STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund

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STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
STADT
    UND
                        05/2019

 GEMEINDE    DIGITAL

          IN ZUKUNFT
              INVESTIEREN
                        UND
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
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                                                  3 Klicks zum
                                               In                o g ra m  m  :
                                                        Förderp r
                                                              ie -s ta dt .d e
                                                   gruen-in-d

 „GRÜN IN DIE STADT“ IST EINE INITIATIVE DES BUNDESVERBANDES GARTEN-, LANDSCHAFTS- UND SPORTPLATZBAU E. V.   UNTERSTÜTZT VON
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
INVESTITIONEN
ERMÖGLICHEN –
BÜROKRATIE ABBAUEN
Verfügbare Fördermittel fließen in     nehmen mussten. In Kombination
Deutschland zu langsam ab. Dies        mit zu vielen und zu komplexen
hat der Bundesfinanzminister un-       Regeln muss dies zwangsläufig zu
längst zutreffend festgestellt. Klar   langen Verfahren führen. Im Mo-
ist: Es liegt nicht daran, dass die    ment stellt sich die Situation vieler-
Kommunen die zusätzlichen Mittel       orts so dar, dass die Kommunen bei
nicht benötigen. Im Gegenteil: Städ-   derzeit hoher Baukonjunktur häufig
te und Gemeinden schieben immer        auf Ausschreibungen, wie etwa die
noch einen gigantischen Investiti-     Sanierung einer Schule, keine An-
onsrückstand vor sich her. Die Ursa-   gebote mehr bekommen, da auch
che ist vielmehr ein beklagenswertes   den Unternehmen die Verfahren zu
Ausmaß an unnötiger Bürokratie,        komplex sind.
die durch Bund und Länder geschaf-
fen wurde und nun schnell und          Wenn wir in Deutschland wieder
konsequent abgebaut werden muss.       erfolgreich sein wollen, müssen wir
Deutschland schnürt seine Investiti-   den Bürokratiedschungel durchfors-
onsfähigkeit durch selbstgemachte      ten und die Planungs- und Geneh-
Regelungen ab.                         migungsverfahren deutlich verkür-
                                       zen. Es ist daher höchste Zeit, dass
Notwendig ist ein Investitionsbe-      die Bundesregierung klare Prioritä-
schleunigungsgesetz mit einem          ten definiert und dringend notwen-
konsequenten Bürokratieabbau im        dige Investitionen in Klimaschutz,
Vergaberecht, im Baurecht aber         in Mobilfunk, Breitband und andere
auch bei den Förderrichtlinien         Infrastrukturen Vorrang einräumt. 
des Bundes und der Länder. Hin-        Ihr
zu kommt, dass die Kommunen in
Deutschland immer mehr Aufgaben
bei immer weniger Personal über-       Dr. Gerd Landsberg

                                                 Stadt und Gemeinde 05/19 3
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
INHALT
05 | 2019

22. DEUTSCHLANDFORUM DES INNOVATORS CLUB 		                    Seite 05
ZUKUNFTSRADAR DIGITALE KOMMUNE 2019                            Seite 07
ELEKTROMOBILITÄT ALS ZUKUNFTSCHANCE						Seite 09
MELDUNGEN			           				               Seite 8 | Seite 11 | Seite 25
STÄDTISCHES GRÜN 		                                             Seite 12
FÖRDERMITTEL BESSER NUTZEN von Jutta Harmeyer					Seite 14
DATENMANAGEMENT IN KOMMUNEN von Robert Ruf				                  Seite 16
BREITBAND/GLASFASERNETZ von Dr. Klaus Kremper		 			Seite 18
KLIMAANPASSUNG von Dr. Mady Olonscheck     					Seite 20
SCHNELLERES INTERNET IN LÄNDLICHEN REGIONEN					Seite 26
DIGITALPROJEKTE von Anika Krellmann		      					Seite 28
GEFÖRDERTER WOHNRAUM von Raphael Thießen				                    Seite 30
BRÜSSELER GERÜCHTE ‒ FOLGE 38								Seite 32
BUCHBESPRECHUNGEN									Seite 34
TERMINVORSCHAU										Seite 38
IMPRESSUM & INHALT		            							Seite        Weitere           04
                                                 aktuelle Infos
                                                jederzeit unter
                                                                                               www.dstgb.de

    IMPRESSUM              ZEITSCHRIFT DES DEUTSCHEN STÄDTE- UND GEMEINDEBUNDES, BERLIN |BONN | BRÜSSEL

    Redaktionsanschrift:                    Herausgeber: DStGB                                                 Redaktionsteam:
    Stadt und Gemeinde Digital              Dienstleistungs-GmbH                                               Alexander Handschuh
    Marienstraße 6, 12207 Berlin            Verantwortlich für den Inhalt:                                     Janina Salden
    Telefon: 030/773 07-228                 Dr. Gerd Landsberg                                                 Kristin Schwarzbach
    Fax: 030/773 07-222                     Uwe Zimmermann                                                     Birgit Pointinger
    Email: birgit.pointinger@dstgb.de
    Internetpräsenz: www.dstgb.de           Anzeigenredaktion:                                                 Grafik & Satz: DStGB
                                            kristin.schwarzbach@dstgb.de                                       Dienstleistungs-GmbH
                                            alexander.handschuh@dstgb.de

                                                                                         Titelbild: v. o.: © stockpics - stock.adobe.com | Tierney - stock.adobe.com
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4 Stadt und Gemeinde 05/19
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WAGEMUT

                                                                                    WAGEMUT
                                                            22. DEUTSCHLANDFORUM
                                                                      DES INNOVATORS CLUB
Fotos in diesem Berlicht: ©Hasskarl

                                      U
                                              nter dem Titel „Wagemut“        Innovators Club als Plattform, um         Leiter der Abteilung „Digital- und
                                              trafen sich Ende September      weiterzudenken und sich gemein-           Innovationspolitik“ des BMWi, Ste-
                                              rund 70 Kommunalvertrete-       sam auszutauschen. Der Innovators         fan Schnorr, in seinem Vortrag die
                                      rinnen und Kommunalvertreter aus        Club stelle für sie eine Plattform dar,   Möglichkeit des Zusammenwirkens
                                      ganz Deutschland zum 22. Deutsch-       die es ermögliche, Herausforderun-        von Kommunen und Wirtschaft.
                                      landforum des Innovators Club. Die      gen und Chancen der Zukunft für           Die Etablierung der Initiative „Stadt-
                                      Jahrestagung der kommunalen Ide-        Kommunen zu diskutieren und ge-           LandDigital“ des BMWi solle den
                                      enschmiede befasste sich in diesem      meinsam Konzepte zu entwickeln.           ersten Schritt auf dem Weg zu ei-
                                      Jahr mit neuen Formen der Zusam-        Dr. Gerd Landsberg, Hauptge-              nem Kompetenzzentrum darstel-
                                      menarbeit zwischen Kommunen,            schäftsführer des Deutschen Städ-         len, welches die Unterstützung der
                                      Zivilgesellschaft und Unternehmen.      te- und Gemeindebundes, skizzierte        Kommunen vor Ort gewährleisten
                                      Vor dem Hintergrund der durch die       die Hürden, die für Kommunen im           soll. Dabei stünden die Ziele, die Le-
                                      Digitalisierung getriebenen immer       Zusammenspiel von Digitalisierung,        bensqualität vor Ort zu erhöhen und
                                      höhere Innovationsgeschwindigkeit       Umweltschutz und den Erwartun-            digitale Lösungen vor Ort gezielt
                                      sind neue Konzepte für die partner-     gen der Bevölkerung an Städte und         einzusetzen besonders im Fokus der
                                      schaftliche Lösung der Herausforde-     Gemeinden zu überwinden sind. Er          zu Jahresbeginn gestarteten Initiati-
                                      rungen notwendig. Wie diese aus-        rief dazu auf, die anstehenden Auf-       ve. Wichtiges Ziel von „Stadt.Land.
                                      sehen könnten, wir Kommunen sie         gaben ernst zu nehmen und gleich-         Digital“ sei zudem, den Erfahrungs-
                                      angehen könnten und welche Pra-         zeitig die Chancen der Digitalisie-       austausch zu „SmartCities“ und
                                      xisbeispiele bereits existieren wurde   rung zu nutzen, um die Kommunen           „SmartRegions“ zu intensivieren.
                                      an zwei Tagen in Berlin diskutiert.     und Deutschland insgesamt fit für
                                                                              die Zukunft zu machen.                    Charles Landry, weltbekannter bri-
                                      Die Direktorin der KfW Banken-                                                    tischer Städteforscher und Autor,
                                      gruppe, Dr. Katrin Leonhardt, eröff-    In Vertretung für den kurzfristig         zeigt im Rahmen seiner Präsentation
                                      nete das 22. Deutschlandforum. Sie      verhinderten Bundeswirtschaftsmi-         neue Wege auf, inwieweit die Welt
                                      betonte den besonderen Wert des         nister Peter Altmaier benannte der        und ihre Städte neu gedacht werden.

                                                                                                                               Stadt und Gemeinde 05/19 5
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
Im Format „Best Practice – 6 mal 10     hen sowohl von den Kommunen als
                                        Minuten“ referierten sechs Experten     auch von der Bevölkerung gefordert.
                                        und Fachkundige zu jeweils unter-       Demotivierend sei hingegen die viel-
                                        schiedlichen Themen und Projekten       fach zu beobachtende „Placebo-Be-
                                        im Rahmen des Grundgedankens            teiligung“. Die Chance für Bürgerin-
                                        „Zukunft bedeutet Verantwortung“.       nen und Bürger sich zu beteiligen
Städte geraten immer mehr unter         Unter anderem äußerte der litaui-       und die eigenen Ansichten zu teilen,
Druck und sind in einer eigentlich      sche Botschafter S. E. Darius Jonas     müsse als Privileg angesehen und
flexiblen und dynamischen Welt          Semaška sein Unverständnis darü-        genutzt werden.
vorwiegend starren Strukturen aus-      ber, dass Deutschland sein Potenzi-
gesetzt. Er stellte die Frage, wie es   al beim Ausbau der Digitalisierung      Abschließend diskutierten die Bun-
geschehen konnte, dass die Welt         nicht nutze und stellte diesem den      destagsabgeordneten Elvan Kork-
im Zeitalter der Globalisierung und     Fortschritt Litauens im Bereich der     maz (SPD), Mario Brandenburg
dem Austausch von Informationen,        Digitalisierung gegenüber. Anika        (FDP) und Ronja Kemmer (CDU)
welche auf Diversität ausgerichtet      Krellmann von der KGST stellte in       unter der Moderation von Alexander
ist, dennoch vielfach fragmentiert      ihren zehn Minuten die neu entwi-       Handschuh mit Gürkan Ünlü vom
erscheint.                              ckelte Plattform „Kommunect“ vor.       TÜV Rheinland über die Digitalisie-
                                        Diese Plattform bietet Kommunen         rung als Chance und Herausforde-
                                        die Möglichkeit, individuelle Projek-   rung für den öffentlichen Sektor. Für
                                        te zu veröffentlichen, um somit ein     alle war klar: Aufgrund der hohen
                                        Netzwerk innerhalb der Kommunen         Geschwindigkeit des digitalen Wan-
                                        und zwischen den Bürgerinnen und        dels entstehen neue Anforderungen
                                        Bürgern zu schaffen.                    an die Zusammenarbeit zwischen
                                                                                den verschiedenen staatlichen Ebe-
                                        Marina Weisband, ehemalige Bun-         nen. Erforderlich sind neue Rollen-
                                        desgeschäftsführerin der „Piraten“      profile für Mitarbeiterinnen und
                                        und derzeit Leiterin des Projektes      Mitarbeiter in den Kommunen und
Im einem „Innovators Club Dialog“,      „aula“, beschrieb in ihrem Vortrag,     der öffentlichen Verwaltung sowie
moderiert von Alexander Hand-           inwieweit man in Kommunen bes-          der Erwerb von neuen Kompeten-
schuh, Sprecher des Deutschen           sere und engere Beziehungen zu          zen. Die Abgeordneten berichteten
Städte- und Gemeindebundes, stell-      Bürgerinnen und Bürgern aufbauen        unter anderem von den Ergebnissen
te die CDU-Politikerin und Unter-       kann. Digitale Werkzeuge könnten        der Enquete-Kommission „KI: Ge-
nehmerin Diana Kinnert dar, was         dabei helfen, Angelegenheiten vor       sellschaftliche Verantwortung und
sich aus ihrer Perspektive in der       Ort zu strukturieren oder auszuge-      wirtschaftliche, soziale und ökologi-
politischen Kultur verändern muss,      stalten. Die Kommune sei gleichzei-     sche Potentiale, wohingegen Gürkan
um den Erwartungen und Anforde-         tig ein Ort, wo Bürgerinnen             Ünlü aus der unternehmerischen
rungen im 21. Jahrhundert gerecht                                               Perspektive referierte. Am Ende wa-
werden zu können.. Sie erkennt den                                              ren sich alle einig: Um den Anforde-
Klimaschutz als „höchste Priorität“                                             rungen der Digitalisierung gerecht
der Politik, kritisierte jedoch den                                             zu werden müsse die „Fehlerkultur“
„fälschenden“ Umgang der Medien                                                 verbessert werden, ebenso sei drin-
mit diesem. Ein weiterer essenziel-                                             gend der Ausbau der digitalen Infra-
ler Punkt ist ihrer Ansicht nach die                                            struktur anzugehen. 
bessere Einbindung von Frauen und
Jugendlichen in die (Kommunal)Po-
litik. Um den Anteil an Frauen und
Jugendlichen zu erhöhen und ein         und Bürger Selbstwirksamkeit erfah-
Engagement attraktiver zu machen,       ren könnten. Mut ist ihrer Ansicht
erachtet sie einen Wandel der „für      nach die wichtigste Komponente im
Deutschland typischen“ festgefahre-     Beteiligungsprozess. Dabei sei dieser
nen Strukturen als notwendig.           Mut Veränderungen aktiv anzuge-

6 Stadt und Gemeinde 05/19
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
ZUKUNFTSRADAR

                                       ZUKUNFTSRADAR DIGITALE KOMMUNE 2019
                                                                      DIGITALISIERUNG BLEIBT
                                                                   CHANCE & HERAUSFORDERUNG                                                                Mehr
                                                                                                                                                       zum Thema
                                                                                                                                                      Digitalisierung
Foto: © Robert Kneschke-Fotolia.com

                                                                                                                                                          unter
                                                                                                                                                         WWW.
                                                                                                                                                       DStGB.DE

                                            © TARA Ingenieurbüro NordWest GmbH Co. KG

                                      S
                                            tädte und Gemeinden sehen                   der digitalen Transformation Schritt     so Landsberg.
                                            auch nach den Ergebnissen                   halten wollen“, so Landsberg.
                                            der Neuauflage des Zukunfts-                                                         „Auch in diesem Jahr zeigt sich, dass
                                      radar Digitale Kommune im Jahr                    Der „Zukunftsradar Digitale Kom-         es vielerorts noch an einer ausrei-
                                      2019 einen hohen Nutzen durch die                 mune“ wird vom Deutschen Städte-         chenden Breitbandinfrastruktur als
                                      Digitalisierung. Gleichzeitig wer-                und Gemeindebund (DStGB) und             Fundament der digitalen Transfor-
                                      den auch in diesem Jahr die The-                  dem Institut für Innovation und          mation fehlt“, ergänzt Prof. Dr. Vol-
                                      men Infrastruktur, Personal und die               Technik (iit) jährlich durchgeführt.     ker Wittpahl, Direktor des iit. „Fast
                                      strategische Ausrichtung wiederum                 An der zweiten Auflage der gro-          die Hälfte der befragten Kommunen
                                      als zentrale Herausforderungen be-                ßen Befragung der Kommunen in            sieht beim Breitbandausbau auch im
                                      nannt. „Die Ergebnisse der diesjäh-               Deutschland beteiligten sich mehr        Jahr 2019 noch einen großen Nach-
                                      rigen Befragung zeigen erneut, dass               als 500 Städte und Gemeinden aus         holbedarf“.
                                      die Kommunen die Chancen der                      ganz Deutschland. Dabei bestätig-
                                      Digitalisierung erkannt haben und                 ten sich in weiten Teilen die Ergeb-     Positiv ist zu bewerten, dass 87 Pro-
                                      keineswegs in einer abwartenden                   nisse der Umfrage aus dem Vorjahr,       zent der befragten Kommunen den
                                      Haltung verharren“, sagte Dr. Gerd                nennenswerte Fortschritte im Be-         Mehrwert der Digitalisierung als
                                      Landsberg, Hauptgeschäftsführer                   reich der Digitalisierung sind nur in    „hoch“ oder „sehr hoch“ einschät-
                                      des Deutschen Städte- und Ge-                     knapp einem Drittel der befragten        zen. Nur ein verschwindend ge-
                                      meindebundes, anlässlich der Vor-                 Kommunen zu verzeichnen. „Bei            ringer Prozentsatz der Städte und
                                      stellung der Studienergebnisse in                 der Digitalisierung handelt es sich      Gemeinden sieht einen „niedrigen“
                                      Berlin. „Klar ist aber auch: Es war-              um eine Veränderung, die sich mit        oder „sehr niedrigen“ Nutzen. „Das
                                      tet noch eine Menge Arbeit auf die                hoher Geschwindigkeit vollzieht –        zeigt, dass das Thema endgültig
                                      Städte und Gemeinden, wenn sie mit                und es gilt, hier am Ball zu bleiben“,   in den deutschen Kommunen an-

                                                                                                                                        Stadt und Gemeinde 05/19 7
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
ZUKUNFTSRADAR

      gekommen ist“, betont Landsberg.        lisierung ist ein komplexes Thema.     zusammenzuarbeiten. Das haben
      „Städte und Gemeinden wollen den        Die Frage, womit und wie vor Ort       die Kommunen erkannt“, so Lands-
      digitalen Fortschritt zum Nutzen        damit begonnen werden soll, muss       berg. „Wir werden nur erfolgreich
      ihrer Bürgerinnen und Bürger und        in jeder Kommune individuell be-       sein, wenn wir über Orts-, Kreis- und
      der Unternehmen vor Ort. Wir brau-      antwortet werden. Es gibt keinen       Landesgrenzen zusammenarbeiten
      chen den digitalen Wandel, wenn wir     Umsetzungsplan, der für jede Stadt     und es schaffen, Deutschland flä-
      als Standort für die Wirtschaft und     oder Gemeinde funktioniert“, be-       chendeckend zu modernisieren. Wir
      als Wohnort für die Menschen at-        tont Landsberg. „Die Kommunen          müssen unsere bisherigen Arbeits-
      traktiv bleiben wollen“.                orientieren sich bei ihren Vorhaben    strukturen überdenken und neue
                                              an den Gegebenheiten vor Ort. Die      Konzepte der Zusammenarbeit ent-
      Eine zentrale Herausforderung           Technik ist kein Selbstzweck, son-     wickeln. Die Digitalisierung macht
      bleibt auch im Jahr 2019 die Ent-       dern muss den Menschen nutzen“,        deutlich: Der Schlüssel zur Zukunft
      wicklung einer digitalen Umset-         ergänzt Wittpahl.                      liegt bei den Kommunen.“ 
      zungsstrategie in den Kommunen.
      Lediglich sieben Prozent der be-        Hohe Potenziale sehen die Kom-
      fragten Städte und Gemeinden sind       munen in der interkommunalen
      bereits dabei, eine auf die Situation   Zusammenarbeit. 71 Prozent sind
      vor Ort angepasste Strategie umzu-      davon überzeugt, dass eine stärkere
      setzen. Dagegen haben 55 Prozent        Vernetzung über die Ortsgrenzen                                                                             Download
      noch nicht mit der Erarbeitung ei-      hinaus die eigenen Digitalisierungs-                                                                       der Studie
                                                                                                 Zukunftsradar Digita
                                                                                                                                     le Kommune
                                                                                                 Ergebnisbericht zur
                                                                                                                             Umfrage 2019

      ner Strategie begonnen, 29 Prozent      fortschritte unterstützen kann.                                                                              unter
                                                                                                Lorenz Hornbostel,
                                                                                                                    Michael Nerger, Désirée
                                                                                                Volker Wittpahl, Alexande                   Tillack,
                                                                                                                          r Handschuh, Janina
                                                                                                                                                Salden

      sind gerade dabei, einen Umset-         „Digitalisierung bietet die Chance,                                                                          WWW.
                                                                                                                                                         DStGB.DE
      zungsplan zu erarbeiten. „Digita-       Aufgaben aufzuteilen und intensiver

      MELDUNG

      VOR ORT WIRD ENTSCHIEDEN,                                    res-Konferenz am 25. Oktober 2019 auf Schloss Elmau ge-
      OB AUS DEM KLIMASCHUTZ EINE                                  fordert. Die Regierungschefinnen und Regierungschefs
      ERFOLGSGESCHICHTE WIRD!                                      der Länder bekräftigen ihre Unterstützung für das Be-
Anzeige                                                            mühen, die Einhaltung der internationalen Klimaschutz-
      Wer mehr Klimaschutz will, muss diesen auch finanzie-        ziele für Deutschland sicherzustellen. Und sie betonen,
      ren. Allein die Finanzierung der Klimaanpassung und          dass die Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 zu
      des Klimawandels sowie der Mobilitätswende in den            erheblichen finanziellen Belastungen auch von Ländern
      Städten und Gemeinden kostet viele Milliarden Euro           und Kommunen führen wird, die selbst eigene erhebli-
      über einen langen Zeitraum. Zudem werden Länder und          che Anstrengungen im Klimaschutz unternehmen. Im
      Kommunen u. a. durch Anreize zum Klimaschutz dauer-          Gegensatz dazu sollen die für das Klimaschutzprogramm
      haft Steuerausfälle in Milliardenhöhe haben.                 eingepreisten Einnahmen grundsätzlich ausschließlich
       Daher muss der Klimaschutz mit einer ehrlichen Debat-       beim Bund verbleiben (z. B. aus der CO2-Bepreisung),
      te über dessen Finanzierung erfolgen und sozialverträg-      während die Gemeinden und die Länder Minderein-
      lich sowie mit Blick auf die Stabilität und Leistungskraft   nahmen treffen werden. Es muss zu einer angemessenen
      der Wirtschaft ausgestaltet werden. Die Kommunen             Lastenteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen
      müssen dabei an den Einnahmen zur Umsetzung des              kommen, insbesondere im Hinblick auf etwaige weitere
      Klimapakets mit einer festen Quote beteiligt werden;         Maßnahmen bei der vorgesehenen Wirkungskontrol-
      Steuermindereinnahmen aus der Klimapolitik müssen            le. Sie fordern vom Bund mindestens eine vollständige
      ihnen ausgeglichen werden. Daher unterstützt der DSt-        Kompensation der durch die Umsetzung des Klima-
      GB die Haltung der Länder, wegen offener Fragen einer        schutzprogramms 2030 im Steuerrecht den Ländern und
      fairen Finanzregelung zwischen Bund, Ländern und             Kommunen entstehenden Mindereinnahmen.
      Kommunen das Klimapaket in den Vermittlungsaus-
      schuss zu verweisen.                                         Denn vor Ort wird sich entscheiden, ob wir aus dem
      Dies hatten die Ministerpräsidenten bereits bei ihrer Jah-   Klimapaket eine Erfolgsgeschichte machen! (uzi)

      8 Stadt und Gemeinde 05/19
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
ELEKTROMOBILITÄT

                                ELEKTROMOBILITÄT
                                       ALS ZUKUNFTSCHANCE
                                          FÜR DEN LÄNDLICHEN RAUM
Foto: © Th. Zimmermann (THWZ)

                                                                                                                                        Weitere
                                                                                                                                      Infos unter
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                                                                                                                                      WARSTEIN.
                                                                                                                                          DE
                                Stadt Warstein im nördlichen Sauerland hat höchste Ladepunktdichte bundesweit.

                       E
                                      lektromobilität ist kein Groß-      standort in Südwestfalen: 19 Unter-       Hybridautos benötigt werden. Auch
                                      stadtthema – ganz im Gegen-         nehmen haben (zum Teil deutlich)          weitere Unternehmen engagieren
                                      teil, meint Dr. Thomas Schöne,      mehr als 100 Mitarbeiter, 55 Prozent      sich in Bereichen, die für Elektro-
                                Bürgermeister der Stadt Warstein:         der Menschen sind im Industriesek-        autos relevant sind. Bürgermeister
                                "Schon seit meinem Amtsantritt 2015       tor beschäftigt, fast 10.000 sozialver-   Dr. Schöne: "Wir möchten, dass es
                                verfolgen wir dieses Thema mit gro-       sicherungspflichtige Arbeitsplätze        in der Stadt Warstein weiterhin eine
                                ßem Nachdruck. So haben wir hier 27       gibt es im Stadtgebiet, ebenso wie        technologische Führerschaft der
                                überwiegend mit Ökostrom belieferte       bezahlbaren Baugrund und ein in-          hier ansässigen Unternehmen wie
                                öffentliche Ladepunkte ausschließ-        taktes soziales Umfeld.                   Infineon gibt. Wir versöhnen damit
                                lich durch privates Invest geschaffen.    Weltweit bekannt ist die Stadt War-       Ökonomie und Ökologie und zeigen,
                                Mit gut 900 Einwohnern pro Lade-          stein durch die international agie-       dass der ländliche Raum zukunfts-
                                punkt haben wir die größte Dichte an      rende Brauerei. Mitarbeiterstärkstes      trächtig und leistungsfähig ist!" Das
                                Ladepunkten bundesweit."                  Unternehmen ist die Infineon Tech-        Thema Ökostrom ist in der Stadt
                                                                          nologies AG, die mit dem Tochter-         Warstein schon lange eine Selbst-
                                Die Stadt Warstein mit ihren knapp        unternehmen Infineon Technologies         verständlichkeit: Etwa 25 Prozent
                                25.000 Einwohnern liegt am Nord-          Bipolar GmbH & Co. KG am Stand-           des verbrauchten Stroms wird trotz
                                rand des Sauerlandes in NRW und           ort Warstein rund 2.300 Mitarbeiter       des weit überdurchschnittlichen In-
                                im Herzen des Naturparks Arnsber-         beschäftigt. Deutschlands größ-           dustrialisierungsgrades aus erneuer-
                                ger Wald. Gleichzeitig ist die Stadt      ter Halbleiterproduzent stellt hier       baren Energien erzeugt (Vergleich:
                                Warstein mit ca. 700 Gewerbebetrie-       Leistungshalbleiter her, die für die      NRW-weit sind es etwa 14 Prozent).
                                ben ein bedeutender Wirtschafts-          Stromversorgung von Elektro- und          Die Stadt Warstein hat im Juli 2019

                                                                                                                           Stadt und Gemeinde 05/19 9
STADT GEMEINDE IN ZUKUNFT - Deutscher Städte- und Gemeindebund
ELEKTROMOBILITÄT

den Klimanotstand ausgerufen und           lungsfähigkeit zwar eingeschränkt,          orte identifiziert, die sich auch tech-
stößt aktuell weitere alternative          kann sich aber als "Motor" enga-            nisch eignen.
Mobilitätskonzepte an: Das Projekt         gieren: Ein städtischer Ansprech-           Am 9. September 2019 fand der 2.
"Fahrradfreundliche Stadt Warstein"        partner steht für alle Fragen rund          Südwestfälische Elektromobilitäts-
soll Bürgerinnen und Bürger ebenso         um die Elektromobilität bereit und          tag der Industrie- und Handelskam-
wie Gäste und Touristen ermuntern,         berät Unternehmen, wie sie mithil-          mern Arnsberg, Hagen und Siegen
noch häufiger als bisher auf (E-)Fahr-     fe öffentlicher Förderprogramme             mit gut 200 Fachbesuchern zum
räder umzusteigen.                         in eine Ladeinfrastruktur investie-         zweiten Mal bei der Infineon Tech-
Der Einsatz für die Elektrifizierung       ren können. Ein weiteres wichtiges          nologies AG in der Stadt Warstein
des Verkehrs ist für Bürgermeister         Argument für die Realisierung der           statt. Oliver Wittke MdB, Parlamen-
Schöne eine logische Konsequenz:           Ladeinfrastruktur ist auch die Dau-         tarischer Staatssekretär im Bun-
"In Großstädten ist der ÖPNV meist         er des Genehmigungsverfahrens für           desministerium für Wirtschaft und
gut ausgebaut und eine echte Alter-        öffentliche Ladepunkte: Mit einem           Energie, betonte in seiner politischen
native für Menschen, die sich weitge-      Werktag liegt die Stadt Warstein hier       Keynote, dass er gerne nach Südwest-
hend klimaneutral verhalten möch-          ganz weit vorn.                             falen komme, denn die Region sei
ten. In ländlichen Regionen ist das        Bei der Erstellung eines Elektro-           von hoher Wirtschaftskraft geprägt.
Auto für längere Distanzen häufig          mobilitätskonzepts hat die Stadt            Er plädierte dafür, Deutschland zum
das einzig sinnvolle Fortbewegungs-        Warstein zunächst mit dem großen            Leitmarkt für Elektromobilität zu
mittel. Mithilfe der ansässigen Un-        Netzbetreiber Westnetz und sodann           machen. „Die deutsche Wirtschaft
ternehmen sehe ich gute Chancen,           mit dem Kreis Soest und der Hoch-           hat hohe Innovativkraft, und viele
den Umstieg auf Elektromobilität zu        schule Hamm-Lippstadt zusam-                Unternehmer hier im Saal tragen
einer echten - natürlich rein freiwil-     mengearbeitet. "Dabei wurden ideale         dazu bei“, so Wittke. Neben sieben
ligen - Alternative werden zu lassen.      Standorte für öffentlich erreichbare        Fachvorträgen nutzten die Besucher
Wir schaffen damit einen tragfähigen       Ladepunkte identifiziert: Sie sollten       die Gelegenheit zum unternehmeri-
und anerkannten Mobilitätsmix. Da-         dort errichtet werden, wo Menschen          schen Austausch. Dr. Thomas Schö-
bei haben wir durchaus auch die der-       sich häufig aufhalten, also beispiels-      ne unterstreicht: "Unser Ziel ist eine
zeit noch bestehenden Nachteile der        weise an Geschäften, Gastronomiebe-         in Südwestfalen – und darüber hin-
E-Mobilität, etwa Reichweitenfragen        trieben oder Freizeiteinrichtungen",        aus – beispielhafte Entwicklung von
oder Batterieherstellung, im Blick."       erläutert Dr. Thomas Schöne. Für die        Elektromobilitätsangeboten. Damit
Als Haushaltssicherungskommune             Stadt Warstein wurden in dem Gut-           können wir uns als Stadt mit Zukunft
ist die Stadt Warstein in ihrer Hand-      achten 34 weitere mögliche Stand-           aufstellen." 

Keynote-Speaker beim 2. Südwestfälischen Elektromobilitätstag in der Stadt Warstein:   Dr. Thomas Schöne,
Oliver Wittke MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für           Bürgermeister Warstein
Wirtschaft und Energie

10 Stadt und Gemeinde 05/19
MELDUNGEN

NEUWAHLEN BEIM                                            senburg), Heidrun Meyer (Stadt Seeland), Antje Klecar
STÄDTE- UND GEMEINDEBUND SACHSEN-ANHALT                   (Wettin-Löbejün) und Udo Mänicke (Freyburg). Ver-
TRÜMPER ALS PRÄSIDENT WIEDERGEWÄHLT                       treter der Verbandsgemeinden sind Michael Stöhr (Ver-
                                                          bandsgemeinde Egelner Mulde) und Kerstin Beckmann
Möckern/Magdeburg.- Im Rahmen seiner 59. Kreisvor-        (Verbandsgemeinde Wethautal). Bei den Stellvertretern
standskonferenz hat der Städte- und Gemeindebund          werden die Oberbürgermeister der Kreisfreien Städte
Sachsen-Anhalt in Möckern (Kreis Jerichower Land)         durch ihre Stellvertreter im Amt auch im Präsidium
sein Präsidium neu gewählt. Der bisherige Präsident,      vertreten, die von der Kreisvorstandskonferenz bestä-
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wur-        tigt wurden. Das sind Sabrina Nußbeck (Dessau-Roß-
de ebenso in seinem Amt bestätigt, wie der Erste Vize-    lau), Klaus Zimmermann (Magdeburg) und Egbert Gei-
präsident, Naumburgs Oberbürgermeister Bernward           er (Halle/Saale). Vertreter aus dem Kreis der größeren
Küper. Zu weiteren Vizepräsidenten wurden Bürger-         Städte sind Torsten Zugehör (Lutherstadt Wittenberg),
meister Andreas Dittmann (Zerbst/Anhalt) und              Frank Ruch (Quedlinburg) und Robby Risch (Weißen-
Bürgermeister Denis Loeffke (Ilsenburg) ebenfalls wie-    fels). Für die mittleren und kleineren Städte wurden
dergewählt.                                               gewählt Bernd Poloski (Havelberg), Andreas Brohm
Dem Präsidium des SGSA gehören nach Größenklassen         (Tangerhütte), Peter Müller (Zahna-Elster), Frank von
der Städte und Gemeinden und nach Regionen insge-         Holly (Möckern), Ralf Rettig (Gemeinde Südharz) und
samt 15 Personen an, die durch Stellvertreter im Falle    Steffen Schmitz (Braunsbedra). Für die Verbandsge-
der Verhinderung vertreten werden. Für die Kreisfreien    meinden wurden Frank Frenkel (Verbandsgemeinde
Städte sind neben Dr. Lutz Trümper (Magdeburg), Peter     Obere Aller) und Kay-Uwe Böttcher (Verbandsgemein-
Kuras (Dessau-Roßlau) und Dr. Bernd Wiegand (Hal-         de Weida-Land) gewählt. Kai-Uwe Böttcher ist der ein-
le/Saale), Mitglieder des Präsidiums. Für die größeren    zige Neuling im Präsidium. Er folgt Bernd Skrypek aus
Städte sind im Präsidium Andreas Dittmann (Zerbst),       der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra, der
Bernward Küper (Naumburg) sowie Mandy Schuma-             in den Ruhestand getreten ist. Der neu gewählte Präsi-
cher (Gardelegen). Von den mittleren und kleineren        dent dankte Bernd Skrypek für sein fast drei Jahrzehnte
Städten gehören dem Präsidium an, Norman Klebe            dauerndes Engagement in verschiedenen Gremien des
(Arendsee), Nico Schulz (Osterburg), Denis Loeffke (Il-   Verbands.

STÄDTE- UND GEMEINDEBUND
MECKLENBURG-VORPOMMERN
VERABSCHIEDUNG VON DR. REINHARD
DETTMANN MIT STEHENDEN OVATIONEN

Bewegende Momente bei der Mitgliederversammlung in
Güstrow. Der langjährige Vorsitzende des Städte- und
Gemeindetages Dr. Reinhard Dettmann hält seinen
letzten Bericht und wird von der Versammlung als Eh-
renvorsitzender gewählt. Die Ehrengäste Landtagsprä-
sidentin, Birgit Hesse, der ehemalige Bundespräsident
Dr. Joachim Gauck und der Hauptgeschäftsführer Dr.
Gerd Landsberg, Deutscher Städte- und Gemeinde-
bund, würdigten die Verdienste des scheidenden Vor-
sitzenden.

Neu zum Vorsitzenden wurde der Bürgermeister Tho-
mas Beyer aus der Hansestadt Wismar gewählt. Als
Stellvertreter wurden Bürgermeister Alexander Ben-
kert, Bürgermeister Gemeinde Süderholz, und Jörg
Siekmeier, Stellvertretender Bürgermeister Gemeinde         Dr. Reinhard Dettmann, Bundespräsident Joachim Gauck,
Deyelsdorf, gewählt.                                        Dr. Gerd Landsberg

                                                                                   Stadt und Gemeinde 05/19 11
LEBENSQUALITÄT

                                         MEHR LEBENSQUALITÄT
                                            DURCH STÄDTISCHES GRÜN
                                                                                                                                                  Weitere
                                                                                                                                                Infos unter
                                                                                                                                              WWW.GRUEN
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                                                                                                                                                            -
                                                                                                                                              IN-DIE-STADT.
                                                                                                                                                    DE

                                         G                                                                              WERT- UND
                                                 rünflächen haben eine we-       Quer durch alle sozialen Schichten
                                                 sentliche Bedeutung für         wünschen sich Bürgerinnen und          IMAGESTEIGERUNG
                                                 die Lebensqualität         in   Bürger eine vitale Stadt der kurzen    DURCH GRÜNFLÄCHEN
                                         Städten und Gemeinden. Sie er-          Wege, in der sie leben und arbeiten
                                         möglichen nicht nur Erholung und        können – umgeben von möglichst         Professionell angelegte und gepfleg-
                                         Bewegung, sondern wirken sich           viel Grün. Ob Parks, begrünte Stra-    te Grünanlagen sind ein wert- und
                                         auch positiv auf das Klima aus. Das     ßen oder Dächer: lebendes Grün,        imagesteigender Faktor im Wett-
                                         Bewusstsein für den Wert von städ-      seien es Bäume, Sträucher, Stauden     bewerb. Das erkennen zunehmend
                                         tischem Grün für die Bevölkerung        oder Rasen, ist vielfältig und trägt   auch Verantwortliche in Politik und
                                         wächst. Doch fehlt es den Kommu-        erheblich zur Lebensqualität bei.      Verwaltung und setzen deshalb auf
                                         nen oftmals an den finanziellen Mit-    Laut einer Forsa-Umfrage vertrauen     Grünprojekte als Maßnahme in der
                                         tel. Hier setzt die Initiative „Grün    94 Prozent der Befragten auf die po-   Stadtentwicklung.
                                         in die Stadt“ an. Sie unterstützt       sitive Wirkung von Grünflächen auf     Was zudem immer wichtiger wird:
                                         Städte und Gemeinden bei der Su-        Körper und Seele. Fast drei Viertel    Lebendiges Grün mildert die Fol-
                                         che nach geeigneten Programmen          der Stadtbevölkerung nutzen daher      gen des Klimawandels, der für die
                                         für die kommunale Grünentwick-          mehrmals im Monat Grünanlagen          Kommunen vor Ort eine wachsende
                                         lung mit dem Förder-Check unter         und Parks in ihrer Nähe.               Herausforderung darstellt. Bewusst
                                         www.gruen-in-die-stadt.de.                                                     angelegte Grünflächen verrin-

                                         12 Stadt und Gemeinde 05/19
gern Wärmeinseln, minimieren die       Lebens: Mit dem Förderprogramm           chen Förderprogrammen, erläutert
             Feinstaub- und CO2-Belastung und       „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“      die Fördervoraussetzungen und
             schwächen die Wirkung von Stark-       wird das Zentrum einer Kommune           führt bis zum Antragsformular. Das
             regen und Temperaturextremen.          in seiner Funktion als Lebensmittel-     Projekt wird unterstützt vom Deut-
                                                    punkt und Arbeitsplatz gestärkt – in     schen Städte- und Gemeindebund
             FÖRDERPROGRAMME ALS                    Zeiten schrumpfender Einwohner-          (DStGB) und vom Deutschen Städ-
             UNTERSTÜTZUNG DER                      zahlen gerade in kleineren Kommu-        tetag.
             KOMMUNALEN                             nen eine wichtige Maßnahme.              Die wichtigsten Programme der
             GRÜNENTWICKLUNG                                                                 Städtebauförderung und Grünent-
                                                    BEI DER SUCHE NACH                       wicklung für Kommunen finden
             Der Bedarf an grünen Projekten ist     FÖRDERPROGRAMMEN                         sich online unter: www.gruen-in-die-
             in vielen deutschen Städten und        HILFT DER FÖRDER-CHECK                   stadt.de. 
             Gemeinden hoch, die finanziellen
             Mittel der Kommunen sind jedoch        Städtebauförderprogramme bein-
             häufig ausgeschöpft. Die Verteilung    halten oft Aspekte der Grünent-
             finanzieller Ressourcen stellt Ent-    wicklung, sie müssen nur gefun-
             scheider bei der Stadtentwicklung      den werden. Auf die vielfältigen               G R Ü N IN D IE
                                                                                                                          STA DT
             immer wieder vor neue Aufgaben.        positiven Aspekte von Stadtgrün
                                                    macht auch die Initiative „Grün          „Grün in die
                                                                                                           Stadt“ ist ein
                                                                                             Bundesverban                 e Initiative des
             Hier können Förderprogramme            in die Stadt“ aufmerksam, die                           des Garten-,
                                                                                            und Sportpla                   Landschafts-
             Kommunen dabei unterstützen, den       vom Bundesverband für Garten-,                        tzbau e. V. Die
                                                                                            bündelt Inform                 Initiative
             Ausbau von Grünflächen vor Ort zu      Landschafts- und Sportplatzbau                          ationen zu vi
                                                                                           tiven Aspekte                   el en posi-
             intensivieren und zu finanzieren.      e. V. (BGL) getragen wird. Seit                       n städtischen
                                                                                           den passend                    Grüns und
             Möglichkeiten zur Förderung der        dem vergangenen Jahr unter-                         en Fördermö
                                                                                                                       glichkeiten.
             Standortaufwertung gibt es zahlrei-    stützt die Initiative mit einem
             che. Seit 1999 werden zum Beispiel     Förder-Check Städte und Ge-
             durch das Städtebauförderpro-          meinden dabei, die für sie passen-
             gramm „Soziale Stadt“ benachteilig-    den Förderprogramme schnell und
             te und strukturschwache Stadt- und     unkompliziert zu finden.
             Ortsteile attraktiv und lebenswert
             gestaltet. Grünmaßnahmen sind für      Die Webseite vereinfacht die Bean-
             eine Aufwertung des öffentlichen       tragung von Fördergeldern für ein
             Raumes unablässig. Das gilt auch       kommunales Grünprojekt. Sie gibt
             für die Kernbereiche des städtischen   einen Überblick zu den wesentli-

                                                                                                                                         Anzeige

Schön.
Aber ein Stück Heimat fehlt.
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                                                                                                             Dörfer ohne historische Gebäude?
                                                                                                             Ohne Bauwerke, die Geschichten
                                                                                                             erzählen, die typischen Eigenhei-
Retten Sie Geschichte. Spenden Sie Zukunft.
www.denkmalschutz.de                                                                                         ten einer Region verkörpern oder
                                                                                                             Wahrzeichen eines Ortes sind?
                                                                                                             Historische Bauwerke machen
                                                                                                             unsere Städte und Dörfer einmalig
                                                                                                             und unverwechselbar. Deshalb
                                                                                                             setzt sich die Deutsche Stiftung
                                                                                                             Denkmalschutz für den Erhalt
                                                                                                             einzigartiger Denkmale ein.
                                                                                                             Mit Ihrer Hilfe.
                                                                                                             www.denkmalschutz.de

                                                                                                                       Spendenkonto
                                                                                                   Stadt und Gemeinde    05/19AG13
                                                                                                                   Commerzbank
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FÖRDERMITTEL

FÖRDERMITTEL BESSER NUTZEN – MIT KI
SPEZIALSOFTWARE DEL IQ ANALYSIERT FÖRDERMITTEL
                                                                                            Von Jutta Harmeyer

B                                       DAS FÖRDERMITTEL-
       ei der jährlichen Umfrage des                                          der – oft mehr als die Hälfte – nicht
       Deutschen Instituts für Urba-    ANGEBOT IST GROSS –                   abgerufen, die politischen Ziele da-
       nistik (Difu) werden die aktu-   UND UNÜBERSCHAUBAR                    hinter bleiben unerfüllt.
ellen und zukünftigen Trends in den
kommunalen          Handlungsfeldern    Über 160 Milliarden Euro pro Jahr     EFFIZIENTE RECHERCHE –
ermittelt. Im sogenannten „OB-Ba-       stellen EU, Bund, Länder und priva-   NICHTS FÜR NEBENBEI
rometer 2019“ haben die Bürger-         te Stiftungen den Kommunen und
meisterinnen und Bürgermeister          Unternehmen für unterschiedlichs-     Wer schon mal das „Vergnügen“
großer deutscher Städte (ab 50.000      te Projekte zur Verfügung. Unter      hatte, die unzähligen deutschen
Einwohner) die Themen Digitali-         anderem auch für städtebauliche,      und europäischen Websites nach
sierung, Verkehr und neue Mobili-       infrastrukturelle und ökologische     Fördermittelinformationen          zu
tät neben bezahlbaren Wohnraum          Maßnahmen. Diese Fördermit-           durchforsten, weiß, wie aufwendig
an die Spitze der Agenda gesetzt.       tel werden in über 3000 einzelnen     eine gezielte Recherche sein kann.
Handlungsfelder, die vielfältige und    Förderprogrammen bereitgestellt.      Vielen, die mit dem Thema nicht
vor allem kostenträchtige Maßnah-       Das bedeutet: Wer alle angebote-      vertraut sind, ist der notwendige
men mit sich bringen. Gleichzeitig      nen Mittel in Anspruch nehmen         Zeitaufwand nicht bewusst. Das
ist die finanzielle Lage vieler Kom-    möchte, muss die Richtlinien und      Bundesministerium für Wirtschaft
munen von chronischem Mangel            Vergabebedingungen von mehr           und Energie bietet zwar eine För-
gekennzeichnet. Fördergelder kön-       als 3000 Angeboten durchforsten.      derdatenbank für EU- und Bundes-
nen hier unterstützen – sofern sie      Dazu kommt, dass monatlich 80         förderrichtlinien, die allerdings ver-
denn genutzt werden.                    bis 100 Richtlinien von Änderungen    zeichnet weder private Stiftungen
                                        betroffen sind. Selbst Fördermit-     noch kommunale Programme.
                                        telspezialisten kommen da an ihre     Neben der Vielzahl der Möglichkei-
                                        Grenzen. Das Ergebnis: Bei vielen     ten beeinflusst auch die Qualität
                                        Fördermaßnahmen werden die Gel-       der Abfrage den Umfang des Ergeb-

14 Stadt und Gemeinde 05/19
nisses. Die subjektive Auswahl von                 schnelle und präzise Analyse aller            werden alle Fördermittelprogramme
Suchbegriffen wirkt in vielen Fällen               Fördermöglichkeiten für Kommu-                mit sämtlichen Änderungen und
limitierend auf das Ergebnis. Ein                  nen, Unternehmen, Vereine und                 Ausschreibungen erfasst und ausge-
Problem, das nicht nur für die Suche               private Investoren. Die Software ar-          wertet. Die Ergebnisliste enthält alle
im Internet, sondern auch für Da-                  beitet mit einem strukturierten Fra-          möglichen Förderprogramme inklu-
tenbankabfragen gilt. Daher erfor-                 ge- und Antwortdialog, der alle re-           sive Fristangaben, Fördervolumina
dern Recherchen viel Erfahrung und                 levanten Daten berücksichtigt und             und Zuwendungsarten. Die Links zu
noch mehr Zeit.                                    gleichzeitig überflüssige Fragen aus-         den Websites der Fördermittelgeber
                                                   sortiert. So ermittelt das System aus         werden ebenfalls aufgeführt.
Zwar haben einige Kommunen die                     den über 3000 Möglichkeiten in nur
Zeichen der Zeit erkannt und begin-                30 bis 45 Minuten sämtliche in Fra-           SPIELRAUM FÜR GESTAL-
nen, Strukturen für ein professionel-              ge kommenden Förderprogramme.                 TUNGSMÖGLICHKEITEN
les Fördermittelmanagement aufzu-                  Das Gute daran: Die Recherche ist
bauen, doch diese sind häufig noch                 nicht nur sehr schnell durchführbar,          Kay-Detlev Brose weiß aus Erfah-
nicht etabliert oder ausreichend                   sie erfordert auch keine spezifischen         rung, dass Kommunen mit dem
ausgestattet. Vielerorts werden För-               Erfahrungen, da die Software die in-          Expertensystem auf unterschied-
dermittel noch „nebenbei“ in den                   haltliche Führung übernimmt. In               lichen Ebenen profitieren. „Viele
einzelnen Fachabteilungen recher-                  Zeiten des Fachkräftemangels von              Gespräche in Kommunen laufen
chiert. Auf diese Weise bleiben von                doppeltem Vorteil.                            ähnlich ab. Häufig heißt es: ‚Wir
Hand ermittelte Ergebnisse oft lü-                                                               kennen unsere Richtlinien.’ Auf der
ckenhaft. Erfahrene Fachkräfte für                 Die Geschwindigkeit ist nicht zu-             anderen Seite höre ich, dass Anfra-
diesen Bereich sind zudem rar gesät.               letzt dem Status der Software als             gen nach Fördermittelberatungen in
                                                   Expertensystem geschuldet. Ein                Wirtschaftsförderungen und Kom-
RESSOURCEN SPAREN, MIT-                            Expertensystem verfügt über das               munen abschlägig beschieden wer-
TEL AUSSCHÖPFEN – MIT KI                           Wissen von Experten in einem ab-              den, weil dafür zu wenig Zeit, nicht
                                                   gegrenzten Problembereich und ist             genügend Personal und zu wenig

„
Kay-Detlev Brose, Diplomkaufmann                   fähig, dieses Wissen zur Lösung von           Fachkompetenz im Förderdschun-
und „Fördermittelpapst“, hat einen                 Problemen anzuwenden. Es stellt               gel vorhanden sei.“ Dabei können
Weg gefunden, den Ressourcenein-                   einen Bereich der „Künstlichen In-            Fördermittel Kommunen mehr fi-
satz bei der Fördermittelsuche zu                  telligenz“ dar. Die Software Del IQ           nanziellen Handlungsspielraum ge-
                                                                                                 währen. „Mit Hilfe von Del IQ kann
   Erstaunlich wie viele Fördermöglichkeiten                                                     ein Fördermittelmanagement in
    es gibt. Das sollten doch eigentlich alle                                                    den Kommunen aufgebaut werden,
                                                                                                 das äußerst effizient arbeitet und
    Verantwortlichen kennen und wissen.“                                                         die Millionen an ungenutzten Mit-
                                         Prof. Dr. Balleis                                       teln sinnvoll nutzt“, ergänzt Brose.
                                 Ehem. Oberbürgermeister von Erlangen,
        Sonderbeauftragter der Bundesregierung für das Sofortprogramm „Saubere Luft 2017–2020“
                                                                                                 Aber auch politisch kann sich Del
                                                                                                 IQ als hilfreich erweisen. Indem
optimieren. Er führt über Künstliche               hat ihre Anfänge im Fachbereich               Fördermittel als zusätzliche Dritt-
Intelligenz und eine daraus resultie-              Informatik der Universität Erlan-             mittel eingeworben werden, lassen
rende Software, in die Broses über                 gen-Nürnberg und ist bei Brose                sich kommunale Projekte einfacher
dreißigjährige Erfahrung als Förder-               Wissens-Management zu einem                   finanzieren und politische Ziele
mittelberater eingeflossen ist. Die                effizienten Werkzeug für Förder-              besser erreichen. Der Bürgermeis-
Software mit dem Namen Del IQ ist                  mittelspezialisten und Berater stetig         ter der Stadt Übach-Palenberg,
ein KI-basiertes Expertensystem, das               weiterentwickelt worden.                      Wolfgang Jungnitsch, fand einen
die Fördermittelanalyse optimiert                                                                weiteren politischen Vorteil: „Wenn
und verkürzt.                                      DIE ERGEBNISQUALITÄT                          die Opposition im Stadtrat fragt, ob
                                                                                                 bei der Finanzierung einer zu täti-
Im Gegensatz zur Suche in den üb-                  Ist die Abfrage beendet, werden alle          genden Investition auch alle Förder-
lichen Datenbanken oder der Re-                    in Frage kommenden Fördermittel               möglichkeiten berücksichtigt wur-
cherche im Internet ermöglicht Del                 in einer Ergebnisliste präsentiert. Da        den, kann ich diese Frage in Zukunft
IQ als „intelligentes“ Werkzeug eine               das System laufend aktualisiert wird,         dank Del IQ mit ja beantworten.“ 

                                                                                                       Stadt und Gemeinde 05/19 15
DATENMANAGEMENT

WISSEN,
      WIE EINE STADT „TICKT“
                                                                                                 Von Robert Ruf

N
        icht erst, seit der Ruf nach    wortlichen möglichst genau wis-         den sowie statistische Analysen.
        digitalen Bürgerservices im-    sen, wie ihre Stadt oder Gemeinde       Dabei ist schon heute erheblich
        mer lauter wird, steht die      „tickt“. Und dieses Wissen müssen       mehr möglich. Insbesondere die
 datengetriebene Verwaltungssteue-      sie auch teilen können – entweder       Aufbereitung der Daten in inter-
 rung auch in Kommunen aller Grö-       innerhalb von Politik und Verwal-       aktiven Dashboards und Reports
 ßenordnungen weit oben auf der         tung oder mit den Bürgern. Die gute     trägt maßgeblich zum Verständnis
 Agenda. Die Daten selbst sind dabei    Nachricht: Es gibt keinen Mangel an     für den Status einer Kommune und
 keineswegs die größte Herausfor-       Daten. Eine Gemeinde verfügt über       die Zusammenhänge bei. Wie sicher
 derung. Ihre Konsolidierung und        Dutzende, manchmal sogar Hun-           sind einzelne Stadtbezirke? Und
 zeitnahe Nutzung ist die eigentliche   derte von Datensammlungen. Diese        wie korreliert das mit dem Wohl-
 Hürde.                                 werden in verschiedenen Systemen        befinden der Bürger oder auch den
                                        und aufgabenspezifischen Anwen-         Immobilienpreisen? Auf solche Fra-
 Kommunen stehen seit Jahren unter      dungen erfasst – digital und analog,    gestellungen hatte die Verwaltung
 erheblichem Innovations- und Ver-      strukturiert und unstrukturiert. Da-    bislang kaum schnelle Antworten.
 änderungsdruck. Immer mehr Kom-        rüber hinaus gibt es immer mehr         Mit Datenvisualisierungstools wie z.
 petenzen und Verantwortlichkeiten      Möglichkeiten, Daten aus angren-        B. SAS Visual Analytics ist das keine
 verlagern sich von der nationalen      zenden Bereichen wie öffentliche        echte Hürde mehr.
 auf die kommunale Ebene – be-          Ordnung und Sicherheit, aber auch
 sonders augenfällig im Bereich der     Social Media und andere öffentliche     ERKENNTNISSE ZU KOMMU-
 Sozialpolitik. Darüber hinaus sind     Daten zu nutzen.                        NALEN STRUKTUREN – AUCH
 auch Kommunen von neuen Richt-                                                 MIT WENIG PERSONAL
 linien bei Finanzen und Risikoma-      Die schlechte Nachricht: Gerade we-
 nagement gefordert. Politikanalyse     gen dieser Diversität der Daten und     Ein konkretes Beispiel ist die Ver-
 als Steuerungselement gewinnt ge-      ihrer Quellen tun sich Kommunen         teilung von Sozialausgaben, die im
 nauso rapide an Bedeutung wie zu-      schwer, eine belastbare Datenba-        kommunalen Haushalt in der Re-
 verlässige Überwachung und Kon-        sis zu schaffen. In vielen Fällen be-   gel bis zu 50 Prozent ausmachen
 trolle im Interesse der öffentlichen   schränkt sich die Datenverwaltung       können. Mittels Daten aus den Be-
 Sicherheit und der kommunalen          auf Listenarbeit, obligatorische        standssystemen ist es mit Visualisie-
 Finanzen. Dazu müssen alle Verant-     Exportdateien für Aufsichtsbehör-       rungswerkzeugen einfach, Verbin-

16 Stadt und Gemeinde 05/19
dungen etwa zwischen Ausgaben für       lich wird. Ein einzelner Mitarbeiter    erheblich, die Akzeptanz sinkt und
Pflegedienste und Postadressen her-     kann nicht 150 Autohäuser überprü-      der Schulungsbedarf steigt. Bewährt
zustellen. Und nicht wenige Kom-        fen – 10 besonders verdächtige hin-     haben sich für Kommunen spezifi-
munenstoßen dabei auf unerwartete       gegen schon.                            zierte Datenmanagement-Plattfor-
Ausnahmen (Leistungen, die weitab                                               men wie die von SAS. Damit können
von der Gemeinde erbracht werden),      DATENMANAGEMENT:                        Benutzer ohne Unterstützung der IT
teure Fehler (versehentliche Mehr-      DER PRAXISNUTZEN                        (oder von Beratern) Berichte erstel-
fachabrechnungen) und nicht zu-         ENTSCHEIDET                             len oder Dashboards selbst entwer-
letzt Verdachtsfälle für Betrug.                                                fen und verwalten. Die vollständige
                                        Um Daten auf breiter Basis als Ent-     Integration in MS Office macht jede
Ein Fall aus den Niederlanden macht     scheidungsgrundlage oder zur Au-        Umgewöhnung überflüssig.
das deutlich. Hier war in einer Mit-    tomatisierung von Prozessen zu
telstadt aufgefallen, dass es unver-    nutzen, ist eine integrierte Daten-     Das ist heute weder ein Papiertiger –
hältnismäßig viele Autohäuser gab.      verwaltungsumgebung unumgäng-           es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche
Zufall? Die Kombination von Da-         lich. Eine Plattform, die Daten auf     Installationen. Noch ist es auf große
ten der Zulassungsbehörden, dem         vorschriftskonforme und intelligen-     Kommunen beschränkt: Auch etwa
Handelsregister, der technischen        te Weise abruft, sie sicher verfügbar   in Mittelstädten kommen die Vortei-
Überwachung und einer visuellen         macht, die Datenschutzrichtlinien       le bereits umfänglich zum Tragen.
Überprüfung durch eine direkte          einhält und sie benutzerfreundlich
Verbindung mit Google Maps und          zur Verfügung stellt. Dies ermög-       FAZIT: Wer als Kommune wirklich
Streetview ergab ohne weiteren          licht es, alle relevanten Informati-    digital denken will, muss heute an
Aufwand eine Liste von mindestens       onen zu verknüpfen, eindeutig zu        der Daten(management)-Basis an-
zehn Betrieben, bei denen ein erns-     machen und in Dashboards zu vi-         fangen. Dies ist die Grundlage für
ter Anfangsverdacht auf illegale Ak-    sualisieren. Diese Dashboards kann      analytische Auswertungen, auch
tivitäten bestand. Ein Verdacht, der    die Verwaltung nicht nur selbst nut-    mit sehr großen Datenvolumina. In-
sich dann auch in acht der zehn Fälle   zen, sondern beispielsweise auch        teraktive Visualisierungswerkzeuge
bestätigte: Die Liste der Vergehen      auf der kommunalen Website der          helfen kommunalen Anwendern,
der Scheinfirmen reichte von Dro-       Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.   auch ohne Data-Science-Know-
genherstellung bis zur Geldwäsche.      Dafür ist nicht zuletzt die einfache    How, hilfreiche Erkenntnisse zu ge-
Gerade in kleinen und mittleren         Zugänglichkeit für die Mitarbeiter      winnen. 
Kommunen ist der entscheidende          der Kommune von entscheidender
Vorteil der Arbeit mit Datenvisua-      Bedeutung für die Nutzung der Da-       Der Autor:
lisierung, dass auch mit sehr wenig     ten in der Praxis. Eine Sammlung von    Robert Ruf,
Personal eine sinnvolle Analyse mög-    Einzelanwendungen erschwert das         Artifical Intelligence Experte bei SAS

                                                                                     Stadt und Gemeinde 05/19 17
BREITBAND

FLÄCHENDECKENDES
         GLASFASERNETZ
                FÜR DEUTSCHLAND
                                                                                              Von Dr. Klaus Kremper

                                                                                   chen Bahn- und Telekommunikati-
                                                                                   onsexperten erarbeitet wurde. Eine
                                                                                   Komplettverlegung ist innerhalb von
                                                                                   5 Jahren realistisch – ohne zusätzli-
                                                                                   che Verspätungen im Zugbetrieb.

                                                                                   OPEN-ACCESS IST DER
                                                                                   SCHLÜSSEL FÜR DIE
                                                                                   SCHNELLE DIGITALISIERUNG
                                                                                   DEUTSCHLANDS

                                                                                   OneFiber wird drei Module aufbau-
                                                                                   en und anbieten. Es handelt sich
                                                                                   hierbei um Angebote an Siedlun-
                                                                                   gen/Dörfer und Städte, die je nach
Dr. Frank Schmidt, Dr. Klaus Kremper, Holger Fecht (v.l.n.r.)                      Situation vor Ort erwogen werden

B
                                                                                   können oder eben nicht. Alle Mo-
       ayern ist im bundesdeutschen          DAS SCHIENENNETZ DER                  dule verbindet der Grundgedanke
       Vergleich ein sehr fortschritt-       DEUTSCHE BAHN AG ALS                  des Open-Access. Telekommuni-
       liches Bundesland mit starker         ENORMER DIGITALISIE-                  kations-Unternehmen, Behörden,
industrieller Struktur, gleichzeitig         RUNGSBESCHLEUNIGER                    öffentliche Einrichtungen oder ein-
aber auch mit ausgedehnten ländli-                                                 zelne Unternehmen können auf die
chen Räumen, in denen sich attrak-          Die OneFiber Interconnect Germany      Kapazitäten zugreifen. Niemand
tive innovative Zentren entwickeln.         GmbH greift die Defizite auf und hat   wird behindert oder ausgeschlossen.
Auch belegt Bayern einen Spitzen-           bereits vor einigen Jahren auf Basis   Die Gründer von OneFiber sind da-
platz beim Breitbandausbau. Dem-            des Telekommunikationsgesetzes         von überzeugt, dass nur so eine faire,
nach verfügten Ende 2018 über 90            TKG die Verlegung eines bundesweit     schnelle und effiziente Digitalisie-
Prozent der Haushalte über Daten-           flächendeckenden Glasfaser-Zubrin-     rung in Deutschland erreicht wer-
raten von mindestens 30 Mbit/s. In          gernetzes in den Kabelführungssys-     den kann. Alle Module sollen mit
den ländlichen Räumen liegt die             temen der Deutsche Bahn AG bean-       privaten Mitteln finanziert und auf
Versorgung mit 30 Mbit/s bei 86             tragt. Heute genießt OneFiber das      Steuergelder verzichtet werden. Das
Prozent und damit deutlich über             Erstzugriffsrecht auf die Kabelfüh-    Interesse der Banken zur Finanzie-
dem Bundesschnitt.                          rungssysteme entlang der ca. 28.000    rung der benötigten 1,8 Milliarden
                                            Gleiskilometer des deutschen Eisen-    Euro für das Basismodul ist überwäl-
Aber wollen wir ernsthaft 30 Mbit/s         bahnnetzes. Nach einer schwierigen     tigend. Aufgrund der überragenden
in Zeiten feiern, in denen sich die         und eher zähen Startphase haben        Bedeutung für die Entwicklung des
Datenvolumina alle zwei Jahre               inzwischen verhalten konstruktive      Landes wird angestrebt, den Bund
verdoppeln? Im internationalen              Gespräche mit der DB begonnen.         direkt oder indirekt als Gesellschaf-
Vergleich ist Deutschland ein di-           OneFiber bietet an, neben der EWE      ter zu gewinnen. Aus Gründen nach-
gitales Entwicklungsland, bedingt           Tel und anderen auch die DB oder       haltiger Cyber-Sicherheit ist zudem
durch anhaltende Fokussierung auf           den Bund als Partner einzubinden.      vorgesehen, soweit wie möglich aus-
Kupfer und Verzicht auf Open-Ac-            In mehr als 45 Mannjahren ist eine     schließlich deutsche Unternehmen
cess-Modelle.                               sehr detaillierte technische Detail-   und Banken in Realisierung und Fi-
                                            planung entstanden, die mit zahlrei-   nanzierung einzubinden.

18 Stadt und Gemeinde 05/19
BASISMODUL „JEDE                          ERWEITERUNGSMODUL 1                       fern besteht grundsätzlich die Mög-
BAHN-HALTESTELLE                          „JEDE DER 45.000 SIEDLUN-                 lichkeit -sofern die Gemeinde das
BEKOMMT EINEN                             GEN/DÖRFER IN DEUTSCH-                    wünscht-, einen oder mehrere Funk-
GIGABIT-ANSCHLUSSPUNKT“                   LAND BEKOMMT EINEN                        maste zu erstellen und diese direkt
                                          GIGABIT-ANSCHLUSSPUNKT“                   an das Glasfasernetz anzuschließen.
OneFiber wird mit seinen Leistungs-                                                 OneFiber würde die Sendeplätze an
partnern ausreichend Glasfaser ent-       In Deutschland gibt es je nach Struk-     den angeschlossenen Funkmasten
lang der deutschen Eisenbahnlinien        turierung ca. 45.000 Siedlungen/          an interessierte Mobilfunkunterneh-
verlegen und damit ein Hochleis-          Dörfer. Unabhängig von deren Lage         men vermieten. Im Vergleich zur Ei-
tungs-Glasfaserzubringernetz auf-         plant OneFiber – sofern von den           generstellung von Funkmasten wür-
bauen. Neben der DB werden auch           Kommunen erwünscht – die Ver-             de eine erhebliche Kostenreduktion
die Privatbahnen mit Eisenbahnin-         sorgung auch von den vom Basis-           eintreten und die ländlichen Räume
frastruktur eingeladen, sich an die-      modul entfernten Dörfer mit einem         für Mobilfunkunternehmen ent-
ser nationalen Herausforderung zu         Gigabit-Anschlusspunkt. Von einer         sprechend attraktiver. Im Übrigen
beteiligen. Jede der über 5.000 in öf-    Eisenbahnlinie ausgehend werden           könnten verschiedene Mobilfunkun-
fentlichen Verzeichnissen einsehba-       zusätzliche Glasfasern verlegt, die       ternehmen die gleichen Funkmasten
ren Haltestellen bekommt einen Zu-        Siedlungen wie auf einer Perlen-          nutzen und ebenso frei entscheiden,
gangspunkt, womit ein Höchstmaß           schnur aufgereiht und schließlich         ob sie 3G-, 4G- oder 5G-Antennen
an Transparenz entsteht. Das Hoch-        wieder mit einer gegenüberliegenden       installieren möchten. Es ist davon
leistungs-Glasfasernetz stellt damit      Eisenbahnlinie verbunden. Durch           auszugehen, dass in diesem open-ac-
eine Gigabit-Grundversorgung für          die beidseitige Anbindung entsteht        cess-Modell sehr zügig Funklöcher
entlegenste ländliche Räume dar und       eine Redundanz, die die Funktions-        geschlossen und den Interessen der
leistet einen ganz wesentlichen Bei-      fähigkeit des Anschlusspunktes auch       vom Bund geplanten Mobilfunk In-
trag zur Angleichung der Lebensbe-        dann gewährleistet, sollte die „Per-      frastruktur Gesellschaft MIG ent-
dingungen zwischen Stadt und Land.        lenschnur“ absichtlich oder unab-         sprochen würde – allein aus markt-
78 Prozent der Bevölkerung würden         sichtlich unterbrochen werden.            wirtschaftlichen Überlegungen und
nicht weiter als fünf Kilometer von       OneFiber unterstellt eine eher groß-      vermutlich ohne politischen Zwang.
einem Gigabit-Anschlusspunkt ent-         flächige Versorgung der Siedlungen/       A propos 5G: der neue Mobilfunkstan-
fernt liegen!                             Dörfer mit Gigabit-Anschlusspunk-         dard kann übrigens aufgrund der ho-
                                          ten, um auch entfernte Gehöfte oder       hen Datenvolumina ausschließlich
Das Glasfasernetz wird „homogen“          sehr kleine Dörfer im Sinne gleich-       an Glasfaser angeschlossen werden.
sein und damit höchste Anforderun-        wertiger Lebensverhältnisse ein-          Wie wollen wir eigentlich autono-
gen an die Cyber-Sicherheit erfüllen.     beziehen zu können. Vermutlich            mes Fahren oder das Internet der
Zum Transport der optischen Signa-        dürfte der Landkreis eine sinnvolle       Dinge realisieren, wenn es wie heute
le braucht die OneFiber keine wei-        Größenordnung darstellen, der sich        gar kein Hochleistungs-Glasfaserzu-
teren Leistungspartner (peering).         für die gesamthafte Versorgung sei-       bringernetz in den ländlichen Räu-
Somit können wir die für Sabotage         ner Siedlungen und Dörfer entschei-       men gibt? Die Kluft zwischen Stadt
und Spionage bestens geeigneten           den kann. Cherry-picking wird dem         und Land würde unweigerlich tiefer
Übergabepunkte innerhalb des Net-         Anspruch nicht gerecht und ist daher      werden – mit allen gesellschaftspo-
zes schützen. Darüber hinaus wird         auch nicht vorgesehen. OneFiber ist       litischen Auswirkungen. Bertram
es im Netz ca. 450 Kreuzungspunkte        bereits heute in der Lage, alle ca. 400   Brossardt von der Vereinigung der
geben, die im Störungsfall maximale       Landkreise in Deutschland individu-       Bayerischen Wirtschaft (vbw) bringt
Flexibilität für alternative Leistungs-   ell zu betrachten.                        es stellvertretend für ganz Deutsch-
wege ermöglichen (Redundanz).                                                       land auf den Punkt: „Wir brauchen
Spezielle Verschlüsselungs- und           ERWEITERUNGSMODUL 2                       einen Quantensprung von Kupfer zu
Routing-Verfahren runden die Kon-         „JEDE DER 45.000 SIEDLUN-                 Glasfaser und das für alle überall. Der
zeption ab. Ebenso stellen wir sicher,    GEN/DÖRFER IN                             Bedarf wächst rasant“. 
dass die zu verbauende Hardware           DEUTSCHLAND BEKOMMT
unseren Sicherheitsanforderungen          FUNKMASTEN“                               Der Autor:
genügt und auch im Falle eines Cy-                                                  Dr. Klaus Kremper
ber-Angriffs volle Handlungsfähig-        In den mit einem Gigabit-Anschluss-       OneFiber Interconnect Germany,
keit gegeben ist.                         punkt versehenen Siedlungen/Dör-          Vorsitzender der Geschäftsführung

                                                                                         Stadt und Gemeinde 05/19 19
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