Aus dem Akademischen Studienjahr 2018/2019 - Hochschule Freiburg
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1 Inhalt Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 2 Aus dem International Office. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 4 Deutsch-russischer Dialog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 8 Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik . . . . Seite 10 „Zwischen Elfenbeinturm und Employability“ . . . . . . . . . Seite 11 Freiburger Akademie zur Begbatenförderung (FAB) . . . . . . Seite 14 Die Arbeit des Gleichstellungsbüros . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 18 Aus dem Freiburger Institut für Musikermedizin … . . . . . Seite 24 Semesterstatistiken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 28 Bauern Hof Oper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 32 „Willst Du Menschen mit Musik bewegen?“ . . . . . . . . . . . Seite 35 Forschung in der Elementaren Musikpädagogik . . . . . . . . Seite 36 Bestiario . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 38 Musik überwindet Grenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 40 Cello Lounge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 42 Erfolgreiche Akkreditierung aller Studiengänge . . . . . . . . Seite 43 Die Maria-Schnee-Tafel in Freiburg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 46 Neu an der Hochschule. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 53 Verstorben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 58 Impressum und Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 60
2
Editorial
Nutzen unserer Hochschule hat beantwortet werden
können, bezeugt den positiven Geist, in dem die
Vertragsverhandlungen abgeschlossen werden
konnten.
In den letzten beiden Semestern konnten nicht
weniger als zehn Berufungsverfahren erfolgreich
durchgeführt werden. In diesem und den folgenden
beiden Semestern sind nun noch vier weitere Profes-
suren auszuschreiben und neu zu besetzen, dann hat
sich an unserer Hochschule ein tiefgreifender
Generationswechsel vollzogen: Innerhalb von sieben
Liebe Studierende, liebe Freunde und Förderer, liebe Jahren sind fast die Hälfte aller Professuren an
Kolleginnen und Kollegen der Hochschule für Musik diesem Haus neu besetzt worden. Der umfassende
Freiburg, Generationswechsel in der Professorenschaft hat den
Lehrenden, der Verwaltung und der Hochschulleitung
das Ende des alten und der Beginn des neuen akade- in den letzten Jahren sehr viel abverlangt. Ich habe
mischen Jahres erscheint mir wie ein besonderer bereits im letzten Jahrbuch ausführlicher darüber
Einschnitt, auf den eine Art von Neubeginn folgt. geschrieben. Jetzt können wir sagen: Die Mühe hat
Viele strategische Projekte unserer Hochschule, die im sich gelohnt. Wir haben die Stellen halten und
letzten Jahrzehnt im Zentrum der Arbeit der unter- erfolgreich wiederbesetzen können. In diesem Prozess
schiedlichen Hochschulleitungen und Senate dieser wurden zudem die Profile vieler Stellen verändert
Hochschule standen, sind mit dem vergangenen und/oder geschärft. Damit wurde ein zentraler Teil
Semester zu einem glücklichen Ende gekommen. jenes Reformprozesses umgesetzt, der noch von
meinem Vorgänger Rüdiger Nolte in Gang gesetzt
Nach einem langen Marsch durch die Gremien worden ist. Die eigentliche, die inhaltliche „reforma-
sämtlicher institutionellen Ebenen zweier Hochschu- torische“ Arbeit jener innovativen Studienbereiche
len ist das gemeinsame Landeszentrum für Musikfor- kann nun beginnen.
schung und Lehre (FZM) der Hochschule für Musik
Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Auch in der Verwaltung vollzieht sich der Genera-
formal eingerichtet und gegründet. Wohl niemand tionswechsel und führt auch dort zu grundlegenden
der Beteiligten hat sich vor über vier Jahren vorstellen Veränderungen, wenn auch (noch) nicht in der
können, was es bedeutet, eine interinstitutionelle gleichen Geschwindigkeit. Ich bin froh darüber, dass
Zusammenarbeit dieser Größenordnung zu bewerk- nach dem großen gemeinsamen Kraftakt des Genera-
stelligen und welche formalen Hindernisse es zu tionswechsels sich Hochschulleitung, Verwaltung
bewältigen gilt. Dass die Schwierigkeiten schließlich und Lehrende zukünftig wieder ungehinderter dem
bewältigt werden konnten, ist den zielorientierten wesentlichen inhaltlichen Kern ihrer Tätigkeit
Bemühungen aller Verantwortlichen an beiden zuwenden können.
Institutionen und der aktiven Unterstützung des
Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Die interregionale Zusammenarbeit, die eines der
Baden-Württemberg zu verdanken. Dass gerade die in wesentlichen strategischen Ziele dieses Rektorats
diesem Zusammenhang so relevante und schwierige darstellt, hat sich im letzen Jahr dynamisch weiter-
Frage nach den Richtzahlen befriedigend und zum entwickelt und zu einigen wichtigen Kooperations-3
projekten geführt. Mit den Partnern in Basel wird in Jene drei großen Ereignisbereiche, die ich hier
Zukunft im Bereich der Promotionsstudiengänge eng kursorisch umrissen habe, stehen stellvertretend für
zusammengearbeitet, mit den Straßburger Partnern die vielen anderen großen und kleinen Ereignisse und
ist das umfassende Konzept eines collège doctoral Projekte, von denen einige in diesem Jahrbuch
franco-allemand ausgearbeitet worden. Im von der beschrieben werden. Sie sind Ausweise einer dynami-
Baden-Württemberg Stiftung geförderten Projekt schen Hochschule, die mit Selbstvertrauen in eine
„opéra trinationale“ arbeiten die Opernhäuser und herausfordernde Zukunft blickt. Dass an dieser
die Musikhochschulen/Konservatorien von Basel, Hochschule auch im vergangenen Studienjahr, wie in
Freiburg und Straßburg in einem gemeinsamen den Studienjahren zuvor, engagierte Dozierende
Opernschulprojekt zusammen. Ich freue mich sehr motivierte Studierende unterrichtet haben, dass hier
darüber, dass damit Projekte initiiert worden sind, die auf höchstem Niveau Musik gemacht wurde und dass
auf die Schaffung gemeinsamer Strukturen und sich dies so auch im kommenden Studienjahr
damit auf Nachhaltigkeit gerichtet sind. Sie gilt es in fortsetzen soll und wird – denn das ist der Kern
den nächsten Semestern weiterzuentwickeln und zu unsrer Tätigkeit –, sei hier abschließend festgehalten.
festigen.
Ich wünsche uns allen Erfolg, Gesundheit und fortune
für das neue Studienjahr
Ludwig Holtmeier
Die Hochschule für Musik Freiburg im Frühling4
Aus dem International Office
Studierenden- und Lehrendenaustausch Frankreich, Spanien, Italien, Dänemark, Ungarn,
Für Studierende und Lehrende ist es bereichernd, Holland, Finnland, Norwegen, Österreich –, in der
Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern Mehrzahl gefördert über das ERASMUS+ Programm.
persönlich zu besuchen und Menschen und Kultur vor Drei Studienaufenthalte von Studierenden direkter
Ort kennenzulernen. Das International Office fördert Partnerhochschulen an unserer Hochschule wurden
Studierende und Lehrende in diesen Erfahrungen und durch das Baden-Württemberg-Stipendium gefördert.
heißt im Austausch Studierende und Lehrende aus Das auf Initiative des AStA eingerichtete Erasmus-
anderen Ländern herzlich an unserer Hochschule Tutorat zur Betreuung der Studierenden, die zu uns
willkommen. kommen, wurde im zurückliegenden Akademischen
Jahr 2018/2019 von Thomas Wiebe (Schulmusik
Im Akademischen Jahr 2018/2019 nahmen 13 Studie- Gesang) und Hannah Lessing (Bachelor Lehramt
rende der Hochschule für Musik Freiburg als Aus- Violine) gemeinsam übernommen. Das Tutorat hat
tauschstudierende am ERASMUS+ Programm der zum Ziel, die Studierenden während ihres Aufenthal-
Europäischen Union tes an der Hochschule zu betreuen, in die Hochschul-
innerhalb Europas teil. gemeinschaft zu integrieren und studentische
Die Studienorte waren: Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen, die bei
Barcelona, Budapest, Fragen schnell und unkompliziert helfen können.
Den Haag, Helsinki,
Lyon, Oslo, Paris, Venedig und Wien. Eine Studierende Gute Tradition ist der am Semesterende stattfindende
wurde durch das Baden-Württemberg-Stipendium für Vortragsabend „Exchange“ der Erasmus-Studierenden
ein Semester am Sydney Conservatorium of mit Moderation der zuständigen Prorektorin für
Music/Australien gefördert. 17 Studierende kamen als Forschung und Internationale Beziehungen, Prof. Dr.
Gäste an unsere Hochschule – unter anderem aus Claudia Spahn, geworden. Er hat mittlerweile ein
Stammpublikum an
interessierten Zuhö-
Sydney Opera House rer_innen und wir freuen
uns über weitere
Konzertbesucher_innen.
Der DAAD-Preis für
hervorragende Leistun-
gen ausländischer
Studierender des Jahres
2018 ging an den
Kompositionsstudenten
Maximiliano Alejandro
Soto Mayorga aus Chile
aus der Klasse von Prof.
Johannes Schöllhorn.
Neben hervorragenden
musikalischen Leistun-5
gen werden Engagement für interkulturellen Aus- Ein derartig umfangreiches Projekt konnte die
tausch und gesellschaftliches Engagement im Hochschule nur mit externer Unterstützung finanzie-
Gastland mit diesem Preis gewürdigt. ren. Gefördert wurde es von folgenden Geldgebern:
vom Goethe-Institut, Programm Musik, vom DAAD,
Einen wichtigen Beitrag zur Kontaktpflege mit von der Gartow-Stiftung, von der Gesellschaft zur
unseren Partnerhochschulen und als Impuls für Lehre Förderung der Hochschule für Musik Freiburg sowie
und Forschung an unserer Hochschule stellt der vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und
Austausch von Lehrenden dar. Im vergangenen Jahr Kunst Baden-Württemberg. An dieser Stelle sei noch
waren sechzehn Lehrende zu Gastaufenthalten an einmal allen Studierenden, Lehrenden, Mitarbeiterin-
Partnerhochschulen im europäischen und außereuro- nen und Mitarbeitern der Verwaltung sowie der
päischen Ausland und es wurden mehrere Lehrende Hochschulleitung ausdrücklich gedankt, die dieses
zu Gastkursen und Meisterklassen im Rahmen des großartige Projekt mit ihrem Einsatz ermöglicht
Erasmus-Programms an unserer Hochschule willkom- haben, ganz besonders aber Herrn Prof. Markowitsch
men geheißen. als Projektleiter und Hye-Rhin Rhee als Chortutorin!
Unsere Hochschule ging zwei neue direkte Hoch- Internationalisierungsstrategie der Hochschule
schulpartnerschaften ein, zum einen mit dem Austausche von Studierenden und Lehrenden
Rimsky-Korsakov-Konservatorium in St. Peters- kommen in der Regel dadurch zustande, dass über
burg/Russische Union, zum anderen mit der Elisa- gemeinsame Themen und internationale Kontakte in
beth Musikuniversität in Hiroshima, Japan. Die der Musikwelt persönliche Beziehungen mit Kol-
Hochschule ist nun mit elf Hochschulen innerhalb leg_innen in anderen Ländern bestehen. Dies macht
und außerhalb Europas in direkter Partnerschaft eine Hochschule wie die unsere lebendig. Darüber
verbunden, darüber hinaus mit Hochschulen in hinaus verfolgt das Rektorat der Hochschule gemein-
Australien, Kanada, Polen, den USA und der Ukraine. sam mit seinen Lehrenden auch strategisch langfris-
tige und nachhaltige Kooperationen. Im Fokus steht
Im Jahr 2019 wurde unter der Leitung von Prof. Frank hier die Zusammenarbeit im Dreiländereck mit der
Markowitsch ein ambitioniertes internationales Schweiz und ganz besonders mit Frankreich. Mit
Chorgroßprojekt unter Zusammenarbeit mehrerer Gründung des Freiburger Forschungs- und Lehrzen-
Ensembles initiiert und durchgeführt. Beteiligt waren trums Musik gemeinsam mit der Albert-Ludwigs-
der Chor und das Orchester der Hochschule für Musik Universität wird der European Campus nun im
Freiburg, das Junge Ensemble Berlin, Sinfonieorches- Bereich Musik mit der Université Strasbourg und dem
ter e. V., der Europa-Chor e. V. und der Chor des Conservatoire Strasbourg strukturell gefestigt.
Rimsky-Korsakov-Konservatoriums Sankt Petersburg. Gewachsene Beziehungen bestehen seit vielen Jahren
Es wurden (chor-)sinfonische Werke russischer und mit der Eastman School of Music in Rochester (USA),
deutscher Komponisten an allen Standorten der die weiter gepflegt werden.
Ensembles aufgeführt: in Berlin, St. Petersburg und
Freiburg. Die Aufführungen fanden unter anderem in Eine Möglichkeit, internationale Kontakte nachhalti-
hochrenommierten Konzertsälen statt: in Berlin im ger und intensiver zu gestalten, bietet die Unterstüt-
großen Saal der Berliner Philharmonie, in Sankt zung durch das Baden-Württemberg-Stipendium, bei
Petersburg im Konzertsaal „Kapella“. Das Chorprojekt dem die Hochschule für
war Bestandteil des Deutsch-russischen Themenjah- Musik Freiburg in den
res der Hochschulkooperation und Wissenschaft letzten Jahren mit drei
2018-2020. Die Schirmherrschaft für das Berliner Anträgen erfolgreich
Konzert übernahm Elke Büdenbender, die Ehefrau des war. Mit dem „Baden-
amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Württemberg-
Steinmeier. STIPENDIUM für Studierende – BWS plus“ unterstützt
die Baden-Württemberg Stiftung innovative Koopera-6
tionen baden-württembergischer Hochschulen mit Standorte Freiburg, Straßburg/Colmar und Basel ihre
Hochschulen im Ausland. Opernproduktionen gegenseitig besuchen und mit
intensiven Workshop-Phasen begleiten. Das Projekt
Unsere Hochschule wurde erstmals mit dem dreijäh- startet im November 2019 und ist auf drei Jahre
rigen Projekt „Angewandtes Klavierspiel“ in der angelegt.
Kooperation mit der Partnerhochschule Eastman
School of Music Rochester/USA von 2016 bis 2018 Entlang der Forschungsschwerpunkte im Freiburger
gefördert. Bei der BWS-plus-Ausschreibung 2018 war Forschungs- und Lehrzentrum Musik (FZM) sollen
die Hochschule erneut erfolgreich und wurde für ein und werden sich wichtige internationale Kontakte
Kooperationsprojekt mit ihrer japanischen Partner- vertiefen und entwickeln. Interessante Anknüpfungs-
hochschule SOAI University in Osaka ausgewählt punkte für die interdisziplinäre musikbezogene
(siehe eigener Bericht). Im kommenden November Forschung bietet unter anderem die International
und Dezember werden Studierende und Lehrende der Association for Performance Science, deren Tagung in
Partnerhochschule SOAI in Freiburg zu Besuch sein – diesem Jahr in Melbourne stattfand und an der
gerne laden wir zum deutsch-japanischen Kammer- Wissenschaftler_innen aus 23 Ländern teilnahmen.
musikkonzert am 13. Dezember 2019 ein.
Personelle Struktur
In diesem Jahr war die Hochschule erneut erfolgreich Um die Internationalisierung der Hochschule zu
mit dem Projekt „Opéra trinational“: Im Bereich unterstützen und voranzutreiben, hat sich das Team
Oper/Gesang/Korrepetition/Orchester werden die drei des International Office seit dem Sommersemester
2019 um Herrn Prof. Scott Sandmeier erweitert, der
die Position des Director International Office
Studierende der Hochschule für Musik Freiburg in Osaka übernimmt. Durch seine vielfältigen internationalen
Kontakte wird er unter anderem die Kontakte nach
USA pflegen und in Zusammenarbeit mit der
Prorektorin für Forschung und Internationale
Beziehungen, Frau Prof. Dr. Claudia Spahn, insbeson-
dere die Kontakte mit Frankreich intensivieren und
erweitern. Ansprechpartnerin für Studierende und
Lehrende und zuständig für das operative Geschäft
bleibt weiterhin Jacqueline Pfann.
Jacqueline Pfann (Koordinatorin International Office)
Prof. Scott Sandmeier (Director International Office)
Prof. Dr. Claudia Spahn (Prorektorin für Forschung und
Internationale Beziehungen)
Osaka
Bei der BWS-plus-Ausschreibung 2018 war die
Hochschule erneut erfolgreich und wurde für ein
Kooperationsprojekt mit ihrer japanischen Partner-
hochschule SOAI University in Osaka ausgewählt. Das
Forschungsprojekt befasst sich mit Kommunikations-
modellen in komponierter Kammermusik und in
traditioneller Musik Japans. Eine Delegation von
Lehrenden der Freiburger Hochschule war zum7
vorbereitenden Besuch
Ende 2018 in Osaka. Im
Mai 2019 arbeiteten vier
Studierende der Hoch-
schule, 2 Schlagzeuger
und 2 Blockflötistinnen,
für drei Wochen direkt
vor Ort an der SOAI
Universität und setzten
sich mit der japanischen
Gagaku-Spielpraxis
auseinander. Nach
intensiven Kursen im
Spiel einiger Gagaku-
Instrumente wurden sie
in ein Gagaku-Ensemble
integriert. Ziel dieses
Konzert-Projekts war die
Gegenüberstellung
unterschiedlicher
Ensemble-Kommunika-
tionsmodelle, darunter
eine Trio-Sonate von
Quantz, die Lyrische Japanische Gagaku-Notation
Suite von Hirose, einem
Werk von Takemitsu und
Jolivet sowie traditionelle Gagaku-Musik.
Nowosibirsk
Eine Gruppe des Kollegiums mit Agnes Dorwarth, Prof. Otfried Büsing (Musiktheorie) ist im Mai 2018
Mathias Trapp, Dominik Skala und Bernhard Wulff zum Berater für die Publikationen der deutschen
begleitete den Rektor Ludwig Holtmeier nach Osaka. Forscher in der Zeitschrift „Anzeiger der Musikwis-
Die Initiative der Hochschule für Musik Freiburg für senschaft“ des Staatlichen M.-I.-Glinka-
ein gemeinsames Forschungsprojekt wurde zu einem Konservatoriums Nowosibirsk ernannt worden. In
wichtigen Impuls für die Abteilung für traditionelle dieser Funktion hat er mit einem schriftlichen
japanische Musik an der SOAI-Universität und bot der Beitrag am dortigen Kongress „Die russische Musik
Partner-Universität die Gelegenheit, zusätzliche des 19. Jahrhunderts“ (April 2019) teilgenommen.
finanzielle Mittel für eine dreijährige Reihe mit
Symposien, Vorträgen und Konzerten zum Thema Sein Beitrag hat den Titel „Modest Musorgskij als
traditionelle japanische Musik einzuwerben. Wegweiser in das 20. Jahrhundert“. Er hat dort
Zum Abschluss werden im November und Dezember gezeigt, dass Musorgskij der erste Komponist im
2019 Studierende und Lehrende der Partnerhochschu- 19. Jahrhundert war, der über lange Zeiträume
le SOAI zum Gegenbesuch in Freiburg erwartet – am tradierte kompositorische Prinzipien aufgebrochen
13. Dezember gibt es ein deutsch-japanisches Kam- und so die Moderne eingeleitet hat.
mermusikkonzert im Kammermusiksaal, worauf hier
schon hingewiesen sei.
Prof. Bernhard Wulff8
Deutsch-russischer Dialog
Text aus dem Programmheft zum Konzert „Deutsch- Probenplan wurde ergänzt durch ein buntes Freizeit-
russischer Dialog“ am 29. Juni 2019 im Wolfgang- programm, das unter anderem eine Stadt- und
Hoffmann-Saal der Hochschule für Musik Freiburg. Bundestagsführung beinhaltete, aber auch privat
gestaltet wurde: Alle Gäste waren bei Mitwirkenden
Was bisher geschah des Europachores und des Jungen Ensembles unterge-
Brahms Schicksalslied, Schumanns Requiem für bracht.
Mignon und Strawinskys Psalmensinfonie – Berlin,
St. Petersburg und Freiburg: Der Hochschulchor der Und dann endlich: Am Konzerttag betraten die
Musikhochschule Freiburg, der Europachor und der jungen Musikerinnen und Musiker die Berliner
Chor des Rimsky-Korsakov-Konservatoriums hatten Philharmonie durch den Künstlereingang. Der Ge-
ein herausforderndes, spannendes und faszinierendes danke, vor einem ausverkauften Saal zu musizieren,
Projekt vor sich. in dem schon zahllose weltbekannte Künstler*innen
aufgetreten waren, bereitete allen nicht nur Aufre-
Ab Oktober 2018 wurde in der Musikhochschule gung, sondern vor allem enthusiastische Vorfreude.
Freiburg jeden Mittwochabend fleißig geprobt. Rund
80 motivierte Sängerinnen und Sänger des Hoch- Als es dann um 20 Uhr still im großen Saal wurde
schulchors füllten jede Woche den Saal, um gemein- und die ersten Töne des Orchesters erklangen, als der
sam das Programm zu erarbeiten, das sie quer durch Chor zu singen begann und die Stimmen den Raum
Europa führen würde. Erstes Ziel: Das Konzert in der füllten, spätestens dann waren sich alle bewusst, dass
Berliner Philharmonie am 13. Januar 2019, gemein- dieses Projekt etwas ganz Besonderes war. Die
sam mit den anderen beiden Chören und dem spürbare Begeisterung und vielfaches Lob des
Orchester des Jungen Ensembles Berlin. In nicht allzu Publikums verdeutlichten das hohe Niveau und die
ferner Zukunft: Die Reise nach St. Petersburg und das besondere Bedeutung dieses Konzerts und machten
Konzert im dortigen Capella-Saal. Zu guter Letzt: Die alle Beteiligten stolz.
Musiker*innen aus den beiden Städten endlich auch
in Freiburg zu empfangen und ein grandioses Im April 2019 durften die deutschen Ensembles dann
Abschlusskonzert zu gestalten. endlich die Heimat der russischen Musiker*innen
besuchen: Es ging nach St. Petersburg! Schon im
Nach intensiven Proben und zwei Probenwochenen- Vorfeld wurde durch den organisatorischen Aufwand,
den stand endlich die Reise nach Berlin an. Voller der durch die Sprachbarriere noch erschwert wurde,
Vorfreude und Motivation trafen die Ensembles aus klar, wie wichtig ein solcher kulturell-musikalischer
Freiburg und St. Petersburg wenige Tage vor dem Austausch in der heutigen Zeit ist.
Konzert mit dem Europachor und dem Jungen
Ensemble zu den ersten Proben zusammen. Die St. Petersburg erfreute alle Beteiligten in diesen fünf
Dirigenten Frank Markowitsch und Michael Riedel Tagen mit Sonnenschein und einem breiten Freizeit-
gaben sich die größte Mühe, die Proben (vor allem und Kulturangebot. Ein Highlight war hier sicherlich
sprachlich) für alle verständlich zu gestalten und die die von Studierenden des Konservatoriums durchge-
Freude an der Musik zu vermitteln. Die Unwissenheit führte, intensive und inspirierende Stadtführung.
und vielleicht auch Sorge, wie man rund 180 Musi- Außerdem stand ein Besuch im Glinka-College an, wo
ker*innen sowohl musikalisch als auch menschlich Frank Markowitsch und Michael Rieder ihr Fach-
zusammenbringen sollte, wurde durch die verbinden- wissen an die dortigen Schüler weitergaben und
de Kraft der Musik so gut wie ausgelöscht. Der diesen die besondere Möglichkeit geboten wurde, die9
deutschen Musiker*innen zu dirigieren und mit Nun fragt man sich vielleicht, ob es nicht langweilig
ihnen gemeinsam zu singen. wird, dieselben Stücke immer wieder zu singen.
Jedoch öffnet sich diese wunderbare Musik immer
Doch vor allem die Proben waren eine Bereicherung. wieder in einem neuen Licht, nicht nur im Zusam-
Im Rimsky- Korsakov-Konservatorium wurden die menklang, sondern auch für jede*n persönlich.
Gäste herzlich empfangen. Frank Markowitsch,
Michael Riedel und Anton Maksimov, Chorleitungs- Wir sind sehr glücklich, den Europachor und unsere
dozent am Konservatorium, leiteten die Proben und russischen Freund*innen nun endlich auch in
warfen wieder neue Aspekte der bereits bekannten Freiburg zu haben und zusammen ein großartiges
Stücke auf. Einer der bekanntesten Konzertsäle der Konzert zu gestalten. Musik verbindet uns, sie steht
Stadt, der Capella-Saal, war dann am Konzertabend über allen Schwierigkeiten, die es zwischen Kulturen
komplett gefüllt. Nicht nur war jeder Platz im Saal oder in der Politik geben mag. Sie bietet uns die
belegt, auch auf der Bühne war es eng, bei so vielen einmalige Möglichkeit, Projekte wie dieses zu
Sänger*innen und dem Orchester. Um den Austausch gestalten, Freundschaften zu schließen und über
auch auf höchster Ebene zu stärken, waren sogar Grenzen hinwegzudenken.
Rektor Ludwig Holtmeier und Kanzler Bernd Probst
der Hochschule für Musik Freiburg angereist. Es war In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein wundervol-
ein ganz außergewöhnliches Erlebnis, diese zunächst les Konzert.
fremde, aber dennoch so authentische Stadt mit
Musik füllen zu dürfen. Tabea Knerner, Hochschulchor
Musiker aus Russland und Deutschland beim gemeinsamen Konzert in der Hochschule für Musik Freiburg10
Das Freiburger Forschungs-
und Lehrzentrum Musik
Vor knapp vier Jahren initiiert und ein halbes Jahr Forschungs- und Lehrzentrums Musik die Bandbreite
nach seinem ersten, erfolgreichen Kongress öffnet ihrer Forschungsgegenstände auf. Die Gremien der
das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik Institutionen schafften es mit Unterstützung des
nun auch offiziell seine Tore. Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Baden-Württemberg bis Ende des vergangenen
Dass sich Wissenschaften wie die Medizin oder die Sommersemesters 2019, die Gründung nun auch in
Ingenieurswissenschaften mit Praktikern vernetzen einer gemeinsam beschlossenen Satzung formell
und direkt in der Praxis forschen, ist an jeder entspre- spruchreif zu machen.
chenden Forschungseinrichtung gelebter Alltag. Im
Bereich der Künste ist vielen ein solcher Gedanke Ein eigenes Gebäude hat das Landeszentrum noch
fremd, obwohl auch hier Künstler wie Wissenschaft- nicht. Es wird von den Menschen und ihren Inhalten
ler von einem intensiven Austausch profitieren bestimmt, die diese Institution für die forschende
können. und lehrende Zusammenarbeit nutzen. Dabei bietet
die offene Struktur des Landeszentrums die Chance,
Als das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und dass Menschen unterschiedlichster Fachrichtungen
Kunst Baden-Württemberg im Rahmen seiner transdisziplinär arbeiten können. Auch Künstler
Exzellenzinitiative die Profile der Musikhochschulen können hier zu Forschern werden: Als künstlerische
des Landes weiterentwickeln wollte, sah der Rektor Forscher, die die ästhetischen Möglichkeiten ihrer
der Hochschule für Musik Freiburg, Prof. Dr. Ludwig Kunst systematisch ausloten, oder als wissenschaftli-
Holtmeier, eine Chance, für diesen Austausch eine che Forscher, die ihre Kunst mit wissenschaftlichen
institutionelle Plattform zu schaffen. Methoden untersuchen und ihre Erkenntnisse direkt
in die künstlerische Ausbildung einfließen lassen.
Die Voraussetzungen dafür waren hervorragend.
Freiburg ist mit der Albert-Ludwigs-Universität, der Nach einer notwendigen Anpassung der Studiengän-
Hochschule für Musik und der Pädagogischen ge wird das Landeszentrum mit dem Sommersemes-
Hochschule Standort von drei Hochschulen mit ter 2020 auch für die Studierenden spürbare Realität
wissenschaftlichen und künstlerischen Ausbildungs- werden. Studierende sowohl der Hochschule für
angeboten im Bereich Musik. Und mit Prof. Dr. Musik als auch der Albert-Ludwigs-Universität
Claudia Spahn, Prorektorin für Forschung und können dann am Freiburger Forschungs- und
Internationales der Hochschule für Musik, gab es eine Lehrzentrum Musik im Nebenfach Musiktheorie,
Mit-Initiatorin, die mit dem bereits seit Jahren Musikphysiologie und Gehörbildung studieren. Das
bestehenden Institut für Musikermedizin die Heraus- gemeinsame Lehrangebot im Bereich der Musikwis-
forderungen einer Kooperation zwischen Universität senschaft können die Studierenden schon jetzt
und Hochschule für Musik kannte. nutzen.
Das Ministerium stimmte dem Antrag auf die Ramon Manuel Schneeweiß
Einrichtung eines gemeinsamen Landeszentrums
gerne zu, und die Kollegen beider Hochschulen
konnten mit der Arbeit beginnen. Im April 2019
zeigten sie beim ersten Kongress des Freiburger11
„Zwischen Elfenbeinturm
und Employability“
Mit seinem ersten Kongress wagt das neu gegründete ergeben. Treffend wies der Titel des Kongresses auf
Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik eine dieses Ziel der Vernetzung hin: „Zwischen Elfenbein-
Standortbestimmung. turm und Employability – Wissenstransfer als
Herausforderung musikbezogener Forschung“.
Das Programm des ersten, feierlich vom 10. bis
12. April 2019 an der Hochschule für Musik Freiburg Auch wenn es aus heutiger Perspektive verwundern
durchgeführten Kongresses des Freiburger For- mag, so ist die Verbindung musikbezogener For-
schungs- und Lehrzentrums Musik zeigt deutlich, schung mit der künstlerischen Praxis und der
worum es bei der Arbeit des Zentrums geht: Wissen- künstlerischen Ausbildung keineswegs selbstver-
schaftler unterschiedlichster Disziplinen, Künstler ständlich. Welche Chancen in einem Austausch dieser
und Lehrende zeigen sich gegenseitig neue Perspekti- Bereiche liegen, zeigte beim Kongress im sehr gut
ven und Denkansätze auf. Daraus können sich gefüllten Wolfgang-Hoffmann-Saal der Hochschule
gemeinsame, transdisziplinäre Forschungsprojekte für Musik und unter den Augen von Ministerin
Performance „Kunst und Wissenschaft“12
Wie die musikbezogene
Forschung von den
Erkenntnissen anderer
Disziplinen profitieren
kann, zeigten unter
anderem der Ägyptologe
und Friedenspreisträger
des Deutschen Buchhan-
dels Prof. Dr. Dr. h. c. Jan
Assmann mit seinem
Vortrag „Die Rolle der
Musik im kulturellen
Gedächtnis“ und der
Trainingswissenschaftler
Prof. Dr. Wolfgang
Schöllhorn mit seinem
Beitrag „Wiederholung
verhindert effektives
Lernen“. Auch die
Künstler kamen zu Wort.
Das Konzert „Von der
Freiheit des Musizierens
Theoretische Forschung und ausübende Kunst sollen zueinander finden – Intonieren, Interpretie-
ren, Improvisieren“
führte vor Augen, wie
Theresia Bauer die plakative Performance „Kunst und Künstler auf der Grundlage ihres Könnens und
Wissenschaft“. Isabel Weller, Prof. Kilian Herold und Wissens aus dem Augenblick heraus musizieren
Prof. Éric Le Sage führten auf der Bühne des Wolf- können.
gang-Hoffmann-Saals Franz Schuberts „Der Hirt auf
dem Felsen“ für Sopran, Klarinette und Klavier auf. Im Mittelpunkt des Kongresses stand jedoch der
Diese Darbietung wurde von fünf Wissenschaftlern Austausch zwischen den Disziplinen. In etlichen
aus der Sicht ihres jeweiligen Fachs betrachtet. Prof. Foren und Podiumsdiskussionen wurden die Themen
Dr. Bernhard Richter analysierte die stimmphysiologi- des Kongresses verhandelt. Dabei wurde klar, dass es
schen Vorgänge beim Singen, Dr. Manfred Nusseck eine Fülle an vielversprechenden Ansätzen für
die Bewegungsabläufe des Klarinettenspiels und Prof. forschungsbezogene Kooperationen gibt. Das Freibur-
Christoph Sischka das Spiel des Pianisten. Die ger Forschungs- und Lehrzentrums Musik kann sich
harmonische Struktur des Stücks wurde von Prof. darauf freuen, die vielen Ideen und Impulse, die sein
Hans Aerts beleuchtet und Prof. Dr. Joachim Grage erster Kongress angestoßen hat, in den nächsten
zeigte die Struktur des von Schubert eingerichteten Jahren aufzugreifen.
Texts auf. Die Erkenntnisse dieser wissenschaftlichen
Betrachtungen bieten den Künstlern wichtige Ramon Manuel Schneeweiß
Anhaltspunkte für die bewusste Gestaltung ihres
ästhetischen Ausdrucks. Auf der anderen Seite liefert
die künstlerische Darbietung der wissenschaftlichen
Forschung die Grundlage für die Formulierung ihrer
Theorien.13 Die Hochschule für Musik Freiburg aus der Vogelperspektive Die Räumlichkeiten der Hochschule in der Hansastraße 3
14
Freiburger Akademie
zur Begabtenförderung (FAB)
renden zu einem vollgültigen Musikstudium,
langfristig gesehen die sich anschließenden künstle-
rischen Karrieren und Anstellungen beziehungsweise
Positionen zum Beispiel in Orchestern, Ensembles
und Institutionen. Auf diesem Weg sind Preise,
Auszeichnungen und Konzertverpflichtungen
Indikatoren für ein erfolgreiches Vorankommen und
Sich-Entwickeln.
Im letzten Jahr haben FAB-Vorstudierende in allen
drei Bereichen außerordentliche Erfolge erzielt, die
bundesweit herausragend sind.
FAB-Studierende erfolgreich beim Bundeswettbewerb
„Jugend musiziert“
Sowohl der Eduard Söring-Preis für Moë Dierstein
(Violine, Klasse Prof. Simone Zgraggen) als auch der
Begegnungspreis des „Chinese Youth Music Competi-
tion“, der eine Konzertreise nach China für das Trio
Elias Falk (Viola, Klasse Prof. Wolfram Christ), Konrad
Fitzenberger (Klavier, Klasse Prof. Elza Kolodin) und
Moë Dierstein ihren externen Klarinettisten Anton Betz beinhaltet,
wurden beim 56. Bundeswettbewerb „Jugend musi-
ziert“ nur je einmal vergeben. Damit wurden gleich
Vor 12 Jahren ging die Freiburger Akademie zur zwei Programmbeiträge des Preisträgerkonzertes von
Begabtenförderung als Institut aus der ehemaligen FAB-Vorstudierenden bestritten.
Vorklasse der Hochschule für Musik Freiburg hervor.
Inzwischen hat fast jede Hochschule ein entsprechen- Zur Einschätzung sei vermerkt, dass am Bundeswett-
des Institut, ob nun Précollege, Akademie oder bewerb Anfang Juni in Halle insgesamt rund 2.900
Hochbegabtenzentrum genannt. Dies kann als Jugendliche teilgenommen haben, die sich über
Bestätigung für den eingeschlagenen Weg gesehen vorausgegangene Landeswettbewerbe aus rund 16.000
werden. In wiederkehrenden Treffen tauschen sich Regionalteilnehmenden qualifiziert haben. Seit
die Frühförderungsinstitutionen aus. Freiburg steht Gründung des Wettbewerbs 1964 hatte es noch nie so
im Vergleich sehr gut da, eine Erweiterung durch ein einen großen Bundeswettbewerb gegeben.
Netzwerk mit den umliegenden Musikschulen,
Privatmusiklehrenden und Stiftungen ist in Vorberei- Der Eduard Söring-Preis ist mit 6.000 Euro dotiert.
tung. Diese Auszeichnung ist die mit Abstand höchstdotier-
te, die von der Deutschen Stiftung Musikleben im
Maßstab für den erfolgreichen Ausbildungsweg sind Rahmen des Bundeswettbewerbs einmalig vergeben
die erfolgreichen Eignungsprüfungen der Vorstudie- wird. Der Preis wird jedes Jahr von Dr. Detlef Kohlha-15
se in Gedenken an den langjährigen Vorsitzenden der ke/Prof. A. Dorwarth (AG VI, Wertung: Ensemble
Deutschen Stiftung Musikleben und engagierten Alte Musik), 24 Punkte, 1. Preis
Förderer des Projekts „Jugend musiziert“ gestiftet. Die
14-jährige Moë Dierstein begeisterte die Jury vor WDR 3 Klassikpreis der Stadt Münster für Dana
allem mit der für ihr junges Alter beachtlichen Bostedt und Theresa Heidler
musikalischen Reife. Der „WDR 3 Klassikpreis der Stadt Münster“ ist ein
www.deutsche-stiftung- Sonderpreis des Wettbewerbs „Jugend musiziert“.
musikleben.de/popup/popupStart.html?TID=561 Zugelassen waren ausschließlich 1. PreisträgerInnen
des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“, in
Das Trio Elias Falk, Anton Betz (extern) und Konrad diesem Fall des Jahres 2018.
Fitzenberger, Klavier-Kammermusik, AG V, wird in der
zweiten Oktoberhälfte nach China reisen und in Die Gewinner des Klassikpreises präsentierten sich
Städten wie Shanghai und Peking, unter anderem in am 7. Oktober 2018 in Münster in einem Konzert, das
der Deutschen Botschaft, auftreten. Zusätzlich sind der WDR aufzeichnete und anschließend sendete.
Treffen mit jungen chinesischen Musikerinnen und
Musikern geplant. In dem Beitrag wird von der „Crème de la Crème“ des
deutschen Musikernachwuchses gesprochen, da zur
Neben diesen herausragenden Sonderpreisen erzielten Zulassung zum Wettbewerb neben dem 1. Bundes-
Freiburger Vorstudierende sechs 1. Preise beim preis auch die besondere Empfehlung der jeweiligen
Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Bundesjury notwendig war.
Carlotta Herzog und David Korotine erhielten für die Ausgezeichnet wurde die beste Interpretation eines
Höchstwertung als Gitarrenduo einen Ensemble- mehrsätzigen Werks der deutsch-österreichischen,
Sonderpreis in Höhe von 150 Euro pro Ensemblemit- klassischen Musiktradition, zum Beispiel komplette
glied. Sonaten von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus
Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert,
Die Sonderpreise sind einzusehen unter folgendem Robert Schumann, Felix Mendelssohn oder Johannes
Link: www.jugend- Brahms.
musiziert.org/wettbewerbe/bundeswettbewerb/sonderpreise.html Die beiden FAB-Vorstudentinnen Dana Bostedt,
Violine (Klasse Prof. Simone Zgraggen) und Theresa
Die Ergebnisse der FAB-Studierenden im Einzelnen: Heidler, Klavier (Klasse Prof. Christoph Sischka)
• Moë Dierstein, Violine Klasse Prof. S. Zgraggen (AG interpretierten von Ludwig van Beethoven die
III, Wertung: Violine), 25 Punkte, 1. Preis und Violinsonate Nr. 4 a-Moll, op. 23. Als Preisgeld
Eduard Söring-Preis erhielten sie 1.200 Euro.
• Sofie-Marie Starkloff, Violine Klasse Prof. S. Nach dem Gewinn des 1. Preises beim Bundeswettbe-
Zgraggen (AG V, Wertung: Violine), 19 Punkte, mit werb „Jugend musiziert“ in Lübeck 2018 in der
sehr gutem Erfolg teilgenommen Wertung „Klavier und ein Streichinstrument“ ist dies
• Elias Falk, Viola Klasse Prof. W. Christ (AG V, für beiden Musikerinnen eine weitere Steigerung,
Wertung: Klavier-Kammermusik), 24 Punkte, 1. zumal in Münster nicht getrennt nach Alterskatego-
Preis rien gewertet wird.
• Konrad Fitzenberger, Klavier Klasse Prof. E. Kolodin www.muensterschezeitung.de/Lokales/Staedte/Muenster/35048
(AG V, Wertung: Klavier-Kammermusik), 24 Punkte, 77-Klassikpreis-der-Stadt-Muenster-fuer-drei-Duos-und-ein-
1. Preis Oktett-Junge-Musiker-mit-verheissungsvoller-Zukunft
• Carlotta Herzog, Gitarre Klasse M. Kläger (AG V,
Wertung: Zupf-Ensemble), 25 Punkte, 1. Preis Europäisches Konzert in der Felsenkirche in Helsinki
• David Korotine, Gitarre Klasse B. Huang (AG V, Ebenfalls aufgrund ihres ersten Preises beim Bundes-
Wertung: Zupf-Ensemble), 25 Punkte, 1. Preis wettbewerb „Jugend musiziert“ in der Wertung
• Bernhard Hauk, Cembalo Klasse Prof. D. Fran- Klavier und ein Streichinstrument wurde das Duo16
Link zum Videomitschnitt:
https://youtu.be/BNs241wD2gU
Link zum Programmheft:
www.irgw.de/pdf/190224-Konzert_Nigun_Programmheft.pdf
Clara Wieck Schumann zum 200. Geburtstag
Im Rahmen des Symposiums „Kunst und Forschung –
Clara Wieck Schumann zum 200. Geburtstag“ wurde
unter anderem dabei das Konzert, das sie am
9. November 1835 im Leipziger Gewandhaus gab, im
Wolfgang-Hoffmann-Saal der Musikhochschule
Freiburg nachgestellt. Das virtuose und vielseitig
zusammengestellte Programm steht beispielhaft für
die Konzertpraxis im ersten Drittel des 19. Jahrhun-
derts und für das kulturelle Handeln Clara Wieck
Schumanns. Die Pianistin und Repertoireexpertin
Ragna Schirmer interpretierte hierbei unter anderem
das Konzert für drei Klaviere, Streicher und Basso
Theresa Heidler und Dana Bostedt continuo d-Moll von Johann Sebastian Bach, BWV
1063. Clara Wieck Schumann war 1835 noch selbst
„Jugendliche“, insofern waren auch die weiteren
vom 12. bis 15. Januar 2019 nach Finnland eingela- Pianist*innen Theresa Heidler (FAB) und Romain Carl
den, in der berühmten Felsenkirche in Helsinki im (ehemals FAB, jetzt Bachelor-Student) ideal besetzt.
Europäischen Konzert aufzutreten. Im Programmbuch
des diesjährigen Bundeswettbewerbs wurde darüber Die konzeptionelle Leitung des Symposiums lag in
berichtet. den Händen von Prof. Dr. Janina Klassen und
https://www.jumu-dsh.net/media?lightbox=dataItem-jr53f0dl Dr. Martin Günther.
Auftritt im Neuen Schloss in Stuttgart vor dem Lou Hägi konzertiert erfolgreich in Luzern und Muri
Konsularischen Korps und in der Liederhalle Stuttgart Mit Edvard Griegs berühmtem Klavierkonzert a-Moll
mit dem Nigun Kammerorchester op. 16 begeisterte der erst 16-jährige Lou Hägi (Klasse
Als Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Prof. Christoph Sischka) das Publikum in Luzern und
12. März das Konsularische Korps in das Neue Schloss Muri (Schweiz). Begleitet wurde er vom Seniorenor-
nach Stuttgart einlud, wurde der Empfang auf chester Luzern unter der Leitung von Prof. Josef Gnos.
Empfehlung des Landesmusikrats Baden-
Württemberg durch das Duo Dana Bostedt und Internationale Wettbewerbserfolge
Theresa Heidler umrahmt. Sie spielten Werke von Der Gitarrist David Korotine (Klasse Beata Huang)
Beethoven, Franck und Korngold. gewinnt beim internationalen Heinrich Albert
Gitarrenwettbewerb den Karl-Scheit-Sonderpreis.
Aufgrund des Gewinns des Karl-Adler- www.heinrich-albert-
Musikwettbewerbs wurden Dana Bostedt und Theresa gitarrenwettbewerb.de/albert_rueckblick.html#2018
Heidler eingeladen, von Felix Mendelssohn Bartholdy
das Konzert für Violine, Klavier und Orchester d-Moll Theresa Heidler (Klasse Prof. Christoph Sischka),
in der Stuttgarter Liederhalle aufzuführen. Das gewann den 1. Preis bei dem Wettbewerb „Prix
Kammerorchester Nigun wurde von Christoph Musical de la Jeunesse Peter Aab“, der 2018 in Nevers
Wyneken geleitet. Mendelssohn hat das rund 40- (Frankreich) stattfand. Bei dem Wettbewerb hatten
minütige Werk als 14-jähriger komponiert, mit junge Pianistinnen und Pianisten bis 19 Jahren aus
deutlichen Anklängen an historische Vorbilder.17
Frankreich, Ungarn und Deutschland teilgenommen. Erfahrung sowohl für die Schulklassen als auch die
Der 1. Preis ist mit 1.500 Euro dotiert. FAB-Vorstudierenden. So traten am 3. bzw. 5. Juli 2019
Bernadette Leberl (17 Jahre, Klavier) in der Loretto-
Aufgrund ihrer zahlreichen Preis und Auszeichnun- schule, Adrian Henke (18 Jahre, Klavier) am Goethe-
gen führte der Bürgerverein Oberwiehre Waldsee ein Gymnasium und Moë Dierstein (13 Jahre) zusammen
Interview mit Theresa Heidler: mit Sofie-Marie Starkloff (16 Jahre, beide Violine) an
https://oberwiehre-waldsee.de/2018/12/02/interview-mit- der Adolf-Reichwein-Schule auf.
theresa-heidler/#more-2372 www.freiburg.de/pb/782074.html
Stipendien der Museumsgesellschaft Die Großen von morgen
Zur Unterstützung hochbegabter Talente der Freibur- In den Konzerten der FAB „Die Großen von morgen“
ger Akademie zur Begabtenförderung vergab die traten am 16. Ferbruar 2019 im Wolfgang-Hoffmann-
Museumsgesellschaft Freiburg im Breisgau e. V. im Saal der Musikhochschule Freiburg Dana Bostedt und
Sommersemester drei Stipendien in Höhe von je 750 Theresa Heidler (Duo Violine und Klavier), Moe
Euro. Im Rahmen des Auswahlvorspiels zu den Dierstein (Violine), Sergey Fedorov (Gitarre), Konrad
Semesterkonzerten am 1. Juli 2019 wirkten von Seiten Fitzenberger (Klavier), Lou Hägi (Klavier), Theresa
der Museumsgesellschaft Prof. Helga Kirwald, Heidler (Orgel), Adrian Henke (Klavier), Carlotta
Prof. Roland Breitenfeld sowie Goswin Hammer in der Herzog und David Korotine (Gitarrenduo), Wei-Chieh
Auswahlkommission mit. Nach dreieinhalb Stunden Liao (Klavier), Muriel Müller (Schlagzeug) sowie Sofie-
Musikbeiträgen wurden als Stipendiatinnen Dana Marie Starkloff (Violine) auf.
Bostedt (Violine, Klasse Prof. Simone Zgraggen),
Theresa Heidler (Orgel, Klasse Prof. David Franke und In der Konzertmatinee im Augustinum Freiburg
Klavier, Klasse Prof. Christoph Sischka) sowie Muriel traten am 17. Februar 2019 Johanna Bittner (Violine),
Müller (Schlagzeug, Klasse Prof. Håkon Stene) Clara Nuri Ende (Violine), Konrad Fitzenberger
ausgewählt. Die Übergabe der Urkunden und Preise (Klavier), Ada Heinke (Klavier), Carlotta Herzog und
durch den Vorstand der Museumsgesellschaft fand im David Korotine (Gitarrenduo), Bernadette Leberl
Rahmen des Konzertes im Wolfgang-Hoffmann-Saal (Klavier), Wei-Chieh Liao (Trompete) sowie ein Trio
am 13. Juli 2019 statt. mit Konrad Fitzenberger (Klavier), Elias Falk (Viola)
und als Gast Anton Betz (Klarinette) auf.
Weitere Konzerte
Die beiden Konzerte im Sommersemester 2018 waren
Pausenkonzerte im Rahmen des Freiburger wie folgt besetzt:
Kindermusikfestivals „Klong“ 2019 13. Juli 2019, Wolfgang-Hoffmann-Saal der Musik-
In einer Zeit, in der oft beklagt wird, Jugendliche hochschule Freiburg: Morris Bader (Gitarre), Dana
fänden keinen Zugang mehr zu klassischer Musik, ist Bostedt (Violine), Dana Bostedt und Theresa Heidler
eine Initiative wie das Kindermusikfestival „Klong“ (Duo Violine und Klavier), Moë Dierstein (Violine),
um so mehr zu begrüßen. Seit dem Jahr 2010 veran- Sergey Fedorov (Gitarre), Lou Hägi (Klavier), Theresa
staltet das Kulturamt der Stadt Freiburg zusammen Heidler (Orgel), Bernadette Leberl (Klavier), Wie-
mit dem Theater Freiburg und in Kooperation mit Chieh Liao (Klavier), Muriel Müller (Schlagzeug).
dem Verein „mehrklang – Gesellschaft für Neue
Musik“ dieses Festival für Kinder ganz unterschiedli- 8. Juli 2018, Augustinum Freiburg: Morris Bader
cher Altersgruppen. Seit Beginn an ist die FAB (Gitarre), Johanna Bittner (Violine), Elisabeth Brobeil
Partner. Auch dieses Jahr gestalteten FAB- (Violine), Clara Nuri Ende (Violine), Theresa Heidler
Vorstudierende Pausenkonzerte in öffentlichen (Klavier), Ada Heinke (Klavier), Julia Hellmund
Schulen. Als Gleichaltrige präsentieren sie kurze (Klavier), Adrian Henke (Klavier), Wie-Chieh Liao
Konzerte in den Schulpausen, durch Erläuterungen (Trompete).
vermitteln sie den musikalischen Hintergrund und
innere Zusammenhänge. Dies ist eine ganz neue Prof. Christoph Sischka18
Die Arbeit des
Gleichstellungsbüros
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat begleiten; wir können versuchen, in Berufungsver-
fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichbe- fahren noch engagierter Frauen zur Bewerbung
rechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die aufzufordern, damit es möglichst bald keine Fach-
Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ gruppe mehr gibt, in der der Frauenanteil bei 0 %
Grundgesetz Artikel 3 Absatz 2 liegt, und müssen im Bereich der Nachwuchsförde-
rung weiter verstärkt investieren. Studentinnen
Solange wir das Glück haben, in einer Demokratie zu brauchen Vorbilder aus den Reihen des eigenen
leben, und dies nicht nur dem Glück überlassen, sind Geschlechts, um für sich später auch eine Hochschul-
wir alle ein Teil des Staates und damit aufgerufen, karriere andenken zu können, denn zum Glück ist
dort auf Gleichberechtigung hinzuwirken, wo wir uns „der Professor“ nicht mehr nur „ein Mann, der alles
befinden. An einer Hochschule können wir dafür weiß und vieles kann“.
Sorge tragen, die auf alle Geschlechter gleichmäßig
verteilten Talente gleichermaßen zu fördern und auf „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung
sämtlichen Ebenen Frauen und Männer gemeinsam bedarf nach wie vor einer intensiven Beachtung
in ausgeglichener Anzahl wirken zu lassen. Dies ist durch Bund und Länder. Im Verlauf der vergangenen
vor allem auf Entscheidungsebenen wichtig. Jahre hat der Frauenanteil auf allen Qualifikations-
und Karrierestufen zwar kontinuierlich zugenom-
Um das zu ermöglichen, ist es nicht selten nötig, men, nach wie vor sinkt jedoch der Frauenanteil mit
veraltete Denkstrukturen aufzulösen, Familie und jeder Stufe auf der Karriereleiter nach Abschluss des
Studium oder Familie und Beruf unterstützend zu Studiums.“1
80 %
60 %
40 % Frauen
Männer
20 %
0%
Studierende Lehrbeauftragte Akademische Professuren
Mitarbeitende
Bezugsdaten: Wintersemester 2018/201919
Zahlen allgemein und bei uns Frauen in der Lehre und in Führungspositionen
Im Jahr 2017 waren 26,4 % der Professuren an Kunst- immer noch viel geringer vertreten. Trotz dieser
und Musikhochschulen in Baden-Württemberg von Tatsache sind an der Hochschule für Musik Freiburg
Frauen besetzt.2 Aufwüchse in der Teilhabe von Frauen zu erkennen.
An unserer Hochschule waren 25,76 % der Professuren Das nächste Schaubild zeigt diesen Aufwuchs der
zum Stichtag 1. Dezember 2018 von Frauen besetzt. Musikhochschule zwischen 2014 und 2018.
Im Wintersemester 2017/2018 lag der Frauenanteil Jüngste Erfolge der Gleichstellung
von Studierenden an Kunst- und Musikhochschulen
in Baden Württemberg bei 56 %.3 Professorinnenprogramm III
Zum zweiten Mal erhielt die Hochschule für Musik
An unserer Hochschule studierten im Wintersemester Freiburg die Zusage beim Professorinnenprogramm,
2018/2019 54 % Frauen, im akademischen Mittelbau dem größten Drittmittelprogramm des Bundes und
lehrten 43,59 % Frauen und 39,0 % der Lehrbeauftrag- des Landes. Damit ist sie wieder die einzige Musik-
ten waren weiblich. hochschule in Baden-Württemberg, die durch die
positive Begutachtung der Dokumentation ihrer
Allgemein gilt: Je höher die Besoldungsgruppe, desto gleichstellungsfördernden Maßnahmen eine erneute
niedriger ist der Anteil der Frauen. Auch an der Anschubfinanzierung für eine von einer Frau besetzte
Hochschule für Musik Freiburg ist diese Tendenz W3-Professur erhält.
eindeutig abzulesen, was die Frauenförderung nach
wie vor notwendig macht. Wir sind froh, dabei zu sein, denn die frei werdenden
Mittel aus diesem Programm fließen direkt in
Es zeigt sich das bekannte Bild: Trotz der leicht frauenfördernde Maßnahmen.
höheren Anzahl von weiblichen Studierenden
gegenüber ihren männlichen Kommilitonen sind
50 %
45 %
40 %
35 %
30 %
25 %
20 %
15 %
10 %
5%
0%
Lehrbeauftragte Akademische Professuren
Mitarbeitende
Anteil Frauen 2014 Anteil Frauen 2018
Bezugsdaten: Wintersemester 2018/201920
Tätigkeiten des Gleichstellungsbüros Das FrauenFörderStipendium Musik
Hier sind derzeit tätig: Prof. Regina Kabis, Prof. Dr. Das Stipendium hat sich als ein wichtiges hochschul-
Janina Klassen, Prof. Dr. Nathalie Meidhof, Jacqueline eigenes Stipendienprogramm etabliert. In den bisher
Pfann. durchgeführten Verfahren zwischen 2015 und 2018
haben sich insgesamt 48 Studentinnen darum
Das Gleichstellungsbüro an der Hochschule für Musik beworben. Acht Studentinnen mit den Hauptfächern
Freiburg arbeitet Chorleitung, Komposition, Filmmusik, Liedgestal-
• an der regelmäßigen Erhebung von Zahlenmaterial tung, Violoncello, Trompete und Master Musikpädago-
• an Fragen der Beratung auch gemeinsam mit gik wurden beziehungsweise werden aktuell mit
anderen zuständigen Ansprechpersonen 400 € monatlich gefördert. Die Studentinnen haben
• an der Umsetzung der frauenfördernden Maßnah- sich in dieser Zeit auch in Vorbereitung auf ihre
men, die sich aus dem Gleichstellungsplan ergeben Abschlussprojekte intensiv mit der Thematik „Frau
(siehe unten) Sein im Musikbusiness“ befasst. Die Stipendiatinnen
• an der Konzeption und Mitbeteiligung von/an erhalten Aufmerksamkeit und können von Gesprä-
Veranstaltungen chen in Einzelcoachings durch eine Spezialistin im
• an berufsfördernden Maßnahmen für Studentin- Bereich „Frauen im Musikbusiness“ profitieren.
nen (Stipendien und Fortbildungen)
• an der Organisation von Fortbildungen für Lehr- 2018 wurde das Stipendium an eine Dirigentin und
kräfte, Führungs- und Verwaltungspersonal eine Master-Musikpädagogik-Studentin mit Haupt-
• in allen Berufungs- und Stellenbesetzungsverfah- fach Cello vergeben.
ren der Hochschule
Ab 2019 wird das Stipendium geöffnet für Frauen
Gleichstellungsaktivitäten aller Fachbereiche und Studienzyklen.
Parität in den Berufungskommissionen Das Gender/Diversity-Stipendium
Die paritätische Besetzung wird an der Hochschule Studierende aller Fächer, künstlerischer und wissen-
für Musik Freiburg gemeinsam mit Fachgruppen, schaftlicher sowie Lehramtsstudierende, die sich in
Rektorat und Gleichstellung mit großem Nachdruck ihren wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Themen-
in allen Verfahren angestrebt und umgesetzt. komplex „Musik und Gender“ auseinandersetzen,
Während in frühen Berufungsverfahren, in der die können sich hierfür bewerben. Interessante Arbeiten
Reform noch nicht gegriffen hat, ein Frauenanteil wurden eingereicht wie zum Beispiel: „Was ist guter
zwischen 18 bis 20 % durchaus üblich war (Statistik Musikunterricht? Eine geschlechtsspezifische
zur Dokumentation des Professorinnenprogramms II), Untersuchung zur Meinung von Schülerinnen und
ist der Frauenanteil bei den Berufungskommissionen Schülern an einem Freiburger Gymnasium“ sowie
der Hochschule für Musik Freiburg inzwischen auf eine wissenschaftliche Hausarbeit mit dem Titel
fast 45 % angewachsen. Dies gelingt vor allem durch „Frauenquote für Dirigentinnen?! – Ein geeignetes
die Mitarbeit von externen weiblichen Mitgliedern Instrument zur Förderung von Frauen im Kulturbe-
und Gutachterinnen der Berufungskommissionen. reich?“ Ein Preisgeld von insgesamt 2.400 € jährlich
Allein diese zu finden, ist in einigen Fächern wie kann vergeben werden. Die Jury entscheidet, ob die
Dirigieren oder bei den Blechblasinstrumenten mit Summe an eine Einzelperson vergeben oder gemäß
großem Aufwand verbunden. Es bleibt das Ziel, eine eines von der Jury festgelegten Verhältnisses geteilt
vollständige Genderparität in allen Berufungskom- wird.
missionen und auch im Begutachtungsprozess zu
erreichen. Momentan werden durch diese Maßnah- Die Besetzung von anteiligen wissenschaftlichen oder
men allerdings die Frauen in den Professuren auf künstlerischen Nachwuchsstellen
Grund des unausgeglichenen Geschlechterverhältnis- Die geeignetste Förderung, um in eine Hochschulkar-
ses administrativ weit stärker belastet als ihre riere zu starten, ist die Möglichkeit, im akademischen
männlichen Kollegen. Mittelbau oder im Lehrauftrag Unterrichtserfahrung21
zu sammeln. Meist ist dies Voraussetzung, um sich 2019/2020 werden bereits die Konzerte IV und V mit
auf Professuren bewerben zu können. Im Sommerse- der Dirigentin Friederike Scheunchen und der
mester 2018 wurde die Pianistin Kyra Steckeweh, die Komponistin Eun Hwa Cho stattfinden.
sich auf die Wiederentdeckung vergessener Kompo-
nistinnen spezialisiert hat und über die Komponistin Symposium und Konzertabend „Clara Wieck Schu-
Mel Bonis forscht, mit einer anteiligen Stelle betraut. mann“ am 10. und 11. Mai 2019
Darüberhinaus zeigte sie im Kommunalen Kino einen Unter der Leitung von Prof. Dr. Janina Klassen und im
Film über Leben und Werk von Komponistinnen in Zusammenhang mit dem neu gegründeten Freiburger
Kinolänge, den sie gedreht hat und der inzwischen Forschungs-und Lehrzentrum Musik fanden an
mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Ein Konzert diesen beiden Tagen verschiedene Veranstaltungen
mit Werken von Lili Boulanger erklang gemeinsam zum 200. Geburtstag von Clara Wieck Schumann
mit der Sängerin Isabel Weller im Humboldtsaal. statt. Die Krönung war die Rekonstruktion des
„Grossen Concerts“, das Clara Wieck am
In den Bereich Musikmedizin fielen weitere Stellen- 9. November 1835 im Gewandhaus zu Leipzig gegeben
prozente. Marie-Christine Köberlein forscht hier über hat. Es enthielt die Uraufführung ihres eigenen
physiologische Abläufe im Ansatzrohr bei hohen Klavierkonzerts. Bei uns wurde es gemeinsam mit
Sopranen und bereitet eine Dissertation zu diesem dem Orchester der Hochschule unter der Leitung von
Thema vor. Die Erfahrung mit diesen Stellen ist Scott Sandmeier hervorragend von der Pianistin
durchaus positiv zu bewerten. Die Möglichkeit, Ragna Schirmer interpretiert.
Frauen mit Qualifizierungsstellen zu unterstützen,
ebnet ihnen den Weg in Hochschulen und hin zu Die Online-Datenbank zur Publikation von Schriften
begehrten Arbeitgebern. und künstlerischen Arbeiten von Künstlerinnen und
Wissenschaftlerinnen
Das Mathilde-Planck-Lehrauftragsprogramm Der Publikationsserver FreiMusic https://opus4.bsz-
Ein erster, entscheidender Schritt in Richtung bw.de/mhfr/home steht als Podium für digitale
Professur an einer Hochschule ist in der Regel ein Veröffentlichungen von Kompositionen sowie
Lehrauftrag an einer solchen, um überhaupt zu wissenschaftlichen Texten (Masterarbeiten, Disserta-
einem Bewerbungsverfahren eingeladen zu werden. tionen und Ergebnisse von Forschungsprojekten) von
Aus diesem Grund beteiligt sich die Hochschule für Studentinnen wie auch Professorinnen und Dozentin-
Musik Freiburg seit 2013 am Mathilde-Planck- nen der Hochschule seit Anfang des Jahres 2017 zur
Lehrauftrags-Programm. In diesem Zeitraum wurden Verfügung. Die Titeldaten werden an die Deutsche
bereits neun befristete Lehraufträge an junge Nationalbibliothek zum Nachweis weitergeleitet.
Nachwuchskünstlerinnen vergeben. Derzeit werden in erster Linie Kompositionen von
Studentinnen veröffentlicht. Möglich werden durch
Die neue Konzertreihe „art&schock“ in Kooperation mit den Publikationsserver auch bibliografische Gesamt-
dem Institut für Neue Musik nachweise der Veröffentlichungen von Hochschuldo-
Am 26. November 2018 wurde die neue Konzertreihe zentinnen. Die Publikation der Dokumente in
von Rektor Prof. Dr. Ludwig Holtmeier im Humboldt- FreiMusic gewährleistet, dass diese in Bibliothekska-
saal in der Innenstadt Freiburgs eröffnet, die auf talogen und Datenbanken nachgewiesen werden.
Initiative des Instituts für Neue Musik zusammen mit Eine URN sichert ihre Unverfälschtheit und damit ist
dem Gleichstellungsbüro ins Leben gerufen wurde auch ihre Zitierfähigkeit gesichert. Eine langfristige
und die neuen Musikformaten und innovativen Speicherung wird gewährleistet. Publikationen sind
Künstlerinnen einen Raum gibt. Im ersten Konzert wichtiger Bestandteil erfolgreicher Bewerbungen. Der
stand die Komponistin Lisa Streich im Mittelpunkt, Publikationsserver stellt sicher, dass Studentinnen
von der nebst äußerst spannender Musik auch sowie Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchswis-
unterhaltsame Gespräche mit dem Komponisten und senschaftlerinnen eine Möglichkeit geboten wird,
Leiter des Institutes für Neue Musik, Johannes sich zu präsentieren.
Schöllhorn, zu erleben waren. Im WintersemesterSie können auch lesen