Hochwassermanagement im Kanton Aargau
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Hochwassermanagement
im Kanton Aargau
Markus Zumsteg | Abteilung Landschaft und Gewässer | 062 835 34 50
Warum nehmen Über-
Mit Naturgefahren kann nur sinnvoll umgegangen werden, schwemmungsschäden
wenn man sie kennt, richtig beurteilt, vorbeugende Mass- so stark zu?
nahmen rechtzeitig ergriffen werden und im Notfall rasch hhGlobale Bevölkerungszunahme:
gehandelt wird. Verschiedene Ereignisse wie die Hochwas- Im Jahr 1800 lebten eine Milliar-
ser von 2005 und 2007 sowie die Stürme Vivian und Lothar de Menschen auf der Erde, heute
haben dazu beigetragen, dass heute nachhaltige und ganz- sind es knapp siebenmal mehr.
heitliche Schutzstrategien umgesetzt werden. Auf allen hhSteigender Lebensstandard: Dies
Ebenen der öffentlichen Verwaltung wurde in den letzten führt zu wachsenden Wertbe-
Jahren viel unternommen, um den Schutz der Bevölkerung ständen, die im Falle einer Katas
vor Hochwasser zu verbessern – nicht zuletzt dank der trophe betroffen sind.
Gefahrenkarte Hochwasser. hhKonzentration von Bevölkerung
und von Werten (Bauten, Infra-
struktur) in Grossstädten: Me-
gastädte entstanden auch in ge-
fährdeten Regionen, beispiels-
weise Tokio mit 30 Millionen
Einwohnern.
hhBesiedelung und Industrialisie-
rung stark exponierter Regionen:
In Gefahrengebieten an Küsten
und in Flussniederungen wur-
den Infrastrukturanlagen sowie
Tourismusangebote aufgebaut.
hhSensible Wirtschaft: Die Anfäl-
ligkeit moderner Gesellschaften
Foto: MeteoSchweiz
und Technologien ist gestiegen.
hhSteigende Versicherungsdichte:
Versicherte Schäden steigen da-
durch überproportional an.
hhWeltweite Änderung der Um-
weltbedingungen: Der Klima-
Eine aufziehende Gewitterfront kündet lokale Starkniederschläge an. wandel bringt Extremereignisse
mit sich.
Die Gefahrenkarten: Innert nützlicher Frist soll eine nach- gen Hochwasserereignisse mög-
streng geheim? haltige sowie kantons- und schweiz- lichst schadlos überstehen lässt;
In Gemeinden, Kantonen und beim weit vergleichbare Sicherheit für Men- hhdie Verhaltensvorsorge, die vor an-
Bund sind in den vergangenen Jahr- schen, Bauten, Infrastrukturen und laufenden Hochwassern warnt und
zehnten grosse Anstrengungen un- weitere Sachwerte geschaffen und mögliche Einsätze der Feuerwehr
ternommen worden, um Bevölke- langfristig erhalten werden. Das vorbereitet;
rung, Sachwerte und natürliche Le- Hochwassermanagement des Kan- hhdie Risikovorsorge, die finanzielle
bensgrundlagen vor Naturgefahren tons Aargau umfasst folgende Einzel- Vorsorge für den Fall trifft, dass
zu schützen. Trotzdem haben die strategien: trotzdem ein Schaden eintritt (Ele-
Schäden – insbesondere durch Hoch- hhdie Flächenvorsorge mit dem Ziel, mentarschaden- und Hausratversi-
wasser – in jüngerer Vergangenheit möglichst kein Bauland in hoch- cherung).
stark zugenommen. Der Schutz vor wassergefährdeten Gebieten aus- Eine wichtige Grundlage des Hoch-
Naturgefahren ist eine Daueraufga- zuweisen; wassermanagements sind die Gefah-
be, die nicht nur Fachleute, sondern hhdie Bauvorsorge, die Gebäude durch renkarten, die in allen Kantonen nach
auch die breite Bevölkerung betrifft. angepasste Bauweisen und Nutzun- vergleichbaren Standards erstellt wur-
U M W E L T A A R G A U Sondernummer 34 November 2011
3Umsetzung der Einzelstrategien durch verschiedene Akteure
Kanton Gebäudeversicherung Gemeinde
Flächenvorsorge Gefahrenkarte Hochwasser, Gefahrenkarte Hochwasser Zonenplan
Richtplan
Bauvorsorge Hochwasserschutzprojekte Hochwasserschutznach- Bau- und Nutzungsord-
an Bächen und Flüssen weis, Elementarschaden- nung, Baubewilligung
fonds
Verhaltensvorsorge Kantonaler Führungsstab, Konzept Elementar- Regionales Führungsorgan,
Gefährdungsanalyse schadenintervention Feuerwehr, Zivilschutz
Kanton Aargau,
Warnung und Alarmierung,
Kantonspolizei,
Kantonales Katastrophen-
einsatzelement (KKE)
Risikovorsorge Versicherungsleistungen,
interkantonaler
Risikoausgleichsfonds
Die Elemente des Hochwasser-
schutzmanagements im Kanton
Aargau
+RFKZDVVHU9RUVRUJH
)OlFKHQYRUVRUJH5DXPSODQXQJ
%DXYRUVRUJH2EMHNWVFKXW]
(OHPHQWDU
VFKDGHQ :DVVHUEDX
9HUVLFKHUXQJ
*HIDKUHQNDUWHQ *HZlVVHUXQWHUKDOW
6WDDWO*HElXGH XQG 6FKXW]ZDVVHUEDX
YHUVLFKHUXQJ 0DVVQDKPHQ
3ULYDWH SODQXQJHQ
9HUVLFKHUXQJHQ
Foto: Departement BVU/ALG
+RFKZDVVHU$EZHKU
9RUKHUVDJH:DUQXQJ
.DWDVWURSKHQVFKXW]
Die Gefahrenkarte Hochwasser
hat als gemeinsame Grundlage eine
wichtige Stellung.
Seit über 20 Jahren erfolgreich in Betrieb: Das Hochwasserrückhaltebecken
Greuel oberhalb von Muri fügt sich gut in die Landschaft ein.
den. Sie zeigen die Schutzdefizite auf.
Im Kanton Aargau sind diese Infor-
mationen für alle zugänglich. Das Mensch die Höhe der Wahrscheinlich omit. Das Hochwassermanagement
s
Geoportal des Kantons Aargau gibt keit, dass ein Hochwasser eintritt, so- ist kantonsübergreifend und regional
allen Interessierten darüber Auskunft wie seinen Verlauf und das Ausmass anzugehen. Die Zusammenarbeit im
(www.ag.ch/geoportal). seiner Folgen. Durch Begradigung ganzen Gewässereinzugsgebiet ist
oder Eindolung sowie durch Eindäm- eine wichtige Voraussetzung für ei-
Hochwasser: schneller – grösser mung oder Entwässerung wurden nen erfolgreichen vorsorgenden Hoch-
– häufiger natürliche Überschwemmungsflächen wasserschutz. Es müssen Massnah-
Mit dem Klimawandel, der Zunahme zerstört. Zudem sind Gewässerläufe men zur Dämpfung der Abflussspit-
der überbauten und verdichteten Flä- verkürzt worden. Die Fliessgeschwin- zen realisiert werden, beispielsweise
chen sowie dem Zuwachs an Sach- digkeit der Oberflächengewässer hat durch den Wasserrückhalt in den
werten entlang der Gewässer sind dadurch zugenommen. Der Abfluss grossen Seen des Mittellands, die
vermehrt Hochwasserereignisse mit vieler Zuflüsse konzentriert sich heu- Nutzung natürlicher Rückhalteräume
grossen Schäden zu erwarten. Ob- te schneller und es fliesst in kürzerer oder den Bau von neuen Rückhalte-
wohl Hochwasser eigentlich natürli- Zeit mehr Wasser ab. Die Gefahr von räumen. Seit dem Hochwasser 2007
che Ereignisse sind, beeinflusst der Schäden durch Hochwasser steigt an der Aare wird der Bielersee opti-
4 Sondernummer 34 November 2011 U M W E L T A A R G A UWelche Folgen hat eine
globale Klimaerwärmung?
Ein wärmeres Erdklima bewirkt
einen höheren Wasserdampfge-
halt der Atmosphäre. Dies dürfte
die Niederschlagsmengen gene-
rell ansteigen lassen und in regio-
nalen Unwettersituationen zu häu-
figeren Starkregenereignissen füh-
ren. Gleichzeitig lassen Trends
und Klimamodelle in vielen Regi-
onen deutlich mildere und feuch-
tere Winter erwarten. Als Folge
Foto: Beat Zeier
davon steigt das Überschwem-
mungsrisiko, da der Niederschlag
nun häufiger und grossflächiger
als Regen fällt anstatt wie früher
Die Feuerwehr ist immer häufiger als Wasserwehr im Einsatz. Hier baut die als Schnee. Ausserdem wird der
Feuerwehr Bremgarten im Ernstfall eine neue, mobile Hochwassersperre Meeresspiegelanstieg an allen
auf. Küsten der Welt das Sturmflutri-
siko erhöhen. Hochwasserschutz
wird global und langfristig zu ei-
maler reguliert. Auch für den Sihlsee ten mit der landwirtschaftlichen Nut- nem zentralen Handlungsfeld der
wird während der Umbauphase im zung oder mit der Bauzone führen Klima- und Energiepolitik. Hoch-
Bahnhof Zürich eine Hochwasser kann. Der Hochwasserschutz besteht wasserschutz ist eine Adaptions-
bewirtschaftung vorgenommen. Der aus der Kombination von bautechni- strategie, die sich auf neue Klima
Kanton Zürich hat 2008 ein Vorhersa- schen Massnahmen und natürlichen phänomene einstellt. Der Klima-
gesystem eingerichtet. Dadurch kön- Überflutungsräumen. Er kann jedoch bericht 2010 des Departements
nen die Pegel von Sihlsee und Zürich- nie verhindern, dass übermässige Er- Bau, Verkehr und Umwelt zeigt
see vorsorglich und koordiniert abge- eignisse, die über dem Umfang der die Herausforderungen für die
senkt werden: Die beiden Seen die- Auslegung liegen, zu grossen Über- Zukunft im Kanton Aargau (www.
nen während starken Niederschlägen schwemmungen und Schäden füh- naturama.ch/nachhaltigkeit/nac_
als Rückhaltebecken. Die Stadt Zürich ren. Dieses Restrisiko bleibt. publikationen.cfm).
und das Limmattal profitieren davon. Heute bestehende Überflutungsge-
Neue Projekte haben dem Grundsatz biete ausserhalb der Bauzonen sind
der Nachhaltigkeit zu genügen. Ver- wichtig für den Rückhalt der Wasser-
langsamen wir den Wasserhaushalt, massen oder als zusätzliche Abfluss- So viel lassen wir uns den
tragen wir dazu bei, dass mehr korridore im Ereignisfall. Solche Ge- Schutz vor Naturgefahren
Grundwasser gebildet wird, und biete gilt es planerisch zu schützen kosten:
schaffen günstigere Voraussetzun- und von weiterer Bebauung frei hh2,9 Milliarden Franken pro Jahr
gen, um bei Trockenheit genügend zuhalten. Es ist zu verhindern, dass oder 0,6 Prozent des Brutto
Wasserressourcen zur Verfügung zu überschwemmungsgefährdete Ge- sozialproduktes verwendet die
haben. biete eingezont und überbaut wer- Schweiz für den Schutz vor Na-
den. Dazu werden Freihaltegebiete turgefahren.
Neue Freihaltegebiete Hochwasser definiert. Die Gemein- hh400 Franken pro Einwohner und
Hochwasser den erhalten den Auftrag, das Frei- Jahr kosten in der Schweiz die
Die Hochwassersicherheit allein mit haltegebiet Hochwasser in der Nut- Massnahmen zum Schutz vor
wasserbaulichen Massnahmen zu ge- zungsplanung zu sichern, indem sie Naturgefahren.
währleisten ist oft nicht machbar Landwirtschaftszonen mit geeigne-
oder stösst an finanzielle Grenzen. ten Bestimmungen oder andere Zo-
Einerseits haben bautechnische Mass- nen, die dem Freihalteziel entspre-
nahmen im Umfang ihrer Auslegung chen, ausscheiden.
nur eine begrenzte Wirkung, bei- Mit der Regenwasserversickerung, dert in kleineren Einzugsgebieten die
spielsweise als Schutz vor einem der zurückhaltenden Versiegelung von häufigeren Hochwasserereignisse. Die
100-jährlichen Hochwasser. Anderer- Flächen und einer standortgemäs- Renaturierung von Bächen und die
seits benötigt der naturnahe Hoch- sen Land- und Waldwirtschaft lässt Reaktivierung von Auengebieten ver-
wasserschutz mit Überflutungsflä- sich das Wasserspeichervermögen längern die Fliesszeit der Gewässer
chen viel Landfläche, was zu Konflik- des Bodens verbessern. Das vermin- und vermindern so die Hochwasser-
U M W E L T A A R G A U Sondernummer 34 November 2011
5gefahr. Solche dezentralen Massnah- Die Gewässerschutzstrategie Aargau
men sind wichtig für den vorsorgli-
chen Hochwasserschutz. Gewässerschutzziele Leitsätze für Handlungsschwerpunkte bis 2015
Wasserqualität Im Kanton Aargau werden die erforderlichen
Abflussmessstationen mit Massnahmen zum Werterhalt der kommunalen
moderner Technik Abwasseranlagen umgesetzt. Alle Gewässer des
Der Kanton Aargau betreibt ein kan- Kantons sind höchstens schwach belastet.
tonales Messnetz von zirka 30 hyd
Wasserkreislauf In allen Gewässern des Kantons, in denen Fische
rometrischen Messstationen vorwie-
leben, können sich die typischen Fischarten
gend an den mittelgrossen Gewäs-
natürlich fortpflanzen.
sern (Suhre, Wyna, Bünz, Aabach,
Surb usw.). Dieses Netz wurde in den Lebensraum Zwei Drittel aller Fliessgewässerabschnitte
letzten Jahren vollständig automati- des Kantons sind naturnah und weisen einen
siert und online verfügbar gemacht ausreichenden Gewässerraum auf.
(www.ag.ch/alg -> Hydrometrie). Da-
Wasserversorgung In allen öffentlich genutzten Trinkwasserfassun-
mit werden die Alarmierung im Hoch-
gen im Kanton liegt die Nitratkonzentration unter
wasserfall und das Ressourcenma
25 Milligramm pro Liter
nagement zu Zeiten von Niedrigwas-
ser verbessert. Es ist möglich, Warn- Die Gewässerschutzstrategie Aargau wurde 2004 lanciert und legt die neue
meldungen beim Erreichen gewisser Stossrichtung für die nächsten zehn Jahre fest.
Abflussgrössen per SMS abzusetzen.
Der Abfluss in den Flüssen wird durch
den Bund gemessen und im Internet den Jährlichkeiten der Abflüsse bzw. Die kantonalen Gebäudeversicherun-
veröffentlicht unter www.hydrodaten. mit dem Seestand und den Hochwas- gen, SF Meteo und Die Mobiliar be-
admin.ch/de. sergrenzen verknüpft. Verschiedene treiben zusammen die Internet-Platt-
Plattformen informieren über Hoch- form www.wetteralarm.ch. Wetter
Warnung und Alarmierung wasserereignisse. Zur besseren Infor- alarm informiert per SMS, E-Mail
für jedermann mation der Bevölkerung ist die Inter- oder Fax über aufkommende Unwet-
Die neue Alarmierungsverordnung net-Plattform www.naturgefahren.ch ter in der Schweiz. Gratis erhältlich ist
des Bundes ist auf den 1. Januar 2011 in Betrieb. auch eine App für das iPhone.
in Kraft getreten. Warnungen werden Für Profis aus kantonalen und re Der Bund hat ein neues Netz von
neu per Radio und Fernsehen der Be- gionalen Führungsorganisationen hat Fliessgewässern von gesamtschwei-
völkerung übermittelt. Der Bund ar- der Bund den Betrieb der Gemeinsa- zerischem Interesse definiert. Für die-
beitet via Nationale Alarmzentrale men Informationsplattform Naturge- se Gewässer erstellt der Bund hydro-
(NAZ) mit den Kantonen zusammen. fahren (GIN) übernommen. Die Be- logische Vorhersagen und Warnun-
Für die Warnungen wird eine fünfstu- nutzerfreundlichkeit wird laufend ver- gen vor Hochwasser. Im Kanton Aar-
fige Skala verwendet. Für Hochwas- bessert und es finden Schulungen gau gibt es diese Abflussprognosen
serwarnungen werden die Stufen mit statt. für Aare, Reuss, Limmat und Rhein.
Foto: Departement BVU/ALG
Die Auenwälder im Wasserschloss sind natürliche Rückhaltegebiete.
6 Sondernummer 34 November 2011 U M W E L T A A R G A UDie Abflussvorhersagen werden ver- Hochwasserschutzprojekte im Kanton Aargau
öffentlicht unter www.hydrodaten.ad- )XOO
min.ch/warnungen-vorhersagen/de/.
5HXHQWKDO .REOHQ] 5LHWKHLP
/HLEVWDGW .OLQJQDX
6FKZDGHUORFK
%DG=XU]DFK
/HXJJHUQ
.DLVHUVWXKO
Regionale Hochwasserschutz-
:DOOEDFK %|WWVWHLQ 5HNLQJHQ 0HOOL
7HJHU 5PLNRQ
NRQ
0HWWDXHUWDO
IHOGHQ
0|KOLQ :LVOL )LVLEDFK
'|WWLQJHQ %DOGLQJHQ
/DXIHQEXUJ NRIHQ
6LVVHOQ 0DQGDFK %|ELNRQ
projekte mit Priorität Rückhalt
5KHLQIHOGHQ 8QWHUHQGLQJHQ
0XPSI
=HLQLQJHQ 6LJOLVWRUI
6WHLQ (LNHQ
.DLVHUDXJVW 0QFK :UHQ
.DLVWHQ *DQVLQJHQ (QGLQJHQ
ZLOHQ 9LOOLJHQ OLQJHQ
2EHUPXPSI
Der Richtplan definiert einen neuen
2OVEHUJ
=X]JHQ 2HVFKJHQ /HQJQDX
0DJGHQ 6FKQHLVLQJHQ
5HPLJHQ
0|QWKDO
6FKXSIDUW (OILQJHQ 8QWHU
Planungsgrundsatz:
+HOOLNRQ )ULFN 5IHQDFK VLJJHQWKDO
2EHUE|]EHUJ )UHLHQZLO
+RUQXVVHQ 2EHU
*LSI2EHUIULFN %|]HQ (IILQJHQ
8QWHU
5LQLNHQ VLJJHQWKDO
(KUHQGLQJHQ
:HJHQVWHWWHQ
«Fliessgewässer sind so zu bewirt
8HNHQ E|]EHUJ 7XUJL
%UXJJ (QQHW
*DOOHQNLUFK EDGHQ
*HEHQVWRUI
:LWWQDX :LQGLVFK
+HU]QDFK /LQQ 9LOOQDFKHUQ %DGHQ :HWWLQJHQ
schaften, dass Hochwasser, zum Bei
=HLKHQ
+DEV %LUPHQV
:|OIOLQVZLO
EXUJ +DXVHQ WRUI
6FKLQ]QDFK'RUI 0OOLJHQ
'HQVEUHQ 6FKHU] :UHQORV
spiel mit Rückhaltebecken, so weit
%DG /XSILJ 1HXHQ
2EHUKRI KRI
2EHU %LUU % )LVOLVEDFK
7KDOKHLP
IODFKV +ROGHU %LUU KDUG .LOO
9HOWKHLP 2EHU
wie möglich zurückgehalten oder ge
EDQN ZDQJHQ
(UOLQVEDFK
.WWLJHQ
%LEHUVWHLQ
$XHQVWHLQ
0|ULNHQ
:LOGHJJ
0lJHQ
:RKOHQ 0HOOLQJHQ
%UXQHJJ
VFKZLO
URKUGRUI
1LHGHU
5HPHWVFK
6SUHLWHQ
EDFK
zielt ausgeleitet werden und damit
ZLO
5XSSHUVZLO 1LHGHU 6WHWWHQ ZLO
2WKPDU 7lJHULJ
OHQ] VLQJHQ
der schadlose Wasserabfluss gewähr
$DUDX %XFKV
+XQ]HQ
VFKZLO 6WDXIHQ
/HQ]EXUJ
+HQG
VFKLNHQ
+lJJ
OLQJHQ
1LHGHUZLO
.QWHQ
%HOOLNRQ
%HUJ
GLHWLNRQ
'RWWLNRQ
(JJHQZLO
8QWHU 6XKU 6FKDILV )LVFKEDFK 5XGROIVWHWWHQ
$PPHUV
leistet und der Entstehung von Hoch
KHLP *|VOLNRQ :LGHQ
HQWIHOGHQ ZLO )ULHGOLVEHUJ
2EHUHQWIHOGHQ
*UlQLFKHQ (JOLVZLO
'LQWL
NRQ :RKOHQ
%UHPJDUWHQ %HULNRQ
wasserschäden vorgebeugt wird.»
6HRQ
9LOOPHUJHQ =XILNRQ
2EHUZLO/LHOL
.|OOLNHQ
:DOWHQVFKZLO +HUPHW
0XKHQ 6HHQJHQ
Mit dem Projekt «Hochwasserschutz
$DU 7HXIHQ +DOOZLO %WWLNRQ VFKZLO
EXUJ %Q]HQ 8QWHU ,VOLV
WKDO
OXQNKRIHQ EHUJ
$UQL
6DIHQZLO +RO]L +LUVFKWKDO 'UUHQ 8H]ZLO %HVHQ 5RWWHQ
8QWHUNXOP
6DUPHQVWRUI 2EHU
NHQ lVFK %RQLVZLO EUHQ VFKZLO
und Renaturierung Wyna» wurde der
2IWULQJHQ
.DOOHUQ
6FK|IWODQG /HXWZLO 0HLVWHU
8HUNKHLP
2EHUNXOP VFKZDQGHQ -RQHQ
5RWKULVW
)DKU %RVZLO $ULVWDX
6FKORVVUXHG %LUUZLO ZDQJHQ %HWWZLO
regionale Ansatz mit Hochwasser- =RILQJHQ %RWWHQZLO =HW]ZLO
6WUHQJHO
EDFK
6WDIIHOEDFK
.LUFK
OHHUDX /HLPEDFK 0XUL
9RUGHPZDOG 6FKPLHG
rückhalt und lokalen Gewässeraus-
:LOLEHUJ %HLQZLO
0RRV UXHG
$WWHOZLO *RQWHQVFKZLO %XWWZLO
OHHUDX
5HLQDFK 0HUHQVFKZDQG
%ULWWQDX *HOWZLO
bauten sowie ökologischen Zielen
5HLWQDX %HQ]HQ
0XUJHQWKDO VFKZLO
0HQ]L
%XUJ
NHQ 0KODX
%HLQZLO
mit Renaturierung und Längsvernet-
$XZ
zung erstmals über eine ganze Tal-
6LQV
schaft und in Abstimmung mit dem $EWZLO
Nachbarkanton Luzern durchgeführt.
2EHUUWL
2009 konnte das bisher grösste Rück- 'LHWZLO
haltebecken im Kanton Aargau in Hochwasserschutzprojekte
HWS > 1 Mio. Franken
Zetzwil in Betrieb genommen wer-
Realisierungsstand per September 2011 Basiskarte
den. Regionale Projekte wurden auf
der Basis der Gefahrenkarte Hoch- HWS gebaut 1998–2011 Gewässernetz
HWS im Bau 2011 Gefahrenhinweisgebiete Hochwasser
wasser auch im Surbtal, im Bünztal, HWS in Planung Siedlungsgebiet
im Möhlintal und im Suhrental erar- HWS in Planung (regionale Projekte)
beitet. Die Grundidee ist überall die- Hochwasserschutz Reusstal
selbe: Drosselung der Abflussspitze
durch ein oder zwei Rückhaltebecken Regionale Projekte über ein ganzes Einzugsgebiet ermöglichen es, die
und falls notwendig zusätzlicher Ge- natürliche Topografie für Rückhaltemassnahmen zu nutzen. Solche Projekte
wässerausbau. Rückhaltebecken sind, sind effektiver und wirtschaftlicher, bedingen aber eine funktionierende
wenn günstige topografische Verhält- Zusammenarbeit zwischen allen Gemeinden einer Talschaft.
Foto: Departement BVU/ALG
Treibholz spielt bei Hochwasserereignissen eine grosse Rolle. Ab sofort verhindert die Holzrückhalteanlage in
Malters LU, dass die Kleine Emme grosse Schwemmholzmengen in die Reuss führt.
U M W E L T A A R G A U Sondernummer 34 November 2011
7Foto: Departement BVU/ALG
Foto: Departement BVU/ALG
Die Bünz oberhalb von Dottikon wurde renaturiert und Die Pflege der artenreichen Heuwiesen entlang der
entspricht den neuen Vorgaben des Gewässerschutz Kanäle in der Reussebene erfolgt weitgehend mechani
gesetzes. siert und damit wirtschaftlich.
nisse genutzt werden können, wirt- Neue Bundesvorgaben gangsbestimmung zur Anwendung.
schaftliche Lösungen. Die Realisie- für den Gewässerraum Die neuen bundesrechtlichen Vorga-
rung bedingt einen regionalen Kos- Die revidierte Gewässerschutzver- ben führen dazu, dass § 127 des kan-
tenteiler aufgrund des Nutzens. Als ordnung (GSchV) ist seit dem 1. Juni tonalen Baugesetzes (BauG), der bis-
Basis für den Kostenteiler dient die 2011 in Kraft. Darin wird durch den lang die Gewässerabstände definier-
Gefahrenkarte im Ausgangszustand Bund die Bemessung des Gewässer- te, nicht mehr anwendbar ist. Bauge-
und nach Realisierung des Projekts. raums für Fliessgewässer und stehen- suche, welche den Gewässerraum
Rückhaltebecken können auch an de Gewässer definiert sowie die zu- gemäss Gewässerschutzverordnung
grösseren Seitenbächen eine sinn- gelassene Bewirtschaftung und Nut- tangieren, bedürfen der kantonalen
volle Lösung sein. Die Gemeinde Vill- zung dieses Raums vorgegeben. Art. Zustimmung.
mergen hat am Hinterbach und am 36a GSchG verpflichtet die Kantone, Im Gewässerraum dürfen grundsätz-
Erusbach je ein Hochwasserrückhal- den Raumbedarf der oberirdischen lich nur standortgebundene, im öf-
tebecken realisiert. Ein Bachausbau Gewässer so festzulegen, dass die fentlichen Interesse liegende Bauten
wäre in der Bauzone wegen den vie- natürlichen Funktionen der Gewäs- und Anlagen neu erstellt werden, wo-
len Brücken und Werkleitungen gar ser, des Hochwasserschutzes und der bei zur Füllung von Baulücken in
nicht möglich gewesen. Gewässernutzung gewährleistet sind. dicht überbauten Gebieten Ausnah-
Die Breite des Gewässerraums orien- men von diesem Grundsatz möglich
Fundamentale Neuausrichtung tiert sich an der sogenannten Schlüs- sind. Bestehende Bauten und Anla-
des Gewässerschutzrechtes selkurve (Leitbild Fliessgewässer gen sind in ihrem Bestand grundsätz-
Am 11. Dezember 2009 hat das Parla- Schweiz, BUWAL/BWG, 2003). Diese lich geschützt. Der Gewässerraum
ment mit einer Änderung des Gewäs- definiert die notwendige Gewässer- darf landwirtschaftlich genutzt wer-
serschutzgesetzes (GSchG) vom 24. breite zur Sicherstellung des Hoch- den, sofern die Nutzung den Anfor
Januar 1991 einen Gegenvorschlag wasserschutzes und der ökologi- derungen der Verordnung vom 7. De-
zur Volksinitiative «Lebendiges Was- schen Funktionen. Art. 41a und 41b zember 1998 über die Direktzahlun-
ser» beschlossen. Dieser Gegenvor- GSchV bezeichnen die minimale Brei- gen an die Landwirtschaft (Direkt
schlag enthält Gesetzesbestimmun- te des Gewässerraums, die nicht un- zahlungsverordnung, DZV) entspricht.
gen zur Revitalisierung der Gewäs- terschritten werden darf. Zur Ge- Mit einer Übergangsbestimmung soll
ser, zur Sicherung und extensiven Be- währleistung gewisser Ziele müssen sichergestellt werden, dass nach In-
wirtschaftung des Gewässerraums, die Kantone die Breite des Gewässer- krafttreten keine neuen Bauten und
zur Verminderung der negativen Aus- raums erhöhen. In dicht überbauten Anlagen im Gewässerraum errichtet
wirkungen von Schwall und Sunk un- Gebieten jedoch können die Kantone werden. Die Anforderungen an die
terhalb von Wasserkraftwerken so- die Breite des Gewässerraums den Bewirtschaftung des Gewässerraums
wie zur Reaktivierung des Geschiebe- baulichen Gegebenheiten anpassen, gelten hingegen erst, wenn der Kan-
haushalts. Zudem enthält der Gegen- soweit der Schutz vor Hochwasser ton den Gewässerraum festgelegt
vorschlag eine Lösung für die Finan- gewährleistet ist. Die Kantone haben hat.
zierung der Massnahmen. den Auftrag, den Gewässerraum bis Unter www.ag.ch/alg -> Gewässer-
zum 31. Dezember 2018 festzulegen. nutzung findet man weitere Informa-
Solange sie den Gewässerraum nicht tionen rund ums Thema Gewässer-
definiert haben, kommt eine Über- nutzung.
8 Sondernummer 34 November 2011 U M W E L T A A R G A USie können auch lesen