INFORM - Magazin für die hessische Landesverwaltung

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INFORM - Magazin für die hessische Landesverwaltung
Hessische Zentrale für Datenverarbeitung

INFORM
Magazin für die hessische Landesverwaltung

                  Barrierefreie IT
                  // Digitale Teilhabe für alle
                  ab Seite 12

                                                                   3/19 Sept. 2019
DMS 4.0 // Menschliche               Verfahrenscloud Hessen //     46. Jahrgang
Bedürfnisse und technologische       Das neue Herz im Rechen-
Möglichkeiten ab Seite 30            zentrum der HZD ab Seite 38
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2    INFORM 3/19 // IMPRESSUM

INFORM                                                 Druck
erscheint viermal jährlich (46. Jahrgang)              AC medienhaus GmbH, www.acmedienhaus.de

Herausgeber                                            Fotos
                                                       © photocrew/AdobeStock: Titel, S. 18-19; © ekostsov/Ad­
Hessische Zentrale für Datenverarbeitung
                                                       obeStock: S. 5, 45; © pixelkorn /AdobeStock: S. 5, 51; ©
Mainzer Straße 29, 65185 Wiesbaden
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Chefredaktion
Manuel Milani
                                                       Grafiken
                                                       © Agentur 42 oHG: S. 34 –35, 45
Redaktion
Birgit Lehr, Simone Schütz
                                                       Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind
Beirat                                                 urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch auszugsweise,
Markus Brückner, Hans-Georg Ehrhardt-Gerst,            nur mit schriftlicher Genehmigung der HZD.
Dr. Bernhard Fussel, Dr. Alberto Kohl, Susanne Mehl,
Manfred Pospich, Eckart Ruß
                                                       Wenn Sie die INFORM regelmäßig erhalten möchten,
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INFORM - Magazin für die hessische Landesverwaltung
EDITORIAL // INFORM 3/19   3

Liebe Leserin,
lieber Leser,

seit knapp einem Jahr sind die Teilhaberichtlinien
des Landes Hessen in Kraf t gesetzt. „Menschen mit
Behinderungen definieren sich wie alle Menschen
nicht über ihre Defizite, sondern über ihre per­
sönliche Leistungsfähigkeit. Deshalb betonen die
UN-Behinder tenrechtskonvention und das SGB IX          schen Umsetzung sind das neue Mitarbeiterpor tal
schon in ihrer Begrif flichkeit ,Menschen mit Behin­    und die Sof tware-Ergonomie-Richtlinie für Fachan­
derungen‘ zunächst das Menschsein und dann die          wendungen ERBe Gradmesser für Barrierefreiheit
Behinderung“.                                           in der IT.

Die Hessische Landesregierung hat sich schon            Diese Ausgabe der INFORM stellen wir übrigens
2001 verpflichtet, wenigstens 6 Prozent der Arbeits­    erstmalig als barrierefreies PDF auf unserer Home­
plätze in der Landesverwaltung mit schwerbehin-         page www.hzd.hessen.de zur Verfügung – eine
der ten Menschen zu besetzen. Der Grund dafür ist       längst überfällige Umstellung.
ebenso einfach wie traurig: Menschen mit Behinde­       Erstmalig in dieser Ausgabe finden Sie auch un­
rungen sind überpropor tional von Arbeitslosigkeit      sere neue Rubrik „Wie steht es eigentlich um …?“.
betrof fen bzw. bedroht. Aktuell arbeiten in der ge­    Digitalministerin Kristina Sinemus oder Staats­
samten hessischen Landesverwaltung 7,28 Prozent         sekretär und CIO Patrick Burghardt werden ab
behinder te Menschen, im Finanzressor t sind es         sofor t in jeder INFORM Stellung zu einem Thema
sogar 11,11 Prozent.                                    beziehen, das die Digitalisierung der Verwaltung
Den Schwerpunk t dieser INFORM-Ausgabe wid­             betriff t.
men wir dem Thema „Barrierefreie IT – Digitale
Teilhabe für alle“. Das Thema gewinnt immer mehr
                                                        Eine interessante und barrierefreie Lektüre
an Bedeutung. Die Verwaltung und insbesondere
                                                        wünscht Ihnen
Hessen nehmen eine Vorreiterrolle ein, stellt
die Landesbeauf tragte für barrierefreie IT Prof.
Dr. Erdmuthe Meyer zu Bex ten im Gespräch mit           Ihr
INFORM klar. Sie und ihr Team aus der Durchset­
zungs- und Überwachungsstelle zeigen auf, was sie
dafür tun. Unser HZD-Mitarbeiter Michael Alten­
hofen ist von Gebur t an blind. Er gewähr t uns einen   Joachim Kaiser
„Einblick“ in seinen Arbeitsalltag. In der techni­      Direktor der HZD
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4        INFORM 3/19 // INHALT

                                                                     Schwerpunkt: Barrierefreie IT
                                                                     Barrieren in der IT abbauen – für wen und wie? Dar­
                                                                     über berichtet INFORM und sprach dafür unter an­
                                                                     derem mit Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten, der
                                                                     Landesbeauf tragten für barrierefreie IT. Hessen ist
                                                                     das erste Land mit einer solchen Einrichtung und
                                                                     Vorreiter bei dem Thema, das immer mehr an Be­
                                                                     deutung gewinnt.

// Inhalt

            n o t iz e n
    8       Kurznachrichten aus Deutschland, Hessen und der HZD

            kol u mn e
    11      HZD Web-Lounge
                                                                     Digitale Teilhabe für alle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
            Denk-Prozesse

    12      barrierefreie it – digitale teilhabe für alle            Eine digitale Identität
                                                                     „Als Mitarbeiter des Landes Hessen möchte ich mich
                                                                      mit meinem Mitarbeiterkonto einfach, bequem und
    14      „Barrierefreie IT betrifft jeden“                         sicher anmelden können, um meine Geschäftsrolle(n)
            Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten, Landesbeauf tragte    in den dazugehörigen Fachverfahren sachgerecht
            für barrierefreie IT, im Gespräch                         ausfüllen zu können.“ So lautet die Vision des Enter­
                                                                      prise Identity Management-Projektes. Dazu braucht
    19      Auf dem Weg zur digitalen Gleichberechtigung              es langfristig die Etablierung eines modernen be­
            Die hessische Stabsstelle für barrierefreie IT            hördenübergreifenden Identity und Access Mana­
                                                                      gements im Land Hessen.
    22      HZD-Trainee Michael Altenhofen
            Ich bin der Kommandozeilen-Mann                          Identity und Access Management . . . . . . . . . . . . 34

    24      Ein Portal für alle
            Das landesweite MAP wird modern und barrierefrei
    28      ERBe wird mobil
            Sof tware-Ergonomie für Fachanwendungen
    29      Schwerbehinderte Menschen in Hessen
    29      Doppelte Frauenpower
            Schwerbehinder tenvertretung
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INHALT // INFO R M 3/19   5

                                                                                         di gi ta l S t r at e gi e
                                                                                    30   DMS 4.0
                                                                                         Menschliche Bedürfnisse und technologische Möglichkeiten

                                                                                    33   Frau Sinemus, wie steht es eigentlich um ...
                                                                                         die digitale Strategie?

                                                                                         hzd-m a g a zi n
                                                                                    34   Eine digitale Identität
E-Bezügenachweis                                                                         Einmal anmelden – auf alle zentralen Anwendungen zugreifen
Seit Dezember 2018 können sich die Beschäf tigten                                   38   Verfahrenscloud Hessen
der hessischen Landesverwaltung mit dienstlicher
                                                                                         Das neue Herz im Rechenzentrum der HZD
E-Mail-Adresse für die digitale Zustellung ihres Be­
zügenachweises registrieren. Der „elektronische                                     40   SecurityTest Service
Gehaltszet tel“ ist ein weiterer Schrit t der Digitali­                                  Schwachstellen-Scan – die schnelle Inhouse-Lösung
sierung der Landesver waltung, die „Blaupause“ für
zukünf tige digitale Verwaltungsprozesse und ein                                    42   E-Bezügenachweis
nachhaltiger Beitrag zum Umweltschutz.                                                   Zukunf tsweisend und nachhaltig

Zukunftsweisend und nachhaltig . . . . . . . . . . . . . 42                         46   Vertrauen in einer vertrauenslosen Umgebung
                                                                                         Forschungskooperation zu Blockchain gestar tet

                                                                                         k a r r i e r e We g e i n d e r h z d
                                                                                    48   Ein Karriereprogramm, viele Möglichkeiten
                                                                                         Das Traineeprogramm der HZD

                                                                                         i t-Si C he r he i t
                                                                                    52   Awareness
                                                                                         … vom alltäglichen vir tuellen Krieg

Das Traineeprogramm der HZD                                                              S e rVi C e
Seit mehr als 20 Jahren bietet die HZD ein Trainee­
                                                                                    53   Tipps und Tricks
programm für Hochschulabsolventen an. INFORM
sprach mit Maria Küppers, die derzeit als Trainee                                        SharePoint 2016: Aufgaben jetzt übersichtlicher
beim Innovationsmanagement arbeitet, und mit Dr.                                         und besser planbar
Martin Scheuermann, Leiter des Bereichs RZ Ma­
nagement und Prozesse, über ihre Erfahrungen und
ihren Alltag bei der HZD.

Karriere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
INFORM - Magazin für die hessische Landesverwaltung
6   INFORM 3/19

6
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INFORM 3/19   7

Dokumentenmanagement DMS 4.0 // Das zentrale Werkzeug
am modernen Verwaltungsarbeitsplatz und Basis einer digitalen
Verwaltung ist das Dokumentenmanagementsystem. Ohne DMS,
ohne eine funktionierende E-Akte, können die Serviceangebote
des Landes nicht medienbruchfrei erbracht werden. Mit dem
Projekt DMS-Modernisierung wird in der Landesverwaltung Hes­
sen nach und nach eine neue ergonomische und effiziente DMS-
Sof tware, das DMS 4.0, eingeführt. // ab Seite 30

                                                                      7
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8   INFORM 3/19 // NOTIZEN

                                  Sesam öffne dich:
                                  Per Handvenen-Scan in die
                                  Büros der Direktoren
                                  Die Bürotüren der HZD-Direktoren weisen seit Mitte Juli
                                  eine Besonderheit auf: Sie sind mit einem Handvenen-
                                  Scan versehen. Zugang erhält bei verschlossener Tür nur,
                                  wer authentisier t ist. Herkömmliche Schlüssel werden nicht
                                  mehr benötigt.
                                  Die Zutrittskontrolle per Handvenen-Scan eignet sich für
    HZD IN Z AHLEN
                                  den sicheren Zugang zu Arbeitsbereichen oder IT-Anwen­
                                  dungen. Sei es als Login bzw. Single-Sign-on-Lösung,
    Mehr als
                                  Zugangsberechtigungssystem für Administratoren, Zu­

    1 Mio.
                                  gangskontrolle von Gebäuden oder Sicherheitsbereichen,
                                  aber auch bei sicheren Zahlungssystemen und anderen
                                  Aktivitäten, bei denen die Authentisierung durch eine
    Briefe werden in Hessen       sichere Identifizierung unterstützt wird.
    im Rahmen der Bezü­           Die HZD testet derzeit das biometrische und einfach hand­
                                  habbare Identifizierungssystem für den Einsatz in der
    ge-/Entgeltabrechnung         Verwaltung – für mehr Sicherheit. So prüft die HZD, ob
    jährlich erstellt und         sich der Handvenen-Scan beim HessenPC für die Win­
    zugesandt. Seit Ende          dows-Anmeldung integrieren lässt und wie der HessenPC
    2018 können die Be­           der kommenden Generation effizienter unterstützt werden
                                  kann.
    schäftigten des Landes
                                  Technische und datenschutzrechtliche Voraussetzungen für
    ihre Bezügenachweise          weitere Einsatzbereiche in der HZD und im Land arbeitet die
    elektronisch erhalten –       HZD derzeit aus. //
    ein weiterer Schrit t Rich­
    tung Digitalisierung der
    Verwaltung nach innen
    – und ein nachhaltiger
    Beitrag zur CO2-Erspar­
    nis. Mehr dazu ab Seite
    42. //
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N OT I Z E N // INFO R M 3/19        9

Neues IT Service Management startklar

                                                                                                                           Kooperation mit
                                                                                                                           Hochschule Fulda

v.l.: Christoph Stahl (Account Executive Cher well), Andre Cuenin (Vorstand CRO Cher well USA), Thomas Kaspar (Tech­
                                                                                                                           Die Hochschule Fulda und die HZD bilden ab dem Win­
nischer Direk tor HZD), Mar tin Swiderek (Bereichsleitung ITSM- und RZ-Werk zeuge HZD) und Oliver Harasaki (Projek t­
                                                                                                                           tersemester 2020/2021 gemeinsam die IT-Exper ten und
leitung ITSM Arbeit splat z, HZD). Nicht auf dem Foto: Jut ta Flieger (Ser vice Management Prozesse HZD) und Dr. Mar tin
                                                                                                                           Young Professionals von morgen aus – mit einem dualen
Scheuermann (Bereichsleitung RZ Management und Prozesse HZD, Verhandlungsführer)
                                                                                                                           Studium der Angewandten Informatik. Am 6. August
                                                                                                                           2019 unterzeichneten Hessens Finanzminister Dr. Tho­
„Ein elementarer Baustein bei der                            lung der ITSM-Unterstützung auf Basis                         mas Schäfer und Prof. Dr. Steven Lambeck, Vizepräsident
Digitalisierung der Verwaltung ist der                       von Remedy ARS durch die HZD. Künftig                         für Forschung und Ent wicklung der Hochschule Fulda,
Support der Verfahren und IT-Infra­                          profitieren HZD und Kunden von einem                          einen Kooperationsver trag. Der neue duale Studiengang
strukturen, die die HZD für ihre Kunden                      hochstandardisierten Werkzeug und                             wird ab dem Wintersemester 2020/2021 angeboten. //
betreibt. Effizienz und das richtige Tool                    kontinuierlicher Weiterentwicklung. Ak­
beim IT Service Management zahlen                            tuell laufen die Vorbereitungen für den
sich in jeder Hinsicht aus“, so Thomas
Kaspar, Technischer Direktor der HZD.
                                                             ersten Piloten. //
                                                                                                                           CIO Burghardt
Nach einer breit angelegten und
                                                                                                                           besucht Hünfeld
sorgfältigen Markterkundung steht
das neue ITSM-Werkzeug für das Land
Hessen jetzt fest: Im Juni 2019 wurde
der Vertrag zwischen der HZD und
Cherwell unterzeichnet. Damit endet
die Ära der intensiven Weiterentwick­

eJustice Infrastrukturanalyse beauftragt
Die HZD hat für das Verfahren eJusti­                        nun erfolgreich abgeschlossen werden                          Zwischenstopp während der Sommerreise: Nach seinem An­
ce eine Infrastrukturanalyse inklusive                       konnte. Eine Auftragsvereinbarung mit                         trittsbesuch in der Zentrale in Wiesbaden im April besuchte
eines Grobkonzeptes zur Umsetzung                            der IT-Stelle der hessischen Justiz ist                       Staatssekretär und CIO Patrick Burghardt im Juli die HZD-
vorgelegt und den Aufbau einer Pilo­                         derzeit in Arbeit. Sie soll die Zusammen­                     Außenstelle Hünfeld. HZD-Direktor Joachim Kaiser, Außen­
                                                                                                                           stellenleiter Hans-Georg Ehrhardt-Gerst und die in Hünfeld
tumgebung im Landgericht Limburg                             arbeit für die nächsten fünf Jahre re­
                                                                                                                           ansässigen Bereichsleiter und Kundenberater hießen ihn und
projektiert. Um den Auftrag zu erteilen,                     geln. An dem Projekt eJustice Infrastruk­                     Co-CIO Roland Jabkowski willkommen. Burghardt informier­
wurde ein Beteiligungsverfahren mit                          tur sind mehrere Abteilungen der HZD                          te sich v.a. über aktuelle und standortspezifische Themen,
der hessischen Justiz durchgeführt, das                      sowie die hessische Justiz beteiligt. //                      Aufgaben bzw. Justiz-Verfahren und Projekte. //
INFORM - Magazin für die hessische Landesverwaltung
10   INFORM 3/19 // NOTIZEN

                                                                                            Hessischer
                                                                                            E-Government-
                                                                                            Rat konstituiert
                                                                                            sich
                                                                                            Unter Vorsitz von Patrick Burghardt,
                                                                                            CIO und Staatssekretär bei der Hes­
                                                                                            sischen Ministerin für Digitale Strate­
                                                                                            gie und Entwicklung, hat sich der Hes­
                                                                                            sische E-Government-Rat konstituiert.
                                                                                            Das Hessische E-Government-Gesetz
                                                                                            verlangt die Einrichtung des Gremi­
                                                                                            ums, das der ebenenübergreifenden
                                                                                            Zusammenarbeit der Ressorts un­
Staatsministerin Sinemus                                                                    tereinander und des Landes mit den
                                                                                            Kommunen dient. Teilnehmende sind

kommt zum Antrittsbesuch in                                                                 die Staatssekretäre/Staatssekretä­
                                                                                            rinnen der Ministerien, der Hessische

die HZD                                                                                     Rechnungshof, die kommunalen
                                                                                            Spitzenverbände, die ekom21 und die
                                                                                            HZD. //
Die abgeschlossene Modernisierung des Rechenzentrums am Standort Wiesbaden
hat Prof. Dr. Kristina Sinemus, Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, zum
Anlass genommen, sich über die Arbeit und aktuelle Projekte der HZD zu informieren.
Darüber hinaus gab es einen regen Austausch zwischen Sinemus, den HZD-Direktoren
                                                                                            Vertreter der Daten-
Joachim Kaiser und Thomas Kaspar sowie den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und            zentralen zum
Mitarbeitern zum Innovationsmanagement und Enterprise Architektur Management
der HZD, zum dualen Studium sowie zur Digitalisierung im Bildungswesen.                     Jubiläums-Treffen
„Der direkte Dialog mit allen Akteuren, die in Hessen an der flächendeckenden               in der HZD
Digitalisierung beteiligt sind, liegt mir sehr am Herzen. Die HZD ist für mich in diesem
Prozess nicht nur der zentrale IT-Dienstleister des Landes. Ich verstehe sie vielmehr als
Kundschafter für Trends und Innovationen, damit wir gemeinsam Hessen als Vorreiter
in Sachen Digitalisierung etablieren“, sagte Staatsministerin Sinemus während ihres
Antrittsbesuchs in der HZD am 1. Juli 2019.
„Wir als HZD sehen uns als Berater der Staatsministerin, der sie in zahlreichen techni­
schen Fragen rund um die Digitalstrategie des Landes unterstützt. Die Bestrebungen
sind daher groß, die Zusammenarbeit mit der Ministerin für Digitale Strategie und
Entwicklung auf eine breite Grundlage zu stellen“, so Joachim Kaiser. //

                                                                                            Zum zehnjährigen Bestehen der AG
                                                                                            Projekte und Entwicklung trafen sich
                                                                                            die Vertreter der Arbeitsleiter der
                                                                                            Datenzentralen (ALD) Anfang Juli in
                                                                                            der HZD. Während der zweitägigen
                                                                                            Veranstaltung mit Teilnehmern aus
                                                                                            ganz Deutschland ging es zuvorderst
                                                                                            um das Schwerpunktthema „DevOps“.
                                                                                            Der Kunstbegriff DevOps ist ein
                                                                                            Synonym für ein Paradigma bei der
                                                                                            Bereitstellung von IT-Diensten. Er be­
                                                                                            schreibt die Zusammenführung von
                                                                                            Entwicklung (Development – Dev) und
                                                                                            Betrieb (Operations – Ops). Ziel ist es,
                                                                                            organisatorische Silos aufzubrechen,
                                                                                            alle Kompetenzen in einem Team zu
                                                                                            bündeln und so den gesamten Ser­
                                                                                            vice-Lifecycle agil zu gestalten („You
                                                                                            build it, you run it“). //
KOLUMNE // INFORM 3/19   11

Web-Lounge // Denk-Prozesse
 In der Kurzgeschichte „Die Morde in der Rue Morgue“         Anwendung. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler
 schildert Edgar Allan Poe, wie die Figur des C. Auguste     sowohl eine geringere Fehleranfälligkeit, als auch eine
 Dupin durch analytisches Denken einen mysteriösen           geringere Verzögerung bei der Übersetzung, da anstelle
 Mordfall aufklärt. Seine deduktive Denkweise demons-        von drei Verarbeitungsschritten nur einer erfolgt. Noch
 triert dieser, als er während eines Spaziergangs die Ge -   steht die Qualität der Ergebnisse hinter der von Sprach-
 danken des Ich- Erzählers nachvollzieht und sich dabei an   übersetzungen in drei Schritten zurück. Die Forscher se-
 einigen, kleinen Beobachtungen auf dem Weg orientiert.      hen es aber als erwiesen an, dass das Prinzip funktioniert
                                                             („proof of concept“).
 Die Verarbeitung von Informationen in kleinen Schritten
 vollziehen auch wir oft – sei es unterbewusst, wie in der   Der Begriff „Künstliche Intelligenz (KI)“ wird oft mit der
 Geschichte, oder auch bewusst, wenn wir auf bestimmte       Formel „denkt (und handelt) wie ein Mensch“ in Verbin-
 Ergebnisse und Zwischenergebnisse hindenken. Ein sol-       dung gebracht. Wenn wir einen gehörten Text überset-
 cher Denkprozess findet beispielsweise dann statt, wenn     zen, dürften die Qualität des Ergebnisses und das Maß
 wir einen gesprochenen Text übersetzen: Wir hören den       der Abgrenzung zwischen den einzelnen Verarbeitungs-
 Text, übersetzen ihn in Gedanken und sprechen das Er-       schritten von unserer Vertrautheit mit den Sprachen und
 gebnis der Übersetzung aus. So tun es auch technische       unserer Erfahrung abhängen. Als Anfänger werden wir
 Systeme zur automatischen Übersetzung: Sie verwenden        die einzelnen Schritte – Erfassen, Übersetzen, Ausspre -
 zunächst eine Funktion zur Spracherkennung, die aus         chen – langsamer und bewusster vollziehen, als wenn wir
 dem Gehörten einen Text macht („automatic speech re -       darin Übung haben oder gar Profis sind. Für den prak-
 cognition“), dann eine Übersetzungsfunktion („machine       tischen Einsatz zählt die Qualität der Ergebnisse. Wer
 translation“) und anschließend eine Sprachausgabe, die      aber – wie C. Auguste Dupin – nachvollziehen muss, wie
 den übersetzten Text ausgibt („text-to-speech“). Solche     es zu einem bestimmten Ergebnis kam, hat bei der Ende -
 Funktionen gehören inzwischen zum Repertoire vieler         zu- Ende- Übersetzung schlechte Karten. Die Frage der
 Anbieter von KI- Diensten und werden in große Anwen-        Nachvollziehbarkeit von Ergebnissen müsste in vielen KI -
 dungen, mobile Apps oder auch spezifische Geräte ein-       Projekten eine wichtige Rolle spielen, denn nicht immer
 gebaut.                                                     ist die Begründung: „Sie (die KI) hat es halt nicht anders
                                                             gelernt!“ ausreichend.
 Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden nun Über-
 setzungsdienste entwickelt, die ohne Zwischenschritte
 auskommen. Hierbei wurde ein neuronales Netz so trai-
 niert, dass es lernt, gesprochenen Text direkt als Über-
 setzung in Sprachform auszugegeben. Während in der            dr. markus beckmann
 Lernphase des Systems die Zwischentexte – verstandener        Architektur, Produkte und Standards
 Originaltext und übersetzten Text – für die Qualitätskon-     Verfasser des Trendberichts der HZD
                                                               markus.beckmann@hzd.hessen.de
 trolle erzeugt werden, entfallen diese bei der späteren
12   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                         Barriere
                         freie IT
                         Digita-
                         le Teilha
                         für alle
B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   13

      Barrierefreie IT
e-    // Digitale Teilhabe
      für alle
      Mit den Teilhaberichtlinien konkretisiert die Hessi-
      sche Landesregierung die besondere Fürsorge-
      pflicht gegenüber behinderten und schwerbehin-
      derten Menschen, die im Landesdienst beschäftigt
      sind oder eine Beschäftigung anstreben. Teilhabe
      bedeutet – laut SGB IX und UN-Behindertenrechts-
      konvention – gleichberechtigt am Leben in der
      Gesellschaft teilnehmen zu können und Benach-
      teiligungen zu beseitigen bzw. zu verhindern. Eine
      wesentliche Voraussetzung dafür ist es, am Arbeits-
      leben teilzuhaben, um selbstbestimmt und ohne
      soziale Unterstützungsleistungen leben zu können.
      Dafür müssen Barrieren abgebaut werden, und das
      nicht nur bei Gebäuden, sondern auch in der IT.

      Wie das konkret aussehen kann, zeigt INFORM auf
      den folgenden Seiten. Die Landesbeauftragte für
      barrierefreie IT, Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bex-

abe
      ten, stand für ein Gespräch zur Verfügung, in dem
      sie persönliche Einblicke in das Thema gibt, das sie
      schon über zwei Jahrzehnte bewegt. Nina König
      und Christoph Niehaus von der Durchsetzungs-
      und Überwachungsstelle der Landesbeauftragten
      für barrierefreie IT zeigen auf, wie sie die digitale
      Gleichberechtigung in der Landesverwaltung Zug
      um Zug umsetzen. Michael Altenhofen, Trainee bei
      der HZD, berichtet aus seinem Arbeitsalltag als Blin-
      der. Das neue Mitarbeiterportal und die Software­
      Ergonomie-Richtlinie für Fachanwendungen ERBe
      sind starke Zeichen dafür, dass barrierefreie IT nicht
      nur reine Theorie, sondern bereits gelebte Praxis in
      der Landesverwaltung ist.
14
                         „Barrie
     INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                         freie IT
                         betriff
       „Barrierefreie IT den“
        betrifft jeden“
            // Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten,
            Landesbeauftragte für barrierefreie IT,
            im Gespräch
             Im September 2018 wurde Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten von
             der Hessischen Landesregierung zur Beauf tragten für barrierefreie IT
             (LBIT) ernannt. Diese Stelle ist bislang einzigar tig und Hessen er füllt
             damit eine Vorreiterrolle. Gleichzeitig übernahm sie die Leitung für die
             Durchsetzungs- und Überwachungsstelle für barrierefreie IT, angesie­
             delt beim Regierungspräsidium Gießen. Seither berät und unterstützt
             Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten öf fentliche Landeseinrichtungen
             bei der Konzeptionierung und Erstellung barrierefreier Webseiten und
             Dokumente, sodass diese für alle Menschen, unabhängig ihres Alters,
             ihrer Bildung oder ihrer Einschränkung zugänglich sind.

             INFORM: Sie haben Informatik mit den        das aber noch nicht barrierefrei, sondern
             Nebenfächern Medizin und Elektrotech­      „zugänglich machen“. Der Begrif f der
             nik studiert. Was waren Ihre ersten         Barrierefreiheit in der IT ist erst in den
             Berührungspunkte mit Barrierefreiheit in    letzten Jahren aufgekommen.
             der IT?
                                                        INFORM: Was hat sich seither getan in
            Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Bereits in       diesem Bereich?
            meiner Diplomarbeit bei der Siemens
                                                        Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Technisch hat
            AG in München habe ich mich mit Xerox-
                                                        sich in der barrierefreien IT unheimlich
            Rechnern und den ersten grafischen
                                                        viel getan und rasant entwickelt, sowohl
            Benutzeroberflächen darauf beschäftigt.
                                                        bei der Soft- als auch bei der Hardware.
            Menschen mit Behinderung waren da­
                                                        Vor einigen Jahren waren beispielsweise
            mals, Ende der 1980er Jahre, noch keine
                                                        die Braillezeilen, mit denen blinde Men­
            Zielgruppe dieser Anwendungen. Das
                                                        schen an Bildschirmarbeitsplätzen arbei­
            kam erst später, als ich als Doktorandin
                                                        ten, noch ziemlich große Apparate. Heute
            an der Universität in Dor tmund die erste
                                                        haben sie nur noch schmale Geräte in
            Vorlesung Rehabilitationstechnik hielt
                                                        Form einer Leiste vor sich liegen. Oder
            und anfing, ab 1994 in Projekten mit
                                                        denken Sie an die Sprachsteuerung im
            Kindern mit Behinderung zusammenzu­
                                                        Auto – auch für den Alltagsgebrauch: Die
            arbeiten. Wir entwickelten damals spezi­
                                                        ersten Generationen von Navigations­
            elle Sof twaresysteme: Über das Drücken
                                                        geräten mussten die Sprache ihres Be­
            verschiedener Knöpfe mit Bildern konn­
                                                        sitzers noch umständlich lernen. Heute
            ten sie über den Computer einfache
                                                        kann jeder ad hoc drauflos sprechen.
            Sprachaussagen tref fen. Damals hieß
ere-     B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   15

T
ft je-
„Ni c ht behindert zu
 16   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

sein ,ist w ahrli c h kein Ver-
dienst , sondern ein Ge-
s c henk, d as jederzeit jedem
von uns
genommen werden kann.“
             Aber auch das Bewusstsein für das Thema ist natürlich            zu nennen. Es ist für die gesamte Bevölkerung wichtig
             ein viel Größeres geworden und dafür werbe ich auch              und hilfreich.
             weiterhin.
                                                                              INFORM: Seit 2016 ist die Teilhabe von Menschen mit Be­
             INFORM: 1998 haben Sie das BliZ, das Zentrum für blinde          hinderungen in allen Bereichen des Lebens über die EU-
             und sehbehinder te Studierende, an der Technischen               Richtlinie 2016/2102 gesetzlich geregelt. Sie fordert die
             Hochschule Mit telhessen in Gießen gegründet. Es ist bis         Barrierefreiheit von Webseiten, mobilen Anwendungen
             heute einzigartig in der deutschen Hochschullandschaft.          und Dokumenten. Welche Rolle spielt das im öffentlichen
             Was hat Sie dazu bewogen?                                        Sektor und speziell in Hessen?

             Prof. Dr. Meyer zu Bexten: In meiner Arbeit an den Hoch­         Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Die Landesver waltung hat
             schulen habe ich gemerkt, dass viele sehbehinder te und          schon vor Inkraf t treten des entsprechenden Gesetzes
             blinde Menschen sehr technikaffin sind, aber zur dama­           damit begonnen, über die konkrete Umsetzung nach­
             ligen Zeit gar nicht die Möglichkeit hatten, vor allem an        zudenken. Da sind wir in Hessen momentan noch in der
             den Fachhochschulen, technische Fächer zu studieren.
             Denn dort ist der Praxisanteil, wie beispielsweise bei
             einem Praxissemester in der Industrie, sehr hoch und das
             muss speziell für diese Menschen zugänglich gemacht
             werden. Dazu gehör t auch die Umsetzung der unter­
             schiedlichsten Formeln, Grafiken und Tabellen für blinde
             Studierende. Diese Lücke wollte ich schließen und so kam
             mir 1997 die Idee für das BliZ. Seither baut es Barrieren
             für Betrof fene im Studium ab, sei es durch Coachings,
             Zur ver fügungstellung spezieller Hard- und Sof tware, die
             Durchführung barrierefreier Klausuren sowie die Umset­
             zung von Unterrichtsmaterialien in eine barrierefreie Form
             oder die Beratung der Dozentinnen und Dozenten. Dabei
             war es mir von Anfang an wichtig, Leute als Mitarbeite­
             rinnen und Mitarbeiter mit ins Boot zu holen, die selbst
             betroffen sind. Sie können am allerbesten beur teilen, was
             gut funktionier t und was nicht.

             INFORM: Aufgrund Ihrer jahrelangen Erfahrung insbe­
             sondere als Leiterin des BliZ sind Sie im September 2018
             als ehrenamtliche Beauf tragte für barrierefreie IT von der
             Landesregierung berufen worden. Was sind Ihre wesentli­
             chen Aufgaben?

             Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Als Landesbeauf tragte sen­
             sibilisiere ich für die Sache und zeige auf, was geht, was
             man besser machen kann. Ich halte viele Vorträge – auch
             über die Landesgrenze hinaus – und möchte die Leute
             dafür gewinnen, dass barrierefreie IT mehr heißt, als nur
             die Schrif tgröße zu verändern. Vor allem muss man von
             dem Gedanken weggehen, dass dies nur für behinder te
             und kranke Menschen hilfreich ist. Barrierefreie IT betrif f t
             jeden und bringt ebenso Vorteile für Techniklaien, ältere
             Menschen, Analphabeten oder Migranten, um nur einige
B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   17

„Nicht behindert
 zu sein, ist wahrlich
 kein Verdienst,
 sondern ein Geschenk,
 das jedem von uns       Vorreiterrolle. Aber ich sehe es auch als meine Aufgabe
 jederzeit genommen      an, mit den anderen Bundesländern einen regen Aus­
                         tausch zu führen und unsere hohen Qualitätsstandards
 werden kann.“           zu teilen. Es gibt neben der EU-Richtlinie 2016/2102 und
Richard von Weizsäcker   den sich daraus ergebenden gesetzlichen Anforderungen
                         aber noch Standards und Normen, die wir alle in unseren
                         Bemühungen berücksichtigen müssen; beispielsweise die
                         Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) oder den
                         internationalen Standard ISO 14289-1 für PDF-Dokumente
                         sowie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung
                         (BIT V 2.0) der einzelnen Bundesländer. Für die mobilen
                         Anwendungen im Land arbeiten wir zusammen mit dem
                         Digitalministerium gerade einen Richtlinienkatalog für
                         Sof twareentwickler aus1. Er soll aufzeigen, was alles
                         berücksichtigt werden muss, um mobile Anwendungen
                         barrierefrei zu gestalten. Meine Er fahrungen zeigen: Die
                         Behörden sind inzwischen sogar viel mehr für die The­
                         matik der Barrierefreiheit in der IT sensibilisier t als viele
                         Unternehmen in der freien Wirtschaft, was die Umsetzung
                         der gesetzlichen Richtlinien betriff t.

                         INFORM: Auf welche Herausforderungen stoßen Sie bei
                         all diesen Bemühungen?

                         Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Ich merke immer wieder, dass
                         es an entsprechendem Knowhow fehlt. Das Fach „Barriere­
                         freie IT“ wird im Informatik-Studium an den Universitäten
                         und Hochschulen nicht gelehr t und dementsprechend
                         haben viele Informatikerinnen und Informatiker nicht das
                         notwendige Wissen, das es in diesem Bereich braucht.
                         In meiner Vorlesung „Sof tware-Ergonomie“, die ich seit
                         vielen Jahren an der Technischen Hochschule Mit telhes­
                         sen halte, gehe ich ausführlich auf behinder tenspezifische
                         Hard- und Sof tware sowie das Gebiet barrierefreie IT ein.
                         Durch das BliZ, meine jahrelange Lehr tätigkeit und den
                         vielen Umgang mit Menschen mit Behinderung habe ich
                         ein ganz anderes Verständnis für die Thematik der Barrie­
                         refreiheit.

                         Außerdem kommt man of t in Konflikt mit dem Corporate
                         Design und den Webseiten-Designern, die bestimmte
                         barrierefreie Lösungen von vornherein ausschließen.
                         Auch Logos und Bilder müssen natürlich für einen sehbe­
                         hinder ten oder blinden Menschen erklär t werden. Aber
                         da habe ich in den letzten Jahren deutliche Verbesserun­
                         1
                             s. S. 28: ERBe wird mobil // Software-Ergonomie für Fachanwendungen
18   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

Erdmut he �
Meyer zu
    Prof. Dr. Erdmuthe
Bexten
    Meyer zu Bexten −
                     kurz und knapp

                     Mein Berufswunsch als Kind
                     war …
                     ursprünglich Chirurgin und später
                     dann Mathematikerin.

                     Ich habe Informatik studiert,
                     weil …                                gen wahrgenommen. Mein ganz großes Ziel als Landes­
                     mein damaliger Lehrer gesagt hat­     beauf tragte und als Leiterin der Durchsetzungs- und
                     te, die Mathematik wäre zu trocken    Überwachungsstelle ist es deshalb, möglichst früh ein­
                     für mich und ich solle stat tdessen   gebunden zu werden. Denn wenn ich bzw. das LBIT von
                     doch lieber Informatik studieren.     Anfang an die Gestaltung und Umsetzung mit begleite,
                     Das habe ich dann auch getan,         wird vermieden, dass es bei den späteren Tests ein böses
                     zusammen mit den Nebenfächern         Er wachen gibt und die Behörden unter Umständen kein
                     Medizin und Elektrotechnik.           gutes Testergebnis erzielen. Aber ich glaube nicht, dass
                                                           dies in Zukunf t of t vorkommen wird. Ich bin sehr glücklich
                     Ich bin schließlich LBIT geworden,    darüber, dass mich, seit ich in meinem neuen Amt bin,
                     weil …                                viele Beschäf tigte aus den Behörden kontaktieren und
                     mir das Thema seit weit über zwei     schon sehr eng mit mir bzw. dem LBIT zusammenarbeiten.
                     Jahrzehnten am Herzen liegt und
                     ich sowohl im Studium als auch        INFORM: Auch in aktuelle Projekte der HZD sind Sie
                     später im Berufsleben alle Facet­     direkt von Anfang an mit eingebunden worden. Wie sieht
                     ten der Arbeit mit beeinträch­        die Zusammenarbeit aus?
                     tigten Menschen kennengelernt         Prof. Dr. Meyer zu Bexten: Mit der HZD habe ich vor allem
                     habe.                                 Berührungspunkte durch HessenDrive oder das E-Rec­
                                                           ruiting. Eine besondere Rolle spielen die vielen Por tale,
                     Ein absolut unverzichtbares
                                                           die momentan in Arbeit sind, insbesondere das neue
                     „Arbeitsgerät“ für mich …
                                                           Mitarbeiterpor tal MAP 2.0 2. Aber auch in meiner Funktion
                     ist das Smar tphone (lacht).
                                                           als Leiterin des BliZ habe ich die HZD schon mehrfach
                     Um mal auf ganz andere Gedan­         getestet. Ich schätze sehr an der Zusammenarbeit, dass
                     ken zu kommen …                       man uns immer schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt im
                     gehe ich gerne mal shoppen oder       Projek tverlauf ins Boot holt, um die Barrierefreiheit von
                     fahre Motorrad.                       Anfang an mitzudenken. Außerdem haben Sie hier die
                                                           Techniker mit an Bord, um in dieser Bildsprache zu blei­
                     Mein Lieblingsbuch …                  ben. Der direkte Austausch zwischen Verantwor tlichen
                     sofern ich mal Zeit habe, zu lesen:   und Fachleuten hat in der Vergangenheit immer zu sehr
                     Biografien von historisch oder        guten Ergebnissen geführ t und ich bin mir sicher, dass
                     gesellschaf tlich bedeutenden Per­    wir dies auch beim neuen Mitarbeiterportal erreichen
                     sonen, z.B. von Rober t Koch.         werden, das Ende des Jahres online geht.
                     Ich hätte gerne mehr Zeit für …       Am Ende meiner Vor träge – und das soll auch für das
                     meine Freunde.                        Interview gelten – führe ich gerne mein Lieblingszitat von
                                                           Richard von Weizsäcker an: „Nicht behinder t zu sein, ist
                                                           wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jeder­
                                                           zeit jedem von uns genommen werden kann.“

                                                           Das Interview führte Simone Schütz, HZD.
                                                           2
                                                               s. S. 24: Ein Portal für alle // Das landesweite MAP wird modern und barriererfrei
B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   19

Auf dem Weg zur digitalen
Gleichberechtigung
// Die hessische Stabsstelle für barrierefreie IT
Digitale Barrierefreiheit ist kein Trend, sie ist ein Gewinn für   dient der internationale Standard, die Web Content
Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Das hat auch               Accessibility Guidelines (WCAG 2.1), mit unterschiedli­
die Gesetzgebung erkannt. Ziel ist es, wie im Hessischen           chen Erfolgskriterien. Für Deutschland existiert zusätzlich
Behindertengleichstellungsgesetz (HessBGG) gefordert, eine         die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV
gleichberechtigte Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben       2.0) in der Neufassung vom Mai 2019. Sie verweist in
zu schaffen. Da unsere Gesellschaft immer digitaler wird,          ihren Prüfungsschritten vor allem auf die WCAG 2.1 –
ob im Alltag oder bei der Arbeit, liegt das Augenmerk auch         somit existiert für Webseiten im Wesentlichen nur ein
verstärkt im Bereich der barrierefreien IT.                        Prüfverfahren. Die BITV 2.0 geht sogar noch weiter als
                                                                   die Forderungen der EU: So müssen beispielsweise
Vor drei Jahren wurde mit der Einführung der EU-Richtlinie
                                                                   wichtige Einstiegspunkte einer Webseite zusätzlich so­
2016/2102 ein wichtiger gesetzlicher Grundstein der digita­
                                                                   wohl in Leichter Sprache 1 als auch in Gebärdensprache
len Barrierefreiheit gelegt. Die Richtlinie fordert alle EU-
Länder auf, ihre digitalen Medien barrierefrei bereitzustellen.
Momentan sind davon die öffentlichen Stellen der Länder
betroffen. Als Grundlage zur Überprüfung dieser Richtlinie
                                                                   bereitgestellt werden.
                                                                   1
                                                                                            Auf dem
                                                                       s.: www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a752-leichte-sprache­
                                                                       ratgeber.html

                                                                                         Wegur di-
                                                                                           git alen
                                                                                           Gleich-
                                                                                         berec hti-
                                                                                              gung
20   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                                                                             Digitale Barrierefrei­
                                                                             heit bedeutet, dass
                                                                             jeder Mensch – unab­
                                                                             hängig seiner Ein­
                                                                             schränkungen – jeg­
                                                                             liche Informationen
                                                                             auf Webseiten und
                                                                             in anderen digitalen
            Hessen richtet eigene Stabsstelle ein
                                                                             Medien auffinden,
            Um die digitale Barrierefreiheit in der hessischen Landes­       wahrnehmen, ver­
            verwaltung zu fördern, hat das Land vor einem Jahr die
            Stabsstelle für barrierefreie IT mit ihrer Durchsetzungs- und    stehen und bedienen
            Überwachungsstelle am Regierungspräsidium Gießen unter           kann.
            Leitung von Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten eingerich­
            tet. Die Aufgaben von unserem Team sind vielfältig und
            können in die folgenden Themengebiete eingeteilt werden:

            ƒ Beratung und Schulung öffentlicher Stellen in Bezug auf
              barrierefreie IT

            ƒ Bereitstellung von Informationen zum Thema barriere­
                                                                            Digit ale
              freie IT

            ƒ Sensibilisierung zum Thema Einschränkungen und
              Auswirkungen

            ƒ Überprüfung von Webseiten und Dokumenten (ab
                                                                            Barriere
              2020) sowie Apps (ab Mitte 2021)

            ƒ Schlichtung bei Konflikten hinsichtlich der Behebung
              vorhandener Barrieren von Webseiten und Anwendun­
              gen öffentlicher Stellen
                                                                            freiheit
            Unser Ziel ist es, einen möglichst hohen Grad an Barriere­
            freiheit zu erreichen – in enger Zusammenarbeit mit den
            öffentlichen Stellen des Landes Hessen

            Prüfverfahren nach internationalen Standards

            Webseiten werden immer nach dem gleichen Verfahren
            geprüft. So wählen auch wir exemplarisch mehrere Seiten
            des Webauftritts aus, die wir anhand der einzelnen Kriteri­
            en der WCAG 2.1 in der Konformitätsstufe AA überprüfen.
            Zu jeder Webseite erstellen wir ein Dokument mit einer
            Mängelliste. Das Gleiche gilt für PDF-Dokumente, mit der
            Ausnahme, dass hier nicht nur die WCAG 2.1 als Grund­
            lage dient, sondern auch die Anforderungen der PDF/UA
            (Universal Accessibility). Zur leichteren Überprüfung wurde
            das sogenannte Matterhornprotokoll entworfen, das die
            Anforderungen an ein barrierefreies PDF ebenfalls in ein­
            zelnen Schritten abbildet.

            Für Menschen mit und ohne Einschränkungen

            Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass jeder Mensch – un­
            abhängig seiner Einschränkungen – jegliche Informationen
            auf Webseiten und in anderen digitalen Medien auffinden,
            wahrnehmen, verstehen und bedienen kann. Es existieren
            deutlich mehr als zwei oder drei Arten von Einschränkun­
B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   21

 gen. Eine Einschränkung muss weder ärztlich bestätigt         Technischen Hochschule Mittelhessen auf Barrierefreiheit
 noch deutlich ersichtlich sein. Mit dem Ziel, Webseiten,      überprüft. Die gefundenen Barrieren wurden damals durch
 Apps und Dokumente für möglichst alle Menschen zu­            stetige Kommunikation zwischen Prüfenden und Projekt­
 gänglich zu machen, sollten auch die folgenden Einschrän­     mitarbeitenden behoben. Mit Erfolg, denn am Ende konnte
 kungen berücksichtigt werden:                                 der Webseite eine sehr gute Zugänglichkeit bestätigt wer­
                                                               den. Allerdings fand die Überprüfung noch mittels der alten
 ƒ Blindheit/Seheinschränkung
                                                               BITV-Kriterien statt. Das Bewertungsverfahren wird heute
 ƒ Gehörlosigkeit/Höreinschränkung                             nicht mehr in dieser Form angewendet. Die Prüfschritte

eƒ motorische Einschränkung

 ƒ kognitive Einschränkung

 ƒ Analphabetismus
                                                               sind zwar bis auf wenige Neuerungen die gleichen, jedoch
                                                               werden Webseiten nicht mehr in Schritte der Zugänglich­
                                                               keit eingestuft – z. B. sehr gut zugänglich, eingeschränkt
                                                               zugänglich. Mit den gesetzlichen Neuerungen gibt es nur
                                                               noch zwei Stufen der Barrierefreiheit, die eine Webseite

e-
 ƒ altersbedingte Einschränkung

 ƒ technikkognitive Einschränkung uvm.

 Entsprechend der unterschiedlichen Bedürfnisse umfasst
                                                               oder App erreichen kann – konform und nicht konform.

                                                               Digitale Gleichberechtigung fördern

                                                               Barrierefreiheit in der IT entsteht nicht von jetzt auf gleich.

t
 die Prüfung der digitalen Medien mehrere Bereiche, so­
                                                               Das Erreichen eines zufriedenstellenden Zustandes gleicht
 dass möglichst alle Nutzerinnen und Nutzer am Ende einen
                                                               einem stetigen Prozess. Denn vor allem bei Webseiten
 guten Zugriff auf die Informationen haben. Videos sind ein
                                                               ist es an der Tagesordnung, dass sich Inhalte regelmäßig
 anschauliches und alltägliches Beispiel, das verdeutlicht,
                                                               ändern. Bei jeder Änderung oder Ergänzung der Informa­
 dass Barrierefreiheit nicht nur beeinträchtigten Menschen
                                                               tionen läuft genau dieser Prozess weiter. Dabei müssen die
 zugutekommt. Videos sind heutzutage ein beliebtes Medi­
                                                               neu erstellten Inhalte stets nach den Kriterien der Barriere­
 um, um Inhalte leicht verständlich darzustellen. Ein Video,
                                                               freiheit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
 das mit Untertiteln und/oder Audiodeskription aufbereitet
 wird, nutzt nicht nur blinden oder gehörlosen Menschen,       Unser Ziel ist es, auch im digitalen Bereich die Gleichbe­
 sondern auch allen, die sich an Orten aufhalten, wo die       rechtigung aller Menschen zu fördern und jedem Men­
 Tonspur von Videos unerwünscht ist, z. B. im Ruhebereich      schen Zugang zu Informationen und Dienstleistungen der
 im Zug.                                                       hessischen Landesverwaltung zu verschaffen. Im Moment
                                                               betrifft diese Forderung nur die öffentlichen Stellen. In
 Ein anderes Beispiel sind hohe, farbliche Kontraste: Diese
                                                               Zukunft ist es durchaus möglich, dass alle, die Informationen
 helfen sehbehinderten Menschen beim Erfassen angebo­
                                                               oder Dienste digital anbieten, besondere Rücksicht auf
 tener Informationen, aber auch allen, die ihr Smartphone in
                                                               Menschen mit Behinderung nehmen müssen.
 einer hellen Umgebung nutzen, z. B. im Freien bei Sonnen­
 schein.

 Heutzutage werden Webseiten aufwendig und mit viel Pla­
 nung erstellt, um die Nutzer möglichst optisch ansprechend                     Nina König
 und zielorientiert zu erreichen. Auch für die Verwaltung                       nina.koenig@rpgi.hessen.de
 sind die Webseiten ein repräsentativer Spiegel nach außen,
 über den viele Bürgerinnen und Bürger ihren Erstkontakt
 mit einer Behörde herstellen. Umso wichtiger ist es, dass
 diesem Kontakt keine technischen Hürden im Weg stehen.
                                                                                Christoph Niehaus
                                                                                christoph.niehaus@rpgi.hessen.de
 Webseite auf dem Prüfstand

 2017 wurde die Webseite www.service.hessen.de von                              Regierungspräsidium Gießen
 der HZD in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Zent­                          Büro Landesbeauftragte für barrierefreie IT
 rum für blinde und sehbehinderte Studierende (BliZ) der                        Durchsetzungs- und Überwachungsstelle
22   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                                                                     HZD-Trainee Michael Altenhofen //

                                                                    „Ich bin der
                                                                    Kommandozeilen-
                                                                    Mann“

     Ich bin der
v.l.: Michael Altenhofen mit Ulrike Horn, der Schwerbehinder tenver tretung der
HZD; am Arbeit splat z mit Kopfhörern für die Sprachausgabe; zusammen mit sei­

     Komm ando-
nem Trainee-Jahrgang.

     zeilen-Mann
B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   23

EU-
Richt-                                Primäre Zielgruppen der
                                      barrierefreien IT
                                      • ältere Nutzer
                                      • computerunerfahrene Nutzer

linie                                 • hörgeschädigte Nutzer
                                      • Nutzer mit motorischen Einschrän­
                                        kungen
                                      • Nutzer mit kognitiven Einschrän­
                                        kungen
                                      • blinde und sehbehinderte Nutzer

Mein Name ist Michael Altenhofen. Seit meiner Geburt          Bildschirms vorliest, und die Braillezeile, die Schrift in
bin ich blind. Ich kann nur hell und dunkel unterscheiden     Blindenschrift „übersetzt“, sodass ich sie ertasten kann.
sowie größere Umrisse erkennen.                               Ohne sie wäre ich hilflos. Ansonsten tippe ich ganz normal
                                                              und sogar recht schnell mit zehn Fingern. Ich telefoniere
Geboren wurde ich in Offenbach und aufgewachsen bin
                                                              mit einem ganz normalen Telefon. Mit der Maus kann ich
ich in Maintal. Um meine Fachholschulreife zu machen, bin
                                                              nichts anfangen, deshalb sage ich auch immer: „Ich bin der
ich nach Marburg an die Sehbehindertenschule gegangen.
                                                              Kommandozeilen-Mann.“ Probleme stellen auch Grafiken
Danach habe ich Allgemeine Informatik an der Techni­
                                                              oder Scans dar, weil sie Bilder sind, die die Sprachausgabe
schen Hochschule Mittelhessen in Gießen studiert und mit
                                                              nicht entschlüsseln kann. Für PDFs, die nicht barrierefrei
Unterstützung des BliZ – Zentrum für blinde und sehbehin­
                                                              sind, habe ich einen kleinen „Workaround“: Ich wandele sie
derte Studenten – mit dem Bachelor abgeschlossen.
                                                              in ein „vorlesbares“ Format um. Ein anderes Problem war
Danach war ich eineinhalb Jahre arbeitssuchend. Dann          auch die Online-Prüfung zur Unix-Zertifizierung, die nicht
bin ich zum Glück auf das Traineeprogramm der HZD in          barrierefrei war. Aber hier haben wir letztendlich auch ei­
Wiesbaden gestoßen. Ich habe das dreistufige Bewer­           nen Weg gefunden – getreu meinem Lebensmotto: „Alles
bungsprozedere durchlaufen und schnell eine Zusage            ist machbar.“
bekommen. Im Januar 2018 ging es los, gemeinsam mit
                                                              Meine Einschränkung kann auch mal ein Vorteil sein. Ich
elf weiteren Trainees und einem Schwerpunkt auf Unix in
                                                              habe Anfang des Jahres erfahren, dass wir im Land ein
der dreimonatigen Theoriephase. Vielleicht ging es wegen
                                                              neues Mitarbeiterportal (s. S. 24) bekommen, das einen
meiner Einschränkung manchmal etwas langsamer, aber
                                                              Schwerpunkt auf Barrierefreiheit legt. Das finde ich ganz
meine Traineekollegen und meine Dozenten waren immer
                                                              toll, da gerade Webseiten immer noch eine besondere
rücksichts- und verständnisvoll.
                                                              Herausforderung für Blinde und Sehbehinderte darstellen.
Seit Juni 2018 bin ich in der Praxisphase als Systembetreu­   Dem Portalteam in der HZD habe ich meine kollegiale Hilfe
er des Mainframes BS2000. Das Team besteht aus acht           beim Testen angeboten, die sie sofort dankend angenom­
sehr erfahrenen Kollegen, die mir fachlich und persönlich     men haben. Die Kolleginnen und Kollegen haben hervor­
zur Seite stehen. Noch bin ich in der Einarbeitungsphase      ragende Vorarbeit bezüglich der Barrierefreiheit geleistet.
und absolviere einige Schulungen, um das Betriebssystem       Meine Anregungen haben sie übernommen. Der offizielle
kennenzulernen.                                               BITV1-Test für Webangebote steht jetzt noch aus.

Um meinen Arbeitsalltag zu meistern, habe ich vor allem       1
                                                               Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung. Sie soll die barrierefreie Gestal-
zwei Hilfsmittel: die Sprachausgabe, die die Inhalte des      tung moderner Informations- und Kommunikationstechnik gewährleisten.
24   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                                                                                                                           Ei
                                                                                                                           fü
           Ein Portal für alle
            // Das landesweite MAP wird modern
            und barrierefrei

            Im Dezember 2019 wird das landesweite MAP (ehemals Mitarbeiterportal) mit neuen Funktionalitä­
            ten, einem komplett überarbeiteten Erscheinungsbild und auf neuer technischer Basis live gehen.
            Bei der Konzeption und der Umsetzung stand die Barrierefreiheit von Anfang an im Fokus. Das neue
            MAP hat aber weitaus mehr zu bieten als eine neue Navigation oder barrierefreie PDF-Dokumente.
            Es ermöglicht unter anderem verschiedene Rollen und eine personalisierte Startseite. Kurzum: Die
            Neuerungen kommen allen Nutzerinnen und Nutzern zugute.

                                                              Die Neugestaltung des landesweiten Mitarbeiterportals ist
                                                              ein Projekt des Hessischen Ministeriums des Innern und für
                                                              Sport (HMdIS) gemeinsam mit dem Hessischen Ministeri­
                                                              um der Finanzen (HMdF). Das Projekt wurde von der HZD
                                                              umgesetzt. In Arbeitsgruppen definierten Vertreterinnen
                                                              und Vertreter aller Ressorts die fachlichen Anforderungen
                                                              an das System sowie die Gestaltung der zentralen Ein­
                                                              stiegsseite bis hin zur Navigationsstruktur. Im April 2017
                                                              startete dann die mehrteilige technische Umsetzungsphase.
                                                              Neue Funktionalitäten

                                                              Das neue MAP wird sich seinen Nutzerinnen und Nutzern
                                                              zum Ende des Jahres nicht nur mit einem neuen Gesicht
                                                              präsentieren. Auch die Funktionen sowie die Struktur und
                                                              der Aufbau wurden komplett überarbeitet. Zu den Neue­
                                                              rungen zählen:

                                                              ƒ Die Startseite. Die Einstiegsseite präsentiert sich mit
                                                              chronologischen Meldungen aller Verwaltungsebenen und
                                                              der Rubrik „Was ist neu“.

                                                              ƒ Die Personalisierung. Im neuen MAP gibt es zum einen
                                                              das bereits bekannte, rollenbasierte Konzept mit Angabe
                                                              der Dienststelle, des Ressorts und des Landes Hessen
                                                              sowie bei Bedarf zusätzlichen Fachrollen in einer rechte­
                                                              abhängigen Navigation. Zum anderen wird ein neuer per-

                                                              Die neue Startseite: dreiteiliger Aufbau mit Personalisierung und neuen
                                                              Elementen
in Portal                                                                                          B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   25

ür alle                                     Die EU­Richtlinie
                                            2016/2102 verpflichtet
                                            alle öffentlichen Stellen
                                            der EU­Mitgliedsstaaten
                                            zur barrierefreien
                                            Gestaltung ihrer Web­
                                            seiten, Dokumente,
                                            mobilen Anwendungen
                                            w w w.richtlinie-2102-barrierefreiheit.de

 sönlicher Bereich angeboten, der bis zu zehn individuelle        ƒ Die übersichtlichen Klickpfade. Das Flyout-Menü – in
 Favoriten sowie die automatisch erzeugte Rubrik „Zuletzt         der Navigation können gleichzeitig bis zu drei Ebenen
 angesehen“ enthält.                                              angezeigt werden – ist barrierefrei. Die Unterebenen sind
                                                                  somit auf einen Blick zu erfassen und es ist immer erkenn­
 ƒ Der einheitliche Aufbau. Alle Inhalte auf den einzelnen
                                                                  bar, auf welchem Navigationspunkt man steht.
 Unterseiten sind identisch aufgebaut, d.h. Links, Down­
 loads und Kontakte haben ihren festen Platz auf jeder            ƒ Die responsive und barrierefreie Benutzeroberfläche.
 Seite. Die Einheitlichkeit wird es Nutzerinnen und Nutzern       Die Oberfläche kann mit verschiedenen Endgeräten ge­
 erleichtern, sich auf den Seiten schnell einen Überblick zu      nutzt werden. Sie ist tastaturbedienbar und Screenreader­
 verschaffen.                                                     tauglich.

                                                                                                                  Die neue Suche: Neben der
                                                                                                                  Freitextsuche ist die Suche über
                                                                                                                  weitere Kriterien möglich
26   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

                                                                                                                T
                                                    Technik und Vorgehen
                                                                                                                n
                                                    Die Neugestaltung des Verwal­
                                                    tungspor tals erfolgt auf Grundlage
                                                    des SAP Netweaverpor tals sowie
                                                    des SAP Por tal Site Management
                                                                                                                V
                                                                                                                h
                                                    by OpenText, einem leistungsstar­
                                                    ken Enterprise Content Manage­
                                                    ment System.
                                                    Die Anforderungen werden in
                                                    einem agilen Software-Entwick­
                                                    lungsprojekt umgesetzt. Die
                                                    Zwischenstände werden im Pro­
                                                    jektverlauf immer wieder geprüf t
                                                    und an aktuelle Anforderungen
                                                    angepasst. Durch die damit ge­
                                                    wonnene Flexibilität schaff t das
                                                    Projekt team ein System, das den
                                                    tatsächlichen Anforderungen zum
                                                    Zeitpunkt der Auslieferung so weit
                                                    wie möglich entspricht.

                                                                                          Die neue Navigation:
                                                                                          drei Ebenen auf einen Blick
Tech-                                                                                               B A R R I E R E F R E I E I T // INFORM 3/19   27

nik und
Vorge-
hen                                                                                 Logo des neuen MAP: In ihm
                                                                                    verschmelzen die ver wendeten
                                                                                    Icons.

 ƒ Die Filterseiten. Die große Menge von Informationen,        In diesem Projekt gelang das, weil von Beginn an alle
 die sich unter den Navigationspunkten Serviceleistungen,      Beteiligten eng zusammenarbeiteten und sich miteinan­
 Formulare, Meldungen, Anwendungen, Termine und Ver­           der austauschten. Während zum Projektstart die Ressorts
 anstaltungen, Initiativen der Landesregierung, Wartungs­      in den Arbeitsgruppen die fachlichen Anforderungen
 meldungen und Regelungen finden, sind z.B. über Schlag­       definierten, kamen und kommen die Redakteurinnen und
 worte, Quelle oder Datum weiter filterbar.                    Redakteure während der noch bis zum Livegang laufenden
                                                               Migrationsphase in sogenannten Round Tables zusammen,
 ƒ Die Suche. Sie bietet eine ganze Reihe nützlicher Funkti­
                                                               was der Qualität der Inhalte sehr zugutekommt. Außerdem
 onen. Freitextsuche sowie Suche über Schlagwort, Quelle,
                                                               nutzt das Projektteam das Feedback aus den Workshops
 Dateityp oder Inhaltstyp sind möglich.
                                                               dazu, Funktionalitäten immer weiter zu verbessern.
 Barrierefreiheit immer im Blick
                                                               Livegang im Dezember 2019
 Neben den Anforderungen aus den Corporate-Design-
                                                               Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen wird das neue Mit­
 Vorgaben des Landes Hessen war die Barrierefreiheit von
                                                               arbeiterportal für alle Beschäftigten im Land live gehen.
 Anfang an ein zentrales Ziel. Dazu wurde das Design des
                                                               Bis dahin werden die restlichen Inhalte migriert, Quali­
 neuen MAP noch vor der Umsetzung durch externe Berater
                                                               tätssicherung und Freigaben in den Ressorts stattfinden
 auf Barrierefreiheit geprüft. Dies setzte sich auch in der
                                                               und weitere Fehlerbehebungen sowie Verbesserungen
 Phase der Softwareentwicklung fort. Das Projektteam führte
                                                               durchgeführt. Außerdem werden zusätzliche Last- und
 mehrere entwicklungsbegleitende Barrierefreiheitstests
                                                               Performancetests am System durchgeführt, bevor es bereit
 durch, um das System immer wieder anhand der Tester­
                                                               für seinen „großen Auftritt“ ist. Sicher ist aber schon jetzt,
 gebnisse zu optimieren. Unterstützt wurden sie auch von
                                                               dass das Projekt damit noch lange nicht zu Ende ist. Es
 der Durchsetzungs- und Überwachungsstelle bzw. der
                                                               gilt, auch die bis dahin noch nicht migrierten Dienststellen
 Landesbeauftragten für barrierefreie IT, Prof. Dr. Erdmuthe
                                                               auf die gemeinsame Plattform zu bringen, damit das neue
 Meyer zu Bexten (s. S. 14). Als besonders hilfreich erwies
                                                               MAP tatsächlich ein Portal für alle wird. Erfahrungsgemäß
 sich der direkte Draht zu einem blinden Mitarbeiter der
                                                               werden außerdem durch die praktische Anwendung Im­
 HZD, Michael Altenhofen (s. S. 22). Er war bereit, neue
                                                               pulse für Ergänzungen und Verbesserungen entstehen, die
 Funktionalitäten auszuprobieren sowie wertvolle Tipps und
                                                               in der Folge umzusetzen sind.
 Anregungen zu geben. Verschiedene Tests zur Bedienbar­
 keit, die die Benutzerführung im neuen MAP optimieren
 sollen, zeigten in diesem Zusammenhang einmal mehr,
 dass barrierefreie Oberflächen allen Nutzerinnen und Nut­
 zern zugutekommen.

 Ein Projekt mit vielen Beteiligten                                             Anette Ramberger
                                                                                HMdIS
 Es stellt eine besondere Herausforderung dar, ein zentra­                      Abteilung Cyber- und IT-Sicherheit, Verwaltungs­
 les System für alle Dienststellen im Land zu schaffen und                      digitalisierung
 gleichzeitig die vielfältigen Anforderungen an Funktionali­                    Fachliche Koordination im Projekt Redesign MAP
                                                                                anette.ramberger@hmdis.hessen.de
 tät und Navigation zu berücksichtigen.
28   INFORM 3/19 // B A R R I E R E F R E I E I T

            ERBe wird mobil
            // Software-Ergonomie für Fachanwendungen

ERBE wird mobil

            Software-Ergonomie und Anforderungen an die Barrierefrei­       Vorgaben der ERBe am Beispiel einer Anwender- und Be­
            heit gelten auch für Fachanwendungen im Land. Deshalb hat       rechtigungsverwaltung erläutern.
            der EGOV-VR im November 2017 die Ergonomie-Richtlinie
                                                                            Landesbedienstete finden weitere Information zu ERBe im
            für Benutzeroberflächen (ERBe) als Standard festgelegt.
                                                                            Zentralen Mitarbeiterportal:
            ERBe ist kein statisches Dokument. Seien es technische Fort­
                                                                            Verwaltungsmodernisierung > Barrierefreiheit > Ergonomie-
            schritte oder geänderte Gesetze und Verordnungen wie die
                                                                            Richtlinie
            Fortschreibung der BITV/HVBIT mit der WCAG 2.1 – ERBe
            wird entsprechend angepasst. Immer im Fokus der Usability       Genannte gesetzliche Grundlagen für ERBe
            Guideline: die gute Bedienbarkeit mittels Standardisierung.
                                                                            ƒ Hessische Verordnung über barrierefreie Informations­
            Neu in diesem Jahr: Für mobile Anwendungen gelten zu              technik (HVBIT)
            großen Teilen andere Regeln als für Desktop-Anwendungen,
                                                                            ƒ Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung des Bun­
            deshalb sind diese bislang nicht im Umfang von ERBe ent­
                                                                              des (BITV)
            halten. Das soll sich 2019 ändern, in Form einer ergänzenden
            Richtlinie für mobile Apps/Responsive Design – der „ERBe        ƒ Regelungen der Web Content Accessibility Guidelines
            mobil“. Ziel ist auch hier die Erstellung eines verbindlichen     (WCAG)
            Standards für die hessische Landesverwaltung.

            Anwendungsentwicklern soll zudem die Arbeit weiter er­
            leichtert werden. Mit Hilfe einer Demonstrationsanwendung                      Friederike Sachs
                                                                                           HZD
            sollen sie noch in diesem Jahr einen einfachen und über­
                                                                                           Bereichsleitung Anwendungsentwicklung
            sichtlichen Zugang zu den Inhalten der ERBe über einen                         friederike.sachs@hzd.hessen.de
            E-Learning-Kurs erhalten. Videos werden die wichtigsten
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