Erfolgsfaktor Automatisierung - Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate

 
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Erfolgsfaktor Automatisierung - Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate
Erfolgsfaktor Automatisierung

Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate
Erfolgsfaktor Automatisierung - Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate
Erfolgsfaktor Automatisierung - Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                            Erfolgsfaktor Automatisierung

Inhalt
1.        Kernergebnisse ............................................................................................. 2
2.        Vorwort .......................................................................................................... 4
3.        Design der Studie.......................................................................................... 6
4.        Momentbetrachtung der Digitalisierung ..................................................... 9
5.        Digitale Trends in der Immobilienwirtschaft ............................................. 14
6.        Ausgewählte Fokusbereiche ...................................................................... 23
7.        Zukünftige Entwicklung .............................................................................. 31
8.        Experteninterviews ..................................................................................... 33
     a.    Gero Bergmann ......................................................................................... 33
     b.    Dr. Thomas Hain ........................................................................................ 38
     c.    Anne Keilholz............................................................................................. 42
     d.    Erik Marienfeldt ......................................................................................... 46
     e.    Dr. Andreas Muschter ............................................................................... 50
     f.    Rupprecht Rittweger ................................................................................. 54
     g.    Dr. Lars Scheidecker ................................................................................. 58
     h.    Alexander Ubach-Utermöhl ...................................................................... 61
9.        Schlusswort ................................................................................................. 66
10.       Die Autoren .................................................................................................. 68

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Erfolgsfaktor Automatisierung - Sechste Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

1. Kernergebnisse

                  1. Ausgaben für Digitalisierungsmaßnahmen pendeln sich ein
                  Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen investieren zwischen
                  1 und 5 Prozent ihres Umsatzes in die Digitalisierung.

                  2. Digitale Exzellenz lässt noch auf sich warten
                  Im vergangenen Jahr hatten sich 8 Prozent der Unternehmen in der digi-
                  talen Exzellenz verortet, in diesem Jahr sind es nur noch 3 Prozent.

                  3. IT-Infrastruktur gut aufgestellt
                  Über 85 Prozent der Studienteilnehmer:innen schätzen ihre IT-Infrastruk-
                  tur als gut aufgestellt ein, die Grundlage für die Digitalisierung ist vorhan-
                  den.

                  4. Arbeitsplätze nicht unmittelbar in Gefahr
                  Insgesamt 47 Prozent der Befragten sehen keine spürbare Reduktion von
                  Arbeitsplätzen durch die voranschreitende Digitalisierung.

                  5. Daten und Geschäftsprozesse stehen im Fokus
                  Nahezu alle Befragten sehen die Vorteile der Digitalisierung bei der Opti-
                  mierung von Geschäftsprozessen und der Generierung von Daten.

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                                           Erfolgsfaktor Automatisierung

6. Datentransparenz Voraussetzung für ESG
Fast 100 Prozent der Befragten stimmen der These zu, dass ESG-Krite-
rien nur mit digitalen Technologien und Anwendungen umgesetzt werden
können.

7. Hohes Automatisierungspotenzial bei repetitiven Tätigkeiten
Zahlungsverkehr, Controlling, Dokumentenanalyse und Reporting haben
das höchste Automatisierungspotenzial.

8. Wertschöpfung durch Automatisierung
96 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Mitarbeitenden
durch Automatisierung Aufgaben mit höherer Wertschöpfung widmen
können.

9. Anteil automatisierter Prozesse noch unterrepräsentiert
Bei 40 Prozent der Befragten liegt der Anteil der automatisierten Pro-
zesse bei maximal 10 Prozent, über 60 Prozent erreichen nur 7 Prozent
der Befragten.

10. Langfristige Sicherung der Geschäftsmodelle
    durch Automatisierung
Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen sind sich einig, dass auto-
matisierte Prozesse den Bestand des Unternehmens sichern.

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2. Vorwort

                                                 Verfahren von herausragender Bedeu-
                                                 tung.
                                                 Unsere diesjährige Digitalisierungsstudie
                                                 „Erfolgsfaktor Automatisierung“ beschäf-
                                                 tigt sich mit digitalen Technologien, Lö-
                                                 sungen und Ansätzen zur Durchführung
                                                 von Leistungen und Prozessen, die bisher
                                                 von Menschen manuell erbracht wurden.
                                                 Dabei zeigt sich unter anderem, dass die
                                                 Anwendung dieser Technologien nicht nur
                                                 direkt die Produktivität steigert, sondern
                                                 auch vor dem Hintergrund des sich rasant
             Martin Rodeck                       verschärfenden Fachkräftemangels eine
             Vorsitzender,                       wichtige Rolle für zukünftigen Erfolg spielt.
       ZIA-Innovation Think Tank
                                                 Das gilt auch für das Erfüllen von ESG-
                                                 Kriterien, was mit Inkrafttreten der EU-Ta-
Eine Frage der Qualität und Effizienz            xonomie-Verordnung in der ersten Jah-
                                                 reshälfte eine neue Dynamik bekommen
Eine möglichst lückenlose und umfangrei-
                                                 hat. Fast alle Befragten unserer Studie se-
che Erhebung von Daten ist eine der wich-
                                                 hen in der Datentransparenz einen wichti-
tigsten Grundlagen, um Entscheidungen
                                                 gen Schlüssel, um ESG-Kriterien erfolg-
kompetent treffen zu können. Das zeigt
                                                 reich in ihr Geschäft zu integrieren. Doch
auch der Umgang mit der Pandemie in ih-
                                                 bei der Betrachtung des Marktumfeldes
rem zweiten Jahr. Denn nur wenn man
                                                 fällt auf, dass konkrete, messbare Effekte
weiß, wie viele Menschen, welche Grup-
                                                 der Digitalisierung noch vergleichsweise
pen wo, wann und wie schwer infiziert
                                                 selten im Bewusstsein der Branche sind.
sind, können geeignete Maßnahmen ver-
                                                 So gab nur etwas mehr als die Hälfte der
nünftig diskutiert und schließlich auch ge-
                                                 Befragten an, über geeignete Kenntnisse
troffen werden. Die reine Menge an Daten
                                                 zu verfügen, um mit Data Analytics Effi-
ist folglich auch bereits eine Qualität und
                                                 zienzsteigerungen zu erreichen. Das ver-
somit eine Voraussetzung für passende
                                                 wundert, auch vor dem Hintergrund, dass
Lösungen.
                                                 solche Effizienzsteigerungen fast immer
Eine große Rolle für die Datenqualität           nur die zweite Seite der Medaille erfolgrei-
spielt zudem der Prozess ihrer Gewin-            chen ESG-Managements sind.
nung. Denn nur wenn Daten in gleichblei-
                                                 Unsere Analyse zeigt außerdem, dass
bender Qualität zum benötigten Zeitpunkt
                                                 sich die Pandemie als Digitalisierungstrei-
vorliegen, sind sie vergleichbar und von
                                                 ber etabliert hat. Rund 70 Prozent der Be-
Nutzen. Um diese Vergleichbarkeit und
                                                 fragten nahmen die Corona-Pandemie
schnelle Verfügbarkeit zuverlässig zu ge-
                                                 zum Anlass, sich stärker mit der Digitali-
währleisten, sind wiederum automatisierte
                                                 sierung ihres Unternehmens ausein-

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Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                              Erfolgsfaktor Automatisierung

anderzusetzen. Offensichtlich führt das          Gebäude, sondern vor allem auch in die
pandemiebedingte „new normal“ im Alltag          Köpfe der Menschen zu bringen.
mit Homeoffice, Remote Work und den all-
                                                 Ich bin guter Dinge, dass uns dies gelin-
gemein eingeschränkten Möglichkeiten,
                                                 gen wird. Denn in den vergangenen sechs
im Büro zu arbeiten, dazu, dass die Vor-
                                                 Jahren setzte sich auch bei zurückhalten-
teile automatisierter Prozesse bei Zah-
                                                 den Marktteilnehmern mehr und mehr die
lungsverkehr, Controlling, Dokumentana-
lyse und Reporting klarer erkannt werden.        Erkenntnis durch, dass in der Digitalisie-
                                                 rung nicht nur ein enormes Potenzial für
Dennoch: Auch im Jahr der sechsten Di-           die Immobilienwirtschaft steckt, sondern
gitalisierungsstudie von ZIA und EY be-          dass sie heute vielmehr eine Conditio sine
obachte ich eine meines Erachtens noch           qua non für dauerhaften wirtschaftlichen
immer zu zaghaft agierende Branche, die          Erfolg der Unternehmen ist.
die Vorteile der Digitalisierung zu wenig
                                                 Ihr Martin Rodeck
erkennt und nutzt. So wird unsere Auf-
gabe auch weiterhin darin bestehen, Digi-
talisierung nicht nur in Stadträume und

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3. Design der Studie

Die sechste Studie von ZIA (Zentraler Im-        Expert:innen mit einem starken Bezug zur
mobilien Ausschuss e. V.) und EY Real            Digitalisierung in der Branche. Die Studie
Estate (Ernst & Young Real Estate                befasst sich wie in den Vorjahren mit ak-
GmbH) beschäftigt sich mit der Digitalisie-      tuellen digitalen Themen und Trends in
rung in der deutschen Immobilienwirt-            der Immobilienbranche. Das diesjährige
schaft. Wie in den Jahren zuvor basiert          Fokusthema lautet „Erfolgsfaktor Automa-
auch die diesjährige Ausgabe unserer Di-         tisierung“.
gitalisierungsstudie auf einer standardi-
sierten Umfrage, die im Sommer 2021              Die diesjährige Ausgabe beschäftigt sich
durchgeführt wurde. Rund 220 Mitarbei-           also mit jenen digitalen Technologien, Lö-
tende sowohl von privatwirtschaftlichen          sungen und Ansätzen, die bislang manuell
als auch von öffentlichen Unternehmen            von Menschen erbrachte Leistungen und
mit Bezug zu Immobilien gaben eine per-          Prozesse in den Unternehmen selbst oder
sönliche Einschätzung zum Thema Digita-          in, an und um Immobilien maschinell er-
lisierung in der Immobilienwirtschaft ab.        setzen. Die Anwendung dieser Technolo-
Neben der breit gestreuten Einschätzung          gien steigert nicht nur direkt die Produkti-
des Marktes runden Interviews mit ausge-         vität, sondern spielt auch vor dem Hinter-
wählten Persönlichkeiten aus der Immobi-         grund des sich rasant verschärfenden
lienwirtschaft unsere Studie ab. Bei den         Fachkräftemangels eine wichtige Rolle für
Interviewten handelt es sich um                  den zukünftigen Erfolg in der Branche.

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1. Welcher der folgenden Kategorien gehört das Unternehmen an, das Sie im Rahmen
  dieser Umfrage vertreten?

                 Immobilieninvestor/Bestandshalter                                             26%
                                   Asset Manager                                       18%
                                 Projektentwickler                         10%
                                 Berater/Vermittler                        9%
                      Wohnungs(bau)unternehmen                        8%
 Facility Manager/Technischer Gebäudedienstleister               6%
                          PropTech-Unternehmen              4%
                                Property Manager           3%
                       Non-Property-Unternehmen        2%
                           Stadtwerke (Versorger)     1%
                                          Sonstige                               13%

Die Teilnehmerstruktur der Umfrage bildet              relativ junge Branchensegment unterliegt
die gesamte Wertschöpfungskette der Im-                allerdings schon naturgemäß einer größe-
mobilienwirtschaft ab. Ein anteiliger                  ren Schwankung. Nach dem anfänglichen
Schwerpunkt der Teilnehmer:innen liegt                 Hype ist jetzt die Phase der Konsolidie-
bei Immobilieninvestoren und Bestands-                 rung eingetreten und die COVID-19-Pan-
haltern (26 Prozent) sowie Asset Mana-                 demie dürfte die daraus resultierende
gern (18 Prozent).                                     Volatilität noch einmal verstärkt haben.

Mit einer Quote von 8 Prozent hat sich der                 Definition PropTech:
Anteil der Wohnungsunternehmen an den
                                                           „PropTech“ ist ein Kofferwort und setzt
Gesamtteilnehmenden im Vergleich zum
                                                           sich aus „Property Services“ (Dienst-
Vorjahr verdoppelt. Dieses Branchenseg-                    leistungen der Immobilienwirtschaft)
ment dürfte ein besonderes Interesse an                    und „Technology“ zusammen. Mit
Automatisierung verspüren. Nicht nur bie-                  „PropTech“ wird die Branche bezeich-
tet die Wohnungswirtschaft die wohl                        net, in der Immobiliendienstleistungen
größte Anzahl standardisierter Prozesse                    durch technische Lösungen angerei-
bei vergleichsweise hoher Frequenz; auch                   chert und/oder verändert werden.
haben viele Wohnungsunternehmen ei-                        PropTechs sind häufig Start-ups und
nen relativ hohen Anteil bereits langjährig                richten sich sowohl an Unternehmen
Beschäftigter, was sie durch die Ge-                       (B2B) als auch an Endverbraucher
schäftsmodelle im Zuge des demografi-                      (B2C). Sie zielen entweder auf effizi-
schen Wandels verstärkt unter Druck                        enzsteigernde Maßnahmen für beste-
                                                           hende Prozesse oder auf die Einfüh-
setzt. Um mehr als die Hälfte abgenom-
                                                           rung neuer Technologien und Ge-
men, nämlich von 10 auf nun 4 Prozent,
                                                           schäftsmodelle ab, die ältere ablösen
hat hingegen der Anteil der Teilnehmer:in-                 könnten.
nen aus PropTech-Unternehmen. Dieses

                                                                                                     7
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2. Wie hoch ist der Umsatz Ihres Unternehmens?

           Bis 10 Mio. € p. a.                   13%

      > 10 bis 30 Mio. € p. a.                    15%

     > 30 bis 100 Mio. € p. a.               13%

    > 100 bis 250 Mio. € p. a.                   14%

    > 250 bis 500 Mio. € p. a.             11%

            > 500 Mio. € p. a.                                                  34%

Hinsichtlich der Umsätze liegt in diesem           Umsatzgröße dem mittleren Umsatzbe-
Jahr mit 45 Prozent ein deutlicher                 reich zu (30 bis 250 Millionen Euro pro
Schwerpunkt bei besonders umsatzstar-              Jahr). Rund 28 Prozent gaben an, bis zu
ken Unternehmen (mehr als 250 Millionen            10 Millionen Euro im laufenden Jahr um-
Euro pro Jahr). Dieser Trend der Ver-              zusetzen. Die Heterogenität der Gesamt-
schiebung hin zu den umsatzstärksten               branche spiegelt sich also auch im Teil-
Unternehmen setzt sich nun schon seit              nahmefeld der Umfrage. Erstmals jedoch
mehreren Jahren fort und kann als Indiz            bilden die besonders umsatzstarken Un-
für eine zunehmende digitale Reife der             ternehmen die größte Gruppe des Teil-
Branche gewertet werden. 27 Prozent der            nehmerfeldes.
befragten Unternehmen ordneten ihre

8
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                               Erfolgsfaktor Automatisierung

4. Momentbetrachtung der Digitalisierung

Unsere jährliche Momentbetrachtung zur            der Einfluss der noch anhaltenden Pande-
Digitalisierung in den Unternehmen ent-           mie als möglicher Impulsgeber für Digita-
hält dieses Jahr neben dem Investitions-          lisierungsmaßnahmen untersucht.
volumen für Digitalisierungsmaßnahmen
und dem digitalen Reifegrad auch eine             In Summe und im Vergleich zu den Vor-
Einschätzung des Entwicklungsstandes              jahren ergibt sich so ein aktuelles bran-
der IT-Infrastrukturen in den Unterneh-           chenübergreifendes Bild der digitalen Ent-
men. Zudem wurde                                  wicklung der Immobilienwirtschaft.

3. Wie viel Prozent des Jahresumsatzes investiert Ihr Unternehmen ungefähr in Maß-
  nahmen zur Digitalisierung?

   < 1%                                                22%

   1-3%                                                                          35%

   3-5%                                                      25%

  5-10%                     9%

 10-20%                6%

  > 20%           3%

Während gut jedes fünfte Unternehmen              Gegenläufig stieg der Anteil der Unterneh-
weniger als 1 Prozent seines Jahresum-            men mit besonders hohen Umsätzen, bei
satzes für die Digitalisierung aufwendet,         denen nominell hohe Digitalisierungsin-
investieren 35 Prozent der befragten Un-          vestitionen nur einen geringen Anteil des
ternehmen im Jahr 2021 zwischen 1 und             Jahresumsatzes ausmachen, deutlich an.
3 Prozent ihrer Gesamtumsätze in Digita-          Vor diesem Hintergrund relativieren sich
lisierungsmaßnahmen. Ein Viertel der Be-          die Ergebnisse etwas.
fragten investiert in diesem Jahr zwischen
3 und 5 Prozent des jeweiligen Jahresum-          In Bezug auf die Investitionstätigkeit lässt
satzes.                                           sich insofern von einer Stagnation spre-
                                                  chen. Verschiedene Ursachen sind vor-
Der Anteil der Unternehmen, die mehr als          stellbar: So könnte das unsichere Umfeld
ein Fünftel ihres Umsatzes – einen beson-         in der Pandemie dazu geführt haben, dass
ders hohen Anteil – in Digitalisierungs-          Budgetvergaben zunächst pausiert bzw.
maßnahmen investieren, ist auf 3 Prozent          gestrichen wurden oder dass die Branche
gesunken. Jedoch nahmen prozentual                bereits eine gewisse Reife erreicht hat
weniger PropTech-Unternehmen teil, die            und die vergleichsweise hohen Anfangs-
einen Großteil ihrer Umsätze für Digitali-        investitionen schlicht nicht mehr nötig
sierungsmaßnahmen aufwenden.                      sind.

                                                                                            9
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

4. In welchem Reifegrad der digitalen Transformation befindet sich Ihr Unternehmen?

                                       Digitale Exzellenz
                                         50%

                                         40%

                                         30%

                                         20%

                                         10%

  Orientierungsphase                      0%                                 Entwicklungsphase

                                      Etablierungsphase

                             2018        2019               2020    2021

Der größte Teil der befragten Unterneh-               später mit 3 Prozent auf einmal nur noch
men (48 Prozent) befindet sich nach eige-             weniger als die Hälfte.
ner Einschätzung momentan im Bereich
der Entwicklungsphase der digitalen                   Diese Veränderung in der Selbsteinschät-
Transformation. 41 Prozent der Stu-                   zung könnte auf zwei Hauptursachen zu-
dienteilnehmer:innen hingegen verorten                rückzuführen sein: Zum einen entwickeln
sich bereits einen Schritt weiter, in der             sich digitale Technologien und Standards
Etablierungsphase. Mehr als 80 Prozent                kontinuierlich weiter; nach Erreichung ei-
der Unternehmen befinden sich somit auf               nes gewissen Digitalisierungsgrades
den mittleren Abschnitten des Reifegrad-              müssen Unternehmen an weiteren Fort-
modells. 8 Prozent der Unternehmen ver-               schritten arbeiten, um in den Folgejahren
orten sich gegenwärtig in der Orientie-               verhältnismäßig auf dem gleichen Niveau
rungsphase und damit noch ganz am An-                 zu bleiben. Zum anderen gibt es eine zu-
fang der Transformation.                              nehmende Anzahl konkreter Anwen-
                                                      dungsbeispiele für die Digitalisierung in-
Dass es sich bei dem Reifegrad um ein                 nerhalb der Immobilienbranche; während
bewegliches Ziel handelt, wird an der                 zu Beginn der ersten Digitalisierungsstu-
Gruppe der Unternehmen mit digitaler Ex-              die Anwendungsbeispiele meist vage aus-
zellenz deutlich. Während sich im vergan-             formuliert werden konnten und rar gesät
genen Jahr noch 8 Prozent der Unterneh-               waren, gibt es mittlerweile in der Branche
men dort verortet hatten, sind es ein Jahr            eine Vielzahl davon.

10
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                Erfolgsfaktor Automatisierung

Alles in allem führen die beiden oben auf-          Vor diesem Hintergrund ist die Branche
geführten Punkte zu einer realistischeren           gut beraten, ihre Motivation nicht zu ver-
Selbsteinschätzung der Unternehmen. So              lieren und sich stattdessen auf die eige-
ist es nicht verwunderlich, dass sich der           nen Stärken zu besinnen – in diesem Fall
Anteil derer, die sich zur digitalen Exzel-         Ausdauer und ein gesundes Maß an Prag-
lenz zugehörig fühlen, im Vergleich zur             matismus bei der Umsetzung. Ansatz-
ersten Digitalisierungsstudie von 2016              punkt dafür bieten die hier im Fokus ste-
halbiert hat, von 6 auf 3 Prozent. Dennoch          henden Automatisierungsmaßnahmen,
hat sich in der Branche in den vergange-            die heute schon umsetzbar und keine va-
nen Jahren einiges getan. Das Thema Di-             gen Zukunftsversprechen mehr sind.
gitalisierung hat auf allen Veranstaltungen
Einzug gehalten und sogar eigene Veran-             Sicherlich: Ein Bestandshalter, der die Er-
staltungsformate hervorgebracht. Hinzu              fassung und Kontierung von Belegen au-
kommt, dass Immobilienunternehmen für               tomatisiert, wird damit nicht zum weltweit
die digitale Transformation nennenswerte            gefeierten Tech-Unicorn, steigert aber
Budgets vorsehen.                                   seine Produktivität, senkt seine Kosten
                                                    wie auch die Preise für die Kunden und si-
Die initial überzogenen Erwartungen                 chert langfristig das eigene Überleben und
konnten sich zunächst nicht manifestieren           die gesellschaftliche Akzeptanz. Und als
– seien es ganz neue Technologien oder              Teil eines gesamthaften Maßnahmenpa-
revolutionäre neue Geschäftsmodelle, die            kets mit zahlreichen Skalenerträgen und
bislang kaum Einzug halten konnten.                 Synergieeffekten birgt eine derart prag-
Viele konkrete Fortschritte ergeben sich            matische Strategie durchaus beachtens-
jedoch in kleinen, kaum merkbaren Schrit-           wertes Erfolgspotenzial im Sinne digitaler
ten, bevor sie dann erst in der Retrospek-          Exzellenz.
tive ihr spürbares Potenzial entfalten.

 Reifegradphasen:
 Orientierungsphase
 Ausgewählte digitale Lösungen werden eingesetzt; Informationen liegen nur teilweise in
 digitaler und strukturierter Form vor; keine konkrete Digitalisierungsstrategie; zahlreiche
 Medienbrüche in betrieblichen Prozessen
 Entwicklungsphase
 Beginnende Digitalisierung; Informationen liegen mehr und mehr in digitaler, strukturierter
 Form vor; betriebliche Prozesse werden teilweise ohne Medienbrüche unterstützt; erste
 strategische Initiativen zur Digitalisierung
 Etablierungsphase
 Fortschreitende Digitalisierung; viele Informationen liegen in digitaler, strukturierter Form
 vor; wesentliche betriebliche Prozesse werden ohne Medienbrüche unterstützt; fortschrei-
 tende Vernetzung von Produkten und Leistungen
 Digitale Exzellenz
 Vollständig digital transformiert; alle betrieblichen Prozesse werden ohne Medienbrüche
 unterstützt; Informationstechnologie hat sich zu einer Kernkompetenz für Wettbewerbs-
 vorteile entwickelt; kontinuierliche Innovation

                                                                                             11
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

5. Für wie gut aufgestellt halten Sie die IT-Infrastruktur Ihres Unternehmens zur Errei-
  chung Ihrer Unternehmensziele?

      Sehr gut                     17%

      Eher gut                                                                   69%

 Eher schlecht               13%

      Schlecht   1%

In der diesjährigen Ausgabe der Digitali-        (17 Prozent) geeignet ein, um die Unter-
sierungsstudie wurde erstmals abgefragt,         nehmensziele damit zu erreichen. Nur
wie es um die IT-Infrastruktur der Unter-        knapp jede:r fünfte sieht sich und sein Un-
nehmen bestellt ist. Diese ist fundamen-         ternehmen als eher schlecht (13 Prozent)
tale Grundlage für die Anwendung aller di-       oder schlecht (1 Prozent) ausgestattet.
gitalen Technologien, so wie der beste
Sportwagen ohne die entsprechende Ver-           Die Ergebnisse stimmen insofern optimis-
kehrsinfrastruktur nichts nutzt. Tendenzi-       tisch, als die Infrastruktur für die digitale
ell benötigen diese Technologien, je wei-        Transformation offenbar gut ist. Dennoch
ter sie fortschreiten, exponentiell stei-        ist in diesem Bereich präemptiver Opti-
gende IT-Ressourcen: Rechenleistung,             mierungsbedarf vorhanden. Die Techno-
stationär vorgehalten oder dezentral ein-        logie entwickelt sich in der Regel schnell,
gekauft, Bandbreiten, ob per Kabel oder          oft sprunghaft und dadurch kaum planbar
kabellos, etc. Eine leistungsfähige künstli-     weiter, sodass die Infrastruktur nicht
che Intelligenz zum Beispiel ist ohne die        rechtzeitig ausgebildet oder ausgebaut
entsprechende Rechenleistung nicht an-           werden kann, wenn man abwartet, bis es
wendbar und ohne Bandbreite weder zu             so weit ist. Wem heute das lokal gehos-
beauftragen noch abzurufen.                      tete Data Warehouse ausreicht, realisiert
                                                 morgen die Vorteile der Public Cloud. Eine
Ein Großteil der Befragten schätzt die IT-       gewisse Redundanz in der Gegenwart für
Infrastruktur ihrer Unternehmen als eher         künftige Anwendungsbereiche bleibt also
gut (69 Prozent) oder sogar sehr gut             unabdingbar.

„Die Digitalisierung bietet zahlreiche Vorteile. Zeitgleich müssen im Hinblick auf die
zunehmenden Regulierungen die Standardisierungspotenziale neu beurteilt werden.
Eine wertstiftende Nutzung von Daten und Informationen ist nicht ausschließlich
durch digitale Technologien zu erreichen, vielmehr ist ein Umdenken der Organisa-
tion notwendig: People Change/Cultural Change.“
Kommentar Studienteilnehmer:in

12
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                Erfolgsfaktor Automatisierung

6. Wie hat Covid-19 die Umsetzung Ihrer Digitalisierungsmaßnahmen beeinflusst?
Bereits im vergangenen Jahr war die                 Katalysator für die digitale Transformation
COVID-19-Pandemie           bestimmendes            der Branche wirkt, da diese schlagartig die
Thema und sie ist- es bis heute, weit über          einzige Möglichkeit war, die Geschäftstä-
die Immobilienwirtschaft hinaus. Oft disku-         tigkeit fortzusetzen.
tiert wurde die These, dass die Pandemie
als

      Deutliche Beschleunigung                                   33%

      Moderate Beschleunigung                                                         52%

 Keine erkennbare Veränderung                 15%

Rund ein Drittel der Befragten bestätigen           Offensichtlich hat sich durch die Pande-
diese These für ihr Unternehmen. Gut die            mie in Sachen Digitalisierung der Immobi-
Hälfte hingegen erlebt die Digitalisierung          lienwirtschaft also tatsächlich etwas be-
ihrer Wirkungsstätten durch die Pandemie            wegt. Es sei dahingestellt, ob sich diejeni-
nur moderat beschleunigt. 15 Prozent der            gen, bei denen sich überhaupt nichts ver-
Befragten erkennen sogar überhaupt                  ändert hat, bereits zuvor besonders her-
keine Veränderung der Dynamik bei sich              vorgetan hatten oder ohnehin Geschäfts-
im Unternehmen.                                     modelle ohne entsprechenden Bedarf ver-
                                                    folgen.

                                                                                             13
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

5. Digitale Trends in der Immobilienwirtschaft

Auf den nun bereits dargestellten Status            Technologien und Anwendungen Nutzen
quo folgen in diesem Kapitel die Trendpo-           stiften.
tenziale, die die Digitalisierung für die
deutsche Immobilienwirtschaft mit sich              Anschließend wird das Trendpotenzial
bringt.                                             einzelner digitaler Technologien und An-
                                                    wendungen aufgezeigt und analysiert, wo
Im ersten Schritt wird dafür betrachtet, in         für die Unternehmen grundsätzliche Her-
welchem Bereich der Immobilienwirt-                 ausforderungen bei der Umsetzung einer
schaft besonderes Digitalisierungspoten-            Digitalisierungsstrategie bestehen.
zial identifiziert wird und wo digitale

7. In welchem Bereich der Immobilienwirtschaft sehen Sie das größte Potenzial für Di-
  gitalisierung?
Jeweils 17 Prozent der Befragten sehen              leistungen über- und vom Facility Ma-
im Property Management und bei Ener-                nagement eingeholt. Maßgeblich für diese
giedienstleistungen das größte Potenzial            Relevanzverschiebung dürfte die immens
digitaler Technologie. Für jeweils 16 Pro-          gestiegene Priorisierung nachhaltigen
zent der Teilnehmer:innen gilt dies für das         Wirtschaftens sein, die zuvorderst durch
Facility und das Asset Management. Wäh-             Verbrauchsoptimierung (Energiedienst-
rend im vergangenen Jahr noch 45 Pro-               leistungen) und einen effizienteren Ge-
zent der Befragten im Property und im As-           bäudebetrieb (Facility Management) avi-
set Management die größten Digitalisie-             siert wird. Beide Bereiche erreichten noch
rungspotenziale identifizierten, wurde              im Vorjahr nur einstellige Zustimmungsra-
Letzteres nun von den Energiedienst-                ten.

                                                                  Property Management

                            5%
                      8%              17%                         Energiedienstleistungen (z. B.
                                                                  Smart Metering)

               10%                                                Facility Management

                                                                  Asset Management
                                              17%
              11%
                                                                  Portfolio Management

                                                                  Bauwesen
                      16%             16%

                                                                  Immobilienvermarktung

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Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                     Erfolgsfaktor Automatisierung

Weniger Potenzial erkennen die Befra-                         Dieser Widerspruch lässt sich vielleicht
gungsteilnehmer:innen in den Bereichen                        dadurch erklären, dass diese Bereiche
Portfolio Management, Bauwesen, Immo-                         tendenziell auf weniger standardisierten,
bilienvermarktung und Finanzierung. Das                       repetitiven Prozessen bei relativ niedrigen
mag auf den ersten Blick erstaunen, da                        Frequenzen beruhen, die eine weitrei-
etwa die Finanzierung mit Themen wie                          chende Automatisierung weniger nutzen-
Blockchain, Tokenisierung und Crowd In-                       stiftend erscheinen lassen könnten, als es
vesting oder der Transaktionsbereich mit                      etwa im buchhalterischen Property Ma-
Data Analytics zur Standort- oder Objek-                      nagement oder dem Beschwerdema-
tanalyse in der Branchenöffentlichkeit pro-                   nagement der Fall sein mag.
minent diskutiert werden.

8. Bitte bewerten Sie die folgenden Aussagen: Digitale Technologien und Anwendun-
  gen führen zu einer ...

   ... Geschäftsprozess-optimierung/-automatisierung                   71%                     28%       1% 0%

  ... Generierung nützlicher Daten und Informationen                 57%                    40%         3% 0%

                                 ... Standardisierung                60%                    34%         5% 1%

            ... wertstiftenden Nutzung von Daten und
                                                                 45%                     49%            5% 1%
                            Informationen

         ... Erhöhung der Mieter-/Nutzerzufriedenheit         31%                  58%              10% 1%

       ... Belastbarkeit der Entscheidung/Vorhersage          31%                  54%             14%     1%

      ... Möglichkeit der Entwicklung/Erweiterung der
                                                               38%                 40%            21%      1%
                      Geschäftsmodelle
         ... Reduzierung des Energie- und
                                                              33%              45%                21%      1%
 Ressourceneinsatzes (z. B. von Strom, Wasser etc.)

                                ... Kosteneinsparung         30%             43%                  26%      1%

          Ich stimme zu      Ich stimme eher zu         Ich stimme eher nicht zu         Ich stimme nicht zu

Mit Blick auf die Effekte digitaler Techno-                   Studienteilnehmer:innen die Generierung
logien und Anwendungen hat die Ge-                            nützlicher Daten und Informationen
schäftsprozessoptimierung und -automa-                        (97 Prozent) und deren wertstiftende Nut-
tisierung in diesem Jahr den Spitzenplatz                     zung (94 Prozent) sowie eine zuneh-
eingenommen: 98 Prozent der Befragten                         mende Standardisierung (94 Prozent).
stimmen der Aussage zu, dass dies ein
Effekt der digitalen Transformation sei.                      In einem gewissen Widerspruch dazu ste-
Weiterhin      versprechen       sich   die                   hen die vergleichsweise niedrigen

                                                                                                                 15
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

Zustimmungsraten bei den erwarteten              durch digitale Technologien erwarten.
Kosteneinsparungen und der Reduzie-              Diesen Effekt sahen 2018 noch 91 Pro-
rung des Energie- und Ressourceneinsat-          zent, während es heute nur noch 78 Pro-
zes. Mehr als jede:r vierte beziehungs-          zent sind.
weise jede:r fünfte Befragte sieht diese Ef-
fekte durch den Einsatz digitaler Techno-        Im Mittelfeld der antizipierten Effekte be-
logien nicht gegeben. Das ist umso be-           finden sich in diesem Jahr die Belastbar-
merkenswerter, als gerade diese Optimie-         keit von Entscheidungen und Vorhersa-
rungspotenziale hinter den kaum hinter-          gen (85 Prozent) und die Erhöhung der
fragten Effekten stehen, die zu Kosten-          Mieter-/Nutzerzufriedenheit mit 90 Pro-
senkungen führen: etwa der wertstiftende         zent Zustimmung. Dieser Effekt könnte je-
Nutzen von Informationen, mit denen sich         doch mit Auslaufen der Infektionsschutz-
Ressourcenverbräuche minimieren las-             maßnahmen und der erwarteten Rück-
sen.                                             kehr ins Büro, in die Einkaufszentren und
                                                 Hotels absehbar an Bedeutung gewinnen.
Ursache für diese Inkongruenz der antizi-
pierten Effekte digitaler Technologien           Insgesamt bestätigt sich bei der Analyse
könnte die noch immer geringe Anwen-             der in der Branche antizipierten Digitalisie-
dungserfahrung großer Teile der Branche          rungseffekte der Eindruck, der schon bei
sein. So werden auf einer kursorischen           der Abfrage der Reifegradphasen durch-
Ebene Optimierungspotenziale und wert-           schien: Positiv betrachtet ist Realismus
stiftende Informationsgenerierung kaum           eingezogen. Kritik- und verbesserungs-
bezweifelt. Konkrete Anwendungsfelder            würdig erscheint der Spread zwischen ho-
aber werden offenbar noch zu selten er-          her Zustimmung zu übergeordneten,
schlossen. Eine weitere mögliche Erklä-          schwer fassbaren, dafür aber weithin un-
rung liegt darin, dass die Branchenteilneh-      strittigen Globaleffekten wie „Optimie-
mer:innen noch unter dem Eindruck hoher          rung“ und die dazu im Widerspruch ste-
Anfangsinvestitionen stehen, deren Amor-         hende spürbar geringere Zustimmung bei
tisierung Zeit braucht, bevor im konkreten       enger gefassten, direkteren Anwendungs-
Anwendungsfall – wie einer Verbrauchs-           effekten wie der Verbrauchsoptimierung.
minimierung – eine schwarze Zahl sicht-          Es wird eine Hauptaufgabe der mit der di-
bar wird.                                        gitalen Transformation befassten Akteure
Gesunken – wenn auch auf hohem Ni-               sein, diese Lücke durch pragmatische,
veau – ist der Anteil der Befragten, die         schrittweise Maßnahmen in den Unter-
eine Erweiterung von Geschäftsmodellen           nehmen selbst zu schließen.

„Aus meiner Sicht steckt in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft ein erhebliches
Potenzial. Es gilt, das Potenzial gemeinsam im Sinne einer unternehmensübergreifen-
den Kollaboration zu ermitteln und auszuschöpfen.“
Kommentar Studienteilnehmer:in

16
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                 Erfolgsfaktor Automatisierung

9. Wie beurteilen Sie das zukünftige Trendpotenzial der folgenden digitalen Technolo-
  gien und Anwendungen?

Beim Blick auf das Trendpotenzial unter-            Überwiegend mittel- bis langfristiges
schiedlicher Technologien und Anwen-                Trendpotenzial (ab zehn Jahren) sehen
dungen hat sich das Bild im Vergleich zum           die Befragten in den Bereichen Vir-
Vorjahr deutlich verschoben. Gemeint                tual/Augmented Reality, bei neuartigen
sind damit die Zeiträume, innerhalb derer           Transporttechnologien wie Drohnen und
die unterschiedlichen Technologien und              für Smart Contracts. Während sich die
Ansätze ihre Potenziale vollständig entfal-         beiden letztgenannten Technologien oh-
ten.                                                nehin noch in eher frühen Entwicklungs-
                                                    stadien befinden, verwundert die Ein-
Während von den meisten Befragten in                schätzung für Virtual/Augmented Reality
diesem Jahr dem 3D-Druck ein kurzfristi-            etwas. Diese Technologien sind bereits
ges Trendpotenzial (unter fünf Jahre) zu-           seit Jahren auch in der Immobilienwirt-
geschrieben wird, sahen viele Teilneh-              schaft im Einsatz. Noch im vergangenen
mer:innen des vergangenen Jahres des-               Jahr wurde das Potenzial zeitlich deutlich
sen Potenzial noch deutlich langfristiger.          greifbarer eingeschätzt.
Offenbar haben die auch medial aufgegrif-
fenen Fortschritte erster „gedruckter“ Häu-         Zudem sind diese Technologien in der
ser zu einer Neubewertung dieser Tech-              Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkun-
nologie geführt. Ebenfalls ein kurzfristiges        gen umso wichtiger geworden und end-
Trendpotenzial haben nach Ansicht der               gültig im Alltag angekommen. Möglicher-
Befragten Technologien aus dem Bereich              weise herrscht mittlerweile eine gewisse
Big Data/Data Mining/Data Analytics.                Übersättigung vor. Auch kann unterstellt
Vor einem Jahr wurde deren Potenzial e-             werden, dass solche bereits breit genutz-
her mittelfristig (unter zehn Jahre) einge-         ten Technologien von den Befragten über-
ordnet.                                             haupt nicht mehr als Innovation

                                                                                           17
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

wahrgenommen werden und stattdessen              Branchen und Unternehmen im Einsatz.
etwa Hologramme oder Ähnliches dieser            Auch in der Immobilienwirtschaft gibt es
Kategorie zugeordnet werden, die erst in         bereits zahlreiche Anwendungsbeispiele,
weiterer Zukunft eine Rolle spielen dürf-        etwa die automatische Erfassung und
ten.                                             Kontierung von Belegen oder im Be-
                                                 schwerdemanagement in der Wohnungs-
Robotics, künstliche Intelligenz und Ma-         wirtschaft. Die Verbreitung der Anwen-
chine beziehungsweise Deep Learning              dungen ist allerdings offenbar noch nicht
verfügen nach Ansicht der Befragten              so weit vorangeschritten, dass eine Mehr-
überwiegend über mittelfristiges Trendpo-        heit der Befragten hier bereits kurzfristiges
tenzial. Diese Technologien sind zentral         Potenzial erkennen würde.
für Automatisierungsanwendungen und in
dieser Funktion bereits in zahlreichen

18
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                             Erfolgsfaktor Automatisierung

Funktionsbeschreibung digitaler Technologien und Anwendungen
                     Augmented Reality (AR) erweitert die reale Welt des/der Nutzer:in mit virtuellen Inhalten über eine Brille,
AR                   mobile Geräte oder mit holografischen Systemen. Virtuelle Inhalte können Texte, Videos, Grafiken, Ani-
                     mationen oder 3D-Objekte sein.
                     Building Information Modeling (BIM) ist eine Methode, Bauwerke anhand eines konsistenten digitalen
                     3D-Gebäudemodells darzustellen, das alle relevanten Informationen über den gesamten Lebenszyklus
BIM                  abbildet. Diese Informationen ermöglichen Effizienz in der Planung, im Entwurf, in der Konstruktion und
                     in der Verwaltung von Gebäuden und Infrastruktur.

                     Bei der Blockchain handelt es sich um eine dezentrale Datenbank, die im Netzwerk auf einer Vielzahl
Blockchain           von Rechnern gespiegelt vorliegt. Durch einen Konsensmechanismus wird die Authentizität der Daten-
                     bankeinträge sichergestellt, sodass Informationen fälschungssicher übermittelt werden können.

Cloud-Techno- Cloud-Technologien betreffen die Bereitstellung von Computing-Ressourcen (zum Beispiel Server,
              Speicher, Software etc.) über das Internet („die Cloud“). IT-Infrastrukturen können so über ein Netzwerk
logien        bereitgestellt werden, ohne dass sie lokal vorhanden sein müssen.
                     Data Analytics bezieht sich auf die detaillierte Analyse strukturierter wie auch unstrukturierter Daten, die
                     durch Software, Sensoren und die Kommunikation über digitale Kanäle entstanden sind. Ziel ist es,
Data Analytics       Muster in Daten zu erkennen, zu interpretieren und zu kommunizieren, um Unternehmensentscheidun-
                     gen zu unterstützen. Erkenntnisse können zur Verbesserung von Prozessen und der Qualität in Unter-
                     nehmen genutzt werden.
                     Digitale Plattformen und Ökosysteme sind soziotechnische Systeme, die neben der digitalen, techni-
Digitale Platt-      schen Komponente auch Organisationen und Menschen sowie deren Beziehungen untereinander ein-
formen und           schließen. Ein digitales Ökosystem kann durch eine digitale Plattform eines Unternehmens entstehen,
Ökosysteme           wenn dieses in der Lage ist, ein Netzwerk aus Partnern, Kunden, Entwickler:innen und anderen Akteu-
                     ren zu kreieren und zu verwalten.

                     Das Internet of Things (IoT) bezeichnet die Vernetzung von physischen und virtuellen Gegenständen
IoT                  mit dem Internet, sodass diese durch Informations- und Kommunikationstechniken kommunizieren und
                     somit verschiedene Aufgaben für den/die Nutzer:in erledigen können.

                     Künstliche Intelligenz (KI) befasst sich mit Methoden des intelligenten Problemlösungsverhaltens von
KI                   Computersystemen. Die menschliche Intelligenz soll möglichst nachgebildet werden, sodass Computer
                     in der Lage sind, Aufgaben zu lösen, die von Menschen Intelligenz erfordern.

Machine Lear- Machine Learning umfasst verschiedene Arten des Selbstlernens von Systemen der künstlichen Intelli-
              genz, um daraus Schlussfolgerungen und Aktionen aufgrund von Gesetz- oder Regelmäßigkeiten ab-
ning          zuleiten.
                     Robotertechnik oder Robotics beschäftigt sich mit der Entwicklung, der Steuerung, der Produktion und
                     dem Betrieb elektromechanischer Maschinen oder virtueller Agenten, die in verschiedenen Bereichen
Robotics             für unterschiedliche Aufgaben Anwendung finden. Vor allem wird diese Technik für hochrepetitive Un-
                     ternehmensprozesse eingesetzt.
                     Smart Contracts sind elektronische Verträge, die hinterlegte Regeln automatisch überwachen und bei
Smart                einem bestimmten Auslöseereignis definierte Aktionen ausführen. Somit können viele Arten von Ver-
Contracts            tragsklauseln automatisch ausgeführt oder durchgesetzt und so Transaktionskosten gesenkt und die
                     Prozessqualität und -geschwindigkeit gesteigert werden.
                     Virtual Reality (VR) ermöglicht es dem/der Nutzer:in voll und ganz, eine virtuelle Welt mittels einer VR-
                     Brille zu erleben. Im Gegensatz zur Augmented Reality muss die entsprechende Person nicht vor Ort
VR                   sein, um die Inhalte zu erfahren, sondern kann sich ortsunabhängig in der virtuellen Welt bewegen und
                     interagieren.

                                                                                                                               19
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

10. Wo sehen Sie, abgesehen von fehlenden personellen Ressourcen, die größten
    Herausforderungen für Ihr Unternehmen im Rahmen der Umsetzung von Digitali-
    sierungsmaßnahmen?

 Intransparente Datenstruktur, mangelnde Datenqualität        21%                44%                     27%          8%

                                       Nutzerakzeptanz      8%             41%                     40%               11%

                    Veraltete, nicht integrierte Software   10%           34%               31%           25%

                                   Kosten/Investitionen     11%           32%                     44%                13%

                      Unternehmenskultur/Fehlerkultur       11%           30%               37%            22%

                     Fehlende Digitalisierungsstrategie     8%         28%             34%               30%

                          Datensicherung/Datenschutz        12%          23%           36%               29%

     Unkenntnis über Einsatzmöglichkeiten im aktuellen
                                                            10%       24%              36%               30%
                     Geschäftsmodell

        Leistungsfähigkeit der gewählten Technologien 3%            30%                     49%                 18%

     Fehlendes Angebot an technologischen Lösungen 3%              24%               45%                       28%

               Ich stimme zu        Ich stimme eher zu           Ich stimme eher nicht zu         Ich stimme nicht zu

Naturgemäß ist die digitale Transforma-                      strategien fehlt, wird immer seltener be-
tion mit zahlreichen Herausforderungen                       mängelt. Offenbar sind also mittlerweile
verbunden. Die gute Nachricht vorweg:                        die technologischen Voraussetzungen
Die abgefragten Herausforderungen wer-                       meist gegeben. Die konkrete Gestaltung
den allesamt nicht als besonders gravie-                     der Transformation rückt in den Fokus und
rend betrachtet. Lediglich die intranspa-                    stellt die Akteure vor neue Herausforde-
rente Datenstruktur und mangelnde Da-                        rungen. Wie lassen sich Bestandssys-
tenqualität erreichte als deutlichste Her-                   teme von neuen Lösungen ablösen oder
ausforderung eine Zustimmungsrate von                        ergänzen? Wie muss die Datenbasis
über 60 Prozent der Befragten.                               strukturiert werden?

Auch veraltete, nicht integrierte Software                   In diese Richtung deutet auch, dass als
wurde vergleichsweise häufig als Heraus-                     vergleichsweise große Herausforderung
forderung genannt. Als geringste Heraus-                     die Nutzerakzeptanz wahrgenommen
forderungen wahrgenommen werden hin-                         wird. Wie in allen Change-Prozessen
gegen die Leistungsfähigkeit der techno-                     rückt die Akzeptanz der Belegschaft, so-
logischen Lösungen (33 Prozent) sowie                        bald es konkret wird, mit Macht in den
deren fehlendes Angebot (27 Prozent).                        Fokus.
Auch dass es an Digitalisierungs-

20
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                             Erfolgsfaktor Automatisierung

Top-5-Herausforderungen bei der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie im Zeit-
verlauf

                  2016                                           2017                                        2018
 1)    fehlende personelle Ressourcen         1)     fehlende personelle Ressourcen          1)   fehlende personelle Ressourcen
 2)    Fachkräftemangel                       2)     fehlende Digitalisierungsstrategie      2)   fehlende Digitalisierungsstrategie
 3)    Unkenntnis über Einsatzmöglichkei-     3)     intransparente Datenstruktur, man-      3)   intransparente Datenstruktur, man-
       ten im aktuellen Geschäftsmodell              gelnde Datenqualität                         gelnde Datenqualität
 4)    fehlende Digitalisierungsstrategie     4)     veraltete, nicht integrierte Software   4)   Fachkräftemangel
 5)    mangelnde finanzielle Mittel           5)     Fachkräftemangel                        5)   Datenschutz

                   2019                                          2020                                        2021*
 1)    fehlende personelle Ressourcen         1)     fehlende personelle Ressourcen          1)   intransparente Datenstruktur, man-
 2)    Fachkräftemangel                       2)     intransparente Datenstruktur, man-           gelnde Datenqualität,
 3)    intransparente Datenstruktur, man-            gelnde Datenqualität                    2)   Nutzerakzeptanz
       gelnde Datenqualität                   3)     Mangelnde Nutzerakzeptanz/Bereit-       3)   veraltete, nicht integrierte Software
 4)    veraltete, nicht integrierte Soft-            schaft für Veränderungen                4)   Kosten/Investitionen
       ware                                   4)     fehlendes Bewusstsein bzgl. der         5)   Unternehmenskultur/Fehlerkultur
 5)    Datenschutz                                   Unterscheidung zwischen IT und
                                                     Digitalisierung
                                              5)     Fachkräftemangel

*Fehlende personelle Ressourcen wurden bei der diesjährigen Befragung nicht berücksichtigt

11. Welcher der folgenden Aussagen in Bezug auf das Marktumfeld der Digitalisie-
    rung stimmen Sie zu?
Entscheidenden Einfluss auf den Verlauf                              ein professionelles und Daten und deren
der digitalen Transformation hat, neben                              Analyse die Grundlage für ein zielführen-
den bereits betrachteten Technologien                                des ESG-Management sind.
und Anwendungen, das Marktumfeld.
                                                                     Nachhaltigkeit ist insofern das bestim-
Einen besonders starken Treiber der Digi-                            mende Momentum für die Digitalisierung
talisierung bildet das Themenfeld der                                der Immobilienwirtschaft – und das sogar
Nachhaltigkeit. So stimmen fast alle Be-                             noch deutlicher vor dem Hintergrund,
fragten der Aussage zu, dass Datentrans-                             dass rund 70 Prozent der Befragten die
parenz die Chancen erhöht, ESG-Krite-                                COVID-19-Pandemie zum Anlass nah-
rien (Environmental, Social, Governance)                             men, sich stärker mit der Digitalisierung
in das Geschäft zu integrieren. Auch ist                             ihres Unternehmens auseinanderzuset-
nahezu unstrittig, dass digitale Technolo-                           zen.
gien und Anwendungen der Schlüssel für

                                                                                                                          21
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

       „Datentransparenz erhöht aus unserer Sicht die
                                                                    49%                     48%            3% 0%
           Chancen, ESG-Kriterien zu integrieren.“

  „Digitale Technologien und Anwendungen sind der
                                                                    51%                     45%            3% 1%
 Schlüssel für ein professionelles ESG-Management.“

     „Daten bzw. die Auswertung von Daten bilden die
                                                                        54%                  41%           5% 0%
      Basis für ein zielführendes ESG-Management.“

      ""Unser Unternehmen verfolgt eine stringente IT-
                                                              24%               55%                  18% 3%
                       Strategie.""
   ""Durch die steigende Menge an erfassten Daten
 und verbesserten Auswertungsmöglichkeiten werden                 38%                42%             18%        2%
  Daten immer mehr zu einer eigenen Assetklasse.""
     „Wir haben uns aufgrund der aktuellen Pandemie
    stärker mit dem Thema Digitalisierung in unserem              32%           40%               25%        3%
            Unternehmen auseinandergesetzt.“
     ""Uns sind die Möglichkeiten verfügbarer Software
                                                            13%           47%                  36%         4%
          und Hardware vollumfänglich bekannt.""
 „Wir würden unsere Daten mit Wettbewerbern teilen,
  wenn wir daraus eine breitere Datenbasis gewinnen        12%            44%               32%         12%
                      würden.“
        „Wir haben geeignete Kenntnisse, um mit Data
                                                        8%               47%                34%         11%
         Analytics Effizienzsteigerungen zu erreichen.“

          Ich stimme zu.     Ich stimme eher zu.         Ich stimme eher nicht zu.         Ich stimme nicht zu.

Auch bei der Betrachtung des Marktumfel-                       Medaille erfolgreichen                 ESG-Manage-
des fällt wieder auf, dass sich konkrete,                      ments sind.
zählbare Effekte der Digitalisierung noch
vergleichsweise selten im Bewusstsein                          Die Möglichkeiten verfügbarer Soft- und
der Branche finden. So gab nur etwas                           Hardware sind nur der Hälfte der Befrag-
mehr als die Hälfte der Befragten an, über                     ten vollumfänglich bekannt. Es wäre si-
geeignete Kenntnisse zu verfügen, um mit                       cherlich vorteilhaft für die Branche, wenn
Data Analytics Effizienzsteigerungen zu                        sich ein gewisser Pragmatismus in der
erreichen. Das verwundert auch vor dem                         Umsetzung einstellen würde.
Hintergrund, dass solche Effizienzsteige-
rungen fast immer nur die zweite Seite der

22
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                 Erfolgsfaktor Automatisierung

6. Ausgewählte Fokusbereiche

Schwerpunkt Automatisierung

Der technologische Fortschritt hat durch            stark bevölkerte Fabriken heute fast selbst
damit einhergehende Automatisierungs-               und arbeitende Menschen in der Fabrik
potenziale seit jeher zu eklatanten Pro-            sind zur Seltenheit geworden. Konsu-
duktivitätssprüngen geführt. Man denke              ment:innen bestellen direkt beim Produ-
an den Einsatz der Dampfmaschine, die               zenten, der Vertrieb wurde durch den On-
Einführung flächendeckender Elektrizi-              line-Shop ersetzt. Sachbearbeiter:innen
tätsversorgung oder von Verbrennungs-               für die Buchhaltung haben ein Programm
motoren und die mit dem Fließband maß-              statt zehn Kolleg:innen, und wo die Kom-
geblich vorangetriebene Serienproduk-               munikation nicht bereits komplett digital
tion. Manuelle Arbeiten wurden jeweils              abgewickelt wird, ist die Poststelle einem
von automatisierten Prozessen abgelöst              Scanner gewichen.
und im gleichen Zuge Skalenerträge er-
zielt und Synergieeffekte gehoben. Im               Wie bereits die Erhebungen der Vorjahre
Verlauf dieser technologischen Entwick-             gezeigt hatten, verläuft die digitale Trans-
lungen wurden politische Machtverhält-              formation in der Immobilienwirtschaft zö-
nisse neu definiert, ganze Volkswirtschaf-          gerlicher als in anderen Wirtschaftszwei-
ten in die Knie gezwungen, Unternehmen              gen. Der Hauptgrund dürfte sein, dass die
und Konzerne dem Untergang geweiht                  Branche kaum im internationalen Wettbe-
und Individuen in Elend und Armut entlas-           werb steht und Produktivitätssteigerungen
sen. Andererseits verdanken wir dem                 für geringere Kosten und wettbewerbsfä-
technischen Fortschritt und immer weiter            hige Preise daher bislang weniger not-
steigenden Automatisierungsgraden un-               wendig erschienen als beispielsweise in
seren heutigen wirtschaftlichen Wohl-               der Automobilindustrie oder generell im
stand, der sich mit der Produktivität in ei-        produzierenden oder exportorientierten
ner zentralen Kennzahl niederschlägt.               Gewerbe.

Die digitale Transformation ermöglicht              Diese zurückhaltende Tendenz der Bran-
eine neue Art der Automatisierung. Im               che steht allerdings an einem Kipppunkt.
Zentrum der genannten historischen Ent-             Zunächst spielt die Produktivität heute
wicklungen stand zumeist der Ersatz                 auch für die Immobilienwirtschaft eine ent-
menschlicher, physischer Arbeitskraft               scheidendere Rolle: Gestiegene Flächen-
durch Maschinen. Die digitale Technolo-             preise sind zum hochrelevanten politi-
gie ist hingegen in der Lage, geistige              schen Thema geworden und stellen Ei-
denk- und wissensbasierte Arbeit zu auto-           gentümer wie auch Produzenten Tag für
matisieren, wie wir sie heute in mannigfal-         Tag vor die Gretchenfrage. Produktivitäts-
tiger Form etwa als „Sachbearbeitung“,              gewinne sind eine der wenigen Möglich-
„Management“, „Verwaltung“ oder „Büro-              keiten, gesellschaftlich wünschenswerte
arbeit“ vorfinden. So steuern sich einst            immobilienpolitische Ziele zu erreichen.
                                                    Gleichzeitig sorgt der anhaltende

                                                                                             23
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

Renditedruck im Niedrigzinsumfeld dafür,         dieser Gemengelage ist mit der nachhalti-
dass Kostensenkungen selbst im Promil-           gen Transformation der Wirtschaft zudem
lebereich alternativlos geworden sind.           ein weiteres Erfordernis mit Macht aufs
                                                 Tableau getreten, das Automatisierung
Neben der neuerdings stärker notwendi-           mit digitaler Technologie erzwingt. Die
gen Produktivitätssteigerung ist zudem           Messung und Auswertung von Verbräu-
der demografische Wandel ein bestim-             chen, von Gebäude- und Umgebungsvari-
mender Faktor, der die Immobilienwirt-           ablen in Echtzeit sowie deren Auswer-
schaft zur Automatisierung zwingt. Mit der       tung, die resultierenden Reportingerfor-
sogenannten Babyboomer-Generation                dernisse und gegebenenfalls sogar die di-
steht eine überproportional große Gruppe         rekte Ableitung konkreter Maßnahmen –
vor dem Ausscheiden aus dem ohnehin              all das ist manuell kaum zu leisten und
inversen Arbeitsmarkt. Die bereits deutlich      wenn doch, dann in einer derart ineffizien-
zutage tretenden Probleme mangelnder             ten Weise, dass es in Zeiten der geschil-
personeller Ressourcen in den Unterneh-          derten Personalsituation völlig deplatziert
men und des Fachkräftemangels sowie              erscheint.
entsprechend starker Konkurrenz am Ar-
beitsmarkt werden sich dadurch bereits in        Digitale Technologien sind das Mittel für
naher Zukunft potenzieren. Immobilienun-         mehr Automatisierung, die den Zwecken
ternehmen, die standardisierte Prozesse          höherer Produktivität, dem Ersatz bald
vielfach noch manuell abbilden, geraten          nicht mehr vorhandener menschlicher Ar-
damit unweigerlich in die Situation, diese       beitskraft und der Nachhaltigkeit dient und
nun automatisieren zu müssen, so sie             somit alles in allem auch für die Immobili-
denn überhaupt den notwendigen Ge-               enwirtschaft unabdingbar ist und daher im
schäftsbetrieb aufrechterhalten wollen. In       Fokus der vorliegenden Erhebung steht.

24
Digitalisierungsstude von ZIA und EY Real Estate 2021
                                                                       Erfolgsfaktor Automatisierung

12. Wie hoch schätzen Sie das Automatisierungspotenzial in den folgenden Anwen-
    dungsfeldern ein?

                                Rechnungsverarbeitung                       78%                     19% 2% 1%

     Controlling (z. B.) automatisierte Berichterstellung)            55%                     42%            3% 0%

               Dokumentenanalyse (z. B. Dokumenten-
                                                                      54%                     43%            2% 1%
                     Management-Systeme)
                                               Reporting                  62%                    34%         4% 0%

                 Datenübertragung zwischen Systemen                       67%                    29%         4% 0%

                      Verwaltung des Zahlungsverkehrs                      69%                    26%        4% 1%

                  Immobilienvermarktung (z. B. virtuelle
                                                             19%                  59%                  20%     2%
                            Besichtigungen)
              Planung von Instandhaltungen (Predictive
                                                             16%                 61%                21%        2%
                           Maintenance)
                                   Immobilienbewertung        22%                50%                27%        1%

                  Mieterkommunikation (z. B. Chatbots)        24%                42%             30%           4%

                          Bauausführung (z. B. Robotik) 4%          34%                 54%                  8%

                                Sehr hoch       Eher hoch     Eher niedrig        Sehr niedrig

Fast alle Unternehmensbereiche und Tä-                       sourcenraubende Routinetätigkeit dar.
tigkeitsfelder bieten Automatisierungspo-                    Das Gleiche gilt für das manuelle Zusam-
tenzial, partiell oder sogar insgesamt. Die                  mentragen der notwendigen Reporting-In-
Befragungsteilnehmer:innen         schätzen                  formationen. Die Automatisierung solcher
dieses im Bereich der Rechnungsverar-                        Tätigkeiten mag zunächst trivial erschei-
beitung und der Verwaltung des Zah-                          nen, erzeugt aber bei der ganz erhebli-
lungsverkehrs am höchsten ein. In der Tat                    chen Zahl von Einzelvorgängen, die die
sind dies wohl auch empirisch die Berei-                     Immobilienwirtschaft zu bieten hat, deutli-
che, die heute am stärksten automatisiert                    che Effizienzgewinne. Das gilt auch für
sind. Das gilt zwar nicht nur im immobi-                     das Controlling und die Dokumentenana-
lienwirtschaftlichen Kontext, hier besteht                   lyse.
aber besonderes Potenzial, denkt man
etwa an sehr regelmäßig zu buchende                          Etwas weniger Automatisierungspotenzial
Mietzahlungen, Verbrauchsabrechnun-                          erkennen die Teilnehmer:innen bei der
gen und Ähnliches.                                           Mieterkommunikation (etwa mit Chat-
Ebenfalls hohes Automatisierungspoten-                       bots). Das kann jedoch als Trugschluss
zial rechnen die Befragten der Datenüber-                    bewertet werden. Gerade die Mieterkom-
tragung zwischen Systemen und dem Re-                        munikation bietet erhebliches Automati-
porting zu. Im Alltagsgeschäft stellt der                    sierungspotenzial, denkt man etwa an das
manuelle Übertrag zwischen nicht kompa-                      Beschwerdemanagement, bei dem es
tiblen Systemen eine zeit- und res-                          sich letztlich um sehr standardisierte

                                                                                                                     25
Digitalisierungsstudie ZIA und EY Real Estate 2021
Erfolgsfaktor Automatisierung

Kommunikation handelt, die in der manu-          Das widerspricht ein wenig dem Ergebnis,
ellen Praxis zu viel Unmut bei allen Betei-      dass der 3D-Druck kurzfristiges Trendpo-
ligten führt und vergleichsweise personal-       tenzial aufweist. Hinsichtlich der deutlich
intensiv ist. Einige Vorreiter vor allem aus     gestiegenen Baukosten und Immobilien-
der Wohnungswirtschaft haben diese Be-           preise wäre mehr Automatisierung in die-
reiche bereits (teil)automatisiert und ver-      sem Bereich wünschenswert und wir-
zeichnen große Erfolge.                          kungsvoll. Momentan mangelt es aber of-
                                                 fenbar noch an gangbaren Anwendungen.
Auch die Immobilienvermarktung, die Im-          In der Gesamtbetrachtung lässt sich fest-
mobilienbewertung und die Planung von            halten, dass der Branche Automatisie-
Instandhaltung (Predictive Maintenance)          rungspotenziale durchaus bewusst sind.
gelten den Studienteilnehmenden als we-          Allerdings werden diese vor allem dort ge-
niger automatisierungsreif. Dieser Ein-          sehen, wo die Automatisierung – auch in
schätzung liegt vermutlich die Annahme           anderen Branchen – ohnehin bereits üb-
zugrunde, dass diese Tätigkeitsfelder auf        lich ist. Auch wird offenbar unterschätzt,
menschlicher Kreativität, Erfahrung oder         dass schon die Teilautomatisierung klei-
Urteilskraft beruhen. Jedoch zeigt die Em-       ner Bereiche einen immensen Einfluss ha-
pirie, dass in all diesen Bereichen bereits      ben kann, wenn die Zahl und die Fre-
marktreife Lösungen existieren, die zu-          quenz der damit abgedeckten Prozesse
mindest eine relevante Teilautomatisie-          nur hoch genug sind. Die genannte
rung ermöglichen.                                Mieterkommunikation ist ein gutes Bei-
                                                 spiel für diesen Wirkungsmechanismus.
Am wenigsten Automatisierungspotenzial
wird der Bauausführung zugeschrieben.

„Größte Herausforderung: Viele Systeme müssen miteinander verknüpft werden. Die
Datenkonsistenz ist durch verschiedene Systeme nicht gegeben.“

Kommentar Studienteilnehmer:in

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