LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019

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LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Horizonte
                                         der Gerechtigkeit

         m    W  e  g     –
 Auf de             i t  u  n    d     S    c h ö p f u n g
 Ge re ch t i g ke
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                           gestalten

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                                  Klimawandel
   LEBEN
  SUFFIZIENZ
miteinander
                                                Tiere
                                                  Menschen

                     BODEN
             climate justice MITWELT          Pflanzen
    Beziehungen                   Nachhaltigkeit
                                                   Artenvielfalt
                                     Umkehr zum Leben

                                          Evangelisch-Lutherische
                                          Kirche in Norddeutschland

                          IMPRESSUM

 Herausgeber Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland,
		 Hauptbereich Mission und Ökumene

        Verantwortlich    Anne Freudenberg
            Redaktion     Detlev Brockes, www.detlevbrockes.de
Redaktionelle Mitarbeit   Claudia Ebeling, Zentrum für Mission und Ökumene
		                        Claudia Hug, Zentrum für Mission und Ökumene
         Bildredaktion    Christiane Wenn, Zentrum für Mission und Ökumene

            Gestaltung Ruth Freytag, www.freytag-design.de

  Fotos                   Seite 4: Kirsten Mönkemeyer                            Autorenfotos:
		                        Seite 6: Kirsten Mönkemeyer                            Foto S. und N. Kruse: RockOn-Photography             Foto Henrik Claaßen: Handelsgesellschaft
		                        Seite 8: Stefanie Kruse                                Foto Meere Biribo: Diana Lagat                       für Kirche und Diakonie mbH
		                        Seite 8: adpic                                         Foto Jan Christensen: Finn Sievers, LKA Nordkirche   Foto Lennart Schulz: Aline Knapp
		                        Seite 9: Meere Biribo                                  Foto Claudia Marxen: Olaf Fippinger                  Foto Luise Jarck-Albers: Frank Zabel
		                        Seite 10: Ruth Freytag                                 Foto Nina Golde: Evelina Kislych                     Foto Vera Bünte: Stefanie Loos
		                        Seite 11 oben: Fred Dott/Greenpeace                    Foto June Mark Yañez: Elena Egarguin Yañez           Foto Gottfried Timm: Stefanie Schulten
		                        Seite 11 unten: Infostelle Klimagerechtigkeit          Foto Judith Meyer-Kahrs: Christiane Wenn             Foto Sander, Hapke, Jantzen: Thomas Mehlhorn
		                        Seite 12: Jan Christensen                              Foto Tanja Kröplin: Tanja Kröplin                    Foto Olaf Dey: Elza Dey
		                        Seite 13: Miguel Ferraz                                Foto Mojib Latif: Jan Steffen, Geomar, Kiel          Foto Peter Lang: Gaby Gerster
		                        Seite 14 oben: Kirsten Mönkemeyer                      Foto Björn Begas: Björn Begas                        Foto Lisa Triebel: Nicola Triebel
		                        Seite 14 unten: Rev‘d Villare Pailagao                 Foto Beate Raudies: spd-net-sh.de                    Foto Lucie Wank: Ulrike Eder
		                        Seite 18: adpic                                        Foto Ulrike Eder: Christiane Wenn                    Foto Stephan Schirmer: privat
		                        Seite 23: Kirsten Mönkemeyer                           Foto Andreas Benk: Monika Benk
		                        Seite 24: adpic                                        Foto Bärbel Wartenberg-Potter: privat
		                        Seite 29: Ruth Freytag                                 Foto Hans-Martin Gutmann: www.ev-ke.de
		                        Seite 31: Wiegandt/Lichtküche NMS                      Foto Annette Piening: Andreas Salomon-Prym
		                        Seite 33: Sapieha/Lichtküche NMS                       Foto Tilman Jeremias: Dirk Reschke-Wittko
		                        Seite 37: Sadao Watanabe                               Foto Corinna Schmidt: Peter Rost
		                        Seite 47: Jan Christensen                              Foto Frederick O. Shoo: ELCT, Moshi, Tansania
		                        Seite 48: Jan Christensen                              Foto Thomas Drope: Jonas Loose
		                        Seite 50: adpic/www.shock.co.ba                        Foto Silke Leng: Karsten Leng
		                        Seite 56: Lisa Triebel                                 Foto Jörg Ostermann-Ohno: Dr. Monika Rulfs
		                        Seite 58: Elke Fuchs                                   Foto Karen Hamann: Claudia Menzel
		 Cartoon Seite 25: Thomas Plaßmann

                 Druck Druckzentrum Neumünster

		 Wir haben uns intensiv bemüht, alle Inhaberinnen und Inhaber der Rechte der verwendeten
		 Texte, Gebete, Lieder und Fotos zu finden. Für Hinweise auf andere Quellenangaben sind wir dankbar.

		 Die Autorinnen und Autoren dieser Broschüre verantworten die jeweilige
		 sprachliche Form ihrer Texte. So finden sich gendergerecht formulierte Texte
		 neben solchen mit bevorzugt männlicher Schreibweise.

		 © Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, 2019

   Bestellung von gedruckten Exemplaren:
		 Zentrum für Mission und Ökumene, Agathe-Lasch-Weg 16, 22605 Hamburg,
		 Telefon 040 881 81 243, info@nordkirche-weltweit.de

		                                                               Gefördert durch den
		                                                               Kirchlichen Entwicklungsdienst
		                              Kirchlicher Entwicklungsdienst   der Nordkirche
                                der Nordkirche

		 Dieses Produkt wurde auf 100 % Recyclingpapier gedruckt,
		 produziert nach den Kriterien des Blauen Engel.
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Inha ltsver zeichni s                    2

Inhaltsverzeichnis
Geleitwort von Landesbischof Gerhard Ulrich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Vorwort von Anne Freudenberg, Judith Meyer-Kahrs und Ulrike Eder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

1 Was Sache ist – die Wirklichkeit in den Blick nehmen
  Zukunftsperspektiven trotz Klimawandel
  • Unser Leben auf der Hallig müssen wir anpassen | Stefanie und Nommen Kruse. . . 8
  • Unser Leben auf Kiribati ist von der Natur abhängig | Meere Biribo. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
  Vom Hören zum Handeln
  • Die Nordkirche auf dem Weg zur Klimaneutralität | Jan Christensen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
  Vor der Haustür neu anfangen
  • „Wir sollten unsere Bienen schützen …“ | Claudia Marxen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
  • Bienenstöcke auf dem Dach des Ökumenischen Forums | Nina Golde . . . . . . . . . . . . . . . . 13
  Gewohnheiten überdenken
  • Ananas: Bittere Anbaumethoden einer süßen Delikatesse | June Mark Yañez. . . . . . . 14
  • Einkauf neu denken im Zentrum für Mission und Ökumene | Judith Meyer-Kahrs . . 15
  • Unser Weg zur „ÖkoFairen Gemeinde“ | Tanja Kröplin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
  Als Kirche kritisch und unbequem sein
                                                                                                                                                        gestalten

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  • Die Kirchen müssen unbequeme Debatten führen | Prof. Dr. Mojib Latif. . . . . . . . . . . . . . 16
  • Als Kirche auch mal Zumutung sein | Björn Begas. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
  • Laut und deutlich Position beziehen | Beate Raudies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
  • Warum wir in der Kirche „Tschüss Kohle“ sagen | Ulrike Eder, Judith Meyer-Kahrs. . . . 17
                                                                                                                                                                                             Klimawandel
   LEBEN
2 Was einleuchtet – Gottes Wort hören
  Biblische Schöpfungstexte als Visionen einer gerechten Welt

                                                                                                                                                                                                                                                               Tiere
  Prof. Dr. Andreas Benk. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
  Was habe ich dir getan? Gerechtigkeit und Tiere
  Bischöfin i. R. Bärbel Wartenberg-Potter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
  Mit Land gerecht umgehen – das ist Gottes Wille
                                                                                                                                                                                                                                                                 Menschen

                                                                                                                           BODEN
                                                                                                                           BOD
                                                                                                                           BOD
                                                                                                                            OD
                                                                                                                             DEN
  Prof. (em.) Dr. Hans-Martin Gutmann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
                                                                                   climate justice MITWELT                                                                                                                                                   Pflanzen
                                         Bezie
                                            i
3 Was uns bewegt – Impulse für den Gottesdienst
  Predigten Genesis 9,9 -17 | Corinna Schmidt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
  Psalm 1 | Dr. Frederik O. Shoo. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
  Johannes 18,28 -19,5 | Thomas Drope . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
  Römer 8,18-22 | Tilman Jeremias. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
                                                                                                                                                                                                                                                                                  g-judika.de
                                                                                                                                                                                                                                                               www.sonnta
                                                                                                                                                                                                                                                                     Artenvielfalt
  Andachten Genesis 1 | Luise Jarck-Albers. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
                                                                                                                                                                                                                                                                                               amaterialien
  Offenbarung 21 | Lennart Schulz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33                                                                                   d en  Sie die Judik                  f
                                                                                                                                                                                                                                                                H ie r fin                       Hinweise au
  Bibelarbeit Buch Jona | Silke Leng. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34                                                                                        ow  n lo ad sowie die                  9
  Bildmeditation Füge der Erde keinen Schaden zu | Jörg Ostermann-Ohno. . . . . . . . . . . . 36                                                                                                                       Umkehr zum Leben                         zu  m
                                                                                                                                                                                                                                                                       G
                                                                                                                                                                                                                                                                        D
                                                                                                                                                                                                                                                                         o tte sd ienste, die am
                                                                                                                                                                                                                                                                                                  7. April 2
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           .
                                                                                                                                                                                                                                                                                                             0 1
                                                                                                                                                                                                                                                                d  ie                            t werd en
  Texte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38                               rche gefeier
  Gebete. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40                 in der Nordki
  Lieder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

4 Was sich machen lässt – gemeinsam an der Praxis bauen
  Vom Wissen zum Handeln | Karen Hamann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
  Nachhaltige und ökologische Beschaffung ist möglich | Hendrik Claaßen,
  Annette Piening, Judith Meyer-Kahrs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
  Mobil trotz weiter Wege in der Nordkirche | Vera Bünte,
  Jörg Ostermann-Ohno, Gottfried Timm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
  Kirchen und ihr Umgang mit Land | Christine Jantzen, Reinhard Sander,
  Regine Hapke-Solf, Stephan Schirmer, Olaf Dey, Peter Lang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
  Jugendliche als Motor für Veränderungen | Lisa Triebel, Silke Leng, Lucie Wank . . . 56

5 Was den Blick öffnet – Anregungen für die Weiterarbeit
  Angebote und Ansprechpersonen in der Nordkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
  Projekte – Aktionen – Kampagnen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
  Ausstellungen – Filme / Filmclips – Literaturempfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
  Beschlüsse, Konzepte und Gesetze der Nordkirche zum Klimaschutz . . . . . . . . . . . . . . . . 67

                                                                                                                                                                                                                                              Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 3
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Liebe Schwestern und Brüder,
                                                  „sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten“, hören wir im
                                                  Psalm für den Sonntag Judika (Ps 43,3). Das hatte ich mir gewünscht, als ich
                                                  2009 in Kopenhagen auf der Weltklimakonferenz viele Gespräche führte mit
                                                  Mitgliedern von Regierungen, Non-Profit-Organisationen und vom Klimawan-
                                                  del Betroffenen aus dem globalen Süden, mit leitenden Geistlichen aus der
                                                  ganzen Welt und jungen und alten Klimaaktivisten und -aktivistinnen aus der
                                                  Ökumene.

                                                  Die Berichte aus der Wissenschaft über den Zustand der Schöpfung sind
                                                  erschreckend: Von Klimaextremen wie Dürre und Extremwetterereignissen,
                                                  dem Rückgang der Artenvielfalt oder der Prognose, dass im Jahr 2050 mehr
                                                  Plastik als Fische in den Ozeanen zu finden sein werden, lese ich da. Die
                                                  Wissenschaften haben das Anthropozän ausgerufen: ein geologisches Zeital-
                                                  ter, in dem die Menschheit als Ganze der prägende Faktor für die Natur ge-
                                                  worden ist.

                                                  Als Christinnen und Christen hören wir im ersten Kapitel der Bibel, dass Gott
                                                  die Schöpfung als gut, ja sehr gut preist. Als heilen Lebensraum für Geschöp-
                                                  fe im Wasser, in der Luft und auf dem trockenen fruchtbaren Boden – gekrönt
                                                  durch den Sabbat als Ruhetag. Der göttliche Auftrag an uns Menschen wird
                                                  im zweiten Kapitel konkretisiert: Wir sollen diese Lebensräume bebauen und
                                                  bewahren. So begegnen einander Schöpfung und Gerechtigkeit.

Ostsee am Darß

4 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Geleitwor t       2

Ich danke allen in unserer Nordkirche, die sich schon seit vielen Jahren für
diesen Auftrag einsetzen und in unzähligen Projekten an je ihrem Ort dieser
Aufgabe Gesichter geben. Das kann das energetisch optimierte Gemeinde-
haus sein; das Insektenhotel mit Insektenweide; der Friedhof, der Lebens-
raum gibt für Mitgeschöpfe, die ansonsten kaum noch Platz finden; der Kon-
firmandenunterricht, in dem die Natur als Schöpfung erkannt wird; das
klimafreundlich gestaltete Gemeindefest mit fairer, saisonaler und regionaler
Verpflegung; oder das kirchliche Gremium, das durch eine Videokonferenz
die Umweltbelastung durch Mobilität reduziert.

Wenn wir die Umwelt als Mitwelt, die ganze Erde als Gottes Schöpfung verste-
hen, sehen wir ihre einzigartige Schönheit: in der Lilie auf dem Felde wie Je-
sus selbst, oder durch die Berichte von Astronauten, die uns diesen wunder-
schönen, blauen Planeten mit seiner verletzlichen Lufthülle schildern, unsere
Heimat und die aller Mitgeschöpfe.

Zum Sonntag Judika, dessen Thema dieses Jahr ist: „Auf dem Weg – Ge-
rechtigkeit und Schöpfung“, grüße ich Sie mit dem Vers des Propheten Jesa-
ja (45,18):
              „Denn so spricht der HERR, der den Himmel geschaffen hat – er ist Gott;
              der die Erde bereitet und gemacht hat – er hat sie gegründet; er hat sie
              nicht geschaffen, dass sie leer sein soll, sondern sie bereitet, dass man
              auf ihr wohnen solle: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr.“

Diesen Auftrag, die Erde auch weiterhin und wieder eine bewohnbare Stätte
sein zu lassen, wollen wir gemeinsam annehmen. Das vorliegende Themen-
                                                                                      gestalten

           KIima
           KIim
              m
heft zum Sonntag Judika gibt praktische Anregungen und Ideen dafür im
Kontext von Gemeinde und Kirche. Klimagerechtigkeit ist eine der Vorausset-
zungen für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden weltweit!
                                                                                          Klimawandel
              LEBEN
Ich wünsche diesem Heft einen regen, gesegneten Gebrauch und lege es
Ihnen ans Herz.

		            Ihr / Euer
                                                                                                                             Tiere
                                                                                                                               Mensch

                                                                       BODEN
                                                                       BOD
                                                                       BOD
                                                                        OD
                                                                         DEN
                                                      climate justice MITWELT                                              Pflanzen
                                     Bezie
                                        i
		            Gerhard Ulrich, Landesbischof und Vorsitzender der Generalversammlung
		            des Zentrums für Mission und Ökumene der Nordkirche

                                                                                                                                  Artenvielf
                                                                                                  Umkehr zum Leben
                                                                                            Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 5
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Vorwort

                                                  Auf der Grundlage des Glaubens
                                                  konsequent handeln

                                                  Der Sonntag Judika thematisiert im Kirchenjahr in besonderer Weise
                                                  Recht und Gerechtigkeit. So möchten wir an die guten Erfahrungen der
                                                  letzten vier Jahre anknüpfen und alle Kirchengemeinden am 7. April
                                                  2019 einladen, Themengottesdienste unter dem Motto „Auf dem Weg
                                                  – Gerechtigkeit und Schöpfung“ zu gestalten, Raum für Klage und Dank
                                                  zu geben und zu weiterem Engagement zu ermutigen.

                                                  Anhaltend warme Temperaturen, teilweise über 35 Grad, haben den Sommer
                                                  2018 in Norddeutschland geprägt. Einheimische ebenso wie Urlauberinnen
                                                  und Urlauber konnten die Strände und das Wasser an Nord- und Ostsee ge-
                                                  nießen. Aber die Landwirtschaft musste schwere Verluste in Kauf nehmen:
                     Landschaft auf Hiddensee
                                                  Die Folgen der Hitze und Trockenheit waren überall zu spüren. Fische in den
                                                  Gewässern starben. Wiesen und Weiden verdorrten. Getreidesorten wie Win-
                                                  terroggen hatten Einbußen bis zu 40 Prozent. Der Deutsche Bauernverband
                                                  rechnet mit der „schlechtesten Ernte des Jahrhunderts“.
                                                      Auch an anderen Orten der Welt nehmen die Wetterextreme zu. Beson-
                                                  ders im globalen Süden sind schon jetzt die Menschen, Tiere und Pflanzen
                                                  durch den Klimawandel existenziell bedroht. Die Artenvielfalt auf der Erde re-
                                                  duziert sich 100 Mal schneller, als die natürlichen Prozesse es zulassen wür-
                                                  den. Studien zufolge landen mindestens 5 Millionen Tonnen Plastikmüll jähr-
                                                  lich in unseren Meeren. Kurz gesagt: Unsere westliche Wirtschafts- und
                                                  Lebensweise wirkt sich in verheerender Weise auf alles Leben auf dieser
                                                  Erde, auf die gesamte Schöpfung aus.
                                                      Gleichzeitig gibt es Hoffnung: Mit dem Klimaabkommen von Paris existiert
                                                  erstmals ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der alle Unterzeichnerstaaten
                                                  zu Reduktionsmaßnahmen verpflichtet. Mit der Unterzeichnung der „Sustain-
                                                  able Development Goals“ haben sich zudem 195 Staaten zu einer nachhalti-
                                                  gen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene ver-
                                                  pflichtet.
                                                      Die Kirchen engagieren sich seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit, Frieden
                                                  und die Bewahrung der Schöpfung. 2015 hat die Landessynode der Nordkir-
                                                  che, als erste Landeskirche in Deutschland, ein Klimaschutzgesetz beschlos-
                                                  sen. Ein Klimaschutzbüro wurde eingerichtet, in den meisten Kirchenkreisen
                                                  sind Klimaschutzmanager eingestellt und auch die Ökumenischen Arbeits-
                                                  stellen engagieren sich für die Bewahrung der Schöpfung.
                                                      Es gibt viele hoffnungsvolle Entwicklungen und zugleich bleibt die Frage:
                                                  Warum tun wir nicht konsequent, was wir schon lange verstanden haben?
                                                      Die Texte der Bibel erinnern daran, dass Schöpfung und Fragen der gerech-
                                                  ten Ressourcenverteilung und sozialer Gerechtigkeit eng miteinander verbun-

6 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Vor wor t            2

den sind. „Die Schöpfungstexte“, so sagt Prof. Dr. Benk, „sind Ausdruck der
Sehnsucht nach einem guten Leben. Es sind Hoffnungsgedichte, Sehn-
suchtsbilder und Protestgesänge angesichts der unerträglichen Gegenwart.“
    Mit den Angeboten zum Sonntag Judika wollen wir Perspektiven aufzeigen
und alle ermutigen, die sich im Themenfeld Gerechtigkeit und Schöpfung en-
gagieren. Wir laden ein, sich über die Grundlagen unseres christlichen Glau-
bens zu vergewissern und Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen.                              Die vorliegende Broschüre haben in einem regen
     Im ersten Kapitel beschreiben Autorinnen und Autoren exemplarisch die                           inhaltlichen Austausch gemeinsam erarbeitet:

Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Stefanie und Nommen Kruse                             Jan Christensen, Umweltpastor der Nordkirche
von der Hallig Nordstrandischmoor und Meere Biribo aus dem Inselstaat Kiri-
                                                                                                     Ulrike Eder, Infostelle Klimagerechtigkeit,
bati im Südpazifik berichten von den jeweiligen Folgen des Klimawandels.                             Zentrum für Mission und Ökumene
June Mark Yañez, zeigt exemplarisch den Weg einer Ananas vom Anbau bis
                                                                                                     Anne Freudenberg, Referat für Theologie und
zum Export nach Europa. Zwei Beispiele von solidarischer Landwirtschaft                              Nachhaltigkeit, Zentrum für Mission und Ökumene
und die ÖkoFaire Gemeinde in Breklum ermutigen zu einem bewussteren
                                                                                                     Katharina Großheim, Sekretariat Umwelt- und
Umgang mit Lebensmitteln. Zudem stellt sich die Frage: Wie politisch können                          Klimaschutzbüro der Nordkirche
bzw. müssen wir als Kirche sein, um uns für die Bewahrung der Schöpfung
                                                                                                     Jens Haverland, Ökumenische Arbeitsstelle,
einzusetzen und konkrete Veränderungen zu bewirken?                                                  Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf
    Prof. Dr. Benk thematisiert in seinem Beitrag, dass in den Schöpfungs-
                                                                                                     Joachim Kretschmar, Evangelische Akademie
texten vor allem Visionen und Hoffnungen stehen. Bischöfin i.R. Warten-                              der Nordkirche
berg-Potter erinnert an die planetaren Grenzen und zeigt den Zusammen-
                                                                                                     Änne Lange, Ökumenische Arbeitsstelle,
hang von Menschen, Tieren und Pflanzen als Mitwelt auf. Anknüpfend an                                Kirchenkreis Mecklenburg
Diskussionen über die Nutzung von Kirchenland, gibt Prof. (em.) Dr. Gutmann
                                                                                                     Silke Leng, Ökumenische Arbeitsstelle,
in seinem Beitrag einen theologischen Impuls zum Thema Gerechtigkeit und                             Kirchenkreis Altholstein
Land.
                                                                                                     Judith Meyer-Kahrs, Infostelle Klimagerechtigkeit,
    Im folgenden Kapitel findet sich eine Auswahl aus dem reichen Schatz an                          Zentrum für Mission und Ökumene
biblischer und liturgischer Tradition: Predigt- und Gottesdienstentwürfe, Bibel-
                                                                                                     Marianna Nestoris, Ev. Auslandsberatung e. V.
arbeiten, Texte, Lieder und Gebete. Vieles davon ist in Kirchengemeinden der
                                                                                                     Jörg Ostermann-Ohno, Arbeitsstelle Weitblick für
Nordkirche praktisch erprobt worden.
                                                                                                     Partnerschaft, Ökumene und Politische Bildung,
    Die Praxisbeispiele in Kapitel vier – wie Klima-Kollekte, Himmlische Ener-                       Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein
gie, der Luthergarten Bahrenfeld, KlimaSail, die Aktion Sieben Wochen ohne
                                                                                                     Susanne Thiesen, Ökumenische Arbeitsstelle,
Plastik oder die Eco Clubs – laden dazu ein, selbst aktiv zu werden und das                          Kirchenkreis Schleswig-Flensburg
Thema Gerechtigkeit und Schöpfung in der Gemeindearbeit mit Kindern,
                                                                                                     June Mark Yañez, Ökumenischer Mitarbeiter
Jugendlichen und Erwachsenen inhaltlich zu vertiefen. Kapitel fünf inspiriert                        im Zentrum für Mission und Ökumene und
mit Hinweisen auf Literatur, Filme, Ausstellungen und Adressen zur Weiter-                           bei der Seemannsmission
arbeit.

Im Namen der Vorbereitungsgruppe wünschen wir Ihnen viel Freude bei
der Umsetzung des Themas!

             Ulrike Eder                       Anne Freudenberg                      Judith Meyer-Kahrs
  Infostelle Klimagerechtigkeit im    Referat Theologie und Nachhaltigkeit     Infostelle Klimagerechtigkeit im
Zentrum für Mission und Ökumene      im Zentrum für Mission und Ökumene      Zentrum für Mission und Ökumene

                                                                                                 Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 7
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Zukunftsperspektiven trotz Klimawandel

                Unser Leben auf der Hallig müssen wir anpassen |
                                                                       1
                                                                  Was Sache ist –
                                                                  die Wirklichkeit in den Blick
                                                                  nehmen

                                                                                                                Stefanie und Nommen Kruse

                Die extremen Wettersituationen auf                einem Dach – und das wollen wir         die Fische, die weniger werden, oder
                unserer Hallig Nordstrandischmoor                 gerne fortführen mit unseren Kin-       auch durch die, die neu in die Nord-
                verändern sich von Jahr zu Jahr im-               dern. Zum einen gibt es gerade ein      see kommen. Außerdem nimmt durch
                mer mehr. Von extrem stürmischem                  Projekt, um das Oberflächenwachs-       den Meeresspiegelanstieg die Gefahr
                Wetter bis hin zu hohen Windge-                   tum durch Sedimentation zu be-          der Sommerlandunter zu und ge-
                schwindigkeiten und oft hohem                     schleunigen, damit die Hallig auf-      fährdet die Brut der Küstenvögel.
                Landunter, die über mehrere Ge-                   wächst und sich anpasst. Dieses soll    Dadurch werden einige Vogelarten
                zeiten andauern. Hinzu kommt oft                  durch Unterführungen mit Rohren         aussterben oder nicht mehr zu uns
                im Sommer eine langanhaltende                     unter dem Deckwerk geschehen,           kommen, die jahrhundertelang hal-
                Trockenheit. Dies sind alles Folgen               damit die Sedimente es einfacher        lig-typisch waren.
                des weltweiten Klimawandels. Wenn                 haben, auf die Hallig zu kommen
                es nicht gelingt, sich darauf einzu-              und hier liegen zu bleiben.
                stellen, werden unsere Halligen über                  Für uns privat steht außerdem
                kurz oder lang nicht mehr bewohnbar               noch die Warfterhöhung mit Neubau
                sein. Unsere Familie wohnt schon                  im Jahr 2019 an. Das ist für uns ein
                                seit 300 Jahren auf               sehr aufregendes Projekt, da man
                                Nordstrandischmoor,               diese Chance nicht oft bekommt.
                                momentan mit vier                 Unsere Warft wurde zuletzt im Jahr
                                Generationen unter                1983 durch einen Ringwall erhöht
                                                                  und der letzte Neubau fand 1961
                                                                  statt. Aber nicht nur für uns hat der
Stefanie und Nommen Kruse, Hallig Nordstrandischmoor              Klimawandel große Auswirkungen,
                                                                  sondern auch für die Brut- und Rast-
„Gerechtigkeit bedeutet für uns, dass jeder Mensch
sein Leben so leben kann und darf, wie er oder sie                vögel. Es verändert sich nämlich das
es möchte und will – ohne jegliche Vorurteile.“                   Nahrungsangebot der Vögel durch
                                                                                                          Land unter

                8 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Wa s Sa che is t – die Wir klichkeit in den Blick nehme n                    1

Unser Leben auf Kiribati ist von der Natur abhängig |                                      Meere Biribo

Ein Grundsatz unseres christlichen     sind auch die Fischbestände in un-        und Wissenschaftler das Gegenteil
Glaubens für uns Menschen im Pazi-     seren Meeren gesunken.                    behaupten. Wir haben bereits den
fik ist unsere Verbundenheit mit           Während früher jede Familie von       Anbau von Mangroven gelernt, Dei-
Ozean, Himmel, Land und allen Lebe-    dem Anbau auf ihrem Land leben            che gebaut und unsere Politikerin-
wesen. Ohne diese Verbundenheit        konnte, gibt es heute Konflikte um        nen und Politiker sorgen für einen
könnten wir auf unseren Inseln in      Land. Die Menschen müssen in grö-         sparsameren Umgang mit unseren
Kiribati gar nicht leben. Der Klima-   ßere Orte umziehen und Lebensmit-         knappen natürlichen Ressourcen,
wandel zerstört über Generationen      tel kaufen, für die ihnen das Geld        außerdem haben sie in Gesundheits-
gewachsene Traditionen und Le-         fehlt. Unsere Regierung verdient we-      programme investiert.
bensweisen, die nur in enger Ver-      niger am Export von Fisch und Pro-           Dennoch sind wir auf die Hilfe
bundenheit mit unserer Natur funk-     dukten aus der Kokosnusspalme,            und Einsichten der Industrieländer
tionieren und durch die wir ein        sodass weniger Geld für Investitio-       angewiesen! Wenn wir alle gemein-
würdiges und selbstbestimmtes          nen in Infrastruktur, Schulen und         sam daran arbeiten, den Klimawandel
Leben führen konnten.                  Krankenhäuser fließen kann. Auch          zu stoppen, können wir die Folgen
    Durch den Anstieg des Meeres-      unsere Schweine und Hühner kön-           noch bekämpfen und unsere Schöp-
spiegels werden Boden und Wasser       nen auf versalzenen Böden und mit         fung auch im Pazifik bewahren.
knapp, wir haben angefangen, unse-     der Hitze schlechter überleben.
re natürlichen Ressourcen auszu-           Für uns junge Menschen bedeu-
beuten. Da auch Regenfälle weniger     tet diese Entwicklung eine beson-
geworden sind, haben wir zu wenig      dere Herausforderung: Wir müssen
Wasser für sanitäre Anlagen. An den    neue Fähigkeiten lernen und uns
Küstenrändern erodiert der Boden       weiterbilden, um mit den Folgen des
und unsere Kokosnussbäume wer-         Klimawandels umgehen zu können.
den weggespült. Deswegen muss-         Ich habe die Hoffnung nicht aufge-
ten wir anfangen, Mangroven zu         geben, dass wir trotzdem in unserem
pflanzen. Durch die zunehmende         Land Kiribati weiterleben können,
Wärme und die Wasserknappheit          obwohl viele Wissenschaftlerinnen                                                               Meere Biribo
                                                                                                                    aus Kiribati arbeitet im Rahmen
                                                                                                                      des Süd-Nord-Programms im
                                                                                                                            Bibelzentrum Schleswig

                                                                                                           „Gerechtigkeit bedeutet für mich,
                                                                                                            dass jeder und jede von uns die
                                                                                                         eigenen täglichen Handlungen und
                                                                                                           Entscheidungen überprüft, ob sie
                                                                                                                für alle Menschen fair sind.“

Tarawa Languene Side

                                                                                  Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 9
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Vom Hören zum Handeln

Die Nordkirche auf dem Weg zur Klimaneutralität |                                               Jan Christensen

Bis zum Jahr 2050 soll die Nord-                   Schutz des Klimas durch Emissio-        Lande bedeuteten. Das Leben hängt
kirche klimaneutral sein. Ein ent-                 nen mindernde Maßnahmen. Das            davon ab, dass der Regen fällt, wenn
sprechendes Kirchengesetz hat die                  Klimaschutzgesetz trägt darüber         der Acker vorbereitet und die Saat
Landessynode im Oktober 2015                       hinaus zum Verständnis von Klima-       ausgesät ist; dass der kräftige Regen
verabschiedet. Darin heißt es: „Die                gerechtigkeit bei, indem es die dies-   der großen Regenzeit die Pflanzen
Evangelisch-Lutherische Kirche in                  bezügliche Bildungs- und Beratungs-     zur vollen Größe bringt; und dass zur
Norddeutschland tritt nach Artikel 1               arbeit fördert.“                        Ernte alles trocken ist, um sie einbrin-
Absatz 7 der Verfassung für Gerech-                   Bis es dazu kam, waren etwa 20       gen und vor allem lagern zu können.
tigkeit, Frieden und Bewahrung der                 Jahre vergangen. Ich erinnere mich      All das galt in Tansania nicht mehr.
Schöpfung ein und sieht sich des-                  an ein Gespräch mit einem Bischof       Der Regen kam gar nicht, zu früh
halb zum Schutz des Klimas und zur                 aus Tansania, an dem ich als Refe-      oder zu spät. Und die Menschen in
Begrenzung der nachteiligen Folgen                 rent des damaligen Nordelbischen        dem Land hatten keine technischen
des Klimawandels verpflichtet. Die-                Missionszentrums teilnahm. Unver-       Ressourcen, um mit den Folgen um-
ses Kirchengesetz leistet einen Bei-               mittelt sagte unser Gast: „Das Wetter   zugehen.
trag zum Klimaschutz, indem es das                 ist bei uns verrückt geworden.“ Wir         Dieses Gespräch gab mir den
Klimaschutzziel für die Nordkirche                 sahen ihn mit großen Augen an. Die      ersten Anstoß, dieses Thema in un-
festlegt und rechtliche Grundlagen                 Problematik des Klimawandels war        sere Kirche zu tragen. Im Jahr 2005
dafür schafft, Klimaschutzmaßnah-                  weit weg und den Begriff Klimage-       kam es zur Gründung der Infostelle
men zu erarbeiten, zu überprüfen,                  rechtigkeit gab es noch nicht. In dem   Klimagerechtigkeit im damaligen
über sie zu berichten und sie weiter-              Gespräch erfuhren wir, welche Prob-     Nordelbischen Missionszentrum,
zuentwickeln. Die Nordkirche unter-                leme die unzuverlässig werdenden        dem heutigen Zentrum für Mission
stützt damit auch die nationalen und               Regenmuster für die Menschen in         und Ökumene. Ziel der Infostelle ist
internationalen Anstrengungen zum                  der Subsistenzwirtschaft auf dem        es seitdem, den Zusammenhang

Blick auf die Elbe

10 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
LEBEN Menschen - Gerechtigkeit und Schöpfung Materialien zum Sonntag Judika, 7. April 2019
Wa s Sa che is t – die Wir klichkeit in den Blick nehme n                   1

zwischen Klimawandel, globaler Ge-
rechtigkeit und Armutsbekämpfung
im Bewusstsein zu schärfen und das
Thema mit dem eigenen Lebensstil
zu verknüpfen.
   Als Gemeindepastor in der Kir-
chengemeinde Wilster erntete ich
vor 12 Jahren von den Konfirman-
den und Konfirmandinnen Hohn und
Spott, als wir die Schöpfungstage            Klimapilgerweg 2015 von Flensburg nach Paris, Verabschiedung der Pilgergruppe beim
durchnahmen: Alle Lebewesen Ve-              Übersetzen über die Elbe

getarier? Wussten die Menschen               Mitgeschöpfe ihren Eigenwert unab-              schutzgesetz. Darin verpflichtet sich
damals nicht, dass Raubtiere andere          hängig vom Nutzen für uns Men-                  die Nordkirche dem Ziel, bis 2050
Tiere fressen? Sie hatten ja recht, so       schen haben. Als gute Haushalter                CO2 -neutrale Kirche zu werden, jähr-
geht es in der Natur nicht zu. Aber          Gottes sollen wir den Segen Gottes              lich einen Energie- und Emissions-
was will uns der Schöpfungsbericht           an die Mitgeschöpfe durchreichen                bericht zu erarbeiten und Finanzmit-
dann sagen? Meiner Meinung nach              und Lebensräume lebensfreundlich                tel auf zehn Jahre zweckgebunden
benötigen wir eine Re-Lektüre der            erhalten.                                       zu verwenden. Mittlerweile haben
vielfältigen biblischen Schöpfungs-              Die Problematik des Klimawan-               neun Kirchenkreise Klimaschutzma-
texte. Wir haben da einen reichen            dels und seine Folgen für Menschen              nagerinnen oder -manager einge-
Schatz, der noch zu heben und vor            und Umwelt sind mittlerweile auf der            stellt, zwei weitere stehen kurz davor.
allem anzunehmen und umzusetzen              Agenda auch kirchlicher Gremien                 2019 tritt eine Verwaltungsvorschrift
ist. Die Schöpfung als eine Vision           angekommen. Kirchenkreise haben                 zur Beschaffung in Kraft, die den
von Gerechtigkeit zu interpretieren          ein Energie-Controlling eingeführt,             Schwerpunkt auf umwelt- und klima-
wird dabei ein wesentlicher Weg-             Vorreiter war hier der Kirchenkreis             verträglichen Einkauf legt. Zusätzlich
weiser sein. Wir müssen verinnerli-          Angeln 2001. Zahlreiche Aktivitäten             wird ein Online-Beschaffungsportal
chen, dass wir Menschen Geschöp-             von Gemeinden, Kitas, Diensten und              aufgebaut, um den Einkauf zu er-
fe unter Geschöpfen sind und die             Werken thematisieren Klimawandel                leichtern. Auch eine klimafreundli-
                                             und Klimagerechtigkeit. Gebäude                 che Reisekostenverordnung wurde
                                             wurden energetisch optimiert und                von der Kirchenleitung beschlossen
                                             beziehen Ökostrom. Friedhöfe wer-               und trat im November 2018 in Kraft.
                                             den heute naturnah gestaltet. 2010              Darin ist z. B. auch die Förderung der
                                             wird die Idee der KlimaSail geboren,            Fahrrad-Nutzung aufgenommen.
                                             aus der die Jugend-Klimakonferenz
                                             und das Jugend-Klimanetzwerk fol-
                                             gen.
                                                 Von 2011 bis 2013 gab es eine
                                             große Kampagne „Kirche für Klima“
                                             mit zahlreichen Maßnahmen, Bil-
                                             dungsangeboten und öffentlichen
                                             Aktionen. 2012 wurde das integrier-                                                              Jan Christensen
                                                                                                                        Pastor für Umweltfragen der Nordkirche
                                             te Klimaschutzkonzept für die Nord-
                                                                                                          „Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass alle
                                             kirche verabschiedet, 2015 dann
                                                                                                      Geschöpfe Gottes, Mensch und Tier, heute und
                                             beschloss die Landessynode das                              in Zukunft den Lebensraum haben, den sie
                                             bundesweit erste kirchliche Klima-                             benötigen, um sich entfalten zu können.“
Klimaaktion gegen Kohleverbrennung vor dem
Hamburger Rathaus 2017
                                                                                            Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 11
Vor der Haustür neu anfangen

                  „Wir sollten unsere Bienen schützen, sonst zerbricht ein
                  Lebenskreislauf“ | Claudia Marxen

                  76 Prozent der Insekten sind Studien               Prozent gestiegen. Eine Ursache für       fruchtbar zu machen, werden Dün-
                  zufolge in den letzten 25 Jahren in                das Insektensterben ist die industriel-   gemittel verkauft; und Gifte gegen
                  Deutschland verschwunden. In der                   le Landwirtschaft.                        die Schädlinge, die sich ohne Feinde
                  gleichen Zeit ist der Einsatz von Pes-                 Rund 80 Prozent aller Wild- und       in der Monokultur ausbreiten. Die
                  tiziden in der Landwirtschaft um 40                Nutzpflanzen werden von Insekten          sogenannten „Pflanzenschutzmittel“
                                                                     bestäubt. Fehlen Honig- und Wild-         reichern sich im Boden an, gelangen
                                                                     bienen, droht damit ein Lebenskreis-      ins Grundwasser, in Flüsse und in die
                                                                     lauf zu zerbrechen. Zahlreiche Vogel-     Ozeane.
                                                                     und Säugetierarten ernähren sich             Im Mai 2018 haben der Europäi-
                                                                     von Insekten. Die biologische Vielfalt    sche Gerichtshof (EuGH) und die EU-
                                                                     und nicht zuletzt die Nahrungsmittel-     Kommission mit Unterstützung des
                                                                     produktion sind gefährdet.                „Bündnis zum Schutz der Bienen“
                                                                         Konzernchefs der Chemiebran-          den Einsatz von bienengefährlichen
                                                                     che werden nicht müde, ihre Ver-          Neonikotinoiden eingeschränkt. Da-
                                                                     antwortung für die Lebensmittel-          mit wurde zum ersten Mal der Um-
                                                                     produk tion einer wachsenden              weltschutz vor wirtschaftliche Inter-
                                                                     Weltbevölkerung zu betonen. Ohne          essen gestellt. Konzerne wie Bayer,
                                                                     Pestizide sei die notwendige Menge        Syngenta und BASF klagen jetzt vor
                                                                     an Nahrung nicht zu produzieren.          dem EuGH gegen die Einschrän-
                                                                     Eine bestimmte Menge an Nah-              kung. Die Aurelia Stiftung berät mit
                                                                     rungsmitteln pro Kopf ist natürlich       ihren Anwälten die EU-Kommission
                                                                     notwendig. Doch in den allermeisten       – eine Initiative, die dringend finanzi-
                                                                     Fällen ist der Mensch verantwortlich,     elle Unterstützung braucht.
                                                                     wenn andere Menschen hungern. Er               Auch Verbraucherinnen und Ver-
                                                                     erschwert den Zugang zu Nahrung           braucher können eine Menge tun:
                                                                     oder setzt Hunger als politisches         Sie können vornehmlich Bio-Lebens-
                  Blühstreifen in Joachimsthal                       Druckmittel ein.                          mittel kaufen und die Politik zum
                                                                         Der zunehmende Einsatz von            Handeln auffordern. Wer einen Gar-
                                                                     Pestiziden richtet mittlerweile mehr      ten hat oder für Gärten, Parks und
                                                                     Schaden als Nutzen an: Vor allem          Friedhöfe verantwortlich ist, kann die
                                                                     Bienen werden durch Pestizide be-         Flächen bienenfreundlich anlegen:
                                                                     einträchtigt, weil sie ihre Wider-        mit unterschiedlichen Pflanzen, die
                                                                     standsfähigkeit gegen Krankheiten         das ganze Jahr Pollen und Nektar
                                                                     verlieren. Eine weitere Auswirkung        liefern, einer naturnahen Gestaltung,
Claudia Marxen
Umweltberaterin und Vorstand der Aurelia Stiftung
                                                                     ist der Nahrungsmangel für Insekten       die vielen verschiedenen Lebewe-
„Es lebe die Biene!“, die das Bündnis zum Schutz                     durch den Verlust der Begleitflora.       sen Nistplätze bietet, und ohne Ein-
der Bienen leitet
                                                                     Pestizide töten auch die im Boden         satz von Pestiziden.
„Gerechtigkeit bedeutet für mich,
                                                                     lebenden Organismen. Um den Bo-
das Ganze im Blick zu haben.“
                                                                     den auch ohne intakte Organismen

                  12 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
Wa s Sa che is t – die Wir klichkeit in den Blick nehme n                   1

„Hamburg summt!“: Bienenstöcke auf dem Dach des
Ökumenischen Forums | Nina Golde

„Hamburg summt!“ ist eine Initiative
der Stiftung für Mensch und Umwelt,
die Einwohnerinnen und Einwohner
für „ihre“ Bienen begeistern will. Die
Vision besteht darin, mit der freundli-
chen Einladung „Hamburg summt!
Summen Sie mit?“ Menschen zu
motivieren, das eigene Lebensum-
feld bienenfreundlich zu gestalten,
ganz nach dem Motto: Es ist deine
Stadt – es sind deine Bienen.
    Am 26. April 2014 wurde der
„Hamburg summt!“-Standort im Öku-
menischen Forum HafenCity feierlich
in Betrieb genommen. „Eher zufällig
                                          Bienenprojekt auf dem Dach des Ökumenischen Forums
kam unser Geschäftsführer Henning
Klahn mit dem Thema in Berührung:         der hauseigenen Dachgartengruppe              Interessierte können außerdem Kurse
Eines Tages tauchte ein Schwarm           bemühen sich alle um eine mög-                besuchen und sich von Imkern bera-
Bienen an einem Baum vor unserem          lichst vielfältige und artenreiche Be-        ten lassen – das Ökumenische Forum
Haus auf. Bei einem Gespräch mit          pflanzung. Dass in der Hafencity mit          stellt gern den Kontakt her.
dem herbeigerufenen Imker, der das        ihrer urbanen Bebauung erst nach
Bienenvolk abholte, entstand die          und nach die Durchgrünung stattfin-           Ökumenisches Forum HafenCity,
Idee, die Bienenhaltung in der Hafen-     det, hält die Honigbienen nicht da-           Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg
City wieder aufleben zu lassen“, erin-    von ab, Nektar und Pollen herbeizu-           Telefon 040 36 90 02 780,
nert sich Nina Golde vom Team des         tragen. In 22 Meter Höhe im 7. Stock          info@oefh.de
Ökumenischen Forums. „Wir wollten         entstand eine bunte Oase mit einem
so einen Beitrag zum Schutz der           Imkerstand: „Heute leben hier zwei
Bienen leisten, die durch den Verlust     Bienenvölker mit 50.000 Bienen. Sie
von Nistmöglichkeiten und Futter-         sind Zeichen, die Schöpfung zu
pflanzen, durch Monokulturen auf          achten und zu bewahren. Mit Füh-
den Feldern und den Einsatz von           rungen für Schulklassen und andere
Pestiziden zunehmend gefährdet            Interessierte bringen wir den Men-
sind.“                                    schen aus dem Stadtteil und darüber
                                                                                                                                            Nina Golde
    Seit dem Frühsommer 2015 im-          hinaus das Thema Natur und Bienen                                          Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im
kert nun Henning Klahn mit zwei           wieder näher“, erzählt Nina Golde.                                 Ökumenischen Forum HafenCity in Hamburg

Wirtschaftsvölkern auf der Dachter-           Der von den Honigbienen produ-                                   „Gerechtigkeit bedeutet für mich,
rasse des Gebäudes. Die Hausge-           zierte Honig wird im Weltcafé ElbFaire                     dass jeder Mensch dieselbe Wertschätzung
                                                                                                                und denselben Respekt erfährt.“
meinschaft mit etwa 20 Parteien           verkauft, das sich im Erdgeschoss
nimmt das Thema begeistert auf. In        des Ökumenischen Forums befindet.

                                                                                       Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 13

                   Gewohnheiten überdenken

                   Ananas: Bittere Anbaumethoden einer süßen Delikatesse |                                                     June Mark Yañez

                   Bei einem Paar auf einer Nordseein-                welt-Fachleuten haben vor allem die
                   sel war ich zum Essen eingeladen                   für Ananas- und Bananenplantagen
                   und zum Nachtisch gab es süße An-                  gerodeten Flächen am Fuße des Ber-
                   anas. Wir fragten uns, wo die Frucht               ges Kitanglad zu den Wassermassen
                   wohl angebaut worden war, und ent-                 geführt. Für diese intensiven Mono-
                   deckten auf dem Etikett der Dose                   kulturen nutzt jedes Unternehmen
                   mein Heimatland: die Philippinen. Ich              mehr als 20.000 Hektar Land. Die
                   war stolz! Und doch brachte es mich                Früchte werden ausschließlich für den
                   zum Nachdenken. Durch Warenströ-                   Export angebaut.
                   me rund um die Erde sind wir eng                       Einerseits sichern die Plantagen
                   miteinander verbunden und viele                    den Lebensunterhalt der Arbeiter und
                                                                                                              Ananaspflanze
                   profitieren davon: Die Menschen in                 bewahren sie vor Armut. Andererseits
                   Deutschland freuen sich über die                   ist die massive und unkontrollierte         Doch auch jeder und jede einzel-
                   große Auswahl an Produkten in Su-                  Ausdehnung dieser Monokulturen          ne von uns kann etwas tun: Als Chris-
                   permärkten. Und Bauern auf den Phi-                eine große Gefahr für Menschen und      tinnen und Christen sind wir für die
                   lippinen sichert die Ananasindustrie               Umwelt. Hier in Deutschland habe ich    Bewahrung der Schöpfung verant-
                   ihren Lebensunterhalt.                             gelernt, wie hilfreich und notwendig    wortlich. Doch Starkregen und Taifu-
                        Und doch kenne ich auch bittere               Deiche und Drainagen auch auf den       ne nehmen weltweit zu. Gemeinsam
                   Geschichten über die Ananas aus                    Philippinen wären. Wenn wir techni-     müssen wir uns also gegen den Kli-
                   meiner Heimat. Vor einigen Jahren                  sche und finanzielle Hilfe zum Bei-     mawandel engagieren und so Verant-
                   wurden 13 Provinzen auf Mindanao                   spiel aus Deutschland bekämen und       wortung für die betroffenen Men-
                   und die Stadt Cagayan de Oro nach                  unsere Politiker und Unternehmer        schen übernehmen.
                   einem Taifun und Starkregen überflu-               ernsthaft Verantwortung übernäh-
                   tet. Mehr als 1.000 Menschen kamen                 men, könnten die Plantagen sicherer
                   ums Leben, 37.000 Häuser wurden                    und nachhaltiger bewirtschaftet wer-
                   zerstört. Nach Recherchen von Um-                  den.

June Mark Yañez, Pastor in der Iglesia Filipina
Independiente (IFI) auf den Philippinen und derzeit
Ökumenischer Mitarbeiter im Zentrum für Mission
und Ökumene sowie bei der Seemannsmission

„Gerechtigkeit erhält die Schönheit und Vielfalt
des Lebens und lässt die Würde aufblühen.
Selbstsucht, Gier und Arroganz im Verhalten
oder in Strukturen zerstören die Integrität
der Schöpfung.“
                                                                      Ananasfeld auf den Philippinen

                   14 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
Wa s Sa che is t – die Wir klichkeit in den Blick nehme n                    1

Einkauf neu denken im Zentrum für Mission und Ökumene |                                                        Judith Meyer-Kahrs

Im September 2016 hat das Zentrum         Küchen- und Elektrogeräten, Reini-
für Mission und Ökumene, als erstes       gungs- und Hygieneartikeln, Strombe-
Werk in der Nordkirche, eine Beschaf-     zug, Mobilität, Geldanlagen und vieles
fungsrichtlinie für ökofairen Einkauf     mehr. In allen Bereichen der Beschaf-
verabschiedet. Damit sollen die Klima-    fung geht es darum, nicht nur ökologi-
bilanz des Hauses dauerhaft verbes-       sche, sondern auch soziale Aspekte
sert und Nachhaltigkeitsaspekte noch      zu beachten                                                                              Judith Meyer-Kahrs
                                                                                                            Infostelle Klimagerechtigkeit im Zentrum für
stärker in den Arbeitsalltag integriert       Auch wenn nicht immer das nach-                                                    Mission und Ökumene
werden.                                   haltigere Produkt eingekauft wird,
                                                                                              „Gerechtigkeit ist: Verantwortung übernehmen,
    Eine interne AG hatte über ein        fließen Nachhaltigkeitsaspekte doch                                      Position beziehen und sich
Jahr an den Grundlagen zur Einfüh-        stärker in die Entscheidung ein. Beim                       politisch einmischen, damit diese Welt
rung der Richtlinie gearbeitet. Nach      Druck von Broschüren auf Recycling-                                ein lebenswerter Ort für alle ist.“

einer umfassenden Bestandsaufnah-         material hat sich schon gezeigt, dass
me der hausinternen Einkaufspraxis        dies keine großen Kostensteigerun-
entwickelten die Mitarbeitenden Krite-    gen mit sich bringt. Nachhaltige Wer-     Leitlinie für Beschaffung
rien für ökofaire Beschaffung und         bebanner oder Roll-ups hingegen           Eine Blanko-Vorlage der
stellten darüber hinaus einen Maß-        sind noch teurer als konventionelle       Beschaffungsrichtlinie steht auf
nahmenplan zusammen.                      Produkte. Doch wir prüfen, inwieweit      www.klimagerechtigkeit.de
    Darin ist nun vereinbart, dass nach   es zum Beispiel möglich ist, bei Roll-    als Download für interessierte
Möglichkeit nur regional, saisonal, bio   ups die Banner auszutauschen, um          Einrichtungen zur Verfügung.
und fair hergestellte Lebensmittel ein-   Ressourcen zu sparen.                     Gerne steht die Infostelle Klima-
gekauft werden und bei Veranstaltun-          Unsere Erfahrungen sind mittler-      gerechtigkeit auch bei der
gen vorwiegend vegetarische Verpfle-      weile in die neue Beschaffungsver-        Umsetzung einer ökofairen
gung angeboten wird. Die Richtlinie       waltungsvorschrift der Nordkirche         Beschaffungsrichtlinie beratend
regelt ebenso den Umgang mit Büro-,       geflossen, die 2019 in Kraft tritt.       zur Seite.

Unser Weg zur „ÖkoFairen Gemeinde“ |                                  Tanja Kröplin

Der Weg zur „ÖkoFairen Gemeinde“          ten Liederzetteln wird jetzt der Bea-
war gar nicht schwer. Nachdem wir         mer eingesetzt, außerdem nutzen wir
analysiert hatten, welche Punkte wir      Ökostrom.
erfüllen konnten, haben wir diese             Natürlich gibt es auch Schwierig-                              Tanja Kröplin, Kirchengemeinde Breklum
dokumentiert. Unser Pastor war von        keiten. Altbewährte Handlungswei-
                                                                                                  „Gerechtigkeit bedeutet für mich, nicht nur
der Aktion begeistert und so war es       sen mussten geändert werden und                   den eigenen Vorteil zu suchen, sondern auch die
kein Problem, den Kirchengemein-          das trifft nicht immer auf Zuspruch.                     Belange der anderen im Blick zu haben.“
derat davon zu überzeugen.                Es ist z.B. schwer durchzusetzen,
   Wir haben uns unter anderem da-        dass bei der Vermietung des Ge-           wenn man doch ein Dorf weiter einen
zu verpflichtet, Energiesparlampen        meindehauses wirklich nur fair ge-        Kartoffelbauern hat.
zu verwenden, kein Einweggeschirr         handelter Kaffee verwendet wird. Es           Für die Verleihung des ÖkoFair-
zu nutzen, bei Veranstaltungen regio-     sind ja oft schon die kleinen Dinge,      Siegels sind wir sehr dankbar. Wie
nale bzw. fair gehandelte Produkte        die so viel ausmachen. Es muss            gesagt: Viele kleine Dinge können so
anzubieten, anstelle von ausgedruck-      nicht die Kartoffel aus Ägypten sein,     viel bewegen. Siehe auch Beitrag auf S. 52.

                                                                                    Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 15

                  Als Kirche kritisch und unbequem sein

                  Die Kirchen müssen unbequeme Debatten führen |                                                     Mojib Latif

                                                                    Die Weltgemeinschaft hat sich zwar         SPD sucht man vergebens Konkretes.
                                                                    2015 in Paris darauf verständigt, die      Die Kirchen sind aufgefordert, das
                                                                    Erderwärmung auf „deutlich unter           Thema Klimaschutz wieder in die öf-
                                                                    2° C“ zu begrenzen. Der Vertrag ist        fentliche Diskussion einzubringen
                                                                    aber nur eine Absichtserklärung. Er        und einen Diskurs über die wahren
                                                                    basiert auf Freiwilligkeit, die zugesag-   Werte anzustoßen. Die Kirchen müs-
Prof. Dr. Mojib Latif                                               ten Maßnahmen werden uns in Rich-          sen unbequeme Debatten führen.
Leiter Maritime Meteorologie, GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel                           tung 3° C bringen. Auch Deutschland        Muss es immer eine Fernreise sein?
„Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass alle                         schwächelt beim Klimaschutz. Im            Muss es immer Fleisch auf dem Teller
Menschen die gleichen Chancen haben.“                               Bundestags-Wahlkampf 2017 spielte          sein? Müssen die Autos immer größer
                                                                    das Thema überhaupt keine Rolle, im        werden?
                                                                    Koalitionsvertrag zwischen Union und

                  Als Kirche auch mal Zumutung sein |                                        Björn Begas

                 Der Luthergarten in unserer Gemein-                15.000-Quadratmeter-Gelände nahe           keinem Nutzen unterworfen. Im bes-
                 de in Hamburg-Bahrenfeld wird von                  der Kirchengemeinde und mitten in          ten Sinne religiöse Orte – und eine
                 allen Seiten in höchsten Tönen ge-                 der Stadt bot sich für die Umsetzung       Provokation in einer Zeit städtischer
                 lobt. 2014 gründeten Ehrenamtliche                 an. So entstanden ein großer Perma-        „Nachverdichtung“.
                 das kirchliche „Urban Gardening“-                  kulturgarten, ein Bauwagen der Stil-          Viele weitere Zumutungen lassen
                 Projekt. Am Anfang stand der Traum                 le, ein Hühner- und Taubengehege,          sich nennen: Im Bahrenfelder Luther-
                 von einer anderen Stadt und einem                  eine Draußenkirche, Bühne, Kunst-          garten gibt es viel Streit. Hier wächst
                 besseren Miteinander im Stadtteil.                 objekte, Streuobstwiese, Kinderwild-       der Spargel direkt neben Gräbern.
                 Ein brachliegendes, völlig vermülltes              nis, Schmelzofen, Outdoorküche             Der Ort ist nicht nur für Christinnen
                                                                    und Werkstatt.                             und Christen und versteht sich gera-
                                                                        So schön! Und doch auch eine Zu-       de darin als ein zutiefst christliches
                                                                    mutung. Denn: Hier wohnen Flücht-          Projekt. Im Bahrenfelder Luthergar-
                                                                    linge. Ein Steinhäuschen wird für Kir-     ten ist Nachhaltigkeit kein Modewort,
                                                                    chenasyl genutzt. „Flüchtlinge – ok,       sondern Hühnermist. Der Bahrenfel-
                                                                    aber bitte not in my backyard“, be-        der Luthergarten ist zu guter Letzt
                                                                    kommen wir zu hören. Bitter, mit den       umsonst ...
                                                                    eigenen Vorurteilen konfrontiert zu            Das sind keine Zumutungen? Oh
                                                                    werden, die man eigentlich nicht           doch – wir erleben diese Diskussio-
Björn Begas
Pastor im Luthergarten in Hamburg-Bahrenfeld
                                                                    wahrhaben will.                            nen und halten sie aus!
                                                                        Bei uns gibt es ungenutzte Flä-
„Gerechtigkeit beginnt für mich, wenn
Ungerechtigkeit ungeschminkt beim Namen                             chen, etwa 5.000 Quadratmeter.
genannt wird.“                                                      Weiße Flecken mitten in der Stadt.
                                                                    Geheimnisvolle, unberührte Flächen,

                 16 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
Wa s Sa che is t – die Wir klichkeit in den Blick nehme n                    1

Laut und deutlich Position beziehen |                                Beate Raudies

Wir sind der Kirchenkreis mit dem           und muss, weil es um Nachhaltigkeit
letzten Atomkraftwerk in der Nordkir-       und Bewahrung der Schöpfung
che. Erst im Jahr 2021 soll „das Ding       geht. Die Kirche war da in den letzten
am Deich“ abgeschaltet und dann             Jahren nicht laut genug!                                                                         Beate Raudies
                                                                                                               ist seit 2018 Synodenpräses im Kirchenkreis
zurückgebaut werden. Was so ein-                Und es muss weiterhin investiert                              Rantzau-Münsterdorf, gelernte Finanzbeamtin
                                                                                                                     und seit 2012 für die SPD Abgeordnete
fach klingt, ist aber höchst langwie-       werden, auch wenn manche mah-                                                                  im Kieler Landtag
rig. Gemeinsam mit Kirche und Poli-         nen, es müsse angesichts drohender                                  „Gerechtigkeit bedeutet für mich:
tik lohnt es sich hinzuschauen und          Kirchensteuerausfälle gespart wer-                          Damit es allen besser geht, müssen starke
nachzufragen: Was wird denn nun             den. Besonders bei Baumaßnahmen                                Schultern mehr tragen als schwache.“
mit „dem Ding“?                             sind wir nicht nur unserem Sparbuch,
    Bereits auf der ersten Sitzung          sondern auch der Schöpfung ver-              werden. Dabei sollten wir die Ge-
dieser Legislaturperiode wurde von          pflichtet.                                   schichten des Alten und Neuen
den Kirchenkreis-Synodalen ein be-              Als Drittes gilt es für eine Kirche      Testaments auf ihre theologischen
sonderes Augenmerk auf Umwelt-              im städtischen und ländlichen Raum,          Aussagen hin befragen. Schließlich
und Klimaschutz eingefordert. Das           konkrete Projekte zu fördern und             spielen diese sowohl im landwirt-
ist ein Bereich, in dem die Kirche          zu entwickeln, die den unterschied-          schaftlichen als auch im urbanen
sehr deutlich Position beziehen kann        lichen Lebensumständen gerecht               Kontext eine Rolle.

Warum wir in der Kirche „Tschüss Kohle“ sagen |                                            Ulrike Eder, Judith Meyer-Kahrs

„Tschüss Kohle“ – unter diesem Mot-         setzen wir uns im Zentrum für Missi-         zum CO2-Ausstoß bei und zählt zu
to stand die Volksinitiative, die am        on und Ökumene für mehr Klimage-             den klimaschädlichsten Formen der
6. Juni 2018 erfolgreich beim Ham-          rechtigkeit ein. Denn Klimawandel            Energieerzeugung. Der Import von
burger Senat eingereicht wurde:             und Klimaschutz sind für uns als Kir-        Steinkohle ist zudem mit massiven
Über 22.400 Hamburgerinnen und              che Fragen von weltweiter Gerechtig-         Menschenrechtsverletzungen in den
Hamburger haben sich mit ihrer Un-          keit und dringlicher als je zuvor. Der       Herkunftsländern, wie etwa Kolum-
terschrift der Forderung nach einem         Ausstieg aus der Kohleverbrennung            bien oder
raschen Kohleausstieg für Hamburg           und der Umstieg auf erneuerbare              Russland,
angeschlossen. Ziel der Initiative ist      Energien bewahrt unsere Schöp-               verbunden.
es, dass ab 2025 keine Wärme und            fung und damit die Lebensgrundla-
ab 2030 auch kein Strom mehr in             gen von Milliarden von Menschen –
Hamburg aus Kohle produziert wer-           heute und in Zukunft. Mit der Initiative
den. Denn nur so ist der Tempera-           „Tschüss Kohle“ setzen wir uns für
                                                                                                                     Ulrike Eder und Judith Meyer-Kahrs
turanstieg auf der Erde auf unter           eine Weichenstellung in Hamburg                                    Infostelle Klimagerechtigkeit im Zentrum für
                                                                                                                                    Mission und Ökumene,
zwei Grad zu begrenzen.                     hin zu mehr Klimagerechtigkeit ein.                     Vertrauenspersonen der Volksinitiative „Tschüss Kohle“
    Die Beteiligung an der Initiative ist   Die Hansestadt gehört in Deutsch-
                                                                                                 „Gerechtigkeit ist: Verantwortung übernehmen,
eine logische Konsequenz aus der            land zu den Städten, die am meisten          Position beziehen und sich politisch einmischen, damit
jahrelangen Arbeit: Seit 13 Jahren          Kohle verbrennen. Dies trägt massiv                     diese Welt ein lebenswerter Ort für alle ist.“

                                                                                        Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung   | 17
2
                                                   Was einleuchtet –
                                                   Gottes Wort hören

Biblische Schöpfungstexte als Visionen einer gerechten Welt

Andreas Benk
                                                   Bei Schöpfung geht es nicht um Weltentstehung und längst nicht nur
                                                   um Umweltschutz. Biblische Schöpfungstexte sind Visionen. Sie drü-
                                                   cken die Hoffnung aus, dass alles ganz anders sein könnte: lebens-
                                                   freundlicher, menschlicher, gerechter. Wer heute auf Schöpfung setzt,
                                                   entscheidet sich damit zum Widerstand gegen ein globales Apartheid-
                                                   system, das mit teils brutalen, teils perfiden Methoden die Welt in Profi-
                                                   teure und Opfer separiert.

                                                   Sachlich ist die zentrale biblische Gottesvorstellung nicht diejenige von Gott
                                                   als Schöpfer. Der Gott Israels ist zuerst und vor allem ein Gott der Befreiung,
                                                   der das Elend seines Volkes sieht, seine Klage hört und sein Leid kennt (vgl.
                                                   2 Mos 3,7f). Der biblische Gott führt aus Knechtschaft heraus und schafft
                                                   Gerechtigkeit zugunsten der Unterdrückten.
                                                       Die Parteilichkeit für die Drangsalierten und Ausgebeuteten teilt die Exo-
                                                   dustheologie mit der biblischen Prophetie. Die Propheten Israels deckten
                                                   gesellschaftliche Missstände auf, ergriffen im Namen Gottes Partei für die
                                                   Opfer und sparten nicht mit scharfer Kritik an den Verantwortlichen. Den
                                                   Herrschenden führten sie die absehbaren Konsequenzen ihrer korrupten
                                                   Machenschaften vor Augen. So kann es nicht weitergehen, ist die Botschaft
                                                   der prophetischen Gerichts- und Weheworte. Gott wird diesem Treiben ein
                                                   jähes Ende setzen. Doch in prophetischen Visionen bricht auch die Hoffnung
                                                   durch, dass alles doch noch gut werden könnte. Der Gott Israels wird sich als
                                                   befreiende Gottheit für alle Völker erweisen: Feindschaft wird endgültig über-
                                                   wunden sein, eine Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit wird kommen.
                                                       Exodustheologie und biblische Prophetie spannen den Horizont auf,
                                                   vor dem die Schöpfungstexte erst verstanden werden können. In diesen spie-

18 |   Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung
WaWa
                                                                                         s einleu chtet –– Gottes
                                                                                            s leu chtet    Gottes Wor
                                                                                                                  Wortt höre
                                                                                                                        hörenn                                 2

gelt sich die Hoffnung biblischer Heilsprophetie, dass sich letztendlich Gottes
Gerechtigkeit durchsetzen wird. Den herrschenden Verhältnissen halten sie
die Vision einer lebensfreundlichen Welt entgegen. Diese Vision ist der Maß-
                                                                                                   h ö p fu n g  –  e ine Vision
                                                                                                Sc                  gkeit
stab, an dem die defizitäre Gegenwart kritisch gemessen wird. „Biblische
                                                                                                vo n G  e re c h ti
Schöpfungstexte vermitteln einen ‚Sinn für Ungerechtigkeit‘ und wollen die                                                g mit
                                                                                                             er Studienta
                                                                                                               ch                    ng
Sehnsucht nach Gerechtigkeit wach halten: Leben für alle. Weniger darf es                        Ein theologis as Benk zur Vorbereitu
                                                                                                       Dr. Andre
                                                                                                 Prof.                     9
                                                                                                               onntags 201
nicht sein“, schreibt Georg Steins. Die biblische Sicht des Anfangs der Welt                     des Judika-S
                                                                                                                            burg
ist auch für Bernd Janowski „die Vision einer Welt, wie sie vom Schöpfergott
                                                                               gestalten          › 13. Februa
                                                                                                               r 2019 – Ham

                      KIima
                      KIim
                         m
intendiert war und nach gesamtbiblischem Zeugnis […] am Ende der Zeit                                                       tock
                                                                                                               r 2019 – Ros
                                                                                                  › 14. Februa

                                                                                             Klimawande
Wirklichkeit wird“. Für Jürgen Ebach sind Schöpfungstexte „utopische Erinne-                                                 münster
                                                                                                                r 2019 – Neu
                                                                                                  › 15. Februa
rung“. Gen 1 erzähle von der besten aller Welten, „damit nicht die gegebenen                                                    et sich an:                 logisch
                                                                                                                 taltung richt              nen und theo
                                                                                                    Die Verans          we lt-) Pädagog_in              te n und
                                                                                                                  n, (Um                          de rä
Verhältnisse als die besteingerichteten erscheinen“.                                                                                          ein

                         LEBEN
                                                                                                    Pastor_inne                 n, Kirchengem
                                                                                                                   aus Synode
                                                                                                    Interessier te
    In dieser Perspektive sind schon die ersten Verse der Bibel zu lesen: „Im                        Einrichtungen
                                                                                                                     .
                                                                                                                                                         ika.de
                                                                                                                                             tag-jud
                                                                                                                  n        : www.sonn
                                                                                                     Informatione
Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und öde, und
Finsternis lag auf der Urflut, und der Geist Gottes bewegte sich über dem                                                                Tiere
Wasser“ (1 Mos 1,1f, nach ZB). Das Szenario ist unheimlich, beängstigend
                                                                                                                                           Men

                                                                      BODE
                                                                      BOD
                                                                      BOD
                                                                       OD
                                                                        DE
und lebensfeindlich. Flut und Finsternis sind Todesmächte. Es herrscht Cha-
                                                        climate justice MITWELT
os. Noch bedrohlicher wird das Bild, wenn das hebräische ruach elohim nicht                                                            Pflanzen
                                           Bezie
                                              i
mit „Geist Gottes“, sondern mit „Sturmwind“ übersetzt wird – beides ist mög-
lich. Die Bibel beginnt mit einem Alptraum, der grauenhafte Bilder aufruft. So
erlebten tausende Menschen, die zu uns nach Europa flüchten wollten, in ih-
ren letzten Augenblicken unsere Welt: wenn nachts ihr überfülltes Boot ken-
terte und Meereswellen über ihnen zusammenschlugen.                                                                                              Arten
     Inmitten dieses Chaos‘ schafft Gott einen Raum wie eine rettende Ar-
                                                                                                        Umkehr zum Leben
che, wohnlich und lebensfreundlich, weiterhin freilich bedroht von umgeben-
den Wassern. „Es ist das Bild eines kosmischen Hauses, das vom Schöpfer in
das uranfängliche Chaoswasser hineingestemmt wird“ (Bernd Janowski). Das
Haus wird eingerichtet und mit Lebewesen erfüllt: mit Pflanzen, Wassertieren,
Vögeln, Landtieren und schließlich den Menschen. Die schöpferische Gottes-
macht erscheint als fürsorgliche Architektin, die für alle Wesen einen gemein-
samen Wohnraum gestaltet. Der Kampf um überlebenswichtige Ressourcen
wird vermieden. Menschen und Tieren wird unterschiedliche Nahrung zuge-
teilt, beide leben als Vegetarier. Nach Gottes Willen soll kein Blut fließen und
kein Wesen getötet werden. Auch dies korrespondiert mit der prophetischen
                                                                                                                            Prof. Dr. Andreas Benk
Vision einer befriedeten Welt, die nicht nur Menschen, sondern auch Tiere                           lehrt am Ökumenischen Institut für Theologie und
                                                                                                           Religionspädagogik in Schwäbisch Gmünd
umfasst: „Da wird der Wolf beim Lamm wohnen […] und der Löwe wird Stroh                               Katholische Theologie und Religionspädagogik
fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und
                                                                                              „Gerechtigkeit ist für mich, dabei mitzuwirken,
ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter“ (Jes 11,6-8).                   dass allen Menschen ein gutes Leben –
     Die Vision unserer Erde als gemeinschaftliches Lebenshaus ist kein                           im Sinne von ‚buen vivir‘ – möglich wird.“
Romantizismus und kein verharmlosendes Idyll. Sie ist eine schneidend schar-
fe Ansage an all diejenigen, die in diesem Welthaus den Hausfrieden zerstören.
     Schöpfungshoffnung, die die Vision von Genesis 1 aufgreift, wird nicht
durch die Naturwissenschaften in Frage gestellt, sondern durch Ungerechtig-
keit herausgefordert. In einem Satz: Wer von Schöpfung im Sinne der Bibel
spricht, muss heute für globale Gerechtigkeit eintreten.

                                                                                   Auf
                                                                                    Aufdem
                                                                                        demWeg
                                                                                           Weg––Gerechtigkeit
                                                                                                Gerechtigkeitund
                                                                                                              undSchöpfung
                                                                                                                  Schöpfung        | 19
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