Werte, Haltung, Engagement
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#05 / April 2019 Werte, Haltung, Engagement Die Europäische Union ist in einer Krise, die Utopie eines humanistischen Europas ist es nicht 14 EHF – Unsere 24 Klage: HVD Bayern 32 Klimastreiks: Die Anliegen Stimme in der kämpft für Humanis- der jungen Menschen europäischen Arena tischen Unterricht sind berechtigt
INHALT
17
03 Lokalnachrichten &
Editorial Veranstaltungsplaner
04 21
Kurznachrichten Buchtipps 28
Die 9 am Jurahof
22
Ansage: 30
Stefan Lorenz Sorgner Weltspiegel
06
Werte, Haltung,
Engagement 24
Humanistischer 32
Unterricht Bevor das Klima kippt
12
Infografik
34
Rat & Tat: Namensfeier
35
14 26 Nachschlag & Impressum
EHF – Eine freiheitliche
Meet a humanist:
Stimme für Europa
Lilo Seibel-Emmerling
Junge Wissenschaftler*innen
präsentieren ihre Forschung -
kurz, prägnant, unterhaltsam.
ScienceSlam
9.5.2019, 19:30 Uhr
Z-Bau Nürnberg
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Veranstaltungen > ScienceSlam
07.03.2019
07.03.2019
12:37:56
12:37:56#05 / April 2019 humanistisch!
editorial
Liebe Lesende,
bald sind Europa-Wahlen, und ich kann mich nicht erinnern, dass
jemals Europapolitik so stark die Nachrichten dominiert hätte wie in
diesen Wochen. Leider sind es aber keine guten: Brexit, Orban, Geflüch-
tete – die EU erscheint als eine einzige Krise. Die Populisten aller Couleur
werden ihren Nektar daraus saugen.
Schade, denn das hat sie nicht verdient. Die EU arbeitet entgegen aller Unkenrufe auf
einem hohen Niveau verantwortlicher Staatskunst, sie tariert schwierigste nationale
Einzelinteressen aus und bindet alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen in ihre
Entscheidungsprozesse ein. Regelmäßig übrigens auch die nichtreligiösen, säkularen
Organisationen – ganz anders als der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung.
Dennoch: Brüssel ist weit weg in der Wahrnehmung der allermeisten Menschen, und
die wenigen Europa-Abgeordneten, die auf Deutschland entfallen, können allein wegen
der schieren Größe ihrer Wahlkreise dort nur mit Mühe Bürgernähe herstellen. Ein
Graswurzel-Projekt der Bevölkerungen wird die EU also wohl nicht so recht werden
können. Aber vielleicht muss sie das ja auch nicht unbedingt, und es reicht, wenn es
ein funktionierendes Europa der Mitgliedsstaaten ist. Die Vision einer künftig födera-
len „Bundesrepublik Europa“ muss man deshalb ja nicht aufgeben.
Wozu das Ganze gut ist? Die Liste wäre lang. Hier nur eine kleine Erinnerung: Vor 100
Jahren, im Frühsommer 1919, beendete der Versailler Vertrag den ersten Weltkrieg und
legte einen Grundstein für den nächsten. Was dauerhafter Frieden in Europa wert ist,
kann man kaum ermessen.
Michael Bauer
Vizepräsident der Europäischen Humanistischen Föderation
03humanistisch! #05 / April 2019
Foto: © picture alliance/Süddeutsche Zeitung
Bayern wird
säkularer
D er Bedarf an humanis-
tischen Angeboten und
Dienstleistungen wird weiter-
lässt. „Es ist zu hoffen, dass
sich dies in Zukunft auch im
politischen Umgang mit den
hin stark wachsen. Diesen Anliegen konfessionsfreier
Schluss legen Recherchen des und nichtreligiöser Menschen
Bayerischen Rundfunks nahe. in unserem Land zeigt“, sagte
Mitte Februar hatte dieser be- HVD-Vorstand Michael Bauer
richtet, dass 2018 die Zahl der dazu.
Foto: © picture alliance/Eventpress
Kirchenaustritte gegenüber Er betonte, dass insbe-
dem Vorjahr stark gestiegen sondere eine echte Alternati-
Frauentag ein Feiertag
ist. Aus rund fünf Dutzend ve zum Religionsunterricht
Städten mit über 20.000 Ein- immer wichtiger wird: „Es
wohnerinnen wurden dazu ist ärgerlich, dass das Land
Am 8. März ist der Internatio- SPD, Linke und Grüne hatten Daten ermittelt. Die Aus- uns hier seit über 40 Jahren
nale Frauentag in Berlin erstmals die Novelle in das Abgeordneten- trittszahlen in bayerischen mit einem bloßen Ersatzfach
als gesetzlicher Feiertag begang- haus eingebracht, nachdem zu- Gemeinden liegen bis zu 133 ohne Standpunkt abspeist. Die
en worden. Zuvor hatte das Ab- vor in mehreren norddeutschen Prozent über denen von 2017. Ermöglichung eines werte-
geordnetenhaus im Januar die Bundesländern der Reforma- Im Durchschnitt sind sie um bildenden Unterrichts, der
entsprechende Gesetzesnovelle tionstag zum gesetzlichen Feier- gut ein Viertel angestiegen, gleichberechtigt und qua-
beschlossen. Berlin hatte bisher tag gemacht worden war. Berlin hieß es. litativ auf Augenhöhe zum
neun arbeitsfreie Feiertage pro ist das erste Bundesland, das Eine wachsende Zahl von konfessionellen Unterricht ist,
Jahr, so wenige wie kein anderes den Frauentag zum gesetzlichen Menschen im Freistaat ist ist längst geboten. Humanis-
Bundesland. Die Mehrheit der Feiertag erklärt hat. Kritik daran demnach offenbar überzeugt, tischer Unterricht als qualifi-
gesetzlichen Feiertage in fast kam von CDU, FDP und AfD. dass sich ein sinnvolles und ziertes Wahlpflichtfach für die
allen Bundesländern ist kirchli- gutes Leben auch ohne Kir- Schulen ist bildungspolitisch
cher Prägung. chenmitgliedschaft gestalten mittlerweile ein Muss.“.
Humanistische Diskussionsrunde in Essen. Arik Platzek,
Co-Autor des Berichts Gläserne Wände
Brandenburg-schlesische Oberlausitz und
Eren Güvercin finden Sie online auf
Stimme bei der BpB und Leiter des Berliner Büros des HVD humanistisch.net/36272/
Bayern, erklärte dabei, welche Probleme
Was läuft schief zwischen Staat und es aus humanistischer Sicht zu beseitigen
Religion? Darüber sprach Ende Januar gilt. Eine Aufzeichnung der zweistündi-
eine von der Bundeszentrale für politi- gen Diskussion mit u. a. Andreas Goetze
sche Bildung (BpB) zusammengestellte von der Evangelischen Kirche Berlin-
Wir sind auch online!
humanistisch.net News, Interviews, Kommentare, Termine.
04#05 / April 2019 humanistisch!
WHO: Grundsicherung
Impfgegner gegen Kinderarmut
sind Gesund- 628 Euro pro Monat und Kind: Das Kindergeld, Kinderzuschlag, Bildungs- und
heitsrisiko fordert das Bündnis Kindergrundsicherung
in einem im Februar veröffentlichten Papier.
Teilhabepaket, Kinderfreibetrag und vielem
mehr wird von den Bürgerinnen und Bürgern
Angesichts der seit Jahren zunehmenden nicht mehr verstanden. Was wir brauchen, ist
Zahl armer Kinder plädiert das Bündnis für eine Leistung, eine echte Kindergrundsiche-
D ie Weltgesundheitsorganisation WHO
schlägt Alarm: In Europa hat sich im
vergangenen Jahr die Zahl der Mase-
eine Grundsicherung in Höhe des derzeitigen
Existenzminimums.
Nach Willen des Bündnisses solle eine
rung und die muss unbürokratisch, effizient,
gerecht und auskömmlich sein.“, erklärte
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des
rinfektionen im Vergleich zum Vorjahr solche pauschale Kindergrundsicherung die Paritätischen Gesamtverbandes und Sprecher
verdreifacht. In Deutschland gab es 2018 derzeitigen staatlichen Leistungen ablösen: des Bündnisses.
rund 900 Fälle der potenziell lebensbe- „Das bürokratische Nebeneinander von
drohlichen Erkrankung. Und auch welt-
weit gibt es wieder mehr Infektionen.
Nicht nur in Krisen- und Bürger-
kriegsgebieten, auch in zuvor nahezu Welches Spiel spielen
masernfreien Regionen wie Nord- und
Südamerika komme es mittlerweile wie- EPP und Ján FigeÍ?
der zu regelrechten Epidemien.
D as EU-Parlament will künftig stärker auf
die Lage von Nichtgläubigen achten. Das
geht aus einer Resolution hervor, die das Par-
te deutliche Kritik am ersten Entwurf geübt
und zahlreiche Verbesserungen gefordert,
um die einseitige Ausrichtung auf Verfolgte
lament im Januar verabschiedet hat. Mit Blick christlichen Glaubens zu korrigieren. Laut EHF
auf die Leitlinien der Union und das Mandat hatten Europaabgeordnete sogar in Frage
des Sondergesandten für die Förderung der gestellt, dass das Thema der Religions- und
Religions- und Weltanschauungsfreiheit Weltanschauungsfreiheit mit Nichtreligiösen
außerhalb der EU heißt es dort, „dass ein sinnvoll diskutiert werden könne.
ebenso großes Augenmerk auf die Lage von Obwohl die Überarbeitung der Reso-
Nichtgläubigen, Atheisten und Apostaten lution insofern schon ein Erfolg ist, blieb
gerichtet wird, die verfolgt und diskriminiert die EHF skeptisch, ob dem auch effektive
werden sowie Gewalt erfahren“, wie auf Maßnahmen folgen. Der Grund: Kurz vor
die Verfolgung von Gläubigen. Sie betont Verabschiedung der Resolution hatten sich
des Weiteren, dass „nicht-konfessionelle, der EU-Sonderbeauftragte Ján Figeľ, der zu-
humanistische und säkulare Organisationen ständige Berichterstatter Andrzej Grzyb, und
eine zentrale Rolle bei der Prävention des Manfred Weber, Präsident der Europäischen
religiösen Extremismus spielen.“ Volkspartei, zusammen mit Vertretern kirch-
Die Europäische Humanistische Föderati- lich-ultrakonservativer Netzwerke gezeigt.
on (EHF) begrüßte den Beschluss als ausge- Ob die EU wirklich alle wegen ihrer Religion
wogen. Dass Nichtreligiöse überhaupt derart oder Weltanschauung Verfolgten schütze,
umfassend berücksichtigt wurden, geht auch sei daher zweifelhaft. Die EHF werde alle
Foto: © adobestock/Кирилл Рыжов
auf Interventionen der Europäischen Huma- Vorgänge dazu weiterhin sehr aufmerksam
nistischen Föderation (EHF) zurück. Diese hat- verfolgen, hieß es.
Als maßgeblichen Grund für die wie-
der ansteigende Verbreitung von Infektio-
nen nennt die WHO wachsende Impf-
gegnerschaft. Sie zählt diese in einem
aktuellen Bericht zu den zehn größten
Gefahren für die weltweite Gesundheit.
Um eine ausreichende Gruppenimmunität
zu erreichen, müssten mindestens 95 Pro-
zent der Bevölkerung geimpft sein. Dieses
Ziel werde durch Impfgegner in Frage
gestellt, so Jan Leidel, Virologe und lang-
jähriger Leiter der Ständigen Impfkom-
mission des Robert-Koch-Instituts. „Auch
bei uns sind die Impfquoten zu gering“,
sagte er zum WHO-Bericht. Ján FigeÍ
05humanistisch! #05 / April 2019 Werte, Haltung, Engagement „Europa“ wird nie vollendet sein. Doch haben wir es uns vielleicht zu lang zu bequem gemacht mit den Problemen der Europäischen Union? Um das humanistische Profil der Union zu bewahren, braucht es große Ideen, starke Bilder und klare Haltungen.
#05 / April 2019 humanistisch!
Teams: Gerade Krisen und Zuspitzungen könnten
der Integration förderlich sein. Für sie spricht, dass
es derzeit in keinem Mitgliedsstaat mehr eine Be-
völkerungsmehrheit gibt, die für einen EU-Austritt
stimmen würde. Das Brexit-Desaster hat offenbar in
anderen EU-Ländern läuternd gewirkt.
R echter, nationalistischer, anti-euro-
päischer: Wie das Europäische Par-
lament nach den Wahlen 2019 aussieht, war schon
lange vorher absehbar. Der Aufschwung entspre-
chender Parteien in vielen EU-Staaten hat seit 2014
die Richtung angezeigt, ebenso wie auch die vom
Parlament im Vorfeld selbst in Auftrag gegebenen
Wahlabsichtsbefragungen. „EU-Kritiker dürften laut
Umfragen so viele Stimmen gewinnen wie nie zuvor.
Und erstmals seit der ersten Direktwahl im Jahr Europa braucht ein klares Ziel,
1979 werden Christ- und Sozialdemokraten wohl ihre eine klare Richtung und Perspekti-
absolute Mehrheit verlieren. Der EU steht nicht nur ve, eine emanzipatorische Agenda,
ein Dauerstreit zwischen Pro- und Antieuropäern eine konkrete Idee von sich selbst.
bevor; es droht auch ein Stillstand in der Gesetzge- Der eine europäische Markt und die
bung“, fasste die Süddeutsche Zeitung die Prognose eine europäische Währung müssen um
zusammen. Eine eigene Mitteilung des EU-Parla- eine europäische Demokratie ergänzt
ments dazu sagte: „Die größten Zugewinne an Sitzen werden, denn eine Währung ist schon
könnte die AfD verbuchen. Statt wie bisher mit einem ein Gesellschaftsvertrag. Dies wäre
Abgeordneten wäre sie in der EFDD-Fraktion mit 12 die entscheidende Wegmarke, um das
MdEPs vertreten“ – in einem nach dem Brexit deut- politische System der EU von einer
lich kleineren Parlament. Drohen der Hoffnung auf „Staatenunion‘, die im Wesentlichen
ein friedliches, vereintes, gerechtes und freiheitli- über einen nur indirekt legitimier-
ches Europa dunkle Jahre? ten EU-Rat „regiert‘ wird, in eine
Rechtspopulisten und Nationalisten frohlocken wirkliche europäische Demokratie
angesichts der absehbaren Stimmenzuwächse. Doch zu überführen, in der am Ende nur
wirklich ausgemacht ist noch nichts. Vor allem eines gelten kann: Die Bürgerinnen
die Diagnose einer Krise der EU ist nichts Neues, und Bürger sind die Souveräne des
sondern eher die Normalität. Das meint jedenfalls politischen Systems, vor dem Recht
der Rechtshistoriker Stefan Vogenauer, Direktor sind sie alle gleich, das Parlament
am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsge- entscheidet und es gilt Gewalten-
schichte in Frankfurt am Main. „Krisen hat es immer teilung. Der allgemeine politische
gegeben“, sagt er zu den Diskussionen über den Gleichheitsgrundsatz ist der Sockel
Status quo, „seit ich die Entwicklung verfolge, war jeder Demokratie. Es wäre die große
die Europäische Gemeinschaft eigentlich in einem Reformation Europas!
permanenten Krisenmodus.“ Er und sein Team haben
die Konflikte der EU seit dem Beginn als Europäische Ulrike Guérot, Politikwissen-
Wirtschaftsgemeinschaft intensiv untersucht. Sie schaftlerin und Publizistin,
stellen fest: Ruhige Phasen waren immer eher die Gründerin des European
Ausnahme, wie etwa am Ende der 1980er und zu Be- Democracy Lab
ginn der 1990 Jahre, als unter anderem der Vertrag
von Maastricht beschlossen wurde. „Solche Sprünge
in der europäischen Integration gab es auch immer
mal“, sagt Vogenauer, „aber dann folgten wieder
lange Phasen des taktischen Rückzugs oder des Still-
stands.“ Eine These aus den Untersuchungen seines
07humanistisch! #05 / April 2019
Es gibt sehr viel zu tun
Trotzdem, die unzähligen Baustellen der EU Artikel 2 des Vertrages über die EU
sind damit nicht erledigt. Noch immer hat die Union fasst es eigentlich schon ideal zu-
ein Demokratiedefizit, und es fehlt an Solidarität sammen: „Die Werte, auf die sich die
zwischen den Mitgliedsstaaten wie an gemeinsamen Union gründet, sind die Achtung der
Lösungen, die den rechtsdemagogischen und natio- Menschenwürde, Freiheit, Demokra-
nalkonservativen Wortführern das Wasser abgra- tie, Gleichheit, Rechtsstaatlich-
ben. Es fehlt an Konzepten, wie soziale Gerechtigkeit keit und die Wahrung der Menschen-
im EU-weiten Maßstab wirkungsvoll gewährleistet rechte einschließlich der Rechte
werden kann, und an guten Vorschlägen, wie sich die der Personen, die Minderheiten an-
Staatengemeinschaft im globalisierten Kapitalismus gehören.‘ Es wird also in den Grün-
so aufstellt, dass die hier lebenden Menschen nicht dungsdokumenten schon klar: Euro-
fürchten müssen, ihm zu Opfer zu fallen. Es fehlt an pa ist auf humanistischen Werten
Bemühungen dafür, dass die Mitgliedsstaaten nicht gebaut und definiert sich als eine
durch ihr eigenes Verhalten Krisen in außereuropäi- Werteunion, bei der der Mensch im
schen Staaten herbeiführen und deren Bevölkerun- Mittelpunkt steht. Bei allen aktu-
gen zu Opfern ihrer Politik machen. Und auch der ellen Debatten um die Zukunft Euro-
menschengemachte Klimawandel klopft laut an die pas, gerät dies ein ums andere Mal
Tür, ob in Gestalt von Hitzewellen oder Migrations- zu sehr in den Hintergrund. Und bei
bewegungen. allen Angriffen, die die wunderbare
Immerhin: Das Vertrauen in die Europäische europäische Einigung erfährt, muss
Union ist höher als man angesichts der Schlagzei- jeder einzelne von uns erkennen,
len zunächst vermuten könnte. Das jüngste Euro- dass wir uns wehren müssen gegen
barometer ergab, dass 54 Prozent der Deutschen die, die diese Werte infrage stel-
der Europäischen Kommission und 60 Prozent dem len. Was können wir tun? Wir können
Europäischen Parlament vertrauen. Damit ist das über Europa sprechen. Darüber, was
Vertrauen in das EU-Parlament höher als in den uns stört, aber auch darüber, was
Bundestag. EU-weit ist das Vertrauen in die Union uns gut gefällt. Darüber, was es zu
auf dem höchsten Stand seit Herbst 2010. Die EU ist verbessern gilt – und da gibt es ei-
laut Eurobarometer für die große Mehrheit der Be- niges! Es fehlt der EU an Handlungs-
fragten ein selbstverständlicher Teil ihres Alltages. fähigkeit bei wichtigen Fragen. Es
Als Bürger der Europäischen Union fühlen sich in fehlt an Unterstützung aus den Mit-
Deutschland 86 Prozent, europaweit 71 Prozent. gliedsstaaten. Es fehlt eine euro-
Gerade auch jüngere Menschen scheinen in die päische Öffentlichkeit. Es fehlt an
grundsätzliche Sinnhaftigkeit der EU-Institutionen wichtigen Reformen, die die EU zu-
selbst dann zu vertrauen, wenn diese keine willkom- kunftsfest machen. Diese Reformen
menen Ergebnisse bringen. Das zeigte beispielhaft müssen wir aber fordern! Damit Eu-
erst vor wenigen Wochen eine Kontroverse um die ropa auch in Zukunft unser Gesell-
Frage, ob Internetdienstanbieter künftig generell schaftsmodell schützt: Ein Leben in
sogenannte Uploadfilter einsetzen müssen. Vor allem Vielfalt, Toleranz und Respekt. Da-
die Europäische Volkspartei stellte sich hinter das für gilt es einzustehen!
Vorhaben der EU-Urheberrechtsreform, mit der die
Rechte der Kreativen gestärkt werden sollen. Für Martin Schulz, SPD-Politiker
viele in der netzaffinen Generation hingegen wäre und ehemaliger Präsident des
dies so etwas wie das Ende des für sie kostenfreien Europäischen Parlaments
Webs, das sie bisher kannten und schätzten. Beim
Kurznachrichtendienst Twitter wurden jedoch
nicht Rufe nach einem EU-Austritt Deutschlands
zum Trend, sondern die Hashtags #NiemehrCDU
und #NiemehrCSU als Signal einer entschiedenen#05 / April 2019 humanistisch!
Ablehnung der Position der Abgeordneten. Die Kritik
äußerte sich quer durch alle Bildungsschichten – der
Protest im Netz und auf der Straße vereinte junge
Nutzer mit Hauptschulabschluss mit solchen im
mittleren Alter und Doktortitel.
Triebfeder Zivilgesellschaft
Auch in Zeiten, wo es auf Seiten der europäischen
Institutionen und der staatlichen Kooperation zu
haken scheint, bewegt sich die Zivilgesellschaft.
Das machte nicht nur die pro-europäische Bürger- Immer noch gilt: Ach, Europa! Die
bewegung „Pulse of Europe“ deutlich. Sie wurde in Europäische Union und dieser klei-
den vergangenen zwei Jahren in vielen Städten eine ne Kontinent „Europa‘, der sich
deutlich hörbare Gegenstimme zu den EU-Gegnern. vor gar nicht so langer Zeit noch
Der Tenor der Pulse-Kundgebungen: Wir wollen ein als das Kraftzentrum der zivili-
gemeinsames, sozial gerechtes Europa der offenen sierten Welt hat begreifen können,
Gesellschaften. sind auch heute, vor den Wahlen zum
An anderer Stelle kam es angesichts der neuer- EU-Parlament im Mai, so hochgradig
lichen Krise ebenfalls zu einer wichtigen Bewegung. ambivalent, dass die schwierige
Denn bisher hatte der Paritätische Wohlfahrtsver- Rede von Widersprüchen sich gerade-
band als einer der bundesweit größten Organisatio- zu aufdrängt: Der europäische Bin-
nen dieser Art und Dachverband für 10.000 Vereine, nenmarkt als „größter freier Markt‘
Organisationen, Einrichtungen und Initiativen im weltweit hat immer noch großes
gemeinnützigen und sozialen Bereich „gegenüber der Gewicht, für die europäischen Bürge-
EU eine Art der Nicht-Einmischung vertreten und rinnen und Bürger selber, aber auch
sich lediglich in defensiver Weise gegenüber der EU im weltweiten ökonomischen Aus-
und nur zu wenigen Politikfeldern geäußert.“ So er- tausch, doch die fehlenden oder nur
klärte es der Vorsitzende Rolf Rosenbrock in der Fe- schwach ausgeprägten Exempel und
bruar-Ausgabe des Verbandsorgans. „Jedoch scheint Instanzen „europäischen Politik‘
es angesichts der Herausforderungen der EU als not- sind noch längst nicht auf seiner
wendig, diese Position zu überdenken und weiter zu Höhe. Gerade die von der jüngeren
fassen. Im Oktober 2018 hat sich der Paritätische in ökonomischen Entwicklung massen-
seinem europapolitischen Grundsatzpapier erstmals haft produzierten Armen finden kei-
zur aktiven Gestaltung eines sozialen und demokra- ne greifbaren politischen Angebote,
tischen Europas positioniert“, so Rosenbrock weiter. von denen sie wirksame europäische
Aufbauend darauf wurden im Vorfeld klare Erwar- Antworten auf ihre akuten und wach-
tungen und Forderungen gegenüber der europäi- senden Probleme erwarten könnten.
schen Politik formuliert. Statt europäische Alternativen auf-
Nicht nur auf sozialer, auch auf weltanschau- zubauen und anzubieten, regrediert
licher Ebene spielt der Gedanken der Verbundenheit zugleich die Parteipolitik auf die
im europäischen Rahmen verstärkt eine Rolle. Denn vertrauten Felder nationalstaatli-
Europas Gesellschaften werden seit Jahrzehnten cher Politik. Das lässt leider von
ständig säkularer, humanistische Stimmen und der kommenden Europawahl gar nichts
Kooperationen gewinnen deshalb an Bedeutung. Gutes erwarten. Dabei liegt es doch
Darum hat auch die Europäische Humanistische auf der Hand, dass zentrale Probleme
Föderation im Vorfeld der Europawahlen 2019 eine – vom Übergang zu einer nachhal-
klare und ausführliche Positionierung im Sinne tigen Wirtschaftsweise bis hin zu
einer friedlichen Lösung bestehen-
der Konflikte – nicht mehr allein auf
der Ebene der einzelnen Mitglied-
staaten gelöst werden können.
Frieder Otto Wolf, Philosoph und
Politikwissenschaftler, Vorstands
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
im Europäischen Parlament von
1984-1989 und von 1994-1999humanistisch! #05 / April 2019
etwa die Politikwissenschaftlerin und Publizistin
Ulrike Guérot für eine Reform der europäischen Re-
Was wir brauchen? Zunächst einen publik. Dringend sei eine solche Reform, denn „das
entschiedenen Kampf gegen rechts, Überhören der berechtigten und legitimen Kritik
auch dezentral. Jede und jeder muss an der EU hat ja gerade dazu geführt, dass wir die
vor Ort aktiv werden, denn mit der berechtigte Kritik am System den Populisten über-
politischen Rechten kann man kein lassen haben.“ Im Gespräch mit dem SPD-nahen IPG
offenes Europa führen. Und das Zwei- Journal fragte sie: „Wir können alle im Mai wählen,
te: Europa kann nur bestehen, wenn aber was wählen wir denn? Kriegen wir eine neue
es sich umformt, und dann muss es Politik? Was wählen wir funktional?“ Eine europäi-
sich darauf besinnen, was es sein sche Regierung, die vom Europäischen Parlament
will – ein Wirtschaftsverbund oder legitimiert wird, gibt es bis heute nicht, stellte sie
eine Lebensstätte für Menschen? Ich fest. „Wenn wir es ernst meinen mit Europa, müssen
finde, ein Europa ohne Solidarität wir die Kritik der sogenannten Populisten ernstneh-
brauchen wir nicht, wir brauchen men“, so Guérot weiter. Gleiches Wahlrecht, gleiches
sie und wir brauchen Empathie. Am Steuerrecht und gleiche Sozialleistungen wären
liebsten wäre mir ein vereinigtes für sie neben einem echten demokratischen System
Europa, laizistisch und ohne Natio- wichtige Elemente einer „Republik Europa“.
nalstaaten. Ich weiß, dass ich ein Mindestens den Vorschlag eines gemeinsamen
solches Europa wohl nicht mehr er- Sozialstaatswesens sieht ein Kollege von Guérot, der
leben werde, und ich weiß, dass man Politikwissenschaftler Martin Höpner, jedoch sehr
immer tausend Gründe findet etwas skeptisch. Der Leiter der Max-Planck-Forschungs-
nicht zu tun als den einen, warum gruppe zum Thema „Politische Ökonomie der euro-
man etwas anpackt. Aber man braucht päischen Integration“ hält das nicht für machbar.
doch Visionen und jeder Ansatz dazu Ein Sozialsystem, das für Bulgarien und Dänemark
ist mir lieb. gleichermaßen sinnvoll funktionieren könnte „kann
man sich doch nicht einmal in der Theorie vor-
Lilo Seibel-Emmerling, stellen“, meinte er dazu im Journal MaxPlanckFor-
Politikerin und Abgeordnete schung.
im EU-Parlament von 1980-1989 Ist so etwas also wirklich nicht zu erreichen?
Viele politische und soziale Errungenschaften, die in
der Bundesrepublik Deutschland heute Alltag sind,
hätten Menschen zu Beginn der bürgerlichen Revo-
lution vor 170 Jahren für unmöglich gehalten. Selbst
wenn ein europäischer Sozialstaat in absehbarer Zeit
ihrer Mitgliedsorganisationen veröffentlicht (Lesen nicht machbar oder sinnvoll scheint: Es bleiben noch
Sie dazu auch den Bericht ab S. 14). Der Tenor hier genug andere Vorschläge, von Ulrike Guérot und
ebenfalls: Wir brauchen ein Europa mit humanis- anderen, um mit ihnen ein humanistisches Europa
tischen Werten, als EU-Bürgerinnen vertreten wir zu errichten, eine Geschichte zu erzählen, die eine
klare Haltungen und werden uns in diesem Sinne Alternative zu den Ambitionen erklärter EU-Gegner
weiter für ein friedliches, vereintes, gerechtes und bietet. Also, wählen Sie die Geschichte, die Sie sich
freiheitliches Europa einsetzen. eher wünschen und bereichern Sie sie mit Ihren Wer-
ten, Ihrer Haltung und Engagement.
EU-Kritik der Populisten Text: Arik Platzek
ernst nehmen
Und natürlich: Wo Gefahr ist, werden Antworten
darauf, wie ein besseres europäisches Miteinander
aussehen kann, umso drängender. Seit Jahren wirbt
10#05 / April 2019 humanistisch!
Die Europäische Union hat Jahr- Die EU muss die soziale Dimension
hunderte von Kriegen beendet, nach vertiefen und Armut bekämpfen, um
zwei aufeinanderfolgenden Selbst- die Gemeinschaft Gleicher und das
mordversuchen; sie hat eine dauer- Vertrauen in die Gemeinschaft zu
hafte Partnerschaft aufgebaut die, fördern sowie um rechten Demagogen
zumindest prinzipiell, auf frei- den Boden zu entziehen, die sich
heitlicher Demokratie, Rechtstaat- von den sozialen Unsicherheiten und
lichkeit, Menschenrechten und einer Abstiegsängsten der Menschen näh-
offenen Gesellschaft basiert; sie ren. Dazu gehört unter anderem die
hat das Gewicht der Grenzen redu- Festlegung sozialpolitischer Min-
ziert und das Verständnis zwischen deststandards in der Rente und beim
Bürgerinnen und Bürgern gestärkt. Arbeitslosengeld, die den nationa-
Unbezahlbar, aber unzureichend. len Gegebenheiten gerecht werden.
Nicht, weil die EU nationale Sou- Es braucht den Schutz und die Förde-
veränität angreift – ein erbärmli- rung sozialer Dienstleistungen und
ches Konzept in einer Welt, in der gemeinnütziger Dienste im Beihilfe-
einer einzigen chinesischen Stadt und Wettbewerbsrecht. Die gesell-
das gleiche Gewicht zukommt, wie schaftliche Teilhabe aller Menschen
jeder früheren großen europäischen sowie ihr Zugang zu angemessenen
„Macht‘. Sozial-, Gesundheits- und Pflege-
Viele der wichtigsten europäischen leistungen muss garantiert werden.
Entscheidungen werden immer noch Ebenso sind Austauschprogramme so-
durch den Rat getroffen, wofür oft wie soziale und inklusive Programme
die Einstimmigkeit der Mitglieds- zu stärken, um die Vielfalt in der
staaten erforderlich ist, hinter Gesellschaft zu fördern. Wir brau-
geschlossenen Türen. Wie würde das chen zudem eine aktive Flüchtlings-
deutsche politische System funktio- und Migrationspolitik, die Zuflucht
nieren, wenn die wichtigsten Ent- suchenden Menschen Schutz gewährt
scheidungen einstimmig getroffen und Verantwortung nicht abweist.
werden müssten, hinter verschlos-
senen Türen, durch die Ministerprä- Rolf Rosenbrock,
sidenten der 16 Bundesländer? Gesundheitswissenschaftler
Um in der globalisierten Welt et- und Vorsitzender des
was zu sagen zu haben, brauchen wir Paritätischen Wohlfahrtsverbandes –
ein „normales‘ föderales und demo- Gesamtverband
kratisches System. Wir müssen uns
entscheiden zwischen Selbstmord in
Souveränität und der ‚immer engeren
Union‘.
Giulio Ercolessi, Politiker
und Publizist, Präsident der
Europäischen Humanistischen
Föderation
11FRAUEN IM BERUFSLEBEN
59% der Universitätsabsolventen
EU-weit sind Frauen
16% beträgt der unbereinigte Gender-
Pay-Gap im EU-Durchschnitt
8% aller weiblichen Arbeitskräfte
sind Unternehmerin (Männer: 16%)
berufstätige Frauen ohne Kind.
„Die mangelnde 77,5% 1 Kind: 73,8%, 2 Kinder: 72,9%,
3 oder mehr Kinder: 57,3%
Heranziehung
von Frauen zu
81,1%
berufstätige Männer ohne Kind.
1 Kind: 89,2%, 2 Kinder: 91,8%,
öffentlichen Ämtern 3 oder mehr Kinder: 86,9%
und ihre geringe
Beteiligung in den 27% Frauen arbeiten in prekären Jobs,
15% Männer (EU-Durchschnitt)
Parlamenten ist
doch schlicht DEMOGRAFIE
Verfassungsbruch
in Permanenz.“ 51%
Elisabeth Selbert (1896-1986) 49%
262
251 MIO.
MIO. FRAUEN
Die promovierte Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert ist als
eine der „Mütter des Grundgesetzes“ in die Geschichte der Bundes-
MÄNNER
republik Deutschland eingegangen. Als eine von vier Frauen gehörte
sie dem Parlamentarischen Rat (gewählt durch die SPD) an und war
maßgeblich an der Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind
gleichberechtigt“ in Artikel 3 Grundgesetz beteiligt. Unter anderem
viele familienrechtliche Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz-
buches mussten anschließend gemäß dem neuen Verfassungsgrund-
satz überarbeitet werden.
Foto Elisabeth Selbert: © Stiftung Haus der GeschichteFRAUEN IN DER VERANTWORTUNG
46,7% 36,1% 29,3%
im Präsidium der im EU-Parlament in den 28 nationalen Parlamenten
Europäischen Humanistischen (Deutschland: 31,1%, Schweden: 46,1%,
Föderation Ungarn: 10,1%)
27,7%
in den Regierungen
0%
der bisherigen Präsidenten
(Schweden: 52,2%, Deutschland: 46,2%, von EU-Parlament, EU-Kommission und
Ungarn: 0%) Europäischem Gerichtshof.
„LUXUSSTEUER“ IM EU-VERGLEICH
(U. A. FÜR TAMPONS)
UNGARN 27%
DÄNEMARK / SCHWEDEN / NORWEGEN / KROATIEN 25%
FINNLAND 24%
GRIECHENLAND / POLEN 23%
ITALIEN / SLOWENIEN 22%
LETTLAND / NIEDERLANDE / TSCHECHIEN 21%
ESTLAND / ÖSTERREICH / SLOWAKEI / BULGARIEN / RUMÄNIEN 20%
DEUTSCHLAND 19%
MALTA 18%
LUXEMBURG 17%
SPANIEN (KANARISCHE INSELN 0%) 10%
SCHWEIZ 7,7%
Nach internationalen Protesten gegen die „Blut- und Tamponsteuern“, also erhöhte Umsatzsteuersätze auf Hygieneartikel für Frauen
hat das Europäische Parlament im vergangenen November in einer Resolution die Mitgliedsstaaten aufgefordert, das Steuersystem
mit Blick auf die Gleichstellung der Geschlechter zu überarbeiten. Auf Produkte für weibliche Hygiene sollten EU-weit nur die ermä-
ßigten Mehrwertsteuersätze für Artikel der Grundversorgung zur Anwendung kommen, hieß es.humanistisch! #05 / April 2019
Die
humanistische
Stimme
in der
europäischen
Arena
Wo wichtige politische Entscheidungen getroffen
werden, sollte nichts dem Zufall überlassen sein.
Für eine säkulare, aufgeklärte und freiheitliche Gesellschaft
tritt darum die Europäische Humanistische Föderation
in Brüssel ein. In den nächsten Jahren wird
ihre Arbeit noch wichtiger.
Fotos: © adobestock/Grecaud Paul#05 / April 2019 humanistisch!
wenige Millimeter große Zellhaufen bereits unterstützt, wisse sie nicht, sagt Marc Soig-
als „Mensch“ zu gelten haben? net. Eine gesicherte Erkenntnis ist, dass nicht
Und sollte die EU Mitgliedsstaaten rügen nur anti-humanistische Geldgeberinnen aus
oder noch drastischere Maßnahme ergreifen, EU-Staaten darunter sind, sondern auch aus
wenn eine Regierung Minderheitenrechte den USA oder Russland.
oder rechtstaatliche Prinzipien außer Kraft zu Im EU-Transparenzregister sind dabei nicht
setzen versucht? einmal alle Lobby-Organisationen religiö-
ser Prägung verzeichnet. Neben NGOs wie
„European Dignity Watch“ und „Alliance
EHF – Eine freiheitliche Stimme Defending Freedom“ gebe es andere Netz-
werke und Initiativen wie „CitizenGo“ und
Dies sind nur drei der unzähligen Fragen, das „European Centre for Law and Justice“,
bei denen sich nicht nur entlang menschen- die auch sehr aktiv sind, berichtet Soignet.
D
as EU-Parlament zählt zu den größten und bürgerrechtlicher Grundsätze oft die „Da, wo diese Organisationen aktiv sind,
demokratisch gewählten Parlamen- Geister scheiden, sondern auch aufgrund sind auch wir sehr aktiv in dem Versuch, sie
ten der Welt. Wenig überraschend weltanschaulicher Differenzen. Eine freiheit- zurückzudrängen“, sagt er. Information und
hat auch die Zahl der dort registrierten liche Stimme gegenüber der Lobbyfraktion
Lobby-Organisationen gerade wieder einen „in Gottes Namen“ ist seit 1991 die Europäi-
Rekordwert erreicht: Mehr als 11.850 Orga- sche Humanistische Föderation (EHF).
nisationen verzeichnete das EU-Transparenz- „Wir stellen der Europäischen Union
register im Januar 2019. Den größten Anteil, unsere ethische, rechtliche, politische,
fast die Hälfte, machen Unternehmen und wertorientierte Expertise in Bezug auf
Unternehmensgruppen, Wirtschafts- und Be- verschiedene Themen zur Verfügung und
rufsverbände sowie Gewerkschaften aus. Ein versuchen dadurch, unsere Werte in den
gutes weiteres Viertel sind Nichtregierungs- öffentlichen Diskurs zu bringen, basierend
Foto: © EHF
organisationen (NGOs). Die zahlenmäßig auf Freiheit und Vernunft statt auf Dogmen“,
kleinste Kategorie V umfasst nur 52 Einträge. skizziert Marc Soignet den Arbeitsauftrag Treffen zwischen EU- und EHF-Vertreterinnen
Allerdings spielen die dort registrierten der EHF. Sie ist eine der rund 3.150 bei der im Juni 2018
Organisationen keine marginale Rolle. Denn EU registrierten NGOs. Marc Soignet ist Teil
sie erheben einen Vertretungsanspruch für des EHF-Teams in Brüssel und verantwortlich Aufklärung von Politikern und Journalistin-
Hunderte Millionen Menschen in Europa: für die öffentliche Kommunikation. Seine nen ist Teil der alltäglichen EHF-Arbeit. Marc
Sie vertreten Kirchen und Religionsgemein- Soignet berichtet weiter, auch die religiöse
schaften. Lobby habe in der Kommunikation ihrer Ziele
Antidiskriminierung, Frauenrechte, ihren Ton verändert. Das ist an den positiven
Sozialstandards, Autonomie am Lebensende, Begriffen zu erkennen, die die Organisa-
Migration, Bildung, Wissenschaft und For- tionen für sich verwenden: Würde, Freiheit
schung und vieles andere mehr – es gibt nur und Gerechtigkeit etwa. „Es sind auch nicht
wenige Themen, in denen das Verhalten der mehr bibellesende Priester, sondern frisch
EU-Institutionen heute gar keine Rolle für die wirkende Aktivisten, die positive Botschaften
Mitgliedsstaaten spielt. Und die EU selbst ist langjährige Teampartnerin ist Julie Pernet, verbreiten wie: ‚Wir wollen, dass Ärzte voll-
ein global wirkender Akteur, nicht nur in der die als politische Referentin der EHF arbeitet. ständig von ihrer Gewissensfreiheit profitie-
Entwicklungshilfe. EHF-Direktor Hervé Parmentier leitet die ren können‘ – Was verschlüsselt steht für: Wir
Sollte die EU etwa Programme zur Ver- Arbeit deren Grundlinien zuvor ein fünfzehn- wollen sichergehen, dass Ärzte Frauen ab-
besserung der Gesundheit von Frauen in an- köpfiges ehrenamtliches Präsidium bestimmt. lehnen, die eine Schwangerschaft beenden
deren Ländern unterstützen und finanzieren, Ihre gemeinsame Mission: Das Schlimmste wollen“, so Soignet.
wenn dies nach humanistischen Maßstäben verhindern – und wenn möglich, auch profi-
wissenschaftlich fundierte Sexualaufklärung, lierte eigene Schwerpunkte setzen.
die Verteilung von Verhütungsmitteln und Denn im Vergleich zur konservativ-reak- Anerkennung durch die EU
die Information über Schwangerschafts- tionären Lobby ist die EHF als europäischer ist gewachsen
abbrüche einschließt? Oder sollte sich die Dachverband von etwas mehr als 60 säku-
EU-Politik hier an den Tabus und Dogmen laren und humanistischen Organisationen Zum A und O neben der Aufklärung der
religiöser Vorstellungen ausrichten? Das in Europa beileibe kein großer Player mit Abgeordneten gehören außerdem die
ist eine der einfacheren, aber doch ganz Millionen-Etat. Das Kräfteverhältnis zwischen Vernetzung und Zusammenarbeit. Frauen-
konkreten Fragen, um die immer wieder der EHF und den meisten Organisationen mit rechtsorganisationen, LGBTI-Netzwerke und
im EU-Parlament gestritten und zu der die entgegengesetzten Zielen entspricht eher säkulare Verbände in verschiedenen Themen-
EU-Kommission entscheiden muss. dem zwischen dem einsamen gallischen Dorf bereichen gehören ebenso zu den regelmä-
Sollte die EU Stammzellforschung unter- und dem römischen Imperium – in Rom ist ßigen Partnern wie auch aufgeklärte, liberale
stützen, bei denen auch mit menschlichen schließlich auch Sitz der Zentrale der katholi- Organisationen mit religiösem Hintergrund
Embryonen nach Wegen zur Beseitigung schen Kirche. Einen Zaubertrank freilich hat wie „Catholics for Choice“, die für das Recht
schwerer oder tödlicher Krankheiten gesucht die EHF nicht, und auch in welchem Ausmaß auf eine selbstbestimmte Familienplanung
wird? Oder muss diese verboten sein, da auch der Vatikan ihre kirchlichen Gegenspieler eintreten.
15humanistisch! #05 / April 2019
5
Ein aktuelles Beispiel: „Vor kurzem haben nen Mitgliedsorganisationen will die EHF hel-
wir gesehen, dass EP-Präsident Antonio Taja- fen. Ein Teil der EHF sind deshalb seit langem
ni bei der ‚Weltfamilienkonferenz‘ sprechen die European Humanist Professionals, ein
sollte, die eine der größten Versammlungen europaweites Netzwerk von hauptberufli-
wirklich starker Anti-Choice-Organisationen
darstellt. Wir haben also Mitglieder des ERFOLGE
Europaparlaments darüber informiert, die IN DEN LETZTEN
dann im Parlament deutliche Kritik daran 12 MONATEN
äußerten, und ein paar Tage später stellten
wir fest, dass Tajanis Name nicht mehr auf
der Rednerliste stand.“
Die EHF-Arbeit zahlt sich nicht nur in
1. Die EHF konnte gemeinsam mit
den Humanists International,
dem Dachverband auf UN-Ebene,
zahlreichen größeren und kleineren Erfolgen bei Vertretern der EU-Institutionen
Foto: © EHF
aus, bei denen die religiös-fundamentalisti- das Bewusstsein für die Existenz von
sche Lobby eingehegt oder gestoppt werden nichtgläubigen Migrantinnen schär- Im Juni 2018 tagten die Delegierten der
konnte. Auch seitens der EU-Institutionen fen. „Es ist ein sehr wichtiges Thema, EHF-Generalversammlung in Nürnberg.
ist die Anerkennung in den letzten Jahren das wir hervorheben konnten und zu
gestiegen. „Die Kommission geht auf uns dem wir einen besonderen Zugang chen Praktikern aus diversen humanistischen
zu“, sagt Marc Soignet über die regelmäßi- und eine spezifische Stimme haben“, Arbeitsbereichen.
gen Treffen mit EU-Vertreterinnen, zu denen so Marc Soignet. Große Herausforderungen gibt es bereits
diese gemäß den europäischen Verträgen genug. Mit dem neuen EU-Parlament wird
verpflichtet sind. Das war nicht immer so,
nicht zuletzt auch deshalb, weil seit jeher
„die Kirchen sehr intensive Beziehungen zu
2. Ebenfalls gemeinsam mit den
Humanists International wurde
Vertreterinnen des EU-Parlaments
die Arbeit aber vermutlich nicht leichter.
„Die französischen Sozialdemokraten sind
eingebrochen, die britischen werden wegen
den europäischen Institutionen pflegen“, jährlich der Bericht „Freedom of des Brexits nicht mehr dabei sein und bei der
so Soignet. Neben den Treffen mit Kommis- Thought“ vorgestellt. Dazu eingela- deutschen SPD sieht es ebenfalls nicht gut
sionsvertreterinnen bieten auch Zusammen- den hatten die Abgeordneten Sophie aus“, so Marc Soignet. Zwar könnte zusam-
In’t Veld (Niederlande) und Virginie men mit der liberalen Fraktion und starken
Rozière (Frankreich). Grünen immer noch eine große Gruppe vor-
handen sein, die für humanistische Positio-
3. Die EHF veröffentlichte einen
Statusbericht zur Situation von
Frauen, die eine ungewollte Schwan-
nen ansprechbar ist. „Doch es ist alles sehr
unsicher.“
Das Erstarken der rechtspopulistischen
gerschaft beenden möchten. „Er hat Kräfte ist kein Grund zur Freude, ein Anlass
sehr geholfen, darauf aufmerksam zu zum Rückzug ist es jedoch auch nicht. Im
machen, dass es zwar Regionen auf Gegenteil, tatkräftige humanistische Stim-
der Welt gibt, wo die Situation viel men in Brüssel und die Kooperation, auch mit
Lesen Sie ein Interview mit Marc Soignet auf schlimmer ist, aber auch wir in Europa den Mitgliedsverbänden in den EU-Ländern,
humanistisch.net/36341 weit davon entfernt sind, zufrieden werden in den nächsten Jahren noch wichti-
sein zu können.“ ger sein.
künfte mit Mitarbeitenden aus unterschied-
lichen Fachbereichen der EU-Institutionen
der EHF Gelegenheit dazu, ihren Standpunkt
darzulegen. „Zusätzlich gibt es regelmäßige
4. Die EHF hat die Aufhebung
von „Blasphemie“-Gesetzen in
EU-Staaten, zuletzt Irland, voran-
Text: Arik Platzek, Mariko Junge (Mitarbeit)
Veranstaltungen des Parlaments und auch getrieben. „Es ist unlogisch, wenn
wir können Veranstaltungen zu bestimmten Europa weltweit eine Vorreiterrolle in HUMANISTISCHES
Themen durchführen.“ Hinsicht auf Menschenrechte spielen MANIFEST ZUR EUROPA-
will, aber es andererseits immer noch WAHL 2019: 14 Vorschlä-
eklatante Verletzungen gibt wie ge hat die Europäische
Rechtsdrift kein eben Blasphemie-Gesetze.“ Memorandum
for the European
Humanistische Föderation
Anlass zum Rückzug Elections 2019
anlässlich der Europa-
Als Gegengewicht zur religiösen Lobby
hat das EHF-Team schon viel zu tun, doch es
5. Die EHF führte ein Fachge-
spräch über die humanistische
Perspektive zu den Herausforderun-
wahlen vom 23. bis
26. Mai 2019 gemacht. Ihr Ziel ist das einer
humaneren EU, die Lösungen findet, um die
müssen auch die eigenen Schwerpunkte zur gen der Entwicklung und Anwen- wachsende Kluft zwischen ihren Werten und
Geltung kommen. Dazu zählt nicht nur, sich dung von Künstlicher Intelligenz mit der Politik, die sie verfolgt, zu überwinden.
für humanistische Geflüchtete einzusetzen EU-Vertretern. Und für ein Europa, das wirklich auf Freiheit,
oder darum zu kämpfen, dass die Interessen Gleichheit, Solidarität und Menschenwürde
von Nichtreligiösen Berücksichtigung in den fußt. Das Manifest kann online gelesen,
Berichten und Beschlüssen des Parlaments geteilt oder heruntergeladen werden:
finden, auch bei der Vernetzung ihrer eige- europawahlen2019.humanstisch.net
16#05 / April 2019 humanistisch!
Ein großer
Neues aus der Region
Verlust
Der HVD Bayern trauert um sein Ehrenmitglied Helmut Steuer-
wald. Helmut Steuerwald (geb.1930) war von 1975 bis 1990 Vorsitzen-
der des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Nürnberg, aus dem zunächst
der HVD-Nürnberg und 2011 schließlich der HVD Bayern hervor-
gingen. Viel wichtiger als das Vorstandsamt war Helmut Steuerwald
der Nachwuchs: Fast 30 Jahre lang, von 1965 bis 1993 nämlich, leitete
NEUES PROJEKT der Sozialpädagoge das Jugendseminar zur Vorbereitung auf die
Jugendfeier. Steuerwald hielt außerdem zahlreiche Vorträge, forschte
„GENERATIONEN- zu historischen Persönlichkeiten und zur Geschichte der Nürnberger
Gartenstadt, des Stadtteils, in dem er aufwuchs und bis zuletzt lebte.
GEFLÜSTER“ Mit Helmut Steuerwald verliert der HVD Bayern ein Mitglied, das
den Verband über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Steuerwald war
stets wachsam gegenüber autoritären Tendenzen in Gesellschaft und
Politik, er stand ein für Pazifismus und Antifaschismus. Was Diktatur
bedeutet, erfuhr er noch am eigenen Leib: Von den Nationalsozialis-
In der Humanistischen Krippe in Alterlangen startete im Dezem- ten verfolgt und zur Emigration gezwungen, verbrachte die Familie
ber das Projekt „Generationengeflüster“. Die Krippe führt es gemein- Steuerwald mit dem jungen Helmut fast acht Jahre im Exil in Chile.
sam mit der Seniorenresidenz am Erlenfeld durch und möchte damit Mit fortschreitendem Alter wurde es deutlich ruhiger um Helmut
eine Brücke zwischen Kindern und Seniorinnen bauen. Steuerwald, doch niemals still. „Ich bin immer Skeptiker gewesen. Ich
Zum Auftakt im Dezember 2018 hatten die Knirpse Weihnachts- bleibe kritisch!“, versprach er, als er 2010 zum Ehrenmitglied des HVD
plätzchen gebacken und einmal die Woche in der Seniorenresidenz Bayern ernannt wurde. Einer seiner letzten Auftritte führte ihn ins
vorbeigebracht. Für dieses Jahr ist schon ein gemeinsames Straßenfest Humanistische Haus für Kinder Nürnberg-Gartenstadt, das Anfang
Foto: HVD Bayern Foto: HVD Bayern
Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: Anfang Februar wurde im Beisein
geplant, außerdem weitere Aktivitäten und Kooperationen. „Wir füh- von Ehrenmitglied Helmut Steuerwald (2. v. r.) das Humanistische Haus für
ren dabei Generationen zusammen“, sagt die Leiterin der Kita, Eileen Kinder Nürnberg-Gartenstadt nach Anna Steuerwald Landmann benannt.
Wagner. Denn viele Kinder in Erlangen hätten selbst keine Großeltern
vor Ort und kämen so gar nicht in Kontakt mit älteren Menschen. Februar nach seiner Mutter Anna Steuerwald Landmann benannt
„Dabei ist es so wichtig, dass die Älteren die Jüngeren kennen- und wurde. Steuerwald würdigte seine Mutter, die zu Zeiten der Weima-
verstehen lernen – und andersrum“, betont Wagner. rer Republik unter anderem die Jugendgerichtshilfe „erfand“, dort als
Oft herrsche die Meinung vor, solche Projekte seien mit Krippen- kämpferische und resolute Frau, mit einer klaren Haltung und doch
kindern gar nicht möglich. „Wir trauen unseren Kindern was zu, sie tolerant gegenüber anderen. „Menschlichkeit ist das wichtigste“, das
sind äußerst kompetent, in Kontakt und Kommunikation zu treten, habe er von ihr mitbekommen. Und Menschlichkeit war es, was Hel-
und wenn es eben auf ihre Weise ist“, erklärt Heike Landin. Das liegt mut Steuerwald stets vorlebte. Seine Stimme fortan nicht mehr hören
auch daran, dass humanistische Pädagogik das Kind mit seinen Fähig- zu können, ist ein enormer Verlust.
keiten ins Zentrum stellt, Selbstbewusstsein und -wirksamkeit fördert Am 14. März 2019 ist Helmut Steuerwald nach schwerer Krankheit
und Offenheit und Toleranz zu vermitteln sucht. Die Bewohner am verstorben. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten seiner
Erlenfeld jedenfalls sind begeistert und freuen sich auf die kommen- Ehefrau Lydia, seiner Familie und seinen Freunden.
den Vorhaben. Und die Kinder sind sehr stolz, dass sie den älteren Eine Biografie Anna Steuerwald Landmanns finden Sie unter
Menschen eine Freude bereiten können. hvd-kitas.de.
17humanistisch! #05 / April 2019
Veranstaltungsplaner
April–Juni 2019 28 Für Mitglieder & Freunde
Antikapitalismus-/
04 Öko-Frühstück
Sonntag, 28.04.2019, 11.00 Uhr
Kurz vor dem 1. Mai gibt es dieses Mal ein vegetarisch-
veganes Frühstück sowie einen Bücher- und Kleidertauschmarkt.
Der Eintritt ist frei!
Humanistisches Zentrum Nürnberg, Kinkelstraße 12,
90482 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-43104-0,
veranstaltungen@hvd-bayern.de, hvd-bayern.de
Foto: wikimedia.org
Foto: © HVD Bayern
04 turmdersinne
Himmel und Hölle –
06
Symposium
Karl Popper: Politischer Denker,
05 Blaue Nacht im turmdersinne
Samstag, 04.05.2019, 19 Uhr
In Kurzführungen können Interessierte erkennen, dass
Wissenschaftstheoretiker,
04 moderner Aufklärer.
Samstag, 06.04.2019, 10 Uhr
unser Gehirn ein oftmals subjektives Abbild der Welt konst-
ruiert: Himmlische Luftschlösser oder auch höllische Monster-
fratzen. Lassen Sie sich überraschen und erfahren Sie, warum
manchmal der richtige Blickwinkel entscheidend ist.
Karl Raimund Popper (1902-1994) zählt zu den wichtigsten
Denkern des 20. Jahrhunderts. In der Wissenschaftstheorie Hands-on-Museum turmdersinne, Westtor/Ecke
und Politischen bzw. Sozialphilosophie setzte er Meilensteine, Kappengasse, 90482 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-9443281
andere Aspekte seines Werkes wie zu Ethik oder Lebenskunst oder info@turmdersinne.de, turmdersinne.de
werden ebenfalls zunehmend rezipiert und weitergedacht.
Werk, Wirkung und Aktualität seines Denkens stehen im Mit-
telpunkt des Symposiums und sollen kritisch gewürdigt und
diskutiert werden.
Kosten: 35,-/25,-€ = regulär/ermäßigt (mit Anmeldung);
40,-/30,-€ = regulär/ermäßigt (Tageskasse).
Marmorsaal des Presseclubs Nürnberg, Gewerbemuseums-
platz 2, Nürnberg; Gesellschaft für kritische Philosophie (GKP)
Foto: © HVD Bayern
und Humanistische Akademie Bayern (Tel. 0911-43104-0);
popper-symposium.de
15.
–
18.
JuHus
Osterferien 09 philoscience
Science Slam
in Wunsiedel
04 Montag, 15.04. bis Donnerstag, 18.04.2019 05 Donnerstag, 09.05.2019, 19.30 Uhr
Erlebnisreiche Tage für Kids von 7 bis 11 Jahren in Junge WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Diszipli-
der gastlichen Jugendherberge von Wunsiedel. nen präsentieren ihre Forschung – verständlich, anschaulich,
Foto: © unsplash.com
Kosten: 135,-€€, für HVD-Mitglieder 120,-€ spannend, mitreißend und in jeweils nur 10 Minuten.
Treffpunkt: Humanistische Grundschule Fürth, Wem gelingt das am besten?
Waldstraße 62, 90763 Fürth oder Hauptbahnhof Nürnberg. Z-Bau, Frankenstraße 200, 90461 Nürnberg.
Infos unter Tel. 0911-43104-11, jugendarbeit@hvd-bayern.de, Infos unter Tel. 0911-9443281 oder info@philoscience.de,
juhu-bayern.de philoscience.de
18#05 / April 2019 humanistisch!
26 Philosophisches Frühstück
Freiheitssuche in den
05 Determinationen des Lebens
Sonntag, 26.05.2019, 11.00 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Peter Bernhard. Jeder Mensch wird
Foto: © unsplash.com
zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort als Kind
bestimmter Eltern geboren. Durch diese Umstände scheint das
Leben vorgezeichnet: Gene und gesellschaftliche Stellung sowie
technischer Entwicklungsstand und politisches System prägen
uns. Was kann angesichts dessen „Freiheit“ bedeuten?
Eintritt 9,-€ inkl. Frühstücksbuffet, für HVD-Mitglieder frei.
21
Humanistisches Zentrum Nürnberg, Kinkelstraße 12,
90482 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-43104-0, Sommerfest
veranstaltungen@hvd-bayern.de, hvd-bayern.de
World Humanist Day
06 Freitag, 21.06.2019, 17 Uhr
Der Welthumanistentag ist der offizielle Feiertag für all
26 Philosophisches Café
Tot ohne Gott. Eine neue
jene, die ihr Leben ohne Orientierung an religiöse Vorstellun-
gen und auf Grundlage einer humanistischen Lebensauffassung
05 Kultur des Abschieds führen. Wir feiern den Sommer mit Musik, Köstlichkeiten vom
Grill und Sonnwendfeuer. Der Eintritt ist frei!
Sonntag, 26.05.2019, 17 Uhr
Humanistisches Zentrum Nürnberg, Kinkelstraße 12,
Vortrag von Prof. Dr. Franz Josef Wetz. Charlie Brown: 90482 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-43104-0,
„Eines Tages werden wir alle sterben.“ Snoopy: „Das stimmt. veranstaltungen@hvd-bayern.de, hvd-bayern.de
Aber an allen anderen Tagen nicht.“ Doch damit ist es, was
den Tod angeht, nicht ganz getan. Auf der Suche nach zeit-
gemäßem Trost „ohne Gott” lässt sich Josef Wetz weder auf
religiöse Illusionen noch auf rationale Beschwichtigungen ein.
Eintritt 6,-€ inkl. Snack, für HVD-Mitglieder frei
Café Feuerbach, Elvirastr. 17a, 80636 München. Infos
unter Tel. 0911-43104-0, veranstaltungen@hvd-bayern.de,
hvd-bayern.de
Foto: © unsplash.com
Foto: © Dutch National Archives
30 Für Mitglieder & Freunde
Sommerfrühstück
06 Sonntag, 30.06.2019, 11.00 Uhr
Sie sind herzlich zu einem sommerlichen Frühstück und
gemeinsamem Plausch eingeladen! Der Eintritt ist frei!
12
Philosophische Soiree Humanistisches Zentrum Nürnberg, Kinkelstraße 12,
Trouble with Tribbles? 90482 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-43104-0,
Die Darstellung nicht-menschlicher veranstaltungen@hvd-bayern.de, hvd-bayern.de
06 Lebensformen in Star Trek
Mittwoch, 12.06.2019, 19.30 Uhr
Und außerdem:
Vortrag von Maike Riedinger. Das Science-Fiction-Genre
GEDANKENWERKSTATT IN NÜRNBERG. jeden 2. Montag
bietet die Chance, alternative Realitäten zu schaffen und
gesellschaftliche Zustände neu zu konzipieren. Die Beziehung (immer in ungeraden KW) im Humanistischen Zentrum
zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebensformen Nürnberg, Kinkelstraße 12, 90482 Nürnberg.
ist ein wiederkehrendes Thema in den Serien und Filmen von
Star Trek. Durch verschiedene Ansätze gelingt es in Star Trek, FÜHRUNGEN IM HANDS-ON-MUSEUM TURMDERSINNE.
den Dualismus zwischen Mensch und Tier durch einen Fokus Für Kinder, Familien, Kitas, Grundschulen und außerdem
auf Diversität zu ersetzen. In Kooperation mit der Gesellschaft jeden letzten Sonntag im Monat eine öffentliche Füh-
für kritische Philosophie (GKP). Eintritt frei! rung. Anmeldung unter buchung@turmdersinne.de
Kulturwerkstatt auf AEG, EG 1.26 („Kleiner Saal“) Fürther
Straße 244d, 90429 Nürnberg. Infos unter Tel. 0911-43104-0,
Ausführlicher Terminkalender online unter hvd-bayern.de und auf
veranstaltungen@hvd-bayern.de, hvd-bayern.de
facebook.com/hvd.bayern
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