2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
2015 - 2017

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
2015 - 2017

    Impressum
    Herausgeber: Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
    Redaktion: Dr. Andrea Meissner
    Koordination und redaktionelle Mitarbeit: Dr. des. Clara Frysztacka
    Lektorat: Katharina Link, M.A., Lisa Melcher, M.A.
    Design/Layout: Giraffe Werbeagentur GmbH

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Inhalt
     2     Vorwort

     5     Forschungsgruppen

     6     Border & Boundary Studies
     8     Detection of Spatio-Temporal Clusters
     10    European Challenges
     12    Regulierungsfragen transnationaler Arbeit
     14    Tough Choices in Peacemaking

     16    Forschungsprojekte
     18    Drittmittel-finanzierte Projekte
     25    Viadrina-finanzierte Projekte
     31    Seed Money-Projekte 2016
     38    Seed Money-Projekte 2015
     42    Assoziierte Projekte

     46    Aus der Arbeit des Centers

     64	Wissenschaftliche Veranstaltungen

     90	Publikationen (Auswahl)

     102   Ausblick

     106	Bildnachweise

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Vorwort
    Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,                                                            Eine weitere Herausforderung, die ich Ihnen skizzieren will, betrifft die zeitgenössisch wieder-
                                                                                                          belebte Frage nach dem Nutzen wissenschaftlicher Arbeit für die Gesellschaft. Nicht zu Unrecht
    ich freue mich, Sie mit diesen Zeilen in den neuen Jahresbericht unseres Viadrina Center B/ORDERS     schrecken gerade Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei dieser Frage zurück, gingen doch
    IN MOTION einzuführen. Auf den folgenden Seiten lade ich Sie, gemeinsam mit allen Forscher*innen      Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in der Vergangenheit fragwürdige und verheerende Verbin-
    und Mitarbeiter*innen, herzlich ein, die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen, unsere Ar-      dungen ein, die heute von eilfertigen Indienstnahmen abhalten (sollten). Gleichzeitig ist unsere
    beitsbereiche kennenzulernen und auf die zahlreichen Aktivitäten zurückzublicken, die das Via­        Forschung ohne einen gesellschaftlichen Gegenwartsbezug, der Fragen formuliert und nach Ant-
    drina Center B/ORDERS IN MOTION national und international zu einem einzigartigen Ort für die         worten verlangt, nicht denkbar. Dass unser Center im Jahr 2013 als zentrale Forschungseinrich-
    interdisziplinäre Grenz- und Ordnungsforschung haben werden lassen. Als wissenschaftliche Lei-        tung für die interdisziplinäre Grenzforschung gegründet wurde, lag angesichts des universitären
    terin ist es mir Freude und Verpflichtung zugleich, diese Entwicklung innerhalb und außerhalb         Gründungsauftrages und Standorts nahe. Wo, wenn nicht an der ersten Europa-Universität der
    der Viadrina sichtbar fortzuführen und somit die Europa-Universität als einen herausragenden          neuen Bundesrepublik und in ihrem „tiefsten“ Osten an der Grenze zu Polen, schien ein derartiger
    Wissenschaftsstandort im Land Brandenburg zu professionalisieren. Auf diesem Weg ist in den           Forschungsschwerpunkt mehr Berechtigung zu besitzen? Noch war die Initiative getragen von der
    vergangenen Jahren Beachtliches gelungen: Dies reicht von der großzügigen Förderung universi-         Stimmung jenes „euphorischen Jahrzehnts“ (Juli Zeh) der 1990er Jahre, in dem nationalstaatliche
    tärer Forschung in allen Fakultäten über die Einrichtung einer digitalen Wissenschaftsplattform       Grenzen überwunden schienen und es wissenschaftlich galt, mental-historische Phantomgrenzen
    und den Aufbau internationaler Kooperationen bis hin zur Etablierung von fünf Forschungsgrup-         abzubauen. Das Center hat sich dabei einen Namen gemacht; unter anderem mit wegweisenden
    pen, die insbesondere auch für Nachwuchswissenschaftler*innen Räume der verantwortlichen              Konferenzen zur Langlebigkeit imperialer Ordnungen, der Wirkungsmacht mentaler Grenzen,
    und eigenständigen Entwicklung bilden. Allen unseren engagierten Unterstützer*innen und               zahlreichen Studien zur deutsch-polnischen Grenzregion oder mit Arbeiten zur politischen und
    Wegbegleiter*innen, insbesondere dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des           ökonomischen Zusammenarbeit. Die Zeiten haben sich geändert. Dass dies ein Umstand ist, der
    Landes Brandenburg und der Hochschulleitung unserer Universität, möchte ich an dieser Stelle im       zumindest für historisch Denkende keinerlei Überraschung bereithält, klingt wohlfeil. Die Bedeu-
    Namen der Mitglieder des Centers einen sehr herzlichen Dank aussprechen.                              tung von Fragen nach der Wechselwirkung von Grenzen und Ordnungen aber wird in einer Gegen-
                                                                                                          wart, in der die Friedensdividende des Kalten Krieges aufgebraucht ist, steigen. In dieser Zeit bleibt
    Unsere Herausforderungen für die Zukunft sind vielfältig. Zu ihnen gehört die Aufgabe, insbeson-      es die Aufgabe des Centers, den aus der Gesellschaft wie auch immer formulierten Fragen und
    dere in Zeiten wiedererstarkender Grenzziehungsprozesse, gelegentlich ungeachtet und trotz wis-       Bedürfnissen nach wissenschaftlicher Expertise nachzugehen. Es geht darum, unser Center nicht
    senschaftspolitischer Zwänge, eine innovative „Grenz/Ordnungs“-Forschung zu etablieren, die ihr       nur innerhalb der Gemeinschaft der Forschenden zu profilieren, sondern ebenso als einen Ort dar-
    Potential aus den unterschiedlichen Fachperspektiven der Wirtschaftswissenschaften, der Rechts-       zustellen, an dem Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch kommen, gerade in
    wissenschaften und der Kulturwissenschaften schöpft und die Beschaffenheit und Bedeutung von          kontroversen Debatten. In diesem Sinne möchte ich Ihnen ein zukunftsgewandtes, lebendiges und
    Grenzen in Bezug auf sich wandelnde soziale Ordnungen untersucht. Dass diese Ambition nicht           offenes Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION präsentieren.
    immer einfach umzusetzen ist, haben wir in den zurückliegenden Jahren erfahren, und wer immer
    interdisziplinäre Forschung betreibt, weiß um ihre Risiken und Fallstricke jenseits verheißungsvol-
    ler Absichtserklärungen. Unsere Forschungsgruppen haben sich, unter anderem in der Research
    Factory, auf das Wagnis der fachübergreifenden Konzeptionalisierung eingelassen und davon
    schließlich profitiert. Ihre Anregungen, wissenschaftlichen Fortschritte, ihr Engagement und die
    kritische Aufgeschlossenheit haben mich als Leiterin in dem Ansinnen unterstützt, das Viadrina
    Center B/ORDERS IN MOTION allem voran als einen Ort des intellektuellen Freiraums zu entwi-
    ckeln, der von Interdisziplinarität als einem verbindenden Denkansatz ausgeht. In den kommen-
    den Jahren wird in Frankfurt (Oder) ein universitäres Gründungsvorhaben fortgeschrieben, das
    auf der Basis der geleisteten Arbeit – etwa den Diskussionen unserer AG Grenztheorien und der
    Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“ oder den Vorschlägen der Arbeits-, Migrations-
    und Konfliktforscher*innen – wissenschaftliche Konzepte zur Wechselbeziehung von Grenze und
    Ordnung entwirft und bündelt. Dabei beziehen wir unsere „Grenz/Ordnungs“-Forschung durch-
    aus klassisch auf räumlich-territoriale Grenzen ebenso wie auf komplexe soziale Grenzziehungs-
    prozesse und ihre zeitlichen Dimensionen, die nach den Rückwirkungen auf soziale Ordnungen –
    seien es Rechtsordnungen, nationale Ordnungen, Wirtschafts- und Organisationsordnungen oder
    auch Wissens- und Geschlechterordnungen – hin befragt werden. Überzeugt davon, dass Ordnun-
    gen und Grenzen – die Gegenwart an Europas Peripherie gibt beredt Auskunft – in ihren wechsel-
    seitigen Bezügen zu denken sind, fügt das Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION an einem bemer-
    kenswerten Standort Themenfelder zusammen, die anderswo oft getrennt behandelt werden.
                                                                                                          Prof. Dr. Claudia Weber
                                                                                                          Leiterin des Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

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Forschungsgruppen

    6    Border & Boundary Studies
    8    Detection of Spatio-Temporal Clusters
    10   European Challenges
    12   Regulierungsfragen transnationaler Arbeit
    14   Tough Choices in Peacemaking

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Forschungsgruppen

                                                                                                       reich der grenzüberschreitenden Daseinsvor-         ein deutschlandweit vernetzter Forschungs-
                                                                                                       sorge. Zugleich macht die Forschungsgruppe          zusammenhang längerfristig etabliert wer-
                                                                                                       es sich zur Aufgabe, verschiedene Forschungs-       den, sichtbar etwa durch die Bestrebungen,
                                                                                                       aktivitäten im thematischen Bereich von             ein DFG-Netzwerk zum Thema „Un/Gewisse
                                                                                                       „B/Orders in Motion“ an der Europa-Universi-        Grenzen“ einzurichten, sowie durch die Betei-
                                                                                                       tät Viadrina und darüber hinaus zu bündeln.         ligung an der Einrichtung der Sektion „Kultur-
                                                                                                       Dafür initiiert sie erstens Aktivitäten, welche     wissenschaftliche Border Studies“ im Rahmen
                                                                                                       die Forschungsgruppen am Center zusam-              der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft.
                                                                                                       menbringen, etwa die im November 2018
                                                                                                       stattfindende gemeinsame Konferenz „B/
                                                                                                       ORDERS IN MOTION: Current Challenges and
                                                                                                       Future Perspectives“. Zweitens koordiniert sie
                                                                                                       die seit 2014 bestehende AG Grenztheorien,
                                                                                                       einen Lektüre- und Diskussionskreis zum The-
                                                                                                       ma Grenzen in all ihren Facetten. Drittens soll

    Border &                                         materiellen Relationierungsleistungen in den
                                                     Blick rücken, die Grenzen entstehen lassen. In-
                                                                                                         Border & Boundary Studies

    Boundary                                         frastrukturen können als Substrat angesehen
                                                     werden, als gleichermaßen „harte“ wie auch          Projektleitung:

    Studies
                                                     „weiche“ Grundlagen der Verbindung und              Dr. Hannes Krämer (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
                                                     Trennung. Als „harte“ Infrastrukturen sind          Prof. Dr. Christian Voß (Humboldt-Universität zu Berlin)
                                                     etwa Straßen, Grenzzäune oder Pipelines auf-        Dr. Carolin Leutloff-Grandits (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
                                                     zufassen, „weiche“ Infrastrukturen können
                                                     Menschen, Dienstleistungen, Kategoriensys-          Mitglieder der Forschungsgruppe:
                                                     teme etc. sein. Als physische wie symbolische       Dominik Gerst, M.A., Dr. des. Concha Maria Höfler, Dr. Mitja Sienknecht,
    Die Forschungsgruppe „Border & Boundary          Gelingensbedingungen ermöglichen sie erst           Snežana Stanković, M.A., Peter Ulrich, M.A.
    Studies“ hat als Kerngruppe eine zentrale Be-    kollektive soziale Prozesse und übersituative
    deutung für die Grenzforschung am Viadri-        Strukturierungs- bzw. Relationierungsleistun-       Laufzeit:
    na Center B/ORDERS IN MOTION in der Seed         gen. Ausgehend von der wachsenden interdis-         Seit Januar 2017
    Money-Förderphase 2017 - 2018. Ihr überge-       ziplinären geistes- und sozialwissenschaftli-
    ordnetes Ziel ist es, die konzeptionelle sowie   chen Infrastrukturforschung können somit            Publikationen (Auswahl):
    empirische Forschung an und über Grenzen         nicht nur einzelne Grenzobjekte und konkor-           Bossong, Raphael/ Gerst, Dominik/ Kerber, Imke/ Klessmann, Maria/ Krämer, Hannes/
    voranzubringen und zu diesem Zweck eine          dante Grenzpraktiken in den Blick genommen            Ulrich, Peter: Complex Borders: Analytical Problems and Heuristics. In: Elżbieta Opiłowska/
    Zusammenführung der bisher eher getrennt         werden. Vielmehr wird es auch möglich, die            Zbigniew Kurcz/ Jochen Roose (Hg.): Advances in European Borderlands Studies. Baden
    voneinander agierenden Forschungsbereiche        meist unbewussten, übersituativen, häufig             Baden: Nomos, 2017, S. 65-84.
    der Border(land) Studies und der Boundary-       unsichtbaren und standardisierten Relationen          Gerst, Dominik/ Krämer, Hannes: Methodologische Prinzipien einer allgemeinen
    Forschung anzuregen. Grenzen werden als          von Grenzarbeitsprozessen zu analysieren.             Grenzsoziologie. In: Stephan Lessenich (Hg.): Geschlossene Gesellschaften. Verhandlungen
    multidimensionale, dynamische und relatio-                                                             des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamberg 2016, 2017.
    nale Gebilde verstanden, die über Praktiken      Neben der Reflexion der theoretischen und             Gerst, Dominik/ Klessmann, Maria/ Krämer, Hannes/ Sienknecht, Mitja/ Ulrich, Peter
    der Grenzziehung hervorgebracht, stabili-        methodologischen Konsequenzen einer sol-              (Hg.): Komplexe Grenzen. Perspektiven aktueller Grenzforschung. Themenheft Berliner
    siert und unterlaufen werden. Ausgehend          chen Perspektive steht die Arbeit an zwei             Debatte Initial 29 (2018) 1.
    von der vielerorts postulierten, aber nur un-    Forschungsanträgen im Zentrum. In deren
    zureichend entschlüsselten Komplexität von       Rahmen soll das Konzept des „Infrastrukturie-
    Grenzen, arbeitet die Forschungsgruppe an        rens“ bzw. der Grenzinfrastrukturen auf zwei
    einem weiteren Verständnis von Grenzen.          Gebiete übertragen werden: Zum einen auf
    Die Forschungsgruppe setzt dazu die Idee des     die Analyse der Arbeit von Grenzorganisati-
    „Infrastrukturierens“ von Grenzen zentral,       onen in den Feldern der Sicherheit, Mobilität
    wodurch die komplexen symbolischen wie           und Bildung und zum anderen auf den Be-

6                                                                                                                                                                                                           7
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Forschungsgruppen

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                                                                                                      satz zum räumlichen autoregressiven Prozess          in der Zeitreihenanalyse, der hierfür 2003 mit
                                                                                                      keine Cluster im Erwartungswert aufweist,            dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaf-
                                                                                                      sondern ausschließlich in der Streuung des           ten geehrt wurde.
                                                                                                      Prozesses. Ein solches Cluster ist also nicht        Die Problemstellungen werden aus einer the-
                                                                                                      durch besonders große oder kleine Beobach-           oretischen Sichtweise betrachtet. „Grenzen“
                                                                                                      tungen der Zufallsvariable, wie in den obigen        werden in diesem Projekt somit als räumlich-
                                                                                                      Beispielen, charakterisiert, sondern durch           zeitliche Strukturbrüche aufgefasst. Durch die-
                                                                                                      eine besonders hohe oder geringe Streuung            se allgemeine Herangehensweise ergeben sich
                                                                                                      der Beobachtungen.                                   weitreichende empirische Forschungsgebiete,
                                                                                                      Der Grund der Ausbildung solcher Cluster liegt       in welchen die Anwendung der entwickelten
                                                                                                      in der räumlichen Abhängigkeit der bedingten         Methoden gesehen werden kann. Diese rei-
                                                                                                      Varianz der Beobachtungen von der Streuung           chen von den Sozial- und Kulturwissenschaf-
                                                                                                      der umliegenden Beobachtungen. Die räum-             ten über die Wirtschafts- und Ingenieurwis-
                                                                                                      lichen Modelle bilden dabei eine Analogie zu         senschaften bis hin zur Biometrie und Medizin.

    Detection and                                    räumlich autoregressiven Prozessen modellie-
                                                     ren. Neben dieser räumlichen Abhängigkeit in
                                                                                                        Detection and Surveillance of Spatial and

    Surveillance of                                  der Höhe der Beobachtungen lässt sich auch
                                                     eine räumliche Abhängigkeit in der Streuung
                                                                                                        Spatiotemporal Clusters

    Spatial and                                      der Beobachtungen sowie der bedingten He-
                                                     teroskedastizität, bzw. der bedingten Varianz-
                                                                                                        Projektleitung:
                                                                                                        Dr. Philipp Otto (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

    Spatiotemporal
                                                     heterogenität, feststellen.                        Prof. Dr. Raid Amin (University of West Florida, Pensacola)
                                                     Bei empirischen Analysen zeigt sich darüber
                                                     hinaus, dass die räumliche Abhängigkeits-          Mitglieder der Forschungsgruppe:

    Clusters                                         struktur in der Regel nicht homogen über den
                                                     gesamten betrachteten Raum ist. Folglich gibt
                                                                                                        Miryam Sarah Merk, M.Sc., Anna-Liesa Otto, M.Sc.

                                                     es Bereiche bzw. räumliche Eingrenzungen, in       Laufzeit:
                                                     denen sich der Zufallsprozess von dem Prozess      Seit Januar 2017
                                                     im restlichen Gebiet unterscheidet. Betrach-
    Das Projekt beschäftigt sich mit einem Teil-     tet man das obige Beispiel der Modellierung        Publikationen (Auswahl):
    gebiet der räumlichen Statistik, das sich ins-   von Umweltbelastungen durch verschiedene             Otto, Philipp/ Schmid, Wolfgang: Detection of Spatial Change Points in the Mean and
    besondere mit der Analyse von Zufallsprozes-     Luftschadstoffe oder Feinstaubpartikel, wird         Covariances of Multivariate Simultaneous Autoregressive Models. In: Biometrical Journal
    sen im Raum befasst. Diese Zufallsprozesse       deutlich, dass die räumliche Abhängigkeit au-        58 (2016) 5, S. 1113-1137. doi:10.1002/bimj.201500148.
    haben eine große Bedeutung in den empiri-        ßerdem durch weitere stochastische Größen,           Garthoff, Robert/ Otto, Philipp: Control Charts for Multivariate Spatial Autoregressive
    schen Wissenschaften und insbesondere in         wie beispielsweise die Windrichtung und -ge-         Models. In: Advances in Statistical Analysis (AStA Adv Stat Anal) 101 (2017), S. 67-94.
    der Ökonometrie. Dazu zählen beispielsweise      schwindigkeit, beeinflusst wird.                     doi:10.1007/s10182-016-0276-x.
    Phänomene auf der Erdoberfläche oder in der                                                           Otto, Philipp/ Schmid, Wolfgang: Spatiotemporal Analysis of German Real-Estate Prices.
    Erdatmosphäre wie die Schadstoff- oder Fein-     Die aktuelle Forschung zur Erkennung solcher         In: The Annals of Regional Science (Ann Reg Sci) 60 (2018) 1, S. 41-72. doi:10.1007/s00168-
    staubbelastung, aber auch Grundstückspreise      Änderungen im Raum, sogenannter räum-                016-0789-y.
    oder die regionale Bevölkerungsentwicklung       licher Strukturbrüche, soll um die Modellie-
    in den Gemeinden. Bei der Analyse solcher        rung von Strukturbrüchen bei nichtlinearen
    Prozesse lässt sich häufig feststellen, dass     räumlichen Prozessen sowie um deren zeitli-
    beobachtete Sachverhalte, die sich in räumli-    che Überwachung erweitert werden. In die-
    cher Nähe zueinander befinden, ähnlich sind.     sem Zusammenhang wird sowohl der Einfluss
    Wenn beispielsweise die Grundstückspreise in     von stochastischen Abhängigkeitsstrukturen
    einer Gemeinde hoch sind, so lassen sich auch    untersucht als auch ein nichtlinearer räumli-
    hohe Preise in den umliegenden Gemeinden         cher Prozess autoregressiver, bedingter Hete-
    erwarten. Dieses Phänomen lässt sich mit         roskedastizität (ARCH) eingeführt. Dieser hat

8                                                                                                                                                                                                            9
2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Forschungsgruppen

                                                                                                     von Grenzdemarkationsprozessen aufzu-                 Eine prekäre Stabilität solcher Arrangements
                                                                                                     fassen sind, diese jedoch oft als einseitige          wird durch tägliche Kooperation erreicht. Die-
                                                                                                     Top-Down-Prozesse missverstanden werden.              se bleibt stabil, wenn die Akteure die situa-
                                                                                                     Tatsächlich ist immer auch ein gewisses Maß           tions- und arenaspezifische Ordnung akzep-
                                                                                                     an Akzeptanz „von unten“ im Aushandlungs-             tieren, die trotzdem durch Spannungen und
                                                                                                     prozess involviert. In diesem Sinne werden            Widersprüche gekennzeichnet sein kann. Die
                                                                                                     Ordnungen verstanden als Arrangements,                Anwendung und Adaption der beiden Kon-
                                                                                                     die aus dem Kräfteringen zwischen den invol-          zepte „Technologie“ und „(Re-)Arrangement“,
                                                                                                     vierten Akteuren hervorgehen. Diese Akteure           die wir „Technologie-Arrangement-Nexus“
                                                                                                     wiederum orientieren sich an ihren eigenen            nennen, kann zu neuen, relevanten Einsich-
                                                                                                     Werten und Interessen. Die Stabilität oder            ten im Bereich von Migration und Arbeit füh-
                                                                                                     Fragilität so entstehender Ordnungen hängen           ren. Auf diese Weise möchte das Projekt dazu
                                                                                                     von dem Ausmaß ab, in dem diese Akteure               beitragen, zumindest einige der bestehenden
                                                                                                     mit der entstehenden Ordnung zurechtkom-              Phänomene zu problematisieren, mit denen
                                                                                                     men – zumindest in Form latenter Akzeptanz.           Europa derzeit konfrontiert ist.

     European                                       ropäischen Gesellschaften (soziale Ungleich-
                                                    heit im Innern, Migration von außen, ökologi-
                                                                                                       European Challenges

     Challenges                                     sche Belastung) erinnern an Spannungen, die
                                                    im Zuge der Industriellen Revolution sowie
                                                    der Nationalbewegungen im 19. Jahrhundert
                                                                                                       Projektleitung:
                                                                                                       Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast (Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien,
                                                    auftraten. Die Analyse von in der Vergangen-       Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

     Technologischer                                heit akzeptierten (Re-)Arrangements kann
                                                    daher einen Beitrag zur Identifikation und
                                                                                                       Prof. Dr. Aristotelis Tympas (National and Kapodistrian University of Athens)

     Wandel und                                     Untersuchung von Bruchstellen im heutigen
                                                    Ordnungsgefüge leisten.
                                                                                                       Mitglieder der Forschungsgruppe:
                                                                                                       Prof. Dr. Klaus Weber, Dr. Norbert Cyrus, Dr. Falk Flade
     Re-Arrangements von
                                                    Das für die Arbeit der Forschungsgruppe zen-       Laufzeit:
     Migration und Arbeit                           trale Konzept „Technologie“, das im Hinblick       Seit Januar 2017
                                                    auf seine sozioökonomischen Auswirkungen
                                                    selbst ambivalent ist, umfasst sowohl ma-          Publikationen (Auswahl):
     Die Forschungsgruppe initiiert Projekte, die   terielle als auch soziale Formationen. Das           Cyrus, Norbert: Irreguläre Migration in Deutschland. Zur Kontroverse zwischen
     Prozesse von Arrangement und Re-Arrange-       Konzept entstand im frühen 20. Jahrhundert           ordnungspolitischer und menschenrechtlicher Sichtweise. In: Max Matter (Hg.): Auf
     ment im Bereich von Migration und Arbeit       zusammen mit der Kulmination der Industri-           dem Weg zur Teilhabegesellschaft. Neue Konzepte der Integrationsarbeit. Göttingen:
     untersuchen. Dabei wird insbesondere der       alisierung in fordistischen Arrangements zur         Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, 2017, S. 127-140.
     Einfluss von Technologie berücksichtigt. Das   Fabrikarbeit sowie der damit zusammenhän-            Flade, Falk: The Druzhba Pipeline. In: Jeronim Perović (Hg.): Cold War Energy:
     Projekt soll neue Erkenntnisse zu den damit    genden Entstehung von Massengesellschaf-             A Transnational History of Soviet Oil and Gas. Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2017,
     verbundenen Spannungen bereitstellen, vor      ten, Wohlfahrtsstaaten, dem Wandel von Fa-           S. 321-344.
     allem mit Blick auf die Wechselwirkungen       milienstrukturen usw. Zur Vermeidung von             Jajeśniak-Quast, Dagmara: B/ORDER IN MOTION: The German-Polish Border from the
     zwischen „Grenze“ und „Ordnung“. Dafür         technologischem Determinismus, d.h. der Vor-         System Transformation until the Present-Day European Integration. In: Eurasia Border
     wird eine historische Perspektive eingenom-    stellung, dass Technologie der Hauptantrieb          Review 8 (2017) 1, S. 31-44.
     men, die darauf gründet, dass Europa bereits   sozialen und kulturellen Wandels sei, wird der
     früher vor solchen Herausforderungen stand.    „Technologie“-Ansatz durch das Konzept von
     Alle bedeutungsvollen (Re-)Arrangements von    „Arrangements“ erweitert. Dieses Konzept
     Migration und Arbeit traten in Verbindung      spielt bewusst mit der Doppeldeutigkeit des
     mit grundlegenden Transformationsprozes-       Begriffs, der die Bedeutungen von „Ordnung“
     sen (moderner Nationalstaat, urbane Infra-     einerseits und von „Übereinkunft“ anderer-
     strukturen, Wohlfahrtssystem) auf. Charakter   seits umfasst. Das Konzept verdeutlicht, dass
     und Ausmaß heutiger Spannungen in den eu-      Ordnungen zwar sehr wohl als ein Ergebnis

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Forschungsgruppen

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                                                                                                        anderen Seite liefert es Erkenntnisse für die       plinären Kollegs „Coercion at Work“.
                                                                                                        rechtswissenschaftliche Forschung zu Trans-         Mit dem Anspruch, einen geschichtsbewuss-
                                                                                                        nationalisierungsprozessen des Arbeitsrechts.       ten Blick auf Umbrüche in der Erwerbsarbeit
                                                                                                                                                            sowie auf subjektive Wahrnehmungen und
                                                                                                        b) Zwang in der Arbeit                              Handlungsperspektiven zu werfen, verbindet
                                                                                                        In westlichen liberalen Gesellschaften wird         und verschränkt das Vorhaben arbeitsrecht-
                                                                                                        vielfach davon ausgegangen, dass Arbeit der         liche, soziologische, organisationswissen-
                                                                                                        Identitätsbildung, Statuszuweisung sowie als        schaftliche sowie historische Ansätze. Dieser
                                                                                                        Quelle von Selbstverwirklichung dient. Den-         Rahmen hat damit zum Ziel, unterschiedliche
                                                                                                        noch gilt selbst in den reichsten Teilen der        Forschungszusammenhänge an der Viadrina,
                                                                                                        Welt, dass Arbeit für viele Menschen untrenn-       die sich mit Fragen der Zukunft und Vergan-
                                                                                                        bar mit schweren Verstößen gegen grundle-           genheit von Arbeit befassen, zusammenzu-
                                                                                                        gende Arbeits- und Menschenrechte verbun-           führen und weiterzuentwickeln.
                                                                                                        den bleibt. Dieses Spannungsverhältnis ist

     Regulierungs-                                     schungsgruppe in zwei Teilprojekten zu un-
                                                       tersuchen:
                                                                                                          Regulierungsfragen transnationaler Arbeit
     fragen transna-                                   a) Die transnationale Mobilisierung von            Projektleitung:

     tionaler Arbeit
                                                       Arbeitsrechten                                     Prof. Dr. Eva Kocher (Juristische Fakultät)
                                                       Die globale Textilindustrie steht geradezu pa-     Prof. Dr. Klaus Weber (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
                                                       radigmatisch dafür, wie das Zusammenspiel
                                                       aus ungezügeltem internationalem Wettbe-           Mitglieder der Forschungsgruppe:

     Perspektiven der                                  werb sowie rechtsstaatlichen und demokrati-
                                                       schen Schwächen in den Produktionsländern
                                                                                                          Prof. Dr. Sabrina Zajak (Ruhr-Universität Bochum), Anna Heinen, LL.B., Nina Wienkoop, M.A.,
                                                                                                          Irina Mützelburg, M.A., Simon Kleineweber, M.A., Kathleen Jäger, LL.M.
     interdisziplinären                                immer wieder zur Verletzung von Arbeitsrech-
                                                       ten der dortigen Arbeitnehmer*innen führt.         Laufzeit:
     Arbeitsforschung                                  Wenig untersucht ist bislang die Bedeutung
                                                       und die Praxis transnationaler Beschwerde-
                                                                                                          Seit Januar 2017

                                                       mechanismen, mit deren Hilfe Arbeiter*innen        Publikationen (Auswahl):
     Transnationalisierungsprozesse von Arbeit         und Gewerkschaften Arbeitsrechte durch-              Heinen, Anna: Auf dem Weg zu einem transnationalen Deliktsrecht? – Zur Begründung
     werfen erhebliche und neue Regulierungs-          zusetzen versuchen. Im Rahmen des Pro-               deliktischer Sorgfalts- und Organisationspflichten in globalen Wertschöpfungsketten.
     und Durchsetzungsprobleme auf, die sich nur       jekts interessieren uns die Strategien der           In: Markus Krajewski/ Miriam Saage-Maß (Hg.): Die Durchsetzung menschenrechtlicher
     aus interdisziplinärer Perspektive angemessen     Arbeiter*innen und ihrer Unterstützungsnetz-         Sorgfaltspflichten von Unternehmen. Baden-Baden: Nomos, 2018, S. 85-123.
     untersuchen lassen. Innerhalb und außerhalb       werke bei der Auswahl und Kombination von            Weber, Klaus: Die Gefängnisindustrie in den USA – Zur Verschränkung von Arbeits-,
     der Viadrina werden die Fragen nach mittel-       Beschwerdemechanismen sowie die Wechsel-             Wohlfahrts- und Strafregime im Neoliberalismus. In: Kritische Justiz 50 (2017) 2,
     fristig stabilen, neuen Regulationsmodi von Er-   wirkungen zwischen Mobilisierungsprakti-             S. 187-194.
     werbsarbeit, deren Akteur*innen, Dynamiken,       ken, dem Rechtsverständnis der Akteur*innen          Zajak, Sabrina/ Kocher, Eva: Die Selbstregulierung von Arbeits- und Sozialstandards in
     Aushandlungsarenen und gesellschaftlichen         und der Ausgestaltung der Verfahren.                 transnationalen Wertschöpfungsketten – Rechtsschutz in privaten Beschwerdeverfahren?
     Folgen in unterschiedlichen Disziplinen und       Das interdisziplinäre Projekt soll rechts- und       In: Kritische Justiz 50 (2017) 3, S. 310-325.
     mit unterschiedlichen Erkenntnisinteressen        sozialwissenschaftliche Perspektiven in einer
     gestellt. In der Forschungsgruppe werden For-     vergleichenden, empirischen Analyse von Be-
     schungszusammenhänge an der Viadrina zu           schwerden aus Myanmar und Bangladesch
     Grenzen in der Arbeit unter den Bedingungen       verbinden. Es soll auf der einen Seite einen
     von Globalisierung und Digitalisierung in ei-     Beitrag zur Entwicklung einer Soziologie
     nem bundesweit sichtbaren Cluster „Interdiszi-    transnationaler Rechtsmobilisierung leisten,
     plinäre Arbeitsforschung“ zusammengeführt.        die den gesellschaftlichen Bedingungen der
     Die aufgeworfenen Fragen plant die For-           Rechtsmobilisierung in einer globalisierten

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2015 2017 Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION
Forschungsgruppen

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                                                                                                             mit politischen Entscheidungsträger*innen         gebnissen aus der Forschung.
                                                                                                             erprobt und verbessert werden. In 2018 und
                                                                                                             2019 wird auf Basis erster Vorstudien ein sub-    An dem in der interdisziplinären Friedens- und
                                                                                                             stanzieller Forschungsplan entwickelt, um län-    Konfliktforschung angesiedelten Projekt sind
                                                                                                             gerfristige Förderung zu gewinnen.                das Center for Peace Mediation der Viadrina,
                                                                                                                                                               das Center for Security Studies der ETH Zürich,
                                                                                                             Als Projektergebnisse sind praktische Anleitun-   das Institut swisspeace und die National Uni-
                                                                                                             gen für Vermittler*innen (in Form von Hand-       versity of „Kyiv-Mohyla Academy“ (Ukraine)
                                                                                                             büchern, Videos, Coaching-Lehrplänen) sowie       beteiligt. Die Forschungsgruppe bringt Pers-
                                                                                                             wissenschaftliche Publikationen geplant. Ein      pektiven aus Politikwissenschaft, Politischer
                                                                                                             Sound & Advisory Board mit Mitgliedern aus        Philosophie, Angewandter Ethik, Völkerrecht,
                                                                                                             Wissenschaft, Praxis und Forschung hilft bei      Soziologie und Wirtschaftswissenschaft zu-
                                                                                                             der Validierung der Ergebnisse. Besonderes        sammen.
                                                                                                             Augenmerk liegt hierbei auf der Praxisrelevanz

     Tough                                                politscher Einflussnahme zu schützen. Wie in
                                                          diesem Beispiel kollidieren in solchen Dilem-
                                                                                                               Tough Choices

     Choices                                              mata oft sehr heterogene Handlungsnotwen-
                                                          digkeiten politischer, strategischer, ökono-
                                                          mischer, sicherheitstechnischer, moralischer,
                                                                                                               Projektleitung:
                                                                                                               Dr. Anne Isabel Kraus (Europa-Universität Viadrina)
                                                          ethischer, rechtlicher oder kultureller Natur.       Dr. Simon Mason (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich)

     Dilemmas and Deci-                                   Die Denkfolie von „B/Orders in Motion“ er-
                                                          möglicht es in diesem Projekt zu eruieren, wie       Mitglieder der Forschungsgruppe:
     sions in Peacemaking                                 sogenannte „rote Linien“ für Entscheidungen
                                                          in Dilemma-Situationen konzeptualisiert,
                                                                                                               Prof. Dr. Lars Kirchhoff, Dr. Christian Hochmuth, Dr. Jonas Ecke (EUV)
                                                                                                               Owen Frazer, Valerie Sticher, Angela Ullmann (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich)
                                                          identifiziert und operationalisiert werden           Dr. Sara Hellmüller, Julia Palmiano-Federer (swisspeace)
     Vermittler in Friedensprozessen – seien es           können, um zu markieren, welche Entschei-            Dr. Tatiana Kyselova (Kyiv-Mohyla Akademie, Kiew)
     Diplomat*innen oder Vertreter*innen der Zi-          dungen betroffenen Akteur*innen oder dem
     vilgesellschaft – müssen ständig schwierige          Konfliktsystem als Ganzem einen nicht trag-          Laufzeit:
     Entscheidungen treffen. Einige dieser Ent-           bzw. rechtfertigbaren Schaden zufügen wür-           2018 - 2019
     scheidungen sind besonders herausfordernd,           den. Negative Folgeerscheinungen wären für
     weil sie komplexe Dilemmata beinhalten:              Vermittler*innen besser kalkulierbar und ver-        Publikationen:
     Zwei oder mehrere Handlungsimperative er-            meidbar, wenn solche Grenzen klar normativ           Die derzeit entstehenden Publikationen befanden sich zum Drucktermin des
     scheinen gleichermaßen zwingend, aber nicht          abgegrenzt oder zumindest fallspezifisch iden-       Jahresberichts noch im Arbeitsprozess und werden nach Erscheinen auf der
     gleichzeitig erfüllbar, sodass alle realisierbaren   tifizierbar wären.                                   Projektwebseite zu finden sein.
     Handlungsoptionen potenziell negative Konse-
     quenzen haben. Die Entscheidungsfindung von          Ziel des Projekts ist es, die Entscheidungsfin-
     vermittelnden Drittparteien in solchen Dilem-        dungsprozesse von Drittparteien in Dilemma-
     ma-Situationen ist Gegenstand dieses Projekts.       Situationen – vor allem mit Blick auf verwende-
     Ein Beispiel aus einer Fallstudie des Projekts       ­te Strategien und Ergebnisse sowie deren Effek-
     zu Kolumbien: Um die für einen Friedenspro-           te für betroffene Personen – besser zu verste-
     zess notwendige öffentliche Unterstützung             hen und ein handlungsorientiertes Gerüst für
     zu gewinnen, muss beispielsweise Inhalt und           Friedensvermittler*innen zur Analyse von und
     Fortgang der Verhandlungen transparent an             zum Umgang mit Dilemmata zu entwickeln.
     die Öffentlichkeit kommuniziert werden, an-           Dieses Gerüst wird sich auf Erfahrungswissen
     dererseits müssen Prozessinhalte vertraulich          aus der Praxis, themenbezogene Forschung
     gehalten werden, um Unterhändler*innen vor            sowie auf Modelle und Theorien der Entschei-
     strategischen Nachteilen und den Prozess vor          dungsfindung stützen und in Zusammenar-

14                                                                                                                                                                                                               15
Forschungsprojekte

Drittmittel-finanzierte Projekte                                                   36   Thresholds of Entrepreneurship
                                                                                   37   Ukraine als Grenzland in rechtshistorischer Perspektive
18   Collective Bargaining and Representativeness of Temporary Workers in Europe
19   Die Effektivität des EU-Rechts in der Krise der EU
20   Grenzüberschreitende Besteuerung von Personengesellschaften                   Seed Money-Projekte 2015
21   Koordination selbstständiger Unselbstständigkeit                              38   Cosmopolitan Responsibility and its Institutionalization
22   „Pensées Françaises Contemporaines“-Gastprofessuren                           38   Effektivität als Rechtsprinzip
23   Wissen ist Macht                                                              39   Grenzen als europäischer Erinnerungsort
24   Zeitlandschaften des Kalten Krieges                                           39   KORN – Kosmopolitisches Rechtsregime für Neoernährungssouveränität?
                                                                                   40   Kulturtourismus 2.0
Viadrina-finanzierte Projekte                                                      40   Multimodal Constructions of Threat in Populist Discourse
                                                                                   41   Ungleichzeitigkeiten in der Moderne
25   Cross Cultural Compliance
                                                                                   41   Wissen ist Macht
26   EVTZ-Kompetenzzentrum
27   Grenzen in Gesprächen wahrnehmen und diskursiv verhandeln
28   Grenzen, Kriege und Kongresse                                                 Assoziierte Projekte
29   Grenzmanagement in triadischen Aushandlungsprozessen                          42   Frankfurt (Oder) im Ersten Weltkrieg
30   Temporale Grenzen der Gegenwart                                               42   The Globalized Periphery (1680 - 1850)
                                                                                   43   Grenzgänge(r) der Wissenschaft zwischen Deutschland und Polen
Seed Money-Projekte 2016                                                           43   Das Indernet – Eine Ethnographie
                                                                                   44   Transnationale Mobilität im östlichen Europa
31   AGREU 2020
32   Ambivalenzen der Europäisierung
33   BEPS – eine multidimensionale Analyse von Steuergestaltungen
34   Entgrenzter Kapitalismus
35   Thinking from the Edges
Forschungsprojekte

     Drittmittel-finanzierte Projekte

     The Collective Bargaining and
     Representativeness of Temporary                                                                     Die Effektivität des EU-Rechts
     Workers in Europe. Development and                                                                  in der Krise der Europäischen
     Reinforcement of Industrial Relations                                                               Union – Jean Monnet Centre
     Systems in Response to Changes in                                                                   of Excellence
     the European Labour Market

     An der Viadrina wurde ein Teilprojekt im Rah-       verschiedenen Gruppen temporär Beschäftig-      Das Jean Monnet-Centre of Excellence zur            EfEU-Programm erstens durch das neue Trans-
     men eines von der italienischen Forschungs-         ter erfasst und deren Vertretung ausgelotet.    Effektivität des EU-Rechts in der Krise (EfEU       fer-Format der Business- und Public Policy-
     organisation Centro di Studi Sociali Economici      Dazu wurde eine Bestandsaufnahme der Si-        [engl.: Ivy]) analysiert das vom Europäischen       Workshops, zweitens durch die Untersuchung
     e Sindacali (CESOS) srl Impresa Sociale koordi-     tuation in den Ländern der antragstellenden     Gerichtshof entwickelte Effektivitätsprinzip        neuer Durchsetzungsmechanismen (Corpo-
     nierten Verbundes durchgeführt. Das Projekt         Institutionen vorgenommen. Basierend auf        in seiner rechtlichen, kulturellen, politischen     rate Social Responsibility, Corporate Com-
     widmete sich den Herausforderungen für das          Daten von Eurostat sowie auf Gesprächen         und ökonomischen Dimension in der Krise der         pliance und Financial Literacy) und drittens
     europäische System der industriellen Bezie-         mit Sachverständigen und Vertreter*innen        EU. Das Thema verspricht wissenschaftliche          durch den angestrebten Effektivitätsvergleich:
     hungen, die sich aus den Umbrüchen auf dem          der sozialen Partner sollten Muster erkannt     Erkenntnis zu der Frage, ob das Effektivitäts-      Bisher wird Effektivität immer nur isoliert be-
     europäischen Arbeitsmarkt ergeben. Beschleu-        und Schwächen im System der industriellen       prinzip gerechtfertigt ist und wie EU-Recht in-     züglich einzelner Politiken thematisiert. Das
     nigt durch die Euro- und Finanzkrise kam es         Beziehungen in Hinblick auf zeitlich einge-     und außerhalb der EU durchgesetzt werden            EfEU-Projekt berücksichtigt Erfahrungen aus
     zu einer zunehmenden Verbreitung atypi-             schränkte, atypische Beschäftigungsverträge     kann. Die EU als Rechtsgemeinschaft ist auf         unterschiedlichen Politikbereichen, so dass ein
     scher Arbeitsverträge. Dies führte auch auf         identifiziert werden. Schließlich wurden Emp-   eine immer engere Union festgelegt. Die In-         übergreifender, neuer Instrumentenkasten
     dem Arbeitsmarkt zu Grenzverschiebungen,            fehlungen und Strategien zur Verbesserung       tegrationslogik des Rechts wird jedoch in der       für die Durchsetzung von EU-Recht entsteht.
     insbesondere zwischen normalen und atypi-           der Absicherung bei befristeten Beschäfti-      Krise der EU radikal in Frage gestellt und trifft
     schen Arbeitsverhältnissen. Arbeitgeber- und        gungsverhältnissen sowie bei Zeitarbeit for-    mit aller Härte auf die Souveränitätslogik na-      Dieses Drittmittelprojekt konnte erfolgreich
     Arbeitnehmerorganisationen als Vertreter der        muliert.                                        tionaler Politik (siehe nur die Brexit-Debatte).    eingeworben werden im Rahmen der Seed
     industriellen Beziehungen müssen sich den                                                           In diesem Spannungsverhältnis steht die             Money-Förderung der Projektentwicklung
     Herausforderungen stellen, die sich durch die       Das Teilprojekt konnte erfolgreich eingewor-    Frage nach den richtigen Instrumenten zur           „Effektivität als Rechtsprinzip der Europäi-
     Digitalisierung und die dynamisch neu gebil-        ben werden im Rahmen der Seed Money-            Durchsetzung des EU-Rechts. Innovativ ist das       schen Union“.
     deten, arbeitsteiligen Arbeitsformen ergeben.       Förderung der Projektentwicklung „New B/
                                                         Orders of Social Europe in the Course of the
     Während der 18 geförderten Monate wurde             Euro Crises – Property, the Welfare State and
     in dem Projekt zunächst die aktuelle Lage der                                                         Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Brömmelmeyer (Juristische Fakultät)
                                                         Distributive Justice“.

                                                                                                           Mitglieder: Prof. Dr. Matthias Pechstein, Prof. Dr. Carsten Nowak, Prof. Dr. Ulrich Häde,
                                                                                                           Prof. Dr. Ines Härtel, Prof. Dr. Wolff Heintschel von Heinegg, Prof. Dr. Gudrun Hochmayr,
       Projektleitung: Prof. Dr. Jens Lowitzsch (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)                    Prof. Dr. Oliver Knöfel, Prof. Dr. Eva Kocher, Prof. Dr. Carmen Thiele

       Mitarbeiter: Gyula Kocsis                                                                           Förderorganisation: Europäische Kommission, Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles
                                                                                                           und Kultur, Erasmus+ Programm
       Förderorganisation: Europäische Kommission, Generaldirektion EMPL Beschäftigung,
       Soziales und Integration                                                                            Laufzeit: September 2016 – September 2019

       Laufzeit: Dezember 2014 – Mai 2016                                                                  Publikationen (Auswahl):
                                                                                                             Brömmelmeyer, Christoph: Selektive Vertriebssysteme und Marktplatzverbote für
                                                                                                             Luxusartikel. In: Neue Zeitschrift für Kartellrecht (NZKart) 6 (2018) 2, S. 62.

18                                                                                                                                                                                                             19
Drittmittel-finanzierte Projekte

     Grenzüberschreitende Besteuerung                                                                      Koordination selbstständiger
     von Personengesellschaften und                                                                        Unselbstständigkeit:
     deren Wirkung auf Investitionen
     in Mittel- und Osteuropa: Aktuelle
                                                                                                           Erwerbsarbeit jenseits
     Herausforderungen im Rahmen                                                                           der Organisation im
     von BEPS und empirische Evidenz                                                                       Internetzeitalter

     Die grenzüberschreitende Besteuerung von            sellschaften in der Europäischen Union mit        Digitale Technologien verändern Arbeitswel-        denzformen unterliegen. Mächtige Plattfor-
     Personengesellschaften, insbesondere im             einem besonderen Fokus auf die jüngeren           ten und damit auch herkömmliche Grenzzie-          men gestalten die Arbeitsprozesse quasi „wie
     Hinblick auf mittel- und osteuropäische Län-        Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Wirkun-       hungen zwischen selbstständiger und abhän-         Arbeitgeber“, was das Arbeits- und Wirtschafts-
     der, steht bisher nur wenig im Fokus der wis-       gen grenzüberschreitender Sachverhalte in-        giger Arbeit. Im Crowdworking spitzen sich         recht vor große Herausforderungen stellt.
     senschaftlichen Literatur. Nichtsdestotrotz         tensiv zu beleuchten. Konkret soll untersucht     die Fragen von Autonomie und Kontrolle in
     gewinnt das Thema u.a. durch die Finalisie-         werden, wie in den jüngeren Mitgliedstaaten       besonderer Weise zu. In unserem interdiszip-       Nach einem erfolgreichen Verlängerungs-
     rung der OECD-Initiative „Base Erosion and          die steuerlichen Vorschriften für Personenge-     linären Forschungsprojekt konnten wir an un-       antrag können wir nun unsere Forschungs-
     Profit Shifting“ (BEPS) zunehmend an Be-            sellschaften bei grenzüberschreitender Tätig-     terschiedlichen Materialien – Interviews, AGBs,    fragen auf die besonderen Bedingungen des
     deutung. Darin inkludierte steuerliche Prob-        keit unilateral und bilateral ausgestaltet sind   statistischen Daten – differenzierte Einsichten    komplexen Crowdworking zuspitzen.
     lemstellungen resultieren insbesondere aus          und welche Qualifikationskonflikte im Detail      in die Formen, Interaktionsordnungen und Re-
     auftretenden Qualifikationskonflikten unter         auftreten.                                        gulierungsbedürfnisse des Crowdworking ge-         Dieses Drittmittelprojekt konnte erfolgreich
     der Verwendung hybrider Rechtsträger. Die                                                             winnen. Wir haben festgestellt, dass einfaches     eingeworben werden im Rahmen der Seed
     dafür ursächlichen Divergenzen staatlicher          Dieses Drittmittelprojekt konnte erfolgreich      und komplexes Crowdworking unterschiedli-          Money-Förderung der Projektentwicklung
     Rechtsauffassungen können bei geschickter           eingeworben werden im Rahmen der Seed             chen Koordinationslogiken folgen und sich die      „Grenzen der Erwerbsarbeit im Wandel –
     Restrukturierung dazu genutzt werden, die           Money-Förderung der Projektentwicklung            kooperativen Formen des letzteren am Markt         Transdisziplinäre Forschung zu Subjekt, Or-
     Steuerlast der beteiligten Akteure deutlich         „Base Erosion and Profit Shifting – eine mul-     durchsetzen. Bezüglich der Crowdworker*innen       ganisation und Recht“ und der Forschungs-
     zu reduzieren. Es ist daher das Ziel dieses         tidimensionale Analyse von Steuergestaltun-       zeigt sich, dass sie zwischen den Logiken          gruppe „Regulierungsfragen transnationaler
     Projekts, die Besteuerung von Personenge-           gen in Mittel- und Osteuropa“.                    des Marktes und der Organisation „einge-           Arbeit – Perspektiven der interdisziplinären
                                                                                                           klemmt“ sind und vielfältigen Interdepen-          Arbeitsforschung“.

       Projektleitung:
       Prof. Dr. Christina Elschner (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)                                  Projektleitung:
       Prof. Dr. Stephan Kudert (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)                                      Prof. Dr. Eva Kocher (Juristische Fakultät)
                                                                                                             Prof. Dr. Anna Schwarz (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
       Mitarbeiter: Marcel Max, M. Sc., Martin Schewe, M. Sc.                                                Prof. Dr. Jochen Koch (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

       Förderorganisationen: Ernst & Young Stiftung e.V., Mebus Pleuger-Stipendienfonds                      Mitarbeiter*innen: Isabell Hensel, Dr. Daniel Schönefeld, Elgen Sauerborn, M.A., Imke Rickert

       Laufzeit: 2016 - 2018                                                                                 Förderorganisation: Fritz Thyssen Stiftung

       Publikationen (Auswahl):                                                                              Laufzeit: 2015 - 2019
         Kudert, Stephan/ Kahlenberg, Christian: Bekämpfung von Besteuerungslücken auf Kosten
         der Rechtssicherheit – Aufruf an den Gesetzgeber zur Reformierung des § 4i EStG. In:                Publikationen (Auswahl):
         Steuer und Wirtschaft (StuW) 94 (2017) 4, S. 344-360.                                                 Hensel, Isabell/ Koch, Jochen/ Kocher, Eva/ Schwarz, Anna: Crowdworking als Phänomen
         Kudert, Stephan/ Schade, Filip: Steuerliche Behandlung von Beteiligungsveräußerungen                  der Koordination digitaler Erwerbsarbeit. Eine interdisziplinäre Perspektive. In:
         an deutschen Immobilienpersonengesellschaften im Abkommensrecht. In: Internationales                  Industrielle Beziehungen 23 (2016) 2, S. 162-186.
         Steuerrecht (IStR) 27 (2017) 15, S. 605-613.

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Drittmittel-finanzierte Projekte

                                                                                                         „Wissen ist Macht“: Grenzen
     „Pensées Françaises                                             PENSEES
                                                                                                         der Politikberatung und des
     Contemporaines“ –                                            FRANCAISES                             Lobbyismus im politischen
     Gastprofessuren                                         CONTEMPORAINES                              Entscheidungsprozess

     Das Projekt „Pensées Françaises Contempo-          Dr. habil. Nicolas Offenstadt                    Im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses steht     gänge sowie um die Frage nach dem Einfluss
     raines“ stärkt die Auseinandersetzung mit          „Pensées Françaises Contemporaines“-Gastpro-     bei diesem Forschungsprojekt die Frage nach       von Berater*innen und Lobbyist*innen auf
     der Vielfalt französischen wissenschaftlichen      fessur an der EUV im Wintersemester 2015/16      den Grenzen zwischen der wissenschaftli-          die politischen Entscheidungen. Darüber hi-
     Denkens in Lehre und Forschung an der Via­         und Sommersemester 2016 und DAAD-Gast-           chen Politikberatung und dem Lobbyismus           naus stehen die Strukturen sowie die gesetz-
     drina. Dank einer Finanzierung durch den           professor am Master Europäische Studien der      sowie deren Rolle in der Praxis der politi-       lichen Regelungen im Bereich der politischen
     DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums            EUV im Wintersemester 2016/17 und im Som-        schen Entscheidungsfindung. Dabei werden          Beratung, der Gegenstand der Beratung, die
     für Bildung und Forschung (BMBF) konnten           mersemester 2017                                 die Strukturen der Politikberatung und ihre       Aufgaben und Arbeitsweisen sowie die Rekru-
     zwei Wissenschaftler der Université Paris 1        Nicolas Offenstadt ist Dozent für mittelal-      Funktionsweise sowie das Zustandekommen           tierung und die Kommunikationsweisen un-
     Panthéon-Sorbonne Gastprofessuren an der           terliche Geschichte und Mediävistik an der       der inhaltlichen Grundlagen für die Ent-          terschiedlicher Berater*innen im Fokus dieses
     Viadrina wahrnehmen:                               Université Paris 1. Als Inhaber der Viadrina-    scheidungsfindung in Deutschland und Po-          Forschungsvorhabens.
                                                        Gastprofessur bot er Lehrveranstaltungen zur     len umfassend untersucht und vergleichend
     Prof. Dr. Bruno Amable                             Erinnerung an den Ersten und den Zweiten         analysiert. Das besondere Augenmerk richtet       Dieses Drittmittelprojekt konnte erfolgreich
     DAAD-Gastprofessor am Master Europäische           Weltkrieg sowie zur geschichtspolitischen Ins-   sich dabei zum einen auf die Differenzierung      eingeworben werden im Rahmen der Seed
     Studien der EUV im Wintersemester 2015/16          trumentalisierung von Geschichte in Deutsch-     zwischen der wissenschaftlichen Politikbe-        Money-Förderung der Projektentwicklung
     und im Sommersemester 2016                         land, Frankreich und Osteuropa an. Aus dem       ratung und dem Lobbyismus. Zum anderen            „‚Wissen ist Macht‘: Grenzen der politischen
     Bruno Amable, vormals Professor für Volks-         gemeinsam mit Prof. Dr. Rita Aldenhoff-Hü-       geht es um die Maßstäbe für die Legitimität       Beratung und des Lobbyismus im politischen
     wirtschaft an der Université Paris 1, führte       binger (EUV) durchgeführten Seminar „So-         und Legalität unterschiedlicher Beratungsvor-     Entscheidungsprozess“.
     im Rahmen seiner einjährigen Gastprofessur         zialismus aufbauen. Das Beispiel Frankfurt
     an der Viadrina mehrere Veranstaltungen            (Oder)“ ging die Ausstellung „Éclats DDR – RDA
     auf den Gebieten der politischen Ökonomie          Splitter“ mit einer begleitenden Vortragsreihe
     und der ökonomischen Politik, der Institutio-                                                         Projektleitung:
                                                        am Institut Français Berlin hervor.
     nenökonomie sowie über die verschiedenen                                                              Prof. Dr. Michael Minkenberg (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
     Formen und Ausformungen des Kapitalismus                                                              Dr. Artur Kopka (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
                                                        Diese Drittmittelprojekte konnten erfolg-
     durch. Seit August 2016 hat Bruno Amable eine                                                         Prof. Dr. Dorota Piontek (Adam Mickiewicz University Poznań)
                                                        reich eingeworben werden im Rahmen der
     Professur am Département d’Histoire, Écono-        Seed Money-Förderung der Projektentwick-
     mie et Société der Université de Genève inne.                                                         Förderorganisationen: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS), Stiftung für
                                                        lung „Pensées Françaises Contemporaines –
                                                                                                           Deutsch-Polnische Zusammenarbeit (SDPZ)
                                                        Die Transformation von Wissensordnungen
                                                        und Wissensgrenzen“.
                                                                                                           Laufzeit: Oktober 2016 – September 2018

                                                                                                           Wichtige Ereignisse:
       Projektleitung: Prof. Dr. Timm Beichelt (Kulturwissenschaftliche Fakultät)                           26. - 27.10.2016, 07.04.2017 und 26.06.2018: Projektworkshops, Collegium Polonicum
                                                                                                            in Słubice (CP)
       Förderorganisation: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)                                    Wintersemester 2016/17, Sommersemester 2017 und Wintersemester 2017/18:
                                                                                                            Deutsch-polnisches Lehrprojekt mit parallelen Seminaren zum Thema „Politikberatung
       Laufzeit: WiSe 2015/16 – SoSe 2016 (Gastprofessur Bruno Amable)                                      und Lobbyismus im politischen Entscheidungsprozess im deutsch-polnischen Vergleich“
       WiSe 2016/17 – SoSe 2017 (Gastprofessur Nicolas Offenstadt)                                          an der Adam Mickiewicz University Poznań, der University of Warsaw und der EUV.
                                                                                                            26.10.2018: Abschlusskonferenz „Politikberatung und Lobbyismus im politischen
                                                                                                            Entscheidungsprozess“, CP

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Drittmittel-finanzierte Projekte                                                                    Forschungsprojekte

                                                                                                         Viadrina-finanzierte Projekte

     Zeitlandschaften. Transnationale                                                                    Cross Cultural Compliance.
     Vergangenheitsdiskurse und                                                                          Crossing Borders in
     Zukunftsentwürfe am Ende                                                                            Implementing Orders in
     des Kalten Krieges                                                                                  Global Enterprises

     Wie nahmen polnische Historiker*innen den          Im Rahmen einer Promotionsarbeit an der          Organisationen jeder Art und Größe sind             unter Beachtung der soziokulturellen Unter-
     bundesdeutschen „Historikerstreit“ wahr?           Viadrina werden transnationale Netzwerke         dazu angehalten, die durch ihre Aktivitäten         schiede in diversen gesellschaftlichen Kon-
     Welche unterschiedlichen Identitätszuschrei-       französischer, polnischer und deutscher In-      verursachten Risiken von Regelbrüchen ent-          texten, verfolgt werden. Während kulturelle
     bungen erhielt Jan Karski in der Erinnerung an     tellektueller analysiert, die Zukunftsvorstel-   sprechend zu steuern, um geltende Verpflich-        Grenzen einen der Schwerpunkte des Projek-
     den Holocaust? Und wie haben sich Intellektu-      lungen für ein blockfreies Europa entwarfen.     tungen einzuhalten. In der Regel erfolgt dies       tes bildeten, lag ein weiterer Schwerpunkt
     elle in Ost und West über eine nicht-bipolare      Der Kooperationspartner Europejski Centrum       über die Implementierung eines Compliance           auf der Beantwortung der Frage, wie sich die
     Ordnung Europas und die Zukunft nach dem           Solidarności sammelt und digitalisiert the-      Management Systems (CMS). Solche Systeme            Grenzen zwischen Regulierer (Gesetzgeber)
     Ende des Kalten Krieges verständigt? Das Pro-      menbezogene Materialien im Rahmen eines          haben zum Ziel, in Organisationen eine nach-        und Reguliertem (Organisationen, darunter
     jekt untersucht die blockübergreifende Zirku-      Archivstipendiums.                               haltige Kultur der Regeleinhaltung, eine so-        insbesondere Unternehmen) durch die Com-
     lation von Vorstellungen über Vergangenheit                                                         genannte „Compliance-Kultur“, zu etablieren.        pliance-Entwicklung verschieben. Neben den
     und Zukunft im Kalten Krieg. Es fragt danach,      Dieses Drittmittelprojekt konnte erfolgreich     Im Mittelpunkt eines CMS stehen somit Men-          inhaltlichen Erträgen konnten in dem Pro-
     wie die bipolare Ordnung dieser Ära Ge-            eingeworben werden im Rahmen der Seed            schen und ihre Werte.                               jekt weitere Ziele nachhaltig erreicht werden:
     schichtsdebatten und Zukunftsentwürfe be-          Money-Förderung der Projektentwicklung                                                               So wurde das Digitalisierungskonzept unter
     einflusste. Zudem will es das politisch-kultu-     „Grenzen in den Erinnerungen – Grenzen der       Eine besondere Herausforderung für ein CMS          www.compliance-academia.org         umgesetzt
     relle „Erbe“ des Kalten Krieges identifizieren,    Erinnerungen. Borders als europäischer Erin-     ergibt sich dann, wenn die Lösungen grenz-          und es konnten das internationale Tagungs-
     das auch noch in der Gegenwart die Verstän-        nerungsort“.                                     überschreitend implementiert werden, d.h.           format „Compliance Across …“ sowie exzellen-
     digungsprozesse über eine gemeinsame eu-                                                            wenn gleiche Ziele über Grenzen hinweg, also        te Netzwerke etabliert werden.
     ropäische Erinnerung sowie über die Zukunft
     der europäischen Gesellschaften prägt.

                                                                                                           Projektleitung: Prof. Dr. Bartosz Makowicz (Juristische Fakultät)

       Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Weber (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
                                                                                                           Mitarbeiter: Dr. Bartosz Jagura, LL.M.
       Prof. Dr. Thomas Serrier (Université de Lille)
                                                                                                           Laufzeit: April 2014 – Dezember 2017
       Mitarbeiter: Mike Plitt, M.A.
                                                                                                           Publikationen (Auswahl):
       Förderorganisation: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS)
                                                                                                             Makowicz, Bartosz: The Global Compliance Management System: A Practical Approach
                                                                                                             to Compliance across Cultures. In: Business Compliance 6 (2015), S. 35-44.
       Laufzeit: Juli 2016 – Dezember 2018
                                                                                                             Makowicz, Bartosz (Hg.): Compliance across Europe. Cross Cultural Compliance.
                                                                                                             Beihefter zu Compliance-Berater 71 (2017) 1-2.
       Publikationen (Auswahl):
                                                                                                             Makowicz, Bartosz (Hg.): Cross Cultural Compliance. Frankfurt am Main:
         Plitt, Mike/ Serrier, Thomas: Les lendemains qui (dé)chantent. In: Etienne François/
                                                                                                             Deutscher Fachverlag, i.E.
         Thomas Serrier (Hg.): Europa. Notre histoire – L’héritage européenne depuis Homère.
         Paris: Éditions Les Arènes, 2017, S. 137-147.

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Viadrina-finanzierte Projekte

     Entgrenzung von Grenzregionen –
     Der Europäische Verbund für                                                                             Grenzen in Gesprächen
     territoriale Zusammenarbeit (EVTZ)                                                                      wahrnehmen – Grenzen
     als Instrument der territorialen                                                                        diskursiv verhandeln.
     Kooperation von Kommunen in Europa
     (EVTZ-Kompetenzzentrum)
                                                                                                             VIAgg nad odrą

     Das Hauptziel des Projekts bestand in der             In politikwissenschaftlicher Hinsicht wurde       Das für drei Jahre geförderte Graduiertenkol-      und andererseits empirisch durch die geteilte
     interdisziplinären Erforschung des Euro-              dagegen der Frage nachgegangen, mit wel-          leg konstituierte sich im Februar 2014 und         Entscheidung, Sprachdaten als Grundlage der
     päischen Verbundes für territoriale Zu-              chen Motiven und Zielen die verschiedenen         kreiste um die Bündelung der Promotions-           Arbeiten zu wählen, gewährleistet. Neben der
     sammenarbeit (EVTZ), der im Jahr 2006                 EVTZ gegründet werden, welchen Mehrwert           projekte von Dominik Gerst zur „Sprachlichen       Bearbeitung der Promotionsvorhaben stand
     als ein unionales Rechtsinstrument für die           ein EVTZ für seine Mitglieder sowie für eine     Grenzarbeit im deutsch-polnischen Sicher-          die gemeinsame begriffliche und theoretische
     grenzüberschreitende Kooperation von öffent-         Informations- und Zivilgesellschaft mit sich      heitsfeld“, von Maria Klessmann zu „Komple-        Auseinandersetzung mit Fragen der Grenz-
     lichen Einrichtungen eingeführt wurde. Die            bringen kann.                                     xen Zugehörigkeiten und Grenzziehungen             forschung im Zentrum. Die Publikation der
     Projektpartner untersuchten insbesondere die                                                            in Gesprächen“ und von Slavena Korsun zu           Dissertationen wird im Rahmen der bei Peter
     Zusammenhänge und gegenseitigen Wech-                 Ferner wurde auch untersucht, ob und wie          „Arts vs. Business: Top-Down and Bottom-Up         Lang positionierten Reihe „Linguistic Const-
     selwirkungen juristischer und politikwissen-          der EVTZ im EU-Mehrebenensystem (multi­           Approaches to Pop-Up Retail“. Klammerung           ruction of Social Boundaries: Identities and
     schaftlicher Art bei der grenzüberschreiten-          level governance) zu verorten ist. Relevant war   und Austausch zwischen den drei thematisch         Belonging“ bzw. der Schriftenreihe „Border
     den interkommunalen Kooperation.                      zudem die Frage, ob die Errichtung solcher        nur teilweise überlappenden Projekten wur-         Studies. Cultures, Spaces, Orders“ beim NO-
                                                           grenzüberschreitender Strukturen und die         den einerseits theoretisch durch den Bezug         MOS Verlag angestrebt.
     Die Forschungstätigkeit im rechtswissen-              damit einhergehende Aufgabenübertragung           zur Grenztheorie von „B/Orders in Motion“
     schaftlichen Bereich konzentrierte sich vor           eine gewisse Erosion der Befugnisse von EU-
     allem auf folgende Bereiche: den Rechtscha-           Mitgliedstaaten bzw. ihren Untergliederun-
     rakter eines EVTZ, seine Aufgaben, die Mög-           gen bewirken kann.
     lichkeiten und Schranken für seine Errichtung                                                            Projektleitung:
     in den einzelnen mitgliedstaatlichen Rechts-                                                              Prof. Dr. Konstanze Jungbluth (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
     ordnungen und den Vergleich mit anderen                                                                   Prof. Dr. Nicole Richter (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
     Rechtsformen territorialer Zusammenarbeit.                                                                Prof. Dr. Florian Dost (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

                                                                                                               Mitarbeiter*innen: Dominik Gerst, M.A., Maria Klessmann, M.A., Slavena Korsun, M.A.

       Projektleitung: Dr. iur. Marcin Krzymuski (Juristische Fakultät)                                        Laufzeit: Februar 2014 – Mai 2017

       Wissenschaftlicher Rat:                                                                                 Publikationen (Auswahl):
       Prof. Dr. Matthias Pechstein (Juristische Fakultät)                                                       Gerst, Dominik/ Klessmann, Maria: Multilingualism and Linguistic Demarcations
       Prof. Dr. Jürgen Neyer (Kulturwissenschaftliche Fakultät)                                                 in Border Regions. The Linguistic Border Landscape of the German-Polish Twin Cities
       Prof. Dr. Carsten Nowak (Juristische Fakultät)                                                            Frankfurt (Oder) and Słubice. In: Rhetorics and Communications E-Journal, 5 (2015) 15.
                                                                                                                 Jungbluth, Konstanze/ Rosenberg, Peter/ Zinkhahn-Rhobodes, Dagna (Hg.): Linguistic
       Mitarbeiter: Peter Ulrich, M.A., Ass. iur. Philipp Kubicki                                                Construction of Ethnic Borders. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2015. Darin: Klessmann,
                                                                                                                 Maria: Roma School Mediation in Germany – Its Effects and Limitations, S. 95-112.
       Laufzeit: Januar 2014 – September 2017                                                                    Bossong, Raphael/ Gerst, Dominik/ Klessmann, Maria/ Kerber, Imke/ Krämer, Hannes/
                                                                                                                 Ulrich, Peter: Complex Borders: Analytical Problems and Heuristics. In: Elżbieta Opiłowska/
       Publikationen (Auswahl):                                                                                  Zbigniew Kurcz/ Jochen Roose (Hg.): Advances in European Borderlands Studies.
         Krzymuski, Marcin/ Kubicki, Philipp: EVTZ/2.0 – Neue Chance für die grenzübergreifende                  Baden‑Baden: Nomos, 2017, S. 64‑85.
         Zusammenarbeit öffentlicher Einrichtungen? In: Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht
         (NVwZ) 33 (2014) 20, S. 1338-1344.

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