Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung

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Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
Institutsbericht   2019
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
„Sozial-ökologische Transformationen können nur
gelingen und in ihren unvermeidlich turbulenten Phasen
auch ertragen werden, wenn sie als gemeinsame
Gestaltungsprojekte für ein besseres Leben begriffen
werden.“
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
30 Jahre Wissen für
Institutsbericht 2019
                        eine nachhaltige Entwicklung
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
Inhalt

                 4      Vorwort                                                 26     Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen
                 6      Das ISOE                                                27	MULTI-ReUse – Modulares Aufbereitungssystem zur
                 8      Frankfurter Soziale Ökologie                                Wasserwiederverwendung
                 9      Kognitive Integration und Innovation                    28	HypoWave – Neue Wege zur Abwasserwiederverwendung
                                                                                    in der Landwirtschaft
               10       Transdisziplinär forschen
                                                                                28	IntenKS – Intensivierung der Klärschlamm­behandlung
               12       Highlights 2019                                             und -verwertung in China
               14       Forschungs­schwerpunkte                                 29	BioFAVOR II – Recycling von Fäkalien aus dezentralen
                                                                                    Quellen im Low-Tech-Verfahren
               16       Wasserressourcen und Landnutzung                        29	netWORKS 4 – Resilient networks: Beiträge städtischer
                17	Smart Water Future India – Nachhaltige Lösungen                 Versorgungs­systeme zur Klimagerechtigkeit
2                   für den Zukunftsmarkt Wasser                                30	INTERESS-I – Integrierte Strategien zur Stärkung urbaner
                18      EPoNa – Wasserwiederverwendung in Namibia                   blau-grüner Infrastrukturen
                18      PlastX – Plastikabfälle in Meeren und Ozeanen           30	Abschätzung des Potenzials für die Nutzung von
                19      NamTip – Kipppunkte in namibischen Trockengebieten          Betriebswasser in Frankfurt am Main

                19      ORYCS – Wildtier-Managementstrategien in Namibia        31     Umweltrisiken und Arzneimittel: Schlüsselrolle der Apotheken

                20      LIMO – Landnutzung und integrierte Modellierung         31     PlastX – Mikroplastik in Fließgewässern

                20	Weschnitz Dialog: Kommunikation und Beteiligung beim        32     PlastX – Chemikalien in Kunststoffprodukten
                    Management von Renaturierungsmaßnahmen                      32     PLASTRAT – Plastikeinträge in urbane Gewässer vermindern
                21	Entwicklung des Wasserbedarfs in Mitteleuropa –
                    Proxies und Szenarien                                       36     Energie und Klimaschutz im Alltag
                21      Wasserbedarfsprognose 2050 für die Hansestadt Hamburg   37	Sanieren 60plus – Altersgerechte Ansprache, Beratung und
                22      Tagesprognosemodell zum Trinkwasserbedarf in Hamburg        Begleitung zur Eigenheimsanierung
                                                                                38	LebensRäume – Instrumente zur bedürfnisorientierten
                                                                                    Wohnraum­nutzung in Kommunen
                                                                                38	TRI-HP – Trigenerationssysteme aus mehreren
                                                                                    erneuerbaren Energiequellen
                                                                                39     NaKoDi – Nachhaltiger Konsum und soziale Teilhabe
                                                                                39     PlastX – Verpackungen und nachhaltiger Konsum
                                                                                40	Blauer Engel – Umweltkommuni­ka­tion für Kinder
                                                                                    und Jugendliche
                                                                                40	SuPraStadt – Verbesserte Lebens­qualität durch
                                                                                    Suffizienzpraktiken im Stadtquartier
                                                                                41	Geschlechtergerechtigkeit als Beitrag zu einer
                                                                                    erfolgreichen Klimapolitik

Institutsbericht 2019
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
44     Mobilität und Urbane Räume                                    63     DINA – Diversität von Insekten in Naturschutzarealen
45	LebensWert – Strategien für lebenswerte Kleinstädte und          63	SMART – Wissenstransfer für Ergebnisse
    Gemeinden                                                            naturwissen­schaftlicher Grun dlagenforschung
46     RoboCab – Autonome Fahrzeuge in Carsharing- und Taxiflotten   64	Biodiversität und Klima: Sozial-ökologische
46	WohnMobil – Innovative Wohnformen und                                Biodiversitäts­forschung
    Mobilitätsdienstleistungen                                       64	Dilemmata der Nachhaltigkeit – Metakriterien für
47     Synthesebericht zum Mobilitäts­verhalten Schweiz                  Nachhaltigkeit
47     Mobilitätslabor2020 – Alternativen zum eigenen Auto
48	Verkehrswende: Impulse für Kommunikationskampagnen               68     Nachwuchsgruppe PlastX
    zum Behaviour Change                                             70     Vernetzt forschen – International forschen
                                                                     74     Lehre und wissenschaftlicher Nachwuchs                         3
52     Biodiversität und Bevölkerung                                 77     Strategische Beratung
53	AJAP II – Umweltfreundliche und nachhaltige Bekämpfung           78     Wissenschaftskoordination
    der Asiatischen Buschmücke                                       79     Wissens­kommuni­kation
54	MORE STEP – Nachhaltige Entwicklung des mongolischen             80     Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    Steppenökosystems
                                                                     87     Wissenschaftlicher Beirat
54     IMAGINE – Integratives Management von Grüner Infrastruktur
                                                                     88     Nachhaltigkeit im ISOE
55     NormA – Normative Konflikte im Bereich Biodiversität
55	SoCoDES – Sozial-ökologische Dynamiken von
    Ökosystemleistungen

58     Transdisziplinäre Methoden und Konzepte
59     TransImpact – Wirkungsvolle transdisziplinäre Forschung
60	SynVer*Z – Wirksamkeit von Forschung zur nachhaltigen
    Transformation von Städten
60     s:ne – Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung
61	BioKompass – Kommunikation und Partizipation für die
    gesellschaftliche Transformation zur Bioökonomie
61	Begleitforschung zum trans­disziplinären Diskurs im
    Kopernikus-Projekt ENavi
62	EKLIPSE – Mechanismus zur Unterstützung der
    europäischen Biodiversitätspolitik
62	Capital4Health – Transdisziplinär forschen für die
    Gesundheitsvorsorge

                                                                                                                                   ➜ ISOE.de
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
Liebe Leserin, lieber Leser,

                                     in diesem Jahr feiert das ISOE seinen 30. Geburtstag! Für uns war dieser runde
                                     Jahrestag Anlass für eine Rückschau in die Zeit unserer Gründung, aber vor allem
                                     für einen kritischen Blick auf das Heute.

                        Die 1980er-Jahre waren die Zeit der neuen sozialen Bewegungen und der Umweltbewegung.
                        Umweltveränderungen wie das Waldsterben oder das Ozonloch machten die Krise der gesell-
                        schaftlichen Naturverhältnisse erstmals für viele sichtbar. In der Folge begann ein Umdenken:
                        Kühlschränke und Spraydosen waren nun FCKW-frei und Abgase wurden besser gereinigt.
                        Deutlich wurde aber auch, dass Grenzwerte und Verbote allein nicht ausreichen, sondern dass
                        ein grundsätzliches Nachdenken über die Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft not-
                        wendig ist. Dafür steht auch die Wiederentdeckung des Nachhaltigkeitsbegriffs. Maßgeblich
4                       beigetragen zur dann folgenden Popularisierung dieses neuen Leitbildes haben 1972 der
                        Bericht des Club of Rome, 1983 die von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommis-
                        sion für Umwelt und Entwicklung und 1992 schließlich auch die UN-Konferenz für Umwelt
                        und Entwicklung.

                         Der Blick zurück auf diese Meilensteine der Nachhaltigkeitsdebatte zeigt aber auch: Hinter
                         uns liegt eine Vielzahl vergebener Chancen, mit der sozial-ökologischen Transformation tat-
                         sächlich ernst zu machen. Heute ist die Krise greifbarer denn je. Eine Jugend, die angesichts
                         der drohenden Klimakatastrophe seit vielen Freitagen ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft
                         einfordert, ist dafür ein klares Zeichen. Neue Sprachbilder wie Heißzeit, Plastikflut oder
                         Insektensterben haben der Krise inzwischen eine medientaugliche Sichtbarkeit gegeben.
                         Der Sachverständigenrat für Umweltfragen spricht in seinem jüngsten Gutachten gar vom
                        „Verwüstungsanthropozän“, das uns droht, wenn wir weiter die planetaren Belastungsgrenzen
                         überschreiten.

                        Manche reagieren auf diese düsteren Fakten mit schlichter Leugnung. Andere verfallen ange-
                        sichts einer womöglich bald eisfreien Arktis in einen neuen Goldrausch. Doch wie kann ein
                        verantwortungsvoller Umgang mit der Krise aussehen? Um die „richtige“ Antwort auf diese
                        Frage ist eine Art Kulturkampf ausgebrochen – in der Gesellschaft insgesamt, aber auch in
                        der Wissenschaft. Wir beobachten mit Sorge, dass dabei etwas Entscheidendes verloren zu
                        gehen droht: ein offener Zugang zur Gestaltung der sozial-ökologischen Transformation, der
                        die wissenschaftlichen Fakten und technologischen Optionen ernst nimmt, ohne sich alleine
                        dadurch in der Wahl der Handlungsoptionen leiten zu lassen.

Institutsbericht 2019
Institutsbericht 2019 - Institut für sozial-ökologische Forschung
Natürlich sind auch wir von der Dringlichkeit der globalen Herausforderungen überzeugt.
Aber gerade deshalb halten wir es für wichtig, uns von wirkmächtigen Zukunftsprojektionen
zu befreien und einen nur scheinbar paradoxen Aufbruch zu wagen: den in die Gegenwart als
einen Gestaltungsraum, in dem wir die mit jeder Krise verbundenen Chancen gezielt nutzen.
Diesen Perspektivwechsel haben wir in unserem Jubiläumsjahr zum Ausgangspunkt für un-
sere Tagung „Aufbruch in die Gegenwart. Die sozial-ökologische Zukunft heute gestalten“
genommen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden haben wir nach Antworten auf die Frage
gesucht, wie sozial-ökologische Prinzipien aussehen können, von denen wir uns bei der
Zukunftsgestaltung leiten lassen sollten. In den Gestaltungsfeldern Wasser, Biodiversität,
Mobilität und nachhaltiger Konsum suchten wir einen offenen Zugang zur Gestaltung der
notwendigen sozial-ökologischen Transformation.

Außerdem setzten wir uns intensiv mit der Rolle von Wissenschaft auseinander. Sie wird
heute immer öfter und mit Nachdruck als legitimierende Instanz für politische Forderungen
in die Pflicht genommen. Umgekehrt reagieren auch Wissenschaftler*innen auf den Problem-
druck, indem sie immer häufiger das angestammte Aufgabenfeld verlassen – oder zumindest
seine Grenzen erweitern – und mit konkreten „To-dos“ an die Politik herantreten. Gleichzeitig           5
ist eine Gegenbewegung erkennbar, die Zweifel an der Wissenschaft demonstriert. Diese Be-
wegung sieht Nachhaltigkeitsforschung als Bedrohung gewohnter Lebensweisen. Wir disku-
tierten intensiv, welche Rollen und welche Verantwortung Wissenschaft in Krisenzeiten hat
und wie sie mit Konflikten umgeht, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen
entstehen. Die Ergebnisse finden Sie ab Januar 2020 auf unserer Homepage. An dieser Stelle
geht unser Dank an alle, die diese Diskussionen angeregt und mit ihren Sichtweisen, Erfah-
rungen und Argumenten bereichert haben.

Im Namen aller Mitarbeiter*innen des ISOE bedanke ich mich schließlich ganz herzlich bei
unseren Kooperationspartnern, Freunden, Förderern und Kolleg*innen. Sie alle haben uns im
zurückliegenden Jahr bei unseren Projekten und Erfolgen unterstützt und begleitet. Persön-
lich danke ich besonders allen Mitarbeiter*innen des ISOE für ihre geleistete Arbeit und ihre
außerordentliche Motivation. Dazu gehören auch die studentischen Mitarbeiter*innen und
Praktikant*innen, die uns mit großem Engagement unterstützen. Und nicht zuletzt gilt dem
Land Hessen unser ausdrücklicher Dank für die geleistete institutionelle Förderung.

Dr. Thomas Jahn
Sprecher der Institutsleitung

                                                                                                ➜ ISOE.de
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Das ISOE

                        Das ISOE gehört zu den führenden unabhängi­gen       Wir leben Kooperation. Für unsere
                        Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit        Partner*innen und unsere Mitarbeiter*innen.
                        30 Jahren entwickelt das Institut wissenschaft­
                        liche Grundlagen und zukunfts­fähige Konzepte        Derzeit arbeiten 55 Mitarbeiter*innen am ISOE,
                        für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft –      davon sind 39 Wissenschaftler*innen. Wir sind
                        regional, national und international.                aktiver Partner in unterschiedlichen Netzwerken
                                                                             und Kooperationen. Bei unserer Arbeit werden
                                                                             wir von einem internationalen und fachüber­
                        Wir finden für komplexe Probleme nach­               greifenden Wissenschaftlichen Beirat unterstützt.
6                       haltige Lösungen. Für Mensch und Umwelt.             Als gemeinnütziges Institut finanzieren wir
                                                                             uns haupt­sächlich durch öffentliche Fördermittel
                        Wir behandeln zielgerichtet und fallspezifisch die   und Aufträge. Darüber hinaus erhalten wir eine
                        drängenden globalen Probleme Wasserknappheit,        institutionelle Förderung durch das Land Hessen.
                        Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Land­
                        degradation. Für konkrete Probleme finden wir
                        nachhaltige Lösungen – im ökologischen, sozia-       Wir schaffen Denkräume. Für einen
                        len und ökonomischen Sinne. Die Frank­furter         grundlegenden Wandel in Gesellschaft und
                        Soziale Ökologie ist dafür die theoretische          Wissenschaft.
                        Grundlage.
                                                                             Wir nehmen eine kritische Position ein, denn
                                                                             nur so können wir erreichen, dass die Lösungen
                        Wir integrieren das Wissen unter­-                   von heute nicht die Probleme von morgen
                        schied­licher Akteure. Für praxisnahe,               werden. Statt starre Ziele zu verfolgen, sehen
                        zukunfts­fähige Konzepte.                            wir Ver­änderung als Korridore möglicher und
                                                                             wünschenswerter Entwicklungen. Erst auf
                        Wir beziehen die verschiedenen Interessenlagen       diese Weise können Alternativen entstehen.
                        der Akteure und ihr Wissen in den Forschungs-        Im Denken wie im Handeln.
                        prozess ein. So tragen wir dazu bei, dass
                        Lösungskonzepte in der Praxis besser ange­­-
                        nom­men und umgesetzt werden.

Institutsbericht 2019
Meilensteine

 1989                                                       1994                                  1995
 Das Institut nimmt seine                                   Erste größere Verbund­projekte        Beginn von Projekten zu
 Arbeit auf mit Projekten für                               in den Themenfeldern Wasser           Gender & Environment
 die Stadt Frankfurt am                                     und Mobilität                         und nachhaltigem Konsum
 Main sowie Greenpeace

 2000                                                       2006                                  2008
 Gutachten zur Förderung der                                Buchveröffentlichung                  Das ISOE ist Gründungspartner         7
 Sozial-ökologischen Forschung                              „Soziale Ökologie – Grundzüge         im Senckenberg Biodiversität und
 in Deutschland für das BMBF                                einer Wissenschaft von den gesell-    Klima Forschungszentrum (SBiK-F)
                                                            schaftlichen Naturverhältnissen“

 2008                                                       2012                                  2012
 Soziale Ökologie als Lehrgebiet im                         SÖF*-Memorandum                       International re­zi­pie­rte
 Masterstudiengang Umweltwissen-                            „Verstehen – Bewerten – Gestalten.    Publikationen
 schaften der Goethe-Universität                            Transdisziplinäres Wissen für         zu Transdisziplinarität
 Frankfurt am Main                                          eine nachhaltige Gesellschaft“

 2015                                                       2016                                  2019
 Begutachtung durch                                         Start der SÖF*-Nachwuchsgruppe        Tagung „Aufbruch in die
 den Wissenschaftsrat                                       „PlastX – Kunststoffe als systemi-    Gegenwart. Die sozial-ökologische
                                                            sches Risiko für sozial-ökologische   Zukunft heute gestalten“
                                                            Versorgungssysteme“

* Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung (www.fona.de)                                                                 ➜ ISOE.de
Frankfurter
                        Soziale Ökologie

                        Schon der Begriff verrät es: Angewandte For-          lernen, verallgemeinern wir und erweitern auf
                        schung ist ohne Grundlagenforschung nicht             diese Weise beständig unsere sozial-ökologische
                        denkbar. Dieser Maxime folgt auch das ISOE mit        Wissensbasis.
                        seinem Forschungsprogramm der „Frankfurter
                        Sozialen Ökologie“. Doch welche Funktion              Die Verbindung von Verstehen und Gestalten in
                        hat dieses Programm am ISOE, wie wird es in           der Sozialen Ökologie stellt besondere Anforde­
                        der täglichen Forschung mit Leben erfüllt?            rungen an die Forschung und an die beteiligten
                                                                              Wissenschaftler*innen. Sie bedeutet nämlich,
                        Allgemein sollen Forschungsprogramme helfen,          dass wir zugleich analytische Beobachter*innen
8                       weiterführende Hypothesen über den Forschungs-        und Teilnehmende an gesellschaftlichen Trans-
                        gegenstand zu formulieren und Forschungspro-          formationsprozessen sind. Für die wissenschaft­
                        zesse zu strukturieren, um diese methodisch zu        liche Arbeit ist es aber entscheidend, diese
                        prüfen. Das gilt auch für die Soziale Ökologie. Sie   beiden Rollen zu trennen, also das Deskriptive
                        erlaubt uns, gezielt zu fragen, wie Gesellschaften    und das Normative auseinanderzuhalten. Unser
                        ihre Beziehungen zu Natur regulieren und wann         Forschungs­programm stellt die Mittel bereit,
                        Gefahr besteht, dass diese sich nicht nachhaltig      um diese selbst-reflexive und (selbst-)kritische
                        entwickeln. Und sie hilft uns zu entscheiden,         Aufgabe zu leisten.
                        welches Wissen wir benötigen und wie wir es
                        integrieren müssen, um diese Fragen zu beant-         Diese Art des Arbeitens an und mit einem For-
                        worten.                                               schungsprogramm stellt uns vor zwei Aufgaben,
                                                                              die sich nur bedingt im Rahmen unserer Projekt-
                        Unser Programm geht aber noch einen Schritt           forschung bewältigen lassen: Erstens müssen
                        weiter. Denn wir wollen die gesellschaftlichen        wir die Soziale Ökologie kontinuierlich weiter­ent­
                        Naturverhältnisse nicht nur besser verstehen.         wickeln, auch indem wir die Fortschritte in
                        Wir wollen dieses Grundlagenwissen auch nutzen,       den relevanten Wissenschaftsbereichen integrie-
                        um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich            ren. Zweitens müssen wir besonders auch unsere
                        nachhaltig gestalten lassen. Genau dies tun wir       neuen Mitarbeiter*innen darin befähigen, die
                        in unseren transdisziplinären Forschungs­             Grund­konzepte der Frankfurter Sozialen Ökologie
                        projekten an gesellschaftlichen Problemen, zum        erfolg­reich anzuwenden. Beide Aufgaben ver­
                        Beispiel bei der Versorgung der Bevölkerung           folgen wir in der aus Mitteln der institutionellen
                        mit sauberem Trinkwasser oder dem Verlust an          Förderung des Landes Hessen finanzierten
                        Artenvielfalt. Was wir aus diesen konkreten Fällen    Projektreihe „Kognitive Integration“.

Institutsbericht 2019
Kognitive Integration
und Innovation

                Ansprechpartner                      und Raumnutzung“ auf und verknüpfen ihn
                Thomas Jahn                          mit aktuellen Fortschritten aus der internationalen
                jahn@isoe.de
                                                     Forschung. Eine wichtige Rolle spielen dabei
                                                     auch drängende theoretische Probleme wie ein
                                                     gestaltungsorientiertes Verständnis sozial-ökolo-
                                                     gischer Transformationen.
Wie jede andere Forschungseinrichtung lebt
das ISOE von wissenschaftlichen Innovationen.        Freiräume für Kreativität
Damit diese entstehen können, braucht es eine        Das Projekt bietet aber auch Freiräume, in denen
dynamische Forschungsumgebung, die nach              die ISOE-Wissenschaftler*innen mit ungewöhn­                      9
außen und nach innen für neue Ideen offen ist.       lichen Ideen experimentieren können. In soge-
Mit dem Projekt „Kognitive Integration und           nannten Innovationsküchen können sie für eine
Innovation“ schafft das Institut dafür die Voraus-   begrenzte Zeit in selbst gewählten Arbeitsformen
setzungen. Das Besondere dabei: Am Projekt           projektungebunden forschen. „Kognitive Inte­
sind alle wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen       gration“ bedeutet aber auch noch etwas ganz
des Instituts beteiligt. Das Projekt aktiviert       Praktisches: Das Institut muss besonders seine
also die gesamte kognitive Diversität des ISOE,      neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen
um wissenschaftliche Innovationen zu er­­-           darin befähigen, die Grundkonzepte der Sozialen
mög­lichen. Es setzt damit eine bereits 2001         Ökologie erfolgreich anzuwenden. Dies ermög­
be­gonnene Tradition fort.                           licht das Projekt durch speziell zugeschnittene
                                                     Einführungsseminare und regelmäßig statt­
Soziale Ökologie im Fokus                            findende Jours fixes, die den Wissensaustausch
Im Zentrum der Innovationsarbeit steht die           innerhalb des Instituts fördern.
Frankfurter Soziale Ökologie. Sie liefert die
theoretischen Grundlagen für die empirische,         ➜ www.isoe/ki3
transdisziplinäre Forschungsarbeit des ISOE.         Projektteam Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen
Um sie weiterzuentwickeln, nimmt das Projekt         des ISOE
systematisch Impulse aus dem wissenschaftlichen      Kooperationspartner keep it balanced (Dr. Florian Keil)
Umfeld des Instituts auf. Dafür gibt es mehrere      Laufzeit 04 / 2018 –12 / 2020
Teams. Diese bereiten den eigenen Wissensstand       Finanzierung aus Mitteln der institutionellen Förderung
                                                     des Landes Hessen
in Themenbereichen der Sozialen Ökologie wie
„Wasser“, „Biodiversität“ und „Alltagspraktiken

                                                                                                               ➜ ISOE.de
Transdisziplinär
                        forschen

                        Welche Aufgaben kann und muss Wissenschaft           legend, die unterschiedlichen Erwartungen der
                        heute wahrnehmen? Der Veränderungsdruck,             beteiligten Akteure zu verstehen, ebenso wie
                        der auf Wissenschaft heute ausgeübt wird, ist        deren Beziehungen zueinander und ihre Hand-
                        groß: Einerseits sieht sich die Wissenschaft einer   lungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in Bezug
                        wachsenden politischen und wirtschaftlichen          auf politische Machtverhältnisse.
                        Einflussnahme ausgesetzt. Andererseits wächst
                        der legitime Anspruch an die Wissenschaft,           Mithilfe des transdisziplinären Forschungsmodus
                        zur Lösung der Probleme des globalen Wandels         greifen wir diese Komplexität auf. Die Ansätze
                        das notwendige Wissen zur Verfügung zu stellen.      und Methoden der transdisziplinären Forschung
10                      Hinzu kommt die Forderung, nicht-wissenschaft-       sind geeignet, die Erkenntnisse verschiedener
                        liche Akteure an der Erzeugung wissenschaft­         wissenschaftlicher Disziplinen und die Erfahrun-
                        lichen Wissens und der Bewertung seiner Folgen       gen und das Wissen unterschiedlicher gesell-
                        zu beteiligen.                                       schaftlicher Akteure zusammenbringen. Dies er-
                                                                             möglicht uns ein tief greifendes Verständnis
                        Seit 30 Jahren widmet sich das ISOE diesen Her-      sozial-ökologischer Systeme und eine differen-
                        ausforderungen mit dem Forschungsprogramm            zierte Einschätzung von Krisensituationen.
                        der „Frankfurter Sozialen Ökologie“. Im Fokus        Unsere Arbeit konzentriert sich auf die Themen-
                        stehen hier das veränderte Verhältnis zwischen       bereiche Wasser, Energie, Mobilität und Biodiver-
                        Natur und Gesellschaft und die Frage, wie diese      sität. Wir untersuchen, inwieweit diese Themen
                        gesellschaftlichen Naturverhältnisse erkannt,        miteinander verbunden sind und wie sie von
                        bewertet und gestaltet werden können. In unse-       globalen Entwicklungen beeinflusst werden. Wel-
                        rem Forschungsprogramm verbinden wir Grund-          che Rolle spielen zum Beispiel die Urbanisierung,
                        lagen- mit anwendungsnaher Forschung: Wir            der Klimawandel, der Biodiversitätsverlust oder
                        bearbeiten zentrale theoretische Frage­stellungen    demografische Entwicklungen für eine nach­
                        der Sozialen Ökologie und liefern in unserer         haltige Veränderung von Versorgungssystemen?
                        Projektforschung Erkenntnisse, die konkrete          Die für diese Integrationsprozesse geeig­neten
                        Wege in eine nachhaltige Entwicklung aufzeigen.      transdisziplinären Methoden werden am ISOE
                        Hierfür untersuchen wir die komplexen Strukturen     ständig weiterentwickelt. So können die Alterna-
                        gesellschaftlicher Probleme immer auch mit Blick     tiven, die wir aufzeigen, besser in der Praxis
                        auf die unterschiedlichen Akteursgruppen aus         angenommen und umgesetzt werden – als gang-
                        Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Denn für ein   bare Wege in Richtung einer nachhal­tigen Trans-
                        umfassendes Problemverständnis ist es grund­         formation der Gesellschaft.

Institutsbericht 2019
Der transdisziplinäre
            Forschungsprozess

              Gesellschaftliche                                            Gemeinsamer                                        Wissenschaftliche
              Probleme                                                     Forschungs­                                        Probleme
                                                                            gegenstand

                                                                                                                                                                                      11

                Gesellschaftlicher                                        Produktion von                                       Wissenschaftlicher
                    Diskurs                                               neuem Wissen                                              Diskurs

              Ergebnisse für die                                                                                              Ergebnisse für die
              gesellschaftliche                                         Transdisziplinäre                                     wissenschaftliche
              Praxis                                                       Integration                                        Praxis

Zum Weiterlesen
Jahn, Th. / F. Keil / O. Marg (2019):                Lux, A. / M. Schäfer / M. Bergmann / Th. Jahn / O. Marg /       Hummel, D. / Th. Jahn / F. Keil / S. Liehr / I. Stieß (2017):
Transdisziplinarität: zwischen Praxis und Theorie.   E. Nagy / A.-C. Ransiek / L. Theiler (2019): Societal effects   Social Ecology as Critical, Trans­disciplinary Science –
Reaktion auf fünf Beiträge in GAIA zur Theorie       of transdisciplinary sustainability research – How can          Conceptualizing, Analyzing and Shaping Societal
transdisziplinärer Forschung. GAIA 28 (1), 16–20     they be strengthened during the research process?               Relations to Nature. Sustainability 9 (7), 1050
                                                     Environmental Science and Policy 101, 183–191

                                                                                                                                                                               ➜ ISOE.de
Highlights
                        2019

                        Zehn Jahre Lehre                                       Decolonizing Ecology
                                              Mit dem Wintersemester                                 Die „ISOE-Lecture“ an der
                                              2018 / 2019 beteiligt sich das                         Goethe-Universität Frank-
                                              ISOE seit nunmehr zehn                                 furt ist eine Vorlesungsreihe
                                              Jahren an der Nachwuchs-                               für Studierende, Wissen-
                                              bildung zur transdiszi­-                               schaftler*innen und die inte-
                        pli­nären Nachhaltigkeitsforschung in der uni­         ressierte Öffentlichkeit. Ihre Themen sind aktuelle
                        versitären Lehre. Seit 2008 bietet das ISOE in         Fragen der Nachhaltigkeitsforschung. Die Philo-
                        Ko­operation mit dem Fachbereich Gesellschafts­        sophin Barbara Muraca (Oregon State University)
12                      wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt        gibt mit ihrer Vorlesung „Decolonizing Ecology –
                        das deutschlandweit einzigartige Schwerpunkt­-         Umweltgerechtigkeit jenseits dominanter west­
                        fach „Soziale Ökologie“ im Studiengang Umwelt-         licher Naturvorstellungen“ im Januar Einblicke
                        wissenschaften (Master of Science) an. Der             in die philosophische Debatte über Umweltethik
                        Studiengang verbindet natur- und gesellschafts­        und fragt, ob unsere traditionelle westliche
                        wissenschaft­liche Perspektiven.                       Naturvorstellung als Grundlage für einen weltweit
                                                                               gerechten Umweltschutz dienen kann.
                        Frankfurter Nachhaltigkeitsslam
                                             Im November 2018 ver­             Wandel gestalten, Wandel begleiten
                                             anstaltet das ISOE zum                                 Wissen und die Kommuni-
                                             dritten Mal den Frankfurter                            kation von Wissen sind
                                             Nachhaltigkeitsslam.                                   zentral, um Transformations-
                                             Partner ist in diesem Jahr die                         prozesse in Richtung einer
                        Frankfurter Stadtbücherei. Kurz, prägnant und                               nachhaltigen Entwicklung
                        unterhaltsam zugleich stellen fünf Wissenschaft-       gestalten zu können. Die Wissenschaft übernimmt
                        ler*innen aus Darmstadt, Frankfurt am Main,            hier eine wichtige Rolle. Mit ihrer gemeinsamen
                        Köln und Tübingen ihre Forschungsergebnisse            Fachveranstaltung „Wandel gestalten, Wandel
                        zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen vor.              begleiten: Wissenschaft und Kommunikation“
                        Der Physiker, Science Slammer und Wissenschafts­       widmen sich das ISOE und die Darmstädter
                        kommunikator Philipp Schrögel moderiert die            Schader-Stiftung im Januar aktuellen Ansätzen
                        Veranstaltung.                                         und Methoden der Wissenskommunikation in
                                                                               Transformationsprozessen.

Institutsbericht 2019
Wir müssen reden                                     Zukunftsforum Ecornet
                     Etwas mehr als die Hälfte                             Die vielseitige Verwendung
                     aller Deutschen, 54 Prozent,                          von Kunststoffen und der
                     gaben in der Umfrage zum                              zunehmende Konsum haben
                     Wissenschaftsbarometer                                in den letzten Jahren zu
                     2018 an, dass sie Vertrauen                           einem Müllaufkommen
in Wissenschaft und Forschung haben. Ist das         geführt, das kaum noch zu bewältigen ist. Wie
ein Grund zur Freude oder, wie manche glauben,       mögliche Lösungsansätze aussehen und wie
ein Alarmsignal? Zeugt es von einer Krise im         die Verantwortung für dieses Problem verteilt sein
Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesell-         muss, darüber diskutieren Vertreter*innen aus          13
schaft, wenn 46 Prozent der Vertrauensfrage mit      Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Unentschiedenheit, Vorbehalten oder Ablehnung        im Juni beim zweiten Zukunftsforum Ecornet
begegnen? Zu einer Diskussion darüber lädt           in Berlin. Veranstalter sind die Ecornet-Institute
das ISOE im Februar im Rahmen der Frankfurter        ISOE und ifeu – Institut für Energie- und
Bürger-Universität „Wir müssen reden! Wissen-        Umweltforschung Heidelberg.
schaft in der Vertrauenskrise?“ ein.
                                                     30 Jahre ISOE
Behaviour-Change-Kommunikation                                             Das ISOE gehört heute
                       Die Verkehrswende kann                              zu den führenden Instituten
                       nur gelingen, wenn sich das                         der Nachhaltigkeitsfor-
                       Verkehrsverhalten ändert.                           schung in Deutschland. Mit
                       Der Wandel hin zu einer                             der Tagung „Aufbruch in
                       umwelt- und sozialverträg­    die Gegenwart. Die sozial-ökologische Zukunft
lichen Mobilität, bei der Verkehrsteilnehmer*innen   heute gestalten“ lädt das Institut im November
sich künftig durch die intelligente Kombination      dazu ein, ein Bewusstsein für die Gegenwart
klimaneutraler Verkehrsmittel fortbewegen, muss      als Gestaltungsraum zurückzugewinnen und sich
deshalb durch Kommunikation begleitet und            für einen Moment von technologischen Heils­
unterstützt werden. In einer Studie der Initiative   versprechen und den Bildern der drohenden
Agora Verkehrswende zeigen ISOE-Mobilitäts­          ökologischen Katastrophe frei zu machen und
forscher, unter welchen Bedingungen Kommuni-         gemeinsam zu fragen: „In welcher Welt wollen
kationskampagnen zu einem „Behaviour Change“         und können wir leben?“
beitragen können.

                                                                                                     ➜ ISOE.de
Forschungs­
                        schwerpunkte

                        Wasserressourcen und Landnutzung                     sowie Strategien, um diese zu minimieren. Dabei
                                              Wasser prägt das gesamte       spielt die Zusammenarbeit mit den involvierten
                                              System Erde: Land und          Akteuren eine zentrale Rolle.
                                              Boden, das Klima, die Men-
                                              schen und die Biodiversität.   Energie und Klimaschutz im Alltag
                                              Deshalb ist es wichtig, das                          Anspruchsvolle Klimaziele,
                        Management der Wasserressourcen integriert zu                              wie das 1,5-Grad-Ziel,
                        betrachten und dabei das Ineinandergreifen loka-                           sind ohne eine Veränderung
                        ler, regionaler und globaler Dynamiken zu ver-                             von alltäglichen Routinen
14                      stehen. Wasser ist eine knappe Ressource. Daher                            und Konsummustern nicht
                        muss sie nachhaltig genutzt und bewirtschaftet       zu erreichen. Zugleich ist es wichtig, die Lebens­
                        werden, vor allem in wasserarmen Regionen.           qualität der Menschen zu erhalten und soziale
                        Das ISOE untersucht die Handlungsmotive gesell-      Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen zu ermög-
                        schaftlicher Akteure, führt sozial-ökologische       lichen. Mithilfe von sozialempirischen Studien,
                        Folgenabschätzungen und Modellierungen durch,        Feldversuchen und Wirkungsanalysen unter­
                        erstellt Prognosen zur Wasserbedarfsentwicklung      suchen wir, wie Wege in einen postfossilen All-
                        und entwickelt Szenarien.                            tag eröffnet werden können – beispielsweise
                                                                             durch klimafreundliche und ressourcenschonende
                        Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen               Konsumpraktiken, die Verbreitung CO2-armer
                                             Die Wasserwirtschaft steht      Technologien oder die Entwicklung innovativer
                                             weltweit vor großen Heraus-     Wohnkonzepte.
                                             forderungen: Überalterte
                                             und unzureichende Infra-
                                             strukturen gefährden die
                        Effizienz und Nachhaltigkeit der Wassernutzung.
                        Hinzu kommen umstrittene Substanzen, die ver-
                        mehrt im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen
                        werden. Das ISOE erarbeitet innovative Konzepte,
                        mit denen Infrastrukturen nachhaltig transfor-
                        miert und an veränderte Rahmenbedingungen
                        angepasst werden können. Außerdem entwickeln
                        wir Methoden zur Abschätzung komplexer Risiken

Institutsbericht 2019
Mobilität und Urbane Räume                            Biodiversität wahrgenommen und wertgeschätzt
                     Das Verkehrsaufkommen            wird und welche Auswirkungen Bevölkerungs­
                     wächst – mit deutlichen          entwicklungen, zum Beispiel Migration und
                     Folgen für Mensch und Um-        Urbanisierung, auf die Biodiversität haben.
                     welt. Das ISOE untersucht,
                     wie Mobilitätssysteme            Transdisziplinäre Methoden und Konzepte
nachhaltig und klimaneutral transformiert werden                             Transdisziplinäre Forschung
können. Da neue Mobilitätsangebote und Pla-                                  will Wirkungen erzielen,
nungsideen nicht per se nachhaltig sind, unter­                              in dem sie gesellschaftliche
suchen wir, wie sie gestaltet sein müssen,                                   Probleme adressiert und           15
damit Mobilitätspraktiken und Mobilitätsstile                                hierfür integrierte Lösungen
nachhal­tiger werden können. Die zukunfts­            entwickelt. Neben praktischem Handlungswissen
orientierte Entwicklung urbaner Räume ist eng         soll zudem wissenschaftliches Wissen erweitert
mit dem Thema Mobilität verbunden. Neben              werden, sodass transdisziplinäre Forschung auch
Analysen zur Nutzung und Akzeptanz von Mobi-          wissenschaftlich wirkungsvoll ist. Kritische
litätsangeboten sowie zu Mobilitätsbedürfnissen       Transdisziplinarität reflektiert dabei die Bedingun-
entwickeln wir schließlich Maßnahmen, mit             gen der Wissensproduktion und die Folgen der
denen wir die Veränderungen in der Stadt- und         Anwendung des neu erzeugten Wissens. Unsere
Mobilitätskultur kommunikativ begleiten.              Kernaufgabe ist es, die grundlegenden Methoden
                                                      und Konzepte hierfür zu erarbeiten, indem
Biodiversität und Bevölkerung                         transdisziplinäre Prozesse erforscht, begleitet und
                     Biologische Vielfalt ist eine    unterstützt werden.
                     der wichtigsten Lebens-
                     und Überlebensgrundlagen
                     unserer Gesellschaft: Bio­
                     diversität sichert unsere
Ernährung und unserer Gesundheit, sie dient un-
serer Erholung und bietet wertvolle ästhetische
und kulturelle Aspekte. Damit besitzt Biodiversität
nicht nur eine materielle, sondern auch eine
wichtige symbolische Dimension. Vor diesem
Hintergrund forscht das ISOE zu der Frage, wie

                                                                                                        ➜ ISOE.de
Forschungs­schwerpunkt

                        Wasserressourcen und
                        Landnutzung
                        Wasser ist eine zentrale Ressource für viele
                        gesellschaftliche Bereiche. Auch für intakte Öko­                 „Um Wassersicherheit
16                      systeme und die vielfältigen Formen von Land-                     weltweit gewährleisten
                        nutzung ist Wasser unerlässlich. Trotz zahlreicher   zu können, brauchen wir ein fundamen­
                        Impulse für ein nachhaltigeres Management            tales Umdenken, bei dem die viel­
                        bleiben jedoch wesentliche Probleme bislang
                                                                             fältigen Kopplungen von Wasser und
                        ungelöst. Dazu zählen Übernutzung und Ver-
                        schmutzung unserer Gewässer oder die Degra­
                                                                             Landnutzung stärker berücksichtigt
                        dation von Feuchtgebieten und Savannen. Ziel         werden.“
                        unserer Forschung ist, ein besseres Verständnis      Ansprechpartner
                        dieser Probleme zu gewinnen, robuste Lösungs-        Stefan Liehr, liehr@isoe.de
                        strategien zu entwickeln und damit einen Beitrag
                        zu den Sustainable Development Goals zu leisten.
                        Dies setzt ein fundiertes Wissen über die Zusam-
                        menhänge zwischen gesellschaftlichen Ent­
                        wicklungen und der Wasser- sowie Landnutzung
                        voraus, auch auf unterschiedlichen räumlichen
                        Einheiten. Ein weiterer Schwerpunkt unserer
                        Forschung sind sogenannte Kipppunkte von
                        Ökosystemen. Im Themenfeld Landnutzung und
                        Modellierung kooperieren wir mit dem Sencken-
                        berg Biodiversität und Klima Forschungs­-
                        zentrum. In der Nachwuchsgruppe PlastX haben
                        wir eine weitere Expertise in der Forschung zu
                        Plastik­abfällen in Meeren und Ozeanen aufgebaut.

Institutsbericht 2019
Smart Water Future India –                            Perspektiven für Unternehmen, Export­
Nachhaltige Lösungen                                  förderung und Wissenschaft
für den Zukunftsmarkt Wasser                          Mehrere Hauptfaktoren erwiesen sich als be­
                                                      sonders relevant für den Eintritt ausländischer
Indiens schnell wachsende Städte stehen beim          Unternehmen in den indischen Markt, unter
Ausbau der kommunalen Infrastruktur vor großen        anderem lokale Partnerschaften anzustreben
Herausforderungen. Exemplarisch hierfür ist           sowie Lösungen statt einzelner Komponenten
die südindische Stadt Coimbatore. Hier leben auf      bereitzustellen.
einer Fläche von 250 Quadratkilometern – das
entspricht der Fläche des Stadtgebiets von Frank-     Mit Blick auf die Ansatzpunkte der deutschen
furt am Main – etwa 1,7 Millionen Einwohner.          Exportförderung wurden eine langfristige
Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung in           Vor-Ort-Marktbetrachtung, die Unterstützung
den nächsten 30 Jahren um eine weitere Million        deutscher Unternehmen bei der Ausschreibungs-
zunehmen. Entsprechend wird auch der Wasser-          identifikation und -bearbeitung sowie die Ver-
bedarf steigen. Somit ist es ausgesprochen dring-     marktung und der Wissensaustausch durch den
lich, die Wasserver- und Abwasserentsorgung           Aufbau von Demonstrationszentren und die
zu sichern und dabei zugleich die Belastung der       Erleichterung der Durchführung von Pilotprojek-                   17
Umwelt zu mindern. Als eine der 100 Smart             ten als zentral identifiziert.
Cities Indiens hat Coimbatore die Chance, vorbild-
liche Lösungen zu realisieren und die Weichen         Für die Wissenschaft liegen die Herausforde­rungen
für eine nach­haltige Stadtentwicklung zu stellen.    insbesondere in der Entwicklung von techni­-
                                                      schen Innovationen für hochdynamische gesell-
Water Innovation Hub als Blaupause                    schaftliche Prozesse, soziale Innovationen für
für schnell wachsende Städte                          die Tragfähigkeit technischer Lösungsansätze und
In Zusammenarbeit mit deutschen Wasser­               der politisch-institutionellen Einbettung.
expert*innen stellte das Projektteam fest, dass vor
allem angepasste Lösungen für die kommunale           ➜
Abwasserreinigung fehlen sowie ein vernetztes         Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de
Wasserqualitätsmonitoring. Ein Water Innovation       Projektpartner Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und
Hub soll als Basis für das Herangehen an diese        Bioverfahrenstechnik IGB (Leitung); Drees & Sommer
                                                      Advanced Building Technologies GmbH; trAIDe GmbH
Aufgaben und eine langfristige Zusammenarbeit
                                                      Laufzeit 10 / 2017 – 03 / 2019
dienen. Gleichzeitig wurden Empfehlungen für
                                                      Förderung Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz
lokale Entscheidungsträger erarbeitet: Aufbau         und nukleare Sicherheit (BMU), Exportinitiative Umwelt­
einer guten Datenbasis, Verfolgung eines ganz-        technologien (EXI)
heitlich strategischen Ansatzes zur Verbesserung
der Situation vor Ort, Investition in den Ausbau
der lokalen Administration und Einbeziehung
von Bevölkerung und Privatwirtschaft.

                                                                                                                 ➜ ISOE.de
EPoNa – Wasserwiederverwendung                                PlastX – Plastikabfälle in
                        in Namibia                                                    Meeren und Ozeanen
                        In den globalen Nachhaltigkeitszielen der Ver­                Für den Schutz der Weltmeere und der Ökosysteme
                        einten Nationen spielt die Wiederverwendung                   insgesamt, aber auch zur Minimierung sozio-
                        von Wasser eine wichtige Rolle. Das Forschungs­               ökonomischer Risiken sind tragfähige Lösungen
                        projekt EPoNa leistet einen Beitrag zu den                    für einen nachhaltigen Umgang mit Plastik
                        Sustainable Development Goals (SDG), indem                    unerlässlich. Die Nachwuchsgruppe PlastX
                        es Lösungen zur Wasserwiederverwendung für                    er­arbeitet Lösungen für die Bereiche Plastikalter­
                        trockene Regionen der Erde weiterentwickelt:                  nativen, Plastikvermeidung und Management.
                        Am Projektstandort im Norden Namibias wird                    Im Teilprojekt „Governance von Meeresmüll:
                        untersucht, wie mit vergleichsweise geringem                  eine multiskalare Betrachtung“ werden für diese
                        technischem Aufwand kommunales Abwasser                       Probleme Managementstrategien analysiert.
                        ganz­jährig für die Futtermittelproduktion genutzt            Dazu wird das notwendige Zusammenspiel von
                        werden kann. Hierfür wird das Abwasser auf­                   bestehenden globalen Regulierungen und lokalen
                        bereitet, sodass dessen Qualität für landwirt-                Initiativen näher betrachtet: In einer Fallstudie
18                      schaftliche Zwecke ausreichend ist. Um die lang-              auf der Insel Phu Quoc in Vietnam, einer Region
                        fristige Nutzung der Anlage zu sichern, werden                mit hoher Eintragsrate, wird untersucht, wie
                        in EPoNa technische und nicht-technische Maß­                 das Problem Meeresmüll vor Ort wahrgenommen
                        nahmen sowie geeignete Ansätze für den bei-                   wird, welche Rolle der Tourismus sowohl bei
                        spielhaften, nachhaltigen Betrieb erprobt. Dazu               der Verschärfung des Problems als auch bei
                        gehört der Aufbau einer Kläranlagenpartner-                   der Entwicklung von Lösungen spielt und wie
                        schaft von Kommunen, um den Austausch von                     Minimierungsstrategien umgesetzt werden.
                        Fachwissen und Erfahrungen, von personellen                   Gemeinsam mit Akteuren vor Ort sowie mit
                        wie technischen Ressourcen zu fördern. Zudem                  interna­tionalen Naturschutzorganisationen
                        werden im Projekt gemeinsam mit den lokalen                   werden Best Practices für ein nachhaltiges Abfall-
                        Akteuren nachhaltige kommunale Management-                    und Wassermanagement entwickelt.
                        strukturen entwickelt.
                                                                                      ➜ www.plastx.org
                        ➜ www.isoe.de/epona                                           Ansprechpartnerin Johanna Kramm, kramm@isoe.de
                        Ansprechpartner Martin Zimmermann, zimmermann@isoe.de         Projektpartner Praxispartner aus den Bereichen Entwicklungs-
                        Projektpartner Technische Universität Darmstadt, Institut     zusammenarbeit und Naturschutz
                        IWAR, Fachgebiet Abwasserwirtschaft (Leitung); Institut für   Laufzeit 04 / 2016 – 03 / 2021
                        Umwelttechnik und Management an der Universität Witten /      Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung
                        Herdecke; Hochschule Geisenheim, Institute für Bodenkunde     (BMBF), Fördermaßnahme Nachwuchsgruppen in der
                        und Pflanzenernährung und Gemüsebau; Aqseptence Group         Sozial-ökologischen Forschung
                        GmbH; H. P. Gauff Ingenieure GmbH & Co. KG – JBG
                        Laufzeit 09 / 2016 –12 / 2019
                        Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung
                        (BMBF), Fördermaßnahme WavE

Institutsbericht 2019   Wasserressourcen und Landnutzung
NamTip – Kipppunkte in namibischen                             ORYCS – Wildtier-Management­
Trockengebieten                                                strategien in Namibia
Das Savannen-Ökosystem in Namibia ist zuneh-                   Klimaveränderungen und zunehmender Landnut-
mend von Wüstenbildung betroffen. Auslöser                     zungsdruck bedrohen weltweit die Ökosysteme
dafür sind veränderte Umweltbedingungen,                       in semi-ariden Regionen. Das gilt auch für
insbesondere klimatische Extremereignisse wie                  die namibischen Savannen. Hier ist es vor allem
Dürren, und ein wachsender Nutzungsdruck,                      die konventionelle Viehhaltung, die das Öko­
etwa durch Weidewirtschaft. Die Desertifikation                system bedroht. Für eine Verbesserung der
kann schwer umkehrbare Veränderungen des                       Weide­flächen bieten Bewirtschaftungsstrategien
Ökosystems zur Folge haben, die sich sehr plötz-               mit Wildtieren vielversprechende Potenziale.
lich vollziehen. Im Forschungsprojekt NamTip                   Diese Nutzungsform hat sich jedoch als konflikt-
soll das Verständnis dieser kritischen Kipppunkte              trächtige Herausforderung für Farmer, Dorfge-
verbessert werden. Denn frühzeitig erkannt,                    meinschaften und Behörden herausstellt. Politische
können damit einhergehende Prozesse wie ein                    Prioritäten, wirtschaftliche Interessen und unter-
Verlust an Artenvielfalt noch verhindert oder                  schiedliche Wertvorstellungen rufen eine Reihe
verlangsamt werden. Das Projektteam untersucht                 von Konflikten und Konflikttypen hervor. Im                         19
in Namibias Waterberg-Region sowohl die                        Projekt ORYCS sollen hierfür geeignete Lösungen
öko­logischen als auch die sozio-ökonomischen                  entwickelt werden. Zugleich geht es darum zu
Dyna­miken, die zu Kipppunkten führen und                      bewerten, wie Wildtier-Managementstrategien
identifiziert geeignete Gegenmaßnahmen. Das                    die lokalen Rückkopplungsprozesse verändern
ISOE verantwortet das Teilvorhaben „Sozial-                    und welche Optionen daraus für eine bessere
ökologische Prozesse und Farmerwissen“. Im                     Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel
Mittelpunkt steht hier die Analyse der Wahrneh-                in Savannen-Ökosystemen entstehen. Das
mung von Desertifikationsprozessen durch die                   ISOE konzentriert sich auf die vielschichtigen
Akteure vor Ort sowie deren lokales Wissen über                Handlungsmotive der Stakeholder sowie auf
Wüsten­bildung und die damit zusammenhängen-                   das vorhandene indigene und lokale Wissen.
den Landnutzungspraktiken.
                                                               ➜ www.orycs.org
➜ www.isoe.de/namtip2                                          Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de
Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de                    Projektpartner Universität Potsdam (Leitung); Freie Universität
Projektpartner Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität       Berlin; Namibia University of Science and Technology (NUST);
Bonn (Leitung); Eberhard Karls Universität Tübingen;           University of Namibia (UNAM); Namibian Ministry of Environment
Universität zu Köln; Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung     and Tourism (MET); Namibian Ministry of Agriculture, Water and
GmbH (UFZ); University of Namibia (UNAM); Namibia University   Forestry (MAWF); Namibian Association of CBNRM Support
of Science and Technology (NUST); EduVentures (EduV);          Organisations (NACSO); Namibia Agricultural Union (NAU);
Agri-Ecological Services (AGRA)                                AGRA; Etosha Heights Game Safaris

Laufzeit 04 / 2019 – 02 / 2022                                 Laufzeit 02 / 2019 – 01 / 2022

Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung          Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF),
(BMBF), Fördermaßnahme BioTip                                  Fördermaßnahme SPACES-II

                                                                                                                            ➜ ISOE.de
LIMO – Landnutzung und                                        Weschnitz Dialog: Kommunikation
                        integrierte Modellierung                                      und Beteiligung beim Management
                                                                                      von Renaturierungsmaßnahmen
                        Intensive Landwirtschaft und Klimawandel
                        er­höhen den Druck auf die Ökosysteme. Boden-                 Das von der EU-Wasserrahmenrichtlinie vor­-
                        und Wasserressourcen werden zunehmend                         ge­gebene Ziel eines guten ökologischen Zustands
                        übernutzt, zeigen Folgen stofflicher Belastungen              wird bei etwa 90 Prozent der deutschen Ober­
                        und sind den langfristigen Trends, aber auch                  flächengewässer nicht erreicht. Biodiversität und
                        zunehmenden Extremen infolge des Klimawandels                 Gewässerstruktur sind zu stark modifiziert, der
                        ausgesetzt. Zudem „zerschneiden“ neue Infra-                  Schadstoffeintrag ist nach wie vor hoch. Dies gilt
                        strukturprojekte vielerorts die Landschaft.                   auch für die ca. 60 Kilometer lange Weschnitz –
                        Hieraus entstehen häufig Konflikte zwischen                   ein Nebenfluss des Rheins im Süden Hessens und
                        verschiedenen Nutzungsgruppen und deren An-                   Norden Baden-Württembergs. Mit der Deich­
                        sprüche an Ökosystemleistungen. Im Forschungs-                sanierung auf einem ca. 4,5 Kilometer langen
                        projekt LIMO analysiert das Team die komplexen                Abschnitt der Weschnitz bietet sich ein einmali-
                        Wirkungszusammenhänge gesellschaftlicher und                  ges Gelegenheitsfenster für eine umfassende
20                      ökologischer Prozesse. Untersucht werden kriti-               Renaturierung des Flusses. In dem Forschungs-
                        sche Kipppunkte der Ökosysteme und mögliche                   projekt „Weschnitz Dialog“ erfolgt die wissen-
                        Folgen für die Biodiversität. Hierbei schafft                 schaftliche Erarbeitung von Kommunikations- und
                        die Zusammenführung unterschiedlicher Modellie-               Be­teiligungsformaten unmittelbar im Zuge der
                        rungsansätze, wie agentenbasierte Modellierung                Um­setzung einer Deichsanierung. Das laufende
                        und Bayes’sche Netze, aber auch ein genauer                   erweiterte Beteiligungsverfahren im Rahmen der
                        Blick auf Stakeholder und ihr lokales Praxis­                 Hochwasserschutzmaßnahme wird hierdurch
                        wissen neue Zugänge zum Verständnis                           ergänzt. Der innovative Charakter des Projektes
                        sozial-­ökologischer Systeme. LIMO ist Teil                   besteht unter anderem in der Kombination
                        des Kooperationsprojektes mit SBiK-F.                         von Dialog­formaten mit einer vorgeschalteten
                                                                                      Konflikt­analyse im Zuge eines konkreten
                        ➜ www.isoe.de/limo                                            Planungs­vor­habens sowie einer webbasierten
                        Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de                   Informations- und Beteiligungsplattform.
                        Projektpartner Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,
                        Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum         ➜ www.isoe.de/weschnitz-dialog
                        (SBiK-F); Goethe-Universität Frankfurt am Main,
                        Fachbereich Geowissenschaften / Geographie                    Ansprechpartnerin Fanny Frick-Trzebitzky, frick@isoe.de
                        Laufzeit 01 / 2015 –12 / 2021                                 Praxispartner Gewässerverband Bergstraße; Geo-Naturpark
                                                                                      Bergstraße-Odenwald
                        Finanzierung aus Kooperationsmitteln der Senckenberg
                        Gesellschaft für Naturforschung und aus Eigenmitteln          Laufzeit 04 / 2019 – 04 / 2021
                                                                                      Förderung Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Institutsbericht 2019   Wasserressourcen und Landnutzung
Entwicklung des Wasserbedarfs in                     Wasserbedarfsprognose 2050 für
Mitteleuropa – Proxies und Szenarien                 die Hansestadt Hamburg
Die Verfügbarkeit von Wasser wird wesentlich         Hamburg ist nach Berlin die einwohnerstärkste
durch den natürlichen Wasserhaushalt und             Stadt Deutschlands. Aktuelle Prognosen gehen
den gesellschaftlich bedingten Wasserbedarf be-      von einem weiteren Wachstum der Einwohner-
stimmt. Zwischen beidem gibt es ein komplexes        zahl aus. Gleichzeitig verringern erwartete
Zusammenspiel: So wirken sich etwa die an­           Effizienzgewinne bei der Wassernutzung durch
haltende Urbanisierung, aber auch technologische     Haushalte und Unternehmen den Wasserbedarf.
Innovationen auf den Wasserbedarf aus. Um            Für das Versorgungsunternehmen HAMBURG
die Wasserverfügbarkeit auch langfristig zu          WASSER ist es wichtig, diesen zukünftigen
sichern, ist es wichtig, diese dynamischen Zusam-    Bedarf möglichst frühzeitig zu kennen. Wie
menhänge zu verstehen und mögliche Folgen            schon 2014 aktualisierte das ISOE die Wasser­
von Maßnahmen der Wasserbewirtschaftung              bedarfsprognose nun erneut mit Blick auf das
auf den Wasserhaushalt frühzeitig zu bewerten.       Jahr 2050. Hierfür analysierte das Team aktuelle
Die BfG hat das ISOE damit beauftragt, für           Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen, sozio­
Mittel­europa relevante Einflussfaktoren auf den     strukturelle Daten und führt Experteninterviews.         21
Wasserbedarf zu ermitteln. Hierzu wurden auf         Mithilfe eines integrierten Modells wurden die
Basis von Zeitreihen aus der amtlichen Umwelt-       Ergebnisse zusammengeführt und in unterschied-
statistik und sozio-ökonomischer und meteoro­        lichen Szenarien abgeschätzt. Diese berücksich­
logischer Kenngrößen Zusammenhänge zwischen          tigen alternative gesellschaftliche, wirtschaftliche
Wasserbedarf und gesellschaftlichen Entwicklun-      und technologische Entwicklungen, ebenso
gen abgeleitet. Dies dient dazu, die Entwicklung     wie mögliche Auswirkungen des Klimawandels.
des Wasser­bedarfs auf unterschiedlichen räum­       Die Wasserbedarfsprognose ist somit ein Instru-
lichen und zeitlichen Skalen für die Vergangen-      ment der strategischen Planung, schafft Orientie-
heit bis 1950 und mittels Szenarien auch pers-       rung in Wasserrechtsverfahren und ermöglicht
pektivisch für die Zukunft bis 2050 abzuschätzen.    eine nachhaltige und effiziente Wasserwirtschaft
                                                     in Hamburg.
➜ www.isoe.de/proxies
Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de          ➜ www.isoe.de/wasserbedarfsprognose2050
Laufzeit 01 / 2017 – 06 / 2019                       Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de
Auftraggeber Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)   Laufzeit 03 / 2018 – 04 / 2019
                                                     Auftraggeber Hamburger Wasserwerke GmbH

                                                                                                       ➜ ISOE.de
Tagesprognosemodell zum                              Veröffentlichungen
                        Trinkwasserbedarf in Hamburg                         Integrated responses to drought risk in Namibia and Angola
                                                                             Robert Lütkemeier und Stefan Liehr (2019). ISOE Policy Brief 6.
                        Um die Versorgung mit Trinkwasser sicherzustel-      Frankfurt am Main
                        len, müssen Kommunen sowohl für langfristige         Integrated responses to drought risk in Namibia and Angola
                        Entwicklungen als auch für tägliche Schwankun-       Robert Lütkemeier und Stefan Liehr (2019). Water Solutions 3,
                                                                             56–61
                        gen des Wasserbedarfs gerüstet sein. Kurzfristig
                        können vor allem Witterungsverhältnisse oder         Strategic perspectives for Coimbatore water management
                                                                             and infrastructure Sina Battenberg, Stefan Liehr,
                        kalendarische Effekte den Verlauf des Wasser­        Marius Mohr, Philip Okito und Alyssa Weskamp (2019).
                        bedarfs beeinflussen. Insbesondere wirken sich die   Stuttgart / Frankfurt am Main / Köln
                        zunehmenden Hitzeperioden auf den Tagesspit-         Capacity Development for Wastewater Management and
                        zenbedarf aus. Für Wasserversorger ist es deshalb    Water Reuse in Informal Partnerships in Northern Namibia
                                                                             Fanny Frick-Trzebitzky, Martin Zimmermann und Thomas Kluge
                        wichtig, die kurzfristige Bedarfsentwicklung
                                                                             (2019). Book of Abstracts. 12th IWA International Conference
                        anhand systematisierter Erfahrungswerte aus der      on Water Reclamation and Reuse, Berlin, 16. – 20. Juni 2019,
                        Vergangenheit möglichst genau vorhersagen            756–762
                        können. Die Wasserförderung kann dadurch im          Konflikte um die Renaturierung der Nidda. Eine Analyse im
22                      Vorhinein präziser gesteuert und entsprechende       Rahmen des Projektes NiddaMan Thomas Fickel, Oliver
                                                                             Schulz, Katharina Campe, Carolin Völker und Heide Kerber
                        Reserven für Spitzenbelastungen vorgehalten          (2019). ISOE-Materialien Soziale Ökologie 54. Frankfurt am Main
                        werden. Hierzu hat das ISOE im Auftrag von
                                                                             Millenniumsziele und das Thema Wasser
                        HAMBURG WASSER ein nicht-lineares Prognose-          Thomas Kluge (2018). Der Bürger im Staat 68 (4), 240–248
                        modell zur Berechnung des täglichen Trink­           Maßnahmensteckbrief E49 NiddaMan – Nachhaltige
                        wasserbedarfs im Versorgungsgebiet erstellt.         Bewirtschaftung im Einzugsgebiet der Nidda
                        Die Ergebnisse dieses Tagesprognosemodells sind      Ulrike Schulte-Oehlmann und Oliver Schulz (2018). Frankfurt-
                                                                             RheinMain 2030. Zukunftsbild und Maßnahmenkatalog für eine
                        dabei ebenfalls für das vom ISOE entwickelte         attraktive, zukunftsfähige und internationale Metropolregion.
                        Langfristmodell relevant, da sich damit auch         Frankfurt am Main: FrankfurtRheinMain GmbH, 229
                        langfristige Auswirkungen des Klimawandels           A paradise struggles with trash Heide Kerber und
                        auf den Wasserbedarf abschätzen lassen.              Johanna Kramm (2018). Visit Phu Quoc Visitors Guide
                                                                             (10th Edition Jan – Jun), 72–73

                        ➜ www.isoe.de/tagesprognosemodell-hamburg            Man muss einfach irgendwann anfangen Heide Kerber und
                                                                             Johanna Kramm (2019). südostasien – Zeitschrift für Politik
                        Ansprechpartner Stefan Liehr, liehr@isoe.de          Kultur Dialog 2
                        Laufzeit 10 / 2018 – 08 / 2019
                                                                             Integrated analysis of water management and infrastructure
                        Auftraggeber Hamburger Wasserwerke GmbH              in Coimbatore Alyssa Weskamp, Stefan Liehr und Marius Mohr
                                                                             (2018). Stuttgart / Frankfurt am Main / Köln

Institutsbericht 2019   Wasserressourcen und Landnutzung
The societal relevance of river restoration Jutta Deffner und     Wasserbedarfsprognose 2050 für das Versorgungsgebiet
Peter Haase (2018). Ecology and Society 23 (4), 35                von HAMBURG WASSER Fachgespräch Wasserbedarfs­
                                                                  prognose für HAMBURG WASSER, 5. September 2019,
Grundwasser als Quelle der Welternährung                          Hamburg (Stefan Liehr)
Thomas Kluge (2018). Alnatura Magazin, 36–37
                                                                  Elephants on commercial land. Analysing social-ecological
Households at Risk. Integrated Assessment of Drought              drivers of elephant movements and the potential of upcoming
Hazard and Social Vulnerability in the Cuvelai-Basin              management options Poster, 3rd Multi- / Interdisciplinary
of Angola and Namibia Robert Lütkemeier (2018).                   Research Conference „The Africa we want: Wealth creation
Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades (Dr. rer. nat.)       for Sustainable Growth and Social Transformation“, University
der Mathema­tisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der            of Namibia (UNAM), 23. – 24. Juli 2019, Windhoek, Namibia
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Bonn             (Robert Lütkemeier, Stefan Liehr)
                                                                  Inter- and transdisciplinary research: Co-designing solutions
Vorträge                                                          for sustainable development in Namibia 3rd Multi / Interdisci-
                                                                  plinary Research Conference „The Africa we want: Wealth
Rolle und Aufgaben des ISOE bzw. des Projekts                     creation for Sustainable Growth and Social Transformation“,
Weschnitz Dialog Vorstellung des Standes der Vorplanung           University of Namibia (UNAM), 23. – 24. Juli 2019, Windhoek,
zur Umsetzung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz                  Namibia (Robert Lütkemeier, Stefan Liehr)
und der Gewässerentwicklung an der Weschnitz zwischen             Keep on moving – Mongolian pastoralism in the light of
Ein­hausen und Biblis, RP Darmstadt, 21. November 2019,           current societal transformations POLISES Colloquium
Biblis (Fanny Frick-Trzebitzky, Katja Brinkmann, Stefan Liehr)    „Pastoralism in Transition: Sustainability, Policies, and
Methodischer Ansatz, Ergebnisse und Erfahrungen mit               Livelihoods“, Junior Research Group POLISES, UFZ Leipzig,              23
integrierten Wasserbedarfsprognosen am Beispiel                   27. – 28. Juni 2019, Leipzig (Lukas Drees)
der Metropolregion Hamburg und Gesamtdeutschland                  Wildlife management in Namibia: Assessing conflicts
Fachgespräch zu Integrierten Wasserbedarfsprognosen und           among diverse stakeholders Workshop „Social-ecological
wasserwirtschaftlicher Fachplanung, Hessisches Ministerium        perspectives on biodiversity conflicts“, ISOE, 26. Juni 2019,
für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucher-          Frankfurt am Main (Robert Lütkemeier)
schutz (HMUKLV), 29. Oktober 2019, Wiesbaden (Stefan Liehr,
Robert Lütkemeier, Thomas Kluge)                                  Capacity Development for Wastewater Management and
                                                                  Water Reuse in Informal Partnerships in Northern Namibia
Das Konzept des Anthropozäns in den Nachhaltigkeits­              12th IWA International Conference on Water Reclamation and
wissenschaften Deutscher Kongress für Geographie                  Reuse, DECHEMA, 19. Juni 2019, Berlin (Fanny Frick-Trzebitzky)
„Umbrüche und Aufbrüche – Geographie(n) der Zukunft“,
DGfG, Geographisches Institut CAU Kiel, 25. – 30. September       Wie nähert sich die Forschung dem Thema „Nachhaltiges
2019, Kiel (Johanna Kramm, Fanny Frick-Trzebitzky)                Wasserressourcen-Management“? – Die Nidda als Beispiel
                                                                  Seminar Online-Journalismus „Flussgeschichten. Eine
No more nomads? How social-ecological dynamics change             journalistische Reise entlang der Modau“, Hochschule Darm-
pastoralists’ livelihood strategies Poster, Social Simulation     stadt (h_da), 5. Juni 2019, Darmstadt / Dieburg (Stefan Liehr)
Conference 2019, Johannes Gutenberg Universität Mainz,
Faculty 02: Social Sciences, Media, and Sports Institute of       Wasser im Anthropozän – Gefahren, Herausforderungen
Sociology, 23. – 27. September 2019, Mainz (Lukas Drees, Stefan   und Potenziale für die globale Gesellschaft
Liehr)                                                            Seminar „Der Anthropozän-Diskurs – Sozialwissenschaftliche
                                                                  und interdisziplinäre Perspektiven“, Masterstudiengang
Erstellung eines Trinkwassertagesbedarf-Prognose-Modells          Umweltwissenschaften, 23. Mai 2019, Goethe-Universität
für das Versorgungsgebiet von HAMBURG WASSER                      Frankfurt am Main (Stefan Liehr)
Fachgespräch Wasserbedarfsprognose für HAMBURG
WASSER, 5. September 2019, Hamburg (Stefan Liehr)                 Field Research Capacity development and dissermination
                                                                  evalution NamTip Kick-off-Veranstaltung, Universität Bonn,
                                                                  16. Mai 2019, Berlin (Katja Brinkmann, Stefan Liehr)

                                                                                                                                  ➜ ISOE.de
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