Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn

Die Seite wird erstellt Vera Bode
 
WEITER LESEN
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
No 1/2021

      Baubeginn
      beim Königshof
      Seite 10

      Felix Strässle geht in Pension
      Seite 6
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Mehr zu den Dampfschiffen auf
                                                                                                                  dem Thunersee: strom-online.ch/dampf

                                                                                                                                                                                      Alamy Entlebuch
                                                                  ive
                                                            Inklus rt-Bus

                                                                                                                                                                                  AG /Biosphäre
                                                                                 fo
                                                                         Com i im Bus
                                                                rt im              el
                                                        • Fah und Gipf n Thun

                                                                                                                                                                              UNESCO
                                                             fee                  ng i               ersee
                                                      • K a f
                                                                        fü  h r u
                                                                                          m  Thun

                                                                                                                                                                   Fotos: zVg BLS
                                                                  a d t               d e
                                                              st                    f               ff
                                                        • Alt ffahrt au em Schi
                                                      m p
                                                                   f
                                                          fschi ssen auf
                                                                                      d
                                                                                            t e r laken
                                                                                          n
                                                  • Da Mittage                    ung I
                                                        •                chtig ationen
                                                            e i e Besi         s e rv
                                                       •F  r               R  e            tion
                                                                 • Alle organisa
                                                                       e i s e
                                                                   •R

Belle Époque vor den Berner Alpen                                                                            Ja, ich bin bei der
                                                                                                             «energie»-Leserreise mit dabei!
Der Thunersee dampft                                                                                         Buchen Sie telefonisch unter 056 461 61 61
Thun ist das Tor zum Berner Oberland mit einer reichen Geschichte, die bis                                   (Kreditkarte bereithalten)
in die Jungsteinzeit zurückgeht und mit reichen archäologischen Funden                                       oder online unter energie-leserangebot.ch
belegt ist. Die Stadt bedeutet aber auch Armee und Wehrhaftigkeit mit                                        Preis pro Person: CHF 115.– inkl. MwSt.
ihren Kasernen und Rüstungsbetrieben und dem Schloss Thun. Wer zu                                            (Kreditkartenzahlung, keine Reduktion mit Halbtax
Beginn des Tourismuszeitalters, Mitte des 19. Jahrhunderts, die Berner                                       oder GA, Rechnungszuschlag CHF 3.–).
Alpen aus der Nähe sehen wollte, musste hier aufs Schiff umsteigen. Zeugen
jener Zeit sind der Salondampfer «Blümlisalp» und die kleinere «Spiez»,
                                                                                                             Ab Windisch / Aarau / Olten
die 2020 eine nagelneue Dampfmaschine erhalten hat. Das «Spiezerli» ist                                      Dienstag, 3. August 2021
somit eines der ältesten Schiffe der Schweiz und zugleich das modernste                                      Mittwoch, 18. August 2021
Dampfschiff der Welt. Wir reisen mit dem Bus nach Thun und erleben                                           Donnerstag, 26. August 2021
einen Stadtrundgang, der uns die facettenreiche Geschichte dieser Stadt
                                                                                                             Ab Winterthur / Zürich
näherbringt. Danach besteigen wir den Salondampfer «Blümlisalp» und                                          Mittwoch, 4. August 2021
geniessen in seinem spektakulären Jugendstil-Interieur das Mittagessen.                                      Dienstag, 17. August 2021
In Interlaken gibt es genügend Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang                                       Freitag, 27. August 2021
durch den Ort, bevor es dann heimwärts geht.                                                                 Ab Zug / Luzern
                                                                                                             Donnerstag, 5. August 2021
                                                                                                             Mittwoch, 25. August 2021
                                                                                                             Ab Biel / Lyss / Bern
                                                                                                             Freitag, 6. August 2021
                                                                                                             Donnerstag, 12. August 2021
                                                                                                             Ab Münchenstein / Pratteln / Liestal
                                                                                                             Dienstag, 10. August 2021
                                                                                                             Donnerstag, 19. August 2021
                                                                                                             Ab Jegenstorf / Solothurn
                                                                                                             Mittwoch, 11. August 2021
                                                                                                             Rückkehr jeweils zwischen 17.15 und 18.30 Uhr.
Anmeldebedingungen: Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, daher erfolgt die Reservation nach der                Witterungsbedingte Programmänderungen sind möglich.
Reihenfolge der Anmeldungen. Sie erhalten eine Bestätigung. Annullierung: Eintägige Busreisen
können nicht annulliert werden. Es gelten die Vertragsbedingungen der Eurobus-Gruppe, die Sie                Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Eurobus:
jederzeit bei Eurobus anfordern oder im Internet unter eurobus.ch einsehen können.                           056 461 61 61, leseraktion@eurobus.ch
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Inhaltsverzeichnis No 1/2021

                                                                                Den Blick auf die                                           4	­Spotlights Kurzmeldungen aus nah und fern
                                                                                Zukunft richten                                             6	Pensionierung Felix Strässle hat die Regio
                                                                                                                                               Energie Solothurn über die Jahre geprägt
                                                                                Als Versorgungsunternehmen sind wir gefordert,
                                                                                langfristig zu planen. Eine grosse Investition ist der     10	Baubeginn Das neue Reservoir Königshof
                                                                                Bau des neuen Reservoirs Königshof. Damit wird e­ in           verbessert Solothurns Wasserversorgung
                                                                                wichtiger Teil der Wasserversorgung von Solothurn
                                                                                modernisiert. Zudem wird das hydraulische Gesamt-          12	Infografik Windkraftwerke sind Hightech
                                                                                system für die kommenden Jahrzehnte optimiert.
                                                                                Es geht da um ein Jahrhundertbauwerk. Bis zum              14	Wasserstoff und das Klima Der ewige
                                                                                Spatenstich mussten wir uns gedulden. Einsprachen              Energieträger der Zukunft ist die einzige
                                                                                verzögerten die Baubewilligung um mehrere Jahre.               Möglich­keit, die Klimaziele zu erreichen
                                                                                Nach über zehn Jahren seit Planungsbeginn sind die
                                                                                Bauarbeiten jetzt in vollem Gange.                         18	Solothurn will Gold Seit 17 Jahren ist
                                                                                Erfreulich ist auch, dass wir seit dem 1. Januar 2021          Solothurn Energiestadt. Nun werden die
                                                                                eine weitere Gemeinde mit Strom beliefern dürfen.              Ansprüche höhergeschraubt
                                                                                Wir danken Lüterkofen-Ichertswil für das entge-
                                                                                gengebrachte Vertrauen. Gemeinden nehmen eine              20	Zählerablesungen Viele Kundinnen und
                                                                                Schlüsselposition in der Umsetzung der Energie­                Kunden empfangen regelmässig Besuch
                                                                                strategie 2050 ein. Als Energiestadt geht auch                 von der Regio Energie Solothurn
                                                                                ­Solothurn mit gutem Beispiel voran. Im Rahmen
                                                                                 einer neuen Serie stellen wir Ihnen das Engagement        22	Fata Morgana der negativen Preise
                                                                                 der Stadt vor.                                                Stromerzeuger haben gelernt, die Preise
                                                                                 Und schliesslich befassen wir uns mit den bevor-              stabil über null zu halten
                                                                                 stehenden Verände­rungen bei der Regio Energie
                                                                                 ­Solothurn. Nach meiner ordentlichen ­Pen­­sionie­-       23	Preisrätsel Gewinnen Sie ein Wochenende
                                                                                  ­rung Ende Mai 2021 wird mein Nachfolger Marcel              im Grandhotel Giessbach oder einen Ausflug
                                                                                   ­Rindlisbacher die Führung übernehmen. ­Ich danke           mit Eurobus
                                                                                    Ihnen, liebe Kundinnen und Kunden, für die vielen
                                                                                    guten Kontakte, welche ich während ­20 Jahren          24	Strooohm! Abgefackeltes Erdgas und alte
                                                                                    ­pflegen durfte. Gerne habe ich mich für Sie und für       Bohrlöcher sind ein enormes Klimaproblem
                                                                                     eine zuverlässige und wettbewerbsfä­hige Versor-
                                                                                     gung engagiert.

                                                                                Alles Gute – in dieser
                                                                                schwierigen Zeit wie
                                                                                auch in Zukunft!                                            6

                                                                                Felix Strässle,
                                                                                Direktor
                                                                                Regio Energie
Titelbild: Studio Jeker Fotos: Studio Jeker / Michel Lüthi, bilderwerft.ch

                                                                                Solothurn

                                                                             Regio Energie Solothurn
                                                                             Rötistrasse 17, 4502 Solothurn
                                                                                                                                           10
                                                                             Hauptnummer		                    032 626 94 94
                                                                             Pikett Strom 		                  032 622 47 61
                                                                             Pikett Gas/Wasser/Fernwärme      032 622 37 31
                                                                             Energieberatung		                032 626 94 40
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Spotlights

                                                                     75%
                                                                                                                                     Gezielte Suche nach Leckstellen
                                                                                                                                     Die Sicherheit der Kundinnen und Kunden steht bei
                                                                                                                                     der Regio Energie Solothurn an erster Stelle. Deshalb
                                                                                                                                     prüft die Energiedienstleisterin jedes Jahr zwischen
                                                                                                                                     den Monaten März und September die Hälfte ihres
                                                                                                                                     ­gesamten Gasleitungsnetzes auf mögliche Leckstellen.
                                                                                                                                      Die Arbeiten werden von Mitarbeitenden der Regio
                                                                                                                                      Energie Solothurn ausgeführt. Das Leitungsnetz ist
                                                                                                                                      mehrheitlich unter der Strasse verlegt und wird zu
                                                                     2019 stammte der Strom aus Schweizer                             Fuss abgelaufen. Zur Lecksuche wird ein Stab mit ei-
                                                                                                                                      nem «Teppich» am Endstück verwendet. Dieser ist mit
                                                                     Steckdosen zu rund 75 Prozent (2018:                             einem hochpräzisen Messgerät verbunden, mit dem ­­in
                                                                     74%) aus erneuerbaren Energien: zu                               der Luft nach kleinsten Mengen an Methanpartikeln
                                                                                                                                      gesucht wird. Da die Leitungsstränge teilweise über
                                                                     66 Prozent aus Grosswasserkraft und                              private Grundstücke verlaufen, müssen die Mitarbei-
                                                                                                                                      tenden diese betreten. Vielen Dank für Ihr Verständnis!
                                                                     zu 8,4 Prozent aus Photovoltaik, Wind,
                                                                     Kleinwasserkraft und Biomasse. 19 Pro­
                                                                     zent stammten aus Kernenergie und
                                                                     knapp 2 Prozent aus Abfällen und fos-
                                                                     silen Energieträgern. Für 4 Prozent des                           «Es ist eine traurige
                                                                     gelieferten Stroms sind Herkunft und                            Realität, dass es sich in
                                                                     Zusammensetzung nicht überprüfbar                               der Schweiz nicht lohnt,
                                                                     (2018: 6%).
                                                                                                                                      in die Energiewende
                                                                                                                                         zu investieren.»
                                                                     Quelle: Bundesamt für Energie

                                                                                                                                                Christoph Brand, CEO Axpo

                                                                     Kraftwerk Erstfeldertal in Betrieb
                                                                                                 Im November 2020 hat das Kraft-
                                                                                                  werk Erstfeldertal seinen Be­-
                                                                                                   trieb aufgenommen. Es nutzt       Herzlich willkommen,
                                                                                                     das Was­ser des Alpbachs, der
                                                                                                                                     Lüterkofen-Ichertswil!
Fotos: shutterstock / zVg EWA / zVg Gemeinde Lüterkofen-Ichertswil

                                                                                                     das westlich von Erstfeld UR
                                                                                                     gelegene Erstfeldertal ent­
                                                                                                     wässert. Es handelt sich um
                                                                                                   eines der grössten noch nutz-
                                                                                                  baren Gewässer des Kantons Uri.
                                                                                                Die installierte Leistung beträgt
                                                                                           11 500 Kilowatt, die jährliche Produk-
                                                                     tion wird bei 32 Mio. Kilowattstunden liegen. Damit lassen
                                                                     sich gut 11 000 typische Haushalte versorgen (2-Personen-       Seit dem 1. Januar 2021 beliefert die Regio Energie
                                                                     Haushalt in einem Mehrfamilienhaus ohne Elektroboiler,          ­Solothurn die Einwohnerinnen und Einwohner von
                                                                     Jahresverbrauch 2800 Kilowattstunden). Schon 1920                Lüterkofen-Ichertswil mit Strom. Wir freuen uns, mit
                                                                     wurden Pläne zur Was­serkraftnutzung im Erstfeldertal            dieser schönen Gemeinde das Tor zum Bucheggberg
                                                                     gewälzt, ebenso in den 1950er-, 1960er- und 1980er-Jahren.       neu zu unserem Versorgungsgebiet zählen zu dürfen,
                                                                     2017 gelang dann die Wiederbelebung des Projekts.                und bedanken uns für Ihr Vertrauen.

                                                                     4
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
CO2 in der Atmosphäre
nimmt trotz Pandemie zu
Die Messstation Mauna Loa ist eine meteorologische Forschungsstation auf dem
gleichnamigen Vulkan auf Hawaii. Dort wird seit 1958 der Kohlen­dioxid-(CO2-)Gehalt
der Atmosphäre gemessen. Diese Messreihe heisst Keeling-Kurve – nach dem Forscher
Charles David Keeling. Es handelt sich um die längste kontinuierliche Aufzeichnung
der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Die Messungen zeigen, dass der CO2-Ge-
halt unentwegt steigt. Hauptgrund ist die Verbrennung der fossilen Energieträger
Kohle, Erdöl und Erdgas. Auch die durch die Coronavirus-Pandemie verursachte Dros-
selung der wirtschaftlichen Aktivitäten und dadurch des Energie­verbrauchs hat
den Anstieg kaum gebremst. Die CO2-Konzentration lag 2020 bei über 410 ppm (parts
per million, Teilchen pro Million). Vor Beginn des Industriezeitalters betrug dieser
Wert 280 ppm. Die ­feinen jahres­zeitlichen Schwankungen der Kurve sind darauf zu-
rückzuführen, dass durch das pflanzliche Wachstum während der Vegetations­periode
viel CO2 aus der ­Atmosphäre verbraucht wird. Dadurch sinkt der CO2-Gehalt. Ausser-
halb der Vegetationsperiode steigt er dafür umso mehr an.

  CO2-Gehalt der Atmosphäre (ppm)

  420

  400

  380

  360

  340

  320

  300
        1960          1970         1980          1990          2000        2010   2020

        Jahr

Quelle: University of California San Diego, Primary Mauna Loa CO2 Record

                                                                                         5
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Fotos: Studio Jeker / Michel Lüthi, bilderwerft.ch

6
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Nach 20 Jahren als Direktor geht Felix Strässle per Ende Mai 2021 in Pension.
Unter seiner Führung entwickelte sich die Regio Energie Solothurn zu einer
markt­orientierten Energiedienstleisterin. Die aktuellen energiepolitischen
Dis­kussionen betrachtet er mit kritischem Blick.

«Technische Facts
passen oft nicht ins
Wunschkonzert»
                                                                                           2001
                                                                                           Kostenoptimierung beim Stromeinkauf.

                                                                                           2002
                                                                                           Aus den 1994 verselbständigten
                                                                                           Städtischen Werken Solothurn (SWS)
  Interview: Barbara Graber                                                                wird die Regio Energie Solothurn.
                                                                                              Schrittweise Umgestaltung des
                                                                                           Angebots. Lancierung des Contractings
                                                                                           für Wärmeanlagen, sukzessive
                                                                                           Erwei­te­rung auch für PV-Anlagen und
                                                                                           Stromspeicher. Heute profitieren 167
                                                                                           Kunden vom Sorglospaket für Planung,
                                                                                           Finanzierung, Betrieb und Unterhalt
                                                                                           ihrer Anlage.

                                                                                           2007
                                                                                           Beteiligung an der Kompogas Utzenstorf
Am 1. April 2001 haben Sie die Stelle        dass die Strommarktöffnung technisch          AG. Grün­abfälle werden zu Kompost und
als Direktor der Regio Energie Solothurn     nicht funktionieren werde. Am liebsten        Biogas ver­gärt, das in das Gasnetz
angetreten. Können Sie sich an Ihren         hätte man das Thema verdrängt. Dies be-       eingespeist oder für die Produktion von
                                                                                           Ökostrom verwendet werden kann.
ersten Arbeitstag erinnern?                  stätigte mir, dass wir das Unternehmen           Übernahme des Fernwärmezweigs von
Das ist lange her, aber ich mag mich gut     von bewährter robuster Technik auf die        der Keh­richtverwertungsanlage KEBAG
erinnern, dass mich alle Mitarbeitenden      Bedürfnisse des Marktes und der Kund­         zur Industrie in Zuchwil. Ausbau zu einem
                                                                                           weit­läufigen Fernwärmenetz in Zuchwil,
mit «Herr Direktor» angesprochen ha-         schaft in einem Wettbewerbsumfeld ent-        ab 2011 auch in Solothurn.
ben. Das kam mir als damals 45-jährigem      wickeln müssen. Dazu galt es, den Mitar­
Jüngling krass vor, und es offenbarte eine   beitenden aufzuzeigen, dass Wettbewerb
Kluft. Es dauerte ein paar Wochen, bis       nichts Schlechtes ist. Mit den einsetzen­
ich meinen Mitarbeitenden klarmachen         den Erfolgen stieg die Freude, auf die
konnte, dass sie den «Direktor» in der       Kund­schaft zuzugehen und im Angebot
Anrede weglassen sollen.                     noch aktiver zu werden.

Was für ein Unternehmen haben                Wie hat sich die Rolle des Energieversor-
Sie in Solothurn angetroffen?                gers in Bezug auf Ökologie entwickelt?
Mein Vorgänger hat mir ein gesundes Un­      Als ich kürzlich die Geschäftsberichte seit
ternehmen übergeben; das Fach-Know­          2001 durchgeblättert habe, ist mir auf­ge­    2008
                                                                                           Inbetriebnahme des Gasröhrenspeichers
how war gut vorhanden, die Abläufe funk­     fallen, dass das Thema «Ökologie» erst        mit einem Speichervolumen von 3,7 Mio.
tionierten, die Handlungsfähigkeit war       etwa seit 2012 zum zentralen Thema wur­-      kWh in Etziken. Er sichert die Gasver­
ge­schaffen, und die finanzielle Basis der   de. Zuvor war «Marktöffnung» DAS The­         sorgung und erweitert den Spielraum
                                                                                           bei der kostenoptimierten Beschaffung.
Städtischen Werke Solothurn war ge-          ma. Die Diskussion um die Energiestrate­
sund. Es war offenbar, dass Veränderun-      gie 2050 mit der Volksabstimmung hat          2012
gen anstehen und dass mit der Liberali-      hier wohl den Auslöser gegeben.               Gründung der Wasserverbund Region
                                                                                           Solothurn AG mit der Gemeinde Zuchwil.
sierung die Kunden eine zentrale Rolle                                                     Mit dem Verbund können bestehende
spie­len werden.                             Aber die Regio Energie Solothurn              Kapazitäten im Bereich der Wasser­
                                             hat bereits 2002 das Ökostrom-                versor­gung besser ausgeschöpft werden.

Sie sagen, dass die Liberalisierung,         produkt «Naturstrom» eingeführt.              2013
d.h. die Strommarktöffnung, anstand.         Das stimmt. Auch unsere ersten Photo­         Lancierung der Stromprodukte «so güns-
War das Thema präsent?                       vol­taikanlagen haben ein älteres Datum.      ­tig», «so regional» und «so na­tür­lich»
                                                                                            sowie des Produkts «Sonnen-Scheine»
Ich spürte ein grosses Unbehagen, wenn       Aber die breite Politik hatte das Thema        zur Beteiligung an PV-Anlagen. 2020
nicht gar Angst. Die Ingenieure meinten,     damals noch nicht für sich gepachtet.          folgt das Stromprodukt «so erneuerbar».

                                                                                                                                   7
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Mit dem Bau von öffentlichen
                                                                              E-Ladestationen stieg die
                                                                              Regio Energie Solothurn 2019 in
                                                                              ein weiteres Geschäftsfeld ein.

                                                                                           wo denn all der erneuerbare Strom im
                                                                                           Win­ter­halbjahr, wenn die Sonne meine
                                                                                           PV-­Anlage nicht beglückt, herkommt.

                                                                                           Eine Lösung der Politik ist das
                                                                                           Importieren von Strom.
                                                                                           In meinen Augen eine unlautere Lösung.
Gemeinsam mit Nationalrat Stefan
Müller-Altermatt (2.v.l.) und dem                                                          Der importierte Strom genügt unseren
damaligen Direktor des Bundesamts                                                          ökologischen Ansprüchen in grossen Tei-
für Energie, Walter Steinmann, eröffnete                                                   len nicht. Der eingegangene Weg wird
Felix Strässle am 30. Juni 2015 das
Hybridwerk Aarmatt.                                                                        zudem problematisch, wenn auch die
                                                                                           Nachbarländer keine Überschüsse mehr
                                                                                           haben. Leider kann dieser Elektrifizie-
                                                                                           rungstrend dazu irreleiten, auf gebaute
Heute wird das Thema politisch be­         bremst. Technische Facts passen leider          Gasnetze zu verzichten. Doch auch Gas
wirtschaftet. Bezüglich Ökologie leben     oft nicht ins Wunschkonzert. Etwas mehr         wird erneuerbar! Und Gasnetze machen
wir in einer Art Dauerwahlkampf mit        Bodenhaftung und kleine, aber stetige           bei der Gesamtsystembetrachtung und
«löblichen Zielen». Das ist gefährlich.    und verkraftbare Schritte wären meines          bezüglich der Möglichkeit der Stromspei-
«Erneuerbare und energieeffiziente Ver­    Erachtens besser.                               cherung Sinn.
sorgung» ist ein fragiles und äusserst
anspruchsvolles Thema, bei welchem         Wie wird die Energieversorgung                  Unter Ihrer Führung hat die Regio
neben der Wirtschaftlichkeit auch noch     in 20 Jahren aussehen?                          Energie Solothurn innovative Projekte
physikalische Grundsätze berücksichtigt    Spannende Frage! Es gilt, die Ener­gie­ver-     umgesetzt. Was musste eine Idee
werden müssen.                             sorgung per 2050 auf «Klimaneutralität»         mitbringen, damit Sie entschieden, diese
                                           umzubauen. Auf diesem Weg wird viel             weiterzuverfolgen?
Wird die Sicht der Energie-­               pas­sie­ren. Absehbar ist, dass die Energie-    Dank dem, dass wir in mehreren Bran-
versorger einbezogen?                      zukunft mit Wärme­pumpen und Elektro­           chen tätig sind und wir uns in diesen auch
Wenn wir in Diskussionen hierzu bei­       mobilen in Richtung «Elektrifizierung»          engagieren, kamen Ideen auf, wie man die
tragen wollen, werden wir oft aus­
                                 ge­       läuft. Verdrängt wird derzeit die Frage,        Stärken des einen Systems mit den an­-

8
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
Gekleidet wie anno dazumal:
Felix Strässle und seine
Frau Jacqueline 2011 beim
his­torischen Märet anläss­lich
des 150-Jahr-Jubiläums der
Regio Energie Solothurn.
                                                                                                2014
                                                                                                Erstmals wird Biogas, das in der Klär­-
                                                                                                anlage der ZASE Zuchwil gewonnen wird,
                                                                                                in das Gasnetz eingespeist. Bis heute
                                                                                                ist die ZASE die wichtigste Biogasquelle
     deren vernetzen kann. Das eine ergab das          «Ich werde mir eine                      der Regio Energie Solothurn.
     Nächste, so «schaukelte» sich das Gan­ze         Beschäftigung suchen,                     2015
     hoch. Zur Umsetzung der Ideen brau­chte                                                    Erweiterung der Produktpalette für Lie­-
     es dann praktisch veranlagte «Macher»,
                                                          in welcher ich                        gen­schaften mit dem «SOclever-Haus».
     finanzielle Mittel, den richtigen Zeitpunkt      weiterhin ‹stra­tegisch                   Es kombiniert die Nutzung der Sonne
                                                                                                sowie den Wärme- und Energie­bedarf in
     und Gremien, welche den Mut hatten, uns           und kreativ wirken,                      Verbindung mit dezentralen Speichern.
     dies umsetzen zu lassen.                         navigieren und in die                     2015

     Was war Ihr grösster Erfolg in
                                                      Tat um­setzen› kann.»                     Inbetriebnahme des Hybridwerks
                                                                                                Aar­matt. Die einzigartige Anlage vereint
     Ihrer Zeit als Direktor?                                                                   die Netze von Strom, Gas, Wasser und
                                                                                                Fernwärme und ermöglicht die Umwan­d-
     Diese Frage müssten eigentlich andere
                                                                                                lung von einer Energieform in eine andere.
     beant­worten. Dennoch nenne ich hier den
     Auf­bau einer schlagkräftigen, en­ga­gier­-                                                2016
                                                                                                Übernahme der Stromnetzpacht der
     ten, kompetenten, zuverlässigen poly­va-      ich – diese müssen auch für meine lang-
                                                                                                Ge­meinde Leuzigen. Seit 2020 versorgt
     len­ten Crew. Dank dieser Crew und der        jährige Partnerin Jacqueline passen.         die Regio Energie Solothurn zudem
     ver­füg­baren finanziellen Mittel konnten                                                  Langendorf und seit 2021 Lüterkofen-
                                                                                                Ichertswil mit Strom.
     wir neue Geschäfte wie Fernwärme und          Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger
     Con­tracting aufbauen und viel­fäl­tige       Marcel Rindlisbacher?                        2017
     Dienst­ leistungen entwickeln. Auch auf       Ich wünsche Marcel gutes Stehvermögen,       Beteiligung an der Genos Energie AG,
                                                                                                Spezialistin für Solarenergie. 2020 folgt
     der Strom­einkaufs- und Produktionsseite      Hartnäckigkeit, auch etwas Geduld, ein
                                                                                                die Beteiligung an der ASR Haustechnik
     ist viel passiert. Besonders freut es mich,   gu­­tes Gespür für Menschen, viel Freude     AG und damit die Erweiterung der Kompe-
     dass sowohl mein Nachfolger wie auch          am proaktiven Angehen der vielseitigen       tenzen im Sanitär- und Lüftungsbereich.
     der neue Leiter Netze «Eigengewächse»         He­raus­for­derungen, eine robuste Ge­
                                                                                                2018
     sind, also Mitarbeitende, die ich vor zehn    sund­­heit und eine Prise Glück. Für diese   Start des EU-Forschungsprojekts
     und mehr Jahren einstellen und ihnen          Po­si­tion braucht es auch etwas Freude an   STORE&GO mit Einbezug des Hybrid-
                                                                                                werks zur Weiterentwicklung des
     die Entwicklung ermöglichen konnte.           Po­li­tik und damit ein persönliches Um-
                                                                                                Power-to-Gas-Verfahrens. Von 2019
                                                   feld, das mit dem Druck ebenfalls umge-      bis 2020 produzierte die Anlage er­folg­-
     Nun rückt der letzte Arbeitstag näher.        hen kann.                                    reich erneuerbares Gas.
     Freuen Sie sich auf Ihre Pensionierung?
     Welche Pläne haben Sie?                       Möchten Sie den Mitarbeitenden
     Ich freue mich darauf, meinen Ter­min­        der Regio Energie Solothurn noch
     plan wieder selber bestimmen zu kön­     -    etwas sagen?
     nen. Ich werde mir eine Beschäftigung         Ich mag diese Firma sehr und werde die
     suchen, in welcher ich weiterhin «stra­te-    mo­ti­vierten, engagierten, kompetenten
     gisch und kreativ wirken, navigieren und      und zu­ver­lässigen Mitarbeitenden sehr
     in die Tat um­setzen» kann. Ideen habe        ver­missen. Ich danke euch!

                                                                                                2019
                                                                                                Die Regio Energie Solothurn steigt in das
                                                                                                Geschäftsfeld Elektromobilität ein und
                                                                                                nimmt die ersten öffentlichen E-Ladesta-
                   Zur Person                                                                   tionen in und um Solothurn in Betrieb.

                                                                                                2020
         Felix Strässle ist seit April 2001 Direktor der Regio Energie                          Das Hybridwerk gewinnt in Verbindung
         Solothurn. Der dipl. Elektro-Ingenieur HTL (FH) mit je einem                           mit STORE&GO den Energiepreis Watt
                                                                                                d’Or. Bereits 2013 wurde das Projekt
         Nachdiplomstudium in Wirt­schafts­in­ge­nieurwesen und In-
                                                                                                Hybridwerk mit dem Inno Prix der Stif­-
         formatik und Absolvent des Schwei­zerischen Kurses für Un-                             tung Baloise Bank SoBa ausgezeichnet.
         ternehmensführung (SKU) wohnt in Solothurn und ist Vater                                  Mit dem Kauf von Alpiq-Aktien sichert
                                                                                                sich die Regio Energie Solothurn den Zu-
         von zwei erwachsenen Kindern. Im März 2021 wird er 65 Jahre
                                                                                                gang zu Strom aus Schweizer Wasserkraft
         alt und wird Ende Mai 2021 in Pension gehen.                                           und folgt den Vorgaben der Energiestra-
                                                                                                tegie hin zu erneuerbaren Energien.

                                                                                                                                            9
Baubeginn beim Königshof - Felix Strässle geht in Pension - No 1/2021 - Regio Energie Solothurn
In Rüttenen entsteht das neue Reservoir Königshof.                                    Wo im Moment ein
                                                                                    gigantisches Loch im
                                                                                      Wald klafft, wird in

Wasser­ für
                                                                                     naher Zu­kunft kaum
                                                                                     mehr als eine kleine
                                                                                    Zu­gangs­tür zu sehen
                                                                                        sein. Projektleiter
                                                                                    Andrew Lochbrunner
                                                                                   hat die Sache im Griff.

die Zukunft
von Solothurn
     Text: Barbara Graber

                                                     Die grosse Baustelle oberhalb des Patri-
                                                     ziersitzes Königshof in Rüttenen ist nicht
                                                     zu übersehen. Wer hier stolpert, fällt ­tief.
                                                     Ganze 13 Meter, um genau zu sein. An die-
                                                     sem Ort baut die Regio Energie S
                                                                                    ­ olothurn
                                                     das neue Reservoir Königshof. Für die
                                                     30 Meter breite und 60 Meter lange Gru-
                                                     be wurden rund 18 000 Kubikmeter Erde
                                                     aus­gehoben. Nicht nur die Dimension des
                                                     Bauprojekts ist besonders für die Was-
                                                     serversorgerin. Die bestehenden Reser­
                                                     voire Steingrube und Gisihubel, welche
                                                     künftig durch das Reservoir Königshof
                                                     ersetzt werden, sind 140 und 90 Jahre
                                                     alt. «Für die Regio Energie Solothurn ist
                                                     das Projekt somit ein Jahrhundertbau-
                                                     werk», sagt der Leiter Netze Wasser und
                                                     Fernwärme, Andrew Lochbrunner. «Die
                                                     Wasserversorgung von Solothurn wird
                                                     modernisiert und für die nächsten Jahr-
                                                     zehnte sichergestellt.»

                                                     Verbund mit Zuchwil
                                                     Die Reservoire Steingrube und Gisihubel
                                                     sind beide sanierungsbedürftig. Zudem
                                                     entspricht das vorhandene Speichervo-
                                                     lumen der «Unteren Zone Solothurn»,
                                                     die durch diese beiden Reservoire ver-
                                                     sorgt wird, nicht mehr den Vorschrif-
                                                     ten. In einer Studie kam man 2007 zum
                                                     Schluss, dass eine Sanierung mit Erwei-
                                                     terung der bestehenden Reservoire nicht
                                                     sinnvoll sei. Als Bestvariante wurde der
                                                     Verbund mit der benachbarten Wasser-

10
versorgung Zuchwil erkannt. Dieser sieht       vorgeschriebenen Festigkeitswerte auf­
                       eine gemeinsame Druckzone im Gebiet            weisen, konnten wir eben­falls erst wäh­
                       «Solothurn­Untere Zone – Zuchwil» vor,         rend der Bauarbeiten überprüfen.» Da
                       die durch das bestehende Reservoir Blei-       die umfang­reichen Erdarbeiten wie ge-
                       chenberg in Zuchwil sowie ein neu zu e­ r­-    plant ver­liefen, konnte anschliessend mit
                       stellendes Reservoir im Gebiet Königshof       den Boh­rungen, die das Reservoir an das
                       versorgt wird.                                 Was­ser­versorgungsnetz anbinden, be­
                       Damit sich das Wasserniveau in den bei-        gon­nen werden. Pa­ra­llel dazu wurde die
                       den Reservoiren selbst reguliert, müssen       erste Etappe der Bodenplatte in Angriff
                       sie auf derselben Höhe liegen. Deshalb ­be­-   genommen. Vor­aus­sichtlich im Juni 2021
                       findet sich das neue Reservoir Königs­         beginnt der Aus­bau des Reservoirs. Zwei
                       hof auf exakt 500 Metern über Meer. Der        Kammern wer­den zusammen 5000 Ku­
                       vom Kanton Solothurn bestimmte­Stand-          bik­meter Was­­ser fassen. Die Inbetrieb­
                       ort liegt im Wald oberhalb des Königshofs.     nahme ist im April 2022 geplant.
                       Dieser Entscheid löste eine Einsprache
                       aus der Bevölkerung aus und ver­zögerte        Nur die Eingangstüre
                       den Baubewilligungsprozess um mehre-           bleibt übrig
                       re Jahre.                                      Vor Baubeginn mussten 3440 Quadrat-
                                                                      meter Wald gerodet werden, davon 3130
                       18 Meter lange Anker                           Quadratmeter temporär und 310 Quadrat-
                       Seit August 2020 sind die Bauarbeiten          meter definitiv. Für die definitive Ro­dung
                       nun in vollem Gange. Besonders span-           wird in Subingen eine entsprechende Er-
                       nend war laut Projektleiter Andrew Loch­-      satzfläche aufgeforstet. Die Aufforstun-
                       brunner die Phase vom Spatenstich bis          gen für die temporäre Rodung werden an
                       zur Vollendung der Baugrube. «Wir wuss­-       Ort und Stelle erfolgen, wobei über dem
                       ten nicht mit Sicherheit, ob wir auf Fels      Reservoir nur flachwurzelnde Büsche
                       oder wasserführende Schichten­treffen»,        und Sträucher zulässig sind. Ab die­sem
                       sagt er. Beides hätte den Bau ver­zö­gert      Zeitpunkt werde man kaum mehr erken-
                       und in der Folge auch verteuert. Ein wich­     nen können, dass sich hier ein Reservoir
                       ti­
                         ger Bestandteil des Neubaus ist eine         befinde, sagt Andrew Lochbrunner. «Von
                       Nagel­wand mit bis zu 18 Me­ter langen         den umfangreichen Arbeiten werden wir
                       An­­­kern. Sie fixiert die Gru­ben­wände und   am Schluss nur eine kleine Eingangstüre
                       stellt sicher, dass diese während der Bau­     als sichtbare Gegenleistung erhalten, der
                       zeit nicht abrutschen. «Ob die Anker die       Rest bleibt unter der Erde.»

                                             Gut zu wissen

                                     Von Holzkanälen zu
                                     modernen Reservoiren
                                     Die Geschichte der Wasserversorgung der Stadt Solothurn lässt sich
                                     bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals wurde das Wasser
                                     oberirdisch in Kanälen aus Holz oder Stein von Quellen in öffentliche
                                                                                                                    Fotos: Studio Jeker / Michael Witschi, Microtunnel AG

                                     Brunnen geleitet. Verschmutztes Wasser und Krankheiten gehör-
                                     ten zum Alltag. Die moderne Wasserversorgung begann Ende des
                                     19. Jahrhunderts mit dem Bau von Reservoiren und Druckleitungen.
 «Wir wussten nicht                  1881 entstand das Reservoir Steingrube. Darauf folgte 1929 der Bau
                                     des zweiten sogenannten Gegenreservoirs Gisihubel südlich des
   mit Sicherheit,                   Solothurner Bürgerspitals. Aufgrund des Bevölkerungswachstums
   ob wir auf Fels                   wurde das Reservoir Steingrube 1930 erweitert. 1934 baute man
oder wasserführende                  ebenfalls auf Rüttener Boden das Reservoir Sunneschyn. Die damit
 Schichten treffen.»                 einhergehende Aufteilung der Wasserversorgung von Solothurn in
                                     eine «Obere Zone» und eine «Untere Zone» besteht bis heute.

                                                                                                               11
Infografik

Im Herbst 2020 wurde auf dem Gotthardpass ein Windpark mit fünf
­Windturbinen in Betrieb genommen. Sie produzieren pro Jahr so viel Strom,
 wie 6000–7000 Durchschnittshaushalte* verbrauchen.

Winterstrom dank
Windkraftwerken
     Text: Alexander Jacobi

Die erneuerbaren Energien Wasserkraft und Sonne
liefern vor allem im Sommer Strom. Bei der Wind-
                                                                                     Gondel
kraft ist es umgekehrt: Sie erzeugt zwei Drittel der
                                                                           mit Gleichrichter
Jahresproduktion im Winter. Deshalb kann sie die                            und Generator
                                                                                               Stromerzeugung
beiden anderen Energieformen gut ergänzen. Die                                                 – Windturbine dreht Generator
Windkraft hat in der Schweiz Ausbaupotenzial: Ihr                                              – Generator erzeugt Drehstrom mit
                                                                                                 variabler Spannung und Frequenz
Anteil an der gesamten schweizerischen Strompro-                                               – Gleichrichter erzeugt daraus
duktion beträgt lediglich 0,22 Prozent (2019). Zum                                               Gleichspannung
Vergleich: In Österreich – mit ähnlichen Windver-                                              – Wechselrichter erzeugt daraus
                                                                                                 Drehstrom mit konstanter Span-
hältnissen – beträgt der Windstromanteil rund                                                    nung und Frequenz
10 Prozent, also 46-mal mehr, obwohl das Land nur                                              – Transformator erhöht die
rund doppelt so gross ist wie die Schweiz. Mit aktuell                                           Spannung auf 16000 Volt zur
                                                                                                 Einspeisung in eine bestehende
42 Windanlagen bildet die Schweiz zusammen mit                                                   Mittelspannungsleitung, die den
der Slowakei und Slowenien europaweit das Schluss-                                               Gotthardpass mit Airolo verbindet
licht der Windstromerzeugung. Der neue Windpark                             Wechselrichter
am Gotthard wird die Schweizer Windstromproduk-
tion um etwa 10–15 Prozent erhöhen.                                                            Energierücklaufzeit
                                                                             Transformator
                                                                                               Bis eine Windenergieanlage so viel
* Annahmen: typischer 2-Personen-Haushalt in einem Mehrfamilienhaus ohne                       Energie erzeugt hat, wie Herstellung
Elektroboiler, Jahresverbrauch 2800 Kilowattstunden                             Fundament      und Bau benötigt haben, dauert
                                                                                               es etwa 5–8 Monate. Dies ist die
                                                                                               Energierücklaufzeit. Die Lebensdauer
                                                                                 Stromnetz     der Anlage beträgt demgegenüber
                                                                                               20–30 Jahre.

Ökostrom aus der Nordsee
Gemeinsam mit 32 anderen Stadtwerken ist die Regio Energie
Solothurn am Trianel-Windpark in Borkum, Deutschland, beteiligt.
Dieser befindet sich rund 45 Kilometer vor der Insel Borkum und
ist der erste rein kommunale Offshore-Windpark in der Nordsee.
Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2015 versorgen 40 Windkraft­
anlagen mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt rund
200 000 Haushalte mit Ökostrom.

12
Technische
     TechnischeDaten
                Datenund
                      undFunktionsweise
                           Funktionsweise                                                                                      Rotordurchmesser 92 Meter

    Hersteller                                               Enercon
    Typ                                                      E-92
    Anzahl Windenergie­anlagen am Gotthard                   5
    Erwarteter Ertrag des Windparks                          16–20 Mio. Kilowattstunden pro Jahr
    Maximale Leistung pro Windenergieanlage                  2350 Kilowatt
    Drehzahl                                                 5–16 Umdrehungen pro Minute                                                Nabenhöhe 98 Meter
    Getriebe                                                 keines
    Gewicht der Gondel (des Maschinen-                       145 Tonnen, inkl. Rotorblätter (3×9,7 t),
    hauses auf der Turmspitze)                               Nabe (33 t) und Generator (65 t)
    Startgeschwindigkeit                                     ca. 7 km/h (leichte Brise)
    Sturmregelung                                            – Reduktion der Drehzahl durch
                                                               Rotorblattverstellung
                                                             – Abschaltung bei Windgeschwindigkeiten
                                                               über 120 km/h (Orkan)
    Bremsung                                                 – durch Rotorblattverstellung
                                                             – im Notfall zusätzlich durch elektro­
                                                               mechanische Rotorbremse

                  Rotornabe
                                                                         Generator                         Gleichrichter

                                                                                                               Antriebe zur
                                                                                                               Windnachführung

                                                                                                                                                                  Gondel
                                                                                                                                                                  (Maschinenhaus)
                                                                                                                                                                                                       Illustration: Murielle Drack

                             Rotorblatt:             – verstellbar                                                  Turm
                                                     – beheizbar
Quellen: Bundesamt für Energie (BFE), Schweizerische Gesamtenergiestatistik,  Ausgabe 2019; BFE, Schweizerische Elektrizitätsstatistik, Ausgabe 2019; BFE, Schweizerische Statistik der erneuerbaren
Energien, Ausgaben 2000 und		 2019 (Vorabzug); Bundesamt(gegen    Vereisung)
                                                           für Statistik, Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung; Wüest Partner AG: Gebäudebestandsentwicklung/Energiebezugsflächen 1990–2019

                                                                                                                                                                                                  13
14
Das kleinste Molekül soll endlich Grosses vollbringen – auch wenn es bisher eher enttäuscht hat.

Weltmaschine
Wasserstoff                                                                                                    Text: Andreas Schwander     

     Mehr dazu auf strom-online.ch             «In 20 Jahren funktioniert alles mit Was-     und hat vor drei Jahren einen Brenn-
     − Das Projekt «move» der Empa             serstoff. Und das wird auch in 20 Jahren      stoffzellen-Lastwagen auf die Strasse
     − Wasserstofflastwagen von Hyundai        noch so sein», lautet der Witz, der schon     gebracht. «Die Technologie ist komplex,
     − Zukunft war gestern: Als bei Tupolew
       ein Passagierjet mit Wasserstoff flog   seit den 1970er-Jahren kursiert. Damals       und es gibt für Autos noch immer viel zu
                                               ging es noch darum, die wohl bis ins Jahr     wenige Tankstellen», sagt er. Bei Lastwa-
                                               2000 erschöpften Öl- und Gasquellen zu        gen sei das anders. Sie fahren definierte
                                               ersetzen, mit Atomstrom. Wasserstoff,         Routen, sind jeden Tag bis zu 16 Stunden
                                               «Hydrogen», hätte die «Hydrocarbons»,         unterwegs und brauchen einen schnellen
                                               die fossilen Energien, ersetzen sollen,       Tankvorgang. Autos stehen täglich mehr
                                               jene Weltmaschine aus Öl, Gas und Kohle,      als 23 Stunden und können am Kabel hän-
                                               die alles antreibt, von Kraftwerken über      gen. Beim LKW ist das tiefere Gewicht
                                               Heizungen bis zu den Autos. Wasserstoff-      entscheidend. Schwere Batterien fressen
                                               autos gab es schon, der Flugzeugbauer         viel Nutzlast weg. Hyundai lanciert nun
                                               Tupolew hatte einen Passagierjet auf den      in der Schweiz Autos und Lastwagen mit
                                               Betrieb mit Wasserstoff und Erdgas um-        Brennstoffzellenantrieb. Die Koreaner
                                               gerüstet. Später sagte Chefkonstrukteur       verkaufen bisher noch keine schweren
                                               Wladimir Andreev über sein Projekt:           Nutzfahrzeuge in Europa. So kannibali-
                                               «Genetische Versuche macht man mit            sieren sie mit Wasserstoff-LKWs keine
                                               Fliegen. Wir versuchten es mit Elefan-        bestehenden Märkte.
                                               ten. Darum sind wir gescheitert.» 2020        Die verlorenen Jahrzehnte, die gross-
                                               hat Airbus erneut fliegende Wasserstoff-      spurig angekündigten und kleinlaut
                                               Elefanten angekündigt.                        beendeten Projekte, sie alle geben den
                                                                                             Zynikern recht. Darunter sind auch vie-
                                               Brennstoffzelle aus Basel                     le Fachleute, die einmal daran geglaubt
                                               Auch die Brennstoffzelle ist nicht neu. Sie   haben. Die Wasserstoffdiskussion drehte

H2
                                               wurde von Friedrich Schönbein an der          sich immer darum, welche Fahrzeuge,
                                               Universität Basel im Jahr 1838 erfunden,      Flugzeuge, Heizungen oder Schiffe mit
                                               nur 13 Jahre nach der ersten kommerzi-        H2 angetrieben werden könnten, wie die
                                               ellen Fahrt einer Dampflokomotive. Seit-      Technologie aussehen müsste und war-
                                               her ist sie Zukunftstechnologie.              um sie scheiterte. Und ganz im Versteck-
WIND UND SONNE                                 Die Wasserstoffbegeisterung kam in Wel-       ten klingen wohl noch immer jene Ängs-
                                               len und hinterliess Zynismus. Seit es mit     te mit, welche die Bilder des brennenden
LIEFERN STROM                                  der Batterietechnologie vorwärtsgeht,         Luftschiffs «Hindenburg» ins öffentliche

FÜR ELEKTROLYSE                                haben sich einige Autokonzerne einmal         Gedächtnis eingebrannt haben, obwohl
                                                                                                                                              Illustrationen: Michael Raaflaub

                                               mehr vom Wasserstoff verabschiedet.           damals, 1937 in Lakehurst, nicht der Was-
                                               «Für Autos ist der Zug wahrscheinlich         serstoff, sondern der Lack der Baumwoll-
                                               abgefahren», sagt Diego Jaggi, Chef und       hülle der Brandbeschleuniger war.
                                               Gründer der Firma Esoro in Fällanden          In der ganzen Kakofonie Tausender Ein-
                                               bei Zürich. Seine Firma macht Vorent-         zelinteressen, Einzelprojekte und Einzel-
                                               wicklungen für führende Autokonzerne          bedenken verfolgt Christian Bach, Leiter

                                                                                                                                         15
mässig mit Solarstrom kompensieren –
                                                                    aber nicht als Bandleistung. Solarstrom
                                                                    fällt vor allem im Sommer und tagsüber
                                                                    an. Es braucht neue Speichersysteme,
                                                                    um die Energie in die Nacht, den Nebel
                                                                    und in den Winter zu retten. Zudem fehlt
                                                                    es an Netzkapazitäten, wenn neben den
                                                                    heutigen Stromverbrauchern auch Ver-
                                                                    kehr, Heizung und Industrieproduktion
                                                                    erneuerbar-strombasiert werden sollen.

                                                                    «Energiewelt» im Modell
                                                                    Mit dem Projekt «move» sucht die Empa
                                                                    die Quadratur des Kreises: Das neue Ener-
                                                                    giesystem muss vollständig erneuerbar
                                                                    sein, kaum neue Infrastruktur benötigen,

     CH4
                                                                    kein CO2 ausstossen und Klimagase aus
                                                                    der Atmosphäre entfernen. Es muss sich
                                                                    in aktuelle Handelsströme integrieren
                      der Abteilung Fahrzeugantriebssysteme         und die bestehende Infrastruktur nut-

     WASSERSTOFF      an der Empa in Dübendorf, mit dem in-
                      terdisziplinären Projekt «move» einen
                                                                    zen. Das alles haben Christian Bach und
                                                                    sein Team in eine grosse Rechnung einge-
     WIRD ZU METHAN   völlig anderen Ansatz. Er schaut sich         baut. Das Resultat: Die Schweiz wird auf
                      nicht nur die Vor- und Nachteile einzel-      Importe angewiesen sein, insbesondere
     IM ERDGASNETZ    ner Technologien an, sondern rollt das        im Winter. Aber ohne erneuerbare Ener-
                      Problem von hinten her auf und fängt          gieversorgung im Winter ist die CO2-Re-
                      beim Energiesystem an.                        duktion nicht möglich. Doch Wasserstoff
                                                                    kann es möglich machen.
                      Das grosse Energie-Puzzle                     Denn erneuerbare Energie gibt es auf der
                      Im Motorenlabor unter seinem Büro fin-        Welt mehr als genug. Wasserstoff kann
                      det sich alles, was in der Vergangenheit      aus temporär überschüssigem Strom her-
                      die Zukunft bedeutet hat. Hier werden         gestellt werden. Bei grossen Wind- und
                      Motoren weiterentwickelt, Wärmeströ-          Solarfarmen lässt er sich in gasförmige
                      me in Batterien simuliert und Wasser-         und flüssige Treibstoffe umwandeln, so-
                      stoffautos vermessen. Hier steht eine         genannte E-Fuels. Sie treiben konventi-
                      zehnjährige, mit Wasserstoff betriebene       onelle Strassenfahrzeuge an, aber auch
                      Strassenkehrmaschine, die nun als rein        Flugzeuge und Schiffe. Für E-Fuels gibt
                      batterieelektrische Version vermarktet        es mit Tankern und Pipelines bereits eine
                      wird. Und hier gibt es auch Teststände        weitverzweigte Transport- und Lager­
                      für Lastwagen-Dieselmotoren. «Unter           infrastruktur. E-Gas kann in beliebigen
                      den Herstellern herrscht ein Wettlauf,        Konzentrationen ins Gasnetz eingespeist
                      wer zuerst 50 Prozent Wirkungsgrad            werden und das fossile Gas verdrängen.
                      erreicht», sagt Christian Bach. Das wäre      Regio Energie Solothurn hat in ihrem
                      gleich gut wie ein Brennstoffzellenan-        Hybridwerk im Rahmen des europäi-
                      trieb. «Wichtig ist, dass Effekte gefördert   schen Projekts Store&Go die biologische
                      werden, wie etwa niedrigste CO2-Emissi-       Me­thanisierung erfolgreich getestet. Die
                      onen, und nicht einzelne Technologien»,       Empa arbeitet an einem weiterentwi-
                      betont er. Wenn es auf Basis des Diesel-      ckelten katalytischen Konzept. Mit ei-
                      motors geht, ist das auch gut.                nem weiteren Verfahren, der sogenann-
                      Weder die neuen Dieselmotoren noch            ten Pyrolyse, kann E-Gas in Wasserstoff
                      die alten Brennstoffzellen sind «Welt         und Kohlenstoff aufgespalten werden,
                      von gestern». Sie sind Puzzleteile im Pro-    und zwar so, dass der Kohlenstoff nicht
                      jekt «move». Ohne fossile Energieträger       in Form von gasförmigem CO2 anfällt,
                      muss die Energiewelt überwiegend elek­        sondern als festes schwarzes Pulver, un-
                      trisch sein. Ohne Kernkraft fehlen in der     giftig, leicht lager- und transportierbar.
                      Schweiz aber jährlich 25 Terawattstun-        Davon gäbe es riesige Mengen, die mit
                      den (TWh) Strom. Das lässt sich mengen-       Beton und Asphalt vermischt werden

16
könnten. Diese Wasserstoffwelt könnte        ein reiches Land mit besten wirtschaft-
aus der Atmosphäre mehr CO2 entfernen,       lichen und wissenschaftlichen Voraus-
als sie ausstösst. Negative Emissionen       setzungen. Wer sonst sollte denn solche
im grossen Stil sind nötig, um das Netto-    Systeme entwickeln, die letztendlich alle
null-CO2-Ziel zu erreichen. Denn unver-      brauchen?
meidliche CO2-Emissionen, wie etwa jene
aus der Landwirtschaft, werden bleiben.      Klimajugend an die Macht
«In Powerpoint-Präsentationen kann           Im Gegenwind der ewigen Bedenkenträ-
man das alles sehr schön und einfach         ger setzt Christian Bach seine Hoffnung
darstellen», sagt Christian Bach. «In der    auch in die Klimajugend. «Ich bin beein-
Realität ist es aber viel komplexer. Des-    druckt von der Ernsthaftigkeit und der
halb wollten wir das mit einem real funk-    Sachkenntnis vieler dieser Jugendlichen.
tionierenden Modellbetrieb machen, der       Schon in wenigen Jahren übernehmen

                                                                                         CO2
belastbare Zahlen liefert.» Das Modell       diese Leute führende Rollen in Politik
dieser postfossilen Energiewelt ist in der   und Wirtschaft. Das wird die Transfor-
«move»-Halle der Empa seit rund fünf Jah-    mation beschleunigen», sagt er. Aber
ren am Entstehen: drei Stockwerke hoch,      die Arbeit muss jetzt beginnen. Weitere
mit Batteriespeichern, einer Schnelllade-
säule, einem Elektrolyseur, Rohren, Was-
                                             20-Jahre-Chancen für die «Weltmaschine
                                             Wasserstoff» wird es nicht mehr geben.
                                                                                         PYROLYSE MACHT
serstofftanks und Kompressoren, einer        Irgendwann ist es fürs Klima zu spät.       AUS TREIBHAUSGAS
Wasserstoff- und Gastankstelle und auch
bald mit einer Methanisierungsanlage.                                                    BAUMATERIAL
Der Teufel und die Details
Kaum wird’s praktisch, kommt der Teu-
fel mit seinen Details. Viele Vorschriften
für Energieanlagen sind veraltet und für
neue Technologien schlecht anwendbar.
Parallel zum Aufbau der neuen Energie-
technologien müssen deshalb auch die
Regulierungen angepasst werden.
Und dann sind da noch immer die ewigen
Kritiker, die sagen, ein Wasserstoffauto
brauche mehr als doppelt so viel Strom
wie ein Elektroauto, die Umwandlung
von Strom in Gas sei ineffizient. Das ist
laut den Empa-Spezialisten nicht wirk-
lich falsch, aber auch nicht ganz korrekt.
«Entscheidend ist nicht die Teilsystem-
effizienz», sagt Christian Bach, «sondern
die Effizienz des Gesamtsystems. Wenn
ineffiziente Teilsysteme die Gesamtsys-
temeffizienz erhöhen, wie dies mit Was-
serstoff möglich ist, muss man diese Tech-
nologie einsetzen.» Sonnenenergie ist
weltweit im Überfluss vorhanden. «Um
den nicht durch die Wasserkraft gedeck-
ten Bedarf der Schweiz im Winter sowie
den Langstreckenverkehr ausschliesslich
mit synthetischen Energieträgern zu de-
cken, wäre eine Photovoltaikfläche in
einer Wüste von zirka 700 Quadratkilo-
metern erforderlich», rechnet Christian
Bach vor. «Das ist ein Quadrat von 26 mal
26 Kilometer.» Der Anteil der Schweiz an
den internationalen Emissionen ist ver-
schwindend klein. Aber die Schweiz ist

                                                                                                       17
Seit 2004 engagiert sich die Stadt Solothurn als Energiestadt für die Umsetzung
der Schweizer Energiestrategie. Nun geht sie einen Schritt weiter.

Auf dem Weg zum Gold-Label
     Text: Barbara Graber

                                                                                        60 Prozent der Schweizer Bevölkerung
                                                                                        leben in einer Energiestadt, seit 2004
                                                                                        auch die rund 17 000 Solothurnerinnen
                                                                                        und So­lo­thurner. «Das Label ist für S  ­ olo­-
                                                                                        thurn wich­tig, da es unsere Anstrengun-
                                                                                        gen sicht­­bar macht und als Referenz da-
                                                                                        für steht, dass die Stadt eine be­sonders
                                                                                        fortschrittliche Ener­gie­po­li­tik verfolgt»,
                                                                                        sagt Andrea Lenggenhager, Lei­te­rin Stadt­-
                                                                                        bauamt. «Diese um­fasst ins­beson­dere
                                                                                        eine ef­fi­zi­en­te Nutz­ung von Energie, den
                                                                                        Kli­ma­schutz, erneuerbare Ener­gien und
                                                                                        ei­ne um­weltverträgliche Mo­bi­li­tät.»
                                                                                        Das Label ist Teil des Ak­­ti­­onsprogramms
                                                                                        EnergieSchweiz des Bun­des­rats. 1991 hat
                                                                                        der Trägerverein mit Schaffhausen die
                                                                                        erste Energiestadt aus­ge­zei­chnet. Mitt­ler­­-
                                                                                        weile sind es über 450. Um sich zer­ti­fi­
                                                                                        zieren zu lassen, durchlaufen die Städte
Das Label Energiestadt ist Teamarbeit: (v.l.) Patrick Bussmann, Energiestadt-Berater,
Weit&Breitsicht GmbH; Christoph Bläsi, Verantwortlicher Gemeinden Energiefachstelle     und Gemeinden ver­schie­dene Stufen. ­So­-
Solothurn; Stadtbauamt Solothurn: Moritz Setz, Projektleiter Stadtplanung/Umwelt;       bald sie 50 Pro­zent aller mög­li­chen Mass­
Gabriela Barman Krämer, Chefin Stadtplanung/Umwelt, Energiestadt-Koordinatorin;
                                                                                        nahmen umgesetzt haben, kön­nen sie
Patrick Schärer, Chef Werkhof; Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt; Lukas
Reichmuth, Chef Hochbau; Thomas Pfister, Chef Tiefbau; Regio Energie Solothurn:         das Label «Energiestadt» be­an­tragen. An­-
Thomas Gesierich, Leiter Liegenschaftskunden; Daniel Kammermann, Leiter Contracting +   schliessend erfolgt alle vier Jah­re eine
Vertrieb Fernwärme; Sandra Hungerbühler, Leiterin Marketing + Kommunikation.
                                                                                        Erfolgskontrolle mit Re­zer­ti­fi­zier­ung. Da­­-
                                                                                        bei wird die Stadt Solo­      thurn von der
                                                                                        Energiefachstelle des Kantons Solothurn
              Gut zu wissen                                                             und der Regio Energie Solothurn un­ter-
                                                                                        stützt. Für Christoph Bläsi, Ver­ant­wort-
     Werden Sie Teil der Energiestadt                                                   ­­licher für Gemeinden bei der Ener­gie-
                                                                                        fachstelle, nehmen Ener­       gie­
                                                                                                                          städte eine
     Die Energiestadt Solothurn hat gemeinsam mit anderen Solothurner                   Schlüsselfunktion in der Um­set­zung der
     Energiestädten einen neuen Webauftritt aufgebaut, um noch besser                   Energiestrategie 2050 ein. «Der Ausbau
     über ihre Aktivitäten zu berichten und die Bevölkerung stärker mit-                der erneuerbaren Strom­er­zeu­gung und
     einzubeziehen. Zudem macht die Stadt gemeinsam mit der Plattform                   die Dekarbonisierung des Gebäude­           be­
     «Region Solothurn im Wandel» bis Ende Jahr jeden Monat ein neues                   reichs sind Herausforderun­gen für die
     Energiestadt-Thema erlebbar. Mit Events, Aktivitäten und einem inter-              Kan­tone.» Bei guter Planung und richti-
     aktiven Schaukasten erfahren Sie an verschiedenen Orten der Stadt, wie             ger Umsetzung eröffneten sich aller­dings
     Sie sich persönlich engagieren können. Weitere Informationen:                      auch gros­se Chancen. «Hierbei sind Ge­
                                                                                        mein­den und Städte unsere wich­tigsten
                                                                                        Part­ner. Sie haben die Vollzugs- und Pla­
                                                                                        nungs­ho­heit, kennen die örtlichen Ver­-
     solothurn.energiestadt-so.ch                                                      ­­­­hältnisse und sind nahe bei den Bürgern»,
                                                                                        so Christoph Bläsi.

18
Vorbild sein                                  ciation European Energy Award» gemein-           men der Um­setz­ung der Ener­gie­stra­tegie
Ebenfalls im Vierjahresrhythmus verab-        sam mit dem Trä­ger­verein Energie­stadt         von den Ge­mein­den erwartet, aber auch
schiedet der Solothurner Gemeinderat          verliehen. Das macht die Gold-Städte­            belohnt, in­dem zum Beispiel der Bund
ein energiepolitisches Programm, das die      in­ter­national vergleich­bar. Zurzeit tragen    höhere För­der­bei­träge für Projekte im
geplanten Massnahmen und deren Um­            in der Schweiz 67 Ort­schaften das Label.        Themenbe­reich der Energiestadt spricht.
setz­ung dokumentiert. Im letzten Zer­ti­     Als bisher ein­zi­ge Ge­mein­de im Kanton
fi­zier­ungszeitraum zwischen 2016 und        Solothurn hat das be­nach­barte Zuchwil          Gut fürs lokale Gewerbe
2020 konnte Solothurn den Um­setz­­ungs­      dieses Ziel be­reits er­reicht. Seit 2016 darf   «Eine nachhaltige Energiepolitik ver­bes­
grad von 68,5 auf 71 Prozent steigern.        sich die Gemeinde «Ener­gie­stadt Gold»          sert die Wohn- und Lebensqualität in
Nun geht die Stadt wei­ter und strebt im      nennen. «Das ist ein schöner Erfolg der          der Stadt Solothurn, stärkt die regionale­
Jahr 2024 das Label Ener­gie­stadt Gold an.   Gemeinde Zuch­     wil und zeigt auf, was        Wertschöpfung und senkt langfristig
Hierfür müssen mindestens 75 Prozent          möglich ist», sagt Andrea Lenggenhager.          auch die Energiekosten», so die Leiterin
der möglichen Mass­nahmen um­ge­setzt         «Als Haupt­stadt des Kantons Solothurn           Stadt­bau­ amt. «Mit dem Energiestadt-­
sein. Das Gold-Label ist die höchste Aus-     möchten auch wir ver­­mehrt eine Vor­bild­       Label Gold wird dies noch gesteigert. Da­
zeichnung für Städte und Ge­mein­den in       funk­ti­on ein­neh­men und die anderen Ge­       zu trägt auch eine aktive, trans­parente
diesem Bereich. Es wird auf euro­päischer     mein­den wie die Be­völ­kerung mo­ti­vie­ren,    Kommu­ni­ka­tion bei.» Zudem werde das
Ebene von der Dach­organi­sa­tion «Asso­      aktiv zu wer­den.» Genau das wird im Rah-        Be­wusst­sein der Bevölkerung für die­se
                                                                                               wich­ti­gen Themen stärker sensibili­siert
                                                                                               und gefördert. Nicht nur für die Um­welt,
                                                                                               auch für die Wirtschaft in der Re­gion sei
                                                                                               dies von Vorteil. «Alle Massnahmen im
                                                                                               Bereich der Energieoptimie­rung, wie die
Neue Serie:                                                                                    energetischen Sanierungen von Gebäu-
Die Energiestadt Solothurn                                                                     den oder der Ersatz von Hei­zun­gen durch
                                                                                               er­neu­er­bare Energie­träger, aber auch die
Da Energiepolitik ein ressortübergreifendes Thema                                              Um­ ge­staltung des öffentlichen Raums
ist, teilt der Trägerverein die Energiestadt in sieben                                         durch ökologische Aufwertungen oder
Bereiche ein. In den kommenden «energie»-Ausga-                                                der Aus­bau des Langsamverkehrs führen
ben stellen wir Ihnen die Aktivitäten der Energie-                                             letztendlich dazu, dass auch das lokale
stadt Solothurn näher vor.                                                                     Gewebe profitiert.»

                                1. Entwicklungsplanung,
                                                                            5. Interne Organisation
                                      Raumordnung
                                                                           Weiterbildung, Controlling,
                                 Leitbild, Energieplanung,
                                                                               Beschaffungswesen
                               Baubewilligung, Baukontrolle

         2. Kommunale Gebäude                                                                       6. Kommunikation,
              und Anlagen                                                                               Kooperation
      Bestandesaufnahme, Sanierung,                                                              Veranstaltungen, Standort­
      Energiebuchhaltung, Unterhalt                                                             marketing, Förderprogramme

        3. Versorgung, Entsorgung                                                                  7. Klimawandelfolgen
                                                                                                                                              Foto: Samuel Müller, Studio Jeker

          Elektrizität, Fernwärme,                                                                        (freiwillig)
            Erneuerbare, Wasser,                                                                Stadtklima, Grün- und Freiflä-
              Abwasser, Abfall                                                                 chenmanagement, Biodiversität
                                                           4. Mobilität
                                                       Öffentlicher Verkehr,
                                                      Parkplätze, Tempo 30,
                                                      Fussgänger, Velofahrer

                                                                                                                                       19
Zählerableserinnen und Zählerableser erfassen regelmässig die Daten der rund
                           30 000 Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmezähler der Regio Energie Solothurn.

                           Täglich für
                           Sie im Einsatz
                             Text: Barbara Graber

Brigitta Affolter
Die 62-Jährige ist in                                        Was gefällt Ihnen am Job?                    Erna Rudolf von Rohr
Leuzigen seit 20 Jah­­-                                                                                   Erna Rudolf von Rohr
ren als Zähler­ableserin                                     Ich schätze besonders die Möglichkeit,       ist für die Monats­-
tätig, zuerst für die                                        meine Arbeitszeit flexibel einteilen zu      ab­lesungen in
Gemeinde und seit                                            können. Als Imkerin kann ich mich so im      Solothurn zu­ständig.
der Verpachtung des                                                                                       Seit neun Jahren
Strom­netzes 2016                                            Sommer nach meinen Bienen richten.           ar­bei­tet die 51-Jährige
für die Regio Energie                                                                                     für die Regio Energie
Solothurn.                                                   Spüren Sie die Corona-Pandemie               Solothurn.
                                                             bei Ihrer Arbeit?
Finden Sie nach so vielen Jahren                             In Geschäftsliegenschaften muss ich
die Zähler fast blind?                                       nun oftmals ein Formular mit Fragen
Die meisten Häuser kenne ich gut, aber                       zum aktuellen Gesundheitszustand
auf Baustellen befinden sich die Strom-                      ausfüllen. Auch Fiebermessen gehört
zähler oft an Orten, wo man sie nicht                        vielerorts dazu.
erwartet. Die Suche danach ist manch-
mal abenteuerlich.

Wie kommen Sie auf Ihrer Tour
von A nach B?                                             Caroline Fuchs             Erzählen Ihnen die Kundinnen
Ich bin seit jeher mit meinem Töffli der                  Seit sechs Jahren ist      und Kunden von sich, wenn Sie
                                                          die 54-Jährige als
Marke Puch unterwegs, das ich seit                        Zäh­ler­ableserin tätig.   auf Tour sind?
meiner Schulzeit besitze. Damit komme                     Aktuell führt sie die      In den kurzen Gesprächen bekomme
ich schnell von Haus zu Haus.                             Monats­ablesung in der     ich vieles mit, und zwar Freud wie
                                                          Solothur­ner Altstadt
                                                          und in Zuchwil durch.      Leid. Gerade jetzt während der Corona-
                                                                                     Pandemie überwiegen die Sorgen
                                                                                     leider häufig.

                                                                                     Was bedeutet Ihnen der
                                                                                     Kundenkontakt?
                                                                                     Diesen schätze ich sehr. Aus den mo­
                                                                                     natlichen Begegnungen haben sich
                                                                                     sogar einige nähere Bekanntschaften
                                                                                     und Freundschaften entwickelt.

20
Wie oft lesen Sie und Ihre Mitar­bei­
                                                                                                    tenden die Zählerstände ab?
                                                                                                    Bei den Privatkunden machen wir das
                                                                                                    einmal pro Jahr. Hierzu wurde d­ as
                                                                                                    Versorgungsgebiet der Regio Energie
                                                                                                    Solothurn in zwölf Ablesekreise ein­
                                                                      Marco Rothen                  geteilt, die den Monaten des Jahres
                                                                      Der 46-Jährige arbeitet       zugeordnet sind. Ausgenommen davon
                                                                      seit zwölf Jahren als
                                                                      Leiter Zähler­ableser.        ist Lüterkofen-Ichertswil, wo die Zäh-
                                                                      Er ist in Solothurn,          lerstände nicht manuell erfasst werden.
                                                                      Feldbrunnen, Rüttenen,        Zudem führen wir Monatsablesungen
                                                                      Bätterkinden, Utzens-
Priska Dauwalder                                                      ­­torf, Oberger­lafingen,     durch, dies vorwiegend in Gewerbe- und
Seit 2017 ist die 53-Jäh-                                               Halten und Kriegstet-       Gastronomiebetrieben, in öffentlichen
rige in Solothurn, Bellach,                                             ten unter­wegs. Zudem
Deren­dingen, Biberist,                                                                             Gebäuden und bei Fernwärmebezügern.
                                                                        erfasst er mit Urs Kurt
Recherswil und Langen­-                                                 überall die Zähler­stände
dorf für die Jahresable-                                                bei Mieter- und Eigen­-     Welche Voraussetzungen muss
sung unterwegs.                                                         tümerwechseln.              man für diese Arbeit erfüllen?
                                                                                                    Ein guter Orientierungssinn, Robust­
Wo lesen Sie besonders gerne                                                                        heit für die Arbeit draussen und gute
Zählerstände ab?                                                                                    Umgangsformen sind sehr wichtig. Und
In der Solothurner Altstadt. Da gelange                                                             man benötigt einen «breiten ­Rücken»,
ich in schöne Gebäude, zu denen die                                                                 da man beim Klingeln an der Haustüre
Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. Ge-                                                              gelegentlich mit nega­tiven Reaktionen
nerell gefällt mir, dass ich viel an der                                                            konfrontiert wird.
frischen Luft sein kann.

Gibt es Orte, die Sie lieber
meiden würden?
Es gibt einige düstere Keller, in die
wir zum Ablesen eine Taschenlampe
mitnehmen müssen.

                                                                      Urs Kurt                      Wie war für Sie der Wechsel vom
                                                                      Urs Kurt ist seit über        Rohrnetzmonteur zum Zählerableser?
                                                                      30 Jahren bei der Regio
                                                                      Energie Solothurn, erst       Auch wenn ich aufgrund meiner frühe-
                                                                      als Rohr­netzmonteur,         ren Arbeit das Gebiet bereits gut kannte,
                                                                      seit 2016 als Zähler­-        war der Job für mich komplett neu.
                                                                      ableser. Der 64-Jährige
                                                                      macht Jahres- und             Besonders gefällt mir, dass ich nach wie
Was motiviert Sie zur Arbeit                                          Monats­ables­ungen            vor draussen arbeiten kann.
                                                                                                                                                Fotos: Michel Lüthi, bilderwerft.ch Illustrationen: Noun Project

als Zählerableserin?                                                  in Solothurn, Zuchwil,
                                                                      Derendingen, Luterbach
Wir haben viel Kundenkontakt, ein tolles                              und Deitingen.                Spüren Sie bei der Arbeit die Charak-
Team und vor allem eine vielseitige Auf-                                                            tereigenschaften der Gemeinden?
gabe. Jede Tour ist anders und verändert                                                            Ja, teilweise schon. Zum Beispiel erken-
sich immer wieder.                                                                                  nen mich die Kunden bei der Jahres­
                                                                                                    ablesung in der ländlichen Gemeinde
Kommt es vor, dass Sie eine                Nathalie Mülhauser                                       Deitingen viel öfter wieder als diejeni­
Adresse nicht finden?                      Die 50-Jährige macht                                     gen in Zuchwil, das grösser und eher
                                           seit 2018 die Jahres­-
Vor allem die Suche nach den teil­weise    ab­lesung in den                                         städtisch geprägt ist.
gut versteckten Zählern erinnert mich      Ge­­mein­­­den Subingen,
manchmal an eine Schnitzeljagd. Mit        Horriwil, Etziken,
                                           Hüniken, Biberist,
jedem Jahr Erfahrung kenne ich mich        Gerlafingen, Selzach,
aber besser aus.                           Solothurn und Zuchwil.

                                                                                                                                           21
Sie können auch lesen