Wille, Lust und Ausdauer - Hochschule Luzern Das Magazin
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Hochschule Luzern
OKTOBER 2017
Das Magazin
FAMILIENBANDE
Erfolgsrezepte
Schweizer Traditions-
unternehmen
INTERVIEW
«Netz Natur»-Mann
Andreas Moser über
Wölfe und Veganer
ABGEDREHT
360°-Filme im Fokus
DRANBLEIBEN
Wille, Lust
und AusdauerEXPEDITION SPITZBERGEN
Eine Reise mit Experten an Bord der HANSEATIC 29. Juni bis 8. Juli 2018
Umrunden Sie an Bord der
HANSEATIC Spitzbergen
– wilde, raue Inselschönheit
und Lebensraum für eine fas-
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erfahrene Crew reagiert spontan und
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Tierbeobachtungen zu ermöglichen.
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gut, Eisbären zu sichten. Abgerundet
wird diese eindrückliche Reise durch
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Neuengasse 30, 3001 Bern, Tel. 031 313 00 22, info@background.ch, www.background.chRUBRIK
3 / 17
Konstanter
Die Hochschule Luzern ist eine von sieben
als die Zeit
öffentlich-rechtlichen Fachhochschulen
der Schweiz. Sie wurde 1997 gegründet und
wird vom Konkordat der sechs Zentralschweizer Dranbleiben: In einer Zeit, in der Veränderun
Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden,
Nidwalden und Zug getragen.
gen einem immer kürzeren Rhythmus folgen, in der
halb drohend, halb verheissungsvoll von der disrupti
Die Hochschule Luzern besteht aus folgenden
sechs Departementen: ven Kraft der Digitalisierung die Rede ist, klingt das
Technik & Architektur (Horw und Hergiswil NW)
nach einem Erfolgsrezept von vorgestern. Was heute
Innovation – seit mehr als zählt, ist Geschwindigkeit, Agilität, Kreativität, Experi
einem halben Jahrhundert
mentierlust. Und doch, wer nicht wenigstens ein Min
Wirtschaft (Luzern und Zug)
In der Zentralschweiz
destmass an Ausdauer zeigt, dranbleibt, unbeirrt von
verankert – international ausgerichtet Rückschlägen, der wird kaum Erfolg haben.
Informatik (Rotkreuz) Zwei Forscherinnen der Hochschule Luzern woll
Das grösste Informatik-Bildungsangebot
unter einem Dach
ten wissen, wie es Schweizer Familienunternehmen ge
lungen ist, Generationen, ja Jahrhunderte zu über
Soziale Arbeit (Luzern)
Innovativ und praxisnah am Puls dauern. Die Wissenschaftlerinnen konstatierten bei den
der sozialen Themen
erfolgreichen Familienunternehmen eine enorme Be
Design & Kunst (Luzern und Emmenbrücke) weglichkeit hinsichtlich ihrer Geschäftsmodelle und ih
Der Ort für Kreativität und Innovation
rer Produkte. Gleichzeitig entdeckten sie eine grosse
Musik (Luzern)
Integrale Musikausbildung
Kontinuität in Bezug auf ihre Werte. Ihre DNA ist weni
in der Musikstadt Luzern ger davon geprägt, was sie machen, sondern vielmehr
davon, wer sie sind und wie sie etwas machen.
Ein stabiles Selbstverständnis als fester Kern, von
dem aus sie sich auf neues Terrain wagen – das machen
IMPRESSUM Herausgeberin: Hochschule Familienunternehmen mit mehr Risikobereitschaft und
Luzern, Werftestrasse 4, Postfach 2969, mit längerem Atem als viele andere Betriebe. Frei von
6002 Luzern Redaktion Hochschule Luzern:
Sigrid Cariola (Chefredaktorin), Simone Busch, kurzfristigen Renditeerwartungen, leisten sie es sich, an
Valeria Heintges, Senta van de Weetering,
Mirjam Aregger, Eva Schümperli-Keller, Zielen ausserhalb des bekannten Horizonts dranzublei
Martin Zimmermann E-Mail: redaktion- ben. Tradition bedeutet für sie, eine Haltung zu haben
magazin@hslu.ch Konzept / Realisierung /
Lithos: Partner & Partner, Winterthur; und nicht um jeden Preis am Alten festzuhalten.
open up, Zürich Inserate: print-ad kretz gmbh,
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magazin@hslu.ch Druck: Druckerei Odermatt,
Dallenwil Gesamtauflage: 40’000 Exemplare
Erscheinungsweise: 3x jährlich
Dieses Magazin ist auf FSC-zertifiziertem Papier
aus nachhaltiger Forstwirtschaft gedruckt.
Foto: Pr iska Ketterer
www.facebook.com / hslu.ch
twitter.com / hslu
www.hslu.ch / magazin Sigrid Cariola, Chefredaktorin
Hochschule Luzern 3 | 2017 3keep on goin' Dorfplatz 2 • CH-6383 Dallenwil • Fon +41 (0)41 629 79 00 Fax +41 (0)41 629 79 01 • info@dod.ch • www.dod.ch
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Inhalt DOSSIER: DRANBLEIBEN
RUBRIKEN
06 SPEKTRUM
27 PLÄDOYER
44 AGENDA
46 ABSOLVENT
THEMEN
29 SELBSTHILFE
Von wegen Plauderrunde
30 360°-FILME
Voll im Film
34 KINDERBEFRAGUNG
Kinder richtig zu befragen,
kann man lernen
36 3D-SCAN Es bleibt in der Familie
12 22 «Wir liegen selten tagelang in
Auftrag: Kunst kopieren Schweizer Familienunternehmen der Pampa und warten»
zwischen Bewahren und Schon seit 30 Jahren widmet sich
39 TRANS.SAFE Erneuern – eine Spurensuche. Andreas Moser in «Netz Natur»
Stress messen, den Tieren. Eine Leidenschaft.
um Stress abzubauen 16 Anpacken,
wo der Schuh drückt Zum Greifen schön
25
40 ALPHORN UND JODELN Hochwertige Schuhe zu fairen Das Departement Design & Kunst
Musikalisches Erbe Preisen und Löhnen – eine Master- beschenkt sich zum 140. Geburts-
Absolventin zeigt, wie es geht. tag mit einem Musterbuch.
18 Chefsessel: Von der Euphorie 26 Wo bleiben Sie dran?
zur Ernüchterung Drei Angehörige der Hochschule
Führungspositionen sind für Luzern verraten, was sie
Frauen immer noch mit Risiken zum Weitermachen motiviert.
und Nebenwirkungen verbunden.
19 Das Netzwerk nutzen
Das Geschäftsmodell stetig ver-
bessern – die E-Force One AG tut
es mithilfe von Studierenden. Titelillustration: Ruth
Sternstunden. Hochschule Luzern
OKTOBER 2017
In jeder Jahreszeit.
Das Magazin
Cortinas schloss 2014 das
Bachelor-Studium in
Gut begleitet vom Studienstart
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und hocheffizient zusammen. Sportlich-agil und mit bestmöglicher Traktion haben Sie so auf jedem Terrain alles zu 100 % unter Kontrolle.
FAMILIENBANDE
Erfolgsrezepte
Schweizer Traditions-
der Hochschule Luzern ab.
Der Careers Service Club hilft, Sie lebt und arbeitet
unternehmen
42 POWER ALLIANCE INTERVIEW
«Netz Natur»-Mann
Andreas Moser über
Wölfe und Veganer
ABGEDREHT
als freischaffende Illus
Smarte Zahlenspiele für sich seinem Traumjob Schritt für
360°-Filme im Fokus
DRANBLEIBEN
Wille, Lust
und Ausdauer
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km, Energieeffizienz-Kategorie: E. Leasingbeispiel: Laufzeit: 48 Monate, Laufleistung: 10 000 km/Jahr, eff. Jahreszinssatz: 1,92 %, 1. grosse Rate: CHF 7050.–, Leasingrate ab dem 2. Monat: CHF 199.–. Exklusive Ratenabsicherung PPI. Angebot gültig bis 31.12.2017. Immatrikulation bis 31.03.2018. 2 C 220 d
4MATIC Kombi «Swiss Star», 2143 cm3, 170 PS (125 kW), Barkaufpreis: CHF 43 992.– (Fahrzeugwert CHF 57 835.– abzüglich CHF 13 843.– Preisvorteil). 4,7 l/100 km (Benzinäquivalent: 5,3 l/100 km), 124 g CO2/km (Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 134 g CO2/km), CO2-Emissionen aus Treibstoff -
und/oder Strombereitstellung: 20 g/km, Energieeffizienz-Kategorie: C. Leasingbeispiel: Laufzeit: 48 Monate, Laufleistung: 10 000 km/Jahr, eff. Jahreszinssatz: 1,92 %, 1. grosse Rate: CHF 10 550.–, Leasingrate ab dem 2. Monat: CHF 289.–. (Das abgebildete Modell kann vom Angebot abweichen.) Angebot
gültig bis 31.12.2017. Immatrikulation bis 31.03.2018. 3 C 250 d 4MATIC Limousine «Swiss Star», 2143 cm3, 204 PS (150 kW), Barkaufpreis: CHF 44 086.– (Fahrzeugwert CHF 57 935.– abzüglich CHF 13 849.– Preisvorteil). 4,6 l/100 km (Benzinäquivalent: 5,2 l/100 km), 122 g CO2/km (Durchschnitt aller
verkauften Neuwagen: 134 g CO2/km), CO2-Emissionen aus Treibstoff - und/oder Strombereitstellung: 20 g/km, Energieeffizienz-Kategorie: B. Leasingbeispiel: Laufzeit: 48 Monate, Laufleistung: 10 000 km/Jahr, eff. Jahreszinssatz: 1,92 %, 1. grosse Rate: CHF 10 150.–, Leasingrate ab dem 2. Monat: CHF 299.–.
(Das abgebildete Modell kann vom Angebot abweichen.) Angebot gültig bis 31.12.2017. Immatrikulation bis 31.03.2018. Eine Kreditvergabe ist verboten, falls diese zu einer Überschuldung des Leasingnehmers führen kann. Unverbindliche Preisempfehlungen. Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 134 g CO2/
km. Leasingangebote: Exklusive Ratenabsicherung PPI. Ein Angebot der Mercedes-Benz Financial Services Schweiz AG. Vollkaskoversicherung obligatorisch. Alle Preise in CHF und inkl. MWST. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Ennetbürgen nur Aftersales. Mehr Informationen auf unserer Webseite.
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Hochschule Luzern 3 | 2017 5SPEKTRUM
Design Preis Schweiz:
Simon Barmettler Geo-Apps und leuchtende Textilien
erleichtert Marroni-
Fans den Genuss
Marroni, die sich nur schwer schälen lassen
– damit ist bald Schluss: Simon Barmettler
hat in seiner Bachelor-Arbeit die Klemm
vorrichtung für eine Marroni-Schneidema
schine entwickelt. Sie soll bei einem Luzer-
ner Marroniverkäufer zum Einsatz kommen
und die Schnittqualität deutlich erhöhen.
Studienkolleginnen und -kollegen tüftelten Lorem ipsum 2 Zeiler
an der Maschine mit; Barmettler war Lorem ipsum 2 Zeiler
zuständig für das korrekte Ausrichten und
Festklemmen der Marroni vor dem Schnitt,
der zwischen Triebspitze und Wurzelboden
mittig über den Kastanienrücken führen
soll. «Die unterschiedlichen Grössen und
Formen der Früchte waren eine Heraus
forderung», erzählt der frischgebackene
Maschineningenieur, den es in der Freizeit
in die Berge zieht. Von den Marroni wech-
selt er nun zu den Kaffeebohnen: In seinem
ersten Job nach dem Studium entwickelt
er Kaffeevollautomaten. Eine neue
Studierendengeneration arbeitet unter
dessen weiter an der Schneidemaschine.
Im übernächsten Winter soll der Prototyp
die Attraktion am Marronistand sein.
Eine App für geologische Informationen, «greifbare» Mode und LED-Lichter in Textilien –
drei Projekte der Hochschule Luzern sind für den Design Preis Schweiz nominiert.
Gleich drei Projekte des Departements stücke zu kreieren oder Vorhänge, die
Design & Kunst der Hochschule Luzern ihre Farbmuster dem Tageslicht anpas-
wurden dieses Jahr für den renommierten sen. Beide Projekte wurden für den Preis
Design Preis Schweiz nominiert: Samuel in der Kategorie Research vorgeschlagen.
Frei und Axel Vogelsang erforschten Für ihre Bachelor-Arbeit «Begreif-
im Projekt ALE, wie sich geologische bar» entwickelte Textildesign-Absolven-
Informationen über das UNESCO-Welt- tin Selina Peyer Kleidungsstücke, die
kulturerbe Tektonikarena Sardona vor sich durch ihre besondere Haptik auch
Ort in der Natur auf mobilen Geräten an Sehbehinderte richten. Die Aargau-
vermitteln lassen. Die Ergebnisse flossen erin verfügt selbst nur über ein einge-
in die Entwicklung einer Smartphone- schränktes Sehvermögen. «Begreifbar»
App ein. Im Projekt «e-Broidery 2.0» wurde für den «Rado Star Prize Swit-
haben Isabel Rosa Müggler Zumstein zerland for Young Talents» nominiert.
und ihr Team farbige LED-Lichter in Der Design Preis Schweiz wird am
Simon Barmettler tüftelte für seine Bachelor- Textilien verwoben. Dies erlaubt Textil- 3. November 2017 in Langenthal BE
Arbeit an einer Marroni-Schneidemaschine. Designern, mit Licht zu arbeiten und verliehen.
beispielsweise leuchtende Kleidungs- www.designpreis.ch
6 Hochschule Luzern 3 | 2017SPEKTRUM
Bessere Sitzungszimmer, bessere Resultate
Bis zu fünfzehn Stunden verbringen Büro- Stühle sowie ovale Tische nachgefragt. Ge- Amstutz. Die beiden Wirtschaftspartner
mitarbeitende im Durchschnitt jede Woche nerell zeigen die Resultate aber: Das Ge- der Studie, die Bürospezialisten Lista Office
in Sitzungszimmern. Ein von der Kommis- wohnte setzt sich durch. «Das kann auch LO und Girsberger, nutzen die Erkenntnisse
sion für Technologie und Innovation (KTI) daran liegen, dass viele nichts anderes ken- nun zur Entwicklung neuer Ausstattungs-
unterstütztes Projekt der Hochschule Lu- nen und sich nicht recht vorstellen können, elemente für Sitzungszimmer.
zern zeigt Zusammenhänge von Raumqua- wie es anders und besser sein könnte», so www.hslu.ch/cctp
lität, Ausstattung und Sitzungsergebnissen
auf und fragt, wie Meetingräume gestaltet
sein müssten. Ein Fünftel der Befragten ist
«ziemlich bis ausserordentlich unzufrieden»
mit den Sitzungszimmern. «Dies sollte zu
denken geben», sagt Projektleiterin Sibylla
Amstutz. Denn die Studie zeige auch auf,
dass nach subjektiver Einschätzung der
Befragten in besseren Sitzungszimmern
bessere Resultate erzielt werden. Wichtig
seien vor allem eine gute Luftqualität, ein
angenehmes Licht und eine akustische Ab-
trennung vom Rest der Büros. Geht es um
die Raumstimmung, werden helle Farben
und natürliche Materialien bevorzugt im
Gegensatz zu einem transparenten oder
metallischen Stil. Bei der Ausstattung
werden gepolsterte und höhenverstellbare Helle Farben und gutes Licht: So könnte der optimale Sitzungsraum aussehen.
Hören Sie gerne klassische Musik?
Fotos: Hochschule Luzer n, Forster Rohner Textile Innovations, zVg, T hinkstock Photos
Ihre Meinung interessiert uns.
Im Zeitalter von Amazon, YouTube und Spo-
tify steht eine nahezu unbegrenzte Auswahl an
Musik zur Verfügung. Wie entscheiden wir, was
wir hören wollen, und wodurch wird unsere
Meinung über klassische Musik beeinflusst?
Diesen Fragen geht die Hochschule Luzern in
einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der
Universität Sheffield (UK) auf den Grund. Für die
Online-Umfrage werden noch Teilnehmerinnen
und Teilnehmer gesucht.
www.hslu.ch/reviewimpact
Hochschule Luzern 3 | 2017 7SPEKTRUM
Innovationspark
Zentralschweiz:
Standort Rotkreuz
Der Verein Innovationspark Zentral
schweiz entschied Ende August, die De-
tailplanung für den künftigen Innovati-
onspark Zentralschweiz auf den Standort
Suurstoffi in Rotkreuz auszurichten. Dort
betreibt der Verein bereits seit einigen
Monaten sein Provisorium. Nach derzei-
tiger Planung wird der Innovationspark
Zentralschweiz im Januar 2019 definitiv
in Betrieb gehen. Hier sollen Ideen und
Innovationen rund um das Schwerpunkt-
thema «Building Excellence» gefördert wer-
den. Der Hochschule Luzern ist die Rolle
als «Main Academic Research Partner»
zugedacht – sie vereinigt sowohl Kom-
petenzen in der Informatik und der Ge-
bäudetechnik als auch in der Architektur
und im Immobilienmanagement.
www.building-excellence.ch
14’529 Diplome
Ihr IT Systemintegrator für Cloud
Die Hochschule Luzern feiert
Services, DataCenter- und Infor- heuer ihr 20-Jahr-Jubiläum.
mation Management-Lösungen Sie wurde 1997 als eine der ersten
Fachhochschulen der Schweiz
– seit 1988
gegründet. Die ersten 223 FH-
Diplome konnten 2000 verliehen
werden. 2016 waren es 1’414.
Bis heute konnten 14’529 Männer
und Frauen ihr Studium
absolvieren und die Hochschule
Luzern mit einem Diplom in der
WWW.INFONIQA.CH
Tasche verlassen.
8 Hochschule Luzern 3 | 2017SPEKTRUM
Ramon Spahr
Patientendossiers vor
Hackern schützen
1
2
Schweizerinnen und Schweizer haben seit
April 2017 die Möglichkeit, elektronische
Kontaktloses Achszählen: Patientendossiers anzulegen, auf die sie
1 Fahrzeugprofil- und Typ- und ihre Ärzte von überallher Zugriff
erkennung mit Laserscanner haben. Der erleichterte Zugang ist nicht
2 Achserkennung mit Kamera ganz frei von Risiken: «Hacker könnten die
sensiblen Daten stehlen», sagt Software-
Genauer Achsen zählen
Ingenieur Ramon Spahr. In seiner Master-
Arbeit hat der 30-Jährige deshalb eine
sogenannte kryptografische Zugriffskont
Eine Messgenauigkeit von mindestens die Verkehrsüberwachung vor allem rolle für die Dossiers entwickelt. Die Daten
98 Prozent – so hiess zu Beginn das Ziel Videokameras eingesetzt. Dann ging sind dabei online immer in verschlüsselter
des Projekts «Kontaktlose Achserfas- die Tendenz lange hin zu Laser, weil Form gespeichert. «Nur die Patienten
sung für die Verkehrsüberwachung». diese robuster waren. Wir haben nun selbst oder berechtigte Personen dürfen
Foto: André Bolliger, zVg; Illustration: Par tner & Par tner / Istockphoto
Die 98 Prozent beziehen sich auf die die Vorteile beider Systeme kombiniert», die Dossiers nach dem Herunterladen
Messung der Anzahl Achsen von Last- sagt Projektleiter Klaus Zahn. Das auf dem Handy oder Computer entschlüs
wagen, die für viele Länder die Grund- Zusammenfügen der Bilder erfordert seln», erläutert Spahr. So entscheiden
lage für die Höhe der Strassengebühr allerdings vom Prozessor eine hohe Re- allein sie darüber, wer die Daten einsehen
ist. Die Kommission für Technologie chenleistung in sehr kurzer Zeit. Durch darf, und die Dossiers bleiben auch bei
und Innovation (KTI) unterstützte das ein Herunterskalieren der Algorithmen einem Hackerangriff auf die Online-Netz
Projekt des Kompetenzzentrums Intel- gelang es Klaus Zahns Team, der SICK werke sicher. Übrigens: Spahr gehört zu
ligent Sensors and Networks und des System Engineering AG eine Software den ersten Absolventen des 2016 gegrün
Systemanbieters SICK System Enginee- zu übergeben, die sich mit geringem deten Departements Informatik. Der aus
ring AG. Das Ergebnis überbietet das Aufwand in die bestehenden Systeme Worb stammende Berner, der seine Freizeit
ursprüngliche Genauigkeitsziel sogar. einbauen lässt, mit den Umgebungsbe- am liebsten auf Reisen oder in den Bergen
Die höhere Genauigkeit wird durch dingungen auf der Strasse klarkommt verbringt, konnte sein Diplom in Master of
eine Kombination von Laser- und Vi- und die das kontaktlose Achszählen für Science in Engineering, Schwerpunkt ICT,
deokamera erreicht, deren Daten zu die Kunden genauer macht. zusammen mit 98 weiteren Absolventin
einem Gesamtbild zusammengefügt nen und Absolventen entgegennehmen.
werden. «Ursprünglich wurden für www.hslu.ch/iimsn www.hslu.ch/informatik
Hochschule Luzern 3 | 2017 9DOSSIER: DRANBLEIBEN
Wille, Lust
und Ausdauer
Sich nicht mit dem Status quo zu
frieden geben – die Leidenschaft für eine
ganz bestimmte Sache vereint die Pro-
tagonisten dieses Dossiers. Die einen hin
terfragen Gewohnheiten oder probieren
neue Kanäle aus. Andere wiederum
setzen für Neues auf bewährte Partner
schaften. Für das gesteckte Ziel gilt: Steter
Tropfen höhlt den Stein. Dranbleiben,
auch wenn es mal nicht so rund läuft, ist
Illustration: Ruth Cor tinas
dabei keine blosse Floskel. Trotzdem weiter
machen, lautet das Grundprinzip, das
allem zugrunde liegt. Denn die Lösung liegt
irgendwo da draussen und wartet darauf,
entdeckt zu werden.
Hochschule Luzern 3 | 2017 11DOSSIER: DRANBLEIBEN
Die Schweizer Gastfreundschaft ist besser als ihr Ruf. Im Bild: Ein Gästebegleiter
der Stanserhorn-Bahn, die ihre Mitarbeitenden bewusst im Umgang mit Gästen
schult.
Pfeiler der Schweizer Wirtschaft: Familienunternehmen wie die Trisa AG sorgen seit Jahrhunderten für Arbeitsplätze.
Es bleibt in der Familie
Viele bekannte Schweizer Familienunternehmen können sich seit Jahrhunderten
auf dem Markt behaupten. Forscherinnen der Hochschule Luzern
haben untersucht, wie die Familienunternehmen es schaffen, so lange im
Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition zu überleben.
Schweizer Familienunternehmen weitergegeben und sind auch Jahrhun- ins Unternehmen ein; 1955 zieht das Un-
beschäftigen 60 Prozent aller Arbeitskräfte derte nach ihrer Gründung noch immer in ternehmen nach Dietikon; und 2013 wird
und erwirtschaften zwei Drittel des Brut- Familienbesitz. Im Handelsunternehmen zum 250-Jahr-Jubiläum ein rauschendes
toinlandproduktes; auch weltweit sind Pestalozzi etwa ist bereits die neunte Ge- Fest gefeiert. Wie schafft es eine Familie,
Familienunternehmen die Pfeiler der Wirt- neration am Ruder: 1763 gründete Johann so lange ein Unternehmen zu führen, die
schaft. Viele bekannte Traditionsunterneh- Heinrich Wiser nahe der Kirche St. Peter in geeigneten Nachfolger zu finden sowie
men wie Victorinox, Kambly oder Bernina Zürich einen Eisenhandel; 1850 tritt mit den richtigen Riecher für den Markt zu
werden von Generation zu Generation einem Schwiegersohn der erste Pestalozzi haben, dass es sich vom kleinen Eisenhan-
12 Hochschule Luzern 3 | 2017DOSSIER: DRANBLEIBEN
del zum spezialisierten Unternehmen in Firmen oft nur noch wenig mit dem der der 250-Jahr-Jubiläumsschrift der Pesta-
Sachen Haus- und Stahltechnik, Logistik Gründer zu tun: Etwa der Grossbetrieb der lozzi-Gruppe. «Gerade unter diesem Ge-
und Gebäudehülle wandelte? Kambly AG mit der Bäckerei von 1906, die sichtspunkt haben grosse internationale
Diese Fragen haben Claudia Astrachan Trisa AG mit der Bürstenfabrik von 1887 Konzerne keine grossen Vorteile – oftmals
und Sylvie Scherrer vom Institut für Be- oder Victorinox mit der Messerschmiede sogar eher Nachteile.» Die Familienun-
triebs- und Regionalökonomie IBR der von 1884. ternehmen sind zudem sehr stark mit
Hochschule Luzern untersucht. Ihr Bericht ihrer Region verwurzelt – zum Nutzen
«Langlebige Unternehmerfamilien – überle- Die lernende Familie Wie aber schafft beider Seiten. Das zeigt ein Blick in die
bensfähige Familienunternehmen. Worauf man es, in einer Familie zukunftsorientiert Geschichte von Victorinox: Die Messer-
über Generationen erfolgreiche Unterneh- zu bleiben? Ihre Ergebnisse fassen die For- schmiede wurde 1884 nicht in erster Linie
merfamilien achten» beinhaltet sehr kon- scherinnen in drei Kapiteln zusammen. gegründet, um möglichst viele Sackmes-
krete Ergebnisse sowie neun Handlungs- Das erste ist «Die lernende Familie»: «Diese ser zu verkaufen. Vielmehr gründete Karl
empfehlungen, die von «Stärken Sie den Familie meistert den Balanceakt zwischen Elsener seinen Handwerksbetrieb, um der
Familienzusammenhalt» über «Keine Angst Stabilität und Veränderung. Sie ehrt zwar starken Abwanderung aus dem Schwyzer
vor Konflikten» bis hin zu «Die Familie hat die Vergangenheit, scheut sich aber nicht Talkessel entgegenzuwirken. Konsequen-
eine Bringschuld» reichen. Die Studie, für davor, zum Wohle des Unternehmens terweise entschied sich im Jahr 2000 die
die sie 13 erfolgreiche Schweizer Unter- und der Familie mit Traditionen zu bre- Familie Elsener einvernehmlich dafür,
nehmen befragten, ist wissenschaftlich ab- chen». Familienunternehmen haben bei Unternehmen und Familie zu trennen.
gestützt. Doch den beiden Forscherinnen Veränderungen den Vorteil, dass sie sich Sämtliche Familienmitglieder waren sich
war es wichtig, dass der Bericht möglichst über die Jahre einen festen Kunden- und einig, dass es für das langfristige Überle-
konkrete Anregungen vermittelt. Lieferantenstamm aufbauen konnten und ben des Unternehmens das Beste sei, die
«Am meisten überrascht hat mich, zu diesem sehr enge Beziehungen pflegen: Aktien in zwei Stiftungen zu überführen.
dass sich die Familien in dem spannen- «In unserer Branche ist der nahe Kontakt Die Unternehmensstiftung, die mit 90
den Zusammenspiel von Bewahren und zu den Kunden entscheidend», schreibt Prozent der Aktien finanziert wird, soll
Erneuern befinden», sagt Sylvie Scherrer. Geschäftsführer Matthias Pestalozzi in ein nachhaltiges Wachstum ermöglichen
Obwohl funktionierende Fa- und langfristig Arbeitsplätze
milienunternehmen ein sehr sichern; die gemeinnützige
starkes Bewusstsein für die Stiftung mit zehn Prozent der
Tradition haben und diese Aktien unterstützt wohltätige
sorgfältig pflegen, sei es kein Projekte.
Widerspruch, risikofreudig
zu sein und sich auf Neues Die geeinte Familie Pro-
einzulassen. So sagte einer bleme können etwa entste-
der Interviewten: «Stabilität hen, wenn einer investieren
erreiche ich nur, indem ich möch te, die anderen ihm
mich immer wieder verändere, aber nicht folgen mögen. Hier
immer wieder einen Ausweg kommt «Die geeinte Familie»
aus der Situation finde. Wir (Kapitel 2) ins Spiel: «Die Fami
sind jetzt 100 Jahre alt – nur lienmitglieder verpflichten sich
weil wir jetzt gerade etwas gut auf ein gemeinsames, über-
machen, heisst das nicht, dass geordnetes Ziel und akzep-
dies auch in drei, vier Jahren tieren, dass ihre individuellen
noch gut genug ist.» Lang- Bedürfnisse dem nachhaltigen
lebige Familienunternehmen Gedeihen des Unternehmens
beziehen sich zwar immer unterzuordnen sind», heisst
Fotos: Tr isa Gr uppe, Kambly
wieder auf ihre Traditionen, es in der Studie. So kann ein
ihre Geschichte bis hin zum Familienunternehmen, wenn
Gründer, doch ist gerade der sich die Entscheider einig
ein Vorbild für Innovation, sind, einen weiteren Vorteil
Mut und Risikofreude. So hat Der heutige Kambly-Geschäftsführer Oscar A. Kambly (Mitte) ausspielen: Viele Familien-
das heutige Geschäftsfeld der mit Vater (rechts) und Grossvater (links). unternehmen legen Wert
Hochschule Luzern 3 | 2017 13DOSSIER: DRANBLEIBEN
«Die Beteiligung der Mitarbeitenden
ist unser Erfolgsfaktor»
Adrian Pfenniger führt in vierter Generation mit seinem Bruder
Philipp zusammen die Trisa AG. Ein Gespräch über Werte, Mitsprache
und die Abneigung gegen Friede, Freude, Eierkuchen.
Adrian Pfenniger, Sie führen die Trisa AG in in unserem Management-Team und in
der vierten Generation. Sehen Sie sich als Be- der Familie wissen wir, wie man damit
wahrer, als Verwalter oder als Gestalter? umgeht, wenn man anderer Meinung ist:
Wir sehen uns als aktive Gestalter, die Eine gute Gesprächs- und Konfliktkultur
mit Zukunftsglauben ans Werk gehen. ist entscheidend. Und die ist weit weg von
Unsere Vorfahren gründeten einen Hand- Friede, Freude, Eierkuchen.
werksbetrieb; mittlerweile sind wir eine
Gruppe von Hightech-Unternehmen. Wir Die fünfte Generation steht mit sieben Buben
diversifizieren in komplett neue Gebiete bereit. Wie führen Sie diese an das Unterneh-
und verlassen andere wieder. Dieser Pio- men heran?
niergeist der Gründerzeit herrscht bei uns Selbstverständlich sind alle Türen offen,
nach wie vor. wir informieren, sie können mitarbeiten
und Praktika machen. Es ist durchaus
Was verbindet Sie sonst noch mit dem Hand- möglich, dass dereinst jemand die Fa-
werksbetrieb von 1887? Adrian Pfenniger trat 1989 als Export milientradition weiterführt. Wir wollen
Bei den Produktionsmethoden ist kein Manager in die Firma Trisa ein. jedoch nicht allzu stark motivieren. Mein
Er ist seit 2005 CEO und seit 2010
Stein auf dem anderen geblieben. Wir VR-Präsident der Trisa Holding AG.
Bruder und ich hatten die Freiheit, unter-
entwickeln pausenlos neue Produkte und nehmerisch tätig zu sein, auch die Gene-
Verfahren. Hingegen haben Grundwerte ration meines Vaters hatte sie. Druck ist
wie Vertrauen, Offenheit, Führen durch kontraproduktiv und ein Bärendienst für
Vorbild, die Mitsprache der Mitarbeitenden, die involvierten Personen und das Unter-
die Kommunikation und die Freude an der Nein. Wir führen das bewusst weiter, auch nehmen. Interview: Valeria Heintges
Arbeit Jahrhunderte überdauert. In einem mit einer Erfolgsbeteiligung für alle Mitar-
Umfeld, das sich ständig verändert, gibt beitenden. Das ist heute unser wichtigster
das Sicherheit und innere Stabilität. Dieser Erfolgsfaktor. Es braucht dieses Klima des
Trisa-Spirit ist schriftlich verankert, er ist Vertrauens und der Mitsprache. Die Ar-
unsere Kultur, ein bisschen die Persönlich- beit kann nichts ohne das Kapital machen
keit des Unternehmens. Die Formulierung und das Kapital nichts ohne die Arbeit.
ist jedoch nur eine Seite, viel entscheidender So sind wir eigentlich eine Interessen-
ist, wie das täglich gelebt wird. gemeinschaft. Trisa Gruppe
Die Trisa Gruppe ist in den Berei-
Das Vertrauen in die Mitarbeitenden hat Ihr Sie sind als CEO für Marketing, Verkauf und chen Mundpflege, Schönheitspflege
Vater Ernst Pfenniger in der Organisations- Entwicklung zuständig, Ihr Bruder Philipp für und Haushalt tätig. Sie beschäftigt
struktur verankert: Jeder bekommt eine Aktie Produktion, Logistik und Technik. Funktioniert 1’100 Mitarbeitende und erzielt
am Unternehmen, die Belegschaft hält gegen die Zusammenarbeit reibungslos? einen Umsatz von 220 Mio. Franken.
30 Prozent der Aktien, die Familie Pfenniger Nein. Und das soll sie auch nicht. Verschie- Sie vertreibt ihre Produkte in über
70 Prozent. Das Mitspracherecht ist aber pa- dene Meinungen sind wichtig – nur so 80 Ländern.
ritätisch, 50:50. Haben Sie das je bereut? entstehen gute Ideen, neue Sachen. Auch www.trisa.ch
14 Hochschule Luzern 3 | 2017DOSSIER: DRANBLEIBEN
auf eine hohe Eigenkapital- damit das unverdächtig ist.»
quote; sie können schnell Die beiden Forscherinnen
investieren, ohne Fremdka- diskutieren einige Steuerungs-
pital aufzunehmen und sich instrumente, um die – viele
von Geldgebern abhängig Generationen und Familien-
zu machen. Der langfristige zweige umfassende – Familie
Horizont erlaubt Familien- professionell zu führen: Eine
unternehmen, mehrjährige Familienstrategie und eine
Forschungs- und Entwick- -verfassung, die gemeinsame
lungsprojekte anzugehen, die Werte festschreibt; einen
Publikumsgesellschaften ver- Familientag, in dem auch
meiden würden. «Wir waren weit entfernt voneinander
nie – im Gegensatz zu welt- lebende Familienmitglieder
weit tätigen Firmen mit gros- sich regelmässig treffen, um
sen Konkurrenten – zu einem später einmal gemeinsam
Wachstum gezwungen, das Die neunte Generation: Matthias und Muriel Pestalozzi das Unternehmen zu füh-
den Einsatz von ausserfami- mit ihren Kindern. ren; einen Familienrat, der
liärem Kapital nötig gemacht sich mehrfach jährlich trifft,
hätte», schreibt Matthias um vor allem Mitglieder, die
Pestalozzi. Auch Oscar A. Kambly sagt: «Ohne gemeinsame Werte nicht am operativen Geschäft beteiligt sind,
«Mein Planungshorizont ist mein ganzes basis und eine Vision informieren zu können. «Eine professio-
Leben und das meiner Nachfolger, nicht wird es schwierig für die nelle Familie nutzt vielfältige Instrumente,
der Quartalsbericht.» Seine Ziele müssten langfristige Sicherung eines um die Schnittstelle zwischen Familien-
auch für seine Kinder und Kindeskinder Familienunternehmens.» verbund und Unternehmen effektiv zu
noch gute Ziele sein. Claudia Astrachan, Hochschule Luzern
handhaben, den Kommunikationsfluss
Nicht alle Unternehmen formulieren innerhalb der Familie sowie zwischen Fa-
das Anliegen, dass individuelle Bedürfnisse milie und Unternehmen zu steuern und
dem Wohl des Unternehmens unterzu- mit Konflikten umzugehen», schreiben die
ordnen seien, so deutlich wie Kambly. Erfolgsfaktoren ist», sagt sein Sohn Adrian Forscherinnen. Doch ist Claudia Astrachan
Doch viele berufen sich auf moralische Pfenniger im Interview. überzeugt: «Man kann eine Nachfolge noch
Kriterien. So zitiert die Trisa AG auf der so genau planen und so viele Verträge
Website unter dem Punkt «Mission und Die professionelle Familie Doch wie schreiben und Regeln definieren wie man
Grundhaltung» Ernst Pfenniger, den Va- stellt man sicher, dass sich die Fami- will – viel wichtiger ist es, sicherzustellen,
ter des heutigen CEO Adrian Pfenniger: lie nicht zerstreitet oder jedes Mitglied dass die Familie geeint ist und gemeinsam
«Persönlich glaube ich an Gott und das eigenen Ambitionen nachgeht und die etwas erreichen will. Wenn eine Wertebasis
Gute im Menschen! Daraus folgere ich, Familie das Unternehmen an die Wand und eine Vision fehlen, die alle begeistern,
dass wir hier auf dieser Welt eine Sendung fährt? Im Kapitel «Die professionelle dann wird es schwierig.» Valeria Heintges
zu erfüllen haben. Was ist die Aufgabe des Familie» gibt die Studie konkrete Empfeh-
Unternehmers? Aus meiner Sicht soll er lungen, wie sich die Eigentümerfamilie
Arbeit schaffen und Freude an dieser Ar- selbst managen soll. Dazu gehört zum
beit vermitteln. Wer mit Freude etwas tut, einen die Förderung guter Mitarbeiter, Forschung und Forum
Jährlich veranstaltet das Institut
Foto: zVg, Pr ivatarchiv Matthias Pestalozzi
der leistet mehr. Davon sollen alle profitie- aber auch, rechtzeitig einen geeigne-
ren.» Ernst Pfenniger hat diese Werte in der ten und gut ausgebildeten Nachfolger für Betriebs- und Regionalöko-
Trisa-Eigentümerstruktur verewigt: Jeder aufzubauen. «Wir wollen von unseren nomie IBR ein Forum für Familien-
Mitarbeitende bekommt bei Firmeneintritt Mitarbeitenden und auf dem Arbeits- unternehmen. Das nächste
eine Aktie; die gesamte Belegschaft hält markt als professionell wahrgenom- findet am 1. Februar 2018 in Luzern
rund 30 Prozent der Aktien, 70 Prozent men werden», sagt Carl Elsener von zum Thema «Sind Sie zukunfts
verbleiben in Familienbesitz. Doch bei Victorinox AG. «Wenn man einem Famili- fähig? Familien und Unternehmen,
Entscheidungen haben beide Parteien 50 enmitglied einen Posten gibt, muss er oder die mit der Zeit gehen» statt. Der
Prozent der Stimmen. «Ich bin überzeugt, sie mindestens gleich gut sein wie der ex- Forschungsbericht ist publiziert unter:
dass das heute einer unserer wesentlichen terne Kandidat – eher fünf Prozent besser, blog.hslu.ch/familienunternehmen
Hochschule Luzern 3 | 2017 15DOSSIER: DRANBLEIBEN
Anpacken,
wo der Schuh drückt
Schuhe sind die grosse Leidenschaft von Catalina Jossen Cardozo. Jedoch nicht
für den Gebrauch oder als begehrte Sammlerobjekte – vielmehr entwickelt
die Master-Absolventin und Jungforscherin eine Online-Plattform, die kolumbianische
Schuhmacher mit Designern und Kunden zusammenbringt.
Das Ziel von By Maria: Hochwertige Schuhe aus Kolumbien zu fairen Preisen und Löhnen.
Rund 55 Millionen Paar Schuhe selbstständige Unternehmerin und Be rum stand für mich die Frage: Wie kann
werden jährlich in Kolumbien produ- raterin in der Branche gearbeitet. ich Kleinproduzenten, Designer und End-
ziert und in die ganze Welt exportiert. kunden miteinander verbinden und eine
Damit gehört die Schuhproduktion zu Nachhaltig und fair Der Liebe wegen nachhaltige Schuhproduktion fördern?»,
den wichtigsten Wirtschaftszweigen des zog Catalina Jossen Cardozo 2014 in die so die 35-Jährige. Ihre Idee: Eine Online-
südamerikanischen Landes. Aufgrund Schweiz und entschied sich für ein Master- Plattform inklusive 3D-Baukasten, mit der
der zunehmenden Konkurrenz aus China Studium am Departement Design & Kunst Designerinnen und Designer Schuhe ent-
steigt jedoch der Druck – vor allem auf die der Hochschule Luzern. Von Anfang an war werfen und in Kolumbien in kleiner Auflage
vielen kleinen Werkstätten. «Für die läuft ihr klar, dass sie sich in ihrer Master-Thesis und hochwertiger Handarbeit produzieren
es alles andere als gut», sagt Catalina Jossen der Schuhindustrie ihres Heimatlandes lassen können. Endverbraucher erwerben
Cardozo. Sie muss es wissen: Sechs Jahre widmen wollte, aber nicht als Designerin die grösstenteils massgearbeiteten Produkte
lang hat die gebürtige Kolumbianerin als von schicker Fussbekleidung. «Im Zent- zu einem vernünftigen Preis, und die kolum-
16 Hochschule Luzern 3 | 2017DOSSIER: DRANBLEIBEN
bianischen Schuhmacher erhalten «Wenn sie nicht überzeugt sind,
einen fairen Lohn und werden di- dann kommt das Tool nie zum
rekt am Verkaufserlös beteiligt. Fliegen», sagt Catalina Jossen Car-
dozo. Wie kann beispielsweise die
Erst Master-Arbeit, dann gesamte Palette von Einzelteilen
Forschungsprojekt Für ihre eines Schuhs – Sohlen, Absätze,
Arbeit namens «By Maria» er- verschiedene Obermaterialen
hielt Catalina Jossen Cardozo im oder Verschlüsse – attraktiv prä-
letzten Jahr eine Auszeichnung sentiert werden? Wie die Anlei-
für herausragende Absolventen tungen zur Vermessung eines
der Hochschule Luzern. Über- Fusses oder ganz generell die
zeugt war auch das Gremium Kommunikationswege im Tool
von «Bridge»: Das neue Förder- auf ansprechende und verständli-
programm des Schweizerischen che Art gestaltet sein? Laut Jossen
Nationalfonds (SNF) und der Cardozo bewege man sich hier
Kommission für Technologie zwischen hohem Design-An-
und Innovation (KTI) richtet spruch und bescheidenen finan-
sich an junge Forschende, die ihre ziellen Möglichkeiten. Schwierig
Erkenntnisse zu konkreten An- sei es gewesen, dies einem IT-Spe-
wendungen oder Dienstleistun- zialisten zu vermitteln, erinnert
gen weiterentwickeln. 101 Ideen sich Jossen Cardozo. «Lange hat es
wurden bei der ersten Ausschrei- gedauert, bis wir jemanden für die
bung eingegeben und elf – dar- Programmierung der Plattform
unter «By Maria» – ins Programm fanden, der verstanden hat, dass
aufgenommen. Ein Grund für den wir uns noch ganz am Anfang
Entscheid: Das Konzept von Ca- befinden und es nicht sicher ist,
talina Jossen Cardozo hat auch ob und wann sich damit wirklich
Potenzial für traditionelle Hand- Geld verdienen lässt.» Um einen
werksindustrien in der Schweiz, Online-Shop à la Zalando geht es
die generell stärker im Mittel- bis auch nicht: «Für uns ist zunächst
Hochpreissegment angesiedelt einmal zentral zu überprüfen, ob
sind. unser Konzept überhaupt funkti-
oniert. Erst wenn wir Erfahrungen
Eine Stiftung für Schuhma gesammelt haben, können wir
Das preisgekrönte Forschungsprojekt der Absolventin
cher Dank des Bridge-Pro- Catalina Jossen Cardozo verbindet Schuhmacher mit die Website ausbauen und dann
gramms kann die Jungforsche- Designern und Kunden. auch ein 3D-Tool für Designer
rin ihre Arbeit mit einem kleinen programmieren lassen», so Jossen
internationalen Team fortführen. Cardozo. Dem Praxistest schreitet
«In Bogotá veranstalteten wir sie nun strammen Schrittes entge-
Workshops mit interessierten Schuhma- tig, dass diese das Ganze nicht als blosses gen: Noch dieses Jahr sollen die Testversion
chern. Wir analysierten, wie sie ihre Arbeit Geschenk sehen», betont Jossen Cardozo. der Plattform online und die ersten Schuhe
bisher organisieren, welche Materialien Daher verpflichten sich die Schuhmacher, «Made by Maria» in Produktion gehen.
sie zur Verfügung haben und was sie an sich längerfristig im Projekt zu engagieren Simone Busch
zusätzlicher Ausrüstung oder Know-how und regelmässig an kostenlosen Weiterbil-
benötigen.» Um die Schuhmacher vor Ort dungen teilzunehmen. «Schliesslich soll der Weitere Informationen unter:
besser unterstützen zu können, wurde die Endkunde hochwertige Produkte erhalten.» www.bymaria.ch
«By Maria»-Stiftung gegründet. Diese stellt
Fotos: John Espitia
beteiligten Werkstätten kostenlos Gerät- Nachhaltigkeitskonzept testen Nicht Noch mehr Eindrücke
schaften zur Verfügung und übernimmt nur die Bedürfnisse der Schuhmacher, son- Videos und Bilder zum Projekt
sogar Sozialleistungen für die Mitarbei- dern auch jene von Designern und Käu- finden sich unter:
tenden der Kleinbetriebe. «Uns ist es wich- fern wurden in Workshops eruiert, denn: www.hslu.ch/mz2601
Hochschule Luzern 3 | 2017 17DOSSIER: DRANBLEIBEN
Chefsessel: Von der Euphorie
zur Ernüchterung
Noch nie waren so viele Frauen in der Schweiz so gut ausgebildet wie heute.
Trotzdem stagniert ihr Anteil in Führungspositionen. Wie eine Studie der Hochschule Luzern
zeigt, ist der berufliche Aufstieg für Frauen mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden.
Es wäre fast zum Lachen, wenn es Zufriedenheitsfaktoren eruieren Für
nicht nachdenklich stimmen würde: Es die Studie wurden Daten von über 5’000
gibt Unternehmensvorstände, in denen Personen aus dem Schweizer Haushalts-
sind mehr «Peter» vertreten als Frauen. Der Panel (SHP) von 2000 bis 2015 ausgewertet,
Frauenanteil in Führungspositionen in der eine wissenschaftliche und repräsentative
Schweiz ist heute mit 36 Prozent in etwa Langzeitstudie. Darunter finden sich 20
so gross wie vor zehn Jahren. Trotz der vie- Prozent der Männer und 10 Prozent der
len gut ausgebildeten Frauen – sie stellen Frauen mit Führungsfunktionen. Für die
die Mehrheit der Hochschulabsolventen Studie der Hochschule Luzern wurden
– und trotz jahrelanger Diskussionen um weitere Faktoren, welche die Zufrieden-
Frauenquoten. heit beeinflussen können, wie Gesundheit,
Einen Grund dafür zeigt die Studie Partnerschaft oder Kinder ebenfalls unter-
von Yvonne Seiler Zimmermann und sucht und mitberücksichtigt.
Gabrielle Wanzenried vom Institut für Fi-
nanzdienstleistungen Zug IFZ des Depar- Anhaltend traditionelles Rollenver
tements Wirtschaft: Frauen übernehmen ständnis Gemäss der Studie ist es nicht
weniger oft Führungspositionen, weil es ihr so, dass Frauen in Führungspositionen
Wohlbefinden negativ beeinflusst, sprich, mehr arbeiten oder bei ihrer Arbeit grös-
sie weniger glücklich macht. «Zwar macht serem Stress ausgesetzt sind als Männer.
die Übernahme einer Führungsfunktion Doris Aebi, Personalberaterin in Zürich
Frauen und Männer in der Anfangsphase und spezialisiert auf die Direktsuche von
erst mal zufriedener», sagt Wanzenried. Die Schlüsselpositionen im Management,
Chance, mit der neuen Position glücklich zu führt die Unterschiede hinsichtlich Befin-
werden, ist gemäss der Studie bei Männern den unter anderem auf das traditionelle
10 und bei Frauen sogar 20 Prozent höher Rollenverständnis zurück: «Frauen tragen
als bei Nicht-Führungspersonen. nach wie vor die Hauptverantwortung für
Wenn jedoch die Arbeit das Privat- die Familien- und Hausarbeit». Sie sind im
und Familienleben beeinträchtigt, führt Spagat zwischen Präsenz bei der Arbeit und
dies vor allem bei den Frauen zu Neben- Verpflichtungen zu Hause. Die Digitalisie-
wirkungen: «Es lässt sich ein signifikant rung der Arbeitswelt mit flexibleren Zeiten
negativer Einfluss auf ihr allgemeines und Orten sieht sie als Chance. Auf Unter-
Wohlbefinden nachweisen», so Seiler nehmensseite muss sich aber ein Menta-
Zimmermann. Dieser Negativ-Effekt ist litätswandel durchsetzen. Letztlich hät-
um 30 Prozent höher als bei Männern. ten es die Frauen auch selbst in der Hand.
In der Folge ziehen sich viele Frauen aus Aebi: «Wollen sie den beruflichen Aufstieg,
einer Führungsposition zurück, oder sie müssen sie sich – wie die Männer – bei der
antizipieren gedanklich mögliche negative Familien- und Hausarbeit entlasten und
Effekte und treten diese gar nicht erst an. Verantwortung verteilen.» Mirjam Aregger
18 Hochschule Luzern 3 | 2017DOSSIER: DRANBLEIBEN
Das Netzwerk nutzen
Die E-Force One AG baut elektrisch angetriebene Lastwagen. Impulse für
ihr Geschäftsmodell bekommt sie von Studierenden der Hochschule Luzern.
«Nur wenn man als kleine Firma
von aussen befruchtet wird, bewegt sich
etwas», sagt Patrick Kiser. Der Chief Ope-
rating Officer der Firma E-Force One AG
nutzt seine Kontakte zur Hochschule Lu-
zern, um das Geschäftsmodell der Firma
überprüfen zu lassen. «Da bekommt man
eine neutrale Sicht. Die Studierenden und
die Dozierenden wollen nicht kaufen oder
verkaufen wie Kunden, Lieferanten oder
andere Partner.» Patrick Kiser hat selbst
in Luzern seinen Bachelor in Maschinen-
technik gemacht und später noch den Die E-Force One AG baut an der elektrischen Zukunft von Lastwagen.
MAS Business Excellence hinterherge-
schoben. Die Lkw der E-Force One AG
fahren mittlerweile für Feldschlösschen
und für Coop, die Firma hat derzeit 16 Markt komplett verändert. Wir wussten, ein Projekt mit dem Departement Technik
Mitarbeiter, das Geschäft läuft gut. Doch dass auch MAN und Mercedes elektrisch & Architektur der Hochschule Luzern, in
als Kiser gefragt wurde, ob Studierende im angetriebene Lkw anbieten wollten», er- dem die Wärmepumpen der Fahrzeuge
Rahmen eines Bachelor-Moduls die Firma zählt Kiser. «Die Studierenden haben so- optimiert werden sollen. Zudem wird
analysieren dürften, sagte er sofort «Ja!». gar recherchiert, wann die auf den Markt eine Master-Arbeit über das Unternehmen
kommen würden. Ich hätte nicht gedacht, entstehen. Patrick Kiser hat sein Studium
Mit tollen Ideen punkten Zwanzig dass ihnen das gelingen würde.» in Luzern zwar längst beendet, aber «wir
Studierende des Departements Wirtschaft nutzen die Kontakte, die wir haben, noch
Bereicherung für alle Seiten Auch für
Illustration: Istockphoto; Foto: E -Force One AG; Filmstill: Hochschule Luzer n
nahmen daraufhin ein Semester lang das immer». Auch für die Rekrutierung: Von
Geschäftsmodell unter die Lupe. Sie bau- die Studierenden zahlt es sich aus, wenn die den neun Entwicklern der E-Force One AG
ten die Struktur einer Beratungsfirma auf, Fragestellungen konkret sind. «Praxispro- haben acht an der Luzerner Hochschule
bestimmten einen Projektleiter und Ar- jekte sind für alle Beteiligten ein Gewinn, studiert. Valeria Heintges
beitsgruppen, besichtigten den Betrieb, speziell jedoch für Studierende, die wenig
trafen Abklärungen, führten Interviews. Praxiserfahrung mitbringen», sagt Bruno
Am Ende präsentierten sie ihre Analysen Waser, Verantwortlicher der Studienrich-
und Konzepte. «Sie haben sich mit der tung Bachelor of Science in Business Ad-
nachhaltigen Unternehmensstrategie aus- ministration, Value Network & Process Ma-
einandergesetzt und uns eine Lösung nagement. «Sie tendieren dazu, Aufgaben
präsentiert, die wir nicht auf dem Radar lehrbuchgetreu umzusetzen. In solchen
hatten. Natürlich wussten wir vieles schon Projekten lernen sie, dass in der Praxis Pri-
selbst, aber sie haben wichtige Punkte an- oritäten gesetzt werden müssen und das
gesprochen.» Kiser und die E-Force One Vorgehen nicht immer 1:1 umgesetzt wer- Video zum Projekt
AG waren so beeindruckt, dass sie sich den kann. Die Rückmeldungen zu solchen Wie die Studierenden am
im nächsten Semester für ein Folgepro- Aufgabestellungen sind immer positiv.» Projekt gearbeitet haben,
jekt zur Verfügung stellten. «Innerhalb Patrick Kiser sieht die E-Force One AG zeigt ein Film unter:
eines Jahres hatte sich die Lage auf dem auf dem richtigen Weg. Zurzeit läuft noch www.hslu.ch/mz2602
Hochschule Luzern 3 | 2017 19DOSSIER: DRANBLEIBEN
Gut begleitet
vom Studienstart bis
zur ersten Stelle
Vom Traumjob nicht nur träumen, sondern ihn bewusst ansteuern:
Der Careers Service Club der Hochschule Luzern unterstützt die Studierenden dabei,
ihre beruflichen Ziele zu erreichen.
Mit einem Mausklick können Zweitsemester erhalten Tipps zu Lern- erfolgreiche Berufseinsteigerinnen und
Bachelor-Studierende Mitglied beim «Ca techniken oder Ratschläge von Kommi- -einsteiger. Das unter den Hochschulen
reers Service Club» der Hochschule Luzern litoninnen und Kommilitonen für das er- einmalige Angebot befindet sich im Auf-
werden. Was ihnen das bringen soll, for- folgreiche Bestehen der Assessmentstufe. bau. Wer dem Club beitreten möchte, sollte
mulieren die Verantwortlichen, Alexandra Für fortgeschrittenere Semester steht der Interesse sowieso ein wenig Engagement
Richter und Thomas Fosco, ganz dezidiert: Aufbau eines Netzwerks im Vordergrund, mitbringen und zudem bereit sein, an klei-
«Wir machen Sie flügge», heisst es auf der das ideale Thema für die Bachelor-Arbeit neren Umfragen zum Thema Studium und
Website. Die Frage nach den beruflichen Beruf teilzunehmen. Dazu Fosco: «Der Club
Zielen, nach dem Traumjob, muss jeder soll schliesslich immer besser werden.»
für sich beantworten, aber auf dem Weg «Für den Traumjob kann Eva Schümperli-Keller
dazu gibt es Unterstützung von Profis. man schon während
Die Studierenden hätten sich oft erst des Studiums wichtige Weitere Informationen unter:
gegen Ende des Studiums bei ihrem Team Pluspunkte sammeln.» www.hslu.ch/careersclub
gemeldet, vor allem für eine Prüfung der Alexandra Richter,
Bewerbungsunterlagen, erzählt Alexandra Leiterin des Careers Service
Richter, Leiterin des Careers Service. «Für Für Aufgeweckte:
den Traumjob kann man aber schon wäh- Lange Nacht der Karriere 2017
rend des Studiums wichtige Pluspunkte oder die Stellensuche. Zudem haben Die «Lange Nacht der Karriere» geht
sammeln, zum Beispiel mit passenden Club-Mitglieder Gelegenheit, Ehemalige am 16. November 2017 in die
Projektarbeiten oder Themen für die der Hochschule Luzern kennenzulernen, vierte Runde. Das Thema beim
Bachelor-Arbeit.» So entstand die Idee, die für sie interessante Berufe ausüben. Anlass: die eigenen Fähigkeiten
die Studentinnen und Studenten schon Club-Mitglied Manuel Unternährer stu- testen, Arbeitgeber (von einer an
zu einem frühen Zeitpunkt in ihrer Aus- diert Wirtschaftsinformatik im dritten deren Seite) kennenlernen, neue
bildung zu bewussten Entscheidungen Semester und traf Alumnus Patrick Tresch Kontakte knüpfen und zusammen
im Hinblick auf ihren späteren Berufs von der APP Unternehmensberatung. «Es feiern. Dieses Jahr können Berufs
einstieg zu ermuntern. hat mich interessiert, was ein IT-Berater einsteiger/innen u.a. folgende
so macht», sagt Unternährer. «Ob es mein Formate besuchen: Work-Shopping,
Motiviert im Studium, erfolgreich auf Traumberuf ist, kann ich noch nicht sagen, 4 x15 Talks, Outfit- und CV-Screening,
dem Jobmarkt Das Resultat: Die Grün- aber ich werde darauf achten, dass ich mir Photobooth, Social Media Check
dung des Careers Service Club vor einem dieses Berufsziel erreichbar halte und die und Career Speed-Dating.
Jahr. Zurzeit zählt er rund 70 Mitglieder. Module entsprechend auswähle.» Detaillierte Informationen
Die Angebote des Clubs sind auf den Das Ziel des Clubs, erklärt Thomas zum Programm gibt es unter:
Studienfortgang abgestimmt. Erst- und Fosco, seien motivierte Studierende und www.lndk.ch
20 Hochschule Luzern 3 | 2017Informieren Sie sich.
Machen Sie
Ihren Weg –
mit einem Bachelor- oder Master-Studium
an der Hochschule Luzern
www.hslu.ch/bachelor
www.hslu.ch/master
Flyer nicht mehr vorhanden? Schreiben Sie eine E-Mail
mit Ihrer Adresse an info@hslu.ch. Wir liefern ihn nach.DOSSIER: DRANBLEIBEN
«Wir liegen selten tagelang in
der Pampa und warten»
Tierfilmer, Biologe, Moderator: Andreas Moser ist seit bald 30 Jahren
verantwortlich für die SRF-Sendung «Netz Natur». Ein Gespräch
über Wölfe, Veganer und das Zeitalter des «Egozäns».
Welches sind die wichtigsten Eigen es Scharen von Krähen. Doch sobald wir wenn die Regenwürmer zu den wich-
schaften, die Sie für Ihre Arbeit unser Equipment in Position brachten, tigsten Tieren im Land gehören, dann
mitbringen müssen? flogen sie davon. Sie merkten auf 500 Me- fühlen wir uns – unabhängig von ihrer
Intuition ist sehr wichtig – als Filmer muss tern Entfernung, dass wir sie in den Fokus optischen Attraktivität – verpflichtet, das
ich wissen, wann ich mich einem Tier nä- nahmen, das schätzten sie gar nicht. Es hat zu thematisieren. Wir haben einen Infor-
hern kann und wann es gefährlich werden viel Geduld erfordert, bis sie sich an uns mationsauftrag.
könnte. Als Biologe versuche ich, mich in gewöhnt und realisiert hatten, dass von
das Tier hineinzuversetzen und gleich- uns keine Gefahr ausgeht. Sie greifen auch kontroverse Themen
zeitig eine nüchterne Distanz zu wahren. auf …
Und wenn es darum geht, den Zuschauern Seit 1989 moderieren Sie die Sendung Klar. Was in der Gesellschaft für Diskussi-
Erkenntnisse zu vermitteln, muss ich gut «Netz Natur». Wie gelingt es Ihnen, onen sorgt, nehmen wir auf. Der Mensch
verständlich formulieren und auch mal Zuschauer über so lange Zeit hinweg steht ja mit vielen Tierarten in einem an-
ein Überraschungsmoment inszenieren. zu faszinieren? gespannten Verhältnis: Fischer ärgern sich
Mindestens 60 Prozent der Aufmerksam- Tatsächlich schauen heute Eltern mit ih- über Kormorane, Autofahrer über Marder,
keit sind beim Publikum allein durch das ren Kindern die Sendung, die früher selbst die Dichtungen zerbeissen … Unsere Mo-
Bild absorbiert. als Kinder vor dem Bildschirm sassen. Es tivation ist es, auch den Blickwinkel der
gibt technisches Wissen, neue Entwick- anderen Arten zu zeigen, und zwar auf der
Ausdauer oder Geduld spielen keine lungen, die man integrieren muss, etwa Grundlage ihrer Natur, ihrer kognitiven
Rolle? Makroaufnahmen mit Minikameras, Auf-
Sicher, aber es kursieren etwas romantisie- nahmen mit Infrarotkameras, Drohnen
rende Vorstellungen über unsere Arbeit. usw., das gehört zum Handwerk. Aber
Wir liegen selten tagelang in der Pampa letztlich geht es vor allem um Glaubwür- Zur Person
und warten, bis ein Tier seinen Kopf her- digkeit und darum, Geschichten packend Andreas Moser, geboren 1956,
ausstreckt, das können wir uns finanziell zu erzählen. studierte Biologie an der Universität
meist gar nicht leisten. Wir greifen auf Basel. Er war am Schweizerischen
ein riesiges Netzwerk zurück, auf Spezi- Woher haben Sie dieses Talent? Tropeninstitut für die Haltung tro-
alisten, die uns helfen, zur richtigen Zeit Von meinem Grossvater. Wenn wir als pischer Gifttiere verantwortlich und
am richtigen Ort zu sein. Da sind neben Kinder mit ihm im Basler «Zolli» waren baute seine Tätigkeit als Wissen-
Kenntnissen über die Tiere vor allem auch – und das waren wir oft –, hat er sich aus schaftsjournalist sukzessive aus. Über
Organisationstalent und Verhandlungsge- dem Stegreif Geschichten zu den Tieren die Sendung «Karussel» gelangte
schick gefragt. ausgedacht. er zum Schweizer Fernsehen. Danach
trat er in die dortige Wissenschafts-
Welche Tierart hat Ihre Geduld beson Nach welchen Kriterien suchen Sie redaktion ein, die 1988 das Konzept
ders strapaziert? Themen für die Sendung aus? für «Netz Natur» entwickelte.
Das hat mich selbst überrascht: Krähen. Marktanalysen, was Zuschauer sehen wol- Seit 1989 moderiert Moser die
Wir hatten uns das einfach vorgestellt, in len, machen wir nicht. Wir versuchen, Sendung. Für seine Arbeit erhielt er
direkter Nachbarschaft zum Studio gibt relevante Themen zu vermitteln: Und mehrere Preise.
22 Hochschule Luzern 3 | 2017Sie können auch lesen