PLAN W - Süddeutsche Zeitung
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
PLAN W
03 / 2018 A
PLAN W
Frauen verändern
Frauen verändern Wirtschaft
Wirtschaft
Simone Giertz, 27,
entwickelt absichtlich
fehlerhafte Roboter –
und feiert den Nutzen
des Unnützen.
Tech am Stecken
Technologie kann Wahlen manipulieren und Daten
instrumentalisieren – unser Leben aber auch maßgeblich verbessern.
Dieses Heft zeigt wie„Some call it work. I call it: delight.“ Linda Alpmann, Ingenieurin in der Entwicklung Scheinwerfer bei Audi. Ihre Methodik ist, Herausforderungen in einem neuen Licht zu sehen. Den perfekten Raum hierzu bietet ihr das Lichtassistenzzentrum von Audi, in dem sie unter anderem bereits die Scheinwerfer des Audi A6 entwickelt hat. Nur ein Beispiel von vielen, wie Vorsprung entstehen kann, wenn Arbeiten sich nicht wie Arbeit anfühlt. Weitere faszinierende Jobs unter vorsprung-bei-audi.de Aus Visionen Vorsprung machen.
03 / 18 Inhalt
Stephanie Shirley In Afrika er-
stellte in den möglichen
60ern fast nur digitale Services
Frauen ein – den Frauen
auch in Teilzeit. finanz ielle Unab-
hängigkeit.
10 38
16 Das Baltikum wird
online attackiert –
und weiß sich zu
schützen.
#FEmFacts // SALON Zahlen, Filme, Fakten aus der Tech-Welt – und ein erfundener männlicher Kollege 4
PiKtogramme als Sprache Hafida Guebli übersetzte als Einwandererkind für ihre Eltern und jetzt mit einer App 8
„Sie Lachten über mich“ Software-Pionierin Stephanie Shirley über Chancen im Tech-Biz – damals wie heute 10
Die Cyber-kriegerinnen Das Baltikum ist Vorreiter der Digitalisierung, auch Frauen schützen gegen Hacker 16
Maschinen und Moral Ethische Standards für Roboter? Das ist keine Science-Fiction, sondern dringend nötig 20
Coverfoto: Alba Giertz; Fotos Inhalt: BigTimages/Academy of Medical Sciences, KfW Bankengruppe/Maria Schiffer; Illustration: Paul Paetzel
Der Irre Trend // Impressum Wo die Hipster online daten // Wer, was, wo bei SZ Plan W 27
Good Vibrations Fünf Tech-Innovationen, mit denen Frauen die Welt besser machen wollen 28
Was kostet die Freiheit? Welche Rechte schenkt uns das Internet und welche schränkt es ein? Der Mensch 4.0 34
Simone giertz Alles muss einen Nutzen haben? Von wegen. Simone Giertz baut sinnlose Roboter 36
Digitales Afrika Wie vermeintlich banale Technologie das Leben afrikanischer Frauen revolutioniert 38
Gutes Leben Smarte Kleidung und Schmuck aus alten Handys: Konsum trifft auf Tech 44
Verliebt in … Wie eine Zeit-Tracking-App unsere Autorin erzieht (und für Chaos sorgt) 46
Liebe Leserinnen
und Leser,
sprechende Computerassistenten, lernende Roboter, selbstfahrende Autos – es kann einem schwind-
lig werden, in welch atemberaubendem Tempo neue Technologien unsere Welt verändern. Aber schon
diese Formulierung entlarvt einen Denkfehler: Es geht nicht darum, wie die Digitalisierung unsere
Welt verändert – sondern wie wir die Welt mithilfe dieser neuen Werkzeuge verändern wollen. Nie war
der Gestaltungsspielraum der Menschheit größer als heute! Wir müssen uns jetzt überlegen, wie die
Zukunft aussehen soll. Und dabei kommt ethischen Werten eine ungeahnte Bedeutung zu. Denn letzt-
lich hat nicht Tech den Dreck am Stecken, sondern der klebt immer an einem menschlichen Finger.
Gestaltungsspielraum haben wir bei dieser Ausgabe zudem wörtlich genommen: PLAN W erscheint v ie l S p a S S
bei der Le k t ü re !
künftig in neuem Format und mit frischer Optik, die von Art-Direktorin Daniela Wiesemann und Andrea Rexer
Grafikerin Judith Borgmann entworfen wurde. Wir hoffen, es gefällt Ihnen so gut wie uns! u n d Anke Eberhardt
Plan W 3Salon #FemFacts
1960
war Coden noch Frauen-
27 %
der Studentinnen können
arbeit. 30–50 % der sich laut einer britischen
Software-Programmierer Umfrage eine Karriere in der
waren in den 60er-Jahren Tech-Branche vorstellen –
Frauen, die Arbeit galt im Vergleich zu 61 %
als simpel und monoton. der männlichen Studenten.
10 Mrd. 300 000
Text: Anke Eberhardt; Quellen: Robin Hauser: Code – Debugging the Gender Gap, PwC-Studie Women in Technology, 2017, Eurostar Group, Forbes Magazin, NASA, Wired Magazin, Mush
US-Dollar machen die Mütter nutzen die App
Chinesin Zhou Qunfei zur „Mush“. Ähnlich dem Prinzip
reichsten Frau in der der Dating-Plattform
Tech-Branche. Damit ist die „Tinder“ will Mush Mütter in
Selfmade-Unternehmerin der Nähe miteinander
mit ihrer Firma für Smart- verbinden. Einstellungen
phone-Screens allerdings können Distanz oder Alter
lediglich auf Platz 26 der der Kinder sein, das
reichsten Tech-Unternehmer – Motto lautet: „Manchmal ist
und unter 100 Männern es großartig, manchmal
nur eine von sechs Frauen. ist es hart, aber zusammen
ist es immer besser.“
Die Idee hatten zwei Mütter
auf einem Spielplatz in
130 Euro
London – und sammelten
zuletzt zwei Millionen Pfund
Investorenkapital ein.
kostete der erste speziell
für Frauen designte
1969
Tablet-Computer des Her-
stellers Eurostar aus Dubai.
Mit einem rosafarbenen
Bildschirmhintergrund,
vorinstallierten Shopping-, war die US-Amerikanerin
Rezept-, und Yoga-Apps Margaret Hamilton maßgeb-
und einer vereinfachten lich daran beteiligt, den
Handhabung wollte das „ePad ersten Mann auf den Mond
Femme“ die weibliche Ziel- zu bringen: Sie programmierte
gruppe ansprechen. 2013 die Software des Apollo
2/3
zunächst im Mittleren Space Shuttles, verhinderte
Osten und Asien vermarktet, nach einer Fehlermeldung
sollte es weltweit vertrie- das Scheitern der Mission
ben werden – ist heute und brachte – ebenfalls revolu-
aber merkwürdigerweise der Befragten einer Studie tionär – mitunter auch ihre
nicht mehr zu finden. können keine berühmte Frau aus der kleine Tochter mit zur Arbeit.
Tech-Branche nennen.
4 I l l u st r at i o n : S e b a st i a n S c h wa m mTech Salon
Der
e r f u n d e n e Ko l l e g e Foto s
g e g e n St e r e ot y p e
Muss Mann sich vorstellen
Buntes Valley
Weiblich und auf der Suche nach Investoren?
Schwierig. Deswegen haben Kate Dwyer und Der typische Mensch im Silicon Valley ist
Penelope Gazin schlichtweg einen männlichen männlich und weiß. Frauen, Menschen mit
Kollegen erfunden. Die Gründerinnen von anderer Hautfarbe, nicht-
Witchsy, einer Onlineplattform für Kunst heterosexueller Gesinnung
und Kurioses, kommunizierten einfach oder über 50 werden wenig wahrge-
als „Keith Mann“. Der existierte nicht, nommen. Das will die Fotografin Helena
aber dank ihm wurde die Finan- Price mit ihrem Projekt „Techies“
zierung gesichert, und Termine ändern. Mit Porträts und Interviews
wurden plötzlich einge soll die Tech-Welt für jede Bevölke-
halten. Stark. rungsgruppe
zugänglicher gemacht werden.
techiesproject.com
D e r k l u g e S at z
H e r da m i t !
Schlaue Puppe „Der schädlichste Satz in
Barbie ist nicht mehr nur
weiß, blond und Prinzessin.
jeder Sprache ist: So haben wir
2018 ist Barbara Millicent
das immer gemacht!“
Texte: Anke Eberhardt; Fotos: www.witchsy.com, Helena Price (5), Mattel, Imagineering Institute, picture alliance / AP Photo
Roberts (so ihr voller Name)
Robotik-Ingenieurin und wird
mit Laptop geliefert. Der Grace Hopper (1906–1992),
Hersteller Mattel unterstützt Informatikerin und Computerpionierin
zudem die Organisation „Black
Girls Code“ und
kostenfreie Pro-
grammierkurse. W e g da m i t ! F r au e n i m F i l m
Die „Career of the
Kalte Küsse Hollywood-Quote
Year“-Barbie hat
H id d e e H e ld in n e n
zwar trotzdem Videochats verbinden Superman oder doch Wonder
res –
Modelmaße und Menschen über Distanzen, nur Woman? Dass Filmfiguren
n F ig u
wird von manch Berührungen klappen tech- Geschlechterbilder trans-
ann t
einem nur als nisch noch nicht. Diese Lücke portieren, weiß man. Aber
Unerk
Imageprodukt an- will ein Gerät jetzt schließen: weiß man auch, wie viele
gesehen, während Der „Kissenger“ soll Küsse Frauen überhaupt auf den Bildschirmen
die Traumkut- via Smartphone verschicken. zu sehen sind? Das Geena Davis Institute on Gender in Media
schen den Umsatz Alles, was es braucht, sind ein hat dafür in Zusammenarbeit mit Google eine Gesichts-
machen. Gerade merkwürdiger Aufsatz und erkennungssoftware entwickelt. Das Ergebnis für die 100
deswegen gilt: zwei Menschen, die bereit populärsten US-Filme: Männer sind fast doppelt so lang
Kaufen! Für mehr sind, ihre Lippen auf Plastik zu sehen und zu hören wie Frauen. Einzige Ausnahme:
Business-Barbies zu drücken, dann werden über Horrorfilme. „Daten helfen uns zu verstehen, zu was wir die
in der Zukunft. Sensoren die vermeintlich Filmschaffenden animieren müssen“, sagt die Schauspie-
echten Küsse übermittelt. Ob lerin Geena Davis. Und Technologie kann helfen, Vorurteile
Scherz oder Ernst, die Crowd- auch in Genres zu erkennen.
funding-Kampagne ist je-
denfalls gescheitert. Vielleicht
Plan W doch aufs Beamen warten … 5Salon PLAN WWW
B i tt e Fo lg e n ! NE T Z-W E R K
Digitale Galerie
Analog zeichnen und online in die Welt schicken:
Das Projekt „Draw A Scientist“ animiert Kinder da-
Hoch die
zu, sich ihr eigenes Bild von Wissenschaftlern Tasten!
auszumalen – und fördert damit ganz neben-
bei die Sichtbarkeit von Frauen, Haben Sie am 9. Oktober
da kleine Kinder ganz ohne Geschlech- schon etwas vor? Nein? Dann
tergedanken zeichnen. Per E-Mail lassen Sie uns feiern! An
an drawascientist@gmail.com und via diesem Tag ist Ada Love-
Instagram @DrawaScientist können lace Day: Die 1815 gebore-
Kinderzeichnungen eingeschickt werden. ne Britin gilt als erste Pro-
instagram.com/drawascientist grammiererin der Welt und
legte mit ihrer Arbeit einen
Grundstein für die Infor-
matik. Adas Vision wirkt bis
heute und inspiriert vie-
K l i c k- H i t le Mädchen und Frauen,
MINT-Berufe oder -Fächer
Roboterkuscheln zu wählen. Davon – und na-
türlich von jeder Menge an-
2052 soll das Jahr sein, in dem Menschen
Texte: Anke Eberhardt; Fotos: Instagram / @drawascientist (2), Mashable / LiuFeiRobot / Youtube (2), Code Documentary, Getty Images / Robin Marchant
deren neuen, spannenden
Roboter heiraten. Deswegen hat die New Yorker
und lustigen Dingen rund
Künstlerin Fei Liu ihren Roboter Gabriel2052
um Frauen und Wirtschaft
genannt. Welche Bücher sie mag, wo sie gern
– berichten wir nicht nur
angefasst wird: Alles bringt sie ihm bei, um „die
hier im Heft, sondern auch
Liebe zu konstruieren, die ich verdiene“.
täglich auf unseren Social-
Mit einem Programm mo-
Media-Kanälen.
difiziert sie sogar alte SMS-Nachrichten ihres Ex-Freunds,
damit Gabriel2052 ihr Nachrichten schreiben kann.
Folgen Sie uns –
Gekuschelt wird auch, vorrangig geht es aber darum,
wir freuen uns!
Fragen zur Interaktion mit künstlicher Intelligenz
aufzuwerfen. Einen „menschlichen Partner“ hat Fei Liu
Susann Wenk,
übrigens trotzdem.
Fei Liu Online- und Social-Media-
youtube.com
Robot Redakteurin
fb.com/sz.planw
SZ_PlanW
SZ PlanW
Code-Doku sz.de/plan-w
Programmieren im Programm
Und nicht vergessen:
Die Tech-Branche wächst so schnell, dass Jeden Mittwoch gibt’s den
es 2020 allein in den USA eine Million Plan-W-Newsletter und
unbesetzte Stellen für Software-Ingenieure alle vier Wochen Plan W als
geben wird. Warum so wenig Frauen und Podcast:
Minderheiten in die zukunftsträchtige Bran-
che streben, untersucht die US-amerikanische sz.de/planwnewsletter
Regisseurin Robin Hauser in ihrem Film
sz.de/podcast
Code – Debugging the Gender Gap. Sehenswert!
codedoc.co
6Hanna lebt Vielfalt Als Projektingenieurin und Transgender schätze ich die Freiräume und Unterstützung, die Vodafone mir bietet: Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass ich in meinem Job alles geben kann. Zum Beispiel mein Wissen und meine Ideen, um eine kniffelige Anforderung technisch lösen zu können – aber auch mein Engagement in unserem LGBT-Netzwerk. Das ist Vielfalt@Vodafone. Besuch uns auf vodafone.de/jobs The future is exciting. Ready?
Meine Karriere
Da ihre Eltern nicht lesen und schreiben können, übersetzte Hafida
Guebli schon als Kind alles für sie. Mit einer App ermöglicht sie
nun anderen Einwanderern eine Kommunikation ohne Sprachbarrieren
und fördert die Gemeinschaft in den Pariser Banlieues
P r oto ko l l : E k at e r i n a Ke l
Piktogramme mein Vater können nicht lesen miteinander zu kommunizieren.
und schreiben, mein Vater ist Und auf diese Weise könnten
taub. Seit ich klein war, habe auch die, die gar nicht spre-
als Sprache ich alles für sie übersetzt und
die Kommunikation mit Behör-
chen oder lesen können, mit-
reden. Die Idee war da. Ich fing
den übernommen. Eines wusste an, Piktogramme zu zeichnen
„Wenn man als junge Frau aus Hafida Guebli, 29, ich deshalb: Piktogramme sind und sie meinen Eltern zu zei-
den Pariser Banlieues eine Ge- hatte keine Ahnung vom für alle einfach zu verstehen, sie gen, um zu sehen, ob sie funk-
Programmieren, aber
schäftsidee hat, ist nicht das eine Idee. Im Pro-bono- sind eine universelle Sprache. tionieren. Aber ich war ganz
fehlende Geld am schlimmsten, Programm „Stand up“ Ich dachte mir, dass sie auch allein, ohne Netzwerk und ohne
sondern das fehlende Selbst- der Pariser Wirtschafts- bei der Kommunikation in Know-how, wie man eine App
hochschule HEC ent-
bewusstsein. Viele haben nicht wickelte sie ihre App den großen Häuserkomplexen programmiert. Also suchte ich
den Mut zu sagen: ,So, ich mach „Neyb’s“ (kurz für „neigh- der Banlieues helfen könnten, nach einem Partner, der mich
das jetzt!‘ bours“, Nachbarn). denn da läuft im Alltag viel technisch unterstützt. Als er
Ich wollte immer ein Unter- schief. Oft können Mieter dem mich nach ein paar Monaten
nehmen gründen; Boss zu sein, Vermieter nicht klarma- für einen Job bei einem großen
war von klein auf mein gro- chen, dass die Toilette Unternehmen stehen ließ, war
ßer Traum. Mit 23 eröffnete ich kaputt ist oder die ich natürlich enttäuscht. Aber
mein eigenes Café. Es lief gut, Schließanlage nicht ich machte weiter, recherchierte
doch nach der Geiselnahme in funktion iert. Und nach Schulen, an denen ich pro-
einem Supermarkt in Paris vor er kann ihnen die grammieren lernen konnte. Als
dreieinhalb Jahren musste ich Hausregeln nicht ich zur HEC Paris kam, hatte ich
schließen, da es in direkter vermitteln, weil vier Monate zuvor meinen Sohn
Nähe zum Tatort lag und sie nicht dieselbe Elias auf die Welt gebracht.
die Gäste ausblieben. Der Sprache sprechen. Da waren die Kurse nicht ein-
Wunsch, etwas Eigenes Mit e iner App fach, aber ich habe so viel über
zu schaffen, trieb mich wollte ich den Finanzen, Technologie und
weiter. Außerdem woll- Menschen in Strategie gelernt. Mittlerweile
te ich Menschen hel- einem Wohn- kann ich sogar selbst ein we-
fen, miteinander ins block helfen, nig programmieren! Und mein
Gespräch zu kommen Mann und meine Familie geben
Foto: NEYB’S; Zeichnung: Hafida Guebli
– und zwar in einer für je- mir privat den Halt, den ich
den verständlichen Sprache. brauche, um durchzustarten.
Die Idee für mein Start-up Ich bin sicher, dass Informatik
kam nicht von ungefähr: Meine in Zukunft noch wichtiger wird.
Eltern kommen aus Marokko, Und ich möchte noch mehr da-
ich bin mit fünf Geschwistern rüber lernen, wie ich die neuen
in einer Sozialwohnung auf- Technologien nutzen kann, um
gewachsen. Meine Mutter und Menschen zu helfen.“
8Innovationen brauchen Patente. Wir brauchen Sie. Wir suchen für unseren Standort München Ingenieure und Naturwissenschaftler (m/w) mit Diplom- oder Masterabschluss an einer Universität für verschiedene Fachbereiche. Wir bieten Ihnen eine anspruchsvolle und eigenverantwortliche sowie abwechslungs- reiche Tätigkeit, Umgang mit neuester Informationstechnik, einen sicheren, modernen Arbeitsplatz in München, gleitende Arbeitszeit, weitere IT-Qualifizierungen und Fortbildungsmöglichkeiten. Unsere nächste Stellenausschreibung erscheint Mitte Oktober 2018. Bis zur Veröffentlichung können Sie unseren RSS-Feed zur Registrierung nutzen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.dpma.de.
Texte: Xxx Xxx; Fotos: Xxx Xxx; Illustration: Xxx Xxx
Weißer Teppich, moderne
Kunst an den Wänden:
Stephanie Shirley wohnt in
Henley-on-Thames,
einem malerischen Ort im
Westen von London.
10Stephanie
Shirley lachten über mich“
„Die Leute
Heute sind es Software, Da- kosten sollte. Die Amerikaner
Vom jüdischen ten, Algorithmen, die das Geld waren offener, also bot ich bri-
Flüchtlingskind zur bringen. Rechner sind billig … tischen Niederlassungen von
Damals war das anders. Com- US-Konzernen unsere Dienste
Software-Pionierin puter, die nicht mehr können an. Später programmierten wir
und einer der als meine Apple Watch, waren unter anderem die Software für
riesig. Wir konnten uns die die Blackbox des Überschall-
reichsten Frauen Hände wärmen an der Luft, die flugzeugs Concorde, auch für
Großbritanniens: aus den Rechnern kam. Die Ge- die Nato arbeiteten wir.
räte waren teuer, wir zahlten
„Steve“ Shirley die Betreiber pro Minute, um Programmiert wurde anfangs
über Codes auf sie nutzen zu dürfen. Daher war mit Stift und Papier, oder?
der Druck groß, Aufgaben am Ja, der Code wurde auf Papier
Papier, wie neue Computer schnell zu erledigen. geschrieben und dann per Post
Technologie autis- Anfang der Sechzigerjahre wurde
Software noch mit Stift auf Papier Software hingegen waren nur zu einem Rechenzentrum ge-
ein paar Seiten Papier. schickt. Das stanzte den Code
tischen Kindern geschrieben und dann gestanzt.
auf Lochkarten. Diese wurden
hilft – und warum Plan W: 1962 gründeten Sie an Welche Art von Software ha- am Computer ausprobiert, und
Fotos: BigTimages/Academy of Medical Sciences, Dame Stephanie Shirley Archives
Ihrem Esszimmertisch eine ben Sie in den ersten Jahren beim ersten Mal gab es immer
sie sich früher als Softwarefirma. Den Telefon- verkauft? einen Fehler. Wir hatten aber
Mann ausgab anschluss teilten Sie sich mit Wir haben Programme für die vielleicht nur zweimal die Wo-
Ihrem Nachbarn. Hatte die Kontrolle von Lagerbeständen che Zugang zu einem Computer.
Welt auf Ihr Unternehmen ge- geschrieben oder für Fahr-
wartet? pläne von Bussen und Fracht- Anfang der 50er-Jahre hat-
S hir l e y : Nein, die Leute lachten zügen. Damals fuhr ich zum ten Sie beim staatlichen Post
über mich. Software war da- ersten Mal erster Klasse in ei- Office und später bei einer
mals bei Computern kostenlos nem Zug. Der Betreiber British Computerfirma gearbeitet,
dabei. Es hieß: Niemand kann Rail, für den wir arbeiteten, bevor Sie mit 29 Ihr eigenes
Software verkaufen, und erst hatte mir Gutscheine gegeben. Unternehmen gründeten. Was
recht keine Frau. Mit der Idee, Was für ein Vergnügen! Aller- stand hinter dem Schritt in die
daraus ein Geschäft zu machen, dings waren britische Manager Selbstständigkeit?
ging ich neue Wege. Und mein zurückhaltend, wenn es darum Ich war so oft an die gläserne
Timing war gut: Weil es keine ging, Software von außen ein- Decke gestoßen, dass ich sagte:
Softwareindustrie gab, hatte ich zukaufen. Sie verstanden nicht, Ich gründe eine eigene Firma,
freie Bahn. wieso ein Zettel mit Code so viel eine Firma, für die ich und für
Plan W I n t e r v i e w: B j ö r n F i n k e 11die andere Frauen gern arbeiten
wollen. Von meinen ersten 300
Mitarbeitern waren 297 Frauen.
Zunächst arbeiteten die Pro- „Es hieß:
grammiererinnen von zu
Hause aus für Sie. Die Frauen
Niemand
wollten wegen Hochzeit oder kann
Kindern nicht mehr Vollzeit im Software
Büro sitzen, doch es gab keine verkaufen,
Teilzeitstellen. Heute ist das
schwer vorstellbar … und erst
Ich zapfte ein verschwende- recht keine
tes Potenzial an ausgebildeten Frau. Von
Arbeitskräften an. Die Frauen
hatten überwiegend studiert, meinen
besaßen mindestens vier Jahre ersten 300
Erfahrung mit Programmieren, Mitarbei-
aber nun keinen Job, weil keine
Teilzeitstellen existierten. Ich tern waren
musste kaum werben, Mund- 297 Frauen“
propaganda brachte sie zu mir.
Unsere Firma war auch später
noch sehr flexibel. Die Ange-
stellten konnten sich etwa aus-
suchen, ob sie eine Gehaltser-
höhung, mehr bezahlten Urlaub
oder ein größeres Dienstauto
haben wollten. Das war etwas
völlig Neues.
Woher kam dieser Pionier-
geist?
Niemand hatte mir erklärt,
wie man eine Firma führt, also
habe ich viele Dinge einfach
gemacht. Etwa Jobsharing. Ein über die Technik selbst. Es mag sexistische Bemerkung gemacht
Mann und seine Gattin haben ein Stereotyp sein, doch Frauen hat, habe ich mich einfach nur
gefragt, ob sie sich eine Stelle interessieren sich mehr für die laut geräuspert (räuspert sich),
teilen könnten. Warum nicht? Anwendungen in der Praxis. Und und alle wussten, dass es nun
Mit unseren flexiblen Model- ist die Kultur einer Branche oder genug war.
len waren wir in gewisser Weise eines Unternehmens erst einmal
Vorreiter der Gig Economy. sehr männlich geworden, das Ihr Leben war anstrengend,
Design der Technik sehr männ- Sie bauten ein Unternehmen
Sie haben Frauen in einer lich, denken sich junge Frauen: auf und zogen auch einen
männerdominierten Indus- Da will ich nicht arbeiten. autistischen Sohn groß. Trotz-
trie gefördert. Doch Frauen dem verließen Sie die Füh-
sind weiterhin rar in der Com- Die #MeToo-Debatte hat ge- rung Ihrer Firma erst 1993, mit
puter- und Internetbranche. zeigt, wie verbreitet sexuelle 60 Jahren. Bereuen Sie, sich
Woran liegt das? Belästigung am Arbeitsplatz nicht früher zurückgezogen
Kleine Mädchen, sieben bis ist. Sie waren die Chefin. Ha- zu haben? Reich genug waren
neun Jahre alt, lieben Technik, ben Männer trotzdem gewagt, Sie ja mit einem Vermögen im
aber als Teenager wird das als Sie zu belästigen? dreistelligen Millionenbereich.
etwas für Jungs, für Nerds ge- (Lacht) Natürlich. In der Londo- Hinterher ist man klüger. Ja,
sehen. Ich glaube, das liegt ner U-Bahn war es damals zum ich wünschte, ich hätte früher
daran, dass zu wenig über den Beispiel ekelhaft für Frauen. Das damit begonnen, meine Nach-
Nutzen von Technologie gespro- ist nun besser. Wenn ein Kollege folge zu planen. So eine Über-
chen wird, sondern vor allem im Vorstand meiner Firma eine gabe ist nicht einfach. Doch ich
12Früher unter-
schrieb Stephanie
Shirley oft mit
„Steve“, da eine
Frau im Computer- über
business nicht
ernst genommen
wurde. Stephanie
Shirley
Geboren am 16. September
1933 in Dortmund, kommt
Vera Stephanie Buchthal
im Juli 1939 mit einem Kinder-
transportzug allein mit ihrer
Schwester in London an.
Ihre Eltern überleben die
Judenverfolgung, allerdings
baut Stephanie Shirley
(sie nimmt den Namen ihres
britischen Ehemanns an)
nach der frühen Trennung
keine enge Beziehung
mehr zu ihnen auf. Auch
Deutsch verlernt sie.
Shirley fängt 1951 als Assis-
tentin in einer Forschungs-
abteilung der staatlichen
Postbehörde an, abends stu-
diert sie Mathematik. Als
sie auch bei einer Computer-
firma als Frau keine Karrie-
re machen kann, gründet
sie 1962 mit 29 Jahren ihr
eigenes Unternehmen. Sie
nennt es schlicht Freelance
mochte das Managen auch, es Wer in einem fremden Land Programmers, also frei-
war das Richtige für mich. Nie abgeladen wird, ohne Geld, berufliche Programmierer.
langweilig, und es hatte mit ohne Sprachkenntnisse, ohne
Menschen zu tun. Der Anfang Familie und damit klarkommt, In dieser männerdominier-
war allerdings schwierig. Viele den kann nichts mehr groß ten Branche beschäftigt
Leute hätten aufgegeben. erschrecken. Außerdem war sie anfangs ausschließlich
ich fest entschlossen zu zeigen, Frauen: erfahrene Program-
Warum gaben Sie nicht auf? dass das Leben, das gerettet miererinnen, die nach der
Ich wollte als Frau, die ein Unter- wurde, diese Rettung auch wert Geburt der Kinder zu Hause
nehmen für Frauen aufbaut, war. Das ist immer noch sehr geblieben sind. Als das
unbedingt Erfolg haben, auch in wichtig für mich, nach all den Unternehmen 2007 an einen
schwierigen Zeiten. Ansonsten Jahrzehnten. Rivalen verkauft wird, hat
Foto: BigTimages/Academy of Medical Sciences
wäre die Firma als Schön-Wet- es 8500 Mitarbeiter und ist
ter-Unternehmen abgestempelt Sie waren eine Pionierin der an der Börse notiert.
worden, als Betrieb, der in gu- Computerbranche. Beschäf-
ten Zeiten überlebt, aber unter- tigen Sie sich heute immer
geht, wenn es härter wird. Das noch mit Trends und Entwick-
stand hinter meiner Sturheit. lungen?
Ja, ich denke, was die Verbes-
Spielte Ihr Schicksal als Flücht- serungen angeht, die Informa-
lingskind, das der Judenver- tionstechnik für das Leben der
folgung entkam, eine Rolle? Menschen bringt, stehen wir
Plan W 13sogar erst am Anfang. Es gibt nen autistische Kinder nur sehr Welche Anwendungen bieten
wirklich hochinteressante Mög- schwer nachvollziehen. Der die größten Chancen, unser
lichkeiten. Zum Beispiel beim Roboter heißt übrigens Steve aller Leben in der Zukunft zu
Einsatz von Robotern für die (lacht). verbessern?
Altenpflege oder beim Betreuen Ich glaube Virtual Reality. Sie
von anderen hilfsbedürftigen
Menschen. In Prior’s Court un-
„Niemand Steve ist Ihr Spitzname. Sie
unterschrieben früher Wer-
könnten dann eine Videokon-
ferenz mit einem Team in Aus-
terrichten kleine Roboter autis- hatte mir bebriefe Ihrer Firma mit tralien machen und das Gefühl
tische Kinder. erklärt, wie Steve, weil Kunden ein Unter- haben, wirklich vor Ort und
Prior’s Court ist ein Internat
man eine nehmen, das von einer Frau
geführt wurde, damals nicht
Teil dieser Gruppe zu sein. Vor
künstlicher Intelligenz dagegen
für autistische Kinder in Eng- Firma ernst nahmen, oder? haben zahlreiche Menschen
land, das auf Ihrer Idee beruht führt, also Genau. Neben Robotern nut- Angst. Tatsächlich wird künst-
und mit vielen Millionen Ihrer
Stiftung 2000 eröffnet wurde.
habe ich zen wir auch Virtual Reality.
Die autistischen Kinder mö-
liche Intelligenz viele Bürojobs
überflüssig machen. Aber ande-
Dort helfen Roboter dabei, Kin- viele Dinge gen es, diese Brillen aufzuset- re, neue Jobs werden entstehen.
dern Dinge beizubringen. Zum einfach zen. Damit können wir sie zum Wir müssen offen sein für diese
Beispiel, dass sie Augenkontakt
halten sollen. Der Roboter singt
gemacht“ Beispiel an Hunde gewöhnen.
Viele autistische Kinder wer-
Entwicklungen.
ein Lied, das die Kinder mö- den hysterisch beim Anblick
gen, aber sobald die Kinder die von Hunden. Wir zeigen ihnen
Augen abwenden, hört er auf. einen virtuellen Hund, der erst B j ö rn F inke
So ein Roboter wird nie müde, weit weg ist. Eine Woche drauf
ist grenzenlos geduldig, und ist er dann näher. Irgendwann hat Henley-on-Thames, wo
sein Tonfall und sein Gesichts- bellt er. Am Ende haben sich die Shirley lebt, schon oft für Artikel
ausdruck ändern sich nicht. Kinder daran gewöhnt, sie kön- besucht, es aber nie zum berühm-
ten allsommerlichen Ruder-
Bei menschlichen Lehrern gibt nen dann sogar einen Hund als rennen dorthin geschafft. 2019
es Veränderung, und das kön- Haustier haben. ist es so weit. Bestimmt.
8 5 J ahr e b e w e gt e s L e b e n Mit einem ge-
schätzten Vermögen
von 140 Millionen
Pfund gilt sie
zwischenzeitlich als
elftreichste Frau
Großbritanniens –
drei Plätze hinter
der Queen.
Einen großen Teil
ihres Geldes spendet
sie, vor allem an
Projekte für autisti-
1962, als Frauen sche Menschen.
noch die Erlaubnis Ihr einziger Sohn war
ihres Mannes brauchten, Autist und starb
um ein Bankkonto 1998 mit 35 Jahren.
zu eröffnen, gründete Shirley ist nicht
Stephanie Shirley nur für ihren Mut und
Fotos: Dame Stephanie Shirley Archives
ihre eigene Software- Unternehmergeist
firma. bekannt, sondern auch
für ihren Humor.
Siehe auch der TED-
Talk mit dem Titel:
„Dame Stephanie“ „Warum haben
wurde 2000 in den ehrgeizige Frauen
Adelsstand erhoben. flache Köpfe?“
Das Leben der
85-Jährigen soll nun
verfilmt werden.
14Jing Tang User Interaction und User Experience, China (Peking) Der beste Weg, die Welt zu bewegen: sie mobiler zu machen. Das sind wir. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden. Schließlich ist es schon perfekt, so wie es ist. Statt- dessen suchen wir weiter nach Möglichkeiten, ihm immer neue Wege zu bereiten. Der stärkste Antrieb ist dabei unser Pioniergeist. Wenn Sie wie wir die Welt voranbringen wollen, finden Sie bei uns die besten Voraussetzungen, um große Ideen zu verwirklichen – genau wie sich selbst. Wenn Sie neugierig sind, besuchen Sie uns auf: www.daimler.com/karriere Zum Markenportfolio von Daimler gehören Mercedes-Benz, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Mercedes me, smart, EQ, Freightliner, Western Star, BharatBenz, FUSO, Setra, Thomas Built Buses sowie Mercedes-Benz Bank, Mercedes-Benz Financial Services, Daimler Truck Financial, moovel, car2go und mytaxi.
Texte: Xxx Xxx; Fotos: Xxx Xxx; Illustration: Xxx Xxx
t e x t: E va St e i n l e i n I l l u st r at i o n e n : Pau l Pa e t z e l
Cyber-Attacken sind längst keine Science-Fiction mehr – nicht nur bei
US-Wahlen. Auch Estland, Lettland und Litauen sind das Ziel von digitalen Angriffen.
Gegen russische Hacker und Propagandakampagnen kämpfen junge Frauen im
Baltikum ganz vorn an der unsichtbaren Front
S ille Laks verteidigt Estland, seit sie 17 Jahre alt ist. Da hat
ihr Großvater sie zum ersten Mal auf ein Wochenende mit
dem Verteidigungsbund mitgenommen, einem Paramilitär,
ist ein kompliziertes bürokratisches Verfahren. In den Krawallen
von 2007 brach sich ihre aufgestaute Wut explosionsartig Bahn.
Doch die eigentliche Bedrohung waren nicht die Kämpfe auf der
das an die estnischen Streitkräfte angeschlossen ist. Mit anderen Straße – sie kam aus einem Angriffsfeld, mit dem bis dahin kaum
Freiwilligen geht sie seitdem regelmäßig auf kilometerlange Mär- jemand gerechnet hatte: dem Internet. Russische Hacker legten mit
sche und Bergtouren, hebt Gräben aus, übt Schießen mit dem Luft- einer Flut automatisierter Aufrufe gezielt die Webseiten wichtiger
gewehr, übernachtet im Wald. „Noch am ersten Sonntagabend habe Staatsorgane, Banken und Nachrichtenmedien lahm. Später kaper-
ich meine Beitrittserklärung auf der Webseite ausgefüllt“, erinnert ten sie die Seiten und luden dort politische Parolen und Propagan-
sich die 32-Jährige, die ihre verspiegelte Sonnenbrille am liebs- dabilder hoch. In einem Land, dessen Bürger schon damals online
ten nie absetzt. Nun ist sie eine von fast 26 000 Esten, die samt der an Wahlen teilnehmen, Behördengänge und Arztkonsultationen
Frauen- und Jugendorganisationen zum Verteidigungsbund gehö- erledigen konnten, war das mehr als ein Weckruf: Der Cyberangriff
ren und im Kriegsfall als Reservisten kämpfen sollen. Eine beacht- traf das Selbstverständnis Estlands als digitale Nation im Kern.
liche Verstärkung des Militärs in dem kleinen baltischen Staat, der Die Esten mussten dringend umdenken: Cybersicherheit hat seit-
nur 1,3 Millionen Einwohner und 6000 aktive Soldaten zählt. Bis dem oberste Priorität. Sille Laks hat den Prozess von Anfang an auf
2020 wollen die baltischen Streitkräfte auch ein Cyberkommando höchster Ebene mitgestaltet. Sie sitzt in der Halle der Technischen
von 300 Personen aufgebaut haben. Der paramilitärische estnische Universität Tallinn, an der sie ihren Master in Cybersecurity gemacht
Verteidigungsbund hat schon seit mehreren Jahren eine Cyber- hat und heute „Grundlagen der Cybersicherheit“ unterrichtet, lehnt
einheit, in der auch Laks sich engagiert. sich tief in den gepolsterten Stuhl und erzählt: Vier Jahre lang hat sie
Den größten Teil seiner Geschichte hat Estland ebenso wie Lett- in der Notfall-Eingreiftruppe der staatlichen IT-Sicherheit gearbeitet
land und Litauen unter wechselnder Herrschaft verbracht, von 1940 – einer Behörde, die mit dem deutschen Bundesamt für Sicherheit
bis 1991 gehörte das Land zur Sowjetunion. Die meisten Balten nen- in der Informationstechnik (BSI) vergleichbar ist. Dort werden ein-
nen diese Zeit „die Okkupation“ und ohne jene Besatzung – so der heitliche Sicherheitsstandards für die estnische Regierung bei Pass-
Vorwurf – hätte die Region heute den Entwicklungs- und Lebens- wörtern, Software und Reporting festgelegt. Auf Backup-Servern in
standard Skandinaviens. Spätestens seit der Annexion der Krim Luxemburg ist zudem der gesamte Datensatz aller Bürger abrufbar,
und dem Konflikt in der Ukraine treibt nun immer mehr Balten die falls Estlands digitale Infrastruktur zum Erliegen kommt.
Sorge um, sie könnten von ihrem gemeinsamen Nachbarn Russland Auch der paramilitärische estnische Verteidigungsbund zog
erneut okkupiert werden. seine Schlüsse und richtete eine Cybereinheit ein, der heute etwa
Sille Laks ist nicht einmal 50 Kilometer von der russischen 200 Personen angehören. Sille Laks ist aktives Mitglied dieser
Grenze entfernt aufgewachsen. Ihren ersten Einsatz für die Ver- „Küberkaitseliit“ und nimmt an Übungen teil, mit denen die Ein-
teidigungseinheit hatte die energische IT-Expertin 2007 als Hilfs- heit und die staatliche IT-Sicherheit gemeinsam den Kampf gegen
polizistin. In der Nacht auf den 27. April waren in den Straßen der Hackerangriffe trainieren: Eine Gruppe attackiert etwa den Server
Hauptstadt Tallinn und in ihrer Heimatstadt Jõhvi schwere Unruhen einer Klinik in der Küstenstadt Pärnu, die andere Gruppe muss den
zwischen ethnischen Russen und Esten ausgebrochen. Angriff abwehren – und dabei neben logistischen Fragen auch be-
Nach der Unabhängigkeit des Landes 1991 hatte man die ethni- denken, was sie wann an die Öffentlichkeit kommuniziert.
schen Russen und ihre Nachfahren, die in Estland und Lettland im- „Wir haben gelernt, dass man tatsächlich ein ganzes Land aus
merhin ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, zu „Nichtbürgern“ dem Netz angreifen kann – und dass wir etwas dagegen tun müssen“,
erklärt. Bis heute dürfen sie weder wählen noch im öffentlichen sagt Sille Laks, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „Just nerd faster“
Dienst arbeiten, die „Naturalisierung“ genannte Einbürgerung trägt. Sie strahlt den gleichen Pragmatismus aus, der auch Estland
Plan W 17als Cyberbastion ausmacht. Emotional wird sie nur, wenn sie sich heute ist. Barojan nennt sich selbst „Digital Sherlock“: Sie spürt
über den unbedarften Umgang der Deutschen mit Sicherheitsfragen Desinformationskampagnen im Internet auf und versucht, mit
wundert, den sie bei einem Behördengang bemerkt hat: „Da hatten Software-Tools den Methoden der Urheber auf den Grund zu gehen.
sie noch Computer mit Windows XP Home Edition, von denen einer Denn längst findet neben dem Cyberkrieg der Hacker auch eine
zehn Minuten lang entsperrt und unbeobachtet vor mir stand.“ Propagandaschlacht statt, deren Beteiligte alles andere als im Ver-
Dass ein System verwendet wird, für das es keine Updates mehr borgenen agieren: Kremlnahe Medien wie Sputnik und RT beein-
gibt, ist jemandem wie Sille Laks wesensfremd. Alles an ihr signa- flussen nicht nur im Baltikum die Debatte über Ereignisse im Welt-
lisiert Zielstrebigkeit: ihr Gang, ihre Sprechweise, ihre Laufbahn in geschehen – und ihre Deutung.
der Tech-Branche, die sie selbst nicht als bemerkenswert ansieht. Die in Litauen geborene Donara Barojan, die Internationale Be-
Denn während man in Deutschland überlegt, wie man Frauen ziehungen an der London School of Economics studiert hat, arbeite-
fördert, sind die Balten schon weiter: Obwohl die Beschäftigungs- te 2016 bei einer Kommunikationsberater-Firma in Großbritannien
quote unter Frauen niedriger ist als in Deutschland, haben alle drei und bekam verwundert mit, wie ihre Verwandten in der Heimat im-
Länder einen höheren Frauenanteil auf mittleren und höheren mer öfter kremlfreundliche Artikel posteten. „Ich habe sie darauf
Führungspositionen – Lettland ist mit fast 44 Prozent sogar EU- angesprochen und bekam als Antwort: ‚Na ja, das taucht oft in mei-
Spitzenreiter. Das liegt zum einen daran, dass deutlich mehr Frauen ner Timeline auf, und ich fand es wichtig, das zu teilen.‘“
als Männer in den baltischen Staaten einen Hochschulabschluss Dass es so leicht ist, auf die Berichte hereinzufallen, ist kein Zufall.
haben. Zudem haben die meisten von ihnen neben einem „Just do „Russland nutzt die Schwachstellen unserer Medienlandschaft sehr
it“-Pragmatismus auch das Konzept lebenslangen Lernens ver geschickt aus“, sagt Donara Barojan und klickt als Beleg durch eine
innerlicht: Wieso sollte ein Kind oder eine Umschulung der Grund Fülle von Tabellen und Analysen, die sie verfasst hat. Sie weiß, wie
sein, beruflich kürzerzutreten? sie glaubwürdig auftritt: Im Gespräch gestikuliert sie kaum, ihre
Bei Sicherheitstrainings bringt Sille Laks ihren Zuhörern bei, wie Miene bleibt stets freundlich-unaufgeregt, selbst ihr auffälliges
sie sich im digitalen Raum vor Angriffen schützen. Im Anschluss ist blaues Brillengestell lenkt nicht von der Sache ab, um die es geht.
sie ansprechbar für Fragen – und bleibt auch mal sechs Stunden län- Ausführlich schildert sie die Lücken, die sie bei ihrer Arbeit auf-
ger als geplant: „Ich bin für sie da, nicht sie für mich.“ Auch im fort- gedeckt hat: Sputnik und RT sind Meister darin, durch präzise und
schrittlichen Estland gibt es Leute, denen sie erklären muss, wie man informative Berichterstattung in einigen Bereichen Glaubwürdig-
Passwörter ändert, eine Spam-Mail erkennt oder wozu eine Zwei- keit aufzubauen – sowohl bei ihren Lesern als auch im Algorithmus
Faktor-Authentifizierung, also ein sicheres Login-Verfahren über der sozialen Netzwerke. Steht Russland dann während einer Krise
zwei Komponenten wie EC-Karte und TAN, gut ist. „Cybersicherheit im Medienfokus, veröffentlichen sie staatlich geförderte Propagan-
ist eine gemeinsame Verantwortung“, ist sie überzeugt. „Wenn du da. „Sie vermischen Wahrheit und Lüge und stehen im Ergebnis als
einen gewöhnlichen Internetnutzer davon abhältst, ein schwaches verlässliche Nachrichtenquelle da, obwohl sie das nicht sind“, er-
Passwort zu benutzen, musst du einen Problemfall weniger betreuen.“ klärt die 26-jährige Analytikerin in britisch gefärbtem Englisch.
Vor zwei Jahren fasste Donara Barojan den Entschluss, London
D ie Arbeit von Donara Barojan im Nachbarstaat Lettland
setzt einen Schritt früher an. Die Analytikerin sitzt im Kon-
ferenzraum des NATO-Exzellenzzentrums für strategi-
zu verlassen und ins Baltikum zurückzukehren, um den wachsen-
den Desinformationsoffensiven etwas entgegenzusetzen. Gemein-
sam mit anderen „Digital Sherlocks“ hat sie die digitale Forensik
sche Kommunikation in der lettischen Hauptstadt Riga, wo sie eine von einer Art Start-up am NATO-Exzellenzzentrum in Riga zur
Abteilung für Forensik im Netz aufgebaut hat, deren Vizechefin sie festen Abteilung ausgebaut, in der auch viele Frauen arbeiten. Als
18Grundlage diente den Analysten häufig Software aus dem Marke-
ting, die sie für ihre Zwecke angepasst und weiterentwickelt haben
– etwa ein Frühwarnsystem für Fake-News-Kampagnen, das auto-
matisch einschlägige Seiten durchforstet.
Im Baltikum, wo außer der russischen Minderheit auch viele
ethnische Esten, Letten und Litauer seit ihrer Schulzeit Russisch
können, gewinnen kremlnahe Medien ihr Publikum oft durch
Unterhaltungssendungen, in die auf humorvoller Ebene politische
Botschaften einfließen. Jüngere Nutzer erreichen sie über die so-
zialen Netzwerke: Nicht nur die Plattform Twitter ist anfällig für
Bots, die beispielsweise durch automatisierte Massenposts einen
bestimmten Hashtag populär werden lassen und so künstlich Auf-
merksamkeit für ein Thema erzeugen können.
Im Moment entwickelt Donara Barojans Team einen eigenen Bot:
Er soll URLs identifizieren können, die auf Fake-News-Meldungen
In Estland werden
Behördengänge, Arztkonsulta-
tionen und sogar Wahlen
online durchgeführt. Um russische
Cyberangriffe abzuwehren,
engagieren sich
Hunderte Freiwillige in einer
paramilitärischen Cybereinheit,
der „Küberkaitseliit“
führen. Wird ein solcher Link auf Twitter geteilt, soll der NATO-Bot
automatisiert eine Antwort unter den Tweet posten: „Hi! Dieser Link
führt zu einer Falschnachricht. Hier ist ein Artikel, der sie widerlegt.“
Barojan glaubt, dass es kein Zufall ist, dass solche Technologien aus-
gerechnet in ihrem Land entwickelt werden: „Ich denke nicht, dass
die baltischen Staaten die anfälligsten für russische Desinforma
tion in Europa sind – eher sind sie die widerstandsfähigsten.“ Lange
habe die NATO das Baltikum als schwächstes Glied angesehen, da-
bei hätten die Menschen dort gerade durch die gefühlte Bedrohung
eine starke Urteilsfähigkeit und Resilienz im Umgang mit Cyber-
kampagnen entwickelt, die sie an die Welt weitergeben könnten.
Das gelte vor allem für ihre Heimat Litauen: „Wann immer eine
Fake-News-Geschichte die NATO-Soldaten in Litauen oder Litauens
internationale Position ins Visier nimmt, ist die entlarvte Version der
Geschichte tausendmal so populär.“
E v a S tei n l ei n
begann ihre Recherche, als gefühlt das ganze Baltikum im Jahresurlaub
war. Bester Zeitpunkt für einen Hackerangriff also: im Hochsommer.
Plan Waschinen
M
und Moral
P r oto ko l l e : A n d r e a R e x e r
Illustrationen: Riccardo Vecchio imp r i n t s
Während Männer
an Algorithmen basteln,
beschäftigen sich
auffällig viele Frauen
mit der Frage, welche
Auswirkungen
die Technologie auf
das menschliche
„Bin
Zusammenleben hat.
Das ist keine Neben-
etwa ich
sächlichkeit,
sondern entscheidet
darüber, ob künst-
kein
Frau e
liche Intelligenz
akzeptiert wird,
oder nicht
?“
Die amerikanisch-
ghanaische Informati-
kerin hat sich schon
im Teenageralter
selbst Programmieren
beigebracht. Heute
nennt sie sich „Poet of
Code“, nutzt also
Kunst, um auf soziale
Problematiken bei
künstlicher Intelligenz
aufmerksam zu ma-
chen, hat die Algo-
rithmic Justice League
gegründet, die gegen
einprogrammierte
Vorurteile in Algo-
rithmen kämpft, und
arbeitet als Wissen-
schaftlerin an der
US-Eliteuniversität MIT.
20s t u n s e i n ! “
„ L a s n ic ht a l l
t i k e r
Inf or m a Katharina Zweig,
TU Kaiserslautern
Als Informatikprofessorin habe ich einen neuen Studiengang entwickelt: die
Sozioinformatik. Sie untersucht, was passiert, wenn Mensch und Maschine
interagieren. Klassischerweise werden wir Informatiker nicht darin ausgebil-
det, wie Entscheidungskriterien zustande kommen, die wir in unserer Soft-
ware anwenden. Ein ganz konkretes Beispiel: In den USA wird vor Gericht
Software angewendet, die vorhersagen soll, wie hoch die Wahrscheinlich-
keit ist, dass ein Angeklagter rückfällig wird. Man wollte mit dem daten-
basierten System erreichen, dass weniger Urteile durch Vorurteile – etwa
aufgrund der Hautfarbe – beeinflusst werden. Das ist eigentlich ein guter
Gedanke. Aber bei der Programmierung hat man die Informatiker anschei-
nend allein gelassen. Beispielsweise wird abgefragt, ob die Eltern eines Ange-
klagten auch straffällig waren. Darf diese Frage moralisch gesehen überhaupt
eine Rolle spielen? Wohl kaum. Das ist rechtsphilosophisch längst geklärt,
aber um das zu wissen, braucht der Informatiker einen Rechtsphiloso-
phen an seiner Seite. Meine Forderung ist daher, dass alle Algo-
Die geborene Ham-
rithmen, die direkt auf den Menschen abzielen, zwingend immer
burgerin ist eine der
in diversen Teams erarbeitet werden müssen. Damit meine ich, wenigen deutschen
dass neben Informatikern je nach Themenfeld auch Geistes- oder IT-Professorinnen.
Zweig, 42, lehrt an der
Sozialwissenschaftler einbezogen werden. Dabei ist es zentral,
TU Kaiserslautern
dass wir die Angst vor Formeln und künstlicher Intelligenz über- und hat das „Algorithm
winden. Mein Appell: Lasst uns Informatiker nicht allein! Lasst uns Accountability Lab“
ins Leben gerufen –
alle gemeinsam die Zukunft gestalten. Das ist die Voraussetzung
eine Arbeitsgruppe,
für eine gute Anwendung von künstlicher Intelligenz. die sich mit der Verant-
wortung von Algo-
rithmen beschäftigt.
Joy Buolamwini, durch künstliche Intelligenz gesteuert wird, hielt ich mir eine weiße Maske vors Gesicht,
Poet of Code hatte bisher gravierende Fehler – so wurden damit meine Anwesenheit bemerkt wurde.
etwa bekannte Personen wie Michelle Oba Bei Respekt geht es nicht nur darum,
Während der Frauenrechtskonvention 1851 ma, Oprah Winfrey oder Serena Williams anerkannt oder nicht anerkannt zu wer-
hielt die Aktivistin Sojourner Truth ihre nicht als Frauen erkannt. Solche Probleme den. Es geht auch darum, die Prozesse zu
ikonenhafte Rede Ain’t I a Woman?. Sie gab es schon mehrfach: Früher hat Googles gestalten, die unser Leben bestimmen. Mit
plädierte leidenschaftlich für die Anerken- Foto-Anwendung schwarze Menschen in dem zunehmenden Einsatz von künstlicher
nung ihrer Menschlichkeit. Das ist genau Bildern als „Gorillas“ gesehen. Gesichts- Intelligenz werden wir mehr und mehr ana-
das, was ich im Zeitalter der künstlichen analyse-Software funktioniert gut für weiße lysiert. Da Unternehmen, Regierungen und
Intelligenz (KI; engl. AI) wieder tue: Mein Männer, aber weniger für alle anderen. Strafverfolgungsbehörden KI nutzen, um
neuestes Werk, ein gesprochenes Gedicht, Als ich als Studentin mit KI-gestützter Entscheidungen über unsere Chancen und
heißt AI, Ain’t I a Woman?. Denn die Frage Gesichtserkennungssoftware für ein Codie- Freiheiten zu treffen, müssen wir verlangen,
ist heute so dringlich wie damals: Bin ich rungsprojekt arbeitete, konnte der von mir dass wir als Menschen respektiert werden.
etwa keine Frau? programmierte Roboter mein dunkelhäuti- Meine Erfahrungen sind eine Mahnung,
Von den fünf Technologie-Unterneh- ges Gesicht nicht erkennen. Ich musste mir dass künstliche Intelligenz, die so oft we-
men, die KI-basierte Gesichtserkennung das Gesicht meines weißen Mitbewohners gen ihres Potenzials zur Veränderung der
anbieten, das sind Microsoft, Amazon, borgen, um den Auftrag zu beenden. Spä- Welt gepriesen wird, tatsächlich Vorurteile
Face++, IBM und Google, fordere ich Res- ter, als ich als Doktorandin am MIT Media und Ausgrenzung verstärken kann – selbst
pekt ein! Denn die Gesichtserkennung, die Lab an einem anderen Projekt arbeitete, wenn sie in bester Absicht eingesetzt wird.
Plan W 21a u che n
oter br i lder “
„R ob er nsc h
Num m Andra Keay,
Silicon Valley Robotics
Im Moment sind Roboter zwar noch zu teuer, um sie in großer Stückzahl als
Werbeträger einzusetzen. Aber das wird sich bald ändern. Und dann könnte es
sein, dass uns Roboter überall anquatschen, um uns etwas anzudrehen – auf
Bürgersteigen oder in den U-Bahnen. Denken Sie nur an die Leihräder, die man-
che Städte überschwemmen. Meine erste Forderung: Roboter brauchen Num-
mernschilder, oder Ausweise, anhand derer der Absender klar erkenntlich ist.
Dann wird sich der Spam von allein in Grenzen halten, weil die
Die Australierin ist Leute wissen, wer sie nervt. Meine zweite Forderung wäre:
Geschäftsführerin bei
Silicon Valley Ro- Roboter sollen kein Geschlecht haben, eigentlich soll-
botics. Ihre Karriere ten sie überhaupt nicht Menschen ähnlich sehen. Denn
begann sie als Filme- schon jetzt zeichnet sich ab, dass dienenden Robotern
macherin, sattelte
aber 2011 mit einem gern Frauenstimmen gegeben werden. Das mögen die
Master in Human Kunden lieber, aber es zementiert Klischees. Roboter sollen als das
Robot Culture in Syd- erkennbar bleiben, was sie sind: Roboter. Und nicht Menschen.
ney um und ist in-
zwischen eines der
bekanntesten Gesich-
ter der weltweiten
Robotics-Szene.
nen wir mit intelligenter Spracherkennung
arbeiten und Algorithmen lernen, welche
„Wir
Fragen besonders häufig gestellt werden,
damit wir die Antworten darauf präzise
d ü r fe ausformulieren können. Eine Regel in un-
u ns n n
serem Kodex lautet dann: Mensch und
Maschine müssen immer unterscheidbar
h i nt e ic ht sein. Wenn ein Kunde mit einem Roboter
r Ma s spricht, muss ihm das transparent gemacht
verst ch inen
werden. Eine andere wichtige Regel ist,
dass die Verantwortlichkeit für das, was
e c ken
unsere Algorithmen entscheiden, immer bei
einem Menschen liegt. Wir dürfen uns nicht
“
Beispiel dafür ist, dass eine Internetsuche
hinter Maschinen verstecken.
Ich würde mir wünschen, dass sich
viele Unternehmen einen KI-Kodex geben.
Claudia Nemat,
Telekom zum Begriff „weiblicher CEO“ das Bild einer Und sich damit eine breite gesellschaft
Barbie-Puppe ausspuckt. Das liche Diskussion verbindet, die
Als Jugendliche habe ich das Drama Die Phy- zeigt, wie sensibel der Umgang Die 49-Jährige setzt den Menschen die Angst vor
als Telekom-Vorstands-
siker über die Entwicklung der Atombombe mit dieser Technologie ist. mitglied für Tech- der neuen Technologie nimmt.
voller Faszination gelesen. Seither trage ich Die Telekom hat sich im Mai nologie und Innovation Darin liegt eine große Chance
die Gewissheit in mir, dass alles, was die 2018 als eines der ersten Unter- die Agenda in Sachen für Europa. Bei der Anwendung
künstliche Intelligenz
Wissenschaft herausfindet, Auswirkungen nehmen weltweit einen Kodex in Deutschland. Sie von künstlicher Intelligenz
auf die ganze Menschheit haben kann. für die Anwendung von künst- hat in Köln Physik, dürfen wir den Anschluss zu
Künstliche Intelligenz spiegelt wie kaum licher Intelligenz gegeben. Wir Mathematik und Philo- Asien oder den USA nicht ver-
sophie studiert und
etwas die Denkweise der Menschen. Haben setzen in 50 verschiedenen viele Jahre als Unter- passen. Ich bin überzeugt: Eine
Menschen Vorurteile, so kann sich das in Projekten KI ein. Ein Beispiel nehmensberaterin ethische Debatte wird es nicht
Algorithmen fortsetzen. Ein vielsagendes sind unsere Callcenter, in de- gearbeitet, bevor sie sein, die uns zurückwirft.
im Jahr 2011 in den
Telekom-Vorstand be-
rufen wurde.
22Plan W 26
bestärkt Mädchen
weltweit darin, dass es
großartig ist, etwas „wie ein
Mädchen zu tun“.
DIE ANGST DAVOR, FEHLER ZU MACHEN,
LÄHMT MÄDCHEN IN DER PUBERTÄT
7 von 10
Mädchen probieren
aus Angst vor Fehlern
während der Pubertät
nichts Neues aus Ausprobieren,
Fehler machen, Dazulernen,
8 von 10 Weitermachen
Mädchen verspüren
einen gesellschaftlichen #WieEinMädchen
Druck, perfekt sein zu
müssen
Die globale #WieEinMädchen
Bewegung inspiriert und verändert
seit 2014 die Sichtweise darauf,
was es heißt, ein Mädchen zu sein.
Gemeinsam können wir das Selbstbewusstsein von Mädchen stärken
und sie dabei unterstützen, zu starken und selbstbestimmten
Frauen heranzuwachsen.
Mehr erfahren: www.always.deImpressum
Chefredaktion: Das Magazin PLAN W erscheint
Kurt Kister, Wolfgang Krach in Zusammenarbeit mit dem
Redaktionsleitung: Wirtschaftsressort der
Andrea Rexer (V.i.S.d.P.) Süddeutschen Zeitung.
Produktionschefin: Anke Eberhardt Ressortleitung: Dr. Marc Beise und
Textchefin & Strategie: Ulrich Schäfer. Es liegt der
Susanne Klingner Gesamtauflage der SZ am Wochenende
Art-Direktion: Daniela Wiesemann bei, erscheint viermal im Jahr
Chef vom Dienst: Martin Langeder und ist auch im Digitalen Kiosk der
Autor/innen: Alexandra Borchardt, Süddeutschen Zeitung unter
Anna Dreher, Anke Eberhardt, sz.de/plan-w erhältlich. Bei Nicht-
Björn Finke, Ekaterina Kel, erscheinen durch höhere Gewalt oder
Susanne Klingner, Marija Latkovic, Streik kein Entschädigungsa nspruch.
Judith Raupp, Andrea Rexer, Eine Verwertung der urheberrechtlich
Eva Steinlein, Susann Wenk geschützten Zeitschrift und aller in
Schlussredaktion: ihr enthaltenen Beiträge und
Julei M. Habisreutinger, Abbildungen, insbesondere durch
Christine Uschold-Schlör Vervielfältigung oder Verbreitung,
Bildredaktion: ist ohne vorherige schriftliche
Tamara Hansinger Zustimmung des Verlages unzulässig
Grafik: und strafbar, soweit sich aus dem
Judith Borgmann Urheberrechtsgesetz nichts anderes
Autorenporträts: ergibt. Die Veröffentlichung der
Bernd Schifferdecker Veranstaltungstermine erfolgt ohne
Verlag: Süddeutsche Zeitung GmbH, Gewähr. Veröffentlichung gemäß
Hultschiner Str. 8, 81677 München, Art. 8 Abs. 3 Bayerisches Pressegesetz:
Telefon 089/21 83-0 Alleinige Gesellschafterin der Süd-
Geschäftsführung: Stefan Hilscher, deutsche Zeitung GmbH ist die
Dr. Karl Ulrich Süddeutscher Verlag GmbH, München.
Anzeigenleitung: Jürgen Maukner An dieser sind beteiligt: Südwest
Der irre Trend Objektleitung: Christine Tolksdorf
Marketing: Sylvia Lechner
deutsche Medien Holding GmbH,
Stuttgart: 81,25 %; SV Friedmann
Repro: Compumedia GmbH, Holding GmbH, Grünwald: 18,75 %.
Elsenheimerstr. 59, 80687 München E-Mail: sz-planw@sueddeutsche.de
Herstellung: Alle bisherigen Ausgaben:
Online-Dating reloaded Hermann Weixler (Leitung) sz.de/plan-w
Druck: Prinovis GmbH & Co. KG, * freie/r Mitarbeiter/in
Breslauer Str. 300, 90471 Nürnberg
Während die Partnerwahl früher vorrangig durch die Größe
des Dorfes bestimmt wurde, verspricht das Internet
mit „Parship“, „Tinder“ und Co. die Liebe ohne räumliche
Grenzen. Heute mit jemandem in Neuseeland chatten
und morgen in New York daten? App sofort kein Problem. Plan W Online
Nachdem sich die frühen Anbieter noch damit brüsteten,
dass möglichst viele paarungswillige User auf ihren Platt-
formen turtelten, ist seit einiger Zeit das Gegenteil der
Fall. „Im Gegenteil“ heißt dementsprechend eine Webseite,
deren Prinzip es ist, nur wenige Singles zu zeigen, dafür
aber mit ausführlichen Profilen. Bei „Once“ gibt es lediglich
einen Partnervorschlag pro Tag und die lautstark vermark-
tete B ehauptung, dass auf einen Algorithmus verzichtet
werdeund menschliche Matchmaker die einsamen Herzen
verbinden, erinnert doch verdammt an das Verkuppeln aus
alten Zeiten – nur dass Muttern nicht mehr die Auswahl
trifft. Auch die VIP-Dating-App „Raya“ basiert auf dem Im WWW finden Sie Und jeden Mittwoch
Verknappungsprinzip und akzeptiert neue Mitglieder nur uns hier: gibt’s den Plan-
nach eingehendem Social-Media-Coolness-Check. Schau- W-Newsletter und
Foto: UPI/laif; Illustration: Kati Szilágyi
spieler, Musiker und Models bezahlen schließlich dafür, dort fb.com/sz.planw alle vier Wochen
unter sich zu bleiben. Bei „happn“ werden wiederum nur Plan W als Podcast:
die Singles angezeigt, denen man eigentlich schon einmal SZ_PlanW
begegnet ist; auf der Straße, in einer Bar oder bei der Arbeit. SZ PlanW
Ortungsdienste machen’s möglich, den Bewegungsradius sz.de/
zu tracken und potenzielle Partner nur in der unmittel- sz.de/plan-w planwnewsletter
baren Nähe zu lokalisieren. Und siehe da, da ist es wieder:
das Dorf – nur eben digital. A n k e E b e r h a r dt #PlanW_bittefolgen sz.de/podcast
Plan W 27Sie können auch lesen