Peter Ritter von Tunner 1809-1897 Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild

Die Seite wird erstellt Jannis Vogt
 
WEITER LESEN
Peter Ritter von Tunner 1809-1897 Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild
Peter Ritter von Tunner 1809—1897
       Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild
                                             Hans Jörg KÖSTLER

HERKUNFT UND AUSBILDUNG                                   den Peter Tunner d. J. als nun fünfzehnjähriger
                                                          Knabe - nach Schulbesuch in Piber (bei Köflach) und
     Bergbau und H ochofen in Salla am Ostabhang          in Graz - von Anfang an mitverfolgen konnte. Der
der Stubalpe sowie das Hammerwerk im benachbar­           junge Tunner hielt sich aber nicht nur in Turrach auf,
ten Obergraden bei Köflach im späteren weststeiri­        sondern arbeitete auch in anderen Schwarzenbergi-
schen Kohlenrevier w aren seit 1809 Eigentum von
Peter Tunner d. Ä., dem sein Stiefvater Sebastian
Kliegel die genannten Anlagen übergeben hatte; es
steht daher außer Zweifel, daß der am 10. Mai dessel­
ben Jahres in Deutschfeistritz (nördlich von Graz)
geborene Peter Tunner d. J. als Sohn des nunmehri­
gen Eigentümers Erschmelzung und Verarbeitung
von Eisen schon als Kind kennengelernt hat. Die
W erke in Salla und in Obergraden gingen auf Joseph
und Matthäus (III) Tunner zurück, deren Vater Mat­
thäus (II) - der Großvater von Peter Tunner d. Ä. - im
Jahre 1763 nach Deutschfeistritz geheiratet hatte;
durch diese Ehe wurde er auch Miteigentümer eines
Hammerwerkes der alteingesessenen Gewerkenfa­
milie Großauer. Matthäus (II), ein gelernter Nagel­
schmied, stammte aus Neuhaus bei Trautenfels im
steirischen Ennstal, w o sein Vater Matthäus (I) eben ­
falls als Nagelschmied tätig gew esen war.
     Die schlechte Wirtschaftslage im österreichischen
Kaiserstaat bei Übernahme des Kliegel’schen bzw.
früher Tunner’schen Montanbesitzes durch Peter
Tunner d. Ä. (Bild 1) und technische Problem e mit
dem H ochofen in Salla führten 1823 zu Konkurs und
Verlust des bereits angeschlagenen Betriebes. Trotz­
dem genoß der gescheiterte G ewerke in Fachkreisen
den besten Ruf, so daß ihm das Fürst Schwarzenber-
gische Oberverwesamt Murau noch 1823 die Leitung
von Bergbau und H ochofen in Turrach anvertraute.
Die Familie Tunner übersiedelte daher in das vom
fürstlichen Eisenwerk geprägte Turrach, und schon
                                                          Bild 1: Peter Tunner d. Ä., um 1840. Ölgemälde von Jo se f Ernst
im nächsten Jahre begann unter Verw eser Tunner                   Tunner im Besitz von Kommerzialrat Herbert Tunner in
d. Ä. der (längst fällige) H ochofenneubau (Bild 2),              Köflach.
Peter Ritter von Tunner 1809-1897 Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild
Bild 2: Hochofen in Turrach um 1830; erbaut 1 8 2 4 - 26 von Peter Tunner d. Ä. und 1838 von Peter
                      Tunner d. J. mit einem Winderhitzer ausgestattet. Reproduktion eines verschollenen
                      Aquarells                                             F o l o in d e n S c h w a r z e n b e r g is c h e n A r c h iv e n in M u ia u

schen Frischhütten, um ein möglichst umfassendes                                      Erzherzog Johann um die Besetzung einer Professur
Wissen vor allem in der Stahlerzeugung zu erwer­                                      für Berg- und Hüttenkunde an der in Vordernberg zu
ben. Schon 1827 vermochte der kaum achtzehnjäh­                                       schaffenden Montanlehranstalt, worüber P. W. Roth
rige Tunner beim Eisenwerk der Gebrüder von                                           im Beitrag „150 Jahre Montanuniversität Leoben“
Rosthorn in Frantschach (Kärnten) eine neue Frisch­                                   ausführlich berichtet. Tunner erhielt sein Ernennungs­
methode einzuführen. Als Dank für diese erfolgrei­                                    dekret am 15. Mai 1835 und konnte dank der Groß­
che Tätigkeit ermöglichten ihm die Gebrüder von                                       zügigkeit von Johann Adolf II Fürsten zu Schwarzen­
Rosthorn das Studium am Wiener Polytechnischen                                        berg schon Ende Ju ni 1835 aus dessen Diensten
Institut (1828-1830), das Tunner mit besten Zensu­                                    scheiden, um sich ausschließlich den Vorbereitun­
ren absolvierte.                                                                      gen auf sein Lehramt zu widmen.
     Nach zweijähriger Praxis in Salzburger und Tiro­                                      Zunächst galt es für Tunner, Stand und Entwick­
ler Eisenwerken sowie in Neuberg a.d. Mürz (Steier­                                   lung der Hüttentechnik - vor allem des Eisenwesens
mark) übernahm Tunner die Leitung des Schwarzen­                                      - in allen europäischen Industrieländern kennenzu­
bergischen Hammerwerkes in Katsch (bei Murau).                                        lernen, nachdem der junge Professor sofort nach
Seine auch dort vorbildliche Arbeit blieb nicht ver­                                  seiner Berufung alle bedeutenden Eisenwerke in
borgen, denn mehrere Praktikanten - darunter auch                                     Kärnten und in der Steiermark besucht hatte. Tunner
ein Absolvent der Bergakademie Schemnitz - erw ei­                                    unternahm seine erste Studienreise von Oktober
terten bei Tunner ihre Kenntnisse, und schließlich                                    1835 bis Dezem ber 1837; sie führte ihn nach Mähren,
wurde sogar Erzherzog Johann auf den jungen Ver­                                      Preußisch-Schlesien (z.B. Königshütte und Gleiwitz),
weser der Katscher Frischhütte aufmerksam. Zu                                         Böhm en (Pribram), Sachsen (Bergakadem ie Frei­
Beginn der dreißiger Jahre bem ühte sich nämlich                                      berg), Preußen, Schweden (Bergschule in Falun),
Peter Ritter von Tunner 1809-1897 Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild
Auftragsgemäß und wohl ebenso aus eigenem
                                                                   Antrieb brachte Tunner von seinen Studienreisen
                                                                   eine Vielzahl von Notizen, Zeichnungen und Pro­
                                                                   dukten mit. Als gleich wertvolle Frucht gelten sechs
                                                                   Druckschriften, die Tunner in den Jahren 1838/40
                                                                   veröffentlichte und mit denen er die heim ische Ei­
                                                                   senindustrie auf wichtige Fortschritte hinwies:
                                                                       >- Über Anwendung der erhitzten Gebläseluft
                                                                           im Eisenhüttenwesen. W ien 1838;
                                                                       >■ Über den gegenwärtigen Stand des Puddel-
                                                                           frischprozesses und dessen Verhalten zur in­
                                                                           nerösterreichischen Herdfrischerei. W ien
                                                                           1838 ;
                                                                        >- Über Rails- (Eisenbahnschienen) Fabrikation.
                                                                            W ien 1838;
                                                                        >■ Beiträge zur Untersuchung der m öglichen
                                                                            und zweckmäßigen Verbesserungen und Ab­
                                                                            änderungen der innerösterreichischen Herd­
                                                                            frischerei. Graz 1839;
                                                                        >- Die Walzwerke als Stellvertreter der Häm­
                                                                            mer. Graz 1839;
                                                                        >- Über Zustellung und Windführung beim Ge-
                                                                            brauche erhitzter Gebläseluft, vorzugsweise
                                                                            für jene Eisenhochöfen, w elche zur Verfri-
                                                                            schung bestimmtes Roheisen produciren.
                                                                            Graz 1840.
                                                                        D iese Publikationen erschienen zu einer Zeit,
Bild 3: Peter Tunner d. J., um 1840. Ölgemälde von Jo se f Ernst
                                                                   als beim Steirischen Erzberg einige H ochöfen bereits
        Tunner im Besitz von Kommerzialrat Herbert Tunner in
        Köflach.                                                   modernisiert w aren und Puddelverfahren sowie
                                                                   Schienenwalzen langsam Platz griffen, d.h. in einer
England (Sheffield, Birmingham, Cornwall und                       Phase langsam en Aufschwunges, der Tunners Anre­
Swansea), Belgien, Frankreich und Württemberg.                     gungen und Vergleiche mit ausländischen Vorgän­
B ei der zweiten Reise (April - Juli 1838) besichtigte er          gen aber durchaus noch bedurfte. Als erfahrener
Berg- und Hüttenwerke in Ungarn (Slowakei), wovon                  Fachmann warnt er jedoch vor überhasteten Maß­
Schemnitz, Neusohl, Herrengrund und Schmölnitz                     nahmen; so tritt er als Befürworter des Puddelverfah-
genannt seien; die dritte Studienreise (August - Ok­               rens auf, doch sollte der Puddelstahl dem Frisch­
tober 1838) umfaßte Oberitalien (Mailand und Bres­                 herdstahl qualitativ mindestens gleichwertig sein,
cia), Tirol (Jenbach, Pillersee und Kössen), Südost­               um den Ruf steirischer Hütten nicht zu gefährden.
bayern (Bergen und Achthal), Salzburg (Flachau und                 Tunner war sich im klaren, daß Walzwerke die
W erfen) und einige steirische Eisenwerke (Liezen                  Hämmer in vielen Bereichen ablösen werden - aber
und Rottenmann). D er nun neunundzwanzigjährige                    er sieht derzeit noch eine Gefahr in mangelhafter
Tunner (Bild 3) hatte sich durch diese Reisen eine                 Verschweißung des gewalzten Puddel- oder Frisch-
Gesamtschau des europäischen M ontanwesens er­                     herdstahles.
worben, wie sie auch heute nur die w enigsten Fach­                     Bedingungslos forderte Tunner jedoch die 1831/
leute vorweisen können.                                            32 entwickelte Winderhitzung durch Gicht- bzw.
Peter Ritter von Tunner 1809-1897 Ein eisenhüttenmännisches Lebensbild
Rauchgas für alle metallurgischen Öfen und geht in                      das Beschreiben von Anlagen und Verfahren be­
der Steiermark sogar mit gutem Beispiel voran: „Die                     schränken, sondern auch kritische Passagen enthal­
E in fü h ru n g d es erh itzten W indes b e i d e n E is en h o ch ­   ten, brachten diese Stellungnahmen dem jeweiligen
ö fe n w a r e in e r m e in er ersten E in g riffe in d ie P rax is    Werkseigentümer mitunter nennenswerte Vorteile.
u n serer in n erösterreich isch en E isenin du strie, in d em
ich m ich im J a h r e 1 8 3 8 a n d e r E in fü h ru n g d ersel­
b en z u T u rrach beteiligte ‘. Ebenfalls auf Betreiben                DIE ERSTEN JAHRE IN LEOBEN
Tunners stattete die Vordernberger Radmeister-
Communität ihren H ochofen 1841 mit einem Wind­                         ZEMENTSTAHL - PUDDELSTAHL - ROHEISEN
erhitzer aus.
                                                                             Rege Publikationstätigkeit und vor allem mehre­
                                                                        re Initiativen bei Übernahm e neuer metallurgischer
DIE VORDERNBERGER ZEIT                                                  Verfahren durch steirische Eisenwerke kennzeich­
                                                                        nen die anderthalb Jahrzehnte nach Verlegung der
     An der im November 1840 eröffneten Montan­                         Lehranstalt von Vordernberg nach Leoben (1849).
lehranstalt in Vordernberg unterrichtete Tunner                         Am Beginn dieses von Tunner getragenen Technolo­
sowohl das Bergbaufach als auch das Hüttenfach.                         gietransfers steht die Einführung der Zementstahl­
Trotz bergmännischer Publikationen in seinen Vor­                       produktion in der Hütte Eibiswald (Steiermark), die
dernberger Jahrbüchern und beispielhafter Exkur­                        sodann anderen Stahlwerken als Vorbild diente.
sionen im jew eiligen Bergkurs widmete sich Tunner                      Namentlich schw edischer Zementstahl drängte seit
zusehends mehr der Eisenhüttenkunde, w ie dies in                       den vierziger Jah ren auf den österreichischen Markt,
den umfangreichen Berichten über Schienenw al­                          weil die heim ischen Frischhütten weder qualitativ
zung (1842) und Vergasung von Braunkohle für                            noch preislich mithalten konnten. Der durch Auf­
Puddelöfen (1842) sowie schließlich im „Wohlunter­                      kohlen w eichen Stahles gew onnene Zementstahl
richteten Hammermeister“ zum Ausdruck kommt.                            bildete das optimale Ausgangsprodukt für Tiegel­
     Diese „Gemeinfaßliche Darstellung der Stab­                        gußstahl und Gärbstahl, die insbesondere zu hoch­
eisen- und Stahlbereitung in Frischherden“, die 1846                    beanspruchten W erkzeugen verarbeitet wurden. Als
als erste (Graz) und 1858 in wesentlich erweiterter                     Beispiel für diesen Fertigungsweg seien die Zement­
zweiter Auflage (Freiberg/Sachsen) erschien, wollte                     stahlerzeugung in Donawitz und die anschließende
keine theoretische Abhandlung, sondern eher eine                        Umschmelzung zu Tiegelstahl in der Gußstahlhütte
Anleitung für den Frischer am Herd sein und in erster                   Kapfenberg genannt.
Linie der „Beförderung und Unterstützung von Indu­                           Ähnliche Erfolge w aren Tunner in Neuberg bei
strie und G ew erbe“ dienen.                                            Herstellung hochgekohlten Puddelstahls beschie-
     Aus eigener Erfahrung kannte Tunner den Wert                       den, den man zu sog. Tyres (verschleißfesten Eisen­
von Studienreisen und Exkursionen; es war daher                         bahnradreifen) und zu Schienenköpfen auswalzte.
selbstverständlich, eine jährliche „Hauptexkursion“                     Damit hatten sich der Fabrikation von Verbund­
in das Studienprogramm der Montanlehranstalt auf­                       schienen (bisher w eicher Puddelstahl als Fuß und
zunehmen. Die w ochenlangen Lehrfahrten - die                           Steg sow ie - teurer - hochgekohlter Frischherdstahl
erste fand 1841 statt - stellten an Professor und                       als Kopf) neue, sofort genutzte Möglichkeiten er­
Studenten enorm e physische und geistige Ansprü­                        schlossen, deren Bedeutung in einer Zeit ausge­
che, denn anhand von Mitschriften und Diskussio­                        dehnter Eisenbahnbauten nicht hoch genug einzu­
nen mußten alle Teilnehm er detaillierte Berichte                       schätzen war. Ebenfalls in den fünfziger Jahren
abliefern, die Tunner bzw. später auch seine Mitar­                     widmete sich Tunner Brennstoff- und Energiefra­
beiter genau kontrollierten und teilweise veröffent­                    gen. So empfahl er 1852 Versuche zur Verwendung
lichten. Da sich fast alle Exkursionsberichte nicht auf                 von roher und verkokter Braunkohle in Hochöfen,
den Schrift „Die Zukunft des österreichischen Eisen­
                                                                w esens“ (1869) dokumentiert hatte (Bild 4).

                                                                DAS BESSEMERVERFAHREN

                                                                       Der Herausgeber der „Österreichischen Zeit­
                                                                schrift für Berg- und Hüttenwesen“, Otto Freiherr v.
                                                                Hingenau, erwarb sich durch Veröffentlichung aller
                                                                ihm zugänglichen Nachrichten über eine von Henry
                                                                Bessem er am 13. August 1856 vorgestellte Frischm e­
                                                                thode größte Verdienste um die Kenntnis des -
                                                                später so bezeichneten - Bessem erverfahrens in
                                                                Österreich. Schon am 6. O ktober 1856 berichtete O.
                                                                Hingenau erstmals über Bessem ers Erfindung, und
                                                                wenige W ochen später brachte er einen Beitrag mit
                                                                dem programmatischen Titel „Bessemer’s Fabrika­
                                                                tion von Stabeisen und Stahl aus flüssigem Roheisen
                                                                ohne Anwendung von Brennm aterial“. Im Berg- und
                                                                Hüttenmännischen Jahrbuch für 1857 äußerte erst­
                                                                mals Tunner seine grundsätzliche Ansicht über das
                                                                neue Windfrischverfahren, d e n n                    d a s m eiste In ter­
                                                                 esse u n ter a llen R efo rm en u n d V erbesserun gen d e r
                                                                Je tz tz e it bietet u nstreitig B essem ers F a b r ik a tio n von
                                                                 S tabeisen u n d S tahl. ... M ag im m erh in d ie p r a k tis c h e
                                                                D u rch fü h ru n g von d e r H a n d scheitern , ... s o ist
                                                                 h ierm it d o c h e in e völlig n e u e T atsach e konstatiert,
                                                                 d ie n äm lich , d a ß d e r K o h len g eh a lt im E isen selbst
                                                                 a ls B r e n n m a te r ia l d ie n e n k a n n . D iese S a c h e ist so
Bild 4: Titelblatt der Veröffentlichung von Peter Tunner über    neu, d a ß d e r F a c h m a n n im ersten A u g en b lick e
        die Zukunft des österreichischen Eisenwesens, Wien      stu tzen u n d sich f r a g e n m u ß, ist es w irklich m öglich?
        1869.
                                                                N a ch sorg fältig er P rü fu n g a lle r d a r a u f B e z u g n e h ­
                                                                 m e n d e n E rsch ein u n g en in d e n bish erig en H ü tten ­
weil die Versorgung alpenländischer Roheisenpro­                p r o z e ss e n m u ß m in d esten s d ie M ög lich keit z u g e ­
duzenten mit guter und kostengünstiger Holzkohle                 s ta n d en w erd en ; d a h e r d ie a u s E n g la n d g em e ld e te n
immer größere Schwierigkeiten bereitete.                         T atsach en u m so w en ig er b ez w eifelt w erd en d ü rfen .
     Natürlich wertete Tunner die Braunkohle im                 Es k a n n n ic h t b efrem d en , w en n B essem ers P r o z e ß in
H ochofen nur als Notlösung bis zum Bau von Eisen­               d e r P ra x is n o c h a u f a llerlei S ch w ierig keiten stößt,
bahnen, die Koks bzw. verkokbare Kohle zu steiri­                d e n n n a c h 1 - 2 V ersu chsjahren k a n n e in G eg en ­
schen und kärntnerischen Hochöfen bringen soll­                  s ta n d d e r Art w o h l n ic h t z u r völligen R eife g e b r a c h t
ten. Dieser Tunner’sche Plan kam 1869/74 in Prävali,             w erd en . D a ß h ier d u rc h a b e r f r ü h e r o d e r s p ä te r e in e
Zeltweg und Schwechat sowie zwei Jahrzehnte später              g r o ß e R eform in d e r P rax is d es E isen frisch w esen s
in Donawitz zur Ausführung, womit sich auch in                   h e rb eig efü h rt wird, b ez w eifle ich n ic h t “.
Österreich das Koksroheisen durchsetzte, w ie dies                      Obw ohl Tunner die beiden Roheisenbegleitele­
Tunner bereits seit langem unter gewissen Voraus­               m ente Silizium und Mangan als Wärmeträger nicht
setzungen verlangt und z.B. in seiner herausfordern­            erwähnt, schätzte er das Windfrischen als neuen
W eg der Stahlmetallurgie richtig ein, und dement­ 1864) und Neuberg (Februar 1865) anwesend war,
sprechend gestaltete sich sein Engagement für das nachdem man ihm die Leitung des jew eiligen Ver­
„Bessemern“ schon zu einer Zeit, als L. Gruner, ein suchsbetriebes und der ersten Chargen anvertraut
französischer Fachkollege, schrieb: „Man k a n n d a h e r hatte. Ohne Können und Erfolg der Stahlwerks­
a p r io r i beh au p ten , d a ß d u rch d e n B es s e m e r ’s ch e n m annschaften im m indesten zu schmälern, gilt es
P r o z e ß a u s g e w ö h n lic h e m R oh eisen n ie m a ls g u te dabei als unbestrittene Tatsache, daß die meisten
P ro d u k te erzeu g t w erd en k ö n n en                              österreichischen Bessem erhütten ohne Tunner nicht
      Offenbar verlagerte sich der Schwerpunkt in innerhalb kürzester Zeit zu reibungsloser Produk­
Forschung und Anwendung des Windfrischens bald tion gelangt wären.
nach Schweden, wo 1858 die erste Charge Wind­                                Bedauerlicherw eise stand den Erfolgen im Bes­
frischstahl in einem feststehenden Konverter erbla- semerverfahren ein deprimierender Eingriff in die
sen wurde. Tunner verfolgte die Entwicklung in Studienordnung der Leobener Bergakadem ie ge­
Schweden - wie seine diesbezüglichen, damals genüber: die Aufhebung des seit 1852 bestehenden
äußerst aktuellen Publikationen belegen - genau Vorbereitungskurses im Jahre 1866. Tunner überließ
und objektiv, so daß er im August 1859 einen bedeut­ daraufhin mit Beginn des Studienjahres 1866/67 die
samen Schluß zu ziehen vermochte:                                        Vorlesungen über Eisenhüttenkunde seinem Nach­
       „Der G eg en stan d (d .h . d a s B essem erv erfa h ren ) folger Franz Kupelwieser und wirkte nun ohne
ist m ein es E rach ten s f ü r Ö sterreichs E isen w esen von Lehrverpflichtung bis 1874 als Bergakademie-Direk­
so g r o ß e r W ichtigkeit, d a ß ich d u rch d ie v orlieg en d e tor. Diese Maßnahme bedeutete für Tunner aber
 V eröffen tlichu n g (ü b e r Fortschritte in S ch w ed en ) keinesw egs eine Abkehr vom Eisenwesen, dem er
e in e P flich t f ü r d a s V aterlan d z u erfü llen g la u b e, nach wie vor engstens verbunden blieb.
u n d d ieserw eg en seh n lich st w ü n sche, d a ß u n sere
H o c h o fe n b e s itz e r es n u n m e h r g le ic h fa lls a ls d ie
P flich t an seh en , d e n selb en en d lic h in A n g r iff z u SIEMENS-MARTIN- UND THOMASVERFAHREN
n e h m e n “.
      Die Bem ühungen Tunners, in Österreich das                             Im „Denkbuch des österreichischen Berg- und
„Flußstahl-Zeitalter“ einzuleiten, fielen dank seiner Hüttenwesens“ anläßlich der W iener Weltausstel­
profunden Stellungnahmen auf fruchtbaren Boden. lung 1873 brachte der Tunner’sche Beitrag „Das
In den Jahren 1861/63 begann man nämlich bei den Eisen-, Berg- und Hüttenwesen der Alpenländer“
Eisenwerken in Turrach (Bild 5), Neuberg, Heft (Kärn­ einen aufschlußreichen Überblick über diesen Wirt­
ten) und Graz mit dem Bau von Bessem erstahlwer­ schaftszweig. Nach Erörterung des Frischherdstah­
ken, w obei allerdings (auch bei Tunner) Unklarheit les, dessen Bedeutung gegenüber Tiegel- und Besse­
herrschte, ob dem feststehenden „Schwedischen“ merstahl bereits stark gesunken war, und des Pud-
oder dem kippbaren „Englischen“ Konverter der delstahles geht Tunner auf den Siemens-Martin-Stahl
Vorzug zu geben sei. (Seit 1869 gab es in Österreich ein; in Österreich gab es zu Beginn der siebziger
nur noch kippbare Frischgefäße, d.h. Konverter im Jahre drei „Martinhütten“, nämlich in Wien-Florids­
heutigen Sinne).                                                         dorf, Neuberg und Graz, wovon erstere nicht mehr
      Es ist nicht möglich, hier auf alle Leistungen produzierte und die beiden anderen mit je einem
Tunners und des verantwortlichen Personals bei Ofen schm olzen. Im Gegensatz zum Bessem erver­
Inbetriebnahme oben genannter Stahlwerke einzu­ fahren beurteilte Tunner den Siemens-Martin-Pro-
gehen; expressis verbis sei hervorgehoben, daß sich zeß lange sehr zurückhaltend und trat in dessen
der allseits geschätzte Eisenhüttenmann Tunner nicht Anfangszeit mit nur einer einzigen diesbezüglichen
auf unverbindliche Ratschläge par distance eingelas­ Publikation hervor. Erst im „Denkbuch“ nimmt er
sen hat, sondern bei den ersten Bessem erchargen in zum neuen Herdofenverfahren Stellung: „Übrigens
Turrach (O ktober und November 1863), Heft (Juni ist d a s P ro d u k t d es M artin prozesses w e d e r d u rch

7 66
Bild 5: Bessemerstahlwerk in Turrach (Grundriß); rechts oben: Konverter zwischen zwei Kupolöfen. Aus­
                    schnitt aus dem mit 20. Juni 1863 datierten Plan Nr. 270/p2 in den Schwarzenbergischen Archiven in
                    Murau.

G leich artig k eit n o ch d u rc h V erläß lich keit ... o d e r       Acht Jahre danach - 1879 - stellte Sidney Gilchrist
d u r c h B illig keit d e r M an ip u lation skosten irg en d w ie     Thomas sein Entphosphorungsverfahren zur Stahl­
im Vorteil g e g e n ü b e r d em B es sem erp ro z eß “-, er räumt     erzeugung im „basischen Bessem erkonverter“ vor.
aber abschließend auch dem Siemens-Martin-Ver­                          Damit hatten phosphorreiche, bisher kaum brauch­
fahren einen Aufschwung ein, sobald man dem bis­                        bare Eisenerze schlagartig an Bedeutung gewonnen,
lang großen Verschleiß des feuerfesten Materials                        und es stand mit Recht eine höchst nachteilige Aus­
begegnen kann. Im Jahre 1880 jedenfalls beurteilte                      wirkung auf das alpenländische Eisenw esen zu b e ­
Tunner das „Martinieren“ als Prozeß „von größter                        fürchten, dessen Spitzenstellung nicht zuletzt in
W ichtigkeit für die Entwicklung der Eisenproduk­                       phosphor- und schwefelarmen Erzen begründet lag.
tion“, w obei er die Möglichkeit hoher Schrottsätze                     Tunner wußte schon Ende 1879 durch seine B e ­
und die Analysentreffsicherheit unterstrich.                            kanntschaft mit „einem der tüchtigsten Eisenwerks-
       Die Frage nach Entphosphorung des Roheisens                      Directoren Deutschlands“ - wahrscheinlich mit sei­
beschäftigte natürlich auch Tunner, der schon 1871                      nem ehem aligen Schüler Jo s e f Massenez in Hörde
die bem erkenswerte Ansicht vertrat, daß „d ie A b ­                    bei Dortmund - über das Thomasverfahren in seiner
sc h e id u n g d es P h osp h o rs in G eg en w art e in e r s e h r   betriebsm äßigen Durchführung und über die Stahl­
b asisch en , s e h r e is e n reich en S ch lacke, w e lch e z u r     qualität Bescheid. Er zog daraus den Schluß, daß
A u fn a h m e u n d z u m F esth alten d e r P h o sp h o rsä u re     trotz em inenter Wichtigkeit des Thomasverfahrens
a m m eisten g e e ig n e t ist, a m au sg iebig sten erfolg t“.        „... d u rch d e n n e u e n P rocess d e r E n tphosphoru n g
d e r Wert r e in e r E isen erz e f ü r d ie E rzeu g u n g d es   1854: Neue Verbesserungen beim W alzen der gro­
eig en tlich en Q u alitätseisen s n ich t verw ischt w erd e“.           ßen B leche und der Drähte.
      Obwohl das „Thomasieren“ im Einklang mit                      1859: Über Erzeugung und Verwendung des körni­
Tunners Ansicht tatsächlich keine unmittelbare                            gen Stabeisens, insbesondere die Darstellung
Bedrohung der heim ischen Eisenindustrie darstellte,                      von Rails mit harten Köpfen.
beschloß der Berg- und hüttenmännische Verein für                   1860: Einfache Überheb-Vorrichtungen bei Walzge­
Steiermark und Kärnten, der als Vorgänger der                             rüsten.
Eisenhütte Österreich gelten kann, unter seinem                     1863: Walzvorrichtungen zur Erzeugung von keil­
Obmann Tunner im Jänner 1880 die Entsendung                               förmigem oder zugespitztem Eisen. Notizen
einer Kommission zwecks Beurteilung „des derzeiti­                        über den patentierten Haswell’schen Preß-
gen Standes der Entphosphorung des Eisens im                              hammer.
Bessem er-Converter“. Die sechsköpfige, von Tun­                    1872: Über die neueren Vorrichtungen zum Vor-
ner geleitete Kommission besuchte die Bessem er-                          und Rückwärtswalzen.
bzw. Thom asstahlw erke in Meiderich, Ruhrort,                      1877: Über die Schienenfabrikation aus Bessem er­
Hörde, Dortmund, Kladno (Böhm en), Witkowitz                              stahl in den Vereinigten Staaten von Nordame­
(Mähren) und Trzynietz (Österreichisch-Schlesien),                        rika.
so daß man sich ein umfassendes Bild des soeben                     1878: Über einige Neuerungen in der Einrichtung
angelaufenen Thomasverfahrens m achen konnte.                             der Walzwerke.
Wie bereits Tunner im Vorjahre kam auch die Kom­                    1879: Eine amerikanische Verbesserung in der Draht­
mission zu dem Ergebnis, daß alle alpenländischen                         walzerei.
Eisenwerke mehr denn je auf „Qualitätsstahl“ b e­                   1885: Verwendung des Flußeisens für Kessel- und
dacht sein müssen, und empfahl, den Siemens-Mar-                          Schiffsbleche.
tin-Stahl als Gegengewicht zum Thomasverfahren                      1890: Zum M annesmann’schen Röhrenwalz-Verfah-
zu forcieren. Diese Schlußfolgerung spiegelt sich im                      ren.
bald darauf begonnenen Ausbau des Siemens-Mar-
tin-Stahlwerkes in Donawitz unter der 1881 gegrün­
deten Österreichisch-Alpinen M ontangesellschaft                    DIE PHYSIKALISCHE CHEMIE
wider, in deren Verwaltungsrat Tunner von 1881 bis
1892 wirkte.                                                             Auch ein zweites Fachgebiet, dem Tunner größ­
                                                                    tes Interesse entgegenbrachte, steht noch immer im
                                                                    Schatten der Veröffentlichungen vor allem über Stahl­
DIE FORMGEBUNGSVERFAHREN                                            erzeugung, nämlich der chem ische und physika­
                                                                    lisch-chem ische Bereich der Eisenmetallurgie. Am
    Tunner-Biographien erw eck en mitunter den                      Beginn steht hier der 1838 publizierte Beitrag über
Eindruck, der große Leobener Eisenhüttenmann hätte                  die chem ische Zusammensetzung von Frischschlac -
sich nur der Erzeugung von Roheisen und Stahl                       ken, und vier Jahre später folgte eine profunde
gewidmet. Das Tunner’sche Schriftenverzeichnis                      Darstellung der „Eisenprobe“ auf Schmelzverhalten
enthält aber viele Titel, die eine zeitweise intensive              und Eisengehalt von Erzen nach Professor Sefström,
Beschäftigung auch mit Formgebungsfragen zeigen.                    den Tunner während seiner ersten Studienreise im
Neben der bereits zitierten Arbeit über Walzwerke                   schw edischen Falun kennengelernt hatte.
(1839) und dem viel beachteten, auch ins Englische                       Nach längerer Unterbrechung legte Tunner 1860
übersetzten Buch „Über die Walzenkaliberirung für                   eine nahezu bahnbrechende Untersuchung der
die Eisenfabrikation“ (Leipzig 1867 und New York                    Vorgänge im H ochofen vor, w obei er nicht indirekte
1869) seien folgende Publikationen aus dem Walz­                    Schlüsse aufgrund von Gichtgasanalysen zog, son­
werks- und Verformungsbereich genannt:                              dern anhand von Erz- und Gasproben sowie von
Temperaturmessungen aus dem bzw. im Ofeninne­            und 1867. Bei fast allen internationalen Ausstellun­
ren; die Versuche brachten teils völlig neue Erkennt­    gen wirkte Tunner in der jew eiligen Jury zur Beurtei­
nisse über Lage und Ausdehnung der Reduktionszo­         lung der montanistischen Exponate mit.
ne und über Ofenprofile. In eine ähnliche Richtung            Bei Tunners USA-Reise, die 1876 anläßlich der
wies die kommentierte Übersetzung einer Arbeit           „Centennial-Ausstellung“ in Philadelphia - 1776
über die „Entwicklung und Verwendung der Wärme           Unabhängigkeitserklärung! — erfolgte, kam es auch
in Eisenhochöfen von verschiedenen Dim ensionen“         zur Zusammenarbeit der sieben, damals führenden
(1870), die der englische Hüttenmann und Eisen­          Eisenhüttenleute, darunter H erm ann W edding
werksbesitzer J. Lowthian Bell - ein Freund Tunners      (Deutschland), Richard Akerman (Schw eden) und
- in London publiziert hatte.                            Tunner. Dieses von der Ausstellungsleitung nom i­
     In den siebziger Jahren äußerte sich Tunner -       nierte Gremium legte u.a. Einteilung und Bezeich­
wie oben angedeutet - mehrmals über die Phos-            nung der Eisenwerkstoffe unter Berücksichtigung
phorabscheidung aus Roheisen. Dabei betonte er in        des Flußstahles (Bessem er- und Siemens-Martin-
Übereinstimmung mit den späteren, weltweit beach­        Stahl) neu fest.
teten chem isch-physikalischen Berechnungen sei­              Hatte sich Tunner noch bei seiner Vordernber-
nes ehemaligen Schülers Jo s e f Gängl v. Ehrenwerth     ger Antrittsrede über die Notwendigkeit einer Aus­
immer die Notwendigkeit basischer Schlacken - der        bildung „montanistischer Unterbeamter“ skeptisch
letztlich entscheidende Schritt zum basisch zuge­        geäußert, so unterstützte er Mitte der sechziger Jahre
stellten Konverter blieb ihm jedoch versagt.             die Gründung einer Häuerschule - der späteren
                                                         Berg- und Hüttenschule - in Leoben mit größtem
                                                         Nachdruck. 1876 übernahm Tunner sogar die O b­
REISEN UND TÄTIGKEIT IN WISSENSCHAFT­                    mannstelle im Direktorium dieser bereits angesehe­
LICHEN GREMIEN                                           nen Schule, der er ab 1870 als Obm ann ihres Kurato­
                                                         riums angehörte. Es war nicht zuletzt Tunners Auto­
      Die Konkurrenz schwedischen Stahles auf allen      rität zuzuschreiben, daß namhafte Firmen und G e­
Märkten veranlaßte Tunner 1857, die größeren Ei­         w erken sowohl zur Erhaltung der Schule beigetra­
senw erke Schwedens zu besichtigen und ihre Roh­         gen als auch gut dotierte Stipendien gewährt haben.
stoffe, Einrichtungen, Verfahren usw. kritisch zu             W ie die Protokolle des Berg- und hüttenmänni­
beleuchten. Unerwarteterweise kam Tunner zu kei­         schen Vereines für Steiermark bzw. für Steiermark
ner vorzüglichen Beurteilung der schwedischen            und Kärnten belegen, versäumte Tunner als O b­
Eisenindustrie, aber sein ausgezeichnet illustrierter    m ann dieser Institution nur w enige Sitzungen und
Bericht führte zu einigen Änderungen in österreichi­     hielt außerdem viele Vorträge, die sich meist mit
schen Hütten, z.B. baute man in Heft gichtgasbeheiz­     Fortschritten im Eisenw esen beschäftigten. Als
te Erzröstöfen, die als Schwedische Röstöfen b e­        Ehrenobmann des Vereines sprach Tunner 1882 beim
kannt wurden (Bild 6). Weiters besuchte und beur­        Herbstmeeting des Iron and Steel Institute in Wien
teilte Tunner m ehrere Eisenwerke in Rußland - 1 8 7 0   über „Die Lage der Eisenindustrie in Steiermark und
im Auftrag der russischen Regierung - und in den         Kärnten“. Dabei setzte e r sic h mit der soeben gegrün­
Vereinigten Staaten von Nordamerika - 1 8 7 6 im Auf­    deten Österreichisch-Alpinen M ontangesellschaft
trag des k.k. Ackerbauministeriums als oberster Mon­     auseinander, in der er eine unumgängliche Notwen­
tanbehörde - , doch kann auf die heute noch interes­     digkeit für die wirtschaftliche Gesundung des heimi­
santen Reiseberichte hier nur hingew iesen werden.       schen Eisenwesens sah. Als Repräsentant des Gast­
     Das gleiche gilt für Tunners Berichte über das      geberlandes scheute sich Tunner auch vor den eng­
Berg- und Hüttenwesen bei den Welt-Industrie-            lischen Hüttenleuten nicht, im Interesse kontinen­
Ausstellungen in London 1851 und 1862 (Plan eines        taleuropäischer Stahlproduzenten Schutzzölle zu
kippbaren Bessem erkonverters!) sowie in Paris 1855      fordern.
Bild 6: Technologietransfer durch Peter Tunner — ein Beispiel aus der Erzrösttechnik.
        Oberere Bild: Eisenerz-Röstofen in Dannemora (Schweden); Plan im Buch „Das
        Eisenhüttenwesen in Schweden“ von Peter Tunner, Freiberg 1858.
        Unteres Bild: Zwei „Schwedische“ Erzröstöfen (rechts hinten.) im Eisenwerk Heft in
        Kärnten, erbaut 1861/62.                                     F o to u m 1 8 9 0 im B e s itz v o n H J . K ö s tler.
EHRUNGEN UND LETZTE LEBENSJAHRE                                d u rch se in e p u b liz istisc h e Tätigkeit, w ie d u rch s ein e
                                                               M itteilsam keit sofort G em eingu t, u n d n ie m a ls h a t e r
      Peter Tunner - seit 1864 Ritter von Tunner - war         etw as von d em E rd ach ten , E rforschten , G esehen en ,
Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesell­           E n td eckten u n d E r fu n d e n en z u m G eg en sta n d sp e­
schaften, u.a. des Vereines Deutscher Eisenhütten­             ku lativ er G eh eim tu erei g e m a c h t “.
leute (Düsseldorf), des Iron and Steel Institute
 (London), des American Institute o f Mining Engi­ ANMERKUNGEN
neers (New York) und der Königlich-schwedischen
Akademie der W issenschaften (Stockholm). Das Iron Franz CZEDIK-EYSENBERG: Die ersten Exkursionen Peter
and Steel Institute verlieh ihm als dem wohl namhaf­ Tunners mit seinen Eleven. In: Berg- und Hüttenmännische
testen Vorkämpfer für das Bessemerverfahren die Monatshefte 104 (1959), S. 234—242.
 Goldene Bessemer-Medaille.                                     Jo sef GÄNGL von EHRENWERTH: Peter Ritter von Tunner
      Hüttenberg, Vordernberg, Bleiberg und andere, und seine Schule. In: Beitrag zur Geschichte der Technik
                                                                und Industrie 6 (1914/15), S. 95-108.
mit dem M ontanwesen eng verbundene Orte verlie­
                                                                Hans Jörg KÖSTLER: Einführung und Beginn der
hen Tunner die Ehrenbürgerschaft. Der seinerzeit
                                                                Stahlerzeugung nach dem Bessemerverfahren in Öster­
überaus aktive Berg- und hüttenmännische Verein reich. In: Berg- und Hüttenmännische Monatshefte 122
für Steiermark und Kärnten dankte Tunner mit der (1977), S. 194-206.
Ernennung zum Ehrenobmann - eine Ehrung, die Hans Jörg KÖSTLER: Die Hochofenwerke in der Steiermark
Tunner sehr schätzte, wie viele diesbezügliche von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Wiederaufnahme
Äußerungen bei Vereinssitzungen annehmen las­ der Roheisenerzeugung nach dem Zweiten Weltkrieg. In:
sen.                                                            Radex-Rundschau 1982, S. 789-852.
      Tunners Lebensabend war von Schicksalsschlä­ Hans Jörg KÖSTLER: Das Schwarzenbergische Hammer­
gen - Tod seiner Frau Maria, geb. Zahlbruckner werk in Niedetwölz und seine Beziehungen zur Montan-
 (1881) und seiner Tochter Paula (1892) - und von Lehranstalt in Vordernberg. In: Schwarzenbergischer Alma-
schweren Krankheiten gekennzeichnet. Andererseits nach XXXVII (1985), S. 4 2 7 ^ 5 6 .
                                                                Hans Jörg KÖSTLER: Der Kärntner Metallurge Josef Gängl
erlebte er im Jahre 1890 den Höhepunkt seiner vom
                                                                von Ehrenwerth 1843-1921. In: Carinthia 1 178/98 (1988),
Eisenwesen geprägten Laufbahn, nämlich die Feier
                                                                 S. 411-419.
 zum fünfzigjährigen Bestand der Leobener Bergaka­ Hans Jörg KÖSTLER und Wolfgang WIELAND: Peter Tunner
 demie. In diese Zeit fallen auch Tunners letzte Publi­ der Ältere 1786—1844. Leobener Grüne Hefte, Sonderband
kationen, die Phosphorverbindungen im Eisen, Reihe „Steirische Eisenstraße“ Nr. 2. Leoben 1985.
Kohlentrocknung, das bereits erwähnte Röhrenwal­ Hans Jörg KÖSTLER und Wolfgang WIELAND: Zum Beginn
zen und schließlich Schwefelabscheidung aus flüssi­ der Bessemerstahlerzeugung in Österreich im Schwarzen-
gem Roheisen (1891) behandelten.                                 bergischen Eisenwerk Turrach vor 125 Jahren. In: Berg- u.
      Peter Ritter von Tunner starb am 8. Ju ni 1897 in Hüttenmännische Monatshefte 133 (1988), S. 480^484.
Leoben nach längerer Krankheit, die ihn aber nicht Hans Jörg KÖSTLER und Wolfgang WIELAND: Die Fürsten
gehindert hatte, bis zuletzt mit dem Eisenhüttenwe­ zu Schwarzenberg im Eisenwesen beim Steirischen Erzberg.
                                                                 In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 81
sen in reger Verbindung zu bleiben. Diesen beispiel­
                                                                 (1990).
haften Grundsatz hatte Tunners ehemaliger Schüler
                                                                 Franz KUPELWIESER: Geschichte der k.k. Berg-Akademie
und späterer Generaldirektor der Hüttenberger Ei­
                                                                 in Leoben. In: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubelfeier
senwerks-Gesellschaft, Carl August R. v. Frey, schon der k.k. Berg-Akademie in Leoben 1840-1890. Leoben
 1874 bei der legendären Tunner-Feier in Leoben 1890, S. 1-173.
angesprochen:                                                    Paul KUPELWIESER: Aus den Erinnerungen eines alten
      „ W as T u n n er selbst erlernt, erfah ren , erforsch t Österreichers. Wien 1918.
 u n d en td eck t hat, w as e r in österreich isch en w ie in Helmut LACKNER: Peter Tunner 1809-1897. Ein Leben für
fr e m d e n W erken z u seh en G eleg en h eit hatte, w u rd e das innerösterreichische Eisenwesen. In: Der Leobener
Strauß 8 ( 1980), S .2-15-296 (Mit ausführlichem Verzeichnis   30 Jah re THOMASVERFAHREN in Deutschland. In: Stahl
der Publikationen von P. Tunner).                              und Eisen 29 (1909), S. 1465-1490.
Paul W. ROTH: 150 Jah re Montanuniversität Leoben. Aus
                                                               TUNNER-Feier, abgehalten am 7. und 8. Novem ber 1874 in
ihrer G eschichte. In dieser Festschrift.                      Leoben. Wien 1874.
Rudolf SCHAUR: Streiflichter auf die Entw icklungs­
geschichte der H ochöfen in Steiermark. In: Stahl und Eisen    Peter Ritter von TUNNER + 8.Ju n i 1897 (Nachruf). In: Berg-
                                                               u. Hüttenmännisches Jahrbuch 4 5 (1 8 9 7 ), S. I-XXVI.
49 (1929), S. 489-498.
W ilhelm SCHUSTER: Die Erzbergbaue und Hütten der              Richard WALZEL: Erzherzog Joh an n und das steirische
Österreichisch-Alpinen M ontangesellschaft, ln: ÖAMG           E isenhüttenw esen. In: B erg- und H üttenm ännische
1881-1931. Wien 1931, 2.Teil, S. 71-533-                       Monatshefte 104 (1 9 5 9 ), S. 100-115.
Sie können auch lesen