JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media

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JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media
JOURNAL                                                        DAS AUTO UND DER VERKEHR
                                                               VON MORGEN
                                                               NO. 03 ⁄ 2018   MAI — JUNI

DER AUTOSTADT
  Ihr Ge-                                                                                     In China färbt
 schäfts-                                                                                     die traditionel-
                                                                                              le Mythologie
  modell                                                                                      des Drachens
muss sich                                                                                     sogar auf die
wandeln.                                                                                      Fahrzeuge ab.
         — S. 10                                                                              — S. 18

   Schon um                                                                                   „Na
   die Jahres-                                                                                logisch,
wende sollen                                                                                  hätte
 hier die ers-
  ten MOIA-
                                                                                              ich doch
 Busse durch                                                                                  wissen
 die Straßen                                                                                  müssen.“
        rollen.                                                                               — S. 38

         — S. 6
                                                                                              Hat man
                                                                                              früher noch
     Wenn                                                                                     ein halbes Jahr
  ich High                                                                                    analysiert, soll
     Heels                                                                                    heute eine
     trage,                                                                                   App mög-
    streife                                                                                   lichst in einem
                                                                                              Monat stehen.
ich sie ab                                                                                    — S. 12

und fahre
   barfuß.                                                                                    Zu den Lieb-
         — S. 16
                                                                                              habern seiner
                                                                                              Schöpfungen
    Versucht                                                                                  zählte die
  der Fahrer                                                                                  damalige
 auszusche-                                                                                   deutsche
   ren, lenkt                                                                                 Prominenz.
                                                                                              — S. 28
 das System
 kurz gegen,
     gibt bei     Beim Sommerfestival wird aus                                                 Der Biohof
  genügend        Akrobatik, Musik, Tanz und Komik   Die vielleicht berühm-      Wöhler und sein Spargel,
 Druck aber nach. ein Gesamtkunstwerk geschaffen.    teste Olive der Welt.       sie passen gut zusammen.
                   — S. 20   — S. 22                 — S. 40                     — S. 30
JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media
DAS      AUTO         UND          DER      VERKEHR          VON     MORGEN

V E R N E T Z T E
M O B I L I T Ä T
Die Städte wachsen unaufhaltsam, immer mehr Menschen ziehen in die Metropolen
oder pendeln vom Umland zur Arbeit in die City, meistens allein im eigenen Pkw.
Staus, Lärm, Luftverschmutzung und Stress sind die Folgen. Der Lösungsansatz lautet
„vernetzte Mobilität“: Wir fahren nicht mehr jeden Morgen mit dem eigenen Wagen
zur Arbeit und abends wieder nach Hause, sondern nutzen das Smartphone, um auf
intelligente Weise verschiedene Verkehrsmittel zu verknüpfen, die uns zum gewünsch-
ten Ziel bringen – Fahrräder, öffentlichen Bahn- und Busverkehr, Carsharing, Mobility-
on-­Demand-Dienstleistungen wie Ridepooling oder autonome Robo-Taxis wie das
Volkswagen-Modell Sedric. Ein Algorithmus übernimmt die Rolle eines persönlichen
Reisebüros, das die Route von Tür zu Tür in einer persönlichen Suchanfrage plant und
bucht. Tickets und Bezahlung werden in einer zentralen App gebündelt, unabhängig
                            von den jeweiligen Anbietern.

                  T     I       T    E       L   B    I       L   D
                  F         O            R       E        A       L
                  W W W . W E A R E F O R E A L . C O M
JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media
die Mobilität der Zukunft wird auch die Nutzung des Autos verändern.
        Das eigene Fahrzeug bleibt zwar für viele Menschen Inbegriff von Freiheit und        Seite
        Beweglichkeit. Sie werden sich, so wie unsere Autorin Wäis Kiani, auch morgen
        noch begeistern lassen von ausgefeilter Technik, hoher Motorleistung und kom-
        fortabler Ausstattung. Aber was bedeutet das in Zeiten digitaler Vernetzung?
        Legen wir dann immer noch so viel Wert auf ein eigenes Fahrzeug? Oder wird
                                                                                             16
        es zunehmend ein Transportmittel, das wir mit anderen teilen?

              Lesen Sie dazu den Bericht von Stephan Burgdorff über das Unternehmen          Seite
        MOIA, mit dem der Volkswagen Konzern das Zeitalter der Smart Mobility gestal-
        ten will. Elektrisch angetriebene Kleinbusse sollen Fahrgäste nach Bedarf zu ihren
        gewünschten Zielen transportieren und so eine Alternative zum privaten Auto
        bieten. Dieses System würde in staugeplagten Metropolen für weniger Fahr-
                                                                                             6
        zeuge, schnelleres Fortkommen und bessere Luft sorgen. Schon ab Ende dieses
        Jahres werden die futuristischen MOIA-Busse weltexklusiv auf den Straßen Ham-
        burgs unterwegs sein.

              Wie in den vergangenen Jahren veranstalten wir auch in diesem Jahr wie-
Seite   der unser Sommerfestival. Vom 18. Juli bis zum 26. August verwandelt sich die
        Lagunenlandschaft der Autostadt in einen Erlebnispark für Spiel und Spaß. Und

22      in den ersten vier Wochen zusätzlich in eine Open-Air-Bühne für den Cirque
        Nouveau. Sie sind herzlich eingeladen, sich in faszinierenden Shows von Akro-
        baten, Schauspielern, Musikern und Trapezkünstlern aus aller Welt bezaubern
        zu lassen.

             In Zukunft wollen wir Sie in der Autostadt aber auch mit Denksportauf-
        gaben unterhalten. Als Auftakt starten wir in diesem Journal mit einem
Seite   Bilderrätsel. Im Sommer gilt es für interessierte Besucher, ein mehrmonatiges
        Denkspiel zu lösen. Zusätzlich werden wir zwei Räume einrichten, die an die

36      Spielmechanik sogenannter „Escape-Rooms“ angepasst sind.

              Lassen Sie sich von unseren neuen Angeboten überraschen und genießen
        Sie den Frühling in der Autostadt!

                     ROLAND CLEMENT                       CLAUDIUS COLSMAN
              Vorsitzender der Geschäftsführung,       Mitglied der Geschäftsführung,
                       Autostadt GmbH                         Autostadt GmbH
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6                                   16                                   20

  EIN STÜCK
WEIT DIE WELT
 VERBESSERN
      Wie MOIA die Mobilität
 in den Städten revolutionieren will
                                                                             ELEKTRONISCHE
                                       VERLIEBT INS                              ENGEL
                                                                             Was das Autofahren sicherer macht
                                          AUTO
              10                           Wäis Kiani über das Glück
                                                hinterm Steuer

                                                                                         22
                                                    18

   ÜBERALL
UMSONST PARKEN
   Interview mit dem Carsharing-
       Experten Stefan Müller

              12

 BAUMEISTER                                PLATZ FÜR                         DAS SOMMER-
    IN DER                             GLÜCKSBRINGER                         FESTIVAL DER
 DATENWOLKE                                Die Anforderungen ans Auto         AUTOSTADT
      Beruf: Cloud-Architektin         unterscheiden sich von Land zu Land    Spiel, Sport und Cirque Nouveau
JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media
27                                 34                                 39
                                                                    STADTFÜHRER

        CONCERT
       & KITCHEN
       Pop-Musik in der Lagune

              28                          PANORAMA
                                          Neues aus der Autostadt

                                                 36

                                                                    40    S ECH S STERN E ÜB ER
                                                                          WOLFS B URG
       RUNDE                                                              Koch-Event mit Sven Elverfeld
     ANGELEGEN-                                                     44	 DIE AUTOSTADT-
       HEITEN                                                            RESTAURAN TS
   Die Designer Beeskow und Boano
                                        DIE AUTOSTADT-              48 	TH E RITZ -CARLTON,
                                                                         WOLFS B URG
                                        SCHNITZELJAGD
              30                                Bilderrätsel        51
                                                                    52
                                                                          DIE S H OPS
                                                                          FAH RERLEB N ISS E

                                                 38
                                                                    54    FÜH RUN GEN
                                                                    56    H OTEL AN G EB OTE
                                                                    58 	 B ILDUN G S AN G EB OTE
                                                                          DER AUTOSTADT
                                                                    60 	KIDSTOUREN IN DER
                                                                         AUTOSTADT
                                                                    62 	KIN DERG EB URTSTAGE
                                                                    63	VERAN STALTUN G S­-
                                                                         ÜB ERB LICK
                                                                    64   ON LIN EB UCH UN G
                                                                    65    PREIS E
  FEINES AROMA                          AUF DER SUCHE
                                                                    66	ÖFFN UN G S Z EITEN ⁄
   AUS KARGEM                            NACH EINEM                     IMPRESS UM
    ERDREICH                              PHANTOM                   68    AUTOSTADT
Woher der Spargel der Autostadt kommt       Der Rätselautor CUS           ÜB ERS ICH TS PL AN
JOURNAL DER AUTOSTADT - Burgdorff Media
6                  D as     A uto         und    der         verkehr              von      morgen

    EIN  STÜCK  WEIT    
    D I E   W E L T  
    VERBESSERN
     Die Volkswagen-Tochter MOIA plant ein Verkehrskonzept, das die Zukunft in den Städten
            lebenswerter machen soll. Ein Pilotprojekt in Hannover verläuft erfolgreich.

                       N BURGD
              : STEPHA         OR
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                                                                  RA   TIO                     ID
                                                        I   LLUST

                                                                                                                Die Stadt Han-
                                                     Jeden Mor-                                      nover ist das erste Testgebiet
                                             gen um 5 Uhr verlas-        für dieses Geschäftsmodell. Seit dem Start im Oktober
                                         sen 35 VW-Transporter           2017 bis zu diesem Frühjahr haben rund 2.000 von MOIA
              die Großgarage an der Podbielskistraße in Hannover.        ausgesuchte Servicetester mehr als 100.000 Fahrten
          Die Fahrer der Kleinbusse mit der Aufschrift MOIA wis-         gebucht – und oft haben sie sich die Fahrt in einem MOIA-
         sen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, wohin sie in den        Fahrzeug geteilt. Sie fuhren zum Beispiel morgens zur
         nächsten Stunden fahren werden. Sie nehmen – ähnlich            Arbeit, nachmittags zum Cello-Unterricht oder nutzten
         wie Sammeltaxis – Fahrgäste auf, die ein vergleichbares         den MOIA-Bus, um abends spontan Freunde zu besuchen.
         Ziel haben.                                                     Die Lehrerin Dana etwa fährt mit MOIA vor allem dort-
                Die Kunden bestellen den Bus über eine Smart-            hin, wo sie mit ihrem eigenen Pkw kaum einen Parkplatz
         phone-App. Eine eigens entwickelte Software fasst dann          findet. Die Berufsschullehrerin Helge nutzt das MOIA-
         Fahrgäste mit ähnlichen Zielen zusammen, sammelt sie            Angebot, wenn sie sich abends mit Bekannten zu einem
         an in der App angegebenen Haltepunkten ein und lässt            Drink verabredet hat. Die Bankangestellte Jette bringt
         sie dort aussteigen, wo sie ihrem Endziel möglichst nahe        mit MOIA ihre Tochter regelmäßig in die Kita.
         sind. Der Fahrer kommt dorthin, wo der Kunde es                       Hannover ist erst der Anfang. Denn MOIA hat hoch-
         wünscht, und setzt ihn so ab, dass er maximal 250 Meter         gesteckte Ziele. „Wir möchten ein Stück weit die Welt ver-
         zu seinem Zielort gehen muss. On-Demand-Verkehr oder            bessern“, sagt Ole Harms, der Chef von MOIA. Das Unter-
         auch „Ridepooling“ nennt sich diese Mobilitätsdienst-           nehmen, das vor zwei Jahren von Volkswagen gegründet
         leistung.                                                       wurde, will viel mehr sein als ein weiteres Verkehrsmittel.
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                                                                                                    RIDEPOOLING

                                                                                  Ridepooling ergänzt bestehende öffentliche Bahn-
                                                                                und Buslinien auf kostengünstige Weise und bietet
                                                                                eine attraktive Alternative zum privaten Pkw. Der
                                                                                MOIA-Shuttle bedient Fahrtanfragen verschiedener
                                                                                Personen, die in eine ähnliche Richtung unterwegs
                                                                                 sind. Über einen Algorithmus werden diese miteinan-
                                                                                   der kombiniert, die Routen geplant sowie Fahr- und
                                                                                    Ankunftszeiten individuell berechnet. Durch die
                                                                                       Bündelung von Einzelfahrten wird der Straßen-
                                                                                         raum effizienter genutzt: Das spart Emis-
                                                                                              sionen und entlastet die Straßen.

                                   „Wir entwerfen Mobilitäts-   Berufsverkehrs zu
                          konzepte, die unsere Städte zu        niedrig. Dazu kommt, dass der
            lebenswerteren, sichereren und schöneren Orten      städtische Nahverkehr oft unpünktlich,
machen – nicht nur für wohlhabende Menschen, sondern            die Transportmittel überfüllt und die Fahrpreise –
für alle“, verspricht MOIA auf seiner Website.                  besonders für kinderreiche Familien – zu hoch sind.
       Tatsächlich ist das in den meisten Städten auch bitter         Genau hier setzt MOIA an. Mit seinem Ridepoo-
nötig. Laut einer Studie der Porsche-Tochter Inrix, die         ling-Service will das Unternehmen öffentliche Bahn-
1.360 Städte in 38 Ländern verglich, verbrachte ein deut-       und Buslinien auf kostengünstige Weise ergänzen und
scher Autofahrer im Jahr 2017 durchschnittlich 30 Stunden       gleichzeitig eine attraktive Alternative zum privaten
im Stau. In München waren es im Schnitt 51 Stunden, in Los      Pkw bieten. „Wir werden die bestehende Infrastruktur
Angeles sogar 102. In Großstädten wie London und Shang-         nutzen und sie mit neuen Dienstleistungen und Tools
hai liegt das Durchschnittstempo eines Autos bei etwa           kombinieren“, kündigt MOIA an. Die OECD hat in einer
16 Stundenkilometern, während der Hauptverkehrszeiten           Mobilitätsstudie festgestellt, dass drei Ridepooling-
oft sogar nur bei 8 km/h. Und jedes Jahr wird es schlimmer.     Fahrzeuge bis zu 100 Pkws ersetzen können. „Wir haben
Der jüngste ADAC-Bericht registrierte 2017 in Deutschland       uns zum Ziel gesetzt, bis 2025 in Europa und den USA
täglich einen Stau von 4.000 Kilometern Länge – fünf Pro-       die Straßen um mehr als eine Million Autos zu entlas-
zent mehr als im Jahr davor. Die Zeit, während der Autos        ten“, sagt Ole Harms.
im Stau steckten, nahm sogar um neun Prozent zu.                      Die nächste Metropole, in der MOIA nach der Test-
       Vom öffentlichen Nahverkehr ist eine Entlastung in       phase in Hannover den öffentlichen Nahverkehr „revo-
naher Zukunft kaum zu erwarten. In vielen Städten ist das       lutionieren“ will, wird Hamburg sein. Die Stadt, die mit
Streckennetz viel zu weitmaschig und die Abfolge von            dem Slogan „City of Solutions“ den 2021 mit mehr als
Bahnen und Bussen besonders in den Zeiten des erhöhten­         10.000 Teilnehmern stattfindenden Weltkongress für
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                          SHARING-DIENSTE

    Seit seiner Erfindung war das Auto nicht nur ein Fortbewegungsmittel,
    sondern immer auch Statussymbol – der Beweis persönlichen und beruf-
    lichen Erfolgs. Studien zufolge wird die Quote von im persönlichen Besitz
    befindlichen Autos in den kommenden Jahrzehnten allerdings immer
    weiter sinken. Im Jahr 2050 könnten die verschiedenen Formen von
    Sharing-Diensten bereits 80 Prozent des Mobilitätsmarkts ausmachen.
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D as      A uto        und       der        verkehr          von       morgen                                         9

                                                                                                  MOIA-FAHRZEUG

                                                                                 Der von Volkswagen Osnabrück gebaute Bus bietet
                                                                               Platz für sechs Personen und den Fahrer. Es gibt Ein-
                                                                              stiegshilfen und genügend Stauraum für Gepäck. An
                                                                             jedem der mit Leder bezogenen Sessel befinden sich
                                                                             ein USB-Port und eine Leselampe. Seitliche Kopfstützen
                                                                             und LED-Ambientebeleuchtung schaffen ein Gefühl
                                                                             von Intimität. Im hinteren Teil gibt es, wie im Kino, sogar
                                                                             einen Loveseat.

                                                 WIR HABEN UNS ZUM ZIEL GESETZT,
                                                   BIS 2025 IN EUROPA UND DEN USA
                                                   DIE STRASSEN UM MEHR ALS EINE
                                                      MILLION AUTOS ZU ENTLASTEN.

intelligente Transportsysteme (ITS) an die Elbe geholt hat        Namen Ajelo in Helsinki betriebene Ridepooling-Konzept
und in Deutschland an die Spitze der smarten Städte               Kutsuplus entwickelte. Zur Hauptaufgabe des Teams um
strebt. Kooperationspartner von MOIA ist die Hamburger            den Gründer Teemu Sihvola zählt nun die Entwicklung
Hochbahn AG.                                                      der Algorithmen, die für die Steuerung des Ridepooling-
       Schon um die Jahreswende sollen hier die ersten in         Konzepts von MOIA eingesetzt werden.
Goldbronze lackierten MOIA-Busse durch die Straßen rol-                  Keine Frage: Die Zukunft des Verkehrs liegt in ver-
len. Die Flotte soll sukzessive zunächst auf bis zu 200 Busse,    netzten Systemen. Wir werden künftig nicht nur das Auto,
später sogar bis auf 1.000 Fahrzeuge wachsen. Anders als          den Nahverkehr oder das Fahrrad benutzen, sondern mit
in Hannover werden es keine benzingetriebenen VW-Trans-           Hilfe des Smartphones die verschiedenen Möglichkeiten
porter sein, sondern elektrisch angetriebene Shuttle-Busse,       intelligent verknüpfen. Beispiel Helsinki: Geht es nach der
die gemeinsam mit Volkswagen eigens für diesen Zweck              Stadtverwaltung, soll dort bis 2025 niemand mehr auf ein
entwickelt und gebaut werden. Sie haben eine Reichweite           eigenes Auto angewiesen sein. Über eine App kann man
von 300 Kilometern und lassen sich innerhalb einer halben         wählen, ob man sein Ziel mit Bus, Bahn, Taxi, Leihfahrrad
Stunde zu 80 Prozent aufladen. Jeder der sechs beque-             oder Mietwagen erreichen oder unterschiedliche Trans-
men Einzelsitze hat einen USB-Port. Ein großer Bildschirm         portmittel wählen möchte. Bezahlt wird alles mit einem
zeigt die Route der temporären Fahrgemeinschaft an. Der           Ticket über dieselbe App.
pro Kilometer berechnete Fahrpreis wird über die App                     Für die Mitarbeiter von MOIA hat die Zukunft der
abgebucht.                                                        Mobilität bereits begonnen: Statt eines Dienstwagens erhal-
       Im vergangenen Sommer übernahm MOIA das fin-               ten sie ein sogenanntes Mobilitätsbudget, das sie für sämt-
nische Start-up Split Finland, das bis 2015 das unter dem         liche Verkehrsmittel verwenden können.
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Stefan Müller ist Chef der Consulting-
       Firma Mobility Power House GmbH
       mit Hauptsitz in München, die auf
       disruptive Mobilitätsprojekte speziali-
       siert ist. Von 2011 bis 2014 war Müller
       Vorsitzender der Geschäftsführung
       des Daimler-Unter­n ehmens Car2Go
       Europe. Und bis Ende 2015 Direktor für
       neue Mobilität bei der Volkswagen New
              Mobility Services in Peking.

UMSONST
PA R K E N
D as     A uto        und       der        verkehr               von       morgen                                         11

                                                      Stefan Müller über das Auto
                                                 als Statussymbol, disruptive Mobilität
           INTERVIEW:                                    und die Bedeutung von                                             FOTO:
       STEPHAN BURGDORFF                         Kundendaten im vernetzten Verkehr.                                       LÊMRICH

   Herr Müller, Sie bezeichnen sich als          Carsharing lässt sich in großen Städten gut        zu entwickeln, die nicht nur den öffentli-
 Experte für „disruptive Mobilität“. Was           organisieren, wo viele Menschen dicht            chen Nahverkehr attraktiver machen, son-
   versteht man unter diesem Begriff?           beieinander wohnen. Aber wie sieht es damit         dern von denen sie auch selber profitieren.
                                                    auf dem dünn besiedelten Land aus?
Mein Unternehmen versteht darunter alles,                                                              Inwiefern profitieren die Automobil­
was nicht das traditionelle Feld der Auto-      Sowohl Carsharing als auch andere „On                   hersteller von dieser Kooperation?
mobilhersteller betrifft. Deren Geschäfts-      Demand“-Mobilitätsdienstleistungen, wie
modell beruhte bisher auf dem Prinzip: ein      Fahrdienste, können derzeit nur in urbanen          Zum einen lässt sich mit dem zusätzlichen
Kunde – ein Auto. Diese Gleichung geht          Ballungsräumen wirtschaftlich betrieben wer-        Service die Wertschöpfung vertiefen. Zum
heute aber nicht mehr auf. Vielen Menschen      den. In ländlichen Gebieten oder kleinen Städ-      anderen zeigt man dem Kunden, dass man
reicht es, mobil zu sein, wenn sie Mobilität    ten ist das nicht möglich. Jedenfalls dann nicht,   innovativ ist und ihn nicht alleinlässt. Egal
auch wirklich brauchen. Das steht im Gegen-     wenn das Carsharing-Unternehmen eigene              wo er ist, er kann sich darauf verlassen, dass
satz zu dem klassischen Modell: Man hat         Autos zur Verfügung stellt. Selbst in Deutsch-      immer ein Produkt zum Beispiel von Volks-
ein Auto, aber benutzt es maximal eine          land kommen dann nur drei Städte in Frage:          wagen zur Verfügung steht. Und noch etwas
              Stunde am Tag.                    Berlin, Hamburg und München. Wenn aller-            kommt hinzu: An diesem Geschäft sind auch
                                                dings ein Vermittler antritt, der keine eigenen     viele andere Unternehmen interessiert, die
   Was bedeutet es für die Automobil-           Autos besitzt und nur eine Vermittlungsge-          eigentlich mit Autos gar nichts zu tun haben.
    hersteller, wenn dieses klassische          bühr für Taxidienste kassiert, kann eine sol-       Nämlich Google, Apple, Baidu, Alibaba und
       Modell aufgebrochen wird?                che Dienstleistung unter Umständen auch in             andere große Technologiekonzerne.
                                                      kleineren Städten profitabel sein.
Ihr Geschäftsmodell muss sich wandeln.                                                                        Was ist deren Interesse?
Am deutlichsten zeigt sich das bei der             Gehört zur neuen Mobilität nur die
Elektromobilität. Wer hätte gedacht, dass       Nutzung des Autos von mehreren Personen             Die riesige Menge an Daten, die bei diesem
die Unternehmen sich so schnell darauf ein-      oder auch eine Vernetzung mit anderen              Service anfällt. Denn deren Besitz könnte
stellen müssen? Genau das Gleiche passiert                  Verkehrsträgern?                        dazu führen, dass ein Automobilhersteller
beim Thema „neue Mobilität“. Gerade                                                                 nur noch Zulieferer für den Technologiekon-
jüngere Menschen wenden sich vom Auto           Je größer der Markt wird, desto mehr Vari-          zern ist, der den Zugang zu den Kunden hat.
ab. Sie teilen sich lieber ein Auto mit ande-   anten bilden sich heraus. Das zeigt sich zum        Das ist für Automobilunternehmen ein Hor-
ren, als Wert auf ein eigenes Fahrzeug          Beispiel daran, dass der Volkswagen Konzern         rorszenario, weil sie ja von der Kundenbin-
                   zu legen.                    zusammen mit der Stadt Hamburg überlegt,            dung leben. Sie sind also gut beraten, bei
                                                wie man den Kunden auf der sogenannten              der Gestaltung der neuen Mobilität eine
      Das heißt, die Nutzung eines              „letzten Meile“ zu seinem Ziel bringen kann.                zentrale Rolle einzunehmen.
    Autos muss nicht mehr mit seinem            Das wird nur möglich sein durch Partnerschaf-
         Besitz verbunden sein?                 ten verschiedener Verkehrsträger, die das                  Was müssen die Städte tun,
                                                         eigene Angebot ergänzen.                     damit die Nutzerzahlen des Carsharing
Genauso ist es. Nutzung und Besitz werden                                                                        weiter steigen?
entkoppelt. Man hat jetzt die Möglichkeit,        Sie plädieren also für Zusammenarbeit
zum Beispiel durch Carsharing, ein Auto zu              von privaten Unternehmen                    Ein gutes Beispiel ist Madrid. Dort ist das
nutzen und es irgendwo abzustellen, wenn            und dem öffentlichen Nahverkehr?                Carsharing so populär, dass inzwischen drei
man es nicht mehr braucht. Das eigene Auto                                                          Anbieter mit jeweils mehr als 500 Elektro-
wird überflüssig, der Nutzer spart Anschaf-     Der öffentliche Nahverkehr hat leider das           autos im Markt sind. Der Grund ist, dass alle
fungskosten, Reparaturen, Versicherung und      Problem jedes Monopolisten. Er hat sich zu          Elektroautos oder auch Hybridfahrzeuge
Steuern. So ein Geschäftsmodell ist aber        lange ausgeruht auf dem, was er hat – sicher        überall in der Stadt umsonst geparkt wer-
auch für die Autohersteller attraktiv, weil     auch, weil die Kommunen ihn nicht mit genü-         den dürfen – unabhängig davon, ob man
sie zum einen auf diese Weise junge Kun-        gend Geld ausgestattet haben, um sein               Anwohner ist oder nicht. Es kommt also dar-
den für ihre Marke interessieren und zum        Angebot auszubauen. Unternehmen wie                 auf an, dass die Kommunen das Thema aktiv
anderen Geld als Carsharing-Anbieter ver-       Volkswagen oder Daimler sind nun dabei,             angehen. Und das ist auch ganz leicht mög-
              dienen können.                    gemeinsam mit den Kommunen Konzepte                      lich. Denn es kostet sie ja nichts.
D as    A uto     und      der     verkehr          von   morgen                                   13

B A U-
                                                                                       Fragt man Susan Dübner, wie
                                                                                sie einem Laien ihren Job beschrei-
                                                                                ben würde, lächelt sie sehr breit
                                                                                und sagt: „Das ist gar nicht so ein-

MEISTER
                                                                                fach.“ Bekommt man eine E-Mail
                                                                                von Susan Dübner, steht unter
                                                                                ihrem Namen „GITC PaaS“ Was
                                                                                zum Teufel macht diese Frau?
                                                                                       Susan Dübner, 37, ist Cloud-

               IN DER
                                                                                Architektin. Das GITC unter ihrem
                                                                                Namen steht für „Group IT Cloud“.
                                                                                In einem Team von bis zu 50 wei-

D A T E N-
                                                                                teren IT-Experten arbeitet die
                                                                                diplomierte Informatikerin bei
                                                                                Volkswagen an cloudbasierten Pro-
                                                                                jekten. PaaS ist die Abkürzung für
                                                                                „Platform as a Service“. Heißt? „Ich

WOL K E
                                                                                stelle eine Plattform für meine
                                                                                Kunden bereit, auf der sie ihre
                                                                                Anwendungen aufbauen können.“
                                                                                Susan Dübner entwirft Strukturen,
                                                                                die es wiederum anderen Informa-
                                                                                tikern ermöglichen, Applikationen
                                                                                zu entwickeln, die schnell, unkom-
                      TEXT: INGA OLFEN                                          pliziert und sicher funktionieren.
                   FOTO: FELIX BRÜGGEMANN                                       Kurz gesagt sorgt sie dafür, dass
                                                                                ihre Kollegen das Auto ins Internet
                                                                                und das Internet ins Auto holen
                                                                                können. Ihre Kunden, das sind
                                                                                Anwendungsentwickler aller Mar-
                                                                                ken des Volkswagen Konzerns, die
                                                                                an den unterschiedlichsten Stand-
                                                                                orten an derzeit mehreren hundert
                                                                                verschiedenen Projekten in der
                                                                                Cloud arbeiten.
                                                                                       Eine virtuelle Welt. In der
                                                                                Informationstechnik sprach man
                                                                                schon immer von Architektur,
                                                                                wenn es um die statischen und
                                                                                dynamischen Aspekte der IT in
                                                                                einer Organisation ging. Aber
                                                                                anders als vor noch etwa 30 Jah-
                                                                                ren, als das vor allem Stabilität und
                                                                                Langfristigkeit bedeutete – sichere
                                                                                Server, stabile Leitungen, Pro-
                                                                                gramme, die nicht abstürzen – sind
                                                                                heute zusätzlich Schnelligkeit,
                                                                                Flexibilität und kurzfristiges
                                                                                Reagieren gefragt. „Wir gehen
                                                                                immer mehr weg vom Reparieren
  Die Zukunft der Mobilität bringt neue Herausforderungen mit sich.             hin zum Neubauen.“ Um im Bild
   Wegen der zunehmenden Digitalisierung und der Vernetzung der                 der Architektur zu bleiben:
Verkehrsmittel wird der Beruf des „Cloud-Architekten“ immer wichtiger.          Wurden früher möglichst massive
14                            D as      A uto        und       der       verkehr      von   morgen

     Mauern mit doppelverglasten Fens-       Fluren und an den offenen Schreib-
     tern errichtet, sind es heute Rigips-   tischinseln: überall Postkarten, Auf-
     Wände, und die am besten noch           kleber und Post-its mit lustigen
     auf Rollen.                             Sprüchen „Ich weiß, woher der
            „Die Time-to-Market wird         Hase weht“ oder „Make Gulasch
     immer kürzer“, sagt Susan Dübner,       great again“. An der Wand hinter
     „hat man früher noch ein halbes         Susan Dübners Tisch ein „Stress-
     Jahr analysiert, soll heute eine App    Reduction-Kit“: „Bang head here“
     möglichst in einem Monat stehen.        steht dort in einem großen Kreis
     Niemand will mehr lange warten.         auf einem DIN-A4-Papier – bei
     Das kennen wir doch alle auch aus       Stress Kopf hier gegen die Wand
     dem privaten Bereich. Wir haben         schlagen. „Das ist das Gute an uns
     ständig mindestens ein bis zwei         ITlern – wir sind einfach alle Spiel-
     Handys in der Tasche, mit denen         kinder.“ Susan Dübner lächelt wie-
     wir praktisch unser gesamtes Leben      der sehr breit.
     managen. Wir erwarten einfach,                 Und wie sieht er aus, ein typi-
     dass alles jederzeit und überall        scher Arbeitstag eines Spielkindes?
     funktioniert; und das möglichst         Den gibt es eigentlich kaum, sagt
     schnell.“ Auch Automatisierung          die Frau mit der komplizierten
     bedeutet in der Regel Zeitgewinn.       Jobbeschreibung. „Ich komme früh-
     Deshalb lautet das Ziel: „Alles, was    morgens hierher und lasse mich
     automatisch laufen kann, soll auch      überraschen, weil spätestens um
     automatisch laufen.“                    neun Uhr eh jeder Plan über
            Gut, dass Susan Dübner so        den Haufen geworfen ist.“ Denn
     eine energiegeladene Person ist. Es
     fällt ihr sichtlich schwer, länger
                                             Cloud-Architekten programmieren
                                             nicht still vor sich hin. Von wegen
                                                                                       S U S A N
     ruhig auf ihrem Stuhl zu sitzen, und
     ihren Besuchern, mit ihr auf dem
                                             Nerds und Eigenbrötler. Überall
                                             in der IT:City in Wolfsburg sieht man
                                                                                       D Ü B N E R
     Flur Schritt zu halten. Schon für die   Gruppen zusammensitzen, die
     Achtklässlerin Susan stand fest: Ich    vielen Besprechungsräume – die            Susan Dübner ist eine der
     mache was mit IT. „Das war gesetzt.“    hier wie die VW-Modelle zum Bei-
     Zu Beginn einer Prüfung an der Uni-     spiel Tiguan oder Scirocco heißen
                                                                                       (noch) wenigen Frauen in der
     versität in Ilmenau fragte sie dann     – sind gut besetzt. „Ich bin im stän-     Männerdomäne Informations-
     später ein Professor: „Was hat Sie      digen Dialog mit meinen Kunden:
     denn in diese Männerdomäne ver-         Was habt ihr für Wünsche, wo lie-
                                                                                       technik. Nach ihrem Studium
     schlagen?“ Unter den 200 Studen-        gen eure Probleme? Entsprechend           an der Universität Ilmenau kam
     ten waren gerade mal 15 Frauen. „Ich    entwickle ich mein Produkt weiter.
     hatte mir bis dahin eigentlich nie      Ich arbeite dabei eng mit anderen
                                                                                       sie als Praktikantin zu VW. Seit
     Gedanken darüber gemacht. Män-          Produktentwicklern zusammen, um           2009 arbeitet sie für den Auto-
     ner oder Frauen – denken kann           das vom Vorstand des Unterneh-
     doch jeder!“                            mens definierte Ziel ‚Volkswagen
                                                                                       hersteller, seit 2017 gehört sie
            Aber auch in ihrem Team bei      will vom Autobauer zum Mobili-            zum Team „Group IT Cloud“ in
     Volkswagen ist sie bislang fast die     tätsdienstleister werden‘ zu errei-
     einzige weibliche IT-Kraft. Zunächst    chen.“
                                                                                       der IT:City der Volkswagen AG
     kam sie als Praktikantin nach Wolfs-           Nur am Wochenende, da              in Wolfsburg. Die diplomierte
     burg, schrieb dann später ihre Dip-     zieht Susan Dübner ihren Kopf her-
     lomarbeit bei Volkswagen. Über          aus aus der Wolke. Joggt, fährt Fahr-
                                                                                       Informatikerin liebt an ihrem
     den Umweg eines Konzern-Dienst-         rad und trifft Freunde. Oder fährt        Job, dass er viel Kommunikati-
     leisters landete sie dann schließlich   zu ihren Eltern nach Thüringen.
     2009 fest dort. Was dem Besucher        Aufs Dorf. Ohne Handyempfang.
                                                                                       on erfordert – und jeden Tag
     in der IT:City auffällt in den langen   Und mit ganz schlechtem Internet.           Überraschungen bereithält.
VERLIEBT
I N S AU T O      Was für die einen ein simples Fortbewegungsmittel ist, lässt anderen das Herz höherschlagen.
                                   Unsere Autorin Wäis Kiani über das Glück hinterm Steuer.

E           s gibt Emotionen, die lassen sich
weder vom Kopf noch vom Herzen steuern.
Sie scheinen in unserer DNA verankert zu
                                                       Von den wenigen Freuden, die ich in
                                                 mein Leben als Erwachsene mitnehmen
                                                 konnte, steht Autofahren auf Platz zwei –
                                                                                                   selbst beigebracht. Meine Mutter, die, seit
                                                                                                   ich sie kenne, über die Strapazen des Auto-
                                                                                                   fahrens klagt, war erstaunlicherweise bereit,
sein, wir sind machtlos dagegen. Tierliebe ist   nach Essen. Das ist seit meiner frühesten Kind-   mich trotz meiner anfänglich miesen Fahr-
so ein Gefühl oder die Liebe zur Natur. Man      heit so. Niemand hat mir das eingeredet, nie-     künste bei jeder Gelegenheit ans Steuer ihres
hat es in sich oder nicht, man kann es weder     mand meine Autobegeisterung manipuliert.          Wagens zu lassen.
erlernen noch abschalten. Die Liebe zum          Ich habe keine Brüder. Ich bin die einzige               Ich muss allerdings erwähnen, dass wir
Auto gehört definitiv dazu. Wir Deutschen        Tochter eines Vaters, der zwar Auto-Fan, aber     damals in Teheran lebten und Verkehrsregeln
spüren diese Liebe etwas öfter und stärker       kein Autonarr war, und einer autohassenden        nicht so streng gesehen wurden. Fast alle
in uns als vergleichsweise die Schweizer, was    Mutter. Dennoch habe ich meinen Vater, der        Jungs saßen mit 14 schon hinter dem Steuer
vielleicht nicht nur an der DNA liegt, son-      nie eine Autozeitschrift gekauft oder gele-       der Autos ihrer Eltern. Die Mädchen nicht –
dern auch daran, dass wir bessere Autos          sen hat, dafür begeistern können, mir im Alter    außer mir. Die Mädchen wollten es gar nicht.
bauen als unsere Nachbarn und flott befahr-      von 14 Jahren das Fahren beizubringen. Len-       Sie schienen verschont worden zu sein von
bare Straßen im Gebirgsland Schweiz auch         ken, Kuppeln, Gasgeben hatte ich mir, zusam-      dem, was ich als „Liebe“ bezeichne, von dem
eher selten zu finden sind.                      men mit einer Freundin, auf einem Trecker         Rausch des Auto-Fans, wenn er Gas gibt. Die
D A S   A U T O   U N D     D E R     V E R K E H R        V O N     M O R G E N                                     17

Macht über die Geschwindigkeit, dieses              digkeit und Benzingeruch vergessen Sie alle      entlädt sich alles Negative, ich fühle mich
unbeschreibliche Gefühl, wird mir für immer         Sorgen des Lebens. Kann denn so viel Glück       frei und leicht.
unvergesslich sein. Aufregender als der erste       Lüge sein?                                             Lustfeindliche Automuffel mögen
Sex, verbotener als der erste Joint, berei-                Ich kann jedes Auto fahren, und wenn      zetern, so viel sie wollen, wir werden im
chernder als das erste selbstverdiente Geld         ich High Heels trage, streife ich sie ab und     Gegensatz zu ihnen immer Spaß am Auto-
und erfüllender als der erste berufliche Erfolg.    fahre barfuß. Mit nackter Fußsohle Gas zu        fahren haben. Meine männlichen Freunde
       Stellen Sie sich vor, Sie sind ein gelang-   geben – was für ein intimes Gefühl. Ich liebe    sammeln weiterhin Vintage-Cars und
weilter Teenager, der die Schule und alle           Schaltknüppel, im Gegensatz zu den meis-         reden von der Schönheit eines Porsche 356
Lehrer hasst – und ausgerechnet ein lärmen-         ten Frauen verachte ich Automatik. Zum           von 1948 so, wie Kunstfreunde über ein
der Gebrauchsgegenstand vertreibt die               Fahrvergnügen gehört selbstbestimmtes            Gemälde von Monet schwärmen. Ihre und
Leere in Ihnen, verbannt die Langweile und          Schalten, das leise Klack-Klack einer Roads-     meine Liebe gehört dem Auto. Ja, wir hegen
macht Sie glücklich. Und stellen Sie sich vor,      ter-Schaltung, wenn man im Sommer durch          große Gefühle für lebloses Blech, dagegen
viele Jahre später sind Sie ein missvergnüg-        stille Häuserschluchten fährt. Egal, wie hoch    sind wir machtlos. Sorry, es gibt halt ein paar
ter und übersättigter Erwachsener, aber             mein Stresspegel ist, wenn ich mich hinters      Dinge im ohnehin an Freuden raren Leben,
Autofahren lässt ihr Herz immer noch höher-         Steuer setze, löst sich der Druck und im         auf die man nicht verzichten kann, und dazu
schlagen. Und bei Motorgeräusch, Geschwin-          Zusammenspiel von Fahren und Musik­hören         gehört für mich auf jeden Fall das Auto.

       WÄ I S
       KIANI
      Wäis Kiani lebt in Zürich
      und schreibt als Kolum-
      nistin für verschiede-
      ne Publikationen in
      Deutschland und in der
      Schweiz. Sie fährt einen
      Mini Cooper in British
      Green.

                       TEXT: WÄIS KIANI
                 FOTO: NORMAN KONRAD
18                               D as      A uto        und       der       verkehr               von       morgen

     P L A T Z F Ü R
     GLÜCKSBRINGER
                                      T E X T : A D R I A N G E I G E S / I L L U ST R AT I O N : L E A N D RO A L Z AT E

         Die Globalisierung macht alles gleich. Ist das wirklich so? In den meisten Ländern der Erde findet man dieselben Ketten
           für Kaffee und Fast Food. Doch bei ihren Fahrzeugen wünschen sich die Menschen weltweit eine individuelle Note.

           Wenn es um die Wahl des        weiten Online-Umfrage empfin-               In den USA sind es die          für Kaffeebecher und Flaschen
     Autos geht, ist die Mobilität von    den 53 Prozent der Deutschen          unendlichen Weiten mit tausen-        sind ein Muss – die Rede ist
     uns Europäern begrenzt. Ob           beim Fahren ihres Autos ein           den Kilometern Fahrstrecke, die       natürlich von 1,5-Liter-Flaschen.
     Deutsche, Italiener, Franzosen       besonderes Vergnügen. Bei den         das Gefühl der Fahrer prägen.         Auch gehört es zu den Wünschen
     oder Briten: Alle kaufen am liebs-   Franzosen und Briten steht das        „Für die Amerikaner ist das Auto      der Amerikaner an den Komfort,
     ten die Marken ihres Heimatlan-      Gefühl von Freiheit an erster         ihr zweites Zuhause", sagt Paolo      die Heckklappe berührungslos
     des. Sie sind ihnen bekannt, ver-    Stelle, doch, überraschend, nur       Tumminelli, Designprofessor an        öffnen zu können. Ein Trend zur
     traut und damit emotional am         knapp jeder dritte Italiener gibt     der Technischen Hochschule            Bequemlichkeit, dem andere
     nächsten. Denn bei aller Liebe       an, Spaß hinterm Steuer zu            Köln. Deshalb haben sie andere        Länder folgen.
     zur Technik zählt hier auch der      haben.                                Anforderungen an die Ausstat-               Doch an manchen Unter-
     Gefühlsfaktor. Nach einer welt-                                            tung ihrer Autos: Große Ablagen       schieden wird sich so bald nichts
D as     A uto        und       der       verkehr              von        morgen                                          19

ändern. Deutsche lieben nun mal      brauchen Platz für einen Glücks-            Je nach Land können Autos             Noch sehr häufig ist in
den Kitzel des Beschleunigens        bringer und Ladebuchsen für          also länger sein als in Deutsch-      Brasilien der T2 oder Kombi zu
und des Überholens – und schal-      mindestens zwei Handys. Profes-      land – oder auch kürzer. Ein Bei-     sehen, in Deutschland auch
ten die Gänge deshalb weiter         sor Stefan Bratzel, Leiter des       spiel ist der VW Gol, über viele      als VW Bulli bekannt. Brasilien ist
gern von Hand. Nur etwa 20 Pro-      Center of Automotive Manage-         Jahre das meistverkaufte Auto         das Land des Bullis schlechthin.
zent der in Deutschland zuge-        ment an der Fachhochschule der       in Brasilien. Er wurde für das Fuß-   Volkswagen baute ihn hier seit
lassenen Neuwagen haben Auto-        Wirtschaft in Bergisch Gladbach,     ballland Brasilien erfunden –         1957, zunächst als T1, auf den dann
matikgetriebe. Zum Vergleich: In     meint: „Die chinesischen Kun-        „Gol“ bedeutet im brasiliani-         das T2-Fahrerhaus gesetzt wurde.
den USA und in Japan sind es um      denwünsche sind sehr speziell,       schen Portugiesisch und im            In Deutschland wurde die Pro-
die 90 Prozent.                      darauf müssen die Hersteller         Spanischen „Tor“. Vom Golf            duktion 1979 eingestellt (da er
      Auch die Schönheitsideale      reagieren.“ So haben die meisten     unterscheidet sich der Gol nicht      hier durch den T3 ersetzt wurde),
für Autos unterscheiden sich von     Autos in China auf den Rücksit-      nur durch das fehlende f, er ist      während er in Brasilien bis 2013
Land zu Land. Europäer lieben        zen mehr Beinfreiheit als die ent-   auch um etwa 30 Zentimeter kür-       vom Band lief. Viele Brasilianer
sportlich aussehende Fahrzeuge.      sprechenden Modelle in Europa        zer. Dazu ist er widerstandsfähig,    sind quasi aufgewachsen in die-
In China dagegen färbt die tra-      oder den USA. Der Audi A4 zum        geht bei der Fahrt über Schlag-       sem Kleinbus. Er befördert Groß-
ditionelle Mythologie des Dra-       Beispiel ist in China als A4L um     löcher nicht so leicht kaputt,        familien, bringt Kinder zur Schule
chens sogar auf die Fahrzeuge        neun Zentimeter verlängert wor-      zeichnet sich durch hohe Qua-         und ist das öffentliche Verkehrs-
ab, sagt Tumminelli: „Deshalb        den. Grund: Wer sich in China        lität aus und ist trotzdem preis-     mittel in den Randgebieten der
erinnern auch die Autos entfernt     ein Auto leisten kann, hat oft       günstig. Von Brasilianern hört        Metropolen. Da die Sitze heraus-
an ihn: große Frontpartie, großer    auch einen Chauffeur – und der       man oft: „Wir brauchen nicht so       genommen werden können,
Kühlergrill und nach hinten abfal-   Chef auf der Rückbank soll kom-      viel Schnickschnack und Tech-         transportiert er hier auch Waren,
lende Linien, sodass das Auto        mod sitzen. Auf lange Sicht mag      nologie wie ihr Europäer, etwa        von Obst für den Markt über
schmaler wirkt.“                     sich das aber ändern, da immer       all diese Sensoren – Hauptsache,      Möbel beim Umzug bis zu Bau-
      Auch für die Innenausstat-     mehr Chinesen Autos kaufen und       das Auto schützt uns vor dem          material. Andere Länder haben
tung ihrer Karossen haben die        damit der Anteil derer steigt, die   Regen.“                               andere Sitten – und entspre-
Chinesen eigene Wünsche: Sie         ihren Wagen selbst steuern.                                                chend andere Autos.
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     E L E K T R O N I S C H E

     ENGEL
     TEXT: Johannes Giesler
     ILLUSTRATION: Leonhard Rothmoser

     Knautschzonen, Dreipunktgurt, Airbag, ABS und
     ESP sind Erfindungen, die das Autofahren schon
                                                                                    2.
     seit Jahrzehnten sicherer machen. Darüber hinaus
     hat VW smarte Assistenzsysteme entwickelt, die
     Unfälle verhindern und das Lenken erleichtern.
     Wenn sie eingreifen, fühlt sich das schon fast wie
     autonomes Fahren an.

                                                                                            DER CHAUFFEUR
                                                                                          Kilometerlange Staus prägen das Straßen-
                                                                                          bild in der Rushhour oder zu Reisezeiten:
                                                                                          Ein unkonzentrierter Augenblick reicht aus
                                                                                          – und es kracht. Diese typischen Auffahr-
                                                                                          unfälle im stockenden Verkehr kann der
                                                                                          Stau-Assistent vermeiden. Einmal aktiviert,
                                                                                          fungiert er als Chauffeur und scannt den
                                                                                          Verkehrsfluss mit einem Radarsensor. Eine
                                                                                          kleine Kamera im Innenspiegel erfasst
                                                                                          zusätzlich die Fahrbahnmarkierungen. So
                                                                                          fährt der Stau-Assistent das Auto bis zu
                                                                                          60 Kilometer pro Stunde selbstständig. Er
                           DER BODYGUARD                                                  hält Abstand, bremst, stoppt und fährt
                                                                                          auch wieder an. Entweder lenkt er das Auto
                                                                                          dabei auf der Spurmitte oder nutzt die
               Die Fahrbahn ist nass und rutschig, plötzlich schlingert der Wagen         bevorzugte Linie des Fahrers – die kennt
               in einer Kurve und droht auszubrechen. Das elektronische Sta-                   er bereits von früheren Fahrten.
               bilitätsprogramm greift ein und aktiviert gleichzeitig den pro-
               aktiven Insassenschutz. Es strafft die Sicherheitsgurte, schließt
               alle Fenster und das Schiebedach, so schützen die Kopf- und
               Seitenairbags bei einem Unfall optimal. Dazu schaltet er alle
               Blinker ein und warnt andere Verkehrsteilnehmer. Der proaktive
               Insassenschutz ist immer aufmerksam, er sammelt permanent
               Sensordaten rund um das Auto. Rast beispielsweise ein Fahrzeug
               ungebremst heran, erkennt das der Bodyguard und schützt sofort.

      1.
D as        A uto          und        der        verkehr                    von         morgen                                     21

3.                  DER HELLSEHER
Es sind oft nur Sekundenbruchteile, die in der Dunkelheit zählen: Versteckt
sich ein Hindernis im Kurvenverlauf oder an der schlecht ausgeleuchteten
Straßenecke? Das Active Lighting System sieht voraus und kann so ent-
scheidende Zeit schenken, um rechtzeitig zu reagieren. Dank Frontkamera
und Navigationssystem strahlen die Scheinwerfer nicht mehr nur analog
zum Lenkwinkel. Denn sie wissen aufgrund der Streckendaten bereits, wo
die Fahrt hingeht, und leuchten so bis zu zwei Sekunden früher den Kur-
venverlauf aus. Zusätzlich blendet das System auch automatisch das Fern-
 licht ab und auf, wenn Verkehr entgegenkommt oder die Strecke frei ist.

                                                                                                                                           4.
                                                                               DER WACHMANN
                                                                 Er befindet sich neben dem Fahrzeug, ungefähr auf Höhe des
                                                                 Tankstutzens: der tote Winkel. Der Blind Spot Sensor hat diesen
                                                                 Bereich für den Fahrer stets im Blick und schützt so vor Unfällen.
                                                                 Radarsensoren im Heck erkennen jederzeit andere Verkehrsteil-
                                                                 nehmer und signalisieren, wenn ein Spurwechsel zu riskant wäre.
                                                                 Versucht der Fahrer trotzdem auszuscheren, lenkt das System
                                                                         kurz gegen, gibt bei genügend Druck aber nach.

5.            DER RETTER IN                                                   6.             DER DIRIGENT
                DER NOT
                                                                                   Mit dem Park Assist verschwindet ein wenig Alltags-
    Lenkt der Fahrer ruckartig, bremst abrupt oder rast                            stress aus dem Leben eines jeden Großstädters. Auf
    durch eine Kurve, sind das Anzeichen für Müdigkeit.                            Parkplatzsuche schaltet der Fahrer einfach die Ult-
    Dann greift der Müdigkeitssensor ein, der permanent                            raschallsensoren ein. Sie vermessen jede Lücke und
    das Fahrverhalten analysiert. Ist das auffällig, leuch-                        melden sich, wenn ausreichend Platz ist – 40 Zenti-
    tet eine kleine Kaffeetasse im Cockpit auf mit dem                             meter vor und hinter dem Auto benötigt der Park
    Hinweis: „Müdigkeit erkannt. Bitte Pause.“ Schläft der                         Assist. Wie ein Dirigent sucht er sich die Startposi-
    Fahrer hingegen ein, erkennt das der Emergency Assist,                         tion, lenkt dann selbstständig, auch mit mehreren
    weil weder Pedale noch Lenkrad betätigt werden. Das                            Zügen, bis der Wagen optimal parkt. Als erster Auto-
    Notfall-System versucht zunächst, den Fahrer mit                               mobilhersteller der Welt präsentierte Volkswagen
    einem Bremsruck und akustischen Signalen wachzu-                               den Park Assist bereits 2006. Heute kann er nicht
    rütteln. Reagiert der Fahrer immer noch nicht, über-                           nur Längsparken. Sondern auch Querparken, vor-
    nimmt das System die Regie und aktiviert den Nothalt                                          wärts und rückwärts.
                  auf der Spur ganz rechts.
22
D as      A uto        und       der         verkehr             von        morgen                                 23

                                             DAS
S O M M E R-
F E S T I VA L  
                                            DER
AUTOSTADT
             Routine erleichtert uns Menschen das Leben. Aber es ist das Neue, das Außergewöhnliche,
                das uns anregt, uns unvergesslich bleibt, uns froh macht. Dieses Erlebnis bietet auch
        in diesem Jahr wieder das Sommerfestival der Autostadt mit seinen vielfältigen Angeboten an Spaß,
                         Bewegung, Kultur und Erweiterung des Horizonts auf allen Ebenen.

       Für insgesamt sechs Wochen, vom 18. Juli bis 26. August,     nacheifern oder auf Sliplines und Trampolinen im Park ihre Fitness
verwandelt sich die Lagunenlandschaft der Autostadt in eine Welt    erproben. An Food-Buden und -Trucks gibt es Kulinarisches zur
voller Abenteuer, Lebenslust und Bewegungsfreude. Und in den        Stärkung zwischendurch, auf der schwimmenden Insel „Cool
ersten vier Wochen davon verwandeln Akrobaten, Schauspieler,        Summer Island“ erwartet die Besucher ein entspannender Cocktail
Musiker und Trapezkünstler aus aller Welt den Themenpark am         bei DJ-Musik zum Chillen. Der weitläufige Themenpark wird zum
Mittellandkanal in eine riesige Open-Air-Bühne: ein Kosmos mit      monumentalen Outdoor-Action-Zentrum für Spiel und Spaß.
eigener Atmosphäre und unvergesslichen Bildern, der jeden Gast,           Die mit Abstand größte Attraktion des Sommerfestivals
ob groß oder klein, in seinen Bann zieht. 340.000 Gäste reisten     sind die Vorstellungen des Cirque Nouveau in den ersten vier
im vergangenen Jahr an, um an diesem unvergleichlichen Event        Wochen des Festivals. An verschiedenen Spielorten – der Hafen-
teilzuhaben, einem Sommer voller fantastischer Shows                          bühne, der Gartenbühne und auf den Street-Circus-
und atemberaubender Akrobatik. An keinem                                             Bühnen im Park – werden dem Publikum wöchent-
anderen Ort entfaltet sich der Mythos                                                     lich wechselnde poetische, komische,
Zirkus in all seinen Facetten so pracht-                                                      atemberaubende und fantasievolle
voll wie hier. Eine Traumwelt mit eige-                                                          Showprogramme geboten – und sogar
nen Gesetzen und Regeln.                                                                           philosophische Fragen artistisch
       Der Park wird zur Erlebnis-                                                                  erörtert. Cirque Nouveau ist eine
zone. Junge Gäste können sich auf                                                                    lebendige Kunstform, bei der aus
das weichgepolsterte „Riesenair-                                                                      Akrobatik, Musik, Tanz und
tramp“ wagen, die neue Freifall-                                                                       Komik ein Gesamtkunstwerk
rutsche testen oder bei den Mit-                                                                       gestaltet wird. Die einzelnen
mach-Angeboten selbst zum                                                                             Disziplinen sind perfekt aufein-
Artisten werden. Kinder und                                                                           ander abgestimmt, sodass ein-
Jugendliche dürfen in Artistik-                                                                     zigartige Darbietungen auf höchst
Workshops den „großen“ Akrobaten                                                                   professionellem Niveau entstehen.
24                         D as       A uto        und        der                                           verkehr           von        morgen

                       H A F E N BÜ H N E
                                               Auf der Hafenbühne mit ihren 3.000 Sitzplätzen treten
                                           vom 18. Juli bis zum 12. August jeweils von Mittwoch bis Sonntag
                                           um 15.30 und um 21.30 Uhr vier verschiedene Zirkustruppen auf:

                                                                                                                       WOCHE 2 (25. — 29. JULI):
                                                                                                                      L E S 7 D OIG T S

                                                                     Foto: Christian Glatthor Rocketchris
                                                                                                                       DE L A M A I N
                                                                                                                                     (RÉVERSIBLE)
                                                                                                                                        Kanada
                                                                                                              Die kanadischen Künstler von „Les 7 doigts de la main“ widmen
                                                                                                              ihre neue Show „Réversible“ den großen Menschheitsfragen „Wo
                                                                                                              kommen wir her?“, „Was macht mich aus?“ und „Wer bin ich wirk-
                                                                                                              lich?“. In einer virtuosen Mischung aus Theater, Musik, Humor und
                                                                                                              Akrobatik tauchen die Darsteller in das Leben unserer Eltern und
                                                                                                              Urgroßeltern ein. Ein spannendes Kunststück, unterwegs zwischen
               WOCHE 1 ( 18. — 22 . JULI):                                                                       Raum und Zeit, das sein Publikum mit auf die Reise nimmt.

                U R BA NAT I X
                            (GROOF TOP)
                            Deutschland
     Über 50 Streetartisten und internationale Akrobaten schwingen
     sich in luftige Höhe – auf ein Dach, das den Rahmen der neuen
     Show darstellt. Für die Streetartisten, insbesondere für Parkour-
     läufer, üben Dächer eine besondere Faszination aus. Sie sind die
     perfekte Szenerie für die halsbrecherischen Stunts, um die
     eigenen Grenzen zu finden und zu überwinden. In dem sich fort-
     während verändernden Setting und der außergewöhnlichen
     Atmosphäre zaubern die Künstler und Freaks spektakuläre Per-
           formances und waghalsige Stunts auf das „Grooftop“.

                                                                                                                                                                             Foto: Künstler
             WOCHE 3 ( 1. — 5. AUGUST):
                                                                                                                     WOCHE 4 (8. — 12 . AUGUST):
            GR AV I T Y &
           OTHER MYTHS                                                                                          DI E AU T O S TA D T -
                             (BACKBONE)                                                                               S HOW
                              Australien                                                                                               (CLOUDS)
                                                                                                                                       Wolfsburg
     Gravity & Other Myths verblüffen das Publikum mit einer nie gese-
     henen Form von meditativ-akrobatischer Kunst. Denn die physi-                                            Mit dem Autostadt-Show-Unikat „Clouds“ taucht der Besucher
     kalischen Gesetze scheinen außer Kraft gesetzt, wenn sich, wie in                                        ein in die Welt der Cloud-Universen, die über einen exklusiv für
     „Backbone“, die Individuen wie einzelne Wirbel zu einer atembe-                                          diese Show zusammengestellten Cast aus Live-Musikern, Tänzern,
     raubend hohen Säule auftürmen, um plötzlich halsbrecherisch                                              Artisten und Performance-Künstlern materialisiert und miteinan-
     zusammenzustürzen. Jeder Einzelne hier ist ein großartiger Artist,                                       der verbunden werden. Mit überbordender Spielfreude, skurriler
     aber erst die Philosophie hinter ihrer Arbeit macht die Künstler zu                                      Komik, innovativer Bewegungskunst, mitreißenden Sounds und
     diesem einzigartigen Ensemble. „Backbone“ handelt vom Men-                                               faszinierenden Bildwelten wird der Zuschauer mitgenommen auf
     schen als Individuum und als Kollektiv. Als physische Aktion, als                                        eine überraschende Reise durch moderne Lebenswelten, wo die
     sinnliches Schauspiel kann man hier die potenzierte Energie des                                          „Siris“ und „Alexas“ der virtuellen Welt auf visionäre Grenzgänger
             Menschen in einem sozialen Organismus erleben.                                                                      der ganz anderen Art treffen.
D as       A uto        und        der                 verkehr                 von   morgen                                 25

            GA RT E N BÜ H N E
                            Auf der Gartenbühne, dem Zirkuszelt hinter dem Nutzfahrzeuge Pavillon,
                              präsentieren vom 18. Juli bis zum 12. August mittwochs bis sonntags
                          jeweils um 14 und 19 Uhr fünf verschiedene Kompanien faszinierende Shows.

          WOCHE 1 ( 18. — 22 . JULI):
      F L I PFA B R IQU E
                         (TRANSIT)
                           Kanada
In der neuen Show „Transit“ geht es um die hypothetischen Fra-
gen „Was wäre, wenn dies unsere letzte gemeinsame Show wäre?
Was würde jeder Einzelne danach machen?“. Eine interessante –
und vielleicht auch provokative – Prämisse für eine Gruppe, die
so lange und so gut zusammengearbeitet hat. „Transit“ ist voll von
beeindruckenden körperlichen Fähigkeiten – Hand-auf-Hand-
Nummern, bei denen das Publikum den Atem anhält. Verspielt-
heit, Vertrauen und Risiko zu gleichen Anteilen – „Transit“ scheint
mehr daran interessiert, in einer kabarettartigen Abfolge sportli-
ches Können zu betonen, als eine einheitliche Idee oder Geschichte
                                                                                  Foto: Künstler

                    zum Ausdruck zu bringen.

                                                                                    WOCHE 3 ( 1. — 5. AUGUST), 14 UHR:
                                                                                                     C OM PAGN I A
                                                                                                       BAC CA L À
                                                                                                             (PSS PSS)
                                                                                                          Schweiz/Italien
                                                                                 Poetisch, surreal, lustig und einzigartig: Das Stück „Pss Pss“ der
                                                                                 Compagnia Baccalà stellt eine neue Generation von Clowns vor,
                                                                                 die mit ihrem träumerischen Schweigen und ihrer witzigen Toll-
                                                                                 patschigkeit um die ganze Welt gereist sind. Diese Vorstellung
                                                                                 ging mehr als 600 Mal über die Bühne und wurde in mehr als
                                                                                                         50 Ländern gezeigt.
                                                                Foto: Künstler

                                                                                 WOCHE 3 ( 1. — 5. AUGUST), 19 UHR :
          WOCHE 2 (25. — 29. JULI):
                                                                                                    JA N B E C K E R
            C OM PA N Y 2                                                                              (ONE MAN SHOW UM
                   (SCOTCH & SODA)                                                                 GEDANKENLESEN UND HYPNOSE)
                      Australien                                                                           Deutschland

„Scotch & Soda“ ist Zirkus und Jazz in einem. Eine Show wie ein                  Spätestens mit dem Titelgewinn der Pro-Sieben-Show „The Next
Cocktail aus spannenden künstlerischen Persönlichkeiten, Welt-                   Uri Geller“ im März 2009 ist Jan Becker zu Deutschlands bekann-
klasse-Zirkus, einer Schankstube als Herzstück und Junkyard Jazz.                testem Gedankenleser aufgestiegen. Wer Beckers faszinierende
Die letzte Zutat – ist das Publikum. Mit einer herzerwärmenden                   Fähigkeiten im TV verpasst hat oder selbst Teil einer wahrhaft
Mischung aus Blasmusik und Streichern bringt die „Uncanny                        unglaublichen Show werden möchte, kann Jan Becker jetzt live in
 Carnival Band“ jeden zum Springen, Schunkeln und Klatschen.                                          Wolfsburg bewundern.
26                                D as      A uto        und        der                       verkehr    von      morgen

                                                                                                                     Autostadt-Eintritt:
                                                                                                              9 Uhr — 16 Uhr: 15 €, ermäßigt 12 €,
                                                                                                        Kinder/Jugendliche (6 — 17 Jahre), Schüler: 6 €,
                                                                                                                         Familien: 35€,
                                                                                                                  16 Uhr – 21.30 Uhr: 10 Euro
                                                                                                        (7 Euro Gastronomie­guthaben, 3 Euro Eintritt),
                                                                                                                   ab 21.30 Uhr: Eintritt frei

                                                                                                                  Preis pro Showticket für
                                                                                                             Tagesgäste/Jahreskarteninhaber:
                                                                                                    Erwachsene 3 €, Kinder 3 € zuzüglich AS-Eintrittskarte
                                                                                                                   (Tagesgäste siehe oben;
                                                                                                              Jahreskarteninhaber Eintritt frei)

                                                                                                          Sitzplätze: freie Platzwahl bei allen Shows
                                                                                                                Vorverkaufsstart: 01. Mai 2018

                                                                                                           Die KonzernWelt, die Pavillons sowie das
                                                                                                        ZeitHaus sind in der Zeit von 09 Uhr — 20 Uhr
                                                                                                            geöffnet. Den Street Circus erleben Sie
                                                                    Foto: Frantise Kortmann

                                                                                                                  zwischen 12 und 21.30 Uhr.

                                                                                                                       Infos und Tickets
                                                                                                                             unter
            WOCHE 4 (8. — 12 . AUGUST):                                                                          www.autostadt.de/sommer,
                                                                                                            an allen bekannten Vorverkaufsstellen
      L O S E R(S) C I RQU E                                                                                und telefonisch unter der ServiceLine
            C OM PA N Y                                                                                       der Autostadt 0800 288 678 238.
                              (KOL APS)
                             Tschechien
     Ein Kollaps kann Teil unseres Lebens sein, eine alltägliche Erfah-
     rung, die uns umwerfen kann. Doch nach einem Zusammenbruch
     können wir auch wieder neu aufstehen – er kann uns stärken und
     abhärten. So ist es uns möglich, unsere Grenzen zu überschreiten,
     voranzukommen und über den eigenen Schatten zu springen. Der
     Kollaps ist das zentrale Thema im neuen Programm der Loser(s)
     Cirque Company. Sie setzt sich mit seinen Eigenschaften und der
     Wirkung auf jeden Einzelnen auseinander. Welche Auswirkung hat
     eine kollabierende Person auf andere? Würden die anderen
                         diesen Zustand ausnutzen?

                         Fazit des Gesamtangebots:

          2018 wird wieder ein faszinierender, bewegender und
                begeisternder Sommer in der Autostadt.
D as     A uto     und      der      verkehr            von     morgen                                 27

                CONCERT & KITCHEN
                Genießen Sie ein besonderes Konzerterlebnis für alle Sinne in der Lagune – eine
             einzigartige Komposition aus mitreißender Pop-Musik und kulinarischen Spezialitäten.
              Junge, frische Pop-Bands mit internationalen Erfolgen präsentieren auf der Bühne
              im Restaurant ihre Hits von morgen. An sechs Abenden erleben Sie Live-Auftritte
                bekannter Künstler wie der deutschen Gruppe FATCAT, der Französin Nina Attal
                  mit ihrer wilden Mischung aus Pop, Funk, Soul und R&B oder des wahnsinnig
                     sympathischen Onk Lou. Zu den musikalischen Acts servieren wir vom
                        Buffet Fisch & Chips mit Minzsauce und Malzessig, Ofenkartoffeln
                                mit Pulled Beef und Guacamole, Chicken Sticks mit
                                   scharfer Paprikacreme oder – für Freunde von
                                      Süßem – Cake Pops am Stiel und vieles
                                                      mehr.

                                           35 € exklusive Getränke

Tickets und Informationen auf
      www.autostadt.de                                                                  In der Lagune
    oder www.eventim.de                                                                von 19 — 23 Uhr
                                                                                         Pop-Konzert
                                                                                   von 20 — 22 Uhr (2 Sets)
                                                                          Im Mai und Juni jeweils an diesen Freitagen:

                                                                               18.05.2018 – FATCAT
                                                                             25.05.2018 – Nina Attal
                                                                              01.06.2018 – Klischée
                                                                              15.06.2018 – Onk Lou
                                                                                22.06.2018 – AVEC
                                                                          29.06.2018 – Veronica Fusaro
28                              D as      A uto       und       der      verkehr              von      morgen

     R  U   N  D   E
     ANGELEGENHEITEN
                   Wer war einst für die Gestaltung der Automobile verantwortlich? Wer entwickelte ihre äußere Form?
                      Im ZeitHaus der Autostadt werden exemplarisch 23 herausragende Auto-Designer gewürdigt –
                   künstlerische Genies, aber auch Konstrukteure und Pragmatiker. Folge 9: die „organischen Gestalter“.

     KARMANN-GHIA
                  Daten:
     Vierzylinder-Boxer / 1.285 cm³
     29 kW/40 PS bei 4.000/min
     Höchstgeschwindigkeit: 128 km/h
     Ehemaliger Neupreis: 6.990 DM

     FELICE MARIO
     B O A N O
     * 1 9 0 3 , †1 9 8 9
              Weitere Designs:
     Alfa Romeo 1900 C Granluce
     Primavera (1955), Abarth 209A
     (1955), Ferrari 250 GT „Boano“
                 (1956)

           Sie zählen zu den eher unbekannten         Mitarbeiter. Sein neuer Arbeitgeber ernannte   Jannings, die Flieger-Legenden Ernst Udet
     Größen ihres Metiers – und doch zu den ein-      den erst 22-jährigen Beeskow umgehend zum      und Ernst Heinkel. Aber auch führende Nazis
     flussreichsten ihrer Epoche: Felice Mario        Konstruktionschef. Während Beeskow zeit        wie Hermann Göring und Rudolf Heß, die
     Boano, geboren 1903, und Johannes Beeskow,       seines Berufslebens Angestellter blieb,        sich auch noch kurz vor dem Untergang
     Jahrgang 1911. Mit ihren Entwürfen initiierten   strebte Boano schon bald nach Selbststän-      Traumwagen maßschneidern ließen.
     sie Design-Trends und begeisterten promi-        digkeit. Anfang der 1930er Jahre startete er         Für Boano sollten die 1940er Jahre eine
     nente Automobil-Enthusiasten. Die deutsche       als Freelancer durch, arbeitete im Auftrag     entscheidende Wendung bringen. Sein wich-
     Karosseriebau-Legende Karmann in Osnabrück       diverser Karosseriebauer, darunter Viotti,     tigster Auftraggeber, Giacinto Ghia, war von
     verdankt den beiden begabten Formgestal-         Castagna, Farina, Ghia. Allerdings: Auf den    dem jungen Designer derart angetan, dass
     tern Meilensteine der Firmengeschichte.          von ihm gezeichneten Karosserien prangten      er kurz vor seinem Tod seine Frau Santina
           Die Werdegänge der beiden großen           stets die Plaketten seiner Kunden.             anwies, ihn mit seinem Erbe zu betrauen.
     Designer begannen in den 1920er Jahren.                Beeskow erging es bei Erdmann & Rossi    Noch in Ghias Todesjahr 1944 übernahm
     Boano startete seine Karriere bei der Turi-      nicht besser. Obwohl er für viele hochkarä-    Boano die Carrozzeria Ghia. Mit dem Ende
     ner Carrozzeria Stabilimenti Farina, Beeskows    tige Kreationen – vor allem Luxus-Automo-      des Krieges stieß jedoch Luigi Segre als Ghia-
     beruflicher Werdegang begann etwa zur sel-       bile – verantwortlich war, blieb er stets im   Geschäftsführer hinzu. Segre, die Unterneh-
     ben Zeit, 1925 als Lehrling bei der Wagen-       Hintergrund. Zu den Liebhabern seiner          mernatur, und Boano, der Künstler, harmo-
     Fabrik Neuss in Berlin-Halensee. Neuss wurde     Schöpfungen zählte die damalige deutsche       nierten nicht. 1953 schied Boano bei Ghia
     1933 von der Berliner Edel-Schmiede Erdmann      Prominenz: die Rennfahrer Bernd Rosemeyer      entnervt aus und gründete 1954 in Grugli-
     & Rossi übernommen – einschließlich der          und Rudolf Caracciola, der Schauspieler Emil   asco seine Carrozzeria Boano.
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