2/21 UNIVERSITAS - UNIVERSITAS Austria
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UNIVERSITAS 2/21 Mitteilungsblatt
ISSN 1996-3505
Mitglied der Fédération Internationale des Traducteurs2 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
INHALT
Agenda Translation 5
Dagmar Jenner
Das neue Universitas-Team stellt sich vor8
UNIVERSITAS Austria
Interview mit Hannelore Veit 13
Alexandra Jantscher-Karlhuber
Die „Gorman-Debatte“: Übersetzung in den Schlagzeilen17
Brigitte Rapp
Live-Untertitelung für das Fernsehen 19
Interview mit Martina Tampir
Übertitel für das Theater 22
Interview mit Martin Thomas Pesl
„So I offered to act as interpreter.“
Translator*innen im Spanischen Bürgerkrieg 24
Julia Kölbl
Neues aus der Translationswissenschaft:
Erika Mitterer – writer, poet, translator 27
Petra Schön
Lokalisierung als Marketinginstrument in Webshops 28
Athene Koltes
Rezension:
Proust, Blanchot and a Woman in Red (The Cahier Series) 30
Eva Holzmair-Ronge
Mediensplitter32
Julia Klug
UNIVERSITAS-Terminkalender33
UNIVERSITAS Austria
Verbandsmitteilungen34
UNIVERSITAS Austria
Rätsel36
Vera RibarichUNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 3
EDITORIAL
Große Fußstapfen
Liebe Leser*innen, men interessieren Sie besonders, wovon hätten
Sie gerne mehr? Ich werde im Sommer dazu
wenn Sie dieses Mitteilungsblatt in den Händen eine kleine Umfrage starten und würde mich
halten, so haben Sie vielleicht gerade gedacht: sehr über Ihre rege Teilnahme freuen, damit wir
„Oh, das Mitteilungsblatt ist wieder da!“ Für das Mitteilungsblatt auch weiterhin nach Ihren
mich allerdings ist diese Ausgabe eine ganz Wünschen gestalten können.
besondere – denn sie ist meine Premiere als
©Katrin Franz Photography
Redakteurin. An dieser Stelle möchte ich mich Auf jeden Fall hoffe ich, Ihnen ein buntes Mo-
gleich als Erstes bei Bianca Schönhofer bedan- saik aus interessanten Artikeln bieten zu kön-
ken, sowohl für die vielen Jahre, in denen sie nen, das die Vielfältigkeit unseres wunderbaren
das Mitteilungsblatt so wunderbar betreut hat, Berufsfeldes widerspiegelt und in dem auch ak-
als auch für die reibungslose und angenehme tuelle Entwicklungen unserer Branche nicht zu
Übergabe. Die Fußstapfen, die sie und auch ihre kurz kommen.
Vorgängerinnen hinterlassen haben, sind wahr- Tamara Paludo, Redakteurin
lich groß, aber ich freue mich sehr auf die neue Nun aber zu den Highlights, die Sie in dieser
Herausforderung. Ausgabe erwarten: In einem persönlichen In-
terview mit Alexandra Jantscher-Karlhuber re-
Ganz alleine muss ich es aber glücklicherweise flektiert Hannelore Veit über ihren beruflichen
nicht angehen: Christina Mayer übernimmt die Weg vom Dolmetschen zum Journalismus und
Koordination der Rezensionen von Julia Schöl- nun zum Alumni-Verband der Universität Wien.
lauf, Julia Klug wird statt María Palma die Me- Zu dem Thema, das derzeit in aller Munde ist
diensplitter betreuen, Vera Ribarich hat sich be- – die Übersetzung von Amanda Gormans Ge-
reit erklärt, das beliebte Rätsel weiterzuführen, dicht –, haben wir mit der IG Übersetzerinnen
und Karina Ghilea-Trummer wird uns noch zwei Übersetzer die absoluten Expert*innen um ihre
Ausgaben lang als Lektorin zur Seite stehen, Meinung gebeten. Im Rahmen der neuen Serie
bevor sie diese verantwortungsvolle Aufgabe „Über den Tellerrand“ darf ich Ihnen die beiden
an Sophia Scherl übergibt. Außerdem hat unser spannenden Berufsfelder des Live-Untertitelns
Maskottchen „Hahnsi“ nun auch das Mitteilungs- für das Fernsehen und des Übertitelns am The-
blatt für sich entdeckt – liebevoll gezeichnet von ater vorstellen. Wie das Dolmetschen im Spa-
Ekaterina Graf. Ein großes Dankeschön an euch nischen Bürgerkrieg abgelaufen ist, hat Julia
alle! Herzlichen Dank natürlich auch an Sie, lie- Kölbl untersucht; außerdem geben uns ab nun
be Leser*innen und Autor*innen, die mit Ihren Absolvent*innen einen Einblick in die jüngsten
Beiträgen das Mitteilungsblatt mit Leben füllen. Entwicklungen der Translationswissenschaft –
den Anfang machen Masterarbeiten über die
Ein paar kurze Zeilen zu mir für all jene, die Übersetzerin Erika Mitterer und über maschi-
mich nicht kennen: Ich bin Konferenzdolmet- nelle Übersetzung bei Produktbeschreibungen
scherin und Übersetzerin für die Sprachen in Webshops.
Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.
Deutsch ist dabei meine Muttersprache – trotz Ich hoffe, dass Sie alle etwas Interessantes für
meines (angeheirateten brasilianischen) Nach- sich mitnehmen können, und freue mich jeder-
namens bin ich Wienerin durch und durch (und zeit über Feedback, Anregungen und konkrete
schien damit in Studienzeiten oft eine recht Beitragsvorschläge. Ich wünsche Ihnen einen
rare Spezies). wunderbaren Sommer, bleiben Sie gesund!
Sehr gerne möchte ich auch Sie, unsere
Leser*innen, besser kennenlernen: Welche The- Tamara Paludo4 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 IMPRESSUM Das Mitteilungsblatt von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen, dient dem Informationsaustausch zwischen den Verbandsmitgliedern. ISSN 1996-3505 Herausgeber: UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen Gymnasiumstraße 50, 1190 Wien, Tel.: + 43 1 368 60 60, info@universitas.org Redaktion: Tamara Paludo, tamara.paludo@universitas.org Ständige Mitarbeit: Ekaterina Graf, Dagmar Jenner, Julia Klug, Vera Ribarich • Koordination Rezensionen: Christina Mayer • Lektorat: Karina Ghilea-Trummer Die Beiträge spiegeln die Meinungen der Autor*innen wider und entsprechen nicht unbedingt der Meinung von UNIVERSITAS Austria. Beiträge, Wünsche, Anregungen, Leser*innenbriefe bitte an eine der oben stehenden E-Mail-Adressen senden – danke! Das Mitteilungsblatt erscheint vierteljährlich. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 15. Juli 2021 Grafik und Layout: Sabina Kargl-Faustenhammer Titelbild: © Eric Ward / Unsplash
UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 5
AGENDA TRANSLATION
Dagmar Jenner
auch alle weiteren bei der Mitgliederversamm-
lung vorgebrachten Ideen besprochen. Derzeit
beschäftigen wir uns unter anderem mit der Fra-
ge der sprachlichen Abbildung von nichtbinären
Identitäten in unseren Publikationen.
Die neue Funktionsperiode begann dann gleich
Illustration: © UNIVERSITAS Austria
mit einem Paukenschlag: Unser Büro-PC ging
unerwartet und plötzlich kaputt und war nicht
mehr reparabel. Glücklicherweise waren alle Da-
teien gesichert, was auf die entsprechende Initi-
ative von Alexandra Jantscher-Karlhuber zurück-
geht, die vor Jahren als Präsidentin regelmäßige
Backups im Büro zum Standard machte. Dafür Dagmar Jenner ist Dolmet-
sind wir sehr dankbar, denn die Arbeit konnte scherin und Übersetzerin
am Büro-Laptop weitergeführt werden, bis ein für Englisch, Spanisch und
neuer Desktop-PC gekauft und eingerichtet war. Französisch und Präsidentin
Mittlerweile laufen alle Prozesse wie am Schnür- von UNIVERSITAS Austria.
chen, alle neuen E-Mail-Adressen, Verteiler und
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Weiterleitungen sind dank unserer stellvertre-
tenden Generalsekretärin Martina Kichler ein-
anders als beim Verfassen meiner letzten beiden gerichtet, die Aufgabenbereiche definiert und
Kolumnen schreibe ich diese Zeilen einigerma- verteilt, die Website ist aktualisiert – es ist alles
ßen hoffnungsfroh. Kurz vor Redaktionsschluss auf Schiene (siehe Screenshot von der konstitu-
kündigen sich Öffnungsschritte in ganz Öster- ierenden Vorstandssitzung unten).
reich, ein höheres Tempo bei den Impfungen und
eine mögliche Rückkehr in ein unbeschwerteres
Leben an.
Sehr positiv gestimmt hat mich auch die vir-
tuelle Mitgliederversammlung, die wir am 26.
Februar zum ersten und hoffentlich zum letzten
Mal abgehalten haben. Einquartiert in Ivana Ha-
velkas wunderbarem Gemeinschaftsbüro (in dem
meines Erachtens noch ein Plätzchen frei ist)
im 2. Bezirk und alle frisch getestet kümmerte
sich das UNIVERSITAS-Kernteam darum, dass die
Mitgliederversammlung inklusive Vorstandswah-
len und Abstimmung über die Statutenänderung
reibungslos über die Bühne ging. Wir freuen uns,
dass etwa KollegInnen dabei waren, die aufgrund
der zu weiten Anreise aus den Bundesländern
zum ersten Mal mehr oder weniger live dabei
sein konnten. Wie Sie wissen, wurde am 26. Fe-
© UNIVERSITAS Austria
bruar ein neuer Vorstand gewählt, der hier im
Blattinneren gemeinsam mit den neu bestellten
Ausschüssen vorgestellt wird. Die Verbandsarbeit
ist bereits in vollem Gange. Übrigens fassen wir
für die Zukunft hybride Mitgliederversammlun-
gen ins Auge, wohl wissend, dass dies die orga- Einblick in die erste Vorstandssitzung des neuen Vorstands
nisatorisch aufwändigste Variante ist. Wir haben6 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
In weiterer Folge ging dann der Versand der Matteo Paone, sorgt nun für ein koordiniertes
Rechnungen für die Mitgliedsgebühr (die un- Auftreten unseres Verbandes im Netz.
verändert geblieben ist) über die Bühne. Übri-
gens freuen wir uns sehr über die großzügige Nachdem die E-Mail-Flut in der Vorstandskom-
Spende eines Mitglieds, der damit seine Wert- munikation mittlerweile kaum mehr zu bewäl-
schätzung der Verbandsarbeit zum Ausdruck tigen ist, testen wir derzeit die Verwendung
bringen möchte. Apropos Geld: Anlässlich eines eines elektronischen Kommunikationstools
Banktermins bei der Erste Bank unterschrieben namens Slack. Anders als bei E-Mails sind auf
Kassierin Karina Ghilea-Trummer, Generalsekre- dieser Plattform alle Nachrichten zu einem The-
tärin Bettina Schreibmaier-Clasen und ich un- ma übersichtlich gespeichert, es können unter-
zählige Dokumente für die neuen Zeichnungs- schiedliche Kategorien zu bestimmten Themen
berechtigungen (wobei den Argusaugen unserer eingerichtet werden etc. Wir befinden uns mit
gewissenhaften Kassierin keine auch noch so diesem kostenlosen Tool noch in der Testphase
kleine Unstimmigkeit im Kleingedruckten ent- und entscheiden dann, wie wir in der Zukunft
ging). Wir stellten fest, dass wir bald 40 Jahre kommunizieren werden.
bei der gleichen Bank sind, und erwarten uns in
Bälde ein goldenes Sparschwein als Belohnung. Unsere Ausschüsse sind ebenfalls fleißig bei
Unsere beiden prähistorisch anmutenden Spar- der Arbeit. Der Ausschuss für PR und Strategie
bücher (eines davon mit Losungswort!) werden etwa beschäftigt sich unter anderem mit der
aufgelöst. Wie von Vorgängerin Justyna Bork bei Idee, ein kurzweiliges „Erklärvideo“ über unseren
der Mitgliederversammlung berichtet, haben wir Verband und die Aktivitäten unserer Mitglieder
in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet anzufertigen bzw. bei unserer Werbeagentur in
und sind finanziell optimal aufgestellt. Auftrag zu geben. Der Ausschuss für Dolmet-
schen ist in letzter Zeit oft mit der Frage kon-
Voller Elan in die neuen Aufgaben hat sich un- frontiert, wie viele Personen in Corona-Zeiten
ser frischgebackenes Fortbildungsteam, be- in einer Standard-Dolmetschkabine arbeiten
stehend aus Jelena Semjonowa-Herzog und dürfen. Die Antwort lautet klar: eine einzige.
Katerina Sinclair, gestürzt. Die Premiere für Schließlich wollen wir uns selbst und andere
die beiden, nämlich das Webinar zum Thema schützen, die gesetzlichen Vorgaben zum Min-
Zusammenarbeit mit Agenturen geleitet von destabstand einhalten und bald in ein angeneh-
Katja Jääskeläinen, war ein voller Erfolg. Zahl- meres Leben und Arbeiten zurückkehren.
reiche weitere Veranstaltungen sind in Planung,
etwa ein dreiteiliges Webinar zum Thema Post- Unter dem Namen UNIVERSIKaffee gab es un-
Editing am 21., 22. und 29. Juni, jeweils von längst einen kurzen Nachmittagsplausch zwi-
18 bis 20 Uhr. Geleitet wird das Webinar von schen unseren Mitgliedern und Generalsekretärin
Sara Grizzo. Bettina Schreibmaier-Clasen und mir. Eine gute
Gelegenheit, einander besser kennen zu lernen
Als Videobeauftragte hat Katerina Sinclair und das eine oder andere Anliegen an die Frau
wieder zwei tolle Videos für den Berufseinstieg zu bringen. Wir überlegen, dieses Format fort-
gedreht: „Behind the scenes – Gerichtsdolmet- zusetzen, am liebsten in einer Präsenzvariante.
scherin für Englisch“ und „Behind the scenes: Nachdem auch das beliebte Format „Meet and
Gerichtsdolmetscherprüfung“. Diese und weitere Share“, betreut von Tamara Popilka, in den vir-
Videos finden Sie auf unserem YouTube-Kanal: tuellen Raum wandern musste, ist für Ende Mai
https://www.youtube.com/user/UniversitasPresse. eine Veranstaltung in einem netten Lokal geplant.
Wenn Sie diesen Kanal noch nicht abonniert
haben, dann ran an die Tasten! Darüber hinaus haben wir uns mit einem Fra-
gebogen zu einer geplanten EU-Konsultation
Nachdem unsere Social-Media-Kanäle (also über das Thema Kollektivverträge für Selbst-
in erster Linie Facebook, Twitter, LinkedIn) in ständige beschäftigt und unsere Einschätzung
den letzten Jahren von mehreren Personen ab- zu diesen Plänen an die EU geschickt. Apropos
wechselnd betreut wurden, haben wir nun die- EU: Derzeit sehen wir uns an, ob wir als Ver-
se Aktivitäten gebündelt. Das frischgebackene band das ITAT in Graz als Kooperationspartnerin
Social-Media-Team, bestehend aus den beiden bei einem EU-Projekt zum Thema Digitalisie-
Neo-Vorstandsmitgliedern Goran Jonic´ und rung und Translation unterstützen können.UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 7 Bei unseren Jungmitgliedern – neue Jungmit- gliedervertreterin im Vorstand: Jenni Zeller – steht das Webinar „Mein Einstieg in den Beruf“ an. Der Tag der offenen Tür, diesmal noch in einer virtuellen Variante, aber mit größerer Reichweite, ist für den 19. Mai geplant. Unser Zoom-Account glüht weiterhin und zu- sammen mit Vizepräsidentin Silvia Glatz- hofer gab es zwei sehr konstruktive Kennen- lerntermine: einen mit Véronique Lacoste, der Vorsitzenden der Sprachdienstleister der Wirtschaftskammer Österreich, und einen mit Stefan Baumgarten, dem Institutsvorstand des ITAT. Anders als in normalen Jahren stellte ich dieses Jahr unseren Berufsverband im Rahmen pro Bundesland. Wie auch im restlichen Öster- der Vorlesung meiner Vorvorgängerin Florika reich wird auch in Oberösterreich und Salzburg Grießner am ITAT per Zoom-Präsentation vor. auf baldige persönliche Treffen gehofft. Auch in Oberösterreich und Salzburg tut sich Jetzt mehr denn je: Bleiben Sie gesund, bis Sie einiges, was mich besonders freut, da wir in geimpft sind! diesen Regionen als Verband kaum vertreten sind. Neo-Vorstandsmitglied Goran Jonic, ´ der Translatorischen Gruß in Salzburg lebt, arbeitet daran, dies zu ändern. Dagmar Jenner Es gab bereits jeweils einen Zoom-Stammtisch dagmar.jenner@universitas.org Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Vorstand UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen Präsidentin: Mag.a Dagmar Jenner, Vizepräsidentin: Mag.a Silvia Glatzhofer Generalsekretärin: Dipl.-Dolm. Bettina Schreibmaier-Clasen, Stellvertreterin: Mag.a Martina Kichler Redaktion: Tamara Paludo, MA MA Layout: Sabina Kargl-Faustenhammer 1190 Wien, Gymnasiumstraße 50, Tel.: 01/368 60 60, E-Mail: info@universitas.org, Web: www.universitas.org Das Mitteilungsblatt dient dem Informationsaustausch zwischen den Verbandsmitgliedern.
8 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
DAS NEUE UNIVERSITAS-TEAM
Mit Anfang März 2021 haben der neugewählte Vorstand und unsere Ausschüsse die Arbeit (wieder-)aufgenommen.
Name: Dagmar Jenner Name: Bettina Schreibmaier-Clasen
Funktion bei UNIVERSITAS: Funktion bei UNIVERSITAS:
Präsidentin Generalsekretärin
E-Mail-Adresse: E-Mail-Adresse:
dagmar.jenner@universitas.org bettina.schreibmaier-clasen@
In diesen Sprachen können Sie universitas.org
mich kontaktieren: Deutsch, In diesen Sprachen können Sie
Spanisch, Englisch, Französisch, mich kontaktieren: Deutsch,
Babygriechisch Englisch, Spanisch
Lieblingsstadt: Mexico City Lieblingsstadt: Wien
„Wer aufhört, besser werden zu „Das größte Vergnügen im
wollen, hört auf, gut zu sein.“ Leben besteht darin, Dinge
Marie von Ebner-Eschenbach zu tun, die man nach Meinung
anderer Leute nicht fertig-
bringt.“
Marcel Aymé
Name: Silvia Glatzhofer Name: Martina Kichler
Funktion bei UNIVERSITAS: Funktion bei UNIVERSITAS:
Vize-Präsidentin, Verbindung zum IT, Gebärdensprache, stellvertreten-
ITAT Graz; leitet gemeinsam mit de Generalsekretärin
Katia Iacono und Tünde Kovacs das
Mentoringprogramm E-Mail-Adresse: martina.kichler@
universitas.org
E-Mail-Adresse: In diesen Sprachen können Sie
silvia.glatzhofer@universitas.org mich kontaktieren:
und glatzhofer@aon.at Deutsch, Englisch, Spanisch,
In diesen Sprachen können Sie Österreichische Gebärdensprache
mich kontaktieren: DE/EN Lieblingsstadt: Nerja, Spanien
Wo es mich immer wieder
hinzieht: ans Meer, nach London
und in den Garten
„Panta rhei.“ – Alles fließt.
„One cannot NOT communicate.“
Paul WatzlawickUNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 9
STELLT SICH VOR
In der folgenden Besetzung sind wir nun mit viel Freude und Elan für Sie im Einsatz:
Name: Ekaterina Graf Name: Goran Jonic´
Funktion bei UNIVERSITAS: Funktion bei UNIVERSITAS:
UNIVERSITAS-Botschafterin in Tirol - Mitglied des Social-Media-Teams
und Vorarlberg (gemeinsam mit Matteo)
- UNIVERSITAS-Botschafter für
E-Mail-Adresse: ekaterina.graf@ Salzburg und Oberösterreich
universitas.org
In diesen Sprachen können Sie E-Mail-Adresse: goran.jonic@
mich kontaktieren: universitas.org
Deutsch, Russisch, Englisch In diesen Sprachen können Sie
mich kontaktieren: Deutsch,
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch,
Russisch und Englisch
„Sei du selbst die Veränderung, Lieblingsstadt: Salzburg
die du dir wünschst für diese
Welt.“
Mahatma Gandhi
„If you talk to a man in a
language he understands, that
goes to his head.
If you talk to him in his lan-
guage, that goes to his heart.”
Nelson Mandela
Name: Karina Ghilea-Trummer, Name: Tamara Paludo
MA MSc Funktion bei UNIVERSITAS:
Funktion bei UNIVERSITAS: Redaktion des Mitteilungsblatts
Kassierin, Mitglied im Ausschuss
für PR und Strategie, E-Mail-Adresse: tamara.paludo@
Datenschutzbeauftragte universitas.org
In diesen Sprachen können Sie
E-Mail-Adresse: mich kontaktieren:
karina.ghilea@universitas.org Deutsch, Englisch, Französisch,
In diesen Sprachen können Sie Spanisch, (gerne auch in
mich kontaktieren: Portugiesisch und Katalanisch,
Deutsch, Englisch, Rumänisch wenn Sie ein wenig Nachsicht mit
Lieblingsstadt: Wien meiner Antwort haben)
Lieblingsstadt: Sydney, dicht
gefolgt von Oxford, Paris,
Salamanca und Wien
„Wer glaubt etwas zu sein, hat
aufgehört etwas zu werden.“
Sokrates „Your right to swing your
arms ends where another
person’s nose begins.”
nach Oliver Wendell Holmes10 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
Name: Matteo D. Paone Name: Katharina Redl
Funktion bei UNIVERSITAS: Funktion bei UNIVERSITAS:
Betreuung von Social Media, Stv. Verbindungsperson des AfCI zum
Kassier, Mitglied im Ausschuss für Vorstand
PR und Strategie
E-Mail-Adresse: katharina.redl@
E-Mail-Adresse: gmail.com
matteo.paone@universitas.org In diesen Sprachen können Sie
In diesen Sprachen können Sie mich kontaktieren:
mich kontaktieren: Deutsch, Französisch, Russisch,
Italienisch, Deutsch, Englisch, Englisch
Niederländisch, Französisch, Lieblingsstadt: St. Petersburg
Spanisch, Russisch oder italienische
Gebärdensprache
Lieblingsstadt: Stockholm
„Phantasie ist wichtiger
als Wissen, denn Wissen ist
begrenzt.“
„It always seems impossible Albert Einstein
until it’s done.“
Name: Katerina Sinclair
Name: Jelena Semjonowa-Herzog Funktion bei UNIVERSITAS:
Funktion bei UNIVERSITAS: Fortbildung, Nachwuchsförderung
Fortbildung
E-Mail-Adresse:
E-Mail-Adresse: katerina.sinclair@universitas.org,
jelena.semjonowa-herzog@ fortbildung@universitas.org
universitas.org und fortbildung@ In diesen Sprachen können Sie
universitas.org mich kontaktieren:
In diesen Sprachen können Sie Deutsch, Tschechisch, Englisch und
mich kontaktieren: Slowakisch
Deutsch, Russisch, Belarussisch Lieblingsstadt: Brno
Lieblingsstädte: Wien, Minsk,
Sankt Petersburg und viele andere
„Weich ist stärker als hart,
Wasser stärker als Fels, Liebe
„Per aspera ad astra.“ stärker als Gewalt.“
Hermann HesseUNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 11
Name: Jenni Zeller
Funktion bei UNIVERSITAS:
Jungmitgliedervertretung
E-Mail-Adresse:
jenni.zeller@universitas.org
In diesen Sprachen können Sie
mich kontaktieren:
Deutsch, Englisch, Französisch,
Italienisch
Lieblingsstadt: Edmonton
(Alberta, Kanada), Vancouver, Paris
und Innsbruck
„All we can do is keep telling the
stories, hoping that someone will
hear. Hoping that in the noisy
echoing nightmare of endlessly
breaking news and celebrity gos-
sip, other voices might be heard,
speaking of the life of the mind
and the soul's journey.“
from Weight by Jeanette Winterson
Unsere Büromitarbeiterinnen
Name: Daniela Kosic´ Name: Marlene Hönigsberger
Funktion bei UNIVERSITAS: (née Gumpenberger)
Office-Managerin Funktion bei UNIVERSITAS:
Office-Managerin
E-Mail-Adresse:
info@universitas.org, E-Mail-Adresse:
danielakosic@kos-translations.com info@universitas.org,
In diesen Sprachen können Sie m.hoenigsberger@gmx.net
mich kontaktieren: In diesen Sprachen können Sie
Deutsch, Englisch, Bosnisch/ mich kontaktieren:
Kroatisch/Serbisch, Italienisch Deutsch, Englisch, Italienisch
(Japanisch in progress ) Lieblingsstadt: Hongkong
Lieblingsstadt: Tokyo (auch wenn
ich die erste Reise dorthin aufgrund
der Pandemie auf unbestimmte
Zeit verschieben musste) „Gib jedem Tag die Chance,
der schönste deines Lebens zu
werden.“
Mark Twain12 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
In den Ausschüssen arbeiten für Sie
Ausschuss für Community Interpreting (AfCI):
Katharina Redl (Koordination), Anna Agabani, Florika Grießner, Ivana Havelka, Sonja Leet-Schutti, Ursula Stachl-Peier
Ausschuss für Dolmetschen (AfDo):
Claudia Fischer-Ballia (Koordination), Bettina Coll, Jill Kreuer, Sonja Schnitzer, Susanne Watzek, Christa Wendl,
Joanna Ziemska
Ausschuss für Nachwuchsförderung (AfN):
Katerina Sinclair (Koordination), Silvia Glatzhofer, Katia Iacono, Tünde Kovacs, Marlene Trendl, Edith Vanghelof
Ausschuss für PR und Strategie (AfPS):
Dagmar Jenner (Koordination), Marina D’Orlando, Karina Ghilea-Trummer, Barbara Meinx, Matteo Paone,
¸
Volina Serban, Nóra Uhri
Ausschuss für Übersetzen (AfÜ):
Martina Flor (Koordination), Verena Brinda, Ruth Day, Irene Mühldorf, Beatrix Monberg-Tóth
Organisationstalent in Innsbruck:
Natalie Mair
Außerordentliche Verbindungspersonen der Ausschüsse zum Vorstand
Name: Claudia Fischer-Ballia Name: Martina Flor
Funktion bei UNIVERSITAS: Funktion bei UNIVERSITAS:
Verbindungsperson des AfDo zum Verbindungsperson des AfÜ zum
Vorstand Vorstand
E-Mail-Adresse: E-Mail-Adresse:
afdo@universitas.org afue@universitas.org
In diesen Sprachen können In diesen Sprachen können
Sie mich/den Ausschuss Sie mich/den Ausschuss
kontaktieren: Deutsch, Englisch, kontaktieren: Deutsch, Englisch,
Französisch, Polnisch, Russisch, Französisch, Spanisch, Ungarisch
Spanisch Lieblingsstadt: Wien
Lieblingsstadt: San Francisco
(abgesehen von Wien)
Alles aus „Die Tante Jolesch“UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 13
„DA SEHNTEN WIR UNS MANCHMAL NACH EINEM
TRUMP-FREIEN TAG!“
Ein Interview mit Hannelore Veit über Dolmetschen, Journalismus und internationale
Erfahrungen in Tokyo, Washington und Wien
Interviewpartnerin für UNIVERSITAS Austria: Alexandra Jantscher-Karlhuber
VEIT: In erster Linie ist es das Sich-mit-allem-
Beschäftigen, Neugierde für alles. Nicht die
Konzentration auf ein Fachgebiet, sondern
die Breite des Studiums sind ausschlagge-
bend. Das war übrigens auch der Grund für
die Wahl dieses Studiums. Ich war an so vie-
©Verena Moser Fotografie
len Dingen interessiert, außerdem hat mich
die Internationalität gereizt. Das muss man
natürlich wollen, man muss bereit sein, aus
dem kleinen Feld, in dem man sich befindet,
hinauszugehen. Dazu legt das Studium die
Grundlagen, indem es so viele Perspektiven
eröffnet, Dinge aufzeigt, an die man vielleicht
gar nicht denken würde. Alexandra M. Jantscher-
UNIVERSITAS: Liebe Hannelore, zuerst einmal Karlhuber, Übersetzerin und
ganz herzlichen Dank, dass du dem Mitteilungs- UNIVERSITAS: Du hast ja damals etwas gemacht, Dolmetscherin für Deutsch
blatt von UNIVERSITAS Austria für ein Interview was noch nicht Teil des Studiums war, du warst und Englisch, Unterrichten-
zur Verfügung stehst. damals zwei Jahre als Fulbright-Stipendiatin in de im Bereich Dolmetschen,
den USA. Hat das vielleicht auch eine Spätwir- Mitglied im FIT Council
Es ist schon ein Weilchen her, seit wir uns bei kung gehabt?
unserem Studium, damals noch im kellerähnli-
chen (Dolmetsch-)Institut in der Hauptuni am VEIT: Ja absolut! Für mich war es klar, dass ich
Ring, über den Weg gelaufen sind und unser hinaus musste, um die Sprache in der Kultur, im
Studium abgeschlossen haben. Damals durften Umfeld zu lernen, zu perfektionieren. Ich habe
wir dieses Ereignis nach Lust und Laune feiern. „American Studies“ belegt und nach dem ur-
Die Bedingungen kann man mit den heutigen sprünglich einjährigen Stipendium noch einen
nicht vergleichen. Master angehängt, was bei diesem Programm
kein Problem war. Alle waren daran interessiert,
VEIT: Die Kabinen waren Holzschachtel-ähnlich, dass man Erfolg hatte und möglichst mit einem
man saß alleine darin, für zwei Personen wäre Abschluss zurückgeht. Auch das Studium in den
kein Platz gewesen. USA war sehr breit: Politologie, Geschichte und
Literatur, alles eben auf Amerika bezogen. Für
UNIVERSITAS: Da hat sich viel verändert am jet- viele AmerikanerInnen ist das ein Ausgangs-
zigen ZTW. Die Anlagen sind professionell und punkt für Journalismus, und ich bin auch auf
vielseitig! Das Curriculum ist seit unserer Studi- diese Weise „hineingerutscht“. Ich war dann in
enzeit auch schon mehrmals verändert worden. Wien in einem internationalen Umfeld, das ich
von den USA her hatte. So bin ich zum Journa-
Ausgehend von unserem Studium wäre es sicher lismus gekommen. Ich habe mein Studium sehr
interessant zu hören, wie man von diesem Stu- wohl fertig gemacht.
dium zum Journalismus kommt und welche im
Laufe des Studiums erlernten Fertigkeiten und Der Einstieg ins professionelle Dolmetschen
Fähigkeiten dich deiner Meinung nach dazu be- war auch unendlich schwierig – wir haben wohl
sonders befähigt haben. beide anfangs nur auf Empfehlungen unserer
DolmetschlehrerInnen gearbeitet. Ohne zusätz-14 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
liche Jobs konnte man nicht leben. „Voice of Ich wurde dann irgendwann gefragt, ob ich mir
America“, ein Radiosender, hat zum damaligen nicht vorstellen könne, als Moderatorin in Wien
Zeitpunkt jemanden in Wien für das Osteuropa- zu arbeiten. Ich habe also zugesagt und ging
Büro gesucht. Und das war’s dann. nach Wien, während mein Mann noch ein Jahr
in Tokyo blieb.
UNIVERSITAS: Und so bist du dann nach Japan
gekommen? Die Umstellung ging dann recht flott. Ich habe
als Moderatorin der ZiB1 begonnen und neben-
VEIT: Nein, denn „Voice of America“ ist vom US- her noch ein paar Auslandsberichte gemacht.
Kongress finanziert, und so konnten nur ame- Als Gerhard Zeiler Intendant wurde, moderier-
rikanische StaatsbürgerInnen wirklich weiter- te ich dann nur mehr die ZiB, er meinte, ZiB-
kommen. Für mich gab es daher einen Plafond. ModeratorInnen sollten sonst nichts machen .
Natürlich haben wir aber für unsere Sendung
Mein Mann, der auch Journalist ist, hat damals recherchiert und diese vorbereitet. Ich habe
einen tollen Job in Tokyo angeboten bekom- auch viele Sondersendungen moderiert, immer
men. Somit wechselte ich zurück in die Freibe- auch Wahlsendungen, die Nationalratswahlen
ruflichkeit und ging mit nach Tokyo. Dort habe oder die US-Wahlnächte. Die Beiträge der ZiB
ich auch teilweise noch für „Voice of America“ werden von KorrespondentInnen und Redak-
gearbeitet, bald aber habe ich auch Radiobei- teurInnen produziert. Natürlich wird immer im
träge für den ORF gemacht. In Tokio bin ich Team besprochen, welche Beiträge auf Sendung
auch zum Fernsehen gekommen, dort habe ich gehen sollten. Die zeitlichen Vorgaben sind auf
als Korrespondentin für einen privaten Wirt- Sekunden genau, Moderationen werden schrift-
schaftssender, den European Business Channel, lich vorbereitet, damit sie nicht aus dem Ruder
mit Sitz in der Schweiz angeheuert. Ich habe laufen. Die ganze ZiB1 hat meist nur ein paar
Fernsehbeiträge auf Deutsch und auf Englisch Sekunden Überzugsmöglichkeit, da muss man
produziert. So viele gab es in Tokyo nicht, die also sehr genau timen und ein klares Konzept
in diesen beiden Sprachen berichten konnten. haben. Der Chef vom Dienst muss unter Um-
Dieser Sender ging leider in Konkurs. Und so ständen während der Sendung über Änderungen
habe ich beim ORF-Fernsehen angeklopft. Es oder Auslassungen entscheiden.
dauerte ein halbes Jahr, bis ich eine Anfrage
der Wirtschaftsredaktion bekam, die einen Bei- UNIVERSITAS: In Wien hast du dann deine beiden
trag über die Scheckbuchdiplomatie in Japan Kinder gekriegt, wenn ich mich richtig erinnere?
(im Kontext des ersten Golfkriegs) wollten.
VEIT: Ja, das Moderieren war eigentlich der ide-
Es ist wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen ale Job dafür. Ich habe zwar am Abend gearbei-
Ort zu sein, auch wenn die Anlässe manchmal tet, aber dafür hat man dann unter der Woche
sehr traurig sind: Es war dies der Absturz der Tage frei. Für kleine Kinder ist das also der idea-
Lauda-Air-Maschine. Ich konnte von Tokyo aus le Job, im Gegensatz zum KorrespondentInnen-
noch am selben Tag in Thailand sein, von Wien job, bei dem man nie weiß, was geschieht, wo
aus hätte das länger gedauert. Das war mein man eventuell kurzfristig hinfliegen muss.
eigentlicher Einstieg in den ORF. Von da an gab
es regelmäßig Beiträge von mir. Ich habe aber Ich wollte aber unbedingt noch einmal raus.
auch noch für andere Stationen gearbeitet, wie Als Korrespondentin in den USA ist man völlig
den japanischen öffentlich-rechtlichen Sender eigenverantwortlich, von der ersten Recherche
NHK, ich war ja freiberuflich tätig. bis zur Liveschaltung oder dem Beitrag. In Wa-
shington arbeitet ein Team von drei Korrespon-
UNIVERSITAS: Interessant, du warst aber dann dentInnen für Radio und Fernsehen, und zu dritt
schon beim ORF angestellt? ist man da schon gut ausgelastet. Es gab natür-
lich auch weniger aufwändige Phasen, aber man
VEIT: Nein, eigentlich erst als ich als Büroleite- weiß eigentlich nie, was der Tag bringt! Durch
rin nach Washington ging, weil ich dort andere die Zeitverschiebung kann es dann schon auch
unter mir hatte, und das dienstrechtlich nicht mal sein, dass man für einen Live-Beitrag im
anders ging. Sonst habe ich immer mit Verträ- Morgenjournal um 1 Uhr noch arbeitet.
gen gearbeitet, was für mich gut gepasst hat.UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 15
Wie unterschiedlich die KorrespondentInnentä- man einfach auch andere Ansprüche. Damals
tigkeit sein kann, habe ich mit dem Wechsel musste man im Taxi aber sehr genaue Wegang-
von Obama zu Trump gespürt. Barack Obama aben verbal machen können. Die FahrerInnen
brachte in seiner zweiten Amtszeit nicht viel sprachen kaum Englisch, und mobile Karten,
durch, da mussten wir manchmal darum kämp- Handys usw. gab es noch nicht.
fen, überhaupt Beiträge auf Sendung zu brin-
gen. Ab dem Zeitpunkt, als Trump 2015 in den UNIVERSITAS: Hattest du eigentlich einmal Dol-
Wahlkampf einstieg, war es genau umgekehrt. metscherlebnisse von der anderen Seite? Also
Da sehnten wir uns manchmal nach einem sozusagen als professionelle Beobachterin?
Trump-freien Tag! Jeden Tag ein neues Thema,
ein neuer Skandal, zwei Impeachments, da war VEIT: Bei Live-Sendungen hast du natürlich
schon einiges los. DolmetscherInnen drinnen sitzen, da hörst du
sie. Ich weiß nicht mehr, bei welcher Gelegen-
UNIVERSITAS: Du warst also längere Zeit in Ja- heit ich mir dachte: Ja, ziemlich gut, wäre für
pan, noch länger in den USA, warst du sonst mich jetzt echt schwer da drinnen zu sitzen…
auch noch irgendwo im Ausland tätig?
UNIVERSITAS: Hört man dann als „gelernte“
VEIT: Nein. Dolmetscherin anders zu?
UNIVERSITAS: Das sind ja auf jeden Fall zwei VEIT: Ja! Da denkt man manchmal schon: Fin-
sehr unterschiedliche Länder. Gab es irgendein det er da noch ein Ende? Kommt er aus dem
spezielles interkulturelles Erlebnis, das dir beson- Satz noch raus? Deutsch ist schon eine schwie-
ders in Erinnerung ist? rige Sprache. Trump zu dolmetschen, war noch
eine Kategorie für sich. Trump hat so gut wie
VEIT: In Amerika hatte ich nie so etwas wie einen nie einen Satz zu Ende gesprochen, hat oft mit-
Kulturschock. Dort habe ich lange studiert, das ten im Satz das Thema gewechselt... Das war
war für mich so etwas wie eine zweite Heimat. nicht die Schuld des Dolmetschers, das war ein-
fach Trumps Art zu reden. Wenn man dann nur
Japan ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, den Dolmetscher gehört hat, hätte man schon
speziell weil ich ja nicht hinging, um die Spra- manchmal den Eindruck haben können, der
che zu lernen. Ich habe zwar auch ein bisschen kann aber gar nix. Wenn man aber das Original
Japanisch gelernt, aber wohl das meiste wieder kennt, dann denkt man anders.
vergessen. Dort ist aber die Mentalität völlig
anders. Die JapanerInnen denken im Kollektiv, UNIVERSITAS: Wir haben schon gehört, dass
denken ganz anders als wir. Es ging mir dort deine beiden Kinder in Wien zur Welt gekom-
wie vielen anderen: Man meint irgendwann, men sind. Dein Mann ist ja auch Journalist,
jetzt hätte man sie endlich verstanden, jetzt wie ist das Familienleben in einer solchen
wäre man einen großen Schritt weiter gekom- JournalistInnenfamilie?
men. Am nächsten Tag kam immer die Ernüch-
terung und die Erkenntnis, dass man gar nichts VEIT: Mein Mann ist noch dazu Franzose. Wir
verstanden hat. Man braucht etwa 1800 Kanji, sprechen daher eigentlich 3 Sprachen. Mit den
Schriftzeichen, um die Zeitung lesen zu kön- Kindern spreche ich fast nur Deutsch, die bei-
nen; um das zu können, müsste man wohl ein den untereinander großteils auch. Sie mischen
Jahr lang Vollzeit die Sprache lernen. Und so aber auch Englisch hinein, denn Alex ist mit 12
ist es mir durchaus auch passiert, dass ich aus in Amerika in die High School gekommen. Char-
dem Supermarkt mit Salz anstatt Zucker oder lotte war auch 2 Jahre in Amerika in der Schule
umgekehrt nach Hause gekommen bin, einfach und hat dann an einer englischsprachigen Uni
weil beides weißes Granulat ist . studiert. Es ist sehr situationsabhängig. Mein
Französisch verwende ich hauptsächlich in
Japanisch kann ich wahrscheinlich gut genug, Frankreich, so eine Art „Kitchen French“, da
um mich halbwegs verständigen zu können. Ich kommt alles, was man so in den Ferien am Land
ginge nicht verloren, aber wenn man Sprachen braucht. Mit meinem Mann spreche ich haupt-
auf professionellem Niveau studiert, so wie in sächlich Englisch, das ist die neutrale Sprache,
meinem Fall Englisch und Spanisch, dann hat sozusagen. Im Prinzip mischen wir alles.16 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
UNIVERSITAS: Und wie sieht das zeitlich aus, Was hat dich dazu bewogen, Präsidentin des
dein Mann ist ja auch freiberuflicher Journalist. Alumni-Verbandes der Universität Wien zu werden?
VEIT: In Amerika waren die Kinder dann schon VEIT: (lacht) Es gab da aus heiterem Himmel
relativ groß. Wir haben aber immer gemein- einen Anruf der Vize-Rektorin, Christa Schnabl,
sam abendgegessen. Ich habe dann manchmal die mich fragte, ob ich mir das vorstellen kön-
nachher noch gearbeitet. Als ich noch in Wien ne. Ich habe sofort „ja“ gesagt, weil ein Alum-
die ZiB gemacht habe, haben wir immer nach- ni-Netzwerk, wie ich es aus Amerika kenne,
her noch gemeinsam gegessen. Das war manch- ganz etwas anderes ist als hier. Und ich dachte
mal für die Kinder schon sehr spät, aber das war mir, ein bisschen etwas davon hierher zu brin-
schon sehr wichtig. Nachdem beide ins Lycée gen wäre sicher gut. Die Verbundenheit dort ist
gingen, fing die Schule auch später an, das hat enorm. Wenn man in eine neue Stadt kommt,
geholfen. gibt es dort ein Alumninetzwerk, an das man
sich auch wenden kann. Es gelingt nicht immer
Beide Kinder leben jetzt ganz woanders, aber ein direktes Gespräch – Condoleezza Rice, die
beide sehen Wien als ihre Heimat. auch an meiner Uni studiert hatte, wollte ich
mal um ein Interview bitten, das ist nicht ge-
Als wir nach Amerika gingen, hat Charlotte glückt. Aber: Die Leute sind stolz auf ihre Unis,
noch das Schuljahr in Wien fertig gemacht und das ist bei uns auch ausbaufähig…
Alex war extrem unglücklich. Er war 12 ½, er
wurde aus seinem Umfeld herausgerissen. Er UNIVERSITAS: Aber war nicht genau das auch
hat doch einige Zeit gebraucht, aber dann war einer der Grundgedanken der Gründung des Ver-
er der Kaiser an seiner Schule. Mit den sozialen bandes hier?
Medien ist das einfacher als zu unserer Zeit, da
bleibt man näher an seinen FreundInnen dran. VEIT: Ja genau! 1365 wurde die Uni Wien ge-
gründet und ist somit eine der ältesten Uni-
Jetzt fragst du mich sicher, ob ich noch einmal versitäten überhaupt. Da kann man schon stolz
Dolmetschen studieren würde... sein darauf. Wir haben auch tolle AbsolventIn-
nen, da lässt sich schon auch etwas organi-
UNIVERSITAS: Würdest du? sieren. Ich freue mich schon darauf, dass wir
wieder echte Veranstaltungen machen können,
VEIT: Ja, aber ich würde unbedingt ein Zweit- nicht nur virtuelle. Wir planen – und dafür in-
studium dazu machen. Die Wirtschafts- und teressieren sich sicher viele – einmal pro Jahr
Rechtsterminologie haben mir am Anfang ein Event mit Cocktails und Awards zu veran-
schon ein bisschen gefehlt, die eignet man sich stalten. Awards für verschiedene Kategorien,
dann im Laufe der Zeit an. das ist in Amerika gang und gäbe, es gibt auch
ÖsterreicherInnen, die in Amerika studiert ha-
UNIVERSITAS: Ich denke, das weiß man erst im ben und solche Auszeichnungen bekommen
Nachhinein, das nimmt man während des Studi- haben. Das ist wirklich toll! Man braucht dazu
ums wahrscheinlich zu wenig wichtig. Termino- Öffentlichkeitsarbeit, das Interesse dafür muss
logie und Verständnis für andere Themen sind geweckt werden. Warten wir mal ab, bis Corona
trotz der breiten Fächerung des Studiums in der nicht mehr so präsent ist!
Praxis sicher nicht ausreichend.
UNIVERSITAS: Liebe Hannelore, ich danke dir für
VEIT: Ich weiß nicht, wie das heute ist, aber das sehr interessante Gespräch!
bei uns gab es wirklich nicht sehr viel an wirt-
schaftlichen Grundbegriffen. VEIT: Sehr gerne!
UNIVERSITAS: Jetzt aber noch eine letzte Frage
– außer dir fällt selber noch ein wichtiges weite-
res Thema ein:UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 17
DIE „GORMAN-DEBATTE“
ÜBERSETZUNG IN DEN SCHLAGZEILEN
Brigitte Rapp
Es war ein bewegender, wenn nicht gar erhebender Moment, als
Amanda Gorman bei der Inaugurationsfeier für Joe Biden ihr Gedicht
„The Hill We Climb“ vortrug. Eine zierliche junge Schwarze Frau,
Sinnbild für eine neue Ära, für Hoffnung auf eine gute, gemeinsame
Zukunft: „We close the divide because we know to put our future first,
/ we must first put our differences aside. / We lay down our arms /
so we can reach out our arms / to one another.“ Bidens Versprechen,
die Nation zu einen, hätte nicht besser transportiert werden können.
Gorman sprach nicht nur von Teilhabe, sie verkörperte sie auch. Ihr
Brigitte Rapp, Studium Eng-
Auftritt berührte die Welt und machte sie schlagartig zum Star und lisch/Russisch am Wiener
zur Ikone. Dolmetschinstitut, Überset-
zerin, Psychoanalytikerin
S
und Geschäftsführerin
o eine Gelegenheit auf Publicity konn- später dem katalanischen Schriftsteller Victor der IG Übersetzerinnen
ten sich die Verlage nicht entgehen Obíols, der die Übersetzung bereits angefertigt Übersetzer
lassen. Weltweit begann ein Bieten um hatte, der Auftrag von seinem Verlag entzogen
die Übersetzungsrechte für Gormans wurde, weil er nicht das richtige Profil habe.
Gedicht. Der französische Verlag Fayard soll gar
eine fünfstellige Summe für die Übersetzungs- Unter Übersetzer·innen löste diese Debatte
rechte bezahlt haben. Der niederländische Ver- Unbehagen aus, ging sie doch am eigentlichen
lag Meulenhoff beauftragte die Schriftstellerin Thema vorbei und rückte die Übersetzung in die
Marieke Lucas Rijneveld mit der Übersetzung. Nähe der Vereinnahmung. Dabei gehört es zu
Rijneveld, für ihren Debutroman mit dem In- unserem Berufsethos, nur Texte zu übersetzen,
ternational Booker Prize 2020 ausgezeichnet, denen wir uns gewachsen fühlen. Ich würde
ist zweifellos eine talentierte Schriftstellerin, zum Beispiel nie einen mathematischen oder
nicht viel älter als Amanda Gorman, aber sie finanztechnischen Text übersetzen, weil mir
ist weiß und non-binär, was ihr prompt den dafür jegliches Verständnis fehlt. Andererseits
Vorwurf einbrachte, nicht die beste Wahl für verstehe ich auch nichts von Lampen, habe aber
die Übersetzung zu sein. Die Publizistin Janice ein ganzes Buch darüber übersetzt, weil mich
Deul wies in einem Zeitungskommentar auf die Design schon immer interessiert hat. Das war
vertane Chance hin, für die Übersetzung von harte Arbeit und hat sehr viel Recherche über
Gormans in der Tradition der afroamerikani- Designgeschichte, Materialien, Produktionsme-
schen ,oral poetry‘ verfasstem Gedicht eines der thoden erfordert, aber es hat Spaß gemacht,
zahlreichen schwarzen Spoken-Word-Talente in ich habe mich hineingekniet, viel gelernt, und
den Niederlanden zum Zug kommen zu lassen. anschließend wurde in einem Fachlektorat auch
noch die sachliche Richtigkeit geprüft – so
Damit hob ein medialer Erregungssturm an, in sieht seriöse Arbeit an einem Buchprojekt aus.
dem die Übersetzung plötzlich eine kaum ge- Auch beim Übersetzen von Literatur begegnen
kannte Sichtbarkeit erhielt. Die Debatte ent- wir faktischen Fragestellungen in oft unerwar-
zündete sich an der Frage, ob Hautfarbe, Alter, teter Vielfalt, denn die sogenannten Realien
sexuelle Orientierung und ähnliche persönliche bilden den kulturellen Hintergrund ab, vor dem
Eigenschaften entscheidend dafür sind, wer sich eine Geschichte entwickelt. Heute finden
Amanda Gormans Gedicht übersetzen darf. Wei- wir (fast) alles im Internet, aber früher sind wir
ter befeuert wurde das Thema, als einige Tage nicht selten an den Ort des Geschehens gereist,18 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
um uns selbst ein Bild von dem zu machen, Einklang zu bringen und dabei die vielen An-
was da beschrieben wird. Eine Kollegin hat zum spielungen und Anklänge mitzutransportieren.
Beispiel einmal eine Exkursion in eine Mühle An dieser Stelle wäre ein Blick auf die deutsche
unternommen, um die verschiedenen Mehlar- Übersetzung zu richten, die kürzlich bei Hoff-
ten sehen und spüren zu können, die in ihrer mann und Campe erschienen ist.1 Angesichts
Romanübersetzung eine wichtige Rolle spielten des Medienhypes war die Erwartungshaltung
und für die in ihrer Sprache erst die passenden hoch. Bemerkenswert ist die Entscheidung des
Wörter ge- bzw. erfunden werden mussten. Verlages, ein Dreier-Team mit der Übersetzung
zu beauftragen, bestehend aus der erfahrenen
Etwas selbst wahrzunehmen und zu erleben Übersetzerin Uda Strätling, der Rassismusfor-
hilft der Vorstellungskraft auf die Sprünge, scherin Hadija Haruna-Oelker und der Autorin
aber das heißt nicht, dass man tatsächlich „in ¸
Kübra Gümüsay. Amanda Gorman tritt in ihrem
den Schuhen des anderen gehen“ muss, um et- Gedicht für Vielfalt in der Gesellschaft ein, und
was verstehen und nachvollziehen zu können. der Verlag wollte dem Rechnung tragen. Drei
Übersetzer·innen lassen schon durch ihre Be- verschiedene Erfahrungswelten und Expertisen
rufswahl ein Interesse am Anderen erkennen ergeben drei verschiedene Blicke auf den Text.
und eine Bereitschaft, sich auf fremde und Diese zu einem gemeinsamen Text zu vereinen,
immer wieder neue Erfahrungs- und Gedanken- war nicht immer einfach, so berichten die drei
welten einzulassen. Übersetzen heißt, sich mit über ihre Arbeit.2 In Zweifelsfragen wurde die
etwas zu identifizieren, es in sich hineinzuneh- Autorin befragt. Wäre dieser Prozess der Abwä-
men, um sich dann auch davon zu distanzieren gung unterschiedlicher Perspektiven, diese Ar-
und mit den eigenen Mitteln etwas Neues zu beit im Team ein Modell für die Zukunft? Oder
schaffen. Das mag nach Hybris klingen, und wäre es sinnvoll gewesen, die Übersetzungsrech-
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist in der te nicht exklusiv zu vergeben, sondern mehrere
Tat auch erforderlich, um die notwendigen Ent- Interpretationen anfertigen zu lassen, in einer
scheidungen treffen zu können. Art Wettbewerb vielleicht, um die Möglichkeiten
der Übersetzung auszuloten und sichtbar werden
Was entsteht, ist immer etwas Neues, kein Du- zu lassen – gelebte Vielfalt also?
plikat des Originals. Immer ist auch vom Eige-
nen etwas in der Übersetzung, der eigene Blick, Zweifellos müssen wir uns alle die Frage stellen,
die eigene Erfahrung, mit der man die andere wie offen unsere Strukturen für Menschen aller
wahrnimmt. Es gibt keinen neutralen Blick, kei- Art sind. Wie funktioniert der Zugang zum Li-
ne Übersetzung, die mit dem Original identisch teraturmarkt? Nach welchen Kriterien trifft wer
wäre, so sehr sie sich auch um Genauigkeit und die Auswahl? Findet sich die Vielfalt unserer
„Treue“ bemüht. Alles andere ist Illusion. In- Gesellschaft in den Verlagsprogrammen, in den
sofern ist die „Identitätsdebatte“ im Zusam- Medien usw. wieder? Janice Deul, die den Stein
menhang mit Übersetzungen völlig verfehlt. Zu der Gorman-Übersetzungsdebatte ins Rollen
Ende gedacht, könnte schließlich jeder nur sich brachte, hat zu Recht eingefordert, schwarze
selbst übersetzen. Und irgendwie ist sie wieder Spoken-Word-Autor·innen mit der Übersetzung
typisch: Wenn es um Übersetzung geht, wird zu betrauen. Nicht, weil sie es besser können,
gern problematisiert und auf ihrer – grundsätz- sondern weil sie die Möglichkeiten bekommen
lichen oder konkreten – Unzulänglichkeit her- sollten, ihre Talente zu verwirklichen, damit
umgeritten. Ob es sich hier um eine Projektion wir eine Gesellschaft schaffen, die, mit Amanda
des Unbehagens handelt, einer·m Dritte·n zur Gorman und ihren Übersetzer·innen gespro-
Vermittlung des Textes ausgeliefert zu sein? chen, „für Menschen aller Art, jeder Kultur und
1 Amanda Gorman: The Hill We Climb – Den
Lage, jeden Schlags“ offen ist.
Hügel hinauf: Dt. / engl. Ausgabe, über-
Aber zurück zu Gorman: Ihr Gedicht zu über-
setzt/kommentiert v. Uda Strätling, Hadija
setzen heißt, nicht nur die faktischen und
Haruna-Oelker, Kübra Gümüsay, Vorwort
v. Oprah Winfrey, Hoffmann und Campe,
intertextuellen Bezüge zu erkennen, sondern
Hamburg 2021.
auch – und vielleicht vor allem – die musika-
2 https://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/ lische Dimension des Textes, seinen Klang und
video/the-hill-we-climb-von-amanda- Rhythmus, zu erfassen und möglichst wirkungs-
gorman-auf-deutsch?urn=urn:srf:video: adäquat in die eigene Sprache zu bringen. Die
67cfe64d-3bb7-498e-ba8c-a18fa3948954 Herausforderung lautet, Form und Inhalt inUNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21 19
ÜBER DEN TELLERRAND
Warum diese Interviewreihe? Als ich 2019 im Zug zur BDÜ-Konferenz „Übersetzen in die Zukunft“
saß und über die Zukunft unseres Berufs nachdachte, drängte sich ein Gedanke auf: „Mal sehen,
ob ich mich in den kommenden drei Tagen mit dem Post-Editing anfreunden kann.“ Doch die Kon-
ferenz bescherte mir eine große Überraschung: Ich war überwältigt von der großen Bandbreite an
unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, in denen ausgebildete Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen
aktiv sind. Im „Tagesgeschäft“ verliert man dieses breite Spektrum schnell aus den Augen. Insge-
samt fuhr ich mit dem sehr positiven Gefühl nach Hause, dass die Zukunft unseres Berufs keineswegs
vorgezeichnet ist – es gibt viele Möglichkeiten; das Post-Editing ist eine davon. In den kommenden
Ausgaben möchte ich Sie daher einladen, mit mir gemeinsam „über den Tellerrand“ zu blicken, und
ich hoffe, dass ich meinen Optimismus für die Zukunft so mit Ihnen teilen kann. [Tamara Paludo]
Den Anfang machen in dieser Ausgabe Martina Tampir, die für den ORF (Live-)Untertitel erstellt,
und Martin Thomas Pesl, der u. a. schon für das Volkstheater und die Wiener Festwochen Übertitel
übersetzt und „gefahren“ hat.
LIVE-UNTERTITELUNG FÜR DAS FERNSEHEN
Eine kleine Herausforderung gleich zu oft zu dritt beschäftigt –, aber da kennt man
? Beginn: In einem Satz – was machst du dann schon viele Formulierungen und Namen.
und für wen? Bei anderen Sendungen fließt ein großer Teil
der Arbeitszeit in die Vorbereitung – zum Bei-
Ich erstelle Untertitel für das Fernsehen, für spiel bei Expert*innenrunden, da muss ich mich
unterschiedliche Fernsehformate, primär für thematisch vorbereiten. Ich erstelle dann auch
gehörlose/taube oder hörgeschädigte Perso- Wortlisten, um die Spracherkennungssoftware
nen, aber der eigentliche Empfänger*innenkreis trainieren zu können.
ist viel größer: Personen, deren Muttersprache
nicht Deutsch ist, oder die aus unterschiedli- Meine Arbeit besteht aber nicht nur aus Live-Un-
chen Gründen die Sendungen nicht mit Ton ver- tertitelung; etwa die Hälfte respeaken wir wirk-
folgen können. lich live. Sendungen bestehen ja aus vorbereite-
ten Beiträgen, Anmoderationen und Interviews
? Wie sieht dein Arbeitsalltag als Live- – die Anmoderationen sind semi-live, das heißt,
Untertitlerin aus? ich weiß schon in etwa, was gesagt wird. Für Martina Tampir hat in Öster-
die vorbereiteten Beiträge kann ich die Unterti- reich und Spanien Konfe-
Wenn ich im Büro ankomme, sehe ich mir als tel überhaupt auch schon im Vorhinein erstellen renzdolmetschen (DE/EN/
erstes die Sendungen an, für die ich an dem Tag und dann zum richtigen Zeitpunkt abschicken. ES) studiert und arbeitet
eingeteilt bin. Wir haben verschiedene Diens- als Live-Untertitlerin für den
te, und innerhalb derer werden uns eine oder Ein paar Tage im Monat bin ich auch im Home- ORF.
mehrere Sendungen zugeteilt – je nachdem, wie office, da untertitle ich dann vor allem Serien,
lange und wie vorbereitungsintensiv die Sen- also Sendungen, die schon etwas länger im Vor-
dungen sind, ob sie (für die TVthek) nachbear- hinein planbar sind.
beitet werden müssen usw. Beim Skifahren ma-
chen wir z. B. zwei Durchgänge von Damen oder
Herren – oder auch beides, da sind wir dann20 UNIVERSITAS Mitteilungsblatt 2/21
Du hast die Spracherkennungssoftware arbeit zu dem Thema geschrieben, war als For-
? angesprochen – wie funktioniert das schungsmitarbeiterin im ILSA-Projekt tätig und
genau? habe nebenbei schon erste Berufserfahrungen
gesammelt. Ich habe auch den Zertifikatskurs
(Lacht) Ich werde versuchen, das in einfache „Barrierefreie Kommunikation: Schriftdolmet-
Worte zu packen. Die Spracherkennungssoft- schen“ des Postgraduate-Centers der Universi-
ware ist eine individualisierte Software. Gerade tät Wien absolviert und jetzt bin ich seit Herbst
im Deutschen, mit den vielen Dialekten, kann beim ORF angestellt.
man bei den meisten Formaten nicht einfach
ein automatisches Spracherkennungsprogramm Du strahlst gerade über das ganze Ge-
mitlaufen lassen. Jede*r von uns hat ein eige- ? sicht: Was macht für dich den Reiz des
nes Profil und die meisten haben auch ein ei- Live-Untertitelns aus?
genes Sportvokabular (damit wir mit den vielen
verschiedenen Namen das normale Vokabular Eindeutig die Abwechslung! Am einen Tag ma-
nicht verwirren). In einer Live-Sendung machen che ich die Formel 1, am nächsten eine Sendung
wir Respeaking, das heißt, wir hören zu und über einen Hund, der ein neues Zuhause sucht,
sprechen dann die Untertitel ein. Das ist nicht und danach Starmania. Auch wenn ich manch-
1:1 das Gesagte: Weil das Gehirn geschriebene mal bei Sendungen eingesetzt werde, die ich
Sprache langsamer verarbeitet als gesprochene, mir in meiner Freizeit nicht ansehen würde, be-
müssen die Untertitel eine bestimmte Standzeit komme ich so viel mit. Ich habe das Glück, dass
haben. Wie beim Dolmetschen kann man mit ei- ich mich nicht spezialisieren muss, sondern ich
nem Time Lag zum Beispiel auch falsche Satz- kann alles Mögliche querbeet machen und habe
anfänge gut ausbessern. Auch die Satzzeichen schon so viel gelernt über Politik, Sport, Pflan-
sagen wir an. Gleichzeitig müssen wir die Unter- zen, und … Klatsch und Tratsch (lacht).
titel überprüfen, die die Software ausgibt, und
eventuell korrigieren, bevor wir sie abschicken. Jetzt steht dann für mich auch bald meine ers-
te Nationalratssitzung an. Auf die bin ich auch
? Arbeitet ihr alleine oder in Teams? schon sehr gespannt!
Kurze Live-Einsätze machen wir alleine, sonst ? Welche Einsätze sind dir besonders in
arbeiten wir je nach Sendungslänge in Zwei- Erinnerung geblieben?
er- und Dreierteams. Dabei wechseln wir uns
wie beim Dolmetschen ab. Bei Sportsendungen Ein besonders schönes Erlebnis war die Inau-
machen wir meist längere Phasen, da kann es guration des neuen US-Präsidenten. Es war
auch bis zu einer halben Stunde werden, bei sehr spannend, denn wir wussten nicht genau,
Diskussionen wechseln wir uns schon alle 15 welche Beiträge kommen (wir wussten z. B.
bis 20 Minuten ab. nur, jetzt kommt ein Musikbeitrag, aber wir
wussten nicht einmal das Lied), und es war
Wie war dein persönlicher Weg in auch nicht sicher, welche Teile auch in Öster-
? diese Tätigkeit? Hast du eine spezifische reich gesendet werden. Ich habe mich auch
Weiterbildung absolviert? gefreut, als ich die von Alexander Žigo gedol-
metschte Rede untertiteln durfte – das war ein
Ich habe Konferenzdolmetschen studiert, und tolles Gefühl, dass wir alle als kleine Rädchen
noch während des Studiums habe ich bei der im Getriebe zusammenarbeiten.
UNIVERSITAS-Mentoringveranstaltung zu Früh-
intervention bei Kindern mit Hörschädigung Auch auf Starmania habe ich mich riesig ge-
teilgenommen und meine ersten Schritte im freut. Einerseits ist die Sendung für mich mit
Schriftdolmetschen gemacht. Wir haben damals Kindheitserinnerungen verbunden, andererseits
eine kurze Einführung bekommen und dann al- ist es einfach für alle ganz neu – früher gab
leine geübt und die Software, Dragon, trainiert es dafür, soweit ich weiß, noch keine Live-
und waren bei der Konferenz für die englische Untertitel. Auch Dancing Stars ist für meine
Live-Untertitelung zuständig. Das war so ein Kolleg*innen ja mittlerweile Routine, aber hier
eindrucksvolles Erlebnis, eine ganz neue Welt mussten wir uns ganz neu einarbeiten. Die Un-
für mich. Ich habe dann auch meine Master- terlagen kamen auch relativ knapp, weil dasSie können auch lesen