Intern - WIR SIND BUNT - Klinik St. Hedwig
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intern Februar 2019 WIR SIND BUNT Neuer Chefarzt für Anästhesie Multikulturalität in der Zehn Jahre Selbsthilfefreundliches und operative Intensivmedizin Dienstgemeinschaft Krankenhaus
2 IN T E RN
Inhalt
Aus der Dienstgemeinschaft
Neuer Chefarzt in der Anästhesie 4
Wir sind bunt gemischt – Multikulturalität in der Dienstgemeinschaft 15
Neues Pilotprojekt aus der Diabetologie 22
Willkommen und Verabschiedung 24
Kein Abschied für immer! 25
Segensreiches Wirken 28
MAV – Bestens vertreten 29
Kooperation Selbsthilfe
Das Titelbild dieser intern- Zehn Jahre Selbsthilfefreundliches Krankenhaus 8
Ausgabe soll die bunte Vielfalt Stabübergabe bei den Barmherzigen Brüdern 10
darstellen, die uns im Kran-
Im Gespräch mit der neuen Selbsthilfebeauftragten 12
kenhaus täglich begegnet. Die
Menschen in unserem Kran- Drei Jahre Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz 13
kenhaus sind – egal ob Mitar-
beiter oder Patienten – genau
so vielschichtig und bunt Unterstützung über das Krankenhaus hinaus
gemischt wie die Themen, mit
Medizinische Hilfe für wohnungslose Menschen 6
denen sie sich beschäftigen.
Insgesamt 3.500 Mitarbeiter Hilfe für Kinder der Familiennachsorge 7
aus 53 verschiedenen Na- Entsorgungsfirma Lütgert spendet für Familiennachsorge 7
tionen arbeiten in unserer
Feierliches Jubiläum der Harl.e.kin-Nachsorge 26
Dienstgemeinschaft in mehr
als 100 Berufen für ein einzi- Zwei Virtuosinnen musizieren für den guten Zweck 27
ges Ziel – unseren Patienten
die beste Versorgung zukom-
men zu lassen. Über unsere „kleinen“ Patienten
Glück hoch Neun: Dreimal Drillinge 23
Gefahr: Knopfzellenbatterien 26
Die intern ist die Zeitung für die Isabella ist das 3.000. Baby in der Klinik St. Hedwig 28
Mitarbeiter der Standorte
Prüfeninger Straße und Klinik
St. Hedwig des Krankenhauses Ausbildung und Zukunft
Barmherzige Brüder Regensburg,
Pflegepreise beim Dies Academicus 14
des Paul Gerhardt Hauses,
der BBSG in Regensburg und der Fort- und Weiterbildung 32
MVZ GmbH Regensburg.
Aus dem Krankenhausverbund
Führungsrolle reflektieren und entwickeln 18
Schwandorf: Akutgeriatrie bald auch in Schwandorf 30
München: Unfallchirurg operiert ehrenamtlich in Sierra Leone 30
Straubing: Chefarzt der Medizinischen Klinik hilft in Nepal 31INTER N 3
Liebe Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter,
„Wir sind bunt“ lautet das Motto dieser von bisherigen Erfahrungen und neuen Mitarbeiter verabschiedeten wir Anfang
Ausgabe und spiegelt sich in vielen Bei- Plänen (S. 10 – 12). 2019 in ihre wohlverdiente Rente (S. 25).
trägen der folgenden Seiten wider. Un- Zwischen den Verabschiedungen durf-
sere Dienstgemeinschaft beispielsweise Neben dem bunten Krankenhausalltag ten wir jedoch auch neue Mitarbeiter in
ist eine bunte Mischung aus verschie- engagieren sich viele Mitglieder unserer unserer Dienstgemeinschaft willkommen
densten Kulturen und Berufen, die unter Dienstgemeinschaft auch für wichti- heißen. Pünktlich zum neuen Jahr be-
unserem Dach zusammenkommen. ge Projekte außerhalb Ihrer täglichen grüßten wir Prof. Dr. Tino Münster, der
Zukünftig stellen wir in jeder Ausgabe Aufgaben. In der Weihnachtsausgabe die Geschicke der Klinik für Anästhesie
einen Mitarbeiter mit seinem Herkunfts- unserer Mitarbeiterzeitung haben wir und operative Intensivmedizin in Zukunft
land vor, um dieser Multikulturalität beispielsweise über die Spende für den lenken wird. Ich wünsche ihm – auch im
Ausdruck zu verleihen (S. 15 – 17). neu gegründeten Verein Rafael e.V. be- Namen meiner Geschäftsführerkollegen
richtet, der obdachlosen Menschen eine – alles Gute für die neue Position.
Bunt gemischt sind auch die aktiven medizinische Versorgung bietet. Der
Selbsthilfegruppen in unserem Kranken- Orden der Barmherzigen Brüder steht Zum Abschluss dürfen wir uns über klei-
haus: Über 15 Selbsthilfegruppen sind dem Projekt unterstützend zur Seite ne Überraschungen freuen – und zwar
hier vertreten. Seit zehn Jahren koope- und viele unserer Mitarbeiter sind dort über insgesamt neun! Denn im Dezem-
riert das Krankenhaus Barmherzige ehrenamtlich aktiv (S. 6). ber letzten Jahres erblickten innerhalb
Brüder erfolgreich mit der Kontakt- und von nur zwei Wochen dreimal Drillinge in
Informationsstelle für Selbsthilfegrup- Bei knapp 3.500 Mitarbeitern fin- der Klinik St. Hedwig das Licht der Welt.
pen (KISS). Im Zuge des Jubiläums det natürlich Bewegung statt. Daher Ein Ereignis, das in den Medien sogar
gab es einen Grund zu feiern – zum mussten wir uns in den letzten Wochen als „Krankenhaussensation des Jahres“
dritten Mal erhielt die Kooperation die von einigen hochgeschätzten Kollegen betitelt wurde (S. 23).
Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches verabschieden. Prof. Dr. Cornel Sie-
Krankenhaus“ (S. 8 – 9). Im Rahmen ber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Für die restliche Winterzeit wünsche ich
der Veranstaltung gab es eine Stab- Innere Medizin und Geriatrie, verließ Ihnen alles Gute.
übergabe der Selbsthilfebeauftragten Ende Januar unsere Dienstgemeinschaft
im Krankenhaus. Dr. Heribert Stauder (S. 24) und Dr. Franz-Xaver Stigler, der Ihre
trat nach zehn Jahren seine Position als knapp zwei Jahrzehnte die Klinik für
Selbsthilfebeauftragter an die onkolo- Anästhesie und operative Intensivmedi-
gische Fachpflegekraft Monika Wagner zin leitete, ging mit Ende des Jahres in
ab. Im Interview erzählen die beiden den Ruhestand. 19 weitere geschätzte4 IN T E RN
Neuer Chefarzt in der Anästhesie
Prof. Dr. Tino Münster ist neuer Leiter der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin. Er
tritt die Nachfolge von Dr. Franz-Xaver Stigler an, welcher die Klinik 19 Jahre bis zu seinem Ruhe-
stand geführt hat.
Die Klinik für Anästhesie und operative ein großes Spektrum: die Anästhesie,
Intensivmedizin steht jetzt unter der das Notarztwesen und die operativen
Leitung des neuen Chefarztes Prof. Dr. Intensiv- und Wachstationen sowie die
Tino Münster. Der gebürtige Thüringer Schmerzmedizin mit einer Schmerzam-
war zuletzt Geschäftsführender Ober- bulanz, einer Schmerztagesklinik und
arzt der Anästhesiologischen Klinik des einer stationären Schmerztherapie.
Universitätsklinikums Erlangen sowie
Ständiger Vertreter des Klinikdirektors SCHMERZFREIES KRANKENHAUS
Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Schüttler. „Wir
sind froh, mit Prof. Münster einen sehr Der neue Chefarzt Prof. Münster plant,
erfahrenen Arzt gewonnen zu haben“, die Schmerzmedizin noch umfassender
so Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler. im Haus zu verankern. „Vom schmerz-
„Er wird mit seinen Mitarbeitern auch in belasteten Patienten in der Notauf-
Zukunft sicherstellen, dass sich Patien- nahme bis hin zum post-operativen
ten bei uns im Haus ohne Angst vor der Patienten oder zum Tumorpatienten
Narkose operieren lassen können. Auch – eine Schmerztherapie sollte über- Begrüßung durch Pater Provinzial
mit seinen Konzepten für ein schmerz- all dort ansetzen, wo Patienten unter Benedikt Hau und Geschäftsführer
freies Krankenhaus und seinen ethisch Schmerzen leiden.“ Dazu möchte er Dr. Andreas Kestler.
fundierten Überlegungen zur Weiterent- das Schmerzmanagement des Kran-
wicklung der Intensivmedizin hat er die kenhauses effektiv ausbauen „Wir Im Jahr 2000 begann er seine ärztliche
Berufungskommission überzeugt.“ wollen früh unterstützend eingreifen, Laufbahn am Universitätsklinikum Er-
um einer drohenden Chronifizierungs- langen. Hier war er ab 2012 in leitender
Die anästhesiologische Klinik, welche gefahr von Schmerzen zu begegnen.“ Funktion tätig und durchlief dabei die
jährlich mit durchschnittlich 16.500 In der post-operativen Schmerztherapie klinischen Bereiche der Kopfklinik, des
Narkosen zu den größten in Ostbayern begrüßt Prof. Münster auch den Einsatz Zentral-OP, der Operativen Intensiv-
gehört, ist auch gleichzeitig mit mehr von psychologischen Maßnahmen und station und der Schmerztherapie. In
als 60 Ärzten die mitarbeiterstärkste Ab- Verfahren, um die Schmerzen nach einer den letzten vier Jahren oblag ihm die
teilung des Krankenhauses. Sie betreut Operation zu begrenzen. leitende Position der Gesamtklinik der
Anästhesie.
Die Intensivmedizin möchte der 45-Jäh-
rige noch individueller an die Bedürfnis- ANÄSTHESIEN BEI SELTENEN
se der Patienten anpassen. „Mögliche ERKRANKUNGEN
Entwicklungen und Optionen, welche
sich auch aufgrund von Vorerkran- Neben seiner beruflichen Tätigkeit enga-
kungen nach einer Operation ergeben giert er sich zudem für die bundesweite
könnten, möchten wir mit den Patien- Initiative „Orphan Anesthesia“, welche
ten frühzeitig besprechen“, erklärt der Handlungsempfehlungen zur Anästhesie
Chefarzt. bei Patienten mit seltenen Erkrankungen
erstellt (www.orphananesthesia.eu).
Prof. Münster wuchs in Ilmenau in Der neue Chefarzt ist mit einer Ärztin
Thüringen auf. Er studierte ab 1993 Hu- verheiratet und Vater von Zwillings-
manmedizin an der Friedrich-Alexander- mädchen im Alter von 17 Jahren und
Universität Erlangen-Nürnberg. Noch einem Sohn im Alter von 13 Jahren. Zur
während seines Studiums verbrachte er Entspannung kocht er leidenschaftlich
vier Monate im Virginia Mason Research gerne, geht ins Kino oder spielt Tennis.
Center in Seattle (USA) und forschte im
Prof. Münster stellt sich vor. Themenspektrum der Pharmakologie. Svenja UihleinINTER N 5
Prof. Münster im Gespräch
Wenn es nach den Vorstellungen der dann tatsächlich mit ihm um 24 Uhr
ehemaligen DDR gegangen wäre, mit Sekt angestoßen. Unsere Frauen
dann hätte der Thüringer Prof. Müns- waren auch mit dabei. Und dann kam
ter nach dem Abitur nicht Medizin die Dienstmannschaft der Anästhesie
studieren sollen. Doch zum Glück und der Intensivmedizin. Dadurch wurde
kam es anders. Für den naturwis- die Runde etwas größer. Schlussendlich
senschaftlich geprägten Anästhe- standen wir eine Stunde an der Pforte. OP-Koordinators, der den ganzen Tag
sisten war 26 Jahre lang Erlangen Das war sehr schön. Es war ein gutes telefoniert und Operationen von A nach
der Lebensmittelpunkt. Jetzt tastet Zeichen. Am 1. Januar 2019 war ich hier B schiebt. Ich möchte gerne die Anäs-
er sich an seinen neuen Aufgaben- zur Visite. Ich habe mit meinen Kollegen thesie als Ganzes betrachten und neue
bereich in Regenburg heran. Privat gesprochen und bin drei Stunden durch moderne Verfahren einführen. Ich habe
macht er Nägel mit Köpfen: Eine neue die Intensivstation gelaufen. zudem einmal im Monat eine Gesamt-
Wohnung hat er schon gekauft. Bis Teamsitzung „Schmerz“ ins Leben
diese saniert ist, wohnt er noch in Wie waren Ihre ersten Tage bisher? gerufen. Und es wird in zwei Monaten
einer „Männer-WG“ am Ostentor und Die Anästhesie erlebt momentan einen einen runden Tisch „Intensivmedizin“ an
pendelt am Wochenende zu seiner Umbruch, da es einige personelle der Intensivmedizin Beteiligten geben.
Familie nach Baiersdorf nahe Erlangen. Veränderungen gibt. Sie hat aber viele An beiden Sitzungen werde ich teilneh-
gute, engagierte Mitarbeiter, die sehr men. Ich versuche das große Ganze zu
intern: Ich habe gehört, dass Sie die wissbegierig und offen für Neues sind. vernetzen.
Schlüssel für Ihre neue Klinik in der Innerhalb der Abteilung wird sich jetzt
Silvesternacht von Herrn Dr. Stigler jedoch einiges verändern. Dies ist ganz Was möchten Sie über Ihr Privatleben
bekommen haben? normal, wenn nach 20 Jahren ein neuer erzählen?
Prof. Münster: Ja, das stimmt. Dr. Chef kommt. Ein Zeichen meinerseits Meine Frau hat eine Hausarztpraxis
Stigler meinte damals: „Wenn er will, soll sein, dass ich mir die Dinge erstmal nahe Erlangen. Wir haben drei Kinder,
bekommt er die Schlüssel um Mitter- anschaue, dass ich zuhöre und mit allen einmal Zwillingstöchter, diese machen
nacht.“ Einmal ausgesprochen habe Mitarbeitern rede. Bisher habe ich in vier jetzt im Frühjahr ihr Abitur. Mein Sohn
ich das dann eigentlich selbstredend Wochen mit mehr als 30 von 75 Mitar- ist in der 7. Klasse. Er sagt immer, er
nie wieder in Frage gestellt. Dr. Stigler beitern Gespräche geführt. Erstmal mit ist Fußballer und geht nebenbei ein
und ich wollten ein Zeichen setzen, allen in Kontakt kommen, auch im Haus bisschen zur Schule. Im Moment fahre
dass keine Lücke entsteht. Ich habe zum Beispiel mit der Personalabteilung ich Freitagnachmittags nach Hause,
und mit der Pflege. Dann machen wir mittelfristig wird meine Frau hier nach
eines nach dem anderen. Aber eine Regensburg kommen. Alles, was mein
Drei mal privat Vision, wie es mal werden soll, ist schon Glück ist, passt in eine kleine Tasche.
im Kopf. Es braucht alles seine Zeit. Ich brauche nicht viel. Reisen mit wenig
Was ist Ihr Lieblingsreiseziel? Gepäck.
Tendenziell eher nördliche Länder. Ich Wie wird sich die Klinik weiterentwi-
würde ungern wo hin fahren wollen, ckeln? Und Ihre Hobbys und Interessen?
wo Spinnen, Schlangen und anderes Ich denke, man wird viel kommunizieren Natürlich auch Fußball. Ich habe früher
kleines Getier rumläuft. müssen, um dann nach und nach die selbst gespielt. Irgendwann bin ich dann
Vision umzusetzen. Die Schmerzam- vernünftig geworden und habe aufge-
Welches Buch lesen Sie aktuell? bulanz hier im Hause beispielsweise hört. Jetzt spiele ich Tennis mit meiner
„Schnitt! Die ganze Geschichte der hat nach außen einen sehr guten Ruf. Frau und im Duett ein wenig Tuba und
Chirurgie erzählt in 28 Operationen“. Aber nach innen ist sie nicht so sehr Klavier. Außerdem gehe ich gerne ins
Und auch: „Chruschtschows dritter sichtbar, insbesondere was die Be- Kino und koche sehr gerne. Das ent-
Schuh“. treuung durch die Schmerztherapie spannt mich, da kann ich loslassen. Das
auf den Stationen betrifft. Hier denke fängt schon beim Einkaufen an. Also die
Was werden Sie von Erlangen ich, ist eine Sache, die man ausbauen Reduktion auf die wesentlichen Dinge:
vermissen? kann. Die Intensivmedizin macht ihre Sport machen und kochen.
Mein Herz hängt jetzt nicht so an Arbeit auch hervorragend. Aber auch da
Orten. Meine Frau und meine Kinder kann man sicher ein paar Neuerungen Das Interview führte Svenja Uihlein am
vermisse ich unter der Woche, aber einbringen. Angefangen haben wir mit 22.01.2019
diese Zeitphase, wo wir getrennt der Einführung der Geniusdialyse. Ich Mitschrift durch Jasmin Kosin, Zentraler
sind, wird auch wieder rum gehen. persönlich sehe mich nicht im Job des Schreibdienst6 IN T E RN
Medizinische Hilfe
für wohnungslose
Menschen
In der Weihnachtsausgabe der Mitarbei- Erkrankungen, die eigentlich medika-
terzeitung wies die Geschäftsführung mentös behandelt werden müssten. In
darauf hin, dass die weihnachtliche vielen Städten gibt es bereits Anlauf-
Spende des Hauses, die seit einigen stellen für wohnungslose Menschen, die
Jahren anstelle des Versandes von medizinisch versorgt werden müssen. In
Weihnachtskarten besteht, dieses Mal Regensburg waren diese Möglichkeiten
an den Verein Rafael e.V. ging. Rafael bis dato jedoch nicht zufriedenstellend.
e.V. ist ein neu gegründeter Regens- Auf Initiative des Priors Frater Seraphim
burger Verein, bei dem Ehrenamtliche Schorer, Dr. Eva Gutdeutsch und Dr.
wohnungslosen Menschen eine medi- Udo Stelbrink entwickelte sich gemein-
zinische Grundversorgung bieten. Der sam mit der Bahnhofsmission Regens-
Name „Rafael e.V.“ steht für „Regens- burg, der Caritas, dem DrugStop e.V.,
burger Anlaufstelle Für krAnke Men- der Kontakt e.V., die Soziale Initiativen
schen in Eingeschränkten Lebenslagen e.V., dem Sozialamt der Stadt Regens-
e.V.“. Der Verein besteht aus verschie- burg und dem Strohhalm e.V. eine Initi-
densten Helfern, darunter auch viele ative, aus der heraus zum Jahreswech-
Mitarbeiter unseres Krankenhauses. Er sel der Verein Rafael e.V. gegründet
wird vom Orden der Barmherzigen Brü- wurde. Obdachlose und hilfsbedürftige
der gestützt. Dieser ist bereits seit 1927 Patienten haben nun seit kurzem eine
in Bayern, insbesondere im Münchner feste Anlaufstelle im Kontaktladen des
Raum, in der Obdachlosenhilfe aktiv Regensburger DrugStops in der Lands-
und blickt daher auf eine lange Tradition huter Straße, bei der einmal wöchentlich
und einen reichen Erfahrungsschatz in einem bestimmten Zeitfenster eine
zurück. ärztliche Behandlung möglich ist.
Obdachlose finden häufig nur schwer In einer sechsmonatigen Pilotphase wird
Zugang zur medizinischen Regelver- nun vom Verein abgeschätzt, wie hoch
sorgung, da sie oft Ausgrenzung und der Bedarf der Bedürftigen an medizi-
Diskriminierung erlebt haben und ein nischer Versorgung tatsächlich ist. Aus
niederschwelliges Angebot benötigen den gesammelten Erfahrungen wird sich
würden. Außerdem können sie Zuzah- zeigen, wie das Projekt auf lange Zeit
lungen und Rezeptgebühren häufig planbar ist und wie es fortgeführt wird.
nicht zahlen. Daraufhin entstehen Ein ausführlicher Bericht über das The-
medizinische Problematiken wie unver- ma folgt im Sommer in der misericordia.
sorgte Wunden, fehlende Impfungen
und unkurierte chronische oder akute Stephanie TschautscherINTER N 7
Hilfe für Kinder der Familiennachsorge
Ortstermin im südlichen Landkreis für die Betreuung muss extern finanziert
Regensburgs: Nachsorgeschwester Ka- werden, da die Krankenkassen die Fa-
tharina Köhler besucht den eineinhalb- miliennachsorge nicht komplett finan-
jährigen Linus und seine alleinerziehen- zieren. Auch in der Klinik St. Hedwig in
de Mutter. Mit nur vier Monaten musste Regensburg kennt man die Problematik:
dem kleinen Linus ein 1,5 Kilogramm Nachsorgeschwester Katharina Kröner
schwerer und lebensbedrohlicher Tumor weiß, dass sie nicht kostendeckend
entfernt werden, weitere OPs folgten. arbeitet. Ihr Einsatz bei den Familien vor
„Ich wusste nicht, was richtig und was Ort wird zwar von den Kassen bezahlt,
falsch war“, beschreibt die Mutter ihre ist jedoch nur der sichtbare Teil ihrer
Hilflosigkeit danach zuhause. „Aber Arbeit. Hinzu kommen oft lange Anfahr-
Schwester Katharina hat mir von Anfang ten sowie die Vor- und Nachbereitung
an mit Rat und Tat beiseite gestanden für Dokumentation und Verwaltung.
und mich in einer Zeit unterstützt, in der Kurz: Die Klinik St. Hedwig zahlt bei der
ich beinahe aufgegeben hätte.“ Der kleine Linus auf dem Arm der Nach- Familiennachsorge drauf und könnte auf
sorgeschwester Katharina Kröner. Dauer das Defizit nicht tragen wenn es
die KUNO Stiftung nicht gäbe. „Allein
Entsorgungsfirma Lütgert Linus und seine Mutter gehören zu für St. Hedwig entsteht hier jährlich ein
knapp 100 Kindern und Familien aus Defizit von rund 100.000 Euro“, fasst Dr.
spendet für Familien- der Region Ostbayern, die allein 2018 Hans Brockard das Dilemma zusam-
nachsorge nach ihrem Krankenhausaufenthalt zu men. Brockard ist Vorsitzender der
Hause von den Nachsorgeschwestern KUNO-Stiftung, die das Angebot der
Am 24. Dezember gab es eine be- betreut wurden – quer durch alle sozia- Familiennachsorge massiv unterstützt
sonders schöne Überraschung für len Schichten. und auch in Zukunft sichern möchte.
die Familiennachsorge. Die Entsor- Dafür hat die Stiftung kürzlich mit einem
gungsfirma Lütgert aus Tegernheim, NACHSORGE ALS SCHNITTSTELLE externen Partner ein Auto für die Nach-
die bereits seit vielen Jahren mit dem sorgeschwestern finanziert – und auch
Krankenhaus Barmherzige Brüder zu- „Wir entscheiden vor Ort, was die 2019 soll das Defizit in der Familien-
sammenarbeitet, spendete der Klinik Familie an Unterstützung braucht nachsorge aufgefangen werden.
einen stolzen Betrag von 1.000 Euro. – organisatorisch, sozial und medizi-
„Wir sind sehr dankbar für diese nisch-pflegerisch“, erläutert Renate SPENDEN ALS AUSWEG
großzügige Spende“, so Geschäfts- Fabritius-Glaßner, Leiterin des Bunten
führerin der Klinik St. Hedwig, Sabine Kreises KUNO Familiennachsorge der „Damit KUNO hier auch weiterhin helfen
Beiser. Regensburger KUNO Klinik St. Hedwig, kann, sind wir allerdings auf Spenden
das umfassende Versorgungskonzept. angewiesen“, weiß Brockard, zumal die
Oft sind Köhler und ihre acht Kollegin- Stiftung auch in vielen anderen Berei-
nen die einzige Schnittstelle zu anderen chen aktiv ist. Dennoch: Die Leistungen
Versorgern, sozialen Einrichtungen, der Kassen kann die Stiftung auf Dauer
Ärzten vor Ort – und manchmal auch zu nicht ersetzen. Es bleibt also abzuwar-
Rechtsberatung und Jugendamt. Das ten, wann die sozialmedizinische, fami-
braucht Übersicht, vernetztes Denken lienorientierte Nachsorge auskömmlich
und ist deutlich mehr als Kinderkranken- finanziert wird.
pflege im Hausbesuch. Allein die gefah-
renen Strecken der Regensburger Nach- Der kleine Linus ist übrigens mittlerweile
sorgeschwestern belaufen sich in putzmunter und entwickelt sich prima.
diesem Jahr bereits auf 27.400 Kilometer. Er und seine Mutter kommen dank der
Unterstützung heute im Alltag gut klar.
ARBEIT NICHT KOSTENDECKEND
Carola Kupfer
Das kostet natürlich und genau da liegt
das Problem. Gut ein Drittel der Kosten8 IN T E RN
Zehn Jahre Selbsthilfefreundliches Krankenhaus
Das Krankenhaus Barmherzige Brüder und die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthil-
fegruppen (KISS) kooperieren seit Jahren eng, um das Krankenhaus selbsthilfefreundlicher zu
gestalten. Pünktlich zum zehnten Geburtstag kann das Modellprojekt zum dritten Mal die Aus-
zeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ entgegennehmen.
Eine Krankheit endet häufig nicht mit unterschiedliche „Systeme“ begegnet riert. Bereits zum dritten Mal über-
der Entlassung aus dem Krankenhaus, – die ehrenamtliche Selbsthilfe und die reichte die Berlinerin Antje Liesener
sondern hält auch im Alltag für die auf hocheffiziente Patientenversorgung vom bundesweit tätigen „Netzwerk für
Betroffenen viele Herausforderungen ausgerichtete Krankenhausorganisation. Selbsthilfefreundlichkeit und Patiente-
bereit. Hier setzt die Kooperation des „Das war und ist nicht immer einfach“, norientierung im Gesundheitswesen“
Krankenhauses Barmherzige Brüder schmunzelte Lisbeth Wagner. „Da gab dem Regensburger Ordenskrankenhaus
mit den Selbsthilfegruppen an: Schon es bei den Treffen etliche Diskussions- die Auszeichnung mit den Worten: „Es
während des Krankenhausaufenthaltes runden. Doch über die Jahre hinweg ist sicherlich nicht immer einfach, die
bekommen Patienten konkrete Hilfe- entwickelte sich gegenseitiges Vertrau- unterschiedlichen Ideen und Vorstellung
stellungen, wie sie ihren Alltag trotz en und Respekt sowie großes Ver- unter einen Hut zu bekommen, mit be-
Erkrankung gut bewältigen können. ständnis für die Perspektive der jeweils grenzten Ressourcen das Patientenwohl
Die Kontakt- und Informationsstelle für anderen Seite.“ über alles zu stellen und dabei immer
Selbsthilfegruppen (KISS) des PARI- Auch die Entscheidung, sich gemein- wieder besondere Bedarfe zu berück-
TÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes, sam dem Erreichen der Auszeichnung sichtigen. Und doch beweisen Sie, dass
zahlreiche Selbsthilfegruppen und das zu stellen, wurde zunächst kontrovers genau dies zum Nutzen aller Beteiligten
Krankenhaus Barmherzige Brüder arbei- diskutiert: Die Befürchtung, dass die gelingen kann.“
ten seit zehn Jahren eng zusammen und Selbsthilfe die die Lücken der Kranken-
sind seit sechs Jahren in einem eigens hausversorgung schließen sollte, wollte Die Kooperation mit den Selbsthilfe-
eingerichteten Qualitätszirkel, um den ausgeräumt sein. Mit der Gründung des gruppen ist mittlerweile seit zehn Jahren
Patienten eine ganzheitliche Unterstüt- Qualitätszirkels 2013 unter der Führung ein wichtiger Bestandteil der Patienten-
zung zukommen zu lassen. von Birgit Warttinger, stellvertretende begleitung im Krankenhaus Barmherzi-
Leiterin der Abteilung für Organisations- ge Brüder Regensburg und wurde 2014
VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUR entwicklung und Patientensicherheit, erstmals mit dem Gütesiegel ausge-
ERSTEN AUSZEICHNUNG erhielt die Zusammenarbeit eine struktu- zeichnet. „Die enge Zusammenarbeit
riertere Ausrichtung. Bei fast monatlich mit den Selbsthilfeaktiven ermöglicht
Anlässlich des zehnten Geburtstages stattfindenden Zirkeltreffen arbeiteten uns, die Erkrankung aus der Perspek-
blickt Lisbeth Wagner, pädagogische über zehn Selbsthilfegruppen und das tive des Patienten zu sehen“, erläutert
Mitarbeiterin von KISS Regensburg, Krankenhaus intensiv an den Qualitäts- Dr. Heribert Stauder, onkologischer
auf die Anfänge zurück und gibt auf der kriterien, die zum Erlangen der Aus- Oberarzt und Selbsthilfebeauftragter
Feier den Gästen einen Einblick in die zeichnung notwendig sind – das Gerüst im Krankenhaus. „Mit diesem neuen
letzten zehn Jahre. „Mit dem gemeinsa- dessen, was die Kooperationspartner Blickwinkel können wir unsere Patienten
men Leitziel vor Augen – Verbesserung heute verfolgen und umsetzen. „Wirk- mit ihren Bedürfnissen besser verstehen
der Patientenorientierung – haben wir in lich großartig ist die offene Struktur des und unterstützen sie so bei der Bewäl-
den letzten Jahren viel erreicht“, erzählt Qualitätszirkels mit einer sehr einfachen tigung ihrer Erkrankung“. Ziel ist es, die
Wagner. Begonnen hat alles mit einem Geschäftsordnung“, erklärt Wagner. Kommunikation mit allen Beteiligten zu
Gespräch über eine mögliche Koopera- „Der Zirkel ist offen für neue Mitglieder intensivieren und auszubauen. „Auch
tion, bei dem sich Dr. Andreas Kestler, und bietet viel Raum für Diskussionen. die Arbeit der Selbsthilfeaktiven gewinnt
Geschäftsführer des Krankenhauses, Nur ,Rückwärtsdiskutieren‘ ist nicht durch die Einblicke, die wir in den Kran-
Dr. Heribert Stauder, onkologischer erlaubt.“ kenhausalltag erhalten“, ergänzt Lisbeth
Oberarzt, und Margot Murr, Leiterin Wagner, die sich freut, dass aktuell 16
von KISS, über die Gestaltung einer AUSZEICHNUNG „SELBSTHILFE- Selbsthilfegruppen im Qualitätszirkel
solchen Zusammenarbeit austausch- FREUNDLICHES KRANKENHAUS“ mitarbeiten und fast 40 Gruppen mit
ten. In den ersten Treffen legte man dem Krankenhaus in Verbindung stehen.
gemeinsam fest, welche Arbeitsfelder Die intensive Zusammenarbeit des
gestaltet werden. Dabei sind sich zwei Qualitätszirkels wurde erneut hono- Kristina LehnerINTER N 9 Beteiligte Selbsthilfegruppen: Al-Anon, Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern Alzheimergesellschaft Oberpfalz Anonyme Alkoholiker Deutsche Ilco e.V. , Regionalgruppe für Menschen mit Darmkrebs Deutsche Rheuma-Liga, Landesverband Bayern e.V., Arbeitsgemeinschaft Regensburg DVMB – Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew, Regionalgruppe Regensburg Donauschnaufer e.V., Verein für Lungensport Hilfsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten Regensburg- Straubing e.V. MS-Frühstückstreff Regensburg Netzwerk für Familien mit Diabeteskindern PROCAS - Prostata Carzinom Selbsthilfegruppe Regensburg Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz Regensburg Selbsthilfegruppe für Gerinnungs- u. Herzklappenpatienten Regensburg und Umgebung Selbsthilfegruppe Magenkrebs der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. Selbsthilfegruppe für Pankreaserkrankte und des AdP (Arbeitskreis der Pankreatektomierten) Selbsthilfegruppe „Verwitwet mit Kind“ Regensburg
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Stabübergabe bei den Barmherzigen Brüdern
Neben dem Erhalt der Auszeichnung konnte auch ein neues Gesicht begrüßt werden: Monika
Wagner, onkologische Fachpflegekraft, übernimmt das Amt der Selbsthilfebeauftragten von Dr.
Stauder und wird zukünftig für die Selbsthilfeaktiven im Krankenhaus neue Ansprechpartnerin
sein. Im Interview erzählt Dr. Stauder von den Anfängen der Kooperation und was für ihn persön-
lich in dieser Zeit besondere Highlights waren.
intern: Die Kooperation unseres Krankenhauses mit den
Selbsthilfegruppen kann ihren zehnten Geburtstag feiern.
Wie hat alles angefangen und sich weiterentwickelt?
Dr. Stauder: Für mich hat das Ganze mit einem Anruf von
Herrn Dr. Kestler begonnen. Er hatte mich gefragt, ob ich mir
prinzipiell vorstellen könnte, mich für Selbsthilfe zu engagie-
ren. Hintergrund für die Anfrage war ein vorheriges Treffen
zwischen Dr. Kestler und Frau Murr von KISS gewesen, bei
dem über eine Kooperation zwischen Krankenhaus und den
Selbsthilfegruppen gesprochen worden war. Nach meiner
Zusage haben wir bei einem ersten gemeinsamen Treffen mit
einigen Selbsthilfeaktiven und Frau Murr entschieden, dass wir
diese Kooperation strukturiert aufbauen möchten.
Zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige Selbsthilfegruppen
aktiv in unserem Haus engagiert. Bei der erwähnten ersten
Kooperationssitzung ging es dann zuerst einmal eher um
grundsätzliche Fragen, wie zum Beispiel den Wert einer Ko-
operation zwischen Selbsthilfeaktiven und dem Krankenhaus
Barmherzige Brüder und welche Arbeitsfelder man gemeinsam Jahren sind nicht mehr wir vom Krankenhaus der Motor des
gestalten könnte. Wir einigten uns bereits relativ frühzeitig da- Kooperationsprojektes, sondern die Selbsthilfeaktiven selbst
rauf, regelmäßige Treffen durchzuführen, um einander besser unter der Moderation von Lisbeth Wagner und Margot Murr
kennen zu lernen und Projekte der Kooperation zu planen und von KISS. Die Mitwirkung von Frau Warttinger, die das Projekt
realisieren. Themenfelder, die uns von Anfang wie ein roter „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ strukturiert im Rahmen
Faden begleitet haben, waren zum einen die Frage, wie man des Qualitätsmanagements begleitet und geführt hat, hat dann
als Selbsthilfeaktiver im Krankenhaus aktiv werden kann und zum Erfolg geführt. Letztendlich war es ein richtiges Koopera-
zum andern, wie es gelingen kann, Interessen und Wünsche tionsprojekt, für das wir dann 2014 erstmals die Auszeichnung
von Selbsthilfeaktiven im Krankenhaus zu realisieren. „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ erhalten haben.
intern: Wie kam es schließlich zur Auszeichnung „Selbst- intern: Welche Voraussetzungen muss man für die Aus-
hilfefreundliches Krankenhaus“? zeichnung erfüllen?
Dr. Stauder: Letztendlich bin ich über das Internet auf das Dr. Stauder: Insgesamt sind es acht Qualitätskriterien, die
„Netzwerk für Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorien- umgesetzt werden müssen. Es geht primär darum, wie man
tierung im Gesundheitswesen“ gestoßen, das damals vor- Selbsthilfearbeit in einem Krankenhaus sichtbar machen
wiegend in Nordrhein-Westfalen aktiv war, aber noch nicht in kann und integrieren kann. Das geschieht durch persönliche
Bayern. Nach einer internen Abstimmung mit Dr. Kestler haben Kontakte, Weiterbildungen auf den verschiedenen Ebenen, Be-
wir bei dem Netzwerk angefragt, ob wir auch in Bayern dieses reitstellung von Räumlichkeiten, Benennung von Verantwort-
Kooperationsprojekt aufbauen könnten. Die Anfrage wurde po- lichkeiten, Organisation von Informationsveranstaltungen und
sitiv beschieden und wir haben dann das Thema mit in unsere auch die Bereitstellung von Informationsmaterialien, die heute
Kooperationssitzung genommen. Die Selbsthilfeaktiven haben auf allen Stationen zu finden sind und auch ihren Platz in den
zuerst zurückhaltend reagiert. Es bestand die Meinung, dass Patientenmappen gefunden haben.
das Ganze nur eine Werbemaßnahme für unser Krankenhaus Ein zweites Ziel ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter des
sein könnte. Dass eine gemeinsame Arbeit an solch einem Krankenhauses. Es soll durch das Kooperationsprojekt deut-
Kooperationsprojekt durchaus sinnvoll sein kann, hat dann lich werden, dass es um eine möglichst umfassende Versor-
ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet. Heute, nach zehn gung geht, die primär die Bedürfnisse von Patienten und ihrerINTER N 11
Angehörigen im Blick hat. Wir sind hier in den letzten zehn waren natürlich auch die Auszeichnungen, die wir gemeinsam
Jahren ein großes Stück weitergekommen, aber sicherlich gefeiert haben. Das hat uns richtig zusammengeschweißt. Da-
gibt es auch noch viel zu tun. Wir sind mit unserer Arbeit noch neben aber auch die vielen gemeinsamen Veranstaltungen, in
keinesfalls am Ende. denen ich erlebt habe, was Selbsthilfeaktive können und Posi-
tives bewirken, wenn sie den Freiraum dazu haben. Ich denke
intern: Welchen Mehrwert haben wir durch die gemeinsa- in diesem Zusammenhang vor allem auch an die Patientenver-
me Kooperation für unsere Patienten geschaffen? anstaltungen, die wir zusammen organisiert haben.
Dr. Stauder: Für unsere Patienten im Krankenhaus, ist es gut
zu wissen, dass sie - neben den Dingen, die wir hier im Kran- intern: Mit der dritten Auszeichnung geht die Zusammen-
kenhaus im Rahmen von Diagnostik und Therapie anbieten arbeit für Sie zu Ende, Herr Dr. Stauder. Was möchten Sie
– die Möglichkeit haben, sich mit anderen Betroffenen aus- Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg geben?
zutauschen. Ein Betroffener hat immer eine andere, letztlich Dr. Stauder: Ich bin erstmal sehr froh, jemanden gefunden zu
existentiellere Perspektive auf seine Erkrankung als der Arzt haben der – zusätzlich zu seinen Aufgaben im Krankenhaus –
oder die Pflegekraft. Und er weiß auch besser, welche Proble- diese Aufgabe übernehmen möchte. Zudem bin ich froh, dass
me im täglichen Alltag zu bewältigen sind, und welche Hilfen ich dafür Monika Wagner gewinnen konnte. Ich kenne Frau
er in Anspruch nehmen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Wagner schon seit Jahren und schätze Sie als Person, die
Selbsthilfegruppe für Stomaträger (ILCO), deren 40-jähriges über den engen Tellerrand der Schulmedizin hinausschaut. Sie
Bestehen wir 2018 gefeiert haben und die in unserem Kran- hat eine große Stärke, sich in Patienten und ihre Bedürfnisse
kenhaus hervorragende Arbeit leistet. Wir erhalten immer wie- einzufühlen und Dinge zu erkennen, die angepackt werden
der positive Rückmeldungen von Patienten, die in Kontakt mit müssen. Von daher glaube ich, dass sie die ideale Person ist,
Selbsthilfeaktiven getreten sind und dadurch gelernt haben, um diese Aufgabe zu übernehmen.
ihre jeweilige Situation im Alltag besser zu meistern. Aber auch Ich denke, ihr wird es nicht schwer fallen, das Vertrauen der
für die Selbsthilfeaktiven selbst bietet die Kooperation einen Selbsthilfeaktiven zu gewinnen, zumal sie bei einigen Veran-
Mehrwert. Das Gefühl und Wissen, einer sinnvollen Tätigkeit staltungen mit den Selbsthilfeaktiven auch schon teilgenom-
nachzugehen, gebraucht zu werden, zu helfen ist Wertschät- men hat und die Arbeit und Bedürfnisse von Selbsthilfeaktiven
zung und Motivation zugleich, sich weiter zu engagieren. auch kennt. Ich wünsche ihr, dass sie gut aufgenommen wird
Auch Mitarbeiter des Krankenhauses können vom Kooperati- in ihrer neuen Funktion und es ihr gelingt, gemeinsame Ziele
onsprojekt profitieren. Wenn es gelingt, Patienten und Ange- mit den Selbsthilfeaktiven zu finden, an denen man arbeiten
hörige aus der Rolle der Passivität zur einer aktiven Gestaltung kann. Das fördert den Zusammenhalt und ist unschätzbar für
ihrer Gesundung oder Besserung zu motivieren, bedeutet jede Kooperation.
das letztendlich für die Mitarbeiter eines Krankenhauses nicht
mehr, sondern weniger Arbeit, führt zu einer höheren Patien- intern: Nach zehn Jahren als Selbsthilfebeauftragter bei
tenzufriedenheit und vielleicht sogar zu einem höheren Thera- uns im Krankenhaus – was möchten Sie unseren Lesern
pieerfolg. Letztendlich ist das Kooperationsprojekt ein Triple- mit auf den Weg geben?
Win-Projekt: Für Patienten, Selbsthilfeaktive und Mitarbeiter Dr. Stauder: Ich würde mir wünschen, dass das Bewusstsein,
des Krankenhauses gleichermaßen. Auch das ist ein Grund, an dass Heilung von Krankheit bzw. eine Linderung von Be-
dem Projekt weiter zu arbeiten. schwerden nur dann richtig gelingen können, wenn das Wis-
sen von Ärzten und Pflegenden mit dem Wissen von Patienten
intern: Was waren Ihre besonderen Highlights in den letz- und Angehörigen zusammenkommen noch mehr gestärkt
ten Jahren? wird. Gemeinsam sind wir effektiver und nachhaltiger. Daran
Dr. Stauder: Ich habe mich erstmals gefreut, dass die Ko- zu arbeiten ist eine sicher lohnenswerte Aufgabe.
operation überhaupt zustande gekommen ist und mittlerweile
auch so erfolgreich geworden ist. Für mich war es besonders intern: Vielen herzlichen Dank für das Interview.
schön zu sehen, wie aus der Anfangsphase des Kooperations-
projektes, in der wir vom Krankenhaus mehr Input gegeben Das Interview führte Kristina Lehner am 22.01.2019
haben, heute die Selbsthilfeaktiven zusammen mit KISS zum Mitschrift: Rosmarie Hocher
Motor des Projektes geworden sind. Ein besonderes Highlight12 IN T E RN
Im Gespräch mit der neuen
Selbsthilfebeauftragten
intern: Frau Wagner, Sie übernehmen das Amt der Selbst-
hilfebeauftragten bei uns im Haus. Wie sind Sie zu dem
Posten gekommen?
Frau Wagner: Zu dem Posten bin ich durch die enge Zu-
sammenarbeit mit Herrn Dr. Stauder gekommen. Wir arbei-
ten schon viele Jahre in der Onkologie und später auch im
Ethikkomitee zusammen. Darüber hinaus war ich bei einigen
Selbsthilfeveranstaltungen als Referentin tätig oder als Mo-
deratorin in Gesprächskreisen und konnte hier schon erste
Kontakte knüpfen. Gemeinsam mit Herrn Dr. Stauder und darum, das Ganze weiter zu entwickeln. Wir werden weiter-
Herrn Busse hat die Geschäftsführung überlegt, wer in Frage hin die regelmäßigen Kooperationstreffen abhalten, wo die
kommen könnte und haben sich für mich entschieden. Die Selbsthilfe aktiv ist. Auch die enge Zusammenarbeit mit Frau
Selbsthilfe selbst sehe ich als sehr wichtiges Instrument in die- Warttinger, die den Qualitätszirkel leitet, werde ich fortführen.
sem Krankenhaus an. Ich bin auch ein kleines bisschen stolz, Es ist immer viel Bewegung in der Selbsthilfe, viele Selbsthilfe-
dass wir dafür eine Auszeichnung erhalten haben. gruppen lösen sich auf, neue werden gegründet. Hier müssen
wir wachsam sein, dass wir deren Interessen gut vertreten,
intern: Wie sind Sie zu den Barmherzigen Brüdern gekom- aber auch das natürlich die Selbsthilfe aktiv bleibt. Ich sehe
men und welche Tätigkeit haben Sie hier? viel Kreativität in der Selbsthilfe, insbesondere von Frau Wag-
Frau Wagner: Mein Weg hat mich ganz zufällig zu den Barm- ner, und ich bin diejenige, die sich bemüht, sie hier im Kran-
herzigen Brüdern geführt. Damals habe ich Ökotrophologie kenhaus umzusetzen.
studiert, aber es fehlte mir die Menschennähe. Daher habe ich
mich hier bei der Krankenpflegeschule beworben und erhielt intern: Worauf freuen Sie sich am meisten bei Ihrem neuen
mit Unterstützung von Frater Rudolf Knopp, damals noch Prior Posten?
hier im Krankenhaus, meinen Platz. Nach meiner erfolgreich Frau Wagner: Am meisten freue ich mich eigentlich auf die
abgeschlossenen Ausbildung 1995 bin ich hier geblieben. Ich neue Position, weil ich überzeugt bin, dass unsere Patienten
habe mich schon früh für die Fachrichtung Onkologie ent- einen echten Mehrwert durch die Kooperation haben. Durch
schieden. Vormittags habe ich eine Stelle am Onkologischen die Selbsthilfeaktivität stehen die Bedürfnisse der Patienten im
Zentrum, wo ich mich um die Koordination der onkologischen Vordergrund. Die Patienten, die zu uns kommen, sind in einer
Fachpflege des Krankenhauses kümmere. Meine Aufgabe Ausnahmesituation und brauchen Hilfe. Sie brauchen mehr
ist es die Arbeitsgruppe mit inzwischen 15 Mitarbeitern zu Fürsprecher, Menschen die auch schon Mal an ihrer Stelle
führen und unsere Aufgaben entsprechend zu verteilen. Diese waren, vielleicht auch noch sind. Das finde ich am allerbesten,
Aufgaben sind durch die deutsche Krankenhausgesellschaft dass ich als Selbsthilfebeauftragte Sprachrohr für die Selbst-
festgelegt und werden jedes Jahr zertifiziert. Ich betreue hilfegruppen bin und unseren Patienten damit helfen kann.
darüber hinaus die aktuelle Weiterbildungsteilnahme, die zwei Zugleich habe ich aber einen großen Respekt vor der Aufgabe,
Jahre dauert. Nachmittags arbeite ich dann in der onkologi- da Herr Dr. Stauder sehr große Fußstapfen hinterlässt.
schen Pflegeberatung.
intern: Was möchten Sie unseren Lesern über sich selbst
intern: Welche neuen Aufgaben kommen jetzt für Sie als verraten?
Selbsthilfebeauftragte auf Sie zu? Frau Wagner: Ich habe eine große Patch-Work-Familie. Mein
Frau Wagner: Meine Aufgabe ist es die Schnittstelle zwischen Mann und ich haben zusammen vier Kinder. Ich selbst habe
Krankenhaus und Selbsthilfeaktiven zu sein. Ich glaube, die einen erwachsenen Sohn. Ich reise sehr gerne, einmal im Jahr
Selbsthilfe ist – insbesondere durch die Führung von Lisbeth ans Meer muss sein. Und mein nächstes Lebensziel ist: mein
Wagner – bereits sehr gut etabliert und sehr aktiv für sich sel- Studium abschließen.
ber. Sie haben ihre Sprechstunden, Treffpunkte und Treffzeiten
hier im Haus. Es gibt sehr viele Aktionen, sei es der Informa- Intern: Vielen herzlichen Dank für das Interview.
tionsstand in der Eingangshalle, gemeinsame Fortbildungen
und Informationsveranstaltungen. Hier ist in den letzten zehn Das Interview führte Kristina Lehner am 22.01.2019
Jahren bereits sehr viel Arbeit geleistet worden, jetzt geht es Mitschrift: Jasmin KosinINTER N 13
Drei Jahre Selbsthilfegruppe
Chronischer Schmerz Regensburg
Stolze drei Jahre zählt die Selbsthilfegruppe Chronischer
Schmerz mittlerweile. Am 1. Oktober 2015 wurde sie von
Elona Posch ins Leben gerufen, die selbst seit vielen Jahren
Patientin mit chronischen Schmerzen ist. Anlässlich einer
Schmerztherapie in der Tagesklinik der Barmherzigen Brüder
Regensburg kam Posch mit dem Selbsthilfegedanken in Be-
rührung und war sofort begeistert von dieser Möglichkeit einer
gegenseitigen Unterstützung. Als sie erfuhr, dass es noch
keine Gruppe dafür in Regensburg gab, beschloss sie, selbst
aktiv zu werden und eine zu gründen.
Mit Hilfe von KISS, der Kontakt- und Informationsstelle für Die Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz Regensburg ist
Selbsthilfe, wurden Profis im Gesundheitswesen und Betrof- eine enge Gemeinschaft, die sich seit über drei Jahren gegen-
fene zu diesem damals neuen Angebot angesprochen. Am seitig unterstützt.
Gründungsabend waren 18 Interessierte gekommen, acht
Mitglieder sind heute immer noch regelmäßig mit dabei. Gemeinschaft gebildet, in der wir füreinander da sind und in
Natürlich sind im Laufe der drei Jahre immer wieder neue der wir jede Menge Spaß haben bei gemeinsamen Unterneh-
Interessenten gekommen und zum Teil auch geblieben. Andere mungen.“ Dass die Gruppe sich so stabil hält, liegt natürlich
haben wohl nicht das gefunden, was sie sich von einer sol- in erster Linie an den Aktiven, die gemeinsam für sich ein hilf-
chen Gruppe erwartet hatten. reiches und tragendes Netzwerk schaffen und dazu beitragen,
dass es dieses bleibt.
LERNEN MIT SCHMERZEN UMZUGEHEN
EINE GEMEINSCHAFT MIT VIEL UNTERSTÜTZUNG
Die Gruppenleiterin Posch sagt dazu: „Die Hoffnung, dass un-
sere SHG dazu beitragen kann, dass man wieder schmerzfrei Gut, dass es aber auch Förderer und Unterstützer gibt: Daher
wird, muss ich leider zerstören. Wir können nur dazu beitra- gilt ein Dank auch der Kontakt- und Informationsstelle für
gen, dass man lernt, mit den Schmerzen umzugehen, sie zu Selbsthilfe (KISS), deren Mitarbeiterinnen der Gruppe beratend
akzeptieren und sie durch entsprechendes geändertes Verhal- zur Seite stehen.
ten sie aus dem Bewusstsein zu verdrängen.“ Dies gelingt am Mit der Förderung der Selbsthilfe durch die gesetzlichen Kran-
besten durch aktives Pflegen von sozialen Kontakten, durch kenkassen am Runden Tisch Oberpfalz werden Unternehmun-
die Teilnahme an Veranstaltungen und Aktivitäten, die Spaß gen und Projekte möglich, die die einzelnen Mitglieder und die
machen und – was sehr wichtig ist – durch Achtsamkeit. Gruppe als Ganzes bereichern.
Ganz besonders dankbar ist die Gruppe für die Unterstützung
Das alles kann man in der Gruppe lernen und praktizieren. „Es im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Neben
ist mir eine große Freude, dass meine Gruppe so gut ange- einem engen Kontakt mit der Schmerzambulanz und damit
nommen wird und dass sich daraus regelrechte Freundschaf- guter Information über neue medizinische Möglichkeiten, kann
ten entwickelt haben“, stellt Elona Posch mit einem Lächeln die Selbsthilfegruppe kostenfrei einen Seminarraum nutzen, in
im Gesicht fest. „Wir haben im Laufe der drei Jahre eine enge dem an jedem ersten Dienstag im Monat die Gruppenabende
stattfinden. Dort werden die Selbsthilfeaktiven außerdem mit
Tee und Kaffee verwöhnt und dürfen kostenlos die Parkmög-
lichkeiten nutzen.
KISS ist die Kontakt- und Informationsstelle für
Selbsthilfegruppen unter gemeinsamer Trägerschaft Wer Interesse hat, die Gruppe einmal kennen zu lernen, kann
des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes und der gerne zu unseren Gruppenabenden kommen, oder sich im In-
Regensburger Sozialen Initiativen e.V. Auskunft über ternet informieren unter www.chronischerschmerz-regensburg.
Selbsthilfegruppen und Unterstützung bei Gruppen- de. Natürlich ist die Gruppe auch telefonisch erreichbar unter
gründungen bekommen Sie unter 0941 | 599 388 610 0941 / 56998186 oder 0176 / 23972372.
oder unter kiss.regensburg(at)paritaet-bayern.de.
SHG Chronischer Schmerz14 IN T E RN
Pflegepreise beim Dies Academicus
Mitte Dezember fand der Dies Aca-
demicus 2018 an der Ostbayerischen
technischen Hochschule Regensburg
(OTH Regensburg) statt. Dort zog die
Hochschule nicht nur ihren akademi-
schen Jahresrückblick, sondern ehrte
im Rahmen einer Preisverleihung
auch herausragende wissenschaftli-
che Arbeiten von Studierenden. Unter
anderem wurde der Alice-Eckl-Pfle-
gepreis 2018 vergeben. Vier Mitar-
beiter aus dem Verbund der Barm-
herzigen Brüder durften am Ende
der Veranstaltung den Preis mit nach
Haus nehmen. Alle vier studieren ak-
tuell berufsbegleitend Pflegemanage-
ment an der OTH Regensburg.
PROJEKT PFLEGERISCHE DIENST-
ÜBERGABE
Ein Praxisprojekt, das sich die Aus-
zeichnung abholen konnte, befasste
sich mit der Informationsweitergabe
einer pflegerischen Dienstübergabe.
Das Projekt entstand durch den Wunsch
nach kurzen Übergabezeiten, denn
Übergaben sind ein professionelles
Konzept des Wissensmanagements
sowie der Schlüssel einer guten medizi-
nischen und pflegerischen Versorgung.
Um eine kurze Übergabezeit zu gewähr- Die vier Preisträger aus dem Krankenhausverbund der Barmherzigen Brüder.
leisten, musste ein neues Kommunikati-
onssystem her. Die Entscheidung fiel auf Regensburg, erarbeitet und erfolgreich en. Begleitend wurde ein pflegerisch
das internationale und zum Teil national auf den beiden Stationen eingeführt. Die geleitetes Delir Management aufgebaut,
angewandte System SBAR. Hinter den drei durften sich am Ende der Veranstal- unter Einbeziehung verschiedener Ex-
Mnemonik SBAR verbergen sich die tung als Preisträger feiern. perten und Berufsgruppen. Durch diese
Schlagewörter: Situation, Background Maßnahmen konnte die Erkennung von
(Hintergrund), Assessment (Einschät- PROJEKT DELIR IM KRANKENHAUS Patienten mit einem Delir um bis zu 208
zung) und Recommendation (Empfeh- Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeit-
lung). Das SBAR-Konzept ermöglicht Für das zweite Projekt wurde Felix raum gesteigert werden.
innerhalb kurzer Zeit Informationen Bäuerle, Stationsleiter der neuen Station
konzentriert und strukturiert weiter zu für Alterstraumatologie in Regensburg, Mit dem Pflegepreis wurden nicht nur
geben. für die Arbeit seiner Projektgruppe zum die tollen Projekte gewürdigt, sondern
Thema Delir im Krankenhaus ausge- die Preisträger durften sich auch über
Dieses Praxisprojekt wurde von Hubert zeichnet. Schwerpunkt des Projekts die je 1500 Euro dotierten Auszeichnun-
Langmantl, stellv. Pflegedirektor des Kli- war die Einführung wissenschaftlich gen freuen.
nikums St. Elisabeth Straubing, Stefanie validierten Assessments zur Delir
Schwarzer, stellv. Stationsleitung der Erkennung unter besonderem Hinblick Felix Bäuerle
Station M21 in Regensburg und Nicole auf die Kombination aus Praxisnähe Stationsleiter
Kastl, Stationsleitung der Station M20 in und wissenschaftlicher Gütekriteri-INTER N 15 Wir sind bunt gemischt – Multikulturalität in der Dienstgemeinschaft 3477 Mitarbeiter – 53 Nationen – in über 100 Berufen. So vielfältig, multikulturell und bunt ist unsere Dienstgemeinschaft. Auf allen fünf Kontinenten finden sich die Herkunftsländer unserer Kollegen. Dadurch ergibt sich ein spannendes vielschichtiges Feld aus verschiedenen Erfahrun- gen, Sichtweisen und Traditionen der einzelnen Kulturen. Eine multikulturelle Dienstgemein- Amtssprache dort ist zwar Englisch, Um unser Miteinander zu fördern und schaft bedeutet jedoch nicht nur viele doch das Volk spricht Malayalam: „Man die Vielfalt unserer Gemeinschaft zu verschiedene Kulturen, sondern auch kommt sich die erste Zeit schon recht präsentieren, wollen wir in unserer Mit- unterschiedliche Sprachen. Durch diese fremd und hilflos vor. 75 Buchstaben arbeiterzeitung eine neue Reihe eröff- Sprachkenntnisse können wir sicher- hat das Alphabet, allein das ,D‘ gib es nen. Zukünftig soll in jeder Ausgabe ein stellen, dass unsere Patienten uns in acht Variationen und das Schreiben Mitarbeiter einer anderen Nationalität verstehen – und wir sie. ist das Schwerste“. Eine multikulturelle vorgestellt werden. Auf der folgenden Denn nicht nur unsere Dienstgemein- Dienstgemeinschaft kann ihren Patien- Doppelseite finden Sie eine Übersicht schaft ist multikulturell, auch unsere ten diese Unsicherheit und Verlorenheit aller Länder, aus denen unsere Mitarbei- Patienten sind es. Dass es nicht immer nehmen. ter stammen. Wer Interesse daran hat, einfach ist, in einem Land zu kommuni- unserer Gemeinschaft Einblick in das zieren, in dem die Muttersprache nicht Natürlich ist es nicht immer leicht, eigene Herkunftsland zu geben, kann gesprochen wird, weiß beispielsweise verschiedene Kulturen, verschiedene sich gerne unter der E-Mail-Adresse Frater Robert aus eigener Erfahrung. Hintergründe und verschiedene An- pressestelle@barmherzige-regensburg. Denn auch der Orden der Barmher- sichten unter einen Hut zu bringen. Das de melden. Treten wir miteinander die zigen Brüder ist in über 50 Ländern Zauberwort lautet daher „Miteinander“. Reise an! vertreten. Daher war Frater Robert vor In 90-jähriger Tradition wird dieses Mit- fast 40 Jahren als Missionar in Indien, einander helfen, die Zukunft zu eröffnen Stephanie Tschautscher genauer in der Stadt Kattappana. Die und zu gestalten.
16 IN T E RN
53 NationalitätenINTER N 17 Afghanistan Italien Albanien Elfenbeinküste Algerien Jordanien Rumänien Armenien Kenia Russland Australien Kolumbien Schweden Bosnien Kosovo Schweiz Brasilien Kroatien Serbien Bulgarien Kuba Slowakei Chile Litauen Spanien China Madagaskar Syrien Deutschland Mexiko Thailand Frankreich Mongolei Tschechien Georgien Montenegro Türkei Griechenland Österreich Ukraine Indien Palästina Ungarn Indonesien Philippinen Vietnam Irak Polen Weißrussland Iran Portugal Zypern
18 IN T E RN
Führungsrolle reflektieren und entwickeln
Sieben Teilnehmer aus der Führungskräfteentwicklung schildern ihre Eindrücke
Vor etwa viereinhalb Jahren begannen die ersten Basis-Workshops zur Führungskräfte-
entwicklung in Kostenz. Seither haben fast 600 Führungskräfte aus allen Verbundhäusern,
Berufsgruppen und Hierarchieebenen dieses erste Modul der Führungskräfteentwicklung
besucht und ihr Wissen sowie ihre Fähigkeiten oftmals auch in einem oder mehreren
Folgemodulen vertieft und erweitert.
Frater Seraphim Schorer, Prior in Regensburg, und Prof. Dr. Ute Hoff-
Christian Kuhl, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder mann, seit Februar
gemeinnützige Träger GmbH, begleiten jeden Workshop, 2019 Chefärztin in
erläutern ihre Erwartungen an die Führungskräfte und der Klinik für Allge-
laden zum Austausch über Führung ein. Es geht darum, meine Innere
sich der eigenen Führungsrolle bewusst zu werden, den Medizin und
Austausch mit den Kollegen aktiv zu suchen und mit Geriatrie, welche
Unterstützung geeigneter Instrumente und Methoden die Erfahrungen haben
eigenen Führungskompetenzen weiterzuentwickeln. Sie mit der Füh-
rungskräfteentwick-
Wir haben einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lung im Verbund
nach ihren Erfahrungen, Erkenntnissen und Meinungen gesammelt?
zur Führungskräfteentwicklung gefragt.
Prof. Hoffmann: „In den einzelnen Modulen finden
sich viele Inhalte, die sich in der Praxis der täglichen
Führungsarbeit sehr gut umsetzen lassen. Als ich die
Prof. Dr. Niels Zorger, Sie sind seit Mitte 2018 Ärztlicher Führungskräfteseminare besucht habe, war ich noch
Direktor in Regensburg Prüfeninger Straße und haben neu in der chefärztlichen Rolle. Da wollte ich die große
neben dem Basis-Workshop auch weitere Module der Welle an Mitarbeitergesprächen mit den Ober- und
Führungskräfteentwicklung besucht. Brauchen wir eine Assistenzärzten möglichst souverän bewältigen können.“
Führungskräfteentwicklung im Verbund?
Und dabei haben Sie viele geeignete Instrumente und
Prof. Zorger: „In unseren Häusern arbeiten absolute Anregungen im Modul „Mitarbeiterjahresgespräche ziel-
Spezialisten in ihren Fachgebieten. Neben der berufli- orientiert, souverän und erfolgreich führen“ erhalten?
chen Fachlichkeit hat jeder Mensch sich im Laufe seines
Lebens zusätzliche Kompetenzen in Themen wie der Prof. Hoffmann: „Ja, in jedem Fall. Auch war das Modul
Gesprächsführung, dem Konfliktmanagement oder dem ,Führungskommunikation in sich verändernden Umwel-
Umgang mit schwierigen Situationen – oft autodidaktisch ten‘ für mich besonders von Bedeutung, da ich zu Beginn
oder anhand seiner ,Lebenserfahrung‘ – angeeignet. Zu- meiner Tätigkeit wesentliche Organisationseinheiten und
dem sind hier die Talente der Personen sicherlich unter- Prozesse der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und
schiedlich ausgeprägt. Als Führungskraft, egal ob in der Geriatrie umstrukturiert habe. Gerade die Inhalte des Bau-
Pflege, Administrative oder in der Ärzteschaft, ist jedoch steins ,Mitarbeiterinformation‘ kann ich bis heute sehr gut
eine Schulung der verschiedenen Führungskompetenzen in meiner täglichen Kommunikation einsetzen.“
notwendig, um einen zumindest ähnlichen Stand aller
Führungskräfte bei diesen Kompetenzen herzustellen.“Sie können auch lesen