SHOPTECH-LEITFADEN Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg - presented by - HubSpot

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SHOPTECH-LEITFADEN Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg - presented by - HubSpot
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                         SHOPTECH-LEITFADEN
Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg

                                                          Foto: Shutterstock
SHOPTECH-LEITFADEN Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg - presented by - HubSpot
Die E-Commerce
             Lösung für
       Innovatoren und
              Visionäre

commercetools bildet mit seiner
cloudbasierten E-Commerce-Plattform
die Grundlage für die Post-Web-Ära.
Der moderne API-Ansatz liefert die
Schnittstelle zu Vertriebsmodellen
und Endgeräten aller Art. Die
Technologie erlaubt es Marken und
Händlern inspirierende
Einkaufserlebnisse auf allen Kanälen
zu schaffen, von Sozialen Netzwerken
über Chatbots und Wearables bis hin
zu Sprachassistenten.
                                       www.commercetools.com
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  L IEBE L ESER I NNEN,

                      waren vor einigen Jahren noch fertige Shop-       Doch noch kennt nicht jeder Commerce-Ent-
                      systeme die erste Wahl, um im Onlinehandel        scheider die Vorteile einer solchen Software-
                       mitzumischen, so gibt es mittlerweile einen      architektur, die u.a. für mehr Flexibilität und
                       Paradigmenwechsel: Heute setzen immer mehr       Geschwindigkeit bei der Entwicklung für
                      Top-Händler auf Eigenentwicklungen, die dem       verschiedene Touchpoints sorgt. Grund für
                       Prinzip der Microservices folgen und in der      uns, Ihnen gemeinsam mit unserem Partner
                      Cloud liegen. Dabei können die verschiedenen      commercetools diesen Shoptech-Leitfaden an
                      Microservices über Programmierschnittstellen      die Hand zu geben.
                      (APIs) miteinander kommunizieren. Eigenent-
                      wickelte Microservices können dabei mit Micro-    Lesen Sie auf den nächsten Seiten u.a. Best
                      services externer Partner kombiniert werden,      Practices, wie Keller Sports und C. H. Beck ihre
                      so dass Händler das Rad nicht komplett neu er-    Systeme modernisiert haben, Stimmen von
                      finden müssen. Vielmehr können sich Händler       CTOs zu aktuellen Shoptech-Trends sowie eine
                      so einerseits Standardfunktionen von Dienst-      kleine Anleitung, wie Sie selbst zum DIY-Soft-
                       leistern einkaufen und sich andererseits mit     warearchitekten werden. Und wenn Ihnen der
                       mehreren kleinen Entwickler-Teams auf ihre Al-   Kopf vor lauter Fachbegriffen wie API, Backend
                       leinstellungsmerkmale konzentrieren, die den     oder Frontend schwirrt – keine Sorge: Auf Seite
                       eigenen Kunden einen Mehrwert liefern.           31 finden Sie ein kleines Shoptech-Glossar.

                                                                        Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre!

                                                                        Ihr Florian Treiß
                                                                        Gründer Location Insider

                                                                        PS: Wenn Ihnen unser Whitepaper gefällt, so
                                                                        würde ich mich freuen, wenn Sie auch auf un-
                                                                        serer Website locationinsider.de reinschauen
                                                                        und unseren täglichen Newsletter abonnieren.
                                                                        Wir liefern täglich business-relevante Hinter-
                                                                        gründe zur Digitalisierung des Handels.

                                                                                                                      3
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Location Insider Whitepaper                                                                Inhaltsverzeichnis

       INHALT

                                                                  SEITE 6

                                                                  DER RICHTIGE MIX MACHT`S
                                                                  Eigenentwicklungen und
                                                                  Microservices als Alternative zu
                                                                  Shopsystemen

                        SEITE 9

                INTERVIEW
            Shoptech-Experte
               Roman Zenner
     über Headless Commerce

SEITE 15

UMFRAGE
                                                                  SEITE 12
Die wichtigsten Trends in der E-Commerce-Technologie
                                                                  SHOPTECH BEI ZALANDO,
                                                                  KARTENMACHEREI
                                                                  UND REWE

                                                      SEITE 19

                              VON NULL AUF HUNDERT
           dodenhof rüstet sich für die digitale Transformation

                                                                                                           4
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       INHALT

                              SEITE 22

„DAS IST KEIN HEXENWERK“
  Eigenentwicklungen bei Keller Sports

                                         SEITE 25

                                         C. H. BECK
                                         Migration vom Monolithen zu Microservices

                                                        SEITE 28

                                                        DISRUPTION EINFACH GEMACHT
                                                        Wie jeder die eigene Branche
                                                        neu erfinden kann

                                             SEITE 32

SO WERDEN SIE ZUM DIY-ARCHITEKTEN
                                 Eine kurze Anleitung

                                                                                              SEITE 31

                                                          KLEINES SHOPTECH-GLOSSAR

                                                                                                       5
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                                                                                                                            Foto: Shutterstock
  DER RICHTIGE MIX MACHT’S: Eigenentwicklungen
  und Microservices als Alternative zu Shopsystemen
  Florian Treiß

                       Die Analyse der 1.000 größten Onlineshops           liegt, sind es bei den Top 100 nur 39 Prozent
                      „E-Commerce-Markt Deutschland 2018“ von              und bei den Top 10 sogar nur ein einziges Un-
                       EHI und Statista zeigt es eindeutig: Gerade         ternehmen. Das heißt: Gerade unter den um-
                       besonders erfolgreiche Händler setzen auf ei-       satzstärkeren Online-Shops gibt es eine klare
                       gene Tech-Teams, um ihre digitalen Angebote         Tendenz weg vom Standard-System. Eigenstän-
                      zu bauen. Während unter den Top 1000 der             dige Lösungen werden also immer mehr zum
                       Händler der Anteil der Unternehmen, die Stan-       Erfolgsfaktor im E-Commerce.
                       dard-Shopsysteme nutzen, noch bei 55 Prozent

                      Warum ist das so? Schauen wir kurz auf die           ter zu bedienen. Sonst kann der Umsatz schnell
                      Geschichte des E-Commerce zurück: Dieser             einbrechen. Das haben erfolgreiche Top-Player
                      war lange vom Desktop-Internet geprägt und           aus Deutschland wie Zalando, Home24, Thalia,
                      viele Onlinehändler vertrauten auf Standard-         Breuninger oder Musikhaus Thomann längst
                      Shopsysteme. Diese waren je nach Ansatz eher         erkannt und verzichten lieber auf große „Mono-
                       ERP-fokussiert (z.B. Hybris oder Websphere)         lithen“ wie Magento, IBM Websphere oder SAP
                       oder Onlineshop-fokussiert (z.B. Magento).          Hybris.
                       Doch heute ist der E-Commerce deutlich viel-
                      seitiger. Gerade in einer Welt, in der Kunden              Individuellere Lösungen durch
                       immer mehr unterschiedliche Touchpoints und            Eigenentwicklung und Microservices
                       Frontends fürs Shopping nutzen (z.B. Smart-
                       phones, Tablets oder auch Voice Interfaces), ist    An dieser Stelle kommen Eigenentwicklungen
                       es für Unternehmen immens wichtig, den Be-          und Microservices ins Spiel. Mit ihnen können
                       darf ihrer Kunden besser, individueller und flot-   Händler und Marken deutlich individueller und

                                                                                                                       6
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schneller auf Kundenbedürfnisse eingehen und       Das hat u.a. auch Otto schon vor Jahren er-
ihre eigenen Lösungen „bauen“. Auch wenn           kannt, Deutschlands Nr. 2 im E-Commerce hin-
das womöglich den einen oder anderen Händ-         ter Amazon, und innerhalb von nicht einmal
ler erstmal abschreckt, weil es ja grundsätzlich   zwei Jahren zwischen 2011 und 2013 seinen
schon diverse fertige Shopsysteme am Markt         Shop auf eine Eigenentwicklung umgestellt.
gibt: Die fertigen Systeme sind oftmals sehr       „Eine eigene Softwareentwicklung sehen wir
träge und lassen sich nur relativ kompliziert      als wichtiges Werkzeug bei der Differenzierung
an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Zudem         im E-Commerce, für eine agile Innovations-
enthalten sie oftmals viele Funktionen, die das    fähigkeit und die Weiterentwicklung unseres
jeweilige Unternehmen gar nicht benötigt,          Geschäftsmodells“, hieß es damals aus dem
und sind ziemlich fehleranfällig. Letztlich ist    Otto-Management. Auch beim 2014 gestarte-
es beim Vergleich von fertigen Shopsystemen        ten About You, das damals noch komplett zur
mit Eigenentwicklungen und Microservices           Otto-Gruppe gehörte, setzte man gleich von
ähnlich wie bei der Gegenüberstellung von in-      Beginn an nicht auf Standardsoftware, sondern
tegrierten Softwaren-Paketen auf dem Desktop-      auf eine Eigenentwicklung, weil der Aufbau
PC mit Apps auf dem Smartphone: Die integrier-     einer Mode-Plattform und die sehr individuel-
ten Software-Pakete bieten schier unendliche       le Kundenansprache zur Gründungsidee von
Möglichkeiten und man kauft diese bei der          About You gehörten. Mittlerweile bietet About
Anschaffung des Pakets sozusagen auf Vorrat.       You sein Shopsystem auch anderen Unterneh-
Dem gegenüber stehen die kleinen Smart-            men als API-Lösung an. Auch Zalando, zunächst
phone-Apps, die man flexibel und je nach Be-       mit Magento gestartet, hat sein System später
darf auf sein Mobiltelefon herunterladen kann.     Stück für Stück in eine eigene Lösung migriert
                                                   und gilt heute als wichtiges Beispiel für den Er-
Sowohl der Grenznutzen als auch die Ände-          folg von Eigenentwicklungen im E-Commerce.
rungskosten steigen bei Standard-Shopsyste-
men schnell überproportional an, da sie enorm                   Microservices sorgen
komplex sind und enorme Quer-Abhängigkei-                  für schnellere Time to Market
ten haben. Um sich hiervon unabhängig zu
machen und sich stärker von Wettbewerbern          Doch selbst entwickeln muss nicht heißen,
abzuheben, bietet es sich gerade für größere       komplett bei Null anzufangen: Klar sind kom-
Händler und Marken an, ein eigenes Shopsys-        plette Eigenentwicklungen an mancher Stelle
tem zu entwickeln.                                 sinnvoll, um bestimmte USPs herauszuarbeiten.
                                                   Doch zugleich bietet sich bei der Konzeption ei-
          IT als Kernkompetenz für                 nes eigenen Shopsystems auch der Einsatz von
             erfolgreiche Händler                  Microservices an, wie sie z.B. commercetools
                                                   bietet. So sind Händler so flexibel wie bei einer
Nicht zu unterschätzen in der Bewertung zwi-       kompletten Eigenentwicklung, sparen aber viel
schen Verwendung einer Standardsoftware            Zeit und Geld. Die „Time to Market“, also die Zeit
gegenüber einem eigenen System: Der Bereich        von der Idee bis zur Markteinführung, können
IT sollte und muss zur Kernkompetenz von           Unternehmen so erheblich reduzieren und sich
Handelsunternehmen werden. Denn gerade             einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr an
große Player wie Amazon sind u.a. deswegen         Entwicklungszeit sparen.
so erfolgreich, weil sie ihre eigenen Lösungen
direkt für die eigenen Kunden entwickeln und       Beispiel Warenkorb: hochkomplex, so etwas
nicht auf Ware von der Stange zurückgreifen.       selber zu bauen. Außerdem können Händler

                                                                                                                         7
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Location Insider Whitepaper                                          Eigenentwicklungen und Microservices als Alternative zu Shopsystemen

                                         sich darüber nicht differenzieren. Und gerade     wie man diese APIs gewinnbringend einsetzt.
                                         an solchen Stellen kommen Anbieter wie com-       Mit diesen vorgefertigten E-Commerce-Bau-
                                         mercetools ins Spiel: Händler können einen Wa-    steinen können Händler und Marken je nach
                                         renkorb von commercetools als Microservice        Bedarf ganz einfach und individuell entweder
                                         nutzen, der bereits fertig ist und hochperfor-    eine komplett eigene Infrastruktur aufbauen
                                         mant funktioniert. Gerade bei solchen Funk-       oder eine bestehende Lösung ergänzen. Die
                                         tionen, die „Commodity“ sind, sollte also kein    Schritt-für-Schritt-Migration von einem Shop-
                                         Händler das Rad neu erfinden müssen.              system-Monolithen hin zu Eigenentwicklun-
                                                                                           gen und Microservices ist eine weitere Variante.
                                                                                           Mittlerweile bietet commercetools über 300
                                                                                           individuell nutzbare API-Endpunkte. „Der mo-
                                                                                           dulare Aufbau der Technologie ermöglicht uns,
                                                                                           Commerce-Applikationen individuell an unse-
                                                                                           re spezifischen Bedürfnisse anzupassen und ist
                  Grafik: Shutterstock

                                                                                           zudem eine hervorragende Grundlage für die
                                                                                           Entwicklung weiterer zukünftiger Funktionen“
                                                                                           sagt Jeremiah Isgur, Director of Digital Project
                                                                                           Management von Wizards of the Coast (Hasbro).

                                                                                           Wo es hingegen um die direkte Kundenan-
                                                                                           sprache geht, machen Eigenentwicklungen
                                                                                           viel mehr Sinn, denn nur so können Händler
                                                                                           individuell auf ihre Kunden eingehen: Die Zeit,
                                                                                           die man z.B. in einen neuen Service, eine neue
                                                                                           Landingpage, eine App oder einen Voice Skill
                                                                                           investiert, lohnt sich auf jeden Fall, denn man
                                                                                           investiert sie in Kundennutzen.

                                                                                            Microservices für Backend und Frontend

                                                                                           Ein solcher Mix aus vorhandenen Microservices
                                                                                           und Eigenentwicklickungen kann sowohl Ba-
                                                                                           ckend als auch Frontend fit für die Zukunft des
                                                                                           Handels machen. Dabei können Händler und
                                                                                           Marken ihren Auftritt gegenüber den Kunden
              Eine Microservice-Architektur bedeutet die Aufteilung eines                  einerseits für aktuelle Frontends wie Smart-
              Onlineshops in mehrere kleine Bausteine                                      phone, Tablet und Desktop deutlich verbessern.
                                                                                           Andererseits können sie durch eine solche Ar-
                                         Microservices-Lösungen wie commercetools          chitektur auch viel schneller neue technologi-
                                         punkten damit, dass sie in der Cloud zu Hause     sche Entwicklungen wie Progressive Web Apps
                                         sind und diverse APIs (also Programmierschnitt-   verwenden und zügig Angebote für komplett
                                         stellen) bieten. Anhand von Blaupausen (Blue-     neue Touchpoints wie Sprachassistenten, Be-
                                         prints) zeigt commercetools seinen Partnern,      stell-Buttons oder Virtual Reality ausrollen.   ■

                                                                                                                                               8
SHOPTECH-LEITFADEN Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg - presented by - HubSpot
Location Insider Whitepaper                                          Shoptech-Experte Roman Zenner über Headless Commerce

                                                     INTERVIEW: Shoptech-Experte Roman
                                                          Zenner über Headless Commerce
                                                                                                          Florian Treiß

Weg von einem „One Size Fits All“-Ansatz mit         genüber monolithischen Systemen hat, erläu-
einer kompletten Software-Suite hin zu auf-          tert Roman Zenner. Das Urgestein der Shop-
geteilten Lösungen, die zwischen Frontend            tech-Szene arbeitet seit 2015 als Industry Analyst
und Backend unterscheiden und Schnittstel-           bei commercetools. Zudem beleuchtet er in
len (APIs) in den Mittelpunkt stellen: Darum         seinem Shoptechblog den Markt und hat dort
dreht es sich im Headless Commerce. Welche           in seinem Podcast regelmäßig CTOs von Firmen
Vorteile diese neue Software-Architektur ge-         wie etwa MediaMarktSaturn im Interview.

Wie sollten eCommerce-Entscheider ans The-           Wieso sollten Onlinehändler eine Überarbei-
ma Shoptech herangehen?                              tung ihres Shopssystems angehen?
Mit all den spannenden Entwicklungen wie             Es gibt vor allem zwei Gründe, warum Unter-
Cloud oder Künstliche Intelligenz kommen             nehmen Technologie wechseln. Der eine ist, sie
Unternehmen trotzdem nicht um die Aufgabe            möchten effizienter werden und mit weniger
herum, sich zu überlegen, was sie den Kunden         Manpower oder Budget dasselbe bekommen.
anbieten wollen. Das klingt zwar trivial, ist aber   Der zweite Grund ist, dass sie sich in komplett
elementar: Unternehmenslenker holen sich oft         neue Gefilde aufmachen und neue Anwen-
eine neue Technologie ins Haus holen, obwohl         dungsszenarien abdecken möchten. So wollten
sie sich keine Gedanken gemacht haben, was           Unternehmen vor ein paar Jahren „mobil“ wer-
sie damit tun wollen. Viele Firmen haben ihre        den und brauchten dann Apps oder responsive
Customer Experience noch nicht richtig defi-         Websites. Dafür wurde dann neue Technologie
niert und versuchen stattdessen, diese Frage         angeschafft. Wenn ein Onlinehändler bemerkt,
mit Technik zu beantworten, was aber nicht           dass er ein Wachstumsproblem hat, dann muss
klappt, weil ein richtiges Konzept fehlt.            er was unternehmen, was signifikant den Traf-

                                                                                                                          9
SHOPTECH-LEITFADEN Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg - presented by - HubSpot
Location Insider Whitepaper                                     Shoptech-Experte Roman Zenner über Headless Commerce

                      fic und Kundennutzen steigert, also etwa eine      eigenständigen Teams erdacht, gebaut und ge-
                       neuartige App oder einen Voice Skill entwi-       pflegt. Jeder Microservice ist ein eigener Bau-
                       ckeln. Die Technologie hilft dann, die Idee in    stein. Und das Charmante ist, dass das jeweilige
                       die Praxis umzusetzen.                            Team diesen Baustein weiter entwickeln kann,
                                                                         ohne Ressourcen von anderen Teams zu brau-
                      Sagen wir, ein Händler nutzt noch ein großes       chen. Die verschiedenen Microservices kann
                      System wie Hybris oder Magento. Wie kann er        man dann über Schnittstellen (APIs) miteinan-
                      vorgehen, um aufs nächste Level zu kommen?         der verbinden. Dadurch entsteht eine Art Netz-
                       Die meisten Unternehmen bewegen sich zu-          werk, bei dem dutzende Microservices zusam-
                       nächst in die Cloud, wollen also keine eigenen    menspielen.
                      Server mehr betreiben müssen und nicht mehr          Grundsätzlich können Onlinehändler solche
                       das klassische Lizenzmodell nutzen. Dadurch       Microservices selbst entwickeln. Der Haken ist,
                       entsteht eine grundlegende andere Mechanik,       dass das Bauen von Microservices Zeit braucht
                       bei der man nicht mehr Standard-Software          und man sich um alles selbst kümmern muss.
                       regelmäßig updaten muss oder Wartungs-            An dieser Stelle kommt commercetools ins
                      verträge braucht. Stattdessen gibt es in der       Spiel: wir bieten verschiedene API-Endpunkte
                      Cloud eine Lösung, die immer läuft und keine       an, die sich als Microservices nutzen lassen. Bei-
                       manuellen Updates braucht. Das ist also ein       spiel: Natürlich kann jedes Unternehmen einen
                       grundlegendes neues Verständnis, wie man          eigenen Microservice für den Warenkorb ent-
                       mit Technologie umgeht. Und beim Wechsel          wickeln. Aber von commercetools gibt’s den
                       in die Cloud kann man seinen bisherigen Shop      Microservice auch schon fertig aus dem Regal.
                      z.B. auf ein Microservices-basiertes System wie    Das spart dann eine Menge Zeit und auch Geld.
                       commercetools umstellen.
                                                                         Können Sie noch weitere Beispiele nennen?
                      Wie einfach ist eine solche Migration?             Ja, etwa Login und Authentifizierung oder auch
                      Was nicht funktioniert: Einfach ein halbes oder    Bestellabwicklung und Preisfindung. Hierfür
                       ganzes Jahr am Relaunch arbeiten und dann         bieten wir fertige Funktionen an, die sich über
                       mit einem Mal den großen Switch aufs neue         ein User Interface im Backend anpassen und
                      System machen. Wir raten stattdessen zu einer      steuern lassen.
                      schrittweisen Migration, bei der man nach und
                       nach einzelne Funktionen vom alten System         Und dieses Backend richtet sich an „normale“
                      aufs neue System überträgt. Dabei kann man         Mitarbeiter ohne IT-Kenntnisse?
                      unsere API-Schnittstellen nutzen und ganz ele-     Genau. Wir nennen das „Merchant Center“ und
                       gant gemäß Martin Fowlers „Strangler Pattern“     dort können Mitarbeiter einfach im Browser die
                       das Bestehende durch das Neue ersetzen.           wichtigsten Daten und Prozesse einsehen und
                                                                         verwalten.
                      Viele Firmen setzen mittlerweile auf Eigenent-
                       wicklungen und sprechen auch von selbst ent-      Klassische Shopsysteme bieten Frontend und
                       wickelten Microservices, während commerce-        Backend aus einer Hand an. Ist das auch bei
                       tools fertige Microservices anbietet. Wie passt   commercetools so?
                       das zusammen?                                     Nein. commercetools setzt auf „Headless Com-
                      Microservices sind ein Architekturprinzip, bei     merce“ und konzentriert sich komplett aufs
                       dem man auf mehrere eher kleine Applikatio-       Backend, also die Prozesse im Hintergrund, die
                       nen mit begrenztem Funktionsumfang setzt.         die Kunden eines Webshops nicht sehen. Wenn
                      Sie laufen isoliert in der Cloud und werden von    man sich das bildlich vorstellt am Beispiel eines

                                                                                                                       10
Location Insider Whitepaper                                         Shoptech-Experte Roman Zenner über Headless Commerce

Legomännchens, so stehen wir für den rest-
lichen Körper, während der Kopf darüber aus-
wechselbar ist. Der Kopf kann z.B. ein normaler
Webshop sein, eine mobile App oder ein Voice
Skill. Und dieser Kopf wird von uns nicht ange-
boten, sondern muss vom Onlinehändler selbst
entwickelt werden. Das klingt womöglich nach
einem Nachteil, wird aber zum Vorteil, weil die
Benutzer etwas Individuelles sehen sollen und
nichts mehr von der Stange. Als Händler will
man sich ja von seinen Wettbewerbern unter-          Im Headless Commerce ist der "Kopf" des Systems austauschbar und steht   Foto: Shutterstock
scheiden. Und das kann man am besten tun, in-        für verschiedene Frontends wie App, Website oder Voice Skill
dem man genau an dieser Stelle ansetzt und in-
dividuelle Funktionen entwickelt. Das Backend      2020. Nutzer gewöhnen sich immer mehr dar-
hingegen können Händler und Marken einer           an, ihre Stimme im Dialog mit einem Sprachas-
Lösung wie commercetools überlassen.               sistenten einzusetzen. Die Antwort kommt
                                                   dann entweder per Stimme oder aber auf ei-
Also ein kompletter Fokus auf kundenorien-         nem Display, entweder direkt auf dem Smart-
tierte Dienste.                                    phone oder auf Smart Speakern mit Display wie
Absolut, das ist ja der Clou und so bekommen       dem Amazon Echo Show. Das sehe ich als ganz
Unternehmen viel mehr Ressourcen für Dinge,        starken Innovationstreiber und glaube, es wird
die sie ihren Kunden präsentieren möchten.         immer mehr zu einer Plattform- und Markt-
                                                   platzthematik. Gerade kleinere Shops müssen
Gibt es auch fürs Frontend mittlerweile Bau-       sich dann um so mehr die Frage stellen: Wer be-
kasten-ähnliche Lösungen?                          sitzt den Kundenzugang? Das sind dann nicht
Ja, Frontastic etwa ist das Gegenstück. Fron-      mehr die kleinen Händler. Somit dürften Markt-
tastic konzentriert sich nur aufs Frontend und     plätze immer wichtiger werden und die eCom-
verbindet sich über eine API beispielsweise mit    merce-Landschaft wird sich konsolidieren.
commercetools. Der Trend geht also weg von
einem „One Size Fits All“-Ansatz mit einer kom-    Gerade wenn Marktplätze immer wichtiger
pletten Software-Suite hin zu diesen aufgeteil-    werden: Wie stark ist commercetools drauf
ten Lösungen.                                      optimiert, auch dort unterwegs zu sein?
                                                   commercetools eignet sich auch sehr gut für
Kommen Frontastic und commercetools                den Verkauf auf Marktplätzen. Denn durch un-
schon irgendwo gemeinsam zum Einsatz?              sere APIs bekommen Händler und Hersteller
Wir führen gerade zusammen ein Projekt für         ihre Daten nicht nur in unsere Plattform hinein,
einen großen Brillen-Händler durch. Das heißt,     sondern auch heraus. Das heißt, man kann re-
es gibt dort künftig ein Frontend von Frontastic   lativ einfach auch den Amazon Marketplace als
und ein Backend-Tool von commercetools.            zusätzlichen Kanal oder Touchpoint nutzen und
                                                   dabei auf dieselben Produktdaten und Waren-
Im Headless Commerce kann man relativ              bestände zurückgreifen. Das lässt sich z.B. auch
schnell Lösungen für neue Touchpoints reali-       auf ein lokales Geschäft übertragen, dass dann
sieren. Welcher Touchpoint hat für Sie aktuell     einfach als zusätzlicher Kanal gilt.
das größte Potenzial?
Voice wird das überragende Thema, spätestens       Vielen Dank für das Interview!       ■

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Location Insider Whitepaper                                              Shoptech bei Zalando, Kartenmacherei und REWE

  SHOPTECH BEI ZALANDO,
  KARTENMACHEREI UND REWE
  Peter Wagner

                       Die Shoptechnologie erlebt eine Renaissance       DevOps-Teams. Die grundsätzlichen Argumen-
                       dank einem neuen Selbstverständnis und            te für die Entwicklung hin zu Microservices und
                       neuer Software-Architektur. Statt dem Griff zu    Eigenentwicklungen sind: Komplexität hindert
                       monolithischen Poweruser-Softwares werden         Innovation. Und: Fehlende Innovation hindert
                      Online-Händler zu Entwicklern mit eigenen          Wachstum.

                      Mit diesen Sätzen im Hinterkopf schauen wir        das gesamte Konstrukt an die regionalen Be-
                       im Folgenden auf Online-Händler, die sich mit     dürfnisse anpassen. „Wir hatten mehrere Mono-
                       Eigenentwicklungen und Microservices erfolg-      lithen“, erinnert sich Schaefer.
                       reich eine neue Shop-Architektur geschaffen
                       haben.                                            Die Folge war, dass sich der Code stapelte:
                                                                         Code auf Code auf Code, der mit der Zeit im-
                                Zalando: Teams sind Startups             mer komplexer wurde. Mit zunehmender Men-
                                                                         ge an Code schleichen sich nicht nur immer
                       Das grundsätzliche Problem ist, dass Systeme      mehr Fehler und Inkonsistenzen ein, sondern
                       mit der Zeit monolithisch werden, erzählte        der Wartungsaufwand wächst proportional
                       Rodrigue Schaefer von Zalando vor einiger Zeit    dazu. Irgendwann stellte man bei Zalando fest,
                      auf der GOTO Conference in Stockholm. Zalan-       dass auch zusätzlich eingestelltes IT-Personal
                       do hatte ein System auf der Grundlage von Java    das Problem nicht lösen konnte – denn je mehr
                      und dem Datenbanksystem PostgreSQL aufge-          Abhängigkeiten und je höher die Komplexi-
                       baut. Für jedes Land, in das Zalando expandier-   tät, desto geringer Innovationsvermögen und
                      te, wurde diese Infrastruktur kopiert und neu      Wachstum.
                      aufgesetzt. Vor Ort mussten die IT-Teams dann

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Komplexität hemmt Innovation                       variiert oder zurückgenommen werden – ohne
Auch Entwickler sind Menschen. Niemand hat         einen komplexen Code vollständig kennen zu
Lust immer dasselbe zu machen, immer an            müssen und ohne die Gefahr, das ganze System
denselben Problemen zu sitzen. Neues Per-          negativ zu beeinflussen. In der selbstgeschaffe-
sonal musste Wochen und Monate damit ver-          nen Umgebung und mit einem neu definierten
bringen, den gesamten Code grundsätzlich zu        Mindset operieren die Teams jetzt wie Startups,
verstehen, um Veränderungen daran vorneh-          verantwortlich für Entwicklung, Tests und Be-
men zu können oder etwas Neues darauf aufzu-       treiben der neuen Prozesse.
bauen. Außerhalb dieser Struktur wuchsen die
Möglichkeiten der neuen Netzwerkarchitektur –                Die Kartenmacherei:
nur war das alles nicht kompatibel mit den ge-         Es begann mit einem Konfigurator
wachsenen Monolithen. Java konnte kein Go
implementieren.                                    Steffen Behn und Sebastian Heurer von der
  „Wenn du die Varianz tötest, tötest du die       Kartenmacherei, einem Web-to-Print-Anbieter,
Innovation“ – das war nicht nur Schaefer klar.     gewährten kürzlich im Rahmen des Shop-
Gerade junge Mitarbeiter wollen mit den neu-       TechTalks-Podcasts spannende Insights. Be-
en Systemen und Möglichkeiten arbeiten. Der        gonnen haben sie mit Magento, um die riesige
Code machte Zalando zu einem unattraktiven         Menge der Produktkategorien und Produktde-
Arbeitgeber.                                       tailseiten unter Kontrolle zu bringen. Ihre erste
                                                   Eigenentwicklung war ein Kartenkonfigurator.
API first!                                         Der Online-Konfigurator im B2C-Bereich für
Unter dem Leitsatz API first! baute Zalando        Grußkarten aller Art bedeutete einen erheb-
seine Strukturen um. Das bedeutet, dass jede       lichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der
App eine funktionale Schnittstelle haben muss,     Konkurrenz. In wenigen Schritten werden Kun-
also einen offenen Zugang, um Informationen        denwünsche eingelesen, abgefragt und in ein
durch andere Apps erhalten und verarbeiten         Print-PDF übersetzt.
oder eben herausgeben zu können. Und um              2014 begann die Kartenmacherei das nächs-
jede App herum gibt es ein Team, das völlig frei   te Wagnis: Auch alles andere wurde nun eigen-
in der Entwicklung, aber später auch in der Ad-    ständig auf der Grundlage von PHP entwickelt,
ministration dieser App ist. Statt eines großen
Systems mit tausenden Zeilen von Code gab
es jetzt eine eigene Umgebung, in der sich ein
Netzwerk aus Applikationen entwickeln konnte.

ZMON 2.0 & Stups.io –
die Eigenentwicklungen
Diese Umgebung ist Stups.io, eine Architektur,
welche die Amazon Web Services (AWS) für die
Anforderungen für Zalando erweitert, abstra-
hiert und jedem Team eine eigene Serverstruk-
tur gewährt. Stups ist eine Eigenentwicklung
genau wie das Open-Source Monitoring Tool
ZMON 2.0. Dazu kommen gängige Tools wie
Dockers. Mithilfe dieser Architektur können
                                                     Sebastian Heurer (links) und Steffen Behn (rechts)
Neuheiten extrem schnell ausgerollt, getestet,

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                                         der Magento-Shop nach und nach abgebaut              an einer Schraube gestellt wurde, mussten alle
                                         und ersetzt. Der Erfolg wurde bereits nach ih-       Produkte neu kategorisiert und überprüft wer-
                                         rem ersten Experiment 2015 sichtbar: Das Ziel        den.
                                         war es, eine Kategorieseite in unter 100 Millise-       Mithilfe von commercetools wurde für die
                                         kunden auszuliefern – nach drei Tagen schaff-        REWE Group eine Plattform aufgesetzt, die
                                         ten sie das und eine zusätzliche Produktseite        über ihre Schnittstelle Daten des alten PIM
                                         in nur 60 Millisekunden. Am besten gefällt den       importieren konnte. Ein REWE-eigenes Team
                                         CTOs dabei, dass sie das volle Wissen, aber auch     entwickelte neben diesem Importer noch zwei
                                         die volle Verantwortung über ihren Stack haben.      weitere Microservices auf Java-Logik, die einen
                                         Jede Zeile Code sei selbst geschrieben und alles,    reibungslosen Ablauf und Unabhängigkeit von
                                         was da an Code stehe, bräuchten sie auch.            der alten Plattform ermöglichen.
                                           Und wie steht es bei der Kartenmacherei um
                                         Microservices? Die Terminologie ist den beiden          Eigenentwicklungen & Microservices –
                                         nicht so wichtig: „Wir nennen das nicht Micro-                     die Zukunft?
                                         services“, sagt Behn im Podcast. Dass es sie gibt,
                                         bestätigen sie aber: Der Warenkorb im Online-        Eigenentwicklungen sind nicht die Zukunft.
                                         Shop ist ein komplett eigenständiger Prozess,        Warum? Weil sie schon längst Gegenwart sind.
                                         der egal, was im Hintergrund des Shops pas-          Fertige Shopsysteme fordern viel Wissen, viel
                                         siert, unbeeindruckt von Veränderungen sei-          Pflege und bringen Schwierigkeiten bei der
                                         nen Dienst verrichtet.                               Anpassung nach individuellen Wünschen mit
                                                                                              sich. Und viele Funktionen werden nie benutzt,
                                                REWE Group: Überwältigende                    obwohl Unternehmen für das Gesamtpaket
                                                   Produktinformationen                       bezahlen müssen. Zwar müssen sich Nutzer
                                                                                              eines fertigen Shopsystems anfangs nicht vie-
                                         Die Teenagerjahre des 21.Jahrhundert sind            le Gedanken machen. Mit der Zeit stellt sich
                                         auch die Jahre, in denen die Shoptechnologie         aber die Frage: Will ich für ein fertiges System
                                         in ihre Reifephase tritt und sich selbstständig      arbeiten und mir vorschreiben, wie ich meine
                                         macht. Im April 2016                                                        Unternehmensprozesse
                                         startete   REWE     das                                                     durchführe? Mit Eigen-
                  Grafik: Shutterstock

                                         neue       Produktinfor-                                                    entwicklungen        und
                                         mationsmanagement                                                           Microservices machen
                                         (PIM) für seinen On-                                                        sich Unternehmen un-
                                         line-Lieferservice. Vor-                                                    abhängig oder verrin-
                                         her hatten die Teams                                                        gern       Abhängigkeiten
                                         mit viel Aufwand das                                                        stark. Sie ermöglichen
                                         alte PIM gepflegt. Das                                                      dem Personal, Eigen-
                                         Problem: Nur mit viel                                                       verantwortung zu über-
                                         Arbeit ließen sich neue Kategorien erstellen         nehmen und sich Prozesse nach eigenen Be-
                                         oder Produkteigenschaften, die relevant gewor-       dürfnissen zu gestalten. Schon allein dieser
                                         den waren, einpflegen. Egal, ob es sich um das       Grad an Freiheit ist es wert, den Wechsel vom
                                         Gewicht der Produkte oder neue Bedürfnisse           fertigen Shopsystem zu einer individuellen Lö-
                                         der Kunden wie die Kategorie „Vegan“ handel-         sung in Betracht zu ziehen.   ■

                                         te, das alte PIM bot da keine Flexibilität. Wenn

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Foto: Shutterstock
                     Location Insider Whitepaper                                           Die wichtigsten Trends in der E-Commerce-Technologie

                                                                                UMFRAGE: Die wichtigsten Trends
                                                                                  in der E-Commerce-Technologie
                                                                                                                            Kay Ulrike Treiß

                     Wir haben Technologie-Entscheider bei erfolg-     ein buntes Bild: U.a. geht es um sogenannte
                     reichen Online-Händlern wie Otto Group, Mis-      Headless-Systeme, Strukturen ohne eigene
                     ter Spex oder Spreadshirt gefragt: Worin sehen   Server, den API-First-Ansatz, neue Touchpoints
                     Sie aktuell die wichtigsten Trends im Bereich    und eine bessere Personalisierung von On-
                     E-Commerce-Technologie? Dabei zeichnet sich       line-Shops für die Endkunden.

                      André Neubauer, CTO von Mister Spex

                                             Omnichannel-Management umfasst nicht nur           nehmenden Angebots immer wichtiger, um
                                             die Verbindung zwischen On- & Offline, son-        den Kunden passende Produkte/Dienstleis-
                                             dern auch stetig neue Touchpoints wie Sprach-      tungen anzubieten. Eine Schlüsseltechnologie
                                             steuerung oder den Amazon Dash-Button.             dafür ist Machine Learning, welches z.B. für
                                             Eine Customer Journey läuft also nicht mehr        die Berechnung einer „next best offer“ genutzt
                                             nur über einen Kanal, was service-orientierte      werden kann. Grundlage dafür sind große Da-
                                             Plattformen voraussetzt, über die sich beliebige   tenmengen, die wiederum stark – und in na-
                                             Touchpoints integrieren lassen. Nur so kann si-    hezu Echtzeit kommunizierende – integrierte
                                             chergestellt werden, dass Kunden ein nahtloses     Systeme voraussetzen. Dies führt zu deutlich
                                             Erlebnis erfahren. Die technische Grundlage zu     komplexeren Systemlandschaften und fordert
                                             diesem Trend sind so genannte Headless-Sys-        u.a. neue Ansätze zur Skalierbarkeit von E-Com-
                                             teme. Auf der anderen Seite wird die Fähigkeit,    merce-Plattformen.
                                             Inhalte zu personalisieren, aufgrund eines zu-

                                                                                                                                            15
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                                                                              Atul Bhardwaj, CTO von MediaMarktSaturn

Ich sehe drei große Trends. Erstens: Eigenent-       anschließend das Bad unter Wasser steht. Wir
wicklung. Wenn Auswahl, Preis und Lieferzei-         bei MediaMarktSaturn haben unsere Software-
ten in Onlineshops weitgehend identisch sind,        Entwicklung in rund 100 einzelne Produkte
dann machen technische Details einen Unter-          unterteilt, an denen jeweils ein Team arbeitet –
schied. Also zum Beispiel: Bekomme ich Emp-          jedes dieser Produktteams arbeitet ständig an
fehlungen, mit denen ich wirklich etwas anfan-       neuen Features. Gute Schnittstellen (APIs) sind
gen kann? Finde ich auf Produktseiten wirklich       hier deswegen unverzichtbar.
schnell die entscheidenden Informationen? Um
hier den entscheidenden Tick besser zu sein,         Drittens: Cloud. Technologie kann nur dann ihr
haben wir uns dazu entschieden, wieder selbst        volles Potenzial entfalten, wenn sie skalierbar ist.
zu programmieren anstatt Standardsysteme zu          Unser Onlineshop beispielsweise muss an ei-
nutzen. Und zwar überall dort, wo es für unsere      nem Black Friday genauso schnell funktionieren
Kunden einen Unterschied macht.                      wie an allen anderen Tagen des Jahres auch –
                                                     und das in 14 Ländern. Damit das gelingt, stel-
Zweitens: APIs, also definierte Schnittstellen.      len wir konsequent auf die Google Cloud um.
Damit man in vielen Aspekten gleichzeitig in-        Denn kaum jemand hat so große Erfahrung mit
novieren kann, sind definierte Schnittstellen der    großen Datenmengen wie Google. Wir können
Schlüssel zum Erfolg. Es ist wie zu Hause: Nur       gleichzeitig unsere Ressourcen auf das ausrich-
wenn klar ist, wie die Anschlüsse für Strom sowie    ten, was wir am besten können: Tolle Einkauf-
Frisch- und Abwasser aussehen, kann eine neue        serlebnisse ermöglichen.
Waschmaschine installiert werden, ohne dass

 Stephan Esch, CTO der freenet AG

                          Ich sehe hier im Wesentlichen drei technolo-          Wer heute als Händler mit der Gießkanne An-
                          giebasierte Trends: Weiterentwicklung im Om-          gebote über die Kunden ausschüttet, nervt
                          nichannel, Angebote auf Basis künstlicher Intel-      und macht perspektivisch einen Kontaktweg
                          ligenz (KI) und drittens Augmented Reality (AR)       kaputt. Dank KI können wir passgenaue Ange-
                          für das Produkterlebnis.                              bote unterbreiten, die relevant sind und posi-
                                                                                tiv wahrgenommen werden. Diese Angebote
                          Beim Omnichannel geht es vor allem um die             können anhand der Kaufhistorie ermittelt und
                          Weiterentwicklung zu einem kanalübergreifen-          beim Check-Out-Prozess präsentiert werden:
                          den Fulfillment. Was bisher eher Warenangebot         Zum Beispiel ein passendes Zubehör-Angebot
                          und -verfügbarkeit in allen Kanälen – on- und         beim Abschluss eines Handykaufs. Ein anderes
                          offline – bezeichnete, beleuchtet jetzt die in-       Beispiel ist, dass der Kunde, sollte er mal Apple
                          telligente Verknüpfung all dieser Kanäle. Also        AirPods gekauft haben, aktiv beim Erscheinen
                          beispielsweise online suchen und im Laden ab-         des Nachfolgers eine Benachrichtigung erhält
                          holen. Wichtig ist hier die technologische Abbil-     und ihm das entsprechende Angebot dazu an-
                          dung des Kundennutzen und die Befriedigung            gezeigt wird.
                          des „will-ich-sofort-haben-Bedürfnisses“.

                                                                                                                              16
Location Insider Whitepaper                                           Die wichtigsten Trends in der E-Commerce-Technologie

AR ist meiner Ansicht nach nicht für alle Pro-    vier Wände zu bringen. Beispielsweise: Wie
duktgruppen sinnvoll und wir müssen uns da        sieht eine Sonos-Box auf meinem Sideboard
auch ein Stück weit vom Hype befreien. AR         zuhause aus. Ist sie zu klein und sollte es dann
hat dennoch eine große Stärke; sie unterstützt    doch die Play 5 statt der Play 3 sein? Hier ist AR
in vielen Fällen bei der Entscheidungsfindung     ein sinnvolles Instrument, denn hier generiert
und hilft dabei, etwas Neues in die eigenen       Technologie einen echten Mehrwert.

                                                                                    Guido Laures, CTO von Spreadshirt

Mit der Datenschutz-Grundverordnung wur-          und Partnern. IT-Abteilungen müssen viele Sys-
den Datensicherheit und Datenschutz DIE           teme überdenken oder so ändern, dass sie DGS-
Themen. Den Regulierungen kann sich kein          VO-konform sind: IP-Adressen müssen aus Logs
E-Commerce-Unternehmen entziehen, denn            entfernt werden, Analyse-Datenbanken dürfen
im E-Commerce ist die Erhebung und Analy-         keine Kundennamen enthalten, Tracking darf
se von Daten maßgeblich, um das Geschäft          nur zweckgebunden und mit Zustimmung
zu steuern. Big Data ist wichtig, aber auch ein   des Nutzers durchgeführt werden. Die DSGVO
Quell von Verstößen. Die Herausforderung ist,     kann ein Wettbewerbsvorteil für die Unterneh-
das richtige Maß an Anonymisierung zu finden,     men sein, die auch schon vorher die Daten ihrer
um dennoch Maßnahmen zur Kundenbindung            Kunden seriös behandelt haben.
durchzuführen. Transparenz darüber, was ge-
speichert wird, schafft Vertrauen bei Kunden

 Steffen Heilmann, CTO von Aroundhome

                         Der aktuell wichtigste Trend ist das Thema Ser-     aber nicht vollständig lösen. Serverless ist nun
                         verless. Jeder E-Commerce-Shop steht vor der        der logische, nächste Schritt in Richtung Ska-
                         gleichen Schwierigkeit: stark schwankende           lierbarkeit: Diese Technologie abstrahiert von
                         Nutzerströme, sowohl im Tagesverlauf als auch       der unterliegenden Hardware und macht da-
                         während des gesamten Jahres. Es ist seit jeher      mit operative Skalierungsprobleme irrelevant.
                         eine große technologische Herausforderung,          Da Serverless bereits architekturell neue Ansät-
                         genügend     Rechenkapazitäten     vorzuhalten,    ze verwendet, wird eine Migration bestehender
                         ohne dabei zu viel Geld in überdimensionierte      Systeme jedoch relativ schwierig sein. Ein wei-
                         Hardware oder viel Aufwand in aktives operati-      terer Pluspunkt aus Businessperspektive: Ser-
                         ves Management zu investieren.                      verless hat ein komplett verbrauchsbasiertes
                         Hier hat Containerization bereits geholfen, das    Abrechnungsmodell, d.h. die Kosten messen
                         Skalierungsproblem zu verringern, konnte es        sich an den Nutzerströmen.

                                                                                                                          17
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                Mietski: Markus Scalet, Gründer & CMO (links)
                         David Wolfart, Gründer & CEO (rechts)

Wir - MIETSKI.COM - betrachten den API-first-      Für alle bekannten und erdenklichen Endgerä-
Ansatz als wichtigsten Technologie-Trend im        te (Touchpoints) lassen sich neue Anwendun-
Bereich E-Commerce-Technologie. Diesen An-         gen einfacher entwickeln. Die Anbindung
satz begründen wir wie folgt: Unsere Dienst-       an Drittsystem oder die Integration in einen
leistung und Produkte können barrierefrei          Marktplatz werden erleichtert. Als weiteren gro-
über unterschiedliche Kanäle ausgeliefert          ßen Trend betrachten wir Online-Marktplätze.
werden. Zwei Beispiele: Online über die Web-       Kunden profitieren von einem Marktplatz durch
site. Im Shop über das lokale Kassasystem.         eine größere Auswahl, eine höhere Verfügbar-
Höchste Flexibilität ist gefragt bei der Integ-    keit und einem prompten (Preis-)Vergleich. Der
ration verschiedenster Anwendungen. So             Wertschöpfungskette verwandte Produkte und
können Produktvarianten und/oder Preisva-          Dienstleistungen können das Angebot ergän-
rianten nach Verfügbarkeitsprüfung, Längen-        zen und aufwerten. Dies spart Kosten im Ver-
empfehlung und Auslastungsprüfung in ma-           trieb, Marketing und Kundenservice.
ximaler Geschwindigkeit abgefragt werden.

 scrappel GmbH: Sebastian Kussatz, Co-Founder & Chief Product Officer

                         Ich denke, dass native Apps bei vielen Shop-        (PWAs) einfach besser. Gerade für den Mittel-
                         betreibern sukzessive an Bedeutung verlieren        stand ergeben sich hier einige Vorteile: PWAs
                         werden. Wir sehen das bereits seit Längerem im      sind in der Regel leichter und kostengünstiger
                         B2B-Bereich und mehr und mehr auch im B2C.          zu entwickeln als native Apps. Sie sind unab-
                         Obwohl heute überall das Thema "Mobil first"        hängig von Betriebssystemen und Gerätetypen
                         postuliert wird, gibt es vor allem im B2B-Bereich   und können besser gestreut und beworben
                         noch viele Desktop-Nutzer. Um beide Gruppen         werden, da sie über Suchmaschinen auffindbar
                         abzuholen, eignen sich Progressive Web Apps         sind.

                                  Dr. Thomas Schnieders, Direktor E-Commerce Innovation & Plattform bei OTTO

Kunden erwarten mittlerweile an einigen            schen den Touchpoints realisieren. Implizit
Stellen mehr Personalisierung als der E-Com-       setzen die Kunden voraus, dass dafür Intent
merce-Markt bietet. Und das aus einem guten        Recognition und individueller Kontext genutzt
Grund: Sie möchten Zeit sparen, weil ihr Auf-      werden. Zukünftig ermöglichen weitere Ein-
merksamkeitsbudget bei einem stetig wach-          gabekanäle für Informationen, wie Bild- oder
senden Angebot nicht steigt. Deshalb können        Spracherkennung, den Kontext noch besser zu
E-Commerce-Unternehmen punkten, indem              erkennen. Personalisierung ist also längst keine
sie eine noch stärkere Synchronisation zwi-        Kür mehr, sondern Pflicht.

                                                                                                                        18
Location Insider Whitepaper                                                 dodenhof rüstet sich für die digitale Transformation

                                                          Von Null auf Hundert: dodenhof
                                                 rüstet sich für die digitale Transformation

Norddeutschlands größtes Shopping-Center            durch modernste Technologie und kunden-
dodenhof ist erst im Herbst 2017 mit einem          zentrierte Online-Ideen schnell wieder wettma-
eigenen Online-Shop gestartet. Nun will das         chen. dodenhof setzt dabei auf die Microser-
Unternehmen den Vorsprung der Konkurrenz            vices-Plattform von commercetools.

Mit insgesamt 170.000 Quadratmetern Ver-            späten Zeitpunkt. Einfach den x-ten Shop auf
kaufsfläche an den Standorten Posthausen in         den Markt zu bringen kam daher nicht in Frage.
Niedersachsen und Kaltenkirchen in Schles-          „Wir haben seit 2016 sehr detailliert an einer
wig-Holstein ist dodenhof ein echter Dinosau-       Strategie gearbeitet, mit der wir den Nachteil
rier unter den deutschen Einzelhändlern. Ge-        des späten Eintritts in den Onlinewettbewerb
gründet 1910, bietet das Unternehmen heute          kompensieren können und mit der wir die Feh-
ein breites Sortiment von Mode über Wohnen,         ler von anderen nicht wiederholen, sondern
Sport und Technik bis hin zu Lebensmitteln so-      sinnvolle Learnings für uns ableiten“, erläutert
wie einer Shopping Mall mit zahlreichen Anbie-      Oliver Breitfeld, Leiter E-Commerce bei doden-
tern aus Handel und Gastronomie.                    hof. Entscheidend war daher, den Grundstein                  Oliver Breitfeld,
  Online war der Händler allerdings lange nicht     für eine komplexe und vor allem zukunftsfähi-              Leiter E-Commerce
                                                                                                                       dodenhof
aktiv. Seit Start des Online-Shops im Herbst 2017   ge Online-Strategie zu legen. Ganz nach dem
läuft die digitale Transformation aber rasant.      Motto „Think Big – Start Small – Learn Fast“ soll-
                                                    te diese Strategie dann Schritt für Schritt umge-
   Think Big – Start Small – Learn Fast!            setzt und kontinuierlich ausgebaut werden. Um
                                                    so schnell wie möglich live gehen zu können,
Für einen Händler wie dodenhof erfolgte der         gingen zunächst nur Teilsortimente online.
Start seiner Online-Aktivitäten zu einem sehr       Mittlerweile sind im Onlineshop über 10.000

                                                                                                                              19
Location Insider Whitepaper                                                dodenhof rüstet sich für die digitale Transformation

                      Artikel aus allen Bereichen verfügbar, wobei der       le Einkäufe ermöglichen möchte, Mitarbeitern
                       Fokus in Zukunft auf Mode, Sport und Lifestyle        auf der Fläche digitale Schnittstellen bieten will
                      (inkl. Beautyprodukten) liegen soll und durch          und nicht nur an Desktop oder Smartphone als
                      Technik und Spielwaren abgerundet wird. „Die           alleiniges Frontend glaubt. „Und genau diese
                      schrittweise Vorgehensweise hat uns geholfen,          Flexibilität macht den Mehrwert von Microser-
                       besser zu verstehen, was unsere Online-Kunden         vices und der commercetools-Plattform aus“,
                       interessiert und wir hatten die Möglichkeit, mit      bringt es Oliver Breitfeld auf den Punkt.
                      wechselnden Sortimenten viel auszuprobieren,
                      zu lernen und stetig zu optimieren“, so Breitfeld.              Neue Ideen für den Handel

                       Microservices als Wegbereiter der Zukunft             In einem Zukunftsworkshop gemeinsam mit
                                                                             commercetools und Shopmacher wurden The-
                      Generell will das Unternehmen die Weiterent-           men wie Car Commerce oder Shopping via
                      wicklung seines Online-Shops eher experimen-           Sprachassistenten genauso diskutiert wie die
                      tell vorantreiben, denn wie die Online-Welt von        Integration von Social-Media-Plattformen als
                       dodenhof in fünf                                                                      Vertriebskanäle
                      Jahren aussehen           „Genau diese Flexibilität, neue Ideen schnell                oder    konkrete
                      wird, weiß heute         umzusetzen, auszutesten und daraus zu lernen,                 Maßnahmen zur
                       noch niemand:            macht den Mehrwert von Microservices aus!“                   Digitalisierung
                      „Bei der Dynamik            Oliver Breitfeld, Leiter E-Commerce bei dodenhof           des stationären
                       im Markt und                                                                          POS. So über-
                       dem herrschenden Verdrängungswettbewerb               legt dodenhof etwa, einen Magic Mirror ein-
                       gibt es maximal eine Idee von der Zukunft“,           zuführen und will 2019 eine Mitarbeiter-App
                       bestätigt Oliver Breitfeld. Sicher war sich das       ausrollen. Auch an die Einführung von mobilen
                      Unternehmen aber, dass die anvisierten Ziele           Kassen denkt das Unternehmen. Insgesamt ist
                       mit einem Shopsystem von der Stange nicht             es dodenhof besonders wichtig, sein umfang-
                       realisierbar sein werden. „Wir haben uns klassi-      reiches Angebot an Kundenservices auch on-
                      sche und moderne Shop-Systeme angesehen                line nutzbar zu machen. Online und Offline sol-
                      und uns gefragt, ob wir tatsächlich NUR einen          len hier in Zukunft perfekt ineinander greifen,
                      Shop brauchen?“ Dabei wurde allen Beteiligten          beispielsweise indem der Kunde Beratungster-
                      schnell klar, dass dodenhof auch am POS digita-        mine einfach online bucht.

                                                                                                                            20
Location Insider Whitepaper                                                  dodenhof rüstet sich für die digitale Transformation

       Teamarbeit für beste Resultate

Die Online-Welt von dodenhof ist als agiles Pro-
jekt in Zusammenarbeit von commercetools,            Start des Projekts. „Für die Zeit, Ressourcen und
Shopmacher und Kommerz entstanden. Über              Rahmenbedingungen ist das Ergebnis wahn-
die cloudbasierte E-Commerce-Plattform von           sinnig gut. Wenn wir aber alle in uns gehen,
commercetools kann dodenhof seine Digita-            dann ist da noch sehr viel Potenzial – und das
lisierung auf Basis von Microservices nun zü-        werden wir jetzt nach und nach ausschöpfen.“    ■

gig vorantreiben. Als Enterprise Solution nutzt
dodenhof SAP mit einer Bridge von e2e Scheer.
Die commercetools-Plattform wurde mit einer
CMS-Lösung von Shopmacher, dem Commerce                            Vorteile der commercetools-
Cockpit, verbunden, sodass das Unternehmen                           Plattform für dodenhof
seine Inhalte komfortabel selbst pflegen kann.
Die Anbindungen weiterer spezifischer Syste-               −− hohe Flexibilität der Technologie ermöglicht
me ist derzeit in Planung und wird sukzessive                 schnelle Anbindung neuer Verkaufskanäle
ausgebaut.                                                    oder Endgeräte;
  Parallel dazu hat dodenhof 2016/2017 ein                 −− hohe Skalierbarkeit durch cloudbasierte
eigenes Team aufgebaut, das bereits heute                     Technologie;
viele Themenfelder gut besetzt und alle On-                −− Plattform erlaubt experimentelle Herange-
line-Aktivitäten steuert sowie Inhalte pflegt. Auf            hensweise an neue Ideen;
diese Weise ist das Unternehmen im Alltags-                −− Online-Projekte können agil und passgenau
geschäft weitgehend unabhängig von Dienst-                    entwickelt werden;
leistern, kann schnell agieren und neue Ideen              −− enge Zusammenarbeit mit hochspezialisier-
kurzfristig umsetzen.                                         ten Agenturen möglich;
  „Vom Proof of Concept bis zum Launch des                 −− hohe Unabhängigkeit von Dienstleistern
Shops hatten wir gerade mal viereinhalb Mo-                   durch einfache Oberflächen.
nate Zeit“, erinnert sich Oliver Breitfeld an den

                                                                                                                              21
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   „DAS IST KEIN HEXENWERK“:
   Eigenentwicklungen bei Keller Sports
   Florian Treiß

                      Als Keller Sports im Jahr 2006 an den Start           zu bändigen und zu erweitern als ein eigenes
                       ging, setzte das eCommerce-Startup auf das           System zu entwickeln“, wie Florian Otte sagt. Wir
                      Shopsystem OXID. Doch mit der Zeit stellte            haben mit dem CTO von Keller Sports darüber
                       der Spezialist für Sportartikel fest, dass es auf-   gesprochen, welche Vorteile die Eigenentwick-
                      wändiger ist, „diesen Monolithen zu managen,          lung sonst noch bietet.

                      „Der Grund für unsere Eigenentwicklung ist            ckend-Prozesse. Im Frühjahr 2019 verschwindet
                       nicht, dass wir OXID nicht mehr mögen. Ganz          das alte OXID-System, das zuletzt nur noch für
                       im Gegenteil ist es ein gutes, solides System,       den Checkout diente, nun komplett.
                       mit dem wir damals gut starten konnten“, sagt
                       Florian Otte. Doch so ein Monolith habe ein-                  Microservice-Architektur
                       fach diverse Funktionen, die Keller Sports all               mit eigener eCommerce-API
                       die Jahre nicht brauchte und die das System
                       immer mehr verlangsamt hätten. Dadurch ent-          „Wir haben eine eigene Microservice-Architektur
                      standen bei Keller Sports immer höhere, un-           mit unseren eigenen eCommerce-API aufge-
Florian Otte,          nötige Hardware-Kosten für Server, die das           baut“, erläutert Florian Otte. Dabei kommt die
CTO                   OXID-System teuer skalieren mussten. Daher            Logik des Headless eCommerce zum Zuge, bei
Keller Sports          begann Keller Sports ab 2012, Schritt für Schritt    der Frontend und Backend anders als bei klassi-
                      Teile von OXID durch eigene Lösungen zu er-           schen Shopsystemen getrennt gedacht werden
                      setzen. Zuerst wurde die Startseite des Shops         können. „Das Frontend, das sich unsere Kunden
                       durch eine selbst programmierte Seite ersetzt,       z.B. in den Produktdetailseiten anschauen, ist
                      später folgten dann z.B. die Produktkatego-           nun völlig losgelöst vom Checkout-Prozess im
                       rien, die Produktdetailseiten und diverse Ba-        Backend. Das hat den Vorteil, dass das Frontend,

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wo der meiste Traffic entsteht, günstig skaliert    Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten
werden kann, weil dort vorerst nur Produkte
dargestellt werden. Der Checkout hingegen,         „Heute ist es nicht mehr so einfach wie früher,
wo die Schreibzugriffe auf die Datenbank er-       ein Alleinstellungsmerkmal zu haben“, sagt
folgen, wenn jemand eine Bestellung abschickt      Florian Otte. „Heute liefern fast alle Shops am
und wir personenbezogene Daten verarbeiten,        nächsten Tag und haben Tracking-Mails. Das
ist davon nun komplett losgelöst und kann          war früher noch unser USP, dass wir sehr gut
individuell skaliert werden“, sagt der CTO von     im Versand sind und den Kunden immer vorab
Keller Sports.                                     informieren.“ Aber das sei heutzutage Standard
                                                   und das Geschäft sei wesentlich wettbewerbs-
Ein weiterer Grund für die Eigenentwicklun-        intensiver geworden, so Florian Otte: „Daraus ist
gen von Keller Sports: Das Unternehmen ent-        die Idee einer Premium-Anlaufstelle mit Keller x
wickelte sich über die Jahre prächtig. Einst als   entstanden. Bei Keller x wählen wir sehr selek-
Spezialist für Tennisprodukte gestartet, kamen     tiv Marken und Produkte für unsere Zielgruppe
immer mehr Sportarten ins Portfolio. Zudem         aus. Keller x ist dabei komplett losgelöst von
sprühten die Gründer-Geschwister Moritz Keller     Keller Sports aufgestellt.“
und Jakob Keller und ihr Team vor Ideen: Mitt-
lerweile gibt es neben dem deutschen Web-          Keller Sports ist heute also deutlich breiter auf-
shop rund ein Dutzend andere Länder-Shops,         gestellt und bietet verschiedene Plattformen.
ein hauseigenes Premium-Programm, den              Dafür bringt die neue Systemarchitektur weite-
Fitnessstudio-Vermittler Keller Studios und die    re Vorteile mit sich: „Wir haben alle User-Daten
Belohnungs-App Keller sMiles. Als sicher nicht     in einem zentralen Account-Management-Sys-
letzte Innovation kam zuletzt im Sommer 2018       tem (AMS) hinterlegt, das über eine API ange-
der Lifestyle-Ableger Keller x hinzu, den Keller   steuert werden kann. Die Daten sind also nicht
Sports für Produktkooperationen mit Herstel-       mehr in der Shop-Datenbank hinterlegt, son-
lern nutzen will.                                  dern an einer zentralen Stelle. Wenn ein Kunde
                                                   seine Adresse ändert, wird das über einen API

                                                                                                                           23
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                      Call ans AMS übermittelt. Das bringt uns den         derer Vorteil des API-basierten Order-Manage-
                      Vorteil, dass wir bei unseren weiteren Services      ment-Systems ist es auch, dass gemischte Wa-
                      wie Keller x, Keller Studios oder Keller sMiles      renkörbe für Käufe bei Keller Sports und Keller
                       ebenfalls auf diese API zugreifen und die identi-   x möglich sind. Kunden können den Kauf aus
                      schen User-Daten nutzen können“, sagt Florian        beiden Shops dann an einer Stelle abschließen.
                      Otte.
                                                                           Grundsätzlich können fertige Systeme wie OXID,
                          Eigenes Order-Management-System                  Shopware oder Shopify einen schnellen Start
                                                                           in den E-Commerce ermöglichen, um einfach
                      Auch beim Order-Management-System, dass              über einen Online-Shop Produkte zu verkau-
                       die Aufträge der Kunden erfasst, verfügt Keller     fen, sagt Florian Otte. Sobald es aber darüber
                      Sports über eine selbst entwickelte Lösung.          hinaus geht, sich ein Händler für die Zukunft
                      Wenn Kunden im Online-Shop einkaufen, wer-           Flexibilität wünscht und eigene E-Commerce-
                       den diese Aufträge beim Checkout per API an         Geschäftsmodelle entwickeln will, „kommt man
                       das Order-Management-System geschickt und           irgendwann nicht mehr daran vorbei, auf eine
                       liegen ebenfalls zentral an einer Stelle. Über      Eigenentwicklung zu setzen und sich dadurch
                       diese API sollen in Zukunft auch Aufträge di-       auch von Wettbewerbern abzuheben“, so Flori-
                       rekt von der Belohnungs-App Keller sMiles an        an Otte. Wichtig sei dabei aber, nichts zu über-
                       das Order-Management-System geschickt wer-          stürzen: „Wir haben 2012 die ersten Eigenent-
                       den. Beispiel: Ein Hersteller möchte über Keller    wicklungen umgesetzt und Schritt für Schritt
                      sMiles Sportler mit einem Performance-Laufshirt      OXID-Funktionen abgelöst. Es ist sinnvoll, so
                       belohnen, wenn sie 10 Kilometer laufen und          etwas in kleinen Schritten zu machen, da man
                       diese Aktivität über eine Sporttracker-App auf-     ansonsten ewig auf einen ‚Big Bang‘-Relaunch
                      zeichnen. Hat der Sportler die 10 Kilometer ge-      hinarbeitet. Das ist zu risikoreich, und dauert
                      schafft, kann Keller sMiles über die API eine au-    auch zu lang, bis Änderungen für die Kunden
                      tomatische Zusendung des Produktes auslösen,         sichtbar werden“, so der CTO von Keller Sports.
                       ohne dass der Kunde mit einem Gutscheincode
                      selbst in den Online-Shop gehen muss. Ein an-        Auch wenn viele Unternehmen Angst vor der
                                                                           Entwicklung einer eigenen Softwarelandschaft
                                                                           haben, ist sich Florian Otte sicher: „Das ist gar
                                                                           kein Hexenwerk! Am wichtigsten ist es, sich zu-
                                                                           nächst ein gutes Architekturkonzept für die IT
                                                                           zu überlegen. Mit den richtigen Tools und Ent-
                                                                           wicklungsprozessen ist die Programmierung
                                                                           gar nicht so schwierig.“   ■

                                                                                                                         24
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