damit er nicht allein zuhause bleiben muss, hat nichts
auf dem Boden herumliegen lassen. Und Anweisungen an Honey mit seriöser hundegestützter Pädagogik zu tun. Das gilt es zu
funktionieren nur, wenn sie ruhig, klar und mit Augenkontakt differenzieren. Hänni und auch ihre Schulleitung werden im-
erteilt werden – eine grosse Herausforderung für diese Schüler mer mal wieder von anderen Schulen nach ihren Erfahrungen
mit besonderen Voraussetzungen. Tiergestützte Pädagogik be- gefragt. Als Vorstandsmitglied des Vereins Schulhunde Schweiz
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( siehe Kastentext ) ist Sabine Hänni bestens mit dem Thema ver-
traut und freut sich, wenn sie ihr fundiertes Wissen weitergeben
kann. Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz eines Schul-
hundes sei Berufssicherheit, findet Hänni. Für Berufseinsteigen-
de eignet sich die Methode nicht. SCHULHUNDE
yrs. Als Schulhunde werden allgemein Hunde
ELTERN UMFASSEND INFORMIEREN bezeichnet, die einer Tätigkeit in einer Schule
Klar ist : Wenn in einer Klasse ein Hund zum Einsatz kommt, nachkommen. Diese Tätigkeiten können sehr
gilt es die Eltern vorab detailliert zu informieren. Sabine Hänni unterschiedlich aussehen. Daher gibt es für
hat hierfür extra eine kleine Dokumentation zusammengestellt, einen Hund im Schulwesen verschiedene
die das Konzept einfach verständlich schildert und auch auf Fra- Bezeichnungen wie Schulhund, Schulungshund,
gen zu Hygiene oder Haftung eingeht. Eltern dürfen zudem den Schulbesuchshund, Klassenhund oder
Unterricht jederzeit besuchen. Bis jetzt hat es nie irgendwelche Therapiehund. Auf der Webseite des Vereins
Widerstände gegeben. Offenheit, Transparenz und ein kompe- Schulhunde Schweiz werden diese Begriffe
tenter Informationsfluss gegenüber den Eltern sind wichtige Vo- definiert. Interessierte finden dort auch viele
raussetzungen, die von der Schulleitung unterstützt und mitge- Informationen über tiergestützte Pädagogik,
tragen werden sollten. Positiv wirken auch Hännis Gelassenheit die Vorteile eines Hundes an der Schule,
und Fröhlichkeit. Die Atmosphäre im Klassenzimmer ist ent- die nötigen Voraussetzungen, konkrete Ein-
sprechend gut, die Kinder fühlen sich sichtlich wohl. « Ja, wir la- satzideen, Ausbildungsmöglichkeiten oder
chen sehr viel », bestätigt Sabine Hänni unseren Eindruck. Ho- auch Literaturtipps.
ney trägt viel dazu bei. Ob sich ein Hund für den pädagogischen
Einsatz als Schulhund eignet, hängt weniger
Trauriger Nachtrag : Einige Wochen nach unserem Besuch in der von der Rasse oder seiner Grösse als von seinem
Klasse ist Honey, knapp fünfjährig, völlig unerwartet an einer Charakter ab. Ein potenzieller Schulhund
Hirnblutung gestorben. sollte freundlich, menschenbezogen, ruhig,
ausgeglichen und gehorsam sein. Ein sabbern-
Honey versteht Anweisungen nur, wenn sie ruhig, klar und mit des oder stark haarendes Tier eignet sich
Augenkontakt erteilt werden – eine grosse Herausforderung für eher nicht.
manche Kinder. Foto : Felizitas Fischer schulhunde-schweiz.ch
21Basler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
WO ?
– Primarschule St. Johann,
Spitalstrasse 50, 4051 Basel
UNDER CONSTRUCTION ( VII )
WAS ? WARUM ?
– Gesamtsanierung des Schulhauses
St. Johann mit Ausbau des Dachstockes
und Nutzbarmachung von Kellerräumlich-
keiten für die zusätzlich benötigten
Spezialräume. Dank diesen Ausbauten wird
es möglich sein, 12 Primarklassen ( f ür
Schuljahr 16/17 13 Klassen ) und einen Heil-
pädagogischen Kindergarten unterzubringen.
Neben der Erdbebenertüchtigung und der
Verbesserung des Brandschutzes wurde zudem
die ICT-Infrastruktur für die Unterrichts-
und Gruppenzimmer vollständig erneuert.
WIEVIEL ?
– 2680 Betonanker
– 170 neue Eichenfenster
– 1500 m2 neuer Eichenboden
– 3000 m2 gestrichene Lamperie
– 12 000 m2 gestrichene Wand- und
Deckenflächen
– 400 neue Lampen
– 20 000 m ICT-Kabel
– 45 000 Starkstromkabel
– 250 UKV-Anschlüsse
– 60 Planungsbeteiligte
– 35 000 Planungsstunden
– 170 Handwerker
22 Foto : MET ArchitectsBasler Schulblatt Nr. 5 /2016 EDit
NICHT PERFEKT, NA UND ?
« LOOK&ROLL » UND « MAL SEH’N » : ZWEI ANGEBOTE FÜR SCHULEN,
DIE BERÜHRUNGSÄNGSTE ÜBERWINDEN HELFEN
Von Peter Wittwer
Das Kurzfilmfestival « look&roll », das Ende September im
Kino Atelier stattfindet, setzt einen augenzwinkernden Kon-
trapunkt zum allgegenwärtigen Perfektionswahn. Gezeigt
werden Filme, die – ohne den Mahnfinger zu erheben – für
einen entspannten Umgang mit Menschen eintreten, die auf
irgendeine Art andersartig sind. Für Klassen der weiterfüh-
renden Schulen wird ein kommentiertes Spezialprogramm
mit Highlights aus dem Festivalprogramm angeboten.
Zum sechsten Mal präsentiert das Basler Kurzfilmfestival
« look&roll » vom 22. bis 25. September eine Auswahl von Kurz-
filmen über das Leben mit Einschränkungen, mit Schwächen,
mit Behinderungen. Gezeigt werden Filme aus aller Welt, die auf
entspannte und witzige Weise an das Thema herangehen, ohne
dabei den Respekt für die Protagonistinnen und Protagonisten Szenenbild aus der Kultserie « Der Tatortreiniger » :
zu verlieren. Titelheld Schotty beim verbalen Schlagabtausch mit der
Solche gibt es, wie ein Blick in das Filmarchiv auf der Web- bekennenden Veganerin und Rollstuhlfahrerin Kim.
site des Festivals zeigt, mittlerweile einige, die zum Teil Aus-
zeichnungen bis hin zu Oscars eingeheimst haben. Das Medium lich zu machen. Bereits zum sechsten Mal hat Festivalleiter Ger-
( Kurz- )Film eigne sich sehr gut, um gerade junge Leute für die hard Protschka dieses Jahr mit einem Team von Fachleuten aus
alltäglichen Bedürfnisse von Menschen zu sensibilisieren, die der Filmbranche und Menschen mit einer Behinderung das Fes-
wegen einer Behinderung nicht perfekt funktionieren, sagt Ger- tival « look&roll » organisiert. Zum Programm von « look&roll »,
hard Protschka, der Gründer und Geschäftsführer des Festivals. zu dem jedes Jahr auch eine « Best of »-DVD herausgegeben wird,
gehört dieses Jahr am Donnerstag- und Freitagmorgen auch ein
GRUNDSTEIN FÜR GEGENSEITIGES VERTRAUEN auf Schulklassen der weiterführenden Schulen ausgerichtetes
Das Festival ist aus dem immer noch laufenden Projekt « Mal Spezialprogramm.
seh’n » entstanden. « Mal seh’n » ist eine Initiative von Procap, der
grössten Selbsthilfeorganisation von Behinderten in der Schweiz, RAUBÜBERFALL IN GEBÄRDENSPRACHE
über die Schulen ohne grossen Aufwand und kostenlos in di- Unter dem programmatischen Titel « Nicht perfekt, na und ? »
rekten Dialog mit behinderten Menschen treten können. Solche wird dort unter anderem eine Folge aus der Kultserie « Der Tat-
direkten Begegnungen helfen erfahrungsgemäss, Berührungs- ortreiniger » gezeigt, in welcher der überzeugte Fleischesser und
ängste zu überwinden, Unsicherheiten abzubauen und legen den Tatortreiniger Schotty im Gespräch mit der veganen Rollstuhl-
Grundstein für gegenseitiges Verstehen. fahrerin Kim so ziemlich in jedes Fettnäpfchen tritt, in das man
Bei diesen Besuchen dienen Kurzfilme als Einstieg, in denen treten kann. Nicht minder unterhaltsam ist auch ein englischer
nicht in erster Linie Mitleid geweckt wird, sondern die den Ju- Kurzfilm, in dem ein gehörloser Räuber mit Hilfe einer immer
gendlichen Identifikationsmöglichkeiten und den Moderieren- mehr von Skrupeln geplagten Gebärdensprache-Dolmetscherin
den Anknüpfungspunkte für ein Gespräch auf Augenhöhe bie- seinem Metier nachzugehen versucht. Eindrücklich für Jugend-
ten. In den letzten Jahren ist vor allem in angelsächsischen und liche dürften auch Kurzfilme sein, die zeigen, wie ein junger Stot-
nordeuropäischen Ländern, wo dieses Thema einen hohen Stel- terer seine Hemmungen beim Flirten überwindet oder wie eine
lenwert hat, eine Vielzahl von Filmen entstanden, in denen der Blinde sich anhand von « K langschatten » in ihrer Umwelt orien-
« behinderte Alltag » nicht nur lebensnah, sondern oft auch mit tiert.
sehr viel Witz dargestellt ist.
Weitere Informationen unter www.lookandroll.ch und
MORGENVORSTELLUNGEN FÜR SCHULKLASSEN www.malsehn.ch
Vor zehn Jahren ist deshalb die Idee entstanden, diese Filme
nicht nur an den Schulbesuchen, sondern auch alle zwei Jahre
im Rahmen eines Festivals einer breiteren Öffentlichkeit zugäng-
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STATT VIELER TÖPFE NUR
NOCH EIN TOPF
SCHULEN SIND NACH WIE VOR GEFRAGTE ZIELGRUPPEN
FÜR DIE PROFESSIONELLE KULTURVERMITTLUNG
Von Peter Wittwer
Damit ein möglichst grosser Teil der Bevölkerung einen Zu- KULT&CO, EDUCATION-
gang zum reichhaltigen Kulturangebot Basels findet, gehört UND IMPULS-PROJEKTE
die Kulturvermittlung zu den Kernaufgaben der Abteilung Vor allem im Tanz-, Theater- und Musik-
Kultur. Was an den Schulen bisher unter Labels wie « E du- bereich hat die Zusammenarbeit zwischen
cation-Projekt » oder « kult&co » gefördert worden ist, ist neu Schulen mit professionellen Kulturschaffenden
unter dem Obertitel « Kulturvermittlungsprojekte » in einem und -institutionen eine lange Tradition.
Fördergefäss zusammengefasst. Zweimal im Jahr bestimmt In den letzten Jahren immer wieder für Auf-
eine Jury aufgrund von Gesuchen, die von den beteiligten sehen über die beteiligten Schulen hinaus
Kulturschaffenden und -institutionen und nicht von den gesorgt haben etwa die Education-Projekte.
Schulen eingereicht werden müssen, welche Projekte unter- Inspiriert vom preisgekrönten Dokumentar-
stützt werden. Das Label « E ducation Projekt » gibt es nicht film « R hythm Is It ! », in dem eine Aufführung
mehr, die Dienstleistung und Finanzierung seitens Abteilung von Strawinskys Ballet « Sacre du printemps »
Kultur bleibt. durch die Berliner Philharmoniker mit Kin-
dern aus Berliner « Problemschulen » dokumen-
Jeweils im Frühjahr und im Herbst trifft sich eine achtköpfige tiert wird, wurde diese Reihe vor zehn Jahren
Jury und entscheidet anhand von öffentlich ausgeschriebenen vom damaligen Basler Kulturverantwortlichen
Kriterien, welches Projekt in den Genuss der kantonalen Förder- Michael Koechlin ins Leben gerufen. Ein
mittel für professionelle Kulturvermittlung kommt. Dabei wird Kreis von fest definierten Kulturinstitutionen –
nicht unterschieden, ob es sich um die traditionell stark geför- Theater Basel, Sinfonieorchester Basel,
derte Kulturvermittlung an Schulen oder um Kooperationen von Basel Sinfonietta, Kammerorchester Basel –
Kulturschaffenden mit anderen Zielgruppen wie etwa Senioren hat seither in Zusammenarbeit mit Schul-
oder Jugendorganisationen handelt, die im Freizeitbereich tätig klassen knapp drei Dutzend interessante
sind. Der auf die Vermittlung ausgerichtete Teil der Kulturför- Kulturprojekte aufwändig entwickelt und
derung läuft also nicht mehr wie früher parallel über verschie- zur Aufführung gebracht.
dene Förderprogramme und Wettbewerbe, sondern zentral für Um das Feld der Vermittlung über den
alle Sparten über ein Gremium, das die eingereichten Gesuche Kreis etablierter Institutionen hinaus zu
in einer Gesamtschau beurteilt. erweitern, schuf die Abteilung Kultur zwei
weitere Gefässe mit öffentlich ausgeschriebe-
VON AUSSENRAUMGESTALTUNG BIS ZUM ORATORIUM nen Förderkriterien : die « Impulsprojekte »,
Mit Unterstützung rechnen können Projekte, bei denen « Kul- die mit Beiträgen aus dem Swisslos-Fonds
turinstitutionen mit Sitz in Basel oder professionelle Kunstschaf- ermöglicht wurden, und den Ideenwettbe-
fende aus allen Sparten ein künstlerisches Vermittlungsprojekt werb « kult&co ». Dieser Wettbewerb richtete
mit einer Zielgruppe im Kanton Basel-Stadt erarbeiten wollen ». sich an professionelle Kunst- und Kultur-
Was darunter zu verstehen ist, lässt sich am besten an Projekten schaffende aller Sparten, die mit basel-städti-
zeigen, die mit finanzieller Unterstützung der Abteilung Kultur schen Schulen oder Jugendgruppierungen
in letzter Zeit realisiert worden sind oder für deren Umsetzung ein künstlerisches Projekt planen und um-
bereits Beiträge gesprochen worden sind. setzen wollten. Dafür standen jährlich
Noch vor den Sommerferien ihre Vernissage feiern konnten insgesamt 70’000 Franken zur Verfügung.
zwei Architekturprojekte, in denen Schulklassen der Primar- Die nun erfolgte Zusammenlegung dieser drei
schule Bruderholz und des Gymnasiums Leonhard zusammen Förderschienen soll für Vereinfachung
mit professionellen Architekturbüros Ideen zur ( künstlerischen ) und mehr Transparenz für die Gesuchstellen-
Aufwertung des schulischen Aussenraums entwickelt haben. Im den sorgen, ohne dass damit die für die
neuen Semester folgen werden zwei Filmprojekte, die zwei Basler Vermittlung zur Verfügung stehenden Mittel
Filmerinnen mit FMS-Klassen durchführen und deren Resultate gekürzt worden sind.
im Dezember im Stadtkino zu sehen sein werden.
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