Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff

Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Mercedes-Benz Rent
                                                       Business-Magazin für die Autovermietung
Interview mit Franz Reiner, Mercedes-Benz Bank                                 April 2013 | Euro 6,00


Pferdestärken vs. Ökologie
Der 83. Internationale Auto-Salon in Genf


Tradition und Fortschritt
Stationsportrait Autohaus Brosch GmbH



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Entwicklung einer Branche




                                                            e:
                                            Mietwagenbranch

                                      g e h t d i e R e i s e ?
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Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business-Magazin für die Autovermietung




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

alles ist in Bewegung. Wie sollte es in einer Branche, die     Für den Mittelstand stellt sich da natürlich die Frage: Ist
sich der Mobilität verschrieben hat, auch anders sein.         diese Konzentration auf dem Vermietmarkt ein Problem
Auf dem Markt der Autovermietung verändert sich der-           für uns, vielleicht sogar eine Gefahr? Oder bergen die
zeit vieles. Und diese dynamischen Veränderungen sind          Fusionen und Kooperationen nicht auch Chancen für
­richtungsweisend für die Mietwagen-Branche. Umso              kleine und mittelständische Akteure? Könnten am Ende
 wichtiger ist es für den Kraftstoff dieses Thema in der Ih-   auch die mittelständischen Autovermieter von Zusam-
 nen vorliegenden Ausgabe etwas genauer zu betrachten.         menschlüssen profitieren? Ja, sie können. Das wissen wir
                                                               aus langjähriger Erfahrung als Dienstleister. Alleine mag
Die erste große Nachricht für eine richtungsweisende           man stark sein, gemeinsam ist man auf jeden Fall stärker.
Veränderung am Markt – Mercedes steigt als letzter
großer deutscher Hersteller in den Vermietmarkt ein.           Aber nicht nur auf dem Vermietmarkt herrscht Bewegung
Außerdem vermietet Volkswagen ab sofort auch direkt            – auch die Autobranche selbst befindet sich im Wan-
am Hannoveraner Flughafen und sucht damit die direkte          del, und das nicht erst seit kurzem. Alle Hersteller tüfteln
Konkurrenz zu den internationalen Anbietern wie Avis,          am Auto von morgen, das noch sparsamer, noch um-
Europcar, Sixt oder Hertz.                                     weltfreundlicher, noch bequemer sein soll. Immer mehr
                                                               Assistenzsysteme sollen uns als Autofahrer unterstützen
Auch international ist der Markt in Bewegung. Avis hat sich    und beschützen. Allein, die Frage ist: Ist das alles auch
als letzter der international aufgestellten Auto­vermieter     sinnvoll? Und: Wann wird diese Vision zur Realität auf
nun auch dazu entschlossen, im Bereich Carsharing aktiv        deutschen Straßen?
zu werden. Die Manager von Avis haben kurzerhand den
größten amerikanischen Carsharer ZipCar übernommen.            Eine zentrale Frage ist in diesem Zusammenhang aber
Generell scheint das Thema Übernahme und Koopera­              auch: Wer ist, als Privatkunde, bereit, für all diese tech-
tion hoch im Kurs: Hertz übernahm vergangenen Sommer           nischen Neuerungen den Preis zu bezahlen? Während
Dollar Thrifty – und in Deutschland haben sich Buchbin-        Firmenwagen und Mietfahrzeuge für Geschäftskunden
der und Terstappen zusammengeschlossen.                        in der Regel üppig ausgestattet sind, hält bei vielen pri­
                                                               vaten Autokäufern ein neuer Puritanismus Einzug. Güns-
                                                               tige Marken wie Dacia, Kia & Co. erfreuen sich immer
                                                               grö­ßerer Beliebtheit. Da fragt man sich als Vermieter
                                                               natürlich: Haben solche Autos auch als Mietwagen eine
                                                               Chance? Kraftstoff gibt Ihnen die Antworten darauf.

                                                               In diesem Sinne, viel Spaß bei der Lektüre,

                                                               Ihr




                                                                                                      Jürgen Lobach
                                                                             Geschäftsführer CCUnirent System GmbH




                                                                                                                              03
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Inhaltsverzeichnis




               Titelthema
           Mietwagenbranche:
                                                                               Volkswagen eröffnete als erster Automobilhersteller eine Vermiet-

              Wohin geht                                                       station an einem Flughafen. Welche Zukunftspläne gibt es? S. 08




               die Reise?

                                                                 Das Interview mit Franz Reiner,
                                                                 Mercedes-Benz Bank S. 06


           People

     06	Mercedes-Benz Rent:
         „Jede Vermietung auch eine Testfahrt“
     	  Daimler steigt in das Vermietgeschäft ein.
           Ein Interview mit Herrn Franz Reiner,
           Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Bank.




           Business

     08	Auf Kurs: Punktlandung für Volkswagen?                      14	Besser billig?
     	  Eröffnung der Euromobil Station am Flughafen Hannover           Preissensibilität bei Autovermietflotten
                                                                     	  Haben günstige Marken in Zukunft Chancen
     10 Zukunftsfaktor Carsharing?                                           in der Autovermietung?
     	 Welche Bedeutung hat die aktuelle Entwicklung des
           Carsharings für das klassische Vermietgeschäft?           16      Assistenzsysteme – Was macht Sinn?
                                                                              ie Vielfalt der Helfer wächst immer weiter:
                                                                             D
     12	Zusammenschlüsse: Gemeinsam stärker?                                mit welchen Systemen sollte ein Mietwagen
           Eine Marktbetrachtung                                             ausgestattet sein?




04
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business-Magazin für die Autovermietung




Der neue Kia Carens will dem Ford C-Max Konkurrenz machen S. 19       Die Autohaus Brosch GmbH in Durach – Portrait eines Mazda Mobil Partners S. 24




         Rolling                                                               Service

18       Neuerscheinungskalender 2013                                 26       Vorschau, Impressum
         Diese Fahrzeuge bereichern in diesem Jahr
         das Straßenbild.

19       Kia Carens & Audi A3 Sportback
         Neuheitenvorstellung



         Spotlight

20       Pferdestärken vs. Ökologie
         Der 83. Internationale Auto-Salon in Genf

22       Kraftstoff 2.0
         Wie von Geisterhand: Autonomes Fahren
         Vision selbstständig fahrendes Auto – wie ist der aktuelle
         Stand der Entwicklung, was ist bereits heute möglich?



         Company

24       Tradition und Fortschritt
         Stationsportrait Autohaus Brosch GmbH




Kraftstoff 2.0: Das selbstfahrende Auto S. 22                         Bericht vom 83. Internationalen Auto-Salon Genf S. 20




                                                                                                                                                       05
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
People




        Mercedes-Benz Rent:
        „Jede Vermietung
        auch eine Testfahrt …“

        Als letzter deutscher Automobilhersteller ist auch
        Daimler in das Vermietgeschäft eingestiegen und
        freut sich über 70.000 Vermiettage innerhalb der
        Pilotphase. Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender der
        Mercedes-Benz Bank, erklärt im Kraftstoff-Interview
        Motivation, Zielsetzung und das Besondere von
        Mercedes-Benz Rent.



     Mercedes hat als letzter deutscher Automobilhersteller     Benz Rent bauen wir unsere Mobilitätsdienstleistungen
     eine eigene Autovermietung eröffnet. Was hat Ihr Unter-    weiter aus und schließen die Lücke zwischen klassi-
     nehmen zu diesem Schritt bewogen?                          schem ­Leasing und dem C   ­ arsharing-Angebot car2go.
                                                                ­Mer­cedes-Benz Rent erweitert das Geschäftsmodell der
     Franz Reiner: Die Kundenanforderungen für Mobilität         Mercedes-Benz Bank im engen Schulterschluss mit dem
     verändern sich. Viele Kunden suchen für ihre persönliche    Handel, also vom klassischen Finanzdienstleister immer
     Mobilität nach flexiblen Lösungen. Mit Mercedes-Benz        mehr zum Mobilitätsdienst­leister.
     Rent bieten wir jetzt ein Auto mit Stern für jeden An-
     lass: von der S-Klasse für die Hochzeit über den Kombi     Wie schätzt man in Ihrem Haus den Markt der Auto­
     oder das Cabrio für den Wochenendausflug bis hin zum       vermietung generell ein?
     Ersatz-Fahrzeug beim Unfall. Natürlich werden auch
     Elektro-Autos im Angebot sein.                             Franz Reiner: Der zunehmende Wunsch vieler Kunden
                                                                nach flexiblen Mobilitätslösungen wird das Thema Mie-
     Welche Ziele verfolgt Ihr Haus mit Mercedes-Benz Rent?     te neben Carsharing in den nächsten Jahren weiter be-
     Gibt es konkrete Vorgaben, die man sich gesetzt hat?       flügeln. Mit car2go ist Daimler beim Carsharing schon
                                                                Marktführer. Mit Mercedes-Benz Rent steigen wir jetzt
     Franz Reiner: Mit Mercedes-Benz Rent bieten wir unse-      auch ins Vermietgeschäft ein.
     ren Kunden neben den klassischen Leasingangeboten
     und Finanzierungsverträgen ein zusätzliches Mobilitäts­    Ein gewisser Schwerpunkt der Modellpalette liegt auf
     angebot direkt im Autohaus. Unsere Händler können          den Nutzfahrzeugen. Welche Zielgruppen sprechen Sie
     dank Mercedes-Benz Rent neue Zielgruppen mit kurz-         ­besonders an?
     bis mittelfristigen Mobilitätsanforderungen für sich ge-
     winnen. So schaffen wir zusätzliches Ertragspotenzial.     Franz Reiner: Mercedes-Benz Rent ist aktuell auf das
     Bereits innerhalb kürzester Zeit konnten wir über 70.000   Pkw-Vermietgeschäft ausgerichtet. Im Nutzfahr­    zeug­
     Ver­miettage nur mit den ersten drei Pilotbetrieben        geschäft haben wir mit Mercedes-Benz CharterWay be-
     ­verzeichnen. Diese Zahl wird in den nächsten Monaten      reits seit 20 Jahren ein Mietgeschäft etabliert und sind
      wegen der größeren Anzahl der beteiligten Niederlas­      damit in Deutschland Marktführer. Im Bereich Miete
                          sungen steigen.                       verfügt CharterWay über einen Fuhrpark von rund 7.000
                                                                Fahrzeugen. Gewerbekunden können über CharterWay
         Titelthema         Wie passt die Autovermietung in     Lkw oder Transporter aus dem Hause Daimler mieten
                             die Gesamtkonzern­strategie?       und so beispielsweise Auftragsspitzen abfedern. Kun-
      Mietwagenbranche:                                         den können ihre Fuhrparkkapazität dank Mercedes-Benz
                               Franz Reiner: Die Vermie-        CharterWay ohne hohe Eigeninvestitionen flexibel an die
        Wohin geht            tung rundet unser Geschäfts-      jeweilige Auftragslage anpassen.
                              modell ab. Mit Mercedes-
         die Reise?

06
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business-Magazin für die Autovermietung




Sind weitere Schwerpunkte in besonderen Segmenten           von den Händlerniederlassungen – geplant?
geplant?
                                                            Franz Reiner: Aktuell wird in 21 deutschen Nieder­
Franz Reiner: Wir überdenken ständig, wie wir unser Ge-     lassungen die Vermietung angeboten, die restlichen
schäft strategisch weiterentwickeln können. Sobald The-     ­Niederlassungen von Mercedes-Benz werden im Jahres­
men marktreif sind, gehen wir damit in die Kommunikation.    verlauf folgen. Zudem haben auch andere Mercedes-
                                                             Benz Vertriebspartner bereits Interesse an Mercedes-
                                                             Benz Rent bekundet.
» Der zunehmende Wunsch vieler
­Kunden nach flexiblen Mobilitäts­                          Gibt es unabhängig davon andere konkrete Schritte, die
                                                            Sie für die Zukunft planen?
 lösungen wird das Thema Miete neben
 Carsharing in den nächsten Jahren                          Franz Reiner: Es gibt viele Ideen, wie Mercedes-Benz
                                                            Rent weiterentwickelt werden kann. Denken Sie nur an
 weiter beflügeln. «               F.Reiner
                                                            Online-Reservierungen von Wunschfahrzeugen, Bring-
                                                            und Holdienste oder ähnliche Services. Es ist jetzt aber
Was hebt Mercedes-Benz Rent – jenseits der Modell­          noch zu früh, um konkrete Schritte zu nennen.
palette – von anderen Autovermietungen ab?
                                                            Was plant Mercedes-Benz Rent international?
Franz Reiner: Mercedes-Benz Rent funktioniert nicht nur
als Mietgeschäft, um Kundenbedürfnisse abzu­decken.         Franz Reiner: Wir sind derzeit mit Mercedes-Benz
Wir wollen damit auch neue Kunden für die ­Marken           Rent in fünf europäischen Ländern am Start. Wir planen
­Mercedes-Benz und smart gewinnen. Wenn Sie so wol-         ­natürlich, in diesen Ländern in die Fläche und auch in
 len, ist jede Vermietung auch eine Testfahrt. Deshalb       weitere Länder zu gehen.
 werden wir in der Regel einen Modellmix von attraktiven     [abu]
 und neuen Fahrzeugen anbieten, die meist über Sonder-
 ausstattungen verfügen, die erheblich von den herkömm-
 lichen Autovermietfahrzeugen abweichen.                       Zur Person: Franz Reiner

Wie viele Mitarbeiter sind inzwischen in der Autovermie-       Franz Reiner wurde am 22. Juli 1967 in Houston im US-Bun-
tung tätig?                                                    desstaat Texas geboren. Er studierte an der Fachhochschule
                                                               für Technik in Esslingen und ist Diplom-Wirtschaftsingenieur.
Franz Reiner: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Mit-       1992 begann er seine berufliche Laufbahn als Mitglied der
arbeiterzahlen einzelner Geschäftsbereiche generell nicht      Nachwuchsgruppe bei der damaligen Mercedes-Benz Finanz
nennen.                                                        GmbH in Stuttgart. Franz Reiner ist seit dem 1. August 2011
                                                               Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Bank AG. Gleich-
Derzeit gibt es ja neben den Niederlassungsstandorten          zeitig ist er im Vorstand der Daimler Financial Services AG
auch einen Standort am Berliner Hoppegarten – ist eine         und hat die Verantwortung für die Region Europa.
weitere Expansion mit neuen Standorten – unabhängig




                                                                   In Anlehnung an Janis Joplins Song erstrahlt der Mercedes-Benz
                                                                   Rent Claim auf den Seitentüren der Mietwagen.




                                                                                                                                    07
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business




       Auf Kurs: Punktlandung für Volkswagen?
     Volkswagen eröffnete vor wenigen Wochen unter der          wichtigen Hotspots außerhalb der Auto­häuser.
     Flagge der konzerneigenen Autovermietung „Euro­mobil“
     als erster Automobilhersteller eine Vermietstation an      Eigene Uniformen sorgen für den perfekten Auftritt
     ­einem Flughafen – und tritt damit gegen die internatio­
      nalen Autovermieter dort an. Welche Strategie steckt      In gerade erst geschneiderten Euromobil-Uniformen
      ­hinter ­diesem Schritt, und was planen die Niedersach-   empfangen die Mitarbeiter nun ihre ersten Kunden.
                                                                ­
       sen für die Zukunft?                                     An­bieten will man ihnen im Unterschied zu den Mit­
                                                                bewerbern vor Ort vor allem eines: „Keine Überraschun-
     Mit glänzender Laune, einer Reihe bedeutender Manager      gen beim Fahrzeug“, wie Dr. Woesthoff erklärt, „wer
     aus dem Stammhaus und viel Lust auf Zukunft eröff­nete     einen Audi bestellt, bekommt auch genau dieses Auto
     Volkswagen respektive Euromobil Anfang März seine          und eben k­ einen ­Honda derselben Klasse.“ Damit will
     neue Vermietstation am Flughafen in Hannover. Es ist       sich Euromobil entscheidend von der Konkurrenz abset-
     die erste Station, die das Autovermietunternehmen au-      zen und gezielt Kunden ansprechen, die Wert auf die
     ßerhalb eines Autohauses in Betrieb nimmt – und durch      Marke legen. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt sei das
     die Eigentumsverhältnisse auch die erste Station, die      große Stationsnetz im Hintergrund, auf das die Kunden
     überhaupt ein Automobilhersteller an einem Flug­hafen      zurückgreifen könnten, so Dr. Woesthoff.
     eröffnet. Volkswagen war am Airport bislang schon mit
     seinem Carsharer Quicar vertreten.                         Die Autohäuser müssen indes nicht befürchten, künftig
                                                                etwa ihre eigenen Mitarbeiter mit Euromobil-­Uniformen
     Euromobil hatte bis dato sein Geschäft ausschließlich      auftreten lassen zu müssen – eine Aus­     weitung der
     als reines Franchiseunternehmen ohne eigene Sta­ti­        Corporate Identity auf die Lizenznehmer ist nicht
     o­­
      nen betrieben. Stattdessen hatten die VW-Händler          geplant. „Wir sind nicht McDonald‘s und respek­tieren
     Lizenzen erworben und Fahrzeuge vermietet. Auf diese       den eigenständigen Außenauftritt unserer Partner
     Weise kam innerhalb von zwei Jahrzehnten ein statt­li­     ­selbstverständlich auch weiterhin“, erklärt Dr. Woest-
     ches Stationsnetz zusammen, deutschlandweit sogar           hoff. Wie bislang auch erhalten die Lizenznehmer im
     das größte mit über 2.600 angeschlossenen Händlern          ­wesentlichen Software und Know-how und profitieren
                        be­z iehungsweise Stationen. Ihr          von Werbung und Identifikationsartikeln.
                          Haupt­  geschäftsfeld war bislang
         Titelthema        der Unfallersatz. Doch nun nimmt     Mit eigenen Mitarbeitern in sechs Autohäuser
                              die Volkswagen Leasing GmbH,
      Mietwagenbranche:         der Euromobil inzwischen        Wenn Euromobil-Uniformen künftig aber doch in ein-
                                ­gehört, weitere Kunden­grup­   zelnen Autohäusern auftauchen, so stecken auch Euro­
         Wohin geht             pen ins Visier – und das geht   mobil­-Mitar­beiter drin. Denn das Unternehmen bereitet
                               nicht ohne die P   ­ räsenz an   ge­rade den Aufbau von sechs eigenen Stationen inner-
         die Reise?

08
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business-Magazin für die Autovermietung




halb bestehender Autohäuser in der Hannoveraner Re-         Sukzessiver Einstieg ins Vermietgeschäft
gion vor.
                                                             Die Volkswagen Leasing GmbH ihrerseits verschaffte
„Wir können dieses Modell mit denjenigen Betrieben           sich durch die Übernahme von Euromobil die Möglich­
diskutieren, die bislang keine Autovermietung betreiben      keit, überhaupt erst in die Kurzzeitvermietung in Eigen-
wollten“, so Dr. Woesthoff.                                  regie einzusteigen. Denn genau dort verspricht man
                                                             sich noch nicht gehobene Kundenpotenziale. Mitt­lere
Das dürfte die Händler freuen, das Unternehmen               Mietzeiten decken schon lange die Händler perfekt
Euromobil stellt aber so nicht zuletzt auch sicher, dass     ab, überwiegend im Werkstattersatzgeschäft, und die
die vermietunwilligen Händler im Zweifel nicht eher mit      flächendeckende Langzeitmiete hat die Volkswagen
dem Wettbewerb vor Ort kooperieren und ihre Unfall-          Leasing GmbH vor drei Jahren eingeführt. Damit spricht
kunden dorthin vermitteln. Nach dem ersten Schritt in        sie besonders Geschäftskunden an, die etwa ihren
der Region Hannover mit sechs Retailbetrieben könnten        ­Mit­arbeitern in der Probezeit einen Firmenwagen zur
weitere im Bundesgebiet folgen, und auch die Auswei-        ­Ver­fügung stellen wollen.
tung der Präsenz an anderen Hotspots wie dem Flug­
hafen Hannover steht im Raum.                               Mit dem Aufbau eigener Stationen für die Kurzzeitmie-
                                                            te besetzt der Konzern nun den letzten weißen Fleck
Neues Geschäftsfeld mit Gewinnerzielungsabsicht             im Mobilitätsangebot. Kunden werden künftig bei VW
                                                            ­passgenau für jeden Bedarf bedient: vom Leasing, über
Von dem Einstieg in die Vermietung in Eigenregie ver-        die Langzeitmiete bis zur Kurzzeitmiete. Mit Quicar hat
spricht sich Euromobil Einiges – auch wenn der Markt         der Konzern zudem einen – wenn auch regional be­
gerade an den umkämpften Flughäfen nicht einfach ist.        grenzten – Carsharer im Angebot. Strategisch soll der
„Wir gehen natürlich mit Gewinnerzielungsabsicht an          Kunde komplett bedient werden. Alle glücklich zu ma-
den Start“, so Dr. Woesthoff. Diese Aussage überrascht       chen, das kann den Niedersachsen mit der jüngsten
nicht, liegt doch mittlerweile das Geschäft mit der Miete    ­Entwicklung durchaus gelingen – außer diejenigen, die
seit über einem Jahr nicht mehr nur in den Händen der         eine andere Automarke bevorzugen.               [abu]
Händler selbst, sondern auch in denen der Finanzprofis
des VW-Konzerns.
                                                               Zur Person: Dr. Frank Woesthoff
Anfang des vergangenen Jahres hatte die Volkswagen
Leasing GmbH die Euromobil GmbH übernommen, die                                       Dr. Frank Woesthoff arbeitete nach
bis dahin dem Audi- und VW-Händlerverband gehört                                      seiner Promotion in Ger­ma­nistik
hatte. Der wesentliche Vorteil, der den Händlern im                                   unter anderem als ­Ra­dio- und TV-​
R ahmen der Übernahme offeriert wurde, war die
­                                                                                     Journalist, Dramaturg, The­a­ter­leiter
­Möglichkeit, die Mietfahrzeuge künftig nicht mehr er­                                und Pressesprecher. Ab 2003
 werben zu müssen, sondern selbst mieten zu kön-                                      bekleidete er diverse Führungs­
 nen. Das bringt mehr Luft in deren Liquiditätsplanung                                positionen im VW-Konzern. Seit
 und sorgt zudem für Flexibilität bei kurzfristigen Be­                               dem 01. Oktober 2012 ist Dr. Frank
 darfsschwankungen. Neben dieser sogenannten Part-                                    Woesthoff Geschäftsführer der
 nermiete besteht aber für die angeschlossenen Händler                                Euromobil GmbH.
 auch weiterhin die Möglichkeit zum Kauf.




                                                                                     Die neue Station am Flughafen Hannover




                                                                                                                                09
Mietwagenbranche: Wohin geht die Reise? Kraftstoff
Business




                                                                  car2go etwa wirtschaftet mittlerweile in drei von welt-
                                                                  weit 18 Städten profitabel, die ersten Smarts konnten
                                                                  schon vor viereinhalb Jahren, im Oktober 2008, geshart
                                                                  werden. Das zeigt, dass Anbieter von Carsharing neben
                                                                  dem notwendigen Startkapital vor allem einen langen
                                                                  Atem brauchen.

                                                                  Abkürzen lässt sich der Weg zum Erfolg nur durch den
                                                                  Kauf eines etablierten Dienstes, wie dies Avis Budget
                                                                  in den USA jüngst vorgemacht hat. Für stolze 550 Mil-
                                                                  lionen Dollar erwarb die große Autovermietgesellschaft
                                                                  den etablierten Carsharer Zipcar, der weltweit über
                                                                  700.000 Kunden zählt und in den Vereinigten Staaten in
                                                                  21 Metropolregionen vertreten ist. Wirtschaftlichen Er-
       Zukunftsfaktor                                             folg versprechen sich die amerikanischen Autovermieter
                                                                  neben Kostensenkungen, die durch Synergien mit dem
       Carsharing?                                                Vermietgeschäft entstehen, vor allem vom weltweiten
                                                                  Wachstum. Zu eventuellen Aktivitäten in Deutschland im
                                                                  Zusammenhang mit dem Einstieg ins Carsharing woll-
     Als letzter großer internationaler Autovermieter betreibt    te sich das Unternehmen im Moment auf Anfrage von
     nun auch Avis Carsharing: Das Unternehmen kaufte dazu        „Kraftstoff“ noch nicht äußern.
     den größten amerikanischen Carsharer, ZipCar. Wie es
     erfolgreich geht, sieht man bei Daimler, die mit car2go      Erst die Masse macht‘s
     die Gewinnschwelle erreicht haben. Ist Carsharing also
     ein Muss? Oder gar der entscheidende Zukunftsfaktor für      Denn profitabel wird Carsharing in dieser Form erst dann,
     Vermietunternehmen?                                          wenn eine sehr große Kundenzahl das Angebot nutzt.
                                                                  Das wissen auch Daimler und BMW, die beide weiter auf
     Für den Kunden klingt es verheißungsvoll: Einfach schnell    Expansionskurs sind. So soll die Kundenzahl von car2go
     mit dem Smartphone herausfinden, wo gerade ein freies        bis Ende dieses Jahres auf eine halbe Million ansteigen,
     Auto in der Nähe parkt, es direkt für 15 Minuten reser­      die Flotte soll dazu auf 10.000 Fahrzeuge anwachsen, der
     vie­ren, hinlaufen, die Mitgliedskarte vor die Windschutz-   Umsatz der Daimler Mobility Service GmbH, zu der auch
     scheibe halten, einsteigen und losfahren. Am Ziel das        die Dienstleistung Moovel gehört, bis Ende 2014 die 100
     Auto einfach parken, ohne Parkgebühren zu bezahlen,          Millionen Euro-Grenze übersteigen.
     denn die werden automatisch abgebucht.
                                                                  Ein Vergleich dieser Zahlen mit dem Durchschnitts-
     Soweit das fortschrittlichste Geschäftsmodell von Car-       jahresumsatz der knapp 4.000 mittelständischen Ver-
     sharing, wie es etwa car2go von Daimler oder DriveNow        mietungen mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz
     von BMW und Sixt praktizieren. Knapp 300.000 Kunden          – er beträgt 400.000 Euro – macht deutlich, dass Car-
     nutzen bereits die 6.500 Fahrzeuge, die Daimler welt-        sharing in der Form wie es die großen Hersteller und
     weit im Einsatz hat. Ein Hit ist Carsharing insbesondere     Autovermietunternehmen betreiben, selbstverständlich
     in den großen Metropolen, wo immer mehr Menschen             keine realisierbare Geschäftsoption ist. Dafür übersteigt
     ­bereit sind, aufgrund von steigenden Garagenmieten und      der Kapitalbedarf für die Anfangsinvestitionen ganz
      Parkplatzmangel auf den eigenen fahrbaren Untersatz zu      ­erheblich den finanziellen Spielraum der mittelständi-
      verzichten. DriveNow eröffnete jüngst etwa eine Station      schen Autovermietbranche.
      am Münchener Flughafen mit der Option, den fahrbaren
      Untersatz nach Gebrauch einfach in der City abzustellen.    Mittelstand: Innovationskraft statt Kapital

     Einfach für den Kunden, doch schwierig für das               Gefragt sind für den Mittelstand der Branche daher
     Unter­nehmen                                                 innovative und intelligente Konzepte im Carsharing,
                                                                  ­
                                                                  die den Kunden maßgeschneiderte Mobilität liefern.
     Was für den Kunden auf der einen Seite so locker ­flockig    Ein ­solches Erfolgsmodell, das bereits praktiziert wird,
                        urban modern und schlank daher-           ist etwa das Angebot eines Flottenmanagements für
                         kommt, stellt die Unternehmen auf        Geschäftskunden mittels Carsharing. Privatkunden ge-
         Titelthema        der anderen Seite vor gewaltige        winnen mittelständische Autovermietunternehmen als
                            Herausforde­rungen. Denn ehe          ­Carsharing-Kunden am ehesten jenseits der Metropo-
      Mietwagenbranche:       Carsharing in die ­Gewinnzone        len, in den kleineren Städten und in den ländlichen Ge-
                              fährt, bedarf es gewaltiger          genden. Carsharing macht hier in Form von Anschluss­
        Wohin geht            Investitionen – in die Flotte        mobilität an die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere
                             ebenso wie in die Technik.            die Bahn, Sinn.
         die Reise?

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Business-Magazin für die Autovermietung




Solche passgenau für eine spezielle Zielgruppe ausge-
klügelten Modelle lassen sich nicht nur mit einer über-
schaubaren Flotte bewerkstelligen, sondern stellen auch
geringere Anforderungen an die Technik im Hintergrund
als Carsharing à la car2go & Co. Denn damit der Kunde
überall spontan und einfach mit seiner Mitgliedskarte ein
freies, geparktes Auto nutzen kann, bedarf es einer per-
fekten Software im Hintergrund, deren Entwicklung und
Erprobung Zeit und Kapital in Anspruch nimmt.

Klassische Vermietung unter Druck?

Wenn Branchenschätzungen nun davon ausgehen, dass
aus den heute 700.000 europäischen Carsharing-Nut-
zern bis 2020 rund 15 Millionen werden könnten, dann        grund stehen – auch Großstädter fahren mal übers
bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass Carsharing       ­Wochenende weg und benötigen dann ein Fahrzeug
über kurz oder lang die klassische Autovermietung in         länger als nur ein paar Stunden. Zudem offerieren die
den ­Ballungsräumen ablösen wird. Denn das Modell der        großen Carsharer keine breite Modellpalette, aus der der
spontanen, kurzzeitigen Miete hat klare Grenzen.             Kunde ganz nach Gusto auswählen könnte, Zusatzaus-
                                                             stattung oder besondere Services gibt es ebenso wenig.
Eine davon sind die unterschiedlichen Bedürfnisse, die       Gute Argumente für das klassische Vermietgeschäft gibt
bei der Suche nach einem Fahrzeug gerade im Vorder­          es daher auch in Zukunft genügend.                [abu]




                                                                                          Car2go hat als erster Carsharer
                                                                                          die Gewinnschwelle erreicht.




                                                                                                                            11
Business




                                                                   Unternehmen aus. Denn eines ist klar: Zusammenschlüs-
                                                                   se bringen zwar ­viele Chancen mit sich, stellen beide
                                                                   Partner aber auch erst einmal vor gewaltige Herausfor-
                                                                   derungen.

                                                                   Die Integration muss gelingen

                                                                   Wenn sich Unternehmen zusammenschließen, treffen
                                                                   regelmäßig zwei meist sehr unterschied­liche­Kulturen
                                                                   aufeinander. Die Mitarbeiter sind selten begeistert, steht
                                                                   doch stets die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, der
                                                                   Rationalisierungen zum Opfer fallen könnte, im Raum.
                                                                   Hinzu kommen zahlreiche Veränderungen in der tägli-
                                                                   chen Arbeit und nicht selten Kämpfe um doppelt besetzte
                                                                   Funktionen in den zentralen Bereichen.

                                                                   Ehe unter diesen Voraussetzungen eine Integration
                                                                   ­erfolgreich abgeschlossen ist, gehen nicht selten Jah-
                                                                    re ins Land, in denen Unternehmen nach Zusammen­
                                                                    schlüssen häufig überwiegend mit sich selbst und
                                                                    ­weniger mit dem Markt beschäftigt sind. Hinzu kommt
                                                                     die finanzielle Seite: So hat die Übernahme von Dollar
        Zusammenschlüsse:                                            Thrifty dem US-Autovermieter Hertz zunächst einmal
                                                                     einen ­Verlust beschert – im Schlussquartal 2012 waren
        Gemeinsam stärker?                                           dies 36,4 Millionen Dollar, wie die Nachrichtenagentur
                                                                     Reuters vermeldete. Ein Jahr zuvor hatte der Branchen-
                                                                     zweite noch einen Überschuss von 52,1 Millionen Dollar
     In der großen Welt der Mietwagenbranche scheint                 verbucht. Die Übernahme von Dollar Thrifty hatte Hertz
     die Liebe zur Fusion ungebrochen – Hertz kaufte im              2,6 Milliarden Dollar gekostet.
     vergangenen Sommer endlich Dollar Thrifty, Buchbinder
     und Terstappen haben angekündigt, sich zusammen-              Zahl der Autovermietungen wächst leicht
     zuschließen. Trifft der Konzentrationsprozess auch den
     Mittelstand?                                                  Jenseits der Branchenriesen steht der Mittelstand der
                                                                   Branche dem Thema Zusammenschluss eher ver-
     „Nachdem wir seit zwei Jahren unsere Flughafensta­            halten gegenüber und verbleibt stattdessen in der
     tionen erfolgreich betreiben, ist nun zur Entfaltung weite-   Eigen­ständigkeit. So nimmt die Zahl der Autovermiet­
     ren Wachstums der richtige Zeitpunkt gekommen, beide          unternehmen in Deutschland entgegen der öffentlichen
     Unternehmen gesellschaftsrechtlich zusammenzu­                Wahrnehmung sogar zu. Das Statistische Bundesamt
     führen“, lautete Ende vergangenen Jahres die Aussage          zählte im Jahr 2010 exakt 4.055 Autovermietunter­
     Hubert Terstappens, geschäftsführender Gesellschaf-           nehmen, davon wurden über die Hälfte als Einzel­
     ter der Terstappen Autovermietung GmbH & Co. KG,              unternehmen geführt. Zusammen unterhielten sie 5.217
     bei der Ankündigung des Zusammenschlusses seines              Niederlassungen.
     ­Unter­nehmens mit Buchbinder rent a car.
                                                                   Verglichen mit dem Jahr 2001, in dem es mit insgesamt
     Konrad Altenbuchner, geschäftsführender Gesellschaf-          3.707 deutlich weniger Vermietungen als heute gab, sind
     ter der Buchbinder Unternehmensgruppe, ließ sich sei­         nur diejenigen Unternehmen mit einem Jahres­umsatz
     nerseits mit den Worten zitieren: „Unsere Kunden pro-         zwischen 500.000 und einer Million Euro signifikant
     fitieren neben einem noch größeren Stationsnetz in den        weniger geworden, ihre Anzahl hat entgegen dem
     Städten nun auch in Deutschland von einer An­bindung          Branchentrend bis zum Jahr 2010 um rund ein Drittel
     an die wichtigsten internationalen Flughäfen. Diese           abgenommen. Selbiges gilt für die großen Unternehmen
     ­Er­weiterung ist für uns ein großer Meilenstein in der       mit mehrstelligen Millionenumsätzen.
                           ­Geschichte des Unternehmens.“
                                                                   Um beinahe 60 Prozent und damit prozentual am
         Titelthema          Das klingt erst einmal vielver-       ­deutlichsten ist dagegen die Zahl der kleinen Betriebe
                              sprechend. Doch wie der Zu-           mit 50.000 bis 100.000 Euro Jahresumsatz gewachsen.
      Mietwagenbranche:         sammenschluss nun genau             Um rund 55 Prozent und damit ebenfalls deutlich ge­
                                vonstattengehen soll und was        stiegen ist aber auch die Zahl der Unternehmen, die ei-
        Wohin geht              die Zukunft konkret bringt,         nen Jahresumsatz zwischen 250.000 und 500.000 Euro
                               darüber schweigen sich beide         erwirtschaften.
         die Reise?

12
Business-Magazin für die Autovermietung




Die Umsätze sinken eher                                       ganz anders sieht. Die Gründe für das Verbleiben in der
                                                              Eigenständigkeit liegen nicht nur in den ganz konkret
Während die Zahl der Unternehmen auf der einen ­Seite         damit verbundenen Schwierigkeiten, sondern auch der
steigt, bröckeln auf der anderen Seite die Umsätze –          persönlichen Scheu davor, sein gesamtes unternehme-
der Kuchen, den sich die rund 4.000 Vermieter hierzu­         risches Schicksal an einen Partner zu binden.
lande teilen, wird eher kleiner. Betrachtet man dazu nur
­die­jenigen Unternehmen, die weniger als 25 Millionen        Eine Alternative zur Fusion stellen schließlich auch
 Euro Umsatz erwirtschaften, so ist ihr Gesamtumsatz          ­Kooperationen aller Art dar. Das haben im Übrigen auch
 von 2001 bis 2010 leicht von 2,24 auf 2,15 Milliarden         die Marktführer erkannt. So baut die Avis Autovermie-
 gesunken.                                                     tung ihr deutsches Stationsnetz derzeit mittels Partner­
                                                               schaften weiter aus. Seit Juni 2011 kamen 95 neue
Das Gesamtvolumen des Autovermietmarkts inklusive              Partnerstationen hinzu: DB Reisezentren, Autohäuser,
der großen Unternehmen lag 2010 laut Statistischem             Autowerkstätten sowie bei verschiedenen NH Hotels.
Bundesamt bei exakt 7,903 Milliarden Euro. Davon
entfiel nur ein gutes Viertel auf diejenigen 4.025 Unter-     [abu]
nehmen mit weniger als 25 Millionen Jahresumsatz, die
zahlen­mäßig aber 99 Prozent der gesamten Branche
ausmachen. Rein rechnerisch erwirtschaftete die durch-
schnittliche mit­telständische Autovermietung damit einen
                                                                 Fazit
Umsatz von etwas mehr als 500.000 Euro, ein Jahrzehnt
zuvor waren es noch mehr als 600.000 Euro gewesen.
                                                                 All dies zeigt, dass die Branche der Autovermietung in einem
Wachstum: Fusion oder Kooperation?                               Wandlungsprozess begriffen ist, den die internationalen An-
                                                                 bieter und Hersteller aber derzeit noch mit anderen Rezepten
Um in einem Verdrängungsmarkt wie der Autover­mietung            bestreiten als der Mittelstand. Doch auch letzterer wird sich in
überhaupt noch wachsen zu können, drängt sich mit                Zukunft einiges einfallen lassen müssen, um im Wettbewerb
Blick auf die umsatzstärksten Unternehmen der Branche            um immer anspruchsvollere und stärker vernetzte Kunden zu
die Fusion als vermeintlich einzige Handlungsoption auf.         bestehen.
Die Statistik offenbart aber, dass dies der Mittelstand




  Der Markt der Autovermieter in Deutschland
      Autovermietungen im Jahr 2010 mit einem                            Anzahl                    Gesamtumsatz in
      Gesamtumsatz ...                                                                              Millionen Euro
      ... von mehr als 17.500 Euro bis unter 50.000 Euro                  793                               23,9

      ... von 50.000 Euro bis unter 100.000 Euro                          911                               65,8

      ... von 100.000 Euro bis unter 250.000 Euro                         1067                              176,8

      ... von 250.000 Euro bis unter 500.000 Euro                         551                                201

      ... von 500.000 Euro bis unter 1 Million Euro                       258                              189,9

      ... von 1 Million Euro bis unter 2 Millionen Euro                   264                               351,2

      ... von 2 Millionen Euro bis unter 5 Millionen Euro                 101                              303,4

      ... von 5 Millionen Euro bis unter 10 Millionen Euro                45                                311,6

      ... von 10 Millionen Euro bis unter 25 Millionen Euro               35                                527,2

      ... 25 Millionen Euro und mehr                                      29                               5752,1

      Gesamt                                                             4055                              7903,1

                                                                                                   Quelle: Statistisches Bundesamt




                                                                                                                                     13
Business




        Besser billig?
        Preissensibilität bei Autovermietflotten




     Die Deutschen sind Schnäppchenjäger. Oder zumindest              Der unerwartete Dacia-Erfolg
     preisbewusst. Auch, wenn es um Autos geht. Günstige
     Marken wie Dacia oder Chevrolet erfreuen sich bei den            Doch offen darüber sprechen will niemand. Weder die
     deutschen Autokäufern wachsender Beliebtheit – zumal             einzelnen Vermieter, noch Hersteller Dacia. Gerade beim
     in den meisten Modellen keine schlechte, sondern ledig-          rumänischen Autobauer liegt die Zurückhaltung sicher
     lich etwas ältere Technik großer Hersteller wie Opel oder        auch darin begründet, dass der französische Mutter­
     Renault steckt. Im Vermietbereich allerdings finden sich         konzern Renault nicht so gerne über den nach wie vor
     Modelle der Billigmarken bislang kaum, obwohl auch hier          für viele Branchenkenner überraschend großen Erfolg der
     der Preis zählt. Das hat gleich mehrere Gründe.                  Billigmarke spricht. Eigentlich wollte Renault mit seiner
                                                                      Marke Dacia Osteuropa sowie die Schwellenländer in
     Wer in den 80er oder 90er Jahren beim Urlaub auf                 Asien und Südamerika erobern – und nicht Westeuropa.
     den Kanaren oder den Balearen einen Mietwagen bu-
     chen wollte, hat mitunter große Augen gemacht. Dem               Die Erklärungen der großen Autovermieter, weshalb sie in
     k om­
     ­     f ortverwöhnten deutschen Autofahrer wurden                ihren Fuhrparks nicht auch über Modelle von be­sonders
     dort Fiat Unos, Seat Marbellas und andere Klein- und             günstigen Herstellern verfügen, sind unterschiedlich.
     ­Kleinstwagen angeboten, die man bei Autovermietern in           Während Avis zu diesem Thema gänzlich schweigt,
      Deutschland niemals zu Gesicht bekommen hätte – und             ­antwortet Hertz einsilbig: „Bei Hertz stehen Qualität und
      schon gar nicht zu diesem Preis. Das alles hat sich ­freilich    Service im Vordergrund. Dies spiegelt sich auch in un­
      geändert. Auch im Urlaub kann man heute Premium­                 seren Angeboten wieder.“ Auch Antworten auf die Frage,
      modelle mieten.                                                  ob in anderen Märkten bereits Erfahrungen mit Modellen
                                                                       von günstigen Herstellern gemacht wurden, gibt es nicht.
     Doch der Vermietmarkt insgesamt ist in Bewegung. In
     vielen ost- und südosteuropäischen Ländern der EU                 In München gibt man sich etwas auskunftsfreudiger:
     gehören Dacia & Co. längst zum Standardportfolio der              „Sixt schließt prinzipiell keine preisgünstigeren Marken
     Vermieter. Denn deren Kunden wollen und brauchen                  vom Angebot aus.“ Die Flotte umfasse auch günstige
     aus wirtschaftlichen Gründen die Option auf einen güns­           ­Klein­wagen aller vertretenen Hersteller sowie günstigere
     ti­geren Mietwagen, als es mit Modellen von Volkswagen,            Alternativmodelle zu den etablierten Fahrzeugmodellen
     BMW oder Mercedes möglich wäre. Auch in Deutschland                wie dem VW Golf und dem 3er BMW. „Insofern steht
     gibt es einige wenige kleine und mittelständische Ver­             auch preisbewussten Kunden ein breites Angebot zur
     mieter, die Modelle von Dacia oder Chevrolet im Angebot            Auswahl“, erklärt ein Sixt-Sprecher. Die Zusammen­
     haben.                                                             setzung der nationalen Flotten richte sich nach den
                                                                      ­Kundenwünschen.


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Business-Magazin für die Autovermietung




Sixt-Devise: Premium statt billig                           ­ tandard- oder Premiummarken tun. Zudem ist der
                                                            S
                                                            ­Wertverlust bei Modellen von Billigherstellern in kurzer
Ganz generell stuft sich der Mietwagenkonzern als            Zeit besonders hoch.
­„Premium-Anbieter“ ein, deshalb biete man den ­Kunden
 eine „moderne, attraktive und hochwertige Ver­­   miet­    Damit erklärt auch Europcar den Verzicht auf besonders
 flotte“ an. Damit trage man wachsenden Ansprüchen der      preisgünstige Marken in der Flotte. Es gebe einen großen
 ­Kunden Rechnung – hauptsächlich mieten bei Sixt nach      Kreis an Kunden, die sich beim privaten Autokauf mit
  eigenen Angaben Firmen- und Geschäftskunden. „Die         günstigen Marken beschäftigten, sagte eine Sprecherin:
  Fahrzeuge verfügen in der Regel über eine entsprechen-    „Kaufentscheidend sind hier die günstigen Kosten bei der
  de Motorisierung und höchste technische Funktionalität    Anschaffung wie auch beim Unterhalt des Fahrzeugs.“
  sowie Komfortausstattungen“, sagte der Firmensprecher     Bei Vermietern setzten sich die Kosten jedoch völlig an-
  weiter.                                                   ders zusammen, die Kostenstruktur etwa für Unterhalt
                                                            oder Abschreibung sei bei jeder Marke gleich.
Genau damit aber können viele billigere Marken nicht
punkten. Deren „Erfolgsrezept“ lautet in der Regel          Billigmietwagen – eine Utopie?
nämlich Zweitverwertung. Die Technik stammt von
­
­älteren Modellen der Premiummarken im Konzern – bei        Das bedeutet im Klartext: Die Ein- und Aussteuerung
 Dacia ist das Renault, bei Chevrolet ist das Opel oder     ­eines Fahrzeugs in die Vermietflotte kostet, egal wel-
 GM. Zum Einsatz kommen billige und robuste Teile.           ches Modell und welcher Hersteller, immer das gleiche,
 Oft haben v­erschiedene Modelle sogar identische            weil die Kfz-Zulassung oder der Transport der Fahrzeuge
 ­Bauteile wie Türen und Fenster. Aber bei der Sicher­       an ihren Einsatzort oder die Kosten für Reinigung und
  heitstechnik hinken sie, zumindest in den Einstiegs­       Wagenservice immer dieselben sind. „Das bedeutet,
  versionen, meistens hinterher.                             dass Fahrzeuge innerhalb einer Kategorie mit Modellen
                                                             vergleichbarer Größe und Ausstattung aus betriebs­
Gleichwohl: Immer mehr Autokäufer entscheiden sich           wirtschaftlichen Gründen zum selben Preis vermietet
wohlwissend dennoch für solche Modelle. Auch, weil           werden müssen.“
das Automobil in Deutschland nach und nach seine
Funk­tion als Statussymbol einbüßt. Das Bewusstsein         Kurzum: Vielleicht gäbe es bei einigen Kunden tatsächlich
in der Bevölkerung ändere sich, sagt Maximilian Groll,      das Interesse an besonders preiswerten ­Mietfahrzeugen
Mar­
­    ketingverantwortlicher für das Franchisesystem         – die große Masse machen sie mittlerweile aber noch
CC Rent a car: „Für viele ist es mittlerweile wichtiger     nicht aus. Und solange man bei Vermietern in Fahrzeug-
ein Fahrzeug nutzen zu können, als ein vorzeigbares         gruppen reserviert und demnach für einen Dacia und VW
­Pres­tigeobjekt zu haben.“ Bei Autovermietern allerdings   den gleichen Preis bezahlen müsste, wird sich die Idee
 halte sich das „Billigmarken-Image“ offenbar hartnäckig.   vom Billigmietwagen kaum in der ­Fläche durchsetzen
                                                            und in der Nische bleiben. Oder aber die Billig-Hersteller
Der Wandel des Marken-Image                                 mausern sich nach oben – etwa wie einst Seat.

Noch vor 20 Jahren war es in Deutschland deshalb auch       [ukw]
kaum vorstellbar, einen Fiat oder Seat als Mietwagen
­anzubieten. Heute ist das Gang und Gäbe. Zum einen,
 weil Automarken, die früher als billig angesehen wurden,
 einen Produkt- und Image-Wandel vollzogen haben.
 ­Viele der einstigen Billighersteller böten
  heute „qualitativ ­hochwertige und
  technologisch ­fortschrittliche
  Produkte an“, erläutert
  Groll. CC Rent a car habe
  preiswerte Marken wie
  Renault, Kia, Skoda und
  Fiat im Angebot.

Das Image-Problem ist aber
sicher nur ein Grund, weshalb Dacia & Co.
­
im Vermietbereich bislang noch keine oder
kaum eine Rolle spielen. Einer der Haupt­gründe dürf-
te sein, dass die Hersteller von besonders güns-
tigen Fahrzeugen weder die Margen noch den
Willen haben, großen Vermietern die gleichen Ein­
kaufs­rabatte zu gewähren, wie dies die Hersteller von


                                                                                                                         15
Business




        Assistenzsysteme – Was macht Sinn?
     Noch nie waren Autos so sicher wie heute. Die Zahl der       Schon heute sind etliche Assistenzsysteme beinahe se-
     Verkehrstoten in Deutschland war seit Beginn der Er-         rienmäßig in allen Fahrzeugen vorhanden. So zum Bei-
     fassung noch nie niedriger. Autofahren war noch nie so       spiel das Antiblockiersystem (ABS), die Antriebsschlupf­
     komfortabel wie heute. Das alles hängt vor allem auch mit    regelung (ASR) oder auch das damit technisch verwandte
     den immer ausgefeilteren Assistenzsystemen zusammen,         Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das durch ein
     die uns das Steuern der Fahrzeuge leichter machen. Das       gezieltes Abbremsen einzelner Räder einem Ausbrechen
     Angebot ist riesig – und wird immer größer. Doch: Was        des Fahrzeugs entgegenwirkt. Natürlich gehören auch
     macht wirklich Sinn und was ist Schnickschnack? Und:         die heute allgegenwärtigen Navigationssysteme dazu –
     Was davon brauchen Mietfahrzeuge?                            wer möchte heute noch per Faltkarte navigieren?

     Fragt man Autohersteller und Wissenschaftler, können         Bei den großen Autovermietern gibt es im Umgang mit den
     es eigentlich nie genug Assistenzsysteme sein – zumal,       Assistenzsystemen große Unterschiede. Während etwa
     wenn es nicht nur technische Spielereien sind. Von den       bei Europcar nur Airbags und ABS als Standard voraus-
     rund 3.600 tödlichen Autounfällen im vergangenen Jahr        gesetzt werden können, sind es bei Hertz z­ usätzlich noch
     sind Experten zufolge 95 Prozent auf menschliches            Navigationsgeräte; jedoch nur, wenn man e  ­ ntsprechende
     ­Versagen zurückzuführen: Übermüdung, Unachtsamkeit,         Wagengruppen reserviert. Avis macht zum Thema Assis-
      Fahrfehler oder überhöhte Geschwindigkeit waren bei-        tenzsysteme gar keine Angaben – und Sixt verweist auf
      spielsweise die Unfallursachen. Assistenzsysteme könn-      die bei den jeweiligen Autobauern üb­liche Serienausstat-
      ten helfen, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken.    tung mit verschiedenen Assistenz­systemen.

     Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und        Mietwagen haben oft viele Assistenzsysteme
     Raumfahrt (DLR) arbeiten derzeit an einem System zum
     automatischen Einparken. Dabei geht es freilich nicht        Bei CC Rent a car ist die Ausstattung mit ­standard­mäßig
     um die bereits bekannten und in vielen Modellen schon        vorhandenen Assistenzsystemen üppiger. „Uns ist es
     se­rienmäßig eingebauten Einparkhilfen, um unfallfrei in     wichtig, uns als regional verankerter Mittelständler beim
     enge Parklücken zu kommen. „Valet-Parking“ heißt das         Angebot und im Service von den großen Mitbewer-
     neue Zauberwort. Per Knopfdruck auf dem Smart­phone          bern abzuheben“, so Bego Jasenac, Prokurist bei der
     könnte sich das eigene Auto in Zukunft selbst einen Park-    CCUnirent System GmbH und Gesamtverantwortlicher
     platz suchen – und auch von selbst zurückkommen.             für den Bereich Flotte. Neben Navigationsgeräten und
                                                                  Tempomat verfügen die Mietwagen bei den CCUnirent
     Das Auto der Zukunft, das von selbst einparkt                Systempartnern mit Nutzungsrecht der Marke CC Rent
                                                                  a car über eine Freisprecheinrichtung via Bluetooth,
     Noch ist dieser automatische Parkdienst zwar nicht           ­Abstandskontrolle, Start-Stopp-Systemen, ESP, ABS
     marktreif, er wird aber vermutlich schneller Realität, als    sowie Berganfahrassistenten.
     manch einer glauben mag. DLR-Forscher Karsten Lem-
     mer ist davon überzeugt, dass sich das Autofahren in         Bei Europcar sind vor allem in den gehobeneren Fahr-
     den kommenden Jahren extrem verändern wird: „Wenn            zeugkategorien serienmäßig auch ESP und Einparkhilfen
     ich vor zehn Jahren etwas vom automatischen Einparken        vorhanden. Auf die konkrete Ausstattung der Fahr­zeuge
     erzählt habe, haben die Leute abgewunken.“ In Versuchs-      habe man jedoch nur sehr bedingt Einfluss, erläuterte
     parkhäusern funktioniert die von den Braunschweiger          eine Unternehmenssprecherin. In der Europcar Flot-
     Forschern entwickelte Technik im Probebetrieb bereits.       te befänden sich im Schnitt 40.000 Fahrzeuge, das


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Business-Magazin für die Autovermietung




Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal drei Monaten,
­länger als sechs Monate ist kein Fahrzeug ein Europcar-­
 Mietwagen.

„Das heißt, jeder Autovermieter ist auch ein großer
­Gebrauchtwagenproduzent“, sagt die Europcar-Spre-
 cherin. Für die Vermarktung dieser Gebrauchtwagen sei-
 en dann die Hersteller oder Importeure verantwortlich.
 ­Deshalb konfigurieren die Hersteller die Mietfahrzeuge
  bereits vor dem Verkauf an die Vermieter entsprechend
  ihres späteren Zielmarktes: „In der Regel sind Mietwagen
  deshalb mit etlichen Assistenzsystemen ausgestattet.“
  Deshalb gebe es aber auch noch Autos ohne Navi.
                                                             Bego Jasenac, weil sie entweder keinen echten Mehrwert
Vermieter nicht einig, was alles sinnvoll ist                böten oder das Fahren nicht sicherer oder komfortabler
                                                             machten. Einig sind sich die Vermieter jedoch alle in ei-
Bei Sixt wechseln die Assistenzsysteme je nach Fahr-         nem Punkt: Da alle Mietwagen maximal sechs Monate alt
zeughersteller und Modell. Gegen Aufpreis ­seien alle        seien, gebe es mit den Systemen nur selten technische
für die jeweiligen Fahrzeugtypen überhaupt verfüg­baren      Probleme – und falls doch einmal, seien es Garantiefälle.
Komfort- sowie Assistenzsysteme wie beispiels­weise
Standheizung, Spurhalteassistent, Distanzregelung,           Neue E-Klasse soll Frontalcrashs verhindern
Tempomat oder Head-up-Display buchbar. „Wir rich-
ten uns da ganz nach den Wünschen unserer Kunden“,           Der technische Fortschritt in diesem Bereich geht je-
erläutert ein Sixt-Sprecher: „Deshalb werden prinzipiell     denfalls unaufhörlich weiter. Mercedes rüstet derzeit
keine Ausstattungsmerkmale ausgeschlossen oder nicht         seine neue E-Klasse auf. Ohne Mitwirken des Fahrers
angeboten.“                                                  soll das neue Modell eine automatische Vollbremsung
                                                             für Fußgänger auslösen oder auch eine Kollision mit
Während man in München „alle Assistenzsysteme, die           dem Gegenverkehr verhindern können. Auf Teststrecken
der Sicherheit sowie der Flexibilität und dem Komfort        funk­tioniert das neue System schon jetzt fehlerfrei, der
des Kunden dienen, als überaus sinnvoll“ erachtet,           zentrale Technik-Baustein ist neben verschiedenen Ra-
sieht man das bei CC Rent a car ­etwas ­differenzierter.     darsensoren eine Stereo-Kamera vor dem Innenspiegel.
Vierrad­antrieb, Automatikgetriebe, Spurwechselassis-
tent, ­Müdigkeitserkennung oder auch Verkehrszeichen­        Besonders die Anti-Kollisions-Technik könnte etliche
erkennung könne man bei vielen Modellen gegen Aufpreis       schwere Autounfälle verhindern. Anders als bei den heute
hinzu ­buchen, alle derzeit auf dem Markt verfügbaren        üblichen Spurhalteassistenten, die meist nur Alarmtöne
Sys­teme hält man im Mittelständler-Netzwerk aber nicht      oder Vibrationen auslösen, wenn ein ungewolltes Über-
für sinnvoll.                                                schreiten der Fahrbahnmarkierung erfolgt, greift das Mer-
                                                             cedes-System aktiv in den Lenkvorgang ein. Die Lenkung
„Der radargestützte Abstandsassistent ist absolut sinn-      selbst wird nicht betätigt, sondern einzelne Bremsen an-
voll und eine echte Bereicherung. Online-Funktionen in       gesteuert – so, als würde man beim Schlittenfahren die
Navigationsgeräten sind nicht zwingend erforderlich und      Schuhe in den Schnee drücken und damit steuern.
werden deshalb von uns kaum mitangeboten“, erläutert         [jhs]




                                                                            Technische Assistenzsysteme, wie hier bei Mercedes,
                                                                            sollen das Autofahren sicherer machen.




                                                                                                                                  17
Rolling




     Neuerscheinungskalender 2013
                                             Apr                           Mai                          Jun                          Jul                              Aug                             Sep
                                 RS5 Cabrio                                                  RS6 Avant                    S3 Sportback                                                 Q3 RS
     Audi                                                                                                                                                                              A3 Limousine

                                 M6 Gran Coupé                                               3er GT                       5er (F) | 5er (F)
     BMW                                                                                                                  5er GT

                                 Trax                           Captiva (F)                                                                                                            Corvette
     Chevrolet
                                 C3 (F)                                                                                   C4 Picasso                                                   Grand C4 Picasso
     Citroën
                                                                Logan                                                     Sandero Kombi
     Dacia
                                                                500L (Siebensitzer)          500L (Trekking und CNG)
     Fiat
                                 Fiesta ST                                                                                Focus Electric
     Ford
                                                                                                                                                                                       CR-V (1.6-DTEC)
     Honda
                                                                Grand Santa Fe                                                                                                         ix35 (F)
     Hyundai
                                 XFR-S                                                                                    F-Type
     Jaguar
                                 Compass (F)                    Grand Cherokee (F)
     Jeep
                                                                                                                          Pro cee‘d GT
     Kia
                                 Delta (Momo Design)                                         Y (Momo Design)
     Lancia
                                                                                                                          Range Rover (Diesel-                                         Range Rover Sport
     Land Rover                                                                                                           Hybrid)

                                                                                                                          IS                                                           GS 300h
     Lexus




                                                                                                                                                                                                                        Stand: April 2013. Alle Angaben ohne Gewähr.
                                 CLA                            E-Klasse Coupé (F)           A 45 AMG                     S-Klasse | SLS AMG                                           S 63 AMG
     Mercedes                                                   E-Klasse Cabrio (F)                                       (Electric Drive)

                                                                                                                          Outlander (Plug-In Hybrid)
     Mitsubishi
                                                                Leaf                                                                                                                   Infiniti G
     Nissan                                                                                                                                                                            Infiniti G

                                 Cascada                                                                                                                                               Insignia (F)
     Opel                                                                                                                                                                              Insignia (F)

                                 208 GTI                                                     2008
     Peugeot
                                                                                                                          Panamera (F)                   911 GT3
     Porsche
                                 Zoe                            Captur
     Renault
                                                                                             Leon (Dreitürer)
     Seat
                                 Octavia Combi                                               Superb (F)
     Skoda                                                                                   Superb (F)

                                                                Legacy (F) | Legacy (F)
     Subaru                                                     Outback (F)

                                 RAV4                           Pro Ace                                                   Auris Touring Sports
     Toyota
                                                                S60 / V60 (F)                XC60 (F)                     S80 (F)
     Volvo                                                      S60 / V60 (F)                V70 / XC70 (F)

                                 Jetta Hybrid                   Golf GTI                     Golf GTD                     Polo R                         Golf Variant                  E up
     Volkswagen                  XL1                                                                                                                     Golf Blue Motion              E-Golf


      Minis / Kleinwagen   Kompaktklasse      Mittelklasse   Obere Mittel- / Luxusklasse   Kombi      Van   Transporter   Cabrio / Roadster      Coupé / Sportwagen    SUV / Pick-up   (F) Facelift   (AW) Aufwertung




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Business-Magazin für die Autovermietung




                                                             Audi A3 Sportback:
                                                             Sparsamer und
                                                             noch sportlicher

                                                           Länger und trotzdem ein geringeres Gewicht: Dank
                                                           Leichtbauweise hat der neue Audi A3 Sportback or-
                                                           dentlich abgespeckt. Mit rund 1200 Kilogramm bringt
  Kia Carens:                                              der Fünftürer gut 90 Kilo weniger auf die Waage als
                                                           sein Vorgänger. Den sportlicheren Look unterstreichen
  Dynamischer und                                          die gestreckten Formen und der verlängerte Radstand.
                                                           ­Zusammen mit dem Fahrwerk soll dies dem Käufer laut
  mehr Platz                                                Hersteller „sportlichen Fahrspaß mit hohem Komfort und
                                                            souveräner Stabilität“ bieten. Gemessen an der Größe
                                                            bietet der A3 ordentlich Platz, zwischen 380 und 1.220
Die optischen Anklänge an den Ford C-Max sind un-           Litern Volumen.
verkennbar. Und genau dem will Kia mit der vierten
­Generation des Carens unter anderem Konkurrenz ma-        Komplett neu entwickelt sind die Motoren, zwei TDI- und
 chen. Die Neuauflage des erstmals 2000 auf den Markt      zwei TFSI-Aggregate. Ihre Hubraumspanne reicht von
 gekommenen Vans zeigt sich dynamischer und sport-         1,4 bis 2,0 Liter, die Leistung von 105 bis 180 PS. Der
 licher als seine Vorgänger. Mit 4,53 Metern ist er zwei   Verbrauch soll verglichen mit dem Vorgängermodell um
 Zentimeter kürzer, 1,5 Zentimeter schmaler und vier       durchschnittlich neun Prozent niedriger sein. So gibt sich
 Zentimeter flacher als die dritte Generation.             der 1,6 TDI laut Audi mit 3,8 Litern pro 100 km zufrieden.
                                                           Später sollen weitere Diesel- und Benzinaggregate s­ owie
Trotzdem finden die Insassen mehr Platz, was am ver-       ein Gas betriebener Motor folgen. Die Kraft wird auf die
längerten Radstand von 2,75 Meter und der nach vorne       Räder per Schaltgetriebe oder S tronic übertragen. Zum
reichenden Passagierkabine liegt. So bietet der Carens     Marktstart läuft der A3 Sportback mit Frontantrieb, später
je nach Modellvariante fünf bis sieben Sitze, das Lade-    wollen die Ingolstädter für die stärkeren Ver­sionen auch
volumen beträgt bei Normalposition 536 Liter, durch        noch einen permanenten Allradantrieb quattro anbieten.
Umklappen der Fondsitze lässt es sich bis auf fast 1700
Liter erweitern – wenn man den Fünfsitzer bis unter das    Die bereits jetzt erhältlichen Varianten des Kompakt­
Dach bestückt. Zur Serienausstattung gehören unter an-     wagens sind mit einem Mindestgrundpreis von 23.400
derem Klimaanlage, CD-Radio mit sechs Lautsprechern,       Euro teurer als der Vorgänger. Knapp 1000 Euro nie­
Geschwindigkeitsregelanlage, variable Servolenkung,        driger dagegen soll der Basispreis des 1,2 TFSI sein,
Bordcomputer und elektrisch einstellbare Außenspiegel.     der in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen
                                                           dürfte.                                          [rb]
Den Van gibt es in Motorisierungen von 135 bis 166 PS
in zwei Benziner- und einer Turbodieselvariante. Der
­günstigste Verbrauch beim Turbodiesel 1,7 CRDI liegt
 laut Kia bei 4,9 Litern auf 100 km. Er ist ab sofort
 ­bestellbar, Marktpremiere allerdings erst am
  4. Mai 2013. Der neue Carens kostet in
  der Basis­version „Attract“ als 1.6
  GDI rund 20.000 Euro.




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Spotlight




        Pferdestärken vs. Ökologie
        Der 83. Internationale Auto-Salon in Genf


     Ein Genfer Autosalon ohne PS-Protze ist schlicht nicht        0,9 Liter auf 100 km
     vorstellbar. Und so präsentierte sich bei der 2013er-­
     Auflage die Oberklasse mit kraftstrotzenden Boliden.          Bisher nur als Vorserienmodell existiert der XL1, laut
     Allen voran der Lamborghini Veneno, mit 3,57 Mio.             VW das effizienteste aller Serienautos. Mit einem Plug-
     Euro teuerster Straßenrennwagen der Welt. Wobei die           In-Hybrid kann der Zweisitzer bis zu 50 Kilometer rein
     Leistungsdaten von 551 kW/750 PS und einer Spit­­             elektrisch fahren mit einer Leistung von 8,4 PS und
     zen­geschwindigkeit von 355 km/h eher auf eine Renn­          ­einer konstanten Geschwindigkeit von 100 km/h. Das
     strecke passen. Da mochte natürlich auch Mitbewerber           ­Hybridsystem besteht aus einem Zweizylinder-TDI mit
     ­Ferrari nicht zurückstehen und zeigte den LaFerrari für        48 PS, einer E-Maschine (20 kW), einem 7-Gang-Doppel­
      ­vergleichsweise günstige 1,25 Mio. Euro. Von dem Auto         kupplungsgetriebe (DSG) und einer Lithium-Ionen-Bat­
       mit 800 PS, das von null auf 100 nicht einmal drei Sekun-     terie (Kapazität: 5,5 kWh). Damit soll der XL 1 auch dank
       den benötigt, soll es nur 499 Exemplare geben.                Leichtbauwiese auf einen Verbrauch von 0,9 l Diesel/
                                                                     100 km kommen und eine Höchstgeschwindigkeit von
     Dagegen massentauglich ist der neue Golf VII, dem               160 km/h erreichen. Der Hybrid wird voraussichtlich in
     die Fachjournalisten in Genf das Prädikat „Car of the
     year“ (Auto des Jahres), verliehen. Doch auch dessen
     GTI-Version hat mit 220 PS so viel unter der Haube, wie
     ­keiner seiner Vorgänger. Dagegen geben sich die ande-
      ren Modellvarianten wie der Golf Blue-Motion und auch
      die Neuauflage des Kombis Golf Variant deutlich zurück­
      haltender. Der TGI BlueMotion soll es dank Gas- und
      Benzinantrieb auf eine Reichweite von fast 1400 Kilo­
      metern bringen und den TDI feierte VW als „sparsamsten
      Golf Variant aller Zeiten“. Dessen 110 PS-Maschine soll
      sich mittels 6-Gang-Getriebe mit einem Durchschnitts-
      verbrauch von 3,3 l/100 km zufriedengeben. Erstmals war
      bei den Wolfsburgern zudem der allradgetriebene Golf
      Variant 4MOTION zu sehen. Den neuen Golf gibt es als
      Dreitürer ab rund 17.000 Euro.

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