BABS 21/22 November 2021 - Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS
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Impressum BABS 21/22, November 2021 Herausgeber Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Produktion und Koordination Andreas Bucher, Kommunikation BABS Redaktionsteam S. Walker, L. Studer, S. Kehrli, C. Fuchs, J. Höhn Übersetzungen und Lektorat Sprachdienste BABS Layout Zentrum elektronische Medien ZEM, Bern Kontakt Bundesamt für Bevölkerungsschutz Kommunikation, Guisanplatz 1B, CH-3003 Bern Telefon +41 58 462 51 85, info@babs.admin.ch, www.babs.admin.ch Bildnachweis Titelbild: BABS; S. 3, Karikatur Vincent L’Epée; S. 7, 9, 15, 16, 17, 18, 36, 37: BABS; S. 10: SSCM/Julie Masson; S. 11: ZSO Nidau plus; S. 22, 23: Jan Krähenbühl, BIM Manager BABS; S. 24: Aargauer Kantonsbibliothek; S. 34–35: Mirjam Zurbrügg Fotografie; S. 39–40, 51: Keystone; S. 46: CSD Ingenieure AG; S. 51: TBA GR; S. 56: ZEM Media Nachdruck Beiträge und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Nachdrucke sind mit der Redaktion zu vereinbaren. Das Magazin ist auch als PDF und E-Paper verfügbar unter www.babs.admin.ch/magazin
1 Inhalt Editorial2 Jahresrückblick 2021 4 – Nationale Alarmzentrale NAZ 6 – Labor Spiez 8 – Zivilschutz10 Laufende Projekte 12 – Eine Schutzmassnahme für die kulturhistorische Vielfalt 14 – Sichere Kommunikationssysteme – der Schlüssel zur erfolgreichen Ereignisbewältigung 20 – Die Planung von Schutzanlagen wird digital 22 – Erkenntnisse aus der Risiko- und Trendanalyse für den Schweizer Bevölkerungsschutz 24 – Drei Jahre Alertswiss 30 – 1985-2025: Der Weg zum modernen Ausbildungszentrum 34 Bevölkerungsschutzkonferenz38 – Klimawandel im Alpenraum – Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz 41 – Risikomanagement Naturgefahren im Kanton Graubünden 46 – OWARNA - vom Projekt zur dynamischen Entwicklung 52 Vorschau 2022 – Wer misst die Radioaktivität? 54 – Wasseralarm!56 – Jahreskalender Bevölkerungsschutz 2022 58 Zeitschrift Bevölkerungsschutz 2008–2020 59 Das BABS 60
BABS 21/22
Editorial 2
Liebe Leserin,
lieber Leser
Sie halten zum ersten Mal seit Frühling 2020 wieder ein Magazin des BABS in den
Händen. Angesichts der besonderen Situation zu Beginn der Corona-Pandemie
sahen wir uns dazu veranlasst, die Erscheinungsweise unserer Publikationen zu
überdenken. Unter Berücksichtigung der Digitalisierungsstrategie des Bundes
sowie des allgemeinen Trends in Richtung «online» haben wir entschieden,
das Magazin zwar noch einmal im Jahr zu publizieren – aber in veränderter Form.
Michaela Schärer, Direktorin BABS
Unser neukonzipiertes Magazin «BABS 21/22» kon- rische Inventar der Kulturgüter von nationaler und
zentriert sich auf drei Elemente: eine Jahresbilanz regionaler Bedeutung (KGS-Inventar), das 2022 in
2021 des BABS, eine Übersicht unserer laufenden vierter Version publiziert wird. Wir mussten im 2021
Projekte und Vorhaben sowie als Drittes die jähr- auf Grund der Ressourcenlage einige Projekte neu
liche Bevölkerungsschutzkonferenz BSK, die die- beurteilen und priorisieren. Dies aber mit dem un-
ses Jahr zum Schwerpunktthema «Klimawandel veränderten Ziel, dass früher oder später alle we-
und Bevölkerungsschutz im Alpenraum» in Davos sentlichen Bedürfnisse im Bevölkerungsschutz
stattfindet. eine adäquate Antwort erhalten.
Unsere Jahresbilanz ist eindeutig: Die Pandemie Der dritte Teil widmet sich der nationalen Bevölke-
hat auf verschiedenste Art und Weise den Alltag rungsschutzkonferenz BSK in Davos vom 3. und 4.
mehrerer Geschäftsbereiche des BABS beein- November 2021. Wir zeigen auf, wie stark sich der
flusst. Wir blicken aus der Perspektive der drei Klimawandel im Alpenraum auswirken wird und wel-
Geschäftsbereiche Nationale Alarmzentrale, La- cher Handlungsbedarf für den Bevölkerungsschutz
bor Spiez und Zivilschutz auf das Jahr 2021 zurück. entsteht, während ein Beitrag des Amts für Wald und
Eine Bilanz zum eigentlichen Ereignis zu ziehen, ist Naturgefahren des Kantons Graubünden eindrück-
an dieser Stelle noch nicht möglich. Freilich steht lich dokumentiert, welchen Herausforderungen das
die Frage im Raum, ob der Pandemie mit geeigne- Risikomanagement vor Ort gegenübersteht. Ge-
teren Massnahmen hätte begegnet werden kön- rade das vergangene Jahr hat uns vor Augen ge-
nen; in der Krisenbewältigung ist immer Raum für führt, wie gross diese Herausforderungen – nicht
Optimierungen vorhanden. Es gilt daher auch, sich nur in der Schweiz – heute bereits sind und in Zu-
damit auseinanderzusetzen, wie die Vorsorgepla- kunft sein werden. Entsprechend wichtig ist es, die
nung der Behörden, der Wirtschaft und der Bevöl- richtigen Lehren zu ziehen und die notwendigen
kerung optimiert werden können, um noch bes- Massnahmen zu treffen.
ser auf bekannte aber auch unerwartete Gefähr-
dungen vorbereitet zu sein. Es ist essentiell, dass Ich möchte dieses Editorial nicht schliessen, ohne
analytische Erkenntnisse zu Risiken – wie etwa aus allen Mitarbeitenden des BABS für ihren Einsatz
der Nationalen Risikoanalyse – auf administrativen während diesen aussergewöhnlichen Zeiten zu
und politischen Entscheidungsebenen zur Kennt- danken. Mit hoher Fachkompetenz und grossem
nis genommen und daraus Massnahmen zur bes- Engagement setzen sie alles daran, dass das
seren Risikobehandlung abgeleitet werden. BABS im Rahmen seiner Möglichkeiten den Part-
nern des Bevölkerungsschutzes eine verlässliche
Im zweiten Teil des Magazins präsentieren wir Unterstützung in hoher Qualität bieten kann. Dies
unter anderem eine Auslegeordnung zu laufen- ist denn auch unser erklärtes Ziel für 2022, auf das
den Projekten im Bereich Telematik und Schutz- wir konsequent hinarbeiten – unter anderem mit
bauten, zeigen auf, wie sich der Alarmierungskanal einer sinnvollen Schwerpunktsetzung sowie einer
Alertswiss im Rahmen unserer Multikanalstrate- Überprüfung der Effizienz und Effektivität unserer
gie bewährt hat und berichten über das Schweize- Organisation.3 Neues Kulturgüterschutz-Inventar: Für die vierte Ausgabe des Inventars wurden rund 3400 Kultur güter von nationaler Bedeutung nach einheitlichen Kriterien eingestuft und in einem gesamtschweizeri- schen Vergleich überprüft (Seite 14).
5 COVID-19 hat auch 2021 nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Arbeit geprägt. Die Nationale Alarmzentrale, das Labor Spiez und der Geschäftsbereich Zivilschutz hatten zahlreiche Aufgaben im Rahmen der Pandemiebekämpfung zu bewältigen.
BABS 21/22
Jahresrückblick 2021: NAZ 6
Nationale Alarmzentrale NAZ
Am 2. März 2020 hatte der Bundesrat den Bun- schen Situation auch wirtschaftliche Entwicklun-
desstab Bevölkerungsschutz BSTB aktiviert und gen, die Lage im Bereich der inneren Sicherheit
den damaligen Direktor des BAG zum Vorsitzenden sowie Lageberichte der Nachbarländer. Seit Be-
des BSTB für das Ereignis COVID-19 gewählt. Seit ginn der Pandemie publiziert die NAZ in der ELD
März 2020 dient die Elektronische Lagedarstel- die Lageberichte der kantonalen Führungsorgane,
lung ELD der NAZ als Plattform für den Austausch wertet diese aus und stellt Kantonen und Partnern
von Informationen zur Lage im Einsatz COVID-19. Gesamtlagen BSTB (Lagedossiers) zur Verfügung.
Die ELD berücksichtigt neben der epidemiologi-
Zur Unterstützung des Bundesamts für Gesund-
heit BAG bei Monitoring-Tätigkeiten wurde im Auf-
trag des Vorsitzenden BSTB eine Arbeitsgruppe
unter der Leitung der NAZ etabliert. Seither sam-
meln die kantonalen Behörden wöchentlich Daten
zu den Schutzmassnahmen, zu den Kontrollen
der Schutzkonzepte sowie zum repetitiven Tes-
Reise-Aktivität im Tagesvergleich, durchschnittlich pro Tag und Person zurück-
gelegte Kilometer in der Schweiz: Die Kurve basiert auf Bewegungsdaten über ten. Diese Daten werden von der NAZ aufberei-
das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Die Daten entstehen, wenn sich tet und vom BAG publiziert. Seit Herbst 2020 wird
Smartphones mit den Antennen verbinden. Die Swisscom erstellt keine individu- auch das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung ana-
ellen Bewegungsprofile von Kunden, die Daten werden automatisch anonymi-
lysiert. Dazu verwertet die NAZ periodisch Daten
siert und für weitere Analysen in aggregierter Form vom Melde- und Lagezent-
rum der Nationalen Alarmzentrale aufbereitet.
Reiseaktivität in der Schweiz 2020/21
28.2.2020 19.6.
km • Erklärung der besonderen Lage Beendigung der ausserordentlichen
gemäss Epidemiengesetz Lage, weitgehende Normalisierung
60 • Bundesrat verbietet grosse
Veranstaltungen
50
16.3.
Erklärung der ausser
40 ordentlichen Lage gemäss
Epidemiengesetz
30 13.3.
Bundesrat 6.6. 28.10.
verschärft Weitgehende Lockerungen der Massnahmen, Weitere Verschärfung der
Massnahmen Rückkehr in die besondere Lage Massnahmen
20 11.5.
Bundesrat lockert weitere
Massnahmen
16.4.
Bundesrat lockert schrittweise
10 die Massnahmen
20.3.
Bundesrat verbietet Ansammlungen
von mehr als fünf Personen
2020 März April Mai Juni Juli August September Oktober7
Seit dem Orientierungsrapport vom 13.
Februar 2020 ist die NAZ im Einsatz zur
Unterstützung ihrer Partner bei der
Bewältigung der COVID-19-Pandemie.
Dieser Einsatz hat die NAZ mit neuen
Herausforderungen konfrontiert, einige
Strukturen und Prozesse mussten
adaptiert oder entwickelt werden. Der im
Dezember 2019 fertiggestellte Führungs-
raum am Guisanplatz in Bern hat sich gut
bewährt.
über das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung sei- validierter Beurteilungskriterien zuteilen, wobei
tens der Swisscom, der SBB und des Bundesam- dem Gesundheitswesen die höchste Priorität zu-
tes für Zivilluftfahrt BAZL. kommt: Das ResMaB analysiert und kontingentiert
die Vorräte an Masken, Schutzanzügen, Schutzbril-
Seit Beginn der COVID-19-Pandemie ist das Res- len oder Beatmungsgeräten und stellt sicher, dass
sourcenmanagement Bund (ResMaB) an der Ver- sie da eingesetzt werden, wo sie am dringends-
sorgung mit sanitätsdienstlichem Schutzmaterial ten gebraucht werden.
beteiligt. Auf der Basis der Analyse der Ressour-
cenlage kann das ResMaB Mangelgüter anhand
18.10.
Einschränkungen für private Veranstaltungen, 26.6.
keine öffentlichen Versammlungen von mehr als Weitere Lockerungsschritte,
15 Personen Übergang in die «Normalisierungsphase»
6.1.
Restaurants, Kulturbetriebe, Sportanlagen
und Freizeiteinrichtungen werden
geschlossen
31.5.
Weitere Lockerungsschritte
19.4.
Weitere Lockerungsschritte
1.3.
Erste Lockerungsschritte
11.12.
Sperrstunde ab 19 Uhr und
Schliessung an Sonn- und Feiertagen
Dezember 2021 Februar März April Mai Juni Juli AugustBABS 21/22
Jahresrückblick 2021: Labor Spiez 8
Labor Spiez
WHO BioHub: Ein neues, globales
Labor-System für den Austausch
von Krankheitserregern.
BMEPP**
O BioHub System
WH Zuteilung durch
LÄNDER Beratungsgremium EMPFÄNGER
Qualifizierte
Institutionen
Erhalt
via SMTA 2
Freiwillige Lieferung Nicht--
Lieferung von via SMTA 1* WHO BioHub kommerzielle
Verwendung
biologischem Labor(s) Erhalt
Material
via SMTA 3
Kommerzielle
Verwendung
Austausch Zuteilung
GLOBAL
Wissenstransfer & Entwicklung von Gegenmassnahmen
* Standard Material Transfer Agreement
** Biologische Substanzen mit epidemischem oder pandemischem Potenzial
Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hat das Pandemie liefert etwa Rückschlüsse auf Übertra-
Labor Spiez Aufgaben im Bereich der Diagnostik gungswege und Hinweise auf Veränderungen in
übernommen. Dadurch war es in der Lage, ana- der Virulenz und Ansteckungsfähigkeit eines Er-
lytische Engpässe von benachbarten Spitälern zu regers.
überbrücken. Mit der Erklärung der ausserordent-
lichen Lage durch den Bundesrat konnte im Rah- Mittlerweile decken die Spiezer Forschungspro-
men des Assistenzdienstes «CORONA 2020» mi- jekte zur Pandemie ein breites Spektrum ab. Ein
litärisches Personal für die molekulare Diagnostik Schwerpunkt liegt in der Untersuchung der anti-
eingesetzt werden. So war es dank der Unterstüt- viralen Wirkung diverser Substanzen. Das Labor
zung durch das ABC Abwehr Labor 1 der Armee Spiez verfügt über die Voraussetzungen für diese
möglich, drei unabhängige Diagnostikteams zu bil- Art von Untersuchungen, denn therapeutische
den und somit die Kontinuität der Analytik zu ge- Strategien direkt am Virus können nur in einem bio-
währleisten. logischen Sicherheitslabor getestet werden. Heute
testet Spiez sowohl natürliche Wirkstoffe wie auch
Nachdem die kommerziellen Laboratorien eben- künstlich hergestellte Moleküle in Zellkultursyste-
falls diagnostische Kapazitäten etabliert hatten, men auf ihre Wirkung gegen SARS-CoV-2.
konnte das Labor Spiez diese Aktivitäten herunter-
fahren. Im weiteren Verlauf der Pandemie standen Der Fachbereich Biologie konnte mit diesen Arbei-
Methoden der Genomsequenzierung im Vorder- ten Erfahrungen sammeln, die sich nachhaltig
grund. Diese Instrumente sind in Spiez etabliert nutzen lassen, zum Beispiel zugunsten des Aus-
und liefern die Grundlage für die Darstellung von tauschs von epidemiologischen und klinischen
Verwandtschaftsbeziehungen von Krankheitserre- Daten während einer Pandemie. Ein entsprechen-
gern. Der Vergleich der Genome im Verlauf einer des Projekt dazu startete Mitte 2021: Bundesrat9
Alain Berset unterzeichnete am 24. Mai 2021 mit Zusammen mit dem Aufruf zu einer neuen Ära der
WHO Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreye- internationalen Zusammenarbeit hat die WHO be-
sus ein Kooperationsabkommen im Rahmen der tont, dass angesichts der Pandemie eine Rückkehr
so genannten WHO BioHub1 Initiative. Mit diesem zum Status Quo keine Option sein kann. Ein neues,
Abkommen stellt die Schweiz der WHO das Labor globales System für den Austausch von Erreger-
Spiez als Repositorium für SARS-CoV-2-Viren oder Materialien soll nicht auf bilateralen Vereinbarun-
andere Pathogene mit Epidemie- oder Pandemie- gen beruhen und dessen Aushandlung darf nicht
potential zur Verfügung. Jahre dauern. Idealerweise sollten neu auftretende
Krankheitserreger, die ein Risiko für die Sicherheit
Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass der öffentlichen Gesundheit darstellen, rasch über
die Labors neu auftretende Krankheitserreger ein globales, vertrauenswürdiges und transparen-
rasch untereinander austauschen können. Diese tes System ausgetauscht werden.
Kooperation ist entscheidend für eine effektive
Charakterisierung und Überwachung der Erreger
sowie für die rechtzeitige Entwicklung von medizi-
nischen Gegenmassnahmen wie Diagnostika, The-
rapeutika und Impfstoffe. Heute erfolgt ein grosser
Teil dieses Austauschs von Krankheitserregern bi-
lateral zwischen einzelnen Labors und auf Ad-
hoc-Basis. Dieser Prozess ist langsam, lässt ei-
nige Länder zurück und reicht eventuell nicht aus,
um den globalen Bedarf zu decken, der bei akuten
Krankheitsausbrüchen entsteht.
Das biologische Sicherheitslabor in Spiez
Der Kernbereich des biologischen Sicherheitslabors in
Spiez ist ein kompakter, annähernd quadratischer Beton-
1 https://www.who.int/initiatives/who-biohub
würfel. Dadurch entsteht eine Tragstruktur, die bezüglich
Stabilität optimale Voraussetzungen für die Erdbeben
sicherheit bietet. Ein Beben, vergleichbar mit Basel (1356),
übersteht das Sicherheitslabor ohne Risse in der Hülle.
Die Betonkonstruktion wird durch eine massive Armierung
verstärkt. Dadurch erhält das Bauwerk nicht nur die nötige
Stabilität im Erdbebenfall, sondern auch die geforderte
Rissfreiheit im Hinblick auf die Dichtheit der Gebäudehülle.
Das Sicherheitslabor ist ein Containmentsystem. Dieses
System sorgt dafür, dass die in den Labors bearbeiteten
Krankheitserreger das Personal nicht gefährden und nicht in
die Umwelt gelangen können. Dazu braucht es spezielle
Sicherheitsinstallationen und per-
sönliches Schutzmaterial wie zum
Beispiel Sicherheitswerkbänke
und belüftete Vollschutzanzüge,
luftdicht abgeschlossene Räume,
Unterdruckhaltung in den Labors
und Schleusensysteme.BABS 21/22
Jahresrückblick 2021: Zivilschutz 10
Zivilschutz
Die Bewältigung der Corona-Pandemie hat sich bot der Bund somit für sämtliche Zivilschutzein-
zum grössten Einsatz in der Geschichte des sätze zur Bewältigung der Pandemie finanzielle
Schweizer Zivilschutzes entwickelt. Zwar ist der Unterstützung.1
Zivilschutz primär ein Mittel der Kantone, der Bun-
desrat kann jedoch den Zivilschutz aufzubieten, Die Aufgebote von Zivilschutzangehörigen, mit teil-
wenn ein ausserordentliches Ereignis mehrere weise langen Einsätzen, bedeuteten für manche
oder alle Kantone betrifft. Diese Voraussetzung Unternehmen eine zusätzliche Belastung in der
war mit der Corona-Pandemie gegeben. Krisenzeit. Die aufbietenden Stellen versuchten,
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Dienstpflichti-
Am 20. März 2020 beschloss der Bundesrat erst- gen und Arbeitgeber zu nehmen, insbesondere bei
mals ein nationales Zivilschutz-Aufgebot. Die Auf- systemrelevanten Betrieben. Dieser Balanceakt ist
gebots- und Einsatzverantwortung beliess er aber generell gut gelungen. Die Aufgabe des BABS be-
bei den Kantonen. Dies erwies sich als sinnvoll, stand vor allem darin, gute Rahmenbedingungen
denn die Kantone konnten den Zivilschutz zielge- und Grundlagen für den Einsatz zu schaffen, zu ko-
richtet und ressourcenschonend einsetzen. Ein ordinieren und die Kantone zu unterstützen. So be-
zweites Bundesratsaufgebot erfolgte auf Antrag
der Kantone im November 2020 und wurde in der 1 Bei einem Bundesratsaufgebot kommt der Bund finan-
Folge zweimal verlängert. Bis Ende Oktober 2021 ziell für die eingesetzten Zivilschützer/innen auf. Er entrichtet
für jeden geleisteten Diensttag eine Pauschale von CHF 27.50.11
Im Jahr 2021 beanspruchte nicht nur die Corona-
Pandemie die Zivilschutzorganisationen.
Der stürmische und regenreiche Juli verursachte
vielerorts Sturmschäden und vor allem Hochwasser.
Die Hälfte der Kantone musste den Zivilschutz
aufbieten, wobei gegen 7000 Diensttage zusam-
menkamen. Der Zivilschutz legte etwa mit Beaver-
Systemen oder mit den altbewährten Sandsäcken
Wassersperren an.
reitete der Geschäftsbereich Zivilschutz die Aufge-
bote zuhanden des Bundesrates vor. Darüber hin-
aus galt es, Fragen rund um die Corona-Einsätze
zu beantworten, etwa zu den Themen Quarantäne,
Versicherungsschutz, Sicherheitsvorschriften, Ma- Vom Zivilschutz geleistete Diensttage zur Bewältigung
terial, Urlaub und Ausbildung. Aufwändig war die der Corona-Pandemie
Bearbeitung von rund 400 Gesuchen für Covid- Kanton Kantonale Bundesaufgebot Bundesaufgebot
Entschädigungen von Zivilschutzangehörigen, die Einsätze 2020 2020 2021
für einen Teil ihres Dienstes während der ersten (in zwei Perioden: (in zwei Perioden: 1.1.–5.9.
1.2.–20.3. und 21.3.–30.6. und (Anzahl AdZS)
Welle die Differenz zwischen ihrem Erwerbsein-
1.7.–17.11.) 18.11.–31.12.)
kommen und der EO-Entschädigung einforderten. AG 1 271 20 127 7 383 (705)
AI 62 252 84 (2)
Als polyvalent einsetzbares Instrument übernahm AR 384 2 284 1 558 (125)
der Zivilschutz unterschiedlichste Aufgaben zur BE 1 214 8 233 2 803 (415)
Bewältigung der Pandemie. In erster Linie entlas- BL 2 060 11 395 3 071 (390)
tete er das Pflegepersonal, das selbst von Covid BS 373 4 171 1 522 (77)
betroffen war und sich in Quarantäne oder Isolation FR 1 733 26 576 6 499 (197)
begeben musste. Er bot aber auch Unterstützung GE 1 890 45 061 25 779 (1 272)
in der Logistik und der Führung. Dazu zählen Trans- GL 13 1 356 320 (12)
porte, Aufbau und Betrieb von Empfangsstellen bei GR 1 306 8 559 3 570 (495)
Spitälern, die Unterstützung der Krisenstäbe oder JU 247 1 134 3 901 (262)
LU 1 621 5 184 6 428 (435)
Hilfe beim Betrieb von Hotlines. Auch während der
NE 1 426 11 381 7 695 (477)
zweiten Welle blieb die Unterstützung des Gesund-
NW 97 356 429 (102)
heitswesens ein wichtiges Einsatzfeld, das Enga-
OW 5 195 118 (33)
gement konzentrierte sich aber zunehmend auf die
SG 1 891 6 516 1 523 (124)
Unterstützung von Test- und Impfzentren. SH 1 058 4 105 270 (130)
SO 290 3 574 18 258 (1 296)
Bei allen Gemeinsamkeiten der Einsätze gab es SZ 59 1 339 19 (3)
auch einige kantonale Unterschiede: So leistete TG 1 189 2 261 521 (50)
der Zivilschutz in der Waadt oder in Solothurn mo- TI 5270 12 460 15 458 (1 276)
bile Impfeinsätze, während andere Kantone sich UR 68 297 0
auf stationäre Impfzentren konzentrierten. In eini- VD 11 926 84 049 38 468 (2 412)
gen Kantonen war der Zivilschutz kaum in die Impf- VS 5 213 27 706 11 731 (946)
kampagnen involviert, in anderen Kantonen spielte ZG 330 553 436 (83)
er eine massgebende Rolle. ZH 4 188 31 567 1 828 (233)
Total 45 220 320 691 159 672
Die Einsätze des Zivilschutzes im Jahr 2021
konzentrierten sich vor allem auf die
Einrichtung und den Betrieb von Impfzentren.BABS 21/22
12
Laufende Projekte13
Kulturgüterschutz, Alertswiss, sichere Kommunikationssysteme,
Planung von Schutzanlagen, Erkenntnisse aus der Risikoanalyse
«Katastrophen und Notlagen Schweiz»: Hier berichten wir über
laufende Arbeiten und Projekte im BABS.
KGS-Inventar
Ausgabe 2021
Inventaire PBC
Inventario PBC
Inventari PBC
PCP InventoryBABS 21/22
Laufende Projekte: KGS-Inventar 14
Eine Schutzmassnahme für
die kulturhistorische Vielfalt
Im Oktober 2021 hat der Bundesrat das revidierte «Schweizerische Kulturgüter-
schutzinventar mit Objekten von nationaler und regionaler Bedeutung» (KGS-Inven-
tar) genehmigt. Es ist die vierte Ausgabe dieses Inventars mit bedeutenden Kultur-
gütern der Schweiz, die Baudenkmäler, archäologische Fundstellen sowie Bestände
und Sammlungen in Archiven, Bibliotheken und Museen aufführt und damit einen
Einblick in die vielfältigen kulturellen Schätze unseres Landes ermöglicht.
Carine Simoes, Chefin Fachbereich Kulturgüterschutz BABS
Hans Schüpbach, Wiss. Mitarbeiter Fachbereich Kulturgüterschutz BABS
Unter der Leitung des Fachbereichs KGS im Bun- fen und andererseits in einem bewaffneten Kon-
desamt für Bevölkerungsschutz wurden in Zusam- flikt das kulturelle Erbe der Gegenpartei so weit wie
menarbeit mit den Kantonen und der Eidgenössi- möglich zu respektieren. Das Abkommen entstand
schen Kommission für Kulturgüterschutz zwischen «in der Überzeugung, dass jede Schädigung von
2017 und 2021 die Grundlagen für die 4. Ausgabe Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört,
des KGS-Inventars (nach 1988, 1995 und 2009) er- eine Schädigung des kulturellen Erbes der gan-
arbeitet. Darin finden sich knapp 3400 A-Objekte zen Menschheit bedeutet» und «dass es wesent-
(von nationaler Bedeutung) und etwas über 10 000 lich ist, dieses Erbe unter internationalen Schutz zu
B-Objekte (von regionaler Bedeutung). Dies ent- stellen», wie in der Einleitung des Haager Abkom-
spricht weniger als 20% der insgesamt in den Kan- mens zu lesen ist. Das Zweite Protokoll (1999) zum
tonen bestehenden Schutzobjekte. Das KGS-In- Haager Abkommen fordert in Art. 5 explizit Schutz-
ventar stellt also eine strenge Selektion dar. massnahmen im zivilen Bereich sowie «die Erstel-
lung von Verzeichnissen».
Die Erstellung und periodische Überarbeitung die-
ses Inventars gehört zu den wichtigsten Aufgaben Die Schweiz, welche das Haager Abkommen 1962
für den Schutz von Kulturgütern in unserem Land. und das Zweite Protokoll 2002 ratifiziert hat, hat
Gemäss der Kulturgüterschutz-Gesetzgebung sich bereits 1966 ein eigenes Kulturgüterschutz-
sind Bund und Kantone dazu verpflichtet, vorsorg- gesetz gegeben. Diese rechtliche Grundlage
liche Massnahmen zum Schutz der im Inventar auf- wurde einer Totalrevision unterzogen und ist nun
geführten Objekte vor den Auswirkungen eines all- seit 2015 in Kraft. Der neue Titel des Bundesgeset-
fälligen Krieges sowie vor Katastrophen und Not- zes und seiner Verordnung zeigt, dass der Schwei-
lagen (Hochwasser, Erdbeben usw.) und anderen zer Kulturgüterschutz eben nicht nur auf Gefah-
Gefahren (z. B. Feuer, Cyber) zu planen. ren in einem bewaffneten Konflikt ausgerichtet ist,
sondern auch auf den Schutz der Kulturgüter bei
Weshalb überhaupt Kulturgüterschutz? Katastrophen und in Notlagen. Wie wichtig Schutz-
Insbesondere die Zerstörungen im Zweiten Welt- massnahmen gerade in solchen Fällen sind, be-
krieg zogen Verbesserungen im Kulturgüterschutz legen Ereignisse wie der Erdrutsch von Gondo
nach sich. So entstand 1954 das Haager Abkom- (VS; 2000), die Brände in der Berner Altstadt (1997,
men für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten 2018) und an der Luzerner Kapellbrücke (1993) oder
Konflikten, eine UNESCO-Konvention, die mittler- Hochwasserschäden in diversen Museen, Depots,
weile von 197 Staaten unterzeichnet wurde. Diese Archiven und Bibliotheken (2002, 2005), die zahl-
Länder verpflichten sich dazu, einerseits Massnah- reiche Kulturgüter beschädigt haben.
men zum Schutz ihrer eigenen Kulturgüter zu tref-15 Nördlich der kleinen Waadtländer Stadt Orbe befindet sich eines der grössten römischen Mosaiken nördlich der Alpen – ein besonders wertvolles, aber nicht ausser- ordentlich bekanntes Objekt im KGS-Bereich «Archäologie». Die Mosaiken gehörten zu einer ländlichen Villa mit luxuriöser Ausstattung. Die «Prachtresidenz» wurde Ende des 2. Jh. n. Chr. auf Vorgängerbauten konstruiert und befand sich an der wichtigen Route zwischen Eburodunum (Yverdon-les-Bains) und Lousanna (Lausanne). Die neun Mosaiken wurden ausgegraben, restauriert, konserviert und können besucht werden.
BABS 21/22
Laufende Projekte: KGS-Inventar 16
Ein bekanntes Kulturgut im KGS-Bereich «Sammlungen» sind die Brissago-
Inseln. Dank ihrer besonderen Lage geniessen sie mit einer Jahresmittel
temperatur von rund 14 °C das wärmste Klima der Schweiz. Rund 2000 subtro-
pische Pflanzen wachsen hier das ganze Jahr über im Freien. Der botanische
Garten auf der grösseren Insel kann seit 1950 öffentlich besucht werden.17
Bewertung von Objekten im Rahmen Damit bildet das KGS-Inventar auch nach der Re-
der Revisionen des KGS-Inventars vision ein wertvolles und aktuelles Arbeitsinstru-
Eine Revision bietet immer Gelegenheit, den bis- ment für Einsatzkräfte und Blaulichtorganisatio-
herigen Bestand auf Lücken zu überprüfen, neue nen im Rahmen eines Ereignisses. Sinnvoll ist der
Objekte aufzunehmen und zeitgemässe Korrek- Beizug des KGS-Inventars ebenfalls für die Arbei-
turen anzubringen. So wurden rund 3400 Kultur- ten im Rahmen der KGS-Ausbildung, etwa bei ge-
güter von nationaler Bedeutung (A-Objekte) nach meinsamen Übungen mit der Feuerwehr und der
einheitlichen wissenschaftlichen Kriterien klas- Polizei oder bei Inventarisierungs- und Dokumen-
siert, in einem gesamtschweizerischen Vergleich tationsarbeiten in Kantonen und Gemeinden. Das-
überprüft und eingestuft. Bei den Bauten lautete selbe gilt für die Erarbeitung von Einsatzplänen der
die Vorgabe der Eidgenössischen Kommission für Feuerwehr. Die Standorte der Kulturgüter könnten
Kulturgüterschutz, nicht mehr als 10% zusätzliche bei grossräumigen Ereignissen auch in die elekt-
Objekte aufzunehmen, bei den Sammlungen gab ronische Lagekarte der Nationalen Alarmzentrale
es nur wenige Streichungen und Neuaufnahmen. (NAZ) eingebunden werden.
Spielraum für neue A-Objekte bestand vor allem
bei der Archäologie: Hier war die Auswahl 2009 mit Das Inventar wird in weiteren zivilen und militäri-
einer Anzahl von 400 Fundstellen eng gefasst wor- schen Bereichen genutzt: Für die kantonale Denk-
den, sodass es nach einhelliger Meinung der Kan- malpflege und Archäologie sowie für das Bundes-
tone in diesem Bereich den grössten Bedarf an amt für Kultur bietet es eine gute Übersicht über
neuen Objekten gab. Mit einem Zuwachs von rund die wichtigsten Einzelbauten und archäologischen
550 archäologischen A- und B-Objekten bleibt die Funderwartungsgebiete der Schweiz.
Zunahme aber auch in diesem Bereich im über-
schaubaren Rahmen. Die militärischen Stellen, die Kulturgüter in einem
bewaffneten Konflikt respektieren sollen, müssen
Bedeutung des Inventars für den Zivilschutz sich in ihrer Ausbildung und Planung ebenfalls mit
Für die Dienstleistenden im Zivilschutz, insbeson- den A-Objekten befassen. Und nicht zuletzt dient
dere im KGS-Umfeld, hat das Inventar eine grosse die Darstellung der Kulturgüter im Geoportal des
Bedeutung. Zum einen werden hier die wichtigsten Bundes dazu, die breite Öffentlichkeit und die
Kulturgüter definiert und mit Adress- und Koordi- Schulen für das Thema Kulturgüterschutz zu sensi-
natenangabe klar lokalisiert, zum andern gilt es, für bilisieren. So lässt sich der KGS-Layer im Geopor-
diese Objekte in den Kantonen adäquate Schutz- tal auch mit touristischen Anwendungen (Wander-
massnahmen zu planen. Dazu gehören etwa Mi- land, Bike-Routen, Wanderwege usw.) verknüpfen.
kroverfilmungen und Sicherstellungsdokumenta- Mit diesen Anwendungen kann der Fachbereich
tionen, die Erarbeitung von Notfall- und Evakua- KGS Zielgruppen ansprechen, die sich sonst viel-
tionsplanungen, Kurzdokumentationen sowie das leicht gar nie mit dem Thema beschäftigt hätten.
Bereitstellen von geeigneten Schutzräumen. Da- Die Klick-Statistik von swisstopo belegt jedenfalls
bei trägt der Bund bei Sammlungen von nationa- eine rege Nutzung der Bild- und Textdaten zu Kul-
ler Bedeutung die anerkannten Mehrkosten für turgütern im Internet.
die Erstellung und die Erneuerung von Kulturgü-
terschutzräumen sowie für deren Einrichtung.1 Das KGS-Inventar in seiner Ausgabe 2021 bietet
einen verlässlichen Querschnitt durch die kultu-
Daten im Geoportal des Bundes relle Vielfalt unseres Landes. Nicht zuletzt des-
Als sehr nützlich haben sich die Darstellung und halb wird dieses Instrument auch im Ausland im-
Lokalisierung der A-Objekte des KGS-Inventars im mer wieder als geeignetes Vorbild für den Kultur-
Geoportal des Bundes erwiesen, das von swisstopo güterschutz des eigenen Landes gesehen.
betrieben wird.2 So kann das Inventar mit anderen
Geodaten kombiniert werden. Dank Zuschalten von
Gefahrenkarten (Erdbeben, Hochwasser, Murgang,
Lawinen usw.) ist etwa das Durchspielen von Sze-
narien möglich: Ist ein Museum oder ein Archiv bei
einem Hochwasser gefährdet und sollte deshalb
zwingend über eine Evakuationsplanung verfügen?
1 Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zi-
vilschutz (BZG, Art. 91 Abs. 5) sowie der Zivilschutzverordnung
(ZSV, Art. 82–88)
2 https://map.geo.admin.ch/?topic=kgsBABS 21/22
Laufende Projekte: KGS-Inventar 18
Das römische Aventicum, heute Avenches, war eine römische Kolonie und die Hauptstadt der
Helvetier. Sie war zu ihrer Blütezeit im 1. bis 3. Jh. n. Chr. die grösste Stadt auf Schweizer Boden
und zählte zeitweise rund 20 000 Einwohner. Die Stadt lag an der wichtigen Überlandstrasse,
die vom Grossen Sankt Bernhard durch das Schweizer Mittelland führte. Von der Stadt sind we-
sentliche Reste erhalten, beziehungsweise ausgegraben, restauriert und konserviert worden.
Avenches ist ein bedeutendes Kulturgut der Schweiz im Bereich «Archäologie».
PBC
PBC
PCP
KGS
Weitere Informationen
Die zweimal jährlich erscheinende Zeit-
REVISIONE DELL'INVENTARIO PBC 2021
REVISION OF THE PCP INVENTORY 2021
RÉVISION DE L'INVENTAIRE PBC 2021
schrift KGS Forum widmet sich jeweils
REVISION KGS-INVENTAR 2021
einem bestimmten Schwerpunktthema.
Die Ausgaben dieser Publikationen,
die im Text erwähnten gesetzlichen
> THEMA:
> THÈME:
> THEME:
> TEMA:
Grundlagen sowie weitere Informationen
> 37.2021
zum Thema finden Sie auf der Website des
BABS unter www.kgs.admin.ch
REVISION
KGS-INVENTAR 2021
RÉVISION DE L'INVENTAIRE PBC 2021
REVISIONE DELL'INVENTARIO PBC 2021
REVISION OF THE PCP INVENTORY 202119 Ein Beispiel für den KGS-Bereich «Baudenkmäler» ist die Trinkhalle von Scuol-Tarasp. Sie ist Teil einer Reihe von Quellfassungen, die zum Kurbetrieb von Scuol zählen. Die Mineralquellen finden bereits 1533 bei Paracelsus Erwähnung. 1843 entsteht zunächst eine einfache Trinkhalle, später ein Kurhaus. Beflügelt durch den touristischen Erfolg realisiert 1876 der Architekt Bernhard Simon die heutige Trinkhalle.
BABS 21/22
Laufende Projekte: Telematik 20
Sichere Kommunikationssysteme –
der Schlüssel zur erfolgreichen
Ereignisbewältigung
Sanität, Polizei, Feuerwehr, Führungsorgane von Bund, Kantonen, Gemeinden
sowie die Betreiberinnen kritischer Infrastrukturen sind auf einen schnellen,
gesicherten Austausch von Informationen angewiesen. Bei ihrer täglichen Arbeit,
vor allem aber bei Katastrophen und Notlagen. Politische, technologische und
kommerzielle Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden, um dafür zu-
kunftsfähige Lösungen zu finden.
Peter Wüthrich, Chef Geschäftsbereich Telematik BABS
Bei flächendeckenden Stromausfällen oder tech- Betrieb des bestehenden Sicherheitsfunk
nischen Pannen stehen die normalen Kommuni- netzes sicherstellen: Werterhalt Polycom
kationsnetze nicht mehr zur Verfügung. Beispiele Wenn Polizistinnen, Feuerwehrleute, Angehörige
wie der Angriff auf einen Pipelinebetreiber in den des Zivilschutzes oder Grenzwächter zum Funkge-
USA1 zeigen, dass Kommunikations- und Versor- rät greifen, handelt es sich dabei fast immer um ein
gungsnetze zunehmend Ziel von Cyber- oder Ter- Polycomgerät. Das Sicherheitsfunknetz mit über
rorangriffen werden können. Auch Naturereignisse 55 000 Nutzern ist nicht nur verschlüsselt, seine
wie die grossen Hochwasser in Westdeutschland Antennen und Rechenzentren bleiben auch bei
im Sommer 2021 können ganze Gebiete über Tage Stromausfall betriebsbereit. Analog den Nachbar-
von den gewohnten Fest- und Mobilfunkverbindun- ländern Deutschland und Frankreich arbeitet die
gen trennen. Schweiz gegenwärtig daran, das Polycomnetz un-
terbruchsfrei auf die Tetrapol-IP-Technologie3 um-
Das BABS und zahlreiche Partnerorganisationen zurüsten und bis mindestens 2030 betriebsbereit
arbeiten daran, die hohen Anforderungen an die zu halten. Als Problem erweist sich dabei für den
Kommunikation im Bevölkerungsschutz zu erfül- Hersteller die Einbettung des erneuerten Funksys-
len. Grundpfeiler sind dabei hochverfügbare, gut tems in die kantonalen IT-Umgebungen. Da der
gesicherte Kommunikationsnetze. Bereits 2017 Weiterbetrieb der veralteten Tetrapol-TDM-Kom-
wurde systematisch analysiert, welche Bedürf- ponenten zunehmend schwierig wird, besteht das
nisse dabei mit welcher Priorität umgesetzt wer- Hauptziel des BABS darin, die Ablösung bis 2025
den sollen.2 sicherzustellen.
Das sichere Datenverbundsystem
Im Dezember 2018 hat der Bundesrat festgehalten,
dass er die Verfügbarkeit der Telekommunikations-
systeme und des Datenaustauschs der Führungs-
organe, Sicherheitsbehörden und Betreiberinnen
1 Beim Cyberangriff im Mai 2021 kam Ransomware zum
Einsatz, bei der Daten der Betreiberfirma verschlüsselt und
Lösegeldforderungen gestellt wurden. Der Pipelinebetreiber 3 Tetrapol ist ein in Europa weitverbreitetes Bündelfunk-
musste zur Eindämmung des Schadens diverse Systeme system, das speziell auf den Bereich öffentliche Sicherheit
ausschalten zugeschnitten ist. Heute verwendet Tetrapol das TDM
2 Bericht zur Zukunft der Alarmierungs- und Telekommu- (Time Division Multiplex) Verfahren, um Signale zu bündeln
nikationssysteme für den Bevölkerungsschutz, 2017. Verfügbar und zu übertragen. Dieses wird durch das modernere Internet
auf der Website des BABS. Protocol (IP) ersetzt.21
Wichtige Vorhaben für hochverfügbare Netze zur Behördenkommunikation im Bevölkerungsschutz
Vorhaben Netz Ziel Nächste Fixpunkte
Werterhalt Sicherheitsfunknetz Polycom mit Unterbruchslose Umrüstung von Start der Umrüstung 2022,
Polycom 25 Teilnetzen in der Schweiz und der Tetrapol- auf die Tetrapol-IP- Ende der Umrüstung und
WEP2030 rund 750 Basisstationen Technologie Einstellung Parallelbetrieb 2025
Sicheres Terrestrisches Hochgeschwindig- Vernetzung von Führungsstand Vernetzung der Standorte Kantone
Datenverbund- keitsnetz durch Kombination und orten von Kantonen, Bund und und Bund bis 2023
netz Erweiterung bestehender Infra- Betreiberinnen kritischer Infrastruk-
strukturen der Behörden turen
Mobile Mobile Datenübertragung, aufbau- Datenübertragung von mobilen Pilotversuche in den Kantonen
breitbandige end auf SDVN und kommerziellen Geräten, Fahrzeugen, Sensoren/ Bericht an den Bundesrat über
Sicherheits- Netzen Drohnen Bedarf und Umsetzungsvariante
kommunikation bis 2023
MSK
kritischer Infrastrukturen verbessern will. Dazu soll Gegenwärtig laufen Pilotversuche, um technologi-
ein nationales sicheres Datenverbundsystem er- sche Lösungen für eine MSK zu testen, etwa den
stellt werden, das die wichtigen Führungsstand- Einsatz priorisierter SIM-Karten an Grossanlässen
orte mit einem geschützten, hochverfügbaren und oder den Einsatz mobiler Systeme. Bis 2023 wird
leistungsfähigen Datennetz (Sicheres Datenver- das BABS einen Bericht an den Bundesrat erstel-
bundnetz SDVN) verbindet. Sobald das Netz zur len, in dem der Bedarf und eine Umsetzungsva-
Verfügung steht, können darauf ein Datenzugangs- riante für eine schweizweite MSK präsentiert wer-
system (DZS) und für den Bevölkerungsschutz zen- den.
trale Anwendungen aufgebaut werden. Das Parla-
ment hat im Herbst 2019 150 Mio. Franken zur Fi- Zunehmende Herausforderungen für
nanzierung dieses Vorhabens gesprochen. Kommunikationsprojekte
Die Leistungsfähigkeit der Telekommunikations-
Dank der hohen Transportkapazität soll das Si- netze in der Schweiz wächst rasant. Für die Be-
chere Datenverbundnetz in Zukunft auch als Back- hörden ist es eine Herausforderung, die Chancen
bone für weitere Netze dienen. Gegenwärtig läuft dieses technologischen Fortschritts zu nutzen und
die Planung für die Anbindung kantonaler Stand- dabei gleichzeitig die Anforderungen an Verfüg-
orte an das SDVN. barkeit und Sicherheit der eigenen Kommunika-
tionsmittel zu garantieren. Aus Kosten- und Ef-
Breitbandkommunikation für mobile Geräte, fizienzgründen ist bei künftigen Projekten eine
Sensoren, Drohnen Zusammenarbeit mit kommerziellen Anbietern an-
Einsatzkräfte aller Blaulichtorganisationen set- gezeigt. Gleichzeitig muss die Abhängigkeit von
zen heute Smartphones oder Tablets ein, sei es einzelnen Partnern begrenzt bleiben. Wenn man
für den mobilen Zugang zu Datenbanken, für die sich einmal für die Systeme eines Dienstleisters
Übertragung von Videobildern an die Zentrale oder entschieden hat, ist ein Anbieterwechsel später
für den Datenaustausch mit Drohnen. Dabei nut- nur schwer zu bewerkstelligen. Es gilt also, tech-
zen die Einsatzkräfte kommerzielle Mobilfunk- nologische Lösungen zu finden und Vertragssitu-
netze. Eine mobile breitbandige Sicherheitskom- ationen zu schaffen, welche diesem Risiko Rech-
munikation (MSK) soll sicherstellen, dass dieser nung tragen.
Austausch auch dann funktioniert, wenn ein Strom-
ausfall oder eine Überlastung die kommerziellen Auch Politik und Öffentlichkeit müssen von der
Mobilnetze blockiert. Eine MSK würde nicht als Notwendigkeit der grossen Investitionen über-
eigenständiges Netz realisiert, sondern es würden zeugt werden. Dies muss gleichzeitig auf Bundes-
Teile der kommerziellen Infrastruktur so aufgerüs- und Kantonsstufe gelingen. Nur wenn die Ressour-
tet und verbunden, dass sie im Bedarfsfall weiter- cen aller Partner gleichzeitig zur Verfügung stehen,
hin zur Verfügung stehen. Situativ könnte eine MSK kann eine neue Technologie innert nützlicher Frist
mit mobilen Antennen erweitert werden, etwa bei und mit vertretbarem Aufwand schweizweit einge-
einem Grosseinsatz in einem Gebiet ohne Netz- führt werden.
abdeckung.BABS 21/22
Laufende Projekte: Zivilschutz 22
Die Planung von Schutzanlagen
wird digital
Basierend auf dem Drahtmodell., welches
für die Planung dient, lassen sich auch
fotorealistische Darstellungen erzeugen.
Text: Cédric Vuilleumier, Projektleiter BABS
Illustrationen: Jan Krähenbühl, BIM Manager BABS
Das Genehmigungsverfahren für die Erneuerung von Schutzanlagen
basiert nach wie vor auf physischen Plänen. Mit der Einführung von drei-
dimensionalen, digitalen Modellen soll das Verfahren wirtschaftlicher,
ressourceneffizienter und nachhaltiger werden. Ziel ist es, die Kosten
pro Projekt zu senken und gleichzeitig die Qualität zu verbessern.
In den letzten 60 Jahren wurden die technischen in Papierform in dreifacher Ausfertigung an das
Einrichtungen der Schutzanlagen den neuen Nor- BABS, um sie dort zur Genehmigung abstempeln
men und Technologien angepasst und weiterent- und unterschreiben zu lassen.
wickelt, während sich die Planungs- und Geneh-
migungsverfahren kaum verändert haben. Nach Das BABS hat nun ein strategisches Projekt ge-
wie vor senden die Projektplaner ihre Dossiers startet, um die Arbeitsweise in diesem Bereich zu23
modernisieren. Es wurden mehrere Produkte initia- Ergänzungen oder Änderungen vornehmen, sofern
lisiert, darunter die Integration der BIM-Methode diese den Mindestanforderungen entsprechen.
(Building Information Modeling) für die Erneuerung
der Schutzanlagen. Obwohl Ziele und Grundprin- Die Vorteile der neuen Methode sind beeindru-
zipien dieser Methode weitgehend veröffentlicht ckend: In Zukunft sollte die Planung einer solchen
sind, ist ihre Anwendung nicht selbsterklärend. Es Anlage nur noch wenige Wochen statt mehrere
ist notwendig, sich die Methode anzueignen und Jahre dauern. Dies führt zu einer substanziellen
deren Mehrwert für den Prozess des Genehmi- Kostenreduzierung während die Qualität verbes-
gungsverfahrens zu bestimmen. sert wird. Die Methode sorgt für Transparenz zwi-
schen den verschiedenen Akteuren, sie ist mit der
Ein Pilotprojekt dazu wird an einer Schutzanlage Telearbeit vereinbar und reduziert das Drucken
der Gemeinde Andeer in Graubünden umgesetzt. zahlreicher Pläne und Dokumente.
Die kantonalen und kommunalen Behörden waren
von den Vorteilen der Methode überzeugt und ha- Das BABS hat weitere Projekte im Zusammenhang
ben sich bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. mit den Schutzbauten gestartet, wie zum Beispiel
Die einzelnen Rollen wurden neu definiert und die der Einsatz von Mess-Sensoren mit Alarmmel-
Mitarbeitenden des BABS entwickelten sich von dungen zur Optimierung des Unterhalts, die Ob-
Prüfern zu Planern. Die einzelnen Komponenten jekterkennung mittels künstlicher Intelligenz so-
der Anlage lassen sich dreidimensional darstel- wie die Aufbereitung und Präsentation von techni-
len und die Eigenschaften der Komponenten kön- schen Weisungen in digitaler Form.
nen direkt in das Modell eingebracht werden. Bei
diesen Eigenschaften handelt es sich um physika-
lische Grössen, Kosten oder andere, für die Pla-
nung und Realisierung des Projekts relevante Infor-
mationen. Konflikte zwischen den Komponenten
lassen sich im Modell identifizieren, so dass Än-
derungen während der Realisierung vermieden
werden können. Der Eigentümer
der Anlage erhält anschliessend
vom BABS einen Vorschlag für
die Konfiguration der Anlage
und kann jederzeit
Pilotprojekt: Kommandoposten KP II,
Bereitstellungsanlage BSA II
Schutzanlage
• Eigentümer: Gemeinde Andeer (GR)
• Fläche: 928 m2
• Kapazität: 120 Personen
• Modernisierungen: Lüftungsanlage,
Elektronik, Telematik
Modell
• Filegrösse: 168 MB
• Anzahl modellierte Komponenten: 1979
• BIM Software: REVIT 2019
• Rendering: BLENDER 2.9BABS 21/22
Laufende Projekte: Risikogrundlagen 24
Das grosse Beben von Basel 1356: Darstellung in der «Chronicon Helvetiae» von Christoph Silberysen aus dem 16. Jahrhundert
(Aargauer Kantonsbibliothek). Die Bevölkerung hatte damals Glück im Unglück: Weil die Menschen bereits nach dem heftigen
Vorbeben aus der Stadt flüchteten, waren nur etwa 100 Tote zu beklagen.
Erkenntnisse aus der Risiko- und
Trendanalyse für den Schweizer
Bevölkerungsschutz
Auch wenn die Schweiz mit den Unwettern im Sommer 2021 relativ glimpflich
davongekommen ist, haben die Überschwemmungen in Belgien, Deutschland und
der Niederlande sowie die Waldbrände im Mittelmeerraum und Nordwestame-
rika gezeigt, dass wir in neuen Dimensionen denken müssen, wenn wir von Extrem
ereignissen sprechen, die zu Katastrophen und Notlagen führen. Es stehen zwei
Fragen im Vordergrund: Welche Erkenntnisse lassen sich aus der nationalen
Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» ziehen und was ist aufgrund
der «Trendanalyse Bevölkerungsschutz 2030» in Zukunft zu erwarten?
Stefan Brem, Chief Risk Officer BABS25
Mit der nationalen Risikoanalyse
«Katastrophen und Notlagen Schweiz»
(KNS) schafft das BABS Grundlagen für die
vorsorgliche Planung und Ereignisvorberei-
tung auf allen staatlichen Ebenen.
Das BABS hat – nach 2013 und 2015 – im Novem- über Versorgungsengpässe bis zu Vertrauensver-
ber 2020 die dritte Auflage der nationalen Risiko- lust in die Behörden mit gelegentlichen Aufrufen
analyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» zu Widerstand gegen Anordnungen, teilweise gar
(KNS) publiziert.1 Dabei werden für die Schweiz re- gefolgt von Gewalttätigkeiten an Demonstrationen.
levante Gefährdungen identifiziert und Szenarien Diese Erkenntnisse sind noch nicht in der aktuellen
möglicher Ereignisabläufe beschrieben. Die Aus- Ausgabe des Risikoberichts enthalten. Dies, weil
wirkungen und Häufigkeit/Plausibilität der Szena- die Corona-Pandemie zum Zeitpunkt der Publika-
rien wurden in interdisziplinären Workshops mit tion von KNS 2020 noch nicht abgeschlossen war.3
Fachleuten von Bund, Kantonen und Gemeinden,
Wirtschaft und Wissenschaft eingeschätzt. Dabei Wird hingegen auf die Häufigkeit fokussiert, sind
rangieren die Szenarien Strommangellage, Influ- die Szenarien Einschränkung Schiffsverkehr, Eng-
enza-Pandemie, Mobilfunkausfall, Hitzewelle und pass Erdölversorgung oder Ausfall eines Rechen-
Erdbeben an vorderster Stelle im Risikodiagramm2. zentrums weit vorne platziert. Beruhigend bei allen
Werden nur die Auswirkungen betrachtet, nehmen drei Gefährdungen ist, dass aufgrund der vorberei-
die Szenarien bewaffneter Konflikt, Strommangel- teten Massnahmen (z. B. Pflichtlager bei Erdölpro-
lage, Erdbeben, Influenza-Pandemie und KKW-Un- dukten oder redundante Rechenzentren) die Aus-
fall die vorderen Ränge ein. wirkungen relativ gering sind. Dies trägt dazu bei,
dass die Risiken überschaubar und v. a. bewältig-
Die Auswirkungen einer Pandemie – wenn auch bar bleiben. Bei sämtlichen Überlegungen muss
nicht hervorgerufen durch ein Grippe-Virus – erle- man sich jedoch bewusst sein, dass sich diese
ben wir seit Anfang 2020. Wobei nicht nur die ge- Aussagen auf spezifische Szenarien stützen und
sundheitlichen Aspekte (Kranke und Tote) von Be- nicht das Gesamtrisiko sämtlicher möglicher Sze-
deutung sind, sondern – wie sich bei der Corona- narien umfassen.
Pandemie gezeigt hat – auch die wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Folgen. Diese reichen von
finanziellen Einbussen in betroffenen Branchen
1 KNS: www.risk-ch.ch 3 KNS versteht sich – wie auch Risikoanalysen für den
2 Siehe dazu ein Auszug aus dem Risikodiagramm im Bevölkerungsschutz und das Katastrophenmanagement
Übersichtsartikel zum Klimawandel und Bevölkerungsschutz anderer Länder – nicht als aktuelle Lagebeurteilung, sondern
auf Seite 42 sowie ausführlich in den KNS-Unterlagen auf als mittel- bis langfristige Grundlage für eine strategische
www.risk-ch.ch. Auslegeordnung sowie für vorsorgliche Planungen.BABS 21/22
Laufende Projekte: Risikogrundlagen 26
30 25 20 15 Jahre
Top 10 (11) Einschränkungen Schiffsverkehr
Häufigkeit Engpass Erdölversorgung
einmal in x Jahren Ausfall Rechenzentrum
Unwetter
Hitzewelle
Waldbrand
Ausfall Mobilfunk
Stromausfall
Natur Strommangellage
Technik Absturz Luftfahrtobjekt
Gesellschaft Hagelschlag
0 40 80 120 160 180 200 Mrd. CHF
Top 10 Strommangellage
Schadensausmass Erdbeben
Mrd. CHF Influenza-Pandemie
KKW-Unfall
Hochwasser
Anschlag mit Bakterien
Anschlag mit Dirty Bomb
Natur Ausfall Mobilfunk
Technik Andrang Schutzsuchender
Gesellschaft Sturm
Darstellung der aggregierten Schäden monetarisiert in Mia CHF und der Häufigkeit, ausgedrückt in einmal in x Jahren. Bei den
Schäden werden insgesamt 12 Schadensindikatoren aus den Bereichen Personen, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft aggregiert.
Im Fokus steht insbesondere die Strommangel- Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich
lage. Besorgniserregend ist, dass sie sowohl in der denn auch bei einem weiteren Risiko, welches weit
Auswirkungsrangliste wie auch im Risikodiagramm vorne rangiert – der Hitzewelle. Diese ist spätes-
weit oben platziert ist. Für die Bewältigung einer tens seit dem Sommer 2003 präsent. Im Som-
Strommangellage sind zwar zahlreiche Massnah- mer 2021 ist die Schweiz zwar von einer länge-
men vorbereitet und angedacht, und das Szena- ren Hitzewelle verschont geblieben, dafür haben
rio wurde im Rahmen der Sicherheitsverbundsü- wir in diesem Jahr erlebt, was es bedeutet, wenn
bung 2014 durchgespielt. Das Thema bleibt aber die aufgewärmte Atmosphäre mehr Feuchtigkeit
relativ abstrakt, da die Schweiz bisher von einer aufnehmen kann und diese in Form von Starknie-
Strommangellage oder einem grösseren Strom- derschlägen oder Hagel wieder entlädt.
ausfall verschont geblieben ist. Dennoch gab es
Zwischenfälle: Die Schweiz war im September Zukünftige Entwicklungen
2003 Ausgangspunkt eines landesweiten Strom- Gestützt auf die nationale Risikoanalyse besteht
ausfalls in Italien, und seither ist unser Land mehr- ein guter Überblick über die Risikolandschaft
mals (2005, 2006, Januar 2021) an einem Blackout Schweiz. Es bleibt jedoch zu berücksichtigen, dass
nur knapp vorbeigeschrammt. Risikoanalysen meist auf Erfahrungswerten basie-
ren. Das BABS hat deshalb entschieden, sich – zu-
Auch ein Erdbeben scheint in weite Ferne gerückt, sammen mit dem Center for Security Studies an
da als Referenzpunkt das Erdbeben von 1356 in der ETH Zürich – auch zukünftigen Entwicklungen
Basel gilt. Doch hat die Schweiz auch im 20. Jahr- und Trends anzunehmen. Dabei interessieren nicht
hundert schadensreiche Starkbeben (Sierre, 1946) nur die daraus resultierenden Herausforderungen,
erlebt und ist immer wieder von kleineren Erdbe- sondern auch die Chancen, die für den Bevölke-
ben betroffen. Aufgrund der grösseren Sachwerte- rungsschutz nutzbringend umgesetzt werden
konzentration in Städten und Agglomerationen hat könnten. Dies zeigt sich exemplarisch am Einsatz
sich das Erdbebenrisiko mittlerweile erhöht. von unbemannten Systemen wie Drohnen, die so-
wohl mit terroristischer Absicht gegen zivile Ziele27
Sharing Economy Gouvernanz kritischer
Infrastrukturen
Klimawandel
Metropolisierung
Demografischer und
Wertewandel
Social Media
Künstliche Intelligenz
Mobilität
Geopolitischer
Wandel
Unbemannte
Systeme
Digitalisierung Konvergente
Technologien
Angepasste Darstellung der untersuchten Trends in der Trendanalyse Bevölkerungsschutz 2030: Unsicherheiten,
Herausforderungen, Chancen.
eingesetzt, aber eben auch gewinnbringend für Globale Trends im
Erkundungsflüge, als Sensoren oder für die Lo-
Bevölkerungsschutz
gistik genutzt werden können. Ende 2020 ist die
zweite Auflage der ETH-Studie erschienen4, wo-
bei 12 Trends hinsichtlich ihrer Herausforderungen In den folgenden Abschnitten5 wird eine ausge-
und Chancen untersucht wurden. Zusätzlich wurde wählte Anzahl von Trends auf eine ebenso ver-
analysiert, wie sich der jeweilige Trend insgesamt kürzte Auswahl von Gefährdungen angewendet:
auf das Bevölkerungsschutzsystem auswirken
könnte, wie der Trend beeinflusst werden kann und Die Digitalisierung entwickelt sich weiter und wird
ob man in der Lage ist, die positiven Aspekte des durch die Anwendung künstlicher Intelligenz um
Trends tatsächlich zu nutzen respektive die nega- einiges komplexer. Die Abhängigkeit der Gesell-
tiven Aspekte zu vermeiden. schaft von digitalen Dienstleistungen und die Be-
deutung einer sicheren Kommunikation wird stei-
gen. Aber auch die Digitalisierung und die Vernet-
zung von kritischen Infrastrukturen wird zunehmen.
Die Konsequenzen von Ausfällen dieser kritischen
Infrastrukturen werden dadurch noch gravieren-
der. Dies zeigt sich bei der Stromversorgung, aber
auch bei den Informations- und Kommunikations-
technologien – mit Auswirkungen auf andere kriti-
sche Infrastrukturen.
5 Die folgenden Abschnitte dieses Unterkapitels stüt-
4 Center for Security Studies (ETH-CSS) (2021): Trend Ana- zen sich auf die Ausführungen des Risikoberichts des BABS
lysis Civil Protection 2030. Uncertanties, Challenges and Op- zur nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen
portunities. ETH Zürich. Schweiz» (BABS, 2020).Sie können auch lesen