Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium

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Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
DER ZINER   Was steht hinter Medi?

        Fliegen
      und Fallen

  Von Höhen und Tiefen
    im Medizinstudium
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
MEDIZINISCHE LABORATORIEN Dr. F. KAEPPELI AG

Ihnen zuliebe wählt Ihr Arzt
     das beste Labor
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Inhaltsverzeichnis
Editorial                                                                                                   Reportagen
                                                                                                            4    Vergleich der Universitäten
«Im Medizinstudium kann man zwei Dinge wäh-
                                                                                                            8    Studieren rund um die Welt
len: Schlaf, Sozialleben oder Studium. Alles zu-
sammen geht nicht», sagte ein Kommilitone kürz-                                                             14   Abspringen - das Medizinstudium abbrechen?
lich zu mir. Dass unser Leben während den sechs                                                             17   Der Fall - die Tiefen in Studium und Beruf
Jahren an der Uni kein Spaziergang werden würde,                                                            28   Am Anfang einer akademischen Karriere
war uns schon bei der Anmeldung zum Numerus
                                                                                                            31   Die Curriculum-Revolution
Clausus bewusst. Im Nachhinein sagen manche
Ärzte, sie hätten die wertvollste Zeit ihres Erwach-                                                        32   Willkommen in Basel
senenlebens in Bibliotheken verbracht.                                                                      39   Viele Wege führen zum Medizinstudium
                                                                                                            41   Verbinde die Punkte
Gerade weil unsere Ausbildung ein grosses Mass
an Aufopferung erfordert, sollten wir sie ständig
hinterfragen. Lange konnten die Universitäten
an archaischen Ausbildungsmethoden festhalten,
ohne dass jemand protestierte – geschweige denn
eine Alternative bereithielt. Nun bringt das neue
Lehrmodell für das Medizinstudium an der ETH

                                                       Titelbildentstehung - Schnee, Matsch und Trampolin
frischen Wind in die medizinische Ausbildung –
und die Frage drängt sich auf: Ist die Didaktik in
unserem Studium noch zeitgemäss? Und: Wie ge-
hen die Lehrverantwortlichen damit um, dass die
Digitalisierung auch vor den Türen des Kranken-
hauses keinen Halt macht?

Bereits im Herbstsemester 2016 prophezeite ein
Dozent, wir würden in Zukunft alles von einer
Google-Brille ablesen können: Patientendaten,
Normwerte, Differentialdiagnosen, Interaktionen
von Medikamenten. Dann werde das klassische
Pauken von Fakten – woraus unser Studium nach
wie vor zu einem beträchtlichen Teil besteht – vor-
bei sein.
Die medizinische Ausbildung an der ETH steckt
noch in den Kinderschuhen. Die Universität
Zürich ist derzeit in der komfortablen Situation,
ihren Erfolg oder ihr Scheitern abwarten zu kön-
nen. Wenn Ersteres eintritt, kommt sie aber ge-
waltig unter Zugzwang. Das Studium müsste
revolutioniert werden, und das trockene Auswen-
diglernen hätte womöglich ausgedient. Und wer                                                   Rubriken
weiss: Vielleicht haben die Studenten von morgen
                                                                                                10               Im Gespräch
genug von allem: Schlaf, Sozialleben und Studium.
                                                                                                                 Medizin studieren an der ETH
                                Tim Honegger                                                    13               Kulturcafé
                               Redaktionsleiter                                                                  (Un)entbehrlicher Ratgeber fürs Wahlstudienjahr
                                                                                                16               homo politicus
                                                                                                                 Gedanken zur Privatisierung unserer Spitäler
                                                                                                19               Meine Masterarbeit
                                                                                                                 Aus dem Sezieren wird eine Masterarbeit
                                                                                                20               Mein Facharzt
                                                                                                                 Facharzt für Dermatologie und Venerologie
                                                                                                22               Fun
                                                                                                                 Das Dozenten-Memory
                                                                                                24               Medizingeschichte
                                                                                                                 Unser Studium im Wandel
                                                                                                26               Um uns herum
                                                                                                                 Sozialberatung für den medizinischen Erfolg
                                                                                                33               Mein Wahlstudienjahr
                                                                                                                 Von 36-Stunden-Schichten und Katzenimpfungen
                                                                                                42               Kreuzworträtsel

                                                                                                                           Der Ziner, März 2018
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Schweizer Unis im Vergleich
Schluss mit der Gerüchteküche!

Das weiss doch jeder: In Lausanne und Genf ist ein Medizinstudent der Erzfeind
des anderen, die Berner und Basler haben Patientenkontakt, bevor sie wissen, wo
anterior und posterior ist, und die Zürcher Medis wälzen nur verstaubte Bücher
bis kurz vor dem Staatsexamen. Oder? Um frische Luft in die verqualmte Gerüch-
teküche zu bringen, haben wir für einen fundierten Univergleich Informationen
von den Universitäten in Basel, Bern, Fribourg, Genf, Lausanne, Zürich und der
ETH mit Hilfe eines Fragebogens zusammengetragen. Eine Zusammenstellung
der interessantesten Fakten präsentieren wir hier.

Aufbau des Studienganges                     line und das Angebot der ETH befindet        ten Studienjahr wieder das Schlusslicht.
Der grösste Unterschied liegt im An-         sich noch im Aufbau. Wann die anderen        Skills-Labs bieten nur die Unis in Basel,
gebot der Studiengänge selbst. Die Uni-      Unis dem guten Beispiel folgen werden,       Bern und Zürich an.
versität Fribourg und die ETH bieten         ist ungewiss. Sprachlich halten es die
nur den Bachelor an, den Master müssen       Unis ähnlich: In der Deutschschweiz          Studentenleben
die Studierenden an einer anderen Uni-       wird vor allem auf Deutsch unterrich-        Entgegen der Erwartungen sticht Lau-
versität absolvieren. Zudem bilden die       tet, in der Westschweiz auf Französisch.     sanne nicht mit Partys jedes Wochenen-
Hochschulen unterschiedlich viele Stu-       Fribourg bildet die Ausnahme mit einem       de aus der Masse. An allen Institutionen
dierende aus: Die Uni Zürich führt mit       zweisprachigen Unterricht (Deutsch und       finden pro Semester ca. zwei bis drei von
ungefähr 400 Studierenden pro Jahr, da-      Französisch). Auf Englisch wird in al-       Medizinstudenten organisierte Partys
nach kommen Bern (± 220), Lausanne (±        len Institutionen nur selten gelehrt, am     statt. Allerdings haben die Unis Basel,
200 ab dem 3. Jahr), Basel (± 180), Genf     meisten noch an der ETH. Grosse Unter-       Lausanne, Zürich und die ETH je eine
(± 150 ab dem 3. Jahr) und am kleins-        schiede gibt es aber bei der Herausgabe      Bar auf dem Campus; die spontanen Fei-
ten sind die Jahrgänge in Fribourg und       des Stundenplanes: In Genf und Bern          ern sind also nicht mitgezählt. Mit ihrem
an der ETH mit je ca. 100 Studierenden.      wird er schon ungefähr acht Wochen vor       Engagement sind die Studierenden an al-
Dies sind die Zahlen der neuesten Stu-       Semesterbeginn veröffentlicht, in Basel      len Hochschulen gut vertreten, obschon
diengänge, wobei diese an den meisten        bis zu vier Wochen davor und in Lau-         in den verschiedenen Jahrgängen unter-
Unis in den letzten Jahren aufgestockt       sanne, an der ETH und der Uni Zürich         schiedlich ausgeprägt. Prozentual enga-
wurden. Der Studiengang der ETH be-          erst in den letzten zwei vorlesungsfreien    gieren sich am meisten Studierende in
steht sogar erst seit letztem Sommer.        Wochen.                                      Fribourg und an der ETH, was aber auf
Ausserdem ist der Zugang zu den Studi-                                                    die Grösse des jeweiligen Studienganges
enplätzen in der Deutschschweiz durch        Praktische Erfahrung                         zurückzuführen ist. Und was die Kon-
den Numerus Clausus begrenzt. In Lau-        Den ersten Patientenkontakt haben die        kurrenz zwischen den Studenten angeht,
sanne und Genf muss der Eignungstest         Studierenden aus Basel und Bern be-          ist diese vor allem in den ersten Jahren
nicht absolviert werden, stattdessen wird    reits im ersten Semester, gefolgt von der    in Genf und Lausanne stärker zu spü-
in den ersten zwei Jahren radikal gesiebt.   ETH im zweiten Semester. Im zweiten          ren als anderswo. Dass aber deswegen
Im ersten Jahr sind in Genf deshalb un-      Studienjahr sehen Studierende in Genf        Laptops geklaut, oder absichtlich falsche
gefähr 500 Studierende eingeschrieben,       und Lausanne zum ersten Mal Patien-          Skripte verteilt würden, ist tatsächlich
in Lausanne sogar bis zu 700. Das ent-       ten von Nahem, an den Unis Zürich und        ein Gerücht. Beim Erlernen ärztlicher
spricht einer Durchfallquote von 70%!        Fribourg ist dies erst im dritten Jahr der   Fähigkeiten liegen Basel und Fribourg
                                             Fall. Beim Sezierkurs haben die Basler       an der Spitze: Die Studenten üben die
Vorlesungen                                  die Nase vorne: Sie beginnen bereits im      Blutabnahme, eine Infusion zu legen,
Tatsächlich ist der Anteil an praktischen    zweiten Semester damit. Die Unis in          die Wundnaht und die Handhabung des
Kursen in Bern am grössten, allerdings       Bern, Fribourg, Zürich, Lausanne und         Ultraschalls. In Bern und Genf wird es
gleichauf mit Genf. Am meisten Theo-         die ETH ermöglichen den Studieren-           ähnlich gehandhabt, nur gibt es dort kei-
rie wird verhältnismässig in Lausanne        den den Sezierkurs im zweiten Studien-       nen Nähkurs. Die Uni Zürich ermöglicht
gelehrt, danach folgt Zürich. Auch Pod-      jahr. Nur in Genf wird überhaupt nicht       einen Crashkurs im Nähen und Infusio-
casts bieten lediglich die Universitäten     seziert. Richtiges Bedside-Teaching be-      nen legen und die Uni in Lausanne bietet
Bern und Genf an, in Lausanne stellt ge-     ginnt praktisch an allen Standorten im       nur die Blutentnahme an.
rade mal ein Professor die Vorlesung on-     dritten Jahr; Genf bildet mit dem vier-

                                                         DER ZINER
                                                                4
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Von Schall und Rauch...

                                           Alles hat damit angefangen, dass Maria sich für ein Medizinstu-
                                           dium entschieden hatte:
                                           „Sie haben keine Zeit für diesen ganzen theoretischen Kram“, ha-
                                           ben sie gesagt und ihr ein Infusionsset in die Hand gedrückt. „Na
                                           los, gehen Sie schon. Die Infusion legt sich nicht von selbst!“.
                                           Mit zitternden Händen starrte Maria die Nadel an, als plötzlich
                                           der Chefchirurg sie an der Schulter packte. „Ah, da sind sie ja!
                                           Wir haben uns schon gewundert wo die neuen Studierenden blei-
Prüfungen
                                           ben. Kommen Sie, wir brauchen Sie dringend im OP.“ Bevor Maria
An allen Standorten ist die Anzahl und
                                           etwas erwidern konnte, leuchtete plötzlich der Alarmknopf über
Art der Prüfungen (mündlich oder
                                           der Tür auf und ein Pfleger kam aus dem Zimmer geschossen:
schriftlich) unterschiedlich, je nach
                                           „Kommen Sie schnell Frau Studentin! Wir haben hier einen Herz-
Studienjahr. Stark unterscheiden sich
die Institutionen in der Länge der Lern-   stillstand!“
phase. Während sie in Basel, Bern, Fri-    So hatte Maria sich den Erstsemestrigen-Tag nicht vorgestellt…
bourg und der Uni Zürich jeweils rund
ein Monat dauert, haben die Studenten
der ETH im Winter sechs Wochen und
im Sommer zwei Monate dafür Zeit. Ent-
sprechend kürzer sind dann allerdings
auch die Ferien. Auch die Anzahl der
                                           „Nur jeder fünfte von euch wird es schaffen.“
Prüfungsversuche vor dem Ausschluss
                                           Max steht vor dem Spiegel und schmiert sich mit selbstbewusster
aus dem Studium ist unterschiedlich: In
                                           Miene die Kriegsbemalung auf die Wangen.
Bern und Basel haben die Studierenden
                                           „Niemand hier ist euer Freund. Keinem könnt ihr trauen.“ In sei-
pro Prüfungsblock je drei Versuche, in
                                           nem Kopf hallen die Worte des Professors aus der Einführungs-
Genf und an der ETH sind es immer nur
                                           vorlesung. wieder: „Das ist ein Kampf auf Leben und Tod...“ Er
zwei. An der Uni Zürich sind in der Vor-
                                           bindet sich die Haare zu einem Zopf und knüpft das rote Stirnband
klinik zwei und ab der Klinik drei Ver-
                                           zu.
suche pro Prüfungsblock möglich. Als
                                           „…Und am Ende überleben nur die Stärksten!“
Feedback der schriftlichen Prüfungen ist
an allen Unis die Mitteilung der Punkt-    Ein letztes Mal atmet er tief ein und starrt sein Spiegelbild an. Er
zahl und des Prozentranges üblich, bei     ist bereit. Es ist der zweite Tag des Medizinstudiums und Max zieht
den mündlichen Prüfungen gibt es kein      heute in den Kampf.
detailliertes Feedback, sondern nur die
Mitteilung der erreichten Note.

Kosten
Die Studiengebühren pro Semester wei-
sen auch starke Unterschiede zwischen
                                           „Und Albert, wie war dein erster Tag so?“
den Universitäten auf. Am teuersten
                                           „Ach weisst du, nichts Besonderes eigentlich. Wir haben so `ne
ist das Studieren an der Uni Zürich mit
                                           Ratte genommen und ihr den Schädel aufgeschnitten, um das Ge-
CHF 900 pro Semester (die Prüfungs-
                                           hirn freizulegen. Dann haben wir eine mikroskopische Fluores-
gebühr von CHF 160 mit eingerechnet),
                                           zenzkamera über ihrem Kopf installiert, um mithilfe von Koin-
gefolgt von Basel (CHF 860), Bern (CHF
                                           zidenzschaltung die Aktivität im Hypothalamus zu messen. Wir
805), Fribourg und der ETH (beide CHF
                                           haben die Ratte dann auf eine bewegliche Kugel gesetzt und sie
650) und Lausanne (CHF 580). Am
                                           vor einen 180° Bildschirm platziert, damit die Ratte denkt, sie lau-
günstigsten ist es, in Genf zu studieren
                                           fe durch ein Labyrinth. So konnten wir die Ratte an einem fixierten
(CHF 500). Grundsätzlich werden die
                                           Punkt festhalten und die Erregung der Platzzellen genau erfas-
                                           sen. Das Übliche halt…“
                                           „Aaaaha… Und wie sieht euer Stundenplan so aus?“
                                           „Ach, den gibt’s noch nicht. Sind ja ein neuer Studiengang. Stun-
                                           DER   ZINER
                                           denpläne  sind sowieso überbewertet.“

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Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
gebühren auch im Wahlstudienjahr be-
                                                                 zahlt, mit gutem Beispiel voraus geht hier
                                                                 nur Lausanne. Dort zahlt man während
                                                                 des Wahlstudienjahres nur CHF 210 pro
                                                                 Semester. Die Fahrtkosten zu den Prakti-
                                                                 ka sind in Basel, Bern und Fribourg sehr
Es ist ein düsterer, verregneter Frühlingstag. Die Dritt-        gering. In Genf wird die Zugfahrt mit
jahrstudenten haben sich nach den Prüfungen versam-              dem Halbtax-Preis vergütet, Lausanne
melt, um die gemeinsame Zeit gebührend zu verabschie-            vergütet pauschal CHF 200 Fahrkosten
den. Es war die schönste Zeit ihres Lebens. Eine Zeit, in        pro Semester. An der Uni Zürich kann es
der sie sich als Familie lieben gelernt haben. Eine Zeit,        hingegen vergleichsweise teuer werden:
von der sie sich nun trennen müssen.                             Je nach zugeteiltem Spital fallen Fahr-
Alle sind in tristem schwarz gekleidet und die schwar-           kosten von bis zu CHF 700 pro Semester
zen Regenschirme ragen wie eine riesige Phalanx aus              für den einzelnen Studierenden an – fast
der Menge empor. Manche liegen sich heulend in den Ar-           schon eine ganze Semestergebühr zu-
men, andere wischen sich gefasst die einzelne Träne von          sätzlich. Dafür ist das Standardmenu der
der Wange. Es ist ihr letzter gemeinsamer Tag als gros-          Mensa an der Uni Zürich mit CHF 5.40
se herzliche Familie. Schon bald werden sie getrennte            am günstigsten. Es folgen die ETH (CHF
Wege gehen und die düsteren Abgründe der fremden                 6.20), Bern (CHF 6.60) und Basel (CHF
Unis bestreiten müssen. Ein Aufbruch ins Ungewisse               7.50). Am teuersten ist es in Genf mit
und alle ahnen, dass nichts so sein wird, wie es früher          CHF 10 pro Mahlzeit.
einmal war…
                                                                 Angebote der Hochschulen
                                                                 An den Universitäten Bern und Genf ist
                                                                 ein Auslandsaufenthalt im dritten Studi-
                                                                 enjahr möglich, in Basel und an der Uni
                                                                 Zürich im vierten. Im Wahlstudienjahr
                                                                 des Masterstudiengangs ist es zudem
                                                                 überall möglich, einen Einsatz im Aus-
                                                                 land zu absolvieren. Alle Universitäten
„Wie man unschwer erkennen kann, erleidet der Patient            bieten den Studierenden ein vielfältiges
in diesem Moment eine Torsade de Pointes Tachykar-               Sportangebot an. In Genf und Zürich
die mit daraus resultierendem Kammerflimmern. Am                 erhält man zudem vergünstigten Ein-
wahrscheinlichsten ist diese Pathologie zurückzuführen           tritt zu kulturellen Anlässen wie Kon-
auf die Medikation des Patienten, namentlich dem Amio-           zerten, Theater, Oper und Ballett. Viele
                                                                 Universitäten bieten den Studierenden
daron, welches die QT-Zeit signifikant verlängern kann.
                                                                 auch die Möglichkeit, den Studiengang
Wichtig ist hierbei anzumerken, dass nicht die absolute
                                                                 mitzugestalten. So gibt es in Basel und
QT-Zeit ausschlaggebend ist, sondern die frequenzkor-
                                                                 an der Uni Zürich Feedbackgruppen, die
rigierte QTc-Zeit beachtet werden sollte. Ist diese ab-
                                                                 dem Dekanat nach jedem Semester eine
seits des Normbereiches bei 450ms, deutet das auf eine
                                                                 Rückmeldung geben. In Genf, Bern und
verlängerte Repolarisationszeit hin, welche ihrerseits
                                                                 an der ETH können zu den Veranstal-
wiederum kreisende Erregungen – „
                                                                 tungen Feedbackfragebögen ausgefüllt
„Der Patient krepiert gerade! Tun sie doch etwas ver-
                                                                 werden. Einsitz in Kommissionen bieten
dammt!“
                                                                 Basel, Bern, die Uni Zürich und die ETH
„Im Falle eines kardiogen bedingten Schockzustandes              ihren Studierenden an.
müssen sofort lebensrettende Massnahmen eingeleitet
werden. Speziell sind dies…“                                     Zusammenfassend verhält es sich im
                                                                 Medizinstudium gleich wie überall –
                                                                 wahrscheinlich steckt hinter vielen Ge-
                                                                 rüchten ein Körnchen Wahrheit. Aller-
                                                                 dings entpuppen sich die meisten der
                                                                 Behauptungen unserer Gerüchteküche
                                                                 als Schall und Rauch.

                                                                                       Nathalie Bohl
                                                                                   Dmitrij Marchukov
                                                                                     Bea Albermann
                                                                                       Adrian Walter

                                                     DER ZINER
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Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Warum Medizin?
           „Medizin ist extrem vielfältig und hat mich schon immer
           fasziniert. Die Kombination von theoretischem Wissen,
           manuellen Tätigkeiten und dem Umgang mit Menschen,
           seien es Patienten, Angehörige, Mitarbeiter oder nun
           wie bei mir viele Studierende, ist immer wieder
           spannend und macht mir weiterhin grosse Freude.“

           Prof. Dr. med. Johannes Loffing

                   bQm Kulturcafé & Bar • Unter der Polyterrasse

Leonhardstrasse 34, 8092 Zürich
Tel. 044 632 75 03   •   info@bqm-bar.ch
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Studieren rund um die Welt
Wie ist eigentlich das Medizinstudium in ..?

...Brasilien
Brasilien. Karneval. Meer.
Ferien? - Alltag!

Gustavo ist 20 Jahre alt. Er studiert im 3. Jahr Medizin an einer         Bei den chirurgischen Fächern schauen wir eigentlich nur zu.»
privaten Universität in Itajaí, im Süden von Brasilien. Er lebt mit       Im zweiten Jahr lernen die Studierenden chirurgische Techniken.
einem Freund in einer Wohnung nicht weit vom Campus am                    Gustavo hat noch an Hasen und Ratten geübt. Heute verwendet
Strand. Wie verbringt er seine Freizeit? Mit Baden im Meer und            seine Uni aber kaum noch Tiere, sondern künstliche Präparate.
Fussball – natürlich, er ist ja Brasilianer.                              Mittlerweile im dritten Jahr ist Gustavo zwei bis drei
Ich habe mit Gustavo über den Uni-Alltag und das Schulsystem              Nachmittage pro Woche in Kliniken tätig. Pädiat-
gesprochen.                                                               rie, Gynäkologie und Dermatologie lernen die
Kinder in Brasilien sind theoretisch bis zum 14. Lebensjahr               Studierenden in diesem Semester.
schulpflichtig, das bedeutet acht Jahre Grundschule. Dennoch              Gustavo ist mit 40 anderen im Jahr-
besuchen Schüler durchschnittlich nur 4.9 Jahre lang die Schule.          gang. Die Hörsäle sind kleiner – ver-
Viele Familien können sich Schulgelder, Uniformen und Bücher              gleichbar mit Schweizer Klassen-
nicht leisten. Privatschulen sind einem Bruchteil der Bevölke-            zimmern. Unterrichtet wird mit
rung vorbehalten. Obwohl die Regierung immer mehr Geld in                 Powerpoint-Präsentationen.
Bildung investiert, scheint sich die Qualität des Unterrichts nicht       Es ist zeitintensiv, für die
zu bessern. Denn die Gelder versickern im Sumpf der Bürokratie,           30 Prüfungen im Ver-
anstatt die Schulen zu erreichen. Die schlechten Saläre demoti-           lauf eines Semesters zu
vieren die Lehrpersonen. Höhere Löhne und bessere Arbeitsplät-            lernen. Dazu bereiten
ze erlangt man nicht durch gute Arbeit, sondern durch Verbin-             sich die Studierenden
dung in die Politik.                                                      in Bibliotheken mit
Gustavo absolviert nach vier Jahren Sekundarschule als 17-Jähri-          Büchern vor oder sit-
ger das vestibular, eine Aufnahmeprüfung, um an Universitäten             zen zusammen und
zugelassen zu werden. In seinem Jahrgang ist er einer der Jüngs-          repetieren Anatomie
ten, denn er schaffte die Aufnahmeprüfung gleich beim ersten              an Skeletten.
Versuch: «Ich hatte auch Glück», schmunzelt Gustavo. Andere
wiederum besuchen für teuer Geld jahrelange Vorbereitungskur-             Der charmante bra-
se, sogenannte cursinhos. Somit können dank finanziellen Mit-             silianische Akzent
teln entweder bessere cursinhos besucht, oder Studienplätze an            von Gustavo unter-
privaten Universitäten erkauft werden.                                    malt seine Leiden-
Die Studiengebühren sind hoch, sodass viele Familien an dieser            schaft für das Fach.
finanziellen Hürde scheitern. Mittlerweile ist es immerhin mög-           In holprigem Deutsch
lich, teilzeit zu studieren, um nebenher einem Job nachzugehen.           schwärmt er: «Das Stu-
Eine Arbeitslosenquote von 30% bei den Jugendlichen erschwert             dium wirklich gefällt
aber die Finanzierung vom Studium deutlich.                               mir zu viel. Es ist einfach
Die privaten Universitäten sind eher berufsorientiert und es wird         wundervoll.»
keine Forschung betrieben. Das fällt auch Gustavo auf: Die ers-           Später möchte Gustavo
ten drei Jahre des Medizinstudiums verbringen die Studierenden            Chirurg oder Pädiater wer-
an der Uni, die drei darauffolgenden Praktikumsjahre in Kran-             den. Ich bin mir sicher, dass
kenhäusern und Kliniken. Danach kommen meistens noch zwei                 sich seine Patienten – egal ob
Jahre residência dazu, in denen man sich auf eine Fachrichtung            gross oder klein – bei ihm wohl-
spezialisiert.                                                            fühlen werden.
«Schon am Ende vom ersten Jahr absolvieren wir Praktika im
Spital. Aber wir beraten und reden lediglich mit den Patienten.                                    Catrina Pedrett

                                                              DER ZINER
                                                                      8
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
...Syrien
Illustration von Catrina Pedrett

                                                                                                                                        Anatomie Lernen im
                                                                                                                                 Angesicht des Bürgerkriegs

                                   Zu spät ins Praktikum wegen etlichen Strassenkontrollen, ausfal-        verfolgen. Ein neues Land, eine neue Sprache, aber für Esra ist
                                   lende Vorlesungen wegen Bombenwarnung – so sah Esra’s Alltag            klar: Das gute alte Medizinstudium bleibt - egal wo - einfach das
                                   als Medizinstudentin an der Universität Damaskus aus. Mitten            Medizinstudium.
                                   im Bürgerkrieg studierte sie dort sechs Jahre lang und absolvier-
                                          te daraufhin das syrische Staatsexamen. Seit zweieinhalb         Auf die Frage, was sie am meisten genervt habe in ihrer Studien-
                                                   Jahren ist sie nun in der Schweiz und auf dem           zeit in Damaskus, antwortet sie schmunzelnd: „Die Prüfungen.
                                                         Weg, ihren Traum in Zürich weiter zu              Die vielen Lernphasen waren nicht witzig.“ In Damaskus wer-
                                                                                                           den die Studierenden in circa sieben Fächer pro Jahr geprüft und
                                                                                                           das nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich als Teil einer
                                                                                                           praktischen Prüfung. Dass Medizinstudierende überall doch ir-
                                                                                                           gendwie gleich sind, zeigt sich in dem syrischen Klischee eines
                                                                                                           Standard-Medizinstudenten: „Die anderen Fakultäten haben
                                                                                                           uns wohl als arrogante Nerds beschrieben und gedacht, dass wir
                                                                                                           menschenscheu und schüchtern sind, weil wir nicht so häufig auf
                                                                                                           Partys waren, sondern eher in der Bibliothek.“ Dass Klischees
                                                                                                           nicht immer zuträfen, sei natürlich auch überall auf der Welt der
                                                                                                           Fall, ergänzt sie lachend.
                                                                                                           Der Aufbau des Studiums an der Universität Damaskus unter-
                                                                                                           scheidet sich nicht grundlegend von dem in Zürich. Lediglich
                                                                                                           das Wahlstudienjahr ist im sechsten Jahr, nicht im fünften wie
                                                                                                           bei uns. Esra befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit ihrer
                                                                                                           Familie im Libanon und muss für ihre verschiedenen Praktika
                                                                                                           immer wieder über die Grenze durch Syrien nach Damaskus
                                                                                                           pendeln. Für diese Strecke, welche normalerweise zwei Stunden
                                                                                                           in Anspruch nimmt, braucht sie aufgrund der komplizierten
                                                                                                           Grenzkontrollen und Checkpoints des syrischen Regimes bis zu
                                                                                                           sieben Stunden. In Damaskus wohnt sie dann in Studentenhei-
                                                                                                           men oder bei Freunden, die Tage verbringt sie im Spital. Zurück-
                                                                                                           blickend sagt sie: „Das Medizinstudium bei uns war irgendwie
                                                                                                           genau gleich wie hier, aber halt keineswegs normal.“

                                                                                                           In der Schweiz angekommen war das erste Ziel klar: Deutsch ler-
                                                                                                           nen. Ohne die Sprache zu können, hat man im ärztlichen Alltag
                                                                                                           keine Chance. Mit einem abgeschlossenen Staatsexamen im Aus-
                                                                                                           land bieten sich dann zwei Optionen an: Entweder man arbeitet
                                                                                                           drei Jahre lang als Unterassistenz oder man rackert sich nochmal
                                                                                                           durch die vier Klinikjahre, beide Wege werden mit dem Schwei-
                                                                                                           zer Staatsexamen abgeschlossen. Esra hat sich dazu entschlossen,
                                                                                                           wieder als Studentin an die Uni zu gehen. „Das ist schon ein biss-
                                                                                                           chen frustrierend, die ganze Mikrobiologie und all das nochmal
                                                                                                           zu machen.“ Aber glücklicherweise ist der Körper in Syrien auch
                                                                                                           nicht anders zusammengesetzt als in der Schweiz: Anatomie
                                                                                                           bleibt Anatomie.

                                                                                                                                                         Bea Albermann

                                                                                               DER ZINER
                                                                                                       9
Fliegen und Fallen DER ZINER Was steht hinter Medi? - Von Höhen und Tiefen im Medizinstudium
Im Gespräch

Zwei Interviews zum ETH-Medizinstudium
„Manche von uns sind überfordert“
Romeo Albrecht studiert im ersten Jahr Medizin an der ETH. Er hat uns
seine Sicht auf neuen Studiengang beschrieben.

Erzähl uns doch einmal von Deinem            Jahrgang sind, ist es immer top durchorga-     Anderes. Ausserdem war die ETH für viele
Studiengang. Was schätzt Du daran?           nisiert. Was mir ausserdem sehr gut gefällt,   Studierende nicht die erste Wahl. Sie kom-
Es ist ein sehr zukunftsorientiertes Stu-    ist das Familiäre an unserem Studiengang.      men überhaupt nicht damit zurecht, dass
dium, was meiner Meinung nach im Be-         Da wir nicht sehr viele sind, kann ein viel    sie sich, anders als Studenten von anderen
reich Medizin immer wichtiger wird. Ich      persönlicherer und interaktiverer Unter-       Unis, ein so vertieftes Wissen in den Natur-
bin auch total begeistert vom naturwissen-   richt geführt werden.                          wissenschaften aneignen müssen.
schaftlichen Aspekt des Studiengangs. Die                                                   Im zweiten Studienjahr erfolgt die Zutei-
ETH will es einfach anders machen, daher     Und was stört Dich?                            lung für den Masterstudiengang auf die
ist es definitiv kein klassisches Medizin-   Wir haben einen wirklich vollgestopften        Partneruniversitäten im Tessin, in Basel
studium. Man merkt allerdings wirklich,      Stundenplan. Jeden Tag haben wir bis 17        und in Zürich aufgrund verschiedener
wieviel Aufwand die Verantwortlichen hier    Uhr Vorlesungen. Wenn man dann noch            Faktoren. Erste Priorität dabei haben per-
hineinstecken, denn obwohl wir der erste     pendelt, bleibt einem nicht viel Zeit für      sönliche Bedürfnisse, beispielsweise der
                                                                                            Wohnort des Ehemannes oder der Ehefrau,
                                                                                            gefolgt vom Wohnsitz der Eltern und dem
                                                                                            individuellen Leistungsniveau eines jeden
                                                                                            Studierenden. Dieser Umstand fördert
                                                                                            meiner Meinung nach auch das Konkur-
                                                                                            renzdenken innerhalb des Jahrgangs, was
                                                                                            ich als eher kritisch betrachte.

                                                                                            Wie aufwändig ist das Studium?
                                                                                            Es werden wirklich hohe Ansprüche an
                                                                                            unsere Disziplin, Leistungsbereitschaft
                                                                                            und Eigenverantwortung gestellt. Die ETH
                                                                                            setzt eine sattelfeste naturwissenschaftliche
                                                                                            Grundlage voraus. Das merken wir vor
                                                                                            allem im Fach Pharmakologie. Mit dieser
                                                                                            Grundlage sollte die Pharmakologie, trotz
                                                                                            des frühen Zeitpunktes im Curriculum,
                                                                                            eigentlich kein Problem darstellen. Wenn
                                                                                            doch, liegt es an uns, das Fehlende aufzu-
                                                                                            holen.
                                                                                            Zudem ist der Umfang des Stoffes immens.
                                                                                            Es ist viel zu viel, um es gut zu machen,
                                                                                            manche von uns sind überfordert.

                                                                                            Wird das Konzept des Studiengangs
                                                                                            auch wirklich so umgesetzt?
                                                                                            Durchaus. Das Konzept ist sehr profes-
                                                                                            sionell gehalten und wird laufend neu
                                                                                            angepasst. Beispielweise ist so nun ein
                                                                                            Pharmakologie Tutorat entstanden. Auch
                                                                                            der Trend der Digitalisierung ist zu spü-
                                                                                            ren. Man muss sich praktisch für alles auf
                                                                                            Moodle, unserer Datenplattform, auf der
                                                                                            alle PDF und Skripte hochgeladen werden,
                                                                                            vorbereiten. Professor Goldhahn hat am
                                                                                            Anfang gesagt, ein Tablet würde für das
                                                                                            Medizinstudium genügen und es stimmt.
                                                                                            Wir merken auch, dass viel auf Teamarbeit
                                                                                            gesetzt wird, da wir laufend mit neuen
                                                                                            Leuten in Gruppen geworfen werden. Von
                                                                                            dem her ja, das Konzept hält wirklich, was
                                                                                            es verspricht.

                                                                                            Sophia Diyenis und Nathalie Bohl
„Das Verständnis kommt vor der Vollständigkeit“
                                                                                      Professor Dr. Jörg Goldhahn ist der Projektleiter des Pilotprojekts «Me-
                                                                                      dizinstudium ETH». Wie es mit dem neuen Studiengang funktioniert
                                                                                      und was er genau beinhaltet, hat er uns in diesem Interview dargelegt.

                                                                                      Herr Goldhahn, aus welchem Grund              nischen Grundlagen und einen verstärkten
                                                                                      wird an der ETH ein Medizinstudium            Fokus auf die Forschung. Wir legen vor
                                                                                      etabliert?                                    allem Wert auf drei Aspekte: Erstens wol-
                                                                                      Die ETH hat ein grosses Know-how im           len wir durch gezielte Selbstlernblöcke, die
                                                                                      medizinischen Bereich – rund ein Drittel      Vorträge von Studenten für Studenten be-
                                                                                      der Professorinnen und Professoren be-        inhalten, das Potential der Studenten nut-
                                                                                      schäftigen sich mit Forschung im medi-        zen und ihnen gleichzeitig den Umgang
                                                                                      zinischen Feld. Auch in der Lehre ist die     mit der Informationsflut vermitteln.
                                                                                      ETH bereits in vielen verwandten Gebieten     Zweitens versuchen wir, sehr viel mit den
                                                                                      aktiv: Wir lehren Biologie, Biochemie und     neuesten Technologien zu arbeiten. In Zu-
Romeo Albrecht: Ersti im neuen Medizinstudiengang der ETH, kontrolliert überfordert

                                                                                      Biotechnologie, Pharmazie, Gesundheits-       kunft wird die Medizin sich immer mehr
                                                                                      wissenschaften und Technologie, sowie         auf technologische Errungenschaften ver-
                                                                                      Biomedical Engineering. Vor ein paar Jah-     lassen können. Bereits heutzutage gibt man
                                                                                      ren hatte der Bundesrat die universitären     Patienten ein 24h-Blutdruckmessgerät mit,
                                                                                      Hochschulen angefragt, ob sie einen Bei-      anstatt sich mit nur einem Messwert zu be-
                                                                                      trag zur Behebung des Ärztemangels leis-      gnügen.
                                                                                      ten könnten. Dadurch nahm die Idee des        Drittens wollen wir die Teamfähigkeit
                                                                                      Medizinbachelors konkrete Gestalt an.         der Studenten fördern, da die Spezialisie-
                                                                                                                                    rung der Ärzte nach wie vor zunimmt und
                                                                                      Wo lagen die Herausforderungen?               immer mehr in „Spezialteams“ gearbei-
                                                                                      Die Herausforderungen lagen vor allem in      tet wird. Dafür müssen die Studenten in
                                                                                      der Umsetzung des neuen Lernzielkata-         Teams klinische Situationen meistern, was
                                                                                      logs. Ausserdem mussten wir das zu ver-       in dieser Form bisher erst auf Facharztebe-
                                                                                      mittelnde Wissen auf die verschiedenen        ne anzutreffen ist.
                                                                                      Studiengänge in den Partneruniversitäten,     Die Studierenden belegen auch Kurse in
                                                                                      wo unsere Bachelorabsolventinnen und          der Mathematik, da sie jeder Naturwissen-
                                                                                      -absolventen den Master machen werden,        schaft zugrunde liegt. Speziell in der Medi-
                                                                                      abstimmen. So legt Zürich zum Beispiel        zin ist sie eine wichtige Grundlage für die
                                                                                      mehr Wert auf die Zweijahresblock-Tren-       später folgende Statistik. Gleichzeitig le-
                                                                                      nung: gesunder Mensch – kranker Mensch        gen wir Wert auf praktische Erfahrungen.
                                                                                      und klinische Erfahrung, wohingegen Ba-       Unserer Studierenden absolvieren bis zum
                                                                                      sel vollständig auf die Unterscheidung zwi-   Bachelorabschluss ein vierwöchiges Prak-
                                                                                      schen Bachelor und Master setzt.              tikum in einem von uns anerkannten Spi-
                                                                                                                                    tal und belegen beispielsweise Kurse über
                                                                                      Nach welchem Konzept ist das Medi-            die Arzt-Patienten Kommunikation. Auch
                                                                                      zinstudium an der ETH aufgebaut?              die Zusammenarbeit mit dem Institut für
                                                                                      Für die ETH war von Anfang an klar, dass      Hausarztmedizin gehört dazu.
                                                                                      sie ihre spezifischen Stärken in den Stu-
                                                                                      diengang einfliessen lassen will. So wer-     Wie soll man sich den Unterricht an
                                                                                      den die Studieninhalte gemäss dem neuen       der ETH vorstellen?
                                                                                      Schweizer Lernzielkatalog der Humanme-        Wir wollen unseren Studierenden durch
                                                                                      dizin ergänzt durch eine ETH-spezifische      ein integriertes Curriculum das Lernen
                                                                                      Vertiefung in naturwissenschaftlich - tech-   möglichst einfach machen. Generell setzen
                                                                                                                                    wir auf das contextual learning. Das sieht
                                                                                                                                    dann beispielsweise so aus: Eine Studien-
                                                                                      „Selbststudium, neue                          woche fängt mit einem Fallbeispiel an, sa-
                                                                                                                                    gen wir mit einer Frau, die an Rheuma in
                                                                                       Technologien und                             ihrer Hand leidet. Im Laufe der Woche be-
                                                                                       Teamfähigkeit sind                           schäftigen sich die Studenten erst mit der
                                                                                                                                    anatomischen Beschaffenheit der Hand,
                                                                                      Kernpunkte des ETH-                           dann mit der Pathophysiologie von rheu-
                                                                                       Medizinstudiums. “                           matischen Erkrankungen und am Schluss
                                                                                                                                    kommen immer mehr
Im Gespräch
klinische Aspekte hinzu, wie zum Beispiel       versitäten in die Entwicklung unseres Cur-     diengang laufend zu verbessern. So holen
die Behandlungsmöglichkeiten. Dies soll         riculums einbezogen. Im Gegenzug unter-        wir regelmässig ein Feedback von den Stu-
das Verständnis und die Motivation der          stützen wir etwa die USI im Tessin beim        dierenden und den Dozierenden ein, was
Studierenden fördern.                           Aufsetzen ihres Masterstudiengangs.            es uns ermöglicht, auch kurzfristig Anpas-
                                                                                               sungen vorzunehmen.
Wenn so viele weitere Fächer wie                Wie viele Studenten werden tatsäch-
Mathematik und Informatik Teil des              lich mit ihrem Masterstudium an den            Wieviel kostet ein Medizinstudent die
Curriculums sind, wo werden dann                Partneruniversitäten beginnen?                 ETH?
die Einbussen gemacht?                          Alle unsere hundert Studierenden haben         Auch die ETH hält die interkantonalen
Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass         einen Platz an einer Partneruniversität zu-    Anlagesätze ein. Wieviel ein Student oder
Medizinstudierende an der ETH keinerlei         gesichert. Noch wissen wir aber nicht, wie     eine Studentin genau kostet, können wir
Wahlmöglichkeiten haben. Im Gegensatz           viele genau übertreten werden, denn der        noch nicht sagen, da wir uns noch ganz am
etwa zur Uni Zürich kennen wir kein Man-                                                       Anfang des Projekts befinden. Wir gehen
telstudium, und es gibt keine Chemie- und                                                      davon aus, dass sich alles im erwarteten
Physikpraktika. Wir müssen ganz gezielt          „Der Studiengang ist für                      Rahmen halten wird.
auswählen, was in den Stundenplan soll            einen Übertritt in den
und was nicht. Ein konkretes Beispiel ist       Medizinmaster konzipiert.“                     Was ist Ihr Fazit nach einigen Wochen
das Histologiepraktikum. Dieses Prakti-                                                        Semesterbetrieb?
kum vermittelt zwei Kompetenzen, kor-                                                          Es gab einige kleine Organisationsproble-
rektes Mikroskopieren und das Betrachten        erste Jahrgang hat noch zwei Jahre vor sich.   me, aber für den Start von null auf hundert
von histologischen Präparaten. Wir haben        Obwohl die Studierenden mit dem Bache-         hat alles sehr gut geklappt. Begeistert bin
die beiden Kompetenzen auseinander-             lorabschluss grundsätzlich auch die Mög-       ich von unseren Studierenden: Sie sind
genommen und vermitteln sie einzeln:            lichkeit, einen Master in Health Science       topmotiviert und engagiert.
Studierende lernen den Umgang mit dem           and Technology zu machen, ist das nicht
Mikroskop in einem eintägigen Kurs noch         unser primäres Ziel. Der Studiengang ist       Gibt es noch etwas, das Sie den Stu-
in den Einführungstagen. Parallel werden        für einen Übertritt in den Medizinmaster       denten gerne mitgeben würden?
wichtige Präparate im dazu passenden            konzipiert.                                    Ich rate ihnen, nicht zu früh in den „Stu-
Themenblock gezeigt.                                                                           dents Survival Mode“ zu fallen. Sie sollen
Generell setzen wir viel auf das Verständ-      Wie gestaltet sich das Verhältnis mit          ihren Horizont möglichst offen halten.
nis, was auch einmal auf Kosten der Voll-       den Partneruniversitäten?
ständigkeit gehen kann.                         Die Qualifikations- und Anforderungspro-       Sophia Diyenis und Nathalie Bohl
                                                file werden ständig ausgetauscht. Das führt
An wen richtet sich der Bachelorstu-            zu einem regen Aus-
diengang Medizin der ETH?                       tausch zwischen den
Das Studium richtet sich an alle, die Me-       Partneruniversitäten.
dizin studieren wollen und gleichzeitig ein     Unsere Partner sind
Interesse an Naturwissenschaften mitbrin-       aber auch interessiert
gen. Auch für junge Leute, die sich stark für   an den Erfahrun-
Forschung interessieren, ist es bestimmt        gen, die wir machen.
die richtige Wahl. Denn dafür sind Kennt-       Das von Grund auf
nisse in den Naturwissenschaften eine op-       neue      Curriculum
timale Voraussetzung.                           bietet die Chance,
                                                vieles auszuprobie-
Wie sind die Prüfungen aufgebaut?               ren. Neue Ansätze,
Die Prüfungen, die im ersten Jahr des Me-       die sich bewähren,
dizinstudiums abgelegt werden, entspre-         können von anderen
chen dem Standard des ETH-Basisjahrs.           Universitäten über-
Wie auch an der Universität Zürich beste-       nommen werden.
hen die Prüfungen zu einem Teil aus Mul-
tiple Choice Fragen. Allerdings wurden          Wie sieht die Zu-
auch so genannte Essay Fragen eingebaut,        kunft des Studien-
bei denen die Studierende ihre Antwor-          ganges aus? Wird
ten frei formulieren. Damit wollen wir das      er weiter ausge-
Verständnis der Zusammenhänge prüfen            baut?
und präzises Formulieren fördern.               Das wissen wir zur-
                                                zeit noch nicht. Der
Wie Sie bereits erwähnt haben, bie-             Studiengang wurde
tet die ETH nur den Bachelorstudien-            als sechsjähriges Pi-
gang an. Wie werden die Medizin-                lotprojekt lanciert.
studierende auf den Master an den               Erst nach Ablauf der
verschiedenen Partneruniversitäten              sechs Jahre wird da-
vorbereitet?                                    rüber entschieden,
Das Curriculum ist auf die Masterstu-           wie es weitergeht.
diengänge an den Partneruniversitäten           Für uns geht es zur-
abgestimmt. Wir haben die Partneruni-           zeit darum, den Stu-
Kulturcafé

Ein (un)entbehrlicher Ratgeber
für das Wahlstudienjahr
„Der UHU-Knigge“ von Toralf Sperschneider

Das nahende Wahlstudienjahr kann einen           denen Plicae transversales recti des Chef-
gewissenhaften Medizinstudenten in ner-          arztes zwangsläufig von der Gunst oder
vöse Zustände versetzen. Die bisherigen          Missgunst des Assistenzarztes abhängt.
vier Studienjahre waren gefüllt mit sorg-        Der Assistenzarzt, direkter Vorgesetzter
sam durch das Dekanat vorbereiteten              des UHUs, ist der Schlüssel zur Tür eines
Stundenplänen, im Voraus geplanten Prü-          brillanten Karrierestarts. Oder zumindest
fungsphasen und angenehm langen Mit-             ein Teil des Schlüssels. Mindestens der
tagspausen. Plötzlich wird man jedoch ins        Schlüsselanhänger. Der Assistenzarzt, im
eiskalte Wasser des Arbeitsalltags gewor-        alltäglichen Umgangston auch mit „Euer         Sperschneider, selber Assistenzarzt, hat
fen, den rauen Elementen der Spitalhierar-       Hochwohlgeboren“ oder „Magnifizenz“            die Nöte seiner Untergebenen erkannt und
chie schutzlos ausgeliefert. Wie soll man        anzusprechen, verdient also vollkommene,       sich der leidenden Unterassistentenschaft
sich darauf vorbereiten? Ist man überhaupt       selbstlose Verehrung in allen Arbeitssitu-     erbarmt. Nur so erklärt sich die selbstlose
bereit, Verantwortung zu tragen? Was,            ationen. Der Ausführung dieser Ehrerbie-       Hingabe, mit der er auch die detailliertes-
wenn der vorgesetzte Assistenzarzt niesen        tung im Detail ist der grösste Teil dieses     te Benimmregel anschaulich erklärt. Ver-
muss und man kein mit seinen Initialen           epochalen Werkes gewidmet.                     ständlich und praktisch umsetzbar legt
besticktes Taschentuch zur Hand hat? Al-                                                        er die durch das starke Hierarchiegefälle
les legitime Ängste. Glücklicherweise ver-       Das A und O ist dabei zum Beispiel der         vorgeschriebenen Verhaltensweisen eines
schafft der „UHU-Knigge“, geschrieben            korrekt ausgeführte Hundeblick. Anhand         guten UHUs gegenüber seinem Assistenz-
von Toralf Sperschneider, Abhilfe. Dieser        von praktischen Abbildungen kann der           arzt dar. Entstanden ist dadurch ein Opus,
kompakte Ratgeber, inspiriert durch die          noch unerfahrene Leser diesen vor Stellen-     dessen Weisheiten ein jeder UHU bis ins
Werke des berühmten Freiherrn von Knig-          antritt im Spiegel üben. Andere Abbildun-      Detail befolgen sollte, will er die Gunst
                                                 gen illustrieren die richtige Körperhaltung    seiner Vorgesetzten für sich gewinnen und
                                                 bei der Fussreflexzonenmassage (immer          so seiner im Dunst der entfernten Zukunft
                                                 mit dem Lieblingsmassageöl des Assistenz-      schwebenden Arztkarriere Auftrieb ver-
                                                 arztes, versteht sich), sowie die angebrach-   leihen. Nicht auszudenken, wie die Unter-
                                                 te Handkusstechnik (eine angedeutete           assistenten der Vergangenheit ohne diese
                                                 Lippenbewegung über dem Handrücken             helfende Hand zurechtkamen, denn das
                                                 des Assistenzarztes), im Vergleich zu der      erfolgreiche Wahlstudienjahr eines jeden
                                                 daneben abgebildeten falschen Handkuss-        Medizinstudenten wäre ohne sie kaum
                                                 technik (unter Einsatz der Zunge). Ist sich    denkbar. Man darf also aufatmen.
                                                 der UHU nicht sicher, wie viel Freizeit er
                                                 sich erlauben darf, ist die Antwort natür-     Der etwas kritischere Leser wird jedoch
                                                 lich im Bereich homöopathischer Dosen          den Eindruck nicht los, dass der Assistenz-
                                                 zu finden, wobei es sich empfiehlt, eine       arzt Sperschneider selber einer guten Fuss-
                                                 halbe Stunde vor Arbeitsbeginn zu erschei-     reflexzonenmassage nicht abgeneigt wäre.
                                                 nen, um den Bürostuhl des Assistenzarz-        Er scheint doch etwas gar viel Gewicht
                                                 tes auf 36°C vorzuwärmen. Das Verteilen        auf diejenigen Dienste eines UHUs gegen-
                                                 von Rosenblättern, das Luft-Zufächern          über seinem Assistenzarzt zu legen, die
                                                 mit Palmwedeln, gelegentliche Hofknick-        er sich vielleicht selber insgeheim erhofft.
                                                 se und das stete Mitführen einer Kleider-      Die etwas verbissene Anstrengung mit der
                                                 bürste und eines Mini-Bügeleisens für den      Sperschneider versucht, seine Ratschläge
ge, hat für (fast) jede Situation im Leben       assistenzärztlichen Kittel gehören zu den      in Humor zu verpacken erwecken im Le-
eines Unterassistenten wertvolle Tipps           Grundratschlägen des „UHU-Knigge“. Die         ser leichte Zweifel. Ob das wortwörtliche
und Tricks auf Lager. Er beginnt mit dem         korrekte, gebückte Haltung eines Unter-        Befolgen seiner Ratschläge tatsächlich zu
Grundgesetz eines jeden UHUs: „Sei artig         assistenten, zu befolgende Tischsitten (wie    einer hieb- und stichfesten Arztkarriere
und tüchtig. Sei ehrfürchtig und unterwür-       das ordnungsgemässe Abwischen der as-          führt, fragt man sich leise, oder ob man
fig. Sei fleissig, aber bleibe dabei immer ein   sistenzärztlichen Mundwinkel), die richti-     nicht doch dezent hinters Licht geführt
Schatten. Sei anspruchslos und verlerne die      ge Bekleidung (je nach Situation lediglich     wird. Man wagt gar zu vermuten, dass das
Kunst der Beschwerde. Sei Schmeichler,           ein Lendenschurz), Konversationsregeln         Wahlstudienjahr auch ohne dieses Büch-
aber verbirg die Schleimspur.“ Er erinnert       (Schweigen ist meistens Gold) und viel         lein zu bewältigen wäre. Wer weiss.
den zukünftigen UnterHUnd (oder V.I.P.,          mehr werden durch diesen unentbehrli-
Very Insufficient Pinscher) daran, dass das      chen Ratgeber abgedeckt.                       Christiana Carson
Erklimmen der Leiter bis zu den verschie-

                                                              DER ZINER
                                                                    13
Abspringen

                                                                                                                                       Illustration von Arcangelo Carta
Um im Medizinstudium aufgenom-               ausforderung. Eigentlich interessierte er   zuvollziehen, weshalb er diesen Weg
men zu werden, mussten wir alle den          sich mehr für Wirtschaft und Politik als    überhaupt eingeschlagen hatte.
Eignungstest überwinden. Viele haben         für Medizin, weshalb er sich überlegte an   Jacquelines Eltern sind als Zahnärzte
für diesen Test teure Vorbereitungskur-      der HSG zu studieren. Mit dem Medizin-      ebenfalls im medizinischen Bereich tä-
se belegt, unzählige Stunden mit Üben        studium begann er hauptsächlich, weil er    tig. Sie versuchten nie, ihre Tochter zum
verbracht und sich selbst unter Druck        den EMS bestanden hatte.                    Medizinstudium zu drängen. Dennoch
gesetzt, beim Konzentrationstest noch        Schon von Anfang an hatte Ruben Zwei-       meint Jacqueline, dass es sie unbewusst
zehn Sekunden mehr herauszuholen.            fel. Ihn störten „das sterile Auswendig-    in ihrer Entscheidung beeinflusst hat.
Wer einen solchen Aufwand für einen          lernen und die intellektuelle Unterfor-     Damals überlegte sie sich, Geschichte
Studienplatz betreibt, wird davon über-      derung“. Als sich im zweiten Jahr keine     anstatt Medizin zu studieren. Gegenüber
zeugt sein, würde man meinen. Dennoch        Verbesserung zeigte, beschloss er, das      vielen Fächern, einschliesslich Geschich-
gibt es auch für uns neben Phasen, in        Studium abzubrechen. Die Entscheidung       te, hatte sie jedoch eine negative Einstel-
denen wir begeistert sind, auch Phasen,      fiel ihm sehr schwer und zog sich deshalb   lung entwickelt, weil sie zu Berufen mit
während denen uns das Lernen eintönig        über ein Jahr hin. Immer wieder ver-        nur geringem Verdienst führten. Sie be-
erscheint und uns die Motivation fehlt       suchte er, sich selbst zu motivieren und    lächelte diese Wissenschaften als „Pseu-
– fliegen und fallen eben. Doch es gibt      ging dazu in Vorlesungen der höheren        dowissenschaften“ und wünschte für sich
auch Studenten, die grundsätzlich nicht      Jahrgänge. Um sich den klinischen Alltag    einen bedeutsamen Beruf, der ihr als
vom Medizinstudium überzeugt sind,           näher zu bringen, besuchte er ein Spital    vielversprechende Basis für eine erfolg-
die nicht nur fliegen und fallen, sondern    und schaute bei Operationen zu. Keines      reiche Karriere dienen würde. Medizin
‚abspringen‘. Zwei Studenten, die ihr Stu-   von beiden konnte ihn vom weiteren          bot sich an, weil sie sich für den mensch-
dium an der Universität Zürich abgebro-      Weg überzeugen.                             lichen Körper interessierte und es aus-
chen haben, sind Ruben und Jacqueline.       Für die meisten seiner Mitmenschen          serdem die Studienwahl war, hinter der
Beide haben ihre Beweggründe in einem        kam Rubens Entscheidung nicht überra-       ihre Eltern am meisten standen.
schriftlichen Interview geschildert.         schend, da er seine kritischen Gedanken     Wie Ruben war Jacqueline nie von dieser
Rubens Eltern sind beide im Gesund-          schon früh geäussert hatte. Nach dem        Entscheidung überzeugt. Sie überlegte
heitsbereich tätig. Dadurch waren ihm        Studienabbruch nahm er sich eine Aus-       sich oft, abzubrechen und Geschichte
die medizinischen Berufe schon früh          zeit von einem Semester. Danach begann      zu studieren. Sie zweifelte an Medizin
vertraut, als Vorbilder sah er seine El-     er am King‘s College London sein Stu-       bereits Ende des ersten Semesters. Sie
tern jedoch nicht. Die Medizin lockte        dium in „European Studies“. Er ist dort     spürte immer mehr, dass ihr das Arzt-
ihn durch die Sicherheit und das soziale     sehr glücklich und denkt nur noch selten    sein nicht zusagte – also gerade der
Prestige als Arzt. Ausserdem reizte ihn      an seine Zeit als Medizinstudent zurück.    Beruf, von dem sie sich anfangs so viel
der Eignungstest als persönliche Her-        Es ist für ihn inzwischen schwierig nach-   versprochen hatte. Jacqueline wurde

                                                         DER ZINER
                                                               14
sich der Tatsache bewusst, dass sie lieber    Gesprächen, sie zum Weitermachen zu                Als sie aber in Berlin ihr Studium in Li-
Journalistin werden würde, hätte sie den      überreden oder wenigstens noch den                 teratur und Geschichte beginnen konnte,
Mut dazu. Während des Studiums lern-          Bachelor abzuschliessen, damit dieser              ging es ihr besser. Sie hatte nie auch nur
te sie nur widerwillig und besuchte im        im Lebenslauf stehe. Diese Diskussionen            geringste Zweifel daran, die richtige Ent-
ersten Semester die Vorlesungen kaum.         waren für Jacqueline sehr ermüdend,                scheidung getroffen zu haben.
Dadurch musste sie sich in den Lern-          doch sie bekräftigten sie in ihrer Ent-            Auch wenn Medizinstudenten sich mo-
phasen sehr viel Stoff innerhalb kurzer       scheidung. Es ging ihr im Leben nicht              natelang auf den EMS vorbereiten, sind
Zeit einprägen. Später zwang sie sich         darum „Punkte für den Lebenslauf zu                sie nicht restlos von ihrer Studienwahl
dazu, in die Vorlesungen zu gehen, um         sammeln“. Prestige und Karriere gehör-             überzeugt. Durch Druck seitens der
soziale Kontakte zu den Mitstudenten          ten nicht mehr zu den Werten, die für              Familie oder aus Angst vor schlechten
aufzubauen. Am schlimmsten waren für          Jacqueline wichtig waren. Später began-            Berufsaussichten erscheint vielen die
Jacqueline die Praktika. Sie empfand sie      nen ihre Eltern, ihre Entscheidung zu ak-          Medizin als einfachster Weg, was in
als anstrengend, uninteressant, war nie       zeptieren, auch wenn sie noch immer ab-            Wahrheit aber nicht zwingend den eige-
vorbereitet und hatte keine Ahnung vom        geneigt waren. Anders als früher konnte            nen Interessen entspricht. Einen solchen
jeweiligen Thema. Trotzdem gab es auch        die Meinung ihrer Eltern Jacqueline in             Absprung, wie ihn Ruben und Jacqueline
Phasen, in denen sie motiviert war, den       ihrem Vorhaben nicht mehr beeinflussen             gewagt haben, sollte man deshalb nicht
Stoff zu lernen und zu verstehen. Beson-      – sie war überzeugt, „endlich den richti-          als Scheitern betrachten. Wir alle wagen
ders wenn sie sich zu etwas mehr Einsatz      gen Weg zu gehen.“                                 ‚Absprünge‘ auf der Suche nach dem, was
zwang, machte ihr das Studium Spass.          Nach Abbruch des Medizinstudiums                   uns wirklich entspricht. Ohne sie wären
Solche Zeiten waren jedoch nur von kur-       arbeitete Jacqueline in einem Restaurant           wir kaum davon überzeugt, uns auf ein
zer Dauer.                                    und unternahm später mit ihrem Freund              Ziel hinzubewegen. Möglicherweise hilft
Die Entscheidung, das Medizinstudium          eine Reise. Es war ihre erste Pause seit           uns die Offenheit von Jacqueline und Ru-
abzubrechen, traf Jacqueline zu Beginn        der Schulzeit. Ein Alltag ohne Pflichten           ben einen Absprung – auch in anderen
des vierten Semesters, als sie einsah, dass   und die Unsicherheit, ob sie einen Studi-          Lebensbereichen – früher zu wagen.
sich ihre Einstellung gegenüber der Me-       enplatz in Berlin bekommen würde, wa-
dizin und dem Arztberuf nicht ändern          ren nicht immer einfach für Jacqueline.                               Simon Christiaanse
würde. Sie erkannte, dass sie Medizin
vor allem gewählt hatte, weil sie den Mut

  Ruben störten das
  sterile Auswendig-                                              VOM Hörsaal
    lernen und die
     intellektuelle                                               IN DIE KlINIK
   Unterforderung.                                                summer school für Medizinstudierende
                                                                  11. bis 13. Juli 2018
nicht hatte aufbringen können, ein Fach
wie Geschichte oder Literatur in Angriff
zu nehmen. Für Jacquelines Entschei-
dung hat ihr Freund eine wichtige Rolle                                                                              Save the date
gespielt, mit dem sie oft über ihre Wün-                                                                             11.–13. Juli 2018
sche und Ziele sprach. Er bestärkte sie                                                                              Summer School
darin, das zu tun, was sie wirklich wollte                                                                           Winterthur
und darin, dass „Sicherheit und Prestige
keine Gründe für ein Studium sein soll-
ten“. Er war der einzige in ihrem Umfeld,
der sich gegen das Medizinstudium aus-
sprach.
Anders als bei Ruben waren Jacque-
lines Mitmenschen sehr erstaunt, dass                       Nach aller Theorie die ganze Palette der Medizin
sie nach bestandenen EMS und Prüfun-                        endlich hautnah erleben? ipw und KSW laden
gen das Studium abbrechen wollte. Ihre                      ein zur Summer School. Diese bietet Medizin-
Freunde verarbeiteten die Überraschung                      studierenden spannende Einblicke und prakti-
schnell. Jacquelines Eltern reagierten                      sche Erfahrungen im vielfältigen Klinikalltag
ganz anders. Zuerst ignorierten sie ihren                   unterschiedlicher Disziplinen. Die Summer
Beschluss und zogen das Ganze ins Lä-                       School findet vom 11. bis zum 13. Juli 2018 statt und
cherliche, da Jacqueline schon oft davon                    richtet sich an Medizinstudierende am Ende
gesprochen, aber noch nie einen Schritt                     des zweiten Studienjahres.
in diese Richtung gewagt hatte. Sie fühlte
                                                            Mehr Informationen ab Mitte Mai
sich missverstanden und sprach vorerst
                                                            www.ksw.ch/summerschool
nicht mehr mit ihren Eltern darüber. Mit
der Zeit merkten ihre Eltern, dass sie es
ernst meinte und versuchten in langen
homo politicus

Liebe InvestorInnen, Spitalaktie gefällig?
Gesundheit ist ein Menschenrecht. Alle Menschen sollen
Zugang zu medizinscher Versorgung haben. Jetzt sollen
aber immer mehr Spitäler privatisiert werden, weil der
finanzielle Druck in den Kantonen steigt. Verkaufen wir
unsere Gesundheit und unterwerfen sie dem Aktienmarkt?

Vergangenen Mai haben die Stimmberech-
tigten des Kantons Zürich über die Um-
wandlung des Kantonsspitals Winterthur
in eine Aktiengesellschaft abgestimmt.
Die Initiative wurde mit knapp 57% der
Stimmen abgelehnt, und das Spital gehört
weiterhin öffentlich-rechtlich dem Kanton.
Der Kanton kann somit auch in Zukunft
mitentscheiden und sicherstellen, dass alle
Menschen Zugang zu ärztlicher Versor-
gung haben. Ausserdem werden Spitäler
finanziell unterstützt, damit sie unabhängig
handeln können. Die Spitalleitung muss so
weniger darauf achten, was finanziell sinn-
und reizvoll, sondern vielmehr was für Ge-
sundheit, Patienten und Angestellte gut ist.

Das Spital kann Entscheidungen – etwa be-
züglich Neubauten oder grösseren Anschaf-
fungen – in dieser Situation jedoch nicht
selbstständig treffen. Der Kanton muss in
Entscheidungen miteinbezogen werden.
Daraus folgt, dass Prozesse verlangsamt
werden und die Spitaldirektion weniger
effizient agieren kann. Eine Privatisierung
soll Spitäler also entfesseln. Als Aktienge-
sellschaft hätten Kliniken mehr Spielraum
und könnten im Wettbewerb auf dem im-
mer härteren Spitalmarkt besser mithalten.
Es geht darum, attraktive Arbeitsplätze zu
schaffen, durch den Wettkampf schneller
Fortschritte zu erzielen und flink reagieren
zu können. Private Spitäler sind unterein-
ander im Konkurrenzkampf. Sie wetteifern       Eine Institution wird privatisiert und plötz-   rurgie bringt Geld – dass eine schmalere
um die                                         lich dreht sich alles um den Profit. Folgen-    Nase und grössere Brüste keine dringlichen
Zufriedenheit der Patienten und um eine        des Szenario gleicht einer film                 medizinischen Fälle sind, wäre dann se-
möglichst grosse Reichweite. Sie werden        reifen Dystopie: Da die Altersmedizin je        kundär. Und Patienten, die sich kein Fünf-
Tag für Tag auf die Probe gestellt, um auf     nachdem wenig lukrativ ist, bietet Exit eine    stern-Spitalzimmer leisten können, aber
dem Markt mithalten zu können. Heute           Möglichkeit, um den Aufwand in diesem           medizinische Versorgung brauchen, stün-
stehen Spitäler eher wenig in Konkurrenz       Bereich gering zu halten. Dafür werden Pri-     den dann hinten an.
und Patienten können in das Spital verlegt     vatversicherte als Goldesel betrachtet und
werden, in dem sie am besten behandelt         sollen möglichst lange im Zimmer mit See-       Eine Privatisierung der Spitäler kann
werden können.                                 blick und Fünfgangmenu logieren; selbst,        durchaus Probleme bergen. Eine Aktienge-
                                               wenn die medizinische Indikation                sellschaft arbeitet nach der Maxime der Ge-
Der Verdacht liegt nahe, dass hinter der                                                       winnorientiertheit. Eingespart wird beim
Privatisierung eines grossen, rentablen        dafür gar nicht besteht. Ebenso geschätzt       Lohn des Reinigungspersonals. Werden
Spitals Privatpersonen mit finanziellen In-    wären dann Patienten mit ästhetischen           Aktien an Anleger verkauft, so gibt man
teressen stecken. Das Schema ist bekannt:      Wünschen. Diese Art von plastischer Chi-        – notabene medizinische – Entscheidungs-

                                                             DER ZINER
                                                                   16
Der Fall
                                                                                 Der Kartenleser piepst. Seine Augen sind blutunterlaufen. Ein weite-
                                                                                 rer Schluck Kaffee berührt seine Lippen und fliesst wärmend durch
                                                                                 seine Kehle. Fast schon mechanisch setzt er einen Fuss vor den an-
                                                                                 deren, ohne den Blick vom Boden zu lösen. Er kann sich jetzt keine
                                                                                 Pausen erlauben. Nicht in dieser Lernphase. Nicht so kurz vor seiner
                                                                                 Prüfung.

                                                                                 Das Beatmungsgerät zischt. Ihre Pupillen sind geweitet. Ein weiterer
                                                                                 Schweisstropfen löst sich von ihrer Stirn und rinnt ihr schleichend
                                                                                 über die Schläfe. Fast schon mechanisch setzt sie den nächsten
                                                                                 Schnitt, ohne den Blick vom Skalpell zu lösen. Sie kann sich jetzt
                                                                                 keinen Fehler erlauben. Nicht bei dieser Operation. Nicht so kurz
                                                                                 vor ihrem Schichtende.

                                                                                 Der Wecker klingelt. Seine Augen sind schon geöffnet. Eine weitere
                                   fähigkeit aus der Hand. Kennzeichnend         Nacht hinterlässt ihn schlaflos und dringt beissend durch seinen Ver-
                                   dafür ist das Paradoxon, dass in einem rein   stand. Fast schon mechanisch wirft er die Decke zur Seite, ohne den
                                   gewinnorientierten Spital leere Betten ein    Blick von der Leere zu lösen. Er kann sich jetzt keine Emotionen er-
                                   schlechtes Zeichen sind.                      lauben. Nicht in diesem Leben. Nicht so kurz vor ihrem Tod.
                                   Gesundheit ist ein Menschenrecht. Aber        Es ist sieben Uhr morgens. Der Winter hat das Land in seine Arme
                                   können Spitäler deswegen finanziell kom-      geschlossen und die Luft mit angenehmer Leichtigkeit erfüllt. Ein
                                   plett zulasten des Staats gehen? Zwar wird    zarter Nebel schwebt über den Strassen und lässt die Laternen matt
                                   somit das Menschenrecht geschützt. Ohne       werden. Der Frost prickelt in den Fingerspitzen und der Atem haucht
                                   Profit der Spitäler werden die Staatsgelder   gespenstisch dem Himmel entgegen.
                                   jedoch ausgelaugt. Mit der steigenden Le-     Es ist sieben Uhr morgens. Draussen fällt der erste Schnee.
Illustration von Catrina Pedrett

                                   benserwartung wird sich dieses Problem        Die Augen der Drei sind weit geöffnet, doch sie sehen es nicht.
                                   zunehmend verschärfen. Ausserdem senkt
                                   die staatliche Subvention den Ansporn für     Als Patrick die Bibliothek betritt empfindet er gar nichts. Zu oft hat
                                   Exzellenz und Fortschritt.                    er schon dieses Ritual gelebt und zu oft ist er schon durch diese Tür
                                   Die Spitäler brauchen mehr Handlungs-         gelaufen. Er ist sich nicht mal mehr sicher, welcher Tag heute ist.
                                   spielraum, um sich entwickeln zu können.      Aber wen kümmert es denn? Alles was Patrick weiss, ist dass er noch
                                   Aus diesem Grund müssen sie aber nicht        dreiundachtzig Vorlesungen bearbeiten muss. Dass er noch einein-
                                   gleich verkauft werden. In Zürich haben ei-   halb Themenblöcke zusammenfassen und drei Karteikartensätze
                                   nige Spitäler bereits andere Rechtsformen     reinwürgen muss. Er weiss auch, dass er das niemals in der verblei-
                                   übernommen und diese funktionieren of-        benden Zeit schaffen wird. Keine Chance.
                                   fenbar. So sind etwa die Spitäler Männe-      Als Patrick um Punkt zwölf Uhr das Neurologie Buch zuklappt und
                                   dorf, Wetzikon und Bülach und die Klinik      zur Cafeteria aufbricht, sieht er, wie zwei seiner besten Freunde
                                   Hirslanden schon heute Aktiengesellschaf-     ebenfalls aufstehen. Sie werfen sich schnell den universellen „Pau-
                                   ten, die aber in staatlichen Händen sind.     se?“ Blick zu und verlassen gemeinsam die Bibliothek. Auch das - ein
                                   Es steht die Frage im Raum, ob das eine       tägliches Ritual.
                                   endgültige Lösung ist oder lediglich ein      „Und?“, fragt Patrick trocken.
                                   Zwischenschritt, bis sie dann trotzdem ver-   „Jojo“, antwortet der Eine, „jojo“, der Andere.
                                   kauft werden.                                 In der Cafeteria herrscht wie immer reges Treiben, welches auf den
                                                                                 ersten Blick chaotisch erscheint, auf den Fünfzigsten aber ein klares,
                                   Menschenrecht und Pragmatismus müs-           monotones Muster preisgibt: Die Mikrowellen drehen und piepsen
                                   sen in ein funktionelles Gleichgewicht        durch die Gegend, eine Schlange von brummenden Zombies bildet
                                   kommen. Die Rechtsform eines Spitals soll     sich vor den Kaffeeautomaten und an den Tischen wird lauthals dis-
                                   nicht einschränkend sein und gleichzei-       kutiert.
                                   tig soll aus dem Gesundheitssystem keine      Die drei nicken kurz ein paar Kommilitonen zu und setzen sich mit
                                   Profitmaschinerie entstehen. Vielleicht be-   ihrem Mittagessen an einen Tisch.
                                   stünde eine Möglichkeit zur Sanierung der     Das Essen schmeckt wie immer.
                                   Spitäler darin, weniger Ressourcen in die     „Hey, fragt ihr euch auch manchmal, ob es das wirklich alles wert
                                   Verwaltung zu stecken. Somit kann Geld        ist?“, fragt Patrick plötzlich.
                                   gespart werden und die Hierarchie würde       „Wie meinst du das?“
                                   flacher gehalten werden. Es bleibt zu hof-    „Naja, ihr wisst schon… was ist, wenn der Arztberuf am Schluss
                                   fen, dass weiterhin die gesamte Bevölke-      doch total ätzend ist? Wenn mich die Patienten aufregen und dann
                                   rung Zugang zu ärztlicher Versorgung in       die ganzen Nachtschichten und Überstunden. Und überhaupt die
                                   Spitälern hat, die sich in einem gesunden     Verantwortung und all das. Ich weiss nicht…“
                                   Wettkampf untereinander befinden.             Für einen kurzen Moment ist es still. Einen ganz kurzen Moment. So
                                                                                 kurz, dass man es fast nicht merkt. Aber eben nur fast.
                                   Catrina Pedrett                               „Aaaach was. Das ist doch genau das Geile dran! Die Abwechslung,
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