"Was glaubst du denn?" - jupf Info
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Nr. 117 | Dezember 2019
jupf
Info
Neues in und aus der Jugendarbeit | Evangelisches Jugendpfarramt Köln
„Was glaubst du denn?“»Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, bleibt nicht im Dunkeln,
sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt.«
(Johannes 8,12)
Vielen Dank für die
vertrauensvolle
Zusammenarbeit,
die Unterstützung
und die wertvollen
Gespräche!
Wir freuen uns auf
viele interessante
Begegnungen
im Jahr 2020.
Inhalt
Anregendes Erlebtes Aktuelles
4 Die fünf Weltreligionen 24 Gedenkstättenfahrt Israel 35 § 41 BAT-KF
6 Garten der Religionen 26 Lifegate-Rehabilitation ESG-Wohnheim
Friedenstunnel 28 Kinderferienspaß Jugendquote
7 Shell-Jugendstudie 2019 Köln-Marathon
9 Generation Lobpreis 29 Ehrenamtler-Danke-Event Mitmachen
10 Interview mit Stadtsuperintendent 30 Praxistag 36 News4you
Bernhard Seiger Legobautage
12 Jugend macht Kirchen 31 Roboterwettstreit
14 Traut euch! Unsere Schätze Medien und Material
15 Jugendgottesdienst 32 Lukas 1.0 36 Bücher, Filme, Spiele, Apps
16 Wie baue ich mir eine Andacht?
18 Vorbereitungstreffen Jugend-
synode Kirchenkreis Köln-Süd
Zukünftiges Förderprogramme
20 Fachtag „Jugend und Glaube“
33 Veranstaltungskalender 39 Unterschiedliche Projektförderungen
21 Was glauben Jugendliche?
34 Konfi-Cup
22 Der Nahost-Konflikt
Jugendcamp
Fach- und Praxistage kurz notiert
37 Wettbewerbe
42 Weiterbildungen
2 Jupf-Info Nr. 117/19Was glaubst du denn?“
Vor einiger Zeit war ich auf einem Geburtstag eines guten
Freundes. Die Stimmung war ausgelassen und es tummelten
sich viele gut gelaunte Menschen. Mit einem Getränk in der
Hand wurde ich von Kathi angesprochen. Und wie man es beim
Smalltalk so macht, lautete einer der ersten Fragen „Na,
was machst du so?“ Nachdem Sie mir ausgiebig
von ihrem Studium und ihrer geplanten
Selbstständigkeit im Marketing erzählte,
war nun ich an der Reihe. „Ich habe als
Jugendpastor in Köln gearbeitet und
studiere weiter Theologie, um Pfarrer
zu werden. Und mit einer kleinen Stelle
arbeite ich beim Evangelischen Jugendpfarramt als theologischer
Referent.“ erwiderte ich ihr. Stille. Und da war sie wieder. Die
berühmte kurze Pause, mit der mich viele anschauen, wenn ich ihnen
sage, was und wo ich arbeite. Zuerst schaute mich Kathi kritisch und
dann interessiert an: „In der Kirche also und dazu noch Theologie. Ja,
was glaubst du denn? Also wirklich an all das, was die Kirche so sagt
und an einen Gott?“ Diesmal kommt eine Pause von mir. In Gedanken
gehe ich die unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten durch und fange
an: „Ja, ich glaube an Gott und die Kirche ist für mich wichtig, weil …“
Dieses Gespräch steht exemplarisch dafür, was Ihr, liebe Leser und
Leserinnen, vielleicht schon selbst erlebt habt. Die Frage „Was glaubst
du denn?“. Ich erlebe die Frage nicht nur in meiner Arbeit mit Kindern,
Jugendlichen und im Studium, sondern auch immer öfter in privaten
Gesprächen. Deshalb möchte diese Ausgabe euch ein bisschen
informieren und inspirieren.
Zu Anfang wird über die großen Weltreligionen aufgeklärt und welche Orte
in Köln dazu besucht werden können. Durch die neue „Shell-Jugendstudie“
zeigen wir euch, dass Religiosität bei Jugendlichen immer noch eine große
Rolle spielt. Unser Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger wird uns in
einem persönlichen Interview in den evangelisch-christlichen Glauben
einführen. Gerade hier ist uns der Standort Köln wichtig, weswegen wir uns
im Heft weiter fragen werden, wie Spiritualität in Köln aussieht. Praktisch wird
es mit Tipps und Tricks, wie eine Andacht vorbereitet werden kann. Neben
vielen weiteren Infos und kreativen Inputs hoffen wir, dass auch ihr am Ende
des Jupf-Info eine Antwort auf die Frage: „Was glaubst du denn?“ findet.
Viel Spaß beim Entdecken und Lesen, wünschen euch euer Jupf-Team!
Daniel Phan, Theologischer Referent
Jupf-Info Nr. 117/19 3Anregendes
Die Weltreligionen
Da sich die Menschen vieles um sie herum JUDENTUM
nicht erklären konnten, haben sie schon immer
Das Judentum ist die älteste
Antworten in etwas „Übernatürlichem“ gesucht. Weltreligion, in der die Men-
schen nur an einen Got t glau
Das waren zunächst Götter, denen unterschiedliche ben. Das einzige Land, in dem
Juden in der Mehrheit sind, ist
Eigenschaften und Aufgaben zugesprochen wurden. Israel. Seine Hauptstadt
Jerusalem ist auch für Christe
Die Menschen verehrten sie als allmächtig und n und Muslime sehr wichtig.
allwissend. Aus diesem Glauben haben sich die
Religionen entwickelt. Die Juden waren die Ersten, Alter: ca. 4.00 0 Jahre
die vor mehr als 3.000 Jahren nur noch an einen Anzahl Gläubiger: ca. 14,7 Mill
einzigen Gott glaubten. ionen
Art der Religion: monotheistisch
Aus dem Judentum entwickelten sich das Göt tliche Figur: „Der Ewige“, Jahve (Adonai)
Christentum und der Islam, die ebenfalls nur an einen
Gott glauben. Heute gibt es fünf große Religionen, Zentrale Figur(en): Stammvater:
Abraham; Moses
zu denen sich die meisten Menschen bekennen: Lehrbuch: Thora
Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und
Buddhismus. Wichtigste Inhalte:
• Volk Israel ist von Got t auserw
ählt
• Glaube an den einen allmäch
tigen und guten Got t, den
Schöpfer der ganzen Welt
• Got t erhört die Gebete der Me
TUM nschen
CHR ISTEN en an Gott
.
g la u b e n die Mensch • Got t spricht mit den Menschen
, z.B. durch Träume
tum
Im Christen der Welt.
a ls d e r Schöpfer • Nach dem Tod leben die See
Er gilt len der Menschen im
Himmel weiter
hre
ca. 2.0 0 0 Ja • Am Ende der Zeit kommt der
Messias und führt
Alter: en in das Friedensreich und die
. 2 Milliard Toten werden
ubiger: ca Auferstehen
Anzahl Glä
otheistisch
d e r R e lig ion: mon • Engel sind die Boten Got tes
Art Herr
Fi g u r: Gott, Vater, Wichtigste Lebensregeln: 10
Göttlic h e m Geb ote
ter: Abraha
Fi g u r(e n): Stammva
Zentrale Moses, Jesu
s
Testament,
B ibel (Altes
Lehrbuch: Neues Test
ament)
Inhalte:
Wichtigste ferstanden
,
is t vo n d e n Toten au n zu befreien
• Jesus
e n vo n d e n Sü n d e
nsch
um die Me
es
• Reich Gott enschen
lich e Li e b e zu den M
nd
Gottes une ist)
• Heiliger Ge
ig ke it (V a ter, Sohn &
• Dreiein
m Tod
en nach de
• Ewiges Leb
es
Boten Gott
• Engel sind
eln:
Lebensreg
Wichtigste igt
, Bergpred
10 Gebote
4 Jupf-Info Nr. 117/19Muslime Anregendes
ISLAM el igionen. Für
d er W el tr zu
t die jüngst
e ten und so
Der Islam is se n G eb o te zu beach
g, die religiö
ist es wichti en er war tet. HINDUISMUS
, w ie A lla h es von ihn
leb en
hre Der Hinduismus ist
ca. 1.450 Ja die älteste der fünf
Alter: Hindus kennen M Weltreligionen. Di
5 Milliarden illionen von Götte e
biger: ca. 1, rn.
Anzahl Gläu Alter:
theistisch
ion: mono ca. 4.500 Jahre
Art der Relig Anzahl Gläubiger
gur: Allah : ca. 850 Millionen
Göttliche Fi r: Abraham;
Fi g u r(en): Stammvate Ar t der Religion:
polytheistisch
Zentrale hammed
Prophet Mo Göttliche Figur:
330 Millionen Gotth
Koran eiten
Lehrbuch: Zentrale Figur(en):
Brahman – die Welt
seele;
Inhalte:
Wichtigste deren Götter
Sanatana Dharma
– ewige Ordnung
A lla h g ib t es keine an Lehrbuch.
Neben schaf fen viele heilige Schrift
•
t u n d d ie Menschen er en
Wel
• Allah hat die ichts
• Die Shruti – Botsc
haften der Götter
geschieht n • Die Smriti – Gesc
O h n e se inen Willen hichten von weise
n
• Menschen über die
vergleichen Götter
is t m it nichts zu oran)
• Er af t Allahs (K Wichtigste Inhalte
G ab ri el sc hickt Botsch :
• Er zengel • Brahman – die Welt
ed bei Allah zu
zu Mohamm seele (steckt auch
in den zahlreichen
To d ei n ewiges Leben Hindu-Gottheiten
, zeigt jedoch in jed
h dem
• Wunsch, nac Eigenschaft) er eine andere
führen • Sanatana Dharma
n: – ewige Ordnung
Lebensregel
Wichtigste m Wichtigste Lebens
ulen des Isla regeln: die Lebens
Die Fünf Sä Dharma – der ewige führung nach Sana
t Judentum tana
d er h ei ten: erkenn n
n Ordnung: Z.B. da
rf keinem Mensche
Bes o n selbe Religio und keinem Tier Le n
d C h ri st en tum als die id zugefügt werden
.
un doch noch
nhängern je
an, deren A enbar t wurd
e.
t d ie vo lle Wahrhei off t
nic h
BUDDHISMUS
Buddhisten glauben nicht an einen allmächtigen Gott. Vielmehr
wird von ihnen erwartet, dass sie nicht ohne nachzudenken
einem Gott, ihren Lehrern oder wichtigen religiösen Personen
folgen. Stattdessen sollen sie alles hinterfragen, gut nachdenken
und nur das tun, was vernünftig und logisch ist
Alter: ca. 2.500 Jahre
Anzahl Gläubiger: ca. 350 Millionen
Art der Religion: polytheistisch
Zentrale Figur(en): Siddharta Gautama (Buddha)
Wichtigste Inhalte:
• Das Universum hat es schon immer gegeben und wird es
immer geben
• Alle Dinge werden in einem ewigen Kreislauf immer wieder
neu zusammengesetzt
• Das Karma: mit dem Verhalten in diesem Leben entscheidet
man über das nächste Leben
• Die vier edlen Wahrheiten: das Leben ist voller Leid, nur die
Überwindung der Habgier kann uns davon befreien
• Die wahre Erkenntnis: wer nichts mehr begehrt ist Buddha
• Das Nirwana: im Nirwana wartet auf
Buddha das ewige Glück
Wichtigste Lebensregeln: Edler Achtfacher
Pfad der ErkenntnisFünf sittliche Gebote
für Nonnen & Mönche zusätzlich:
Zehn-Sitten-Regeln, Patimokkha Jupf-Info Nr. 117/19 5Anregendes
Ein interreligiöser Begegnungsort im
Plan: Maria Mandt, Landschaftsarchitektin
Herzen von Köln
Buddhismus Islam
Garten der Religionen
Christentum
Auf 1.750 qm gibt es zehn verschiedene
Plätze und Stationen, die dazu anregen,
Bildkarten den eigenen Glauben zu reflektieren und Hinduismus
Symbole der mit Menschen aus anderen Religionen Judentum
Weltreligionen ins Gespräch zu kommen. Verschlungene
Wege, stille Ecken und Parkbänke laden
Mit diesen 30 Bildkarten auch zum Verweilen und Entspannen ein.
erschließen sich Jugendli-
che den Bedeutungsgehalt Der Garten der Religionen ist eine Oase
der zentralen Symbole der inmitten der hektischen Großstadt. Er
Weltreligionen Hinduismus, steht allen interessierten BürgerInnen
Buddhismus, Judentum, offen und ist von Montag bis Freitag
Christentum und Islam. zwischen 08:00 Uhr und 18:00 Uhr frei
Die Vorderseiten zeigen zugänglich.
ein Symbol, die Rücksei-
ten beschreiben dessen
Bedeutung. Das Begleitheft
fasst die Grundzüge der
Garten der Religionen & Auf dem Gelände des ehemaligen Jesuitenklosters, das heute Ver-
Religionen zusammen und
Geschäftsstelle IN VIA Köln e.V. waltung und Schulrestaurant von IN VIA (katholischer Verband für
demonstriert die Einsatz-
Stolzestraße 1a Mädchen- und Frauensozialarbeit) beherbergt, ist ein Ort geschaf-
möglichkeiten der Karten
50674 Köln fen worden, an dem Besucher mehr Spiritualität erfahren können.
Im Handel erhältlich für
14,00 €.
Friedenstunnel
Die Idee zum “Friedenstunnel Bremen” entstand als spontane Reaktion der Vielfalt des Glaubens
Künstlerin Regina Heygster auf die Terroranschläge vom 11. September 2001.
Der Friedenstunnel wirbt in Bremen und über Bremen hinaus mit seiner Das Rautenstrauch-Joest Museum ist ein be-
symbolhaltigen Mosaikkunst für Frieden und Verständigung. deutendes Völkerkundemuseum in Deutsch-
land und das einzige seiner Art in Nord-
82 künstlerisch gestaltete Texttafeln begleiten Tunnel-Passanten durch Weis- rhein-Westfalen.
heits- und Friedenstexte aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Außerdem
prangen sowohl über beiden Frontseiten als auch über beiden 50m langen Das Museum hat neben seiner normalen
Seitenwänden künstlerisch gestaltete Mosaike. Der Gewölbehimmel wird durch Ausstellung auch regelmäßig Sonderaus-
eine LED-Licht-Installation regenbogenfarbig illuminiert. Der Friedenstunnel stellungen zu bieten. Die Dauerausstellung
steht für die Weltoffenheit und symbolisiert das gute und friedliche Miteinan- zum Thema „Vielfalt des Glaubens“ lädt alle
der der Kulturen und Religionen in Bremen. Aktuell vor dem Hintergrund von Interssierte ein.
Flüchtlingsströmen und der Konfrontation mit fremden Kulturen hat die Arbeit Woher kommt der Mensch? Und wohin
am Friedenstunnel ebenso eine gesellschaftspolitische Dimension. geht er? Gibt es eine höhere Macht, die sein
Geschick leitet? Existiert ein Leben nach dem
Tod? Seit Urzeiten versucht der Mensch, Ant-
worten auf existenzielle Fragen wie diese zu
finden. Auf der Suche nach dem Wesen des
Seins beschäftigen ihn vor allem die Phä-
nomene, die über seine sinnliche Erfahrung
hinausweisen.
Rautenstrauch-Joest-Museum
Cäcilienstraße 29 – 33, 50667 Köln
Telefon 0221 22131356
6 Jupf-Info Nr. 117/19Shell-Jugendstudie 2019
Anregendes
JUGENDL ICHE MELDEN
SICH ZU WORT 18. SHELL JUGEN
FAMILIE, WERTE
Verhältnis zu den Eltern Eltern
bestens gut eher schlecht/schlecht k.A. genau s
Angaben in % Angabe
91 71
31 29
42
59 50
Jugendliche melden sich vermehrt zu Wort und
artikulieren ihre Interessen und Ansprüche nicht
ihre politischen Positionen blicken. Es lässt
sich festhalten: Jugendliche sind weiterhin zu
2002 2019
69%
nur untereinander, sondern zunehmend auch einer großen Mehrheit tolerant eingestellt. Für der Jugendlichen finden es
gegenüber Politik, Gesellschaft und Arbeitge- Jugendliche gewinnen idealistische Werte an gut, dass es die Kirche gibt
bern. Dabei blickt die Mehrheit der Jugendlichen Bedeutung, darunter Vielfalt und eine bewusste-
24%
eher positiv in die Zukunft. Die EU wird überwie- FamilieNur
re Lebensführung. und Beziehungen
jeder dritte Jugendliche als wichtigste Themen
gend positiv wahrgenommen. Jugendliche sind betont den Stellenwert der eigenen Macht und
mehrheitlich tolerant und gesellschaftlich liberal. Einflussnahme, während es 62% der Jugend-
Gute Freunde
Am meisten Angst macht Jugendlichen die Um- lichen am Herzen liegt sozial Benachteiligten der evangelischen
weltzerstörung. zu helfen.Vertrauensvolle
Das zeigt: Soziales Engagement ist Jugendlichen
Partnerschaft
ein zentrales Thema in einer Generation, die ist der Glaube wichtig
Das sind zentrale Resultate der 18. Shell Jugend- politisch Gutes
immer Familienleben
interessierter und aktiver wird.
studie, die am 15. Oktober in Berlin vorgestellt So ist der Wert der Jugendlichen, denen die 13%
wurde. Zunächst gute Nachrichten für die Umwelt am Herzen liegt seit Verhalten
2002 um 11% auf der evangelischen
Umweltbewusstes
Kirchen in Deutschland: 69% der Jugendlichen 71% angestiegen. Diese Entwicklung spielt auch Jugendlichen beten
finden es gut, dass es die Kirche gibt und immer- der evangelischen Kirchen in die Hände, die mit einmal in der Woche.
Hoher Lebensstandard
hin 45% der konfessionslosen Jugendlichen un- ihrer eigenen Positionierung zum Beispiel in den
terstützen diese These ebenfalls. Das bedeutet, Themenbereich Umweltschutz
Durchsetzung eigeneroder Vielfalt den
Bedürfnisse 4
die Kirche als Institution wird von den meisten Nerv der Jugendlichen trifft.
Jugendlichen anerkannt. Schlecht sieht es hinge-
gen bei der Bedeutung der Religion für Jugend-
Quelle: Shell Jugendstudie 2019
liche aus: nur 24% der evangelischen Jugendli- Glaube an Gott weniger wichtig Kinde
chen ist der Glaube wichtig. Bei den katholischen wichtig teils, teils unwichtig k.A. Anteil d
Jugendlichen sehen die Zahlen etwas besser aus
später K
(39%). Lediglich bei muslimischen Jugendlichen
fallen die Zahlen etwas höher aus, sie sagen zu 2002 2019
73%, dass ihnen ihr Gottesglaube wichtig ist.
Diese Einstellung von Jugendlichen spiegelt sich
1 2
auch in der konkreten Religionsauslebung von
Jugendlichen wieder, nur 13% der evangelischen 30
Jugendlichen beten mindestens einmal pro
39
Woche. Jedoch ist diese Abwärtstendenz in den 51 41
Zahlen zum Glauben von Jugendlichen bereits
seit 2002 deutlich und keine Überraschung. 18 18
Anders sehen die Zahlen aus, wenn wir auf
die Werteorientierung von Jugendlichen und
Quelle: Shell Jugendstudie 2019
Jupf-Info Nr. 117/19 7Anregendes
Häufigste Freizeitaktivitäten Auch das Freizeitverhalten von Und noch eine Studie...
Musik hören Jugendlichen ist in einem stetigen
57%
Wandel und wurde von der Shell
Im Internet surfen 50%
Jugendstudie beforscht. Obwohl
Filme, Serien anschauen 45% die digitalen Freizeitbeschäfti-
gungen weiterhin an Bedeutung
Sich mit Leuten treffen 55%
gewinnen, werden für Jugendli-
Training, Sport treiben 27% che auch Freizeitaktivitäten mit
Zeit mit Familie nehmen 23% der Familie wichtiger.
26%
Nichts tun, chillen Für 23% der Jugendlichen ge-
Bücher lesen 21% hören Unternehmungen mit der
13% Familie zu den häufigsten Aktivi-
Etwas Kreatives machen
täten in der Freizeit, 2002 waren
Quelle: Shell Jugendstudie 2019
es noch 16%. 45% der Jugend-
lichen streamen in ihrer Freizeit
Die Shell Jugend Studie häufig Videos (2015: 15%) und auch Gaming
gewährt einen umfas- bleibt mit 23% konstant eine beliebte Freizeitbe-
senden Einblick in die schäftigung für Jugendliche. Vor allem bei den
Lebenswelt von Ju- 12- bis 14jährigen Jungen ist Gaming besonders Vier Jahre haben Tobias Faix und Tobias
gendlichen und gerade beliebt, 57% von ihnen geben an, dass Gaming Künkler eine besondere Zielgruppe erforscht:
deshalb ist es wichtig ihre häufigste Freizeitbeschäftigung ist. Diese „hochreligiöse“ Jugendliche zwischen 14 und
auf die Ergebnisse ein- Tendenz spiegelt sich auch in der Freizeit-Typo- 30 Jahren.
zugehen. Sie zeigen, wo logie der Jugendlichen wieder: 37% von ihnen
Jugendliche ihre Prio- lassen sich als „Medienfokussierte“ einordnen. „Kevin und Jaqueline kommen nicht vor in
ritäten setzten und ge- Aber auch die „Kreativ-engagiert-Aktiven“ sind unseren frommen Jugendgruppen.“ 89 Prozent
ben uns Anhaltspunkte, im Aufschwung, vor allem Frauen gehören dieser der hochreligiösen Jugendlichen kommen aus
wie und in welcher Gruppe an, die mit 15% eine der kleinsten ist. der Mittel- oder Oberschicht. Faix und Künkler
Form sich Glaube in den stellen fest: Das bedeutet, dass uns nicht nur
Alltag der Jugendlichen In der Tendenz der Jugendlichen sinkend ist die materialistischen und sozial schwachen
integrieren lässt. jedoch das Treffen von Freunden, während Jugendlichen fehlen, sondern auch die künstle-
2002 noch 62% der Jugendlichen besonders rischen, verrückteren und sozialökologischen.
viel Wert darauf gelegt haben sich regelmä- Die christliche Jugend bleibt in ihrer Schicht
ßig mit anderen Jugendlichen zu treffen, ist es und ihrem Milieu. Dies führt nicht nur zu einer
heute nur noch 55% der Jugendlichen wichtig. einseitigen Sicht auf die Welt, sondern hat auch
Diese Ergebnisse zeigen, dass es in Kinder- und zur Konsequenz, dass immer mehr Jugendliche
Jugendarbeit wichtig ist auch digitale Zugänge aus „nichtreligiösen“ Milieus keine christlichen
für Jugendliche zu schaffen, um den aktuellen Jugendlichen mehr kennen.
Entwicklungen gerecht zu werden. Aber auch
politische und idealistische Arbeit mit Jugend- Es mag einem passen oder nicht, aber in Fragen
lichen zum Beispiel zum Thema Nachhaltigkeit des Musikgeschmacks ist die junge Generation
sind gute Zugänge in die aktuelle Generation. wählerischer und eindeutiger, als die Generatio-
Text: Philip Spelter
nen zuvor. Die Qualität der Musik spielt gleich-
zeitig eine wichtigere Rolle als früher. Das hat
auch damit zu tun, dass der Lobpreis nicht mehr
nur „musikalische Umrahmung“ der Predigt ist,
sondern als eigenes Element mindestens gleich-
wertig neben der Wortverkündigung steht. Für
Gemeinden bedeutet dies, die Liturgie stärker
daran anzupassen und entsprechend Raum
dafür zu schaffen – was für die meisten Jugend-
veranstaltungen schon selbstverständlich ist.
Lobpreislieder sollen nicht einfach nur musika-
lisch begleiten, sondern stehen stärker für sich.
Das bedingt eine wachsende „Professionalisie-
rung“ der Musik und ganz neue Anforderungen
an „Kirchenmusiker“, egal ob im kirchlichen oder
freikirchlichen Bereich.
8 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Generation Lobpreis
Jugendfreizeiten landen bei den Glaubensquel- engagiert“, sagt ein Studienteilnehmer. Fast die
len auf Platz 4 noch vor Predigten und der Bibel. Hälfte aller Jugendlichen kann sich vorstellen,
Bei den 14- bis 19-Jährigen sind sie noch weiter hauptamtlich in der gemeindlichen Jugendarbeit
vorne. Auf Freizeiten treffen sich die Werte zu arbeiten. Über den Pfarrberuf denken 13 Pro-
„Gemeinschaft“, „Lobpreis“ und „persönliche zent nach. Die Wahrnehmung des Hauptamtli-
Glaubenserfahrung“, die von den Jugendlichen chen vor Ort bestimmt dabei direkt den eigenen
alle hoch bewertet werden. Es zeigt mal wieder, Berufswunsch in diese Richtung oder auch den
wie wichtig die Freizeit ist. Aber immer mehr Wunsch, diesen Job gerade nicht zu machen.
Gemeinden scheuen den Aufwand und auch das Immer mehr junge Hauptamtliche setzen auf
Finanz- und Sicherheitsrisiko einer Freizeit. Teamarbeit und wollen sich selbst „nicht so
wichtig nehmen“. Diese Ansätze widersprechen
Grenzen haben in einer globalisierten Welt aber teils dem jugendlichen Wunsch nach klarer
deutlich an Bedeutung für den Einzelnen verlo- Anleitung und authentischen Vorbildern.
ren und werden subjektiv von uns kaum noch
wahrgenommen. Ähnlich verhält es sich auch mit Jugendliche verstehen sich als eigenständige Tobias Faix, Tobias Künkler:
den „Grenzen“ zwischen Konfessionen. Ob Lan- Größe. Sie wollen Gegenwart und nicht nur „Generation Lobpreis und
des- oder Freikirche, EC oder CVJM, Methodisten Zukunft der Kirche sein. Sie wollen nicht nur die Zukunft der Kirche“,
oder Gemeinschaftsbewegung: Die Grenzen zwi- konsumieren, sondern selbst auch produzieren. Neukirchener Verlagsgesell-
schen den verschiedenen Konfessionen werden Nicht nur als Jugend den Gottesdienst für die Äl- schaft, 288 Seiten, 30 Euro,
immer unbedeutender. Fühle ich mich an- und teren gestalten, sondern in ihrer Form Glauben ISBN 9783761565421
ernstgenommen, finde ich passende Freunde, leben und feiern. Deshalb braucht es Formen der
fühle ich mich „zuhause“? Das Besuchen von Mitbestimmung auf Augenhöhe sowie eigene
Angeboten verschiedener Konfessionen, also Räume der Selbstgestaltung, um dem Glauben
die „Grenzüberschreitung“ beim Besuch von in eigener Sprache und Kultur Ausdruck zu
Gemeinden und Veranstaltungen, wird gar nicht verleihen.
mehr als solche wahrgenommen.
Wer motivierte Ehrenamtliche will, muss eine
freudige Gemeinschaft formen. Anerkennung Was ist eigentlich Lobpreis?
und Bestätigung sind ihnen nicht so wichtig. De-
motiviert werden die Jugendlichen, wenn sie in Lobpreis ist eine Ausdrucksmöglichkeit des christlichen Glaubens und ist
ihrer Arbeit nicht angeleitet werden. Jugendliche traditionell ein Bestandteil des christlichen Gottesdienstes, gleich welcher
sind der Motor der Gemeinde, besonders in der Konfession. Man kann Lobpreis auch als gesungenes Gebet beschreiben.
Kinder- und Jugendarbeit. Sie brauchen Räume
zum Gestalten, ab und an eine Party und klare Heute wird ausserdem unter dem Begriff «Lobpreis» eine neue Art der
Ansprechpartner. Kirchenmusik verstanden, die gegen Ende des 20. Jahrhunderts in der cha-
rismatischen Bewegung entstand. Stilistisch orientiert sich Lobpreis an der
„Hätte es den Hauptamtlichen nicht gegeben, Rock- und Popmusik, hat sich aber inzwischen schon fast zu einem eige-
wäre ich niemals hier. Und ich wäre niemals so nen Musikstil entwickelt. Die Texte sind oft kurz und die Melodien relativ
lange hiergeblieben und hätte mich nicht so leicht, damit sich die Lieder schnell erschliessen. Je einfacher Melodie und
Text, desto schneller kann mitgesungen und damit mitgebetet werden.
Jupf-Info Nr. 117/19 9Anregendes
„Was glaubst
du denn?“
Interview mit Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger
Wir freuen uns, dass wir Sie als neuen Stadt- Am Anfang unseres JUPF-Info haben wir viel
superintendent zu unserem Jupf-Info über die anderen großen Weltreligionen
„Was glaubst du denn?“ interviewen dürfen. informiert – was können wir Ihrer Meinung nach
Herr Seiger, an was glauben Sie denn? von den anderen Religionen lernen und wie
profitieren gerade junge Menschen davon?
Ich glaube daran, dass ich nicht zufällig in
diesem Leben bin, sondern dass ich Kind Gottes Ich glaube, von anderen Religionen können wir
bin und dass mein Leben hier ein sinnvolles lernen, wie Menschen sich darüber bewusst
Leben sein kann, weil Gott mir Aufgaben sind, dass sie nicht der Mittelpunkt des Lebens
gegeben hat. Das prägt meinen Blick auf das sind, sondern dass Gott oder Jahwe oder
Leben und auf die Menschen, mit denen ich Allah größer ist, als sie selber und sie deshalb
umgehe. dem Schöpfer mit Ehrfurcht begegnen. Das
vereinigt zumindest die monotheistischen
Religionen. Und wenn wir in Kontakt kommen
mit Vertretern anderer Religionen, dann können
Wie haben Sie den Glauben in Ihrer Jugend wir den Respekt vor dem Glauben der anderen
erlebt? Und was hat sich seither geändert? entdecken und können merken, was einem
selber heilig ist. Und dann stellt sich sofort die
Ich bin als Jugendlicher in den CVJM gekommen Frage: Was ist einem denn selber heilig? Und so
und habe dort die Erfahrung mit Menschen ist dann die Anfrage durch Muslime oder Juden,
gemacht, die ehrlich miteinander umgehen. Für mit denen wir in Kontakt kommen, gleichzeitig
sie ist der christliche Glaube ein Halt und eine eine Anfrage danach, woran orientieren wir
Orientierung – das hat mich überzeugt. selber eigentlich unser Leben? Also der Dialog
mit den Religionen führt dazu, in ehrliches
Natürlich hat sich viel verändert. Alle Wege, die Fragen hineinzukommen.
mit dem Glauben zu tun haben, sind individuelle
Wege. Wenn Menschen die Chance bekommen,
eine Gemeinschaft zu erleben, die ihnen auf eine Was macht für Sie gerade den evangelische
glaubwürdige Weise den christlichen Glauben Glauben aus?
nahebringt, dann machen sie gute Erfahrungen.
Es kann sein, dass viele junge Menschen nicht Ich habe in der evangelischen Kirche
mehr den Kontakt zu Christen bekommen, die Geborgenheit erlebt und das verbinde ich mit
die Botschaft von der Freundlichkeit Gottes mit evangelisch sein. Nämlich einen Ort, wo ich
ihnen zum Thema machen. ich selber sein kann und wo ich zugleich in
10 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Gemeinschaft bin, die mir hilft, meinen eigenen letztlich sind es Erlebnisse, die Menschen
Weg zu finden. Also evangelisch sein heißt, binden, weil sie merken, ich habe hier auf einer
seinem eigenen Suchen und Fragen zu trauen Fahrt z.B. nach Israel Begegnungen erlebt, die
und Zweifel zuzulassen, immer wieder neu mir einen Horizont eröffnet haben, den ich
aufzubrechen und das Wissen zu haben, ich vorher nicht hatte.
bin nicht fertig mit meinen Antworten, aber ich
habe das Vertrauen, dass ich auf meinem Weg
im Vertrauen zu Gott gute Antworten neu finden Oftmals bleiben junge Menschen nach der
werde. Konfirmation den Gottesdiensten und anderen
kirchlichen Angeboten wie Jugendtreffs usw.
fern. Wie kann Ihrer Meinung nach Teilhabe
Nach der Freiburger Studie des und Partizipation junger Menschen in diesen
Forschungszentrums Generationenverträge Bereichen gelingen?
verliert die evangelische Kirche bis 2060 die
Der Weg kann nur so sein, dass wir uns
Hälfte ihrer Mitglieder – worin sehen Sie hierfür
miteinander auf eine gemeinsame Suche
die Gründe?
machen, dass wir Begegnungsformen schaffen,
Die Gründe sind vielfältig. Wir leben in einer ausprobieren, Experimente machen, auch Dinge
Zeit der Pluralität, d.h. es ist Menschen machen, die vielleicht nicht funktionieren, dann
freigestellt, ob sie sich Organisationen, aber dabei die Erfahrung machen, dass das
Glaubensgemeinschaften anschließen oder ob sein darf. Es ist auch in Ordnung, wenn einer
sie das nicht tun. Und das ist, glaube ich, der eine Weile im Gremium ist und dann sagt, das
Hauptgrund dafür, weswegen viele Menschen ist nichts für mich. Es ist trotzdem eine gute
sagen, ich gehöre keiner Glaubensgemeinschaft Sache, dass er dabei war. Räume ermöglichen,
an, weil sie diese Bindekraft nicht erlebt haben. dass man etwas ausprobieren kann, auch in
Aber natürlich ist die Entwicklung traurig, dass Kirchenräumen, in Gottesdiensten.
wir als Kirchen Mitglieder verlieren. Das liegt
natürlich auch an demografischen Faktoren. Also
daran, dass viele Kinder, die geboren werden Welche religiösen Themen interessieren
oder in unser Land kommen, nicht automatisch ihrer Erfahrung nach junge Menschen? Redet
als Kinder getauft werden und demzufolge dann die Kirche an den Bedürfnissen der jungen
auch die Grundlage nicht besteht. Ein weiterer Menschen vorbei?
Grund ist, dass viele Menschen nicht mehr den
Ich glaube, dass junge Menschen sehr viele
Zusammenhang sehen, dass man zum eigenen
existenzielle Fragen haben, die relevant sind. Die
Glauben auch eine Gemeinschaft braucht. Viele
Frage „Wer bin ich?“, „Wie werde ich der Mensch,
sagen, ich kann an Gott glauben und brauche
der ich im Laufe meines Lebens werden kann?“,
dafür keine Gemeinschaft und bin auch nicht
„Wie finde ich eine Aufgabe, die mich erfüllt?“,
dazu bereit, dafür Kirchensteuer zu bezahlen.
Das sind alles religiöse Fragen, weil sie davon
ausgehen, dass man nicht mit sich selbst genug
hat, sondern Dimensionen hat im Leben, die
Für einige Jugendlichen spielt der Glaube an
einem Halt und Orientierung geben. Deshalb
Gott keine große Rolle im Leben – was können
müssen wir in der Kirche darauf gucken, dass wir
ihrer Meinung nach die christlichen Kirchen tun,
diese Themen ansprechen.
damit sie für junge Leute attraktiver werden?
Ich glaube, jeder Mensch braucht Halt und
Die Antwort kann nur lauten: in Kontakt
Geborgenheit, sodass man mit Krisensituationen,
miteinander kommen. Wenn wir als Vertreter der
die man erlebt, nicht alleine ist, sondern dass es
Kirche wissen wollen, wie für junge Menschen
einen Raum gibt, in dem diese Dinge ihren Platz
der Glaube hilfreich sein kann, dann müssen
haben, wo ich sie aussprechen kann, sei es in
wir zuhören, Fragen stellen, gucken, was sind
einem Raum der Stille, in einer Gruppe, in einem
Bedürfnisse, die junge Menschen haben. Das
Gebet, in einem Lied.
heißt, Beteiligung ist der Schlüssel dafür. Was
müssen wir tun? Den punktuellen Kontakt
wertschätzen, immer wieder neue Projekte
entwickeln, attraktive Angebote machen. Denn Vielen Dank für das interssante Gespräch.
Jupf-Info Nr. 117/19 11Anregendes
Jugend macht Kirche
Kirche und Jugendliche – wie passt das in Köln beruflichen Mitarbeitenden begleitet, die den
gut zusammen? Ein Format, das darauf eine Ant- Jugendlichen viel Raum zum Gestalten geben.
wort geben will nennt sich „Jugendkirche“. Dazu Die Jugendlichen beteiligen sich aktiv an den
stellen sich die Jugendkirchen „geistreich“ und Angeboten ihrer Jugendkirche und Jugendge-
„CRUX“ in Köln vor – aber was genau ist das? meinde. Aber erfahrt selbst, wie zwei Hauptamt-
liche ihre Jugendkirche erleben
Eine Jugendkirche ist offen für alle Jugendlichen
und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 27
Jahren. „Ziel ist die Vermittlung der Botschaft
Jugendkirche geistreich
von Jesus Christus, Voraussetzung die Offenheit Eine Vorstellung von Hannes Averbeck
für das Wirken des Heiligen Geistes“, so das
Netzwerk JuKiR. Insgesamt gibt es 15 bestehen- Vor paar Wochen habe ich mich mit einem
de oder im Aufbau begriffene Jugendkirchpro- Jungen unterhalten, der für sein Alter außerge-
jekte in der EKiR. So zum Beispiel, neben Köln, wöhnlich offen vor seinen Freunden dazu steht,
in: Wuppertal, Düsseldorf, Solingen und Gumm- dass er in die Kirche geht und an Gott glaubt. Er
bersbach. sagt, dass seine Freunde dann auch mal abfällig
antworten, „weil sie so etwas wie die Jugendkir-
Die Jugendkirchen und Jugendgemeinden zeich- che nicht kennen.“
nen sich durch eine große Vielfalt aus, in der
Größe und Reichweite der Projekte, der theo- Die Jugendkirche geistreich liegt in Köln Mül-
logischen Ausrichtung, der Konzepte und der heim und wurde 2007 von drei Kölner Gemein-
Trägerschaft. Jugendkirchen können von einer den gegründet mit dem Ziel die Jugendarbeit
Gruppe ehrenamtlich engagierter Jugendlicher neu aufzubauen. Seitdem gibt es die Jugend-
bis zum Kirchenkreis finanziell getragen werden. kirche. Sie wird von den drei Gemeinden und
Dabei werden diese Jugendkirchen von haupt- einem Förderverein getragen. Der Slogan der
12 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Jugendkirche ist „Jugend macht Kirche“. Und
genau das ist die Vision, ohne den die Jugend-
Katholische Jugendkirche CRUX
kirche mit ihrem tollen Equipment an Instru- Eine Vorstellung von Pfarrer Matthäus Hilus
menten, Technik, einer Billiardplatte, Leinwand,
Beamer, Tresen (…) in sich tot wäre. Auf Grund Auf eine falsche Frage gibt es keine richtige Ant-
von Beteiligung kommt auch so ein Statement wort. „Herr Pfarrer, wie wollen sie die Jugendli-
wie das des Jugendlichen zustande. chen in die Kirche, ins CRUX, kriegen?“ Gar nicht.
Unser Auftrag ist ein anderer.
Im Moment leiten die Jugendkirche hauptamt-
lich Tobias Diekmeyer und ich, Hannes Averbeck. Unser Auftrag ist einfach und schwer zugleich:
Die Jugendlichen bekommen Raum, um sich in Junge Menschen von 16-27 mit Gott und
Glaubensfragen und in ihren eigenen Begabun- seinem Wort in Berührung zu bringen, das ist
gen kennenzulernen. die Herausforderung, der wir uns stellen. Das
Kontaktdaten
CRUX-Team, bestehend aus einem Priester und
www.crux-koeln.de
Drei wichtige Herzstücke der Arbeit sind: der Beauftragen für Jugendseelsorge, Simone
www.kja-koeln.de
Wosniok, einem Jugendreferenten und drei
www.kja.de
1. Unsere jährliche Sommerfreizeit: Schwestern der geistlichen Gemeinschaft „Die-
Hier werden Freundschaften geknüpft und nerinnen des Evangeliums“ versteht sich dabei
die Jugendlichen lernen Menschen kennen, als „Türöffner“ für eine Erfahrung mit Gott. Sei
die authentisch von ihrem Leben und Glau- es niederschwellig, durch gemeinsame Aktionen,
ben reden. Fahrten, Sport oder wilde Karnevalpartys, sei es
mit herausfordernden Formaten wie Glaubens-
2. Unsere Jahresmitarbeiterschulung in der wir gesprächen, unserem Glaubenskurs Pathfinder
den Jugendlichen (ab 14 Jahren) den Hori- oder thematischen Angeboten.
zont öffnen möchten, wie die Jugendkirche
in ihrer Vielseitigkeit genutzt werden kann, Zentraler Dreh- und Angelpunkt für unsere
und in der Glaubensfragen vertieft werden. Arbeit und die Dynamik am CRUX ist die
Stadtjugendmesse, bei der wir jeden Sonntag
3. Konfirmandenarbeit um 18 Uhr die Eucharistie feiern. Jugendlich an
in der Zusammenar- diesem Gottesdienst sind vor allem die jungen
beit mit den Pfarrern Menschen (jeden Sonntag zwischen 80 und 150),
der drei Gemeinden. die sich in den Gottesdienst einbringen. Ergänzt
So schaffen wir immer wird das Angebot durch das Taizégebet in St.
wieder die Verknüp- Agnes, das wir jeden ersten Sonntag im Monat
fung zur Jugendkir- in St. Agnes beten.
che.
Das CRUX ist jetzt seit zehn Jahren Anlaufpunkt
Und was läuft sonst so in für junge Katholiken aus Köln und Umgebung. Mattäus Hilus
der Jugendkirche? Architektonisch profitieren wir ungemein von Katholischer Jugendpfarrer
der Aufteilung in Kirche und Café, einem Ort, an
Wir laden zu Aktionen dem man Veranstaltungen, Aktionen und Partys
ein, wie z.B. zu einem durchführen kann – oder einfach „sein“ kann,
Band-Contest, Longboard- ohne sich gezwungen zu fühlen, den Schritt in
bauwochen, Wohnwo- die Kirche zu machen – zu dem wir natürlich
chen, …. Wir haben zwei versuchen einzuladen.
geistreich-Bands, die
wöchentlich proben, einen Finanziell wird das CRUX mit ausreichenden
wöchentlichen Jugendkreis Mittel durch die Jugendabteilung des Erz-
#OMG und viermal im Jahr bischöflichen Generalvikariats ausgestattet,
bereiten die Konfirmanden verwaltungstechnisch unterstützt uns die in
Hannes Averbeck
den Jugendgottesdienst Nachbarschaft liegende Katholische-
Evangelischer Jugendreferent
vor und führen diesen Jugend-Agentur.
durch.
Jupf-Info Nr. 117/19 13Anregendes
Traut euch!
Steffen Vollmann ist Welche Erfahrungen hast du zu Beginn deiner Dinge anders zu machen oder verzichte auf ein
seit Anfang des Jahres Arbeit gemacht? Liederblatt beim Jugendgottesdienst, sondern
Jugendleiter in der Ev. nehme komplette Gesangbücher (bei denen es
Kirchengemeinde Brühl. Ich hatte schon ein kleines Team aus ehrenamt- auch modernere gibt).
Über die Anfänge seiner lichen Jugendlichen vor Ort, das viele Ideen von
Arbeit hat er uns hier Anfang an mit eingebracht hat. Diese haben sich
berichtet. Welche Tipps und Tricks haben dir in der Arbeit
gefreut, dass sie nach über einem halben Jahr
geholfen?
Pause endlich einen neuen Jugendmitarbeiter
haben. Zum Glück wurden manche von ihnen
Bauchgefühl und zum Glück jede Menge netter
auch in den Entscheidungsprozess mit ein-
und hilfsbereiter Kollegen/innen im Kirchenkreis
bezogen.
und auch im Jugendpfarramt, die man jederzeit
anfragen kann, wenn man Hilfe benötigt, helfen
Ich wollte meine Arbeit transparenter gestalten,
mir bei meiner täglichen Arbeit. Bewährt haben
das heißt konkret: Social Media Arbeit und mehr
sich die Fachtagungen im Jupf und Hauptamt-
Präsenz im Gemeindebrief. Damit möchte ich
lertreffen im Kirchenkreis.
auch die älteren Gemeindeglieder erreichen. Mir
ist wichtig, dass die Kinder und auch die Jugend-
Der Trick, der mir im nachhinein bewusst gewor-
lichen immer eine Verbindung zur Gemeinde ha-
den ist, ist Kommunikation. Man sollte, wenn
ben. Das fängt bei uns in Brühl mit den beiden
man etwas nicht weiß, einfach nachfragen.
Kitas an, danach habe ich zwei Kindergruppen
eingeführt. Da nach der Konfirmation wieder Was mir noch besonders wichtig ist: Jugendliche
eine kleine Lücke entstanden war, führte ich den soll man ernst nehmen und man soll echt sein in
Start-up Kurs wieder ein. seinem Handeln und Tun. Nur dann kann ich bei
den Jugendlichen gut ankom-
men. Also verstellt euch nicht,
nur um cool wirken.
Wie würdest du neue Kolle-
gen*innen ermutigen oder
zureden wollen?
Traut euch! Ich weiß aus
eigener Erfahrung, dass die
vielen Fragen, die sich bilden,
wenn man mit einer Planung
anfängt, am besten zu be-
wältigen sind, wenn man die
Kollegen der anderen Ge-
meinden oder im Kirchenkreis
fragt. Bei der Planung kann
und darf man Fehler machen,
man sollte nur bereit sein mit
anderen darüber zu reden
und sie drauf anzusprechen,
um etwas zu verbessern.
Wenn man auf einer Freizeit
Gleichzeit möchte ich in Brühl mehr übersyno- oder bei einem Gruppenabend beisammensitzt,
dale Arbeit machen. Dies heißt konkret: bei der viel redet und lacht, weiß man, dass sich die Ar-
GamesCom oder beim Kölner Treff auf dem Kir- beit gelohnt hat. Und dass es genau die richtige
chentag dabei sein, um mehr junge Leute ken- Entscheidung war, diese Arbeit anzufangen.
nenzulernen. Desweitern möchte ich nachhal-
Das Interview führte Daniel Phan
tiger arbeiten. Ich probiere bewusst bestimmte
14 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Daniel Phan:
Projekt „Jugendgottesdienst“
oder wie wir die Generation Z
von Kirche begeistern können
Inspirierende Kolleginnen und Kollegen be-
gegnen mir täglich, die mir von ihrer Arbeit
erzählen. Dabei staune ich, wie stark sie sich
engagieren und mit Kirche und Spiritualität
identifizieren. Diese Kräfte möchten wir bün-
deln, um verschiedene Projekte gemeinsam zu
initiieren und erfolgreich durchzuführen.
Ein Projekt liegt mir dabei besonders am
Herzen: Jugendgottesdienste für Köln und
Umgebung. Teilweise bieten einige Gemeinden
so etwas bereits an – aber was würde passie-
ren, wenn sich Gemeinden zusammentun und
gemeinsam einen Jugendgottesdienst gestalten
würden? Wenn wir damit gemeinsam die junge
Generation von Kirche begeistern können?
Darin sehe ich drei große Chancen:
Wir geben Raum Wir vernetzen
Es ist schön zu sehen, wenn Jugendliche zu „Ich glaube genau so – und
Jugendlichen muss die Möglichkeit zur Gestal-
Veranstaltungen kommen und merken: „Wow, anders – können wir die
tung geben werden. Einen Raum, in dem sie
hier sind aber viele.“ Genau dazu kann ein Generation Z von Kirche und
sich ausprobieren und präsentieren können,
gemeinsamer Jugendgottesdienst dienen. Die von Gott begeistern.
in denen Hauptamtliche ihnen mit Rat und Tat
zur Seite stehen. Egal ob es ein Band-Contest, Jugendlichen sollen merken, dass sie nicht al-
leine sind mit ihrem Glauben und ihrer Spiritu- Und ich hätte große Lust mit
eine Kopfhörer-Party, Limonade und Fingerfood
alität. Im Gegenteil: wir in Köln und Umgebung interessierten Kolleginnen
danach oder ein „normaler“ Gottesdienst ist. Der
sind bunt, vielfältig, laut und groß. So können und Kollegen am Format
Raum zur Gestaltung wird dadurch größer, wenn
übergemeindliche Kontakte geknüpft werden, „Jugendgottesdienst“ in Form
einzelne Gemeinden sich zusammenschließen
die später wertvoll werden können. einer Projektgruppe weiter zu
und ihre Ressourcen teilen. Ressourcen wie ein
arbeiten.
größerer Raum, umfangreichere Technik, höhere
finanzielle Mittel oder mehr Mitarbeitende. Wir setzen Impulse
Jeder Gottesdienst hat die Chance, in das Leben Start ist im Frühjahr 2020 mit
Gleichzeitig werden Teilnehmende sehen und
von Menschen zu sprechen. Daher glaube ich, der Frage: Wie können wir
spüren, dass hier etwas Gemeinsames entsteht
dass Impulse und Predigten Jugendliche zum Jugendgottesdienste in Köln
– eine Kirche gelebt wird – bei dem sie ein Teil
Nachdenken anregen können. Wichtig ist, dass und Region weiterdenken
sein können.
dies auf Augenhöhe geschieht, die Predigt in und gestalten? Eine Idee
ihrer Sprache ist und in ihre Lebenswelt spricht. wäre zum Beispiel ein
Schulabschlussgottesdienst
Einen ersten Anlauf haben wir am Reformati- vor den Sommerferien im
onstag mit unserem „ReFo-Battle-Royale“ Kölner Stadion...“
gestartet. 5 Bands, 2 Bühnen, 1 Tanzgruppe,
1 Poetry-Slam und 1 DJ waren dabei. Mit uns Lust mitzumachen?
haben knapp 70 Jugendliche die Jugendkirche Dann einfach eine Mail an:
geistreich in Köln-Mülheim gerockt! Wir haben phan@jupf.de.
bewusst den Jugend-Bands Raum zur Gestal-
tung ihrer Musik gegeben und ihnen eine Bühne
geboten. Wir haben bewusst verschiedene
Jugendgruppen aus Köln eingeladen, damit sie
sich untereinander vernetzen konnten. Und wir
haben bewusst den Impuls in Poetry-Slam Form
gehalten und die Jugendlichen gefragt: „Wo
brauchst du Mut für deine eigene Reformation?“ Bilder und Text: Daniel Phan
Jupf-Info Nr. 117/19 15Anregendes
Die Jugendfreizeit oder das nächste Jugendtreffen
steht vor der Tür und du willst eine Andacht vorbe- Sei getrost
und unverzagt!
reiten - doch wie genau schreibt man so eine An-
dacht? Hier möchte ich euch einen kleinen Leitfaden
an die Hand geben, der euch helfen kann.
Doch was genau ist eine Andacht?
Manche nennen die Andacht, den kurzen Gottes-
dienst. Für mich ist die Andacht eine Art „geistlicher
Türöffner“. Sie macht mir deutlich, dass ich in mei-
nem Leben nicht alleine bin - Gott ist da. Wir dürfen
uns mit allem an ihn wenden und diese Botschaft
weitergeben.
Eine gute Andacht ist: 1
Kurz: nicht länger als Wähle einen Bibelvers oder ein Thema
sieben Minuten Selten hat man einen Text oder ein Thema
parat. Daher helfen mir zwei verschiedene
Konkret: nur ein Aspekt,
Quellen:
ein Bibelvers
Text oder Thema vorgeben lassen:
2
Anschaulich: ein Beispiel, Tageslosung: Oft schaue ich in der Stoffsammlung anfertigen
eine Geschichte, ein Tageslosung nach, welcher Bibelvers
Gegenstand gerade dran ist und ob dieser mich Wenn man sich konkret auf ein Thema ein-
Persönlich: Ich erzähle von anspricht. Die aktuelle Tageslosung findest lässt, dann kommen einem entweder viele
mir und Gott oder einem du hier: www.losungen.de Ideen oder viele Fragezeichen. Schreibe all
Thema, das mir wichtig ist. Wunsch: Gibt es einen Wunsch von der diese Gedanken und Ideen auf ein Blatt.
Jugendgruppe oder ein Thema, dass sie Es geht nicht unbedingt um richtig oder
brennend interessiert? falsch, sondern darum, alles aufs Papier zu
Welches Thema oder biblische bekommen.
Geschichte hat mich in letzter Zeit
• Schreibe einzelne Gedanken schnell
beschäftigt oder angesprochen?
auf
Der Vorteil hierbei ist, dass man schon
selbst etwas mit diesem Thema oder der • Achte auch im privaten Umfeld auf
Geschichte verbindet. gute Gedanken und Anstöße wie z.B.
Nachrichten, Zeitung, Social Media
und Gespräche.
Bei der Betrachtung eines Bibeltextes oder
JANDA nbank de
s Amtes für des Themas hilft die „Klartext-Methode“.
htsdate
Die Andac vW 1. Was ermutigt mich an diesem Text/
eit der Ek r Praxis für
Jugendarb n d a ch ten aus de mit Thema oder dieser Geschichte?
lung vo n A – n ur e b e n
Eine Samm h e n w ie Chefkoch
Ein bissc 2. Was provoziert mich?
die Praxis.
n . 3. Was macht mich nachdenklich?
Andachte hten.de
w .j u e n ger-andac
w w ahr 4. Was fordert meine Aktion heraus?
t e n f ü r d as ganze Jden Tag
ac h 5. Welche Brücke lässt sich vom Text zu
Rätseland uch der besonderen Art! Fü lösen
r je
meinem Alltag schlagen?
ch ts b ts e l zu
Ein Anda biblisches
Rä
gibt es ein Such im Internet und in Büchern nach Im-
des Jahres 15,0 0 €
erhältlich: pulsen. Empfehlenswert:
Im Handel 0 6 5 5
76552 www.bibelwissenschaft.de. Hier gibt es zu
ISBN: 978-3
e
osungen.d fast jedem biblischen Stichwort und jedem
a n te L in k s: w w w.l Buch der Bibel einen ausführlichen Bericht.
Interess haft .de.
lwissensc
w w w.bibe
16 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Wie du anderen Gottes Zusage weitergeben kannst.
ipp:
Me in T nach d
em
m ir d ir Frage m ir,
Wenn ic
h t es
k e s t e lle, hilf , w as
Kernge
da n G ot t
u s p r e chen: „ z u de n
tt z end
mit Go s e m A b
u an die
willst d e n s agen?“
e n d li ch
Jug
mal.
c h e e s doch
Vers u
3
Finde den Kerngedanken
Die Frage nach dem Kerngedanken hilft
dir deine Andacht zu strukturieren.
• Was willst du sagen? 5
• Worauf willst du hinaus?
Mach mal Pause
Wähle aus allen Gedanken einen aus, den
du weitergeben möchtest. Schreibe ihn in Gönne dir eine Pause. Lese dir dann noch
einem Satz auf - maximal zwei Sätze. Von mal alles laut vor:
allen anderen Gedanken musst du dich
Wie klingt meine Andacht? Wird deutlich,
leider trennen - aber du kannst sie ja für
was der Kerngedanke ist? Kann man den
eine spätere Andacht aufheben.
einzelnen Gedanken folgen? Stocke ich
irgendwo? Mache ich Gedankensprünge? Weitere Infos:
Ev. Jugendpfarramt
Versuche nach und nach die Andacht frei
Daniel Phan
4 vorzutragen. Ein Stichwortzettel hilft, auf
dem der rote Faden mit den wichtigsten
E-Mail: phan@jupf.de
Mobil 0151 40531672
Entwerfe die Andacht Wörtern aufgeschrieben ist.
Einstieg - dein Gedanke - Schluss!
Der Einstieg soll zum Thema oder zum Text
hinführen, die Aufmerksamkeit erregen
und die Menschen abholen. Frage dich: Vor Sei getrost und unverzagt (Josua 1,9)
welcher Gruppe halte ich die Andacht? Wer
gehört dazu? Wie groß ist deine Gruppe? „Ich glaube, dass deine Andacht ankommt, hängt nicht nur von deinen
Worten ab. Als Christen und Christinnen glauben wir, dass Gott durch dei-
Hier ein paar Ideen für einen Einstieg: ne Worte in das Leben von anderen Menschen spricht. Daher bist du nicht
Persönliches Erlebnis mit Gott, aktuelles der/die Hauptverantwortliche*r, wie deine Gedanken die Herzen junger
Ereignis, Geschichte, Quiz, Spiel, kurzer Film- Menschen erreichen sollen. Du darfst damit rechnen, dass Gott sich hinter
ausschnitt, Anspiel, Bild, Witz, Gegenstand deine Worte stellt und dich gebraucht. Auch wenn wir aufgeregt, ängstlich
Im Hauptteil entfaltest du den einen und zweifelnd sind, ob das alles mit der Andacht passt, können wir es Gott
Kerngedanken. Achte darauf, dass du nicht ablegen.
abschweifst.
Viel Spaß bei der nächsten Andacht. Wenn du gar nicht mehr
Im Schluss kommt ein kurzer und klarer weiterkommst, melde dich einfach. Dann gibt es eine extra Portion
Schlusssatz. Der Schluss kann auch als Frage, Motivation und ein Andachtspaket dazu.“
Zitat, Bibelwort, Reim, Aufforderung, ermu-
Daniel Phan
tigender Zuspruch - oder auch als Lied oder
Gebet wiedergegeben werden.
1. Formuliere die Andacht komplett aus.
2. Achte auf einen roten Faden.
3. Achte darauf, dass alle Teile der Andacht
(Einstieg - Kerngedanke - Schluss) zu-
sammen passen.
Jupf-Info Nr. 117/19 17Anregendes
„Mit Jugendlichen reden,
anstatt über sie zu reden.“
Zu Beginn des Wochen- Nachdem sich zu Beginn des Jahres bereits nachbauen. Während die Jugendlichen ihre
endes stellte Siggi die Landessynode der Evangelischen Kirche im „Traumkirche“ als einen offenen Raum für alle
Schneider fest: „Schon Rheinland dem Thema Kinder und Jugendliche Menschen bauten, stellten sie ihre „Horrorkir-
alleine, dass so viele gewidmet hat, zieht jetzt auch der Kirchenkreis che“ als klassischen sakralen Kirchenbau, der
Jugendliche am 1. Köln-Süd nach. Die erste von zwei Synoden von Stacheldraht umgeben ist, mit Stoppschild
November ehrenamtlich im Jahr 2020, eine Themen Synode am 16. Mai an der Eingangstür, dar.
um 10 Uhr morgens - 2020, soll sich eben mit diesem Thema auch
nachdem sie am Vorabend auseinandersetzten. Unter dem selbst auferleg-
Halloween gefeiert ten Motto „Mit Jugendlichen reden, anstatt über Horrorkirche vs. Traumkirche
haben - sich in Bad sie zu reden“ wurde die Planung der Synode und
Honnef treffen, um die ihrer Inhalte in die Hände von ehrenamtlichen • Die „Horrorkirche“, wie sie von den Ju-
Synode vorzubereiten, ist Jugendlichen aus dem Kirchenkreis gelegt. gendlichen beschrieben und gebaut wur-
bemerkenswert.“ de, ist heute schon in vielen Gemeinden
Gemeinsam wurde am 1. und 2. November in die Realität. Die Jugendlichen kritisierten,
der Jugendherberge Bad Honnef bei einem ge- dass die Kirche sich oft zu exklusiv gibt,
meinsamen Planungstreffen mit Übernachtung die Hürden am Gemeindeleben teilzu-
in die inhaltliche Planung der Synode gestartet. nehmen für Außenstehende oft viel zu
Begleitet und vorbereitet wurden die beiden hoch sind und die Kirche oft selbst keine
Tage von der zuständigen Jugendreferentin im Lust auf ein buntes und selbstkritisches
Kirchenkreis, Siggi Schneider, und dem zustän- Gemeindeleben hat.
digen Synodalassessor, Rüdiger Penczek, die
gemeinsam eine Einführung in das Thema sowie
verschiedene Impulse vorbereitet hatten.
Rüdiger Pencek sit Den Einstieg ins Thema brachte ein stilles
begeistert: „Mit Schreibgespräch zu den Bereichen Öffentlich-
Jugendlichen unterwegs keitsarbeit, Spiritualität, Soziales, Gruppen,
zu sein, ist für mich immer Gremien und Kirchenmusik. Was eigentlich
als einfacher Einstieg gedacht war, führte im • Als Gegenmodell wurden Vorschläge ent-
wieder bereichernd – so
gemeinsamen Austausch bereits zu ersten wickelt, die Kirche außerhalb der Gottes-
viel Entdeckerfreude und
angeregten Diskussionen und schnell wurden dienstzeiten als offenen Raum für Kultur-
Anfängergeist gepaart
Themenfelder deutlich, die auch auf der Synode und Gemeindeangebote zu nutzen. Auch
mit Fröhlichkeit und
eine Rolle spielen sollen: kam bei den Jugendlichen der Wunsch
Kreativität. Lebendige
auf, die Ursprünge der Jesus-Bewegung
Kirche - absolut
Was bedeutet Glaube bzw. Spiritualität für Ju- wieder stärker aufzugreifen, das Abend-
empfehlenswert!“
gendliche? Welche Zugänge zu Spiritualität kann mahl wieder ausgiebiger zu feiern und
man für Jugendliche schaffen? Wie gestalten die Gemeinschaft in den Vordergrund des
wir unsere Öffentlichkeitsarbeit für Jugendliche? Glaubens zu stellen.
Wie müssen Gremien sich verändern, um für Ju-
gendliche attraktiver zu werden? Was bedeutet
Partizipation für unsere Jugendarbeit?
Mit diesen Fragen im Hinterkopf gab es eine
kurze Einheit zur Kirchengeschichte und der
Entwicklung der Kirche von einer losen Ge-
meinschaft zu einer Institution. Anschließend
wurden die Jugendlichen in zwei Kleingruppen
aufgeteilt, die erste Gruppe sollte mit Playmobil, Gemeinsam ließen alle Jugendlichen den Tag
Lego, Bauklötzen und Knete ihre „Traumkirche“ ausklingen, es wurde israelisch gekocht und sich
Text: Philip Spelter und die zweite Gruppe ihre „Horrorkirche“ weiter über Jugendarbeit ausgetauscht.
18 Jupf-Info Nr. 117/19Anregendes
Cre·do, Kredo
Nachdem am nächsten Tag gemeinsam eine /Crédo,Krédo/ lateinisch: „ich glaube“
kleine Andacht gefeiert wurde, gab es eine Eine Auswahl der Credos der Jugendlichen
Einführung in das Modell der Partizipationspy-
en
he n Le b
ramide. Einstimmig sprachen sich die Jugend-
s e r e m alltäglic r a ll en
in un s vo
lichen für mehr Partizipation auf allen Ebenen
a n , d a s s G ot t e g le it e t un d un t t
ub e d a r sb . Go
der Kirche aus, während die Umsetzung heiß
„ Ich gla t un d un nbringt
diskutiert wurde. Einigen konnte man sich dar- ie H a n d nimm h e n z u s amm e ö n n e n un d
un s a n
d
e r e n Me ns c g e e r le ben k
mit an d Din
auf, Partizipation als Prozess zu betrachten, nicht
Dingen ir neue
alles sofort umzuschmeißen und Jugendliche an c h t u n s , da s s w
ermögli f.“
partizipative Strukturen heranzuführen. Beglei- f un s a u
pas s t au
tet werden sollte dieser Prozess in den Augen
der Jugendlichen von Fachkräften, die den
r „Ich bin mir noch
Jugendlichen als Ansprechpartner und Impuls- einen Gott, de nicht sicher,
„Ich glaube an tz t; was ich glaube. Ich
geber zur Seite stehen. ich unterstü glaube an
mir hilft und m eine göttliche Ex
n Lebensweg istenz, die liebt
der mir meine und beschütz t. Ich
Während sich am Vortag abzeichnete, dass der ib t, sondern glaube an die
nicht vorschre christlichen Wer
eigene Glaube oft nicht thematisiert wird und n Vorhaben te wie Nächsten-
mich bei meine liebe und den Fr
die Kirche wieder stärker in den Dialog über n ei ge nen Weg ieden. Ich glaube
stärkt, meine dass mein Verhält ,
Glauben treten sollte, war die Aufgabe der Ju- schütz t und nis zu Gott ein
zu finden. Er be sich wandelnder
gendlichen am Samstag ein eigenes Nicht, dass er Prozess ist –
gibt mir Kraf t. eine Verbindung
Glaubenscredo zu formulieren. Die Vorstellung Leid abwen- , die mal stärker
alles eventuelle und mal schwäche
der Credos war freiwillig, doch trauten sich viele lft er vielmehr, r ist – je nach
det, sondern hi Lebenslage.“
der Gruppe ihren Glauben vorzustellen. Ohne erstehen.
auch Leid zu üb
die vorgestellten Beiträge zu kommentieren, h da , in jedem
Er ist für mic
hörten alle aufmerksam zu und die Gruppe un te rstütz t mich
Moment und
beschloss gemeinsam, dass die selbst geschrie- n. Es sind keine
im Verborgene
benen Glaubensbekenntnisse auch im weiteren r, sondern
großen Wunde
Prozess eine wichtige Rolle spielen sollten. en te des Glücks,
kleine Mom
geben können „Ich glaube, um zu verste-
die neue Kraf t
„Bezieht uns mehr ein! Dialog bringt weiter.“ en, dass das hen und zu begreifen, wer
und einem zeig
ch schöne ich bin und wozu ich bin.“
Leben immer au
Als letzter Impuls mit Blick auf die Jugendsyn-
Seiten hat.“
ode sollten alle Jugendliche zum Schluss noch
eine Botschaft verfassen, die sie der Synode im
Frühling gerne mitgeben würden. „Jugendar-
beit ist Zukunftsarbeit!“ und „Bezieht uns
mehr ein! Dialog bringt weiter.“ sind nur
„Ich glaube an Gott. An Gott, der sich als Seele in jedem
Auszüge aus den Botschaften der Jugendlichen
Menschen offenbart. Ich glaube an Gott, der Menschheit
an die Kreissynode, die in Form von Anträgen
und Natur verbindet. An Gott, der über der Zeit steht, der
oder kurzen Impulsen auch direkt die Kreissy-
Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit überwindet und
node erreichen sollen. Zum Schluss wurden die
der Lebende und Verstorbene verbindet. Ich glaube an
Ergebnisse der beiden Tage verschriftlicht, erste
Gott, der uns stärkt und stützt, wenn wir das wünschen
Ideen für Anträge an die Kreissynode entwickelt
und zulassen. Ich glaube an Gott als Quelle der Liebe, die
und der Prozess in einer kurzen Feedbackrunde
in uns wirkt.“
reflektiert.
e n-
Alle Jugendliche waren sich einig: es waren us amm
, a n d a s gute Z d ic h
zwei gelungene Tage voller interessanter und chaf t it un
n d ie G emeins
it m e n s chlichke e n nen
inspirierender Gespräche. Das Vorbereitungs- ub e a dM ot t “ n
„ Ich gla n s c h li c hkeit un s c h a f t auch „G e r e s
treffen auf die Jugendsynode zeigt, dass wir in n Me se Gem
ein as Beso
nd
leben, a man die sch et w
der Kirche motivierte, ehrenamtliche Jugendli- , d a s s e r M e n W ü r de de s
glaube d ass jed d ass die
che haben, denen die Jugendarbeit wirklich am h gla u b e ,
volle s is t , enschen
kann. Ic e n d li ch Wer t a s s in jedem M s s man
Herzen liegt und die Jugendlichen eine klare
un d e t w
as u n
tb a r is t un d d
ic h g la ub e , d a
e n un a n
t as Un d b e an
Meinung zur Zukunft unserer Kirche haben, die
Mensch b e n s b r e n nt . k a n n . Ich glau
mm e de
sL e
eist “ ne
nn e n n kom-
es Wert ist gehört zu werden. Die Jugendsyno-
eine Fla e r G n z u trage
mm e „ H
e il ig schic h te schrie-
de im Kirchenkreis Köln-Süd ist auf dem besten
diese Fla b ib li s chen Ge in d e r Bibel be
in er n und ic
h
Weg ein voller Erfolg zu werden und damit auch er te, die Ma n n , d sein kan
viele W u b e , d as s de r o n u n s b e , d ass
Vorbild für die Umsetzung von Partizipation.
men. Ic
h gla
il d fü r viele v U n d ic h glau
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ben wir s ge t an
s s e r v iel Gute n e n kann.“
glaube,
da
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man die Jupf-Info Nr. 117/19Sie können auch lesen