Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 2018-04 - VCÖ
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Datenanalysten sorgen für verlässliche Züge.
Und eine pünktliche Umarmung.
Das ist Ingenuity for life.
Fahrgäste erwarten einen reibungslosen Eisenbahnverkehr. Siemens hilft den Österreichischen Bundesbahnen dabei,
die Betriebsdaten ihrer Züge auszuwerten. Störungen lassen sich damit vorhersehen und Verspätungen vermeiden.
So kommen Reisende rechtzeitig zu ihrem Lieblingstermin: nach Hause. Verwirklichen, worauf es ankommt. Das ist
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siemens.at/ingenuityforlifeMobilität mit Zukunft 4/2018 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 3
Dank Impressum
VCÖ Als Autor zu zitieren:
Publikationen des VCÖ dienen der fachlich
1050 Wien VCÖ, Wien, Österreich
fundierten Aufbereitung beziehungsweise Bräuhausgasse 7–9
Diskussion von Themen aus dem Bereich T +43-(0)1-893 26 97 Medieninhaber, Herausgeber
Mobilität, Transport und Verkehr. Die Art der E vcoe@vcoe.at und Verleger:
www.vcoe.at VCÖ, 1050 Wien
Behandlung der Inhalte und die erarbeiteten ZVR-Zahl 674059554
Ergebnisse müssen nicht mit der Meinung der VCÖ (Hrsg.):
unterstützenden Institutionen und Personen „Mobilitätswende braucht Titelbild: Manuela Tippl
mehr Öffentlichen Verkehr“ (Fotos von Marco Verch, ÖBB,
übereinstimmen.
VCÖ-Schriftenreihe VCÖ)
„Mobilität mit Zukunft“ Lektorat:
Gedankt sei allen, die die Herausgabe dieser 4/2018 Karl Regner
Publikation finanziell unterstützt haben. Wien 2018 Übersetzung:
ISBN 978-3-901204-99-7 Sylvi Rennert
Layout:
VCÖ 2018
Druck:
gugler GmbH,
Auf der Schön 2
3390 Melk
Erstellt durch Beiträge von:
● Inhaltliche Mitarbeit
● Inhaltliche Inputs
● VCÖ-Redaktionsteam
Wittowsky
Dirk
Haider Sattler
Tobias Uwe
Gratzer
Christian Gerster Kehrer
Christoph Gies Johannes
Jürgen Rasmussen
Brandl Ulla
Hannes Schaaffkamp
Skala Christoph Schaaffkamp
Franz Julia
Schwendinger Julian
Juhasz Michael Friedwagner Nolte Mehlert Pasold
Andreas Andreas Christian Stephanie
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Rüger Preslmayr Claus Nabil
Frewein Elisa
Markus Bernhard Thomas Huang
Fartacek Stöger Ziyi
Florian Fürdös
Inserate: Ruth Alexander Gansterer
Linz Linien AG Markus
ÖBB Holding
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Salzburger Verkehrsverbund GmbH Linda Willi Loris
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Wiener Linien GmbH & Co KG4 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
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Vorwort
Der Beitrag des Öffentlichen Verkehrs zur Lebensqualität
der Bevölkerung durch Verkehrssicherheit, Klimaschutz oder
garantierte Mobilität für jugendliche und ältere Menschen ist
gigantisch. Und Österreichs Unternehmen schaffen mit Nie-
derflur-Fahrzeugen, Signaltechnik oder Schienen-Produktion
eine Standortqualität, die viel zu oft unbeachtet bleibt in den
vergangenheitsverhafteten Versuchen, eine veränderungsresis-
tente Autoindustrie am Leben zu erhalten.
Über eine Million Men-
» Individuelle Mobilität braucht gute schen in Österreich nüt-
öffentlich zugängliche Verkehrsmittel. « zen täglich den Öffentli-
chen Verkehr, manchmal
nur für kurze Wege, ein anderes Mal für die große Reise. Diese
individuelle Mobilität entsteht erst durch die Freiheit, das Ver-
kehrsmittel und den Zeitpunkt der Benützung wählen zu kön-
nen. Ein qualitativ hochwertiges Angebot öffentlich zugängli-
cher Verkehrsmittel ist Voraussetzung für individuelle Mobilität,
Auto-Abhängigkeit behindert individuelle Mobilität.
In einer sich transformierenden Verkehrswelt kommt auch
der klassische Öffentliche Verkehr unter Druck. Es bleibt wich-
tig, dass dieser fahrplandicht und im Takt verläuft. Doch auch
Verknüpfung mit Carsharing oder Fahrradverleih am Bahnhof
sowie Echtzeit-Information am Smartphone zu Fahrzeiten und
Sitzplatzangebot werden erwartet. Ob das Fahrzeug dann auto-
matisiert unterwegs ist, ist ebenso wenig relevant für Fahrgäste
wie der Name der Organisation, die das Fahrzeug betreibt.
Wenn wir dann im Jahr 2050 multimodal vernetzt vielfältige
Fortbewegungsformen öffentlich zugänglich individuell nutzen,
wird uns das platzaufwändige Privat-Auto ähnlich wenig abge-
hen wie ein Privat-Flugzeug.
Die klugen Worte, dass „Bedingungen für Möglichkeiten zu
schaffen“, der engere politische Auftrag sei, heißen für den Öf-
fentlichen Verkehr Infrastrukturen wie Bahntrassen zu schaffen
oder Bahnhöfe zu zentralen Orten der Begegnung in Gemein-
den umzugestalten. Dafür ist das nötige Geld in die Hand zu
nehmen. So wird zukünftigen Generationen Mobilität garan-
tiert und – fast nebenher – die Erreichung der Klimaziele der
globalen Gemeinschaft unterstützt.
Willi Nowak
VCÖ-GeschäftsführungWiens größte Das bringt das
Untergrundbewegung. Linienkreuz U2/U5:
• mehr direkte Verbindungen –
kürzere Reisezeiten
• entlastet stark frequentierte
Linien und Stationen
• dritte S-Bahn-Anbindung für
Pendler aus dem Süden
• noch leistungsfähigeres
Öffi-Netz
• Kapazitäten für die Zukunft Nußdorf
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Städtische Mobilität der Zukunft
Rund 120 erfolgreiche Jahre liegen auf dem Weg vom Be Über 100 Millionen Fahrgäste
treiber einer Tramway zum modernen Mobilitätsanbieter. jährlich sprechen eine eindeutige
Damals wie heute gilt – persönliche Mobilität ist eines Sprache: Die LINZ AG LINIEN
der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse und ihre sind in Oberösterreich das füh
Bedeutung wird weiter zunehmen. rende Unternehmen im öffentli
chen Personennahverkehr. Um
In Ballungszentren ist die strategische Ausrichtung von Verkehrsun weltfreundlichkeit, Komfort und
ternehmen an den Mobilitätsanforderungen der Bevölkerung unver Sicherheit sind das Erfolgsrezept
zichtbar. Durch den laufenden Ausbau des bedarfsgerechten Ange für immer mehr zufriedene Fahr
bots sowie die Modernisierung der Infrastruktur und des Fuhrparks gäste. Um den Mobilitätsansprü
sind die LINZ AG LINIEN nicht nur eines der modernsten Verkehrsun chen der Kundinnen und Kunden auch künftig gerecht zu werden,
ternehmen in Europa, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsmotor. kooperieren die LINZ AG LINIEN mit verschiedenen Mobilitäts
Mit dem hohen Anteil an EMobilität durch den Einsatz von Stra partnern. Durch die sukzessive Ergänzung des Öffentlichen Ver
ßenbahnen und OBussen sowie der Busflotte mit Erdgasantrieb kehrsangebots mit Dienstleistungen wie AST (AnrufSammelTaxi),
wird ein wertvoller Beitrag für die Umwelt geleistet. Carsharing oder Leihfahrrädern entsteht für die Fahrgäste ein at
traktives Mobilitätspaket als flexible Alternative zum eigenen PKW.
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Inhaltsverzeichnis
Der Öffentliche Verkehr ist
für die Mobilitätswende zentral 9
Bahnhöfe zu multifunktionalen
Mobilitätsknoten machen 15
Öffentlicher Verkehr ist
Rückgrat urbaner Mobilität 17
In den Ballungsräumen dichten
Öffentlichen Verkehr schaffen 21
Bahn- und Bus-Angebot für
regionale Zentren weiterentwickeln 24
Mobilitätsgarantie und Lückenschluss
in den Regionen schaffen 28
Bahn zum Standard auf
der Mittelstrecke machen 32
Literatur, Quellen, Anmerkungen 36
VCÖ-Schriftenreihe
Mobilität mit Zukunft 40Einer für alle.
Öffiziell:
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Bahn
Straßenbahn und U-Bahn
Bus 76
Foto: Pixabay
Anteil Städte mit Bahnhöfen:56
82 %
32
28
35
32
5 5 11 11 1111 13
7
17
13
Der Öffentliche Verkehr ist
für die Mobilitätswende zentral
Der Öffentliche Verkehr ist das Kernelement zur Dekarbonisierung des
0 5 10 15 20 25 30 35
Verkehrs. Damit der bereits heute klimaverträgliche Öffentliche Verkehr
einen größeren Anteil der Mobilität übernehmen kann, braucht es eine
langfristige Strategie und gesicherte Finanzierung für seinen Ausbau.
Bahn
Straßenbahn
Österreich hat sich im UN-Klimaabkommen von Jahren eine9,7 7,3 der
deutliche Erhöhung 0,3mit und U-Bahn
Paris verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegten Bus
bis zum Jahr 2030 um rund 40 Prozent und bis Kilometer nötig. Für den Sachstandsbericht
zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent basierend Mobilität wurde ein Potenzial von rund 400.000 Der Anteil der E-Mobili-
tät im Schienenverkehr
auf dem Wert des Jahres 1990 zu reduzieren.22 Tonnen zu vermeidender Treibhausgase pro Jahr beträgt mehr als 90
Für Österreich ergibt sich eine Reduktionsver- 12,6
bei zusätzlichen Maßnahmen im 7,2Ausbau des10,6 Prozent. Elektrisch
angetriebene Buslinien
pflichtung von 36 Prozent der CO2-Emissionen Öffentlichen Verkehrs errechnet. Angenommen verkehren in den Städ-
des Verkehrs bis zum Jahr 2030 im Vergleich wurden dabei unter anderem die Erhöhung ten Linz und Salzburg
0 5 10 15 20 25 30Oberleitung
per 35 sowie in
zum Jahr 2005.169,174 Entsprechend dem „WAM der Infrastruktur-Investitionen von 2,5 auf
Personenkilometer im Öffentlichen Verkehr im Jahrder2016
Wiener Innenstadt
plus-Szenario“ des Umweltbundesamts kann der 3 Milliarden Euro ab dem Jahr 2025, eine
in Milliarden mit Batterieantrieb.
Energieverbrauch im Verkehr bis zum Jahr 2050
gegenüber 2015 um 51 Prozent gesenkt werden. Schienenverkehr in Österreich
Zentrale Maßnahmen dafür sind die Verdichtung ist fast zur Gänze E-Mobilität
dezentraler Siedlungsräume als Grundlage für
Verkehrsvermeidung und der Ausbau des Öffent-
lichen Verkehrs sowie von Sharing-Angeboten,
Quelle: EC 201855, Linz AG 201899, Salzburg AG 2018134, VCÖ 2018181
um privaten Kfz-Verkehr zu verlagern.171
gesamt
12,6 7,2 10,6
Mehr Öffentlicher Verkehr zur Erreichung der
Klimaziele notwendig
Bahn
Derzeit werden in Österreich mit Bahn, Bus
elektrifiziert
und städtischem Öffentlichen Verkehr knapp 11,8 7,2 0,3 Straßenbahn
und U-Bahn
mehr als 30 Milliarden Personenkilometer = 94 % = 100 % = 3 % Linien- und
zurückgelegt. Damit der Verkehr zum Erreichen Reisebus
Grafik: VCÖ 2018
der Klimaziele beiträgt, ist in den kommenden 0 5 10 15 20 25 30 35
Milliarden Personenkilometer im Jahr 201610 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
Pkw
Verlagerung von Autofahrten nach
Abmeldung Privat-Pkw und
Umstieg auf Carsharing in Bremen
4% Pkw
Angebotserhöhung ab dem Jahr 2020, günstige dass die Fahrten mit Bahn und Bus statt mit
Lorem ipsum
10 %
Ticketpreise sowie die Elektrifizierung aller Gehen
dem Pkw zurückgelegt werden, vermeidet der
ÖBB-Strecken und die Steigerung der Elektro- Öffentliche Verkehr in Österreich bereits heute
Traktion im Verschub auf 50 Prozent bis14 zum %
Bahn
rund drei Millionen Tonnen CO2-Emissionen
173 pro Jahr.170,172,a
Neben der Fertigstellung Jahr 2030. Pkw-
des „Zielnetz 2025+“ 22 % Im internationalen
Sharing Vergleich hat Österreich ein
sind rasch erste Ent- Bahn als Rückgrat für die Mobilitätswende gut ausgebautes Schienennetz. Seit der Inbetrieb-
Verbesserungen der Werden direkte und indirekte Emissionen24 be- %
scheidungen für weitere Öffentlicher
nahme derVerkehr
S-Bahn(Stadt)
Oberösterreich im Dezem-
Bahninfrastruktur wie rücksichtigt, stößt ein Pkw mit Verbrennungsmo- ber 2016 verfügen alle größeren Ballungsräume
Kapazitätssteigerungen
oder Beschleunigungen tor im Schnitt 15-mal so viel CO2 pro Personen- 26 % Fahrrad Pro Person und Jahr werden
über eine S-Bahn.
zu treffen. kilometer aus wie die Bahn.170 Alleine dadurch, in Österreich rund 2.250 Kilometer mit Bahn,
Ausbaubedarf im Bahnnetz Österreichs
Ausbau von Straßenbahnen
14
Innsbruck: Fertigstellung Tram-/Regionalbahn 9
Gmunden: Verlängerung Laakirchen, Altmünster 15
Graz: Umsetzung beschlossener Projekte 4
Linz: Umsetzung zweite Schienenachse
Wien: Umsetzung beschlossener Verlängerungen und Neubauten
32
6 5 1
20
13
19 16
18
12 10 8
17
7 11
Strecke Maßnahmen
1 Südbahn Mödling – Wien Meidling Kapazitätssteigerung
2 Wien S-Bahn-Stammstrecke Kapazitätssteigerung (z.B. durch ETCS), Engpässe beheben (z.B. Ausbau Rennweg – Wien Mitte)
3 Wien Vorortelinie durchgängig zweigleisiger Ausbau, Verlängerung, Donauquerung
4 Mühlkreisbahn Durchbindung zum Hauptbahnhof Linz
5 St. Valentin – Steyr Kapazitätssteigerung
6 Mattigtalbahn Elektrifizierung und Modernisierung
7 Montafonerbahn Verlängerung
8 Pinkatalbahn Wiederaufnahme Personenverkehr Friedberg – Oberwart, Wiederinbetriebsetzung Oberwart – Szombathely
9 Franz-Josefs-Bahn Beschleunigung und Intervallverdichtung
10 Südbahn Bruck/Mur – Graz Kapazitätssteigerung für Bedarf neue Südstrecke
11 Arlbergbahn selektiver zweigleisiger Ausbau
Quelle: OpenRailwayMap113, VCÖ 2018182 Grafik: VCÖ 2018
12 S-Bahn FL.A.CH Ausbau und Intervallverdichtung
13 Innere Aspangbahn Modernisierung, Elektrifizierung, Intervallverdichtung, neue Halte
14 Laaer Ostbahn Wolkersdorf – Laa selektiver zweigleisiger Ausbau
15 Nordwestbahn Stockerau – Retz selektiver zweigleisiger Ausbau
16 Verbindung Wien – Eisenstadt Schleifen Ebenfurth und Wulkaprodersdorf
17 Murtalbahn Modernisierung, Intervallverdichtung
18 Pyhrnbahn Bosrucktunnel
19 Westbahn Köstendorf – Salzburg Beschleunigung, Kapazitätssteigerung
20 Ostbahn Entlastung durch Ausbau nach Bratislava über Flughafen Wien
Elektrifizierung aller Bahnstrecken durch Oberleitung oder neue Antriebskonzepte,
vorrangig zum Beispiel St. Pölten – Krems, Traisentalbahn, Innkreisbahn, Steirische OstbahnMobilität mit Zukunft 4/2018 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 11
Welche Maßnahmen Fachleute wichtig
U-Bahn oder Straßenbahn zurückgelegt, mehr
als doppelt so viele wie im EU-Durchschnitt.46 für den Öffentlichen Verkehr halten
Die mit der Bahn in Österreich zurückgelegten In einer Stakeholder-Befragung des VCÖ im Jahr 2018 sahen die mehr als
Personenkilometer sind vom Jahr 2010 bis zum
100 teilnehmenden Fachleute und entscheidungsverantwortlichen Personen
Jahr 2017 um rund 23 Prozent auf 12,7 Milliar-
die größte Bedeutung des Öffentlichen Verkehrs in der Lösung der Verkehrs
den Personenkilometer gestiegen. Setzen sich die
probleme in Städten und Ballungsräumen sowie in seiner Rolle für die Mobi-
durchschnittlichen Steigerungsraten dieser Zeit-
litätswende und Dekarbonisierung des Verkehrssystems.f
spanne fort, muss die Kapazität soweit ausgebaut
werden, dass im Jahr 2030 rund 48 Prozent mehr Für 64 Prozent der Befragten ist die Verbesserung des Kernangebots wich-
Personenkilometer mit der Bahn bewältigt wer- tiger als Zusatzangebote im Bereich Sharing oder Digitalisierung. Doch
den können.55,139 Mit städtischen öffentlichen etwa gleich viele sehen Städte und Verkehrsverbünde in der Pflicht, durch
Verkehrsmitteln wurden im Jahr 2017 mehr als ergänzende Angebote wie Sharing und nachfragebasierte Mobilitätsdienste
1,35 Milliarden Fahrten in Österreich getätigt.181 ein Gesamtsystem zu schaffen, das Mobilität ohne eigenes Auto ermöglicht.
Der Öffentliche Verkehr ist nicht nur wesent- Den besten Ansatzpunkt für die Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel
licher Baustein eines klimaverträglichen Ver- sehen 62 Prozent in Ballungsräumen. Als wichtigste Bereiche für den Öf-
kehrssystems, sondern auch ein wichtiger Wirt- fentlichen Verkehr wurden genannt: Die Sicherstellung der Finanzierung,
schaftsfaktor. Der Bruttowertschöpfungseffekt Ausbau der Infrastruktur insbesondere in Ballungsräumen, die erste und
der Bahnunternehmen, städtischen Schienenver- letzte Meile, Fahrgastinformation und Ticketing sowie gute Zusammenarbeit
kehrsmittel und der Bahnindustrie beträgt rund zwischen Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünden.
8,2 Milliarden Euro jährlich oder 2,6 Prozent der Im städtischen Nahverkehr sehen 73 Prozent die Bevorrangung an ampel-
Bruttowertschöpfung Österreichs. Rund 80.000
geregelten Kreuzungen als sehr wichtig an, gefolgt von Kapazitätssteige-
Personen sind direkt und indirekt im System
rungen und dichteren Intervallen mit 61 Prozent. Im Ballungsraum wird der
Bahn beschäftigt. Während im Jahr 2016 rund
Ausbau der S-Bahnen von 80 Prozent als zentral gesehen, gefolgt von der
zwei Milliarden Euro in die Bahn investiert wur-
besseren Verbindung von regionalem und städtischem Öffentlichen Verkehr
den, lag der Rückfluss an Steuerleistung der Bah-
nen bei 1,97 Milliarden Euro.46 Während private mit 67 Prozent. Die wichtigsten Maßnahmen für den Öffentlichen Verkehr in
Haushalte in Österreich durchschnittlich 23 Euro Kleinstädten und regionalen Zentren sind laut je drei Viertel der Befragten
pro Monat für den Öffentlichen Verkehr ausge- die bessere Abstimmung zwischen Bahn und Bus sowie bessere Anbindung
ben, sind es über 400 Euro für den Kfz-Verkehr. der Bahnhöfe. Im ländlichen Raum werden regionale Verkehrskonzepte
Ein gut ausgebauter und kostengünstiger Öf- und gemeindeübergreifende Kooperationen von 74 Prozent als sehr wichtig
fentlicher Verkehr entlastet daher Haushalte mit gesehen, gefolgt von Lage, Erreichbarkeit und Ausstattung von Haltestel-
geringem Einkommen.155 len mit 65 Prozent. Im Fernverkehr wurden von je rund 40 Prozent mehr
Im Ausbau der Bahninfrastruktur Österreichs Nachtzug-Verbindungen und mehr direkte Verbindungen als sehr wichtig
wird derzeit an der Umsetzung des „Zielnetzes angesehen.
2025+“ gearbeitet. Es soll die Basis für einen ös-
terreichweiten Taktfahrplan im Personenverkehr Durchbindung der Mühlkreisbahn zum Linzer
schaffen und unter anderem mit dem Ausbau Hauptbahnhof oder der Ausbau von Regional-
der Hauptverkehrsachsen die Marktposition der bahnen sein.
Schiene stärken.207 Der aktuelle Rahmenplan
für Investitionen und Instandhaltung von Ver- Pkw-Kilometer sind deutlich zu reduzieren
kehrsministerium und ÖBB-Infrastruktur deckt Im Jahr 2016 wurden in Österreich 80,5 Mil
Zeitpläne und Finanzierung für die Jahre 2018 liarden Personenkilometer mit dem Pkw gefah-
bis 2023 ab.23 Somit ist rasch mit der Planung ren.172 Aufgrund des niedrigen Besetzungsgrades
über das Jahr 2025 hinaus zu beginnen, etwa für von 115 Personen pro 100 Pkw sind das rund
ein „Zielnetz 2040“, das Maßnahmen für die not- 70 Milliarden Fahrzeugkilometer.170 Um die Kli-
wendige Verkehrsverlagerung von der Straße und maziele erreichen zu können, ist trotz Bevölke-
der Luft auf die Schiene definiert. Kernelemente rungswachstum eine deutliche Reduktion der mit
eines solchen Zielnetzes könnten beispielsweise Pkw gefahrenen Kilometer nötig.
der Ausbau und die Beschleunigung des Nade- Die Landesregierung Salzburgs hat im Oktober
löhrs zwischen Bruck an der Mur und Graz, die 2018 beschlossen, den Verkehrsproblemen mit12 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
beziehungsweise je besser die Pünktlichkeit der
Bahn eingeschätzt werden, desto eher werden
mehr Wege mit der Bahn zurückgelegt als noch
vor einem Jahr. Es zeigt sich, dass vor allem die
Wahrnehmung eines verbesserten Angebots der
Bahn oder öffentlicher Verkehrsmittel generell
die Befragten dazu bringt, nun viele, anstatt nur
mancher Wege mit der Bahn zurückzulegen.
Auch der nutzbaren Zeit in der Bahn wird ein
relevanter Einfluss zugesprochen.
Foto: ÖBB/ Harald Eisenberger
Beim Umstieg von der Bahn auf das Auto hat
die Beurteilung der Häufigkeit der Zugverbin-
dungen großen Einfluss. Die tiefergehende Ana-
lyse, warum nun viele anstatt nur manche Wege
mit dem Auto zurückgelegt werden, zeigt, dass
Um die Reisezeit in der einem Investitionspaket in den Öffentlichen Ver- die verschlechterte Erreichbarkeit des Bahnhofs
Bahn optimal nutzen zu kehr zu begegnen. Anstatt des straßenbaulichen der wichtigste Grund für den Umstieg ist. Neben
können, müssen unter-
schiedliche Bedürfnisse Großprojekts der Nordspange Salzburg wird die einem insgesamt schlechter eingeschätzten Bahn-
gedeckt sein: Entspan- Salzburger Lokalbahn abschnittsweise zweispurig angebot weisen eine schlechtere Qualität bezie-
nen, Essen und Trinken ausgebaut werden und eine Taktverdichtung auf hungsweise ein schlechterer Komfort der Bahn
oder auch Arbeiten.
Pkw
15 Minuten angestrebt. Zudem wird das Tarifsys- sowie eine längere Gesamtreisezeit als bisher
Verlagerung tem
von Autofahrten nach
reformiert, eine Jahresnetzkarte für das ge- signifikanten Einfluss auf.
Abmeldung Privat-Pkw und
samte Bundesland soll dann mit 595 Euro knapp
Umstieg auf Carsharing in Bremen
Pkw 4%
1.000 Euro weniger als bisher kosten.135 Reisezeit als nutzbare Zeit
58 Prozent der befragten Bahnfahrenden des
Gehen 10 %
Um die Attraktivität der öffentlichen Verkehrs-
VCÖ-Bahntest 2018 berichteten, dass sie im mittel zu heben, ist es wichtig, Reisezeit als
Gegensatz zu früher bereits Wege mit der Bahn
Bahn 14 %
sinnvoll nutzbare Zeit erlebbar zu machen. Die
statt mit dem Auto zurücklegen. 180 In einer Pkw-subjektiv empfundene Reisezeit weicht zum
Der Öffentliche Verkehr
wird für verschiedene weiterführenden Analyse erweisen sich die Ein- Sharing 22 %
Teil stark von der tatsächlichen Reisezeit ab. So
Zwecke genutzt. Rund schätzung der Qualität und des Komforts der Öffentlicher werden etwa eine Minute Umsteigezeit wie drei
die Hälfte der Schul-
und Ausbildungswege in Bahn im Allgemeinen sowie die Pünktlichkeit der Minuten Verkehr 24 %
(Stadt) Fahrtzeit und eine Minute Stehen im
Österreich werden damit Bahn im Speziellen als die relevanten Einfluss- Fahrzeug wie zwei bis drei Minuten Sitzen emp-
erledigt, Arbeitswege
hingegen großteils mit faktoren zugunsten des Bahnfahrens. Je besser
Fahrrad 26 %
funden.137 Im Zentrum dieser Diskussion stehen
dem Pkw. die Qualität und der Komfort des Bahnfahrens daher neben dicht getakteten und umsteigefreien
Verbindungen, Komfort und Ausstattung von
Öffentlicher Verkehr hat bei allen Wegzwecken Fahrzeugen und Haltestellen.
noch großes Potenzial Schon heute wird die Fahrt in Bahn oder Bus
von 40 Prozent der Pendelnden für berufliche
Aktivitäten genutzt, gerade auf langen Strecken
Anteil Verkehrsmittelwahl in Österreich in Prozent
70
Öffentlicher Verkehr
steht wiederum 68eine Erholungsfunktion der
60 Pkw lenkend
Fahrt im Vordergrund. Eine aktive Nutzung der
60 53
50 Reisezeit verlangt ein Raumzonenkonzept, das
49 41 indem et-
unterschiedliche Bedürfnisse abbildet,
40 47 45 wa separate Bereiche für Kommunikation, Ruhe
30
und Arbeiten gestaltet werden.72 Die Deutsche
30 Bahn hat im Jahr 2017 ein Demonstrationsmo-
Quelle: bmvit 201628 Grafik: VCÖ 2018
20 dell eines Multifunktionszugs vorgestellt. Beru-
20 hend auf einer Erhebung der Fahrgastwünsche,
10 14 12 beinhaltet der „Ideenzug“ beispielsweise Sport-
9 9
0 geräte, einen Fernsehraum, Schlafkabinen und
Schule und Arbeit private sonstige Einkaufen
Ausbildung Erledigungen FreizeitDeutschland Straßenbahn
Mobilität mit Zukunft 4/2018 Großbritannien und U-Bahn
Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 13
Spanien Bus und Reisebus
Niederlande
Portugal
0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500
Personenkilometer pro Person im Jahr 2016
rollende Büros. Bis zum Jahr 2030 sollen einige
dieser Ideen auch im regulären Bahnbetrieb um-
Österreich ist in Europa Spitzenreiter
gesetzt werden.42 bei Fahrten mit Bahn, Bim und Bus
Neue Technologien brauchen Zeit Österreich
Um die Dekarbonisierungsziele im Verkehr zu
Tschechien
erreichen, gilt es, zusätzlich zur Erhöhung des
Anteils von Öffentlichem Verkehr, Gehen und Schweiz
Radfahren, Bus und Bahn flächendeckend zu Irland
elektrifizieren.147 In der Klima- und Energie-
Ungarn
strategie der österreichischen Bundesregierung
ist das Ziel festgehalten, bis zum Jahr 2030 den Frankreich
Elektrifizierungsgrad der ÖBB-Strecken von der- Italien
zeit 73 Prozent auf 85 Prozent zu steigern. Das Bahn
Luxemburg Straßenbahn
Quelle: EC 201855 Grafik: VCÖ 2018
sind sechs Prozentpunkte mehr als durch bereits
und U-Bahn
beschlossene Maßnahmen elektrifiziert werden Schweden
Linien- und
sollen.22 Reisebus
Estland
Ein Wechsel der Antriebstechnologie im Öf-
fentlichen Verkehr erfordert langfristige Planung. 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500
Betriebsumstellungen, etwa Adaptierung vorhan- Personenkilometer pro Person im Jahr 2016
dener Werkstätten, erforderliche Weiterbildung
der Beschäftigten und Einstellen neuer Fachkräf- dem unter anderem die Beschaffung von E-Bus- In keinem anderen
te, das Einholen von Genehmigungen und die sen gefördert wird, gegenüber dem Jahr 2017 auf Land in Europa werden
mit Bahn, städtischem
Errichtung notwendiger Infrastruktur brauchen eine Milliarde Euro verdoppelt.39 Öffentlichen Verkehr und
Zeit. Aufgrund der langen Nutzungsdauer von Seit dem Jahr 2012 werden in Wien einzelne Bus pro Person so viele
Kilometer zurückgelegt
Fahrzeugen, etwa bei Bussen maximal zehn Strecken in der Innenstadt mit kleinen elektrisch wie in Österreich. In
bis zwölf Jahre, muss der Antriebswechsel bei betriebenen Bussen befahren. Ein eigens dafür der Schweiz wird zwar
Neufahrzeugen bis Mitte der 2030er-Jahre ab- entwickeltes Zwischenladungssystem sorgt dafür, mehr Bahn gefahren,
die Nutzung von Stra-
geschlossen sein.147,31 Zur Unterstützung dieser dass die Busse an der Endhaltestelle in wenigen ßenbahnen, der U-Bahn
Umstellung ist von der EU eine Änderung der Minuten aufgeladen werden.200 Ende des Jahres sowie Bussen ist aber in
Österreich höher.
„Clean Vehicles“-Richtlinie vorgesehen, die für 2018 sollen in Wien und Graz 12 Meter lange
das Jahr 2025 eine Mindestquote an emissions- E-Busse mit größerer Kapazität in Betrieb ge-
freien Fahrzeugen von 50 Prozent, für das Jahr hen.73 Darüber hinaus gibt es in Österreich noch
2030 eine Mindestquote von 75 Prozent bei der zwei O-Bus-Systeme in Salzburg und Linz.
öffentlichen Beschaffung von Straßenfahrzeugen Die Städte Hamburg und Berlin haben be-
vorsieht. Mit Stand Oktober 2018 ist der Be- schlossen, ab dem Jahr 2020 nur noch Busse mit
schluss noch ausständig.212 emissionsfreien Antrieben anzuschaffen. Eine
gemeinsame Beschaffungsinitiative mit den Ver-
Potenzial von Elektro-Bussen nutzen kehrsunternehmen weiterer Großstädte soll den
Elektro-Busse sind bereits in vielen EU-Staaten Busherstellern Anreize geben, serienreife Fahr-
im Einsatz, dennoch waren im Jahr 2017 le- zeuge zu entwickeln.71
diglich 1,6 Prozent der europäischen Busflotte Seit dem Jahr 2018 werden in Österreich
elektrisch.12 Als Grund für die zögerliche Um- E-Busse auch im regionalen Linienverkehr getes-
setzung werden die hohen Anschaffungskosten tet. In Kärnten fährt seit Herbst 2018 ein E-Bus
gegenüber Diesel-Bussen, geänderte Instandhal- auf der Strecke von Eberndorf nach Globasnitz,
tungsanforderungen und die noch beschränkte in Vorarlberg sollen im Dezember 2018 E-Busse
Reichweite genannt.141,142 Die Dekarbonisierung auf vier Strecken im Rheintal in Linienbetrieb
des Busnetzes bedarf dementsprechend Unter- gehen.115,195 Unterschiedliche Ladetechniken wie
stützung der Öffentlichen Hand. Die deutsche Depot-, Endstellen- oder Streckenladung führen
Bundesregierung hat im Jahr 2018 den Topf, aus zu unterschiedlichen Einsatzpotenzialen. Ins-14 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
besondere bei Verbindungen mit dichtem Takt
steigt die Wirtschaftlichkeit von Streckenladern Strukturen für langfristige Finanzierung nötig
durch bessere Auslastung der Oberleitungsinfra- Die Aufgabe, mit den verfügbaren Finanzmitteln
struktur.187 das bestmögliche Angebot zu schaffen, wird mit
dem Ziel der Dekarbonisierung des Mobilitäts-
Mehr Qualität durch Digitalisierung systems noch herausfordernder.82 In Österreich
Die Digitalisierung bietet dem Öffentlichen Ver- sind die bestehenden organisatorischen und
kehr zahlreiche Möglichkeiten, das Angebot zu finanziellen Strukturen im Öffentlichen Verkehr
verbessern. Vor allem im Vertrieb, beim Ticke- vergleichsweise komplex. Um Finanz- und Pla-
ting und der Bereitstellung von verkehrsmittel- nungssicherheit für eine Weiterentwicklung des
übergreifenden Echtzeit-Informationen können Öffentlichen Verkehrs zu gewährleisten, bedarf
Zugangsbarrieren reduziert und die Nutzungs- es dringend einer gemeinsamen Strategie von
freundlichkeit erhöht werden. Per App können Bund, Bundesländern und Gemeinden, damit die
Tickets aus einer Hand für die ganze Reisekette, Verfügbarkeit von Finanzmitteln nicht eine Frage
teilweise auch über Verbundgrenzen hinweg, des Verhandlungsgeschicks ist, sondern langfris-
gebucht und bezahlt werden. So können etwa tig verbindlich und transparent wird.108
mit der App von Fairtiq Reisende in der Schweiz Eine große Herausforderung ist die Planung
Tickets zum besten Preis unter Berücksichtigung und Finanzierung auch bei Projekten im Schie-
von Verbund- oder Bahn-Abos kaufen. Die nenverkehr, da zur Schaffung und Erweiterung
Bezahlung funktioniert nach dem „CIACO-Prin- eines attraktiven Angebots eine leistungsfähige,
Pkw
zip“
Verlagerung von(Check In –nach
Autofahrten Assisted Check Out), also dem aber kostenintensive Infrastruktur vorhanden
digitalen Einchecken
Abmeldung Privat-Pkw und
Umstieg auf Carsharing in Bremen
bei Fahrtantritt und Au- 4% sein muss. Der Schweizer Bund hält für die bis
Pkw
schecken bei Fahrtende.58 Im September 2018 zum Jahr 2035 angedachten Verbesserungen
wurde das „Post-Paid-Ticketing-System” unter 10 % Geld in einem Bahninfrastrukturfonds vor.146
Gehen
dem Namen „Fairtiq vmobil“ im Verkehrsver- Rund 200 Infrastrukturausbauten sollen ab dem
Die Nutzung des Öffent-
bund Vorarlberg gestartet. Durch die Nutzung 14 % Bahn
Jahr 2019 umgesetzt werden, wofür derzeit 11,5
lichen Verkehrs unter-
der App entfällt der Ticketkauf vor Fahrtantritt, Milliarden Schweizer Franken eingeplant sind.10
Pkw-
scheidet sich regional
stark. In Wien nutzen
sämtliche Fahrten eines Tages werden gesammelt 22 % In Österreich sieht der Rahmenplan 2018‑2023
Sharing
und im Nachhinein zum günstigsten verfügbaren des Verkehrsministeriums ein Budget von 13,9
rund 90 Prozent der Be-
völkerung ab 16 Jahren Preis abgerechnet.4,3 In Deutschland kündigte 24 % Öffentlicher
Milliarden
Verkehr (Stadt) Euro für den Ausbau der Schieneninf-
den Öffentlichen Ver- eine Initiative von Verkehrsverbünden und Ver- rastruktur vor.26
kehr, zwei Drittel sogar
mehrmals wöchentlich
kehrsunternehmen mit „mobilityinside“ ein ähn- Fahrrad 26 %
oder täglich. liches Projekt für das Jahr 2019 an.60
Rund zwei Drittel der Bevölkerung nutzen Mehr Angebot und
Öffentlichen Verkehr in Österreich häufig
100 hohe Qualität schaffen
91
täglich und mehrmals pro Woche • Öffentlichen Verkehr als Gesamtsystem begrei-
mehrmals pro Monat und seltener 68
fen und die potenziellen Fahrgäste schon mög-
24
Anteil der Bevölkerung ab 16 Jahre, die
80
Öffentlichen Verkehr nützt, in Prozent
66 62 62 lichst früh als solche abholen
53
58 57 56 • Die notwendigen Infrastrukturen, Kapazitäten
60
51 41 durch
und Angebote im Öffentlichen Verkehr
38 43 langfristige, strategische Planung ausbauen und
44 35 42 39 39 36
Quelle: Statistik Austria 2017158 Grafik: VCÖ 2018
40 67 durch transparente, übersichtliche Finanzie-
33
rungsstrukturen langfristig sichern
35 26
20 • Taktfahrplan ausweiten, ganzjährig häufigere
28 27 Verbindungen anbieten, auch am Wochenende
18 16 18 17 18
8 10 und am späteren Abend
0
• Die Möglichkeiten der Digitalisierung für leichte-
ien
g
g
ich
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ren Zugang zu Tickets und Informationen sowie
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Ös
Vo
Bu
St
er
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Vernetzung der Angebote nutzen
ed
Ob
NiFoto: ÖBB/ Philipp Horak Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 15
Bahnhöfe zu multifunktionalen
Mobilitätsknoten machen
Bahnhöfe und Haltestellen sind wichtige Glieder vieler Mobilitätsketten
und verbinden Weg-Etappen unterschiedlicher Mobilitätsformen. Design
und Organisation dieser öffentlichen Räume sind auf die Anforderungen
der unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer anzupassen.
In den Großstädten Österreichs können 95 ist dies nachteilhaft. Neben persönlicher Beaus-
Prozent aller Haushalte eine Haltestelle des Öf- kunftung und Fahrkartenverkauf, erhöht Personal
fentlichen Verkehrs in bis zu 15 Minuten zu Fuß auch das subjektive Sicherheitsgefühl und unter-
erreichen, drei Viertel sogar innerhalb von fünf bindet Vandalismus. Es ist dabei unerheblich, ob
Minuten. In peripheren Bezirken sind es nur 79 das Personal vom Verkehrsunternehmen gestellt
beziehungsweise 47 Prozent.28 Bahnhöfe sind wird. Bewährt hat sich beispielsweise die Ansied-
nicht nur Zughaltestellen, sondern auch wichtige lung von Geschäftslokalen in Bahnhofsgebäuden,
Schnittstellen zu Gehen, Radfahren und Sharing die die Agenden der Mobilität mitbetreuen.
Angeboten. Die Osttiroler Bezirkshauptstadt
Lienz hat ihren Bahnhof im Projekt „Mobilitäts- Bahnhöfe zu lebendigen Orten machen
zentrum für die Region“ neu konzipiert. Im Zu- Der öffentliche Raum steht allen gleichermaßen
ge des Projekts soll die Aufenthaltsqualität ver- zur Verfügung und muss unterschiedlichsten
bessert und eine Fahrrad- und Gehunterführung Bedürfnissen entsprechen. Besonders an Mobi-
zur besseren Anbindung an das Stadtzentrum litätsknoten wird dies sichtbar, wo Umsteigen,
sowie ein Angebot an E-Carsharing, Bikesharing Organisieren, Warten und Verweilen auf be-
und mietbaren E-Transporträdern umgesetzt schränktem Raum aufeinander treffen. Zusätzlich
werden.97 geht der Trend in Richtung Multifunktionalität
– etwa wenn Mobilitätsangebote mit Gewerbe
Bahnhöfe als identitätsstiftende Institution flächen kombiniert werden. Raumstrukturen
Bahnhöfe sind traditionellerweise neben dem haben wesentlichen Einfluss auf die Qualität und
Gemeindeamt, Kirchen oder sonstigen Gemein- Rahmenbedingungen für Mobilität.106 Um unter-
schaftseinrichtungen, wichtige Bezugspunkte in schiedlichen und sich verändernden Bedürfnissen
Gemeinden. Oft aufgrund von Rationalisierun- gerecht zu werden, muss bei der Planung eine
gen werden immer mehr Bahnhöfe ohne Perso- gewisse Flexibilität oder Modularität mitgedacht
nal vor Ort betrieben. Aus Nutzungsperspektive werden. Im Projekt „BahnhofsBox“ am BahnhofNiederlande
Portugal
16 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500
Personenkilometer pro Person im Jahr 2016
Fahrgäste sehen bei Wartebereichen
größten Verbesserungsbedarf
Erreichbarkeit mit Öffentlichem Verkehr
75 % (sehr)
14 % gut
70 % (sehr)
Bahnhof allgemein schlecht
11 %
65 %
Anzahl Fahrradabstellanlagen
15 %
Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie
54 %
28 %
Quelle: VCÖ 2018180 Grafik: VCÖ 2018
Allgemein ist die 50 %
Ausreichend Pkw-Parkplätze
Zufriedenheit mit den 30 %
Bahnhöfen in Öster-
reich hoch. Doch ein 42 %
Problembereich sind die komfortabler Wartebereich 30 %
Wartebereiche, die vie-
lerorts als ungenügend 0 10 20 30 40 50 60 70 80
und wenig komfortabel Zufriedenheit mit dem Einstiegsbahnhof in Prozent
erlebt werden.
in Stuttgart wird etwa seit dem Jahr 2017 ein Multifunktionalität verbessert Erreichbarkeit
Schließfachsystem für Lebensmittelabholungen Multifunktionale Mobilitätsknoten verbinden
erprobt, um Reisenden auch außerhalb der Ge- nicht nur entfernte Orte miteinander, sondern
Erreichbarkeit mit Öffentlichem Verkehr
schäftszeiten die Möglichkeit zu bieten, frische auch lokale Räume für Wohnen, Freizeit und
Lebensmittel zu beziehen.37 Arbeit. Eine gute fußläufige Anbindung und
Bahnhof allgemein
Integration von Mobilitätsknoten mit nahe gele-
Gestaltung für multifunktionale Nutzung genen Einkaufs- oder Gewerbegebieten reduziert
Sauberkeit, Sicherheitsgefühl, Radabstellanlagen
Materielle Infrastrukturen können als etwas ver- zudem den Kfz-Bedarf. In Kopenhagen wurde
standen werden, das non-verbal kommuniziert mit der Neugestaltung des Bahnhofs Nørreport
Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie
und Zwecke, Werte und Regeln andeutet.123 In in den Jahren 2011 bis 2014 ein attraktiver Mo-
multifunktionalen Mobilitätsknoten bewegen sich bilitätsknoten umgesetzt. Er bietet 10.500 Qua-
Menschen innerhalb und zwischen funktionalen dratmeter öffentlichen Multifunktionsraum mit
Bereichen, etwa zum Warten, Flanieren, Einkau- Sitzmöglichkeiten, Geschäften, Cafés und Restau-
fen oder in Servicebereichen zum Ticketkauf. rants sowie 2.500 Fahrrad-Parkplätzen. Die Pla-
Um Konfliktsituationen zu vermeiden, ist es nungsgrundlage für den Bahnhofsumbau stellte
wichtig, die Funktionen eines Bereichs unmiss- eine Studie dar, die die bevorzugten Routen der
verständlich deutlich zu machen. So soll zum Fußgängerinnen und Fußgänger untersuchte.32
Beispiel in Zonen, in denen Entscheidungen
getroffen werden müssen, wie dem Ticketschal- Bahnhöfe und
ter, nur die dazu benötigte Information bereit-
gestellt und der Raum ansonsten von möglichen Haltestellen aufwerten
Ablenkungen frei gehalten werden.167 Neben • Mobilitätsknoten multimodal und multifunktional
Ausstattung und Architektur kann beispielsweise ausbauen
auch die Beleuchtung eingesetzt werden, um re- • Gute Erreichbarkeit von Bahnhöfen mit regiona-
levante Informationen in bestimmten Bereichen
len Buslinien sicherstellen, wo möglich Buskno-
hervorzuheben.144 Auch die Digitalisierung bietet
ten an Bahnhöfen einrichten
diesbezüglich Möglichkeiten.86 In London wur-
• Hochwertige, direkte Fahrradverbindungen und
de etwa die App „Goodthings” entwickelt, die
Fußwege zu den Bahnhöfen schaffen
Fahrgäste mittels Anreizsystem dazu bewegen
soll, weniger ausgelastete Züge zu benutzen und • Mobilitätsangebote für die Strecke zum Bahnhof
dadurch die Bahnhofinfrastruktur zu entlasten.67 und von dort weiter ausbauen: Mikro-ÖV, private
Mitfahrgelegenheiten fördern, Carsharing- und
Leihradstationen, ausreichend viele wetter- und
diebstahlgeschützte RadabstellanlagenFoto: shutterstock_199347392 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 17
Öffentlicher Verkehr ist
Rückgrat urbaner Mobilität
Öffentlicher Verkehr ist nicht nur klimaverträglich, sondern auch
flächeneffizient, reduziert Belastungen durch Lärm und Luftschadstoffe
und gewährleistet barrierefreie Mobilität unabhängig von Fahrzeugbesitz.
Urbane Strukturen bieten beste Voraussetzungen für leistungsstarken
Öffentlichen Verkehr.
Mobilitätsstationen im Nahbereich des Öffentlichen Verkehrs
Einbindung in Apps für multimodalen Verkehr und Routenplane
Informations-Terminal über das Gesamtangebot des öffentlich
Verknüpfung zugänglichen Verkehrs
Der Anteil des Öffentlichen Verkehrs in Öster- Während in Wien 65 Prozent der Verkehrsflä-
Angebot stationäres Carsharing, Fixpunkte in Free-Floating
reichs Großstädten entspricht mit Ausnahme chen dem Kfz-Verkehr zur Verfügung
Carsharing stehen,
Systemen oder Standplätze für Mobilitätsdienstleistungen
Wiens nur dem Österreich-Durchschnitt. Das sind es für den Öffentlichen Verkehr, Gehen und für Fahrräder, E-Bikes, Transportfahrräder,
Sharing-Angebot
deutet auf ungenutztes Potenzial hin. Zusätz- 41
Radfahren lediglich 35 Prozent. Platz ist eine
Bikesharing Fahrradanhänger, etc.
E-Lade-
lich besteht aufgrund des prognostizierten stark begrenzte Ressource in verdichteten,
infrastruktur
urba- für E-Pkw und E-Bikes
Ladepunkte
Bevölkerungswachstums in den Großstädten und nen Räumen und vor allem in Städten
City-Logistikprioritär
Paketboxen oder Schließfächer zur Abholung von Zustellungen
deren Umland großer Bedarf für den Ausbau des klimaverträglichen und platzsparenden
Fahrrad- Mobili- Ein gutes Mobilitätsan-
Wettergeschützte Fahrradbügel oder Fahrradboxen
Abstellplätze gebot spiegelt sich in
Öffentlichen Verkehrs. Viele urbane Regionen in tätsformen zuzuteilen. Der Öffentliche VerkehrSitzgelegenheiten, den Nutzungszahlen
Reparaturservice wi-
und Werkzeug,
Zusätzliche
Österreich rechnen bis zum Jahr 2030 mit einem zeichnet sich durch eine hohe Flächeneffizienz
Angebote
der. Den höchsten
persönliche Mobilitätsberatung, öffentlicheAnteil
Toiletten,
Bevölkerungswachstum von rund 20 Prozent.210 aus: Um 150 Fahrgäste einer Straßenbahnoffener zu Bücherschrank, Internet-Zugang,
bei der Verkehrsmittel-etc.
wahl hat der Öffentliche
Derzeit wird dem Kfz-Verkehr viel mehr Platz befördern sind beim aktuellen Besetzungsgrad Anteil in Wien, gefolgt
eingeräumt als den übrigen Verkehrsmitteln. 130 Autos nötig. Eine Straßenbahn fährt zudem von Linz und Graz.
Angebot an Öffentlichem Verkehr in Österreichs Hauptstädten unterschiedlich
0 5 10 15 200,0 25 300,5 35 401,0 1,5 2,0
Wagennut-
Verfügbare Preis Jahresnetz- Fahrgastzahlen Anteil Verkehrsmittelwahl
Stadt zungskilometer Nachtangebot
Verkehrsmittel karte in Euro* in Millionen Öffentlicher Verkehr**
pro Jahr
Quelle: VCÖ 2018181, Städtebund 2018211 Grafik: VCÖ 2018
Wien U, S, B 150.100.000 ja 365 962 38
Linz S, B 9.133.000 ja (1) 285 112 24
Graz S, B 24.090.000 ja (2) 265 117 20
St. Pölten B 2.155.000 nein (3) 365 nicht verfügbar 17
Innsbruck S, B 6.229.000 ja 360 62 16
Bregenz B 486.000 nein 167 7 15
Anteil Energie in Prozent
Salzburg S, B 5.584.000 nein (4) erneuerbar 365 54 15
Klagenfurt B 2.900.000 nein nicht erneuerbar 450 20 10
Eisenstadt B nicht verfügbar nein 95 nicht verfügbar 2
*Annahme: Lokaler Hauptwohnsitz, **jeweils letztverfügbares Jahr, U = U-Bahn, S = Straßenbahn, B = Bus
(1) am Wochenende (Anrufsammeltaxi täglich), (2) am Wochenende, (3) jedoch Anrufsammeltaxi, (4) O-Bus am Wochenende bis 0.45 Uhr in Betrieb18 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr Mobilität mit Zukunft 4/2018
entfiel und der Takt wurde auf 7,5 Minuten
halbiert. Der zweite Abschnitt bis Traun wurde
im September 2016 eröffnet.74 Die Verlängerung
der Salzburger Lokalbahn nach Ostermiething
resultierte in etwa 100.000 zusätzlichen Fahr-
gästen pro Jahr.33 In Magdeburg in Deutschland
wurde Ende 2012 die Straßenbahn zur Leip-
ziger Chaussee um 3,5 Kilometer nach Süden
verlängert. Mittlerweile nutzen im gesamten
Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH
Erschließungsgebiet doppelt so viele Fahrgäste
die Straßenbahn wie die bisherigen Buslinien,
bei einer Fahrzeitverkürzung in die Innenstadt
von 14 Minuten.101 Die Tramlinie D verbindet
über die deutsch-französische Grenze die Städte
Straßburg und Kehl. Mit rund drei Millionen
wurden im ersten Betriebsjahr fast doppelt so
Seilbahnen als urbane bis zu 20 Stunden täglich, während ein Auto im viele Fahrgäste gezählt wie prognostiziert. Das
Verkehrsmittel sind dort Durchschnitt nur eine Stunde fährt. Im Fließ- sind um 127 Prozent mehr als die im April 2017
sinnvoll eingesetzt, wo
Hindernisse wie Hügel verkehr sind Straßenbahnen im Vergleich 12- bis eingestellte Buslinie transportierte.85
oder Flüsse zu überwin- 15-mal so flächeneffizient wie Pkw.205 In Wien wurden ein halbes Jahr nach Eröff-
den sind. In Südame-
rika, etwa in La Paz-El nung der U1-Verlängerung nach Oberlaa bis zu
Alto, gibt es mehrere Die Stadt auf Schiene bringen 80 Prozent mehr Fahrgäste in diesem Bereich ge-
erfolgreiche Beispiele. Gut ausgebaute Straßenbahnstrecken können bis zählt als zuvor mit der Linie 67 unterwegs waren.
zu 20.000 Personen pro Stunde befördern.196 Viele steigen von Bus oder Straßenbahn früher
Nach Inbetriebnahme neuer oder verlängerter in die U-Bahn um, aber auch im Bereich der
Straßenbahn- beziehungsweise Lokalbahn-Ver- bisherigen U1-Endstation Reumannplatz wurden
In Salzburg, Tirol und bindungen werden in der Regel hohe Fahr- rund fünf Prozent mehr Fahrgäste gezählt.150
Vorarlberg haben alle
Städte eine Bahnhalte- gastzuwächse registriert und oft die Prognosen
stelle, im Burgenland übertroffen. So konnte beispielsweise bei der Vom Auto in den Öffentlichen Verkehr
nur rund die Hälfte. Verlängerung der Linzer Straßenbahnlinie 3 nach Alleine in Wien überqueren stadteinwärts jeden
Wo ein Bahnanschluss
direkt nicht möglich Traun bereits im ersten Abschnitt bis Leonding Tag mehr als 500.000 Personen die Stadtgrenze –
ist, bedarf es guter An- die Zahl der Fahrgäste von rund 2,1 Millionen acht von zehn mit dem Pkw.44 Bei den Wegen in-
schlüsse an den hoch-
rangigen Öffentlichen im Busbetrieb auf jährlich 3,9 Millionen gestei- nerhalb der Stadt ist Wien allerdings international
Verkehr. gert werden. Das Umsteigen am Hauptbahnhof Vorbild beim Öffentlichen Verkehr. Im Jahr 2018
gibt es in Wien rund 790.000 Jahresnetzkarten
Jede fünfte Stadt in Österreich für den Öffentlichen Verkehr – und damit mehr
hat keinen Bahnanschluss als zugelassene Pkw. 38 Prozent der Alltagswege
werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefah-
Anzahl Stadtgemeinden (ohne Wien): 200 ren, nur 27 Prozent mit dem Auto.151,149
Städte mit Bahnhof: 163 Der verstärkte Umstieg vom Pkw Richtung
Öffentlicher Verkehr gelingt am besten durch
76 eine Kombination aus Push- und Pull-Maßnah-
men. Einnahmen von Push-Maßnahmen aus
56
dem Kfz-Verkehr können zur Verbesserung des
32 Angebots des Öffentlichen Verkehrs verwendet
28
werden.50,166 Ein Beispiel dafür ist die Parkraum-
Quelle: Juhász 201879 Grafik: VCÖ 2018
bewirtschaftung mit Zweckwidmung der Mehr
35 einnahmen für das Verkehrssystem, wie es etwa
32
5 5 1111 1111 13 in Wien seit dem Jahr 2007 der Fall ist.152
7 Eine Erhebung des Finanzierungsbedarfs an
17
13Mobilität mit Zukunft 4/2018 Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr 19
Urbane Seilbahnen als neue Lösung?
Investitionsmitteln des Öffentlichen Verkehrs für
einen Großteil der österreichischen Stadtregionen Seilbahnen können elektrisch und somit emissionsfrei und geräuscharm
ergab bis zum Jahr 2025 mindestens 9,4 Milliar- betrieben werden. Im Vergleich zu Straßenbahnen fallen meist niedrigere In-
den Euro für Infrastruktur sowie 0,7 Milliarden vestitions- und Betriebskosten an. In Südamerika gelten etwa seit dem Jahr
Euro für den Fuhrpark.107 Erfordernisse zur Er- 2000 die Seilbahnen in den Städten Medellín in Kolumbien, La Paz-El Alto
reichung der Klimaziele wurden dabei noch nicht in Bolivien oder Caracas in Venezuela als Erfolgsmodelle. Beispiele urbaner
erfasst, eine Modellschätzung aus dem Jahr 2018 Seilbahnen in Europa gibt es etwa seit dem Jahr 2011 in Koblenz oder für
geht hier von zusätzlichen 16 Milliarden Euro bis eher touristische Zwecke in London und Berlin. Für eine Seilbahn in Bonn
zum Jahr 2050 aus.83 zeigt eine Machbarkeitsstudie der Stadt positive Verkehrseffekte.148
In Österreich wurden und werden Ideen von städtischen Seilbahnen etwa
Strategische Planung für Öffentlichen Verkehr für Wien, Linz oder Graz diskutiert.104 Seilbahnen weisen systembedingt
Um die Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs Vor- und Nachteile als urbane Verkehrsmittel auf.92 Gut eignen sie sich für
langfristig zu erhöhen, sind die Entwicklung der
direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Die topografischen und städtebau-
Nachfrage und somit gesellschaftliche Trends,
lichen Verhältnisse in Österreichs Städten sprechen jedoch nicht für einen
etwa die zunehmende Flexibilisierung der klas-
großflächigen Einsatz. Für spezifische verkehrliche Herausforderungen
sischen Arbeitszeiten, zu berücksichtigen. Die
Siedlungsentwicklung ist mit dem Ausbau des können Seilbahnen sinnvoll sein, insbesondere wenn sie in den Öffentlichen
Öffentlichen Verkehrs abzustimmen. Freiburg im Verkehr integriert sind und ein bestehendes Liniennetz ergänzen statt erset-
Breisgau mit seinen 230.000 Bewohnerinnen und zen.95 Ein Beispiel dafür ist das Projekt der „Wälderbahn“ in Vorarlberg, die
Bewohnern gilt als Musterbeispiel für einen kon- den Bregenzerwald mit Dornbirn verbinden soll, um den Pkw-Pendelverkehr
sequenten Ausbau des Stadtbahnsystems in enger über den Losenpass zu reduzieren.43,118
Verzahnung mit der Siedlungsentwicklung. Bei-
spielsweise wurden die Stadtteile Rieselfeld und Direktverbindungen und kurze Umsteigezeiten
Vauban seit dem Jahr 1994 beziehungsweise 1998 Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Öffentli-
geplant und durch neue Stadtbahnlinien erschlos- chen Verkehrs sind zentrale Qualitätsmerkmale,
sen.61 Dass diese Maßnahmen greifen, zeigt ein die für seine Nutzung ausschlaggebend sein kön-
Blick auf die Entwicklung des Modal Splits in nen.1 In Städten ist die Bevorrangung gegenüber
Freiburg, wo der Anteil des Pkw-Verkehrs in den dem Kfz-Verkehr an kritischen Stellen dafür
Jahren 1999 bis 2016 von 32 Prozent auf 21 Pro- wesentlich. Diese kann klassisch durch getrennte Für bestimmte Ein-
satzzwecke weisen
zent gesunken, der Anteil von Gehen, Radfahren Fahrstreifen erfolgen, wie beispielsweise beim urbane Seilbahnsysteme
und Öffentlichem Verkehr im selben Zeitraum qualitativ hochwertigen Bussystem „Mettis“ im Vorteile zu Bussen und
Straßenbahnen auf,
von 68 Prozent auf 79 Prozent gestiegen ist.62 französischen Metz, oder durch Vorrangschal- haben jedoch auch zahl-
tungen an Ampelanlagen, sodass der Öffentliche reiche Nachteile.
Seilbahnen als gezielte Ergänzung des Öffentlichen Verkehrs einsetzbar
Vorteile Nachteile
Einfache Überwindung von Barrieren. Gut geeignet, um topografische In bebautem Gebiet sind breite Korridore oder die Führung in sehr großer
Hindernisse (z.B. Hügel, Fluss) zu überwinden Höhe notwendig
Geringe Wartezeiten durch kontinuierliche Beförderung Erschließung der 3. Dimension führt zu höherem Aufwand für
Barrierefreiheit
Auf kurze Distanzen bis etwa 7 Kilometer ähnlich kurze Reisezeit wie Beeinträchtigung der Wohnqualität und Privatsphäre entlang der Strecke
bei Straßenbahn oder Bus
Beförderungskapazität von etwa 3.000 bis 4.000 Personen pro Stunde Großer technischer und finanzieller Aufwand für Stationen, daher große
entspricht Straßenbahn mit Fünf-Minuten-Takt Abstände zwischen Stationen und im Vergleich zu Straßenbahnen
schlechte Erschließungswirkung
Stationärer, elektrischer Antrieb und daher niedrige Richtungsänderungen nur mit großem technischen Aufwand und hohem
Luftschadstoff- und Lärm-Emissionen Platzbedarf möglich
Quelle: Preslmayr 2018122 Grafik: VCÖ 2018
Unabhängig vom Kfz-Verkehr Witterungsabhängigkeit - Wind kann zu Ausfällen führen. Technische
Lösungen (z.B. 3-Seil-Bahnen) sind rund 3 bis 4 Mal so teuer, wie
Einseilumlaufbahnen
Bei Einseil-Umlaufbahnen relativ niedrige Investitions- und Wartungsarbeiten erfordern Abschaltung des gesamten Systems. Bedarf
Betriebskosten im Vergleich zu Straßenbahnen von Ersatzverkehr entsteht
Geringe Flexibilität für Systemerweiterungen, zum Beispiel
Streckenverlängerung oder zusätzliche Stationen
Bei bestehenden Systemen in der Regel keine Integration in
Verkehrsverbünde, dadurch Zusatzkosten für FahrgästeSie können auch lesen