Unsere Wirtschaft - IHK zu Coburg
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Magazin
Unsere Wirtschaft Ausgabe 3/2020
Region Region Sonderthema ITK
Hohe Aufmerksamkeit für Maschinenbauer Waldrich feierte Bayern darf Giganetz-Ausbau
heimische Spielwaren in Nürnberg seine 100-jährige Geschichte auf dem Land fördern
IHK-Wahlprüfsteine zur
OB-Wahl im
Oberzentrum Coburg2 Inhalt
Kommunalwahl in Coburg
IHK-Wahlprüfsteine: Das antworten die 4
neun Oberbürgermeisterkandidaten der Wirtschaft
Region
Interview: Heunec-Chefin Barbara Fehn-Dransfeld 15
möchte Spielwarenhersteller für „Fair Toys“ gewinnen
Coburger Start-up movaco sucht Testanwender 17
für Praxiserprobung von nützlicher App
Mit Mut und Konzept gegen den Trend: 19
„Gastronomie auf dem Land“ hat Zukunft
Sonderthema: ITK, Büroorganisation
EU hat den Weg für Förderoffensive von 22
Giganet-Ausbau in Bayern freigemacht
Allianz für Cybersicherheit bietet 22
Know-how-Transfer zum Nulltarif
Standortpolitik
BIHK-Umfrage: Mangel an Berufskraftfahrern 24
wird durch hohe Qualifizierungskosten verstärkt
„Bündnis Coburg – die Familienstadt“ heißt weitere 25 12 Neustadter Spielwarenhersteller übernimmt Branchenkollegen aus Fürth
Mitglieder aus der Wirtschaft willkommen
Rolly Toys übernimmt Ferbedo
Aus- und Weiterbildung
Arbeitskreis Schule–Wirtschaft wünscht sich 26 Der unter der Marke „rolly toys“ sehr er- Schnabel) sieht in der Verbindung der
noch intensivere Zusammenarbeit mit Unternehmen folgreiche Neustadter Kinderfahrzeugher- beiden traditionsreichen Hersteller eine
Neue Fachwirte für Versicherungen und Finanzen 26 steller Franz Schneider hat seinen Fürther Stärkung der Spielwarenproduktion in
freuen sich über ihre IHK-Zertifikate
Branchenkollegen Ferbedo übernommen. Franken und die Möglichkeit zur Erwei-
Existenzgründung und Unternehmensförderung Unternehmer Frank R. Schneider (rechts, terung des Produktportfolios.
Nicht nur Gründer und Jungunternehmer haben 27 mit IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar
Möglichkeit auf Förderung professioneller Beratung
Innovation und Umwelt
Deutlich bessere Förderbedingungen im 28 18 Deutscher Exzellenz-Preis für 3D-Konfigurator von W.SCHILLIG
Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
DIGITAL REGIONS: Forschungskapazitäten für 28 Wunschsofa zieht digital ins Wohnzimmer ein
Digitalisierungsprojekte im produzierenden Gewerbe
Der digitale 3D-Konfigurator des Frohn-
Wirtschaftsjunioren lacher Polstermöbelherstellers W.SCHIL-
Klaus Bruchmann tritt Amt als Kreissprecher 29
LIG International ist mit dem Deutschen
mit neu gewähltem Vorstandsteam an
Exzellenz-Preis ausgezeichnet worden.
International Die innovative Verkaufshilfe bringt das
Frisches Geld im Förderprogramm 30 Einkaufserlebnis virtuell ins heimische
„Go International – Fit für Auslandsmärkte“ Wohnzimmer: Endbenutzer können sich
Recht ihr Wunschsofa selbst zusammenstellen.
Die UEFA gibt Auflagen für Public Viewing 31
von Spielen der Fußball-EM bekannt
Vorsicht: Falsches „Bundeszentralregister für 32
Verbund-Verpackungsstoffe“ versucht abzukassieren 16 100-Jahr-Feier von WALDRICH COBURG
Bekanntmachungen Werkzeugmaschinenbauer freut sich auf die Zukunft
KAPP NILES gründet zwei weitere 33
Auslandsniederlassungen Der Werkzeugmaschinenbauer WALDRICH
Arbeitsjubiläen bei Möbel-Hofmann (Rödental) 33 COBURG freut sich 100 Jahre nach sei-
im Landsgasthof „Goldene Rose“ (Grub am Forst) ner Gründung als „Globuswerke“ durch
Neueintragungen, Sitzverlegungen und Löschungen 34 die Ingenieure Adolf Waldrich und Emil
von Unternehmen im Coburger Handelsregister Hardt nicht weniger auf die Zukunft als
seinerzeit. Das machte Geschäftsführer
Uwe Herold (l.) IHK-Präisdent Friedrich
Herdan (r.) beim Festakt deutlich.
Unsere Wirtschaft 3/2020Editorial 3
Nachhaltigkeit gelingt nur über
eindeutige Industriepolitik
Die generelle Ausrichtung des Wirtschaftens auf Nachhaltigkeit nachhaltige Wirtschaftsaktivität gelten soll, weil als „nicht nach-
ist aktuell Thema in der gesellschaftlichen und politischen Dis- haltig“ eingestufte Investitionen künftig, so die Absicht, schwie-
kussion. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, es gilt aber, Maß und riger zu finanzieren und zu versichern sein werden.
Ziel nicht aus dem Blick zu verlieren, denn Deutschland läuft Ge-
fahr, durch zunehmende Marktregulierung im globalen Stand- Gerade für unsere mittelständischen Unternehmen dürfte es
ortvergleich zurückzufallen! Derzeit drängt sich der Eindruck ohnehin schwierig werden, sich im Geflecht der „Nachhaltig-
auf, das Klima-Thema soll benutzt werden, um unsere Indust- keitskriterien“ über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg
rie zurückzuführen. So sind auch Industrieunternehmen unserer zurechtzufinden sowie zusätzliche Dokumentations- und Trans-
Region mit Entwicklungen konfrontiert, die sich zunehmend ne- parenzpflichten zu erfüllen, um das „Kreditwürdigkeitsprädi-
gativ auf deren Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Einige Beispiele: kat sustainable“ zu erhalten.
• Im Verlauf der Energiewende wächst aufgrund schleppen-
den Netzausbaus die Sorge um die Versorgungssicherheit – Beispiel: „Die politisch vorgegebene Fokussierung auf
während die Strompreise beständig steigen. Die deutschen E-Mobilität wird gemeinhin als ,nachhaltig‘ bewertet. Bei
Industriestrompreise befinden sich im EU-Vergleich in der genauerer Betrachtung ist dieser Ansatz allerdings frag-
Spitzengruppe! würdig, weil der Abbau des für Batterien notwendigen
• Im Klimapaket der Bundesregierung ist vorgesehen, zum 1. Ja- Lithiums als umweltbelastend eingestuft wird. Das ,Vor-
nuar 2021 im Verkehrsbereich und im Gebäudesektor die CO2- produkt Batterie‘ passt damit nicht so recht zum ,nach-
Emissionen mit 25 Euro pro Tonne zu bepreisen. Bis 2025 soll haltigen Endprodukt E-Auto‘“…
der CO2-Preis schrittweise auf 55 Euro erhöht werden, ab 2026
soll ein Korridor zwischen 55 und 67 Euro pro Emissionszerti- Sicher, es ist nicht zu verkennen, dass aus den beabsichtigten
fikat gelten. Diese beschlossene CO2-Bepreisung wird einige politischen Steuerungsinstrumenten Chancen auch für Unter-
Industrie- und Logistikbetriebe an unserem Standort Coburg nehmen am Coburger Standort erwachsen, v.a. im Bereich der
belasten und in Folge deren Wettbewerbsfähigkeit schwächen Effizienz- und Umwelttechnologien. Solche Potenziale sind aber
– sofern kein kluger Ausgleich gefunden wird. nur zu erschließen, wenn die „Sustainable Finance Regelungen“
• Die „Green Deal“-Initiative der neuen Europäischen Kom- keine neuen, in sich widersprüchlichen, Anreize zu bestehenden
mission verschärft nochmals deren ohnehin bereits ambitio- Umwelt- und Klimaschutzzielen schaffen.
nierten Klimaschutzziele, ebenfalls mit direkten Auswirkungen
auf unsere Coburger Unternehmen, beispielsweise in der wei- Wir, die IHK-Organisation, bestehen darauf, dass die Wirtschaft
teren Zertifikatsverknappung im Emissionshandel. bei Umsetzung der nationalen „Sustainable Finance Strategie“
• Sorge bereitet bereits jetzt das EU-Vorhaben „Sustainable eng eingebunden wird, um das Unterlaufen marktwirtschaftli-
Finance“, das bislang in der Öffentlichkeit noch wenig Be- cher Instrumentarien zumindest zu begrenzen. Wesentliches Ziel
achtung fand. Dabei geht es darum, unter Anlegung von Um- muss es sein, die gesellschaftliche Akzeptanz des Nachhaltig-
welt- und sozialen Maßstäben die Anlagepolitik institutioneller keitsthemas durch faktenbasierte Aufklärung und Freiwilligkeit
Investoren wie Privatanleger zu determinierten wirtschaftli- zu erreichen, unter Verzicht auf normative Strangulierung be-
chen Aktivitäten hinzulenken, mit denen die Klimaschutzzie- stimmter Finanzanlageklassen. Es muss unbedingt sichergestellt
le von Paris besser erreicht werden können. Hierzu hat die EU werden, dass wesentliche Finanzierungen in die Wettbewerbs-
einen in vielen Punkten noch nebulösen Aktionsplan mit zahl- fähigkeit unserer Industrie nicht behindert oder gar unmöglich
reichen Regulierungsmaßnahmen vorgelegt. gemacht werden, sodass Produktionsverlagerungen und damit
einhergehende schleichende De-Industrialisierung, auch unse-
Die Absicht hinter diesem EU-Ansatz, das Wirtschaften mehr res Wirtschaftsstandortes Coburg, vermieden werden.
in Richtung Nachhaltigkeit zu steuern, ist an sich positiv zu be-
werten. Aber zunächst bringt das Projekt weiteren Zuwachs an Ihr
bürokratischem Aufwand und Kosten auch für unsere Cobur-
ger Unternehmen mit sich, während diese ohnehin vor großen
Herausforderungen stehen – Digitalisierung, demographische
Veränderungen, Umwälzungen in Antriebstechnik und Mobili-
tät sowie Unsicherheiten im internationalen Handel –.
Das EU-Vorhaben bedarf deshalb dringend der Konkretisierung,
zumindest einer detaillierteren Erklärung dazu, was denn als Friedrich Herdan, Präsident
Unsere Wirtschaft 3/20204 Kommunalwahl 2020
IHK-WAHLPRÜFSTEINE ZUR KOMMUNALWAHL 2020
Das sind die Eckpunkte der Wirtschaftspolitik von Bewerbern um das Oberbürgermeisteramt in Coburg
Die Kommunalpolitik steht in der Verantwortung um die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Die Fortentwicklung Coburgs als Oberzentrum
hat für die gesamte Region Bedeutung. Für die kommende Legislaturperiode gilt es unsere Veste-Stadt attraktiv zu halten, um Bestandsfir-
men, Neuansiedlung, Arbeits- sowie Ausbildungsplätze und letztendlich Zukunftsperspektiven durch Steuereinnahmen zu sichern. Zur Kom-
munalwahl am 15. März 2020 hat die IHK zu Coburg deshalb Wahlprüfsteine zu wichtigen wirtschaftspolitischen Themenfeldern entwickelt
und den Kandidatinnen bzw. Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters Gelegenheit geboten, unseren Unternehmerinnen und Unter-
nehmern aus Industrie, Handel und Dienstleistungen die Eckpunkte ihrer beabsichtigten Wirtschaftspolitik darzulegen.
Um gleiche, faire Bedingungen für alle Kandidaten zu schaffen, standen für jedes der fünf Themenfelder max. 800 Zeichen inkl. Leerzeichen
zur Verfügung. Nachfolgend stellen wir die neun Bewerber/innen kurz vor und lassen ihre Antworten in ungekürzter Form folgen. Die Rei-
henfolge der Kandidaten bei unseren Wahlprüfsteinen orientiert sich an der aktuellen Sitzverteilung im Coburger Stadtrat.
Christian Meyer (CSU) Dominik Sauerteig (SPD) Christian Müller (CSB)
Christian Meyer (51) ist lang- Der 33-jährige Dominik Sauer- Christian Müller (50) geht für
jährig kommunalpolitisch en- teig möchte die langjährige Tra- die Christlich Sozialen Bür-
gagiert. Sein Stadtratsmandat dition von Sozialdemokraten an ger erneut ins Rennen um das
gab er 2013 auf, um die städti- der Coburger Stadtspitze fort- Spitzenamt im Rathaus. Der
sche Wohnbau zu führen. Den setzen. Auf das Amt sieht er selbstständige Rechtsanwalt
Erfahrungsgewinn will der Fa- sich als Jurist und ehemaliger lebt mit seiner Familie (2 Kin-
milienvater (3 Kinder) als Rat- Jungsozialist gut vorbereitet. der) in Coburg und ist seit 18
hauschef nutzen. Jahren Mitglied des Stadtrates.
Thomas Apfel (WPC) Ina Sinterhauf (Bündnis 90/Grüne) Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste)
Als Moderator des lokalen Ina Sinterhauf (44) hat Archi- Für die Wählergruppe Cobur-
Rundfunksenders hat Tho- tektur studiert, bevor sie sich ger Liste tritt Martina Benzel-
mas Apfel (47) regional hohe zur Systemischen Beraterin Weyh (45) an. Die verheiratete
Bekanntheit. Seine in Job, Sport, fortbildete. Sie arbeitet in Pädagogin unterrichtet an der
Kirche und Ehrenämtern ge- eigener Praxis sowie an der Heiligkreuz-Mittelschule und
wonnenen Einblicke haben ihn Hochschule Coburg und ist zog 2014 für die Grünen in
zum Engagement in der Wäh- in der Nachwuchsförderung den Stadtrat ein, hat sich je-
lergruppe Pro Coburg motiviert. für MINT-Berufe aktiv. doch zwischenzeitlich von der
Partei getrennt.
Dr. Michael Zimmermann (FDP) Michael Partes (ÖDP) René Hähnlein (Linke)
Mit dem Neurochirurgen Dr. Der 49-jährige Gymnasialleh- Rene Hähnlein hat bereits 2014
Michael Zimmermann (52) rer Michael Partes stammt aus versucht, Oberbürgermeister zu
bewirbt sich ein gebürtiger Neustadt, lebt in Dörfles-Es- werden. Der 48-jährige Indus-
Coburger ums Oberbürger- bach und unterrichtet in Co- triekaufmann arbeitet für den
meisteramt, der Berufs- und burg. Seine beiden Töchter sind Bundestagsabgeordneten Klaus
Lebenserfahrung aus Freiburg, in Coburg aufgewachsen, be- Ernst, ist seit sechs Jahren Mit-
Bochum und Berlin sowie Frau vor die Familie in der Nachbar- glied im Coburger Stadtrat und
und drei Kinder mit nach Co- kommune baute. zieht mit seiner Lebensgefähr-
burg brachte. tin zwei Kinder auf.© Stock Adobe | industrieblick Kommunalwahl 2020 5
1. Themenfeld Wirtschaftspolitik Standort
Coburg ist herausragend starker Wirtschaftsstandort. Vordringlichstes Ziel kommunaler
Wirtschaftspolitik muss es sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Unternehmen sich
entwickeln, expandieren und sich neue ansiedeln können, um das Gewerbe- und Einkommenssteuer-
aufkommen im städtischen Haushalt nachhaltig zu optimieren.
• Wie werden Sie Unternehmen in der Entwicklung am Standort Coburg fördern und begleiten?
• Wie wollen Sie die Neuansiedlung von Wirtschaftsbetrieben im Wettbewerb mit Nachbarregionen
voranbringen? Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Bedeutung des digitalen Gründerzentrums?
• Das Klima ist aktuell ein großes gesellschaftliches Thema. Wie wollen Sie in der künftigen Behandlung dieses
Themas für eine Balance aus Ökonomie und Ökologie in unserer Region sorgen?
Christian Meyer (CSU): Nur eine attraktive Stadt zieht Menschen an, die gerne hier leben und arbeiten und ist die Basis für Unternehmen. Besonders „kreative
Köpfe“ sind die Zukunft unserer Stadt. Deshalb müssen die Standortbedingungen von Stadt und Region sukzessive mit einem ganzheitlichen Konzept verbessert
werden. Dazu gehört eine noch bessere Verkehrsanbindung, der Schienen-Lückenschluss nach Thüringen und eine serviceorientierte Stadtverwaltung. Außerdem
stehe ich für eine vernünftige Steuerpolitik, um die Wirtschaftskraft in Coburg zu fördern. Klima- und Wirtschaftsziele waren nie so deckungsgleich – denn für den
Wandel brauchen wir intelligente Speicher- und Versorgungstechniken und eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur. Projekte wie das digitale Gründerzentrum
sichern die Zukunft unserer Region.
Dominik Sauerteig (SPD): Sie haben recht: Coburg ist herausragend starker Wirtschaftsstandort – nicht zuletzt durch die SPD-Politik der letzten 30 Jahre.
Ein wichtiger Aspekt für uns war und ist die Kooperation von Stadt, zukunftsorientierten Unternehmen und Hochschule. Diese Chancen werden wir weiter nutzen –
konsequent und in verlässlicher Partnerschaft. Ein erfolgreicher Baustein hierzu kann das Digitale Gründerzentrum sein. Wichtig ist aber auch: Die Flächen der Stadt
sind endlich. Als Oberzentrum profitieren wir auch von Ansiedlungen im Landkreis. Mir ist daher wichtig, dass wir gemeinsam agieren: Stadt, Unternehmen und
Nachbarkommunen. Das gilt auch beim Klimaschutz. Wir müssen alle mitnehmen. Wirtschaftliche Dynamik verbunden mit Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit als
Dreiklang ist der Schlüssel zum Erfolg.
Christian Müller (CSB): Erfolgreiche Wirtschaftsbetriebe, Global Player ebenso wie Mittelständler sind die Garanten des Wohlstandes der Bürger und der Kommune.
Sie zu fördern ist wichtige Aufgabe des Oberbürgermeisters. Ich werde das regelmäßige Gespräch mit den ansässigen Wirtschaftsbetrieben führen und über die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine aktive Unterstützung von Neugründungen und Neuansiedlungen voranbringen.
Das digitale Gründerzentrum bildet einen wichtigen Standortfaktor für Coburg. Es ist in enger Abstimmung aller Beteiligten zu fördern.
Emissionen machen vor Stadtgrenzen nicht Halt. Die CO²-Belastung darf nicht allein auf das Stadtgebiet bezogen betrachtet werden. Die bereits erfolgten Anstren-
gungen der Wirtschaft sind zu würdigen. Künftige Maßnahmen sind miteinander abzustimmen.
Thomas Apfel (WPC): Hier müssen wir auch weiterhin dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen passen. Harte wie auch weiche Standortfaktoren weiter
voranzubringen ist keine Kann–, das ist eine MUSS Aufgabe. Nur gemeinsam können wir eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Coburg erreichen. Das funktioniert
durch Vernetzung von Stadt, Land und Nachbarlandkreisen. Dazu müssen wir aber Kirchturmdenken aufgeben und GEMEINSAM neue Strategien entwickeln.
Am möglichen neuen Prinz Albert Campus (Güterbahnhof) werden wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir jungen Unternehmern, Handwerksbetrieben,
Hochschulen und Wirtschaftsbetrieben eine dauerhafte Bleibe anbieten können. Mittelfristig soll Coburg klimaneutral werden, dazu gilt es gemeinsam mit der
Wirtschaft passende Strategien zu entwickeln.
Ina Sinterhauf (Grüne): „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“ - so ein chinesisches Sprichwort. Bezogen
auf den Standort Coburg heißt das: Wir können uns als Vorreiter verstehen und an der Entwicklung notwendiger Innovationen (mit)arbeiten. Oder aber der Entwick-
lung hinterherlaufen und uns abhängen lassen.
Gelingt die Anpassung der regionalen Unternehmen an die Herausforderungen von Klimaneutralität, veränderter Mobilität, Digitalisierung, etc., und können Mitarbei-
ter*innen und Nachwuchskräfte passend dafür qualifiziert werden, bin ich zuversichtlich, dass es dem Standort Coburg auch künftig gut geht. Die kommunale
Wirtschaftspolitik muss sich deshalb auf anstehende Transformationen konzentrieren und diese unterstützen, z.B. durch notwendige Infrastrukturen.
Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste): Ich werde das Gespräch suchen mit ortsansässigen Unternehmen und Betrieben. Dort kann man sich über Wege und
Ziele austauschen und überlegen, wie man diese gemeinsam gehen kann. Der Gewerbesteuersatz Coburgs ist schon unternehmerfreundlich. Darüber hinaus bietet
Coburg bei den weichen Standortfaktoren sehr viel, sodass sich neue Arbeitgeber/-nehmer sicherlich schnell von Coburgs Vorteilen überzeugen lassen. Auch der
soziale Frieden in unserer Stadt bietet eine gute Grundlage für ein erfolgreiches Arbeiten und Leben. Die Stadt kann gemeinsam mit den Unternehmen Strategien hin
zu mehr ökologischem Denken und Handeln entwickeln. Ich denke, dass Unternehmen hier schon relativ weit sind. Sicher kann das digitale Gründerzentrum auch da
Impulse geben. Klimaschutz muss Chefsache sein.
Michael Zimmermann (FDP): Es gibt im Rahmen des demographischen Wandels eher das Problem Fachkräfte anzuwerben. Hier gilt es als Stadt die Arbeitgeber zu
unterstützen. Andererseits gibt es Anzeichen der konjunkturellen Eintrübung. Die Autoindustrie und die Zulieferer stehen vor großen Herausforderungen. Die Stadt
muss hier weiter aktive Industriepolitik zum Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze betreiben. Es braucht aber auch Unterstützung von „start up“ Unternehmen
und hier hilft das digitale Gründerzentrum. Ich bekenne mich ausdrücklich zum Klimaschutz auch auf kommunaler Ebene. Hierzu sind geeignete effiziente Maßnah-
men zu ergreifen. Ökologie und Ökonomie müssen in Einklang gebracht werden. Es wird politische Vorgaben geben, aber die müssen für die Wirtschaft klar planbar
und umsetzbar sein.6 Kommunalwahl 2020
Michael Partes (ÖDP): Ich werde die Unternehmen in der Entwicklung am Standort Coburg besonders dadurch fördern, dass ich ein kulturelles, schulisches, sport-
und freizeitliches Angebot schaffe, dass junge Mitarbeiter mit ihren Familien sehr gerne nach Coburg kommen. Dank eines lebenswerten Wohnumfeldes werden ihre
Kinder zu motivierten und engagierten Mitarbeitern, weil sie sich in ihrem gesamten privaten Umfeld wohlfühlen. Ich kann mir zum Glück keine Wettbewerbsnachtei-
le zu Nachbarregionen vorstellen und bin daher sehr auf Ihre Erfahrungsberichte gespannt. Das digitale Gründerzentrum sollte uns ermöglichen neue clevere, digitale
Geschäftsideen für die Region und in der Region mit Nähe zu unseren Betrieben zu entwickeln und schnellstmöglich zu implementieren. Klima: Nr. 1 Wasserstofftank
René Hähnlein (Linke): Ich will Coburg in eine attraktive und weltoffene Hochschulstadt mit dynamischen und innovativen Unternehmen, gesunder Umwelt und
hoher Lebensqualität für die Menschen entwickeln.
Start-up-Unternehmen aus Praxis und Wissenschaft muss öffentliches Risikokapital und entsprechende Gewerbegrundstücke zur Verfügung gestellt werden.
Das digitale Gründerzentrum muss hierbei eine zentrale und vor allem stark koordinierende Funktion übernehmen.
Ich will die Investitionen in erneuerbare Energie erhöhen und dezentrale Erzeugungs- und Versorgungsstrukturen in Coburg fördern.
Ich unterstütze kommunale Programme für klimafreundliche Elektrogeräte oder Repair-Cafes und eine Solardachpflicht für städtische Gebäude.
2. Themenfeld Stadtentwicklung
Im Wettbewerb um kluge Köpfe für attraktive Arbeitgeber ist eine lebendige Stadt mit hoher
Aufenthaltsqualität unabdingbare Voraussetzung.
• Wie kann es gelingen, Coburg als Wohn- und Lebensraum für die klugen Köpfe und fleißigen Hände, also
die High-Potentials in unserer Leistungsgesellschaft, attraktiver zu gestalten?
• Die Wirtschaft spricht sich seit langem für ein Tagungs- und Kongresshotel in unmittelbarer Nähe des
Kongresshauses aus, um positive Signale für die nachhaltige, zukunftsorientierte Weiterentwicklung unse-
rer Wirtschaftsregion Coburg zu setzen. Wie beurteilen Sie unsere Chancen als Tagungs- und
Kongressstandort und welches Umsetzungskonzept präferieren Sie?
• Die Schlossplatz-Tiefgarage ist für die Belebung des Quartiers im Bereich östliche Innenstadt von ganz
ausschlaggebender Bedeutung zur Stärkung von Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie, steigert die
Attraktivität für Besucher des Landestheaters und reduziert den Parksuchverkehr. Das Ensemble von Ehren-
burg, Landestheater und Palais Edinburg soll nicht durch parkende Autos zerstört werden. Wie stehen Sie
zum Bau der Schlossplatz-Tiefgarage und welche Schritte werden Sie zur Realisierung unternehmen?
Christian Meyer (CSU): Mit dem Güterbahnhof und dem Sanierungsgebiet Steinweg haben wir großes Potenzial, um Coburg in den nächsten Jahren weiter zu
entwickeln – dieses müssen wir unbedingt nutzen! Wichtig ist, dass eine ganzheitliche Planung des gesamten Coburger Südens entwickelt und in einem transparen-
ten Verfahren beschlossen wird. Genau wie bei der Neukonzeptionierung des Kongresswesens, die ich für dringend nötig halte - unter Berücksichtigung notwendiger
neuer Übernachtungsmöglichkeiten. Es muss uns auch gelingen die Marke Coburg zu stärken. Wir müssen ein attraktives Profil und Alleinstellungsmerkmal erarbei-
ten - und dieses mit Begeisterung nach außen tragen. Eine Quartiersgarage im östlichen Teil ist erforderlich. Aktuell wird durch die Stadt eine Machbarkeitsstudie der
möglichen Standorte erstellt.
Dominik Sauerteig (SPD): Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass wir in Coburg, was Entlohnung und weiche Standortfaktoren betrifft, schon jetzt gut
aufgestellt sind. Dieses gute Fundament bei Kinderbetreuung, Pflege, Kultur, Wohnen und Freizeitgestaltung gilt es ebenso auszubauen wie Bildungsangebote und die
verkehrliche Anbindung in alle Himmelsrichtungen. Dann werden wir noch attraktiver im Wettbewerb um die Köpfe für morgen. Ein Kongresshotel muss intensiv
diskutiert werden: Wo und in welcher Größe bringt es für Coburg, seine Wirtschaft und die Bewohner wirklich etwas? Für mich ist der Rosengarten tabu. Grundsätz-
lich sind mir nachhaltige Ansätze, die die Einwohner von Coburg, die Bildung und die Infrastruktur langfristig voranbringen, wichtiger als teure Bauten. Das gilt auch
für die Schlossplatz-Tiefgarage.
Christian Müller (CSB): Coburg ist mit seinen Soft Skills gut aufgestellt. Das bestehende hohe Niveau von Bildung, Kultur und Lebensqualität in der Stadt muss
noch besser vermarktet werden. In der Bauleitplanung ist darauf zu achten, dass Gebiete ausgewiesen werden, in denen sich Leistungsträger eine Heimstatt schaffen
können.
Für Coburg besteht Potenzial als Kongressstandort. Dieses kann nur mit optimalen Rahmenbedingungen wirklich ausgeschöpft werden. Ein modernes Kongresswesen
benötigt ein kombiniertes Kongresszentrum mit integriertem Hotel. Die ideale Konzeption wird in dem von unserer Fraktion angestoßenen Planungsprozess
entwickelt.
Eine Schlossplatztiefgarage ist nicht mehr zeitgemäß. Die CSB bevorzugen eine Parkierungsanlage auf dem Grundstück hinter dem Theaterbetriebsamt.
Thomas Apfel (WPC): Eine Stadt muss attraktiv für alle sein. Eine Innenstadt, die Aufenthaltsqualität bietet, Einkaufs-, Kultur- und Freizeitangebote vorhält, wird
automatisch mit Leben gefüllt. Hier gilt es den Status quo auszubauen und mit einer Leerstandsabgabe für Gewerbeflächen einem Attraktivitätsverlust der
Innenstadt entgegenzuwirken. Derzeit entsteht ein Gutachten, das Chancen und Zukunft Coburgs als Kongressstadt untersucht. Gehen wir nach dem Ergebnis
lösungsorientiert in die Diskussion. Weder ein Fortbestand des Kongresshauses noch der Standort eines Hotels im Rosengarten sind für mich gesetzt. Die SPTG wird
realistisch nicht umsetzbar sein. Als Entlastung für das Quartier und Angebot für den Einzelhandel muss zeitnah eine Parkpalette in unmittelbarer Nähe des Schloss-
platzes gebaut werden.Kommunalwahl 2020 7
Ina Sinterhauf (Grüne): Konzepte der Stadtentwicklung dürfen sich nicht am Heute orientieren, sondern müssen weiter voraus denken und ein Coburg 2040
entwerfen. Dieses Coburg hat seine Mobilität verändert, der Individualverkehr spielt eine weitaus kleinere Rolle als heute. Ein zusätzliches Parkhaus sehe ich daher als
unnötig an.
Als Tagungs- und Kongressort muss Coburg eine zukunftsfähige Nische finden, statt in Konkurrenz zu umliegenden Städten zu treten. Die bauliche Lösung folgt erst
dann dem schlüssigen inhaltlichen Konzept.
Coburg ist als Wohn- und Lebensort attraktiv - in der Außendarstellung steht aber vielleicht zu sehr die Historie im Mittelpunkt. Eine positive Stadtentwicklung
entlang von Zukunftsthemen (z. B. Klimaneutralität, Arbeiten 4.0) und eine entsprechende Außenkommunikation werden das ändern.
Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste): Der Immobilienmarkt in Coburg ist annähernd ausgeschöpft. Nachverdichtung soll mit Gefühl für die Stadt passieren.
Es braucht mehr Stadtgrün, um eine höhere Aufenthaltsqualität zu gewährleisten. Im Bereich des früheren DSZ ist noch Platz für viele Wohnungen. Vielleicht kann da
die IHK gemeinsam mit dem Investor weiterarbeiten.
Wir haben erfahren, dass Coburg Potential für Kongresse von 450 - 600 Personen zugeschrieben wird. Kann dies mit Räumlichkeiten des Kongresshauses gestemmt
werden? Wie kann das Globe eingebunden werden (nach Interimszeit)? Brauchen wir mehr Hotelkapazität?
Den Bau einer Schlossplatztiefgarage sehe ich als nicht realisierbar an, im neuen Parkraumkonzept finden sich Alternativen. Das Thema Schlossplatztiefgarage spaltet
Coburg. Das kann nicht im Interesse der IHK sein.
Michael Zimmermann (FDP): Es gilt junge Familien in Coburg anzusiedeln. Hier spielt die Qualität der Bildung bei der Wahl des Wohnortes eine Hauptrolle. An der
Ausstattung der Schulen wird nicht gespart. Kitas sollen in Zukunft komplett kostenfrei sein. Die Vereine brauchen Unterstützung. Erschwingliches Bauland soll auch
im Stadtbusbereich ausgewiesen werden. Coburg braucht ein Tagungs- und Kongresshotel in unmittelbarer Nähe zum Kongresshaus. Ich bin für den Erhalt und
Umbau des bestehenden Kongresshauses. Ein kleiner Bereich des Rosengartens kann hierfür genutzt werden, bei ansprechender Gestaltung und ökologischen
Ausgleichsflächen. Mir ist eine lebendige Innenstadt zu wichtig. Für den benötigten Parkraum ist der Bau der Schlossplatztiefgarage die vernünftigste Lösung.
Michael Partes (ÖDP): Ich glaube, dass die High-Potentials keine anderen kulturellen und sportlichen Angebote erfordern als unsere anderen Bürgerinnen und
Bürger, sodass keine Spaltung der Gesellschaft erfolgt.
Ich bin für ein Kongresshotel in der Nähe des Kongresshauses, das aus wirtschaftlichen Gründen keine Räume vorhalten sollte, welche heute schon im KH vorhanden
sind. Der ganze Komplex ist für mich jedoch ein Wirtschaftsbetrieb, der sich selbst tragen muss und die Stadt von der Subventionierung des Kongresshauses mit
derzeit jährlich 1 Million Euro entlastet.
Eine Tiefgarage halte ich für die Belebung des Quartiers nicht für wünschenswert. Ich kann mir bestenfalls eine Garagenanlage vorstellen, die hinter den Arkaden in
den Berg eingebaut wird und den Hofgarten nicht gefährdet.
René Hähnlein (Linke): Es herrscht Mangel an günstigen Wohnungen gerade auch für Studierende. Investitionen in den sozialen Wohnungsbau sind notwendig.
Coburg muss altersgerechte, barrierefreie Wohnungen bauen. Coburg braucht ein bedarfsgerechtes und qualitativ hochwertiges Ganztagesbetreuungsangebot für
alle Kinder von Anfang an. Zusätzlich ausreichend gebührenfreie Kitaplätze zur Betreuung von Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr.
Ein Kongresshotel unterstütze ich. Coburg hat einen Bedarf dafür. Zusätzlich wird das Defizit des Kongresshauses in Höhe von mehreren 100.000 € jährlich gesenkt,
bestehende Arbeitsplätze erhalten und ausgebaut. Die Standortfrage ist durch die Stadt und die Investoren zu klären.
Ohne ein tragfähiges Finanzierungskonzept sehe ich mittelfristig nur wenig Chancen für dieses Projekt.
© AdobeStock I Iakov Filimonov
3. Themenfeld Bildung, Fachkräfte und Wissenschaft
Um die Prosperität unseres Coburger Wirtschaftsraums zu erhalten, spielt Bildung die wesentliche
Rolle, in besonderem Maße auch für die Mitarbeiter Coburger Unternehmen.
• Was wollen Sie konkret veranlassen, um die technische und personelle Ausstattung der allgemeinbildenden
und berufsbildenden Schulen in Coburg zu verbessern, um auch die Vermittlung digitaler Kompetenzen zu
fördern?
• Wie kann nach Ihrer Einschätzung die Kommunalpolitik dazu beitragen, die Attraktivität der international
anerkannten, in Coburg besonders erfolgreichen dualen Berufsbildung weiter zu fördern, und/oder welche
sonstigen kommunalen Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Fachkräftebedarf in Coburg nachhaltig zu
sichern?
• Wodurch wollen Sie die Rolle der Hochschule Coburg als Innovationstreiber, Impulsgeber und Fachkräfte-
schmiede weiter stärken und welche Chancen kann dazu das Areal Schlachthof/Güterbahnhof
(Prinz-Albert-Campus) bieten?
Christian Meyer (CSU): Neben der konsequenten Breitbandanbindung und der Umsetzung der Initiative BayernWLAN@school ist der Ausbau der „digitalen
Klassenzimmer“ weiter voranzutreiben, flankiert durch eine Weiterbildungsoffensive für Lehrkräfte im Bereich Digitalisierung. Duale Berufsbildung steht gleichwertig
neben akademischer Bildung und ist wesentlicher Pfeiler für den Erfolg der heimischen Wirtschaft. Die regionalen Kammern mit ihren Kompetenzen gilt es zu
bewahren und die Bedeutung der dualen Berufsbildung an den Schulen stärker zu kommunizieren. Der Wissenstransfer von Hochschule – Wirtschaft – Gesellschaft
soll aktiv durch die Stadt Coburg gestärkt werden: Durch den Ausbau „Band der Wissenschaften“, „Prinz Albert Campus“, sowie Bündelung und Förderung von
Start-up-Kompetenzen am Schlachthofgelände.8 Kommunalwahl 2020 Dominik Sauerteig (SPD): Bildung ist ein ursozialdemokratisches Thema. Wir werden allen Schulformen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen und sie möglichst ideal und zukunftsorientiert ausstatten. Fachkräftebedarf besteht sowohl im Bereich der Industrie, als auch im Handwerk. Dort ist es von zentraler Bedeu- tung, dass wir von Seiten der Kommunalpolitik alles daran setzen, das BTZ in Coburg zu halten. Ein diskutiertes Kooperationsmodell mit der Hochschule sehe ich hier als Ergänzung. Das Güterbahnhofsgelände ist bereits ein Entwicklungsareal, dem wir sehr viel Aufmerksamkeit und Unterstützung widmen und weiterhin widmen werden. Dort entsteht Zukunft. Es soll allerdings nicht nur Satellit der Hochschule sein, sondern auch lebendiger Begegnungsort für alle Coburger werden. Christian Müller (CSB): Die inhaltliche Ausrichtung des Unterrichts an den Schulen ist Aufgabe des Staates. Dieser hat auch qualifiziertes Lehrpersonal zu stellen. Die Stadt muss für zeitgemäße IT-Ausstattung sorgen. Hierfür sind ausreichende finanzielle Mittel im Haushalt einzustellen. Die Kommunalpolitik muss durch nachhaltige Sicherung der Rahmenbedingungen im Bildungsbereich als Partner der Wirtschaft den Standort für junge Menschen attraktiv halten. Der Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft ist zu fördern. Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Hochschule am Prinz-Albert-Campus sind durch ein bedarfsgerechtes Immobilienmanagement für die Hochschule zu fördern. Für stetige Kommunikation werde ich einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung einrichten. Thomas Apfel (WPC): Allein mit dem Masterplan Bayern digital II hat die Staatsregierung Mittel in Millionenhöhe bereitgestellt um die digitale Ausstattung unserer Schulen und gleichzeitig die Kompetenzen der Lehrkräfte zu verbessern. Ziel muss es sein, solche Fördertöpfe zu erschließen und die Maßnahmen schnell umzusetzen. Politik und Verwaltung können Rahmenbedingungen beeinflussen, die der Wirtschaft helfen, geeignete Fachkräfte zu bekommen. Ein stetiger Dialog mit Wirtschafts- und Hochschulvertretern muss Bedarfe abfragen, Lösungsansätze erarbeiten und die Potentiale der Stadt, wie das Güterbahnhofsareal konsequent mit einbeziehen. Schon heute sind die Projekte zukunftsweisend und verdeutlichen die Innovationskraft unserer Region. Das gilt es in Zukunft konsequent auszubauen und bundesweit zu bewerben. Ina Sinterhauf (Grüne): Die Vermittlung digitaler Kompetenzen benötigt nicht nur Tablets und Laptops, sondern neue Lehr- und Lernkonzepte. Es muss daher verstärkt in die Weiterbildung von Lehrkräften investiert werden. Auszubildende und Studierende in Coburg kommen zu einem großen Teil aus der Region. Ihnen hier eine berufliche Perspektive und Lebensqualität zu bieten, gelingt in Kooperation von Kommune und Unternehmen. Duale Ausbildung und Studium können sich durch Kooperationen gegenseitig befruchten. Die beiden bisherigen Standorte der Hochschule sind flächenmäßig nahezu ausgereizt und könnten durch kleinere Maßnahmen allenfalls optimiert werden. Ein neuer Campus am Güterbahnhofsgelände, z. B. im Bereich Gesundheit, der in enger Verzahnung mit der Stadtentwicklung geplant wird, ist sinnvoll. Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste): Es gibt den Digitalpakt Bayern, Betreuung/Wartung der Hardware durch die Stadt, Fortbildungen für Lehrende, nicht nur in Informatik wird fit für die digitale Zukunft gemacht. Berufsspezifische Kenntnisse werden in der Ausbildung vermittelt. Die duale Ausbildung ist international anerkannt, auch das Coburger IHK-Ausbildungsmodell 1 + 3. Die Coburger Unternehmen sollten noch enger mit den Schulen zusammenarbeiten. Bei der Zusammen- arbeit mit der Hochschule kann die Stadt Coburg als Wegbereiter/Mittler agieren. Die Hochschule ist für alle Beteiligten - auch für die Coburger Unternehmen - eine Bereicherung und die Möglichkeit des gegenseitigen „Befruchtens“. Das Schlachthof-/Güterbahnhofsgelände ist ein Innovationsmotor. Für eine Erweiterung des Campus biete ich Gespräche an und Unterstützung. Michael Zimmermann (FDP): Die Stadt hat in den Schulen für eine optimale Ausstattung zu sorgen und dazu gehört auch die technische Ausstattung im Rahmen der Digitalisierung. Ich bekenne mich ausdrücklich zum Erfolgsmodell der dualen Bildung. Ich fordere deshalb nicht nur freie Bustickets für Schüler, sondern explizit auch für Auszubil- dende. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt – Stichwort Industrie 4.0. Die Stadt soll deshalb Bildungseinrichtungen zur beruflichen Weiterbildung unterstüt- zen. Ein weiterer Campus am Güterbahn/Schlachthofgelände muss entstehen. Die verkehrstechnische Anbindung ist sicherzustellen. Konkret könnte dies auch durch innovative Konzepte wie autonom fahrende Busse oder eine Seilbahn geschehen. In jedem Fall muss die Stadt die Hochschule durch gemeinsame Projekte fördern. Michael Partes (ÖDP): Es kann sein, dass über den Digitalpakt Bayern hinaus Förderungen wünschenswert sind. Zunächst sollte jedoch das von der Staatsregierung mit sehr viel Vorschusslorbeeren gerühmte Paket implementiert werden, bevor über Weiterungen sinnvoll entschieden werden kann. Müssen wir unseren Standortvorteil unbedingt nach außen tragen oder sollten wir ihn nicht vor allen Dingen zum Vorteil der hiesigen Wirtschaft weiterentwickeln? Der Fachkräftebedarf wird nachhaltig gesichert, wenn die Unternehmen attraktive Arbeitgeber sind. Das weiß die IHK selbst viel besser, als ich als OB-Kandidat das beurteilen könnte. Die Hochschule ist für mich dann sehr gut unterstützt, wenn kreative Köpfe nach Coburg wollen, weil die hiesigen Unternehmen und die Stadt die vielfältigsten beruflichen Möglichkeiten bieten. René Hähnlein (Linke): Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für Industrie – aber auch Gesellschaft, um Wertschöpfungen, Know-how und Köpfe in der Region zu halten und natürlich zu vermehren. Schaffung eines Bildungsplanes/Bildungskonzeptes „Digitaler Wandel/Bildung im 21. Jahrhundert“ für Stadt und Landkreis Coburg. Schaffung Stabsstelle/Amt „Digitaler Wandel/Bildung im 21. Jahrhundert“ in Verantwortung des Oberbürgermeisters der Stadt Coburg. Als OB werde ich die Arbeit der Wifög, IHK, Globe GmbH und der HS zur Erschließung dieses Areals unterstützen. Start-up-Unternehmen aus Praxis und Wissenschaft muss öffentliches Risikokapital und entsprechende Gewerbegrundstücke zur Verfügung gestellt werden.
© Stock Adobe | volff Kommunalwahl 2020 9
4. Themenfeld Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)
Eine leistungsfähige IKT-Infrastruktur ist zentraler Standortfaktor für die Zukunft unserer
Unternehmen.
• Wie werden Sie strategisch den weiteren Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes sicherstellen?
• Welche Schritte werden Sie konkret ergreifen, um Coburg als 5G-Modellregion zu etablieren?
• E-Government ist ein wesentliches Instrument zum Bürokratieabbau. Welche digitalen Angebote für
Unternehmen werden Sie vordringlich vorhalten?
Christian Meyer (CSU): Coburg hat sich einen Namen als digitale Stadt gemacht, doch das Tempo der Veränderung nimmt zu und die digitale Infrastruktur ist das
Herz-Kreislauf-System einer zukunftsfähigen Stadt. Wir wollen daher Teil des Programms „Smart City“ der Bundesregierung werden - damit Coburg langfristig
fortschrittlicher, ökologischer und effizienter wird. Ein flächendeckender Glasfaser- und 5G-Ausbau sind unabdingbar, um neue Geschäftsmodelle ortsunabhängig
und wettbewerbsgleich zu den Ballungszentren zu etablieren. Dafür müssen neben den Kommunen auch Land und Bund ins Boot geholt werden. E-Government-
Lösungen ermöglichen effiziente Prozessabläufe zwischen Bürger, Unternehmen und Verwaltung. Mein Ziel ist, bestehende Abläufe zu analysieren und, wo möglich,
durch leistungsfähige digitale Angebote zu optimieren.
Dominik Sauerteig (SPD): Bestandsunternehmen und Neuansiedlungen sind auf eine gute digitale Infrastruktur angewiesen. Wir benötigen neben flächendeckend
schnellen Glasfaserverbindungen auch ein flächendeckendes Mobilfunknetz in 4G- und 5G- Qualität. Die leider noch immer bestehenden Funklöcher sind zeitigst zu
beseitigen. Hierauf werde ich hartnäckig pochen – gemeinsam mit den Vertretern der Kommunen im Landkreis und dem Landratsamt. Im Bereich des E-Governments
ist es mein Anliegen, dass wir zum Wohle der Unternehmen alle Vorgänge „kundenorientiert“ schnell und unbürokratisch abwickeln. Nichtsdestotrotz ist es auch
notwendig, im Hinblick auf die älter werdende Bevölkerung analoge Kommunikationswege in gewohnt hoher Qualität aufrecht zu erhalten. Analog und Digital auf
Augenhöhe sozusagen.
Christian Müller (CSB): Die Anstrengungen der SÜC sind weiter zu unterstützen. Investitionen in den Glasfaserausbau sind im Haushalt und der Investitionsplanung
weiter vorzusehen.
Bei den Netzbetreibern ist für den Ausbau zu werben. Mit einem kommunalen Standortmanagement ist eine Akzeptanz neuer Sendetechnik herbeizuführen.
In Stadtbauamt-Stadtplanung ist hierfür eine entsprechende Stelle zu schaffen.
Ein digitales Rathaus ist ein wichtiges, serviceorientiertes Angebot für die Wirtschaft. Ein Online-Zugang zur Verwaltung ist in allen Bereichen zu ermöglichen.
Besonders in standardisierten Verfahren sind bedienerfreundliche Portale bereitzustellen. Städtische Informationen sind online abrufbar bereitzustellen.
Thomas Apfel (WPC): Mit SÜC und SÜC Dacor haben wir in Coburg starke lokale Partner in städtischem Eigentum, mit denen wir den Digitalausbau weiter voran-
treiben. Eine erste Forderung von mir ist ein flächendeckendes, kostenloses W-LAN im Innenstadtbereich. Der Glasfaserausbau, gerade für unsere Unternehmen muss
forciert werden. Der 5G-Standard ist zwingende Voraussetzung für die nächsten Entwicklungen in Wirtschaft und Forschung. Die gesamte Region muss ,wo immer
möglich, der Bewerbung von SÜC Dacor um die 5G-Modellregion Nachdruck verleihen. Im Bereich E-Government ist Coburg bereits deutlich besser aufgestellt als der
Durchschnitt. Gemeinsam mit den Unternehmen müssen zusätzliche Bedarfe ermittelt werden. Gerade in den Bereichen Meldepflichten, Genehmigungs- und
Zulassungsverfahren ist noch Luft nach oben.
Ina Sinterhauf (Grüne): Im Breitbandnetz bestehen signifikante Lücken, die durch den Glasfaserausbau geschlossen werden müssen.
Das Mobilfunknetz befindet sich nicht in städtischer Hand, die Kommune kann durch Bereitstellung von Liegenschaften den Ausbau fördern. Der Ausbau der Coburg-
Hotspots über stark frequentierte Orte hinaus soll fortgesetzt werden.
Der flächendeckende Ausbau des Mobilfunkstandards 5G in Coburg ist notwendig, muss aber unter Berücksichtigung gesundheitlicher Belastungen erfolgen
(z. B. Salzburger Modell). Eine Bewerbung als Modellregion ist der erste Schritt.
Die Digitalisierung aller gesetzlich möglichen Vorgänge ist das Ziel, wobei Prozesse nicht 1:1 übersetzt, sondern neu strukturiert werden müssen. Unabdingbare
Voraussetzung ist eine hohe Datensicherheit und Nutzungsfreundlichkeit.
Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste): Die Stadt Coburg hat sich bereits auf den Weg gemacht, die Verwaltungsakten zu digitalisieren. Hier muss die Bevölkerung
mitgenommen werden. Die Unternehmen haben eigene digitale Prozesse, die sie lösen müssen. Kommt es zu Überschneidungen und gemeinsam nutzbaren Inhalten,
ist eine Zusammenarbeit anzustreben.
Hinsichtlich einer Modellregion 5G sehe ich die Notwendigkeit, vor allem für die Industrie 4.0, allerdings aber auch die gesundheitlichen Bedenken.10 Kommunalwahl 2020
Michael Zimmermann (FDP): Alles was die Stadt und die städtischen Unternehmen beitragen können, den Ausbau von Breitband- und Mobilfunk voranzutreiben,
genießt aus meiner Sicht Priorität.
Coburg ist ein starker Industriestandort und dies soll auch so bleiben. Neue Entwicklungen wie die Industrie 4.0 brauchen den 5G-Standard und es gilt diesen auch in
Coburg schnellstmöglich umzusetzen. Die Stadt muss alles tun, um sich als Modellregion 5G zu etablieren. Auch in der Verwaltung Coburgs müssen konsequent die
Chancen der Digitalisierung genutzt werden. Dies dient auch dem Bürokratieabbau. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Anträge, wie z. B. Bauanträge, regelhaft in
digitaler Form eingereicht werden können. Hier sehe ich in Coburg noch viel Verbesserungspotential im Sinne der Bürger und der Unternehmen.
Michael Partes (ÖDP): Der leitungsgebundene Breitbandausbau hat für mich die allerhöchste Priorität.
Im 4G-Mobilfunknetz müssen schnellstens etwaige regionale Funklöcher gestopft werden und zwar nicht durch kommunale Mittel, sondern durch die Marktwirt-
schaft selbst, weil diese einen Attraktivitätsverlust des Wirtschaftsraumes darstellen.
Solang die Unbedenklichkeit der 5G-Strahlung nicht wissenschaftlich fundiert ist, möchte ich der Empfehlung von Prof. Armin Grunwald, Leiter des Büros für
Technikfolgenabschätzung beim Dt. Bu-Tag, folgen, der von einem „Experiment am Menschen“ spricht, und Coburg nicht zur 5G-Modellregion machen. Mir ist die
gesundheitliche Unversehrtheit der Bürgerinnen und Bürger so wichtig, dass ich sie nicht zu Versuchskaninchen degradieren werde.
René Hähnlein (Linke): Den Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes unterstütze ich als OB. Dazu sind allerdings ausreichende Investitionsmittel in den Haus-
haltsplan einzustellen. Dies ist in der Vergangenheit nicht geschehen.
Mobile Kommunikation ist eine Frage moderner Daseinsvorsorge und Chancengerechtigkeit. Fehlender Zugang zu schnellen und stabilen mobilen Verbindungen wie
5G ist ein Hemmschuh für Teilhabe, für Wertschöpfung durch moderne Dienstleitungen und für die regionale Wirtschaft. Die mangelhafte Mobilfunkversorgung ist
ein hausgemachtes Problem.
Um E-Government umzusetzen, werde ich eine Stabsstelle/Amt „Digitaler Wandel/Bildung im 21. Jahrhundert“ in Verantwortung des Oberbürgermeisters der Stadt
Coburg schaffen.
© SIMONE BASTIAN
5. Themenfeld Verkehrsinfrastruktur
Für Mobilität, Transport und weitere erfolgreiche Entwicklung unserer Unternehmen ist eine
moderne, leistungsfähige und zukunftssichere Infrastruktur für alle Verkehrsträger elementare
Voraussetzung.
• Die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus des ICE-Systemhalts am Bahnhof Coburg steht außer Frage. Durch
welche Schritte wollen Sie die Deutsche Bahn überzeugen und motivieren, die Frequenz der ICE-Halte bis hin
zu einem Systemhalt am Bahnhof Coburg auszubauen?
• Der Schienenlückenschluss zwischen Coburg und Südthüringen ist seit vielen Jahren von Wirtschaft und
Politik gewollt. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für Sie als künftiger OB und wie werden Sie das Projekt
konkret „auf die Schiene setzen“?
• Kommunen sollten bei der Mobilität ihrer Bürger vorausschauend agieren und intelligente Verkehrs- und
Mobilitätskonzepte entwickeln. Welche Ansätze verfolgen Sie, um durch smarte Verknüpfung aller Verkehrs-
träger wie ÖPNV, Pkw, Lkw, Fahrrad und Sharing-Angebote die Erreichbarkeit der Coburger Innenstadt
sicherzustellen?
• Wie stehen Sie zum vierspurigen Ausbau der B4 im Weichengereuth konkret?
Christian Meyer (CSU): Der Schienenlückenschluss zu Südthüringen hat hohe Priorität – auch weil dies den ICE-Halt weiter stärkt. Das CSU-Netzwerk über die
Bayerische Landesregierung ist hier zu nutzen und darüber in den Dialog mit Thüringen zu treten. Eine flankierende Unterstützung durch die heimischen Kammern ist
unabdingbar, da hier nur Wirtschaft und Politik gemeinsam das Ziel erreichen können. Das Programm Smart City umfasst die Themenkomplexe smarte Mobilität, wie
ein intelligentes Parkleitsystem, Carsharing-Modelle und gebündelte, vereinfachte ÖPNV-Navigation. Eine Optimierung der derzeitigen Einfahrt nach Coburg ist nötig
– allerdings gut überlegt und ganzheitlich geplant. In diesem Zug sollte auch räumliche Anbindung der Hochschule und die Nähe zum zukünftigen „Kreativ-Zentrum“
Güterbahnhof bedacht werden.
Dominik Sauerteig (SPD): Ich selbst bin regelmäßig Leid geprüfter Bahnfahrer. Der ICE-Systemhalt ist ein wichtiger Baustein. Vergessen werden darf dabei aber
nicht, dass wir als starker Wirtschaftsstandort eine gute Bahnanbindung in alle Himmelsrichtungen benötigen, auch nach Südthüringen. Im Verkehr gilt allgemein:
Vertaktung und Vernetzung sind hier von entscheidender Bedeutung. Es gilt weiter, gemeinsam mit der IHK und anderen regionalen „Playern“ hartnäckig gegenüber
den Verantwortlichen bei der Bahn und in Bundes- und Landespolitik zu sein. Das Hin- und Herschieben vom Verantwortlichkeiten dürfen wir nicht akzeptieren. Einen
vierspurigen Ausbau im Weichengereuth lehne ich ab. Wir brauchen intelligente Lösungen, die die Verkehrssicherheit erhöhen und nicht überteuerte Projekte zulasten
der Coburger Bürger.Kommunalwahl 2020 11 Christian Müller (CSB): Das Bahnhofsumfeld ist in seiner Attraktivität aufzuwerten. Hierzu gehört insbesondere eine Fahrradunterstellanlage. Der ÖPNV ist auf die Bahnanschlüsse abzustimmen. Die Fahrgastnachfrage ist hierdurch zu erhöhen. Der Schienenlückenschluss ist ein wichtiger Baustein zur Aufwertung des Bahnknotens Coburg. Gemeinsam mit den Landkreisen unseres Einzugsgebietes werde ich beim Bund und den Freistaaten Bayern und Thüringen die Verwirklichung nachdrücklich einfordern. Die Verkehrsplanung muss auf eine Vernetzung der Verkehrsträger angelegt werden. Der vorhandene Verkehrsraum muss dabei unter den verschiedenen Verkehrsarten sachgerecht aufgeteilt werden. Die prognostizierten Belastungszahlen machen den 4-streifigen Ausbau des Weichengereuths nicht erforderlich. Thomas Apfel (WPC): Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik müssen von der Deutschen Bahn weiterhin gemeinsam und vehement die weitere Verbesserung der Anbindung fordern. Zudem sollte eine Expressverbindung in Richtung Erfurt geprüft werden. Ich will Zuständigkeiten rund um das Thema Mobilität zentral bün- deln. Allein mit dem Input, den es in unserer Region aus der Automobil-Zulieferindustrie, der Hochschule und Instituten gibt, ließe sich hier eine Zusammenarbeit auf einem bundesweit beachtenswerten Level initiieren. Wenn wir es schaffen, das Thema Mobilität als einen Schmelztiegel für all die Ideen aus der Region zu nutzen, wäre das ein erster und aus meiner Sicht grandioser Schritt in die richtige Richtung. Mit mir als Oberbürgermeister wird es keinen vierspurigen Ausbau im Bereich Weichengereuth geben. Ina Sinterhauf (Grüne): Der Lückenschluss nach Südthüringen ist überfällig. In Absprache mit den beteiligten Landkreisen und Kommunen muss aus den Konzepten endlich ein umsetzbares Vorhaben werden. Diese regionale Anbindung gibt (neben den aktuellen bereits positiven Fahrgastzahlen) den ICE-Halten in Coburg darüber hinaus eine zusätzliche Bedeutung. Die Mobilität im Stadtgebiet wird sich in Richtung Klimaneutralität verändern. Verkehrsträger, die dies unterstützen, erhalten Vorrang im Mobilitätskonzept: gute P+R-Anbindung, Anpassung der Fahrtzeiten verschiedener ÖPNV-Angebote untereinander, Leihfahrräder für Pendler*innen, Ausbau von Radwegen etc. sind wichtige Bausteine dazu. Der Individualverkehr kann über Car-Sharing ermöglicht werden. Der vierspurige Ausbau im Weichengereuth ist dagegen unnnötig. Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste): Hohe Fahrgastzahlen und die hohe Nutzerfrequenz des ICE-Standortes Coburg sprechen für sich. Mehr ICE-Halte sind vollkommen zu unterstützen. Ebenso ist der Lückenschluss nach Südthüringen wichtig, ich unterstütze ihn und treibe ihn voran. Da bestehen allerdings noch zu viele nebeneinander liegende Meinungen, das „Ei des Kolumbus“ muss noch gefunden werden. Der ÖPNV muss ausgebaut werden - eine bessere Taktung und angepasste Tarife (z. B. das Modell der Südtirol-Card: Wer viel fährt, zahlt weniger). Außerdem muss der Landkreis mit einbezogen werden. Die alternativen Antriebe sind zu bevorzugen: Elektro, Wasserstoff-Technologie. Wie sich die Forschung im Bereich des autonomen Fahrens entwickelt - ich bin gespannt. Den vierspurigen Ausbau von Weichengereuth lehne ich ab. Michael Zimmermann (FDP): Es braucht sowohl den stündlichen ICE-Systemhalt als auch den Schienenlückenschluss nach Südthüringen. Hier gilt es immer wieder bei der Bahn und in München und in Erfurt Druck auszuüben. Die Zeit dafür ist günstig. Mehr Parkraum im Bahnhofbereich ist notwendig. Ich verweise auf unser S-Bahn-Konzept, das eine höhere Taktung und mehr Haltestellen auf den bestehenden Schienen vorsieht. Ein Fahrradwegekonzept gilt es zügig umzusetzen. Ein Nebeneinander der unterschiedlichen Verkehrsträger gilt es sicherzustellen. Hier sollten Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bei der Verkehrssteuerung bietet genutzt werden. Ein Ausbau der B4 im Weichengereuth ist unumgänglich. Es reicht aus meiner Sicht aber ein zweispuriger Ausbau mit Ampelanlagen und Abbiegespuren mit Finanzierung durch Bundesmittel. Michael Partes (ÖDP): Die höchste Motivation der Bahn müsste eigentlich in der Nutzungsfrequenz liegen. Da ist der Kontakt der IHK zu diesen Entscheidern (CSU) meine einzige Hoffnung. Ich bin ebenso wie die IHK am Lückenschluss sehr interessiert. Hier wird der Ball leider politisch hin und her gespielt, sodass auch hier die IHK für mich der einzige Hoffnungsträger ist. Eine Gleichberechtigung aller Mobilitätsformen, statt der bisherigen, völlig einseitigen Bevorzugung des individuellen Autoverkehrs würde hier ein riesiges Potenzial bieten. Ich liebe Autos, aber nicht unbedingt in der Innenstadt. Den 4-spurigen Ausbau der B4 halte ich total für aus der Zeit gefallen. René Hähnlein (Linke): Die DB davon zu überzeugen, geht nur gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft, der IHK/HWK und unseren Abgeordneten. Für diese Zusammenarbeit werde ich mich einsetzen. Der Lückenschluss mit den Nachbarkreisen unterstütze ich. Damit können wir den Südthüringer Raum für den Standort Coburg erschließen. Als OB werden ich mich bei den Ministerpräsidenten Thüringens und Bayerns dafür einsetzen. Thüringen steht mittlerweile einem Lückenschluss positiv gegenüber. Mittelfristig favorisiere ich das Konzept eines „kostenlosen“ ÖPNV. Ich bin für den Ausbau von Fahrradparkplätzen und den Bau eines zentralen Fahrradparkplatzes am Bahnhof mit Überwachung. Den Zugang von Uber und anderen Fahrdiensten zum Coburger Taximarkt lehne ich ab. Den Ausbau Weichengereuth lehne ich ab.
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